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Archäologie . Kunst .

Geschichte 1/2017
WUB
Nr. 83, 22. Jg., 1. Quartal 2017 / Heiliges Mahl / EUR 11,30 / Österreich, Luxemburg: EUR 11,80 / SFR 19,- / E 14597 / ISBN 978-3-944766-54-6

Zu Tisch mit den Göttern


Heiliges Mahl
EURO 11,30

ENTDECKUNG Archäologie berühmte


ein denker HEILIGTUM in GEMÄLDE
aus der Lachisch SIMSON
bronzezeit untersucht UND DELILA
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Inhalt 1/2017

10 20 60
Mahlzeiten für die Götter Die fremden jüdischen Mähler Das große Mahl nach dem Fasten

Heiliges Mahl

Wolfgang Baur 8 Hans-Ulrich Weidemann 40


Lebensmittel und Götterspeise „Tut dies zu meinem Gedächtnis“
Was Essen mit Religion zu tun hat Die Mähler der ersten Christen und das letzte Mahl Jesu

Angelika Berlejung 10 Clemens Leonhard 46


Zu Tisch mit Gott Der Tisch wird zum Altar
Kultische Mähler im Alten Orient und in Israel/Palästina Die Entfaltung der christlichen Abendmahlsfeier im 2.-4. Jh.

Benedikt Eckhardt 20 Herbert Fendrich 56


Sag mir, was du isst ... Liturgie, Theologie – und ein bisschen Leben
Die religiöse Dimension des Mahls im antiken Judentum Das letzte Abendmahl in der Kunst

Andreas Merkt 26 Angelika Neuwirth 60


Essen an den Gräbern Ein Fastenmonat, der eigentlich
Die jahrtausendealte Tradition der Mähler ein Mahlmonat ist
mit Verstorbenen WIe entstand der Ramadan?

Jörg Rüpke 32
Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber
Essen in religiösen Zusammenhängen im antiken
Mittelmerraum
Titelbild:
Fresko mit einer Bankettszene. Die Inschrift
„Agape mische!“ deutet auf ein frühchristliches
Mahl hin. Katakombe S. Marcellino e Pietro, Rom.

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Editorial

Foodamentalismus lautet ein


neues Kunstwort, das be-
schreibt, wie sich in manchen
Gesellschaften alles ums Essen
(oder dessen Vermeidung) dreht.
Essen wird zu einer Art Religion.
Das mag angesichts moderner,
teils schon zwangsneurotischer Formen, mit Nahrung
68 umzugehen, absurd erscheinen. Aber es ist auch eine
Tatsache, dass die Aufnahme von Lebensmitteln den
UNESCO: Der Streit um „Tempelberg“ und „Haram al-Sharif“ essenden Menschen im wahrsten Sinn des Wortes
existenziell verändert. So töricht ist es also nicht, dem
Essen hohe Bedeutung beizumessen.

Aus der Welt der Bibel Da Kult und Glaube sich ebenfalls mit der Existenz des
Menschen beschäftigen, mag es kein Zufall sein, dass
Das Neueste aus der Welt der Bibel Religion und Essen seit Tausenden von Jahren verbun-
2
Grablege in der Grabeskirche geöffnet! den sind. Es ist spannend, zu sehen, wie einerseits
Ein Denker aus der Bronzezeit rote Fäden die Zeiten und Kulturen im Umgang mit
der religiösen Mahlkultur durchziehen und wie sich
Büchertipps und Bildrechte andererseits Religionen gerade bei Speisegesetzen
64
und Verhaltensregeln für die Tischgemeinschaft un-
terscheiden. Gerade hier kommt es zu Verwerfungen –
Panorama 66 sei es zwischen Juden und Nichtjuden, sei es zwischen
Lachisch: Torheiligtum aus der Zeit des Königs Hiskija
Gezer: Ein Palast für Salomo?
Christen verschiedener Konfessionen.
Forschung: „Gelebte Religion“ im 1. und 2. Jahrhundert
Wir verfolgen einige Spuren der interessanten Partner-
schaft von Gastronomie und Religion und hoffen, dass
Die Bibel in berühmten Gemälden 74 Sie Appetit bekommen, die Glaubenskulturen einmal
Lucas Cranach der Jüngere:
Simson und Delila von einer ungewöhnlichen Seite zu betrachten.

Auch für diese Ausgabe hatten wir Sie vor rund einem
NEUE REIHE: Reform und Reformation 78 Jahr eingeladen, Vorschläge für thematische Schwer-
in Bibel und Christentum
1. Verfall und Reform – ein biblisches Weltbild:
punkte zu benennen. Erfreulicherweise haben sich
Auf dem Weg zum einen Gott viele Leserinnen und Leser beteiligt. Für uns in der
Redaktion waren Ihre Rückmeldungen sehr hilfreich.
Nun können wir uns mit einem Heft bedanken, das
Die großen Entdeckungen 81 von Ihren Wünschen mitgeprägt ist. Wir wünschen
Der Ecce-Homo-Bogen: Ein heiliger Ort?
Ihnen viel Freude beim Lesen.

Ausstellungen und Veranstaltungen 84


Wolfgang Baur
Vorschau und Impressum 86 Redaktion Welt und Umwelt der Bibel

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Das neueste aus der Welt der Bibel

restauration der grabkapelle in der grabeskirche

Archäologen untersuchen Grablege Jesu

Behutsam ziehen Fachleute der Universität Athen am 26. Oktober 2016


die obere Marmorplatte vor. Darunter kommt eine zweite, zerbrochene
Platte zum Vorschein und darunter eine antike Felsbank. Blick von oben in
den inneren Raum der Grabkapelle, in dem sonst Pilger im Gedenken an
die Auferstehung Jesu beten.

jerusalem Bei Restaurierungen in der material und Geröll sowie eine rissige Grablege seit 1810, dem Zeitpunkt der
Jerusalemer Grabeskirche haben For- weitere Marmorplatte, möglicherweise Errichtung der gegenwärtigen Grab-
scher erstmals seit 200 Jahren die Abde- aus der Zeit der Kreuzfahrer. Unter den kapelle. Zuletzt waren 1555 unter dem
ckungen der als Grab Christi verehrten Bruchstellen der zweiten Marmorplatte Franziskanerkustos Bonifatius von Ra-
Stätte entfernt und möglicherweise das sah man eine Felsschicht. Nach Anga- gusa Arbeiten am Grab vorgenommen
Steinbett der ursprünglichen Grablege ben des griechisch-orthodoxen Patri- worden. Die Restaurierungsarbeiten an
freigelegt. Die Untersuchungen fanden archats wurde auch diese Abdeckung dem gemeinschaftlichen Besitz gelten
hinter verschlossenen Türen und im entfernt, um den darunterliegenden Fel- als kleine Sensation (WUB berichtete).
Beisein der örtlichen Oberhäupter der sen zu reinigen. Forscher sollen nun die Frühere Bestrebungen scheiterten wie-
beteiligten Kirchen statt. Die Forscher Funde analysieren. derholt an der Uneinigkeit der Kirchen-
entfernten die Marmorabdeckung und Nach Angaben der Franziskaner han- vertreter. Sechs Konfessionen teilen sich
fanden darunter eine dicke Schicht Füll- delt es sich um die erste Öffnung der die Kirche. W (KNA)

2 welt und umwelt der bibel 1/2017


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Das neueste aus der Welt der Bibel

Papyrus aus der judäischen wüste untersucht

Älteste hebräische Erwähnung Jerusalems?

Aufsehenerregende Wein-
lieferung aus dem 7. Jh. vC:
„Von der Magd des Königs, aus
Na'arata, Weinkrüge nach Jeruscha-
lem“. Nach Pnina Shor, Kuratorin im
Dead Sea Scrolls Project, könnte die
„Magd des Königs“ eine Frau gehobener
gesellschaftlicher Stellung sein.
Papyrus mit zwei Schriftreihen auf
11 cm Breite, hier in Originalgröße.

jerusalem Die Israelische Antiken- des Königs“), Wohnort („aus Na'arata“), ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes
behörde (IAA) meldete im November Inhalt der Gefäße („Weinkrüge“) und war und bleiben wird.“
2016 die älteste hebräische Erwähnung Destination („nach Jerusalem“). Im Jo- Die beiden Archäologen Aren Maeir
Jerusalems in einem außerbiblischen suabuch 16,7 wird ein ähnlich lautender (Universität Bar-Ilan) und Christopher
Dokument. Das Schriftstück aus der Ort nahe Jericho genannt, Na'ara. Rollston (Universität George Washing-
Judäischen Wüste wurde 2012 bei einer Nach Dr. Eitan Klein (IAA) belegt ton) zweifelten dagegen laut der Jerusa-
Razzia unter Antikenschmugglern si- die Frachtnotiz eine organisierte Ver- lem Post wenige Tage später die Echtheit
chergestellt. Nach der Form der Buch- waltung unter den Königen Manasse, des Fundes an und warfen der Behörde
staben und einer 14C-Analyse wird es ins Amon, oder Josija, die zu dieser Zeit in mangelnde Sorgfalt bei der Untersu-
7. Jh. vC datiert, also in das Jahrhundert der Hauptstadt Jerusalem regierten. In chung vor. Für den Fälschungsverdacht
vor dem Babylonischen Exil. der durch die UNESCO-Jerusalem-Reso- der beiden Archäologen gebe es aber
Die Übersetzung offenbart ein Fracht- lutionen aufgeladenen Stimmung (siehe keinerlei Belege, sagte der Chef der ar-
dokument, das die Zahlung von Steuern S. 68) nutzte die Ministerin für Kultur chäologischen Abteilung der IAA, Gi-
oder den Gütertransfer zu Warenhäusern und Sport, Miri Regev, die Gelegenheit, deon Avny. Tinte könne man aber tat-
in die königliche Hauptstadt Jerusalem den Papyrusfund zu deuten als „weite- sächlich schwer datieren. W
belegt: mit Absender („Von der Magd ren Beweis dafür, dass Jerusalem die (WUB/IAA/KNA)

Zeugnis menschlicher Kultur

Der Denker aus der Bronzezeit


Jehud Bei Ausgrabungen in Jehud am
Stadtrand von Tel Aviv ragte am letzten
Arbeitstag plötzlich ein außergewöhn-
liches Keramikgefäß aus dem Erdreich:
Auf dem runden, bauchigen Gefäß sitzt
eine Figur, die an den Gefäßhals mo-
delliert ist. Sie stützt nachdenklich den
Kopf auf eine Hand. Zusammen mit der
Keramik wurden weitere Gegenstände
gefunden, die auf ein bronzezeitliches
Grab hinweisen. Die Grabbeigaben, so Bote der Vergan-
die allgemeine Deutung, sollten die ver- genheit Fundsituation
storbene Person weiterhin begleiten. W (links) und restauriert
(WUB/Bar Ilan University) (oben).

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Das neueste aus der Welt der Bibel

palästinensische Gebiete

Antike Taufstelle neu


untersucht
ain al-Ma'moudiyeh Seit Mai 2016 betreut
das Institut français du Proche-Orient (IFPO)
neue Ausgrabungsarbeiten in den Palästinensi-
schen Gebieten: die Stätte Ain al-Ma'moudiyeh,
in einem Tal westlich von Hebron.
Im 12. Jh. erwähnen Pilgerberichte den Ort
„in der Wüste“, wo Johannes zuerst Menschen
getauft habe, bevor er an den Jordan zog. Pater
Roland le Vaux von der École biblique et arché-
ologique française de Jérusalem war bei Aus-
grabungen 1946 auf eine byzantinische Kapelle
über einer Quelle, ein angeschlossenes Kloster
und eine kleine Befestigungsanlage auf dem Hü-
gelkamm gestoßen.
Die neue Kampagne, geleitet von Bertrand
Riba (IFPO-Jerusalem), hat nun die Installati-
onen in der Kapelle freigelegt, die Wasser von
der Quelle zu einem großen Taufbecken leiteten.
Sondagen zeigten weitere Mauerreste, sodass
jetzt die Entwicklung des Pilgerheiligtums vom
6. Jh. bis zur Mamelukkenzeit im 13. Jh., in der
der Pilgerstrom unterbrochen wurde, langsam
rekonstruiert werden kann. W (Mdb)

Ein großes Taufbecken in der „Kapelle des


Heiligen Johannes des Täufers“ nahe Hebron.
Im 6. Jh. muss hier eine beliebte Taufstelle
gewesen sein.

spurenSuche

Sahen so die Böden im Jerusalemer


Tempel aus?
JERUSALEM Aus Bodenmosaik- lassen. Im „Sifting Project“ wird
steinen, die im Laufe der vergange- Bodenaushub, den die muslimi-
nen Jahre bei Siebarbeiten gefun- sche Verwaltung 1999 aus Subst-
den wurden, haben ForscherInnen ruktionen auf dem Haram al-Sharif
des „Temple Mount Sifting Pro- entfernt hatte, auf antike Kleinfun-
jects“ Entwürfe gefertigt. Sie seien de durchsiebt, mit der erklärten
sich sicher, den Bodenschmuck Intention, Relikte des jüdischen
der Säulenhallen und Höfe des He- Tempels zu finden. W (WUB)
rodianischen Tempels erfolgreich
rekonstruiert zu haben. Ähnliche Rekonstruktionen aus den
Böden kennt man aus Palästen des gefundenen Steinen. Diesen Stil
Herodes' d. Gr., der auch den Tem- von antikem Wand- oder Boden­
pel hatte erbauen und ausstatten dekor nennt man opus sectile.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Das neueste aus der Welt der Bibel

aussergewöhnliche Steintafel

10 Gebote der Samaritaner zitate


Beverly Hills Eine Steintafel mit den 10 Geboten
wurde für 850.000 Dollar versteigert und steht damit jüdisch-christlicher
100 Jahre nach ihrer Entdeckung im Rampenlicht. dialog
Die schwer datierbare Tafel mit althebräischen Buch-
staben soll zwischen 300 und 800 nC entstanden „Wir Juden und Christen ha-
sein und einen samaritanischen Synagogen- oder ben viel mehr gemeinsam,
Hauseingang geziert haben. Nur fünf solcher sama-
ritanischer Dekaloge aus der Zeit vor der arabisch- als was uns trennt [...]
islamischen Eroberung sind bekannt. Da der Stein
israelischer „national treasure“ ist, war der Verkauf Wir sind alle im heiligen
nur mit der Auflage möglich, dass der Käufer ihn öf- Ebenbild G-ttes geschaffen
fentlich ausstellt.
1913 war die Tafel bei Schienenarbeiten nahe Javne, und Juden wie Christen
auf halbem Weg zwischen Aschdod und Tel Aviv, ge- werden diesem Bund treu
funden worden. Danach lag die Tafel als Bodenpflas-
ter in einem Innenhof, bis 1943 der Archäologe Jacob bleiben, indem sie gemein-
Kaplan den seltenen samaritanischen Dekalog er- sam eine aktive Rolle bei
kannte. Das Gebot „Du sollst den Namen Deines Gottes
nicht missbrauchen“ (Ex 30,7) fehlt, dafür lautet das der Erlösung der Welt über-
10. Gebot wie in allen samaritanischen Dekalogen: nehmen.“
„Du sollst diese Steine auf dem Berg Garizim aufstellen
(dem heiligen Berg der Samaritaner oberhalb von Na- Passagen aus der „Orthodoxen
blus) und einen Steinaltar für Gott errichten“. W (WUB) rabbinischen Erklärung zum
Das zehnte Gebot stammt bei den Samaritanern nicht aus dem Buch Exodus. Christentum" die eine Gruppe
Höhe der Steinplatte ca. 60 cm. modern-orthodoxer Rabbiner, Leiter
von Gemeinden, Institutionen und
Seminaren in Israel, den USA und
umaijadenpalast in galiläa
Europa verfasst haben (mehr dazu

Kalif al-Walid liebte den See Gennesaret S. 78). „G-tt“ ist eine Transkribie-
rung des Gottesnamens, der aus
khirbat al-Minya Nach der arabisch- Kuhnen herausfinden – von Handwer- Ehrfurcht nicht ausgesprochen
islamischen Eroberung ließ sich ein kern, Händlern und Zuckerrohrbauern wird.
umaijadischer Kalif (Walid I. oder Wa- genutzt. Ein nur 12 mm großes Glas-
lid II.) im 8. Jh. einen prächtigen Palast gewicht mit der arabischen Inschrift
mit Seeblick am See Gennesaret bau- „Ehre Allah“ weist darauf hin, dass christen im irak
en, aus weißem Kalkstein auf schwar- muslimische Händler hier im 9. oder
„Die schweigende Mehrheit
zem Basaltsockel; dazu eine der heute 10. Jh. mit höchst wertvollen Gütern
ältesten Moscheen des Heiligen Lan- handelten. Es gelang dem Mainzer der Muslime bittet uns,
des. Doch schon 749 nC beschädigte Team, einen der Siedeöfen für die Zu-
nicht auszuwandern, uns,
ein heftiges Erdbeben den Palast so ckerrohrverarbeitung freizulegen. Der
stark, dass er nicht fertiggestellt wur- Zuckerrohranbau löste im Mittelalter das ,Salz Mesopotamiens‘,
de. Stattdessen wurde er – das konn- einen Wirtschaftsboom im Heiligen
wie uns ein schiitischer
ten die jüngsten Ausgrabungen von Land aus, führte aber zur Verödung
Archäologen der Universität Mainz weiter Landstriche, weil der Holzver- Gelehrter genannt hat.“
unter der Leitung von Dr. Hans-Peter brauch für die Verarbeitung hoch war.
Die Mainzer Archäologen leiten hier Yousif Thomas Mirkis, chaldäischer
Winziges frühislami- auch ein Konservierungsprojekt, das Erzbischof von Krikuk und Sulei-
sches Glasgewicht, durch das Kulturerhalt-Programm der maniyeh (Irak), in einem Interview
Durchmesser Bundesrepublik finanziert wird: Denn mit dem Magazin „Le Monde de la
12 mm, für seit 1939 liegt die Ruine, rund 1 km Bible“ im November 2016.
besonders wert- südwestlich von Tabgha, schutzlos im
volle Waren. Freien und verfällt. W (Uni Mainz/WUB)

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welt und umwelt der bibel 1/2017 5
Heiliges Mahl
Das letzte Abendmahl ist in
christlich geprägten Kulturen
zum Inbegriff des religiösen
Mahls geworden. Selbst auf
Menschen, die mit der Kirche
nichts zu tun haben, übt es
eine Faszination aus. Denn
es geht eine Kraft davon aus,
die im Mittelalter sogar dazu
verführte, aus den lateinischen
Einsetzungsworten Hoc est
enim corpus meum (das ist
mein Leib) die Zauberformel
„Hocuspocus“ zu machen.
Aber schon Jahrtausende vor
Jesus haben Menschen in
religiösen Mahlfeiern etwas
erfahren, das über die leibliche
Sättigung weit hinausgeht.

Leonardo da Vincis Abendmahl


ist eines der berühmtesten Wandgemälde
der Welt. Es schmückt die Nordwand des
Refektoriums des Dominikanerklosters
Santa Maria delle Grazie in Mailand.
Seccotechnik (auf trockenem Putz
gemalt), 1494–98, 422 x 904 cm.

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Was Essen mit Religion zu tun hat

Lebensmittel
und Götterspeise
Die Aufnahme von Nährstoffen und von Wasser ist Voraussetzung für alles Leben. Essen
und Trinken gehören zu den existenziellen Vollzügen des Menschen, so wie das Atmen.
Die Dinge, die wir zu uns nehmen, nennen wir „Lebensmittel“. Was liegt näher, als sie mit
der Dimension in Verbindung zu bringen, die aus philosophischer und religiöser Perspek-
tive das Leben begründet, mit dem Göttlichen. Von Wolfgang Baur

Gewürze gehören seit


Jahrtausenden zu einem
schmackhaften Essen

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G
ötter müssen lebendig sein – selbst che Familien an Jahrestagen oder Geburtstagen
wenn sie in Stein gehauen oder aus Me- dort, um der Verstorbenen zu gedenken und ge-
tall gegossen sind. Ansonsten wären meinsam Mahl zu halten. Dahinter steckt kein
sie wertlos, genau wie der Prophet Jeremia sie Aberglaube, sondern die Erfahrung, dass es Di-
als „geschnitzte Göttlein“ karikiert (Jer 10). Wer mensionen des Lebens gibt, die die Gegenwart
lebt, muss aus menschlicher Sicht auch essen. überschreiten. Systemische Therapien nutzen
Darum ist die uralte Vorstellung eigentlich ganz längst die „Anwesenheit“ nicht (mehr) vorhan-
logisch, dass auch Götter Lebensmittel brau- dener Personen aus dem Familien- und Freun-
chen. Hier liegt die Wurzel von Götterspeisun- deskreis, weil diese unbewusst in die Gegenwart
gen und Mählern mit Göttern, die wir bis ins der anderen Personen hineinwirken.
dritte Jahrtausend vC zurückverfolgen können. Symbolisch trägt ein weiterer Brauch dieser
Die Fähigkeit eines Gottes zu essen, ist Beweis Perspektive Rechnung: In den alten Kulturen
für seine Vitalität. Indem im Alten Orient den gab man außerdem Verstorbenen Speisen mit
Göttern Speisen und Getränke angeboten wur- ins Grab, sozusagen als Proviant für die große
den, versicherten sich die Opfernden der Leben- Reise. Noch heute werden mancherorts an Grä-
digkeit ihrer Götter. Nicht als Götterspeisung, bern Speisen abgelegt. Das verleiht der Hoff-
aber mit dem Motiv des Erkennens taucht das nung Ausdruck, dass die Toten weiterleben und
gemeinsame Mahl in den Erzählungen von der Speisen brauchen.
Auferstehung Jesu auf: Jesus isst mit den Jün-
gern, um ihnen zu zeigen, dass er kein Gespenst
ist. „Religion geht durch den Magen“
Am besten beschreibt die Emmauserzählung Das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“
(Lk 24), welche Bedeutung die christlichen Mäh- könnte man mit gutem Grund abwandeln. Seit
ler von Anfang an haben: Beim gemeinsamen Jahrtausenden spielt die kultische Gastronomie
Essen gehen Menschen die Augen auf. Sie kön- eine bedeutende Rolle in den Religionen. Und
nen plötzlich wieder an die Lebendigkeit Gottes menschliche Gemeinschaft erweist ihre Quali-
glauben. Die christlichen Mähler haben sich im tät vielfach gerade beim Essen. Wahrscheinlich
Laufe von 2000 Jahren weit von dem entfernt, gibt es deswegen in der rabbinischen Literatur
was es um die Zeitenwende in Palästina gab. Das so viele Beispielgeschichten und Gleichnisse,
Grundanliegen ging allerdings nicht verloren: die mit Gastmählern zu tun haben. Auch Jesus
sich immer wieder zu vergewissern, dass Gott im- machte immer wieder von ihnen Gebrauch, um
mer noch lebt und wirkt, und sich als einzelner zu erklären, wie es im Reich Gottes zugehen
Mensch und als Gemeinschaft immer wieder in sollte und wie nicht: Da wird erzählt von Armen
den Strom des Lebens hineinnehmen zu lassen. und Reichen am selben Tisch, angenommenen
und ausgeschlagenen Einladungen, von der
Rangordnung an der Tafel und vielem mehr.
Essen gegen den Tod Wie bedeutsam das gemeinsame Essen für die
Ein weiteres Phänomen gibt es ebenfalls schon Religionen ist, zeigt sich auch daran, dass Ju-
seit Jahrtausenden: In die Mahlgemeinschaft den, Christen und Muslime die Erwartung tei-
werden Verstorbene einbezogen. Texte und Bil- len, dass am Ende der Zeiten Gott alle Menschen
der berichten darüber schon aus der Antike. In zu einem großen Festmahl einladen wird. Wie
Mitteleuropa lebt diese Tradition im Rahmen kraftvoll könnte diese Vision wirken, wenn sie
von Bestattungen in Friedwäldern wieder neu bereits heute die Sicht anderer Völker und Reli-
auf. Wie schon in der Antike, treffen sich man- gionen prägen dürfte. W

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Ein Festmahl im
3. Jahrtausend vC
wird u. a. auf der Friedens-

Zu Tisch mit Gott


seite der sogenannten
Standarte von Ur dargestellt.
Der Holzkasten mit Friesen
zeigt auf der einen Seite
Menschen im Krieg und auf
der anderen Völker im Frie-
den. Die Beigabe zu einem
Königsgrab in Ur (Mesopota-
mien) wird auf 2850–2350
Kultische Mähler im Alten Orient
vC datiert und steht heute im
British Museum, London. und in Palästina/Israel
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Die Versorgung der Götter
gewährleistete ihre Wirksamkeit.

Altorientalische Kultmähler folgen ähnlichen Regeln wie profane Mahl-


gemeinschaften. Sie schaffen Gemeinschaft zwischen den Beteiligten,
lassen Erinnerungen wach werden und gewähren Göttern und Menschen
die nötige Lebensgrundlage. Götter und Menschen kommen sich nahe und
vollziehen einen „heiligen Tausch“, der beiden nutzt. Die alttestamentliche
Perspektive führt von privaten Opfermählern über den priesterlichen
Tempelkult zur Erwartung eines gigantischen Weltmahls mit Gott am Ende
der Zeiten. Von Angelika Berlejung

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welt und umwelt der bibel 1/2017 11
Kultische Mähler im Alten Orient und in Palästina/Israel

E
ssen und Trinken verbinden und tren-
nen zugleich. Menschen und Götter, die
gemeinsam dasselbe essen, werden zu
einer Gemeinschaft. Menschen und Götter, die
nicht dabei geduldet oder dazu eingeladen wer-
den oder dies von sich aus nicht wollen, sind
Außenseiter dieser Gemeinschaft. Nicht um-
sonst muss man bei Gästelisten darauf achten,
dass man niemanden vergisst, der an sich da-
zugehört. Er könnte mit gutem Recht beleidigt
sein. Dasselbe gilt für Einladungen zum Essen,
die man verschmäht.
Doch nicht nur die Auswahl der Teilnehmer
hat identitätsstiftende Wirkung, sondern auch
die Auswahl und Behandlung der Speisen. Nicht
selten gibt es Speisekonventionen oder -gesetze,
die mit bestimmten Anlässen verbunden sind,
Speisevorlieben oder gar -tabus, die zu beach-
ten sind. Speisen, Getränke, Essen, Trinken,
Geruchsempfinden und auch Geschmack sind
vom Erfahrungshintergrund und damit von der
Kultur bestimmt, in der sie verortet sind. Die
anthropologische Forschung hat zudem darauf
hingewiesen, dass Nahrungsaufnahme auch mit
Zeitsprüngen in die Vergangenheit verbunden
sein kann, wenn man das Essen einer bestimm-
ten Speise mit individuellen oder kollektiven Er-
innerungen kombiniert. So hat manches Gericht
über seinen reinen „biologischen“ Nährwert hi-
naus einen „symbolischen Mehrwert“ , der sich
nur dem Kenner erschließt.
Die kultur- und kultbestimmten Regeln für
die korrekte Mahlzeit können sogar noch die
Götter ohne Speise! Die Fluttafel aus der Vor- und Nachbereitungen der Mahlzeit mit
rund 25.000 Tafeln umfassenden Bibliothek des
einbeziehen, wenn konkrete Zubereitungs- (ko-
assyrischen Königs Assurbanipal (669–627 vC)
chen, braten, Brot mit oder ohne Sauerteig) bzw.
beschreibt gleich zwei Katastrophen: Weil die
Entsorgungsarten der Speisereste (verbrennen,
Menschen der Flut zum Opfer gefallen sind, be-
vergraben, weitergeben, aufbewahren oder weg-
kommen die Götter als Folge nichts mehr zu essen.
werfen) angesagt oder verboten sind. Hat man
Damit wird eine der Hauptaufgaben des Menschen,
nämlich die Götter zu speisen, nicht mehr erledigt. schon bei einer Mahlgemeinschaft mit Menschen
Der Text entstammt einem Zyklus von zwölf Tafeln. Regeln zu beachten, so gilt dies umso mehr für
Dieser enthält Erzählungen, deren Wurzeln bis in eine kultische Mahlzeit, bei der eine Gottheit als
die altbabylonische Zeit (1800–1595 vC) zurück- anwesend gedacht, die Mahlzeit in göttlichem
reichen. Unter anderem findet sich darin eine Namen abgehalten oder als Opfergabe mit ihr
Sintfluterzählung, die ursprünglich zum sogenann- geteilt wird. Das sakrale Mahl stiftet die Gemein-
ten Atrahasis-Mythos aus dem 18. Jh. vC gehörte. schaft zwischen den Menschen und Göttern, die
Auch die Sintflutgeschichte der Bibel (Gen/1. Mose zusammen essen und trinken. Identität wird so
7–9) greift wesentliche Erzählzüge dieser Mythen gesichert und kann durch die Wiederholung der
auf. Mahlzeit verstetigt werden. Die Vorstellung, dass
eine Gottheit in der Speise selber anwesend ist
und sich die Teilnehmer mit dem Essen göttliche
Kraft einverleiben, ist im Alten Orient oder Alten
Testament allerdings nicht nachzuweisen.

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Kultische Mähler im Alten Orient und in Palästina/Israel

Die Versorgung der Götter im Kult


des Alltags und der Feste
Menschen müssen regelmäßig essen und trin-
ken, um zu leben, und für Götter gilt dies im
Alten Orient auch. Die Versorgung der Götter
war eine zentrale Aufgabe des Königs und der
Menschen und wurde in verschiedenen Mythen
im Zusammenhang mit der Menschenschöp-
fung verankert (z. B. Enki und Ninmah, Enuma
Elisch, Atra-hasis). Die Bestimmung der Men-
schen bestand u. a. darin, den Göttern die Arbeit
abzunehmen und für ihre Ernährung zu sorgen.
Grundsätzlich bestand zwischen Menschen und
Göttern eine Art Austausch, da die Menschen
die Götter speisten, tränkten, pflegten und klei-
deten und dafür mit Segen belohnt wurden.
Allerdings war man sich durchaus darüber im
Klaren, dass zwischen den „Leistungen“ der
Menschen für die Götter und deren „Gegenleis-
tung“ ein qualitativer Unterschied bestand, da
die Menschen nur vergängliche und begrenzte
Gaben in den Tempel brachten, während das,
Sumerische Wandkachel mit einer Götterspeisung
was aus dem Tempel herauskam, „andauerte“.
vor einem unbekannten Tempel: Im oberen Register gießt ein
Trotz dieses asymmetrischen Verhältnisses zwi- unbekleideter Priester gefolgt von drei Gottesverehrern vor einer
schen Göttern und Menschen besaßen Letztere gehörnten Götterfigur eine Flüssigkeit aus einem Gefäß auf einen
eine starke Position. Sie waren als Nahrungs- Schalentisch; unten sieht man dieselbe Szene vor dem Schrein,
spender unentbehrlich, die Götter waren gewis- zusätzlich trägt ein Verehrer ein Tier zum Opfer. Eine der Perso-
sermaßen von ihnen abhängig. Dies zeigt sich nen scheint eine Frau zu sein. Gefunden in Ur, in den Ruinen der
besonders drastisch im Gilgamesch-Epos (Tafel Residenz der höchsten Priesterin der Mondgöttin Nanna.
XI 159–161): Weil die Götter die Menschen durch Ca. 2500 vC, British Museum, London.
eine Sintflut vernichtet haben, müssen sie in
Zukunft ohne Mahlzeiten auskommen. Als der
gerettete Mensch Utnapischtim nach der Kata-
strophe sein erstes Opfer darbringt, sind sie so
ausgezehrt, dass der Duft sie „wie die Fliegen“
herbeieilen lässt.
Die Bereitstellung des alltäglichen Opferma-
terials sowie die Ausstattung der monatlichen
und jährlichen Feste gehörte zu den Aufgaben
des Königs. Auch Privatleute konnten jederzeit
Gaben stiften und/oder sie anlässlich der Feste
überbringen. Wenn der König seinen Pflichten
nicht ordnungsgemäß nachkam, konnte sich die
Gottheit bei ihm beschweren.
In einem Orakelspruch wendet sich die Göttin
Ischtar von Arbela an den neuassyrischen König
Asarhaddon:
„Nunmehr, fürwahr, ein Seah Speise (in) der
Essschale, eine Trinkschale von einem Seah
Feinbier stelle hin, damit ich Gemüse und Essen
bekomme, in meinen Mund nehme, eine Schale
fülle, daraus trinke, meine Fülle zurückgewinne.“ Darstellung einer Gottheit, die zusammen mit einem
Die Redeweise der Göttin, die anschaulich Menschen aus einem Gefäß trinkt.

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davon spricht, dass sie ihr Essen in ihren Mund nehmen, sich zum Essen niederzulassen, sich
Verehrung des
nimmt, bringt zum Ausdruck, dass man sich auszuruhen und sich zu beruhigen. Analog zu
Gottes Ra durch Dar- die göttliche Nahrungsaufnahme ganz konkret menschlichen Tafelgebräuchen war es üblich,
bringung von Früchten,
analog zur menschlichen vorstellte. Solche Tex- den Götter(statue)n vor und nach dem Essen die
Gemüse und Getränken.
te zeigen, was in der damaligen Vorstellung die Hände zu waschen.
Papyrus, 21. Dynastie.
1075–946 vC, Theben,
Götter mit den Menschen verbindet: Beide brau- Der tägliche Bedarf der Götter eines Tempels
Ägypten. chen Nahrung, verlieren ohne sie ihre „Fülle“ konnte recht umfangreich sein: Für Nabû und
und werden kraftlos. Die Versorgung der Götter Taschmetu von Borsippa waren in neubabyloni-
gewährleistete daher ihre Wirksamkeit. scher Zeit täglich 1 Maststier, 1 Ochse, 16 Scha-
fe, Fische, Lauch, Vögel, Süßmet, Biere, Wein,
Sirup, Butter, Milch und Öl nötig. Zudem waren
Der tägliche Bedarf der Tempelgötter
Die Kultbilder spielten dabei eine zentrale Rolle.
Sie waren die körperlich und personal gegenwär- Es galt als besonderer
tigen Götter, die die präsentierte Nahrung sehen,
riechen, schmecken und konsumieren konnten.
Gunsterweis, die Speisereste
Durch das Essen der irdischen Produkte wurde der Götter zu erhalten
ein direkter Kontakt zwischen der irdischen Welt
und der Gottheit hergestellt. Diese nahm bei der
Speisung an menschlichen Alltagshandlungen Speisevorschriften zu beachten. Als Beispiel sei
teil. Sie zeigte irdische Bedürfnisse und diesel- auf das Opferverbot von Vögeln an chthonische
ben Gewohnheiten. Dadurch erschien die Gott- Götter oder auf Lauch als unangebrachte Gabe
heit nahe, verwandt und zugänglich. für Nabû verwiesen. Der Hintergrund dieser
Die Gegenwart der Götter in Gestalt ihrer Kult- Tabu-Bestimmungen bleibt oft im Dunkeln. Sie
bilder strukturierte die komplexen Handlungs- könnten damit zu tun haben, dass man der An-
zusammenhänge im Tempel, die von mehreren sicht war, dass eine Gottheit nicht die ihr anver-
Priestern (in Assyrien u. U. auch vom König) trauten Tiere konsumieren dürfte oder dass man
ausgeführt wurden: Die Mahlzeiten wurden vor Verursacher von Mundgeruch mied.
den Götter(bilder)n präsentiert. Die Gotthei- Die zubereiteten Gaben stellte man vor die
ten wurden dazu aufgefordert, die Opfer anzu- Figuren auf einen Tisch und goss davor die Ge-

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Kultische Mähler im Alten Orient und in Palästina/Israel

tränke aus. Daneben konnten die Speisen vor


den Augen des Bildes hin- und hergeschwenkt
werden (sogenanntes „weben“), da man sich
Der Betrug der Bel-Priester
anscheinend dachte, dass sich die Gottheit die
Speise mit den Blicken aneignen konnte. Un-
üblich war hingegen die im Westen verbreitete
Technik, Opfer zu verbrennen und sie dadurch
D as Buch Daniel wurde im
2. Jh. vC verfasst. Es blickt
auf die altorientalische Kultpra-
in Rauch zu transformieren, der zum Himmel xis zurück und benutzt sie als
aufstieg und auf diese Weise von den himmli- Kontrast zum reinen jüdischen
schen Wesen konsumiert werden konnte. Nach- Glauben. Dies geschah damals
dem sich die Gottheit gesättigt hatte, wurden die im Rahmen der Auseinander-
gegarten Stücke an die Priester und das Tempel- setzung des Judentums mit
personal weitergegeben, die sie verzehrten. Dies dem Hellenismus. Dabei erzählt
dürfte der reale Hintergrund der polemischen das Buch von der Beendigung
Erzählung von Bel im Danielbuch sein, die das
des Mahlkultes für den Gott
Essen der Kultbilder auf Priesterbetrug zurück-
Marduk, der den Namen Bel
führte (Dan 14,1-22, s. Kasten rechts).
trug.

Wer isst mit wem im Alten Orient?


Die Götter pflegten in einem Tempel gemeinsam
Rollsiegel mit der Dar-
ihre Mahlzeiten einzunehmen. Allerdings zei-
stellung des Gottes Marduk
gen die unterschiedlichen Portionen deutlich
(Bel). Er wird dargestellt mit
die hierarchische Position der jeweiligen Götter.
dem Seedrachen Leviatan,
Auch die Reihenfolge der Speisung brachte hie- den er bekämpft.
rarchische Strukturen zum Ausdruck. Die wich-
tigsten Götter wurden zuerst bedient, ähnlich
wie auch am Königshof bis heute die Tischord-
nung der Hierarchie entspricht. Die Mahlzeiten
der Götter in Gestalt ihrer Bilder ließen nicht nur „Nun hatten die Babylonier ein Bild Bel ist innen von Lehm und außen
die soziale Interaktion innerhalb der Götterwelt des Gottes Bel. Sie wendeten für von Bronze; er hat niemals geges-
auf der Erde sichtbar werden. Auch die Priester ihn täglich zwölf Scheffel Feinmehl sen oder getrunken.
wurden in das göttliche Handlungs- und Kom- auf, dazu vierzig Schafe und sechs Da wurde der König zornig; er rief
munikationsfeld einbezogen. Dadurch, dass es Krüge Wein. die Priester des Bel herbei und
üblich war, die Speisen eines Gottesbildes an die Auch der König verehrte ihn und sagte zu ihnen: Wenn ihr mir nicht
Tempelbelegschaft weiterzureichen, pflegte die kam jeden Tag, um ihn anzubeten. sagt, wer all diese Mengen verzehrt,
Gottheit die Mahlgemeinschaft mit seinem Per- Daniel aber betete seinen eigenen müsst ihr sterben. Beweist ihr aber,
sonal. Das Kultbild bestimmte die Handlungs- Gott an. Der König sagte zu ihm: dass Bel das alles verzehrt, dann
muster der beteiligten Menschen, es stand an Warum betest du Bel nicht an? muss Daniel sterben, weil er über
der Spitze eines hierarchisch strukturierten ge- Er erwiderte: Ich verehre keine Bel gelästert hat .“
meinschaftlichen Geschehens und Erlebens. Es Standbilder, die von Menschen Der König lässt die Speisen in
galt als besonderer Gunst- und Gnadenerweis, gemacht worden sind, sondern den Raum bringen und versiegelt
die Speisereste der Götter zu erhalten, da die nur den lebendigen Gott, der den diesen und verstreut Asche auf
Nahrung durch den Kontakt mit den Göttern ge- Himmel und die Erde erschaffen dem Fußboden. „In der Nacht
segnet war. Dieser Segen und auch die göttliche hat und die Herrschaft besitzt über kamen wie gewöhnlich die Priester
Reinheit übertrugen sich auf die privilegierten alles, was lebt. mit ihren Frauen und Kindern; sie
menschlichen Resteesser: Die Reste des Mahls
Der König entgegnete ihm: Du aßen alles auf und tranken den
der Staatsgötter in Assyrien und wohl auch Ba-
meinst also, Bel sei kein lebendiger Wein.“ Doch die Fußspuren in der
bylonien gingen an den König und seinen Kron-
Gott? Siehst du nicht, welche Men- Asche verraten sie. Der König lässt
prinzen, die ihren Göttern somit eng verbunden
gen er Tag für Tag isst und trinkt? die Priester verhaften und die Bel-
und durch sie legitimiert waren.
Da lachte Daniel und sagte: Lass statue samt dem Heiligtum durch
Da Menschen sich im Tempel normalerweise
vor den Kultbildern niederwarfen oder demü- dich nicht täuschen, König! Dieser Daniel zerstören. (Dan 14,1-21)
tig vor ihnen standen und normalerweise nur
nach den Göttern deren Speisen erhielten, ist

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Der Altarbereich in Megiddo (Israel)


vermittelt einen guten Eindruck davon,
wie Opfer dargebracht wurden. Der
Priester stieg auf die kreisförmige
Plattform am höchsten Punkt der Stadt.
Dort stand ein Altar, auf den Opfergaben
gelegt werden konnten. Die Umzeich-
nung des Hörneraltars (unten) vermittelt
einen Eindruck davon.

es erwähnenswert, dass es dem assy- konnte. „Normalbürger“ mussten wohl Wohlergehen. Besonders häufig wurden
rischen König erlaubt war, sich vor ein mit ihren Haus- und Ahnengötterfiguren­ die Götter zu einem Bankett eingeladen,
Kultbild zu setzen und gleichzeitig mit Vorlieb nehmen. Gastgeber des assyri- wenn die Einweihung einer renovierten,
ihm Mahlgemeinschaft zu halten. König schen takultu-Fests war der König, der ausgebauten, neu gegründeten Stadt
und Gottheit speisten gemeinsam und die Götter als seine Gäste im Palast be- oder eines Palastes anstand. Als auf-
veranschaulichten so ihren intimen und wirtete. Bei diesen Festlichkeiten konn- merksamer Gastgeber und Herrscher mit
vertraulichen Umgang miteinander. ten die beteiligten Götter dazu gezwun- priesterlichen Kompetenzen brachte der
assyrische König den Göttern die Spei-
sen dar und verteilte Gastgeschenke.
Göttermähler zu Hause Die Götter(figuren) such- Nach geraumer Zeit kehrten die Götter
Abgesehen von Mählern in Tempeln, wieder in ihre Tempel zurück, während
war es auch möglich, die Götter(bilder)
ten das Haus ihres Gast- der König mit seinen Beamten weiter-
„zu sich nach Hause“ einzuladen. Das gebers auf feiern konnte. Wenn die Götter dieser
qeritu-Fest in Assyrien war weniger ein Einladung folgten – was sie nach der
regelmäßiges Jahresfest als eine Fete, Quellenlage immer taten –, bestätigten
die zu unregelmäßigen Anlässen statt- gen sein, ihren Wohnsitz zu verlassen sie Rang und Legitimation des einladen-
fand. Es handelte sich um ein Bankett und das Haus ihres Gastgebers aufzu- den Königs und segneten ihn und sein
mit Götterbildern, das vom König aus- suchen. Satt und zufrieden segneten sie Bauwerk. Der König war also Nutznießer
gerichtet, aber auch von wohlhabenden anschließend den König mit langer Re- dieser Verbindung, da die Anwesenheit
Privatpersonen veranstaltet werden gierung, Gesundheit, hohem Alter und der Gottheit sowohl die Speise, die sie

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Opferszene in einem Tempel (s. die


Türme). Die Gottheit sitzt auf einem Thron in
einem Höhenheiligtum. Vor ihr steht ein Vereh-
rer mit ausgestrecktem Finger (beschwörend).
Vor dem Tempel ein Vorlegetisch, ein Räucher-
kandelaber mit Flammen und ein Becken für
Trankopfer. Der König bringt eben eine Libation
dar. Hinter ihm steht ein Diener mit einer größe-
ren Schale.

berührte, als auch das Haus, in das sie sich be- Relief von Assurbanipal in der Gartenlaube zei-
geben hatte, segnete. Zudem galt schon damals: gen dies ebenso wie 2 Sam 5-7. Inwieweit jeweils
Je erhabener die Gäste, desto angesehener war das „normale Volk“ bei diesen Feierlichkeiten
letztlich der Gastgeber. involviert war, lässt sich kaum mehr feststellen.
Grundsätzlich ist die Möglichkeit gegeben, dass
der König anlässlich bestimmter Ausnahmefei- Nase = Zorn
Normale und besondere Mähler im Alten ern dem Volk ein Festessen spendierte (2 Sam im Hebräischen sind die
Testament 6,19), das kurzfristig die sozialen Schranken Worte für Nase und Zorn
Das Alte Testament ist eine altorientalische Bi- überbrückte. identisch. Wenn Gott
bliothek in hebräischer Sprache. Daher kann es Brot hatte eine zentrale Bedeutung für die Er- wütend ist, dann hat er
nicht verwundern, wenn es in Bezug auf Mahl- nährung und eine entsprechend starke Symbol- sozusagen „die Nase voll“,
er schnaubt vor Zorn. Der
feiern eine kulturelle Kontinuität gibt und dem kraft. Das hebräische Wort læchæm bezeichnete
Geruch des Opfers soll ihn
gemeinschaftlichen Mahl sowohl im Alltag wie die „Nahrung“ an sich. Das gebrochene Brot, das
besänftigen.
bei Festzeiten eine hohe gemeinschaftsstiften- man gemeinsam tunkte, stand für die Mahlge-
de Bedeutung zukommt. So wurden hier wie meinschaft. Fleisch gab es nur selten und zu be-
dort zu wichtigen Anlässen Mahlfeiern veran- sonderen Anlässen. Das Blut, das als Sitz des Le-
staltet, sei es zur Entwöhnungsfeier (Gen 21,8), bens galt, sollte nicht verzehrt werden (Gen 9,4).
zum Geburtstag (Gen 40,20; Ijob 1,4f), zur Ehe-
Nachexilisch
Sakrale Mahlzeiten Im Jahr 587/6 eroberte
der babylonische König
Zu allen wichtigen Anlässen Kultmähler von Familien oder regelrechten Kult-
vereinen zum Andenken und ggf. im gedachten Nebukadnezzar Jerusa-
wurden Mahlfeiern veranstaltet Beisein der Toten sind in Mesopotamien, Syrien, lem und verschleppte
Phönizien und anderswo belegt und gehören in Teile der Bevölkerung
nach Babylonien. Erst 538
den Kontext der Totenpflege oder des Ahnen-
vC erließ der Perserkönig
schließung (vgl. Gen 29,22; Ri 14,10.12.17) oder kults. Inwieweit dies in Israel/Juda praktiziert
Kyrus ein Edikt, in dem
Bestattung (vgl. Jer 16,5-7; Ez 24,17.22; Hos 9,4). wurde, ist unklar. Jes 65,4 und Ps 106,28 bezie- er den Exilierten erlaub-
Jüngerkreise von Propheten trafen sich wohl hen sich polemisch auf Totenopfermähler, über te, zurückzukehren. Der
zum gemeinsamen Mahl im Haus des Meisters (2 deren Regelmäßigkeit oder Verbreitung nichts Neuanfang nach dieser
Kön 6,1). bekannt ist (vgl. den Beitrag dazu, S. 26–31). „Wende“ war für das Volk
Eine gemeinsame Mahlzeit war der Inbegriff Auch im Alten Testament kommt auf den Ebenen Israel der bedeutendste
von Solidarität mit Schwachen und Gastfreund- des privaten, lokalen und öffentlichen Kults (Dtn Einschnitt in seiner Ge-
schaft gegenüber Fremden (vgl. Gen 18,7f; 19,3) 14,26, 1 Sam 9,13, Neh 8,10) der Darbringung von schichte. Viele Bibeltexte
und konnte auch die Rückkehr ins Leben sym- Speisen an Gott und der Tischgemeinschaft mit wurden in dieser Zeit
bolisieren (1 Sam 18,22). Ebenso wurden im ge- ihm eine große Bedeutung zu. Zu den Riten ei- verfasst oder überarbeitet.
Letztlich ist die Theologie
samten Kulturbereich königliche Tempelbauten nes Bundesschlusses kann u. a. ein einmaliges
und Geschichtsbeurteilung
mit Banketten und Festivitäten eingeweiht, wie gemeinschaftliches Gottesmahl gehören (Gen
des Volkes Israel hier neu
schon Gudea von Lagasch (Zylinder B xvii 12-xix 15,17f; Jer 34,18; Ex 24,9-11), wogegen sakrale geschrieben worden. Der
21) oder 1 Kön 8 belegen. Mahlzeiten ansonsten eher um eine gewisse Re- Kult wurde wohl nicht
Auch Siegesbankette waren im alten Mesopo- gelmäßigkeit bemüht und kaum vom Opferkult nahtlos fortgesetzt. Alles
tamien, in Syrien wie im alten Israel üblich und zu trennen sind. war kleiner, bescheidener,
sind in Wort und Bild bezeugt: Die Königsstan- Die Übergabe der Speisen an JHWH im Rah- und Tieropfer traten in den
darte von Ur (s. S. 10/11) oder das neuassyrische men der Opfer (z. B. Lev 1-7) erfolgte durch De- Hintergrund.

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im familiären, lokalen wie auch Häusern und Tempeln gemacht wur-


Ein Familienvater ver- königlich-offiziellen Kult bei regel- de, lässt sich nicht mit Bestimmtheit
mäßigen Festen und anderen Gele- sagen und oft nur aus dem Analogie-
teilt das Opferfleisch genheiten die bevorzugte Opferart schluss im Vergleich zum Alten Ori-
und trägt alle Züge eines sakralen ent ableiten. Archäologisch lassen
„Dieser Mann zog Jahr für Jahr von Festessens. Geschlachtet wurden sich zwar Altäre (teils mit Opferres-
seiner Stadt nach Schilo hinauf, um Haustiere (Schafe und Ziegen, selten ten), Inventar und wenige Kultplätze
den Herrn der Heere anzubeten und Rinder), deren Blut (1  Sam 14,32-35) identifizieren, aber die Vorschriften
ihm zu opfern. Dort waren Hofni und und Fett (in Gestalt von Rauch) als und präzisen Abläufe bleiben im
Pinhas, die beiden Söhne Elis, Priester JHWHs Anteil auf den Altar kamen, Dunkeln.
des Herrn. An dem Tag, an dem Elkana wohingegen das Fleisch von der
das Opfer darbrachte, gab er seiner versammelten Familie oder Kultge-
meinde gegessen wurde. Man teilte Der Wandel im Deuteronomium
Frau Peninna und all ihren Söhnen
und Töchtern ihre Anteile. Hanna aber das Essen untereinander. Wie am Den Wendepunkt in der Geschichte
gab er einen doppelten Anteil; denn er Hof entsprach die Tischordnung ei- des Kults, der Opfer und des sakralen
hatte Hanna lieb, obwohl der Herr ihren ner gewissen Hierarchie (1 Sam 9) Mahles markiert das Buch Deutero-
Schoß verschlossen hatte.“ und bei so mancher Mahlzeit wurde nomium (Dtn), das ein Versuch war
auch Politik gemacht. Die Opfer- – wohl unter König Josia um 622 vC
(1 Sam 1,3-5)
handlungen wurden von Gebeten –, die Gesellschaft neu zu organisie-
und Segenswünschen begleitet. Die ren. Dtn 12 fordert die Kulteinheit in
Tischgemeinschaft stand für intakte Israel, sodass es nur noch ein zent-
Beziehungsverhältnisse, im Fall des rales Heiligtum geben darf, an dem
ponieren, das Ausgießen des Blutes oder die sakralen Mahles für die intakte Got- Opfer dargebracht, Feste gefeiert­
Verbrennung des Opfers, das „Räuchern“, das tesbeziehung seiner Teilnehmer. und JHWH kultisch verehrt wird.
den „wohlriechenden Duft“ aufsteigen ließ und Ab wann genau und in welchem Schlachtungen in den Ortschaften
das Herz (bzw. die Nase) Gottes beruhigen sollte Kontext das Brandopfer (z. B. Ri 6,26; sind zwar erlaubt, verlieren aber ihre
(Gen 8,21; 1 Sam 26,19). 1 Kön 9,25), bei dem ein ganzes Tier Bedeutung als Opfer „für JHWH“. Bei
Der Aspekt des Nährens Gottes tritt zuneh- komplett auf dem Altar verbrannt dieser profanisierten Schlachtung
mend in den Hintergrund, wohingegen die Speise und so der Gottheit übergeben wur- sollte das Blut auf die Erde ausge-
Gott gnädig stimmen sollte und die menschliche de, praktiziert wurde, ist nicht ganz schüttet und das Fleisch allein zu
Dankesantwort für vorhergehende Gottesgaben klar. Eine Mahlgemeinschaft mit den Nahrungszwecken von der Dorfge-
war. Die im Alten Testament erwähnten Opfer- Menschen stellt es nicht her, da für meinschaft verzehrt werden. JHWH
arten unterscheiden sich hinsichtlich der Opfer- dieselben nichts übrig bleibt. Für
art, der beteiligten Personen und der Opfermate- Trankopfer, die auf den Boden ge-
rie, die pflanzlich oder tierisch sein kann. Neben gossen wurden, gilt Ähnliches. Spei- Mahlzeiten sind nun
Priestern konnten vor­exilisch der König, seine seopfer kann JHWH allein verzehren
Söhne, die Oberhäupter der Sippen und Famili- (Ri 6,19-21), nach der nachexilischen Erinnerungsmähler
en oder ihre Söhne priesterliche Funktionen im Opferanweisung in Lev 2 soll das
Haus (Ri 17) wie an den lokalen Höhenheiligtü- Speiseopfer (minchâ) aus Feinmehl
mern wahrnehmen (Gen 12,8; 13,4.18 u. ö.; 1 Sam oder gerösteten Körnern bestehen, isst also nicht mehr wirklich mit. Im
2,15f; 9,12f; 1 Kön 3,4). Opfern, schlachten und vermischt mit Öl und Weihrauch, Zusammenhang mit den Erntefesten
damit Priesterfunktionen übernehmen konnte wovon der eine Teil für JHWH ver- scheint das Buch Deuteronomium
grundsätzlich also jeder Mann. An festen Opf- brannt, der andere an die Priester Kultmahle sogar regelrecht zu ver-
erzeiten sind außer den jährlichen Festterminen weitergegeben wird. schweigen.
das Morgen- und das Abendopfer belegt (1 Kön Über den vorexilischen Kult in Dennoch spielen im Dtn gemein-
18,29; 2 Kön 16,15). Israel und Juda gibt es kaum gesi- same Mahlzeiten eine enorme Rolle.
Wie 1 Sam 1,3-5 zeigt, teilte der Familienvor- cherte Informationen. Nur wenige Ihre Bedeutung wird sehr ernst ge-
stand am Lokalheiligtum das Opfer für eine und unvollständige Überlieferungs- nommen, da sie als Möglichkeit zur
gemeinsame Mahlzeit mit Gott unter seiner Fa- splitter über Opferrituale haben in Identitätsstiftung erkannt werden.
milie auf. Der Anlass wurde dafür genutzt, Gott die biblische Überlieferung Eingang Neu ist der Aspekt, dass nun verstärkt
zu danken oder ihn (u. a. mit Gelübde) um et- gefunden und wurden dort durch das kulturelle Gedächtnis mit einbe-
was zu bitten. Zentral war in vorexilischer Zeit die schriftgelehrte Arbeit späterer zogen wird. Dies entspricht dem pä-
das „Schlachtopfer“, das von jedermann dar- Generationen interpretiert. Was also dagogischen Konzept des Dtn: Mahl-
gebracht werden und anschließend gemein- wirklich wozu und wie genau in der zeiten sind nun Erinnerungsmähler,
sam gegessen werden konnte. Es war sowohl vor­exilischen Zeit auf Höhen, in bei denen die Teilnehmer ihrer Tra-

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Kultische Mähler im Alten Orient und in Palästina/Israel

dition und Vergangenheit gedenken. Kinder die Opfer allein dar, sodass sie auch letztlich die
lernen von ihren Eltern. Das gemeinschaftliche alleinigen Vermittler göttlichen Segens werden, Tora des Mose
Essen ist nicht nur ein Akt des Erinnerns, son- der nach wie vor von JHWH als Reaktion auf das Die Anweisungen in den
dern ein Akt der Teilnahme an der Identität als Opfer erwartet wird. Mahlgemeinschaft halten Büchern Ex bis Dtn, also
2.–5. Mose sind nicht, wie
Israelit. Dies zeigt sich besonders beim Pessach- nun nur noch die Priester mit JHWH im Tempel,
man vermuten könnte,
Mazzot-Fest, das vor Dtn 16 einen Blutritus mit wenn sie von seinen Opfern ihren Anteil erhal-
für die „erste“ Zeit Israels
dem Pessachlamm am jeweiligen Haus-/Zeltein- ten. Es ist die Priesterschrift, die den Opferkult geschrieben, sondern
gang einer Familie beinhaltete, was nun im Dtn einer tief greifenden Neuinterpretation unter- für die Zeit nach dem
durch ein Opfer mit anschließendem Gemein- zieht, indem sie beinahe sämtliche Opfer mit Babylonischen Exil. Sie
schaftsmahl am Zentralheiligtum ersetzt wird. dem Gedanken der Sühne verbindet. beziehen ihre Autorität von
Das Pessach wurde so in den zentralen und Zu diesem Zweck werden nicht nur die tradi- Mose, um die Verbindung
professionellen Opferkult am Tempel integriert. tionellen Opfer umgestaltet (Lev 1-3), sondern zur Anfangszeit Israels
Die Israeliten sollen dorthin wallfahren und eine es treten auch neue Opferarten (Sünd- und das herzustellen.
Mahlgemeinschaft halten. Neu ist zudem an Dtn Schuldopfer; s. Lev 4-5) hinzu. Pessach, Sabbat
16, dass das Pessach-Mazzot-Fest explizit und und die Speisegebote spielen für die fromme Le- Priesterschrift
konsequent mit dem Exodusgeschehen verbun- bensführung und die Identität als Mitglied des Texte innerhalb der Bücher
den wird, sodass es nun zu einem Gedächtnisfest Gottesvolks im Privatbereich eine zunehmende Gen–Dtn /1.–5. Mose, die
der Rettung aus Ägypten wird. Die Speisegebote, Rolle (s. die Argumentation des Heiligkeitsge- nach der Rückkehr von
bei denen die Mazzen (schnell gebackenes, un- setzes, Lev/3.Mose 17–26) dies umso mehr, als Teilen der nach Babylon
gesäuertes Brot, „Speise der Bedrängnis“) den diese Vorschriften – wenigstens in der Prägung verschleppten Israeliten
Tag der Befreiung aus Ägypten erinnernd verge- der priesterschriftlichen Tradition – diaspora- nach Kanaan geschrieben
genwärtigen, Speiseverbote (Gesäuertes) und das tauglich sind: Man kann sie überall einhalten. wurden, um die Katastro-
phe im Glauben an JHWH
gemeinschaftliche Essen des Pessach stiften die Eine andere Entwicklung ist von der propheti-
zu bewältigen und die Re-
Einheit des Gottesvolkes. In Jerusalem wird beim schen (Jes 1,10-17; Jer 7,21f; Hos 6,6; Am 5,21-25)
geln des Neuanfangs fest-
Essen von Mazzen und Pessachlamm der Auszug und weisheitlichen Opferkritik (Spr 15,8; 21,27) zulegen. Typisch sind darin
aus Ägypten nachgespielt. Die dortige Festge- beeinflusst: Sie fordert die rechte innere Haltung z. B. ordnende Elemente
meinschaft reiht sich sozusagen in den traditi- beim Opfer ein und bevorzugt fromme Gebete. (7-Tage-Schöpfung) und
onellen Zug der Israeliten ein. Hierbei spielt die Materielle Speisegaben und der Gedanke des die Formel „ganz Israel“.
Abgrenzung nach außen eine ebenso große Rolle sakralen Mahls werden mehr und mehr durch
wie die Tatsache, dass diese Mahlzeiten jährlich
zu den Festanlässen regelmäßig wiederholt wer-
den und somit JHWHs Rettungstat in der Vergan-
genheit jeweils neu zur Gegenwart wird. „Heute“ Materielle Speisegaben werden
ist die Nacht, in der Israel gerettet wird – wovor mehr und mehr durch toragemäße
auch immer. Die Festfreude ist an dieses gemein-
schaftliche Mahl gebunden, das man vor und mit Lebensführung ersetzt.
JHWH einnimmt. Man genießt mit Gott und dankt
ihm zugleich für seine Gaben (Dtn 12,7.12.18;
26,11). Diese Theorie des Pessach-Mazzotfests des Gesetzesgehorsam und toragemäße Lebensfüh-
Dtn ist schon im Alten Testament selber umstrit- rung ersetzt. Das wahre Opfer ist das Leben des
ten: über das Feierdatum, den Feierort (zentrales Frommen, der seinen ganzen Lebensweg mit
Heiligtum versus Familie, Ortsgemeinde), die Gott geht. Ein schönes neuzeitliches Beispiel
Riten, das Ausmaß und die Art der Priesterbetei- der Umsetzung dieses Gedankens ist das Kir-
ligung, die Interpretation und Abgrenzung der chenlied „Die güldne Sonne“, das in der dritten
Festgemeinde gab es unterschiedliche Ansichten, Strophe den Text enthält: „dankbare Lieder sind
die sich durchaus ausschließen. Weihrauch und Widder, an welchen er sich am
meisten ergötzt“.
Die echte Mahlgemeinschaft mit JHWH rückt
Die Zeit des Zweiten Tempels zunehmend in die Endzeit: Beim Festmahl auf
Dass jeder JHWH opfert und folglich mit ihm dem Zion am Ende der Tage (Jes 25,6-8) wird Prof. Dr. Angelika Berlejung ist
Professorin für Alttestamentliche
tafelt ist nach der „Tora des Mose“, die für den JHWH der Gastgeber sein. Bei diesem Gelage der
Wissenschaft an der Universität
Zweiten Tempel bestimmt war, nicht mehr er- Fülle wird auch die Vernichtung des Todes für Leipzig und Professor extraor-
laubt. immer verheißen. Diese Heilsweissagung trifft dinaire für Altorientalistik an
Es sind die Priester, die hier das alleinige Vor- alle Völker, sodass ein internationales Völker- der Universität Stellenbosch/
recht für sich beansprucht haben. Sie bringen Gottesmahl am Ende aller Zeiten stehen wird. W Südafrika.

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Am Pessachfest gibt es einen besonderen Teller, der symbolische Speisen bereithält:
Maror (Bitterkraut als Zeichen der Knechtschaft in Ägypten), Seroa (eine angebratene
Lammkeule, die an die Opferung eines Pessach-Lamms im Jerusalemer Tempel erin-
nert. Da der Tempel nicht mehr steht, bleibt der Seroa auf dem Teller liegen), Charosset
(Mischung aus Apfel, Datteln, Nüssen als Symbol für den Lehm, aus dem die Israeliten
Ziegel herstellen mussten), Chaseret (Bitterkraut für die zermürbende Arbeit in Ägypten),
Beitzah (gesottenes Ei, zum Zeichen der Gebrechlichkeit menschlicher Geschicke, aber
auch der Fruchtbarkeit und schließlich der Trau­er um den zerstörten Tempel).

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Die religiöse Dimension des Mahls im antiken Judentum

Sag mir, was du isst …


An der Tischgemeinschaft zeigt sich, welche Beziehung Menschen zueinander
haben. Das gilt in erhöhtem Maße für Mähler, die an religiösen Feiertagen
gehalten werden. Weil im Judentum daran die Frage der Identität hängt,
wurden strenge Speiseregeln aufgestellt. Von Benedikt Eckhardt

M
ahlzeiten stiften Gemeinschaft – das Schwierigkeiten, die eine stark auf der religiösen
ist zu allen Zeiten bekannt gewesen Codierung des Mahls gegründete Identität im
und oft für politische Gesten genutzt Umgang mit denen bereitet, die nicht der eige-
worden. Es überrascht daher kaum, dass auch nen Gemeinschaft angehören.
der Neubeginn der israelitischen Gemeinschaft
nach dem babylonischen Exil, die Einweihung
des Zweiten Tempels, mit einem Pessachmahl Essen und Krise
verbunden wird. Das Mahl wird organisiert von Ähnliche Bedeutung erhielten Mahlzeiten dann
den Söhnen derjenigen, die ins Babylonische erst wieder durch einen skandalösen Vorgang.
Exil geführt worden sind (Esra 6,19-22). Man Als Antiochos IV. 168 vC in Jerusalem den Tem-
hätte die Tempelweihung auch mit dem Laub- pel entweihte und das jüdische Gesetz außer
hüttenfest verbinden können, wie es für Salomo Kraft setzte, soll er Juden dazu gezwungen ha-
(2 Chr 7,9) und später für die Hasmonäer be- ben, in der Öffentlichkeit Schweinefleisch zu es-
richtet wird (2 Makk 10). Auch dann hätte es ein sen – ein Symbol der Anerkennung königlicher
Mahl gegeben, doch Macht, dem sich eine
Pessach ist eine nach- Mutter mit ihren sie-
vollziehbare Wahl. Das Mahl, das an den Auszug ben Söhnen dadurch
Das Mahl, das an den
Auszug aus Ägypten
aus Ägypten erinnert, wird verweigert haben soll,
dass die ganze Fami-
erinnert, wird zum zum Gründungsmahl der neuen lie sich zu Tode fol-
Gründungsritual der
neuen, nachexili-
nachexilischen Gemeinde tern ließ (2 Makk 7, 4
Makk).
schen Gemeinde. Im Diese Erzählung
Gedenken an die Vorfahren feiert man die eigene war in ihrer Symbolik so eindrücklich, dass
Geschichte der Rückführung ins Heilige Land. die frühen Christen den makkabäischen Mär-
Religiöse Mahlzeiten können aber auch Ge- tyrern einen eigenen Kult widmeten (erwähnt
meinschaft verhindern – dann nämlich, wenn z. B. in Augustinus, In solemnitate martyrum Das vierte
es bestimmten Personengruppen aus religiösen Machabaeorum). Religion und weltliche Macht Makkabäerbuch:
Gründen nicht möglich ist, am Mahl der anderen prallten aufeinander, wobei die Frage nach Philosophische Schrift, die
teilzunehmen. Auch das hat eine identitätsstif- der Einhaltung der Speisegesetze im Fokus des am Ende des 1. Jh. nC von
hellenistischen Juden in
tende Wirkung. Es kann aber, je nach Kontext, Streites stand. Natürlich sind es die Ermorde-
Syrien verfasst wurde. Sie
zur Isolierung der eigenen Gruppe gegenüber ten, die nach der Logik dieser Texte durch ihre
befasst sich mit der Rolle
anderen führen. Die jüdische Geschichte der Glaubens­treue den eigentlichen Sieg davonge-
der Vernunft als Herrsche-
Antike zeigt beide Elemente in immer neuen tragen haben. Dass die Geschichte wohl erfun- rin über die Triebe. In
Varianten: Die integrative Wirkung einer Mahl- den ist, tut dieser Symbolik keinen Abbruch. Sie manchen orthodoxen Kir-
gemeinschaft, deren religiöse Aufladung so- zeigt, wie eng im Rückblick auf die Maßnahmen chen wurde sie als Anhang
gar eine Verbindung mit den Ursprüngen der von 168 die jüdische Identität an die Speisege- in den biblischen Kanon
eigenen Gemeinde ermöglicht, aber auch die setze gebunden wurde. aufgenommen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 21
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den Heiden und esst nicht mit ihnen“, sagt Ab-


raham zu Jakob im Jubiläenbuch (22,16) – die
Stelle hat in der biblischen Abrahamsgeschichte
keine Parallele. Aus der Krise der jüdischen Re-
ligion entstand also ein neuer Exklusivismus bei
Tisch, der Juden und Nichtjuden deutlich schär-
fer voneinander trennte, als es davor der Fall ge-
wesen war. Gleichzeitig legte die aus den Wirren
des Makkabäeraufstands hervorgegangene jüdi-
sche Hasmonäerdynastie größten Wert darauf,
ihre militärischen Erfolge durch die Einführung
von Festen zu verewigen, zu denen natürlich
auch ein Mahl gehörte. Die meisten davon sind
längst vergessen, das wichtigste dagegen wird
noch heute gefeiert: Chanukka, die Feier der
Rückeroberung und Neuweihung des Tempels
im Jahr 165 vC.

Sekte und Gemeinschaft


Doch religiöse Mahlzeiten können auch Gemein-
schaften unterhalb solch abstrakter Größen wie
Staat oder Volk stiften. Zu den spektakulärsten
Texten, die zwischen 1947 und 1956 nahe der
Siedlung Qumran gefunden wurden, gehört die
„Gemeinderegel“ (1QS). Es handelt sich um die
ca. 100 vC verschriftlichte Ordnung einer religiö-
sen Sekte, die sich von Jerusalem und dem Tem-
pel losgesagt hatte. Zu den vielen im Detail ge-
regelten Elementen des Gemeindelebens gehört
auch das Gemeinschaftsmahl. „Wenn der Tisch
zum Essen bereitet worden ist, oder der neue
Wein zum Trinken, soll der Priester als Erster die
Hand ausstrecken, um die erste Portion des Bro-
tes und des neuen Weins zu segnen“ (1QS 6,5-6).
Dass das Mahl mit einer religiösen Geste be-
ginnt, ist im antiken Kontext völlig normal. Und
doch bleibt die Gemeinderegel ein hochinteres-
Tödliche Speise- Gleichzeitig sind die Speiseregeln der Tora of- santes Beispiel für eine auf das Mahl gegrün-
gesetze: Die Mutter fenbar um einige Punkte erweitert worden. Das dete Gemeinschaftsform, die in diesem Fall in
der Makkabäer bei zur Zeit des Makkabäeraufstands abgeschlosse- scharfer Opposition zur jüdischen Mehrheitsge-
der Hinrichtung ne Buch Daniel beginnt mit einem Bericht über sellschaft steht. Die weiteren Ausführungen zur
ihrer sieben Söhne, Daniel am Hof zu Babel, in dem Wert darauf ge-
die sich weigerten, legt wird, dass Daniel sich nie mit Nahrung und
Schweinefleisch zu Wein des Königs verunreinigt habe (1,8). Die Dass das Mahl mit einer
essen. Holzstich von
Gustave Doré, später
biblischen Speisegesetze verbieten weder Wein religiösen Geste beginnt, ist im
noch Tischgemeinschaft mit Nichtjuden oder
koloriert. Aus der Nahrung, die von Nichtjuden zubereitet worden antiken Kontext völlig normal
Folge der 230 Bilder
ist. Es handelt sich offenbar um eine Verschär-
zur Bibel,1865.
fung der Regeln – mit dem Ergebnis, dass selbst
ein harmloses Mahl am Tisch eines Nichtjuden Gemeindedisziplin zeigen, dass das Mahl für die
zum Problem wird. Aus vermutlich etwas spä- Abbildung von Hierarchien und die Aufrechter-
terer Zeit stammen mit den Büchern Tobit und haltung der Sektenideologie von großer Bedeu-
Judit und dem apokryphen Jubiläenbuch gleich tung war; es war der Ort, an dem die Gemeinde
drei weitere Texte, die diese Verschärfung als gleichsam zu sich selbst kam – umso wichtiger,
neue Norm erscheinen lassen. „Trennt euch von dass es dabei ordentlich zuging.

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Im Anschluss an die Gemeinderegel findet sonders hoch schätzten (Petronius, Fragment


sich auf derselben Schriftrolle noch ein zweiter, 37; Plutarch, Moralia 669F). Wohl in Reaktion
deutlich kürzerer Text (1QSa). Auch er enthält auf dieses weitverbreitete Unverständnis entwi-
eine Mahlschilderung, die sich jedoch in einem ckelten jüdische Philosophen Erklärungsmodel-
wesentlichen Punkt von der aus 1QS bekannten le, die hinter dem Buchstaben des Gesetzes eine
unterscheidet: Neben dem Priester, der auch tiefere, allegorische Bedeutung postulierten.
hier als Erster Brot und Wein segnet, ist beim Ein- oder Vielhufer etwa stehen nach Philo von
Mahl auch „der Gesalbte Israels“ anwesend. Der Alexandria für eine falsche Weltsicht, in der es
Messias also zu Tisch in Qumran? Die Idee, dass entweder keinen Unterschied zwischen Wahr
es nach dem Ende der Welt ein Bankett gibt, hat
in der späteren jüdischen Apokalyptik sowie in
rabbinischen und christlichen Traditionen eine
gewisse Bedeutung. Ob man sie aber schon in Fasten im Judentum
Qumran suchen sollte, ist doch zu bezweifeln.

A
Manches spricht dafür, dass es sich bei 1QSa uch der an bestimmte Anlässe der Juden verbunden sind. Sie
schlicht um eine ältere Fassung derjenigen Re- gebundene Mahlverzicht kann berührt damit die Möglichkeit des
gel handelt, die wir in 1QS finden – also eben- Zugehörigkeit anzeigen. Die Tora privaten Fastens aus Frömmigkeit,
falls um eine Ordnung für das Leben in der Ge- schreibt mit Jom Kippur (Lev 3,26- das etwa die Pharisäer laut dem
genwart. Und der Messias? Als gräzisierte Form
32) nur einen Fasttag verpflich- NT (z. B. Mt 9,14) praktizieren,
des hebräischen Wortes mašiach („Gesalbter“)
tend vor, doch mit der Zeit kamen das aber auch in jüdischen Schrif-
ist „Messias“ in den christlichen Schriften ein
weitere Anlässe hinzu. Zu einem ten erwähnt wird (z. B. Tob 12,8).
feststehender Begriff zur Bezeichnung Jesu.
unbekannten Zeitpunkt wurde Der jüdische Philosoph Philo
Sieht man in 1QSa nicht neutral einen „Gesalb-
etwa das Fasten Esters (Est 4,15- beschreibt als Ideal eine (fiktive)
ten“, sondern einen „Messias“, riskiert man
16) zur Aufforderung umgedeutet, Gruppe anscheinend jüdischer
eine Übertragung christlicher Deutungsmuster
auf Texte, in denen sie nichts zu suchen haben. am Tag vor Purim zu fasten. Die Philosophen in der Nähe von
Der „Gesalbte“ in unserem Text aus Qumran hebräische „Fastenrolle“ (Megillat Alexandria, in der man sich außer
könnte ein Amtsträger innerhalb der Gemeinde Ta’anit Batra) kennt am Übergang von Brot und etwas Ysop von über-
sein, was auch erklären würde, warum selbst zum Mittelalter 24 Fasttage, die haupt nichts mehr ernährt (de vita
in diesem vermeintlich endzeitlichen Szenario aber kaum allgemein verbreitet contemplativa). Auch römische
der Priester noch den Vorrang beim Mahl hat. gewesen sind. Demgegenüber Quellen erwähnen jüdisches Fas-
Gerade die Reihenfolge beim Vollzug religiöser nennt die deutlich früher (1./2. ten (Tacitus, Historiae 5,4), irren
Riten kann Hierarchien innerhalb einer Gemein- Jh. nC?) entstandene aramäische sich aber etwa in der Annahme,
de sichtbar machen. In späteren Formen der Ge- Fastenrolle (Megillat Ta’anit) 36 die Juden würden am Sabbat
meinderegel ist der „Gesalbte“ dann gar nicht Tage, an denen man nicht fasten fasten (z. B. Augustus laut Sueton,
mehr zu finden. darf, da sie mit glorreichen Siegen Divus Augustus 76).

Jüdische Mahlzeiten in
nicht jüdischer Umgebung
Die Speisegesetze erschwerten denjenigen
Juden, die außerhalb Palästinas lebten, die
Integration in die griechisch-römische Mehr-
heitsgesellschaft. Mit dem Opfer und dem Ge-
meinschaftsmahl waren die Juden von gleich
zwei rituellen Handlungen ausgeschlossen, die
die Zugehörigkeit zu einer antiken Stadt we-
sentlich bestimmten. Es fehlt denn auch in der
antiken Literatur nicht an abfälligen Bemerkun-
gen. Der römische Senator Tacitus konnte die
vermeintlich menschenfeindliche Haltung der
Juden auch daran festmachen, dass sie „beim
Essen abgesondert“ seien (Historiae 5,5); an-
dere schlossen aus der Weigerung, Schweine Schriftrolle mit dem Anfang des Buches Ester mit einem
zu opfern oder zu essen, dass die Juden das Jad (Lesefinger zum Anzeigen des gelesenen Textes)
Schwein als Gott verehrten oder jedenfalls be-

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welt und umwelt der bibel 1/2017 23
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Seder-Gemeinschaft; Aschkenasi-Haggadah. Norditalien um 1460/75.

und Falsch oder zu viele Deutungsmöglichkei- Kißel). Ob Persius tatsächlich ein Sabbatmahl
ten gibt – deshalb sind sie verboten, Paarhufer beobachtet hat, ist ebenso umstritten wie die
hingegen koscher (de specialis legibus). Derarti- Frage, was es mit den „Tagen des Herodes“ auf
ge Deutungen können allerdings kaum mehr als sich hat. Deutlich ist aber zu spüren, wie fremd
einer Handvoll Intellektueller zugänglich gewe- die Juden und ihre Mahlzeiten römischen Be-
sen sein. obachtern erscheinen konnten. Grundsätzliche
Wie gut Nichtjuden über das, was wirklich Beeinträchtigungen der jüdischen Lebensweise
in jüdischen Gemeinden vorging, informiert scheint es allerdings in römischer Zeit nicht ge-
waren, ist ganz unklar. Der römische Dichter geben zu haben. Jüdische Versammlungen und
Persius gibt allerdings eine nicht eben schmei- Mahlzeiten waren generell erlaubt; die Bürger
chelhafte Beschreibung eines jüdischen Mahls: von Sardeis verpflichteten sogar die örtlichen
„Doch sind des Herodes Tage genaht und, ver- Marktaufseher dazu, „geeignete Nahrung“ für
teilt am schmierigen Fenster, speien die Lam- die Juden einzuführen (Josephus, Antiquitates
14,261).

Deutlich ist zu spüren, wie fremd den Römern Judentum ohne Tempel
die Juden und ihre Mahlzeiten waren Mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im
Jahr 70 nC stellte sich die Frage neu, was jüdi-
sche Kultpraxis eigentlich ausmachte und wie
pen, veilchenbekränzt, fetten Qualm, und, die sie künftig aussehen konnte. Die zentralen Feste
rötliche Schüssel umfassend, schwimmt des waren seit Jahrhunderten untrennbar mit dem
Thunfisches Schwanz, und von Wein schwillt Tempel verbunden gewesen. Mussten sie nun
hell die Karaffe, bewegst du still deine Lippen, entfallen, und wenn ja, war Judentum ohne die-
erbleichst vorm beschnittenen Sabbat“ (Übs. W. se Feste überhaupt denkbar? Wie die allermeis-

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ten Juden im Römischen Reich auf diese Heraus-


forderungen reagierten, wissen wir nicht. Gut
bekannt ist uns dagegen der ambitionierte Ver-
such einer Gruppe von Toragelehrten in Paläs-
tina, den Tempelkult durch eine Sakralisierung
alltäglicher Verhaltensweisen und gerade auch
der Mahlzeiten zu ersetzen. Ihre Lösungen und
Lehrmeinungen sind um 200 nC in der Misch-
na und der Tosefta verschriftlicht worden; es
handelt sich um die Anfänge des rabbinischen
Schrifttums.
Die rabbinischen Texte enthalten einerseits
Anordnungen zu Festmählern, insbesondere zu
Pessach. Der Vater soll den Sohn über die Eigen-
art dieser Nacht belehren; über drei Dinge soll
auf jeden Fall gesprochen werden: Das Pessach-
lamm, das ungesäuerte Brot und die Bitterkräu-
ter (m. Pesachim 10,4-5). Die Rabbis ersetzen also Die Sulfanjot (in Fett gebacken) erinnern an das Ölwunder bei der
das Opfer durch ein Mahl mit vorgegebenem Di- Wiedereinweihung des Tempels. Auf kleinen Kreiseln (Dreideln), mit
alog und schreiben diesem Mahl auch Elemente denen Kinder spielen, sind die Anfangsbuchstaben des folgenden Satzes
aus der biblischen Geschichte vom Auszug aus aufgemalt: „Ein großes Wunder ist hier geschehen.“ Damit wird an das Öl
Ägypten ein (Ex 12-13). Neben den Festmählern erinnert, das acht Tage reichte, um den Leuchter am Brennen zu halten.
wird jüdische Identität ferner durch eine Reihe
alltäglicher Rituale gesichert: Vom Brotteig wird
der zehnte Teil als Gabe an Gott beiseitegelegt;
zahlreiche Regeln erschweren zudem das ge- (etwa m. Gittin 5,9; t. Demai 3,7) Auch die Spei- Lesetipps
meinsame Mahl mit Nichtjuden. segesetze (kašrut) spielen bei diesen Differenzie- • B. Eckhardt, Ethnos
In den rabbinischen Schriften dient die re- rungsbemühungen eine wichtige Rolle. Erst in und Herrschaft. Politische
ligiöse Gestaltung und Deutung des Mahls den rabbinischen Schriften findet sich etwa das Figurationen judäischer
aber nicht nur der Aufrechterhaltung jüdischer Verbot der Kombination von Milch- und Fleisch- Identität von Antiochos III.
Identität und der Abgrenzung zur nicht jüdi- produkten (m. Hullin 8,1). Derartige Neuinter- bis Herodes I., Berlin 2013.
schen Umwelt. Sie ist in mindestens gleichem, pretationen zementierten die Unterscheidung • J. D. Rosenblum, Food
ja eher noch stärkerem Maße ein Mittel der Ab- zwischen denjenigen, die die „richtige“ Aus- and Identity in Early
grenzung zum nicht rabbinischen Judentum. legung eines biblischen Gebots (hier Ex 23,19) Rabbinic Judaism,
Bei den antiken Rabbis handelte es sich nicht nicht kannten oder nicht befolgten, und den Cambridge 2010.
um eine allgemein anerkannte Autorität in To- rabbinischen Juden. • B. Eckhardt, Meals and
rafragen, sondern um einen kleinen Zirkel von Die späteren rabbinischen Schriften haben Politics in the Yahad: A
Gelehrten, die in „Genossenschaften“ (chavurot) diese Tendenzen weitergeführt und teils noch Reconsideration, Dead
zusammenkamen – eine Elitegruppe also, die verschärft. Für die gemeinschaftsstiftende und Sea Discoveries 17 (2010),
ausschließende Funktion religiöser Mahlzeiten 180–209.
haben sie einen so klaren Blick gehabt wie wohl • J. Maier, Messias oder
Zahlreiche Regeln erschweren keine andere Textsammlung aus der Antike. Gesalbter? Zu einem
Vielleicht liegt es daran, dass Philos Allegoresen Übersetzungs- und
das Mahl mit Nichtjuden im heutigen jüdischen Leben keine Rolle mehr Deutungsproblem in
spielen, während zumindest einige rabbinische den Qumrantexten,
Auslegungen Allgemeingut geworden sind. W Revue de Qumrân 17
sich selbst am ehesten in Kontinuität zu den frü- (1996), 585–612.
heren Tempelpriestern sah und sich scharf von
den „Leuten des Landes“ (amme ha-aretz), den
nicht rabbinischen Juden, abgrenzte. Hinweise
auf diese Auseinandersetzung finden sich gera-
de in den Mahlregeln zuhauf. Die Rabbis disku-
tieren immer wieder Probleme, die sich aus der Dr. Benedikt Eckhardt
möglichen Tischgemeinschaft von rabbinischen ist Dozent am Institut für
und nicht rabbinischen Juden oder auch nur aus Geschichtswissenschaft der
der gemeinsamen Essenszubereitung ergeben Universität Bremen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 25
Grabplatte mit Speisen für
einen Verstorbenen, Timgad
(Algerien), 1. Jh vC.

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Die jahrtausendealte Tradition der Mähler mit Verstorbenen

Essen an den Gräbern


In den Friedwäldern der Gegenwart lebt ein uralter Brauch neu auf: Die Hinter-
bliebenen versammeln sich am Grab und halten dort ein Picknick ab. Sie genießen
die Ruhe und den Frieden in der freien Natur, und gelegentlich überkommt sie
dabei das Gefühl, der oder die Verstorbene sei anwesend. Von Andreas Merkt

E
in solches „Totenmahl“ ist schon im 3. trank. Die Aushöhlungen der Kellen dienen zu-
Jahrtausend vC auf einer Keilschriftta- gleich als Öffnungen der Libationsröhren, durch
fel in Nordsyrien bezeugt. Im Vorderen die man den Toten versorgte. Dabei sprach man:
Orient kümmerte sich neben der Familie eine „Iss und trink und lass es dir gut gehen.“ Ein
besondere Einrichtung um das Totenmahl mar- Totenmahl war also mehr als ein Erinnerungs-
zeah –, ein Feierverein, der ein Haus für die Fei- mahl: Der Tote selbst, so glaubte man, nahm
erlichkeiten sowie Felder, Weinberge und Vieh daran teil.
zur Verköstigung der Feiergesellschaft besaß.
Ähnlich wie bei den marzeah übernahmen im
Römischen Reich nach und nach Vereine (colle- Friede und Eintracht
gia) anstelle der Familien die Organisation der Die parentalia endeten am neunten Tag mit der
Totenmähler. Feier der caristia, der „lieben Verwandtschaft“.
Ein Festmahl für den Toten fand also nicht nur Dieses Fest verdeutlicht die soziale Bedeutung
unmittelbar nach dem Begräbnis statt. Nach der Totenmähler. Valerius Maximus erklärt in
der Bestattung gab es ein Totenmahl im engen seinen „Denkwürdigkeiten“ den Sinn des Mah-
Familienkreis und ein Bankett (silicernium) der les: „Unsere Vorfahren richteten auch ein feierli-
Angehörigen am Grab. Nach neun Tagen endete ches Mahl ein und nannten es caristia (…). Wenn
die erste Trauerphase mit der cena novemdialis. irgendein Streit unter den Verwandten entstan-
Danach nahmen die Angehörigen ihr Alltagsle- den war, sollte er (…) bei der heiligen Feier des Ti-
ben wieder auf, um von nun an den Toten vor sches und angesichts der allgemeinen Heiterkeit
allem zweimal im Jahr mit einem Mahl zu ehren: beigelegt werden.“
an seinem Geburtstag und am allgemeinen To- Die Mähler dienten also der Wiederherstel-
tenfest der Römer, den parentalia im Februar. lung von Frieden und Eintracht in der Fami-
lie. Ähnlich förderten sie in den Vereinen den
Zusammenhalt ihrer Mitglieder. Auch bei den
„Glühwein“, Fisch und Kuchen, Christen standen diese klassischen römischen
Eier und Brot Familientugenden im Vordergrund.
Abascanthus stellte den Vereinsoberen und den
Magistraten für seine Totenmähler so viel Geld
zur Verfügung, dass für Speis und Trank im Archäologische Spuren
Überfluss gesorgt war. Eine Grabplatte aus Alge- Dass die Christen die alte Praxis wie selbstver-
rien (s. Abb. links) zeigt im Relief die typischen ständlich weiterführten, bezeugt vor allem die
Speisen und Bestecke eines antiken Totenmahls: Archäologie. An christlichen Gräbern befanden
zwei Fische, Brote, kleine Kuchen, Eier mit Ei- sich die gleichen Einrichtungen für das Toten-
erlöffeln, ein Messer, ein Esslöffel und zwei mahl wie an heidnischen. In den Katakomben
Schöpfkellen, aus denen man erwärmten Wein Roms und auf den Friedhöfen Nordafrikas, Spa-

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welt und umwelt der bibel 1/2017 27
Mahlgemeinschaft mit Verstorbenen

Die Katakombe San niens und der Levante hat man unmittelbar ne- den Mahlfeiern. Im Putz der umlaufenden Bän-
Gennaro in Neapel, ben den Gräbern zahlreiche steinerne Tische mit ke hat man mehr als 300 Graffiti gefunden, in
Italien. Hier wurden bei runden Schalen aus Glas oder Marmor gefun- denen Petrus und Paulus angerufen wurden.
den Verstorbenen auch den. In den christlichen Katakomben auf Malta Vermutlich haben die Christen Roms während
Mahlfeiern abgehalten. sind diese sogenannten Mensen von Liegebän- der Valerianischen Verfolgung im Jahre 258 Re-
ken umschlossen, sodass man hier das Toten- liquien von Petrus und Paulus hierhin gebracht.
mahl direkt bei den Gräbern abhalten konnte. Inmitten des riesigen Friedhofs, der von den Rö-
Meist war es aber so eng, dass nur ein Teil der mern frequentiert wurde, dürften die Christen
Festgesellschaft zu einer symbolischen Toten- nicht aufgefallen sein, wenn sie wie ihre Mitbür-
speisung hinabstieg. Das eigentliche Festmahl ger Totenmähler abhielten.
Die Wände eines
fand oberirdisch statt, im Freien oder aber in ei-
Mahlraums neben einem nem Speiseraum, dem Triklinium, in dem man
Grab in Tipasa ziert ein
auf Lagern (griech. kline) um einen Tisch herum „Saufereien und
Mosaik mit der Inschrift: ausschweifende Gelage“
lag. Daneben befand sich meist ein kleines Be-
„Bei Gott, Friede und
cken, manchmal auch eine Zisterne oder sogar Die Totenmähler waren also auch bei Christen
Eintracht sei mit unserer
Mahlgemeinschaft!“ Noch eine kleine Küche. überaus beliebt. Besondere Highlights stellten
häufiger wird in christ- Unter San Sebastiano in Rom hat man einen die Märtyrerfeste dar, die man an den Gräbern
lichen Grabinschriften Totenmahlplatz der frühen Christen ausgegra- mit Vigilfeiern beging. Das war nicht unproble-
jedoch das Begriffspaar ben, der inmitten eines Gräberfeldes lag. In die- matisch. Schon Tertullian hatte um 200 auf die
„Friede und Liebe“ verwen- ser Hofanlage, mit 360 m² etwa so groß wie ein Nähe zum heidnischen Ahnenkult hingewiesen.
det. Tipasa (Algerien), 4. Tennisplatz, versammelten sich im 3. Jh. Chris- Und noch zwei Jahrhunderte später musste Au-
Jh. nC. ten zum Totenmahl. Vor Sonne und Regen konn- gustinus klarstellen: „Die, welche Lebensmittel
ten sie sich auf den überdachten Bänken schüt- mitnehmen (…), tun das in der Absicht, sie durch
zen, die um das Atrium liefen. Ein Brunnenhaus die Verdienste der Märtyrer heiligen zu lassen.
diente der Erfrischung und der Versorgung bei Dass es sich nicht um Opfer an die Adresse der

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Mahlgemeinschaft mit Verstorbenen

Steinrelief eines Toten-


mahls von einer Grabstele.
2./3. Jh. nC, Trier, Rheini-
Cominius aus miseno plant sein totenmahl sches Landesmuseum.

I n Miseno bei Neapel hat man ein Vereins-


heim der Augustalen (Priesterkollegium
zur Verehrung der Kaiser) ausgegraben.
Grabgarten jedes Jahr am Tag der Parenta-
lia für zehn Paare von Ringern. Für jeden
Sieger 8 Sesterzen, für jeden Verlierer 4
Dabei fand man eine Inschrift, die deutlich Sesterzen, Salböl für 16 Sesterzen, für die
macht, wie der Vereinspräsident Cominius hausgeborenen Sklaven 60 Sesterzen, für
Abascanthus für sein eigenes Totengeden- den Lieferanten des Sandes 8 Sesterzen.
ken Vorsorge getroffen hat: Zum Schmuck des Grabes mit Veilchen 16
Sesterzen, ebenso mit Rosen 16 Sesterzen.
„Er gab 110 000 Sesterzen an die Deku- Und über meine Überreste soll Nardenöl
rionen für die Bereitstellung von süßem ausgeschüttet werden, zum Pfundpreis von
Wein für sie und das Volk […] an seinem 24 Sesterzen. Und ich will, dass die […]
Geburtstag. Ebenso gab er den Augustalen Magistrate an diesem Tag in dem Triclinium
20 000 Sesterzen, damit aus dem Ertrag speisen […], und dass dafür 100 Sesterzen
dieser Summen jedes Jahr an dem oben ausgegeben werden und dass an diesem
erwähnten Tag […] eine Verteilung stattfin- Tag für das mir darzubringende Opfer 60
de nach der vorgegebenen Vorschrift. Sesterzen ausgegeben werden und die üb-
Zudem hat er dem Verein 10 000 Sester- rigen 140 Sesterzen sollen zur Wiederher-
zen gestiftet. Die Zinserträge sollten unter stellung desselben Grabgartens verwendet
anderem verwendet werden für meinen werden, sooft es notwendig ist.“

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Mahlgemeinschaft mit Verstorbenen

Grab und Altartisch Märtyrer handelt, wissen alle die, welche das auf den Friedhöfen durch die Feier der Eucharis-
gehören zusam- einzige Opfer der Christen kennen, das man auch tie zu ersetzen.
men: Grabaltar mit den dort darbringt.“
Gebeinen des hl. Alfons Hinzu kamen moralische Bedenken. Schon
Liguori in Pagani. Der bei einem normalen Mahl konnte ein Christ, wie Reliquien im Altar
Verstorbene Liguori ist der christliche Lehrer Klemens von Alexandria Um die diffusen Kräfte der Totenfrömmigkeit
auf diese Weise immer verdeutlicht, vieles falsch machen. Ruft man auf die Eucharistie zu konzentrieren, brachte
Teil der Mahlgemein- einen Diener mit einem Schnipsen, verweigert man die Kirche auf die Friedhöfe und die To-
schaft. man ihm die Menschlichkeit. Oder man redet zü- ten in die Kirche. Man deponierte Reliquien im
gellos oder isst und trinkt zu viel. „Es gehört sich Altar – eine Praxis, die bis heute in der katho-
auch nicht, gleichzeitig zu essen und zu trinken, lischen Kirche für die Einweihung eines Altares
denn das ist der Gipfel der Maßlosigkeit.“ Statt- unabdingbar ist. Sie knüpfte einerseits an eine
dessen fordert er: „In Liebe müssen die Mahlzei- griechisch-römische Bestattungsform an. Zahl-
ten eingenommen werden.“ reiche Grabmäler hatten die Form von Altären,
Nach der Konstantinischen Wende mehren auch noch bei den Christen.
sich die Berichte über Exzesse bei den Toten- Andererseits konnte man sich auf die Vision
mahlfeiern. Augustinus erzählt von „Saufe- von den Märtyrern unter dem Altar in der Offen-
reien und ausschweifenden Gelagen auf den barung des Johannes (6,9) berufen. Ambrosius
Friedhöfen“. In der Peterskirche in Rom gebe erklärt seiner Schwester, weshalb er im Jahre
man sich sogar täglich dem Weinrausch hin. 386 die Gebeine der Märtyrer Protasius und Ger-
In Mailand wusste sich Bischof Ambrosius nur vasius unter dem Altar beigesetzt hat: „Es sollen
noch dadurch zu helfen, dass er die Zugänge die triumphalen Opfer (victimae) an den Ort kom-
zum Friedhof schloss und Wärter aufstellte. Als men, wo Christus die Opfergabe (hostia) ist.“
Augustinus‘ Mutter Monika mit einem Becher
Wein zu den Gräbern gehen wollte, stand sie vor
verschlossenen Toren. Fortan, so erzählt Augus- Eucharistie und Caritas
tinus, habe sie sich mit der Eucharistiefeier zu- Eine Alternative boten die Friedhofsbasiliken.
friedengegeben. In der Tat versuchten Prediger Überall im Römischen Reich errichtete man seit
und Bischöfe, die unkontrollierten Totenmähler Konstantin Kirchen auf den Gräberfeldern, meist

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Mahlgemeinschaft mit Verstorbenen

über einem Märtyrergrab. Hier fanden zwar wei- Heute verbindet man meist diese scheinbar
terhin Totenmähler statt, sie waren aber nun alternativen Deutungen. Sie schließen sich näm-
„verkirchlicht“. Dem Totenmahl, das der Senator lich nur dann aus, wenn man von einer radika-
Pammachius im Jahre 396 für seine verstorbene len Trennung von Lebenden und Toten ausgeht.
Frau Paulina in Rom veranstaltete, ging eine Eu- Diese moderne Sicht war den antiken Menschen
charistiefeier in der Peterskirche voraus. Daran fremd – und ist es auch heute noch vielen Men-
schloss sich ein Festessen an. Im Hof vor der Kir- schen außerhalb der westlichen Welt.
che versammelten sich die Armen aus Stadt und Die Inszenierung des Totenmahls zielte dar-
Land. Sie saßen in geordneten Reihen, aßen und auf, die abwesenden Verstorbenen anwesend
tranken. Als der Senator kam, streckten sie ihm zu machen. Man speiste sie symbolisch. Ein Sitz
ihre Hände entgegen und erhielten Geldmün- wurde für den Toten freigehalten. Präsent war er
zen. Dieser Reichtum, so erklärt ihm Paulinus oft in Form eines Bildes oder einer Statue. Die
in einem Brief, floss nicht nur in die doppelten lateinische Bezeichnung für das Totenmahl, re-
Handflächen der Armen, sondern wurde „von frigerium (Erfrischung, Erquickung), bringt das
Engeln auch im Schoß des freudigen Herrgotts Ineinander von Diesseits und Jenseits zum Aus-
deponiert (…), um dir einst im Himmel wiederge- druck. Denn das Wort konnte beides bezeich-
geben zu werden“. nen: eine Speisung im Jenseits und das Toten-
Neben der Verbindung mit der Eucharistie bie- mahl der Hinterbliebenen.
tet das Almosengeben einen weiteren Faktor der
Verchristlichung. Es entsprach der Aufforderung
in Lk 14,12f: „Wenn du ein Mahl gibst, lad die
Armen ein.“ An die Stelle des klassischen römi-
Beim Grabbesuch stieß man zu einer idealen,
schen Euergetismus, jener Wohltätigkeit, die bei aus der Zeit gelösten Mahlgemeinschaft
den Totenmählern auch Nichtbedürftigen zugu-
tekam, trat nun die christliche Tugend der Barm-
herzigkeit (griech. eleemosyne → Almosen), die Die Christen führten diesen Brauch fort – ge-
speziell den Armen galt. mäß der Empfehlung, die Augustinus in seiner
Schrift „Über die Sorge für die Toten“ gibt: Bei
der Bestattung und dem Totengedenken solle
Das Mahl auf der Erde und im Himmel man sich an den Brauch eines jeden Volkes hal-
Auf Katakombenwänden und Sarkophagen fin- ten. Allerdings versuchten die Bischöfe, die pri-
den sich immer wieder Bilder von Mählern, und vate Frömmigkeit in eher kirchliche Bahnen zu
zwar unterschiedslos bei Christen und Heiden. leiten, durch die Verbindung mit der Eucharistie,
In der römischen Katakombe Pietro e Marcellina der Märtyrerverehrung und der Forderung nach
sind die Mahlszenen besonders häufig und viel- caritas. Vor allem aber bewerteten sie das Leben
fältig. Die Bilder stellen konkrete Familien dar, der Toten neu: kein tristes Schattendasein im
und zwar sowohl die Verstorbenen als auch die Hades mehr, das ab und an durch leichte Erqui-
Lebenden. Zudem sind Bilder und Architektur ckungen wie die Totenspeisung aufgehellt wird,
so gestaltet, dass wer den Raum betrat, den Ein- sondern das wahre Leben in Mahlgemeinschaft
druck gewinnen musste, selbst zu der dargestell- mit dem auferstandenen Christus, dem Augusti-
ten Mahlgemeinschaft zu gehören. Nachdem nus die Worte in den Mund legt: „Ich lade euch
man also oben im Speiseraum oder im Freien ein zu meinem Leben ein, wo niemand stirbt, wo das
reales Mahl gehalten hatte, stieß man nun, so Leben glücklich ist, wo Speisen nicht verderben
Norbert Zimmermann vom Deutschen Archäo- (...). Dorthin lade ich euch ein: (…) zum ewigen
logischen Institut in Rom, beim Grabbesuch „zu Abendmahl!“ W
einer idealen, aus der Zeit gelösten Mahlgemein-
schaft“.
In der Forschung hat man lange über den Sinn Prof. Dr. Andreas Merkt
ist Professor für Histo-
dieser Darstellungen gestritten. Wird hier das
rische Theologie, Alte
irdische Totenmahl dargestellt? Oder handelt es Kirchengeschichte
sich um ein Mahl im Jenseits? Deuten Blumen und Patrologie an der
und Sträucher auf ein paradiesisches Ambiente katholisch-theologischen
hin? Oder wird hier schlicht die Gartenanlage Fakultät der Universität
oberhalb des Grabes abgebildet, wo man das Regensburg.
Festmahl abhielt?

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welt und umwelt der bibel 1/2017 31
Bankett mit mehreren Generationen. Fresko auf einer Wand in Pompeji, 1. Jh. nC.

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Essen in religiösen Zusammenhängen im antiken Mittelmeerraum

Sakrale Mähler zwischen


Euphrat und Tiber
Antike Mähler dienten nicht allein der Sättigung. Manche waren bunte Inszenie-
rungen für Menschen und Götter. Sogar die Vorgänge rund um solche Mähler
– wie zum Beispiel das Schlachten eines Tieres – wurden auf Bildern und durch
Textvorträge in den Speisesälen nacherlebte Wirklichkeit. So gestalteten sich
diese Mähler zu einer Art „heiligem Spiel“, das die Teilnehmenden auf besondere
Weise in Beziehung setzte. Von Jörg Rüpke

W
arum gehört zu politischen Empfän- gehörte dazu. Die Möglichkeit des Streits lag
gen, Firmenveranstaltungen und immer in Reichweite, ob themen- oder alkohol-
persönlichen Feiern in der Regel ein bedingt. Jede und jeder wusste darum und ver-
Essen? Weil dadurch u. a. definiert und bestätigt suchte ihn durch Regeln und Strafandrohungen
wird, wer „dazugehört“. Das spielte bereits bei zu verhindern. Die Tatsache, dass Streit häufig
antiken Mählern eine wichtige Rolle: Wer einge- als Thema in Vereinssatzungen erscheint, zeigt,
laden war oder schlicht immer dabei sein durf- wie sehr er Teil täglicher Erfahrungen war.
te, war eine Sache genauer Festlegung. Gemein-
schaft war und ist immer etwas, zu dem andere
nicht dazugehören. Sklaven oder Frauen, die Essen und Götter
Ehefrauen oder Prostituierte, Färber oder Nicht- Wann war Essen religiös? Wann stiftete es eine
adlige, Fremde oder Arme – je nachdem. sakrale Gemeinschaft? Diese Fragen wären in
Das hieß nicht, dass im Mahl alle gleich waren. der Antike kaum verstanden worden. Der Ge-
Ganz im Gegenteil. Ungleichheiten traten deut- danke einer „Religionsgemeinschaft“, in der
lich hervor: In der römischen Oberschicht der man Mitglied war und von der man im ganzen
vorchristlichen Jahrhunderte sollen die Männer
beim Essen gelegen, die Frauen der Familie (die
nicht, wie in Griechenland, vom Gelage ausge- Religion bestand nicht in einer
schlossen wurden) auf Stühlen gesessen haben.
Die Speiseplätze wiesen eine Hierarchie auf. Wo
Mitgliedschaft, sondern war etwas,
der Gastgeber lag (oder in öffentlichen Kontex- was man immer wieder tat
ten: saß oder stand), war das Zentrum. Von dem
konnte man weit entfernt sein oder man war
dicht daneben, im Mittelpunkt des Geschehens. Leben geprägt wurde, entwickelte sich nur sehr
Nicht alle bekamen notwendigerweise das Glei- allmählich. Er gewann erst Gestalt und Attrakti-
che. Manche, aus Mitleid oder als Bewunderer vität, als das Bewusstsein, in einem Imperium
eingeladen, suchten sich die Taschen vollzu- zu leben, so verbreitet und stark geworden war,
stopfen, weil sie für den nächsten Tag nicht nur dass immer weniger Menschen den Eindruck
ein schlechteres, sondern vielleicht gar kein hatten, es reiche, sich als Bewohner des eigenen
Essen erwarteten. Die Vorstellung, solche Gäste Ortes und dessen politischer Gemeinschaft zu
dabei zu erwischen und bloßzustellen, bereite- definieren. Religion bestand nicht in einer Mit-
te offensichtlich Vergnügen. Überhaupt, Streit gliedschaft, sondern war etwas, was man immer

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welt und umwelt der bibel 1/2017 33
Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

wieder tat: Kommunikation mit Göttern, Geis-


tern oder gottähnlichen Verstorbenen. Mitunter
spielte dabei das Essen eine Rolle.
Dabei bestanden erhebliche Unterschiede je
nach sozialem Stand. Da gab es die städtischen
Mietskasernen, die weder Toiletten noch Koch-
stellen besaßen. Für Menschen, die hier lebten,
oft genug Hunger erlebten und immer wieder
von ihm bedroht waren, war ein richtiges Mahl
eine Gelegenheit, sich an jene unsichtbaren Ak-
teure zu wenden, die mit über ihr Schicksal ent-
schieden. Mangels einer richtigen „Opferstätte“
geschah dies wohl symbolisch.
Eine Stufe höher – sozusagen in der bürgerli-
chen Mittelschicht – gab es Küchen und dane-
ben einen Speiseraum. Hier war es üblich, den
Göttern ein wenig von der Speise in die Herd-
flammen zu werfen. Das wurde wohl an die
Sklaven in der Küche delegiert. Dort finden sich
auch häufig die kleinen Wandaltäre, allerdings
mit gemalten Altarfeuern.
Und schließlich gab es die Villen und Stadt-
häuser der kleinen Oberschicht, von der wir so
viel mehr wissen als von allen anderen. Diese
Gebäude besaßen meist ein küchenfernes Spei-
sezimmer, geschmückt mit Fresken oder Mosa-

Man speiste neben, aber nicht


mit den Standbildern der Götter

iken (s. Welt und Umwelt der Bibel 4/2016, S.


66–67). Von ihren Göttern erzählten Geschich-
ten, die man im Theater sah und die auf Ess-
oder Trinkgeschirr abgebildet wurden. Bilder
ihrer Tempel und Altäre schmückten im Licht
der Öllampen die Wände des Raumes. Traf man
sich im Garten, speiste man vielleicht sogar zwi-
schen Standbildern, Büsten und „Hermen“ (auf
den Kopf oder Oberkörper konzentrierte Pfeiler-
figuren). Manche, durchaus nicht alle, hatten
sich so eingerichtet.
Und dennoch speiste man nicht mit diesen
Göttern und Wesen. Wo sie mehr als eine symbo-
lische Anerkennung in Form eines Salzkristalls,
eines Krümels oder eines Tropfens erhielten,
gab es dafür eine eigene Infrastruktur, eigene
„Tische“ (trapeza, mensa) und jene basen- oder
tischartigen Strukturen aus Stein, Erde oder
Lararium in Pompeji. An solchen zum Zusammenklappen, die als „Altar“ bezeich-
Hausaltären wurden im Rahmen von net wurden und eindeutiger als alles andere den
Mahlfeiern den Haus- und Schutzgöt- besonderen Charakter dieser „vertikalen“ Kom-
tern (Laren und Penaten) Räucher-, munikation markierten. Breie und Kuchen, aber
Trank- und Speiseopfer dargebracht. auch ausgewählte Fleischstücke oder ganze

34 welt und umwelt der bibel 1/2017


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Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

Tiere konnten hier den so ganz „anderen“ prä-


sentiert oder gar verbrannt (gelegentlich auch
daneben versenkt) werden.

Mahl und Ritual


Der Ausrichtung von kultischen Mahlfeiern
widmete sich eine ganze Industrie, was nicht
nur Zustimmung fand. Die antike Polemik kon-
zentrierte sich auf das Töten von Tieren und die
Präsentation von gekochtem, gelegentlich auch
noch gegrilltem Geflügel (wegen der Größe und
dem Preis das Gängigste), Fisch oder – teuer
und spektakulärer – Fleisch. Natürlich erforder-
te so ein Mahl viel Aufwand, gelegentlich eine
eigene Viehzucht der Tempel oder aufwendige
Importwege. Vielfältiger war, was an Gebäck,
an „Kuchen“, aber auch an Breien angeboten
wurde. Dafür gab es spezielle Frauen, zumeist
Priesterinnen, die für die Vorbereitung verant-
wortlich waren und die ihre Produkte auch für
den häuslichen Gebrauch anboten, etwa als Ge-
burtstagskuchen. In Rom existierte eine eigene,
von männlichen Aristokraten besetzte Priester-
schaft der „Drei-“ beziehungsweise „Sieben-
Männer für die Mähler“ (septemviri epulonum),
die Jupiter im September ein eigenes Mahl (epu-
lum) bereiteten. Für einzelne Gottheiten oder
für Gruppen von Göttern und Heroen wurden
in Griechenland xenia (Gast-Mähler) ausgerich-
tet. In Rom waren es lectisternia (Aufstellen von
Betten) oder sellisternia (Aufstellen von Sesseln,
wenn es um Göttinnen ging). Dabei wurden den
Göttern Speisen auf Tischen präsentiert.
Die Menschen waren bei all dem zunächst ein-
mal Zuschauer, nicht Tischnachbarn. Ihr Mahl

Den Göttern wurden auf Tischen


und Sesseln Speisen serviert

konnte sich anschließen, musste es aber nicht.


Das rituelle Abstechen eines Tieres (das eigentli-
che Opfer) war typischerweise wegen der Zube-
reitung um Stunden von seinem Konsum durch
Götter (oft in Form der Verbrennung) und gege-
benenfalls vom Mahl der Menschen getrennt. In
der Zwischenzeit wechselten mitunter nicht nur Hermen von Menschen und Göttern waren Gäste bei
die Beteiligten, sondern auch die Stimmung. Mählern. Sie standen oft in den Gärten und auf Plätzen, wie hier
Manchmal wurde die ganze Sequenz zwischen die des Demosthenes auf dem Marktplatz von Athen (um 280 vC).
Opfer und Mahl in einem festlichen Rahmen Hermen sind Pfeiler mit aufgesetztem Kopf und Schultern und
zusammengehalten. Aber wir kennen auch Re- einem angedeuteten Phallus. Ursprünglich waren sie Kultbilder des
gulierungen, die in der Zwischenzeit sogar Pro- Wegegottes Hermes, die man z. B. an Wegekreuzungen aufstellte.
zesse und politische Versammlungen erlaubten H 189 cm, Glyptothek München.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 35
Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

Tavernen (römische (dies intercisi). Und da waren für die Wege schon Mitbürger wurden zu Gästen und persönlichen
Gasthäuser) besaßen erhebliche Zeiten zu kalkulieren, vor allem wenn Schuldnern im Blick auf die Symmetrie des
ebenfalls Lararien wie bei solchen Festen die im Umland lebenden Bür- Gebens. Das hatte Intellektuelle seit der grie-
diese hier in Pompeji. ger eingeladen waren. Außerdem wollte man chischen Klassik zur Kritik gereizt und Formen
Die Schutzgeister nicht immer die Nacht zum Durchfeiern (panny- „billiger“ Religion geschaffen, die nicht nur auf
wurden durch Schlan- chis) drangeben. In anderen Fällen wies der Ort andere Gaben, sondern andere Formen der re-
gen dargestellt. der Feier gar keine Möglichkeit der Zubereitung
von Speisen für die Teilnehmenden auf; hier wa-
ren die fertigen Speisen mitzubringen. Intellektuelle setzten auf andere
Die Bedeutung solcher Mähler kennzeichnet Formen religiöser Kommunikation
die Situation in größeren Städten der Kaiser-
zeit. Als Kulturtechnik darf das Tieropfer, das
„blutige Opfer“, nicht unterschätzt werden. Es ligiösen Kommunikation setzte: gemeinsames
hatte landbesitzenden Eliten erlaubt, ihre wirt- Singen, gemeinsames Lesen beziehungsweise
schaftliche Macht, die gerade in der Verfügung Zuhören. Hier waren Texte wichtiger geworden
über das Produktionsmittel „Land“ und in dem als das Töten von Fleisch liefernden Tieren. Die
Überschuss an Fleisch bestand, in religiöse Au- gemeinschaftsstiftende Wirkung des Essens war
torität und soziale Abhängigkeit zu verwandeln: dadurch nicht beeinträchtigt worden, wohl aber

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

seine Verbindung mit dem Opfer. So wichtig ser Kommunikation ging so durch den Magen
dieses vielfach in der Vorstellungswelt blieb, es wie durch die Finger.
konnte „virtualisiert“ werden, nur noch als Bild
oder Erzählung präsent gehalten werden. Auf ei-
nen solchen Fall muss weiter unten eingegangen Essen in religiösen Zusammenhängen
werden. Auch für Gruppierungen, deren längerfristiger
Im Übrigen ist es nicht erkennbar, dass es his- Zusammenhalt auf gemeinsamen religiösen In-
torisch das Tieropfer war, das rituelle Mähler be- teressen beruhte, spielte gemeinsames Essen
gründete. Trink- und Essgeschirr finden sich in eine wichtige Rolle. Gerade dafür verabredete
frühen Phasen vieler Heiligtümer, sei es als Aus- oder setzte man Regeln, gerade dafür bestimm-
stattung, sei es als niedergelegte oder in einer te man Zeit und Ort, gerade dafür stiftete man
Grube zerworfene Gabe. Offensichtlich gab die Geld, um ein solches Essen über Jahre hinweg
Einladung zum Mahl bestimmten Ereignissen zu sichern, in Einzelfall ihm sogar ein Dach zu
jene Attraktivität, die so etwas wie Öffentlich- geben.
keit schuf. Eine Öffentlichkeit, die Zeugin wurde Dass hierfür viel investiert wurde, zeigt sich
etwa des Abschlusses einer Bauphase, der Auf- schon bei Gruppen, deren soziale und wirt-
stellung einer Statue oder einer anderen Weih- schaftliche Stellung keiner Stiftungen durch
gabe. Gabe konnte aber eben auch das Geschirr Patrone und Patroninnen bedurfte, den soge-
selbst werden, das im Mahl noch ein letztes Mal nannten „öffentlichen Priestern“ in Rom. Der
Bedeutung im Essen erlangte und sich im Sehen Prunk ihrer Mähler war sprichwörtlich, „ein
wie im Berühren mit der Erinnerung aller, die Priesterschmaus“ war vermutlich das, was heu-
teilnahmen, verband. Nicht nur Liebe, sondern te „Essen wie Gott in Frankreich“ ist. Das galt
auch die Erinnerung an besondere Akte religiö­ insbesondere für jene Mähler, die ein neu aufge-

Ein Priestermahl in Rom Speisen für das Priestermahl:


Das Menü zeugt von kulinarischer Erfahrung.

Der Schriftsteller Macrobius vermittelt


ein Bild von der Schlemmerei, der sich
die römische Priesterschaft hingab:

V or dem Hauptgang Seeigel, rohe


Austern (so viel jeder wollte),
Riesenmuscheln, Muscheln, Drosseln
unter Spargel, gemästetes Hühnchen,
eine Schüssel mit Austern und Riesen-
muscheln, schwarze Schalentiere, weiße
Schalentiere; wiederum Muscheln, Ve-
nusmuscheln, Brennnesseln, Feigendros-
seln, Ziegen- und Eberlenden, paniertes
Mastgeflügel, wieder Feigendrosseln,
zwei Sorten Purpurschnecken. Im Haupt-
gang Schweinseuter, Kopfstück vom Eber,
eine Schüssel Fische, eine Schüssel Euter,
Enten, gekochte Krickenten, Hasen, geba-
ckenes Mastgeflügel, Weizenmehlschleim
und Picenter-Brot“
(Macrobius, Saturnalien 3,13,11-12).

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welt und umwelt der bibel 1/2017 37
Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

Priester und nommenes Mitglied auszurichten hatte, so wie eine substanzielle Eintrittsspende) die Aus-
Kultdiener beim andernorts eine Eintrittsgebühr (summa hono- sicht auf eine anständige Bestattung bot, traf
Opfer. Ein Priester raria) fällig wurde, die sich in ihrer Größenord- sich mehrfach im Jahr. Hier regelte die Satzung
bringt ein Trankopfer nung am Jahreseinkommen orientiert zu haben ein Minimum, das aus Wein, Brot und Sardinen
dar, ein Aulosbläser schien. Nicht irgendein Gott war hier zu ehren bestand; auf dieser Basis stand es den jährlich
spielt sein Instru- (zumindest kennen wir niemand, der das so in- wechselnden vier Speisedirektoren offen, wei-
ment, ein Opferstier terpretierte), sondern den Kollegen zu beweisen, tergehende Freigiebigkeit unter Beweis zu stel-
wird gebracht und dass man sozial mithalten konnte. Kulinarische len (CIL 14,2112). Geregelt war aber auch, wer
ein Liktor (Staatsdie- Innovationen waren da angesagt. Muränen wie doppelte oder wenigstens anderthalbfache Por-
ner bei öffentlichen Pfauen fanden bei solchen Anlässen das erste tionen erhalten sollte. Schon das Verlassen des
Auftritten mit einem eigenen Platzes war mit Strafandrohungen ver-
Rutenbündel) beglei- sehen. Auch die Sitzordnung – nicht allein die
tet die Handlung. Priesterkollegien dienten dem Namen – der Anwesenden war Teil des pontifi-
Heil des Kaiserhauses kalen Protokolleintrags.
In beiden Fällen standen die Bankette nicht
allein. Beide Kollegien hatten kultische Pflich-
Mal auf den Esstisch. Das längste uns erhaltene ten und mussten Angelegenheiten beraten,
Fragment der Protokolle der Priesterschaft der wenn auch sicher unterschiedliche. Das lanuvi-
Pontifices beschreibt eine solches Mahl für das sche Kollegium war in jedem Fall „heilsam“ für
frühe 1. Jh. vC (s. Kasten S. 37). das Kaiserhaus und für den früh verstorbenen
Das Kollegium zum Kulte der Diana und des Geliebten des Kaisers Hadrian. Raum war ihm
Antinous, das am 1. Januar 133 nC in Lanuvium in dessen Tempel geboten. Über eine solche Ein-
gegründet worden war und seinen Mitgliedern richtung oder hinreichend große private Räume
für einen geringen monatlichen Beitrag (und wie die Mitglieder des Pontifikalkollegiums ver-

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Sakrale Mähler zwischen Euphrat und Tiber

Mithräum im antiken Capua (Süditalien). In solchen Räumen wurde


(nur von Männern) zwischen dem 1. und 4. Jh. nC der aus dem Fels
geborene Gott Mithras gefeiert. Im Mittelpunkt stand der Mythos von
einer Stiertötung. Dem Mythos nach hat Mithras den Stier gefangen, ihn
in eine Höhle getragen und geopfert. Aus dem Samen und Blut des Stiers
soll sich alles Leben erneuern. Beim Mahl auf den Sitzbänken an der Sei-
te wurde als „Stierblut“ erwärmter Wein getrunken.

fügten nicht alle Gruppen. Für sie war es aber zeigte, bestand der Raum rechts und links des
kein Problem, für ihre Zusammenkünfte einen Mittelganges aus je einem Podium, das als Spei-
Bankettsaal (mit Kücheneinrichtungen) oder et- seliege diente, manchmal sogar eine Ablaufrin-
was Ähnliches in einer Kultanlage anzumieten, ne am Fuß aufwies. Kocheinrichtungen waren
mochte diese auch einem anderen Kult geweiht gelegentlich in Vor- oder Nebenräumen vorhan- Lesetipp
sein. den. Die Tötung des Tieres wurde dargestellt und • Jörg Rüpke, Pantheon:
erzählt, nicht nachgespielt. Und dennoch war Die Geschichte der antiken
das mitgebrachte Essen mehr als nur Grundlage Religionen, München: C. H.
Mehr als Essen des sozialen Miteinanders. Einzelne Trinkgeräte, Beck, 2016.
Einen Raum für das eigene Mahl zu mieten, wie etwa ein schlangenverziertes oder gar be-
setzte die Veranstalter unter vielerlei Zwänge, heizbares Gefäß, legen nahe, dass das Speisen
wenn es sie auch ökonomisch entlastete. Eine selbst als Wiederholung, als Vergegenwärtigung
Form des religiösen Zusammenschlusses im Rö- des mythischen Aktes imaginiert wurde. Man
mischen Reich gewann ihre Attraktivität (und stellte sich vor, nicht Wein zu trinken, sondern
ihre soziale Rekrutierungsbasis) gerade aus Blut, warmes, also frisches Blut floss in der Ima-
den Besonderheiten ihres Versammlungs- und gination der Mahlteilnehmer aus der Schale. Re-
Speiselokals. Ein besonderes Ambiente boten duzierte Beleuchtung und Wandgemälde konnte
die Mithräen oder „Mithras-Höhlen“. Sie waren ein Übriges tun, solche Vorstellungen anzure-
als Kellerraum oder eigener Bau zu ebener Erde gen. Wissenschaftlich-archäologisch lässt sich
ausgelegt für die Treffen von wenigen Dutzend das nur sehr unvollständig rekonstruieren. Aber
Prof. Dr. Jörg Rüpke ist
Mitgliedern, die dem Verein in definierten Hier- wir müssen immer damit rechnen, dass das, was Professor für Vergleichende
archiestufen angehörten. In der Längsachse aus- an den gefundenen Hühnchenknochen einmal Religionswissenschaft an der
gerichtet auf ein beleuchtbares Reliefbild, das hing, nicht als ordinäres Hühner-, sondern als Philosophischen Fakultät
den verehrten Gott bei der Tötung eines Stieres Stierfleisch genossen wurde. W der Universität Erfurt.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 39
Die Mähler der ersten Christen und das letzte Mahl Jesu

„Tut dies zu meinem


Gedächtnis“
Hat Jesus am Abend vor seinem Tod einen neuen Ritus begründet, der seitdem
wiederholt wird? Die Geschichte der christlichen Liturgie zeigt, dass keine gerade
Linie von Jesu letztem Abendmahl zu den Eucharistiefeiern der Alten Kirche und zur
Messe im lateinischen Westen führt. Vielmehr verbindet sich die Erinnerung an Jesu
Mahlpraxis und an sein letztes Mahl in vielfältiger Weise mit der Esskultur des anti-
ken Mittelmeerraumes. Von Hans-Ulrich Weidemann

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D ie Welt Jesu und der frühen Kir-
che ist der antike Mittelmeerraum.
In diesem Kulturkreis ist die abendli-
des Apostels „der eine hungrig bleibt,
der andere betrunken ist“ (11,21). An
das Mahl schloss sich vermutlich – ganz
te heiklen Frage in der Urkirche (noch)
keine Probleme gab: Wandernde Apostel
und Gemeindegründer, nicht sesshafte
che gemeinsame Mahlzeit – das sog. analog zur hellenistischen Form – eine Charismatiker und örtliche Geistträger,
­„Sym­posion“ – der entscheidende Art „Symposion“ an, bei dem „jeder Asketen und Propheten kamen dafür
soziale Vollzug, sodass man von der einen Psalm, eine Lehre, eine Offenba- ebenso infrage wie die jeweiligen Haus-
hellenistisch-römischen Symposialkul- rung, eine Zungenrede und eine Aus- besitzer. Dass Frauen wie Lydia oder
tur spricht. Ein solches „Symposion“ legung“ beisteuert (14,26) und bei der auch Priska den Mahlfeiern in ihren ei-
besteht, vereinfacht gesagt, aus zwei Männer und Frauen beten und prophe- genen Häusern vorstanden, lässt sich
Teilen: einer Sättigungsmahlzeit (Syssi- tisch reden (11,4f; 14,29-33). ebensowenig ausschließen wie im Fal-
tion) und, daran anschließend, dem ei- Solche Mahlfeiern fanden oft in pri- le von Missionarinnen wie Maria (Röm
gentlichen „Trinkgelage“ (Symposion). vaten Häusern statt. Wir kennen die 16,6), Tryphäna, Tryphosa oder Persis
Im heidnischen Kontext wird der Über- Namen einer Reihe christusgläubiger (16,12) oder Amtsträgerinnen wie der ko-
gang vom Mahl zum Trinkgelage durch Hausbesitzer, in deren Häusern sich rinthischen Diakonin Phöbe (16,1).
religiö­se Übergangsriten wie dem Paian christliche Gemeinden versammelten
(Lobgesang) und der Libation (Trank- und offenbar auch Mahlfeiern abhielten:
spende) markiert. An dieser Esskul- das jüdische Ehepaar Priska und Aqui- Juden und Nichtjuden
tur haben auch die im hellenistischen la in Korinth (1 Kor 16,19) und in Rom am selben Tisch
Kulturkreis lebenden Juden selbstver- (Röm 16,3-5), Stephanas (1 Kor 16,15f), Fragt man, wer da mit wem im Namen
ständlich Anteil, auch wenn ihre Mähler Philemon (Phlm 1-2), aber auch Lydia Jesu Mahl feiert, dann lässt die von Pau-
manche Besonderheit aufweisen, insbe- in Philippi (Apg 16,13-15/40) usw. Dafür lus in Gal 3,28 zitierte Taufformel noch
sondere durch die Speisegebote, aber mussten entsprechende Räumlichkeiten die gewaltige Dynamik erkennen, die
auch durch die Tischgebete zu Beginn vorhanden sein, mindestens ein ausrei- diesen Mählern innewohnte: „In Chris-
und zum Abschluss der Mahlzeit. Ver- chend großes triclinium (Speisesaal mit tus“ gibt es „weder Jude noch Grieche,
schiedene Praktiken von Abgrenzung drei klinai, Speisesofas). Andere Grup- weder Sklave noch Freier, weder Mann
gegenüber heidnischen Mählern kom- pen von Christen werden wie antike noch Frau“. Im Namen des auferstande-
men hinzu. Vereine auch Räumlichkeiten jeweils nen Jesus wurden Grenzen überschrit-
angemietet haben; vermutlich müssen ten, die in der Antike zwischen Juden
wir dies für die in Röm 16,14f. genann- und Nichtjuden, zwischen den sozia­
Das Herrenmahl – ein Symposion ten Gruppen annehmen, da Paulus hier len und politischen Akteuren sowie
In dieser Welt leben natürlich auch die keine Häuser erwähnt. zwischen den Geschlechtern gezogen
(zunächst) jüdischen und (später zu- Unklar ist, wer den Vorsitz bei den waren. Erfahrbar wurde dies bei den
nehmend) nicht jüdischen Jesusanhän- Mahlfeiern hatte und wer die Mahl- Mählern, legitimiert wurde dies zumin-
ger. Daher ist es nicht überraschend, gebete gesprochen hat. Die neutesta- dest in Antiochia mit der Taufe auf den
dass sie zumindest in den Großstädten Namen Jesu.
ihre Gemeindemähler in der zweiteili- Die gemeinsamen Mahlzeiten von
gen „symposialen“ Form gefeiert haben: christusgläubigen Juden und auf Christus
So besteht z. B. die von Paulus „Herren-
Unklar: Wer hatte den getauften Nichtjuden waren ohne Zweifel
mahl“ genannte Feier seiner „zur Ekkle- Vorsitz beim Mahl? ein entscheidender, aber auch konflikt-
sia zusammengekommenen“ Gemeinde trächtiger Brennpunkt der frühen Zeit.
in Korinth offenbar nicht nur aus dem So spricht Paulus in Gal 2,12 programma-
Brot- und dem Weinritus, die der Ver- mentlichen Texte zeichnen nur Jesus tisch davon, dass im syrischen Antiochia
kündigung des Heilstodes Jesu gewid- und Paulus in der Rolle des Tischherrn. Juden „mitten unter den Heiden und mit
met waren (11,25), sondern aus einer Bemerkenswert ist der Plural, den Pau- ihnen zusammen essen“. Diese gemein-
vollen Mahlzeit, bei der zum Leidwesen lus in 1 Kor 10,16 benutzt: „Der Segens- samen Mahlfeiern fanden unter Beteili-
becher, den wir segnen …, das Brot, das gung des Petrus und der antiochenischen
wir brechen …“. Immerhin erwähnt der christusgläubigen Juden also (auch) in
Hebräerbrief die „Vorsteher“ (13,7/17), nicht jüdischen Häusern statt – bis das
links: Antikes Symposion: allerdings ist deren Aufgabe die Verkün- Eintreffen einer Delegation Jerusalemer
Der Gast liegt auf einem triclinium digung des Wortes Gottes; von einem Judenchristen diese Praxis zum Entset-
(Speisesofa) und lässt sich verwöh- Mahlvorsitz schweigt der Text ebenso zen des Paulus beendete (2,11-14). Der
nen. Berühmt wurde die Schilderung wie auch die paulinischen und andere Rückzug der Juden von dieser Form der
eines solchen Gelages in Platos Dialog Quellen. Offenbar hing der Mahlvorsitz Tischgemeinschaft mit Nichtjuden, dem
Symposion. nicht mit dem kirchlichen Amt zusam- sich sogar Petrus und Barnabas anschlie-
Griechische Keramik, 5. Jh. vC men. Das Schweigen der Texte deutet ßen, demonstriert, wie fragil und heikel
darauf hin, dass es in dieser für uns heu- diese Tischgemeinschaft in den späten

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Tut dies zu meinem Gedächtnis

mahl verbunden. Aber diese Gemeindemähler


waren auch nicht nur „weltliche“ Sättigung.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Brot- und
Weinritus zu einer eigenständigen Form, die
vom Rest der Mahlzeit abgetrennt wurde und
in der es „würdig“ zugehen sollte. Ein Beispiel:
Wenn der Apostel Paulus seiner Gemeinde in
Korinth verbietet, mit einem Unzüchtigen, ei-
nem Habgierigen, einem Götzendiener, einem
Lästerer, einem Trunkenbold oder einem Räuber
zusammen zu essen (1 Kor 5,11), dann zeigt das,
dass die gemeinsamen Mähler der „in Christus
Jesus Geheiligten“ (1,1), also derjenigen, die
durch die Taufe auf den Namen Jesu Christi „ab-
gewaschen, geheiligt und gerechtfertigt“ (6,11)
sind, eben kein schlichtes Abendessen darstel-
len. Gerade diese „Heiligkeit“ der christlichen
Mähler und ihre Abgrenzung „nach außen“ be-
gründete die Einebnung sozialer Unterschiede
„nach innen“.
Das Brotbrechen. 40er-Jahren des 1. Jh. war – und (noch) weit da-
Fresko in der Priscilla- von entfernt, Konsens unter Christusgläubigen zu
katakombe, Rom, sein. Probleme mit Fleisch und Alkohol
spätes 2. Jh. Neben dem Ort und den Teilnehmern konnten
auch die aufgetischten Speisen für Zündstoff
Gleich zu gleich gesellt sich gern bei den frühchristlichen Mählern sorgen. So er-
– auch an den Tischen fahren wir aus den Paulusbriefen, dass manche
In der hellenistisch-römischen Mahlkultur war Christusgläubige auf Fleisch und Wein verzich-
das Mahl zumindest für die Oberschicht immer teten (Röm 14; 1 Kor 8), was wiederum bei an-
auch Inszenierung des sozialen, ökonomischen deren Anstoß erregte – schließlich sei alles, was
und politischen Status. Es gab umfangreiche Gott geschaffen habe, gut, wenn es unter Dank-
Debatten über Zulassung und Sitzordnung. Wir sagung genossen und durch Gottes Wort und das
finden das auch in frühchristlichen Texten (vgl. Gebet geheiligt werde (vgl. 1 Tim 4,4f).
Lk 14,7-14). Paulus beklagt, dass es bei den Ver- Die Gründe für den Fleischverzicht konnten
sammlungen seiner korinthischen Gemeinde verschiedene sein. So war Fleisch, das nicht
„unwürdig“ zugeht, da beim Mahl die reichen vom jüdischen Metzger kam, für Juden (auch
für christusgläubige Juden!) rituell unrein, da
es noch Blut enthielt und nicht nach jüdischen
Arme und Reiche blieben leider Regeln geschlachtet war. Außerdem kam Fleisch
oftmals unter sich in den Großstädten der Antike oft genug aus
dem heidnischen Kult, man spricht vom „Hei-
ligen Geschlachteten“ (1 Kor 10,28), Juden und
und die armen Gemeindemitglieder offenbar je Christen dagegen vom „Götzengeschlachteten“
unter sich bleiben, keine echte Gemeinschaft (8,1). Dabei waren nicht alle Christusgläubigen
haben und somit die „Habenichtse beschämt im Hinblick auf das Götzenfleisch so entspannt
werden“ (1 Kor 11,22). Damit werde die Lebens- wie Paulus. So polemisiert der Seher der Johan-
hingabe des Herrn Jesus „für euch“, die im „Her- nesoffenbarung massiv gegen Gemeindemitglie-
renmahl“ gefeiert wird, pervertiert. Schon dieses der in Pergamon und Thyatira, die offenbar kein
Beispiel zeigt die immense Bedeutung, die die Problem damit hatten, Götzenopferfleisch zu es-
im Namen des Herrn Jesus gefeierten Mähler in sen (Offb 2,14; 2,20). Auch das von Lukas dreimal
sozialer Hinsicht hatten oder gewinnen sollten. eingeschärfte sog. Aposteldekret verbietet den
nicht jüdischen Christusgläubigen das Götzen-
fleisch und erlaubt ihnen nur jüdisch geschäch-
Gottesdienst oder Abendessen? tetes Fleisch (15,20.29; 21,25).
Im 1. Jh. gab es noch keine reinen „Eucharistiefei- Neben dem Fleisch war auch Wein heikel. Zwar
ern“. Sie waren anfangs mit einem Sättigungs- genießen Juden laut Sir 31,27f; 40,20 durchaus

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Tut dies zu meinem Gedächtnis

Wein. Für das Pessachmahl ist er schon vor der wir brechen“, die Anteil geben am Blut und am
Tempelzerstörung belegt, und auch Jesus lebt Leib des Herrn (10,16f). Im selben Zusammen-
nicht abstinent (Lk 7,34). Doch hatte der Wein in hang spricht Paulus von „geistlicher Speise und
manchen Bereichen des Judentums und des frü- Trank“ und bringt Brot und Wein allegorisch mit
hen Christentums eine schlechte Presse – nicht den himmlischen Gaben Manna und Felsenwas-
zuletzt aufgrund seiner Verwendung bei Libatio- ser in Israels Exodusgeneration in Verbindung
nen zu Ehren der heidnischen Götter gerade bei
den Mählern. Philo von Alexandrien bezeichnet
ihn als „Gift, das Tollheit erzeugt“ (vit cont 74).
So verzichten z. B. die jüdischen „Therapeuten“
Brot und Wein erinnern an Manna
(eine asketisch lebende Gruppe in Ägypten) laut und Wasser aus dem Felsen
Philo nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf
Wein, bei den gemeinsamen Mählern werden in
erster Linie Brot mit Salz und Ysop sowie Wasser (10,1-5). Diese Begrifflichkeit erscheint auch in
genossen: „Bei diesem Gastmahl (...) wird an je- den ältesten uns überlieferten Eucharistiegebe-
nen Tagen kein Wein ausgeschenkt, sondern völlig ten der sog. Didache, einer Kirchenordnung aus
klares Wasser, kaltes für die meisten, warmes für der Zeit um 100 nC (Did 10,1-5). Spuren davon
die älteren, sofern sie üppig leben. Die Tafel bleibt finden sich auch in neutestamentlichen Zeug- Ysop wurde teilweise als
Bitterkraut beim Pessach-
rein vom Fleisch, sie bietet stattdessen Brot als nissen.
mahl gegessen und fand so
Nahrung, als Zukost Salz, dem bisweilen Hysop als
in manchen Gruppen auch
Gewürz beigegeben wird, um den Feinschmeckern
Die Mahlgebete als Kraftquelle und Opfer Eingang in die christliche
unter ihnen zu genügen“ (de vita contemplativa
Eucharistiefeier. Hyssopus
73, Übersetzung K. Bormann, 1964). Aber woher erhalten insbesondere Brot und officinalis ist ein ca. 60 cm
Lukas wiederum spricht in seinem Doppelwerk Wein diese „überirdischen“ Qualitäten, was hoher Strauch mit leuch-
nur vom „Brotbrechen“ (Lk 24,35; Apg 2,42; 20,11; macht sie zu „geistlicher Speise und Trank“, tend blauen Blüten. Die
27,35) und erwähnt bei den Gemeindemählern wodurch stiften sie „Gemeinschaft mit Leib und Pflanze wird als Gewürz in
niemals Wein. Schon beim letzten Abendmahl Blut des Herrn“? Die Antwort liegt nahe: durch Salaten und Gemüsespeisen
Jesu bietet Lukas den sog. „Wiederholungsbefehl“ die Gebete über Brot und Wein. verwendet, aber auch als
nur beim Brotwort (Lk 22,19f), er bezeugt (oder In der Welt der hellenistisch-römischen Sym- Heilkraut (entzündungs­
bevorzugt) also eine auf das Brot konzen­trierte posialkultur stellen die Mahlgebete ein jüdi- hemmend und krampflö-
„Mahlfeier“. Solche Brot-Eucharistien ohne Wein sches Spezifikum dar. In der frühen Kirche send).
und ohne üppiges Sättigungsmahl finden wir
auch in apokryphen Apostelakten des 2. und 3.
Jh. und in den judenchristlichen „Pseudoclemen-
tinen“. In diesen Quellen erscheint auch ein mit
Wasser gefüllter eucharistischer Becher. Demge-
genüber belegt Justin im 2. Jh. eine auf Brot und
Wein konzentrierte Eucharistiefeier ohne Sätti-
gungsmahl (Apol I 67).

Das Brot, das wir brechen


Nun zeigt eine ganze Reihe von Belegen, dass
dem rituellen Umgang mit Brot und (teilweise)
mit Wein schon von Anfang an eine besondere
Rolle innerhalb des Mahles zukam. Das gilt ins-
besondere für Paulus. An die Korinther schreibt
er: „So oft ihr dieses (!) Brot esst und den Becher
trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er
kommt“ (1 Kor 11,25). Innerhalb der umfangrei-
chen Gemeindemahlzeit sind Brot und Wein
also bereits deutlich herausgehoben: wer sie (!)
„unwürdig“ (d. h. hier: ohne Rücksicht auf das
mittellose Gemeindemitglied) isst und trinkt,
der macht sich laut Paulus am Leib des Herrn
schuldig (11,27). Und es sind eben (nur) der „Se-
gensbecher, den wir segnen“, und das „Brot, das

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welt und umwelt der bibel 1/2017 43
Tut dies zu meinem Gedächtnis

ihn (= Jesus Christus) ein Opfer des Lobes darzu-


bringen, d. h. eine Frucht der Lippen, die seinen
Namen preisen“ (Hebr 13,15). Dass damit lob-
preisende Gebete gemeint sind, ist unbestritten
(vgl. Hos 14,3 LXX; Spr 18,20). Da sich aber im
Kontext einige deutliche Anspielungen auf Es-
sen und Speisen finden und der Autor kurz zuvor
betont hatte: „Wir haben einen Altar, von dem zu
essen diejenigen keine Vollmacht haben, die dem
Zelt dienen“ (13,10), dürften mit dem „Opfer des
Lobes“ auch und wohl in erster Linie die Eucha-
ristiegebete gemeint sein.

Jesu Mahlpraxis: zu Tisch mit Zöllnern und


Sündern
Natürlich lassen sich die vielfältigen frühchrist-
lichen Mahlfeiern nicht erklären ohne die Erin-
nerung an die Mahlpraxis Jesu und vor allem
an sein letztes Abendmahl. Diese Erinnerungen
haben die ersten Christen – Juden- wie Heiden-
christen – dann im Rahmen ihrer Symposialkul-
tur kreativ weiterentwickelt. Zur Mahlpraxis Jesu
Ruinen des Apollo- wurde diesen aus jüdischer Praxis stammenden ist zu sagen, dass diese nicht Ausdruck seines
tempels im antiken Gebeten über Brot und Wein offenbar schon persönlichen Geschmacks oder seiner lebens-
Korinth. Hier entbrann- bald die Wirkung zugeschrieben, die Gegenwart bejahenden Grundeinstellung ist. Vielmehr sind
te in der christlichen des Geistes und/oder des auferstandenen Herrn gerade seine öffentlich gefeierten Mähler mit
Gemeinde die Diskus- beim Mahl zu bewirken. Diese „Kraft“ hatten die Zöllnern und Sündern als prophetische Zeichen-
sion über den Verzehr Mahlgebete durch die Anrufung des Namens handlungen zu verstehen, mit denen Jesus sei-
von Fleisch aus dem Jesu, vergleichbare Vorstellungen begegnen uns ne Botschaft vom Anbruch der Gottesherrschaft
Tempelkult. Außerdem bei der auf Jesu Namen gespendeten Taufe. So in Szene setzt. Demnach bricht die Gottesherr-
gab es in der reichen bezeichnet Paulus im Präskript seines ersten schaft gerade an den „Rändern“ des Gottesvol-
Handelsstadt große Briefes an die Korinther die Christen als diejeni- kes an, ja mehr noch: Jesus selbst richtet die
Unterschiede zwischen gen, „die den Namen unseres Herrn Jesus Chris- Herrschaft Gottes dadurch auf, dass er den Sün-
Arm und Reich – eine tus anrufen an jedem Ort, ihrem und unserem“ dern vergibt und ihnen als „Kinder Abrahams“
weitere Herausforderung (1,2). Diese Selbstbezeichnung der Christen ist beim Mahl seine heilbringende Gemeinschaft
für die Mahlfeiern der aufschlussreich. Hinzu kommt aber eine An- gewährt. Seinen jüdischen Adressaten wird klar
jungen Kirche.
spielung auf Maleachi 1,11, die zeigt, dass man gewesen sein, dass er damit das endzeitliche
im frühen Christentum – wie bereits im Juden- Festmahl, von dem die Hebräische Bibel weiß
(Jes 25,6-8; Joel 2,26), nicht nur vorwegnahm,
sondern eben jene darin einschloss, die nach
Die Eucharistiegebete Auffassung des frommen „Kerns“ in Israel eben
nicht dazugehören sollten.
galten schon früh als Opfergaben
„Sterben für Israel“: Das letzte Mahl Jesu
tum – die Gebete offenbar schon früh im Lichte mit dem Zwölferkreis
von Mal 1,11 als Opfer verstanden hat. In Mal 1,11 Eine solche Zeichenhandlung ist dann auch das
heißt es nämlich: „Denn vom Aufgang der Sonne letzte Mahl Jesu mit den Zwölfen. Wie schon im
bis zu ihrem Untergang steht mein Name groß da Winzergleichnis (Mk 12,1-12) rechnet Jesus auch
bei den Völkern und an jedem Ort wird meinem beim letzten Abendmahl eindeutig mit seinem
Namen ein Rauchopfer dargebracht und eine rei- nahen Tod. Doch während die Ermordung des
ne Opfergabe.“ Die Vorstellung, dass Akklama- Sohnes im Winzergleichnis zur Vernichtung der
tionen und Gebete als Opfergaben gelten, lässt Weinbergpächter führt, formuliert Jesus beim
sich z. B. auch im Hebräerbrief finden, dessen Abendmahl einen neuen Gedanken: Die Hohe-
Autor seine Leser auffordert, „Gott allezeit durch priester haben durch ihre Ablehnung von Jesu

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Tut dies zu meinem Gedächtnis

Botschaft und Person eigentlich eine Verurtei-


lung über ihr Volk heraufbeschworen. Indem Je-
sus stellvertretend in den Tod geht, kann er sein
Volk vor dem drohenden Gericht bewahren. Das
biblisch-jüdische „Rollenmodell“ dafür dürfte
Jesus im vierten Gottesknechtslied Jes 53 gefun-
den haben, das lassen die in den Erzählungen
unterschiedlich variierten Stellvertretungsaus-
sagen erkennen (vgl. Mk 14,24: „für viele“ mit
Jes 53,12, außerdem Lk 22,19f und 1 Kor 11,23f:
„für euch“). Das Verhalten Jesu im Anschluss an
das letzte Mahl, seine Weigerung, sich der Ver-
haftung zu entziehen, sein Schweigen vor dem
römischen Statthalter, das sein Schicksal besie-
gelt, zeigen dann, dass er bei den hier getroffe-
nen Entscheidungen geblieben ist.
Man darf aus späterer heidenchristlicher Per-
spektive diese Israelbezogenheit des stellver-
tretenden Todes Jesu keinesfalls überspringen.
Dieser Israelbezug zeigt sich schon daran, dass
Jesus das letzte Mahl offensichtlich bewusst mit
dem Zwölferkreis feiert (Mk 14,18/Lk 22), also
mit den Repräsentanten des endzeitlich erneu-
erten Zwölfstämmevolkes Israel, das sich der in
Jesu Wirken aufgerichteten Gottesherrschaft un- Brot- und Weinritus, vor allem das Sprechen Der Segen über Brot
terstellt hat. des Segens- und Dankgebets! Dies soll aber nun und Wein (Kiddusch)
Diese Verkündigung seines Todes als stellver- „zu meinem Gedenken“ erfolgen. Die durch die gehört im Judentum zu
tretendes Sterben für Israel verbindet Jesus beim Auferstehung Jesu als „Erstling der Toten“ ein- jedem religiösen Mahl.
letzten Abendmahl mit den beiden üblichen geleitete Dynamik führte dann schon früh zur Formulierungen, die
jüdischen Mahlriten: Zu Beginn der Mahlzeit Erkenntnis, dass dieses in Jesu Tod und Aufer- sich dort ab dem 3. Jh.
nimmt er das Brot, spricht den Segen, bricht es stehung beschlossene Heil zwar in und für Israel nC ausbildeten, fanden
und verteilt es an die Zwölf. Dieses unter allen gewirkt, aber nicht auf Israel begrenzt blieb. Die später auch Eingang in
Mahlteilnehmern verteilte Brot identifizierte er Heilsverwirklichung in Israel ist vielmehr – und die christliche Liturgie.
(in welcher Formulierung auch immer) als „mei- auch dies ist ein urjüdischer Gedanke – Voraus-
nen Leib“, womit im Kontext biblisch-jüdischer setzung und Grundlage für das Kommen des
Anthropologie gemeint ist: „Ich selbst“. Jesus Heils zu den „Völkern“.
gewährt also dem unter der Gottesherrschaft
stehenden Israel Gemeinschaft mit und Anteil
an sich, gerade angesichts seines Todes. Zum Resümee
Abschluss der Mahlzeit lässt Jesus untypischer- Wie anfangs gesagt: Es führt zwar keine gera-
weise seinen eigenen Becher mit Wein unter den de Linie von Jesu letztem Abendmahl zu den
Zwölfen kreisen, nachdem er auch über diesem Mahlfeiern seiner Anhänger im 1. Jh. Keines-
das Dankgebet gesprochen hatte (Mk 14,24par). wegs verließen diejenigen Juden und (später
Das Becherwort ist in seiner ursprünglichen For- auch) Nichtjuden, die zum Glauben an Christus
mulierung umstritten, offenbar hat Jesus den gekommen waren, die Mahlkultur des antiken
unter den Zwölfen kreisenden Becher in Bezie- Mittelmeerraumes. Und doch führten die Erin-
hung zu dem (Neuen) Bund gesetzt, den Gott „in nerungen an Jesus dazu, dass die bestehenden
meinem Blut“, also vermittels des „für euch“ auf Formen kreativ und innovativ weiterentwickelt
sich genommenen Todes, mit dem symbolisch wurden, zumal diese Erinnerungen an genuin
versammelten Israel schließt. jüdische Vollzüge wie die Mahleröffnungs- und
Nun ist deutlich, dass sich das sog. Anamne- die Mahlabschlussgebete gebunden waren. Dies
sis-Wort – etwas unglücklich „Wiederholungs- führte zu einem breiten Spektrum christlicher
befehl“ genannt – ursprünglich nicht auf die Mahlformen, aus denen sich im Laufe der ersten
Prof. Dr. Hans-Ulrich
Rezitation der Gabeworte Jesu, sondern eben auf Jahrhunderte dann die „klassischen“ nachkon- Weidemann ist Professor
das „Tun“ dessen, was Jesus beim letzten Mahl stantinischen eucharistischen Liturgien entwi- für Biblische Theologie an
getan hat, bezieht: den Vollzug des jüdischen ckeln konnten. W der Universität Siegen

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welt und umwelt der bibel 1/2017 45
Drei Mahlszenen
aus drei Jahrtausenden:
Oben die Israeliten beim
Pessachmahl in Ägypten (mit
Stäben in den Händen und
gegürtet das Lamm hastig
essend), unten die Spendung
der Kommunion, im Zentrum
Jesus mit den Aposteln, sozu-
sagen als Bindeglied zwischen
Israel und der Kirche. Der
abgebildete Hund warnt
davor, das Abendmahl un-
würdig zu essen im Sinne von
1 Kor 11,27ff und Mt 7,6
„Gebt das Heilige nicht den
Hunden und werft die Perlen
nicht vor die Säue ...“
Vom Meister des Dresdener
Gebetbuches, Brügge (Nieder-
lande) ca. 1495.

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Die Entfaltung der christlichen Abendmahlsfeier im 2.– 4. Jh.

Der Tisch wird zum Altar


Kann man die katholische Eucharistie, das evangelische Abendmahl oder die orthodoxe
Göttliche Liturgie damit erklären, dass hier genau so gefeiert wird, wie es Jesus uns zu sei-
nem Gedächtnis zu tun aufgetragen hat? Mitnichten, denn das verlangte, jegliche liturgische
Realität zu ignorieren. Von Clemens Leonhard

D
ie Entwicklung der heute üblichen got- Text regelt nur Aspekte des Mahls, die nicht
tesdienstlichen Formen schöpft auch aus selbstverständlich sind. Ähnlich wie 1 Kor 12-15
ganz anderen Quellen als den Überliefe- behandeln die der Mahlbeschreibung folgenden
rungen über Jesus. Wer heute zur ursprünglichen Kapitel der Didache (11-14) literarische Gemein-
Tradition der ersten Zeit der Kirche zurückkeh- plätze antiker Mahlschilderungen (Rangord-
ren möchte, muss fast 1900 Jahre Entwicklung nung, Liebe) und Fragen des Verhaltens in der
der Eucharistie als Fehlentwicklung bewerten. Gruppe, die sich zum Teil auf die Treffen dieser
Die Kirche ist kein Abendmahlssaal und Jesus Gruppe beziehen lassen. Eine typisch christliche
benützte keinen Altar. Wahrscheinlich haben er Prägung des Treffens kommt (neben einer Regel
und die Apostel eine sättigende Mahlzeit einge- für die Teilnahme) nur durch den Vortrag von
nommen und nicht nur ein winziges Stück Brot Texten, der wenige Minuten der mehrstündigen
gegessen. Als älteste der Mahlschilderungen Veranstaltung in Anspruch nimmt, zustande.
erzählt 1 Kor 11,23-25, dass Jesus zwischen dem Eucharistie fühlt sich als normales Mahl an.
Brot- und dem Becherritual ein Mahl gehalten
hat. Vorsitzende beim Essen waren meistens die
Gastgeber oder Vereinsfunktionäre, eine Aufga- Tertullian und Cyprian:
be, die nicht mit einem Priestertum verbunden Morgen- oder Abendmahl?
war. Außerdem hat man derartige Gastmähler Im nordafrikanischen Karthago verteidigt der
immer vom Nachmittag in den Abend hinein ge- christliche Schriftsteller Tertullian († ca. 220)
halten. Abendmessen zu feiern, ist in der katho- das Christentum, indem er beschreibt, dass es
lischen Kirche nach Jahrhunderten des Verbots bei den christlichen Mahlfeiern höchst ehrbar
dieser Praxis erst wenige Jahrzehnte alt. Zwi- und anständig zugeht. An einer anderen Stelle
schen der Praxis der letzten Jahrhunderte und listet er Bräuche auf, die zwar nicht in der Bibel
der Antike besteht fast keine Kontinuität.

Die Didache: In der Eucharistie wird man


Ein großer Teil der Christen Karthagos nimmt
wirklich auch satt! bereits damals nie an Mahlfeiern teil
Der älteste außerbiblische Text, der vorschreibt,
wie die Feier einer Eucharistie auszusehen hat,
weicht von den neutestamentlichen Andeutun- stehen, aber alt und ehrwürdig sind: „Das Sakra-
gen zum letzten Abendmahl kaum ab. Er sieht ment der Eucharistie, welches vom Herrn zur Es-
Segenssprüche über Wein und Brot vor dem Es- senszeit und allen anvertraut wurde, empfangen
sen vor. Auch die Didache geht von der Eucha- wir auch in frühmorgendlichen Versammlungen
ristie als einer sättigenden Mahlzeit aus. Wie bei und aus der Hand keines andern als der Vorste-
Griechen, Römern und rabbinischen Juden folgt her“ (Vom Kranz des Soldaten 3.3). In Tertullians­
ein Nachtischgebet, wobei nicht erwähnt wird, Zeit kann man auf zweierlei Weise an Brot und
ob dazu bzw. danach Wein getrunken wird. Der Wein aus Eucharistiefeiern herankommen. Ne-

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Der Tisch wird zum Altar

ben dem Gemeinschaftsmahl kann man „das zum eucharistischen Mahl eingeladen zu wer-
Sakrament der Eucharistie“ bei einer morgend- den. Sie konnten nämlich ein morgendliches
lichen Austeilung durch die Vorsteher erhal- Treffen, bei dem sie etwas Brot und Wein er-
ten. Tertullian versteht, dass eine Eucharistie, hielten, den Vorsteher ihrer Gruppe und andere
die sich am letzten Abend-Mahl Jesu orientiert, Leute trafen, sehr gut in ihr normales Leben als
nicht am Morgen (sondern nur zur abendlichen durchaus angesehene Bürger integrieren.
„Essenszeit“) und nicht als Austeilung durch die
Vorsteher (sondern nur als Mahl) gefeiert wer-
den kann. Ein großer Teil der Christen Kartha- Ein römischer Brauch?
gos nimmt bereits damals nie an Mahlfeiern teil. Eucharistie als Morgenbegrüßung
Man holt am Morgen Speisen (wohl auch Wein) Vielleicht steht hier eine römische Tradition im
beim Vorsteher der Gruppe ab. Einem römischen Hintergrund: Jeden Morgen versammelten sich
Beobachter war dieser Vorgang vertraut. Er die Klienten eines Patrons, zum Beispiel eines
konnte annehmen, dass ein Gastgeber oder ein Senators, vor dessen Haus. Sie warteten, bis die
Verein vom Mahl übrig gebliebene Köstlichkei- Diener des Patrons sie aufriefen. Die Morgen-
ten an Bekannte verteilte. Er hätte auf ähnliche begrüßung konnte weit mehr als eine Stunde
Weise auch Gästen eines von ihm veranstalteten dauern, bevor der Patron sich anschickte, zum
Festmahls Speisen mitgeben können. Beispiel auf das Forum zu gehen. Als Römer in-
vestierte man viel Zeit und Energie, diese sozi-
alen Mechanismen unablässig und persönlich
Bei Cyprian wird erstmals der Vorsteher als zu pflegen. In der Kaiserzeit lässt sich eine Ent-
„Priester“ und „Stellvertreter Christi“ bezeichnet wicklung innerhalb der Morgenbegrüßungen
beobachten, die diese Institution für die hier
gestellten Fragen noch anschlussfähiger macht.
Ein halbes Jahrhundert nach Tertullian Es hatten nicht nur Klienten ein Interesse, ihren
schreibt Cyprian von Karthago († 258) gegen Patron zu treffen, anwesend zu sein und bei ihm
Zeitgenossen, welche die Eucharistie am Mor- Wünsche zu deponieren. Auch der Patron war
gen mit Wasser statt mit Wein feiern. In diesem daran interessiert, viele Klienten zu haben, die
Zusammenhang wird erstmals der Vorsteher als seine Bedeutung in der Stadt dokumentierten,
Priester (sacerdos) bezeichnet, der „als Stellver- wenn sie zum Beispiel vor ihm am Forum ein-
treter Christi“ (vice Christi) handelt und deswe- herschritten. Patrone begannen daher einen Teil
gen wie Jesus Wein verwenden muss (Cyprian, ihrer Klientel mit kleinen Gaben, „Körbchen“ ge-
Brief 63.14). Cyprian sieht auch, dass eine Feier, nannt, zu beschenken, wenn sie ihn am Morgen
die weder am Abend stattfindet noch ein Mahl besuchten.
ist, nicht an das Abendmahl Jesu anschließen Die These, dass sich die Eucharistie der
kann. Mit dem Zeitansatz des Abend-Mahls Jesu Christen Karthagos an die soziale Institution
gäbe die Schrift jedoch nur einen Hinweis auf der Morgenbegrüßungen anlehnte, beantwor-
Agapen und Eucharistien
den „Abend der Welt“; dass nämlich die alte tet viele (wenn auch nicht alle) Fragen, die an
Für die frühesten christli-
chen Schriftsteller besteht
Welt­epoche zu einem Ende gekommen sei. Des- die Geschichte dieses Rituals gestellt werden
keinerlei Unterschied wegen lasse sich daraus keine Norm ableiten. müssen. Erstens ist der neue Zeitansatz eines
zwischen Eucharistie und Dagegen sei die Verwendung von Wein aufgrund morgendlichen Treffens, bei dem man Brot und
Agape. Die Didache (s. der Überlieferung klar gegeben. Wein gereicht bekam, geklärt und gleichzeitig
rechts.) bezeichnet die Cyprian gibt auch den Grund für die Morgen- verstehbar, warum es weiterhin Abendmähler
Gebete vor einem sättigen- feiern an: „Wenn wir jedoch unser Abendmahl gab. Zweitens ist verständlich, dass solche Eu-
den Mahl als „Danksagen“ halten, können wir nicht das Volk an unseren charistien überhaupt keine Mähler mehr waren,
– nämlich „Eucharistie“. Tisch rufen, um das wahre Sakrament in Ge- was nur störte, sobald Cyprian die Eucharistie zu
Tertullian (s. o.) verteidigt genwart aller Brüder zu feiern“ (Cyprian, Brief polemischen Zwecken mit dem letzten Abend-
das eine Mahl der Christen
63,16). Was das Volk, das nicht mehr an den mahl verglich. Drittens waren solche Eucha-
gegen römische Kritiker. Er
Tisch gerufen werden kann und daher nie das ristien eher eine Verteilung von Gaben als eine
sagt, dass es den Namen
trägt, „womit man im
wahre Sakrament feiert, dazu gesagt hat, lässt gemeinsame Feier. Viertens ist klar, warum sich
Griechischen die Liebe sich vermuten. Ein Teil der Christinnen und die Quellen nicht darum kümmern, an welchem
bezeichnet“, nämlich lat. Christen Karthagos hat ohnehin sein ganzes Le- Wochentag sich die Gemeinde traf. Die Morgen-
dilectio (griech. agape). ben kein luxuriöses Esszimmer der Oberschicht begrüßungen fanden mehrmals in der Woche
Die Mähler der christlichen von innen gesehen. Aber auch reichere Mitglie- statt. Die Christen nahmen ihre „Körbchen“ mit
Gruppen sind Eucharistien. der der Gruppen erwarteten nicht, von Cyprian nach Hause und aßen einen Teil der besonderen

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Der Tisch wird zum Altar

Quellentexte

Martin Luther als Prediger. Predella des Cranach-Altars in der Stadtkirche St. Marien der Lutherstadt Wittenberg 1547

So wollte Luther das Cyprian: der MORGENGRUSS


Abendmahl feiern
„Du siehst doch den Mann dort, er, unter die dichten Scharen der
der durch sein prächtiges Gewand Klienten gedrängt, den hochmütig
Martin Luther hat die Forderung nach einer
Aufsehen erregt und im Glanze des einherschreitenden, aufgeblasenen
schriftgemäßen Praxis für die Liturgie
Purpurs sich gefällt? Durch welche Gönnern voran, nur damit auch
umgesetzt. Man sollte demnach nicht das
Erniedrigungen aber hat er diesen ihm später einmal ein prunkvolles
(Hoch-) Gebet über Brot und Wein sprechen
Glanz erkauft, welch verächtliche Gefolge die Aufwartung mache und
und anschließend beide Elemente austei-
Behandlung durch anmaßende voranziehe, dessen Ergebenheit
len, sondern nach Lk 22,14-23 und 1 Kor
Menschen musste er sich zuvor nicht seiner Person, sondern nur
11,23-26 die Austeilung – die Kommunion
gefallen lassen, welch stolze Pforten seiner Macht gilt!“
– sofort an das jeweilige Gebet anschließen.
umlagerte er, um seinen Morgen- An Donatus 11,
Er hat dennoch liturgische Details und die
gruß darzubringen, wie oft ging Übersetzung: Julius Baer
Grundstruktur der Messe bewahrt. Im Fall
des Einsetzungsberichts schlägt er eine
treue Nachahmung der Handlungen Jesu DIE Didache über die EUCHARISTIE
vor. Dabei ist er allerdings nicht so weit ge-
gangen, diese Feier in ein sättigendes Mahl „Was aber die Eucharistie betrifft, sagt folgendermaßen Dank: Wir
zu integrieren. sagt folgendermaßen Dank. Zuerst danken dir, heiliger Vater, für deinen
„Es dunckt mich aber, das es dem beim Kelch: Wir danken dir, unser heiligen Namen, den du in unseren
abendmal gemes sey, so man flux auff die Vater, für den heiligen Weinstock Herzen hast Wohnung nehmen las-
consecration des brods das sacrament rey- Davids, deines Knechtes, den du sen, und für die Erkenntnis und den
che und gebe, ehe man den kilch segenet. uns offenbar gemacht hast durch Glauben und die Unsterblichkeit,
Denn so reden beide Lucas und Paulus: Jesus, deinen Knecht. Dir sei die du uns offenbar gemacht hast
Desselben gleychen den kilch, nach dem Herrlichkeit in Ewigkeit. […] Doch durch Jesus, deinen Knecht. Dir sei
sie gessen hatten etce.“ niemand soll essen und trinken von Herrlichkeit in Ewigkeit! […] Den
Martin Luther, Ordnung der Deutschen eurer Eucharistie außer denen, die Propheten aber gestattet, Dank zu
Messe (1526) auf den Namen des Herrn getauft sagen, so viel sie wollen.“
sind. Denn auch darüber hat der Didache (Zwölf-Apostel-Lehre,
Herr gesagt: ‚Gebt das Heilige nicht Anfang 2. Jh.) 9/10,
den Hunden!‘ Nach der Sättigung Übersetzung: Georg Schöllgen

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welt und umwelt der bibel 1/2017 49
Der Tisch wird zum Altar

Abendmahlsszene aus der Ottheinrich-Bibel, Blatt 40v, um 1430.


Der Tisch ist offensichtlich für ein Sättigungsmahl gedeckt. Bayerische Staatsbibliothek.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Der Tisch wird zum Altar

Speise auch zu Hause. Fünftens war die Morgen-


begrüßung üblicherweise eine Angelegenheit
von Männern. Es ist dann kein Zufall, dass Cyp-
DIE EUCHARISTIE AM SONNTAG im 2. Jh.
rian gerade eine Frau erwähnt, die einen Behäl-
ter mit Brot (offenbar aus einer der christlichen Der Kirchenvater Justin beschreibt erwähnt wurde, wenn wir mit dem
Morgenfeiern) „mit unreinen Händen“ (in einem den Ablauf einer Eucharistiefeier: Gebete zu Ende sind, werden
Stand der Sünde) öffnete, sodass ihr daraus Feu- „An dem Tage, den man Sonntag Brot, Wein und Wasser herbeige-
er entgegengeschlagen sei. Frauen wie sie haben nennt, findet eine Versammlung holt, der Vorsteher spricht Gebete
nie an einer Eucharistiefeier teilgenommen. Die aller statt, die in Städten oder und Danksagungen mit aller
Männer ihrer Häuser haben ihnen das Brot mit- auf dem Lande wohnen; dabei Kraft, und das Volk stimmt ein,
gebracht. Außerdem ändert sich sechstens die werden die Denkwürdigkeiten der indem es das Amen sagt. Darauf
Rolle des Vorstehers. Er ist nicht mehr der Gast- Apostel oder die Schriften der findet die Ausspendung statt,
geber oder Vorsitzende eines Mahles, sondern Propheten vorgelesen, solange es jeder erhält seinen Teil von dem
Patron seiner Klienten. angeht. Hat der Vorleser aufge- Konsekrierten; den Abwesenden
hört, so gibt der Vorsteher in einer aber wird er durch die Diakonen
Justin: Philosoph, Märtyrer und Ansprache eine Ermahnung und gebracht.“
„Wassertrinker“ († zwischen 163 und 167) Aufforderung zur Nachahmung all
dieses Guten. Darauf erheben wir Justin, Die Apologie des Philoso-
Schon in der Mitte des zweiten Jahrhunderts
uns alle zusammen und senden phen Aristides von Athen,
und damit vor der Zeit Tertullians und Cyprians
Gebete empor. Und wie schon Übersetzung: Georg Rauschen
schreibt der aus Palästina stammende Philosoph
Justin in Rom ebenfalls eine Schrift zur Verteidi-
gung des Christentums. An deren Ende geht er
auf die Rituale ein, wie sie in seiner Gruppe ge-
feiert werden. Jeden Sonntag trifft sich die Grup-
pe des Justin in seiner römischen Wohnung. oder Wein, an einer dieser Stellen fehlt aber der
Man lässt aus den Schriften der Apostel und der Begriff „Wein“, sodass nur von Wasser die Rede
Propheten vorlesen. Darauf spricht der Vorste- ist. Justin vergleicht die christliche Eucharistie
her. Am Ende dieser Studiensitzung wird eine auch mit dem Mithraskult: „Denn dass Brot und
Eucharistie gehalten, wobei über Brot, Wein und ein Becher Wassers bei den Weihen eines neu-
Wasser ein Gebet gesprochen wird und diese da- en Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche
nach ausgeteilt werden. Man könnte in diesem hingesetzt werden, das wisst ihr oder könnt es
Treffen die Kombination von Wortgottesdienst erfahren“ (Apologie 66.4). Im Mithraskult wurde
vermutlich Wein getrunken. Justin dichtet dem
Mithraskult eine Praxis an, die für ihn selbst nor-
Manche Gruppen lehnen Wein mativ war. Spätere Abschreiber haben an (fast)
allen Stellen, wo es um die Eucharistie ging,
als heidnisches Getränk ab „Wein“ eingetragen. An den Stellen, wo die Ver-
bindung nicht so sehr ins Auge springt, haben
sie „Wasser“ im Original stehen gelassen.
und Eucharistiefeier vorgebildet sehen. Abgese- Gruppen wie die von Justin lehnten Wein nicht
hen davon, dass Justin nichts über die Tageszeit wegen des Alkohols ab, sondern weil sie Wein
sagt, zu der dieses Treffen stattfindet, handelt es zusammen mit Fleisch als typische Bestandteile
sich auf keinen Fall um ein Mahl im Sinn eines des heidnischen Opferkults nicht nur aus ihren
römischen Symposions. Die Feier des Justin ist Liturgien, sondern überhaupt aus ihrem Speise-
dennoch keine mittelalterliche Messe im zweiten plan strichen. In der Gruppe Justins ist die Eu-
Jahrhundert. charistie genau deswegen zu einem Mikroritual
Justin beschreibt sich als Philosophen, der – am Ende einer Studiensitzung geworden, weil
wie andere Vertreter dieses Standes – eine Schü- sie kein Mahl mehr sein konnte und auch nicht
lergruppe um sich geschart hat, mit der er sich sein sollte. Wer Fleisch und Wein kategorisch
regelmäßig trifft, um Fragen nach der Tradition ablehnt, kann kein feierliches Symposion mehr
seiner Denkrichtung und nach dem Erreichen halten. Das Beispiel Justins hat sich nicht durch-
eines guten Lebens zu diskutieren. Die Gruppe gesetzt. Die Wassereucharistien sind mit ihren
Justins ist nicht typisch für christliche Gruppen Gruppen ausgestorben. Messe, Abendmahl und
in Rom, sondern für Philosophenzirkel seiner Göttliche Liturgie sind aus anderen gesellschaft-
Zeit. Außerdem erwähnen die Texte über die Eu- lichen Vorbildern entstanden – vielleicht in An-
charistie zwar durchwegs Brot und Mischwein lehnung an die Morgenbegrüßungen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 51
Der Tisch wird zum Altar

Theodor von Mopsuestia: Die Messe


DIE Anrufung des geistes über die Gaben ist Abbild des zeitlosen Opfers Christi
Nach einer spärlichen Quellenlage des dritten
NACH JOHANNES CHRYSOSTOMUS Jahrhunderts tritt im späteren vierten Jahrhun-
dert die Doppelfeier aus Wortgottesdienst und
Die Kernelemente der wichtigsten Geistes über die Gaben (und die
Eucharistiefeier klar zutage. Sie wird in Kirchen-
liturgischen Texte, die noch heute sie empfangenden Menschen)
ordnungen normiert und in Predigten ausgelegt.
in der Orthodoxie in Gebrauch nach den Worten des Einsetzungs-
Obwohl sie sich an Elemente unterschiedlicher
sind, stammen aus der Spätantike, berichts: Einrichtungen der antiken Gesellschaft anlehnt,
auch wenn sie nicht direkt auf die „[…] Nochmals bringen wir Dir kann man im vierten Jahrhundert keine Antwort
Kirchenväter, unter deren Namen diesen vernünftigen und unbluti- auf die Frage „Was ist diese Feier?“ geben. Sie ist
sie überliefert werden (z. B. gen Dienst dar und rufen, beten kein Mahl, kein Philosophentreff, keine Morgen-
Basilius oder Johannes Chrysosto- und flehen zu Dir: Sende Deinen begrüßung, kein Kaiserritual und keine Götter-
mus) zurückgehen. Die getrennte Heiligen Geist auf uns und auf beschwörung. Die großen Prediger der Epoche
Entwicklung der Kirchen hat zu die vorliegenden Gaben herab. geben dennoch eine Antwort auf diese Frage. Sie
großen Unterschieden zwischen […] Segne, Herr, das heilige Brot identifizieren diese Liturgie mit einer Einrich-
der katholischen Messe und der und mache dieses Brot zum kost- tung, mit der sie überhaupt nichts zu tun hat:
Göttlichen Liturgie im äußerlichen baren Leibe Deines Christus. […] dem Opfer. Jeder, der noch weiß, wie in Griechen-
Ablauf geführt, obwohl nach Segne, Herr, den heiligen Kelch land und Rom Opfer abliefen, weiß auch, dass die
Texten und Strukturen weiterhin und was in diesem Kelche ist, Messe kein Opfer sein kann. Die an sich absurde
große Gemeinsamkeit herrscht. zu dem kostbaren Blute Deines Behauptung gibt den Predigern aber die Gelegen-
Eine aus der Sicht des katholi- Christus […].“ heit, die Liturgie platonistisch zu erklären. Eine
schen Mittelalters interessante ausführliche Deutung der Messe nach diesem
Eigenschaft des Hochgebets (der Johannes Chrysostomus, die Schema ist von Theodor († 428), dem Bischof von
Anaphora) der Chrysostomuslitur- Göttliche Liturgie, Übersetzung: Mopsuestia (in der heutigen Südosttürkei) über-
gie ist die Anrufung des Heiligen Remigius Storf. liefert. Er betont, dass man die irdischen Abläu-
fe des Rituals der Liturgie als irdische Schatten

Jeder, der noch weiß, wie in


Griechenland und Rom Opfer
abliefen, weiß auch, dass die
Messe kein Opfer sein kann

und Abbilder auf ihre himmlischen Ideen und


Darstellung
Urbilder hin durchschauen muss. Durch die blo-
der Anrufung ße Betrachtung der Liturgie kann man sie nicht
des Geistes. verstehen. Als biblischen Hintergrund bemüht
Detail vom
Theodor die Welt- und Erlösungsvorstellungen
Elfenbeinrelief
des Hebräer­briefs. Nach diesem neutestamentli-
vom Meister der
chen Buch ist der Tod Christi auf Erden Teil ei-
Wiener Gregor-
ner himmlischen Liturgie des Versöhnungstags.
platte; Lothrin-
gen um 875; Christus ist gleichzeitig Opfermaterie und Ho-
Universitätsbib- hepriester, der mit seinem eigenen Blut in das
liothek Frankfurt himmlische, zeitlose, unsichtbare Allerheiligste
am Main des himmlischen Tempels eintritt und es allen
Menschen, die sich ihm anschließen, ermöglicht,
ihm in ihrem Tod dorthin nachzufolgen. Da nie-
mand wissen kann, wie himmlische Liturgie aus-
sieht, kann der Prediger jeden Aspekt irdischer
Liturgien als irdisches Abbild himmlischer Wirk-
lichkeiten erklären, ohne seine Glaubwürdigkeit
zu verlieren.

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Der Tisch wird zum Altar

Mahl vor dem


Aufbruch, Kein
Essen, aber Stäbe
in der Hand! Kirche
der Jungfrau der
Frömmigkeit, Porto
Santo, Portugal

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welt und umwelt der bibel 1/2017 53
Der Tisch wird zum Altar

Die platonistische Erklärung ermöglicht eine


DIE BEDEUTUNG DES ALTARS im 1. Jh. Antwort auf jede Frage „Was ist Element X der Mes-
se?“. Der Tisch ist das himmlische Allerheiligste
Eusebius von Cäsarea erklärt lose Allerheiligste […] des des Tempels, oder das Grab Christi (bei Theodor)
den Altar in seiner Eröffnungs- gemeinsamen Priesters aller? oder der Ort, an dem Christus geschlachtet wird.
rede zur Kathedrale von Tyrus. Ihm zur Rechten steht der gro- Die Diakone sind die Engel, die die Szene des ir-
Für den Begriff „Altar“ bedient ße Hohepriester des Alls, Jesus dischen Todes Christi schweigend umstanden
sich Eusebius desselben Wor- selbst, der Eingeborene Gottes, und auf die Auferstehung warteten. Für Theodor
tes, das auch in der griechi- und nimmt von allen den vertritt der Priester nicht wie für Cyprian den irdi-
schen Übersetzung des Alten wohlriechenden Weihrauch und schen Jesus beim Abendmahl, sondern ist ein Ab-
bild des Hohepriesters Christus am himmlischen
Testaments (und nur dort) den die in Gebeten bestehenden
Versöhnungstag. Die Liturgie ist kein einzelnes
Altar im Jerusalemer Tempel unblutigen und unstofflichen
Opfer, sondern jede einzelne Liturgie ist ein schat-
bezeichnet. Dennoch deutet er Opfer mit heiterem Blick und
tenhaftes Abbild des ewig-zeitlosen Opfers Chris-
den „Altar“ nicht als Ort, auf offenen Händen entgegen und
ti. Die Beobachter der Liturgie werden durch ihre
dem Gott ein Opfer dargebracht übergibt sie dem himmlischen
verstehende Schau zu vorläufigen Teilhaberinnen
wird. Vater und Gott des Alls.“
und Teilhabern an einer jenseitigen Wirklichkeit,
„Und was sollte der ehrwürdige zu der sie im Tod zu gelangen hoffen.
und große und einzige Altar Eusebius, Kirchengeschichte Da der Platonismus irdische Dinge und Hand-
anderes sein als das flecken- 10.4.68 lungen abwertet und gegenüber der Wirklichkeit
der himmlischen Ideen als vorläufig und unwirk-
lich deutet, ist in diesem System eine Verwand-

Jesus feiert Abendmahl mit den Reformatoren, um 1570, Mildensee bei Dessau

54 200219143033QH-01 am 10.04.2021 über http://www.united-kiosk.de


welt und umwelt der bibel 1/2017
Der Tisch wird zum Altar

lung der Gaben von Brot und Wein in Leib und


Blut Christi nicht aussagbar. Wenn alles Irdische Das evangelische Feierabendmahl 1979
nur Abbild himmlischer Wirklichkeit ist, dann
sind auch Brot und Wein wirklicher Leib Christi, Am Nürnberger Kirchentag von 1979 wurde eine neue Form, das
indem sie Abbild des Leibes Christi sind. Theo- Abendmahl zu feiern, öffentlich erprobt und der Begriff des „Feier-
dor vermeidet es sorgfältig, die Eucharistie als abendmahls“ (als Wortspiel mit dem Freitagabend als Feierabend-
Abbild des – irdischen – Abendmahls Jesu zu Mahl, dann aber auch als besonders feierliches Abend-Mahl)
deuten. Was immer die Eucharistie unter Rück- geprägt. In vielen evangelischen Gemeinden wird seither zu beson-
griff auf den Hebräerbrief oder sogar die Passi- deren Anlässen das Abendmahl zum Beispiel an Tischen sitzend und
onsgeschichten der Evangelien sein soll, sie ist mit sättigendem Essen gefeiert. Das Feierabendmahl übersetzt zen-
gewiss kein Mahl.
trale Anliegen der biblischen Mahlberichte über Jesus und die frühe
Kirche in die Gegenwart. Mit dem Feierabendmahl wird vor allem der
Ausblick moderne Unterschied zwischen gemeinsamem Essen (was heute
„Agape“ genannt wird) und dem sakramentalen Abendmahl getilgt.
Messe, Abendmahl, Göttliche Liturgie beginnen
als Gemeinschaftsmahl im Kontext der Kultur
Griechenlands und Roms. Schon im zweiten Jahr- Diese Praxis von Kirchen aus der Reformation hat nicht zu einer
hundert wird dieser Mahlcharakter von Gruppen massiven und allgemeinen Liturgiereform geführt. Dennoch hält sie
aufgegeben oder zumindest drastisch reduziert, (auch gegenüber der katholischen Kirche) die Anfrage offen, inwie-
die den Genuss der Lebensmittel ablehnen, die fern Abendmahl und Messe stiftungsgemäß gefeiert werden, wenn
den Kern eines römischen Mahls ausmachen. sie keine Mähler sind.
Die Kirche Karthagos entschied sich aufgrund
ihres Wachstums gegen ihre Aufteilung in klei-
ne, dezentrale Mahlgruppen. Ihre Verteilung der
Eucharistie lehnte sich vielleicht an Sozialfor-
men an wie die römische Morgenbegrüßung, wo
Klienten ihren Patron besuchten. Mindestens im
frühen dritten Jahrhundert erlebten die meisten
Christinnen und Christen Eucharistie nicht mehr
als Mahl, sondern als morgendliche Austeilung
von Speisen (und Wein) von einem Mahl am
Vorabend und etwas später überhaupt als un-
abhängiges morgendliches Treffen. Im vierten
Jahrhundert ist daraus eine Institution entstan-
den, die aus allen Rahmen fällt. Die Prediger
dieser Epoche deuten sie als etwas, das sie dem
Augenschein nach niemals sein kann: als Opfer.
Damit entwickeln sie einen Strang älterer Theo-
logien der Eucharistie weiter, deuten ihre Rituale
und verwendete Gegenstände aber platonistisch.
Die Texte dieses Erbes übernehmen die späte-
ren Konzilien und kirchlichen Verlautbarungen,
auch wenn der Platonismus, vor dessen Hinter-
grund sie entstanden sind, nicht mehr trägt. Mo-
derne Strömungen, die zu einer Eucharistie als
Mahl zurückkehren wollen, müssen die gesamte
Entwicklungsgeschichte dieser Liturgie als Fehl-
entwicklung bewerten und sich auf eine fast nur
aus römischen Parallelen erschließbare goldene
Urzeit berufen. Obwohl die Feier eines römischen
Symposions für uns heute fremd wäre, so erin-
nert dieser Rückgriff doch daran, dass sich diese Prof. Dr. Clemens Leonhard
Institution in den ersten vier Jahrhunderten mas- ist Direktor des Seminars für
siv gewandelt hat. Sie kann gewiss auch in der Liturgiewissenschaft an der
Zukunft noch einige Änderungen vertragen. W Universität Münster

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welt und umwelt der bibel 1/2017 55
Das letzte Abendmahl in der Kunst

Liturgie, Theologie –
und ein bisschen Leben
Hat es so ausgesehen? Wenigstens so ungefähr? Tut mir leid: Auskünfte, wie es denn so zugegan-
gen war am Vorabend des Todes Jesu, beim feierlichen Mahl, wird man durch die Bildkunst nicht
bekommen. Das „historische Interesse“ wird dennoch gut bedient. Der Einfluss der sich wandeln-
den liturgischen Formen und des sakramentalen Verständnisses wird sichtbar und manchmal
auch – vergleichsweise verhalten – „das Leben“. Von Herbert Fendrich

Der Abendmahlsaltar
von Dirk Bouts (Mittel-
bild) zeigt Jesus mit dem
Segensgestus des Salvator
mundi („Retter der Welt“).
1464–1467, Öl auf Holz,
180 x 290 cm, St. Peter in
Löwen.

56 welt und umwelt der bibel 1/2017


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M
ein Lieblingsbild vom „letzten Abend-
mahl“ gibt’s nicht in Stein gehauen
oder mit dem Pinsel gemalt. Es sind
Eindrücke aus einem Film, die mir unvergesslich
sind. „Von Menschen und Göttern“: Die Brüder
im Trappistenkloster hoch oben im Atlasgebir-
ge wissen, was die Stunde geschlagen hat. Sie
haben sich entschieden, wenn es sein muss, ihr
Leben hinzugeben. Die tödliche Bedrohung –
durch die terroristischen islamischen Gruppen,
durch die Militärs? – wächst. Sie feiern noch ein-
mal Eucharistie und in ihre Gesänge dringt be-
drohlich das Rotorengeräusch des Hubschrau-
bers, der dicht über dem Kloster kreist. Sie
singen Ps 139,12: „… die Finsternis wäre nicht schen Wortes für Fisch „Ichthys“ (Abk. für „Jesus Szene aus dem Film
finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag …“ Christus, Sohn Gottes, Retter“), in der sechsten „Von Menschen und
Und dann ein feierliches Abendessen im kargen wird wohl mit dem spanferkelartigen Braten das Göttern“.
Refektorium. Zwei Flaschen Wein gibt es, und Pessachlamm gemeint sein, Symbol des Opfer-
Bruder Luc legt eine Kassette in den alten Re- todes Christi und seiner „Vergegenwärtigung“
korder ein. „Schwanensee“: der letzte Akt. Nur in der Eucharistie, dazu aber auch ein Hinweis
die Gesichter der Mönche: zwischen Angst und darauf, dass nach den Berichten der drei ersten
Zuversicht, Beklemmung und Gelassenheit, fast Evangelien Jesu letztes Mahl ein Pessachmahl
Heiterkeit. Schnitt – und die trommelnden Fäus- war. Fünfzehn Brote sind es übrigens, die auf Fisch, Brot und
te der Mörder an der Tür. dem Tisch bereitliegen, mehr als genug. Viel- Fleisch liegen auf dem
So dicht am Leben und am Tod ist kein Abend- leicht soll mit diesem Überschuss ein Signal ge- Abendmahlstisch im
mahlsbild der Kunst. Sollte man auch nicht er- setzt werden: Die Geschichte, die hier beginnt, Mosaik der Kathedrale
warten. Wie schon die neutestamentlichen Zeug- kann weitergehen. Santa Maria Nuova von
nisse keine historischen Berichte sind, sind die Vom ursprünglichen Mahlcharakter ist in Monreale (Sizilien),
Bilder keine Abbilder. Wort und Bild sind Deu- dieser Darstellung einer hierarchischen Tisch- 1179–1182 von Künst-
tung des Geschehens und – in diesem Fall nicht gemeinschaft mit Jesus als „Vorsitzendem“ also lern aus Konstantinopel
verwunderlich – insbesondere geprägt durch die durchaus noch etwas sichtbar. Dennoch: Hier geschaffen.
liturgische Praxis der jeweiligen Entstehungszeit.
Dass vom Abendmahlsgeschehen die Geschichte
des Altarsakramentes ihren Ausgang genommen
hat, hat die Bildkunst mehr geprägt als die be-
drohliche Situation am Vorabend des Todes Jesu.

Reichlich Brot –
und nichts zu trinken
Die liturgische Prägung ist beim Mosaik (ent-
standen 1182) aus der Kathedrale von Monreale
auf Sizilien unübersehbar. Das Bildarrangement
folgt dem ostkirchlich-byzantinischen Schema.
Da mag die lateinische Inschrift (CENA DOMINI
– Herrenmahl) erstaunen; aber zur Zeit des letz-
ten Normannenkönigs Wilhelm II., als das Mosa-
ik entstand, war eine weitgehende Latinisierung
Siziliens abgeschlossen. In der Bildkunst wurde
jedoch die „griechische“, ostkirchliche Prägung
beibehalten. „Lateinisch“-katholischer Liturgie
ist vermutlich auch die Tatsache zu verdanken,
dass es zwar reichlich zu essen, aber nichts zu
trinken gibt. Auf den „Kelch“ wird verzichtet. In
fünf Schalen ist ein Fisch zu erkennen (ohne Fra-
ge eine Anspielung auf das Symbol des griechi-

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welt und umwelt der bibel 1/2017 57
Liturgie, Theologie – und ein bisschen Leben

dem Kelch trinkt, … der zieht sich das Gericht zu“


(1 Kor 11,27ff).

„Herr, wer ist es?“


Obwohl die Darstellung im Westlettner des
Naumburger Domes (um 1260) zeitlich gar nicht
so weit vom Monrealer Mosaik entfernt ist, betre-
ten wir stilistisch und inhaltlich eine ganz ande-
re Welt. Nicht feierliche Liturgie, nicht weltferne
Distanz, sondern erdenschwer-realistisch prä-
sentiert der Naumburger Meister seine Figuren.
Christus ist nicht überlebensgroß abgehoben,
sondern eingereiht in die kleine Jüngerschar (für
mehr als sechs war im Bildfeld kein Platz) und
nur durch seine Mittelposition und den Kreuz-
nimbus akzentuiert. Hier wird nun ordentlich
gegessen und getrunken. Die Kommunion ist
nicht das Thema – aber auch nicht das Mahl.
Das Relief bildet im Westlettner den Auftakt zu
einem Passionszyklus – und so geht es thema-
tisch konsequent um die Bedrohung durch den

Eine kleine Abend- wird nicht gegessen, sondern andächtig kom-


mahlsrunde zeigt muniziert. Ein Jünger naht sich beim „Kommu- Thematisch geht es um die Be-
das Relief auf dem niongang“ dem Herrn, ehrfurchtsvoll in die Knie
Lettner des Naumbur- gehend, ein zweiter – ein Petrustyp, anschaulich drohung durch den Verrat und
ger Doms. Anschau- der „2. Vorsitzende“ – wird sich ihm anschlie- die Entlarvung des Verräters
lich wird die Entlar- ßen. Der Kommunionempfang wird mit ver-
vung des Verräters hüllten Händen vollzogen; ein Ehrfurchts- und
dargestellt, der eben Demutsritual in Anlehnung an byzantinische Verrat und die „Entlarvung“ des Verräters. Die
in die Schale greift. Hofzeremonien. So brachten – oder empfingen Bilderzählung folgt der Darstellung des Johan-
– Untergebene Geschenke und Gaben. nesevangeliums (Joh 13,24ff). Petrus startet über
Zwei Auffälligkeiten müssen noch erwähnt den Lieblingsjünger die Anfrage. „Herr, wer ist
werden: eine, weil sie im Bild „erzählt“ wird, es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bis-
und eine, weil sie nicht erzählt wird. Da ist der sen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann
Lieblingsjünger, der an der Seite Jesu ruht. Ein tauchte er das Brot ein und gab es Judas, dem
Element aus dem johanneischen Bericht vom Sohn des Simon Iskariot.“ Die entlarvende Ges-
Abschiedsmahl geht hier in die Darstellung ein te Jesu findet im Bild keine Resonanz; niemand
(Joh 13,23), obwohl das vierte Evangelium be- guckt hin, nicht einmal Jesus. Der schaut uns an;
kanntlich nicht von der Einsetzung der Eucha- und so wissen wir, wer gemeint ist.
ristie erzählt. Die Hinzufügung dieses Motivs ist
leicht erklärbar: Im Lieblingsjünger wird eine
Gemeinschaft, eine „Vereinigung“ mit Christus Exklusive Kommunion
anschaulich, die im rituellen „Kommunionemp- Der Naumburger Meister hat den Verräter auch
fang“ nicht zum Ausdruck kommt. dadurch markiert, dass Judas in die Schüssel
Nicht erzählt wird vom Verrat und vom Verrä- greift. Das erinnert an Mt 26,23 (ähnlich Mk
ter. Das byzantinische Abendmahlsbild kommt 14,20): „Der, der die Hand mit mir in die Schüssel
ohne Judas aus. Es fehlt so das Element der Be- getaucht hat, wird mich verraten.“ Dieses verrä-
drohung, das zur „historischen“ Situation des terische Handspiel ist womöglich der Schlüssel
letzten Mahles gehört; aber auch – ich regist- zur Identifizierung des Judas in der Abend-
riere das mit Erleichterung – überhistorisch der mahlsgesellschaft, die Dirk Bouts auf der Mit-
warnend erhobene moralische Zeigefinger, der teltafel seines Triptychons (1464–1464) in Sint
heute noch manche Erstkommunionfeierlich- Pieter in Löwen versammelt hat (Bild S. 56). Der
keit verunziert. Gern wird da der Apostel zitiert: linke Apostel vor dem Tisch verbirgt auffällig
„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus seine Hand hinterm Rücken, damit sie ihn nicht

58 welt und umwelt der bibel 1/2017


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Liturgie, Theologie – und ein bisschen Leben

verrät. Das ist aber der einzige dramatische Ak-


zent in diesem handlungsarmen Bild. Die altnie-
derländische Malerei ist gekennzeichnet durch
einen detailgetreuen Realismus. Und Bouts ist
ein Meister in der wirklichkeitsgetreuen Erfas-
sung von Raum, Menschen und vielen Einzel-
heiten, vom Fliesenboden bis zum Kronleuchter.
Aber „realistisch“ ist diese Welt nicht. Auf dem
Tisch sind Becher, Brötchen, Messer und – in
auffälliger Parallele zur Hostie – die Schüssel
fürs Pessachlamm verteilt; aber kein Mensch
isst. Andächtig sitzen sie da, in Betrachtung
versunken. Jesus segnet die Hostie. Es ist also
der feierliche Moment der Wandlung, dem wir
beiwohnen. In der eucharistischen Frömmigkeit
des Spätmittelalters war das der Höhepunkt der
Messe, dem kein Verzehr zu folgen brauchte und
meist auch nicht folgte. Das „Sehen“ der hoch-
gehobenen Hostie – die „Elevation“ – war „Kom-
munion“ genug. Deswegen reicht auch die eine
Hostie in der Hand Christi. Die anderen werden
nicht essen. Das Mahl findet nicht statt.

Bemerkenswert an diesem Holzschnitt ist auch Tag und Nacht zu-


Der Laienkelch – und kein Opfer die Perspektive, eine auffällige Untersicht, die gleich – wie
In Dürers Holzschnitt von 1523 hat das Mahl den Betrachter/die Betrachterin geradezu in die geht das? Albrecht
stattgefunden. Aber es ist zu Ende, der Tisch ist Knie sinken lässt. Das ist die Haltung, die dieses Dürer (1523) zeigt
– fast – abgeräumt. Auf dem Fußboden rechts Bild vom Abendmahl uns abverlangt. auf seinem Holzschnitt
stehen ein voller Brotkorb (es scheint nieman- Kommen wir ein letztes Mal auf den Augen- die Nacht des Verrates,
dem so recht geschmeckt zu haben) und eine blick zu sprechen, den Dürer hier in Szene denn Judas ist schon
Weinkanne. Auch Dürers Werk ist wie das Ge- gesetzt hat. Nicht – wie andere Renaissance- unterwegs. 15 x 23 cm,
mälde von Bouts ein sakramententheologisches künstler in der Nachfolge Leonardos – die dra- Kunstsammlungen der
Statement: aber kein katholisches! matische Verratsansage, die erregte Debatten Veste Coburg.
Exakt in der Mitte des Bodens hat Dürer eine unter den Jüngern auslöst. Sondern die Situa-
blitzblank geputzte Schale platziert. Das ist die tion „nach dem Mahl“, und zwar so, wie sie in
Pessachlamm-Schale, die wir bei Bouts und in Joh 13,30 geschildert wird: „Als Judas den Bissen
Monreale gesehen haben. Aber hier ist sie leer Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es
und unbenutzt! Das Symbol des „Opfers“: Poin- war aber Nacht.“
tiert ausradiert. 1520 hatte Martin Luther seinen Judas hat in der Tat den Raum verlassen. Es
„Sermon von dem Newen Testament, d. i., von der sind nur noch elf Jünger. Und es ist Nacht –
heyligen Messe“ publiziert, sich gegen ein falsches deutlich ist die Dunkelheit draußen an den
Opferverständnis gewandt und den Charakter der Fensteröffnungen rechts und links erkennbar.
Messe als „Testament und Sakrament“ betont. Und damit ergibt sich die Frage, wie denn – in
Auf dem leeren Tisch steht nur ein einziger krassem Widerspruch zur „Nacht“ – das hell
Kelch. Vordergründig unterstreicht er die Situati- erleuchtete Rundfenster zu deuten ist, das den
on nach dem Mahl entsprechend der lukanisch­- Lichtglanz – die Gloriole – um das Haupt Chris-
paulinischen Version des Einsetzungsberichtes: ti geradezu zu nähren scheint. Für mich ist das
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch …“ der „Herrlichkeitsglanz“, hebräisch „kabod“,
(Lk 22,20/1 Kor 11,25); aber in der Zeit der kontro- griechisch „doxa“, lateinisch „gloria“. Im Johan-
versen Auseinandersetzung um das Verständnis nesevangelium folgt in dieser Situa­tion­die lan-
der Eucharistie betont der einsame Kelch die Auf- ge Abschiedsrede Jesu (Joh 13,31-17,26). Ich sehe
fassung der Reformatoren. Gegen die spätmittelal- in Dürers Bilderfindung eine im wahrsten Sinne
Dr. Herbert Fendrich
terliche Praxis hatte Luther sich für die „Kommu- einleuchtende Veranschaulichung des einleiten- ist Bischöflicher Be-
nion unter beiderlei Gestalt“ und für das Recht des den Satzes: „Jetzt ist der Menschensohn verherr- auftragter für Kirche
Laien auf den Kelch (und die Hostie) eingesetzt. licht (griechisch: edoxasthe), und Gott ist in ihm und Kunst im Bistum
verherrlicht“ (Joh 13,31). W Essen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 59
Fastenbrechen am Ende des Ramadan.
Nach dem offiziellen Sonnenuntergang werden
in der Tradition Muhammads Datteln gegessen,
dann folgen weitere Speisen.

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Wie entstand der Ramadan?

Ein Fastenmonat, der


eigentlich ein Mahlmonat ist
Dass im Islam das Mahl eine zentrale Rolle spielt, muss jedem Beobachter auffallen.
Ein ganzer Monat, der Ramadan, gilt dem Tagsüber-Fasten, aber nicht weniger dem
abendlichen Mahl, denn auch „Fastenbrechen“ ist eine Religionspflicht. Der Islam
knüpft mit Mahl und Fasten an jüdische und christliche Überlieferungen an und setzt
schließlich aber ganz eigene Akzente. Von Angelika Neuwirth

D
as große Fastenbrechen am Seder, gefeiert. In der Spätantike, in der Jüngerschaft Jesu. Der „Himmels-
Ende des Ramadan, `Id al-Fitr, der wir uns in Jesu Zeit befinden, hatte tisch“ steht in seiner Wirkung in keinem
ist eines der beiden Hochfeste das Mahl bereits zusätzlich die univer- Verhältnis zu demjenigen Mahl, das die
des Islam, gegenüber dem anderen, dem salere Bedeutung einer Vorwegnahme Gemeinde Muhammads ebenfalls wäh-
Opferfest, `Id al-Adha, sogar das volks- des messianischen Mahls, des für alle rend der medinischen Zeit selbst erhält:
tümlichere, insofern es häuslich began- ausgerichteten jenseitigen Mahls, an- das Fastenbrechen, das in dem großen
gen wird. Obwohl dieses 29-mal wieder- genommen. Das Mahl war zum Symbol Mahlfest, dem `Id al-Fitr, am Ende des
holte Fasten und Fastenbrechen nur im einer transhistorischen Befreiung ge- Ramadan kulminiert.
Islam begegnet und als solches einzigar- worden.
tig ist, gehört doch auch dieses Mahl in Das Mahl Jesu ist auch im Koran re-
den großen Kontext der Mahlgeschichte flektiert: Es heißt in der medinischen Drei Religionen –
der monotheistischen Religionen. Sure 5:112-115: dreimal Traumabewältigung
„Als die Jünger sprachen, ‚Jesus, Sohn Rein äußerlich betrachtet, könnte man
Marias, kann dein Herr uns einen Tisch das Pessachmahl als Teil einer Ver-
Pessach, Abendmahl vom Himmel herabsenden? (…)/ Wir wol- söhnungsliturgie verstehen, die eine
und der Koran len davon essen, dass unser Herz Ruhe einschneidende Gewalterfahrung, das
Festmähler haben in der orientalischen finde (…)‘./ Jesus sprach: ‚Gott, unser Trauma der ägyptischen Sklaverei bzw.
Antike rituellen Charakter. Ihnen gehen Herr, sende uns einen Tisch vom Himmel des Babylonischen Exils, zu bewältigen
oft Fasten, vor allem aber Opferzeremo- herab, der uns ein Fest sei, den Ersten hilft. Vergleichbar geht auch von der
nien voraus. Im israelitischen Bereich wie den Letzen, und ein Zeichen von Dir!‘ nach Jesu Tod etablierten Eucharistiefei-
entstand das bedeutendste Mahl, das (...)/ Gott sprach: ‚Ich sende ihn euch hin- er eine solche tröstend versöhnliche
Pessachmahl, aus einem paganen Früh- ab. Wer dann unter euch noch ungläubig Wirkung aus, die die traumatischen Er-
jahrswendefest, das biblisch, Exodus­ ist, den strafe ich wie sonst niemanden in eignisse um seinen Tod durch ein Ge-
12,1-52 richtungsweisend für die spä- aller Welt‘“. meinschaft erzeugendes symbolisches
tere jüdische, aber auch christliche Dieser „Himmelstisch“ bezeugt das Mahl sinnstiftend erträglich macht.
Religion­, mit einer heilsgeschichtlichen Verständnis der koranischen Gemeinde Ein ähnliches Muster lässt sich auch
Bedeutung unterlegt wurde, nämlich als von der christlichen Eucharistiefeier als bei der Stiftung des Ramadan erken-
Erinnerung an die Befreiung aus Ägyp- eines streng sakralen Mahls. Doch bleibt nen, die nach dem knappen Entrinnen
ten. Pessach wurde im Rahmen einer das Bild im Koran theologisch unausge- der Gemeinde von einer vernichtenden
Wallfahrt zum Jerusalemer Tempel be- schöpft, die etwas kryptische Erzählung, Niederlage, nach einer unerwartet sieg-
gangen. Nachdem die Pilger das dazuge- die von der Stärkung einer früheren reich entschiedenen Schlacht, erfolgt.
hörige Tieropfer lange Zeit im Tempelbe- Gemeinde (der christlichen) durch die Das im Koran erlassene Fastengebot für
reich dargebracht hatten, verlagerte sich Stiftung eines Mahls, aber auch von der einen ganzen Monat erfolgt jedenfalls –
das Pessachmahl allmählich, nach der Brisanz des Umgangs mit ihm berichtet, nach dem überzeugenden Zeugnis der
Tempelzerstörung 70 nC definitiv, in den ist in der Gemeinde Muhammads nicht islamischen Tradition – im Jahre 2 der
häuslichen Bereich. Jesus hat bereits weiter diskutiert worden. Das Ereignis Hedschra­, nach der Schlacht von Badr.
ein häusliches Pessachmahl, hebräisch ist ja nicht ihre Erfahrung, sondern die In Sure 2:183-187 heißt es:

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welt und umwelt der bibel 1/2017 61
Wie entstand der Ramadan?

„Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrie- Jom-Kippur-Fasten erkennen, bei dem im Frühjahr (Pessach/`umra) und im
ben zu fasten, so wie es denen vor euch die Grenzen der Fastenzeit an der Unter- Herbst (hagg ha-sukkot, Hüttenfest/had-
vorgeschrieben ist. Vielleicht dass ihr got- scheidbarkeit von weißen und schwar- jdj). Dieser Jahreslauf, der wie der jüdi-
tesfürchtig werdet./ Eine Anzahl von Ta- zen Fäden am Gebetsmantel gemessen sche für seinen Parallellauf mit den Jah-
gen. Wenn einer von euch krank ist oder werden. reszeiten auf Schaltmonate angewiesen
auf Reisen, eine Anzahl anderer Tage. … / war, war jedoch zur Zeit des Propheten
Der Monat Ramadan – in dem die Lesung bereits aus den Fugen geraten, er findet
herabgesandt worden ist als Rechtleitung Altarabische Traditionen im Koran lange keine Beachtung. Kora-
für den Menschen, und die klaren Bewei- Aber wenn auch die nun erstmals ge- nisch sanktionierte Feste gab es vor der
ses der Rechtleitung und Rettung (fur- setzlich gebotene Fastenpraxis an jüdi- Emigration nach Medina noch gar nicht.
qan). … // Es ist euch erlaubt, zur Fasten- sche Vorgänger anknüpft, so setzt doch Deren Institution verdankt sich dem
zeit bei Nacht mit euren Frauen Umgang der Fastenmonat eine altarabische Tra- Austausch mit der jüdischen Gemeinde
zu pflegen. Sie sind für euch, ihr für sie dition fort. Sie verband sich im Vorislam in Medina.
ein Kleid. (…). Berührt sie unbedenklich mit der Frühlingswallfahrt, der `umra, Denn Prophet und Gemeinde machen
(…) und esst und trinkt, bis ihr in der Mor- in der asketische Übungen wie Fasten nach der Hidjra, der Emigration nach
gendämmerung den weißen Faden vom und Verharren im Heiligtum üblich wa- Medina, eine rigorose Neubesinnung
schwarzen unterscheiden könnt. Hierauf ren und in die eine – auch noch im Koran durch. Die Tradition berichtet sogar, dass
haltet das Fasten durch bis zur Nacht.“ hervorgehobene – Nacht fiel, die „Nacht ihr Einzug in Medina auf den jüdischen
Das Ramadanfasten und -fastenbre- der Bestimmung“, laylat al-qadr. Dass Versöhnungstag, Jom Kippur, gefallen
chen sind also keine spontan erlasse- dieses Fasten durch ein Mahl beschlos- sei und der Prophet sofort die Bedeu-
nen koranischen Weisungen, es geht sen wurde, darf man voraussetzen, Ab- tung der dazu gehörigen Mose-Praxis
nicht einfach um ein Dankesmahl nach stinenz vom Essen dient ja auch dazu, für die eigene Gemeinde erkannt habe.
einer bestandenen Prüfung, auch nicht das Gemeinschaft stiftende Mahl neu zu Jedenfalls wurde das erste koranisch
sogleich um einen ganzen Monat. Im legitimieren. Stellt man einen Vergleich verordnete Fasten nicht auf den im pa-
Mittelpunkt der neuen Gesetzgebung zwischen den altarabischen und den is- ganen Kalender dafür passenden Termin
steht zunächst die Fastenpraxis selbst. raelitischen Festen an, so entsprechen im `umra-Monat Radjab gelegt, sondern
Diese lässt noch ihre Orientierung am sich Fastenzeiten und Pilgerfahrten auf den Termin des Jom Kippur, arabisch

Mit Datteln und anderen


getrockneten Früchten wird das
Fastenbrechen eröffnet. Laternen und
Lampen werden als Dekoration aufge-
stellt, möglicherweise gehen sie auf
die Verwendung von Fackeln in Ägypten
zurück oder auch auf koptische Weih-
nachtskerzen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Wie entstand der Ramadan?

Das Zuckerfest (Īd al-Fitr, im


Türkischen Ramazan Bayramı)
am Ende des Ramadan wird 3 Tage lang
gefeiert. Das arabische Wort Ramadan
bedeutet „ausgetrocknet, brennend“.
Hier wird nun mit der Fülle an Speisen
und Getränken die Zeit der Dürre und
des Fastens übermütig beendet.

`ashura‘. Aus zunächst einem einzigen rabgesandt haben – am Tag, da die beiden Wir sandten es herab in der Nacht der
Tag wurden – wie der Koran in Q 2:183-4 Heerscharen auf einander stießen! Bestimmung./Was weißt du, was sie ist,
bezeugt – mehrere Tage und – nach der Mit ebendem Begriff der Rettung, die Nacht der Bestimmung: Die Nacht der
erfolgreichen Schlacht von Badr, Q 2:185 furqan, war in Q 2:185 auch die Begrün- Bestimmung ist größer als tausend Mo-
– ein voller Monat. Dabei wird neben dung des Fastens im Ramadan verbun- nate. Die Engel und der Geist steigen in
dem Fasten auch das Fastenbrechen, das den worden. Der Ramadan ist mithin ein ihr herab – mit Erlaubnis ihres Herrn- in
Mahl, hervorgehoben, Q 187. Fest, das Pessach eng verwandt ist, nicht allen Angelegenheiten. Sie ist Segen – bis
Man übernahm aber nicht einfach vor- als Übernahme, sondern als Zeichen ei- zum Aufgang der Morgenröte.
gefundene Feste, sondern schloss sich nes neuen Denkens in Kategorien von Die hier gefeierte spirituelle Fülle wird
der heilsgeschichtlichen Hermeneutik Heilsgeschichte, wie es auch der Stif- mit dem viele Male wiederholten festli-
an, nach welcher die Jahreszeitenwen- tung von Passah unterliegt. Doch stehen chen Mahl im Ramadan gefeiert. W
den nicht auf ihre kosmische Bedeu- diese Verbindungen zur Heilsgeschichte
tung reduziert sind, sondern ein heils- nicht im Mittelpunkt der Feier. Was da-
geschichtliches Ereignis in Erinnerung bei viel mehr zählt, ist die zeitweilige
bringen sollten. Aus der jahreszeitlich Aufhebung der Grenzen zwischen Him-
orientierten `umra, die ohnehin ihren mel und Erde, das Offenstehen der Him-
Sitz im Jahreslauf verloren hatte, wur- melstore. Dies war bereits in Frühmekka
de nun – analog zu Pessach – ein Fest der Festinhalt der „Nacht der Bestim-
Prof. Dr. Angelika
zur Erinnerung an die Rettung vor über- mung“, der Laylat al-qadr, des `umra-
Neuwirth ist
mächtigen Feinden, d.h. an die Schlacht Monats gewesen, die nun in der medini- Professorin für
von Badr, so in Sure 8:41: schen Festregelung ihren festen Platz in Arabistik an der
Richtet euch nach dem was wir auf unse- der letzten Dekade des Ramadan erhält. Freien Universität
ren Diener am Tag der Rettung (furqan) he- Die Sure dazu, 97:1-5 lautet: Berlin

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welt und umwelt der bibel 1/2017 63
Büchertipps

Gott und Gaumen Das Abendmahl


Der Würzburger Liturgiewissenschaftler In der frühen Kirche war das
und Publizist zeigt, dass Christentum Abendmahl im Mittelpunkt christ-
durchaus sinnenfroh sein kann. Er be- licher Existenz. Da es heute immer
schreibt Mahlgemeinschaft als etwas, öfter als entleertes Ritual empfun-
das Leib und Seele zusammenhält den wird, machen sich die beiden
und sogar über das physische Leben Theologinnen auf die Suche. Sie
hinausreicht. In zwölf anregenden, zeigen, wie in der lebendigen
an die Jahreszeiten angelehnten Wahrnehmung der Nähe Gottes im
Kapiteln handelt dieses Buch von Alltag und Fest, Genuss Mahl als Vorgriff auf die zukünftige
und Sünde, Bitte und Dank, Gastfreundschaft und Gast- Wirklichkeit des Reiches Gottes Kraft entfaltet werden
lichkeit, Küche und Katechese. Es thematisiert aber auch kann, die das Leben des ganzen Menschen und seine
Themen wie Verzicht und Fasten sowie die Verantwortung Beziehung zu sich selbst und zu Gott berührt.
für die Schöpfung und Solidarität, die manchmal auf dem Andrea Bieler/Luise Schottroff, Das Abendmahl. Essen, um zu
Teller beginnen. leben, Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus 2007, 293 S., €
Guido Fuchs, Gott und Gaumen. Eine kleine Theologie des 29,95, ISBN 978-3-579-08017-8.
Essens und Trinkens, Claudius 2010, 159 S., € 19,80,
ISBN 978-3-532-62411-1.
Wein und Blut
Die Studie untersucht die Bedeutung
Ma(h)l anders von Wein und Blut im Johannes-
Traditionelle Abendmähler oder Eu- evangelium und deren Verhältnis.
charistiefeiern wirken mitunter etwas Sie hinterfragt dabei die bisherigen
steif und leer. Doch das muss nicht Forschungspositionen. Neuere Ergeb-
sein: Die Frühzeit der Kirche kannte nisse der ritual- und sozialgeschicht-
eine bunte Vielfalt von Mahlfeiern. lichen Forschung zur frühchristlichen
Sie werden derzeit wieder entdeckt. Mahlpraxis verändern die Perspektive
In dieser erstmaligen systematischen auf traditionell als „Abendmahlstexte“ wahrgenommene
Darstellung verschiedener „kulinari- Perikopen. Zugleich sind damit aber auch zentrale Fragen
scher Gottesdienstformen“ – z. B. „Brunch & pray“, Feier- der Theologie des Johannesevangeliums mit im Blick. Die
abendmahl, „Liturgisches Abendessen“ u. v. a. – wird auch Metaphorik des Essens und Trinkens für die Annahme von
die Frage nach dem Essen und Trinken im Kirchenraum, Lehre, die bisher von der „eucharistischen“ Diskussion
seinen Möglichkeiten und Grenzen gestellt. Und schließlich verdeckt war, erlaubt einen neuen Blick auf die ritualge-
kommen auch Ideen zur Sprache, bei denen die Schwelle schichtliche Entwicklung und Theologie des Abendmahls.
des Gottesdienstraumes überschritten wird. Jan Heilmann, Wein und Blut, Das Ende der Eucharistie
Guido Fuchs, Ma(h)l anders, Essen und Trinken in Gottes- im Johannesevangelium und dessen Konsequenzen (BZAW,
dienst und Kirchenraum, Pustet 2014, 254 S., € 24,95, 204), Stuttgart, Kohlhammer 2014, XII, 398 S., € 54,99,
ISBN 978-3-7917-2574-1. ISBN 978-3-17-025181-6.

Was isSt Religion? Das Herrenmahl essen


Kochen und Essen spielen in Die Autorin untersucht Schul-
allen fünf Weltreligionen eine be- bücher und Lehrpläne exegetisch-
deutende Rolle. Ein junges Team religionsgeschichtlich hinsichtlich
aus praktizierenden Juden, der Frage, wie die Mahlthematik
Christen, Muslimen, Buddhisten im Religionsunterricht und in
und Hindus gewährt anhand anderen religionspädagogischen
ausgewählter Rezepte einen Handlungsfeldern aufgenom-
intimen Einblick in die Feste, men wird. Sie beleuchtet das
Rituale, Vorschriften und Geschichten ihres Glaubens. frühchristliche Verständnis des
Dabei enthüllt das interreligiöse Kochbuch, warum manche Herrenmahls und bereitet es für die Religionspädagogik
Speisen gesegnet, geopfert oder rituell verspeist werden, elementarisierend auf.
während andere als unrein und streng verboten gelten. Lena Reinhardt, Das Herrenmahl essen (1 Kor 11,20),
Noam Hertig, Was isSt Religion?, Rezepte – Traditionen – Exegetisch-religionsgeschichtlich untersucht und religions-
Rituale – Tabus, Werd Verlag 2012, 166 S., € 39,00, pädagogisch bedacht, Göttingen, V&R unipress 2015,
ISBN 978-3-85932-690-3. 343 S., € 49,99, ISBN 978-3-8471-0439-1.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Büchertipps

Festmahl am Himmelstisch
Die Studie betrachtet das jüdische Pessachfest, das Abendmahl Jesu in seinem Verhältnis zum
Pessachfest und die Aufnahme dieser Tradition im Koran. Dabei liegt der Akzent auf der gemeinsamen
Hoffnung, die alle drei Religionen mit dem „Festmahl im Himmel“ verbinden. Solche Verbundenheit
steht einer selbstgefälligen religiösen Überheblichkeit entgegen und lädt dazu ein, gerade bei der
Feier von Mählern die gemeinsame Erinnerungskultur und Zukunft ernst zu nehmen.
Karl-Josef Kuschel, Festmahl am Himmelstisch. Wie Mahl feiern Juden, Christen und Muslime verbindet,
Ostfildern, Patmos 2013, 171 S. € 14,99, ISBN 978-3-8436-0366-9.

Pantheon
Dieses umfassende Werk zur Geschichte der antiken Religionen eröffnet einen neuen Zugang zur
Alten Welt. Im Zeitraum vom Beginn des ersten Jahrtausends vC bis zur Ausbreitung des Christentums
in der Spätantike wirft der Religionswissenschaftler Rüpke einen Blick auf religiöse Kommunikation,
auf Rituale und Praktiken der Menschen, auf ihre Welt- und Gottesbeziehung. Dieser Einblick in die
antike Religiosität ist damit eine Erkenntnis über die Vielfalt der menschlichen Aneignungsformen.
Man lernt die vielen unterschiedlichen Räume kennen, in denen Männer und Frauen, Reiche und Arme
in Kontakt mit dem Göttlichen treten – Häuser, Tempel, Gräber, Straßen – und die vielen unterschied-
lichen Objekte, Erzählungen und Gebete die sie dafür nutzen. Interessant ist auch unter diesen Vor-
zeichen der Blick darauf, wie sich die christliche Gemeinschaft über einen langen Zeitraum hin bildet.
Jörg Rüpke, Pantheon. Geschichte der antiken Religionen, C. H. Beck 2016, 559 S., € 34,
ISBN 978-3-406-69641-1 378-3.

„Eine gewöhnliche und harmlose Speise?“


Theologinnen unterschiedlicher Konfessionen und Herkunftsländer untersuchen die frühchristlichen
Abendmahlstexte und -traditionen in ihrem antiken, religions- und kulturgeschichtlichen Kontext und
auch im Hinblick auf ihre Wirkungsgeschichte. Besonders der Blick auf künstlerische und kulturelle
Rezeptionen der vielfältigen Mahlpraxis erlaubt eine kritische Reflexion der heute weitverbreiteten
Deutungsmuster.
Judith Hartenstein, Silke Petersen und Angela Standhartinger (Hg.), „Eine gewöhnliche und harmlose
Speise“? Von den Entwicklungen frühchristlicher Abendmahlstraditionen, Gütersloher Verlagshaus 2008,
368 S., € 39,95, ISBN 978-3-579-08027-7.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 65
aus der welt der bibel

Betlehem

Frisch und leuchtend

H ätten Sie dieses Mosaik in der Geburtskir­


che von Betlehem vermutet? Derart leuch­
tende Farben? Die Tristesse beginnt zu weichen
aus der einzigartigen Kirche, UNESCO-Welterbe
seit 2012; auch weil ein frischer Wind durch die
Kommunikation der beteiligten Patriarchate
weht. Giammarco Piacenti, Chef der Restaurati­
onsfirma, prüft ein Mosaik mit dem „ungläubi­
gen“ Thomas. Es trägt das Datum 1155 und die
Namen Ephraim und Basilius – vermutlich die
Künstler des Mosaiks. Die Mosaikarbeiten sind
abgeschlossen: Jahrhundertealte Rußschichten
wurden abgetragen, bis jedes der 1,5 Millionen
Glas-, Perlmutt-, Stein- und Blattgoldstückchen
wieder leuchtete. Bis 2019 sollen noch die 50
Säulen und die Böden restauriert werden. Wenn
dann Lichtanlage, Erdbebensicherung und Feu­
eralarmsysteme installiert sind, werden die Ab­
deckplanen gelüftet werden. Bis dahin müssen
wir uns mit solchen erfreulichen Blicken hinter
die Vorhänge begnügen. W

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Inhalt
68 bis 73
Panorama
Lachisch und Gezer: Neue Funde, neue Erkenntnisse
Forschung: Gelebter antiker Religion auf der Spur
Jerusalem: Debatte um UNESCO-Resolutionen

74 bis 77
Die Bibel in berühmten Gemälden
Lucas Cranach der Jüngere: Simson und Delila

78 bis 80
THEMENREIHE 2017:
Reform und Reformation in Bibel und Christentum
1. Verfall und Reform – ein biblisches Weltbild
Auf dem Weg zum einen Gott

81 bis 83
Die großen Entdeckungen
Der Ecce-Homo-Bogen: Ein heiliger Ort?

84 bis 85
Ausstellungen und Veranstaltungen

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welt und umwelt der bibel 1/2017 67
panorama

unesco-resolutionen zu jerusalem

Die Kontroverse um „Tempelberg“ und „Haram al-Sharif“


Gegenseitige Vorwürfe bestimmen das Zusammenwirken rund um den heiligen Hügel im Südosten
der Jerusalemer Altstadt. Zwei UNESCO-Resolutionen haben die Kontroverse angefacht.

I m Oktober 2016 wurde im Welterbe-


Ausschuss der UNESCO über Reso­
lutionen zu Jerusalem abgestimmt. Die
Aussagen gleich, China habe keine
Verbindung zur Großen Mauer oder es
bestehe keine Verbindung zwischen
religiöse Juden provokativ Gebet und
Gottesdienst auf dem heiligen Platz.
Baugenehmigungen für jüdische Bau­
erste trägt den Titel „Besetztes Palästi­ Ägypten und den Pyramiden. Die stell­ projekte in Ostjerusalem häufen sich.
na“ (eingebracht von Palästinensern, vertretende Außenministerin Tzipi Hinzu kommt die Neugründung eines
Ägypten, Algerien, Marokko, Libanon, Hotovely sprach von „Fälschung der „Tempelberg­ ausschusses“ durch drei
Oman, Katar und dem Sudan), die zwei­ Geschichte“. „Das ist kein israelisch- israelische Minister sowie drei Parla­
te „Die Jerusalemer Altstadt und ihre palästinensischer Streit mehr, sondern mentsabgeordnete, die sich Berichten
Mauern“. Die Resolutionen fordern, ein arabischer gegen die ganze jüdische zufolge für die Änderung des Status
dass das palästinensische Erbe Jerusa­ Welt“, sagte Carmel Schama-Hacohen, quo einsetzen. Die Waqf, die für die Ver­
lems und der Charakter Ostjerusalems israelischer UNESCO-Botschafter, laut waltung der heiligen Stätte zuständige
bewahrt werden müssen. Sie kritisie­ israelischer Presse. muslimische Stiftung, hat Israel vor ei­
ren den Staat Israel, die Altstadt und UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon nem solchen Schritt gewarnt. Versuche
dortige muslimische heilige Stätten zu betonte die Verbindung von Juden, in diese Richtung könnten die gesamte
beschädigen sowie Kultfreiheit und Zu­ Christen und Muslimen zu der heiligen muslimische Welt entzünden, warnte die
gang einzuschränken. Sie fordern Isra­ Stätte: „Die Al-Aqsa Moschee/Al-Haram Waqf laut einem Artikel der Zeitung Haa-
el auf, fortwährende Aggressionen und al-Scharif, der heilige Schrein der Mus­ retz und rief die internationale Gemein­
Rechtsverletzungen zu unterlassen. Die lime, ist auch der Har Ha-Bajit – oder schaft zum Einschreiten auf. Gleichzeitig
Altstadt sei durch geplante Projekte in Tempelberg –, dessen Westmauer die warf sie der israelischen Regierung vor,
Gefahr – wie eine Straßenbahn in Ost­ heiligste Stätte im Judentum ist. Sie ist radikale Gruppen zu ermutigen, die den
jerusalem, ein Besucherzentrum unter­ nur ein paar Schritte entfernt von der Status der Al-Aqsa Moschee untergraben
halb der Al-Aqsa Moschee (Kedem-Cen- Grabeskirche und vom Ölberg, die von wollten.
ter) oder ein Aufzug zur Al-Buraq-Plaza Christen verehrt werden.“ UNESCO-Di­ Beide Seiten streben danach, ihre his­
(arabische Bezeichnung für den Platz rektorin Irina Bokova distanzierte sich torische Präsenz im Land zu betonen.
vor der Westmauer). von den Resolutionen: „Jüdische, christ­ Dieter Vieweger, Leiter des Deutschen
Die Resolutionen haben einen Pro­ liche oder muslimische Traditionen zu Evangelischen Instituts für Altertums­
teststurm ausgelöst, hauptsächlich leugnen, zu verbergen oder auszulö­ wissenschaft des Hl. Landes in Jeru­
aufgrund ihrer Ortsbezeichnungen: Die schen, unterwandert die Integrität der salem und Amman, schätzte die Reso­
Texte verwenden ausschließlich die Stätte.“ lutionen in einem Interview mit dem
Bezeichnung Al-Aqsa Mosque und Al- Die Resolutionen fallen in eine Zeit, in Deutschlandfunk als Teil der ganz gro­
Haram al-Sharif („Das erhabene Heilig­ der sich die Zusammenstöße zwischen ßen „politischen Schachzüge“ des Nah­
tum“). Die jüdische Vergangenheit der Juden und Muslimen auf dem Tempel­ ostkonfliktes ein. Er machte deutlich,
Stätte wird nicht erwähnt, dass also bis berg/Haram al-Sharif mehren. Rechtli­ dass die UNESCO hier instrumentalisiert
zum Jahr 70 ein jüdischer Tempel hier cher Status quo ist, dass Gläubige aller worden sei. Zwischen zwei Extremposi­
gestanden hat und die Westmauer ein Religionen Zugangsrechte tionen – hier hat es nie einen jüdischen
Bauteil dieses Tempels ist. Diese Aus­ zum heiligen Berg haben. Tempel gegeben / das Muslimische hat
lassung führte zum Vorwurf Israels und Das Recht auf öffent- kein Recht, hier allein zu existieren –,
weiterer Staaten, die Verbindung der liches Gebet ist „sollte sich die UNESCO nicht auf nur
Juden zum Tempelberg und zur West­ Muslimen vor­ eine Seite stellen, sondern vermitteln.“
mauer werde geleugnet, der Tempelberg behalten. Seit Vorerst hat Israel die Zusammenar­
erscheine als ausschließlich islamische 2014 prakti­ beit mit der UNESCO auf Eis gelegt,
heilige Stätte und Geschichte werde zieren na­ was wiederum für den Erhalt der an­
durch diese Leerstelle falsch dargestellt. tional­ tiken Stätten nicht von Vorteil
Präsident Netanjahu ließ verlauten, Is­ ist. W (WUB/KNA)
raels Verbindung zum Jerusalemer
Heiligtum zu leugnen, komme den

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Panorama

Ausgrabungssaison in lachisch

Toilette im

Igor Kreimerman / Hebrew University


Heiligtum?
A uch 2016 wurde auf Tell Lachisch ausgegraben: Isra­
elische ArchäologInnen stießen auf einen mutmaß­
lichen kleinen Tempel aus der israelitischen Königszeit,
datiert etwa ins 8./7. Jh. vC. Als sie das monumentale
Sechskammertor erneut freilegten, das vor 80 Jahren ent­
deckt worden war, fanden sie einen kleinen Raum mit ein­
Der offensichtliche Toilettenstein wird aus dem Tempelraum
fachen Keramiklampen, Tellern, Opferständern und zwei
gewuchtet. Rechts Ausgrabungsleiter Sa’ar Ganor.
Hörneraltären, deren Hörner abgeschlagen waren. Am be­
merkenswertesten war aber, dass in einer Raumecke eine
Steintoilette stand! Ausgrabungsleiter Sa’ar Ganor deutet Siegelabdruck auf einem Krughenkel mit den Buchstaben lnhm
hier eine „symbolische“ Platzierung: Hier sei ein paganer avadi aus dem 8. Jh. vC, gefunden in einer der Torkammern. Der
Tempel – welche Götter in Lachisch verehrt wurden, wis­ Name eines Verwaltungsangestellten unter König Hiskija?
se man nicht – entweiht und unbrauchbar gemacht wor­
den. Sein Team assoziiere damit die „Kultreform“ unter
König Hiskija im 8. Jh. vC, der jede Fremdgötterverehrung
bekämpft habe (vgl. S. 78). In 2 Kön 10,27 wird tatsächlich
beschrieben, wie ein Baal-Heiligtum unter König Jehu zu
einer öffentlichen Latrine gemacht wird. Die einst bedeu­
tende judäische Stadt Lachisch ist für die biblische Ge­
schichte ein interessanter Ort, weil hier noch die Spuren
der assyrischen Truppen unter Sanherib von 701 vC zu se­
hen sind. 2 Kön 18 erzählt von der Belagerung Lachischs.
Am Tor fanden sich Brandspuren in Zerstörungsschichten
mit Pfeilspitzen und Schleudersteinen. Sanherib selbst
hat die Eroberung Lachischs in seinem Palast in Ninive
dargestellt, die Reliefs befinden sich heute im British Mu­
seum. W (WUB/IAA)

Lachisch mit seinem bedeutenden


Sechskammertor, der größten Tor-
anlage aus der Königszeit – 2016
wieder freigelegt.

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panorama

erfurt: das Forschungsprojekt „Gelebte antike religion“

Religiöses Handeln jenseits von Religion


Ist „Religion“ das, was in den großen Tempeln der Antike stattfand? Nein, dazu gehörten
ebenso die unzähligen religiösen Äußerungen von all den „kleinen Leuten“, die in den
archäologischen Tempelruinen heute nicht mehr sichtbar sind. Auf diese Spurensuche hat
sich ein internationales Team von ReligionswissenschaftlerInnen begeben. Ein Interview mit
dem Projektleiter, dem Erfurter Religionswissenschaftler Prof. Dr. Jörg Rüpke.

E in Projekt im Max-Weber-Kolleg der


Universität Erfurt erforscht einen
ganz neuen Zugang zur Religionsge­
Religion!“ beantwortet – wenn auch im
Detail mit großen Unterschieden. Klas­
sische Philologen betonten zu Beginn
Gruppen- und „Religionsbildung“ und
fortlaufenden Prozessen. Für eine sol­
che radikale Perspektivumkehr bedarf
schichte des 1. bis 4. Jh. Üblicherweise des 20. Jh. das Ritual gegen ein liberal- es gemeinsamer Anstrengungen, die nur
wird „Religion“ mit Blick auf die reichen, protestantisches Verständnis von Reli­ in einem größeren Projekt möglich sind,
offiziellen und mächtigen Religions- gion als Glaube und emotionale Inner­ wie es dann die Europäische Gemein­
profis der antiken Städte rekonstruiert. lichkeit. Und schließlich gehörte – und schaft finanziert hat.
Das Forschungsprojekt „Lived ancient gehört – es zum Selbstverständnis der
religion“ blickt aber auch auf jene Men­ Moderne, das „wir“ individuell sind, Welche Objekte oder Räume haben
schen, die ihre kleinen Rituale, ihre ei­ die Menschen vor der Moderne aber nur Sie in den Blick genommen, um Men-
genen Gebete und Opfer wenig sichtbar im Kollektiv existierten. All dem wider­ schen der Antike in ihrem religiösen
an Hausaltären, in versteckten Tem­ spricht „gelebte antike Religion“ mit Handeln, ihren Vorstellungen und ih-
pelnischen oder an Gräbern vollzogen. ihren vielfältigen und weitverbreiteten rem Empfinden nahezukommen?
Und damit entwickelten sie die „große“ religiösen Gewohnheiten. Uns ging es darum, zu zeigen, dass
Religion! Ein solcher historischer Per­ die mit hohem Aufwand und dem An­
spektivwechsel ist ein immenser, aber spruch, das Gemeinwesen zu vertreten,
faszinierender Kraftaufwand, wie Pro­ Es geht um individuelle vollzogenen Rituale der winzig kleinen
jektleiter Prof. Dr. Jörg Rüpke berichtet. Erfahrungen, um die Vor- senatorischen Elite – ich spreche jetzt
Denn er macht sichtbar, wie vielgestaltig von Rom – nur ein winziger, wenn auch
jede „Religion“ war – und ist. stellungen von Göttlichem, weit überdurchschnittlich sichtbarer
die sich je Einzelne und in der archäologischen wie litera­
rischen Überlieferung überproportional
Welt und Umwelt der Bibel: Was ist aneignen und ausdrücken gut erhaltener Teil religiöser Praktiken
das Neue und andere an der Pers- waren; verglichen etwa mit den Aber­
pektive der „Lived ancient religion“, „Gelebte Religion“ verweist statt auf an­ tausenden von Niederlegungen kleiner
der „gelebten Religion“? Und wie hat gebliche explizite Normen – das „Sak­ Objekte an bestimmten Plätzen oder
man im Unterschied dazu im 19. und ralrecht“ – auf das Handlungsrepertoire dem Verbrennen von Speisen oder gar
20. Jh. religiöses Leben der Antike re- und den Vollzug religiöser Handlungen täglichen Gebeten. Insofern haben wir
konstruiert? Einzelner in üblichen oder unüblichen in den Bereich des familiären Kultes –
Prof. Dr. Jörg Rüpke: Antik-mediter­ Situationen. Es geht um individuelle im Haus, am Grab, manchmal nur an
rane Religionsgeschichte ist in den Erfahrungen von religiöser Kommuni­ Straßenecken – und auf die Aktivitäten
vergangenen Jahrzehnten in der Regel kation, um die Vorstellungen von Gött­ und Kommunikationen in Vereinen ge­
als eine öffentliche, wenn nicht gar als lichem, die sich je Einzelne aneignen, schaut. Wir haben aber auch gefragt,
Staats-Religion griechisch-römischer ausdrücken und in unterschiedlichen was Einzelne in öffentlichen Heiligtü­
und anderer Städte betrachtet worden. sozialen Räumen mit anderen teilen. mern machten, die sie sich durch das
Das hatte ganz unterschiedliche Wur­ „Gruppen“ und „Traditionen“ sind da­ Aufstellen ihres Bechers, die Zurück­
zeln. Die Frage, was Gesellschaften zu­ mit nicht einfach vorgegeben. Sie sind lassung einer Inschrift oder einfach nur
sammenhält, hatten französische So­ vielmehr Imaginationen oder konkrete durch das Einritzens ihres Namens (Gra-
ziologen wie Numa Fustel de Coulange Projekte von einzelnen Akteuren, die fitti) „aneigneten“. War das ein lange
(„Die antike Stadt“, 1864) oder Emile solche Institutionen schaffen wollen. gebrauchter eigener Becher, eine Mini­
Durkheim („Die elementaren Formen Statt von fertigen „Kulten“ oder „Religi­ atur, die man eigens für den Zweck an­
des religiösen Lebens“, 1912) mit „die onen“ auszugehen, fragen wir so nach gefertigt hatte, oder ein hundertfach aus

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hung, die für das Christentum so wichtig


wird, nicht vorstellbar.

Glauben Arme anders als Reiche?


Gibt es einen Unterschied zwischen
weiblicher und männlicher gelebter
Religion?
Natürlich! Auch zwischen jung und alt!
Ob sie hungern oder Konsul werden wol­
len, Ziegel brennen oder Kinder entbin­
den, lässt sie anders beten und stiften.
Wenn sie reich sind, aber ohne Anse­
hen, klug, aber Frau, öffnete religiöses
Einer fängt an und viele machen es nach: der erste Rundtempel der Antike. Handeln alternative Wege in die Sicht­
Davor waren Tempel eckig. So wie diese Innovation verbreiten sich auch neue Rituale barkeit und zu Ansehen.
oder Gebete im ganzen Mittelmeerraum. Tempel des Hercules, Rom, um 120 vC.
Wie verändert die Perspektive der
einer Matritze geformter und vor dem dem Rindermarkt am Tiber wagte je­ „Gelebten Religion“ das Verständnis
Kultplatz verkaufter Kopf, der die eigene mand als Erster einen Rundtempel mit der Geschichte der frühen Christus-
Person repräsentieren sollte? umlaufenden Säulen zu bauen. Vorher gläubigen im 1. und 2. Jh., ihrer reli-
waren Tempel eckig. Hundert Jahre giösen Vollzüge, Rituale, Liturgien?
Welche Freiheiten hatte man denn später, im 1. Jh. vC, fingen Einzelne in Oder auch, wie wir überhaupt die
in der Wahl von Gebeten, Ritualen, Mittel­italien an, ihre Verstorbenen als Anfänge des Christentums rekonst-
Inschrifttexten ...? Wie viel religiöses „gute Götter“ (di manes) zu bezeichnen. ruieren?
Experimentieren konnte man sich er- Das gab es vorher nicht. Zweihundert All das verdient nähere Untersuchung.
lauben? Jahre später war das selbst in entfernten In unserer Arbeit sind vor allem zwei
Das zuletzt genannte Beispiel zeigt das Provinzen Standard. Ohne diese Grund­ Dinge sichtbar geworden. Handeln im
schon. Ortswahl. Zeitwahl. Wahl der lage, dass Innovation Fuß fassen kann, Angesicht von Göttern umfasste ein
angesprochenen Gottheit – nicht selten ist die Begeisterung für die Auferste­ ganz weites Spektrum. War man, nur
richten sich Gebete etwa im Heiligtum weil man in bestimmten Situationen an
einer Fortuna auch an eine Iuno oder Jesus, an den „Namen“, ha-schem, also
Das Projekt
einen Apollo. Konkreter verfolgen kann den Gott Israels, an „Engel“ oder den
„Lived Ancient Religion: Questi-
man das dort, wo man große Ensembles, „Sohn“ Gottes dachte, nicht mehr Jude?
oning ‚cults‘ and ‚polis religion‘
Zeitreihen von Objekten und damit unter­ Nicht mehr Römer? Aber auch: Wenn
(2012–2017)“ am Max-Weber-Kolleg
schiedlichen rituellen Handlungen hat. sie solche Leute organisieren, als ihre
Hier haben die einzelnen immer wieder Erfurt, gefördert durch das European LeserInnen oder AnhängerInnen gewin­
abgewogen: Wie macht man das denn Research Council (ERC). Ein internatio- nen wollen, ist gerade dieses Faktum
so? Was ist (vermutlich) erfolgreich? Wie nales Expertenteam hat alle Arten von lästig. Bis zur Breitenwirkung dauerte
mache ich auf mich aufmerksam, unter­ religiöser Kommunikation untersucht. das mehrere Jahrhunderte.
scheide mich? Bin ich großzügiger? uni-erfurt.de/en/max-weber-centre
Lived ancient religion geht nun nach
Hatte das Experimentieren eine Be- Lesetipps zur „Gelebten Religion“ fast fünf Jahren dem Ende zu: Welche
deutung für die Veränderung und • Jörg Rüpke, Pantheon. Geschichte sind für Sie persönlich die wichtigs-
Entwicklung von Religion? der antiken Religionen, C. H. Beck ten Einsichten – vielleicht auch für
An Innovationen solcher Art – eine neue 2016 (siehe Buchtipps S. 65) Religiosität im 21. Jh.?
Formulierung, ein neuer Objekttyp, neu­ • Rubina Raja/Jörg Rüpke (Hg.),
 Die Institutionalisierung von religiösem
es Material – konnten sich die nächsten A Companion to the Archaeology of Handeln als „Religionen“ ist nicht der
schnell anschließen und so für langfris­ Religion in the Ancient World, Wiley- Normalfall, sondern die Ausnahme. Und
tige Veränderung sorgen. Oder aber es Blackwell 2015 vor allem: immer nur ein winziger Aus­
als isolierte Variation auf sich beruhen schnitt gelebter Religion. Viele religiöse
lassen. Gebete musste man ohnehin im­ Prof. Dr. Jörg Rüpke ist renommierter Vorstellungen und Praktiken werden
mer neu und situationsgerecht formulie­ Professor für Religionswissenschaft von vielen Menschen geteilt – unabhän­
ren und persönliche Ergriffenheit doku­ und stellvertretender Leiter des gig von ihrer Religionszugehörigkeit.
mentieren. In größerem Stil konnte man „Interreligiöser Dialog“ konstruiert da
Max-Weber-Kollegs an der Universität
einen neuen Ort als Kultort erschließen, oft erst die Grenzen, die er dann ab-
Erfurt, s. auch Beitrag S. 32).
dafür neue Rituale vorschreiben. Auf bauen will. W (Die Fragen stellte Helga Kaiser)

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welt und umwelt der bibel 1/2017 71
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Neue Ausgrabungen in gezer

Ein Palast für Salomo?


1

Der 15-Zimmer-Palast der Eisenzeit,


Gezer ist eine faszinierende Ausgrabungsstätte: Wie lebten auffällig größer und massiver gebaut als
Menschen in der frühen biblischen Zeit? andere Wohngebäude der Epoche.

G ezer, eine der bedeutenden antiken


Siedlungen, hat auch 2016, im zehn­
ten Grabungsjahr, Geheimnisse preisge­
einen Gebäudekomplex solcher Größe
(500 qm) und Handwerksleistung er­
richten lassen konnte. Es handelt sich
„low chronology“ um Israel Finkelstein
ordnen Funde dieser Epoche ins 9. Jh.
vC. Dann wäre auch dieser Palast und
geben. Im November 2016 meldeten die um zwei parallele Langräume oder Höfe, die Befestigungen von Gezer unter der
ArchäologInnen, dass sie in einem zer­ die auf allen Seiten von mindestens 15 Dynastie der Omriden entstanden.
brochenen Gefäß einen kleinen Schatz kleineren Räumen umgeben sind. In ei­ Ortiz und Woff knüpfen jedoch an die
gefunden haben: Objekte aus Gold und ner darunter liegenden, älteren Schicht Datierungen ihrer Vorgänger an: 1964–
Silber, darunter ein Silber­anhänger aus fand sich auch Philister-Keramik. Die 1990 hat das Hebrew Union College Jeru­
der Zeit der Hyksosherrschaft. Die Hyk­ archäologischen Schichten verraten salem in Gezer gegraben und man folg­
sos unterbrachen die Pharaonenherr­ laut Wolff und Ortiz, dass die Stadt um te der traditionellen Chronologie, die
schaft um 1650 vC. Der Anhänger zeigt 1200–1000 vC zerstört und mit neuen Salomos Regentschaft auf 980–925 vC
eine Scheibe mit einem achtstrahligen Befestigungen, einem monumentalen datiert. Die beiden Archäologen sehen
Stern. Zusammen mit den Ösen für eine Sechskammertor und dem Palast wie­ keinen Grund, diese Chronologie nicht
Kette oder ein Band ist eine Mondsichel deraufgebaut worden ist. beizubehalten, betonen aber, dass ihre
fixiert (s. Abb. 3). Gezer bietet sich für all jene an, die Arbeiten nicht die Bibel beweisen wol­
Seit 2007 graben sich ein amerika­ die Wahrheit der biblischen Texte gern len: „Uns geht es um Archäologie der
nisch-israelisches Team um Sam Wolff durch archäologische Funde „beweisen“ Eisenzeit, also die Urbanisiserungspro­
und Steven Ortiz (Southwestern Baptist möchten. Zwei Stellen nämlich passen zesse, die kulturellen und ethnischen
Theological Seminary, Texas) Schicht gut zu den von Wolff und Ortiz präsen­ Grenzverläufe und die sozialen Organi­
für Schicht in die Tiefe. Im Sommer 2016 tierten Befunden: Das erste Königsbuch sationsformen.“ Der Palast müsse nach
wurde an nun einem großen, palastarti­ der Bibel erzählt, der ägyptische Pharao der bescheidenen Bebauung der Vor­
gen Gebäude aus der Eisenzeit IIA gear­ habe das kanaanäische Gezer erobert, gängersiedlung eine radikale Entwick­
beitet. Woff und Ortiz datieren es in die „und die Stadt als Brautgeschenk seiner lung für die Stadt bedeutet haben. Auch
zweite Hälfte des 10. Jh. vC, die traditio­ Tochter, der Frau Salomos, gegeben. Sa- seine Lage direkt am Stadttor weise auf
nelle „Zeit Salomos“. lomo baute nun Gezer wieder auf“ (1 Kön eine besondere Aufgabe hin. „Aber zu
Aber wer residierte in diesem Gebäu­ 9,16f). 2 Sam 5,25 gibt an, dass König Da­ behaupten, wir hätten Salomos Existenz
de? Jedenfalls zeige die Stärke des Qua­ vid die Philister in der „Gegend von Ge- bewiesen – diesen Schritt gehen wir
dratmauerwerks, so Sam Wolff, dass zer“ schlug. Doch ist die Datierung der nicht“, sind sich beide einig. W (WUB/
nur jemand mit finanziellen Ressourcen Eisenzeit IIA strittig. Die Vertreter der Estelle Villeneuve/IAA)

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In der Zerstörungsschicht
des Palastes fanden sich nur
wenige Objekte, darunter ein 5
Stierköpfchen (2.), die Figurine
einer Gottheit (4.) und ein
Elfenbein-Spielbrett mit 20
eingeritzten Feldern (5.).
Der Silberanhänger mit einem
achtstrahligen Stern (3.) ist
bislang eines der ältesten
Fundstücke in Gezer.

Jüdisch-orthodoxe Erklärung zum christentum

Eine neue modern-orthodoxe Theologie?


E ine Gruppe Rabbiner hat eine „Or­
thodoxe rabbinische Erklärung
zum Christentum“ veröffentlich. Knapp
bleiben, indem sie gemeinsam eine aktive
Rolle bei der Erlösung der Welt überneh-
men.“
den Ertrag von 50 Jahren jüdisch-christ­
lichem Dialog: „Wir würdigen, dass sich
die offiziellen Lehren der katholischen
60 modern-orthodoxe Rabbiner u. a. Im Herbst 2016 äußerte sich Rabbiner Kirche über das Judentum seit dem Zwei-
aus den USA, Europa, Israel haben das David Bollag über die Erklärung (Judai- ten Vatikanischen Konzil grundlegend
Statement unterzeichnet. Das Christen­ ca 72, 2016, Heft 3, 362ff). Der Co-Präsi­ und unwiderruflich geändert haben.“
tum wird als „göttlich gewollt“ bezeich­ dent der Jüdisch/Römisch-katholischen Das Dokument zeigt, dass Bewegung
net. Die Erklärung betont besonders das Gesprächskommission in der Schweiz im weltweiten jüdisch-christlichen Di­
Miteinander: „Wir möchten den Willen erkennt darin eine „neue jüdische Theo­ alog ist, ist aber keineswegs ein Kon­
unseres Vaters im Himmel tun, indem wir logie“ und bezeichnet das Dokument als senstext: Kritische Kommentare kom­
die uns angebotene Hand unserer christ- bahnbrechend. Öffentlich werde hier men sowohl von jüdischen als auch von
lichen Brüder und Schwestern ergreifen. festgehalten, dass das Christentum aus christlich-evanglikalen Gruppierun­
Juden und Christen müssen als Partner jüdischer Sicht kein Zufall oder Irrtum gen. Die eine Seite bleibt dabei, dass
zusammenarbeiten, um den morali- sei. Schon bei den mittelalterlichen jü­ die meisten Formen des Christentums
schen Herausforderungen unserer Zeit dischen Gelehrten Moses Maimonides Avoda zara, also „Götzendienst“ sind,
zu begegnen.“ Gegen Ende der Erklä­ und Rabbi Jehuda Halewi sei das Chris­ die andere, dass Juden für ihr ewiges
rung heißt es: „Wir sind alle im heiligen tentum in die eigene Weltanschauung Heil an Jesus Christus glauben müs­
Ebenbild G-ttes geschaffen und Juden integriert worden. Bollag erkennt in sen. W (WUB) (Der Text ist im Netz auf
wie Christen werden diesem Bund treu Formulierungen wie der folgenden auch www.cjcuc.com zu finden.)

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welt und umwelt der bibel 1/2017 73
Die bibel in berühmten gemälden

Simson und Delila


Lucas Cranach der Jüngere Von Régis Burnet

D ie moralische Aussage sollte seinen Auftrag-


gebern gefallen – dieses Ziel hatte sich Lu-
cas Cranach der Jüngere gesetzt. In der bekann-
be des Haareschneidens zu widmen. Simson ist
nicht der raue Grobian wie in der Bibel, der mit
dem blutigen Kinnbacken eines Esels tausend
ten biblischen Geschichte von Simson und Delila Männer erschlägt (Ri 15,15), sondern ein Edel-
betört Delila, die im Sold der Philister steht, den mann mit gepflegtem Bart nach deutscher Mode;
Helden Israels und bringt ihn dazu, das Geheim- er trägt eine prächtige Rüstung, er ruht liebevoll
nis seiner herkulischen Kraft zu verraten: Seine auf den Knien der Schönen. Darüber hinaus hat
ganze Stärke liegt in seinen Haaren. Wenn ihm der Maler seinem Gemälde Details hinzugefügt,
die Haare abgeschnitten werden, dann verlässt die wie Bilderrätsel zu entschlüsseln sind: von
ihn seine Kraft. Genau dies tut Delila dem Hel- den Philistern und dem Eselskinnbacken bis zu
den an. Die Moral von der Geschichte ist leicht den beiden kleinen Rebhühnern unten links.
zu erkennen: Man muss den Frauen misstrauen!
Die Geschichte der Darstellung
Von den Kirchenvätern bis ins hohe Mittelalter
stand Simson für die Gestalt Christi, der letzt-
Der Maler hat seinem Gemälde endlich über die Sünde triumphierte. Sein Leben
Details hinzugefügt, die wie Bilder- wurde deshalb rein illustrativ dargestellt. Erst ab
dem 13. Jh. wird die Erzählung zunehmend psy-
rätsel zu entschlüsseln sind chologisch und moralisierend gelesen. Simson
wurde als Opfer der Frau und ihrer Sinnlichkeit
verstanden. Man konzentrierte sich auf die Sze-
Die weibliche Verführung kann alles erreichen, ne mit den Haaren. Auch wenn man ein Gemälde
sogar bei einem Übermenschen wie Simson. Wie des Italieners Andrea Mantegna kennt (um 1500,
viel mehr dann bei den einfachen sterblichen National Gallery, London), so hatte das Thema
Männern, die das Gemälde betrachteten? vor allem in den Niederlanden und in Deutsch-
Diese Lektion entsprach genau der religiösen land Erfolg, sei es in Form von Stichen (Dürer,
Strenge der damaligen Zeit, die der Weiblich- Lucas van Leyden) oder in Form von Gemälden
keit nicht sonderlich zugetan war. Gleichzeitig (Lucas Cranach der Ältere widmete sich eben-
schätzten die Fürsten, für die Lucas Cranach falls dem Simson-Thema). Die Künstler betonten
malte, die große Freiheit, die durch den Hu- vor allem den verführerischen Aspekt Delilas.
manismus gekommen war. Diese Freiheit nutzt Es gibt unterschiedliche Textüberlieferungen
Cranach, indem er nicht nur versucht, dem äs- der Simsonerzählung – in einer schneidet Delila
thetischen Sinn seines Betrachters zu schmei- selbst die Locken ab, in einer anderen ein Phi-
cheln, sondern auch sein scharfes Auge und lister (so auch in der Lutherbibel). Die meisten
seine Bildung herausfordert. Cranachs Delila ist Künstler ließen Delila selbst die Haare Simsons
nicht die käufliche Geliebte, die Simson für elf- schneiden; der selbst ruht in mehr oder weniger
hundert Silberstücke an die Philisterfürsten ver- hilfloser Position auf ihren Knien. Rubens hält
rät, sondern eine gut gekleidete Prinzessin, die sich näher an die Vorlage, in der ein Philister die
leicht impulsiv ist und nicht zögert, sich einfach Haare schneidet, aber auch er spart eine sexuelle
ins Gras zu setzen, um sich mit Eifer der Aufga- Anspielung nicht aus, denn Dalila ist mit nackten

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Brüsten dargestellt (1609, London, National Gal- lung der Allegorie, Lust an der Betrachtung des Das Werk
lery). Das Motiv Simson und Delila wurde Ende Körpers und Lust an heimlichen Übertretungen Simson und Delila von
des 19. Jh. mit der künstlerischen Faszination für – diese moralisierenden Gemälde waren keines- Lucas Cranach dem Jün-
die Darstellung „verhängnisvoller“ Frauen wie- wegs so moralisch. geren, 1537, Öl auf Holz,
der aufgenommen, wie beispielsweise bei Gusta- 74,5 x 121 cm. Gemäl-
ve Moreau (1882, Musée Gustave Moreau, Paris). Der Maler degalerie Alte Meister,
Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586) hat zwar Staatliche Kunstsamm-
Der geschichtliche Kontext das Werk und den Stil seines Vaters, Lucas Cra- lungen Dresden.
Trotz der relativen Offenheit, die Martin Luther nach des Älteren (1492–1553), fortgeführt, aber
zur Stellung der Frauen in seinen Schriften ein- ebenso eine eigene bildgewaltige Formenspra-
nahm, wurden sie in der Reformationszeit auf che entwickelt. Der Vater war als Hofmaler be-
ihre traditionellen Rollen als Gattin und Mutter kannt geworden; sein Werk umfasste Altarwerke,
beschränkt; Lust wurde als Sünde angesehen. allegorische Gemälde und Porträts. Diese ermög-
Da bei den Fürsten jedoch ein gewisser Wider- lichten ihm den Aufbau einer florierenden Werk-
stand gegen diese Strenge zu erkennen war, gab statt, die der unternehmerisch und künstlerisch
es die Möglichkeit, sich in der Allegorie auszu- begabte Sohn zur Blüte brachte, indem er den
drücken, auch in Darstellungen von biblischen väterlichen Stil einerseits gut reproduzierte und
Szenen. Oft ist es ein subtiles Spiel, denn unter andererseits beeindruckende neue Motive mit
dem Vorwand, die Weiblichkeit zu verurteilen, vielen Chiffren und „Bilderrätseln“ umsetzte. Die
wird sie in Wirklichkeit verherrlicht. Die zahlrei- Familie, die sowohl für katholische wie auch für
chen Darstellungen Evas in dieser Epoche geben evangelische Fürsten arbeitete, stand selbst der
zum Beispiel vor, die Haltung der Verführerin zu Reformation sehr nahe. Durch ihre Gemälde mit
Régis Burnet ist Professor
tadeln. Gleichzeitig gestatten sie, indem sie sich biblischen Themen und die Porträts zahlreicher für Neues Testament an
den Bibeltext zunutze machen, die Darstellung Reformatoren hatten sie Anteil an der Ausarbei- der Universität Louvain-la-
Evas in ihrer Nacktheit. Lust an der Entschlüsse- tung der reformatorischen Ikonografie. Neuve (Belgien).

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Die bibel in berühmten gemälden

1 Eselskinnbacken
2
Der Eselskinnbacken, der im Gras ne-
ben Simson liegt, spielt eine grund-
sätzliche Rolle im Gemälde. Zunächst
bildet der weißliche, gebogene Ge- 4
genstand einen Gegenpunkt zu der 3
sich öffnenden Waldlichtung. Dane-
ben ist der Kinnbacken ein wichtiges
narratives Element, das an die Stärke
Simsons erinnert. Mit dieser rudimen- 3
tären Waffe hatte er tausend Männer
erschlagen.
Die kleine Erzählung aus dem Rich-
1
terbuch (Ri 15,15-17) ist so erstaunlich,
dass der Knochen oft das Attribut Sim-
sons bildet, an dem er zu erkennen ist.
Weggeworfen und vernachlässigt ent-
hüllt er den Fall des Helden. Die Phi-
lister kommen, die Waffe müsste ihren 2 Delila – eine Frau, die einen Mann „kastriert“
Dienst wieder aufnehmen! Schließlich
erinnert dieser Knochen durch seine Die Mitte des Gemäldes wird besetzt durch einen Simson in Paraderüstung, mit der
seltsame Form an die Kuriositäten- der Maler seine Meisterschaft in der Kunst des Lichtreflexes beweisen kann, und eine
kabinetts, die zu Anfang der Renais- Delila, prächtig gekleidet in eine Robe aus Seidenstoff. Über dem Kopf trägt sie einen
sanceepoche aufkamen. Seine Iden- zarten Schleier, der ebenfalls die Kunstfertigkeit des Malers bei der Darstellung von
tifizierung fordert in jedem Fall den Transparenz beweist und das siegesgewiss konzentrierte Gesicht freilässt. Ferner weist
Scharfsinn des Betrachters heraus. Delila jene Physiognomie auf, die so typisch für die Cranach-Werkstatt ist: rundes Ge-
sicht, schmale Lippen, kleine Stupsnase und mandelförmige Augen.
Auch wenn die Szene den Anschein hat, züchtig zu sein, so fehlt es nicht an sexu-
ellen Anspielungen. Delilas Halskette zieht den Blick in ihr Dekolletée. Die Schutzvor-
richtung an der Rüstung Simsons verbirgt sein Geschlecht und weist doch darauf hin.
Und vor allem die Handhabung der Schere, mit der Delila das Haupthaar, das sie in
der Hand hält, schneidet, erinnert an eine Art Verstümmelung, die genau mit der bi-
blischen Metapher übereinstimmt: Das Scheren der Haare bedeutet die Beschneidung
von Simsons Kraft. Delila steht folglich schlechthin für die Rolle der Femme fatale, halb
Prinzessin, halb Frau, die Männer „kastriert“.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Die bibel in berühmten gemälden

3 Die Philister und die beiden Rebhühner im Garten

Die Anwesenheit der bewaffneten Phi- visuelle Bildung seines Betrachters:


lister, die sich auf der oberen linken Personen im Vordergrund und gleich-
Seite des Gemäldes nähern, ist durch zeitig eine Reihe eiliger Soldaten, die
die Erzählung vorgegeben. Sie werden zur Gefangennahme schreiten – das
Simson ergreifen, seine Augen blen- ruft unweigerlich die Gefangennahme
den und ihn in Ketten gefesselt nach Christi in Erinnerung. Denn die Paral-
Gaza bringen. lele ist ziemlich klar: In der Geschichte
Warum aber wird diese Episode in Simsons geht es ebenfalls um mit Geld
4 Eine deutsche Landschaft
einem Garten dargestellt? Diese seltsa- erkauften Verrat. Der Baumvorhang, der sich zur Zitadelle
me Inszenierung fordert die Deutung Die Rebhühner links unten auf dem hin öffnet, soll dem Gemälde nicht nur Tie-
durch den gebildeten Betrachter her- Gemälde sind ebenfalls ein Rätsel, das fe verleihen. Dadurch wird eine Wirkung
aus und weckt sein Interesse. Der Gar- es zu entschlüsseln gilt. Die mittelal- erzielt, die für jede moralisierende Szene
ten erinnert selbstverständlich an den terlichen Naturalisten hatten aus ih- grundsätzlich ist: der Anachronismus. Da-
Sündenfall: In der Paradiesgeschichte nen ein Symbol für Untreue und teuf- mit der Betrachter verstehen kann, dass
geht es ebenfalls um die Frau und die lische Verführung gemacht, denn bei sich die Szene auch an ihn richtet, ist es
Verführung; Delila ist die neue Eva. diesen Vögeln wählt das Weibchen das wichtig, dass er die Elemente seiner eigenen
Um sicherzugehen, dass dies richtig Männchen aus, zudem wechselt es die Zeit erkennt und nicht nur eine historische
verstanden wird, ist Simson inmitten Männchen regelmäßig. War nicht in Szene. Hier erinnert das biblische Sorek-Tal
von Apfelbäumen eingeschlafen, die der Simson-Delila-Erzählung am meis- ungemein an Sachsen oder Thüringen und
reiche Frucht tragen – wie um an die ten die Tatsache hervorzuheben, dass das kleine Schloss auf dem Felsvorsprung,
verbotene Frucht zu erinnern. Aber Delila eine freie Frau ist, die lebt, wie das vielleicht Gaza symbolisiert, könnte
der Garten verweist auch auf einen es ihr gefällt, und nicht zögert, Männer durchaus die Wartburg sein – jene Burg,
anderen Garten: den Garten Getsema- zu beherrschen? auf der Kurfürst Friedrich III. von Sachsen
ni. Der Künstler appelliert hier an die Martin Luther 1521 in Sicherheit brachte.

Die Quelle ihnen sagen: Kommt diesmal her! Denn er hat mir sein
ganzes Herz offengelegt. Die Philisterfürsten kamen
„Darauf sagte sie zu ihm: Wie kannst du sagen: Ich lie- zu ihr herauf und brachten das Geld mit hinauf. Delila
be dich!, wenn mir dein Herz nicht gehört? Jetzt hast du ließ Simson auf ihren Knien einschlafen, rief nach dem
mich dreimal getäuscht und mir nicht gesagt, wodurch Mann und schnitt dann die sieben Locken auf seinem
du so große Kraft besitzt. Und es geschah, als sie ihm Kopf ab. So begann sie ihn zu überwinden und seine
mit ihrem Gerede jeden Tag zusetzte und ihn bedrängte, Kraft wich von ihm. Dann rief sie: Philister über dir,
wurde er es zum Sterben leid; er legte ihr sein ganzes Simson! Er erwachte aus seinem Schlaf und dachte: Ich
Herz offen und sagte zu ihr: Kein Schermesser ist mir werde auch diesmal wie bisher entkommen und mich
auf den Kopf gekommen; denn ich bin vom Mutterleib freischütteln. Denn er wusste nicht, dass der HERR von
an Gott als Nasiräer geweiht. Würden mir die Haare ge- ihm gewichen war. Da packten ihn die Philister und sta-
schoren, dann würde meine Kraft von mir weichen; ich chen ihm die Augen aus. Sie führten ihn nach Gaza
würde schwach und wäre wie jeder andere Mensch. Da hinab und fesselten ihn mit Bronzeketten und er musste
sah Delila, dass er ihr sein ganzes Herz offengelegt hat- im Gefängnis die Mühle drehen.“
te. Sie schickte hin und rief die Philisterfürsten und ließ Buch der Richter 16,15-21 (Einheitsübersetzung 2016)

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welt und umwelt der bibel 1/2017 77
Reform und Reformation in Bibel und Christentum

Verfall und Reform – ein biblisches Weltbild

Auf dem Weg zum


einen Gott
Die Könige Hiskija und Joschija stehen in der Bibel für zwei tief greifende Kultreformen.
Sie stellen nach dieser Geschichtsschreibung einen idealen Urzustand wieder her, der
verfallen ist. Bei genauerem Hinsehen sind die Kultreformen aber Weiterentwicklungen
der Gegenwart. Reformen, das kann man aus der Bibel lernen, sind also Entwicklungen,
die einen idealen Urzustand als Zukunftsbild entwerfen ... Von Georg Röwekamp

„Er schaffte die Kulthöhen ab, zer-


brach die Steinmale, zerstörte den
Kultpfahl und zerschlug die Kupfer-
schlange, die Mose angefertigt hatte
und der die Israeliten bis zu jener Zeit
Rauchopfer darbrachten“
(2 Kön 18,4f).
Die biblische Erzählung über diese Ak-
tion des judäischen Königs Hiskija (728–
698 vC) will Hiskija nicht kritisieren: Im
Gegenteil, die Zerstörung von Heiligtü-
mern, religiösen Bildwerken und Sym-
bolen gilt den Autoren als gottgefällig.
Nicht umsonst heißt es abschließend
über den König: „Er hing dem Herrn an,
ohne von ihm abzuweichen, und hielt die
Gebote, die der Herr dem Mose gegeben
hatte“ (18,6).
So konnte nicht zuletzt dieser Text
in der Reformationszeit aufgegriffen
werden, um den sogenannten „Bilder-
sturm“ zu rechtfertigten, bei dem ein-
zelne Gruppen alle religiösen Bildwerke
in den Kirchen zerstörten. Tatsächlich
wurde die Szene aus dem 2. Buch der Kö-
nige nun auch von den Bilderstürmern
in Form von Holzschnitten dargestellt
– sodass paradoxerweise ein biblisches
Bild den reformatorischen Bildersturm
auf biblische Motive beflügelte.
Bibelwissenschaftler bezeichnen die
Aktion des Hiskija bis heute gern als
König Joschija lässt die Götzenbilder zerstören – Scheibenriss von Niklaus „Kultreform“ und sehen darin eine Vor-
Manuel, 1527, Feder, Kupferstichkabinett Basel (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv). geschichte der umfassenden Reform

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Reform und Reformation in Bibel und Christentum

Reform und Reformation in Bibel und Christentum


vierteilige reihe im Lutherjahr

2017 gedenken die Kirchen in Deutschland – auch gemeinsam – der 1/17 Verfall und Reform –
ein biblisches Weltbild
Reformation, deren Ausgangspunkt man gern in der Veröffentlichung der
95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablass am 31. Oktober 1517 sieht. 2/17 Reformen und Reformer
Während Kirchenhistoriker darauf verweisen, dass es allein im 16. Jahr- zur Zeit Jesu
hundert mehrere „Reformationen“ gab, zeigt ein Blick in die Bibel, dass 3/17 Reform(ation):
mit den Begriffen „Reformation“ und „Reform“ ein noch viel weiteres Feld Eine Idee macht Geschichte
erschlossen wird. Die Reihe beginnt in der Zeit des Alten Testaments. 4/17 Wie sich das Verhältnis
der Kirchen heute „reformiert“

des Königs Joschija (641–609 vC), von reine Ursprung, es folgt der Verfall – und
dem es unter anderem heißt, dass er be- eine Re-form, eine Rückkehr zu den For-
fahl, „alle Gegenstände aus dem Tempel men des Anfangs, muss den ursprüngli-
des Herrn hinauszuschaffen, die für den chen Zustand wieder herstellen.
Baal, die Aschera und das ganze Heer
des Himmels angefertigt worden waren.
Er ließ sie außerhalb Jerusalems bei den Weiterentwicklung, nicht Wieder-
Terrassen des Kidrontales verbrennen … herstellung eines vergangenen
Er holte die Priester aus den Städten Ju- Zustands
das und machte die Kulthöhen von Geba Tatsächlich aber – so hat die historisch-
bis Beerscheba, auf denen die Priester kritische Forschung gezeigt – entspricht
geopfert hatten, unrein“ (2 Kön 23,4.8). die geschichtliche Entwicklung nicht
Die biblische Erzählung bringt Joschi- diesem Deutungsschema; vielmehr han-
jas Zerstörung von „Götzenbildern“, delt es sich bei der Entstehung des „rei-
Altären und Heiligtümern mit einem nen“, bildlosen Monotheismus Israels
„Gesetzbuch“ in Verbindung, das zuvor mit Jerusalem als einzigem Kultort um
bei Bauarbeiten am Tempel gefunden eine schrittweise Entwicklung. JHWH ist
wird. Die Prophetin Hulda erklärt, dass zu Beginn der Königszeit eine Art Dynas­
die Strafandrohungen, die das Buch tiegott; daneben werden, insbesondere
enthält, wahr werden, wenn das Volk von der einfachen Bevölkerung, durch-
weiterhin dem wahren Gott untreu ist aus andere Gottheiten verehrt, deren
– woraufhin der König Joschija in einer Existenz auch von der zeitgenössischen
das ganze Land umfassenden Aktion die „Theologie“ nicht bestritten wird. Neben
Zeichen des Abfalls zu beseitigen sucht. indirekten Hinweisen in den biblischen
Im Hintergrund der biblischen Dar- Schriften gibt es dafür auch archäolo-
stellungen steht also die Vorstellung, gische Zeugnisse, u. a. die zahlreichen
dass Israel am Anfang allein JHWH in Frauenidole, die in Jerusalem gefunden
den von Mose vorgeschriebenen Formen wurden und wohl für Aschera stehen,
verehrt hat und im Laufe der Zeit davon eine weibliche Gottheit, die nicht sel-
abgefallen ist. Nun erfolgt eine Reini- ten im Zusammenhang mit JHWH er-
gung in Richtung auf den Ursprung, der wähnt wird. Auch die Kupferschlange,
in diesem Fall in dem geheimnisvollen die Hiskija zerstören ließ – siehe Zitat
Buch (manche vermuten dahinter ein aus 2 Kön oben –, war möglicherweise
sogenanntes Ur-Deuteronomium) be- ein von der ägyptischen Religion ins-
schworen wird. Diese Darstellung macht piriertes Objekt, das seinen Weg in den Weibliche Figur, vermutlich der ka-
ein grundlegendes Schema sichtbar, mit Jerusalemer Tempel gefunden hatte und naanäischen Göttin Aschera. Zahlreiche
dem in der Entstehungsphase dieser bi- erst nachträglich mit der Geschichte der Figurinen dieser Art wurden in judäi-
blischen Bücher Geschichte geschrieben Wüstenwanderung verbunden wurde. schen Wohnhäusern aus der Zeit vor
und gedeutet wird: Am Anfang steht der Jedenfalls hat sich eine Erinnerung an dem Babylonischen Exil gefunden.

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welt und umwelt der bibel 1/2017 79
Reform und Reformation in Bibel und Christentum

die „Kupferschlange“ in den Schriften der rechten Gottesverehrung erklärt – Auf- und Umbau des biblischen Kanons
erhalten, wie auch an eine Entfernung diese muss nun wiederhergestellt, d. h. im Christentum: Am Anfang steht das
durch König Hiskija. Zu dessen Zeit hat- re-formiert werden. Und das von dieser Paradies, es folgen der (Sünden-)Fall,
te sich die Hoffnung auf ägyptische Hilfe Theologie geprägte „deuteronomisti- verschiedene Ankündigungen einer Er-
bei der assyrischen Belagerung Jerusa- sche Geschichtswerk“ legt das Schema lösung oder „Re-form“, bis am Ende ein,
lems nicht erfüllt. an die gesamte Geschichte des Volkes wenn auch veränderter, Idealzustand
Außerdem gab es außerhalb Jerusa- an, so dass sie geprägt erscheint durch wiederhergestellt ist. Nicht umsonst en-
lems zahlreiche Heiligtümer, in denen den sich mehrfach wiederholenden Ab- det das „Alte Testament“ mit der Ankün-
JHWH verehrt wurde – erst im Laufe der lauf von Verfall und Reform, ausgehend digung einer Rückkehr zum ursprüngli-
Zeit wurden diese abgeschafft oder zer- von der idealen „Urzeit“ zu Zeiten des chen Zustand: Elija „wird das Herz der
stört. Vermutlich hat dabei tatsächlich Mose – ein Bild, das in Wirklichkeit nun Väter wieder den Söhnen zuwenden und
das unter Joschija „gefundene“ Buch erst geschaffen wird. das Herz der Söhne ihren Vätern, damit
eine Rolle gespielt, in dem – ganz im So war zuletzt auch die nachexili- ich nicht kommen und das Land dem
sche Theologie eine „Reform“ im Sinne Untergang weihen muss“ (Mal 3,24). Das
einer Weiterentwicklung: Nun erst ist heißt: Die mit Elija bzw. Johannes dem
Nun erst ist man man überzeugt, dass es neben JHWH Täufer einsetzende „Re-form“, von der
keine anderen Götter gibt, steht doch das Neue Testament erzählt, verhindert,
überzeugt, dass es auch hinter der Zerstörung von Stadt dass das Land und die Welt endgültig
neben JHWH keine und Tempel sowie hinter Kyrus, der die dem „Verfall“ preisgegeben werden.
Verbannten schließlich aus Babylon zu- Tatsächlich sind nicht wenige Grup-
anderen Götter gibt rückkehren lässt, der eine Gott Israels. pen zur Zeit Jesu davon überzeugt, dass
ihre (Re-)Form des Judentums den ur-
sprünglichen Sinn des Gesetzes, des
Stil eines assyrischen Vasallenvertra- Reform verhindert den gottgefälligen Lebens bewahrt, entdeckt
ges – die ausschließliche Treue Israels endgültigen Verfall oder wiederherstellt und so zur Re-
zu JHWH gefordert wurde. Am JHWH- Dennoch hat sich das Schema „Guter form des Volkes oder der Welt beiträgt.
Tempel in der Zitadelle von Arad im Ne- Anfang“ – „Verfall“ – „Re-form“ gerade Diesen Bewegungen wird die nächste
gev ist eine entsprechende Aktion sogar für die Schilderung von Geschichte viel- Folge unserer Artikelserie gewidmet
archäologisch nachweisbar: Der „Kult- fältig durchgesetzt. Auch in anderen Kul- sein. Dann wird auch noch deutlicher
pfahl“, der über Jahrhunderte im Aller- turen ist es anzutreffen. So schildert der werden, dass man die Darstellung einer
heiligsten des Tempels stand, wurde im griechische Dichter Hesiod (7. Jh. vC) die Weiterentwicklung als Wiederherstel-
7. Jh. „begraben“. Durch das eigentliche Geschichte als Abfolge von Zeitaltern, lung einer so nie vorhandenen Urform
Heiligtum wurde eine neue Stadtmauer die von immer stärkerem „Werteverfall“ nicht als Verfälschung der Geschichte
so hindurchgebaut, dass der Tempel un- gekennzeichnet sind: Auf das Goldene ansehen muss, sondern als EINE mög-
brauchbar und das Allerheiligste nicht Zeitalter folgt das silberne, darauf das liche Form der Geschichtsschreibung.
mehr zugänglich war! eherne und das eiserne … Eine ähnliche Diese wählt immer aus und deutet. Im
Die „Re-form“ des Joschija besteht Vorstellung findet sich auch im bibli- Fall der biblischen Überlieferung macht
also nicht in einer „Rückformung“, schen Buch Daniel, im Traum des Königs sie – nicht zu Unrecht – sichtbar, dass in
nicht in der Wiederherstellung eines Nebukadnezzar, der auf verschiedene, den beschriebenen Reformen Elemente,
früheren Idealzustandes, sondern in immer geringer und brüchiger werdende Tendenzen in den Vordergrund treten,
einer Weiterentwicklung, in der Anpas- Reiche hin gedeutet wird, das von einem die im Alten zwar angelegt, aber noch
sung der Kultformen an die theologische ewigen Reich Gottes abgelöst wird, das nicht wirkmächtig geworden waren.
Entwicklung, die von einer immer stär- sogar noch besser ist als das anfängliche Auch deshalb können Reformen in ganz
keren Transzendierung des Gottesbildes goldene (vgl. Dan 2,29-45). Und die grie- unterschiedliche Richtungen erfolgen,
gekennzeichnet war. Am Ende war für chische Lehre von den Weltaltern wird kommt es doch darauf an, welche dieser
den einen Gott nur noch ein Kultort vor- von den Stoikern dahingehend weiter- Elemente nun stark (gemacht) werden. W
stellbar. Nach dem Babylonischen Exil entwickelt, dass diese nach Ende eines
war nicht einmal mehr der bis dahin Zyklus durch einen Weltenbrand „refor-
akzeptierte „Gottesthron“ der Bundes- miert“ werden, sodass der Ursprungs- Dr. Georg Röwekamp,
Theologe mit Schwerpunkt
lade notwendig. Nach der Zerstörung zustand wiederhergestellt wird. Zur Zeit
Alte Kirchengeschichte
Jerusalems im Jahr 586 vC, auf die das des Augustus wird die Vorstellung dann und Repräsentant des
Babylonische Exil folgte, bewährt sich so aktualisiert, dass es der Kaiser ist, „Deutschen Vereins
nämlich das Schema zur Deutung der der jetzt das erneuerte goldene Zeitalter vom Heiligen Land“ in
Geschichte auf eindrucksvolle Weise: heraufführt. Jerusalem.
Die Katastrophe wird als Konsequenz Das Schema von Urzustand, Verfall
des Abfalls vom wahren Gott und von und Reform bestimmt dann sogar den

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Die grossen entdeckungen | Der Ecce-Homo-Bogen

Ein heiliger Ort?


Ecce homo – „Seht, der Mensch!“ Kurz nach diesen Worten schickt Pilatus
Jesus in den Tod. Seit dem Mittelalter verortet die christliche Tradition diese
Szene aus dem Johannesevangelium bei einen Bogen, der die Via Dolorosa
in Jerusalem überspannt. Handelt es sich um einen authentischen heiligen
Ort? Im Jahr 1857 löst die Entdeckung des Ingenieurs Ermete Pierotti eine
heftige Diskussion aus. Von Estelle Villeneuve

E rmete Pierotti ist Ingenieur, er kennt die


antiken Bauwerke in Jerusalem wie seine
Westentasche. Der ehemalige Soldat sardischen
hier von einem Bogen überspannt wurde, der in
der christlichen Tradition für den Eingang des
Prätoriums gehalten wurde, jenes Ortes also, an
Ursprungs, seit 1854 im Dienst des osmanischen dem Pontius Pilatus Jesus von Nazaret verhört
Paschas, erforscht die antiken hydraulischen und zum Tode verurteilt hat. Ecce homo – „Seht,
Systeme und zeichnet mit penibler Genauigkeit der Mensch!“, mit diesen Worten präsentiert
Pläne der Altstadt. Als er den nordwestlichen der römische Statthalter im Johannesevangeli-
Bereich des Haram esh-Sharif untersucht, wird um den gegeißelten Jesus mit Dornenkrone und
er von Pater Marie-Alphonse Ratisbonne mit der Purpurmantel vor der Menschenmenge. Der be-
Freilegung eines Grundstücks betraut. P. Marie- rühmte Ausspruch hatte dem Bogen bereits sei-
Alphonse hatte es für den Bau eines Klosters der nen Namen gegeben.
Zionsschwestern (Sœurs de Notre Dame de Sion) Unter den zeitgenössischen Gelehrten sind
erworben. Er hatte gerade dieses Grundstück an allerdings nicht wenige skeptisch: Wie kann ein
der Via Dolorosa ausgewählt, weil die Straße grob verputzter Bogen, dessen Durchgang mit
zwei Fenstern überbaut ist, für ein römisches
Bauwerk gehalten werden? Sintflutartige Regen-
fälle brachten im Februar 1851 eine Antwort auf
diese Frage. Als die angrenzenden Häuser ein-
gestürzt waren und der Gips sich gelöst hatte,
kam ein intakter Rundbogen zum Vorschein, mit
typisch römischem Erscheinungsbild. „Von die-
sem Augenblick an“, so schreibt Félix de Saulcy,
ein bedeutender zeitgenössischer französischer
Archäologe, „hatte ich keine wirklichen Zweifel
mehr, und ich bin nun der festen Überzeugung,
dass der Ecce-Homo-Bogen diesen Namen zu
Recht erhalten hat“.

Ein monumentaler Bogen


Als nun also wieder Vertrauen in die Lokalisie-
rung des Prätoriums vorherrschte, nimmt Er-
mete Pierotti im Dezember 1857 die Abtragung
des Geländes in Angriff. Zur allgemeinen Über-
raschung legt er einen zweiten Bogen frei, klei-
Die Freilegung des römischen Bogens auf dem Grundstück, das ner als der erste, aber offensichtlich zum selben
für die Ordensgemeinschaft der Zionsschwestern gekauft worden war. Bauwerk gehörend. Er stattet dem Derwisch-
kloster einen Besuch ab, das sich auf der ande-

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welt und umwelt der bibel 1/2017 81
Die grossen entdeckungen | Der Ecce-Homo-Bogen

Der Ingenieur Ermete Pierotti Der Ecce-Homo-Bogen auf


entdeckte den monumentalen römi- einer kolorierten Fotografie, um 1900.
schen Bogen, den traditionellen Der nördliche Bogen ist in die Kirche
„Ecce-Homo“-Ort, im Jahr 1857. der Zionsschwestern integriert.

ren Seite der Straße befindet, um zu überprüfen, Jedenfalls, so fragt sich der Ingenieur mit Recht,
ob es einen dritten Bogen gibt, der symmetrisch wenn der Bogen aus der Zeit Jesu Christi stam-
zu den anderen beiden verläuft. Er entdeckt auf men würde, wie hätte er dann der Zerstörung
der Linie der beiden Bögen ein Stück antikes des Tempels und der Antoniafestung im Jahr 70
Mauerwerk, welches dem Pfeiler des nördlichen nC durch Kaiser Titus entgehen können?
Bogengangs sehr ähnlich ist. Das angebliche Pierotti war aber mehr an den hydraulischen
Eingangstor des „Pilatus-Prätoriums“ hatte Systemen und dem Tempelausbau interessiert,
und so bereitet ihm der Bogen und seine Tradi-
tion kein weiteres Kopfzerbrechen. Im Jahr 1864
veröffentlicht er einen Bericht über seine For-
„Seht, der Mensch!“ – der
schungen und die Datierungen; die Argumenta-
berühmte Ausspruch hatte dem tion wird verworfen, das Buch als wenig seriös
angesehen und es gerät geradezu in Vergessen-
Bogen über der Via Dolorosa
heit.
bereits seinen Namen gegeben Allerdings überzeugt seine Bemerkung über
den Ecce-Homo-Bogen eine Reihe der führen-
den Orientalisten seiner Zeit. So revidiert zum
starke Ähnlichkeit mit einem dreiportaligen Beispiel Félix de Saulcy im Jahr 1865 seine Ein-
Monumentalbogen. Als in der Klosterbaustelle schätzung: „Wenn man alles genau betrachtet,
der Zionsschwestern ein gut erhaltener Fußbo- so stammt der Bau dieses Tores meiner Meinung
den mit geriffelten Steinplatten freigelegt wird, nach aus einer weit späteren Epoche als der Zeit
hat Pierotti bald die Gelegenheit, den Sockel der Hinrichtung Jesu Christi.“ In der wissen-
des Pfeilers zu untersuchen: Das Mauerwerk ist schaftlichen Literatur wird der sogenannte Ecce-
sehr wohl römisch, allerdings kann es aufgrund Homo-Bogen als ein Bauwerk der neuen Stadt
der Größe der Blöcke und der Bautechnik seiner Aelia Capitolina gedeutet. Unter diesem Namen
Meinung nach kaum auf eine Epoche vor Hadri- hatte Kaiser Hadrian Jerusalem um das Jahr 130
an, also vor Beginn des 2. Jh. nC, datiert werden. nC neu aufbauen lassen.

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welt und umwelt der bibel 1/2017
Die grossen entdeckungen | Der Ecce-Homo-Bogen

Das Steinpflaster des


Lithostrotos im Kloster der
Zionsschwestern, traditionell
lokalisiert aufgrund dieser
Bibelstelle: „Auf diese
Worte hin ließ Pilatus Jesus
herausführen, und er setzte
sich auf den Richterstuhl an
dem Platz, der Lithostrotos,
auf Hebräisch Gabbata,
heißt“ (Joh 19,13). Die Ril-
len in den Steinen hinderten
Wagen am Wegrutschen.
Das Pflaster stammt aus der
Zeit von Kaiser Hadrians
Stadtgründung Aelia Capito-
lina um 130 nC.

Das römische Steinpflaster sie den Königspalast des Herodes bewohnten,


des Lithostrotos der sich in der Oberstadt befand, in der Nähe des Lithostrotos
War der Bogen damit für die Pilger verloren? Nein! heutigen Jaffators? Das lässt auf jeden Fall der Joh 19,13
In Anlehnung an die Ecce-Homo-Tradition ließen jüdische Historiker des 1. Jh. nC Flavius Josephus erzählt, dass
die Zionsschwestern den kleinen nördlichen Bo- anklingen, wenn er die Aufenthalte der Proku- Pilatus Jesus aus
dem Prätorium
gen, der bei den Bauarbeiten freigelegt wurde, in ratoren in der Heiligen Stadt erwähnt. Dennoch
herausführt – auf
ihre Kapelle integrieren, er ist heute direkt hinter beharrte Louis-Hugues Vincent auf dem Prätori-
ein „Steinpflas-
dem Altar zu sehen. Tausende Gläubige machen um in der Antonia mit dem Argument, dass man ter“, griech.
dort jedes Jahr Halt auf ihrem Weg über die Via sonst die angespannte Lage nicht berücksichtigt lithostrotos. Hier
Dolorosa. Die Schwestern zeigten den Pilgern hätte, die um den Tempel herum zum jüdischen steht Pilatus‘
auch das großartige römische Steinpflaster, das Paschafest vorherrschte. „Hätte Pilatus den be- Richterstuhl und
im Zuge der Ausgrabungen im Unterboden des wachten Bereich des Heiligtums an so explosi- hier übergibt er
Klosters in den 1930er-Jahren freigelegt worden ven Tagen verlassen? Er wird also den Nazarener Jesus zur Kreuzi-
war und das sich auf einer Fläche von etwa 2500 dort verurteilt haben, wo er sich befand, in der gung.
m2 bis zum Franziskanerkloster bei der Geiße- Antonia-Burg. Entsprechen die archäologischen
lungskapelle (Flagellatio) in der Nachbarschaft Daten außerdem den Evangelienerzählungen
Prätorium
erstreckt. Das sei, so erklärten sie mit akademi- hier nicht besser als dort?“
Palast des
scher Unterstützung des dominikanischen Ar- Die Position P. Vincents hat die Historiker
Statthalters in
chäologen Louis-Hugues Vincent (1872–1960), kaum überzeugt. In der Pilgerfrömmigkeit wur- den römischen
der authentische Lithostrotos, jener gepflasterte den aber weiterhin Bogen und Steinpflaster der Provinzen.
Platz im Pilatuspalast, wo Jesus nach dem Johan- Ecce-Homo-Basilika als heiliger Ort verehrt. Für
nesevangelium verurteilt wurde (Joh 19,13). Archäologen und Historiker dagegen waren sie
nur als Zeugen der Stadtentwicklung Jerusalems
im 2. Jh. interessant. Und selbst als 1979 kurzzei-
Wo befindet sich der Gerichtshof? tig neue bauliche Argumente zugunsten einer
Die Zuordnung durch P. Louis-Hugues Vincent Datierung des Bogens auf die Regierungszeit
fußt auf seiner Überzeugung, dass das Prätori- von Herodes auftauchten – die Frage, ob Jesus
um, wo der Prozess gegen Jesus geführt wurde, genau auf diesen Pflastersteinen in den Tod ge-
im Palast der Burg Antonia war. Zwar können schickt wurde oder nicht, wird nicht mehr die
die römischen Statthalter zeitweise in dieser Pa- Debatten beherrschen. Für all jene, die nach Je-
lastfestung aus hellenistischer Zeit im nordwest- rusalem kommen, um auf den Schritten Jesu zu
lichen Bereich des Tempelplatzes residiert ha- wandeln, hat der Mann aus Nazaret den Boden
ben. Ist es jedoch nicht wahrscheinlicher, dass des Viertels dennoch betreten. W

Übersicht über die Serie „Die großen Entdeckungen“:


www.weltundumweltderbibel.de > Register 200219143033QH-01 am 10.04.2021 über http://www.united-kiosk.de
welt und umwelt der bibel 1/2017 83
Ausstellungen und veranstaltungen

Welt und Umwelt der Bibel-Studientage UNSERE LESERREISE IM JAHR 2017:


zum aktuellen Heftthema: HEILIGE MÄHLER Auf den Spuren der Religionen zwischen
Alle Termine, Details, Links und Kontaktdaten auch jederzeit Schwarzem Meer und Persischem Golf
auf www.weltundumweltderbibel.de!
GEORGIEN – ARMENIEN – IRAN
vom 8. bis 24. April 2017
HILDESHEIM LEITUNG: Prof. Dr. Katja Baur, Dipl.-Theol. Wolfgang Baur
„Sag mir, mit wem du isst, und ich sage dir, und erfahrene deutschsprachige, lokale Reisebegleiter
wer du bist“ – Mahlgemeinschaften PREIS: € 3.780,– , EZ-Zuschlag € 815,–
und Gemeinschaftsmähler rund um die Bibel ANMELDUNG: jessica.bareither@biblische-reisen.de
24. März, 18 Uhr, bis 25. März 2017, 17 Uhr Tel. 0711/61925-65
Das detaillierte Reiseprogramm finden Sie auf
Tagungshaus Priesterseminar, Neue Str. 3, 31134 Hildesheim
www.weltundumweltderbibel.de
REFERENT: Dr. Andreas Leinhäupl (Ahlen)
Leitung: Dr. Christian Schramm
KOSTENBEITRAG: € 30,– (inkl. Übernachtung und Verpflegung)
INFORMATION UND ANMELDUNG: Arbeitsstelle für pastorale
Fortbildung und Beratung Hildesheim, Bibelschule Hildesheim
Angela Dormund, Neue Str. 3, 31134 Hildesheim
Tel. 05121 17915-50, bibel@bistum-hildesheim.de

Aachen
Heilige Mähler – weltliche Mahlzeiten in der
Antike und den Anfängen des Christentums
11. Februar, 10 Uhr, bis 12. Februar 2017, 14 Uhr Das Kloster Chor Virap vor dem Berg Ararat.
in der Bischöflichen Akademie Aachen
REFERENT: Prof. Dr. Jürgen K. Zangenberg (Universität Leiden/NL)
KOSTENBEITRAG: € 60,30 (Tagungsbeitrag, Verpflegung) Bereits vormerken:
€ 93,30 (Tagungsbeitrag, Verpflegung, EZ) Studientage zu WUB 2/17 „Messias“
INFORMATION UND ANMELDUNG: Bischöfliche Akademie,
MAINZ, 10. Mai 2017, Erbacher Hof
Leonhardstr. 18-20, 52064 Aachen, Tel. 0241 47996-25,
AACHEN, 25. März, 2./9./16./23. Mai 2017, Bischöfliche
Anne.Schoepgens@bistum-ac.de, www.bischoefliche-akademie-ac.de
Akademie Aachen
SCHLOSS PUCHBERG, 6./7. Mai 2017
HAMBURG, 11. November 2017
STUDIENTAG ZuR AUSGABE WUB 3/16:
„Mystik in Judentum, Christentum und Islam“
FÜR SCHNELL ENTSCHLOSSENE: ROTHENFELS
STUTTGART
Kulturhistorische Woche:
Gott erfahren – Mystik in Judentum, Der Balkan – die unbekannte Mitte Europas
Christentum und Islam
15. bis 19. Februar 2017
8. Februar 2017, 18.00 bis 21.30 Uhr Burg Rothenfels am Main, 97851 Rothenfels
im Haus der Katholischen Kirche THEMEN: Naturkunde / Römisches Erbe / Christianisierung
REFERENT(INN)EN: Dipl.-Theol. Barbara Janz-Spaeth der Slawen / Der Balkan der Katholiken, der Orthodoxen und
(Referentin für Bibelpastoral und Biblische Bildung) der Muslime / Unter Tito / Politische Situation heute /
Dr. Wolfgang Wieland (Theologe) Slawische Literatur und Kirchenmusik
EINTRITT: frei REFERENT(INN)EN: u. a. Prof. Dr. Katrin Boeckh,
ANMELDUNG: www.kbw-stuttgart.de Prof. Dr. Andreas Müller, PD Dr. Heinzgerd Brakmann,
Katholisches Bildungswerk Stuttgart, Prof. Dr. Ivan Šarčevič
Königstraße 7, 70173 Stuttgart, Welt und Umwelt der Bibel ist Kooperationspartner!
Tel. 07 11 7050 600, info@kbw-stuttgart.de Das vollständige Programm Sie auf www.burg-rothenfels.de

84 welt und umwelt der bibel 1/2017


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Ausstellungen und veranstaltungen

ERFURT KARLSRUHE
bis 14. Februar 2017 bis 18. Juni 2017
Leben nach Luther. Ramses – Göttlicher Herrscher am Nil
Eine Kulturgeschichte
Ramses der Große war der mächtigste aller Pharaonen,
des evangelischen herrschte 66 Jahre lang und überaus erfolgreich, hatte der
Pfarrhauses Legende nach 100 Kinder und wurde schon zu Lebzeiten
als Gott verehrt. Er überzog sein Reich mit gewaltigen
Eine Wanderausstellung Tempelanlagen und Kolossalstatuen: Abu Simbel, das
des Deutschen Historischen Ramesseum in Theben und der Säulenhof des Luxor-Tempels.
Museums: Die Ausstellung führt an die Persönlichkeit und ihre Zeit heran.

Stadtmuseum im Badisches Landesmuseum, Schloss, 76131 Karlsruhe,


„Haus zum Stockfisch“ und Tel. +49 721 926-6514
Michaeliskirche, Di–So 10–18 Uhr, Eintritt 12/9/3 EUR Ramses II. dargestellt
Johannesstraße 169, landesmuseum.de als Falkengott.
Antiken-
99084 Erfurt, museum und Sammlung
Tel. +49 361 655-1605 Ludwig, Basel.
Weitere Orte: Molmerswende/ BONN
Schloss Allstedt, Münnerstadt, bis 26. März 2017
Filderstadt, Lage/Lippe,
Nürnbrecht, Mühlhausen, Eine kurze Geschichte der Menschheit –
Kempten, Saalfeld, Halle 100 000 Jahre Kulturgeschichte
Die Ausstellung wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens
des Israel Museums in Jerusalem konzipiert. Anhand von
MANNHEIM archäologischen Objekten und zeitgenössischen Kunstwerken
bis 19. Februar 2017 aus dem Israel Museum wird die Menschheitsgeschichte nach-
erzählt – von der Steinzeit bis zu Albert Einsteins Relativitäts-
Barock – nur schöner
theorie und der Gegenwart.
Schein?
Das Barock ist eine vielschich- Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland,
tige und widersprüchliche Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, Tel. +49 228 9171–200
Epoche, auch für die Entwick- Di/Mi 10–21 Uhr, Do–So 10–19 Uhr, Eintritt 12/8 EUR Kieselfigurinen
lungen in christlicher Kunst, bundeskunsthalle.de Sha’ar HaGolan,
Architektur und Frömmigkeit. Jordantal, Neolithikum,
Die Jahre 1580 bis etwa 1770 8000 Jahre alt.
stehen auch für fortschrittliche BERLIN
Erkenntnisse in der Medizin, bis 2. April 2017
Wirtschaft und Wissenschaft
Das Erbe der alten Könige. Ktesiphon und
sowie eine alle Lebensberei-
die persischen Quellen islamischer Kunst
che durchdringende Ord-
nungsstruktur. 300 Exponate Die Ausstellung widmet sich dem persischen Erbe in der
sind den Themenkomplexen islamischen Kunst anhand der Erforschung von Ktesiphon.
„Raum“, „Körper“, „Wissen“, Ktesiphon war eine große Stadt des mächtigen Sasaniden-
„Ordnung“, „Glaube“ und reiches, südlich von Bagdad, das über Jahrhunderte mit
„Zeit“ zugeordnet. Rom und Byzanz konkurrierte. Um 600 nC existierte hier
eine vielfältige Kulturlandschaft. Nach den Eroberungs-
Reiss-Engelhorn-Museen, Museum zügen der arabischen Heere im 7. Jh. nC lebten Techniken,
Zeughaus C5, 68159 Mannheim, Ideen und Motive weiter. Die Austellung fragt aber auch,
Tel +49 621 293 31 50 wieweit die Objekte – als Zeugnisse der Entstehung islami-
Di–So 11–18 Uhr, scher Kultur – geteiltes Kulturerbe zwischen Irak und Iran sind.
Eintritt 12,50/10,50/3,50 EUR
rem-mannheim.de Pergamonmuseum, Bodestraße, 10178 Berlin, Jagdschale,
Tel. +49 30 266424242 7./8. Jh. nC, Silber
tägl. 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Eintritt 12/6 EUR vergoldet, Museum für
smb.museum/museen-und-einrichtungen/pergamonmuseum Islamische Kunst.

Weitere Veranstaltungen rund um die Bibel finden Sie


auf www.bibelwerk.de > Kurse & Veranstaltungen200219143033QH-01 am 10.04.2021 über http://www.united-kiosk.de
welt und umwelt der bibel 1/2017 85
Vorschau

Kulturerbe Psal-
IMPRESSUM
Heft 1/2017
Die nächste Ausgabe im april 2017:
„Welt und Umwelt der Bibel“ ist die deutsche

men
MESSIAS Der
Ausgabe der französischen Zeitschrift
Traum „Le Monde de la Bible“, Bayard Presse, Paris.
Retter
vom „Welt und Umwelt der Bibel“ ist interdisziplinär
und ökumenisch ausgerichtet und entsteht in
Sprachgewal- enger Zusammenarbeit mit international
anerkannten Wissenschaftler/innen.
tig – Einzig- Verlag: Katholisches Bibelwerk e.V.,
edition „Welt und Umwelt der Bibel“
artig Postfach 15 03 65, 70076 Stuttgart,
Tel. 0711/61920-50, Fax 0711/61920-77
E-Mail: bibelinfo@bibelwerk.de,
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W Psalmenbeter David –
der Herrscher mit der Harfe Redaktion: Dipl.-Theol. Wolfgang Baur,
Dipl.-Theol. Helga Kaiser

W Wie liest man Korrektorat: Michaela Franke M.A.,


m._franke@web.de
Rachepsalmen?
Anzeigenverwaltung: Ralf Heermeyer,
heermeyer@bibelwerk.de
W Psalmen als Musik –
Erscheinungsort: Stuttgart
von der Antike bis
zur Gregorianik © S. 74–77, 81–83 Ba­yard Presse Int.,
W Der Messias Jesus von Nazaret in der Umwelt des 1. Jh. „Le Monde de la Bible“ 2013/2016, all rights reserved; 
© sonst edition „Welt und Umwelt der Bibel“
W Jüdische Messiasvorstellungen durch die Jahrhunderte bis heute Übersetzungen: Christa Maier, Helga Kaiser
W Grenzgänger: Messianische Juden und Chabad-Bewegung
Gestaltung: Olschewski Medien GmbH,
W Messianismus im Islam? Stuttgart, Dipl.-Des. (FH) Barbara Janasik
Druck: Druckerei Raisch GmbH + Co. KG,
Reutlingen
PREISE: „Welt und Umwelt der Bibel“
und so geht es weiter: erscheint vierteljährlich.
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• ermäßigtes Abonnement für
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interessieren? Historisch, theologisch, archäologisch? Österreich:


Österreichisches Katholisches Bibelwerk,
Bräunerstraße 3/1. Stock, A-1010 Wien,
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online auf www.weltundumweltderbibel.de (Startseite rechts), Einzelheft E 11,80 (für Abonnenten E 9,50)
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86 welt und umwelt der bibel 1/2017


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2/17 Messias – Der Traum vom Retter
3/17 Tiere, Götter und die Bibel
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Juden, Christen und Muslime

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Schätze aus 20 Jahren
Unsere Backlist
o 3000 Jahre Jerusalem, 1/96 o Jesus der Galiläer, 2/02
o Schöpfung, 2/96 o Isis, Zeus und Christus, 3/02
o Damaskus, 1/97 o Himmel, 4/02
o Jesus: Quellen, Gerüchte, Fakten, 4/98 o Entlang der Seidenstraße, Sonderheft 2002
o Tempel von Jerusalem, 3/99 o Die Kreuzzüge, 3/03

Einzelheft € 4,90
e [A] 5,50 / sFr 9,50
o Christus in der Kunst (1): o Abraham, 4/03
Von den Anfängen bis ins 15. Jh., 4/99 o Der Nil, 1/04
o Der Koran und die Bibel, 1/00 o Flavius Josephus, 2/04
o Faszination Jerusalem, 2/00 o Der Jakobsweg, 3/04
o Christus in der Kunst (2): Von der o Prophetie und Visionen, 4/04
Renaissance bis in die Gegenwart, 4/00 o Von Jesus zu Muhammad, 1/05
o Auf dem Weg zur Kathedrale, Sonderheft 2000 o Religionen im antiken Syrien, 2/05
o Petra. Stadt der Nabatäer, 1/01 o Babylon, 3/05
o Paulus, 2/01 o Juden und Christen, 4/05
o Echnaton und Nofretete, 4/01
o Ugarit – Stadt des Mythos, 1/02

o Petrus, Paulus und die Päpste, Sonderheft/06 o Türkei. Land der frühen Christen, 3/10
o Athen. Von Sokrates zu Paulus, 1/06 o Kindgötter und Gotteskind, 4/10
o Ostern und Pessach, 2/06 o Die Apostel Jesu, 1/11
o Mose, 3/06 o Der Weg in die Wüste, 2/11
o Auf den Spuren Jesu 1: Von Galiläa nach Judäa, 4/06 o Unter der Herrschaft der Perser, 3/11
o Heiliger Krieg in der Bibel? Die Makkabäer, 1/07 o Bedeutende Orte der Bibel, 4/11

Einzelheft € 9,80
o Auf den Spuren Jesu 2: Jerusalem, 2/07 o Der Koran. Mehr als ein Buch, 1/12

e [A] 11,50 / sFr 19,–


o Verborgene Evangelien: Jesus in den Apokryphen, 3/07 o Teufel und Dämonen, 2/12
o Weihnachten, 4/07 o Nordafrika.
o Gott und das Geld, 1/08 Die Epoche des Christentums, 3/12
o Maria Magdalena, 2/08 o Salomo, 4/12
o Die Anfänge Israels, 3/08 o Jesusreliquien, 1/13
o Engel, 4/08 o Streit um Jesus: Gott und Mensch?, 2/13
o Paulus von Tarsus, 1/09 o Propheten, 3/13
o Apokalypse, 2/09 o Herodes. Grausam und Genial, 4/13
o Konstantinopel, 3/09 o Was nicht im Alten Testament steht, 1/14
o Maria und die Familie Jesu, 4/09 o Die Evangelisten, 2/14
o Das römische Ägypten, 1/10 o Aufbruch zu den Göttern, 3/14
o Pilatus und der Prozess Jesu, 2/10 o Die Ordnung der Sterne, 4/14

Einzelheft € 11,30
e [A] 11,80 / sFr 19,–
o 150 Jahre Biblische Archäologie, 1/15 o Die Schöpfung: Bibel kontra Naturwissenschaft, 2/16
o Jesus der Heiler, 2/15 o Mystik in Christentum, Judentum und Islam, 3/16
o Christen in Äthiopien – Hüter der Bundeslade, 3/15 o Psalmen – Gebete der Menschheit, 4/16
o Wer waren die ersten Christinnen?, 4/15 o Heiliges Mahl – Zu Tisch mit den Göttern, 1/17
o Die Christen des Orients, 1/16 o Messias – Der Traum vom Retter, 2/17 (ab April 2017)

o „Orte am See Gennesaret“ Satellitenaufn. + Erläuterungen A2, o „Der Nil und seine Heiligtümer“ 21,5 x 110 cm,
2 2,– (ab 5 Ex. 2 1,50), 2 [A] 2,10, sFr 4,– 2 2,– (ab 5 Ex. 2 1,50), 2 [A] 2,10, sFr 4,–
Pläne & Karten

o „Der Tempel von Jerusalem“, Rekonstruktion + Luftaufnahme A2, o „Die Überlieferung der Bibel“ Wichtige Inschriftenfunde A2,
2 2,– (ab 5 Ex. 2 1,50), 2 [A] 2,10, sFr 4,– 2 2,– (ab 5 Ex. 2 1,50), 2 [A] 2,10, sFr 3,–
o „Das Heilige Land“ – Landkarte 28 x 60 cm, o „Paulus und das antike Korinth“ Stadtplan + Begleitheft A0,
2 1,– (ab 5 Ex. 2 -,50), 2 [A] 1,10, sFr 2,– 2 5,90 (ab 5 Ex. 2 5,–), 2 [A] 6,10, sFr 10,–
o „Die Altstadt von Jerusalem“, Reliefkarte A1, o Palästinakarte 98 x 68 cm, drucklackiert, 2 6,90
2 3,– (ab 2 Ex. 2 2,50), 2 [A] 3,20, sFr 6,– o Mittelmeerkarte 98 x 68 cm, drucklackiert, 2 6,90
o Kartenset Heiliges Land: Alle 4 Karten (oben) o Kartenset Palästinakarte und Mittelmeerkarte nur 2 9,90
nur 2 5,–, 2 [A] 5,20, sFr 10,–

o Judäa und Jerusalem, 256 S., 2 12,80, 2 [A] 13,20, sFr 25,– o Musik in biblischer Zeit, 104 S., 2 11,90, 2 [A] 12,30, sFr 19,50
Bücher

o 1001 Amulett, 224 S., 2 14,80, 2 [A] 15,30, sFr 18,50 o Kleider in biblischer Zeit,112 S., 2 14,80, 2 [A] 15,30, sFr 19,50
o Von den Schriften zur (Heiligen) Schrift, 175 S., o Das Land der Bibel. Ein biblischer Reiseführer, 144 S., 2 16,80
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2 29,–, 2 [A] 29,90, 200219143033QH-01


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Mit Einführungen in
jedes biblische Buch,
Zwischenüberschriften,
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Anhang mit Stichwort- und
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Sacherläuterungen, 9 Karten

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8. Dezember 2016

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15 x 21,5 cm, 1.552 Seiten,


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€ 9,45 / € (A) 9,80
ISBN 978-3-460-44007-4

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