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Spruchbeilage Nr. 144-147.

ZVR 1969

der Geschädi1gte mit dem Ersatz seines Vermögens- auch das, was sie nunmehr erstmalig - offenbar erst
schadens in jeder Hinsicht rechnen. Es bedarf also veranlaßt durch die vom Berufungsgericht bekundete
k.einer fülligkeitsentscheidung unter Auß·ernchtla.ssung Ansicht - in der Revision in bezug auf die
rechtstheoretischer Gwndsätze. Das Prozeßris,iko muß <lauer vorbringen, in erster Instanz
der UnfaUsgeschädi,gte wie jeder Kläger auf sich unter Beweis stellen müssen. Denn diesfalls es
nehmen. Der Hinweis des Revisionswerbers auf das sich entgegen ihrer Ansicht nicht um Rechtsausführun-
„Rechtsempfinden aller billig Denk.enden" ergibt bei gen, sondern um Tatsachenbehauptungen. es
diesen Umständen keinen für die Entscheidung brauch- richtig, daß die abstrakte Rente grundsätzlich für
baren Gesichtspunkt. die Zeit gebührt, in der Nachteile zufolge
einem Dauerschaden verbundenen Behinderung
144. - § 1325 ABGB., § 243 Abs. 2 ZPO~ dem Arbeitsmarkt zu befürchten sind, und daß
normalerweise nach dem Erreichen der für den
Bei der Berechnung des Schadenersatzbetrages auf Total-
der Altersrente erforderlichen Altersgrenze der
schadensbasis gebührt dem Geschädigten die Differenz zwi-
sein wird. Diese Erwägungen entheben aber den Er-
schen dem Schätzwert des Fahrzeuges in unbeschädigtem
satzpflichtigen nicht seiner Behauptungs- und Beweis-
Zustand und dem Wrackwert.
pflicht im Einzelfall.
OGH., 25. 6. 1968, 2 Ob 173/68.
Anmerkung der Schriftleitung: In der Begründung der
Entscheidung verweist der OGH. auf seine bisherige Recht-
146. - § 1325 ABGB.
sprechung (vgl. z. B. ZVR. 1966 Nr. 121 S. 129). 1. Das Schmerzengeld soll grundsätzlich eine einmalige Ab-
findung für alles erlittene Ungemach sein.
2. Eine Zuerkennung für einen bestimmten Zeitraum ist
145. - §1323 ABGB.
aber dann zulässig, als die zukünftigen Schmerzen. nicht oder
1. Nach dem Erreichen der für den Bezug der Altersrente - nicht in vollem Umfang abgeschätzt werden können.
erforderlichen Altersgrenze gebührt in der Regel keine ab..; OGH., 2. 5. 1968, 2 Ob 64/68.
strakte Rente.
2. Der Antrag auf Klagsabweisung vermag einen Antrag auf Im Sinne der einschlägigen Rechtsprechung soll das
zei.tfö::he Begrenzung der begehrten Rente nicht zu .ersetzen. Schmerzengeld eine einmalige Abfindung für alles Un-
OGH., 24. 5. 1968, 2 Ob 112/68. gemach sein, das der Verletzte voraussichtlich zu er-
dulden hat. Es soll den Gesamtkomplex der Schmerz-
Gegenstand dieses Rechtsstreites sind die Schadenersatz- empfindungen, auch soweit er für die Zukunft über-
ansprüche der Klägerin aus einem Verkehrsunfall, bei dem blickt. werden kann, umfassen. Damit ist auch zum
sie aus dem Alleinverschulden der Erstbeklagten, für das der Ausdruck gebracht, daß eine Abgeltung des Schmerzen-
Zweitbeklagte als Kraftfahrzeughalter haftet, am 28. Sept. geldanspruches in Form einer Rente vermieden werden
1965 schwer verletzt wurde. soll. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß das ·Schmer-
Das Erstgericht sprach der Klägerin unter anderem eine zengeld vorerst nur für einen bestimmten Zeitabschnitt
ab Schluß der Verhandlung zu entrichtende abstrakte Rente zuerkannt wird. Dies ist aber nur für den Fall zu-
von S 530.- monatlich zu. lässig, als die Auswirkung der Verletzung hinsichtlich
Das Berufungsgericht setzte diesen Setrng auf S 300.- der Schmerzen für die Zukunft nicht oder nicht im
monatlich herab. Die Beklagten als Revisionswerber be- vollen Umfang abgeschätzt werden kann. In . allen
schweren sich lediglich über den Zuspruch der Rente auf anderen· Fällen ist das Schmerzengeld mit einem Glo-
unbestimmte Zeit. Aus dem Revisionsgrund der unrichtigen balbetrag zu bemessen (ZVR. 1962 Nr. 256, SZ. XXXIII
rechtlichen Beurteilung beantragen sie die Abänderung des 115, ZVR. 1966 Nr. 7 u. a.).
Berufungsurteils in diesem Belang durch Begrenzung der
Verpflichtung zur Rentenzahlung bis 18. Juli 1980.
Der OGH. gab der Revision keine Folge. 147. - § 1325 ABGB.
Für Schmerzengeld gebühren Zinsen nicht ab dem Unfallstag,
Aus den Entscheidungsgründen: Gegen die Ansicht sondern erst ab dem Zeitpunkt des - wenn auch außer-
des Berufungsgerichtes, eine Begrenzung der Rente bis gerichtlichen Begehrens.
zum Zeitpunkt, in dem die Klägerin ihre Berufstätig- OGH., 25. 6. 19'6'8, 2 Ob 181/68.
keit aufgebe und in Pension gehe, habe mangels dies-
bez·üglicher Einwendungen der Beklagten nicht vor- Der Unfall ereignete sich am 7. Mai 1966, die
genommen werden können, machen diese geltend, sie Klage, mit der lediglich Schmerzengeld in Höhe· von
hätten bereits in der Klagebeantwortung das Renten- S 25.000.- begehrt wurde, langte am 10. Juni 1966
begehren der Klägerin nach Grund und Höhe bestritten bei Gericht ein. In dieser und auch in der Folge
und die Abweisung des gesamten Rentenbegehrens be- begehrte der Kläger Zinsen ab Unfallstag. Das Erst-
antragt. Dieser Abweisungsantrag umfasse auch den gericht sprach ihm Zinsen aus dem gesamten zuer-
Antrag auf Abweisung des über einen bestimmten kannten Betrag, der sich aus Schmerzengeld, Heilungs-
Zeitpunkt hinausgehenden Rentenbegehrens. Die am kosten, Verdienstentgang und Sachschaden zusammen-
18. Juli 1925 geborene Klägerin werde am 18. Juli setzt, ab 10. Juni 1966 zu, das _Berufungsgericht betrag-
1980 das Pensionsalter erreichen und nur bis dahin lich und zeitlich gestaffelte Zinsen. Die Revision hält
hätte die abstrakte Rente zuerkannt werden dürfen. daran fest, daß dem Kläger Zinsen gemäß dem Klage-
Dieses Vorbringen ist nicht stichhältig. begehren gebühren. Hierin kann ihr nicht gefolgt
Der von den Beklagten in der Klagebeantwortung werden.
gestellte, sämtliche einzelnen Klagsansprüche umfas- Was das zunächst allein eingeklagte Schmerzengeld
sende Antrag, die Klage abzuweisen, vermochte einen betrifft, so gebührt dieses nach § 1325 ABGB. dem
Antrag bzw. eine Einwendung in der Richtung, daß die Verletzten (arg.: „auf Verlangen") erst vom LiCILL>u.La'-L
begehrte Rente zeitlich zu begrenzen sei, nicht zu er- des Begehrens an und nur soweit es begehrt
setzen. Dasselbe gilt für die Bestreitung des Grundes (J a r o s c h - M ü 11 e r - P i g 1e r, Das Schmerzengeld2
und der Höhe des Rentenbegehrens. Die Beklagten S. 74). Vom Zeitpunkt des - wenn auch außergericht-
haben diesfalls die Notwendigkeit eines konkreten lichen - Begehrens an gebühren auch Verzugs- bzw.
Tatsachen- und Beweisvorbringens durchaus richtig o
Prozeßzinsen (Ja r s c h - M ü 11 er - Pi g 1 e a. a. 0.
erkannt, wie ihre Ausführungen in der Klagebeant- S. 76; ZVR. 1960 Spruchbeilage Nr. 238; 1 Ob
wortung beweisen. In gleicher Weise hätten sie aber 2 Ob 15/68). Im vorliiegenden Fall erweiterte

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