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www.westendverlag.de Inhalt

Die Jahrbücher der NachDenkSeiten sind bislang im Verlag Helmut Schmidt


Medien erschienen. Wie danken Helmut G. Schmidt außerordentlich für die
Zusammenarbeit.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deut- Warum die NachDenkSeiten wichtig sind 7
schen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http ://dnb.d-nb.de abrufbar.
Nach der Krise ist vor der Krise
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Warum sich in der Politik nichts ändert und warum
Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbeson- wir weiter gegen den Mainstream anschreiben 11
dere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Ein-
speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
1 Alles neu, alles schlimmer :
Schwarz-Gelb im Bund 27
2 Die wahren Herren : Die Finanzwirtschaft regiert 46
3 Wirtschaftspolitische Unvernunft :
Mayday, ist ein Ökonom an Bord ? 77
ISBN 978-3-938060-56-8 4 Unfähige Kontrolleure : Der Mainstream der Medien 127
© Westend Verlag Frankfurt/Main
in der Piper Verlag GmbH, München 2010 5 Das Milliardenspiel :
Lektorat: Brigitte Baetz
Satz : Fotosatz Amann, Aichstetten
Wie mit der Altersvorsorge betrogen wird 155
Druck und Bindung : CPI – Clausen & Bosse, Leck
6 Ungedeckter Scheck auf die Zukunft :
Printed in Germany
Die Katastrophe Bildungspolitik 171
7 Der wahre Verlierer der Krise :
Der Sozialstaat wird ausgehöhlt 189
4. Lauf – reinhold musch
Nutzerinnen und Nutzern sind überdurchschnittlich viele mit
hohem politischem Interesse, Künstlerinnen und Künstler, Betriebs- Nach der Krise ist vor der Krise :
räte und Freiberufler, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende, Ge-
werkschafter, Kirchenleute und vor allem auch viele Journalistin-
Warum sich in der Politik nichts
nen und Journalisten. Die NachDenkSeiten gelten als einer der ändert und warum wir weiter gegen
größten politischen Blogs in Deutschland. Das ist bemerkenswert den Mainstream anschreiben
und bei einem nichtkommerziellen, ehrenamtlilchen Projekt wirk-
lich bewundernswert.

Es ist beeindruckend, dass sich um die NachDenkSeiten und -Jahr-


bücher ein Netzwerk der Gegenöffentlichkeit gebildet hat. Viele
Nutzerinnen und Nutzer liefern täglich Argumente und Doku- Die Finanzkrise hat die tiefste Rezession der Weltwirtschaft seit
mente. In über hundert Gesprächskreisen treffen sich Menschen dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. In Deutschland schrumpfte die
zum Gespräch und zum Gedankenaustausch über drängende Fra- Wirtschaftsleistung um fünf Prozent. Das reale Wirtschaftswachs-
gen unserer Zeit. Für mich ist es – wie für viele andere – zur täg- tum in den Industrieländern ging nach Schätzungen des Internati-
lichen Routine geworden, nach der Lektüre der Tageszeitung einen onalen Währungsfonds ( IWF ) um über drei Prozent zurück. Auch
Blick in die NachDenkSeiten zu werfen. die langfristigen Wachstumsaussichten sind getrübt. Wir stehen
eher vor einer Deflation als vor einer Inflation.
Die Autoren sind vor drei Jahren dem Wunsch vieler Leserinnen Den öffentlichen Haushalten hat die Krise einen schweren Schlag
und Leser nachgekommen, nicht nur im Netz zu veröffentlichen. versetzt. Die Haushaltsdefizite dürften sich lange halten und die
Sie wollen mit einer thematisch geordneten Zusammenstellung Schuldenstände weiter ansteigen. Nach Schätzungen des IWF
einschlägiger Texte in einem Buch Menschen eine Informations- wird die Brutto-Staatsverschuldung der G20-Länder vermutlich
quelle bieten, die keinen Internetzugang haben; sie kommen damit von 78 Prozent des BIP auf 118 Prozent im Jahre 2014 zunehmen.
zugleich dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nach, die gerne Selbst die Deutsche Bank muss eingestehen, dass die Finanzkrise
wichtige Fakten und Argumente schwarz auf weiß, also gedruckt, » der wichtigste einzelne Grund für den massiven Anstieg der öffent-
haben wollen. lichen Defizite und Schuldenstände « ist.
Die Staaten haben für die Rettung der Banken Milliardenbe-
Jetzt haben sich die Autoren entschlossen, das Kritische Jahrbuch träge in bis dato unvorstellbarer Höhe zur Verfügung gestellt. Vom
nicht nur über die NachDenkSeiten anzubieten, sondern auch über Herbst 2008 bis zum Frühjahr 2009 wurden dem Finanzsektor Bil-
den Buchhandel. Diesem Vorstoß wünsche ich großen Erfolg. Und lionen US-Dollar für Garantien und Kapitalhilfen gegeben, um die
den Lesern einen Erkenntnisgewinn, der bereichert und obendrein Panik an den Finanzmärkten einzudämmen. Die zugesagten Mit-
Spaß macht. tel erreichten in den Industrieländern 20 bis 30 Prozent des Brut-
toinlandsproduktes, in Großbritannien sogar das Doppelte. Die
4. Lauf – reinhold musch

Bundesregierung spannte in einer Nacht- und Nebelaktion einen

10 Warum die NachDenkSeiten wichtig sind Warum sich in der Politik nichts ändert 11
Bankenrettungsschirm. Der Staat garantierte damit 400 Milliar- Die Finanzwirtschaft wurde massiv gefördert, sie wurde zu ei-
den Euro für sogenannte Refinanzierungsinstrumente. 80 Milliar- nem der bedeutendsten Bereiche der deutschen Volkswirtschaft
den Euro wurden für die Rekapitalisierung und für Risikoüber- erklärt. Zahllose Gesetze und Maßnahmen zur Förderung der Kre-
nahmen bereitgestellt, die durch den Erwerb von problematischen ditwirtschaft und zur Deregulierung der Finanzmärkte wurden er-
Forderungen von Finanzunternehmen nötig wurden. Schließlich lassen. 2005 erklärte das Bundesministerium der Finanzen voller
errichtete man noch einen » Deutschlandfonds « mit einem Volu- Stolz :
men von 100 Milliarden Euro, der Unternehmen helfen soll, die » Das Ziel fest im Blick : Konsequente Schritte in eine erfolgrei-
von der Wirtschaftskrise betroffen sind. che Zukunft für den Finanzmarkt Deutschland in Europa
Die 30 Milliarden Euro für das Konjunkturpaket I und weitere Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren wichtige Stufen
50 Milliarden Euro für ein Konjunkturpaket II sind dagegen gera- erklommen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Finanzplatz
dezu » kleine Fische « – zumal in die sogenannten Konjunkturpa- Deutschland in Europa und der Welt. Entschlossene Reformen und
kete Ausgaben hineingerechnet sind, die mit Konjunkturpolitik Veränderungen waren notwendig – für die Finanzwirtschaft und für
nichts zu tun haben. Bis Ende 2009 sind zur Stützung der Finanzin- die Bürgerinnen und Bürger
stitute 98 Milliarden Euro an Kosten angefallen, wie die Financial ❱ Das Investmentsparen durch die Bundesbürger soll langfristig und
Times Deutschland am 19. April 2010 berichtete. Zur gleichen Zeit nachhaltig gesteigert werden : Teilhabe aller am wirtschaftlichen
erklärte die Bundesbank, dass in den Jahren 2008 und 2009 über Erfolg ist das Ziel.
die Hälfte der Bruttoneuverschuldung auf Rettungsmaßnahmen ❱ Infolge der demographischen Entwicklung muss die umlagefinan-
zugunsten von Finanzinstituten im Zusammenhang mit der Finanz- zierte erste Säule der Altersversorgung gesichert werden – deshalb
krise entfielen. geht es um die Stärkung der privaten kapitalgedeckten Altersvor-
Wir erleben die heftigste Krise seit der Weltwirtschaftskrise der sorge.
zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Noch ❱ Die gewaltigen Potenziale des deutschen Finanzmarktes müssen
nie hat es nach dem Zweiten Weltkrieg derart heftige Verwerfun- als Motor für Wachstum und Beschäftigung der Volkswirtschaft
gen gegeben. Sie sind letztlich das bittere Resultat von über drei- vollständig ausgeschöpft werden. 
ßig Jahren neoliberaler Wirtschaftspolitik. Spätestens seit dem ❱ Der Finanzdienstleistungssektor trägt mit einer Bruttowertschöp-
Scheidungsbrief an die sozialliberale Koalition, dem sogenannten fung von rund 86 Milliarden Euro mit etwa 4,6 Prozent zum deut-
Lambsdorff-Papier, haben » Reaganomics « und » Thatcherismus « schen BIP bei.
auch in Deutschland ihren Siegeszug angetreten. Das Rezept ist ❱ Darüber hinaus ist die Finanzdienstleistungsbranche mit rund
schlicht : Der Markt kann alles besser als der Staat. Die Zutaten sind : 1,4  Millionen Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber hoch
Deregulierung und Privatisierung auf allen Feldern, Zurückdrän- qualifizierter und gut ausgebildeter Leute.
gung des Staates durch einen Steuersenkungswettlauf zwischen ❱ Die Kreditwirtschaft ist einer der bedeutendsten Bereiche der deut-
den Ländern, Kostensenkung durch Lohndumping, wirtschaftspoli- schen Volkswirtschaft.
tische Fixierung auf die Angebotsseite, also die Erleichterung der ❱ Deutschland ist – gemessen an den Prämieneinnahmen – der viert-
Investitionsbedingungen und Vernachlässigung, ja sogar das Igno- größte Versicherungsmarkt der Welt und Weltmarktführer im
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rieren, der Binnennachfrage. Rückversicherungsmarkt.

12 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 13
❱ Deutschland ist Sitz der größten Terminbörse der Welt ( Eurex ). ❱ Siebtes Gesetz zur Änderung des Versicherungsaufsichts-
❱ Der Bondmarkt des Finanzstandorts Deutschland ist mit Abstand gesetzes
der größte in Europa. « Mit dem vom Bundesrat am 8. Juli 2005 verabschiedeten Gesetz
wurde die Pensionsfondsrichtlinie ( 2003/41/EG ) der EU in na-
Und so hießen dann unten anderem die Gesetze im Rahmen des tionales Recht umgesetzt und die Versicherungswirtschaft und
» Finanzmarktförderplans 2006 « : die Altersversorgung gestärkt : Die kapitalgedeckten Systeme be-
❱ » Investmentmodernisierungsgesetz trieblicher Altersversorgung können nun am freien Kapital- und
Durch das am 1. Januar 2004 in Kraft getretene Investmentmo- Dienstleistungsverkehr teilhaben. Der europäische Binnenmarkt
dernisierungsgesetz wurden neue EU-Vorschriften für Investment- für Finanzdienstleistungen wird damit im Bereich der betriebli-
fonds in nationales Recht umgesetzt und das deutsche Investment- chen Altersversorgung erweitert, sicherer und lukrativer. Die Bun-
recht grundlegend modernisiert. Das Investmentgesetz war die desregierung setzt konsequent ihre Bemühungen fort, das Drei-
Grundlage für die Einführung von Hedgefonds in Deutschland und Säulen-Modell der Altersvorsorge ( gesetzliche Rente, betriebliche
eröffnete damit den direkten Zugang für deutsche Anleger zu die- Altersvorsorge, private Vorsorge ) als zukunftsweisendes System
sem innovativen Produkt. Grundlage des Vorhabens war ein libe- der Alterssicherung insgesamt weiter zu stärken. Im Vordergrund
raler Ansatz, der zugleich einen umfassenden und effektiven An- stand auch und besonders der Schutz der Versorgungs- und Leis-
legerschutz für die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet. tungsberechtigten. Nationales Sozial-, Arbeits- und Steuerrecht
❱ Finanzkonglomerate wird von der Richtlinie nicht berührt.
Zu Beginn 2005 ist das Gesetz zur Umsetzung der Finanzkonglo- ❱ Gesetz zur Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes
meraterichtlinie in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz wurden die ( 2004 )
EU-Standards für die Beaufsichtigung komplexer Finanzgruppen Mit diesem Gesetz wurde durch die Bundesregierung die interna-
aus Banken, Wertpapierfirmen und Versicherungen in das deut- tionale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Versicherungswirt-
sche Finanzaufsichtsrecht umgesetzt. Damit wurden bislang noch schaft und der Schutz der Versicherten entscheidend und nach-
bestehende Aufsichtslücken geschlossen, die Aufsichtsbefugnisse haltig verbessert : Wichtigste Punkte sind die verstärkte Aufsicht
insgesamt verbessert. über Rückversicherungsunternehmen sowie die Neuregelungen
❱ Verbriefungsmarkt /Asset Backed Securities für Sicherungsfonds für die Lebensversicherung und die Kran-
Die Bundesregierung hat es Kreditinstituten erleichtert, Kreditfor- kenversicherung im Falle eines Unternehmenszusammenbruchs
derungen zu verbriefen : Es wurden Verbriefungszweckgesellschaf- ( künftiger Sicherungsfonds der Protektor AG und Medicator AG ).
ten, die von Kreditinstituten Kreditforderungen übernehmen und ❱ Europäische Einbindung/Aktionsplan Finanzdienstleistun-
verbriefen, gewerbesteuerrechtlich hinsichtlich der Behandlung gen
von Dauerschulden den Banken gleichgestellt. Die entsprechenden Zwischen dem Finanzmarktförderplan der Bundesregierung und
gesetzlichen Regelungen sind mit dem Gesetz zur Förderung von der Schaffung eines einheitlichen europäischen Finanzmarktes
Kleinunternehmern und zur Verbesserung der Unternehmensfi- durch den EU-Aktionsplan Finanzdienstleistungen bestehen zahl-
nanzierung im August 2003 rückwirkend zum 1. Januar 2003 in reiche Verknüpfungen. Dies ist wenig erstaunlich, wenn man sich
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Kraft getreten. vergegenwärtigt, dass mehr als 80 Prozent der Kapitalmarktvor-

14 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 15
schriften ihren Ursprung in Entscheidungen des europäischen Ge- ten wir genauso politisch resignieren, wie das offenbar ein Drittel
setzgebers haben. « der Wahlbevölkerung, das gar nicht mehr zur Wahl ging, getan
hatte ? Sollten wir uns eingestehen, dass wir der geballten Macht
Mit der Zerstörung der gesetzlichen Rente und der Einführung der der Meinungsmache, den Interessen der Finanzindustrie und der
» Riester-Rente «, mit der sogenannten Öffentlich-Privaten-Part- Großwirtschaft, diesen finanzstarken Besitzstandswahrern, mit
nerschaft ( ÖPP oder PPP ) und der Privatisierung von Leistungen unseren Argumenten und Fakten nichts entgegensetzen können ?
der Daseinsvorsorge wurden der Finanzwirtschaft Geschäftsfel- Wir haben uns für das Standhalten entschieden. Das vorlie-
der für den Umsatz von riesigen Milliardensummen zugeschanzt. gende Buch ist ein Beweis dafür. Wir sehen in dem Wahlergebnis,
Und schließlich wurde mit den sogenannten Arbeitsmarktre- dass unsere Demokratie in Not ist. Viele Umfragen, unter anderem
formen eine Lohnsenkungsspirale von bislang unvorstellbarer Ab- das Eurobarometer der EU, zeigen ein erschreckendes Ergebnis :
wärtsdynamik in Gang gesetzt : mit Ein-Euro-Jobs, Niedriglöhnen, Ungefähr die Hälfte der Deutschen ist mit der Art und Weise,
Leih- und Teilzeitarbeit und vor allem einer seit den neunziger wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, weniger oder
Jahren real stagnierenden Lohnentwicklung. Die Lohnquote, das gar nicht zufrieden.
heißt der Anteil der Löhne am Volkseinkommen, liegt heute mit Wohlgemerkt, die Menschen sind mit dem » Funktionieren « der
66 Prozent auf einem historischen Tiefstand – neun Prozentpunkte Demokratie unzufrieden, die Zustimmung zu unserem Grundge-
unter dem Spitzenniveau von 1974. Die Einkommen aus Gewin- setz hat eher zugenommen.
nen und Vermögen haben dagegen um 36 Prozent zugenommen. 73 Prozent der Arbeitslosen, 63 Prozent der Hartz-IV-Haus-
Die großen Versprechen, die mit dieser Rezeptur verbunden halte, 61 Prozent der Ostdeutschen, 60 Prozent der Haushalte mit
waren, haben sich nahezu alle als leer erwiesen. Doch statt die einem Nettoeinkommen von unter 700 Euro beurteilen die demo-
Therapie zu ändern, wurde nur die Dosis der immergleichen Re- kratische Praxis in Deutschland kritisch. Das zeigt die Polis/Sinus-
zepte erhöht. Die Finanzkrise ist nur der dramatischste Beweis Studie von 2008.
für das Scheitern dieser Politik. Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Menschen in
Angesichts der katastrophalen Auswirkungen hätte man erwar- Deutschland sagen, dass es in Deutschland ungerecht zugehe,
ten dürfen, dass die Menschen aus Erfahrung klug werden und die dass die » Reformen « nicht erfolgreich seien, dass die Hartz-Refor-
für diesen Kurs politisch Verantwortlichen bei den Wahlen abstra- men alles in allem nicht gut seien. Nahezu vier von fünf Deutschen
fen. Das Gegenteil ist eingetreten : Bei den letzten Bundestagswah- sagen, dass wir einen gesetzlichen Mindestlohn brauchten, und
len erhielt die marktradikalste Partei, die FDP, den höchsten Stim- genauso viele halten die Rente mit 67 oder die Privatisierung der
mengewinn und konnte zusammen mit CDU/CSU eine schwarz- Bahn für falsch. Bis hin zum Afghanistankrieg ließen sich noch
gelbe Koalition bilden. Merkel hat den Regierungswechsel aus ei- viele Beispiele anführen, wo eine große Mehrheit in der Bevölke-
ner großen Koalition geschafft, weil die Verluste der SPD durch die rung die politischen Entscheidungen der Regierenden ablehnt.
Gewinne von Grünen und der Linken nicht ausgeglichen werden Meinungen und Wünsche der Mehrheit spielen am Kabinettstisch
konnten. und im Parlament offenbar nur eine geringe Rolle. Der Einfluss je-
Am Abend der Bundestagswahl standen wir von den Nach- ner, die über viel Geld, publizistische Macht und Beziehungen ver-
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DenkSeiten vor der Alternative : flüchten oder standhalten ? Soll- fügen, ist dagegen unübersehbar groß.

16 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 17
Der Wille des Volkes und Sacherwägungen spielen keine Rolle, Wenn man solche Gedanken und Vermutungen äußert, dann ist
wenn Interessen ins Spiel kommen. Die politischen Entscheidun- in der Regel der Vorwurf fällig, ein Verschwörungstheoretiker zu
gen geraten mehr und mehr in den Einflussbereich spezieller Inte- sein. Dieser Vorwurf ist angesichts der Tatsachen ziemlich selt-
ressen und von Interessengeflechten. Der Einfluss auf politische sam. Es gab zu viele Fälle zum Beispiel der politischen Korruption,
Entscheidungen läuft auf verschiedenen Wegen, zum Beispiel mit die man nicht für möglich gehalten hat. Man nehme etwa die vie-
Hilfe len Politiker, die nach dem Ausscheiden aus dem Amt für private
1. von Lobbyarbeit, Interessen auf dem Feld ihrer vorherigen Tätigkeit arbeiteten und
2. der direkten Platzierung von gewogenen Personen in politi- arbeiten. Man nehme etwa die Beratungsverträge von Kohl und
schen Ämtern, einer Reihe seiner politischen Freunde mit dem Medienmogul
3. der politischen Korruption durch private Vergünstigungen, Leo Kirch – sozusagen als Dank für die Kommerzialisierung des
4. von Propaganda. Fernsehens ; man nehme Rürup als ehemaligen Vorsitzenden des
Sachverständigenrates oder den » Finanzwissenschaftler « Raffel-
Der Einfluss von außenstehenden Interessen und Personen ist hüschen, die beide für Finanzdienstleister und Versicherungen
um vieles höher und vielfältiger, als wir uns das vorstellen. tätig sind. Viele Beispiele mehr finden Sie in diesem Buch.
Wenn man die Gefahren für die Existenz einigermaßen demo-
Wer Geld und publizistische Macht hat, versucht das Wahlverhal- kratischer Entscheidungsfindung realistisch einschätzen will, dann
ten zu beeinflussen. Das erlebten wir bei den vergangenen Wahlen muss man die finanziellen Möglichkeiten der potenziellen Steuer-
wieder einmal, und zwar von der Bild-Zeitung bis hin zum ZDF. leute unseres politischen Geschehens und ihre gewachsenen Be-
Wer die beschriebene Macht hat, beeinflusst aber auch die in- einflussungspotenziale mithilfe der PR-Wirtschaft betrachten.
nere Willensbildung der Parteien. Das gilt für Entscheidungen Wenn Finanzmittel in Milliardenhöhe in den Händen von egoisti-
zum Programm, zur Strategie und auch für Entscheidungen zu schen und zynischen Personen sind, dann entsteht eine brisante
Personen. Die in der Katastrophe endende Entwicklung der SPD Mischung. Das könnte die Zukunft unserer Demokratie in Frage
und die Verschiebung bei den Grünen zugunsten ziemlich oppor- stellen.
tunistischer Realos ist nicht zu erklären, wenn man die Beeinflus-
sung dieser inneren Entwicklung durch Propaganda und vermut- Der Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung ist ein
lich auch durch Platzierung von Personen von außen außer Acht Dokument für eine an diesen Interessen ausgerichtete Politik
lässt.
Wer die Macht hat, beeinflusst sogar die Entscheidung für Koa- Dort heißt es unter der Überschrift » Mehr Netto vom Brutto « : › Wir
litionen. Das konnte man an der Saar genauso wie bei der letzten werden erstens die Motivation und Leistungsbereitschaft der Arbeit-
Bürgerschaftswahl in Hamburg sehen. Auch damals wurde im nehmer und Arbeitgeber in unserem Land schnell und deutlich stärken,
Vorfeld schon massiv Propaganda gemacht für die schwarz-grüne indem wir sofort damit beginnen, die Steuern zu senken, bürokra-
Zusammenarbeit. Diese Propaganda wird von Public-Relations- tische Hemmnisse abzubauen und mehr Anreize zu schaffen, damit
Agenturen mit vorbereitet. Sie beeinflussen Medien und einzelne sich reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeit in allen Bereichen
4. Lauf – reinhold musch

Personen wie Wissenschaftler und andere Multiplikatoren. lohnt. ‹ ( S.1 )

18 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 19
Steuern senken und bürokratische Hemmnisse abbauen, das portorientierten Firmen im internationalen Wettbewerb verbes-
sind die Tarnworte für die Zurückdrängung des Staates durch sert werden. Das aber auch nur kurzfristig, denn damit würde nur
finanzielles » Aushungern « und Deregulierung. » Anreize schaffen, eine erneute Runde im Steuersenkungswettlauf zwischen den
damit sich reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeit lohnt «, das Ländern ausgelöst.
heißt übersetzt : Senkung der gesamten unternehmerischen Lohn- Der erste Grundsatz heißt also, dass Deutschland weiter versu-
kosten und damit vor allem des Arbeitgeberanteils bei den soge- chen soll, über den Export zu Wachstum zu kommen und damit
nannten Lohnnebenkosten und Steuerentlastung für Unterneh- auf Kosten anderer zu leben. Und das in einer Zeit, wo weltweit die
men. Dies alles in der Hoffnung, dass die Unternehmer wieder Nachfrage sinkt und kaum ein Ökonom seine Hoffnung auf Wachs-
mehr investierten und dadurch Arbeitsplätze schafften. tum aus dem Export setzt.
Es geht also um die Fortsetzung des » Steuersenkungswahns « Aber die ökonomische Wirklichkeit scheint bei den Koalitions-
der Vergangenheit, wo ohne Rücksicht auf die gesamtwirtschaft- verhandlungen ohnehin ausgeblendet worden zu sein. Dort lau-
liche Situation  – geleitet vom Anreizgedanken  – die Steuersätze tete offenbar die Devise » Weiter so «, egal welche Fehler in der Ver-
für Unternehmen und vermögende Haushalte massiv gesenkt gangenheit gemacht worden sind, wir erhöhen die Dosis der alten
wurden. Dabei zeigte sich allerdings, dass durch die » Jahrhundert- Rezepte und setzen weiter auf Export : » Wir wollen eine Steuerpoli-
steuerreformen « die Investitionen weder stabiler noch dynami- tik, die für die Unternehmen in Deutschland Rahmenbedingungen
scher wurden als zuvor. Es wurden dadurch – außer in den vom schafft, die ihr auch in Zeiten der Globalisierung ihre starke Stellung
Export angestoßenen Aufschwungphasen  – auch keine zusätzli- ermöglicht. « Oder : » Steuerpolitik ist auch Standortpolitik. Aus die-
chen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze geschaffen. Alle sem Grund wollen wir das Unternehmenssteuerrecht weiter moderni-
diese » Reformen « sind verpufft, weil die Tatsache ignoriert wurde, sieren und international wettbewerbsfähig gestalten. « ( S. 5 )
dass Unternehmen in schlechten Zeiten eben nicht nur mehr An- Diese Politik des Niederkonkurrierens anderer Volkswirtschaf-
reize brauchten, sondern schlicht mehr Nachfrage nach ihren Pro- ten hat inzwischen die nächste Krise, die Euro-Krise, ausgelöst. Mit
dukten. einem 750-Milliarden-Euro-Gesamtpaket, an dem sich Deutschland
Das Ergebnis einer solchen Anreiz-Wirtschaftspolitik war im mit 148 Milliarden beteiligt, muss nun die Finanzstabilität des Euro-
Übrigen nicht etwa mehr Innovation, sondern im Gegenteil Still- Raumes gesichert werden.
stand beim Wachstum und bei den Löhnen und – wie sich gleich-
falls gezeigt hat – eine allenfalls von der Nachfrage von draußen, Eine Krise nach der anderen belegt das Scheitern dieses
also vom Export angeregte Konjunktur. Kurses
Entgegen der ständig wiederholten Behauptung der schwarz-
gelben Koalitionäre, Steuersenkungen schafften Wachstum und Doch diese Koalition verkündet nach jedem Scheitern einen » Neu-
Beschäftigung, gibt es für diese These weder theoretisch noch em- start «. Diese Koalition erinnert an den Witz von dem Irren, der mit
pirisch eindeutige Hinweise. Selbst das arbeitgebernahe Institut dem Kopf gegen die Wand rennt und sich darüber freut, wenn der
der deutschen Wirtschaft rechnet bestenfalls mit einer Selbst- Schmerz nachlässt.
finanzierung der Steuersenkungen von etwa einem Drittel. Allen- Bei der Bundespräsidentenwahl am 30. Juni 2010 waren neun
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falls kann mit Unternehmenssteuersenkungen die Position von ex- Monate, fast schon ein parlamentarisches Jahr vergangen. Nach

20 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 21
dem Eindruck mancher Beobachter war bei dieser fast gescheiter- Regieren allerdings, das steht fest, muss Merkel sofort. Gelegenheit
ten Wulff-Wahl sichtbar geworden, dass der Regierung Angela dazu gibt es genug, die Akten der aufgeschobenen Projekte stapeln
Merkel und ihrer Koalition der Start nicht richtig gelungen war. sich auf dem Schreibtisch der Kanzlerin. […] «
Typisch für diese Erklärungsmuster ist ein Beitrag bei Spiegel On- Die angebotenen Erklärungsmuster für die Schwierigkeiten von
line vom 1. Juli 2010 : Angela Merkel zur Koalition sind ungenügend. Es mangelt nicht
» Der nächste Neustart kommt bestimmt daran, dass Merkel nicht regieren will. Es mangelt nicht daran,
Wieder einmal heißt es : Alles auf null. Nach neun Monaten in der dass sie keine Führungsqualität hat. Es mangelt auch nicht daran,
Regierung will Schwarz-Gelb endlich mal loslegen mit dem Regie- dass das Mannschaftsspiel besser werden müsse oder die Koalition
ren. nach vorne geführt werden müsse. Als hätten es die Koalitionspar-
An gutem Willen herrscht kein Mangel. teien versäumt, sich mit ihren inneren Problemen zu beschäfti-
Es komme jetzt darauf an, › dass die Regierung ihre Arbeit macht ‹, gen !
sagt Kanzlerin Angela Merkel. Es mangelt vor allem an Sachverstand : Es gibt weder ein
Die Koalition müsse sich weniger mit sich selbst beschäftigen, son- überzeugendes wirtschafts- und finanzpolitisches Konzept
dern mit › der Lösung der Probleme ‹, sagt FDP-Chef Guido Wester- noch eine Alternative zur neoliberalen Doktrin vom Zurück-
welle. drängen des Staates.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe fordert : › Das Mannschafts- Fatal ist zudem, dass es keine Opposition im wirklichen Sinne
spiel muss besser werden. ‹ des Wortes gibt. Vor allem die immer noch zahlenmäßig größte
CDU-Vize Annette Schavan sagt : › Es ist jetzt Zeit für überzeugende Gegenkraft, die SPD, fällt weitgehend aus. Natürlich – die schwarz-
Politik. ‹ gelbe Koalition führt ja nur das fort, was Rot-Grün in ihrer Politik
CSU-Chef Seehofer wünscht sich, dass jetzt › Führung gezeigt ‹ schon angelegt hat. Das gilt für die Agenda 2010, für Afghanistan,
werde. für die Privatisierung der Bahn, für die Politik der einseitigen Steu-
FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagt : › Ab heute sollten wir ersenkung für Unternehmen und Besserverdienende, für die För-
in der Koalition nach vorne Politik machen. ‹ […] derung spekulativer Tätigkeit auf den Finanzmärkten, für die Ein-
Die quälende Bundespräsidentenwahl hat Merkel auf schmerz- führung der Privatvorsorge, und so weiter. Was soll die SPD zum
hafte Weise vor Augen geführt, wie es um die Gefolgschaft ihrer eige- Beispiel zur staatlichen Verpflichtung zur Privatvorsorge in der
nen Leute bestellt ist. Nicht nur der enttäuschten Koalitionäre aus Pflegeversicherung sagen, wenn Müntefering dies für die Riester-
FDP und CSU, sondern auch aus den eigenen Reihen. […] Rente mehrmals gefordert hat ?
Die Enttäuschten wieder einzusammeln, ist keine leichte Aufgabe Nirgendwo kann die SPD richtig zuschlagen. Entsprechend fal-
für eine Vorsitzende, die inzwischen fast allein an der Spitze der Par- len die Äußerungen zum Beispiel des Fraktionsvorsitzenden Stein-
tei steht. Die CDU ist eine Partei im Umbruch, die bisher so mächti- meier aus. Er sprach zu Beginn von einem » grandiosen Fehlstart «.
gen Merkel-Stellvertreter Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Chris- Union und FDP seien » auf das Regieren offenkundig schlecht vorbe-
tian Wulff geben ihre Ämter auf. Bis zum Parteitag im November reitet «, sagte er der Bild am Sonntag. » Schwarz-Gelb hat keinen
muss sie eine neue Führungsmannschaft finden, die auch ihre Geg- Kurs und keinen Plan für die Zukunft unseres Landes. Der Koalitions-
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ner befriedet. vertrag schaff t in den meisten Feldern mehr Durcheinander als Klar-

22 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 23
heit. « Das sind formale Einwände eines durch frühere Festlegun- Damit diese Verbindungen aufgedeckt werden, braucht es
gen gelähmten Oppositionsführers. weiter eine Gegenöffentlichkeit
Die fatale Kontinuität unserer Politik zeigt sich auch in den Per-
sonalentscheidungen : Jörg Asmussen beispielsweise bleibt auch Einige Leser der NachDenkSeiten haben uns darauf hingewiesen,
unter Schäuble im Amt – obwohl er formal der SPD angehört. Zur dass die Aufklärungsarbeit, die wir mit unserem Blog betreiben,
Erinnerung : Asmussen ist jener Staatssekretär und frühere Abtei- trotz der politischen » Großwetterlage « und des Mainstream in
lungsleiter im Bundesfinanzministerium, der der Finanzindustrie Politik, Medien und Wissenschaft, erfolgreicher sei als wir oft
schon auf vielfältige Weise Vorteile zu Lasten von uns Steuerzah- selbst glauben. Unter anderem schrieb ein Leser aus Siegen :
lern verschafft hat. » Eines meiner Lieblingszitate lautet : › Man kann ein solcher Verlie-
Asmussen hat auch bisher schon zur Freude der Finanzindu- rer sein, dass man nicht bemerkt, wann man gewonnen hat. ‹ › Steter
strie mit der CDU/CSU zusammenarbeitet. In seiner Zeit unter Tropfen höhlt den Stein ‹ bleibt aber auch wahr. «
Eichel wurde die Steuerbefreiung der Gewinne bei Vermögens- Ein anderer NachDenkSeiten-Leser wies auf die Kommentare
transaktionen zugunsten der sogenannten Heuschrecken be- zu einzelnen Artikeln in Zeitungen und deren Online-Auftritten
schlossen. Er hat unter Eichel und Steinbrück den Finanzplatz hin :
Deutschland durch Öffnung für spekulative Geschäfte fördern » In der aktuellen ZEIT gab es wieder mal ein unverschämtes Inter-
wollen und gefördert. Wir haben darüber in den NachDenkSeiten view, dieses Mal mit Herrn Ernst. […] Aber wenn Sie sich die Kom-
ausführlich berichtet. mentare anschauen, merken fast alle, woher der Wind pfeift, und das
Asmussen hat in Zusammenarbeit mit Merkels Vertrautem für können Sie m. E. zum allergrößten Teil sich selber und Ihren Mitstrei-
Finanzen, Weidmann, den 480-Milliarden-Euro-Rettungsschirm tern auf den NachDenkSeiten zuschreiben ! Ihr Ansatz, Strukturen
für die Banken und Versicherungen vorbereitet und sitzt in den sichtbar zu machen, ist einfach genial. [… ]
weitgehend unkontrollierten Gremien zur Verteilung unseres Gel- Ihr F.-J. K. «
des. Er ist wesentlich dafür verantwortlich, dass wir die private Die Strukturen der Meinungsmache sichtbar zu machen, das
Bank IKB mit circa acht Milliarden Euro öffentlichen Geldes geret- war in der Tat der Grundgedanke bei der Gründung der Nach-
tet haben. Er war maßgeblich beteiligt an der Rettung der Hypo DenkSeiten. Wir hätten diese Arbeit aber bisher und könnten sie
Real Estate mit bisher über 100 Milliarden Euro zugesicherten Ga- auch künftig ohne die vielen interessanten Hinweise unserer Leser-
rantien, wovon ein großer Teil an Banken, Versicherungen und innen und Leser nicht leisten. Ihnen und insbesondere den täg-
Fonds fließt, die sich bei der HRE verzockt haben. lich mitarbeitenden Helferinnen und Helfern gilt deshalb Lob und
Die Entscheidung von Frau Merkel ist in ihrem Sinne und im Anerkennung in gleicher Weise. Und auch sie sind damit die Ad-
Sinne der Finanzindustrie. Damit ist garantiert, dass nichts unter- ressaten der folgenden Mail :
nommen wird, um das Casino zu schließen. Und es ist garantiert, » Ich finde es schon erstaunlich, wie weit der Lobbyismus um sich
dass Interna unter der Decke bleiben. Daran haben sowohl Merkel greift und wie er auch noch von gewissen Parteien gefördert wird !
als auch Asmussen und die daran beteiligten SPD-Prominenten Und mit diesem Hinweis möchte ich Ihnen allen ganz herzlich für
wie Steinbrück, Steinmeier und Müntefering ein großes Interesse. Ihre Seiten danken. Ganz klasse Arbeit ! Und ich stelle fest, immer
4. Lauf – reinhold musch

mehr Menschen in meinem Bekanntenkreis kennen Ihre Seiten inzwi-

24 Nach der Krise ist vor der Krise Warum sich in der Politik nichts ändert 25
schen und lesen diese regelmäßig. Ein großes Lob, Sie leisten wertvolle
Arbeit. « 1 Alles neu, alles schlimmer :
Das Internet bietet für unsere Art von Gegenöffentlichkeit ein
gutes Feld. Doch um eine Mehrheit in Politik und Gesellschaft zu
Schwarz-Gelb im Bund
erreichen, ist unsere Arbeit noch zu schwach. Aber angesichts des
Verlustes an aufklärenden und aufklärerischen Beiträgen in der
öffentlichen Debatte und angesichts des sich verbreitenden Kam-
pagnenjournalismus ist sie weiterhin wichtig. Die NachDenkSei-
ten sind inzwischen zu einem der wichtigsten politischen Blogs
geworden. Mit über sechs Millionen Page Impressions im Monat
erreichen sie auch viele sogenannte Multiplikatoren, das heißt
Journalisten und andere meinungsbildende Kreise. Das macht Feierte der Neoliberalismus schon unter Rot-Grün fröhliche Ur-
Hoffnung. ständ, so hat er nun mit Schwarz-Gelb seine willigsten Vollstre-
cker gefunden. Das soziale Deckmäntelchen der Union, das auch
Ihr Albrecht Müller und Wolfgang Lieb hier – wie bei Rot-Grün – anfangs noch das Schlimmste zu ver-
hüten versprach, ist längst fadenscheinig geworden. Die neoli-
berale Herumwurstelei geht in die nächste Runde.

Massiver Einfluss der Lobby auf Schwarz-Gelb –


von wegen Sozialdemokratisierung
21. Januar 2010 | Rubrik : Strategien der Meinungsmache | Von Albrecht Müller

Vor der letzten Bundestagswahl war überall zu lesen, die Union und
Frau Merkel seien » sozialdemokratisiert «. Damit wurde sie wähl-
bar für Menschen, die wünschen, dass es in der Politik sozial zugeht
und für die das Allgemeinwohl im Mittelpunkt steht. Jetzt merken
auch die Vertrauensseligsten, wie verlogen diese Parole war : Ro-
land Kochs aggressive Kampagne gegen die Unterschicht und
gleichzeitig Steuersenkungen für die Klientel von Union und FDP –
das schmeckt nicht nach sozialer Demokratie. Der Online-Auftritt
der Süddeutschen Zeitung dokumentierte am 20. Januar, dass der
Koalitionsvertrag » voller Zugeständnisse an Lobbygruppen « ist : » Die
4. Lauf – reinhold musch

Steuersubvention für das Hotelgewerbe ist nur die Spitze des Eisbergs. «

Schwarz-Gelb im Bund 27