Sie sind auf Seite 1von 3

Die spanische Agrar- und Ernährungswirtschaft produzierte in 2015 Lebensmittel im Wert von etwa 95 Mrd.

Euro. Dies wurde durch insgesamt mehr als 28.000 registrierte Unternehmen erwirtschaftet. Mit dieser Zahl
stellt die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Spanien einen der wichtigsten Wirtschaftszweige dar: Sie ist für
2,7 % des BIP verantwortlich und macht 22,3 % des Umsatzes von Spaniens herstellender Industrie aus (Stand
2015). Zudem ist sie mit knapp 470.000 Arbeitsplätzen ein wichtiger Arbeitgeber. Die spanische Agrar- und
Ernährungswirtschaft stellt außerdem einen großen Wachstumsmarkt dar. In 2015 wurden beispielsweise
1.612 neue Unternehmen in dem Sektor gegründet. Dies ist 10,6 % mehr als noch im Vorjahr 2014 neu
gegründet wurden. Die Tendenz soll auch weiterhin steigend sein. In der Konsequenz hat sich die Agrar- und
Ernährungswirtschaft in den letzten Jahren zum größten, wachstumsstärksten und dynamischsten
Industriesektor des Landes entwickelt.405.1Landwirtschaftliche Produkte. Spanien besitzt eine knappe Million
landwirtschaftlicher Betriebe und einen Tierbestand von 26 Mio. Schweinen, 19. Mio. Schafen und Ziegen, 6
Mio. Rindern, 40 Mio. Legehennen und 308.000 Pferden. Der wichtigste Produktionszweig besteht in der Ernte
von Obst und Gemüse, insbesondere zur Weiterverarbeitung zu Olivenöl und Wein. Umsatzstärkster Zweig im
Bereich der tierischen Erzeugung ist Schweinefleisch. Zusätzlich zu der Umsatzstärke des Sektors ist die
Landwirtschaft ein wichtiger Arbeitsplatz und gibt 4,2 % der Erwerbstätigen in Spanien eine Beschäftigung
(Stand 2014). Damit liegt Spanien zwar im EU-Durchschnitt, aber eindeutig vor westlichen Ländern wie
Deutschland, Frankreich und sogar Italien.41Aufgrund der zunehmenden Automatisierung von
landwirtschaftlichen Produktionsprozessen sowie der zunehmenden Beschäftigung von billigen
Saisonarbeitskräften aus dem Ausland war diese Zahl allerdings zuletzt leicht rückläufig.42Die Produktkategorie
Obst und Gemüse ist mit Abstand die größte und wichtigste in der spanischen Landwirtschaft. Im Jahr 2015
wurde Obst und Gemüse im Wert von 27,6 Mio. Euro produziert, was über 60 % der gesamten
landwirtschaftlichen Produktion entspricht. Spanien ist hinter Italien der zweitgrößte Produzent von Obst und
Gemüse in Europa und der sechstgrößte weltweit. Etwa ein Drittel der Produktion entfällt auf Früchte und zwei
Drittel auf Gemüse. Unter den Früchten stellen Zitrusfrüchte, vor allem Orangen und Zitronen, die größte
Gruppe. Weiterhin bedeutend ist in Spanien der Anbau von Äpfeln, Birnen, Pfirsichen, Nektarinen, Avocados,
Cherimoyas und Mandeln.43 Spanien ist mit 3,1 Mio. t produzierten Zitrusfrüchten im Jahr der größte
Hersteller in dieser Produktsparte in der EU.
Spanien produziert eine breite Palette an verschiedenen Gemüsesorten, ins Gewicht fallen hier vor allem
Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Melonen (vgl. Abbildung 13). Spanien ist nach Italien mit einem
Volumen von 4,8 Mio. t der zweitgrößte Produzent von Tomaten in der EU.44 Oliven werden vor allem
im Süden Spaniens angebaut und zum Großteil für die Produktion von Olivenöl verwendet. Spanien ist mit
1,4 Mio. t der größte Olivenölexporteuer der Welt, beinahe die Hälfte des weltweit produzierten Volumens
kommt aus Spanien.

Bei Getreide gab es in den letzten Jahren starke Schwankungen in den Produktionsmengen (vgl.
Abbildung 14). Dies war trotz einer gleich bleibenden Anbaufläche der Fall.50Insbesondere in
Zentral- und Südspanien stellen Dürreperioden die Bauern vor große Herausforderungen und sorgen für
Ernteausfälle.51 In der schwachen Erntesaison 2015/2016 musste Spanien mit 5,5 Mio. t fast die Hälfte
seines Bedarfs an Weizen durch Importe decken. Neben Weizen produziert Spanien vor allem Gerste (6,4 Mio.
t) und Mais (4,6 Mio. t).

In Spanien gibt es etwa 120 Mühlen, von denen der Großteil jeweils eine Kapazität von mehr als 2.000 t im
Jahr aufweist. Die Mehlproduktion wird von fünf Mühlengruppen dominiert, die zusammen mehr als 80
% des Marktes bedienen. Nur etwa die Hälfte des in spanischen Mühlen verarbeiteten Getreides
stammt aus heimischer Produktion. Der Rest wird vorwiegend aus Frankreich, der Ukraine, Bulgarien
und Großbritannien bezogen. 53 Die spanischen Mühlen hingegen versorgen nicht nur den heimischen
Markt, sondern produzieren auch Mehl für den Export.54

Aufgrund der Schwächen des spanischen Getreideanbaus und der starken Abhängigkeit von Importen
bemüht sich Spanien vermehrt um Alternativen zur Deckung der Versorgungslücke. So hat sich das Land in
Bezug auf die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen zu einem der liberalsten in Europa
entwickelt. 90 % der in Europa für Gentechnik verwendeten Anbaufläche für Mais befindet sich in
Spanien. Dieser wird neben importierten Sojabohnen vor allem als Tierfutter verwendet.

Die Fleischindustrie ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Spaniens. Sie erwirtschaftet mit 21 Mrd.
Euro pro Jahr 2,1 % des BIP Spaniens. Dies entspricht 13 % des in der spanischen Industrie generierten
BIP. Als solche sorgt die Fleischwirtschaft für mehr als ein Fünftel der Arbeitsplätze in der spanischen
Lebensmittelindustrie.
Aus der Tabelle 3 lässt sich ablesen, dass in Spanien insbesondere große Mengen an Schweinefleisch
produziert werden. Innerhalb Europas werden lediglich in Deutschland mehr Schweine geschlachtet.57 Das
Zentrum der Produktion liegt im Nordosten Spaniens.

Das könnte Ihnen auch gefallen