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Wilhelm-Hofmann-Gymnasium

56346 St. Goarshausen

Jahrgangsstufe 12

Ruben Brückner

Gemeindepraktika als Ersterfahrung im


kirchlichen Ehrenamt

Evaluation der Gemeindepraktika des Konfirmandenjahrgangs


2011 in der Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach

Eingereicht bei
F. Schwartz-Stubenbordt
Schuljahr 2010 / 2011

Bornich, am 2. Mai 2011


Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung..........................................................................................................3
1.1 Wahl des Themas.......................................................................................3
1.2 Erläuterung des Vorhabens........................................................................3
1.3 Zielfragestellung und Methoden.................................................................4
2. Ausgangssituation.............................................................................................4
2.1 Notwendigkeit und Anforderungen von „Freiwilligenmarketing“.................4
2.2 Gestaltung „Gemeindepraktikum light“.......................................................6
3. Befragung der Konfirmanden............................................................................6
3.1 Konzeption..................................................................................................6
3.2 Durchführung der Befragung......................................................................8
3.3 Analyse.......................................................................................................9
3.3.1 Grundgesamtheit, Werte.....................................................................9
3.3.2 Zustimmung und Ablehnung...............................................................9
3.3.3 Mögliche Zusammenhänge...............................................................12
4. Fazit, Handlungsempfehlungen......................................................................15
5. Anhang............................................................................................................17
5.1 Fragebogen..............................................................................................17
5.2 Ergebnisübersicht skalierter Fragen.........................................................22
5.3 Kategorien ehrenamtlichen Engagements...............................................22
5.4 Literaturverzeichnis..................................................................................24
5.5 Erklärung der Eigenständigkeit................................................................25

Facharbeit Ruben Brückner


Einleitung Seite 3

1. Einleitung

1.1 Wahl des Themas


Aufgrund meines eigenen Engagements im Christlichen Verein Junger Menschen
Bornich e.V., in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Kaub-Loreley e.V., bei
den First Respondern Bornich sowie meinen Aktivitäten in schulischen
Arbeitsgemeinschaften habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Werbung neuer
ehrenamtlicher Mitarbeiter sich von Situation zu Situation unterschiedlich, jedoch meist
schwierig gestaltet.

Umso wichtiger erscheint es mir, Wege zu finden, um Jugendliche für die Möglichkeiten
ehrenamtlicher Mitarbeit zu sensibilisieren und für eigenes Engagement zu motivieren.

Während eines Gespräches mit Jugendleiter Lutz Brückner-Heddrich stellte sich für
mich die Untersuchung der Konfirmandengruppe in der Kirchengemeinde
Oberdiebach-Manubach als besonders interessant dar, da diese sich unter anderem
mit Gemeindepraktika um stärkeres Engagement Jugendlicher im kirchlichen Umfeld
bemüht.

1.2 Erläuterung des Vorhabens


Im Folgenden möchte ich Gemeindepraktika als Ersterfahrung Jugendlicher im
kirchlichen Ehrenamt hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Bereitschaft der Konfirmanden,
ehrenamtlich tätig zu werden, untersuchen. Die vorliegende Facharbeit soll mit ihrer
Untersuchung als Stichprobe dienen, wie Jugendmarketing für kirchliches Engagement
– stellvertretend für alle Arten von Ehrenamt – aussehen kann. Sie untersucht die
Durchführung von Sozialpraktika in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberdiebach-
Manubach im Kirchenkreis Koblenz der Rheinischen Landeskirche. Dort gehört ein
mehrstündiges Gemeindepraktikum zum regulären Konfirmanden- beziehungsweise
Katechumenenunterricht.

Obgleich die dargestellten Ergebnisse keine Allgemeingültigkeit beanspruchen, bleiben


bei dieser Mikrountersuchung Mutmaßungen über Zusammenhänge und
Empfehlungen zur Durchführung von Ehrenamtsmarketing in der Konfirmandenarbeit
nicht aus.

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Einleitung Seite 4

1.3 Zielfragestellung und Methoden


Ausgehend von der ersten Konfirmandenstudie1, einer in den Jahren 2007 und 2008
bundesweit unter evangelischen Konfirmandengruppen flächendeckend
durchgeführten empirischen Erhebung, möchte ich induktiv die Durchführung des
„Gemeindepraktikums light“ der Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach auf ihre
Auswirkungen hin untersuchen. Dabei soll besonders untersucht werden, ob die
Jugendlichen Gefallen am Praktikum finden und ob sie als Folge dessen eher motiviert
sind, im (kirchlichen) Ehrenamt mitzuarbeiten. Als klarer Maßstab dient hier das
Ergebnis der Konfirmandenstudie:

„[Es] zeigt sich, dass die Durchführung von Praktika das Interesse an ei-
ner späteren eigenen Mitarbeit deutlich verstärkt: Unter den Konfirman-
den, die selbst kein Praktikum erlebt haben (KK262), stimmen am Ende
der Konfirmandenzeit lediglich 18% der Aussage zu »In der Konfi-Zeit
habe ich Lust bekommen, mich ehrenamtlich einzusetzen« (KK27). Unter
den Jugendlichen mit eigener Praktikumserfahrung dagegen steigt diese
Quote auf 35%, also fast auf das Doppelte.“3

In der Evangelischen Kirche in Deutschland, so die Erhebung, führen lediglich 38 %


der befragten Kirchengemeinden ein Gemeinde- oder Sozialpraktikum durch. Mit
insgesamt fünf Stunden Erfahrung im kirchlichen Ehrenamt befindet sich das
Oberdiebach-Manubachsche Modell „Gemeindepraktikum light“ im deutschlandweiten
Vergleich4 im Mittelfeld. Um die Fragestellung in ihrem Kontext betrachten zu können,
nehme ich im folgenden Kapitel die Zielvorstellungen der Arbeit in Oberdiebach-
Manubach / der Evangelischen Kirche in Deutschland auf.

2. Ausgangssituation
2.1 Notwendigkeit und Anforderungen von
„Freiwilligenmarketing“
Zur Beurteilung einer Maßnahme zur Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen ist es
notwendig, zuerst festzustellen, wieso Deutschland, im Besonderen die Evangelische

1 llg, Wolfgang; Schweitzer, Friedrich; Elsenbast, Volker (2009): Konfirmandenarbeit in


Deutschland. Empirische Einblicke - Herausforderungen - Perspektiven; mit Beiträgen aus
den Landeskirchen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
2 KK26, KK27, VQ06 sind Items der Befragung der ersten Konfirmandenstudie (siehe 1). Ein
Item repräsentiert die Beantwortung eine Frage bzw. Haltung zu einer Aussage zu einem der
Befragungszeitpunkte t_1 oder t_2.
3 Ilg et al. 2009, S. 215
4 Vgl. Ilg et. al 2009, S. 49, Item VQ06: Gemeindepraktikum (Stunden pro Konfirmand)

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Ausgangssituation Seite 5

Kirche, einen hohen Bedarf an Freiwilligenmarketing unter Jugendlichen hat und wie
dieser zustande kommt.

Der demographische Wandel wird besonders den evangelischen Kirchen in


Deutschland einen massiven Mitgliedereinbruch bereiten: So geht die Evangelische
Kirche in Deutschland davon aus, dass „die Zahl der 10- bis unter 20-Jährigen in den
westlichen Ländern bis 2020 um 16% zurückgehen [wird]. […] Der Rückgang der
Geburtenraten in Deutschland ist ungleich verteilt – mit am stärksten ausgeprägt bei
den evangelischen Bevölkerungsanteilen.“5

Wie der Freiwilligensurvey mehrmals feststellt, ist es besonders wichtig, unter


Jugendlichen für das Ehrenamt zu werben und die Teilnehmer an Jugendangeboten an
Freiwilligenarbeit zu gewöhnen, da das Einstiegsalter von freiwillig Engagierten bei
maximal 25 Jahren liegt6, für einen Großteil also im Schulalter zu verorten ist.
„Zwischen 16 und 21 Jahren hatte das freiwillige Engagement [der aktuell Engagierten
(Anm. d. Vf.)] demnach den höchsten Zulauf“ 7. So empfiehlt Sibylle Picot in einem
weiteren Band der Ergebnisse des Freiwilligensurveys, jugendliches Engagement
anzuerkennen und zu fördern, gezielt Rahmenbedingungen zu verbessern, um das
Hineinsozialisieren in das Ehrenamt zu fördern.8 Tatsächlich besteht bei einem
„erheblichen Teil“9 der Konfirmierten Interesse an einer Beteiligung an kirchlichen
Aktivitäten, durch das Fehlen passender Angebote, so eine Kirchenveröffentlichung,
scheitere dies jedoch. Die Motivation jugendlicher Mitarbeiter liegt heute weniger in
dem altruistischen „Helfen-Wollen“, vielmehr will der engagierte Jugendliche Antwort
finden auf die Frage „Bin ich hier wichtig und unverwechselbar?“10 Eine solche
Subjektorientierung bedarf der „Gelegenheiten und Unterstützungssysteme, [...]
Offenheit für Orientierungs- und Bewältigungsfragen sowie [der] Vermittlung bzw.
Eröffnung von Zugängen zu sozialen Räumen“11. Eine Bestätigung des eigenen Tuns,
das Gefühl, eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen, stiftet Selbstwert. Auf
dieses Bedürfnis Jugendlicher muss ein erfolgreiches Ehrenamtlichenmarketing
eingehen, um auf allen Ebenen Jugendliche nicht nur von der Notwendigkeit ihres Tuns
für die Gesellschaft, sondern für sie selbst zu überzeugen.

5 Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland 2010, S. 17


6 Braun und Klages 2001, S. 213
7 A. a. O., S. 212
8 Nach: Picot 2001, S. 148
9 Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland 2010, S. 16
10 A. a. O., S. 26
11 Ebd.

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Ausgangssituation Seite 6

2.2 Gestaltung „Gemeindepraktikum light“


Das in der Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach durchgeführte „Gemeinde-
praktikum light“ wird von jeder Konfirmandin und jedem Konfirmanden 12 in der
Konfirmationsvorbereitung zwei Mal durchlaufen und dauert pro Durchgang 2,5
Stunden. Mit der herzlichen Einladung zur Beteiligung von Eltern können die
Katechumenen und Konfirmanden aus vielen Möglichkeiten und Terminen auswählen.
So sind die Tätigkeiten auf die Bereiche Organisation, Bedienung und Helferarbeiten,
Basteln und Backen, Reinigen und Renovieren, Büroarbeit und Besuchsdienst verteilt,
sodass die Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten ein
möglichst passendes Angebot finden.

3. Befragung der Konfirmanden


3.1 Konzeption
Der Fragebogen, wie er den Konfirmanden vorgelegt wurde, ist im Anhang (Kapitel 5.1)
abgedruckt. Im Folgenden möchte ich offenlegen, aus welchen Gründen ich den
Fragebogen in der vorliegenden Form angelegt habe.

Die Ergebnisse sollten implizit abgefragt werden, da bei einer expliziten Nennung des
Ziels in der Frage eine Manipulation der Antwort nicht auszuschließen wäre. So
könnten Sympathien gegenüber den Verantwortlichen in Person und nicht in Funktion
dazu führen, dass die Befragten genau das ankreuzen, wovon sie denken, dass es der
Jugendleiter, der Pfarrer oder der Analyst hören will. Natürlich ist dies nicht
ausgeschlossen, eine solche Denkweise soll mit impliziten Aussagen, die es zu
bewerten gilt, eingeschränkt werden.

Die vorliegende Facharbeit orientiert sich an der Konfirmandenstudie


(„Konfirmandenarbeit in Deutschland“). Um die Ergebnisse meiner Untersuchung
möglichst mit denen der Konfirmandenstudie vergleichbar zu machen, habe ich die dort
verwendete Likert-Skala fast identisch übernommen. Hier können die Befragten
zwischen Ablehnung und Zustimmung mit sieben Abstufungen antworten. Da davon
ausgegangen wird, dass die einzelnen Abstufungen äquidistant sind (d.h. dass der
13
Abstand zwischen ihnen gleichgroß ist), wird eine Angabe von Median beziehungs-

12 Im Folgenden wird zur Vereinfachung durchgängig die männliche Form genutzt, gemeint
sind dabei immer weibliche und männliche Vertreter.
13 Median, auch Zentralwert genannt: Er gibt den Wert zwischen zwei Hälften einer
Ergebnismenge wieder. Er ist nicht so sehr gegen „Ausreißerwerte“ empfindlich wie das
arithmetische Mittel.

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Befragung der Konfirmanden Seite 7

weise Modus14 ausgelassen, da hier die Bildung eines arithmetischen Mittels


gemeinhin als zulässig angesehen wird. Die tendenzielle Zustimmung ist ohnehin
anschaulicher und damit hauptsächlich im Text verwendet. Die bei den Prozentzahlen
auf eine bzw. bei den Mittelwerten auf zwei Nachkommastellen gerundeten Werte sind
in einer Übersicht im Anhang (5.2, Tabelle 1) aufbereitet.

Der Einfachheit halber wurde diese Skala auch bei den nicht mit der
Konfirmandenstudie vergleichbaren Fragen verwendet. Um eine möglichst äquidistante
Wahrnehmung der Antwortmöglichkeiten zu gewährleisten, wurden auf den
Fragebögen keine nummerierten Abstufungen abgedruckt; vielmehr wurden diese erst
bei der Auswertung zugewiesen. Die Ähnlichkeit des Zahlenbereiches mit dem der
Schulnoten hätte, da die Befragten mit diesem Bezugssystem täglich konfrontiert sind,
zu einer unter Umständen nicht äquidistanten Wahrnehmung beigetragen. Das
Weglassen von numerischen Antwortbezeichnungen schließt persönliche,
ziffernbezogene Präferenzen ebenfalls aus. Obwohl in Fachkreisen zum Teil
Antwortskalen bevorzugt werden, welche auch nummeriert sind 15, habe ich mich aus
oben genannten Gründen für eine rein räumliche Aufteilung entschieden, wie sie auch
in der Konfirmandenstudie zu finden ist.

Während der Konzeption habe ich die Schwierigkeiten der Auswertung von Multiple-
Choice-Fragen, die nicht skaliert sind, unterschätzt. Es wäre interessant gewesen,
einen Zusammenhang zwischen einer früheren Prägung durch ein Engagement der
Eltern und einem heutigen eigenen Engagement sowie einer Bereitschaft an
zukünftigem Engagement zu erkennen. Eine Auswertung dieser Fragen 01, 06 und 10
wurde daher aber vernachlässigt und konnte durch keine effiziente computergestützte
Möglichkeit nur oberflächlich manuell durchgeführt werden. Eine solche Auswertung
würde bei einer größeren Grundgesamtheit erst richtig Sinn machen, der hierfür zu
betreibende Aufwand wäre in diesem Falle zu hoch, da die Aussagekraft des
Ergebnisses ohnehin in Frage steht.

Die Wahl der vorgegebenen Kategorien orientiert sich an den „Bereichen


gesellschaftlichen Engagements“, wie sie in dem bundesweit durchgeführten
Freiwilligensurvey verwendet wurden. Sie sind dem Monitor Engagement 16 entnommen
und wurden von mir mit Beispielen angereichert, welche vor der Befragung der

14 Modus ist der häufigste Wert einer Wahrscheinlichkeits bzw. relativen Häufigkeitsverteilung.
15 Rohrmann 1978, 1.2, 3.1.1
16 Gensicke April 2010, S. 13, Grafik 2: Bevölkerung: Teilnehmende Aktivitäten in 14 Bereichen

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Befragung der Konfirmanden Seite 8

Informantengruppe erläutert wurden (siehe 5.2).

Um eine Verfälschung des Ergebnisses zu verhindern, werden harte Faktoren zu


Familie, Millieu, Sozialisation, Alter und Geschlecht erst am Ende abgefragt. So werden
die Befragten nicht von den wichtigen Fragen abgelenkt, indem sie zuerst „typisiert“
werden. Eine Einflussnahme der Meinungsabfrage auf die harten Faktoren ist
unwahrscheinlich.

3.2 Durchführung der Befragung


Am 28.01.2011 habe ich zusammen mit dem Jugendleiter die Konfirmandengruppe
Oberdiebach-Manubach besucht und ihnen nach einer Vorstellung mein Vorhaben
dargelegt. Die 20-köpfige Gruppe verfolgte meine Anleitung, in welcher ich unter
anderem Fachtermini klärte und die Kategorien freiwilligen Engagements vorgestellt
habe (siehe Anhang, Kapitel 5.2).

Während meines Besuches habe ich schon einen ersten Eindruck von der
Konfirmandengruppe gewonnen. Für mich stellte sich ein Bild von Konfirmandenarbeit
dar, wie ich sie in meiner eigenen Zeit als Konfirmand nicht erlebt habe. Die Gruppe
saß im offenen Stuhlkreis, Erfahrungen mit der eigenen Taufe und dem Taufspruch
wurden ausgetauscht – anstelle einer Unterrichtssituation finde ich eine lebendige
Gruppe, die zusammen singt, in welcher der Pfarrer Teil der Gruppe und nicht
übergeordnete Lehrperson ist. Mein Einblick in die Arbeit hat sich in einem Gespräch
mit dem Pfarrer Timm Harder und dem Jugendleiter Lutz Brückner-Heddrich weiter
vertieft – so konnte ich feststellen, dass Pfarrer Harder aufgrund seiner Nähe zu den
Jugendlichen eine ganz andere Atmosphäre schaffen kann, Konfirmandenarbeit heißt
in Oberdiebach-Manubach auch: Erleben, dabei voneinander lernen. Da die
Ergebnisse meiner Befragung in deutlichem Maß von den Werten der
Konfirmandenstudie abweichen, habe ich mich im Nachgang noch einmal mit der
Gestaltung der Konfirmandenarbeit in Oberdiebach-Manubach auseinandergesetzt, um
Erklärungsansätze und damit auch Handlungsempfehlungen für Oberdiebach-
Manubach und andere Gemeinden zu entwickeln (siehe Kapitel 4).

3.3 Analyse

3.3.1 Grundgesamtheit, Werte


Der Analyse des Gemeindepraktikums liegen die Ergebnisse von 20 abgegebenen
Fragebögen zu Grunde. Ein Befragter hat seinen Fragebogen leider nicht wie erwartet

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Befragung der Konfirmanden Seite 9

ausgefüllt – die Fragen 02 bis 06 wurden nicht beantwortet, auch wurden mehrere
Schularten angekreuzt. Aufgrund dieser Unstimmigkeiten wurde der Fragebogen aus
der Grundgesamtheit herausgenommen, die Berechnungen beziehen sich also jeweils
auf N = 19. Sofern nicht anders ausgewiesen, beziehen sich die Prozentangaben der
Zustimmung auf die tendenzielle Zustimmung (TZ). Sie gibt den Anteil der Befragten
an, die das Kästchen 5, 6 oder 7 angekreuzt haben, damit also die Frage positiv
beantwortet haben. Bei einer Grundgesamtheit von 19 Befragten ist die Angabe von
Prozentwerten durchaus in ihrer Aussagekraft in Frage zu stellen – um die
Konfirmandenarbeit in den Kontext der Konfirmandenstudie einzuordnen und mit dieser
zu vergleichen, ist es jedoch nötig, um einen Vergleich mit den dort ermittelten Werten
möglich zu machen. Durch die an die Konfirmandenstudie angelehnte Gestaltung der
Skalen und identische Berechnung der tendenziellen Zustimmung steht einem direkten
Vergleich der Werte somit nichts im Weg.

3.3.2 Zustimmung und Ablehnung


Wie sich in der bundesweiten Konfirmandenstudie gezeigt hat, kann ein
Gemeindepraktikum die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit von Konfirmanden
deutlich beeinflussen. Die Verdoppelung der tendenziellen Zustimmung zu der in der
Konfirmandenstudie vorgegebenen Aussage „In der Konfi-Zeit habe ich Lust
bekommen, mich ehrenamtlich einzusetzen“17 auf 35 Prozent all derer, die an einem
Gemeindepraktikum teilgenommen haben gegenüber 18 Prozent positiven Antworten
unter Befragten ohne Praktikumserfahrung, hat die Erwartungen an ein
Gemeindepraktikum in Oberdiebach-Manubach grob umsteckt.

05 Hast du während deiner Konfirmandenzeit Lust darauf bekommen, dich


freiwillig / ehrenamtlich zu engagieren? (trifft nicht zu … trifft voll zu)

Die Auswertung des Fragebogens ergibt: 53 Prozent aller Befragten haben während
ihrer Konfirmandenzeit Lust darauf bekommen, sich ehrenamtlich einzubringen.
Während die Ergebnisse der männlichen und weiblichen Befragten kaum vom
Mittelwert abweichen, so zeigt sich bei der Betrachtung der unterschiedlichen
Schularten, dass Realschüler mit nur 40 Prozent Zustimmung deutlich weniger von der
Konfirmandenarbeit motiviert wurden, wohingegen Gymnasiasten mit knapp 60
Prozent deutlich über dem Gesamtwert liegen.

17 Ilg et al. 2009, S. 215

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07 Hast du während dem Sozialpraktikum Lust darauf bekommen, noch einmal


in dem kennengelernten Bereich mitzuarbeiten? (kaum … viel)

Die Ergebnisse für die speziellere Frage, ob der Befragte Lust darauf bekommen hat,
in dem kennengelernten Bereich noch einmal mitzuarbeiten, stellen sich genau
andersherum dar: Während die tendenzielle Zustimmung wieder rund 50 Prozent
beträgt, zeigt sich ein deutlicher Kontrast von Realschülern und Gymnasiasten. So
stimmen nur rund ein Drittel der Gymnasiasten, jedoch 70 Prozent der Realschüler der
Frage tendenziell zu. Praktisch veranlagte Konfirmanden scheinen durch das
Praktikum Lust auf Mitarbeit bekommen zu haben, während eher theoretisch orientierte
Konfirmanden möglicherweise durch andere Angebote der Konfirmandenarbeit für das
Ehrenamt motiviert werden. Das Angebot an Praktikumsstellen wäre für das Klientel
Gymnasiasten ebenfalls zu überprüfen; möglicherweise gibt es hier noch
theoretischere oder anders beanspruchende Partizipationswege.

3.3.2.1 Gefallen der Jugendlichen am „Gemeindepraktikum light“


04 Du hast während der Konfirmandenzeit an einem Gemeindepraktikum
teilgenommen. Hat dir das Praktikum gefallen? (gar nicht … sehr)

Ein besonders erfreuliches Ergebnis lieferte die Erhebung im Bezug auf das Gefallen
am Gemeindepraktikum. Eine tendenzielle Zustimmung zur Aussage „Mir hat das
Gemeindepraktikum gefallen“ von 74 % zeigt: Unabhängig von dem Erfolg im Bezug
auf die Motivation für eine spätere ehrenamtliche Tätigkeit hat den Jugendlichen der
Einsatz deutlich zugesagt. Obwohl die Tätigkeiten auf den ersten Blick nicht alle positiv
belegt sind, zeigt das Ergebnis der Frage, dass die Jugendlichen Spaß hatten. Dies
mag in erster Linie nicht unbedingt damit zusammenhängen, dass die Tätigkeit selbst
den Jugendlichen zugesagt hat; ebenso ist es möglich, dass die im Ehrenamt
entstandene Gemeinschaft den Teilnehmern Freude machte.

In der geschlechterdifferenzierten Betrachtung der Fragestellung lässt sich ein


deutlicher Unterschied feststellen: Während nur 57 % der männlichen Befragten
tendenziell Gefallen am Gemeindepraktikum hatten, trifft dies für 83 % der weiblichen
Befragten zu. Ursachen hierfür könnten sein:

• Unterschiedliche Wahl des Praktikumsplatzes auf Basis der unterschiedlich


ausgebildeten Interessensschwerpunkte und damit zusammenhängend auch
unterschiedliche Qualität der Erfahrung.

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• Stand der persönlichen Entwicklung: Während im Alter von 14 Jahren davon


auszugehen ist, dass Jungen und Mädchen sich gleichermaßen in der Pubertät
befinden; so habe ich doch den Eindruck gewonnen, dass Mädchen tendenziell
reifere Verhaltensweisen an den Tag legen.

3.3.2.2 Verpflichtung zum Gemeindepraktikum, Organisation


08 Findest du, dass das Gemeinde- / Sozialpraktikum weiterhin Teil der
Konfirmandenarbeit sein sollte? (auf keinen Fall … auf jeden Fall)

Mit der Frage der zukünftigen Durchführung von Praktika in der Konfirmandenarbeit
sollte ermittelt werden, ob die Jugendliche mit der Pflicht, am Praktikum teilnehmen zu
müssen, einverstanden sind und ob sie deshalb wollen, dass zukünftige Jahrgänge
ebenfalls ein solches Praktikum absolvieren sollten.

Die direkte Schlussfolgerung auf die Bewertung des Zwangs stellt sich als
problematisch dar, weil die Beantwortung der Frage von dem individuellen Beitrag im
Rahmen der Praktika abhängt und eine positive Beantwortung nicht unbedingt eine
positive Einstellung zum Zwang bedeutet – so könnte ein Jugendlicher mit dem Motiv
„das, was ich erleiden musste, das sollen auch die erleiden, die mir nachfolgen“ positiv
beantworten, obwohl er eine negative Einstellung zur Teilnahmepflicht hat.

Im Gegensatz zu einer befürchteten Ablehnung der Teilnahmepflicht gaben insgesamt


90 % der Befragten eine tendenzielle Zustimmung an, wobei bemerkenswert ist, dass
alle weiblichen Befragten tendenziell finden, dass ein Gemeindepraktikum auch
weiterhin ein Teil der Konfirmandenarbeit sein sollte, während dies bei den männlichen
Befragten immerhin 71 % sind.

Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch im Vergleich der Antworten nach besuchter
Schulform – so sind alle Gymnasiasten tendenziell mit der Durchführung eines
Praktikums einverstanden, während sich ein Fünftel der Realschüler nicht positiv
geäußert hat.

09 Wie gut fandest du die Zusammenarbeit mit dem Verantwortlichen des


Gemeindepraktikums? (schlecht … gut)

Unabhängig von der letztlichen Auswirkung der Gemeindepraktika sollte abgefragt


werden, ob die Unterstützung des Projektes durch den Verantwortlichen für die
Teilnehmer zufriedenstellend war.

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Mit 85 % tendenzieller Zustimmung kann man dem Jugendleiter eine erfolgreiche


Zusammenarbeit konstatieren – auf die Antworten 2 bis 5 verteilt sich jeweils nur ein
Befragter. Dieses durchaus gute Ergebnis könnte sowohl durch die Ablehnung der
Erstwahl als auch durch die eigene Erfahrung während dem Praktikum beeinflusst
worden sein. Ein Defizit bei einer der separat betrachteten Gruppen lässt sich nicht
feststellen; die Einzelergebnisse schwanken hier zwischen 84 % tendenzieller
Zustimmung bei den weiblichen Befragten und 90 % tendenzieller Zustimmung bei den
Realschülern.

3.3.3 Mögliche Zusammenhänge


Bei einer Grundgesamtheit von N = 19 ist es unmöglich, von aussagekräftigen Daten
zu sprechen. Während der Auswertung sind jedoch mathematische Korrelationen
aufgetreten, welche ich erläutern und ihre Plausibilität überprüfen möchte. An dieser
Stelle ist es wichtig, die Aufgabe einer Facharbeit als wissenschaftspropädeutisches
Werk zu betonen – deshalb möchte ich auch bei einer so kleinen Grundgesamtheit und
damit wie oben genannt geringer Aussagekraft nicht darauf verzichten, auf die
Korrelationswerte aufmerksam zu machen.

Die im Folgenden genannten Korrelationswerte ergeben sich aus dem Abgleich der
Einzelantworten der angegebenen Items. Der Korrelationswert k nimmt je nach Art der
Abhängigkeit (negativ, positiv) einen Wert zwischen -1 bis +1 an. Je kleiner der Betrag
des Wertes ist, desto unwahrscheinlicher ist ein Zusammenhang der verglichenen
Items.

Dass die Werte nicht völlig realitätsfern sind, zeigt der Korrelationswert von Item 11 und
02: In einem besonders religiösen Elternhaus erscheint es völlig logisch, das Kind im
Alter von 5 bis 9 Jahre zu einer christlichen Veranstaltung oder Kinder- / Jugendgruppe
zu schicken, während es im Umkehrschluss unlogisch wäre, wenn atheistisch geprägte
Eltern die eigenen Kinder zu einer solchen Veranstaltung schicken würden. Der
Korrelationswert k beträgt in diesem Fall 0.6, was in der Sozialforschung schon als
deutliches Anzeichen für einen Zusammenhang der Items angesehen wird – dass die
beiden abgefragten Sachverhalte also mit hoher Wahrscheinlichkeit kausal abhängig
sind. Im Folgenden möchte ich vier Korrelationswerte der Größe ihres Betrages nach
aufsteigend geordnet betrachten.

Die Items 05 und 11, also die Items der Religiösität des Elternhauses und der Lust, die
man durch die Konfizeit auf ehrenamtliche Mitarbeit bekommen hat, weisen einen

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einen Korrelationswert von -0,3 auf. Durch Aufwachsen in einem christlichen


Elternhaus werden Kinder oft schon früh mit den Themen soziale Gerechtigkeit und
Mitarbeit am Gemeinwohl konfrontiert – auch durch Pflichten und Sitten in einem
konservativen Elternhaus ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Mithelfens
möglicherweise eher ausgeprägt als bei antiauthoritär, liberal eingestellten Eltern.

Ganz offensichtlich ist die Korrelation der Items 04 und 09, des Gefallens am
Praktikum und der Bewertung der Zusammenarbeit mit dem Verantwortlichen des
Gemeindepraktikums. Es ergibt sich ein Korrelationswert von 0,41 – wäre ein Befragter
mit der Zusammenarbeit mit dem Verantwortlichen völlig unzufrieden, weil zum Beispiel
die Erstwahl des Praktikumsplatzes nicht berücksichtigt wurde, so spiegelt sich diese
Unzufriedenheit natürlich auch in der Gesamtbewertung des Gemeindepraktikums
wieder. Im umgekehrten Falle kann man von einem mit dem Gemeindepraktikum
zufriedenen Befragten erwarten, dass er mit der Zusammenarbeit mit dem
Verantwortlichen ebenfalls zufrieden ist – eine gegensätzliche Beantwortung wäre
unlogisch. Die Differenzierung wurde bei der Konzeption vorgenommen, um feinere
Tendenzen aufnehmen zu können – war jemand wegen der Zusammenarbeit mit dem
Organisator unzufrieden oder bezog sich diese Unzufriedenheit auf das gesamte
Programm?

Wie die eben genannte Korrelation lässt sich der mögliche Zusammenhang der Items
07 und 09, der Bereitschaft, erneut in dem kennengelernten Bereich mitzuarbeiten und
der positiven Bewertung der Zusammenarbeit mit dem Verantwortlichen des
Gemeindepraktikums mit dem „Befragten X“ erklären: War ein Befragter mit der
Auswahl der Praktikumsplätze und der letztendlich zugewiesenen Stelle zufrieden, so
ist die Bereitschaft, dort erneut mitzuarbeiten ebenfalls hoch, da die Stelle ja dem
Wunsch des Befragten entsprochen hat. Genauso wäre eine Person, die in einem
völlig anderen Bereich arbeiten musste als angegeben (ob ein solcher Fall vorlag ist
nicht bekannt) höchstwahrscheinlich nicht bereit, noch einmal frewillig dort
mitzuarbeiten. Eine Korrelation mit dem relativ hohen Wert von 0,49 weist deutlich auf
diesen Zusammenhang hin.

Einen Zusammenhang von dem Gefallen an dem Praktikum sowie der Zustimmung zur
Teilnahmeverpflichtung also der Items 04 und 08 drängt sich geradezu auf: Die Frage
nach der Weiterführung des Programms Gemeindepraktikum war darauf ausgelegt, die
Haltung der Teilnehmer zu der ihnen auferlegten Pflicht festzustellen. Hat ein Befragter
mit Freude am Gemeindepraktikum teilgenommen, so ist es wahrscheinlich, dass er

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Befragung der Konfirmanden Seite 14

dieses Erlebnis ebenfalls den Nachfolgenden Generationen wünscht. Es ist nicht


verwunderlich, dass so ein hoher Korrelationswert von 0,55 erreicht wird.

4. Fazit, Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse der Befragung stellen sich unerwartet positiv dar – dies ist wohl vor
allem der Atmosphäre und dem Gesamtkonzept der Konfirmandenarbeit zu verdanken.
Es hat sich gezeigt, dass die Konfirmanden nicht nur durch die Gemeindepraktika für
das kirchliche Ehrenamt motiviert werden, auch die Gemeinschaft während der
Konfirmandenzeit trägt hierzu bei.

Diese wird entscheidend geprägt von zwei Konfirmandenfreizeiten – so nehmen die


Konfirmanden zunächst an einer Freizeit teil, welche von der evangelischen
Jugendarbeit organisiert wird, während sie später noch einmal an einer Freizeit
teilnehmen, welche unter der Leitung des Pfarrers steht und durch Ehrenamtliche und
die Jugendarbeit unterstützt wird.

Bemerkenswert ist ebenfalls das Modell der Treffen zum früher sogenannten
„Konfirmandenunterricht“. Da aus pädagogischer Sicht zum Entwickeln gruppen-
dynamischer Prozesse eine gewisse Aufwärmphase nötig ist, hat sich die
Kirchengemeinde Oberdiebach-Manubach dazu entschlossen, die Treffen einmal im
Monat Samstags zu veranstalten, um so nicht in erster Linie Transferfahrten durch das
Einzugsgebiet der Kirchengemeinde zu vermeiden, sondern vor allem um den
Mitgliedern die Chance zu geben, sich in ein Thema intensiv einzuarbeiten und mit der
Gruppe vertraut zu werden. Auch die in der Kirchengemeinde praktizierte, konsequente
Ausbildung von Konfirmierten zu Helfern in der Konfirmandenarbeit wirkt sich
offensichtlich positiv auf die Bereitschaft der Jugendlichen zu ehrenamtlichem
Engagement aus. Die jugendlichen Helfer in der Konfirmandenarbeit sind nicht nur in
der Qualitätssicherung hilfreich da sie den direkten Vergleich zu den letzten
Jahrgängen haben, sie haben für viele der Konfirmanden eine Vorbildfunktion, sind
also direkte Beispiele für ehrenamtliches Engagement.

Mit der Bildung einer Jugendband zur Gestaltung der Jugendgottesdienste aus dem
Kreis der Konfirmanden, welche als Kooperative dreier Kirchengemeinden
durchgeführt werden, wird eine direkte Verknüpfung der Konfirmanden mit der
evangelischen Jugendarbeit erreicht.

Die Ergebnisse zeigen: Obwohl die zwei Mal 2,5 Stunden Gemeindepraktikum in ihrer

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Fazit, Handlungsempfehlungen Seite 15

Länge ausbaufähig wären18, wäre eine weitere Optimierung an dieser Stelle zunächst
nachrrangig. Vielmehr hat sich mir in meinem Kontakt mit der Konfirmanden- und
Jugendarbeit der Kirchengemeinde (beziehungsweise der Region) herausgestellt, dass
eine weitere Verknüpfung dieser Hauptelemente der Arbeit mit Jugendlichen in der
Kirche wünschenswert wäre. Diese beruhe zur Zeit mehr auf gegenseitiger Information
denn auf Kooperation, so der Jugendleiter Lutz Brückner-Heddrich.

Im Ausblick auf andere Kirchengemeinden ist die Durchführung eines


Gemeindepraktikums im Rahmen der gegenen Möglichkeiten unbedingt zu empfehlen
– eine Erwartungshaltung an Gemeindepraktika als Allheilmittel wäre jedoch völlig
irrational. Jugendliche müssen – vor allem wenn es um kirchliches Ehrenamts-
marketing geht, mit dem Umfeld vertraut gemacht werden. Am besten hilft es sich, wie
ich bereits festgestellt habe, wenn die Arbeit Spaß macht und zur Selbstfindung
beiträgt.

So gehört zu einem gelungenen Ehrenamtsmarketingkonzept nicht nur ein Gemeinde-


praktikum, sondern auch direkte Möglichkeiten, in freiwillige Tätigkeiten einzusteigen,
Ehrenamt live zu erleben und schätzen zu lernen.

5. Anhang

5.1 Fragebogen
Auf den folgenden 4 Seiten finden Sie die Originalinhalte des von mir ausgeteilten
Fragebogens. Er wurde in lediglich anderer Seitenverteilung zur Beantwortung
ausgehändigt (aus Umweltschutzgründen habe ich die Blätter doppelseitig bedruckt).

18 Vgl. Ilg et. Al 2009, S. 49, Item VQ06: Gemeindepraktikum (Stunden pro Konfirmand)

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Fragebogen zur Untersuchung von Sozial- / ͟͟͠͞
Gemeindepraktika in der Konfirmandenarbeit
Im Rahmen meiner Facharbeit möchte ich Gemeinde- / Sozialpraktika untersuchen. Das heißt, dass
ich schauen möchte, ob das, was mit den Gemeinde- / Sozialpraktikum erreicht werden soll, auch
erreicht wird. Da du bereits im Rahmen des Konfirmandenunterrichtes am Gemeindepraktikum
teilgenommen hast, möchte ich von dir einige Dinge wissen. Bitte lies dir die folgenden Fragen
sorgfältig durch und beantworte sie ehrlich. Die Daten werden absolut anonym behandelt, bitte
notiere deshalb auch nicht deinen Namen!

01 Hast du vor dem Gemeindepraktikum schon einmal freiwillig / ehrenamtlich mitgearbeitet,


wenn ja, in welchem Bereich hast du dich eingebracht?
Sport und Bewegung ⧠
Freizeit und Geselligkeit ⧠
Kultur, Kunst und Musik ⧠
Sozialer Bereich ⧠
Kindergarten und Schule ⧠
Religion und Kirche ⧠
Natur- und Umweltschutz ⧠
Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste ⧠
Gar nicht ⧠
Sonstige, und zwar: ⧠

Beantworte folgende Fragen, indem du in jede Zeile ein Kreuz setzt.


02 Hast Du im Alter von 5 bis 9
Jahren bei einer christlichen
Gruppe oder Veranstaltung
nie ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ oft
der Kirche teilgenommen?
03 Hast Du im Alter von 10
Jahren bis heute bei einer
christlichen Gruppe oder nie ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ oft
Veranstaltung der Kirche
teilgenommen?
04 Du hast während deiner
Konfirmandenzeit an einem
Gemeindepraktikum gar nicht ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ sehr
teilgenommen. Hat dir das
Praktikum gefallen?
05 Hast du während deiner
Konfirmandenzeit Lust
darauf bekommen, dich trifft nicht zu ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ trifft voll zu
freiwillig / ehrenamtlich zu
engagieren?

Fragebogen zur Facharbeit Ruben Brückner, Wilhelm-Hofmann-Gymnasium 2011


06 Hast du Lust, dich freiwillig / ehrenamtlich einzubringen, wenn ja, in welchem Bereich?
Sport und Bewegung ⧠
Freizeit und Geselligkeit ⧠
Kultur, Kunst und Musik ⧠
Sozialer Bereich ⧠
Kindergarten und Schule ⧠
Religion und Kirche ⧠
Natur- und Umweltschutz ⧠
Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste ⧠
Gar nicht ⧠
Sonstige, und zwar: ⧠

Beantworte folgende Fragen, indem du in jede Zeile ein Kreuz setzt.


07 Hast Du während dem
Sozialpraktikum Lust darauf
bekommen, noch einmal in kaum ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ viel
dem kennengelernten
Bereich mitzuarbeiten?
08 Findest du, dass das
Gemeinde- / Sozialpraktikum
auf keinen auf jeden
weiterhin Teil der
Fall ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ Fall
Konfirmandenarbeit sein
sollte?
09 Wie gut fandest du die
Zusammenarbeit mit dem
Verantwortlichen des
schlecht ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ gut
Gemeindepraktikums?

10 Sind deine Eltern freiwillig / ehrenamtlich tätig, wenn ja, in welchen Bereichen?
Sport und Bewegung ⧠
Freizeit und Geselligkeit ⧠
Kultur, Kunst und Musik ⧠
Sozialer Bereich ⧠
Kindergarten und Schule ⧠
Religion und Kirche ⧠
Berufliche Interessensvertretung ⧠
Natur- und Umweltschutz ⧠
Jugendarbeit und Erwachsenenbildung ⧠
Lokales Bürgerengagement ⧠
Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste ⧠
Politische Interessensvertretung ⧠
Gesundheit ⧠
Kriminalitätsprobleme ⧠
Gar nicht ⧠
Sonstige, und zwar: ⧠
Fragebogen zur Facharbeit Ruben Brückner, Wilhelm-Hofmann-Gymnasium 2011
Beantworte folgende Frage, indem du ein Kreuz setzt.
11 Würdest du dein Elternhaus
auf keinen auf jeden
als besonders religiös
Fall ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ ⧠ Fall
bezeichnen?

12 Wie viele Bücher habt ihr zu Hause? (Auf einen Meter Regalbrett passen ungefähr 40 Bücher.
Zähle Zeitschriften nicht mit.)
Keine ⧠
1 bis 10 ⧠
11 bis 50 ⧠
51 bis 100 ⧠
101 bis 250 ⧠
251 bis 500 ⧠
mehr als 500 Bücher ⧠

13 Welche Schulart besuchst du?


Gesamtschule ⧠
Realschule ⧠
Gymnasium ⧠
Hauptschule ⧠
Duale Oberschule ⧠
Förderschule ⧠
Sonstige, nämlich: ⧠

14 Wie viele Geschwister hast du?


0 ⧠
1 ⧠
2 ⧠
3 ⧠
4 und mehr ⧠

15 Geschlecht
männlich ⧠
weiblich ⧠

16 Wie alt bist du?

Fragebogen zur Facharbeit Ruben Brückner, Wilhelm-Hofmann-Gymnasium 2011


Vielen Dank für die gegebenen Antworten. Möchtest du noch einen Kommentar dazu
abgeben, wie dir deine Gemeinde- / Sozialpraktika und dieser Fragebogen gefallen haben?

17 Anmerkungen zum Sozialpraktikum

18 Anmerkungen zum Fragebogen

Fragebogen zur Facharbeit Ruben Brückner, Wilhelm-Hofmann-Gymnasium 2011


Anhang Seite 20

5.2 Ergebnisübersicht skalierter Fragen


Gymna- Real- Gymna- Real-
Item / Frage TZ ♂ ♀ siasten schüler M ♂ ♀ siasten schüler

Teilnahme an christl.
02 Veranstaltung 5 bis 9 J. 36,8 28,6 41,7 28,6 50,0 3,53 3 3,83 3,14 4
Teilnahme an christl.
03 Veranstaltung ab 10 J. 42,1 28,6 50,0 57,1 30,0 3,63 3,14 3,92 4,43 3,2

04 Gefallen am Praktikum 73,7 57,1 83,3 85,7 60,0 5,11 4,57 5,42 5,43 4,7
Lust, sich ehrenamtlich
05 zu engagieren 52,6 57,1 50,0 57,1 40,0 4,63 4,29 4,83 4,86 4,4
Lust auf erneute
07 Mitarbeit im 47,4 57,1 41,7 28,6 70,0 4,11 4,29 4 3,43 4,7
kennengelernten Bereich
Haltung zur
08 Teilnahmepflicht 89,5 71,4 100 100 80,0 6,58 6 6,92 7 6,2
Zusammenarbeit mit
09 Verantwortlichen 84,2 85,7 83,3 85,71 90,0 5,95 6,14 5,83 5,57 6,3

Tabelle 1: Ergebnisübersicht skalierter Fragen

60

50

40

30

20
Oberdiebach-Manubach
10
Konfirmandenstudie: Befragte mit Praktikum
0 Konfirmandenstudie: Befragte ohne Praktikum

Abbildung 1: Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement: Befragte in Prozent, die


angeben, nach der Konfirmandenzeit zu ehrenamtlichen Engagement bereit zu sein.

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Anhang Seite 21

5.3 Kategorien ehrenamtlichen Engagements


Die Wahl der vorgegebenen Kategorien orientiert sich an den „Bereichen
gesellschaftlichen Engagements“, wie sie in dem bundesweit durchgeführten
Freiwilligensurvey verwandt wurden. Sie sind dem Monitor Engagement entnommen
und wurden von mir mit Beispielen angereichert, welche vor der Befragung der
Informantengruppe erläutert wurden.

• Sport und Bewegung (z.B. Turn- oder Laufgruppe)

• Freizeit und Geselligkeit (z.B. Mehrgenerationen Kaffeetrinken, gemeinsame


Ausflüge)

• Kultur, Kunst, Musik (z.B. Blasorchester, Chor)

• Sozialer Bereich (z.B. Seelsorge)

• Kindergarten und Schule (z.B. Leitung einer Arbeitsgemeinschaft, Mithilfe im


Kindergarten)

• Religion und Kirche (z.B. Kirchenchor, Kindergottesdienst,

• Konfirmandenarbeit, Jugendgruppe)

• Berufliche Interessensvertretung (z.B. Personalrat, Gewerkschaft, )

• Natur- und Umweltschutz (z.B. Mitarbeit bei BUND / Greenpeace)

• Jugendarbeit und Erwachsenenbildung

• lokales Bürgerengagement (z.B. Bürgerinitiativen)

• Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste

• Politische Interessensvertretung (z.B. Gemeinde- oder Stadtrat)

• Gesundheit

• Kriminalitätsprobleme (z.B. Bewährungshelfer, Gefängnisseelsorge)

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Anhang Seite 22

5.4 Literaturverzeichnis
Braun, Joachim; Klages, Helmut (Hg.) (2001): Zugangswege zum freiwilligen
Engagement und Engagementpotenial in den neuen und alten Bundesländern.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2. Aufl. 3 Bände.
Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer (Freiwilliges Engagement in Deutschland.
Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und
bürgerschaftlichem Engagement., 2).
Gensicke, Thomas (2010): Monitor Engagement. Freiwilliges Engagement in
Deutschland 1999 - 2004 - 2009. Kurzbericht des 3. Freiwilligensurveys. 1. Aufl.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (2010): Kirche und Jugend.
Lebenslagen, Begegnungsfelder, Perspektiven : eine Handreichung des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 1. Aufl. Gütersloh: Gütersloher
Verlagshaus.
llg, Wolfgang; Schweitzer, Friedrich; Elsenbast, Volker (2009): Konfirmandenarbeit in
Deutschland. Empirische Einblicke - Herausforderungen - Perspektiven ; mit Beiträgen
aus den Landeskirchen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
Picot, Sibylle (Hg.) (2001): Frauen und Männer, Jugend, Senioren, Sport.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2. Aufl. 3 Bände.
Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer (Freiwilliges Engagement in Deutschland.
Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und
bürgerschaftlichem Engagement., 3).
Picot, Sibylle (2001): Jugend und freiwilliges Engagement. In: Bernhard von
Rosenbladt (Hg.): Gesamtbericht. 2. Aufl. 3 Bände. Stuttgart: Kohlhammer (Freiwilliges
Engagement in Deutschland. Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu
Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement., 1), S. 146–155.
Publikationsversand der Bundesregierung (Hg.) (2009): Zukunft gestalten – sozialen
Zusammenhalt sichern. Nachhaltige Entwicklung durch bürgerschaftliches
Engagement. -. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin
(Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland).
Rohrmann, Bernd (1978): Empirische Studien zur Entwicklung von Antwortskalen für
die sozialwissenschaftliche Forschung. In: Zeitschrift für Sozialpsychologie (9), S. 222–
245. Online verfügbar unter www.f3.htw-berlin.de/Professoren/Pruemper/pdf/
Antwortskalen.pdf, zuletzt geprüft am 30.01.2011.
von Rosenbladt, Bernhard (Hg.) (2001): Gesamtbericht. Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend. 2. Aufl. 3 Bände. Stuttgart: Kohlhammer (Freiwilliges
Engagement in Deutschland. Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu
Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement., 1).

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“


Anhang Seite 23

5.5 Erklärung der Eigenständigkeit


Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit ohne fremde Hilfe verfasst und alle
Formulierungen, die wörtlich oder dem Sinn nach aus anderen Quellen entnommen
wurden, kenntlich gemacht habe. Ich habe nur die im Literatur- / Quellenverzeichnis
vermerkten Quellen und Hilfsmittel genutzt. Sofern sich – auch zu einem späterem
Zeitpunkt – herausstellt, dass die Arbeit oder Teile davon nicht selbstständig verfasst
wurden, die Zitationshinweise fehlen oder Teile ohne Quellennachweis aus dem
Internet entnommen wurden, so wird die Arbeit auch nachträglich mit null Punkten bzw.
Note sechs gewertet.

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die vorliegende Arbeit fur schulische
Zwecke nur als zusammenhängendes Werk mit allen Angaben genutzt werden kann.

Bornich, den 02.05.2011

___________________________________
Ruben Brückner

Facharbeit Ruben Brückner: „Gemeindepraktika als Ersterfahrung im kirchlichen Ehrenamt“