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VORBEREITUNG FÜR DAS GERICHT

In einer ihrer Botschaften an die Brüder, die auf der Generalkonferenz von 1913 versammelt waren, sprach
E. G. White von dem zunehmenden Wert der Lehren der vergangenen Erfahrungen, die die ersten Verkündiger
der Dritten Engelsbotschaft gemacht haben und von denen sie Zeugnis ablegen können.

"Ich wünsche sehr", schrieb sie, "dass die alten Streiter des Kreuzes, die im Dienst des Meisters
ergraut sind, weiterhin ihr Zeugnis in bestimmter, kerniger Sprache ablegen. Dadurch sollen
diejenigen, die jünger im Glauben sind, erkennen, dass die Botschaften, die der Herr uns in der
Vergangenheit gab, auch in dem gegenwärtigen Stadium der Geschichte der Welt sehr wichtig sind.
Unsere vergangene Erfahrung hat nicht einen Tüttel von ihrer Kraft verloren.

Alle sollten sich in acht nehmen, die alten Pioniere nicht zu entmutigen, oder sie fühlen zu lassen,
dass sie nur noch wenig mithelfen können. Ihr Einfluss kann immer noch sehr stark im Werk des
Herrn gefühlt werden. Das Zeugnis der betagten Prediger wird der Gemeinde immer eine Hilfe und
ein Segen sein. Gott wird Tag und Nacht über seine geprüften, getreuen Streiter wachen, bis die Zeit
kommt, in der sie die Waffenrüstung ablegen. Sie können sicher sein, dass sie unter der schützenden
Fürsorge dessen sind, der nie schläft noch schlummert; dass unermüdliche Wächter über sie Wacht
halten. In diesem Wissen, dass sie in Christus sind, können sie vertrauensvoll in dem Walten der
Vorsehung Gottes ruhen." ("General Conference Bulletin", 1913, S. 164.)

Der Feind wird alles Mögliche tun, um das Vertrauen der Gläubigen in die Säulen unseres Glaubens
an die in der Vergangenheit gegebenen Botschaften zu vernichten, welche uns auf die erhabene
Plattform ewiger Wahrheit gestellt und das Werk begründet und ihm Charakter gegeben haben. Der
Gott Israels hat sein Volk ausgeführt und ihm Wahrheit himmlischen Ursprungs entfaltet. Seine
Stimme ist gehört worden und wird noch gehört, indem sie uns sagt: Geht vorwärts von Kraft zu
Kraft, von Gnade zu Gnade, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Das Werk wird gekräftigt und erweitert,
denn der Gott Israels ist der Schutz seines Volkes.

Solche, die die Wahrheit zwar theoretisch, sozusagen mit den Fingerspitzen, erfasst, aber ihre
Prinzipien nicht in das innere Heiligtum der Seele gebracht, sondern die lebendige Wahrheit im
äußeren Vorhof gehalten haben, werden nichts Heiliges in der vergangenen Geschichte dieser
Gemeinschaft sehen, die sie zu dem gemacht hat, was sie ist, und ihren Ruf als eine Gemeinschaft
ernster, entschlossener Missionsarbeiter in der Welt begründet hat. Die Wahrheit für diese Zeit ist
köstlich; aber diejenigen, die nicht durch das Fallen auf den Felsen Jesus Christus zerbrochen sind,
werden nicht erkennen und verstehen, was Wahrheit ist. Sie werden das annehmen, was ihren Ideen
passt, und anfangen, ein anderes Fundament zu legen als das, welches gelegt ist. Sie werden ihrem
eitlen Stolz schmeicheln und denken, dass sie imstande sind, die Säulen unseres Glaubens zu
beseitigen und sie durch Säulen zu ersetzen, die sie gemacht haben. Dies wird fortgesetzt werden,
solange die Zeit andauert. Irgendjemand, der ein genauer Bibelforscher gewesen ist, wird die ernste
Lage derjenigen, die in den Schlussszenen der Geschichte dieser Welt leben, erkennen und
verstehen. Sie werden ihre Unfähigkeit und Schwäche fühlen und es zu ihrer ersten Aufgabe machen,
nicht nur eine Form der Gottseligkeit, sondern eine lebendige Verbindung mit Gott zu haben. Sie
werden es nicht wagen, zu ruhen und zu rasten, bis Christus in ihnen die Hoffnung der Herrlichkeit
geworden ist. Das eigene Ich wird sterben, der Stolz in der Seele wird ausgetrieben werden, und sie
werden die Sanftmut und Demut Christi haben." (Aus einem unveröffentlichten Manuskript.)

Ellen G. White - Leben und Wirken – Seite 407.409.410


Dann lassen wir die Pioniere einmal zu Wort kommen:

1869 J. N. Andrews

Wenn unser Herr sein Werk als Priester beendet hat, ist sein Volk bereit, ohne Sühnopfer vor Gott zu
stehen. Dies verdeutlichen die folgenden Texte: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde
vergibt und erlässt die Missetat den übrigen seines Erbteils, der seinen Zorn nicht ewiglich behält!
Denn er ist barmherzig. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Missetaten dämpfen und alle
unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ (Micha 7,18.19)

Der Herr sagt in der Verheißung des neuen Bundes: „Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und
ihrer Sünden nimmermehr gedenken.“ (Jer. 31.34) Paulus sagt, indem er Jeremia zitiert: „Denn ich
will gnädig sein ihrer Untugend und ihren Sünden, und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr
gedenken.“ (Hebr. 8,12).

„Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ (Jes. 43,25).
„Zur selben Zeit und in denselben Tagen wird man die Missetat Israels suchen, spricht der Herr, aber
es wird keine da sein, und die Sünden Juda’s, aber es wird keine gefunden werden; denn ich will sie
vergeben denen, so ich übrigbleiben lasse. (Jer. 50,20). Wenn diese prophetischen Aussagen erfüllt
sind, werden wir keinen Vertreter, Fürsprecher, Mittler oder Hohepriester mehr benötigen. Unsere
Sünden werden danach nicht mehr vorhanden sein, auch nicht in den Aufzeichnungen des
himmlischen Gerichtshofes.

Wir werden dann unsere verlorene Unschuld wiedererlangen und werden wie die Engel Gottes sein,
die von Anfang an in Rechtschaffenheit wandelten. Der Abschluss dieses Werkes der Sündentilgung
wird für diejenigen, die überwunden haben, durch eine bedeutende, feierliche Aussage
gekennzeichnet sein:

„Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm
ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und
mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke waren.“ (Offb. 22,11.12)

Diese Worte machen deutlich, dass der hohepriesterliche Dienst unseres Herrn beendet ist. Sie
können nicht eher ausgesprochen werden, bis er, als unser Verteidiger, die Tilgung der Sünden seines
Volkes vor dem Richterstuhl seines Vaters erwirkt hat. Doch haben wir gesehen, dass dieses Werk
der Sündentilgung vollbracht ist, bevor er zum zweiten Mal ohne Sünde zur Seligkeit kommt, Hebr.
9,27.28.

Dieses Bibelwort passt genau zu diesem Sachverhalt. Der ernsten Ankündigung, „wer böse ist, der sei
fernerhin böse; … und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig“, folgen die Worte: „Siehe, ich komme
bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke waren.“ Der abschließende
Dienst unseres Herrn, die Sünden seines Volkes auszulöschen, geht daher seiner Wiederkunft in den
Wolken des Himmels voraus, wobei jeder Mensch den Lohn nach seinen Werken empfangen wird.

Der Glaube der Pioniere – Seite 20-22


1902 E. J. Waggoner

Wir sollen uns davor hüten, das Austilgen der Sünde nur mit dem Abwischen einer Tafel mit dem
Schwamm zu vergleichen oder darin eine Eintragung in ein Hauptbuch zum Kontenausgleich zu
sehen. So geht das Austilgen der Sünde nicht vor sich.

Ein einfältiger Mann, der zum ersten Mal ein Thermometer sah, dachte, er könnte die Hitze dadurch
verringern, indem er es zerbrach. Welchen Einfluss hatte dies aber tatsächlich auf das Wetter? –
Eben so viel wie das Auswischen der Eintragung seiner Sünden für den Sünder. Das Herausreißen
eines Blattes aus dem Buch oder das Verbrennen eines Buches, das Eintragungen enthält, löscht
keine Sünde aus. Die Sünde wird nicht durch die Tilgung der Eintragung beseitigt. Wenn ich die Bibel
ins Feuer werfe, schaffe ich damit auch nicht Gottes Wort ab. Es gab einmal eine Zeit, da wurden alle
Bibeln, die man finden konnte, vernichtet. Doch das Wort Gottes – die Wahrheit – blieb, was es war.
Gott selbst ist die Wahrheit, sie ist sein Leben.

Die Wahrheit ist im Himmel und auf der Erde eingepflanzt. Die Sterne sind davon erfüllt. Sie werden
dadurch in ihren Bahnen gehalten. Danach gedeihen die Pflanzen, und die Vögel bauen ihre Nester.
Sie finden dadurch ihren Weg über das Meer. Als Mose die Steintafeln zerbrach, was das Gesetz noch
genauso unverändert wie vorher. Also, wenn alle Berichte über unsere Sünde – wären sie auch mit
dem Finger Gottes geschrieben – ausgelöscht würden, dann bliebe die Sünde trotzdem bestehen,
weil sie in uns ist. Wären die Eintragungen unserer Sünden in einen Felsen gehauen und der Felsen
würde zu Pulver zermahlen, dann würde dies trotzdem unsere Sünde nicht auslöschen. Das Tilgen
der Sünde bedeutet das Auslöschen der Sünde aus der Natur, aus dem Wesen des Menschen. Das
Blut Jesu Christi reinigt von aller Sünde. Unsere Körper sind nur die Kanäle, die Grenze, der Sand am
Ufer des Lebensstromes. Die Sünde hat bei uns Eindrücke hinterlassen. Wenn ihr an der Meeresküste
ein glattes Fleckchen im Sand seht, ist euer erster Drang, etwas darauf zu malen oder zu schreiben.
Dann kommt das Meer, und jede Welle, die über den Sand spült, trägt dazu bei, die Schrift
auszulöschen, bis alles verschwunden ist. So wird auch der Strom des Lebens, der vom Thron Gottes
kommt, alle Eindrücke der Sünde in uns fortspülen und auslöschen.

Das Auslöschen der Sünde ist die Beseitigung derselben von unserer Natur, so dass wir davon
nichts mehr wissen werden. Der Anbeter, der durch das Blut Christ gereinigt ist, „ist los von dem
bösen Gewissen“, weil es keinen Fortgang der Sünde mehr gibt. Man kann nach dem Unrecht
suchen, wird es aber nicht mehr finden. Es ist für immer verschwunden und der neuen Natur
fremd. Selbst wenn sich jemand daran erinnern würde, dass er gesündigt hat, die Sünde ist
vergessen. Niemand denkt daran, wieder zu sündigen. Dies ist der Dienst, den Christus im wahren
Heiligtum verrichtet. Der Herr hat es errichtet und nicht der Mensch. Dieses Heiligtum ist nicht mit
Händen gemacht worden, sondern wurde durch den Gedanken Gottes ins Leben gerufen.

RH 30.09-1902 – Der Glaube der Pioniere – Seite 95-97


1891 W. Draper

Sobald die Seele von der innewohnenden Sünde gereinigt ist, sind den Möglichkeiten des Wachstums
in der Gnade keine Grenzen gesetzt. Es trifft zu, dass wir nicht Jahre oder Monate oder selbst
Wochen warten müssen, um uns darüber klarzuwerden, welch eine Wandlung stattgefunden hat,
denn diese vollzieht sich nicht allmählich, sondern in dem Augenblick, in dem die Bedingungen erfüllt
sind. Doch wenn sich auch die Anzeichen dieser Wandlung sofort zeigen, dürfen wir dennoch mit
zunehmenden Beweisen von Gottes Gegenwart und Siegen über jede Sünde vorangehen. Satan kann
und wird uns weiter versuchen. Aber er hat seine Macht verloren, uns zur Sünde zu verleiten. Die
einzige Art und Weise, in der wir zur Sünde verführt werden können, geschieht durch unsere eigene
Wahl. Dadurch geht uns allerdings der Segen verloren. Solange unsere Trennung vom Bösen und
unsere Hingabe an Gott vollkommen ist und wir gläubig zu Gott aufschauen, werden wir vor der
Sünde bewahrt. Mag Satan uns auch peinigen und uns Leiden verursachen. Es kann uns jedoch nicht
überwinden, denn Gottes Heiliger Geist regiert ins unserem Herzen, und wir haben Schwierigkeiten
und Leiden als eine der Bedingungen akzeptiert. Mein Bruder, meine Schwester, sehnst du dich nach
dieser herrlichen Erfahrung? Du kannst sie machen. Doch wird es nie dazu kommen, wenn wir sie uns
nur wünschen und uns danach sehnen. Ihr müsst die Bedingungen erfüllen, die unmissverständlich
verkündigt worden sind. Seid versichert, liebe Brüder und Schwestern, dass ihr diese Erfahrungen
machen müsst, wenn ihr zu den Erlösten gehören wollt, die „erkauft sind aus den Menschen“ und
„unsträflich vor dem Stuhl Gottes“ stehen. Diejenigen, die ohne den Tod zu schmecken verwandelt
werden, müssen ohne Fürsprecher, folglich ohne Sünde, während den heftigsten Versuchungen und
unter den schwierigsten Umständen aushalten. Gott wird sein Volk nicht durch seine unumschränkte
Macht darauf vorbereiten, in jener Zeit zu bestehen. Doch der Befehl wird ausgehen: „Wer heilig ist,
der sei fernerhin heilig.“

Um unseres Erlösers willen und um eurer eigenen Errettung willen, verliert keine Zeit in der
vergeblichen Hoffnung, dass Gott euch auf irgendeine Weise vorbereiten wird, ohne dass ihr selbst
Anstrengungen macht; sondern rafft euch auf, haltet euch an Gott und überwindet jetzt – und der
Sieg ist euch sicher.

RH, 04.08.1891

1905 A. T. Robinson

Will man diese Botschaft, die ein Volk auf das Kommen des Herrn vorbereiten soll, mit lauter Stimme
verkündigen wie der Vorläufer seines ersten Kommens, so muss man selbst zur Botschaft werden.
Johannes, der diese Botschaft „im Geist und in der Kraft des Elias“ verkündete, konnte sagen: „Ich bin
die Stimme eines Predigers in der Wüste, … wie der Prophet Jesaja gesagt hat.“ Einer unserer
Prediger, der im westlichen Teil von Nebraska die Botschaft verkündigte, predigte in der Kraft des
Heiligen Geistes. Als er durch die Straßen ging, zeigte man auf ihn und machte Äußerungen wie: „Da
geht die dritte Engelsbotschaft“ oder „da geht das Zeichen der Zeit“.

Die bedeutenden Themen der Weissagung können heute so klar verkündigt werden, dass sie vom
Verstand her überzeugend wirken. Wir können jedoch nicht hingehen und diese Botschaft im Geist
und in der Kraft Elias predigen, wenn nicht die gesamte Botschaft zu unserer persönlichen Erfahrung
geworden ist.
Von dieser Botschaft heißt es: „Es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.“
(Röm. 1,16). Das Evangelium, das die Kraft Gottes ist, die da selig macht von der Sünde und die dritte
Engelsbotschaft, die das ewige Evangelium darstellt -, was kann diese Botschaft anderes beinhalten
als die ewige Macht Gottes, die von der Sünde errettet? Doch wie kann jemand eine solche Botschaft
mit der ihr gebührenden Autorität verbreiten, wenn er nicht in seinem eigenen Leben den Beweis
dafür vorweisen kann, dass in dieser Botschaft die Kraft liegt, dieses Ziel zu erreichen? Wir müssen
sagen können wie jemand, der damals sagte: „Was ich habe, das gebe ich dir!“ Ist man nun von allen
bewussten Sünden befreit, so ist das nicht mehr und nicht weniger als die „Gerechtigkeit Gottes
durch den Glauben“. Ist die dritte Engelsbotschaft etwas anderes als die Gerechtigkeit durch den
Glauben? Niemand braucht zu befürchten, dass wir hier die „uralten Grenzen“ verlassen. Der Geist
der Weissagung hat uns wissen lassen, dass die Gerechtigkeit durch den Glauben „die dritte
Engelsbotschaft im eigentlichen Sinne“ ist. Ich preise Gott, dass ich es immer besser verstehe, dass
diese großartige, alte, dritte Engelsbotschaft, die uns zu einem Volk werden ließ, Gottes ewige Macht
bekundet, die uns jetzt von der Sünde erretten und jeden Tag aus dem Herrschaftsgebiet der Sünde
befreien kann. Dieselbe Macht Gottes, die die 144 000 nach Abschluss der Gnadenzeit mindestens
ein ganzes Jahr vor der Sünde bewahren kann, ist die Macht Gottes, die jetzt in der dritten
Engelsbotschaft zum Ausdruck kommt.

Im Jahre 1844 begann Gottes Stunde des Gerichts. An dieser bedeutsamen Tatsache gibt es keinen
Irrtum. Bei diesem Gericht geht es um die endgültige Tilgung aller Sünden. „Nun aber, am Ende der
Zeiten, ist er einmal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.“ (Hebr. 9,26)
Solange noch Sünden in das Heiligtum gelangen oder solange die Sünde und Buße noch anhält,
können die Sünden des Volkes Gottes niemals vom himmlischen Heiligtum auf den wahren
Sündenbock gelegt werden. Solange jeder Gläubige in seinem Leben noch die bedeutende dreifache
Botschaft der unendlichen Macht Gottes zur Rettung von der Sünde und vom Sündigen erfährt, kann
dieses Werk niemals abgeschlossen sein. Bevor das Heiligtum im Himmel gereinigt werden kann,
muss die Reinigung des Seelentempels abgeschlossen sein. Ehe unser Hohepriester die Sünden der
Erlösten sammelt und sie aus dem Heiligtum entfernt, werden deine und meine Sünden nicht mehr
dorthin gelangen. Und wenn unsere Sünden nicht mehr dorthin gelangen, ehe die letzte bereut,
bekannt und aufgegeben worden ist, dann werden wir in unseren eigenen Sünden umkommen.

Der Glaube der Pioniere – Seite 45-47

1870 U. Smith

Wie das Firmament mit leuchtenden Sternen verziert ist, so ist das Wort Gottes mit herrlichen
Verheißungen ausgefüllt. Es gibt Stellen, wo es scheint, dass diese Verheißungen in
verschwenderischer Fülle vorhanden sind und Galaxien von außerordentlicher Herrlichkeit bilden.
Solch ein Beispiel ist Apostelgeschichte 3,19-21:

„So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden vertilgt werden; auf dass da komme die Zeit
der Erquickung von dem Angesicht des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor
gepredigt wird, Jesus Christus, welcher muss den Himmel einnehmen bis auf die Zeit, da
herniedergebracht werde alles, was Gott geredet hat durch den Mund aller seiner heiligen Propheten
von der Welt an.“
Welch eine Menge trostreicher Worte! Welch erfreuliche Hoffnung! Welch eine Aufstellung
lebensspendender Verheißungen! Die Hoffnung auf Buße, das Vorrecht der Bekehrung, die
Erquickung vom Angesicht des Herrn, die Offenbarung Jesu Christi, die Wiederherstellung aller Dinge,
der Höhepunkt aller menschlichen Erfahrung und menschlichen Möglichkeiten. „So tut nun Buße“.
Das sollten wir jetzt tun. Wir sind nicht total an die ärgerlichen, sündhaften Gewohnheiten
gebunden. Wir können mit ihnen brechen. „Und bekehret euch.“ Noch ist dies unser Vorrecht.
Unsere Herzen können geändert werden. Unsere Neigungen können von irdischen und vergänglichen
Wünschen gelöst und auf himmlische Ziele gerichtet werden. Vor allem können unsere Sünden
getilgt werden. Ja, die Falten und Flecken an unserer Kleidung, der verzehrende Aussatz an unseren
Händen und der verborgende Krebs unserer Herzen – nichts davon können wir beseitigen. Wir haben
keine Hoffnung, aus eigener Kraft erlöst zu werden. Und doch können wir von allem befreit werden.
Diese Tilgung hinterlässt keine Spuren – im Gegensatz zu jeder Analogie. Unsere Sünden werden
nicht getilgt, indem sie mit einer dunkleren Farbe bedeckt werden, sondern die Schmutzspuren der
Sünde und alles, was dazu gehört, werden entfernt. Das Berichtsbuch weist keinen Fehler noch
Makel auf. So wurde es jemand im Traum gezeigt: Er stand erschrocken vor einer Schriftrolle, die
eine lange Liste seiner Sünden enthielt. Plötzlich kam ein Wesen und goss eine Flüssigkeit auf die
Schriftrolle. Sie floss wie ein Regenguss darüber. Eine tintenschwarze Welle floss zu seinen Füssen.
Und siehe da! Die Schriftrolle war wieder rein, sauber und hell wie frischer Schnee. Könnte es eine
schönere Verheißung für denjenigen geben, der die Bösartigkeit der Sünde empfindet, der unter der
drückenden Last leidet und ihr entsprechend entgegentritt? Nach der Tilgung der Sünde kommt die
Zeit der Erquickung. Unsere Bibelübersetzung sagt: „Auf dass da komme die Zeit der Erquickung.“
Nach dem Urtext heißt es: „Dass die Zeit der Erquickung kommen möge.“ Sachlich liegt da kein
Unterschied vor. Hier wird deutlich, dass nach dem Tilgen der Sünden vom Angesicht des Herrn die
Erquickung für sein Volk kommen wird. Das geschieht unmittelbar vor der Wiederkunft Jesu; denn
gleich danach wird Christus zu denen gesandt, die auf ihn warten. Damit ist die Erquickung zeitlich
eingeordnet. Das ist die Zeit zwischen dem Auslöschen der Sünden und der Wiederkunft Christi. Mit
der Tilgung der Sünden ist der Dienst Christi in seinem priesterlichen Amt als Fürsprecher der
Menschen beendet. Es gibt eine kleine Zeitspanne, die zwischen diesem Vorgang und dem Kommen
des Herrn liegt. Das ist die Zeit der Erquickung von dem Angesicht des Herrn.

Welcher Art ist die Erquickung? Es geht um Dinge, die vor der Sündentilgung noch nicht stattfinden
können. Die Sünde stellt eine Behinderung für die völlige und uneingeschränkte Verbindung mit dem
heiligen Geist dar. Dem Wort ist zu entnehmen, dass nach der Hitze die kühlende Erfrischung und
nach der Arbeit die Ruhe und Erholung folgen werden. Dem Volke Gottes wird dies wie ein
abkühlender Schauer auf das trockene und durstige Land vorkommen. Es wird eine Zeit der Erholung
und Ruhe für die erschöpften, müden und geplagten Seelen sein.

Der Kampf gegen die Sünde mit aller Hitze und Anstrengung ist dann vorüber. Ihre Vergangenheit ist
bereinigt, und damit ist der Eingang in das himmlische Land geebnet. Sie sind angenommen für die
unvergängliche Herrlichkeit. Und jetzt, wo sie an der Schwelle der himmlischen Welt stehen,
bekommen sie schon einen kleinen Vorgeschmack auf die kommenden Freuden. Damals kam Gott als
Frühregen zu seinem Volk. Das wunderbare Ereignis zu Pfingsten war die äußere Bekundung des
inneren Werkes. Wieder kommt er zu seinem Volk, und zwar sowohl als Frühregen wie auch als
Spätregen. Das Volk empfängt eine Erquickung, die seinem derzeitigen Zustand entspricht, jetzt, da
es vor dem Eingang in das unvergängliche Reich steht.
Dann schickt Gott Christus. Hier zeigt sich Gottes Liebe für sein Volk. Christus, der sein Leben hingab,
kommt nun freiwillig zu den Seinen. Seine persönliche Liebe und seine Sorge um sein Volk lässt ihn zu
dieser Rettung eilen. In diesem Kommen wird Gott dargestellt. Gott sorgt und achtet so sehr auf sein
Volk, dass nicht ein Haar ohne seinen Willen vom Kopf fallen kann. Am Ende schickt er seinen Sohn,
der einst kam, um für die Menschheit zu leiden und zu sterben. Jetzt soll er sie mit Triumph und
Herrlichkeit in seine Gegenwart begleiten.

Dann kommt die Erneuerung. Welch eine herrliche Verheißung und tröstliche Hoffnung! In Gedanken
blicken wir zurück in die Zeit, als die Welt unschuldig und rein aus der zufriedenen Hand des
Schöpfers hervorging. Die in Sünde und Elend geratene Menschheit hat den Verlust der einstigen
Schuldlosigkeit und Freuden in Eden sehr beklagt. Viele Jahre, die mühselig und langsam vergangen
sind, hat die Welt auf den Tag der Befreiung und Erlösung gewartet. Sie hat schließlich nicht
vergeblich gewartet. Dieser Tag wird bald kommen. Immer wieder wird uns diese Verheißung im
Worte Gottes gegeben, damit die Zusage absolut sicher ist. Die Zeit der Erneuerung ist entschieden.
Die Erde wird die verlorene Stellung wieder erhalten, und die würdigen Einwohner werden wieder
paradiesische Freunde erleben.

Die Verwirklichung all dieser Dinge liegt in der Hand unseres treuen Gottes. Er wird die Erquickung
schenken. Die Wiederkunft des Herrn liegt im Ratschluss seines Willens. Die herrliche Erneuerung
gehört zu seinen unveränderlichen Zielen. Was bleibt für uns? Tut Buße und bekehret euch. Das ist
unsere Aufgabe. Das ist unser Teil. Haben wir das befolgt? Tun wir das?

Mögen diese Worte in unseren Ohren widerhallen, bis jedes Herz aufgerüttelt ist. Wenn schließlich
alle Buße getan haben und alle Sünden der Gerechten, die die herrlichen Segnungen der bußfertigen
Bekehrten empfangen wollen, getilgt und weggenommen worden sind, dann wird die Erquickung
den Wartenden zu Teil werden. Möchtet ihr dabei sein? Dann vergesst nicht, die Schläfrigen,
Sorglosen, Stolzen, Weltlichen, Unbußfertigen und Unbekehrten werden nicht dabei sein. Und noch
etwas: Die Zeit der Erquickung mit den unwiderruflichen Entscheidungen steht uns direkt bevor. Was
tun wir, um uns darauf vorzubereiten.

Der Glaube der Pioniere – Seite 77-81

1888 G. C. Tenney

„So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und
reinigt uns von aller Untugend.“ Die Glückseligkeit der Himmels macht die Freiheit von der Sünde
aus. Die Vergebung der Sünden liegt im Bereich der menschlichen Möglichkeiten. Doch kann keine
menschliche Macht von Sünden reinigen. Wenn wir gegen unseren Bruder ernstlich gesündigt haben,
so kann er uns freimütig und völlig vergeben. Doch kann er die Erinnerung an das Unrecht und den
Schmutz von unseren Händen nicht entfernen. Wenn uns Gott vergeben, vor dem Tod erretten und
ins Land der Unsterblichen bringen würde – sonst aber nichts geschähe -, dann würden wir wohl
schlecht zu den sündlosen Engeln passen. Das Bewusstsein unserer Schuld, der Charaktermangel und
das Gefühl, dieses Ortes und der Umgebung nicht würdig zu sein, würden uns ewig verfolgen und
unserem Glück im Wege stehen.
Doch die unendliche Gnade Gottes lässt uns hier nicht allein. Sie reinigt uns von aller
Ungerechtigkeit. „Auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ Wir werden mit
den Engeln verkehren, und unsere Kleidung wird so weiß sein wie ihre. Unsere Charaktere sind ohne
Makel, unsere Hände ohne Flecken. Wodurch ist dies nur möglich? „Das Blut Jesu Christi, seines
Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ Ach, wie kostbar ist das Blut Christi!

Der Glaube der Pioniere – Seite 83

1895 G. E. Fifield

Wie die Berichtsbücher oder das Gedenkbuch im Heiligtum in der Höhe aufbewahrt werden, so
bleiben auch die Sünden im Gedächtnis eines jeden Sünders. Auch durch Reue werden sie nicht
ausgelöscht. Im Gegenteil, sie dringen noch klarer und nachhaltiger ins Bewusstsein. Selbst die
Erinnerung an die Sünde ist ein unrechter Gedanke, der angenehm oder schmerzlich sein kann. Denkt
man gern daran, bedeutet dies, man begeht die Sünde erneut. Ist man bei den Gedanken daran
schmerzlich berührt, so trägt man Leid. Auch dieser letztgenannte Zustand zeigt unsere
Unvollkommenheit und wird, Gott sein Dank, kein Dauerzustand bleiben. Zu dem Werk der
Vervollkommnung, das Gott in der Seele vollbringen wird, gehört das Auslöschen der Sünde. Es wird
so sein, „dass man der vorigen (Dinge) nicht mehr gedenken wird, noch sie zu Herzen nehmen“, Jes.
65,17. Die Eindrücke der Vergangenheit werden verblassen, da neue Erfahrungen die Gedanken
stärker ausfüllen werden. Die Herrlichkeit der vollen Offenbarung Gottes und die Freude darüber
werden in der Seele die Erinnerung an die traurige, sündhafte Vergangenheit auslöschen. Nur was
wir hier an Liebe und Vertrauen gelernt haben, bleibt erhalten. Ja, hier wird uns die völlige Reinigung
des Seelentempels dargestellt.

Der Glaube der Pioniere – Seite 85

Das Austilgen der Sünde für die letzte Generation


Was ist die Verbindung zwischen dem, was im Himmel vor sich geht, und dem, was hier unten auf
Erden geschieht? Wird Gott die Aufzeichnungen der Sünden im Himmel austilgen, während eine
Person immer noch sündigt? Nicht einmal ein vertrauenswürdiger menschlicher Buchhalter würde
solch eine unehrliche Tat begehen! Oder wird das Austilgen der Sünden in den Aufzeichnungen des
Himmels gleichzeitig mit einem Austilgen der Sünden hier unten in den Gedanken der Kinder Gottes
stattfinden? Die Verbindung zwischen Himmel und Erde wird klar und eindeutig von dem Propheten
wie folgt erwähnt:

„Während sie aber einen tiefen Sinn für ihre Unwürdigkeit haben, werden sie keine verborgenen
Sünden zu offenbaren haben. Ihre Sünden werden durch das versöhnende Blut Christi ausgetilgt
worden sein, und sie können sie nicht mehr in ihre Erinnerung zurückrufen.“

Patriarchen und Propheten – Seite 176

„Während sie aber einen tiefen Sinn für ihre Unwürdigkeit haben, haben sie keine verborgenen
Sünden zu offenbaren. Ihre Sünden sind ihnen ins Gericht vorangegangen und sind ausgetilgt
worden, und sie können sie nicht mehr in ihre Erinnerung zurückrufen.“

Der große Kampf – Seite 620


„Sie können sich keiner besonderen Sünde mehr bewusst werden, aber in ihrem ganzen Leben
können sie nur wenig Gutes sehen. Ihre Sünden sind ihnen ins Gericht vorangegangen und
Vergebung war geschrieben worden. Ihre Sünden waren in das Land des Vergessens weggetragen
worden, und sie können sie nicht mehr in ihre Erinnerung zurückrufen.“

Spiritual Gifts, Vol. 3 – Seite 135

„So wie bei der endgültigen Versöhnung die Sünden der wahrhaft Reumütigen aus den
Aufzeichnungen des Himmels auszutilgen sind, um nie mehr in Erinnerung oder ins Gedächtnis zu
kommen, so wurden sie im Schattendienst in die Wüste getragen, um für immer von der
Versammlung getrennt zu sein.“

Patriarchen und Propheten – Seite 335

Wissenschaftler, die das Gedächtnis des Menschen studieren, können nicht genau bestimmen, wo
die Erinnerung im menschlichen Gehirn ist. Jeglicher Versuch, diese Handlung des Austilgens der
Sünde in den Gedanken der Gotteskinder zu erklären, ist vergeblich. Es ist das Werk des Schöpfers,
und er allein kann diese geistliche Chirurgie in der Versiegelung seines Volkes durchführen. Wenn der
große Schöpfer Adam als einen Erwachsenen schaffen und in sein Gedächtnis richtige
Gedankenmuster und Sprache hineinlegen konnte; und wenn er beim Turm von Babel viele
verschiedene Sprachmuster in die Gedanken der Leute gab, ist er gut fähig, das Austilgen der Sünden
in den Gedanken seines Volkes zu vollbringen, damit es mit dem Austilgen der Sünden in seinen
himmlischen Aufzeichnungen übereinstimmt.

Die große Frage die sich jedem Gläubigen stellt ist allerdings:

Wird die Erinnerung an die Sünde erst dann getilgt, wenn mein Fall verhandelt wird?

Oder etwa schon vorher?

Könnten meine Sünden schon heute vollständig aus meiner Erinnerung ausgelöscht werden?

Betrachten wir einmal die Aussagen von Ellen G. White in Bezug auf das Ende der Gnadenzeit. Die
Zeit, in der jeder Fall entweder zum Guten oder Bösen entschieden worden ist, und Christus seinen
Mittlerdienst beendet. Zwangsläufig ist damit auch das Untersuchungsgericht beendet und die
Sünden sind dann auf jeden Fall bereits ausgetilgt worden:

Plötzlich und unerwartet

Wenn Jesus nicht mehr für die Menschen bittet, wird das Schicksal aller für immer entschieden sein
... Die Gnadenzeit ist zu Ende, und Christi Fürsprache im Himmel hört auf. Dieser Zeitpunkt wird
plötzlich über alle kommen, und wer es versäumt hat, sich zu reinigen im Gehorsam gegenüber der
Wahrheit, wird schlafend angetroffen werden. - 2T, 191 (1868)
Auch für die Gläubigen unerwartet

Das Ende der Gnadenzeit wird plötzlich und unerwartet kommen -- zu einer Zeit, wo wir es am
wenigsten erwarten. Doch schon heute dürfen wir wissen, dass wir im Lebensbuch verzeichnet sind
und Gott uns annimmt. - 7BC, 989 (1906)

Kein erkennbarer Unterschied

Die Gerechten und Gottlosen werden dann noch in ihrem sterblichen Zustand auf Erden leben: sie
werden pflanzen und bauen, essen und trinken und nicht wissen, dass die endgültige
unwiderrufliche Entscheidung im himmlischen Heiligtum bereits gefallen ist. - GK, 490 (1911)

Wenn also das Gericht und die Gnadenzeit zu Ende gehen werden, erfolgt dies ohne das Wissen und
der Kenntnis des Volkes Gottes. Kein Mensch wird irgendetwas verspüren, sehen, erleben oder an
sich feststellen, dass die Gnadenzeit nun endgültig zu Ende ist!

Satan weiß auch nicht wann die Gnadenzeit zu Ende geht

Wie Satan Esau beeinflusste, gegen Jakob zu ziehen, so wird er in der trübseligen Zeit die Bösen
aufwiegeln, Gottes Kinder umzubringen. Wie er Jakob anklagte, so wird er seine Anklagen auch
gegen Gottes Volk vorbringen. Er zählt die Welt zu seinem Herrschaftsgebiet, aber die kleine Schar,
die die Gebote Gottes hält, widersteht seiner Oberherrschaft. Könnte er diese von der Erde vertilgen,
so würde sein Sieg vollkommen sein. Er sieht, dass heilige Engel sie bewahren und nimmt an, dass
ihre Sünden verziehen worden sind; aber er weiß nicht, dass ihre Fälle im himmlischen Heiligtum
entschieden wurden. Er kennt genau die Sünden, zu denen er sie verführt hat, und stellt diese Gott
im grellsten Licht dar und behauptet, dieses Volk verdiene es ebenso sehr, von der Gnade Gottes
ausgeschlossen zu werden, wie er selbst. Er erklärt, der Herr könne von Rechts wegen ihre Sünden
nicht vergeben, ihn und seine Engel jedoch vertilgen. Er beansprucht sie als seine Beute und verlangt,
dass sie zur Vernichtung ihm überantwortet werden.
Der große Kampf – Seite 619

Das folgende Zitat spricht allerdings von einer dunklen Wolke, die sich über die Bewohner der Erde
legt, nachdem Christus das Allerheiligste verlassen wird:

Als Jesus das Allerheiligste verließ, hörte ich die Schellen an seinem Gewand klingeln. Dann legte sich
eine dunkle Wolke über die Bewohner der Erde. Zwischen den schuldigen Menschen und einem
erzürnten Gott gab es jetzt keinen Fürsprecher mehr. Solange Jesus zwischen ihnen stand, hatten die
Menschen eine Schutzmauer. Doch nachdem er seinen Dienst beendet hatte, wurde die
Schutzmauer entfernt, und Satan hatte völlige Herrschaft über alle, die nicht bereut hatten.

Die Geschichte der Erlösung – Seite 391


Ob die Gläubigen an einer dunklen Wolke erkennen werden, dass die Gnadenzeit zu Ende ist und ob
dies von Gott so gewünscht ist, wollen wir einmal im Raum stehen lassen…

Etwas, das viel wichtiger für unser Verständnis der letzten Dinge ist, betrifft das
Untersuchungsgericht der Lebenden. ‚Unser‘ Fall in den himmlischen Gerichtshöfen! Dieses Gericht
findet ja zwangsläufig vor dem Ende der Gnadenzeit statt und die Frage die sich hierbei stellt:

Dürfen wir wissen, wann wir an der Reihe sind?


Bemerken wir etwas davon, wenn unser Fall verhandelt wird oder
wurde - können wir, egal auf welcher Art und Weise erkennen, wann
wir durch das Gericht hindurch gegangen sind?

Wir dürfen nicht länger auf wohlgefälligem Boden bleiben. Mit großer Schnelligkeit nähern wir uns
dem Ende der Gnadenzeit. Möge sich jede Seele fragen: Wie stehe ich vor Gott? Wir können nicht
wissen, wie bald schon unsere Namen von Christus genannt werden und unser Fall abgeschlossen
sein wird. Ach, was wird dies für eine Entscheidung sein! Werden wir zu den Gerechten oder zu den
Gottlosen gezählt?

Ausgewählte Botschaften Band 1 – Seite 126,127

Eines Tages wird die unwiderrufliche Entscheidung im Heiligtum gefällt und das Schicksal der Welt
endgültig festgelegt worden sein -- ohne dass die Menschen es merken. Sie werden weiterhin
religiöse Formen beachten, obwohl der Geist Gottes sich schon endgültig zurückgezogen hat. Der
satanische Eifer, mit dem der Böse sie erfüllen wird, damit sie seine arglistigen Absichten ausführen,
wird äußerlich dem Eifer für Gott sehr ähnlich sein. - GC, 615 (1911)

Christus kommt Bald – Seite 163

Die Gerechten und Gottlosen werden dann noch in ihrem sterblichen Zustand auf Erden leben: sie
werden pflanzen und bauen, essen und trinken und nicht wissen, dass die endgültige
unwiderrufliche Entscheidung im himmlischen Heiligtum bereits gefallen ist. Vor der Sintflut,
nachdem Noah in die Arche gegangen war, machte Gott hinter ihm zu und schloss die Gottlosen aus;
sieben Tage lang setzten die Menschen ihre gleichgültige, vergnügungssüchtige Lebensweise fort und
spotteten der Warnungen eines drohenden Gerichts, ohne zu wissen, dass ihr Schicksal entschieden
war. "Also", sagte der Heiland, "wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes." Matthäus 24,39.
Still, unbeachtet wie ein Dieb um Mitternacht wird die entscheidungsvolle Stunde kommen, in der
sich das Schicksal jedes Menschen erfüllen und die den sündigen Menschen angebotene göttliche
Gnade auf immer entzogen wird.

Der große Kampf – Seite 490


[Der folgende Absatz wird nach dem Englischen zitiert.] Sobald das Volk Gottes an seiner Stirn
versiegelt ist -- das ist kein Siegel oder Zeichen, das man sehen kann, sondern ein Festsetzen in der
Wahrheit, sowohl verstandesmäßig als auch geistlich, so dass es nicht mehr hin- und her bewegt
werden kann --, sobald Gottes Volk versiegelt und für die Sichtung bereit ist, wird sie kommen. In der
Tat, sie hat bereits begonnen; die Gerichte Gottes gehen jetzt über das Land, um uns zu warnen,
damit wir wissen, was kommt (MS 173, 1902).

Bibelkommentar – Seite 212

Schauen wir noch einmal zu den Pionieren, und ihrem Verständnis:

1901 J. O. Corliss

Wenn dieses Buch geöffnet und der erste Name auf der Seite aufgerufen wird, tritt der Engel, der
diesen Menschen als dienstbarer Geist während seiner Erdenzeit betreut hat, mit dem geöffneten
Bericht seines Lebens vor. Ist daraus ersichtlich, dass er am Ende ein Überwinder war, dann bekennt
der Herr Jesu seinen Namen vor dem Vater und den Engel und bietet sein eigenes But für die
Missetaten des Betreffenden an. Diese werden dann getilgt, und der Name dieser Person bleibt im
Lebensbuch eingetragen. (Jes. 43,25; 44,22) Wenn die Berichte einen Namen aufweisen, der später
seine Verbindung zum Himmel aufgegeben hat und bis zu seinem Ende in den Wegen der Welt
gewandelt ist, wird sein Name aus dem Buch entfernt. Seine Sünden werden gegen ihn verwendet
und ihn zum zweiten Tod verurteilen. (2. Mose 32,32.33; Matth. 10,32; Luk. 12,8.9; Offb. 3,5)

Diese Zeit des „Auslöschens“ ist eher eine besondere Zeitspanne in der Weltgeschichte als ein
Zeitpunkt im Leben eines einzelnen Menschen. Uns wird klar gesagt, dass unsere „Sünden getilgt
werden, auf dass da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesicht des Herrn und er sende…
Jesus… Ihn muss der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da alles wiedergebracht wird.“ (Apg. 3,19-
21)

Wie der Heiland in seinem Beispiel in Matthäus 18,23-25 zeigte, werden Sünden vergeben, wenn sie
bereut und zugegeben werden. Doch sofern jemand nicht bis zum Ende treu ist, können sie dem
Betreffenden wieder zur Last gelegt werden. (Matth. 24,13) Wenn er versagt, werden alle Sünden
seines Lebens zusammengetragen, denn er ist dafür verantwortlich. Sie können deshalb nicht eher
„getilgt“ werden, bis sein irdisches Leben beendet ist und die Entscheidung des Gerichts getroffen
wurde, dass sie nach himmlischer Sicht stehenbleiben werden.

Sind die Sünden einmal getilgt, dann gibt es auch keine Erinnerung mehr daran. (Hebr. 8,12) Wer
Sünden begangen hatte, wird dann für allezeit befreit sein und ewig mit Gott, dem Allerhöchsten,
wohnen und sich seiner Gegenwart erfreuen. Nach diesem Zustand sollten wir streben, ohne
Rücksicht darauf, was uns die Welt zu bieten vermag.

Der Glaube der Pioniere – Seite 91.92


1902 Leitartikel in „Zeichen der Zeit“

„Ich werde seinen Namen keineswegs austilgen.“ Viele, die um der Wahrheit willen aus dem
Sardeszustand der Gemeinde gekommen sind, ließen ihre Namen aus den Gemeindebüchern
streichen. Sie wurden mit Schmach und Schande überhäuft. Sie sind ausgestoßen und in den Bann
getan worden. Diese werden von Gott getröstet. Die wenigen, kurzen Jahre sind nicht alles für sein
Volk. Die vergänglichen Bücher auf der Erde, in die die Menschen ihre Namen gern eintragen lassen,
sind nicht die einzigen Verzeichnisse, die es gibt. Gottes Leben währt in alle Ewigkeit. Die
himmlischen Berichte über seine Kinder sind so unvergänglich wie ihr Charakter, und dort bleiben
auch ihre Namen. Doch hier gibt es ein anderes Austilgen. Im göttlichen Buch des Lebens mögen
Namen stehen, die getilgt werden. Nimmt jemand Jesus Christus an, dann wird er – entsprechend
der göttlichen Berufung – als Anwärter für den ewigen Namen und Charakter ins Lebensbuch
eingetragen. Wenn er bis zum Ende treu ist, werden alle seine Sünden getilgt (Apg. 3,19), und er wird
den ewigen Charakter erlangen. Danach wird auch sein neuer Name geprägt, und er wird unter
denen verzeichnet sein die ewig leben werden. Jeder Anwärter auf die Unsterblichkeit hat die Wahl,
dass entweder seine Sünden ausgelöscht werden oder sein Name aus den himmlischen Büchern
getilgt wird. Damit seine Sünden aus den himmlischen Büchern getilgt werden können, müssen sie
hier aus seinem Charakter beseitigt werden. Selig sind, die überwinden. Jesus sagt: „Ich will seinen
Namen bekennen vor meinem Vater.“ Dann befindet sich der Vater also nicht in einem gewaltigen,
unpersönlichen Machtbereich. Er ist an einem bestimmten Platz. Manchmal ist er von all seinen
Heiligen umgeben. Die Erlösten werden in seiner Gegenwart verweilen, wie es nie zuvor gewesen ist.
Jesus selbst wird sie mit ihm bekannt machen, und sie werden des Vaters unverhülltes Antlitz sehen
können. Das ist der Höhepunkt des herrlichen Glaubenssieges.

Der Glaube der Pioniere – Seite 97.98

Beim Gericht an den Lebenden können wir also folgende Reihenfolge erkennen:

1.) Der Fall kommt ins Untersuchungsgericht für die Lebenden


2.) Der Name bleibt im Lebensbuch stehen
3.) Die Sünden werden getilgt
4.) Danach wird das Siegel empfangen

Wenn das der Fall ist, dann gibt es noch eine Reihenfolge für diejenigen der Gläubigen, die das
Malzeichen des Tieres bekommen:

1.) Der Fall kommt ins Untersuchungsgericht für die Lebenden


2.) Der Name wird getilgt
3.) Die Sünden werden nicht ausgetilgt
4.) Danach wird das Malzeichen des Tieres empfangen

Dann ist also das Gericht über die Lebendigen die letzte und endgültige Sichtung der Gemeinde.

Das ist die logische Schlussfolgerung hiervon…


Wenn wir aber alles bisher Verstandene logisch zusammen fassen, erkennen wir auch folgenden
Hintergrund des Untersuchungsgerichtes:

Wenn wir, die Gläubigen auch nicht erkennen können, wann unser Fall behandelt wird und die
Sünden getilgt werden und wir das Siegel Gottes empfangen, dann kann nicht erst bei der
Verhandlung die Sünde in unserer Erinnerung ausgelöscht werden! Logisch – da ich ja dadurch
bemerken würden, dass mein Fall ‚gerade‘ behandelt wurde, wenn ich plötzlich morgens
aufwachen würde und hätte sämtliche Erinnerungen an meine einzelnen Sünden vergessen…

Aus diesem Grund MUSS das Austilgen der Sünde im Tempel Gottes, der Gemeinde, bereits vor dem
Untersuchungsgericht, in welchem mein Fall behandelt wird, stattfinden!!!

Genau so müssen wir die folgenden Zitate von Ellen G. White auch verstehen:

„Während sie aber einen tiefen Sinn für ihre Unwürdigkeit haben, haben sie keine verborgenen
Sünden zu offenbaren. Ihre Sünden sind ihnen ins Gericht vorangegangen und sind ausgetilgt
worden, und sie können sie nicht mehr in ihre Erinnerung zurückrufen.“

Der große Kampf – Seite 620

„Sie können sich keiner besonderen Sünde mehr bewusst werden, aber in ihrem ganzen Leben
können sie nur wenig Gutes sehen. Ihre Sünden sind ihnen ins Gericht vorangegangen und
Vergebung war geschrieben worden. Ihre Sünden waren in das Land des Vergessens weggetragen
worden, und sie können sie nicht mehr in ihre Erinnerung zurückrufen.“

Spiritual Gifts Vol. 3 – Seite 135

Würden den Angehörigen des Volkes Gottes in der Zeit der Trübsal noch Sünden einfallen, die sie
nicht bekannt haben, dann würde sie das überwältigen. Die Verzweiflung würde ihren Glauben
ersticken. Sie wären nicht imstande, Gott zuversichtlich um Befreiung anzuflehen. Doch während sie
ein tiefes Bewusstsein ihrer Unwürdigkeit haben, haben sie doch keine heimlichen Sünden mehr ans
Licht zu bringen. Ihre Sünden wurden vorher ins Gericht gebracht und ausgetilgt; sie können sie
nicht mehr in Erinnerung bringen ...

Maranatha – Seite 274

Einer der Pioniere, A. T. Robinson brachte dieses Geschehen auf folgenden Punkt:

„Bevor das Heiligtum im Himmel gereinigt werden kann,


muss die Reinigung des Seelentempels abgeschlossen sein."
GP. 47 RH. 20.07. 1905

Bevor unser Fall verhandelt wird, muss also die Sünde in uns und ALLES was mit ihr zusammen hängt
durch das Blut Christi gereinigt worden sein, damit wir das Siegel Gottes empfangen können!

Genauso absolut müssen wir die folgenden Zitate von Ellen G. White betrachten:
Das Siegel des lebendigen Gottes wird denen gegeben, die in ihrem Wesen Christus ähnlich sind.

Jene, die das Siegel des lebendigen Gottes empfangen und in der Zeit der Trübsal beschützt werden,
müssen das Bild Jesu vollkommen widerstrahlen.

Das Siegel Gottes wird niemals auf die Stirn eines Unreinen gedrückt, niemals auf die Stirne von
Männern oder Frauen, die ehrgeizig sind oder die Welt lieb haben, niemals auf Männer und Frauen,
die doppelzüngig oder betrügerischen Herzens sind. Wer dieses Siegel empfängt, wird als Anwärter
für den Himmel vor Gott ohne Flecken stehen.

Wer sich dem verderblichen Einfluss der Welt und des Bösen erfolgreich widersetzt, wird zu denen
gehören, die das Siegel des lebendigen Gottes erhalten.

Christus kommt bald – Seite 157

Nur diejenigen, die durch den Glauben an Christus alle Gebote Gottes halten, werden den Zustand
der Sündlosigkeit erreichen, den Adam hatte vor dem Sündenfall. Sie bezeugen ihre Liebe zu
Christus, indem sie allen seinen Vorschriften gehorchen.

Bibelkommentar – Seite 434

Jeder, der durch den Glauben Gottes Geboten gehorcht, wird den Zustand der Sündlosigkeit
erreichen, in dem Adam vor seiner Übertretung lebte.

Maranatha – Seite 224

Jeder, der durch den Glauben den Geboten Gottes gehorcht, wird den Zustand der Sündlosigkeit
erreichen, in dem Adam vor seinem Fall lebte. Wenn wir uns Christus übergeben, dann leben wir
sein Leben, Genau das heißt: Mit den Kleidern seiner Gerechtigkeit bekleidet zu sein!

ST. 29. Juli 1902: LG 59

Wir müssen von Christus lernen. Wir müssen wissen, was er denen ist, die er erlöst hat. Wir müssen
erkennen, dass es unser Vorrecht ist, durch den Glauben an ihn teilhaftig zu werden der göttlichen
Natur, so dass wir der Verderbtheit entfliehen, die in der Welt durch die Begierde vorherrscht. Dann
sind wir von aller Sünde und von allen Charaktermängeln gereinigt. Wir brauchen keine einzige
sündhafte Neigung beizubehalten...

Wenn wir der göttlichen Natur teilhaftig und ererbte und gehegte Neigungen zum Bösen aus dem
Charakter entfernt werden, werden wir eine lebendige Kraft zum Guten. Indem wir täglich vom
göttlichen Lehrer lernen, seiner Natur teilhaftig werden, wirken wir in der Überwindung der
Versuchungen Satans mit Gott zusammen. Gott wirkt, und der Mensch wirkt, damit der Mensch eins
mit Christus sei, so wie Christus eins mit Gott ist. Dann sitzen wir mit Christus zusammen im Himmel.
Die Sinne ruhen mit Frieden und Gewissheit in Jesus

Bibelkommentar – Seite 491


Während unser großer Hohepriester jetzt die Versöhnung für uns vollbringt, sollten wir versuchen
[engl.: danach streben], in Christus vollkommen zu werden. Nicht mit einem Gedanken gab unser
Heiland der Macht der Versuchung nach. Satan findet in menschlichen Herzen diesen oder jenen
Makel, den er sich zunutze macht; manche sündhafte Neigung wird gepflegt, durch die seine
Versuchungen ihre Macht behaupten. Christus aber erklärte von sich: "Es kommt der Fürst dieser
Welt, und hat nichts an mir." Johannes 14,30. Satan vermochte nichts im Herzen des Sohnes Gottes
zu finden, das ihm hätte helfen können, den Sieg davonzutragen. Christus hatte seines Vaters Gebote
gehalten, und es war keine Sünde in ihm, deren sich Satan zu seinem Vorteil hätte bedienen können.
Dies ist der Zustand, der jenen eigen sein muss, die in der trübseligen Zeit bestehen sollen.

Der große Kampf – Seite 623

Schon in dem Leben müssen wir uns durch den Glauben an das versöhnende Blut Christi von der
Sünde trennen. Unser mächtiger Heiland lädt uns ein, uns ihm anzuschließen, unsere Schwäche mit
seiner Kraft, unsere Unwissenheit mit seiner Weisheit, unsere Unwürdigkeit mit seinem Verdienst zu
verbinden. Gottes Vorsehung ist die Schule, in der wir die Sanftmut und Demut Jesu lernen sollen.
Der Herr stellt uns stets das wahre Lebensziel vor Augen, nicht aber den Weg, den wir wählen
möchten, der uns leichter und angenehmer erscheint. Es bleibt uns anheimgestellt, vereint mit den
Kräften zu wirken, die der Himmel einsetzt, um unsere Charaktere nach dem göttlichen Vorbild zu
gestalten. Niemand kann diese Aufgabe vernachlässigen oder aufschieben, ohne seine Seele in
furchtbarer Weise zu gefährden.

Der große Kampf – Seite 623

Der Prophet sagt: "Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden können, und wer wird bestehen,
wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Seife der
Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und
läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit."
Maleachi 3,2.3. Die auf Erden leben, wenn die Fürbitte Christi im Heiligtum droben aufhören wird,
werden vor den Augen eines heiligen Gottes ohne einen Vermittler bestehen müssen. Ihre Kleider
müssen fleckenlos, ihre Charaktere durch das Blut der Besprengung von Sünde gereinigt sein. Durch
Gottes Gnade und durch ihre eigenen fleißigen Anstrengungen müssen sie im Kampf mit dem Bösen
siegreich bleiben. Während das Untersuchungsgericht im Himmel vor sich geht, während die Sünden
reumütiger Gläubiger aus dem Heiligtum entfernt werden, muss sich das Volk Gottes auf Erden in
besonderer Weise läutern, d.h. seine Sünden ablegen. Das wird in den Botschaften von Offenbarung
14 deutlich ausgesagt.

Nachdem das geschehen ist, werden die Nachfolger Christi für sein Erscheinen bereit sein. Dann
"wird dem Herrn wohl gefallen das Speisopfer Juda's und Jerusalems wie vormals und vor langen
Jahren". Maleachi 3,4. Dann wird die Gemeinde, die der Herr bei seinem Kommen zu sich nehmen
wird, herrlich sein, eine Gemeinde, "die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas".
Epheser 5,27. Dann wird sie hervorbrechen "wie die Morgenröte, schön wie der Mond, auserwählt
wie die Sonne, schrecklich wie die Heerscharen". Hoheslied 6,10.

Der große Kampf – Seite 427


Keiner von uns wird je das Siegel Gottes erhalten, wenn unsere Charakter noch Fehler oder Runzel
aufweisen. Es bleibt uns überlassen, unsere Fehler auszumerzen und den Tempel der Seele von
jeglicher Verunreinigung zu säubern. Dann aber wird der Spätregen auf uns fallen wie der Frühregen
auf die Jünger zu Pfingsten.

Zeugnisse Band 2 – Seite 58

Um richtig verstanden zu werden, dass ich mit dieser beschriebenen Sündlosigkeit keine absolute
Sündlosigkeit in ALLEN Bereichen verkünde, folgen die Zitate von Ellen G. White, welche die Grenzen
dieser Botschaft aufzeigen:

Solange Satan regiert, müssen wir unser Ich verleugnen und Sünden, die uns bedrängen,
überwinden. Solange unser Leben währt, werden wir keinen Ort, keinen Punkt erreichen, an dem wir
innehalten und sagen könnten: Ich habe das Endziel erreicht! Nein, Heiligung ist die Frucht
lebenslangen Gehorsams.

Der ständige Kampf gegen eine fleischliche Gesinnung bleibt. Wir brauchen dazu den reinigenden
Einfluss der Gnade Gottes. Sie wird unseren Geist nach oben lenken und ihn daran gewöhnen, über
reine und heilige Dinge nachzudenken.

Wir mögen in unseren Gedanken eine unrealistische Welt schaffen oder uns eine ideale Gemeinde
vorstellen, in der Satans Versuchungen uns nicht mehr zur Sünde verleiten. Aber diese
Vollkommenheit gibt es nur in unserer Einbildung.

Die Erlösten werden einst auch einen sündlosen Körper erhalten, aber das geschieht erst zu der Zeit,
wenn Gott sie in den Himmel aufnimmt. Wohl wird Sünde in diesem Leben vergeben, aber
Sündenvergebung löscht nicht automatisch die Folgen der Sünde aus. Erst bei seiner Wiederkunft
wird Christus "unsern nichtigen Leib verwandeln ..., dass er gleich werde seinem verherrlichten
Leibe." Philipper 3,21

Christus kommt bald – Seite 188.189

Die Original-Bücher im Gehirn

Aus den vorgehergehenden Zitaten unserer Pioniere und des Geistes der Weissagung ist klar
ersichtlich, dass alle in der Tilgung der Sünden eine Erfahrung sahen, die mit dem menschlichen
Gewissen zu tun hat. Siehe auch die Worte der Apostel in Hebr. 9,9.13.14 und 10,1-4. Der Mensch
muss vollkommen werden, und diese Vollkommenheit betrifft das Gewissen. (Hebr. 9,9) Um zur
Vollkommenheit zu gelangen, muss das menschliche Gewissen gereinigt werden. (Hebr. 9,14) Hat ein
Mensch die Vollkommenheit erlangt, dann hat er kein Gewissen mehr von Sünden. „Kein Gewissen
mehr von Sünden…“ (Hebr. 10,2; Elberfelder Übers.)

A.T. Jones sagt: „Das wahre Opfer und der wahre Dienst im Heiligtum und in der wahren Stiftshütte
macht den Bittenden vollkommen. Diese Vollkommenheit der Anbeter besteht darin, dass sie los
von dem Gewissen der Sünde sind.“ (The consecrated Way to a Christian perfection, Seite 79)
Warum aber ist das so? Ellen White sagt uns, dass der Mensch, als er im Paradies sündigte, zwei
Dinge bekam: das Schuldbewusstsein der Sünde und die Kenntnis des Bösen. „Sie aßen beide. Die
große Weisheit, die sie empfingen, war die Kenntnis der Sünde und das Schuldgefühl.“ (Spirit of
Prophecy, Band 1, Seite 21.)

Schuld hat mit Verantwortung zu tun und weil Verantwortung übertragen werden kann, kann auch
die Schuld vom Sünder auf Christus übertragen werden. Christus konnte daher für die Sünden der
Menschheit sterben. Wörtlich sagt er: „Ich nehme die Schuld der Sünde auf mich.“ Damit nahm er
auch die Verantwortung auf sich. Aber die Kenntnis der Sünde kann nicht von einem zum anderen
übertragen werden, weil die Kenntnis der Sünde mit unserer gegenwärtigen Erfahrung der Sünde zu
tun hat. Ellen White sagt: „Sie hatten Kenntnis der Sünde, eine Erfahrung im Ungehorsam.“ RH, Band
1, Seite 139 – 1874

In „Patriarchen und Propheten“ schreibt sie darüber: „Aber gegen sein Wort hatten sie von dem
verbotenen Baum gegessen und würden es ihr Leben lang tun, damit aber auch die Kenntnis des
Bösen behalten.“ (Sete 36). Der Grund dafür ist, dass all unsere Erfahrungen in uns
niedergeschrieben sind. Wie jeder weiß, hat das auch einen Einfluss auf das tägliche Leben. Wir
Adventisten haben eine umfassende Vorstellung davon, wie Gott mit der Sünde umgeht. Im Gericht
wird unsere Kenntnis der Sünde, unsere Erfahrung mit dem Bösen getilgt werden. All unsere
Erfahrungen sind in den Büchern verzeichnet. (siehe Der große Kampf, Seite 480-482)

Doch sollten wir wissen, dass die Bücher im Himmel nur eine Kopie der wirklichen Bücher sind. Auf
Seite 486 des gleichen Buches schreibt sie: „So wie die Gesichtszüge durch den Künstler mit
untrüglicher Genauigkeit auf die glänzende Platte gebannt werden, so treu wird der Charakter in
den Büchern droben dargestellt.“ Wenn das stimmt, dann sind die Originalbücher nicht im Himmel,
sondern im Geist der Menschen, und die Kopien bleiben im Himmel erhalten, um die Persönlichkeit
des Menschen aufrechtzuerhalten, während er im Grabe liegt. Die Kopien und die Originalbücher
müssen gereinigt werden. Was ich euch in diesem Anhang zeigen möchte, ist die Tatsache, dass
Wissenschaftler die Originalbücher gefunden haben. Ein Wissenschaftler mit zwei weiteren soll hier
zitiert werden, um die psychologischen Zusammenhänge aufzuzeigen.

Ihr werdet sehen, dass Ellen White recht hatte, als sie sagte, dass die Kenntnisse, wenn sie im
Zusammenhang mit Erfahrungen stehen, eine bleibende Erinnerung bedeuten. Deshalb ist eine
absolute Versöhnung erforderlich, womit das Austilgen der Sünde gemeint ist. Ohne die Tilgung der
Sünde gibt es keine Erlösung. Das Gericht ist eine gute Nachricht, denn es dient der Rettung der
Heiligen.

Erstens zitieren wir Dr. Wilder Penfield: Er schreibt über einen Erfahrungs-Aufzeichnungs-
Mechanismus der alle unsere Erfahrungen aufschreibt in „einer Bibliothek mit vielen Bänden“
(Memory Mechanismus 192)

Zweitens zitieren wir Lawrence Kubie, der uns erzählt was diese Bücher für unseren Charakter
bedeuten. Er sagt: „Die Wichtigkeit im Zusammenhang mit der Psychoanalyse ist klar, wenn man
berücksichtigt, dass fast alles, was wir über den neurotischen Prozess wissen – seine Entstehung,
Therapie und seine Verhütung – eng mit verborgenen Gedächtnissen verbunden ist.“
Drittens zitieren wir Prof. Gomes der uns berichtet, dass es keine blitzartigen Erfahrungen gibt, denn
„jede Erfahrung trägt Anteile der Vergangenheit mit sich oder sie wird von diesen Teilen der
Vergangenheit getragen.“ Diese Tatsachen machen die Austilgung der Sünde aus uns heraus
notwendig. Lasst uns Gott ewig dafür danken!
H. W. Wiggers

Der Erfahrungs-Aufzeichnungs- Mechanismus


Prof. Dr. Wilder Penfield

Während meiner Gehirnforschung ist es mir zugefallen, einen Mechanismus im menschlichen Gehirn
zu demonstrieren, der den Strom der Gedanken registriert und speichert. Wenn es erforderlich wird,
unter örtlicher Betäubung zu operieren und die Oberfläche eines Schläfenlappens zu reizen, so
passiert gelegentlich, dass gewisse Teile des Speichers aktiviert werden und einen Zeitabschnitt der
Vergangenheit mit erstaunlicher Lebendigkeit und Ausführlichkeit wachrufen. Der Patient erlebt
nochmals, was er sah, hörte und dachte.

Diese Ausführungen haben den Zweck, die Gliederung der Nervenknoten eines Erfahrungs-
Aufzeichnungs-Mechanismus zu untersuchen und darauf hinzuweisen, dass es in diesem
Mechanismus eine Art von Erfahrungs-Speicher gibt im Großhirn.

… Was geschah als die Elektrode angebracht wurde?

Fall N. C.: Diese Patientin schien auf dem Operationstisch zu schlafen. Doch als eine bestimmte Stelle
an der linken Kopfseite stimuliert wurde, sagte sie folgendes: „Ich hatte einen Traum. Da hatte ich
ein Buch unter meinem Arm. Ich sprach mit einem Mann. Der sagte, ich solle mir wegen des Buches
keine Sorgen machen.“

Bei 1 cm Entfernung (Berührung mit der Elektrode) sagte sie: „Mutter spricht mit mir.“ Zehn Minuten
später wurde sie erneut stimuliert und lachte laut. Als sie das erklären sollte, meinte sie: „Nein,
eigentlich ist es eine lange Geschichte. Aber ich will sie Ihnen erzählen.“ Dann wurde die
stimulierende Elektrode entfernt. Es schien, dass sich der Zwischenfall zu Hause in Richmont,
Washington, ereignet hatte. Sie sagte zur ihrer Mutter: „Vergiss das komische Gefühl nicht.“ Ihre
Mutter hätte sie geneckt, meinte sie, und beendete die Geschichte mit folgenden Worten: „Ich nahm
meinen Arm und brachte das dann auf einem Teller herunter und zerbrach dort alles.“ Ohne
Ankündigung wurde die Reizung wieder vorgenommen. Während die Elektrode angebracht wurde,
sprach die Patientin ruhig: „Ja, ein anderes Erlebnis, eine wahre Begebenheit. Dieser Mann, der Herr
Meerburger, er trinkt, ja er trinkt…“ Die Elektrode wurde entfernt, und die Patientin fuhr fort, ihr
Erlebnis zu erklären. Ich sagte: „Er ist wieder da“ und meinte den kleinen Jungen von Herrn
Meerburger. Die Dame fragte: „Was ist los?“ usw. An dieses Erlebnis erinnerte sie sich.

Dann brachte sie die Stimulation dazu, dass sie sich an Musik erinnerte. Hier wurde sechsmal
stimuliert. Zunächst hörte sie ein Kinderlied und später das, was sie den „Kriegsmarsch der Priester“
nannte.
Bei einer Gelegenheit, wo ohne Ankündigung eine Stimulation vorgenommen worden war, sagte sie:
„Ja, ich wollte mich auf dieses Lied besinnen.“ Der Chirurg fragte sie, ob er sie noch mal stimulieren
sollte, und sie sagte: „Ja“. Nachdem die Elektrode wieder angebracht worden war und dort verblieb,
war sie eine ganze Weile still. Dann fing sie an zu summen und machte die Melodie genau nach.
Schließlich sagte sie: „Ja, es ist der Kriegsmarsch der Priester.“ Es war klar, dass sie die Musik mit
ihrem Summen begleitete.

Vier Minuten später wurde sie zum letzten Mal gebeten, sofort Bescheid zu geben, wenn sie wieder
Musik hörte. Nach einiger Verzögerung wurde die Elektrode wieder angebracht. Sofort sagte sie:
„Jetzt.“ Wieder war es der „Kriegsmarsch“. Sie erklärte, dass jedes Mal ein Orchester spiele ohne
Gesang. Dann fügte sie hinzu, dass sie zu Hause eine Schallplatte hätte, wo sich auf einer Seite der
„Halleluja-Chor“ und auf der anderen der „Kriegsmarsch“ befände.

Die Schnelligkeit der Handlung

Ich schließe daraus, dass der Zeitaufwand des letzten Vorfalles der gleiche ist wie bei der
Neuinszenierung. Die Tat oder Gedankenfolge läuft bei der Wiederholung in der gleichen Weise ab
wie bei der ursprünglichen Erfahrung. Diesen Schluss hinsichtlich der Schnelligkeit ziehe ich auf
Grund von folgenden Tatsachen:

Die Patientin N. C., deren Fall eben beschrieben wurde, hörte einem Orchester zu, während die
Elektrode angeschlossen war. Als sie die Melodie summte und so die Musik begleitete, summte sie in
dem Tempo, in dem ein Orchester normalerweise gespielt haben würde…

Ich möchte noch ein ähnliches Beispiel geben.

D. F. war eine intelligente junge Frau. Sie war Sekretärin und Amateurmusikerin. Nachdem sie
entsprechend vorbereitet und stimuliert worden war, meinte sie, sie höre ein Orchester spielen und
behauptete, wir hätten einen Plattenspieler eingeschaltet. Als sie die Melodie summte, erkannte
Fräulein Phoebe Stanley, die Krankenschwester, dieses Lied und ergänzte den Liedtext. Die Patientin
summte das Lied in dem Tempo, wie ein Orchester dieses Stück gespielt haben würde. Da die Musik
in der normalen Zeitfolge wiedergegeben wird – ungeachtet der elektrischen Impulse, die zwischen
30 und 100 liegen können -, lässt sich daraus schließen, dass das Tempo der Neuinszenierung das
gleiche wie bei dem Originalerlebnis ist.

Noch wichtiger erscheint die Bestätigung dieser Schlussfolgerung durch die Tatsache, dass keiner der
Patienten die Meinung vertrat, dass die Menschen, die während dieser Sinnestäuschung gingen,
sprachen oder ins Bild kamen, bei ihren Aktivitäten ein unnatürliches Tempo gehabt hätten.

Wir haben einen Weg gefunden, die anatomische Aufzeichnung des Bewusstseins zu aktivieren, Es ist
daher bewiesen, dass der Mechanismus, der die menschlichen Erfahrungsberichte aufbewahrt,
entweder in doppelter Form im temporalen Bereich jeder Großhirnhälfte vorhanden ist – dort sind
solche Reaktionen durch Stimulation möglich – oder er ist in doppelter Form in einem anderen
Bereich vorhanden, wo eine direkte Stimulation diese Reaktion nicht auslöst. Andererseits könnte er
auch im zentralen Bereich des Gehirns liegen, wo die engste funktionelle Verbindung zu den
stimulierbaren Lappen besteht.
Die Darlegung von Musterfällen, die uns die Existenz gespeicherter Erfahrungen im Gehirn zeigen,
so als wären die Vorgänge in einer Bibliothek mit vielen Bänden registriert, gehört zu den ersten
Schritten in Richtung einer Physiologie des Geistes. Die Fallbeschreibung, der Hergang in seinem
Aufbau und seiner Nutzanwendung und der zusammenhängende Prozess, der die Grundlage des
Bewusstseins bildet – das alles wird eines Tages in physiologische Formeln übertragen…

Die Psychologie von dem Erfahrungs-Aufzeichnungs-Mechnismus


Dr. Lawrence S. Kubie

Die Zweipoligkeit des symbolischen Vorganges führt uns direkt zur Arbeit von Dr. Wilder Penfield, der
sich mit dem Gedächtnis beschäftigte. Die Wichtigkeit im Zusammenhang mit der Psychoanalyse ist
klar, wenn man berücksichtigt, dass fast alles, was wir über den neurotischen Prozess wissen – seine
Entstehung, Therapie und seine Verhütung – eng mit dem Erinnerungsvermögen verbunden ist.

Welche Bedeutung haben diese Beobachtungen für die Psychoanalyse? Sie weisen darauf hin, dass
zumindest bei gewissen Patienten, die an psychomotorischer Epilepsie leiden, die Stimulierung des
Großhirns mit einer Elektrode eine der hypnotischen Wirkung ähnliche Zurückversetzung in die
Vergangenheit hervorrufen kann. Dabei wird die Vergangenheit so wirklichkeitsnah wie die
Gegenwart durchlebt. Es erscheint nebensächlich, dass dies auf dem Operationstisch wie auch im
Labor der experimentellen Psychologie vorkommen kann. Hier wird deutlich, dass die zurückliegende
Vergangenheit wieder neu aufleben kann und wie die Gegenwart erscheint. Es ist so, wie Freud
damals sagte, dass Zeit und Raum für unbewusste Vorgänge kein Hindernis bedeuten. Ferner wird
hier erkennbar, mit welcher Genauigkeit die Vergangenheit fortlaufend in getrennten Einheiten
gespeichert wird. Dies hat auch besondere Bedeutung in den Arbeiten von Spiegel, Shor und
Fischman gefunden.

Wenn durch eine Elektrode Erfahrungen neu aktiviert werden, ist die Person nicht nur ein
Beobachter dieser lebendigen Sinnesvorstellung. Sie beobachtet nicht nur das äußere Benehmen. In
Wirklichkeit erfährt sie sein inneres Geschehen. Um Penfield zu zitieren: „Die Vergangenheit scheint
für den Betreffenden eine Erfahrung der Gegenwart zu sein, weil sie sich so nachdrücklich
aufdrängt“, und weil er körperlichen Anteil an dieser Erfahrung hat. Diese Angelegenheit ist ihm
körperlich und seelisch gegenwärtig…

Es geht dabei um Sinnesempfindung, nicht um die Sprache. Der Vorgang vollzieht sich im Gedächtnis
– wie im Traum. Man beobachtet und wird beobachtet; noch mehr, man ist völlig dabei mit seiner
Empfindungs- und Gefühlswelt, d.h. der Patient sah, hörte, spürte und verstand alles. Er durchlebt es
aufs Neue. Unterbrechungen von Zeit und Raum haben keine Bedeutung. Die Vergangenheit ist
genauso bedrohlich und lebendig wie die Gegenwart. Das wichtigste ist vielleicht die Tatsache, dass
das, was hier hervorgerufen wird, ein neues Durchleben bestimmter Lebenserfahrungen ist.

Sollte es sich dabei zeigen, dass irgendwelche dieser Vorgänge verdrängt worden sind, dann kann das
Großhirn durch Stimulierung in wenigen Augenblicken die entsprechende Erfahrung der
Vergangenheit hervorbringen, was dem Analytiker oft erst nach Tagen, Wochen, Monaten oder
Jahren gelingt…
Das Gedächtnis – ein Hauptthema
Prof. Dr. A. O. Gomes

Die letzten Ausführungen über die biologischen Kenntnisse vom menschlichen Verstand und seiner
Funktion bringen unwillkürlich das letzte Thema zur Sprache, das in dieser kurzen Übersicht deutlich
behandelt werden soll. Man hätte dies natürlich auch vom Standpunkt der Neurophysiologie und
Neurologie sowie aus der Sicht der Psychologie betreiben können. Für diese Bereiche ist das Thema
Gedächtnis nicht weniger wichtig als gerade für die genetische Wissenschaft. Das Gedächtnis ist
schlechthin der Angelpunkt des persönlichen Lebens. In diesem Licht, wenn wir das so sagen dürfen
– ist es notwendig, die Tatsache, die unser Hauptproblem im Bereich der Wissenschaft ist, neu zu
prüfen und entsprechend zu definieren.

Wir wollen ganz kurz einige wenige Beispiele erwähnen: eine halluzinogene Droge wird
eingenommen, die umfangreiche Sinneswahrnehmungen auslöst und unabhängig von der normalen
äußeren Stimulierung bleibt. Bei einem Kind mit noch geringer persönlicher Erfahrung wird das
Ergebnis nicht gleicher Art sein. Die Sinnestäuschung, die durch die Droge bewirkt wird, ist nicht
ausschließlich die Folge dieses Produktes, sondern vielmehr ein Machwerk, das durch persönliche,
vergangenheitsbezogene Erfahrungen zustande kommt. Eine Elektrode dringt in einen bestimmten
Gehirnbereich eines Tieres ein und überträgt einen elektrischen Reiz. Das hat zur Folge, dass es
vielleicht gezwungen ist, durch einen verworrenen Irrgarten im Versuchsgelände zu gehen – dort, wo
es untergebracht ist –, um eine Stelle zu erreichen, wo es Wasser trinken kann. Zwangsläufig trinkt es
über seine normalen Trinkbedürfnisse hinaus. Diese Reaktion ist nicht ausschließlich die Folge der
künstlichen Stimulation. Die vergangene Erfahrung des Tieres ist ausschlaggebend für den ganzen
Vorgang – vom Anfang bis zum Ende. Irgendein abnormer organischer Zustand ruft eine Krise der
Depression in uns hervor. Alles, was wir dann denken und tun, hängt davon ab, was in unserer
persönlichen Vergangenheit hinter dem Neuen ist. Wir müssen mit organisch verursachten
Schwierigkeiten fertig werden. Selbst die Stärke der Krise hängt neben anderen Dingen von der Art
ab, wie wir in der Vergangenheit ähnliche kritische Situationen bewältigt haben. Das Gedächtnis mag
uns hierbei helfen, um Kräfte zu mobilisieren, dem Anfall der Depression zu begegnen. Andererseits
können größere Krisen der Vergangenheit den gegenwärtigen Zustand zwangsläufig verschlimmern.
Es ist auch möglich, durch ein chemisches Anregungsmittel unser seelisches Gleichgewicht
wiederherzustellen. Dieses Mittel bringt dann einen neuen Bestandteil in unserer Erfahrung ein, der
andererseits die Erinnerung fördert, um die wir uns sonst vielleicht vergeblich bemüht haben.
Dadurch ergibt sich aber auch die Gelegenheit, dass es sich an die Stelle der schwermütigen,
quälenden Gedanken setzt, die sonst durch unsere Erfahrungen hervorgerufen werden.

Kein Erlebnis ist im Grunde genommen blitzartig. Jede Erfahrung trägt Anteile der Vergangenheit
mit sich oder sie wird von diesen Teilen der Vergangenheit getragen. Es liegt auf der Hand, dass die
Beweisführung nicht denkbar ist ohne wenigstens einen gewissen Teil der Vergangenheit. Ohne die
Vergangenheit ist kein Argument, keine einfache Erklärung möglich. Eine Wahrnehmung, die auf
den ersten Blick unabhängig von der Erinnerung an frühere Erlebnisse zu sein scheint, ist es am Ende
doch nicht. Sehr oft kommt uns in der ablaufenden Phase des gegenwärtigen Geschehens ein Teil
vergangener Erfahrungen zugute. Dieser Vorgang, der oft unbemerkt bleibt, ist jedoch für die
Struktur unseres Innenlebens so ungemein wichtig, dass er die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich
gelenkt hat.
Prof. Granit hat berechtigterweise die Frage gestellt, ob unsere allgemeine Auffassungsgabe so gut
funktionieren würde, wenn dieses Phänomen nicht vorhanden wäre. (Granit 1955)

Das Fortbestehen der Auffassungsgabe zeigt, dass darin nicht nur die jüngere Vergangenheit
enthalten ist – d.h. die Vergangenheit, die noch nicht in der Zeit von der jetzt durchlebten Erfahrung
getrennt ist –, sondern auch die Funktion der weiter zurückliegenden, persönlichen Vergangenheit.
Bei sehr jungen Kindern, die nur eine relativ geringe Ansammlung vergangener Erlebnisse haben, ist
dieses Phänomen noch nicht so ausgeprägt. Durch bewusstes Training kann die Funktion manchmal
geändert werden. (Hirst 1959)

Wenn also in allen Fällen einer wechselseitigen Beeinflussung zwischen dem Nervensystem und der
Erfahrung die wichtigste Vermittlung der persönlichen Vergangenheit zu finden ist, dann kann das
Thema Gedächtnis für die Wissenschaft nur eine Herausforderung bedeuten, wo es letztlich um die
Beziehung zwischen Gehirn und Verstand geht. Mit einbezogen sind hier auch die Fälle, wo offenbar
keine direkte Beziehung zwischen einer Erfahrung und der entsprechenden Stimulation besteht. In
der Neurophysiologie geht es schließlich um die Problematik des Lernens, der Gewohnheit, Erziehung
und Beschaffenheit.

Wir sollten keinesfalls überrascht sein, wenn trotz der beeindruckenden Beiträge und vielfältigen
Experimente, die von den Neurophysiologen zum Thema Gedächtnis kommen, die größten und
bedeutendsten Männer dieses Arbeitsfeldes behaupten, dass wir dem Verständnis kaum näher
gekommen sind als der Mensch, der vor dreihundert Jahren das erklärte, was vielleicht der erste
Versuch war, das Gedächtnis sprachlich nach der Funktion des Gehirns zu definieren. (Lashley 1960)
Halstead schrieb in dem Kapitel über das Gedächtnis in dem Handbuch für Physiologie (American
Physiological Society):

„Es gibt kein bekanntes Verfahren, das mit dem Leben vereinbar ist, um eine Erinnerung aus den
Gehirnzellen auszulöschen, wenn sie dort hineingelangt sind.“

Quelle: Der Glaube der Pioniere – Edelsteinverlag – Seite 189-200

Bei den Menschen ist's unmöglich,


aber nicht bei Gott;
denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Mark. 10,27
Ein persönliches Zeugnis
E. W. Farnsworth

Als Ausdruck meiner Herzensverfassung möchte ich heute Morgen einige Verse aus dem 66. Psalm
vorlesen:

„Kommet her, höret zu, alle die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an meiner Seele getan
hat.“ (Vers 16, alter Luther Übersetzung)

Ihr werdet bemerken, dass der Psalmist uns nicht auffordert zu hören, was der Herr an seinem
Körper getan hat, sondern es geht ihm darum, was der Herr an seiner Seele getan hat. Das lässt uns
erkennen, dass es hier um mehr geht als nur um den Körper.

„Zu ihm rief ich mit meinem Munde und pries ihn mit meiner Zunge… Aber Gott hat mich erhört und
gemerkt auf mein Flehen. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir
wendet.“ (Verse 17+20)

Das ist meine Herzensverfassung, meine Brüder. Das ist meine Erfahrung. Heute Morgen möchte ich
zur Ehre und Verherrlichung Gottes bezeugen, was der Herr für mich getan hat. Im November werde
ich 79 Jahre alt. Von kleinen Unpässlichkeiten und Erkältungen abgesehen, bin ich nie krank gewesen.
Ich wusste nicht, was das bedeutet, krank zu sein. Doch vor länger als zwei Jahren spürte ich, dass
sich da in meinem Körper etwas Ernstliches anbahnte. Ich bekam eine schwere Gelbsucht. Das war
keine angenehme Sache, wie ihr euch denken könnt. Außerdem hatte ich Verdauungsstörungen. Das
gefiel mir überhaupt nicht. Dann bekam ich Gallebeschwerden. Das war am schlimmsten von allem.
Es ging mir immer schlechter. Ich wohnte nicht weit vom Sanatorium in Glendale, Kalifornien. Ich rief
den Arzt. Er kam und tat, was ein Arzt nur eben tun kann. Aber mir ging es nicht besser. Zwei Monate
musste ich im Bett liegen und nahm ständig ab. Ich wog nur noch 150 Pfund. Mein normales Gewicht
liegt bei 185 bis 190 Pfund. Aber ich verlor weitere Pfunde.

Schließlich sagte der Arzt zu mir: „Wir machen uns Sorgen um dich. Wir werden aber keine Operation
vornehmen, solange es nicht lebensnotwendig ist.“

Mit diesem Vorschlag war ich einverstanden. Ich muss nämlich zugeben, dass Operationen etwas
Schreckliches für mich sind. Deshalb war ich froh, dass man mich nur im äußersten Fall operieren
wollte.

Im Operationssaal

Schließlich kam es soweit, dass mir die Ärzte sagten, ich würde nicht mehr lange leben, wenn nicht
etwas Entscheidendes getan würde. Ich erwiderte, dass sie nach ihrem Ermessen handeln sollten.
Nachdem sie sich beraten hatten, ließen sie mich wissen, dass eine Operation notwendig wäre.
Nachdem man mich etwa einen Monat flüssig ernährt hatte, wurde ich in den Operationssaal
gefahren.
Ich muss sagen, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man wegen einer schweren Operation auf dem
Tisch liegt, oder ob man darüber spricht. Dort befanden sich drei Chirurgen, mehrere jüngere Ärzte
und einige Pfleger.

Bruder McElhany betete für mich, den Chirurgen und die anderen Ärzte. Der Arzt, der dem
Narkosearzt assistierte, sagte: „Bruder Farnsworth, du brauchst keine Angst zu haben. Ich werde dir
dreimal die Sauerstoffmenge geben, die du gewöhnlich einatmest.“ Einen Augenblick später setzte er
mir die Maske auf, und gleich darauf war ich weg.

Einer stand an meiner Seite.

Es gab kein Zeitgefühl. Doch zu der Zeit hatte ich ein wundersames Erlebnis. Es schien jemand an
meiner Seite zu stehen. Seine Gegenwart erfüllte den ganzen Raum. Er hat mir dieses Gebet
eingegeben – ich denke, dass ich es wiederholen kann:

„Himmlischer Vater, vielleicht ist dies die Stunde, die du zum Gericht vor deinem Thron anberaumt
hast. Wenn du mich dorthin bestellst, soll es so sein. Doch ich komme nicht allein. Ich bin mit der
Gerechtigkeit gekleidet und komme im Namen und durch die Verdienste des großen und gütigen
Heilandes, den du für mich geschickt hast. In deine Hände befehle ich meinen Geist.“

Diese Worte schienen an die Wand des Zimmers geschrieben zu sein. Sie sind fest eingeprägt in
meinem Gedächtnis, und ich glaube, ich werde sie nie vergessen…

Nun, die Operation wurde beendet, und ich wachte eine Weile später in meinem früheren Zimmer
auf.

Fleischgewächs

Mir wurde erzählt, dass der Arzt, nachdem der Einschnitt gemacht worden war, hinsah und zu den
anderen Ärzten das eine unheilvolle Wort sagte: „Fleischgewächs!“ Die Leber, die
Bauchspeicheldrüse und Galle waren davon betroffen. Als man feststellte, dass nichts mehr getan
werden konnte, nähten sie den Einschnitt zu. Bei Krebs war es sinnlos, noch irgendetwas zu machen.
Meine Frau, die in meiner Nähe war, fühlte sich sehr enttäuscht. Das hatte sie nicht erwartet. Sie
dachte, vielleicht müsste die Galle entfernt werden. Doch diesen bösartigen Krebs hatte sie nicht
erwartet. Sie war völlig niedergeschlagen. Man musste sie stützen.

Man hatte versucht, sie von meinem Zimmer fernzuhalten. Doch sie sagte ihnen, sie hätte bei
unserer Hochzeit versprochen, mir in gesunden und kranken Tagen beizustehen, und das wolle sie
auch bis zum Ende tun. Das möchte ich jetzt noch sagen, sonst vergesse ich es: in allen Notlagen und
Krisen, die wir erlebt haben – und das waren nicht wenige -, hat sie mir immer mit beachtlichem
Mut, mit Kraft und Zuversicht beigestanden. Sie hat mir in allen Schwierigkeiten geholfen.
Der Gott Elias

Nachdem sich meine Frau zurückgezogen hatte, versuchten Bruder McElhany, Dr. Julia White und
andere, die so nett zu uns gewesen waren, sie etwas zu trösten. Sie wurde gleich munter uns sagte:
„Bruder McElhany, wo ist der Gott Elias?“ Ist er tot oder es er sonst wo in diesem Institut? Ich denke,
wir wenden uns besser an ihn, damit wir sehen, was der Herr des Elias tun wird.“

Bruder McElhany sagte: „Das meine ich auch.“

Etwas später bereiteten sie eine Gebetsgemeinschaft vor. Zuerst wollte man dies noch einige Tage
verschieben, damit diejenigen, die daran teilnehmen wollten, ihre Herzen gründlich vorbereiten
konnten. Außerdem sollte ich erst etwas zu mir kommen, damit ich die Notlage besser erfassen
konnte. Die lieben Brüder in Des Moines hatten vor ihrer Herbstsitzung auch schon für mich gebetet.

Die Ärzte geben auf

Als ich etwas kräftiger war, kamen die Brüder in Glendale wieder zum Gebet zusammen. Dieses Mal
hatte sich jeder gründlich darauf vorbereitet. Ärzte und Pfleger waren beisammen. Vor der
Gebetsstunde kamen die Ärzte zu mir, um mir meine Situation zu erklären. Sie taten dies mit
äußerster Liebenswürdigkeit.

Ich sagte: „Was ist denn?“

Sie antworteten: „Du hast eine Krebsgeschwulst, und wir können nichts dagegen tun. Niemand kann
da etwas machen. Was wir tun konnten, haben wir getan.“

Ich schaute den Ärzten ins Gesicht: „Es scheint so, als ob ihr mir nur sagen könnt, wie schlecht es um
mich steht. Das war mir schon ziemlich klar, bevor ich operiert wurde.“ Ich fuhr dann fort: „Ihr habt
mich also aufgegeben. Da werde ich Berufung einlegen. Ich werde meinen Fall der himmlischen
Ärztekommission vortragen, bei der Jesus Christus den Vorsitz hat. ER kann den Krebs ebenso heilen
wie jede andere Krankheit! Ich möchte ihm meinen Fall übergeben.“

Die guten Ärzte meinten: „Wenn du das tun willst, werden wir dich dabei unterstützen. Wir werden
zusammen beten.“

Das muss ich anerkennen, sie waren an meiner Seite, als wir dann beteten. Und die Gebete haben
eine ganze Weile gedauert.

Nur noch zwei Wochen zu leben

Ich möchte noch erwähnen, dass ich bei dem Gespräch mit den Ärzten die Frage stellte: „Was glaubt
ihr, wie lange habe ich noch zu leben?“

„Ach, Bruder Farnsworth“, war die Antwort, „es hat schon so manchen gegeben, der nicht so
schlecht dran war wie du, der kaum noch eine Woche gelebt hat. Vielleicht lebst du noch eine
Woche, vielleicht sind es auch noch zwei. Aber deine Tage sind gezählt.“
Keine Furcht vor dem Tod

Brüder, ich möchte sagen, dass ich die Verheißung des 23. Psalms aus eigener Erfahrung kenne: „Und
ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“ Ich kann es
nicht erklären, und ich will es auch nicht. Aber ich hatte ebenso wenig Angst vor dem Tod wie ihr
euch fürchtet, wenn ihr euch auszieht und ins Bett geht. Die Angst vor dem Tod war völlig
verschwunden.

Es war meine Sorge, dass ich meine Frau allein zurücklassen müsste. Doch gab es noch andere Dinge,
die mir zu schaffen machten: z. B. der Gedanke, dass ich keine Predigt mehr halten und dass ich das
Werk nicht mehr unterstützen könnte. Unerträglich schien es mir, dass ich nicht mehr für den Herrn
Jesus Christus und in seinem Werk arbeiten sollte. Die weltlichen Dinge bedeuteten mir nichts.
Darüber machte ich mir keine Gedanken. Wie schon gesagt, sonst hatte ich keine Angst.

Die Erinnerung an die Sünde ausgelöscht

Bevor ich es vergesse, möchte ich noch eine andere Sache erwähnen, die Gott für meine Seele
getan hat. Ich kann das nicht recht erklären, und es ist wohl auch nicht erforderlich. Also, das war
folgendermaßen: nach jener großen Erfahrung mit dem Geiste Gottes wurde mir nach einigen
Tagen bewusst, dass es Dinge gab, die ich vergessen hatte. Ich dachte darüber nach. Es war
sonderbar. Ich habe versucht, mich zu erinnern. Ihr Brüder und Prediger, ihr wisst, dass wir in der
Vergangenheit Erfahrungen gemacht haben und mit anderen Brüdern in Berührung gekommen
sind, wo wir uns gefragt haben, wie es nur möglich ist, dass sich manche so verhalten und trotzdem
Christen sein wollen. Manchmal sind dann unrechte Gefühle bei uns aufgekommen, die nicht
hätten sein sollen. Doch wir sind damit herumgelaufen. Ihr wisst, was ich meine.

Ich möchte hier heute Morgen bezeugen, dass der Heilige Geist das alles aus meinem Gedächtnis
entfernt hat. An keine einzige Sache dieser Art kann ich mich erinnern, an keine einzige. Ich weiß
nicht, wann er es gemacht hat, und ich weiß auch nicht, wie es geschehen ist. Deswegen machte
ich mir auch keine Gedanken. Doch ich habe Gott seit diesem Tage gepriesen, dass er mir diese
Erfahrung geschenkt hat. Dies hat mir mehr als andere Erfahrungen zu verstehen geholfen, was
Gott meint, wenn er uns sagt, dass er unsere Übertretungen tilgen will. Es bedeutet tatsächlich
mehr, als nur die Berichte die im Himmel vorliegen, zu streichen. Die Sünden werden aus dem
Gedächtnis eines Menschen ausgetilgt, und er wird sich nicht mehr daran erinnern. Brüder, das
wird Gott in aller Kürze für sein seliges Volk tun – für alle Ewigkeit.

Ich habe es mehrmals in der Bibel gelesen, dass Gott unserer Übertretungen nicht mehr gedenken
will. Nun, Brüder, ich sage euch, wenn Gott sie vergisst und sich nicht mehr daran erinnert, dann ist
es auch für uns ein glücklicher Umstand, wenn wir sie vergessen und nicht mehr daran denken. Ich
danke Gott für diese Erfahrung. Ich sage euch, diese Erfahrung ist es wert, dass wir in das Tal des
Todes (das finstere Tal) gehen, damit wir das erreichen. Wirklich! Ich weiß nicht, ob mir dieses
Geschenk zuteil geworden wäre, wenn ich nicht durch diese Erfahrung geführt worden wäre. Aber
ich musste sie machen.
Krebs durch Gebet geheilt

Die Brüder vereinbarten einen Zeitpunkt, um für mich zu beten. Es war der 19. Oktober 1925. Seit
dieser Zeit habe ich nicht mehr die geringsten Schmerzen gehabt. Wenn ich das danach beurteilen
soll, wie ich mich fühle und was die Schmerzen betrifft, so geht es mir ausgezeichnet. Ich bin ohne
Schwierigkeiten hierhergekommen wie die anderen Brüder auch. Ob ihr es zugeben wollt, ich weiß
nicht, aber ich laufe die Treppe rauf und runter. Ich bin hierhergekommen und sitze da vom frühen
Morgen bis zum späten Abend. Natürlich werde ich etwas müde. Aber ich möchte wissen, ob hier
sonst keiner ist, der nicht auch etwas müde wäre. Ich bin sicher, dass ich nicht mehr ermüdet bin als
ihr, wenn der Abend kommt. So ist es nun mal. Die letzte Spur von dem Krebs ist verschwunden. Vor
dieser Konferenz hatte ich wohl noch einige Behandlungen. Mein Pfleger ist ein starker, kräftiger
Mann. Er hat mich massiert, auch dort, wo der Krebs war. Nicht eine einzige empfindliche Stelle hat
er gefunden. Brüder, ich kann wirklich sagen, dass Gott jede Spur dieser Krankheit beseitigt hat. Ich
habe ein Recht darauf, das zu sagen. Und von ganzem Herzen glaube ich daran, dass es so ist.

Ich möchte das ausdrücklich betonen, denn es sind einige da in unseren Reihen, die noch Zweifel
haben. Sie sagen: „Warte noch ein paar Tage.“ Jemand hörte, dass ich geheilt worden bin. „Ja“, sagte
er, „keinen Zweifel. Doch warten wir ab, bis der Rausch vorbei ist. Dann geht es Bruder Farnsworth
genauso wie vorher.“ Solche Bemerkungen sind des Öfteren gemacht worden. Ein Arzt sagte vor
nicht langer Zeit: „Unmöglich. So etwas hat es noch nie gegeben, dass jemand diesen bösartigen
Krebs in seiner Leber hatte und wieder gesund wurde.“ Mir ist es egal, ob es so etwas schon mal
gegeben hat oder nicht. Mir genügt es, dass es das jetzt gibt.

Versuchung durch Zweifel

Als meine Frau und ich beteten – wir taten dies seit jenem Gebetsabend besonders oft -, da kam es
mir an manchen Tagen so vor, als würden die früheren Beschwerden wieder auftreten. Natürlich
weiß ich, dass diese Gedanken vom Teufel kamen. Doch hatte ich das Gefühl, als hätte mich die alte
Krankheit wieder gepackt. Dann haben wir einfach gebetet. Wochenlang mussten wir diesen Kampf
führen. Es gab keine Schmerzen, doch wir beteten.

Eines Morgens, nachdem wir gebetet hatten – ich hatte einen leichten Anflug einer Erkältung und
fühlte mich auch danach -, sagte meine Frau: „Jetzt ist wohl die Zeit für dich gekommen, dass du frei
davon wirst, Eugene.“ So geschah es dann auch. In jener Nacht wurde ich gesalbt, und wir beteten
zusammen. Der Herr kam zu uns und gab uns den Gebetsgeist. Die Brüder beteten und dann ich. Ich
betete lange. Schließlich sagte ich ehrfurchtsvoll und mit großem Ernst zu meinem Herrn und
Heiland: „Du hast verheißen, mich freizumachen. Durch die Kraft deines persönlichen Wortes erkläre
ich mich frei von diesem schrecklichen Fluch.“ Ich sage euch, Brüder, als ich meine Freiheit erklärte,
da erhielt ich sie auch. Doch gab es danach auch noch Versuchungen. Davon war ich nicht frei.
Zunahme an Kraft

Das ist meine Erfahrung. Ich brauchte lange Zeit, um meine körperliche Kraft wiederzufinden. Bis
jetzt weiß ich noch nicht, warum das so war. Ihr wisst, dass es so manches gibt, war man nicht
erklären kann. Und ich weiß nicht, warum ich sechs Monate brauchte, bis ich wieder meine normale
Kraft hatte. Hinterher meinten die Ärzte, das hätte an dem Nervenschock gelegen, den ich gehabt
hätte. Ich war sehr froh, dass sie mir das sagten. Zuerst hatte ich gemeint, der Krebs wäre noch
vorhanden gewesen, und das hätte mir die Kraft genommen. Doch sie sagten: „Nein, so war das
nicht. Es lag an dem Nervenschock.“ Doch dann wurde ich etwas kräftiger. Wenn ich nach vier bis
sechs Wochen zurückblickte, merkte ich, dass es schon besser ging.

Vorhin sagte ich euch, dass ich seitdem keine Schmerzen mehr gehabt hatte. Wirklich. Damals hatte
ich keinen Appetit. Ich konnte nichts essen. Essbares war mir zuwider. Ich hatte kein Verlangen
danach. Aber nach diesem Gebetsabend war es anders. Am nächsten Morgen hatte ich einen so
großen Hunger, dass ich am liebsten alles, was in Reichweite war, gegessen hätte. Natürlich habe ich
mich zusammengenommen. Einige Tage später kam mein Pfleger und brachte mir das Mittagessen
auf einem Tablett. Er sagte: „Bruder Farnsworth, hier habe ich ein Mittagessen für einen arbeitenden
Mann.“ Nun, ich habe alles gegessen, was er gebracht hat. Mein Magen hat seitdem nie wieder eine
Mahlzeit verweigert.

Brüder, ich denke, ich kann mit Recht sagen, dass ich ein gesunder Mann bin. Was meint ihr? Ich
meine es jedenfalls. Bis jetzt habe ich am Mut und an der Gnade festgehalten. Auf diese Gelegenheit
heute morgen habe ich gewartet.

Brüder, ich glaube, dies ist eine echte Erfahrung. Doch bin ich nicht der einzige, der so etwas erlebt
hat. Ich glaube von ganzem Herzen daran, dass bald die Zeit kommen wird, wo wir Hunderte und
Tausende solcher Fälle erleben werden. Wann und wo das passieren wird, weiß ich nicht.

Ich möchte jetzt Bruder Daniells bitten, ein paar Worte zu sagen. Er soll über einiges berichten, was
er weiß und besser sagen kann als ich. Dann werde ich fortfahren.

Ein Mann ist von den Toten auferstanden

A. G. DAniells:

Ich bin sehr bewegt von dem Zeugnis, das wir hören durften, und ich bin sehr froh darüber. Bruder
Farnsworth und ich trafen uns erst nach seiner Heilung im Februar. Das alles war schon Monate
vorher passiert. Eines Tages bat ein Arzt, der bei der Operation dabei war, Bruder Farnsworth und
mich, für eine schwer erkrankte Verwandte seiner Frau zu beten. Er holte uns ab. Nachdem wir dann
gebetet hatten, brachte er uns wieder zurück. Wir ließen Bruder Farnsworth an seinem Haus
aussteigen. Als wir weiterfuhren, wandte sich der Arzt zu mir und sagte: „Bruder Daniells, dieser
Mann ist auferstanden. Er ist von den Toten auferstanden.“
Ich sagte: „Es wäre schön, wenn du ganz offen vom ärztlichen Standpunkt sagen würdest, was du
weißt.“ Er sagte: „Ich stand daneben, als der Chirurg operierte. Ich habe alles genau gesehen. Es war
eine unbeschreibliche Masse in seinem Leib. Man kann sich nicht vorstellen, dass sich eine so große
Masse wieder zurückbilden kann. Der Chirurg sagte: ‚Unmöglich, da etwas zu tun. Wir können ihn nur
zunähen und noch ein oder zwei Wochen so leben lassen.’“

Weiter bezeugte mir der Arzt: „Jetzt läuft er hier überall herum, besucht Gottesdienste, predigt am
Tag und abends und betet für die Kranken. Ich sage dir, es gibt einen Gott im Himmel, der Gebete
erhört und der Männer und Frauen tatsächlich heilt.“

Ja, ich habe mich über dieses Zeugnis gefreut und glaube mit Bruder Farnsworth, dass er vollkommen
gesund ist, sehen wir ihn doch jetzt hier im Vollbesitz seiner Kräfte. Für mich es ein Wunder, dass er
jetzt hier bei uns sein und so lebendig predigen kann. Möge Gott Bruder Farnsworth reichlich segnen.
Mögen die Tage, die ihm geschenkt werden, zu den Tagen des Sieges werden, damit er noch vielen
unseres Volkes den Glauben stärken kann, denn Gott will das Flehen seiner Kinder erhören.

Ernstliches Gebet ist notwendig

E. W. Farnsworth

Durch das Studium des Wortes Gottes weiß ich, dass es unser Vorrecht ist, uns beim Gebet ganz
unter den Willen Gottes zu stellen. Gleichzeitig ist es erforderlich, dass wir sehr ernstlich bitten. Zu
diesem Thema hat Gott zwei Gleichnisse gegeben. Das eine spricht von dem Mann, der wegen Brot
zu seinem Freund ging. Es war Christi Absicht, den Menschen zu zeigen, dass sie immer beten und
nicht müde oder entmutigt sein sollen. Brüder, ich glaube, durch unsere Zaghaftigkeit und
Unschlüssigkeit ist uns viel verlorengegangen. Wir haben einfach noch nicht begriffen, dass Gott
etwas für uns tun möchte.

Ich wurde frei, als ich meine Freiheit im festen Glauben an Gottes Wort beanspruchte.

„Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten von der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn
salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und
der Herr wird ihn aufrichten; und so er hat Sünden getan, werden sie ihm vergeben sein.“ (Jakobus
5,14.15)

Was fangt ihr mit dieser Verheißung an, meine Freunde? Glaubt ihr daran? Das Gebet des Glaubens
wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten.“ Ich danke dem Herrn für die zusätzliche
Verheißung: „So er Sünden getan hat, werden sie ihm vergeben sein.“ Ich stehe heute vor euch und
danke Gott, dass er all meine Sünden abgewaschen hat. Dafür danke ich genauso wie für die
körperliche Heilung.

Diese Gelegenheit möchte ich wahrnehmen, um zu erfahren, wer heute Morgen hier anwesend ist
und von Gott geheilt wurde. Ich weiß, dass es viele sind. Sie reden nicht viel darüber. Wer von euch
ist durch das Gebet geheilt worden? Steht bitte auf! (Etwa 200 Geschwister erhoben sich von ihren
Plätzen). Gott sei gepriesen für seine Güte an uns Menschenkindern! Wahrlich, er vergibt uns unsere
Sünden und heilt all unsere Gebrechen.

Divine Healing, S. 7-19; Review and Herald Publ. Ass. 1927; Der Glaube der Pioniere – Seite 174-185
DAS AUSLÖSCHEN DER SÜNDE
Wenn ich einen Text aus der Bibel auswählen müsste, um das Volk Gottes zu erwecken und zu
erleuchten, dann wäre Apostelgeschichte 3,19 die sofortige Wahl:

„So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden vertilgt werden; auf dass da komme die Zeit
der Erquickung von dem Angesichte des HERRN…“ Luther

„So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden,
damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn…“ Elberfelder

Lasst uns anschauen, wie Ellen G. White diesen Text benutzt hat:

Senden wir durch Bekehrung und Bekenntnis unsere Sünden im Voraus ins Gericht, damit sie
ausgelöscht werden mögen wenn die Zeiten der Erfrischung kommen sollen?

RH – August 28, 1883

Das große Werk des Evangeliums wird mit keiner geringeren Offenbarung der Macht Gottes
schließen als derjenigen, die seinen Anfang kennzeichnete. Die Weissagungen, die in der Ausgießung
des Frühregens am Anfang der frühchristlichen Zeit ihre Erfüllung fanden, werden sich am Ende der
christlichen Geschichte im Spätregen erfüllen. Es ist die Zeit der Erquickung, der auch der Apostel
Petrus entgegensah, als er sagte: "so tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden vertilgt
werden [im Untersuchungsgericht]; auf dass da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte
des Herrn wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus."

Der große Kampf – Seite 610 – Der Hinweis in Klammern findet sich in der Ausgabe von 1888

Eine wichtige Abfolge von Ereignissen


Apostelgeschichte 3,19 setzt eine wichtige Abfolge von Ereignissen fest. Adventisten haben seit 1844
immer gelehrt, dass die Austilgung der Sünde uns zur Arbeit des Untersuchungsgerichtes führt. Die
Passage vor uns erklärt deutlich, dass es keinen Spätregen unabhängig von der Austilgung der Sünde
geben wird. Das würde heißen, dass das Untersuchungsgericht zuerst an Gottes Volk kommen muss,
bevor sie die Ausgießung des heiligen Geistes in der Kraft des Spätregens empfangen mögen. Der
Spätregen stellt Gottes Siegel der gewährten Annahme für diejenigen dar, welche im Gericht die
Zustimmung erhalten haben.
Es ist an der Zeit, dass Gottes Volk allmählich über die Wahrheit des Spätregenempfanges wachsam
werden sollte. Es ist sehr gefährlich diesen Segen außerhalb von Gottes bestimmtem Weg zu suchen.
In den sonntagshaltenden Gemeinden ist es Brauch geworden aufsehenerregende geistliche
Offenbarungen zum empfangen, welche einige als den Spätregen bezeichnen. Es erscheint, als werde
der Heilige Geist über Tausenden ausgeschüttet. Zungenrede, Wunder, Heilung und eine ganze
Vielfalt von geistlichen Phänomenen offenbaren sich zu dieser Zeit, und diejenigen die sich an dieser
Bewegung beteiligen, sind überzeugt, dass es der Beginn einer mächtigen Erweckung ist, welche die
Welt für die Vorbereitung auf die Wiederkunft bekehren wird. Wir müssen feststellen, dass uns der
Geist der Weissagung davor warnte, dass solch eine Entwicklung in den abgefallenen Kirchen
auftreten wird, noch vor den echten Erscheinungen des Spätregens unter Gottes sabbathaltendem
Volk. (EW 261, GC 464)

Es ist traurig, dass viele sich zum Glauben an die Dritte-Engelsbotschaft bekennen und doch nicht
vorbereitet sind dieser gewaltigen Täuschung zu widerstehen und erscheinen bestrebt, dass wir in
der Gemeinde der Übrigen solch wunderbare Kraft erleben. Sicherlich müssen wir für den Spätregen
beten, aber unsere Gebete sollten intelligent sein. Sie müssen in Harmonie mit der Wahrheit sein.
Und unsere Werke müssen in Harmonie mit unseren Gebeten sein. Oft ist dies nämlich nicht der Fall.
Was haben die Aufrufe den Spätregen zu erhalten für eine Bedeutung? Verweisen sie uns in das
Allerheiligste des Heiligtums als einzigem Ort des Suchens nach diesem Segen? (EW 55,56) Leiten sie
Gottes Volk zum Gericht, zeigen ihm, dass zuvor eine gewaltige Erweckung stattfinden muss und ein
Ablegen der Sünde, damit es befähigt ist, im Gericht zu bestehen? Leiten diese Aufrufe die Gläubigen
dazu an, dass wir zuerst ins Gericht müssen um unsere Sünden ausgelöscht zu bekommen? Wenn die
Antwort nicht ‚Ja‘ ist, dann hat Satan mehr mit diesen Appellen zu tun als Gott.

Ach, die Blindheit des Laodizeazustandes! Betrachtet die aktuellen Aufrufe um die Kraft das Werk
zum Abschluss bringen zu können von einem Volk, welches den ‚fachlichen Voraussetzungen‘ nicht
gehorsam ist. Laodizea bedeutet ‚Volk des Gerichts‘. Es gibt keine Entschuldigung für das Nichtwissen
der Beziehung zwischen dem Richten des Volkes und dem Spätregen. Und doch werden das Werk
des Gerichts und das Austilgen der Sünde kaum erwähnt.

Der Punkt muss kristallklar für unseren Verstand werden: Der einzige Weg den Spätregen zu
empfangen, ist durch das Betreten des Gerichts. Dies ist der antitypische Tag der Versöhnung. So
wie sich das Alte Volk Israel um das Heiligtum her versammelte um die Sünde abzulegen, im Gebet,
Fasten und einem tiefen Untersuchens des Herzens – genauso wahrlich muss sich heute Gottes Volk
mit dieser Arbeit beschäftigen. Das ist die Botschaft von Joel 2:

„Stoßet in die Posaune auf Zion, heiliget ein Fasten, rufet eine Festversammlung aus!
Versammelt das Volk, heiliget eine Versammlung, bringet die Ältesten zusammen,
versammelt die Kinder und die Säuglinge an den Brüsten; der Bräutigam trete aus
seiner Kammer, und die Braut aus ihrem Gemach! Die Priester, die Diener Jahwes,
sollen weinen zwischen der Halle und dem Altar und sprechen: Schone, Jahwe,
deines Volkes und gib nicht dein Erbteil der Schmähung hin, dass sie den Nationen
zur Spottrede seien! Warum soll man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott? . . .
Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles
Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden
Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen.
Joel 2,15-17; 28
Gottes fordert sein Volk auf ins Gericht zu kommen, damit er ihnen den Segen der Austilgung der
Sünde und den Spätregen gewähren kann. Aber Laodizea verlangt, dass Gott ihr den Spätregen gibt
während sie weiterhin die Erweckungs-Botschaft verschmäht und ablehnt, welche sie ins Gericht
rufen soll.

Wer weiß, ob Gott nicht Satan erlauben wird, dieses Bitten nach dem Spätregen zu erhören? Es
passiert bei Tausenden mit einem anderen Glaubenshintergrund. Bedenke, es ist eine der letzten
Täuschungen Satans!

Wir fordern unsere Leser auf, weise zu werden, angesichts der gegenwärtigen Belange in den
Gemeinden. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Das nächste Mal, bevor du Amen zu den Bitten des
Spätregens sagst, frag dich selbst: „Sind meine Bitten in Harmonie mit den Anweisungen und dem
Licht in Apostelgeschichte 3,19?“ Falls nicht, sei auf der Hut. Satan’s letzte Täuschung ist eine
Fälschung des Spätregens. Versuche nicht durch deine Sinne zu bewerten. Es ist unmöglich zwischen
dem Echten und dem Falschen zu unterscheiden, außer durch das Zeugnis der Schriften. Deshalb
prüfe die Angelegenheit anhand Apg. 3,19:

„So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit
Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch zuvor
verordneten Jesus Christus sende…“

Die Lehre von der Austilgung der Sünde, ist eine markante adventistische Lehre. Es ist die große,
fundamentale Lehre der Adventbewegung, auf welche sich die Prophezeiung bezieht, „Bis zu
zweitausend dreihundert Abenden und Morgen; dann wird das Heiligtum gerechtfertigt werden.“
(Daniel 8,14) In der vorangehenden Diskussion sahen wir, dass das Auslöschen der Sünde im
Untersuchungsgericht stattfand und zur Zeit der Ausgießung des Geistes unter dem Spätregen. Wir
werden nun versuchen die Erfahrung zu verstehen, die Gott für uns im Sinn hat – dem Auslöschen
der Sünde…

Keine Erinnerung mehr an die Sünde


Das Austilgen der Sünden ist der Gegenstand des neutestamentlichen Dienstes von Jesus, unsrem
Hohepriester. In Hebräer, Kapitel 10, erzählt uns der Apostel, dass der alttestamentliche
Versöhnungstag die Anbetet nicht vervollkommnen und ihnen das Bewusstsein und die Erinnerung
der Sünde wegnehmen konnte.

Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter,


nicht der Dinge Ebenbild selbst hat,
so kann es nimmer mit denselben Schlachtopfern,
welche sie alljährlich ununterbrochen darbringen,
die Hinzunahenden vollkommen machen.
Denn würde sonst nicht ihre Darbringung aufgehört haben,
weil die den Gottesdienst Übenden, einmal gereinigt,
kein Gewissen mehr von Sünden gehabt hätten?
Aber in jenen Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden;
denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden hinweg nehmen.
Hebräer 10,1-4
Aus diesem Grund erzählt er uns, kam Christus um die irdischen Schatten aufzuheben und die
himmlische Realität zu einzuführen. (Verse 5-14).

Darum, als er in die Welt kommt, spricht er: "Schlachtopfer und Speisopfer hast du
nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet;
an Brandopfern und Opfern für die Sünde hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da
sprach ich: Siehe, ich komme (in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben), um
deinen Willen, o Gott zu tun."
Indem er vorher sagt: "Schlachtopfer und Speisopfer und Brandopfer und Opfer für
die Sünde hast du nicht gewollt, noch Wohlgefallen daran gefunden" (die nach dem
Gesetz dargebracht werden), sprach er dann:
"Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun".
(Er nimmt das Erste weg, auf dass er das Zweite aufrichte.)
Durch welchen Willen wir geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer
des Leibes Jesu Christi. -
Und jeder Priester steht täglich da, den Dienst verrichtend und oft dieselben
Schlachtopfer darbringend, welche niemals Sünden hinweg nehmen können.
Er aber, nachdem er ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht, hat sich auf
immerdar gesetzt zur Rechten Gottes, fortan wartend,
bis seine Feinde gelegt sind zum Schemel seiner Füße.
Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt
werden.

Dann sagt er:

Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist: denn nachdem er gesagt hat:
"Dies ist der Bund, den ich ihnen errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr:
Indem ich meine Gesetze in ihre Herzen gebe, werde ich sie auch auf ihre Sinne
schreiben"; und:
"Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken".
Hebräer 10,16.17

Wenn die Sünden von Gottes Volk ausgelöscht sind, werden sie die gesamte Erfüllung dieser
neutestamentlichen Verheißung erfassen….

So wird die vollkommene Erfüllung der Verheißung des Neuen Bundes verwirklicht
werden: "Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr
gedenken". "Zur selben Zeit und in denselben Tagen wird man die Missetat Israels
suchen, spricht der Herr, aber es wird keine da sein, und die Sünden Judas, aber es
wird keine gefunden werden." Jeremia 31,34; Jeremia 50,20. "In der Zeit wird des
Herrn Zweig lieb und wert sein und die Frucht der Erde herrlich und schön bei denen,
die erhalten werden in Israel. Und wer da wird übrig sein zu Zion und übrig bleiben zu
Jerusalem, der wird heilig heißen, ein jeglicher, der geschrieben ist unter die
Lebendigen zu Jerusalem." Jesaja 4,2.3.
(Der große Kampf – Seite 484)

Nun, was meint Gott damit, wenn er sagt „ihrer Missetat und Sünden will ich nicht mehr gedenken?“
Wann soll das erfüllt werden? Das Ziel des himmlischen Heiligtumsdienstes ist es, das Gesetz in die
Herzen und den Verstand seines Volkes einzuschreiben. Dieses Gesetz ist sein Charakter der Liebe.
Wenn dieses göttliche Abbild im Leben seines Volkes wiederhergestellt ist will Gott etwas vergessen.
Was will er vergessen? Golgatha ist für unsere abgestumpften Sinne eine Offenbarung der
Schmerzen die unsere Sünden seinem Herzen zufügen.
Wie "die gesamte Schöpfung bis jetzt noch überall seufzt und mit Schmerzen einer
Neugeburt harrt" (Römer 8,26.22; Menge-Übersetzung), so wird auch das Herz des
ewigen Vaters in mitfühlendem Schmerz gepeinigt. Unsere Welt ist ein großes
Krankenlager, sie bietet ein Bild des Elends, das wir nicht in unsere Gedankenwelt
aufzunehmen wagen. Sähen wir sie so, wie sie wirklich ist, dann wäre die Belastung
zu schrecklich. Doch Gott fühlt bei allem mit. Um die Sünde und ihre Auswirkungen
zu vernichten, gab er sein Liebstes dahin. Er hat uns die Macht gegeben, in
Zusammenarbeit mit ihm dieses Trauerspiel zum Abschluss zu bringen. "Es wird
gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis
über alle Völker, und dann wird das Ende kommen." Matthäus 24,14.
(Erziehung – Seite 242)

Dieses Werk der Wiederherstellung seines Abbildes in seinem Volk ist etwas, das Gott unendliches
Leid verursacht hat. Und doch erduldet er es weiterhin. Liebe scheitert nie! Sie erträgt alle Dinge; sie
leidet lange. Wenn Gott letztlich sein Gesetz vollständig in den Herzen seines Volkes sieht; wenn sein
Name oder Siegel an ihrer Stirn gesehen wird (Offenbarung 7,2; 14,1), wird seine Freude so unendlich
groß sein, dass er den Schmerz und die Scham der Sünden seines Volkes vergisst. Die Schriften
erinnern uns daran, wie eine Frau bei ihrer Geburt Schmerzen und Leid erlebt, aber sobald das Kind
geboren ist, lässt die Freude die Schmerzen und das Leid vergessen. Wenn also Gott sein moralisches
Abbild vollständig in den Heiligen wiedergespiegelt bekommt, wird seine Freude so großartig sein,
dass er ebenso die Schmerzen vergessen wird, die wir ihm zufügten. Die Dienerin des Herrn hörte
diese göttliche Freude in einer himmlischen Vision:

„Der Engel sagte: "Höret!" Bald hörte ich eine Stimme gleich vielen
Musikinstrumenten, welche alle in vollkommener Harmonie ertönten. Es übertraf alle
Musik, die ich je gehört hatte, und schien voller Barmherzigkeit, Mitleid und
erhebender, heiliger Freude zu sein. Es durchdrang mein ganzes Innere.“
(Erfahrungen und Gesichte – Seite 263)

In dieser Zeit des Gerichts, dem Auslöschen der Sünde, der Versiegelung, dem Spätregen, lasst uns
diese große Motivation sehen und sie benutzen, wenn wir uns nach dem Abschlusswerk der Gnade
sehnen. Können wir erahnen, dass wir solch einen großen Jubel dem Herzen unseres Herrn
bescheren, welcher ihn dazu bringen wird, für alle Ewigkeit, den Schmerz und die Scham zu
vergessen, die wir ihm zuführten? Wenn wir ihm erlaubt haben das Gesetz vollständig in unsere
Herzen zu schreiben, wird seine Freude so groß sein, dass er sagen wird:

"Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken".
Hebräer 10,16.17

Wenn jetzt Gott die Sünden der versiegelten Heiligen nicht mehr gedenken will, werden die Heiligen
selbst sich ihrer erinnern? Wir denken nicht. Wie könnte Gott vergessen, wenn seine Geliebten nicht
vergessen könnten? Wir wollen es veranschaulichen: Es gab eine schreckliche Entfernung zwischen
einem Ehemann und seiner Frau. In wahrer Liebe ist der Ehemann bereit zu vergessen, sehnt sich
sogar danach zu vergessen. Wenn aber seine Partnerin nicht vergessen wird, kann er vergessen?
Leidet er nicht mit seiner Partnerin? Solange sich eine Partei erinnert, ist die andere gezwungen sich
auch zu erinnern.
Genau so kann auch Gott nicht vergessen, außer sein Volk vergisst. Es ist geschrieben,

„… und seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels.“ Elberfelder

„Und es jammerte ihn, dass Israel so geplagt ward.“ Luther

„In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt“ Elberfelder

„Wer sie ängstete, der ängstete ihn auch“ Luther

Richter 10,16 – Jesaja 63,9

Deshalb ist das Versprechen, „Ich werde nie mehr gedenken“ eine Zusicherung, dass die Heiligen eins
mit dem Herrn sein werden, und jede Spur dieser großen Entfremdung wird ein Ende haben…

Die Vervollkommnung des Gewissens


Für den Apostel Paulus ist diese Auslöschung der Sünden die Vervollkommnung des Gewissens in der
Erfahrung der Heiligen:

„Da nun solches also zugerichtet war, gingen die Priester allezeit in die vordere Hütte
und richteten aus den Gottesdienst.
In die andere aber ging nur einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut,
das er opferte für seine und des Volkes Versehen.
Damit deutete der heilige Geist, dass noch nicht offenbart wäre der Weg zum
Heiligen, solange die vordere Hütte stünde,
welche ist ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit, nach welchem Gaben und Opfer
geopfert werden, die nicht können vollkommen machen nach dem Gewissen den,
der da Gottesdienst tut…
Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt, heiligt
die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit,
wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen
Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen
dem lebendigen Gott!
Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht das Wesen der
Güter selbst; alle Jahre muss man opfern immer einerlei Opfer, und es kann nicht,
die da opfern, vollkommen machen;
sonst hätte das Opfern aufgehört, wo die, so am Gottesdienst sind, kein Gewissen
mehr hätten von den Sünden, wenn sie einmal gereinigt wären;
sondern es geschieht dadurch nur ein Gedächtnis der Sünden alle Jahre.
(Hebräer 9,6.9; 13.14; 10,1-3) Luther
Da nun dieses also eingerichtet ist, gehen in die vordere Hütte allezeit die Priester
hinein und vollbringen den Dienst;
in die zweite aber einmal des Jahres allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, welches
er für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes darbringt;
wodurch der Heilige Geist dieses anzeigt, dass der Weg zum Heiligtum noch nicht
geoffenbart ist, solange die vordere Hütte noch Bestand hat,
welches ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit ist, nach welchem sowohl Gaben als
auch Schlachtopfer dargebracht werden, die dem Gewissen nach den nicht
vollkommen machen können, der den Gottesdienst übt…
Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh, auf die
Unreinen gesprengt, zur Reinigkeit des Fleisches heiligt,
wie viel mehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist sich selbst ohne
Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, um den
lebendigen Gott zu dienen!
Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild
selbst hat, so kann es nimmer mit denselben Schlachtopfern, welche sie alljährlich
ununterbrochen darbringen, die Hinzunahenden vollkommen machen.
Denn würde sonst nicht ihre Darbringung aufgehört haben, weil die den
Gottesdienst Übenden, einmal gereinigt, kein Gewissen mehr von Sünden gehabt
hätten? Aber in jenen Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden…
(Hebräer 9,6-9; 13.14; 10,1-3) Elberfelder

In diesen Versen stellt der heilige Geist einen Vergleich an zwischen dem irdischen und dem
himmlischen Heiligtumsdienst. Er erzählt uns, dass der irdische Dienst das Gewissen nicht
vollkommen machen konnte; die Kommenden bezüglich ihres Gewissens nicht vervollkommnen
konnte; die Anbeter so zu reinigen, dass sie kein Gewissen mehr von Sünde haben würden. Seine
Botschaft ist allerdings, dass der himmlische Dienst von Christus dieses sehr wohl tun kann:

Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist: denn nachdem er gesagt hat:
"Dies ist der Bund, den ich ihnen errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr:
Indem ich meine Gesetze in ihre Herzen gebe, werde ich sie auch auf ihre Sinne
schreiben"; und:
"Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken".
Hebräer 10,15-17 Elberfelder

Es bezeugt uns aber das auch der heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte:
Das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen", spricht der
HERR: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben,
und ihrer Sünden und Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken."
Hebräer 10,15-17 Luther

Wir müssen uns daran erinnern, dass es zwei Aufgabenbereiche des Heiligtumsdienstes gibt,
illustriert durch den täglichen Dienst in der ersten Abteilung und dem jährlichen in der zweiten
Abteilung. Der gesamte Dienst des Heiligtums wird benötigt, um das Werk der Gnade abzuschließen
und die Hinzukommenden dazu perfekt zu machen (kein Bewusstsein der Sünde mehr zu haben). Die
Austilgung der Sünden findet im Allerheiligsten statt.
Der Autor des Hebräerbriefes erklärt das Thema der Vollkommenheit - die moralische und geistliche
Perfektion der Anbeter. Er zeigt was solche Vollkommenheit beinhaltet. Sie bedeutet die
Vervollkommnung des Gewissens, kein Gewissen mehr von Sünden zu haben. Solch eine Perfektion
findet nicht bei der Bekehrung zu Christus statt. Derjenige, dem die Sünden vergeben wurden steht
dort, wo der reumütige Sünder im täglichen Dienst der ehemaligen Stiftshütte stand – die Sünden
wurden auf das Heiligtum übertragen, aber eine endgültige Versöhnung (das Auslöschen der Sünde)
fand dabei nicht statt. Es war beim jährlichen Dienst, bei dem die Anbeter die endgültige Reinigung
erhielten, welche auf das Austilgen der Sünden vorausschauend hinwies.

Denn an diesem Tage geschieht eure Versöhnung, dass ihr gereinigt werdet; von
allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem HERRN.
3. Mose 16,30 Luther

Denn an diesem Tage wird man Sühnung für euch tun, um euch zu reinigen: von allen
euren Sünden werdet ihr rein sein vor Jahwe.
3. Mose 16,30 Elberfelder

Wir können nicht sagen, dass Einer, dem seine Sünden vergeben wurden, vollkommen ist im
Gewissen:

„Er mag bekehrt sein; er mag die Schlechtigkeit seines Unrechts, (seiner
Ungerechtigkeit) gegenüber Mitmenschen sehen, und, soweit es möglich ist, diese
entschädigen (oder wiedergutmachen); aber die Narben eines verwundeten
Gewissens werden immer bleiben.“
SDA Bible Commentary Vol. 3, - Sete 1158 (Aus dem Englischen übersetzt)

Adam und Eva taten Buße und bereuten nach ihrer Sünde; doch obwohl vergeben, waren sie nicht in
der Lage Gott von Angesicht zu Angesicht zu schauen, wie sie dies vor ihrer Erfahrung mit der Sünde
taten. Sünde führte bei ihnen dazu, dass sie ihren Zustand der Heiligkeit verloren. Dieser Zustand
verlorener Heiligkeit, dieser Verlust eines vollkommenen Gewissens wird nicht sofort wieder in Stand
gesetzt. Endgültige Wiederherstellung findet am großen Versöhnungstag statt, wenn die Sünden
ausradiert werden…

Vollkommene Liebe vertreibt alle Angst


Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der
Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.

Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem
Tage des Gerichts, dass, gleichwie er ist, auch wir sind in dieser Welt.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus,
denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.
1. Joh. 4,16-18 Elberfelder
Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe;
und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des
Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die
Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe.
1. Joh. 4,16-18 Luther

There is no fear in love; but perfect love casteth out fear: because fear hath torment.
He that feareth is not made perfect in love.
1. Joh. 4,18 KJV

Furcht ist nicht in der Liebe, aber vollkommene Liebe treibt Furcht aus:
weil Furcht hat Qual. Derjenige der sich fürchtet,
ist nicht in (der) Liebe vollkommen gemacht worden.
1. Joh. 4,18 ‚Direkte‘ Übersetzung der KJV

Völlige Liebe treibt Furcht aus. Jesus fürchtete sich nie. Er schlief bei dem schrecklichen Sturm
während seine Jünger furchtsam und ängstlich waren. Keine Angst konnte im Herzen von Christus
gefunden werden, da dort keine Sünde war. Er hatte keine Erfahrung im Ungehorsam. Er hatte kein
Gewissen der Sünde. „Derjenige der sich fürchtet, ist nicht in Liebe vollkommen gemacht worden.“ In
der Liebe vollkommen gemacht zu werden, heißt das göttliche Abbild zu tragen, das Siegel des
lebendigen Gottes. Es ist wahr, dass bei der Bekehrung die Kraft des heiligen Geistes den Gläubigen
in eine neue Kreatur verwandelt. Liebe nimmt Besitz vom Herzen. Furcht ist ausgetrieben. Doch das
Werk der Gnade ist noch nicht beendet. Der Spätregen, welcher die Taufe der göttlichen Liebe in all
ihrer Fülle ist, wird gebraucht um den Gläubigen zur Vollkommenheit zu bringen.

Wie Tau und Regen zuerst gegeben werden, um die Saat zum Keimen zu bringen, und
dann um die Ernte zu reifen, so wird der Heilige Geist gegeben, um den Prozess
geistlichen Wachstums von einem Stadium zum andern voranzubringen. Das Reifen
des Getreides stellt die Vollendung des Gnadenwerkes Gottes in der Seele dar. Durch
die Macht des Heiligen Geistes wird das moralische Ebenbild Gottes im Charakter
wiederhergestellt. Wir müssen völlig in Christi Ebenbild umgestaltet werden.
Der Spätregen, der die Ernte der Erde reift, stellt die geistliche Gnade dar, die die
Gemeinde auf das Kommen des Menschensohnes vorbereitet. Ist der Frühregen
jedoch nicht gefallen, so kann es kein Leben geben; das grüne Blatt wird nicht
erscheinen. Haben die ersten Regenschauer nicht ihr Werk verrichtet, so kann auch
der Spätregen keine Saat zur Vollendung bringen.
(Zeugnisse für Prediger – Seite 506)

Es ist die Taufe der göttlichen Liebe im Spätregen, welcher das Gewissen vollendet, den Gläubigen
versiegelt und die Sünden auslöscht. Jene die diese endgültige Absicherung haben, werden in der
Lage sein, vor den Augen eines heiligen Gottes ohne Vermittler während der Zeit der letzten sieben
Plagen zu leben. Diejenigen ohne das Siegel Gottes werden gequält werden Tag und Nacht durch ihr
eigenes Gewissen in der Anwesenheit der heiligen Engel und in der Gegenwart des Lammes.
(Offenbarung 14,10.11) Wie dankbar sollten wir dafür sein, dass Gott den vollendenden Spätregen
verheißen hat, um ein Volk für den großen Tag Gottes vorzubereiten:
Ich sah, dass viele die so nötige Vorbereitung versäumten und auf die Zeit der
"Erquickung" und den "Spätregen" schauten, die sie bereit machen sollten, am Tage
des Herrn zu bestehen und vor seinem Angesicht zu leben. Oh, wie viele sah ich in
der Zeit der Trübsal ohne irgendeinen Schutz! Sie hatten die nötige Vorbereitung
vernachlässigt, deshalb konnten sie nicht die Erquickung empfangen, die alle haben
müssen, um vor dem Angesicht eines heiligen Gottes zu leben. Diejenigen, die sich
nicht durch die Propheten wollen zurichten lassen, die es versäumten, ihre Seele zu
reinigen, indem sie der ganzen Wahrheit gehorchen, und die ihren Zustand für
besser halten, als er wirklich ist, werden zur Zeit, wenn die Plagen kommen,
aufwachen und erkennen, dass es nötig war, für den Bau behauen und zugerichtet
zu werden. Aber dann wird keine Zeit mehr sein, dies zu tun, und kein Mittler mehr,
der ihre Sache vor dem Vater vertritt. Vor dieser Zeit ist die feierlich ernste
Verkündigung ausgegangen: "Wer böse ist, der sei fernerhin böse; und wer unrein ist,
der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig
ist, der sei fernerhin heilig." Ich sah, dass keiner an der Erquickung teilhaben kann,
der nicht den Sieg über jegliche Sünde, über Stolz, Selbstsucht, Liebe zur Welt und
über jedes unrechte Wort und jede unrechte Tat erlangt hat. Wir sollten deshalb
immer näher zu dem Herrn kommen und ernstlich suchen, diese nötige Vorbereitung
zu erlangen, die uns befähigt, im Kampf am Tage des Herrn zu bestehen. Lasst uns
daran denken, dass Gott heilig ist und dass nur heilige Wesen ewig in seiner
Gegenwart wohnen können.
(Erfahrungen und Gesichte – Seite 62)

Viele haben es zum großen Teil versäumt, den Frühregen zu empfangen. Sie haben
nicht alle Segnungen erhalten, die Gott für sie vorgesehen hat. Sie erwarten, dass der
Mangel durch den Spätregen ausgeglichen werden wird. Sie beabsichtigen ihre
Herzen zu öffnen, wenn die reichste Gnadenfülle ausgegossen wird und wollen sie
dann empfangen. Aber sie begehen einen schrecklichen Fehler.
Das Werk, das Gott im menschlichen Herzen begonnen hat, indem er Licht und
Erkenntnis mitteilt, muss stetig voranschreiten.
Jeder einzelne muss sein Bedürfnis erkennen. Das Herz muss entleert und von jeder
Befleckung gereinigt werden, damit der Heilige Geist darin wohnen kann. Durch
Bekennen und Aufgeben der Sünde, durch ernstes Gebet und Übergabe an Gott
bereiteten sich die ersten Jünger auf die Ausgießung des Heiligen Geistes zu
Pfingsten vor. Das gleiche Werk, nur in noch größerem Maße, muss jetzt
geschehen. Dann braucht das menschliche Werkzeug nur um den Segen zu bitten
und auf den Herrn zu warten, dass er das Werk in ihm zur Vollendung bringe. Es ist
Gott, der das Werk begonnen hat, und er wird ein Werk vollenden, indem er den
Menschen vollkommen in Christo Jesu macht. Aber die Gnade, die durch den
Frühregen dargestellt wird, darf nicht außer Acht gelassen werden. Nur diejenigen,
die das Licht ausleben, das sie haben, werden größeres Licht empfangen. Wenn wir
nicht täglich Fortschritte im Ausleben lebendiger, christlicher Tugenden machen, so
werden wir die Offenbarungen des Heiligen Geistes im Spätregen nicht wahrnehmen
können. Er mag in Herzen rund um uns her ausgegossen werden, wir aber werden
ihn weder erkennen noch empfangen.
Bei keinem Schritt in unserer Erfahrung können wir die Hilfe der Mittel entbehren,
die uns befähigten, den ersten Anfang zu machen. Wir benötigen die unter dem
Frühregen empfangenen Segnungen bis zum Ende. Aber dies allein genügt nicht.
Während wir die Segnungen des Frühregens pflegen, dürfen wir andererseits die
Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass ohne den Spätregen, der die Ähren füllt
und das Getreide zur Reife bringt, keine Ernte heranreifen kann für die Sichel, und die
Arbeit des Säemanns wird umsonst gewesen sein.
Göttliche Gnade wird am Anfang benötigt, göttliche Gnade bei jedem
Wachstumsstadium und göttliche Gnade allein kann das Werk vollenden. Es gibt
keinen Platz für uns, wo wir in sorgloser Haltung ruhen könnten. Wir dürfen niemals
Christi Warnungen vergessen: "Wachet und betet"; "Wachet ... und betet ohne
Unterlass." Wir benötigen jeden Augenblick die Verbindung mit der göttlichen Macht
zu unserm Fortschritt. Wir mögen ein bestimmtes Maß des Heiligen Geistes
empfangen haben; aber durch Gebet und Glauben müssen wir immer danach
trachten, mehr zu erhalten. Es wäre ein großer Fehler, in unserm Bemühen
nachzulassen. Wenn wir nicht vorangehen, wenn wir uns nicht bemühen, beides, den
Frühregen und den Spätregen, zu erhalten, werden wir unsere Seele verlieren und
selbst die Verantwortung tragen.

"Bittet vom Herrn Regen in der Zeit des Spätregens." Ruht nicht zufrieden in der
Annahme, dass der Regen schon zur rechten Zeit kommen werde. Bittet darum. Das
Wachstum und die Vervollkommnung der Saat liegen nicht in Händen des
Landmannes. Gott allein kann die Ernte zur Reife bringen. Aber des Menschen
Mithilfe ist erforderlich. Gottes Wirken für uns fordert die Anwendung unseres
Verstandes und die Ausübung unseres Glaubens. Wir müssen mit ganzem Herzen
seine Segnungen suchen, wenn die Gnadenschauer über uns kommen sollen. Wir
sollten jede Gelegenheit benutzen, uns in den Bereich der Segnungen zu begeben.
Christus hat gesagt: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da
bin ich mitten unter ihnen." Die Zusammenkünfte der Gemeinde, wie auf
Konferenzen, die Versammlungen im häuslichen Kreis und alle Anlässe, wo
persönliche Arbeit für Seelen verrichtet wird, sind von Gott erwählte Gelegenheiten,
den Früh- und Spätregen auszuteilen.

Aber niemand sollte denken, dass seine Pflicht erfüllt sei, wenn er diesen
Versammlungen beiwohne. Die bloße Anwesenheit in all den Versammlungen, die
abgehalten werden mögen, wird der Seele keinen Segen vermitteln. Es ist kein
unabänderliches Gesetz, dass alle, die einer allgemeinen Konferenz oder einer
örtlichen Versammlung beiwohnen, reichen Segen vom Himmel empfangen.

Die Umstände mögen für eine reiche Ausgießung des Gnadenregens günstig sein.
Aber Gott selbst muss dem Regen gebieten zu fallen. Darum sollten wir nicht lässig
sein, darum zu bitten. Wir dürfen uns nicht auf das gewöhnliche Wirken der
Vorsehung verlassen. Wir müssen bitten, dass Gott die Quelle des Lebenswassers
entsiegeln möchte. Und wir müssen das lebendige Wasser persönlich empfangen.
Lasst uns mit zerschlagenen Herzen ernstlich bitten, dass die Gnadenschauer jetzt, in
der Zeit des Spätregens, auf uns fallen mögen. Auf jeder Versammlung, der wir
beiwohnen, sollten unsere Gebete emporsteigen, dass Gott unserer Seele während
dieser Gelegenheit Wärme und Feuchtigkeit mitteilen möge. Wenn wir Gott um den
Heiligen Geist bitten, wird er uns mit Sanftmut und Demut erfüllen und uns bewusst
machen, dass wir für den Empfang des Spätregens, der zur Vollendung führt, von
Gott abhängig sind. Bitten wir im Glauben um den Segen, dann werden wir auch
empfangen, wie Gott verbeißen hat.
(Zeugnisse für Prediger – Seite 437.438)
Liebe denkt nichts Böses

Der Apostel Paulus erzählt uns in seinem großartigen Kapitel der Liebe, dass Liebe „nichts Böses
denkt“, „das Böse nicht zu rechnet“. (KJV) Können wir uns vorstellen, dass Gott rücksichtslos alle
unsere Sünden in sein Buch schreibt, und diesen Missstand aufbewahrt? „Gott ist Liebe“, und Liebe
rechnet das Böse nicht zu. Wir versäumen es oftmals zu erkennen, dass Gott in biblischen
Ausdrücken so dargestellt wird, wie es seine Vorsehung erlaubt. Deshalb soll er das Herz des Pharaos
verhärtet haben. Lasst uns nicht vorstellen, dass es unser Gott der unendlichen Liebe ist, der die
Auswertung des Unrechts aufbewahrt. Das Gegenteil, es ist der Verstand (Geist, Sinn) welcher
sündigt und die Aufzeichnungen des Unrechts aufbewahrt.

Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel, mit diamantener Spitze;
sie ist eingegraben in die Tafel ihres Herzens und an die Hörner eurer Altäre.
Jeremiah 17,1

Derjenige der gesündigt hat, behält das Bewusstsein bzw. Gewissen der Sünde. Selbst der Bekehrte
Mann hat noch immer ein Bewusstsein der Sünde. „David war ein reumütiger Mann, und obwohl er
seine Sünde bekannte und hasste, konnte er sie nicht vergessen.“ Review and Herald, May 1887.
Gott behält nicht rücksichtslos die Sünden bis zur letzten Versöhnung. Die Aufzeichnung in den
Büchern des Himmels ist nur eine Photographie des Gewissens, welches die Aufzeichnung des
Unrechts mit sich bringt…

So wie ein Künstler ein menschliches Gesicht auf eine polierte Platte gravieren kann,
wird ihr Charakter in den himmlischen Büchern festgehalten ... Im Gericht wird jeder
genau so gesehen werden, wie er ist -- entweder als Gottes Ebenbild oder gezeichnet
von Abgötterei, Selbstsucht und Begehrlichkeit.
Die Engel – Seite 256

Jede Stunde, die jetzt vergeht, gestaltet unser zukünftiges Leben. Diese Augenblicke,
in Sorglosigkeit und Selbstgefälligkeit verbracht, als hätten sie keinen Wert,
entscheiden über unser ewiges Schicksal. Die Worte, die wir heute sprechen, werden
als Echo widerhallen, wenn keine Zeit mehr sein wird. Die Taten, heute vollbracht,
sind in den Büchern des Himmels eingetragen, geradeso wie die Gesichtszüge vom
Photographen auf der Platte festgehalten werden. Sie werden über unser ewiges
Schicksal entscheiden, sei es zur Seligkeit oder zu ewigem Verlust und
Gewissensbissen.
Zeugnisse für Prediger – Seite 371

Was wird nun passieren, wenn die Heiligen den Spätregen empfangen? Sie werden in der Liebe
vollkommen gemacht werden. Liebe denkt nichts Böses. Das will heißen, die versiegelten Heiligen
werden nichts Böses mehr denken. Die Gedanken und Gefühle ihrer vergangenen Sünden werden in
ihrem Verstand nicht mehr wiedergefunden, denn solche Gedanken und Gefühle werden ihrer neuen
Natur fremd sein.

„In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht Jahuwah wird Israels Missetat gesucht
werden, und sie wird nicht da sein, und die Sünden Judas, und sie werden nicht
gefunden werden; denn ich will denen vergeben, die ich übriglasse.“
Jeremiah 50,20 Elberfelder
Nicht mit einem Gedanken gab unser Heiland der Macht der Versuchung nach…
Dies ist der Zustand, der jenen eigen sein muss,
die in der trübseligen Zeit bestehen sollen.
(Der große Kampf – Seite 623)

Noch nicht einmal durch einen Gedanken werden die versiegelten Heiligen ihren
Geist beschmutzen. Liebe denkt nichts Böses…
Aber während sie sich des tiefen Gefühls ihrer Unwürdigkeit bewusst sind, haben sie
keine verborgenen Fehler zu enthüllen. Ihre Sünden sind schon vorher beurteilt und
ausgetilgt worden, und sie gedenken ihrer nicht mehr.
(Der große Kampf – Seite 620)

Das bedeutet keine Amnesie über vergangene Ereignisse, sondern wie der Kontext der Aussage zeigt,
als Gottes Volk noch einmal die Ereignisse ihres Lebens betrachtet, haben sie kein Bewusstsein mehr
von Sünden. Sie können ihre vergangenen Sünden (ihre falschen Gedanken und Gefühle) nicht mehr
in Erinnerung bringen. Liebe denkt nichts Böses. Jene die durch die Salbung des Spätregens in der
Liebe vollkommen gemacht worden sind, werden keine vergangenen Gedanken oder Gefühle der
Sünde in ihren Verstand bringen. Das ist es, was unser Hohepriester verspricht für uns zu machen
während er im Allerheiligsten dient:

Denn an diesem Tage wird man Sühnung für euch tun,


um euch zu reinigen:
von allen euren Sünden
werdet ihr rein sein vor Jahuwah.
3. Mose 16,30

Das Auslöschen des bösen, ungläubigen Herzens


Sehet zu, Brüder, dass nicht etwa in jemand von euch ein böses Herz
des Unglaubens sei in dem Abfallen vom lebendigen Gott.
Hebräer 3,12 Elberfelder

In göttlicher Liebe hat Gott die Menschheit bereits im Herrn Jesus Christus erlöst. In Jesus Christus ist
das Werk der Erlösung vollendet.

Redet zum Herzen Jerusalems, und rufet ihr zu, dass ihre Mühsal vollendet,
dass ihre Schuld abgetragen ist,
dass sie von der Hand Jahwes Zwiefältiges empfangen hat für alle ihre Sünden.
Jesaja 40,2

Und ihr seid vollendet in ihm,


welcher das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist…
Kolosser 2,10
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern
in Christo,
wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt,
dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe;
und uns zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum
für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens,
zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade,
worin er uns begnadigt hat in dem Geliebten,
in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut,
die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade,
welche er gegen uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht,
indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens,
nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst
für die Verwaltung der Fülle der Zeiten:
alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus,
das was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm,
in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben,
die wir zuvor bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen,
der alles wirkt nach dem Rate seines Willens,
damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien,
die wir zuvor auf den Christus gehofft haben…
Epheser 1,3-12

Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und abgebrochen hat die
Zwischenwand der Umzäunung,
nachdem er in seinem Fleische die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen,
hinweg getan hatte, auf dass er die zwei, Frieden stiftend,
in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe,
und die beiden in einem Leibe mit Gott versöhnte durch das Kreuz,
nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.
Epheser 2,14-16

Christus aber, gekommen als Hohepriester der zukünftigen Güter,


in Verbindung mit der größeren und vollkommeneren Hütte,
die nicht mit Händen gemacht (das heißt nicht von dieser Schöpfung ist),
auch nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blute,
ist ein für allemal in das Heiligtum eingegangen,
als er eine ewige Erlösung erfunden hatte.
Hebräer 9,11.12

Gott hat unsere Sünden nicht nur in Christus vergeben, sondern er hat sie ausgelöscht. Zu seinem
entfremdeten Volk sagt er:

Ich habe deine Übertretungen getilgt wie einen Nebel, und wie eine Wolke deine
Sünden. Kehre um zu mir, denn ich habe dich erlöst!
Jubelt, ihr Himmel! Denn Jahwe hat es vollführt; jauchzet, ihr Tiefen der Erde!
Brechet in Jubel aus, ihr Berge, du Wald und jeder Baum darin! Denn Jahwe hat Jakob
erlöst, und an Israel verherrlicht er sich.
Jesaja 44,22,23
Der neue Bund ist bereits mit dem kostbaren Blut Jesu besiegelt und in ihm vollendet worden. Das
einzige was noch zu tun übrig geblieben ist, ist das böse Menschenherz des Unglaubens
auszulöschen. Gottes Volk hat noch nicht die vollständige Erfüllung der Verheißungen des neuen
Bundes erfasst. Sie müssen noch die volle Herrlichkeit der Erlösung erfassen, welche Gott für sie in
Christus erwirkt hat.

Durch die Bibel ist klar, dass Unglaube die Grundlage von jeder Sünde ist.

Wer aber zweifelt, wenn er isset, ist verurteilt, weil er es nicht aus Glauben tut.
Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.
Römer 14,23

Es war der Unglaube welcher unsere ersten Eltern zu Übertretern machte. Der Mensch ist von Natur
aus misstrauisch gegenüber Gott. Israel hatte in der Wüste allen Grund Gott zu vertrauen und zu
lieben, aber wie argwöhnisch und misstrauisch waren sie ihm gegenüber. „Er hat uns in die Wüste
hinausgeführt um uns zu töten“ mutmaßten sie oft. Liebe denkt nichts Böses, aber durch ein böses
Denken über Gott wird Sünde erzeugt. Das einzige Heilmittel gegen unsere Einstellung böses von ihm
zu denken ist seinen Charakter der Liebe zu betrachten. Das Evangelium von Jesus Christus muss aus
unserem Verstand die Finsternis des Missverstehens seines Charakters entfernen. Wenn die
Herrlichkeit seines Charakters der Liebe betrachtet wird, wenn seine Liebe in ihrer ganzen Fülle in
unsere Herzen scheint, dann wird jede Beule des Unglaubens, des Misstrauens, der Angst
ausgebogen werden. Dann wird Sünde für immer aus der Erfahrung des Herzens ausgelöscht sein.

Das natürliche Herz denkt böse von Gott. Es sieht ihn als streng und anspruchsvoll, hart und
unnachgiebig. Wenn ein Mensch sündigt, peinigt ihn sein Gewissen, und betrachtet Gott als ärgerlich
und rachsüchtig, er stellt sich vor, dass Gott dabei ist sich auf ihn zu stürzen und ihn für sein
Fehlverhalten bestraft. Er zaubert sich in den Verstand den Gedanken, dass dieses heilige, so
unnahbare und distanzierte Wesen, dabei ist seine Missetaten ins Hauptbuch einzutragen um den
Punktestand des Unrechts gegen ihn aufrecht zu erhalten. Er stellt sich Gott fordernd vor: „Liebe
mich – andernfalls…!“ Satan erzählt ihm, dass der Herr seinen Gehorsam zu seinem eigenen Ruhm
einfordere, und selbstsüchtig alles zurück behalten was seiner Zufriedenheit dienen würde.

Lasst uns von diesem düsteren Wesen, welches eine Schöpfung des Teufels und unserer fleischlichen
Gesinnung ist, abwenden, und den Gott betrachten, der sich selbst durch Jesus Christus offenbart
hat. Da Gott Liebe ist, ist 1. Korinther 13 eine Offenbarung von ihm.

Gott ist langmütig, ist gütig; er neidet nicht; er tut nicht groß und bläht sich nicht auf,
Gott gebärdet sich nicht unanständig, er sucht nicht das Seine,
er lässt sich nicht erbittern und rechnet Böses nicht zu,
Gott freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern er freut sich mit der Wahrheit,
Gott erträgt alles, glaubt alles, hofft alles und erduldet alles.
Interpretation von 1. Korinther 13

Wenn wir nun voll von Sünde und Rebellion wären, und immer weiter vor ihm fliehen würden, Böse
über ihn denken und ihn sich vorstellen würden, was würde er von uns denken? Würde er denken,

„Diese elenden Sünder: Ich werde sie in Kürze vernichten…?“


Selbst die Engel konnten das Geheimnis der göttlichen Liebe nicht ergründen. Denn als die Welt bei
der ersten Ankunft Christi in Verderbnis versunken war, da hatten

„die nichtgefallenen Welten erwartet, dass sich der Herr aufmachen und die
Bewohner der Erde hinwegraffen würde. Und wenn Gott dies getan hätte, dann wäre
Satan bereit gewesen, seinen Plan auszuführen, um sich die Ergebenheit der
himmlischen Wesen zu sichern. Er hatte erklärt, dass die Grundsätze der Herrschaft
Gottes eine Vergebung unmöglich machten. Würde Gott die Welt vernichtet haben,
so hätte der Teufel behauptet, dass seine Anklagen gegen Gott wahr seien. Er lauerte
darauf, Gott anzuklagen und auch andere Welten in die Empörung hineinzuziehen.
Aber statt die Welt zu vernichten, sandte Gott seinen Sohn, sie zu retten. Obwohl
überall Verderbtheit und Trotz herrschten, wurde ein Weg der Erlösung der
Menschheit vorbereitet. Im entscheidenden Augenblick, gerade da Satan zu
triumphieren schien, brachte der Sohn Gottes die frohe Botschaft von der göttlichen
Gnade. In allen Zeiten, in jeder Stunde ist die Liebe Gottes dem gefallenen
Menschengeschlecht nachgegangen. Ungeachtet seiner Bosheit, empfing es
beständig sichtbare Zeichen seiner Gnade. Und als die Zeit erfüllt war, offenbarte die
Gottheit ihre Herrlichkeit, indem sie die Fülle heilsamer Gnade über die Welt
ausschüttete. Diese Gnade sollte nie aufgehalten oder der Welt entzogen werden, bis
die Durchführung des Heilsplanes vollendet wäre.“
Das Leben Jesu – Seite 29

Das ist der Weg der Liebe. Er rechnet uns unsere Übertretungen nicht zu (2. Korinther 5,19), sondern
begibt sich selbst an unseren Platz und in der Person seines Sohnes trug er unsere Last der Sünde
und Schande. Deshalb kann er zu allen sagen, „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz
Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)Er frägt uns nicht etwas zu tun, was nicht auch er tat. Liebe erträgt alle
Dinge. Anstatt uns zu beschuldigen und böse von uns zu denken, setzt er sich an unsere Stelle, behält
er keine Tabelle des Unrechts sondern ertrug selbst die Last von Schande und Sünde. „Denn er hat
den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die
Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“ (2. Korinther 5,21) Er tat alles dies für uns weil Liebe „glaubt alles,
hofft alles.“ Liebe blickte über die Finsternis unserer Sünden hinweg, und konnte das Allerbeste für
uns glauben und hoffen. Gott kommt beim Sünder vorbei und sagt:
„Ich habe großen Glauben in dich.“

Das Königreich des Himmels gleicht einem gewissen reichen Mann, der einen Sohn hatte. Doch
dieser Sohn wurde ermordet. Der reiche Mann sagte, „Ich werde die Erde absuchen bis ich den Mann
finde, der meinen Sohn getötet hat.“ Am Ende fand er den Mann. Was sagte er zu ihm? „Ich möchte
dass du mein Sohn wirst.“ Unmöglich? Nein! Das ist was Gott getan hat. Obwohl Golgatha belegt,
dass wir alle an der Ermordung schuld haben, ist göttliche Liebe so großartig, dass sie keine
Aufzeichnung des Unrechts behält. Sie sucht keine Freunde, sondern sie macht Freunde. All die
angesammelte Liebe der Ewigkeit wird dem unwürdigen, sündigen Menschen freigebig geschenkt.
Der Mensch ist eingeladen mit dem Herrn auf dem Thron des Universums zu sitzen. Als Gott uns
seinen Sohn gab – für alle Ewigkeit – hat er dadurch nicht demonstriert, dass Liebe einen großen
Glauben hat? Es gibt keine Begrenzung für den Glauben der Liebe.

Liebe erzeugt Liebe und Glaube erzeugt Glaube. Wenn das Volk Gottes das ewige Evangelium in
seiner Reinheit und Kraft sieht, ab da und nimmer mehr werden sie böse über Gott denken. Dass
Gott sie so lieben konnte und nichts Böses über sie denkt, dass er seinen Glauben so in sie setzte
wird solch eine Offenbarung göttlicher Liebe sein, welche allen Unglauben aus dem menschlichen
Herzen auslöscht. „Zu der Zeit wird man ein solch Lied singen im Lande Juda; … Verlasset euch auf
den HERRN ewiglich; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich.“ (Jesaja 26,1.4)
Sobald Gott allerdings solch ein Volk hat, welches fest im Glauben in ihm gegründet ist und nicht
länger böse von ihm denkt, dann wird er seine Freude über ein Volk haben, das ihm gleich sein wird.
Sünde wird aus den Erfahrungen ihrer Herzen ausgelöscht sein. Solche Heiligen werden niemals mehr
sündigen, denn dazu würden sie Gott nicht genügend misstrauen um nochmals zu sündigen.
Derartige Menschen werden am großen Tag der Prüfung und Feuerprobe nicht scheitern, denn Liebe
scheitert nie. Die Gedanken und Gefühle der Sünde, solange mit den Ereignissen des Lebens
verknüpft, werden nicht mehr in den Verstand dringen. Dies ist die Erfahrung die Gott für seine
Kinder in der Reinigung des Heiligtums hat, welches in Daniel 8,14 in Aussicht gestellt wird. Das ist es,
was der Apostel Petrus das Austilgen der Sünde nennt. Das ist es, was Johannes der Geliebte das
Vollkommen machen des Gewissens in der Liebe nennt, welches alle Zweifel und Furcht vertreibt.
Das ist es, was Johannes der Offenbarung das Siegel des lebendigen Gottes nennt. Das ist es, was der
Prophet Joel den Spätregen nennt. Das ist es, was Ellen G. White die letzte Versöhnung nennt. Es ist
das ewige Evangelium, vollständig entfaltet und völlig erlebt von denen die in dieser Stunde seines
Gerichtes leben.

Die Eschatologie von Apostelgeschichte 3,19


So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden,
damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn,
und er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende,
welchen freilich der Himmel aufnehmen muss
bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge,
von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten
von jeher geredet hat.
Elberfelder

So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden vertilgt werden;
auf dass da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des HERRN,
wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus,
welcher muss den Himmel einnehmen bis auf die Zeit,
da herwieder gebracht werde alles,
was Gott geredet hat durch den Mund
aller seiner heiligen Propheten von der Welt an.
Luther

Repent ye therefore, and be converted, that your sins may be blotted out,
when the times of refreshing shall come from the presence of YHWH;
And he shall send Yahushua the Messiah,
which before was preached unto you:
Whom the heaven must receive until the times of restitution of all things, which
YHWH hath spoken by the mouth
of all his holy prophets since the world began.
Restored Name King James
Seit dem ersten ganzen Traktat über die Reinigung des Heiligtums von O. R. L. Crosier im ‚Day Star
Extra‘ von 1846, haben Siebenten-Tags-Autoren einheitlich das Auslöschen der Sünde und die
Erquickung von Apg. 3,19 auf das Gericht und den Spätregen angewandt. Dies ist in vielen
adventistischen Büchern zu finden, entweder bei Haskell, Smith, Jones, Gilbert, Branson, Andreason
oder ‚Fragen zur Lehre – Questions on Doctrine‘. Eine Durchsicht des Ellen G. White Index ihrer
Schriften zeigt die gleiche allgemeine Anwendung. Mit anderen Worten, Apg. 3,19 wurde allgemein
eine eschatologische (die Lehre von den letzten Dingen /endzeitliche) Bedeutung gegeben.

Es scheint wir wären unklug eine begrenzte, direkte Anwendung des Textes auszuschließen – d. h.
dass Petrus‘ Hörer ihre Sünden und ihre Schuld sofort vergeben bekommen hätten, um dann für den
Empfang der erquickenden Vermittlung des heiligen Geistes bereit zu sein. Auf diese Weise
ausgelegt, wäre Apg. 3,19 eine Parallele zu Apg. 2,38: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde
getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen
Geistes empfangen.“

Der SDA-Bibelkommentar anerkennt, dass eine Interpretation von Apg. 3,19 sowohl als eine direkte
Anwendung als auch eine eschatologische Anwendung legitim wäre:

„Das sofortige Ergebnis an denen die den Aufruf zur Umkehr von Petrus annahmen,
war die Vergebung ihrer Sünden. In diesem Sinne könnte die Auslöschung ihrer
Sünden betrachtet werden, als sei dies sofort geschehen. Im endgültigen Sinne
allerdings, findet die abschließende Auslöschung der Sünde kurz vor der zweiten
Wiederkunft Christi statt, in Verbindung mit dem Ende seiner Arbeit als Hohepriester.
Schuld für besondere Sünden ist erlassen wenn sie bekannt und vergeben wurden;
sie werden aus den Aufzeichnungen am Tage des Gericht ausgelöscht.

Doch aus der Sicht von Gottes sich entfaltenden Plänen, insbesondere der sich
erfüllenden Prophetie, können wir jetzt im buchstabengetreuesten und
vollkommenen Sinne sehen, dass ‚die letzten Tage‘ unsere heutigen Tage sind und
das wir jetzt zu recht die Wiederkunft Christi erwarten könnten. Ebenso sehen wir,
dass die große Ausgießung von Gottes Geist, die mächtigen ‚Zeiten der Erquickung“,
vor allem in unsere Tage gehört, den Tagen des ‚Spätregens‘ (Joel 2,23). Mit gleicher
Korrektheit mögen wir, bzw. sollten wir das Auslöschen der Sünden unserer Zeit
zugehörig sehen. Wieso weit von den anderen beiden Ereignissen trennen, welche
nach Petrus Aussage eintreffen würden? Fürwahr, wenn wir dieses Thema der
Auslöschung von Sünde im Umfeld von Christi Arbeit im himmlischen Heiligtum
studieren (Daniel 8,14), dann entdecken wir, dass das eigentliche Auslöschen der
Sünde in den letzten Tagen der Erdgeschichte stattfindet, unmittelbar der
Wiederkunft vorausgehend. Dass diese drei Ereignisse zusammengebunden sind wird
in der Revised Standard Version (RSV) noch deutlicher gemacht: ‚Darum tut Buße,
und kehrt wieder um, dass eure Sünden ausgelöscht werden mögen, dass Zeiten der
Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen mögen, und dass er den Christus
senden möge.“ (Apg. 3,19.20 direkt aus dem Englischen übersetzt)
SDA Bibelkommentar zu Apg. 3,19; Vol. 6 – Seite 158-160

Wir müssen uns daran erinnern, dass viele prophetische Passagen in der Schrift eine primäre und
eine sekundäre Anwendung haben. Maleachi 3,1-3 wird im neuen Testament auf die Predigt von
Johannes dem Täufer und als Jesus zur Reinigung des Tempels kommt, angewandt. Aber der Geist
der Weissagung wendet ihn auch auf die Advent Erweckung und das Kommen Christi ins
Allerheiligste im Jahre 1844 an. (Der große Kampf – Seite 424-426 engl.)
Es wird hier empfohlen, dass wir dem Einzelnen das Recht, Apg. 3,19 eine örtliche ‚tägliche‘
Anwendung zu geben, nicht abstreiten sollten. Lasst uns nur daran denken, dass sie ganz bestimmt
eine wesentliche endzeitliche Botschaft ist. Apg. 3,19 gilt mit besonderer Kraft für diese Zeit des
Gerichts, Spätregens und dem Ende von allen Dingen. Der Geist der Weissagung wendet Apg. 3,19
auf das Gericht und den Spätregen wiederholt an. (Der große Kampf – Seite 485, 611, 612 engl.)
Diese Bibelstelle hat eine spezielle Bedeutung für uns heute und wir müssen sorgsam sein um ihre
endzeitliche Botschaft zu verstehen.

Die Abfolge der Ereignisse


„… dass eure Sünden ausgetilgt werden, wenn (wann, sobald, während) die Zeiten der Erquickung
kommen sollen… “

Die King James Version ist fast alleine beim übersetzen des griechischen ‚hopos an‘ als wenn.

Der SDA-Bibelkommentar sagt:

„Lexikographen und Grammatiker sind einstimmig dass ‚hopos an‘ eher Zweck oder Absicht anstatt
Zeit bezeichnet. ‚Hopos‘ erscheint 56 Mal im Neuen Testament und nur hier ist es mit ‚wenn‘
übersetzt. Sonst wird es mit ‚wie‘ (Matth. 22,15; Luk. 24,20), ‚so dass‘ (Luk. 16,26), ‚weil‘ (Apg. 20,16)
aber am häufigsten wird es mit ‚dass‘ übersetzt, oder einem anderen Ausdruck der Absicht (Apg.
8,15; 9,12.17.24; Röm. 3,4; etc.). Nirgends führen die Übersetzer der KJV ein Zeitelement ein, außer
hier in Apg. 3,19. Deshalb sollte dieser Vers also mit ‚so dass‘ anstatt mit ‚wenn‘ gelesen werden…
Das Griechische sollte übersetzt werden, ‚dass eure Sünden ausgelöscht werden, dass Zeiten der
Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn‘ (RSV)
Bibelkommentar Vol. 6 – Seite 158, 159.

Haben die Übersetzer der King James Version eine komplett falsche Übersetzung in der Wahl von
‚wenn‘ anstatt ‚so dass – dass‘ erbracht? Wir denken nicht! In einem guten Artikel der sich ‚Gedanken
über Apg. 3,19’nennt, macht Jerry Beadon folgende Aussagen:

„Dies ist das einzige Mal, dass ‚hopos‘ mit ‚wenn’ im A.V. übersetzt wird. ‚Wenn‘ kann auf zwei Arten
verstanden werden: ‚für den Anlass dass‘ oder ‚und dann‘. Manche begehrten die erste Übersetzung
zu benutzen und die ‚Zeiten der Erquickung‘ eine undefinierte Periode, nachdem die ‚Austilgung der
Sünde‘ stattgefunden hat, zu machen. Sie würden es aber schwierig finden auf dieser Bedeutung zu
beharren…“

„Es wäre unangemessen angesichts des griechischen Original und der ausreichenden Übersetzung bei
‚wenn‘ darauf zu bestehen, dass die ‚Erquickung nicht der ‚Austilgung‘ folgt.“
Legt diese Schrift eine 1-2-3 Reihe dar, also Bekehrung – Austilgung der Sünden – Spätregen?

Es ist natürlich möglich und nicht unvernünftig die Passage auf diese direkte Art zu lesen. Dennoch,
eine genauere und einfache Darstellung sei angeregt indem gefragt wird, „Was ist das
Bezugselement von ‚hopos an‘?“ Es gibt gute Hinweise darauf, dass das der Folgesatz der durch
‚hopos an‘ eingeleitet wird sich zurück auf ‚Tut Buße und Bekehrt euch“ bezieht. Wäre dies der Fall,
dann würden die Worte von Petrus keine 1-2-3 Reihe errichten, sondern einfach eine 1-2 Reihe:

1. Tut Buße und bekehret euch


2. a.) Dass eure Sünden ausgetilgt werden
b.) Dass Zeiten der Erquickung kommen mögen…
Das würde bedeuten, dass wir die Reihenfolge von (a) und (b) umändern könnten ohne die
Bedeutung des Textes zu verändern:
1. Tut Buße und bekehret euch
2. a.) Dass Zeiten der Erquickung kommen mögen
b.) Dass eure Sünden ausgetilgt werden…

Ellen G. White hat manchmal die Reihenfolge der Sätze umgedreht wenn sie Apg. 3,19 zitiert hat.
Zwei Beispiele dazu:

Orthodoxe Reihenfolge:

Es ist die Zeit der Erquickung, der auch der Apostel Petrus entgegensah, als er sagte: "so tut nun
Buße und bekehret euch, dass eure Sünden vertilgt werden; auf dass da komme die Zeit der
Erquickung von dem Angesichte des Herrn wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt
wird, Jesus Christus."
(Der große Kampf – Seite 612)

Der Apostel Petrus sagt deutlich, dass die Sünden der Gläubigen ausgetilgt werden sollen, "auf dass
da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des Herrn, wenn er senden wird den, der
euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus". Apostelgeschichte 3,20. Wenn das
Untersuchungsgericht beendet ist, wird Christus kommen und sein Lohn mit ihm, einem jeglichen zu
geben, wie seine Werke sein werden.
(Der große Kampf – Seite 484)

Umgekehrte Reihenfolge:

„… dass wenn die Zeiten der Erquickung kommen, seine Sünden ausgetilgt werden und sein Name im
Buch des Lebens aufbewahrt wird.“
Review and Herald – April 29, 1884

„Ein Versuch wurde unternommen sie aufzurütteln durch die Darstellung unserer wahren Position im
antitypischen großen Versöhnungstag, wenn jeder Mensch seine Seele vor Gott bekümmern sollte,
wenn Sünden bekannt und im Voraus ins Gericht geschickt werden sollen, dass wenn die Zeiten der
Erquickung kommen sollen, sie ausgetilgt werden.“
Review and Herald- October 21, 1884

Deshalb ist es klar, dass nicht angefochten wird, was zuerst kommt – die Austilgung der Sünde oder
der Spätregen. Die Vorbereitung für das Eine ist die Vorbereitung für das Andere. Wenn die Sünden
von Gottes Volk ins Gericht geschickt werden, wird die Austilgung der Sünden und der Spätregen
folgen. Sie sind untrennbare Segnungen des Gerichts.
Schlussfolgerung

• Apg. 3,19 hat eine eschatologische Bedeutung.


• In ihrer eschatologischen Bedeutung zeigt sie uns auf das Gericht im Allerheiligsten.
• Unsere Vorbereitung für die Austilgung der Sünde im Gericht ist Buße zu tun und uns zu
bekehren. Jeder Mensch, der bekehrt ist und verbleibt in seinem Zustand der Bekehrung
wird im Gericht bestehen und die Austilgung der Sünde erfahren.
• Unsere Vorbereitung für den Spätregen ist Buße zu tun und uns zu bekehren und diejenigen
die bekehrt bleiben, werden den vollendenden Spätregen empfangen.
• Apg. 3,19 zeigt zweifellos, dass der Spätregen nicht für die Vorbereitung für das Gericht
gegeben wird. Zusammen mit der Austilgung der Sünde ist es der Segen des Gerichts. Der
Geist der Weissagung sagt, dass der Spätregen die Heiligen bevollmächtigt den Lauten Ruf zu
geben, befähigt die Zeit der Trübsal zu überstehen und auf die Wiederkunft Christi
vorbereitet. (Erfahrungen und Gesichte – Seite 71, 85, 86; Zeugnisse für Prediger, S. 506
engl.) Nirgends wird angedeutet, dass der Spätregen für das Gericht vorbereitet. Diejenigen,
die erwarten dass der Spätregen sie für das Gericht vorbereitet warten vergebens. Der
Spätregen ist eher der Segen des Gerichts (Joel 2; Zeugnisse Band 1 S. 179-183)
• Da die Austilgung der Sünde unzertrennlich mit dem Spätregen verbunden ist, und da der
Spätregen ein großartiges finales Werk der Gnade im Leben der Gläubigen ist, ist es für
immer gewiss, dass die Austilgung der Sünde eine mächtige Erfahrung ist. Es ist mehr als ein
juristisches Reinigen einer Aufzeichnung von Sünde im Himmel. Es wird die Aufzeichnung der
Sünde von den Gewissen der Heiligen auslöschen (Der große Kampf – Seite 670; Patriarchen
und Propheten – Seite 538; Geistliche Gaben Band 3 – Seite 135; Hebräer 10,1-31; Jeremiah
50,20).
• Johannes aus der Offenbarung nennt dieses letzte Werk der Gnade das Siegel des lebendigen
Gottes (Offenbarung 7, 2-4). Es wird der Schutz der Heiligen sein, in der Zeit wenn sie ohne
einen Mittler im himmlischen Heiligtum leben müssen.
• So sicher wie wir in der Stunde leben, in welcher sein Gericht gekommen ist (Offenbarung
14,7), genauso so sicher leben wir in der Zeit, in der Yahushua wartet um unsere Sünden
auszutilgen und uns den Spätregen zu geben. Die Tür zum Allerheiligsten ist offen
(Offenbarung 3,8); wir sind eingeladen das Heiligtum durch den Glauben zu betreten um die
Verdienste seines Gerichtsdienstes in Anspruch zu nehmen. Was hält die Gemeinde davon ab
diesen mächtigen Segen zu erfahren?

Genau sobald wie wir uneingeschränkt Buße tun und zu Gott umkehren, alle unsere Sünden im
Voraus ins Gericht schicken, kann unser Hohepriester die Sünden austilgen und uns den Spätregen
geben. In Apg. 3,19 beinhaltet der Bestimmungssatz der durch ‚hopos an‘ eingeleitet wird
Plötzlichkeit. Wenn Gottes Volk die nötige Vorbereitung vornimmt, wird der Spätregen plötzlich
kommen. Unser Hohepriester wird plötzlich mit dem Segen der letzten Versöhnung kommen
(Maleachi 3,1-3). Der Herr wird plötzlich kommen um die abschließende Herrlichkeit des
Evangeliumzeitalters zu offenbaren (Jesajah 40,2-9). Der Hohepriester wird sich nicht verspäten
wenn die Versammlung Buße tut und sich mit ihrem ganzen Herzen zu ihm bekehrt (Joel 2,15-28).
Christus wird plötzlich mit den überschwänglichen Schauern des Spätregens antworten. Was für eine
Verheißung! Welch Warnung bereit zu sein! Oh, für reumütige Herzen und bekehrte Leben in
Bereitschaft für sein plötzliches Kommen im Gericht! Das Ende aller Dinge liegt direkt vor uns. Zum
Heiligtum, O Israel (Joel 2,15-17)!