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Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Willhelm-Hofmann-Gymnasium St.Goarshausen
Jahrgangsstufe 12

Waffenexport Deutschland
Eine Analyse der rechtlichen und der realen Lage
bis zum Jahr 2009

Facharbeit im Leistungskurs Gemeinschaftskunde


mit Schwerpunkt Sozialkunde
bei Herrn Schwartz

vorgelegt von
Konstantin Weigel
im Schuljahr 2010 / 2011

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Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung 4-5
2. Juristische Lage des Exports von Kriegswaffen und Rüstungsgütern 6

2.1 Politische Grundsätze/Prinzipien 6-7


2.2 Differenzierung zwischen den Empfängernationen 8

2.2.1 NATO-Länder, EU-Mitgliedsstaaten 8


NATO-gleichgestellte Länder
2.2.2 Sonstige Länder 9

2.3. Generelle Kontrollen der BRD vor der Auslieferung von 10


Kriegswaffen und Rüstungsgütern

2.3.1 Sicherung des Endverbleibs 10


2.3.2 Der Verhaltenskodex der EU für Waffenausfuhren 10 – 11

3 Reale Lage des Exports an Kriegswaffen und Rüstungsgütern 12

3.1 Was und wie viel wurde in den letzten Jahren an 12 - 14


welche Nationen verkauft und wieviel Profit
wurde dadurch gemacht?
3.2 Welche deutschen Unternehmen produzieren diese Güter? 15 - 16

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4. Stellungnahmenen nicht im Verkauf von Waffen & 17


Waffensystemen involvierter Organisationen

4.1 Greenpeace, Jens Meyer, Greenpeace Magazin 4.08 17 – 18


4.2 Deutsche Friedensgesellschaft, 19 - 22
Jürgen Grässlin für Zivilcourage, Magazin

5. Fazit 22 – 23

6. Anhang 24

6.1 Verknüpfte Tabellen und Schaubilder 24 - 26


6.2 Literatur- und Quellenangabe 27 – 28
6.3 Selbstständigkeitserklärung 29

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1. Einführung

Dass Deutschland einer der marktführenden Nationen im Waffenexport weltweit ist, lassen die
Medien ja immer wieder aufkommen. Doch ist es, zum Beispiel, Ihnen als Leser, bewusst, wie der
Verkauf von Waren, deren einzige Zwecke es sind, Macht durch potentielle Gewalt oder direkte
Gewalt zu verüben, in der BRD abläuft? Ist ihnen bewusst was für Waffen, wie viele und vor allem
an welche Nationen die BRD sie verkauft und wie viel Eigenkapital damit erwirtschaftet wird?

Eine weitere bedeutende Frage bei diesem Thema ist die, ob es überhaupt moralisch vertretbar ist,
Waffen an Länder allgemein oder besonders an Länder mit drohendem oder bereits bestehendem
Kriegsfall zu verkaufen. Wie ist diese Frage im Gesetzbuch der BRD gelöst? Wie stehen
Organisationen dazu, die weder politisch noch wirtschaftlich involviert sind?

Das Ziel dieser Arbeit ist es, diese Fragen genauer zu betrachten und sie nach meinen
Möglichkeiten zu beantworten. Die Frage – und Problemstellung werde ich anhand der aktuellen
Situation in Libyen genauer darstellen.

Dort liefern sich Regierungstruppen erbitterte Kämpfe mit Rebellen. Viele Bürger opponieren gegen
den schon seit 40 Jahren regierenden Herrscher Muammar al-Gaddafi. Die NATO unterstützt die
Rebellen einerseits durch eine Flugverbotszone, die die Bürger Libyens vor Angriffen Gaddafis
schützen soll und auch durch Luftangriffe gegen Bodentruppen Gaddafis. Auch wurde von
Waffenunterstützung und Truppenausbildung für die Rebellen gesprochen.

Nun enthüllten Berichte, das Waffen, mit denen die Regierungstruppen gegen ihre eigene
Landsleute vorgehen, in Europa produziert wurden. Deutschland zum Beispiel verkaufte Libyen
schon seit 2004 Waffen. Allein in 2009 wurden Hubschrauber und Störsender im Wert von 53,2
Millionen Euro an Libyen verkauft.1

1 Stefan Reinecke, Wie Deutschöand Gaddafi unterstützt, 07.03.2011,


http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wie-deutschland-gaddafi-unterstuetzt/ (11.April 2011)

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Das bedeutet, dass die NATO gegen Truppen kämpft, die mit Waffen ausgerüstet sind, die diese
teilweise von Mitgliedern der NATO2 erworben hatten. Deutschland trug dazu bei, doch stand es
dabei nicht alleine.

Belgien zum Beispiel verkaufte 2008 unter anderem 400 Sturmgewehre F2000, 367
Maschinenpistolen P90, mehr als 22 000 Mörsergranaten und mehr als eine Million Gewehrkugeln
für das 32. Bataillon des libyschen Heeres. Die Lieferung hatte einen Wert von insgesamt 5,3
Millionen Euro.3

Man könnte sagen, dass dies ein klarer moralischer Widerspruch in den Grundgedanken der
Gerechtigkeit sei. Erst einer Interessengemeinschaft Waffen zu verkaufen und sie später wieder zu
zerstören, weil diese Gemeinschaft sie gegen Rebellen / Zivilisten ihrer Nation verwendet.

Es handelt sich hier um eine Doppelmoral.

Doch ohne diese Zweischneidigkeit würde es auch keinen offiziell legalen Waffenhandel geben
können, da Waffen nur für die oben genannten Gründe produziert werden. Im weiteren Verlauf
dieser Arbeit werde ich die Doppelmoral / Widersprüchlichkeit der deutschen Regierung genauer
untersuchen.

2 Alle NATO-Mitglieder: Belgien, Bulgarien, Kanada, Kroatien, Tschechische Rep., Dänemark, Estland, Frankreich, Deutschland,
Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien,
Spanien, Türkei, Großbritannien, USA
3 Dpa, Gaddafis Waffen kommen aus Europa,23.02.2011
http://www.handelsblatt.com/politik/international/gaddafis-waffen-kommen-aus-europa/3876248.html (11.April 2011)

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2. Juristische Lage des Exports von


Kriegswaffen und Rüstungsgütern

2.1 Politische Grundsätze / Prinzipien

Zu Beginn hier die in dem "Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle
Rüstungsgüter im Jahre 2007" genannte Grundsätzlichen Überlegungen, also der BRD:

"In dem Bestreben,

ihre Rüstungsexportpolitik restriktiv zu gestalten,

im Rahmen der internationalen und gesetzlichen Verpflichtungen


der Bundesrepublik Deutschland den Export von Rüstungsgütern
am Sicherheitsbedürfnis und außenpolitischen Interesse der
Bundesrepublik Deutschland zu orientieren,

durch seine Begrenzung und Kontrolle einen Beitrag zur


Sicherung des Friedens, der Gewaltprävention, der
Menschenrechte und einer nachhaltigen Entwicklung in der Welt
zu leisten,

dementsprechend auch die Beschlüsse internationaler


Institutionen zu berücksichtigen, die eine Beschränkung des
internationalen Waffenhandels unter Abrüstungsgesichtspunkten
anstreben,

darauf hinzuwirken, solchen Beschlüssen Rechtsverbindlichkeit


auf internationaler Ebene, einschließlich auf europäischer Ebene,
zu verleihen,

hat die Bundesregierung ihre Grundsätze für den Export von Kriegswaffen
und sonstigen Rüstungsgütern wie folgt neu beschlossen." 4

4 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für
konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2007 (Seite 48)

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Das Bestreben der BRD ist also, die Rüstungspolitik stark kontrolliert durchzuführen, keine
Konfliktsituationen durch sie gegen die BRD zu verursachen, es niemals zu Förderung von Krieg
oder Gewalt und somit Unterdrückung der Menschenrechte durch fahrlässiges Exportieren kommen
zu lassen, Beschlüsse internationaler Institutionen, die Waffenimport auf Grunde von Abrüstung
beschränken, zu berücksichtigen, und eine internationale Rechtsverbindlichkeit zu schaffen. Aus
diesem Bestreben leiten sich zwei für diese Arbeit relevanten Prinzipien der BRD im Waffenexport
ab:

Die Entscheidungen über den Exportantrag werden durch das Kriegswaffenkontrollgesetz 5 und das
Außenwirtschaftsgesetz6 unter Beachtung des "Verhaltenskodex der Europäischen Union für
Waffenausfuhren"7 getroffen. Als erstes Prinzip könnte man also, auch wie schon in den oben
vorhanden grundsätzlichen Überlegungen genannt, die strikte Kontrolle bezeichnen. Sie hat
absoluten Vorrang.

Als zweites Prinzip sehe ich die Entscheidung der BRD, Genehmigungen für Exporte von
Kriegswaffen grundsätzlich nicht zu erteilen, wenn Verdacht besteht, dass diese Güter zu
Menschenrechtsverletzungen benutzt werden könnten. Es wird besonders auf die
Menschenrechtssituation im Empfängerland geachtet. Es werden Feststellungen der EU, des
Europarates, der Vereinten Nationen, der OSZE8 und anderer internationaler Gremien
berücksichtigt.

5 Das KWKG regelt die Herstellung, die Überlassung, die Inverkehrbringung, den Erwerb und auch den Transport von
Kriegswaffen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist hier Genehmigungsbehörde. Um Waffen
exportieren zu dürfen benötigt man von diesem Ministerium eine Ausfuhrgenehmigung. (Wikipedia.de Enzyklopädie)
6 Das AWG regelt den Verkehr von Devisen, Waren, Dienstleistungen, Kapital und sonstigen Wirtschaftsgütern mit
dem Ausland. An sich ist das AWG durch die EU kaum noch geltend, doch im Falle des KWKG gilt ein Ausnahme-Fall.
Es geht um sogenannte "Dual-Use" – Waren. Also Waren, die zu zivilen als auch zu militärischen Zwecken benutzt
werden können. Um sie exportieren zu dürfen benötigt man eine Genehmigung des Bundesausfuhramt.
(Wikipedia.de Enzyklopädie)
7 Dieser Kodex wird in Kapitel 2.3.2 genauer auf den Seiten 10 – 11 erläutert.
8 Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa: Mitglieder: alle Staaten Europas, die Nachfolgestaaten
der Sowjetunion sowie USA und Canada (Wikipedia.de Enzyklopädie)

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2.2 Differenzierung zwischen den Empfängernationen

Dass die BRD beim Export von Kriegswaffen und Rüstungsgütern zwischen den
Empfängernationen differenziert, impliziert an sich schon eine Art Wertung. Es wird zwischen

NATO-Ländern, EU-Mitgliedsstaaten, NATO-gleichgestellten Ländern


und
sonstigen Ländern
unterschieden.

Man könnte also allgemein die beiden Kategorien in verbündet und nicht verbündet einteilen. Nun
die genaue Differenzierung.

2.2.1 NATO-Länder, EU- Mitgliedsstaaten, NATO-gleichgestellte


Länder

Bei NATO-, NATO-gleichgestellten-Ländern und EU - Mitgliedsstaaten ist der Export grundsätzlich


nicht zu beschränken. Ausnahme machen "Exporte in Länder, die in bewaffnete
Auseinandersetzungen verwickelt sind, oder in denen ein Ausbruch bewaffneter
Auseinandersetzungen droht, Exporte die weitere Waffenausfuhren oder fortdauernde
Menschenrechtsverletzungen zu Folge haben könnten und Exporte, die die auswärtige Beziehung zu
Drittländern so erheblich belasten würde, dass selbst das eigene Interesse an der Kooperation und
an der Aufrechterhaltung guter Beziehung zum Kooperationspartner zurückstehen muss".9

9 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für
konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2007 (Seite 49)

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2.2.2 Sonstige Länder

In allen oben nicht genannten Nationen wird der Kriegswaffen- und Rüstungsgüterexport "restriktiv
gehandhabt", und "darf nicht zum Aufbau zusätzlicher, exportspezifischer Kapazität führen".10Also
muss ausgeschlossen sein, dass das Empfängerland weiteren Handel oder durch erworbenes Wissen
selbst diese Form von Export durchführt. Es wird zwischen einzelnen Nationen nicht differenziert.
Speziell der Export von Kriegswaffen wird generell nicht genehmigt, es sei denn "besondere außen-
oder sicherheitspolitische Interessen der BRD sprechen für eine ausnahmsweise zu erteilende
Genehmigung."11 Der Export von Rüstungsgütern wird nur gestattet, "soweit die im Rahmen der
Vorschriften des Außenwirtschaftsrechts zu schützenden Belange der Sicherheit, des friedlichen
Zusammenlebens der Völker oder der auswärtigen Beziehungen nicht gefährdet sind."12

Ausgeschlossen sind Exportgenehmigungen, wie in den gleichen Fällen geltend für NATO-, NATO-
gleichgestellten-Ländern und EU - Mitgliedsstaaten, wenn bewaffnete interne / externe
Auseinandersetzungen, die bereits ausgebrochen sind oder drohen auszubrechen, ein Verdacht auf
Missbrauch der Güter zu Repression (Unterdrückung) nahe liegt, oder wenn Verdacht auf
fortdauernde und systematische Menschenrechtsverletzungen besteht. Auch wird das bisherige
Verhalten des Empfängerlandes gegenüber Terrorismus, internationalen Verpflichtungen, und das
bisherige Gewaltverhalten der Nation untersucht.

2.3 Generelle Kontrollen der BRD vor der Auslieferung von


Kriegswaffen und Rüstungsgütern

10 a.a.O Seite 50
11 Ebd. Seite 50
12 Ebd. Seite 50

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2.3.1 Sicherung des Endverbleibs

Eine weitere generelle Kontrolle bevor der Export von Kriegswaffen und Rüstungsgütern
genehmigt wird, ist die Sicherstellung des sogenannten Endverbleibs. Eine schriftliche Zusicherung
des Empfängerlandes ist Voraussetzung. Eine Endverbleibserklärung schließt aus, dass das
Empfängerland die gekauften Güter weitergibt oder weiterverkauft. Bei Verstoß oder Verdacht auf
Verstoß gegen diesen Vertrag wird das Empfängerland "bis zur Beseitigung dieser Umstände
grundsätzlich von einer Belieferung mit weiteren Kriegswaffen und kriegswaffennahen sonstigen
Rüstungsgütern ausgeschlossen."13

2.3.2 Der Verhaltenskodex der EU für Waffenausfuhren14

Der Verhaltenskodex der EU für Waffenausfuhren gibt Richtlinien für alle Waffenausfuhren für die
Mitglieder der EU an;

Er nennt 8 Kriterien:

1. Kriterium: Eine Ausfuhrgenehmigung soll bei Verstoß gegen die Verpflichtungen gegenüber
den anderen Mitgliedsstaaten verweigert werden.

2. Kriterium: Die Achtung der Menschenrechte im Empfängerland hat Priorität. Bei keinem
ausreichenden Urteil über die momentane Situation dort wird die Genehmigung
verweigert.

3. Kriterium: Die innere Lage des Empfängerlandes im Sinne von inneren Spannungen oder
bewaffneten Konflikten muss untersucht werden. Falls der Export von

13 Ebd. Seite 51
14 Alle Informationen aus dem Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter
im Jahre 2007 (Seite 54), undesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

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Kriegswaffen und Rüstungsgütern diesen Zustand heraufbeschwören, verlängern


oder verschärfen sollte, wird die Ausfuhrgenehmigung verweigert.

4. Kriterium: Falls eindeutig ein Risiko besteht, dass die Güter vom Empfänger zu agressiven
Zwecken gegen ein Drittland oder als Machtnutzung um bestimmte Gebiete
zu beanspruchen verwendet werden, wird die Ausfuhrgenehmigung verweigert.

5. Kriterium: Sollte durch die Ausfuhrgenehmigung die nationale Sicherheit aller


Mitgliedsstaaten und aller ihnen zugehöriger Gebiete außerhalb der
Staatsgrenze oder die nationale Sicherheit von verbündeten Nationen gefährdet
werden, wird die Ausfuhrgenehmigung verweigert.

6. Kriterium: Sollte des Verhalten des Empfängerlandes gegenüber der internationalen


Gemeinschaft nicht deren Vorstellungen entsprechen, wird eine
Ausfuhrgenehmigung verweigert.

7. Kriterium: Falls die Frage des Endverbleibs der Kriegswaffen und / oder Rüstungsgüter nicht
sicher ist, wird die Ausfuhrgenehmigung verweigert.

8. Kriterium: Bei einer Ausfuhrgenehmigung soll auf die "Vereinbarkeit der Rüstungsexporte mit
der technischen und wirtschaftlichen Kapazität des Empfängerlandes geachtet
werden."

3.Reale Lage des Exports an Kriegswaffen und

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Rüstungsgütern

3.1 Was und wie viel wurde in den letzten Jahren an welche

Nationen verkauft und wie viel Profit wurde dadurch gemacht?

Nach dem oberen juristischem Teil über den Waffenexport folgt nun die wirkliche Lage mit Zahlen
und Daten. Da die Ausfuhren von Kriegswaffen und Rüstungsgütern sehr weitreichend sind, nenne
ich nur die 20 einflussreichsten "Kunden" aus dem Jahr 200915 und verdeutliche dies noch einmal
auf einer politischen Weltkarte, auf der alle Empfängerländer und Nationen, gegen die ein
Waffenembargo verordnet wurde, von Deutschland im Jahr 2009 markiert sind.
(Siehe Anhang: M1, M2, Seiten 24-25)

An der Tabelle und der Karte ist gut zu erkennen, warum Deutschland in diesem Industriezweig
Exportmeister genannt wird. Die Lieferungen beschränken sich über die ganze Welt. Die Länder,
die keine Kriegswaffen-und Rüstungsgüter in Deutschland im Jahr 2009 importiert habe, zählen
sich schneller als die, die Güter importiert haben.

Die Kosten für die gelieferten Waffen, Kriegswaffen und Rüstungsgüter sind, wie zum Beipiel bei
der USA (Platz 1: 668,4 Millionen Euro) oder den Vereinigten Arabischen Emiraten (Platz 2:
540,7 Millionen Euro) für ein einziges Jahr gigantisch.

Alle diese Ausfuhren von Kriegswaffen und Rüstungsgütern werden in Einzel- und
Sammelgenehmigungen eingeteilt.

Die Ausfuhren der Einzelgenehmigungen ergaben im Jahr 2009 insgesamt 5.043 Millionen Euro.
Die der Sammelgenehmigungen 1.996 Millionen.

Das ergibt insgesamt einen Profit von 7039 Millionen Euro. M3 (Anhang, Seite 26) zeigt den
Vergleich zu den vorherigen dreizehn Jahren.

15 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik
für konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2009 (Seiten 21 - 29)

Seite 12
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Wie nicht schwer zu erkennen ist, variieren die Beträge der Einzel- und Sammelgenehmigungen
zwar immer, aber insgesamt ist deutlich zu sehen, dass die Zahlen der gesamten Genehmigungen
und somit auch der Gewinn in diesen dreizehn Jahren gestiegen ist. Was besonders auffällt, ist die
dritte Spalte "Drittländer". Der Betrag hat sich seit 1996 (850 Millionen Euro) auf 2009 (2492
Millionen Euro) knapp verdreifacht.

In dem weiteren, unten zu sehenden Schaubild16 werden alle sonstigen Länder (Drittländer) noch in
Entwicklungsländer und Nicht-Entwicklungsländer eingeteilt. Die vorhandenen deutschen Exporte
in diese betragen eindeutig geringere Mengen, als die zu den Industrie - und Schwellenländer. Sie
machten 2009 nur 8 Prozent aus17(2008: 5 Prozent).

Die weitere Frage, welche Art von Kriegswaffen und Rüstungsgütern Deutschland in welchen
16 Ebd. Seite 31
17 Neun Prozent von 5034 Millionen Euro machen ca. 402,7 Millionen Euro aus.

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Anteilen exportiert, ist im folgenden Schaubild gut zu erkennen.18

Die "Verkaufsschlager" der deutschen Waffen – und Rüstungsindustrie sind militärische Fahrzeuge.
Hierbei handelt es sich um Ketten – und Radfahrzeuge wie Panzer, gepanzerte Gruppentransporter,
etc. An den weiteren Stelle stehen die militärische Elektronik, wie zum Beispiel
Kommunikationsmittel oder auch Störsender, Kriegsschiffe, und Feuerleitanlagen, also große
Geschütze.

3.2 Welche deutschen Unternehmen produzieren diese Güter?19

18 Ebd. Seite 30

Die Kategorie Rest enthält: Luftfahrzeuge, großkalibrige Waffen, ballistische Schutzausbildung, Ausbildungs-,
simulationsausrüsutng, Infarot-, Wärmeausrüstung, Halbzeug zur Herstellung von bestimmten Rüstungsgütern,
verschiedene Ausrüstung, Herstellungsausrüstung zur Produktion von Rüstungsgütern
HF (Heeresflugabwehr) – Waffensystemen, militärische Softwares, Technologie
19 Alle Informationen aus Wikipedia.de Enzyklopädie

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Zu den bedeutendsten deutschen Kriegswaffen - und Rüstungsgüterkonzernen gehören


Heckler&Koch, Rheinmetall AG, Diehl Stiftung, Krauss-Maffei Wegman und
die EADS, die eine Fusion zwischen einem deutschen Unternehmen mit weiteren europäischen
Unternehmen ist.

Das bedeutendste Unternehmen für Handfeuerwaffen der deutschen Rüstungsindustrie ist die
Heckler & Koch GmbH. Sie gehört international zu den größten Produzenten von Waffen wie
Gewehren und Pistolen. Es werden um die 90 Länder von H&K beliefert. Die meisten westlichen
Länder statten ihre Polizei und Armee mit Waffen von diesem Unternehmen aus und auch in über
90 Nationen weltweit sind verschiedene Sicherheitskräfte damit ausgerüstet. Die deutsche Polizei
und die Bundeswehr sind fast ausschließlich im Bereich Handfeuerwaffen mit H&K Waffen
ausgestattet. Weiter hat H&K Lizenzen zur Herstellung von zum Beispiel dem G3 bis 1988 in 15
Staaten in Europa, Südamerika, Nah – und Fernost verkauft, was bedeutet, dass dort diese Waffen
unter dem gleichen Namen produziert werden dürfen.

Die Rheinmetall AG ist ein Unternehmen, das Verkaufsgüter zum Teil für die zivile Bevölkerung,
aber auch Rüstungsgüter herstellt. Es ist ein Automobilzulieferer und Rüstungsunternehmen. Im
Rüstungsgebiet liegt Rheinmetall unter den zehn größten europäischen Rüstungskonzernen. Die
Produktionen gehen von Autoteilen und Nitroantrieben bis zu gepanzerten Rad - und
Kettenfahrzeugen, Unterstützungs- und Minenräumsystemen, ABC-Schutzsystemen,
Turmsystemen, verschiedenster Munition, Flugabwehrsystemen, Radaren, Führungs- und
Aufklärungssystemen, Feuerleitsystemen, Drohnensystemen und verschiedenen Simulationen mit
Ausbildungen.

Die Diehl Stiftung & Co.KG ist eine deutsche Gruppe von Unternehmen. Sie besteht aus den fünf
Teilkonzernen Diehl Defence, Diehl Metall, Diehl Aerosystems, Diehl Controls und Diehl

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Metering. Es werden Lenkflugkörper (selbstständig ziel-suchende Raketen), Halbzeuge, Munition,


Luftfahrtausrüstung, elektronische Steuerungen und Messgeräte hergestellt.

Die Krauss - Maffei Wegman GmbH & Co KG produziert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge
sowie die Ausstattung von Pionieren. Sie ist in ihrem Gebiet der Rüstungsgüter europaweiter
Marktführer.

Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist der größte Luft- und Raumfahrt
sowie der zweitgrößte Rüstungskonzern Europas. Sie umfasst mehrere Teilunternehmen wie
Airbus, Airbus Military, Cassiadian, Eurocopter, Astrium und weitere.
Airbus wie Astrium befassen sich mit Luft- und Raumfahrt, Airbus Military, Cassidian und
Eurocopter stellen Rüstungsgüter her.20

Cassidian umfasst mehrere weitere Unternehmen, die Lenkflugkörper, Verteidigungs- und


Kommunikationssysteme, Verteidigungselektronik und militärische Luftfahrzeuge herstellen.
Eurocopter ist die weltweite Nummer eins in der Produktion von zivilen und militärischen
Hubschraubern. Airbus Military ist dafür zuständig, militärische Luftfahrzeuge zu produzieren.

4.Stellungnahmen nicht im Verkauf von Waffen &


20 Eurocopter stellt auch zivile Transporthubschrauber her.

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Waffensystemen involvierter Organisationen

4.1 Greenpeace, Jens Meyer, Greenpeace Magazin 4.08

Die erste Kritik, die dieser Bericht aufbringt ist, dass die Rüstungsexportberichte "im Bundestag gar
nicht debattiert werden". Dem Rüstungsbericht ist keine Bundestagsdrucksachen-Nummer gegeben,
was bedeutet, dass die Voraussetzung dafür fehlt, in die Tagesordnung des Parlaments zu kommen.
Der Bericht wird also schon vorher so gehandhabt, dass er gar nicht dafür vorgesehen ist, vor dem
Bundestag behandelt zu werden. Das lässt nur darauf schließen, dass "die Betrachtung des
Waffenhandels dem Ältestenrat des Bundestages offensichtlich nicht wichtig genug ist" Dass an
diesem Thema anscheinend solch ein Desinteresse herrscht, ist nicht verständlich, da gerade die
Rüstungsindustrie und deren außenpolitische Folgen durch Waffenausfuhren eine bedeutende Rolle
für Deutschland spielen.

Der Autor Jens Meyer ist der Meinung, dass die BRD erstens stolz auf ihre Position als
Exportweltmeister ist, "aber der Beitrag der Rüstungsindustrie gegenüber dem Staat verschwiegen
wird" Zum Beispiel stimmen die Ergebnisse des Friedensforschungsinstituts SIPRI21 nicht mit dem
Rüstungsexportbericht 2006 überein. SIPRI kam zu dem Ergebnis, dass Deutschland hinter den
USA und Russland auf Platz drei sei. Der Bericht hingegen stellte Deutschland maximal auf Platz
sechs, hinter USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China. Deutschland sei gleichauf mit
Israel hieß es.

Weiter kritisiert der Autor, dass die Sammelausfuhren politisch als unproblematisch gelten, da sie ja
in verbündete Länder geliefert würden. Und es gäbe eine Lücke in dem Kontrollsystem des Staates:
Sogenannte regierungsamtliche Kooperationsobjekte, also Handel im Rahmen der Zusammenarbeit.
Diese entziehen sich nämlich der "Aufschlüsselung". Weder die Verkaufsgüter noch der Empfänger
dieses Handels wird angegeben. Das bedeutet, dass diese Exporte für die Öffentlichkeit nicht
einsehbar sind.

21 Stockholm International Peace Research Institute

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Auch beschuldigt der Autor die Bundeskanzlerin der Heuchelei. Zwar riet sie der Regierung von
Indien, sich mehr mit der landesinternen Armut zu befassen, doch kaufte Indien im gleichen Jahr
für ca. 108 Millionen Euro in Deutschland Rüstungsgüter. Zwar sind diese Schwellenländer wie
Indien mittlerweile selbst in der Lage Kriegswaffen und Rüstungsgüter herzustellen, doch ist die
hohe Technologie der Deutschen sehr gefragt. Als Beispiel wird der Eurofighter genannt: Über 120
Modelle wurden im Geheimen verhandelt. Indien müsste für diese militärischen Kampfflugzeuge
mehrere Milliarden Euro bezahlen.

Die Entwicklung dieses Kampfflugzeuges wurde durch die vier NATO-Mächte Deutschland,
Großbritannien, Italien und Spanien finanziert. Doch war die Entwicklung bereits so teuer, dass
dieses Modell schon vor der Fertigstellung als Verkaufsgut angeboten wurde. Und die Ausfuhr von
120 dieser Flugzeuge könnte gegen einen Grundsatz der BRD im Export von Kriegswaffen und
Rüstungsgüter verstoßen, da die Konfliktsituation zwischen Indien und Pakistan zwar offiziell mit
einem Waffenstillstand gelöst ist, doch kann diese Ausfuhr eindeutig als Wettrüstaktion Indiens
gesehen werden.

Deutschland exportiert nebenbei auch Waffen und Rüstungsgüter nach Pakistan. In eine Nation die
"Terrorismus, Atomwaffen, Fundamentalismus,Korruption und Armut vereint." Pakistan kaufte für
1,3 Milliarden Euro Schützenpanzer M113, Luftaufklärungsdrohnen und U-Boote ausgestattet mit
hochtechnologischer Brennstoffzellen-Technik. Dass diese Unmenge an Geld natürlich an anderen
Stellen der Politik Pakistans fehlt, folgt daraus. Die Ausgaben für Gesundheit und Bildung betragen
gerade mal die Hälfte. Kritiker merken an, das Pakistan vier von acht Richtlinien des
Verhaltenskodex der EU für Waffenausfuhren nicht erfüllen. Doch Politiker der damaligen noch rot-
grünen Regierung (2004) sahen ihre Verkaufsgüter eher als "Stabilisierung des Landes und der
Region."

4.2 Deutsche Friedensgesellschaft,

Seite 18
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Jürgen Grässlin für Zivilcourage, Magazin

"Der brisante Rüstungsexportskandal um den Waffenlobbyisten Schreiber ist atypisch: Rund 98


Prozent aller Waffentransfers erfolgen legal." So beginnt der Bericht von Jürgen Grässlin. Seine
weitere Aussage, dass in diesem Geschäft keine moralischen Grenzen existieren, zeigt er anhand
eines neues Waffensystems, dem XM25. Hierbei handelt es sich um einen halbautomatischen
Granatwerfer mit der Fähigkeit, programmierbare Munition zu verschießen. Das heißt, dass die
Detonation schon in der Luft erfolgt, um das Ziel exakter treffen zu können. Er wurde von
Heckler&Koch in Zusammenarbeit mit Alliant Techsystems für die US-Armee entwickelt.22

Hier erwähnt der Autor, dass schon alleine die Direktexporte von Heckler & Koch aus Deutschland
und die Lizenzvergaben zum selbst produzieren bis heute bereits mehr als 1,5 Millionen
Menschenleben kosteten. Die Zahl der durch diese Gewehre und Maschinenpistolen für den Rest
ihres Lebens verstümmelten Opfer ist weitaus größer. Daraus lässt sich schließen, dass Deutschland
indirekt durch den Waffenexport an Massenmorden über die ganze Welt verteilt Beihilfe leistet.

Auch großer Kritikpunkt für den Autor Jürgen Grässlin sind die Korruptionsfälle, die nur sehr selten
aufgedeckt werden. Wie zum Beispiel, als der damalige Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger
Pfahl von dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber "Spenden" in Millionenhöhe erhielt. Die
Folge davon war, dass der zu dieser Zeit agierende Kanzler Helmut Kohl zurücktrat, ohne auch nur
einen Namen der wirklichen "Spender" dieser Beträge zu nennen. Der damalige CDU-Partei- und
Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble musste zurücktreten. Er wurde trotzdem später wieder von
der Bundesregierung zum Finanzminister gewählt. Schreiber, der sich "wegen des Vorwurfs der
Steuerhinterziehung und des Betrugs vor dem Landgericht Augsburg verantworten" muss, erwähnte,
dass neben CDU/CSU auch SPD und FDP-Politiker involviert waren. Doch nannte auch er keine
Namen.

22 Wikipedia.de Enzyklopädie

Seite 19
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Zu Recht fragt der Autor wie es sein kann, "dass namhafte Vertreter zum Beispiel der CDU/CSU,
als einer sogenannten christlichen Partei in Korruptionen bei illegalen Waffenausfuhren beteiligt
sind." Weiter fragt er, warum bis heute Helmt Kohl nicht die Namen der damaligen "Spender"
genannt hat. Wieso toleriert die aktuelle Bundeskanzlerin Merkel solche Vertuschungs - und alles
andere als den moralischen Werten unserer Demokratie entsprechenden Politik?

Es müssen Antworten mit unglaublichen Potenzial hinter diesen Fragen stehen, sonst wäre die
Vertuschung der Politiker nicht so aufwendig betrieben worden."Die Antworten bergen politischen
Sprengstoff", schreibt Jürgen Grässlin. Trotzdem ist der viel bedeutendere Fakt, dass wie oben
schon genannt, ca. 98 Prozent aller Waffentransfere legal ablaufen. Also mit offizieller
Genehmigung der Bundesregierung.

Ausfuhren von Waffenlieferungen in Nationen, die sich in Konfliktsituationen befinden, werden


von einem "Gremium" genehmigt oder verweigert, welches aus der Bundeskanzlerin Angela
Merkel(CDU) als Vorsitzende, und den acht weiteren stimmberechtigten Mitgliedern Guido
Westerwelle(FDP) als Außenminister, Thomas de Mazière(CDU) als Verteidigungsminister,
Wolfgang Schäuble(CDU) als Finanzminister, Hans-Peter Friedrich(CSU) als Innenminister, Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger(FDP) als Justizministerin, Rainer Brüderle(FDP) als Bundesminister
für Wirtschaft und Technologie, Dirk Niebel(FDP) als Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung und Ronald Pofalla(CDU) als Chef des Bundeskanzleramts
besteht. Bei Bedarf können weitere Bundesminister und / oder der Generalinspekteur der
Bundeswehr als Berater eingeladen werden.

Das bedeutet, dass alleine die zur Zeit agierende Regierung darüber entscheiden kann, inwiefern sie
die Genehmigungen erteilt oder nicht, was natürlich ein guter Grundboden für Korruptionsaktionen
ist. Ein weiterer Kritikpunkt des Autors ist, dass die einzige überschaubare Kontrolle der
Rüstungsexportbericht ist, und der Bericht von 2008 am Anfang 2010 allerdings noch nicht vorlag,
was das Parlament als Kontrollinstrument einfach ausschloss.

Seite 20
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Jürgen Grässlin verweist auch auf den Bericht der GKKE 23, in dem kritisiert wird, das die aktuelle
CDU/CSU/FDP – Regierung sich vorrangig dafür interessiert, sich "Außenwirtschaftlichem und
Industriepolitischem" zu widmen. Sie sei sogar unterstützend für die deutsche Waffenindustrie. Und
dass trotz der offiziellen Angaben, solche Ausfuhren zu verweigern, Rüstungslieferungen in
instabile Entwicklungsländer erfolgen, sei sehr beunruhigend, wie es der GKKE - Vorsitzende
Bernhard Felmber deutlich ausspricht. Auch die offizielle Kontrolle des Endverbleibs ist nicht so,
wie sie beschrieben wird, was am "Beispiel der auf dem afghanischen und pakistanischen
Schwarzmarkt gehandelten Waffen deutscher Herkunft zu belegen ist."

Auch die Folgen früher vergebener Lizenzvergaben zur Waffenproduktion deutscher Kriegswaffen
an ehemalige Regimes, denen diese nicht verkauft hätte werden dürfen, zeigen sich noch heute. Auf
aktuellen Fotos pakistanischer Kämpfer ist das deutsche G3 von Heckler&Koch alles andere als
selten. Oder der Fakt, dass vor einem amerikanischen Gericht Anklage gegen Rheinmetall und die
Daimler AG besteht, weil "sie das damalige Apartheid - Regime in Südafrika in den achtziger
Jahren mit Nato - Geschützsystemen beliefert hatten", bestätigt wieder die nicht ausreichende oder
falsch laufende Kontrolle der deutschen Regierung. 2008 lieferte die BRD Kriegswaffen an
Afghanistan, Ägypten, Angola, Brasilien, Indonesien, Israel, Kolumbien, Malaysia, Nigeria, Oman,
Russland, Thailand, Türkei, Venezuela, Indien und Pakistan, obwohl deren Menschenrechtssituation
international sogar bis "sehr schlecht" eingestuft wurde. In Afghanistan, Indien, Kolumbien,
Nigeria, Pakistan, Thailand, der Türkei und in Venezuela herrschen zudem aktuell interne
Gewaltkonflikte. Die EADS lieferte "Eurofighter Typhoons" an das als menschenrechtsverletzend
geltende Regime in Saudi-Arabien. Doch wurden nicht einfach die fertig produzierten Flugzeuge
von Deutschland dorthin ausgeliefert, sondern wurde eine Kooperation mit der britischen Regierung
vereinbart, so dass sie auch daran profitierte, um die Standardkontrollen umgehen zu können. Auch
andere Nationen wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Malaysia und auch wieder Pakistan, in
denen international schwerste Menschenrechtsverletzungen festgestellt wurden, hat die EADS mit
Kampf - und Transport - Flugzeugen – und Helikoptern, militärischen Satelliten und Drohnen
beliefert. Vorwürfe wurden damit abgewehrt, dass alle Exporte legal erfolgten und alle offiziell
genehmigt waren.

23 Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung

Seite 21
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Weiter soll in Europa eine "Harmonisierung der Rüstungsexportrichtlinien" stattfinden.


Harmonisierung bedeutet in diesem Fall faire Wettbewerbsbedingungen. Das Ergebnis dieser
Politik mündet in quasi "offene Grenzen für Rüstungsexporte oder Abbau aller Hemmnisse für
Waffenlieferungen". Wer an dieser Politik am meisten profitiert ist natürlich die deutsche
Rüstungsindustrie, also Unternehmen wie Rheinmetall, EADS, Heckler&Koch, etc.

5. Fazit

Ich hoffe, es wurden die Fragen, die vor dem Lesen dieser Arbeit zum Thema Waffenexport
Deutschland bestanden, beantwortet. Fragen wie "Was verkauft Deutschland eigentlich so genau?",
"An wen verkaufen wir denn alles?", oder "Wie ist das alles gesetzlich gelöst?".

Doch ist die wirkliche, entscheidende Frage, ob es moralisch vertretbar ist, solche Güter zu
verkaufen. Oder die Frage anders gestellt:

Finden Sie als Leser es in Ordnung, dass Deutschland Gewaltkonflikte weltweit unterstützt, in dem
es für die nötigen Mittel dafür sorgt? Länder mit immer weiter verbesserter und optimierter
Waffentechnologie auszurüsten. Eigenen Profit damit zu erwerben, Interessengruppierungen Güter
zu verkaufen, die nur dafür produziert sind Menschenleben möglichst effektiv auszulöschen oder
dafür zu sorgen, effektiv bestimmtes Areal dem Erdboden gleich zu machen.

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Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Die Regierungen, egal ob, wie aktuell Schwarz-Gelb, oder wie noch zuvor Rot-Grün, scheint es
jedenfalls nicht zu stören, denn die Regierung ist es, die zu entscheiden hat, ob diese Güter verkauft
werden oder nicht. Ob es sich in diesem Fall um Korruption handelt, das will ich nicht unterstellen,
doch Fakt ist, dass enorme Summen dadurch nach Deutschland kommen, ob an Unternehmen,
Inhaber oder Angestellte, deren Arbeitsplatz damit gesichert ist. Es bedeutet
Wirtschaftsaufschwung. Und das liegt natürlich im Interesse aller Bürger Deutschlands. Doch lässt
sich nur mit der Arbeitsplatzsicherung oder dem Wirtschaftsaufschwung so gut wie jedes Vorhaben
einer Regierung legitimierens.

Wenn man ein Fazit aus diesem Thema ziehen kann, dann ist es zunächst die Gewissheit,
wie viel der Waffenexport von Deutschland wirklich ausmacht und weiter die Frage, ob man
solches als Bürger unterstützen will, darüber hinwegsehen will oder sich dagegen wehrt. Dazu ein
kleines Beispiel:

Da der Automobilkonzern Daimler Teilinhaber der EADS und Inhaber von Mercedes–Benz ist24,
unterstützen sie ein Unternehmen, dass Kapital durch aktiven Rüstungsgüterexport erwirbt, wenn
sie einen einen Mercedes-Benz- oder Daimlerwagen kaufen, obwohl diese an sich nur aus
Automobilkonzernen stammen.

Kaufen sie trotz diesem Wissen einen Wagen von Daimler oder Mercedes – Benz?
.

Ich würde es nicht tun.

24 Wikipedia.de Enzyklopädie

Seite 23
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Anhang

6.1 Verknüpfte Tabellen und Schaubilder

M1

Empfängerland Verkaufswert in Mio. Euro


USA 668,4
Vereinigte Arabische Emirate 540,7
Vereinigtes Königreich 448,7
Brunei 433,9
Republik Korea 190
Saudi - Arabien 167,9
Singapur 165,8
Frankreich 149,7
Niederlande 147,9
Italien 147,1
Brasilien 115
Schweiz 110,2
Australien 105,6
Österreich 99,9
Rumänien 84,1
Norwegen 73,5
Ägypten 77,5
Kanada 72,5
Chile 72,4
Spanien 69,6
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Bericht der Bundesregierung über ihre
Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2009 (Seite 21-29)

M2

Seite 24
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Blau = Deutschland Grün = Empfängerland Rot = Land mit deutschen oder europäischen Waffenembargo

Grün mit roten Streifen = Empfängerland trotz niedergeschriebenem Waffenembargo

Weiß = sonstiges Land ©Konstantin Weigel

Informationen: Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2009

M3

Seite 25
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für
konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2009 (Seite 32)

6.2 Literatur- und Quellenangabe

Seite 26
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

Zunächst muss ich angeben, diese Facharbeit nur mit Hilfe von Quellen aus dem Internet
(alle Weblinks das letzte mal an Montag, dem 11.April 2011 abgerufen) geschrieben zu haben. Ich
nutzte diese PDF Dokumente:

Berichte der Bundesregierung über ihre Exportpolitik


für konventionelle Rüstungsgüter in den Jahren
2005,2006,2007,2008 und 2009.

(http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/P-R/ruestungsexportbericht-
2005,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf)

(http://www.auswaertiges-
amt.de/cae/servlet/contentblob/366880/publicationFile/3685/Ruestungsexportbericht2006.pdf)

(http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/ruestungsexportbericht-
2007,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf)

(http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/ruestungsexportbericht-
2008,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf)

(http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/ruestungsexportbericht-
2009,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf)

THE SIPRI TOP 100 ARMS-PRODUCING COMPANIES, 2008


(http://www.sipri.org/research/armaments/production/Top100)

Ich bearbeitete und zitierte von diesen Berichten:

Seite 27
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

"Krieg statt Frieden" erschienen April 2008

Greenpeace

Text von Jens Meyer


(http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5321)

"Europameister Deutschland - legale Waffenexporte an kriegführende Staaten und


menschenrechtsverletzende Regimes" erschienen Januar 2010

Deutsche Friedensgesellschaft
Text von Jürgen Grässlin
(http://www.dfg-vk.de/thematisches/ruestungsproduktion/2010/396)

Zur Klärung jeglicher unklaren Begriffe oder zur weiteren Informationsbeschaffung nutzte ich:
(Alle Auszüge per Fußnoten in der Arbeit angegeben.)

http://www.wikipedia.de

Seite 28
Facharbeit GK-SO Herr Schwartz MSS 12 Konstantin Weigel

6.3 Selbstständigkeitserklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Facharbeit ohne fremde Hilfe
angefertigt und nur die im Quellenverzeichnis angeführten Informationen, Quellen,
und Hilfsmittel benutzt habe. Alle wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus
der Literatur habe ich als solche kenntlich gemacht und mit genauen
Quellenbelegen versehen.

Ich bin damit einverstanden, dass diese Arbeit unter Angabe meines Namens
öffentlich vorgestellt werden und zitiert werden darf.

____________________ __________________________
Ort, Datum Unterschrift

Seite 29