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keinen Gruppen-Lebensstil aus. "If lifestyle is an analytical concept supposed to represent


meaningful pattcrns of cohercnt behaviors, attitudes and values centered around some issue
(in this case 'health'), then empirical explorations need to go beyond measuring single health
behaviors and attitudes and show how such characteristics are linked to each other" (Abel
1991, S. 901).

Eine theoretisch begründete Operationalisierung von Konzepten gesundheitlicher Lebensstile


steht u.E. noch aus. Dies trifft auch auf das sozial-ökologische Lebensweisen-Konzept zu, das
Erben et al. (1986) wie folgt gekennzeichnet haben: "Die Lebensweise einer sozialen Gruppe
kennzeichnet die Gesamtheit von Bedeutungsmustern und Ausdrucksformen, die von ihr im
Verlauf der kollektiven Anstrengungen herausgebildet werden, um die Anforderungen und
Widersprüche der allen Mitgliedern gemeinsamen sozialen Strukturen und Situationen zu be­
wältigen. In der Lebensweise vereinigen sich anforderungsspezifische - d.h. auf die sozialen,
politischen, ökonomischen und kulturellen Umweltbedingungen bezogene -
Bewältigungsleistungen mit zustandsspezifischen, auf das subjektive Empfinden ausge­
richteten Verarbeitungsleistungen" (ebd., S. 86). Dieser Ansatz weist den wichtigen Vorteil
auf, unter Lebensweisen nicht nur solche Handlungsmuster zu subsumieren, in denen sub­
jektiv bewußt auf Gesundheit Bezug genommen wird, sondern auch solche Handlungsmuster
einzuschließen, denen die Individuen keinen gesundheitsbezogenen Sinn verleihen, die jedoch
in mittelbarer Weise für ihr Gesundheitskonzept und auch für ihren Gesundheitszustand von
Bedeutung sind. In der Lebensstil-Forschung klafft eine Lücke zwischen breiteren, jedoch
nicht operationalisierten Ansätzen und den operationalisierten, jedoch dem verkürzten Risiko-
faktoren-Modell verpflichteten Ansätzen.

3. International diskutierte theoretische Ansätze

3.1. Diskussion in Großbritannien

In Westeuropa wurde nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Diskussion über gesund­
heitliche Ungleichheit vor allem durch den zu Beginn der 80er Jahre erstmals publizierten
'Black Report' (Townsend/Davidson 1988) in Gang gebracht. Dieser Bericht faßt die Ergeb­
nisse einer Arbeitsgruppe (the 'Working Group on Inequalities in Health') zusammen, die in
Großbritannien unter Vorsitz von Sir Douglas Black tagte. Ihre Aufgabe war die Zusammen­
stellung und Interpretation von empirischen Angaben zu sozialen Unterschieden in Mortalität
und Morbidität. Die wichtigste Datenquelle bildeten die seit 1921 ca. alle 10 Jahre publi­
zierten Berichte zur Mortalität nach Berufsklassen. In Großbritannien wird auf allen Todesbe­
scheinigungen der Beruf des Verstorbenen vermerkt. Mit Hilfe der ca. alle 10 Jahre statt­
findenden Bevölkerungsbefragungen (vergleichbar dem Mikrozensus in Deutschland) wird
die Gesamtzahl der Beschäftigten pro Berufsklasse erhalten, so daß Mortalitätsraten pro
Berufsklasse errechnet werden können. Dabei werden insgesamt sechs Klassen nach ab­
nehmendem sozioökonomischen Status unterschieden:

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