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Opinion Paper

Entwicklung ganzheitlicher
Portalarchitekturen
2011/03

We make ICT strategies work


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Inhaltsverzeichnis
1 Executive Summary............................................................................................. 3
2 Portale zwischen Agilität und Governance .......................................................... 4
3 Referenzmodell für Komponenten der Portalarchitektur ..................................... 7
3.1 Core Services .............................................................................................. 7
3.1.1 Plattform ...................................................................................................... 8
3.1.2 Hochverfügbarkeit ....................................................................................... 8
3.1.3 Performance ................................................................................................ 8
3.1.4 Datenspeicherung ....................................................................................... 9
3.1.5 Mandantenfähigkeit ..................................................................................... 9
3.1.6 Security........................................................................................................ 9
3.1.7 SSO ........................................................................................................... 10
3.1.8 Monitoring.................................................................................................. 10
3.1.9 Caching ..................................................................................................... 10
3.1.10 Metadata.................................................................................................... 10
3.1.11 Service-Repository .................................................................................... 10
3.1.12 Entwicklungsunterstützung ........................................................................ 11
3.2 Interaction & Communication .................................................................... 11
3.2.1 Presentation .............................................................................................. 11
3.2.2 Accessibility ............................................................................................... 12
3.2.3 Personalization .......................................................................................... 12
3.2.4 Aggregation ............................................................................................... 12
3.2.5 Search Engine Optimization ...................................................................... 12
3.2.6 User Engagement...................................................................................... 13
3.2.7 Collaboration & Feedback ......................................................................... 13
3.3 Administration & Integration ...................................................................... 14
3.3.1 Integration.................................................................................................. 14
3.3.2 Administration............................................................................................ 14
3.3.3 Transaction................................................................................................ 15
4 Die Portalarchitektur als Investition in die Zukunft............................................. 16
5 Der Autor ........................................................................................................... 17
6 Das Unternehmen ............................................................................................. 18

Opinion Paper 2 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

1 Executive Summary

Der fortschreitende Erfolg der Internettechnologie hat das Konsumverhalten von Kunden, die
Kollaboration mit Geschäftspartnern und die Formen sozialer Interaktion innerhalb der Un-
ternehmen stark beeinflusst und verändert. Durch das Internet sind Unternehmen heute
zunehmend Vergleichs- und Bewertungsmöglichkeiten ausgesetzt. Kunden möchten um-
fangreiche Online-Funktionen im Bereich von Sales und Services nutzen. Mitarbeiter erwar-
ten die Adaption von privaten Erfahrungen mit Social Media auf die Alltags- und Kollaborati-
onswirklichkeit innerhalb der Unternehmen.

Bestehende Interaktionswege mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern müssen auf


die Anforderungen des Konsums von Webinhalten und webbasierten Medien angepasst
werden: neue Wege sind zu gehen. Anforderungen an die Geschäftsmodelle und die Unter-
nehmenskultur in den Bereichen Informationsverteilung, Sales und Service bzw. im Kontext
der Kollaboration mit Kollegen, Partnern und Kunden aus dem Bereich Web 2.0/Enterprise
2.0 verändern sich permanent. Unternehmen müssen agil auf diese Marktherausforderungen
reagieren. Unternehmensführung und Fachabteilungen formulieren kontinuierlich neue An-
forderungen an ihre Portale.

Die Agilität des Unternehmens soll sich in entsprechender Agilität im Außen- und Innenauf-
tritt ausdrücken. Die Optik soll aktuell sein, die erfolgreichen Konzepte der Consumer Sites
und Social Networks sollen schnell und flexibel für Portale adaptiert werden. Der Druck auf
die IT-Bereiche wächst, den Status quo zu ändern und neue Web-Applikationen und webba-
sierte Services zeitnah und flexibel umzusetzen. Dabei ist die IT mit klaren Anforderungen
aus Sicht der Governance an jegliche Interaktion mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern
sowie der zugrunde liegenden Informationstechnologie konfrontiert. Nachhaltig und investiti-
onssicher soll die Informationstechnologie entwickelt werden.

Beide Anforderungspole (Agilität für Web 2.0/Enterprise 2.0 und Governance) nachhaltig zu
bedienen, ist die zentrale Herausforderung in der Entwicklung einer Anwendungsarchitektur
für Web-Applikationen. Eine ganzheitliche Portalarchitektur muss die Geschäftsanforderun-
gen aus Intranet-, Extranet- und Internetszenarien vereinen und auf die zugrunde liegenden
Portalkomponenten abbilden. Sie dient als zentrale und erweiterbare Bibliothek an Definitio-
nen von Portalfunktionen und eingesetzten Lösungen innerhalb der IT-Landschaft und fun-
giert als Baukasten für Implementierungsprojekte. Die Portalarchitektur beschreibt die Por-
talkomponenten als Services und Funktionen und gibt damit z.B. Auskunft, welche Enterpri-
se 2.0/Social Media-Ansätze innerhalb des Unternehmens unterstützt werden oder wie
Customer Self Services umsetzbar sind.

Ein Referenzmodell für den Aufbau von Portalarchitekturen visualisiert und ordnet die ver-
schiedenen Komponenten der Portalarchitekturentwicklung und bildet die Basis und den
Ausgangspunkt für die erfolgreiche Entwicklung und Einführung ganzheitlicher Portalarchi-
tekturen.

Opinion Paper 3 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

2 Portale zwischen Agilität und Governance

Webtechnologie hat in den letzten 20 Jahren einen grandiosen Siegeszug in fast alle Berei-
che der Gesellschaft und des Geschäftslebens angetreten. Als universitärer Support von
Dokumentation und Kollaboration konzipiert, ist das World Wide Web inzwischen omniprä-
sent. Menschen interagieren im Web, vernetzen sich, tauschen Informationen aus, verglei-
chen Produkte und konsumieren online.

Entsprechend dieser Entwicklung sind Unternehmen herausgefordert, ihre bestehenden


Interaktionswege mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern an die Anforderungen
dieser Entwicklung anzupassen bzw. neue Wege zu gehen. Stetig werden neue Anforderun-
gen an die Geschäftsmodelle und die Unternehmenskultur in den Bereichen Informationsver-
teilung, Sales und Service bzw. im Kontext der Kollaboration mit Kollegen, Partnern und
Kunden aus dem Bereich Enterprise 2.0 definiert und kontinuierlich an neue Entwicklungen
angepasst.

Vodcasting
Podcasting
Corporate Blogging
Wiki Blog Social Networks
Tagging Social Software Rich Internet Applications
Folksonomy Read/Write Web Ajax Design Focus on Simplicity
Participation User Experience
Recommendation User Centered Joy of Use

Data-Driven Long Tail Economy


lightweight

Decentralization Enterprise 2.0


Remixability Distributed Content Semantic Web Audio Video Mobile
Hackability RSS Syndication
Microformats
Mashup OpenAPI Openness Convergence
Standards
Agility

Bild 1: Fachliche Anforderungen an Portale im Kontext Web2.0/Enterprise 2.0

Unternehmensführung und Fachabteilungen formulieren ihre Anforderungen an die „neue“


Agilität schnell. So verlangt z.B. die Unternehmensführung an jedem Ort auf die aktuellsten
Kennzahlen zuzugreifen, der Vertrieb soll mobil angebunden werden, das Marketing möchte
die Kundenbindung durch eine Anwender-Community erhöhen und der technische Service
entlastet sein Call Center durch vorgelagerte Online Self Services. Daraus resultieren Anfor-
derungen an die User Interfaces von IT-Anwendungen. Diese soll aktuell und modern sein,
den Anwender jederzeit schnell bedienen. Erfolgreiche Konzepte von Consumer Sites und
Social Networks bzw. neueste Trends aus dem Internet werden oftmals als pauschale An-
forderungssets für neue Firmenportale formuliert. Durch die Vielfalt und den schnellen
Wechsel der Anforderungen wächst der Druck auf die IT-Bereiche, neue Web-Applikationen
und webbasierte Services zeitnah und flexibel umzusetzen, Änderungen vorzunehmen und
neue Services online zu stellen.

Opinion Paper 4 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Auf der anderen Seite sind klare Anforderungen aus Sicht der Governance an jegliche Inter-
aktion mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern sowie der zugrunde liegenden Informations-
technologien formuliert. Die IT muss fachliche Anforderungen an die kohärente Bereitstel-
lung und Governance der kommunikativen Inhalte, Produktinformationen, Preise, Prozesse
etc. erfüllen. Die Archivierung der Inhalte und Transaktionsdaten soll sichergestellt sein.
Unterschiedlichste Business- und Legacy-Applikationen sind zu integrieren. Datensicherheit
sowie Datenschutz sind zu gewährleisten und die IT muss Augenmaß und Nachhaltigkeit im
Umgang mit Investitionen beweisen. Und dies angesichts stets wechselnder und sich neu
entwickelnder fachlicher Anforderungen an Userinterfaces, Microsites, Rich Internet Applica-
tions, Unterstützung mobiler Clients und des immensen Schubs von Consumer und User
Driven Computing innerhalb der Unternehmen.

Penalties Quality
Rules
Treatments
Regulation & Sustainability
Control
Documentation
Reporting
Processes

Templates Governance
User Centered Consolidation
Standards
Centralization
Integration Security
Coherence Patterns
Rollout Roles & Responsibilities

Bild 2: Anforderungen an Portale im Kontext von Governance

Die Auflösung der Spannung zwischen der extremen Agilität der Fachanforderungen und der
relativen Trägheit der IT ist die zentrale Herausforderung in der Entwicklung von Webappli-
kationen für Unternehmen.

Auf der einen Seite müssen Portale (sowohl Content- als auch Applikationsportale) grund-
sätzlich als eine Infrastrukturkomponente im Rahmen der Applikationslandschaft begriffen
und entwickelt werden. Die einzelnen Architekturkomponenten müssen nachhaltig in der
zentralen Anwendungsarchitektur gepflegt werden. Auf der anderen Seite bedarf es hoher
Flexibilität bei der Entwicklung neuer Webapplikationen und Sites.

Nur ein ganzheitlicher Ansatz in der Entwicklung der Anwendungsarchitektur für eine Portal-
infrastruktur mit klarer Definition der Aufgaben der eigentlichen Portalapplikation sowie der
Abgrenzung zu spezialisierten Support-Systemen und den Backend- und Legacysystemen
sowie definierten Regeln für die Weiterentwicklung auf unterschiedlichen Ebenen kann hier
auf Dauer helfen.

Opinion Paper 5 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Eine ganzheitliche Portalarchitektur muss die Geschäftsanforderungen aus Intranet-, Extra-


net- und Internetszenarien vereinen und auf die zugrundeliegenden Portalkomponenten
abbilden. Sie dient als zentrale und erweiterbare Bibliothek an Definitionen von Portalfunkti-
onen und eingesetzten Lösungen innerhalb der IT-Landschaft und fungiert als Baukasten für
Implementierungsprojekte (Verringerung Time to Web/Erhöhung Synergien und Wiederver-
wendung von Anwendungen (getätigte Investitionen)). Zusätzlich lassen sich über die Por-
talarchitektur Whitespots in der Applikationslandschaft visualisieren und Schnittstellen zu
anderen Anwendungsbereichen identifizieren.

Die Portalarchitektur beschreibt die Portalkomponenten als Services und Funktionen und
gibt damit z.B. Auskunft und Übersicht, welche Enterprise 2.0/Social Media-Ansätze inner-
halb des Unternehmens unterstützt werden oder mit welchen Services und Funktionen
Customer Self Services umsetzbar sind.

Opinion Paper 6 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3 Referenzmodell für Komponenten der Portalarchitektur


Das folgende Referenzmodell basiert auf den oben beschriebenen Rahmenparametern für
eine Portalinfrastruktur. Es ermöglicht Unternehmen die Entwicklung und Ableitung eigener
Referenzmodelle und definiert eine erste Ebene von Fragestellungen und Anforderungen an
eine aktuelle Portalinfrastruktur. Bei der Entwicklung des Referenzmodells wurde darauf
geachtet, die Portalinfrastruktur funktional zu halten und nicht in ihrer Aufgabenstellung zu
überdehnen. So werden spezielle Servicefunktionen (z.B. Identity Management, Enterprise
Search) in über Schnittstellen anzubindende zentrale Enterprise Dienste ausgelagert sowie
Business-Logik in den Legacyanwendungen belassen. Über Schnittstellen angebundene
Systeme sind blau und kursiv markiert.

Interaction & Communication


Presentation (e.g. Multichannel,
Mobile, Microsites, Widgets),
Accessibility, Personalization,
Aggregation
Collaboration & (e.g. Mashups), User
Feedback SEO Engagement
(e.g. Blogs, Wikis, (e.g. Web Controlling,
Forum, Mail, User Recommendations,
Generated Content) Experience Management,
Core Dashboards, Reporting),
Services
(e.g. Platform, Security, SSO,
Monitoring, Caching,
Metadata, API)
Integration Transaction
(e.g. Connectivity, (Quotes/Calculators,
Messaging & Orders, BPM,
Routing) Commerce, Billing)
Administration
(e.g. WCMS, Profiles,
Cockpits, Toolboxes)
(Identity Management,
Enterprise Search, DMS,
DAM, PIM, CRM, BI)
Quelle: Detecon International GmbH Administration & Integration

Bild 3: Schematische Darstellung: Referenzmodell der Portalkomponenten

3.1 Core Services

Die Core Services summieren alle zentral genutzten Anforderungen an die Portalinfrastruk-
tur. Diese zentralen Services stellen ein Set an technischen Basisfunktionen bereit. Über die
Ausgestaltung der Core Services werden zusätzlich zentrale Aussagen zur Plattform und
verschiedene nicht-funktionale Anforderungen (vor allen Dingen zu Verfügbarkeit, Perfor-
mance usw.) platziert. Die Core Services bilden das die Portalarchitektur determinierende
Herzstück. Sie sind nach der Erstimplementierung als relativ stabil zu betrachten. Bei der
Definition und Entwicklung der Core Services ist somit besondere Sorgfalt gefragt, jegliche
Änderungen können Auswirkungen auf alle peripheren Services und Funktionen haben.

Opinion Paper 7 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3.1.1 Plattform
Die Basis der Portalarchitektur ist die technologische Plattform. Grundsätzlich stehen neben
Plattformen aus der Java-Welt noch Technologien von Microsoft zur Verfügung. Hier sind
oftmals bereits innerhalb der Unternehmen strategische Vorgaben gesetzt, die in die eine
oder andere Richtung zeigen. Im Rahmen eines Greenfield-Ansatzes für eine neue Portalar-
chitektur ist die Plattformauswahl ein zentraler Erfolgsfaktor. Hier muss die Plattform – zu-
sätzlich zur kommerziellen Prüfung – den aus einem klaren Zielbild abgeleiteten und gewich-
teten Anforderungen genügen. Diese Anforderungen müssen mit dem jeweiligen Portalsoft-
warehersteller hinsichtlich der Frage, welche Funktionen im Softwarestandard inbegriffen
sind, diskutiert werden. Zusätzlich ist zu prüfen, welche Komponenten über 3rd-Party-
Anbieter erworben werden können. Dabei sind eventuelle Folgen für die Systeme mitzube-
denken; deren Komplexität sollte möglichst gering gehalten werden. Daneben stellt sich die
Frage, wie viel eigene Entwicklungsleistung das Unternehmen eventuell leisten muss bzw.
möchte. Außerdem ist für die jeweilige Plattform die Verfügbarkeit geeigneter Entwickler und
Berater am Markt bzw. innerhalb des Unternehmens zu prüfen: Zu welchem Preis können
externe Leistungen eingekauft werden?
Im Markt für Portalsoftware sind Java-basierte Infrastrukturen stark vertreten. Neben diver-
sen Enterprise-Anbietern wie Oracle oder IBM finden sich in der Java-Welt zahlreiche Open
Source-Projekte und Anbieter. Die Microsoft-Plattform stellt sich dort technologisch enger
und auf den ersten Blick standardisierter dar als Java-Architekturen. Diese müssen sich
spätestens im Rahmen einer Integration von Dokumentenmanagement-Diensten hinsichtlich
ihrer Integrationsfähigkeit von Microsoft Office, Sharepoint Services und weiterer Microsoft-
Technologien vergleichen lassen. Microsofts Portallösung ist im Rahmen einer Plattformprü-
fung auf jeden Fall intensiver zu analysieren. Spezifisch ist der Ansatz von SAP Netweaver
als „JAVA/ABAP-Hybrid“ (z.B. Herausforderungen im Kontext des Supports aktueller Java
Development Kits (JDK’s) zu bewerten, der aber als Portalkomponente gerade für SAP-
Shops oft relativ geringe Softwarelizenzkosten nach sich zieht.

3.1.2 Hochverfügbarkeit

Essentiell für den Einsatz einer Portalarchitektur sind Hochverfügbarkeitsszenarien. Eine


Portalarchitektur muss hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit genügen und solche Sze-
narien definitiv abfragen (z.B. Clustering, Lastverteilung, Virtualisierung etc.). Die Verfügbar-
keitsanforderungen haben auch explizit Auswirkungen auf das Implementierungsprojekt, die
Weiterentwicklung sowie den Betrieb des Portals (z.B. in der Governance, im Management
von Anforderungen und der Entwicklung neuer Funktionen).

3.1.3 Performance
Häufige Beschwerden im Kontext von Portalen sind schwache Performance und gefühlte
Langsamkeit. Kunden und Mitarbeiter erwarten heute von Webapplikationen adäquate Ant-
wortzeiten, die Geduld der Anwender ist dies betreffend gering. Im Rahmen einer Portalent-
wicklung müssen hier klare KPIs und Bewertungsgrundlagen geschaffen werden. An die
Portalarchitektur ergibt sich daraus die Anforderung, entsprechende Performancemessun-
gen von Applikationsseite zu unterstützen, das eigene Lastverhalten sauber zu loggen und
Funktionen für konfiguratives Performancetuning zu bieten (z.B. Tuning der Java Virtual
Machine). Hier sind die Anbieter von Portalsoftware gefragt, entsprechende Referenzwerte
für die Skalierung (Lastszenarien) vorzulegen.

Opinion Paper 8 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Eine unzureichende Netzwerkinfrastruktur wirkt sich negativ auf die Performance einer Por-
talinfrastruktur aus. Dem muss mit Network Audits und Analysen der gesamten Delivery
Chain entgegen gewirkt werden, damit etwaige Bottlenecks aufgespürt werden können. Alle
Entwicklungen und das Customizing müssen entsprechend auf die Performanceziele der
Portalarchitektur einzahlen. Test- und Abnahmeverfahren müssen implementiert werden,
damit funktionale Anpassungen nicht das gesamte Portalsystem oder Teile davon lahmle-
gen. Die Performance eines Portals muss grundsätzlich holistisch betrachtet und bearbeitet
werden. Unzählige Beispiele im Markt zeigen, dass schlechte Performance vielfach auf ein-
fache, unzureichende Netzinfrastrukturkonfigurationen, ungenügend getunte Java Virtual
Machines oder auch schlecht entwickelte, wenig erprobte Webapplikationen zurückzuführen
ist. Meist findet sich im Rahmen einer ganzheitlichen Analyse ein Junktim aus Faktoren auf
allen Ebenen der Architektur, deren Bearbeitung zu einer ganzheitlichen Verbesserung der
Performance führt.

3.1.4 Datenspeicherung

Im Rahmen der Portalstrategie ist definitiv die Datenbankstrategie des Unternehmens mit in
Betracht zu ziehen. Alle relevanten Portalprodukte benötigen zur Datenspeicherung entspre-
chende Datenbanksysteme. In die Überlegungen für die Datenhaltung ist einzubeziehen,
dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der zu speichernden Daten Userauswertungen
und Statistikdaten sind (siehe auch User Engagement). Im Kontext der Datenspeicherung
sind ebenfalls Anforderungen hinsichtlich möglicher Revisionssicherheitsvorgaben wie z.B.
die Wiederherstellung historischer Versionen, die Bereitstellung von Audit Trails, Reporting
und Archivierung zu diskutieren.

3.1.5 Mandantenfähigkeit

Mandantenfähigkeit ist ein oftmals stark unterschätztes Feature, welches von einzelnen
Softwareanbietern sehr unterschiedlich gelöst bzw. sehr unterschiedlich definiert wird. Die
Angebote gehen von lose getrennten Sites in einem Multisitekontext mit Contentsharing-
Funktionen bis zu revisionssicher abgegrenzten Communities. Hier ist im Vorfeld eine klare
interne und fachliche Begriffsdefinition auf Basis der Anforderungen wichtig. Erfahrungsge-
mäß ist kaum eine nachträgliche Änderung im Scope einer Portalanwendung kostenintensi-
ver als die Implementierung der Mandantenfähigkeit. Ein Portal nachträglich mandantenfähig
zu machen bzw. die Mandantenfähigkeit zu verändern (z.B. nachträgliche Implementierung
von mandantenübergreifendem Content Reuse), kann ähnlich teuer werden wie eine Neu-
entwicklung.

3.1.6 Security

Begreift sich ein Portal als Einstiegspunkt für Kunden und/oder Mitarbeiter zum Zugriff auf
Unternehmensinformationen, -services und -prozesse, so stellt sich zwangsläufig die Frage
nach den Mechanismen der Eingangssicherung und Zugangskontrolle. Neben den gängigen
Sicherungs- und Verschlüsselungsmechanismen fällt in diesen Kontext auch die Frage nach
dem Datenschutz. Dahingehende Anforderungen sind nicht nur softwareseitig, sondern auch
prozessual zu definieren und abzuprüfen (z.B. regelmäßige sowie unabhängige Penetrati-
onstests und Security Audits).

Opinion Paper 9 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3.1.7 SSO

Kernfeature der ersten Portalimplementierungen zum Beginn des Jahrtausends war das
Bereitstellen von Single-Sign-on-Funktionalitäten. Im Rahmen einer heutigen Portallösung
sollte dieses Feature nicht als portalintrinsische Funktion betrachtet werden, sondern viel-
mehr hinsichtlich der Frage, welche Standards vom Portal unterstützt werden. Die Funktion
SSO bedient sich in modernen Infrastrukturen zentralen Identity Management Systemen und
weiteren vom Unternehmen strategisch gesetzter Mechanismen (z.B. Kerberos, NTLM bis
hin zu PKI-Lösungen).

3.1.8 Monitoring

Die oben beschriebenen Anforderungen an die Performance und das Tuning einer Portalar-
chitektur sowie an einen reibungslosen Betrieb bedingen Anforderungen an die Unterstüt-
zung von Monitoringstrategien. Die Portalarchitektur muss in der Lage sein, sehr genau und
spezifisch ihren eigenen Zustand und ihre eigene Reaktion auf geänderte Außenbedingun-
gen (z.B. eine vermehrte Last durch erhöhte Zugriffe) auf Service- und Modulebene wider-
zuspiegeln und an System- und Servicemanagement-Tools (z.B. Tivoli) weiterzugeben.

3.1.9 Caching

Im Zuge der Erfüllung von Anforderungen hinsichtlich immer dynamischerer Webapplikatio-


nen steht eine Portalarchitektur vor der Herausforderung, an der richtigen Stelle Performan-
ce und Lastvermeidung durch intelligente Nutzung von Caches als Puffer-Speicher zu er-
möglichen. Hier gilt es im Rahmen der Konzeption klar zu definieren, an welchen Stellen
Informationen im Cache abgelegt werden können und wo dynamisch ausgeliefert werden
muss bzw. an welchen Stellen sogar statischer Content ausgeliefert werden kann.

3.1.10 Metadata

Die übergreifende Nutzung von Metadaten bietet ungeahnte Möglichkeiten, unstrukturiertem


Content einen quasistrukturierten Charakter zu verschaffen und diesen in Relation zu den
Geschäftsprozessen zu setzen. Außerdem bieten Metadaten eine viel größere Flexibilität in
der Erstellung von Taxonomien, alternativen Navigationsbäumen usw. als klassisch hierar-
chische Verwaltungsmechanismen. Seine volle Kraft kann Metadata-Management aber nur
entfalten, wenn das Metadatenmodell in Korrelation und Abstimmung mit übergreifenden
Master-Data-Management-Initiativen entwickelt wird und erweiterbar bleibt.

3.1.11 Service-Repository

Eine Portalarchitektur muss über ein zentrales Repository verfügen, an dem Portalservices
angemeldet werden und über welches diese Portalservices zentral verwaltet werden können.
Das Services-Repository fungiert quasi als zentrales Telefonbuch für die Portalarchitektur,
darf aber nicht mit einem Service-Repository im Sinne einer SOA-Architektur verwechselt
werden. Ein Portal-Service-Repository bietet zum Beispiel das PCD (Portal Content Directo-
ry) des SAP-Netweaver-Portals.

Opinion Paper 10 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3.1.12 Entwicklungsunterstützung

Zentrale Voraussetzung für die Investitionssicherheit der Portalarchitektur sind die Möglich-
keiten für Entwickler auf standardisierten, stabilen und dokumentierten APIs aufzusetzen.
Jegliches Customizing und alle Weiterentwicklungen müssen auf der Basis solcher APIs
aufgesetzt werden. Entwickler- und Entwicklungsunterstützung durch Software Development
Kits, Entwicklerhandbücher, Schulungen sowie Patterns beschleunigen die Lernkurve und
senken Risiken in der Implementierung. Eine gute Dokumentation und die Verwendung von
Standardkomponenten machen es deutlich leichter, neue Entwickler in das Team einzufüh-
ren und gegebenenfalls die Entwicklung später auszulagern bzw. den Implementierungs-
partner zu wechseln. Zusätzlich zur Kapselung der Entwicklung auf der Basis von APIs sollte
eine moderne Infrastruktur in der Lage sein, auf der Basis von Templates (z.B. Velocity) die
Entwicklung von Applikationen auf dem Presentation Layer leichtgewichtig zur Verfügung zu
stellen. Gerade die Benutzeroberflächen betreffende Agilitätsanforderungen von Marketing-
abteilungen und Agenturen lassen sich nur erfüllen, wenn Änderungen auf dem Presentation
Layer leicht durchgeführt sowie schnell und ohne Ausfallzeiten abgewickelt werden können.

3.2 Interaction & Communication

3.2.1 Presentation

Einer der Faktoren für eine erfolgreiche Portalarchitektur ist eine große Flexibilität des Pre-
sentation Layers auf Basis eines relativ stabilen und statischen Cores. Der Presentation
Layer muss in der Lage sein, aktuelle UIs umzusetzen (Joy of Use). Neben dem Webkanal
müssen diverse Mobile Channels bedient werden, aber auch Multichannel-Szenarien wie
Print-to-PDF oder RSS-Feeds müssen einfach umzusetzen sein. Aktuelle fachliche UI-
Anforderungen, die miteinander interagierende Widgets, Widget Stores und Enterprise
Dashboards betreffen, müssen ebenso zu implementieren sein wie klassische, inhaltsorien-
tierte Designs. Wichtig für die Investitionssicherheit der Portalarchitektur ist die Beantwor-
tung der Frage, wie flexibel und schnell auf der Oberfläche neue Inhalte, Layouts, Mashups
und Microsites entstehen können, ohne tiefgreifende Entwicklungen und Eingriffe in die ei-
gentliche Infrastruktur zu benötigen (siehe auch API). So sollte eine Multimedia-Agentur in
der Lage sein, lediglich durch Styleänderungen und auf der Basis wieder verwertbarer Por-
talservices neue Sites und Portale online zu stellen (z.B. Kampagnensites, Themensites
usw.). Ein weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang der Zusammenschluss verschiede-
ner Portalsites (Federated Portals), z.B. wird das Procurement Portal mit Teilen des Finance
Portals zusammen im informationsarchitektonisch übergeordneten Intranetportal eingehängt.

Im Kontext der Präsentation der Auftritte bzw. der Portale sind natürlich auch alle Anforde-
rungen nach Mehrsprachigkeit zu erfüllen. Hier reicht sicherlich nicht die lediglich technische
Unterstützung von Mehrsprachigkeitskonzepten (z.B. UTF8), sondern es sind hier unter an-
derem Fragen nach dem Support, den Übersetzungsworkflows und dem grundsätzlichen
Konzept der Mehrsprachigkeit von Inhalten zu klären.

Opinion Paper 11 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3.2.2 Accessibility

Eine spezifische, oft vernachlässigte Anforderung ist der Aspekt der Barrierefreiheit von In-
ternetseiten (Accessibility), d.h. die behindertengerechte Aufbereitung elektronischer Inhalte
und Informationen. Die Internetangebote der öffentlichen Hand richten sich bereits seit 2005
nach der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV), die die Anforderungen an
barrierefreie Internetauftritte und -angebote festlegt. Der Privatwirtschaft ist die Erfüllung
freigestellt. Zwar wird Barrierefreiheit vielfach angefordert, zuletzt aber vor dem Hintergrund
von Javascript und Flashanwendungen nicht verwirklicht. Dabei gibt es durchaus Strategien,
eine zumindest partielle Barrierefreiheit zu erreichen, z.B. durch die Nutzung spezieller, de-
signreduzierter Seitenversionen. Gerade in den immer älter werdenden westlichen Gesell-
schaften wird dieser Punkt nach und nach stärker in den Vordergrund treten.

3.2.3 Personalization
Personalisierte Inhalte im Bereich der Webapplikationen werden von Anwendern geradezu
als Selbstverständlichkeit betrachtet. Die Frage, die sich hier an die Portalarchitektur stellt,
ist, wie die Personalisierung umgesetzt wird. Welche technischen und funktionalen Paradig-
men liegen der Personalisierung zugrunde? Wie flexibel können Inhalte und Applikationen
auf das Nutzerverhalten hin ausgesteuert werden (gerichtete Personalisierung)? Welche
Möglichkeiten gibt es, Personalisierung aufgrund persönlicher Settings und/oder des Nutzer-
verhaltens zu steuern? Gibt es die Möglichkeit, Closed User Areas aufzubauen und zu ver-
walten? Werden Portalrechte auf angebundene Inhalte aus Drittsystemen übertragen oder
sind diese Systeme weiterhin selbst für das Rechtemanagement verantwortlich? Wo werden
die Userbezogenen Daten gespeichert (Cookies auf dem Client? Sessioninformationen auf
dem Server?). Entsprechend der expliziten Fachanforderungen ist im Rahmen der Entwick-
lung einer Portalarchitektur zu klären, ob Personalisierung mit den eigenen Rule Engines
des Portals oder einem 3rd Party Personalization Framework umzusetzen ist. Bei der Spei-
cherung von personenbezogenen Daten ist grundsätzlich das Bundesdatenschutzgesetz zu
beachten. Im Intranetkontext sind Personalisierungskonzepte grundsätzlich mitbestim-
mungspflichtig (sofern sie zur Arbeitskontrolle eingesetzt werden können). Hier ist vorab die
Zustimmung des Sozialpartners einzuholen.

3.2.4 Aggregation

Neben der reinen Integration von Drittsystemen ist die Bereitstellung einfacher Funktionen,
mit denen die Fachseite in der Lage ist, Inhalte zu aggregieren und miteinander in Bezie-
hung zu setzen (z.B. Enterprise Mashups), eine wichtige Anforderung. Hier muss es möglich
sein, sowohl aus portalinternem Content/Applikationen als auch aus externen Inhalten ag-
gregierte Sichten zu komponieren. Auch in diesem Kontext ist es möglich, neben den Bord-
mitteln der Portalanbieter Lösungen von Spezialanbietern am Markt zu nutzen (z.B. Kapow).

3.2.5 Search Engine Optimization

Marketingabteilungen sind oftmals nicht bereit, Einschränkungen im Design bzw. zusätzliche


Aufwände in die Bereitstellung von Alternativauslieferungen von Content zur Unterstützung
der Barrierefreiheit (z.B. Design reduzierte Seiten, welche von Text Readern blinden Usern
vorgelesen werden können) hinzunehmen. Ganz anders sieht dies beim Thema Suchma-
schinenoptimierung aus, obwohl hier auch diverse Designeinschränkungen bzw. zusätzliche
Aufwände für die alternative Bereitstellung von Crawler kompatiblen Inhalten nötig sind.

Opinion Paper 12 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Die zentralen Fragen an die Portalsoftware im Kontext von SEO (Search Engine Optimizati-
on) sind die Ausgabe von sprechenden URLs (also keine kryptischen IDs), ein einfaches
Management von „Metadata“ und „Keywords“, die Erstellung einer automatisierten Sitemap
(auch in alternativen Sortierungen) sowie einfache Möglichkeiten des Auslieferns alternativer
statischer HTML-Seiten an den Webserver und Microsites/Landingpages. Suchmaschinen-
optimierung sollte nicht nur in Bezug auf Internetsuchmaschinen, sondern auch im Hinblick
auf interne (Enterprise-)Search Engines betrieben werden. Portal-Inhalte müssen indizierbar
und die Suchtreffer im Navigationskontext des Portals darstellbar sein. Gerade in komplexe-
ren Szenarien ist eine nachvollziehbare Beeinflussung der Suchergebnisse durch Portalre-
dakteure wichtig. (Wie erhöhe ich das Ranking meiner Einträge?)

3.2.6 User Engagement

Ein immer wichtiger werdender Aspekt sind Anforderungen rund um die Auswertung des
Nutzerverhaltens sowie die Möglichkeiten, auf dieses „on the fly“, also unmittelbar zu reagie-
ren, z.B. in Form von Empfehlungen („Kunden die dieses Produkt gekauft ha-
ben…“/„Mitarbeiter, die diesen Artikel gelesen haben…“). Auch Experience Management
gewinnt an Bedeutung: Wo hat der Nutzer seine „Trampelpfade“ durch das System gezo-
gen? Wo hat er die Webseite verlassen oder auch den Prozess abgebrochen?). Das soge-
nannte Web Controlling ist nicht mehr nur Basisdisziplin, sondern inzwischen ein umfang-
reich erweitertes Konzept mit so unterschiedlichen Funktionen wie z.B. Heatmaps, Klick-
pfadanalysen und Recommendation Engines, die komplexe Warenkorbanalysen durchfüh-
ren können. Grundsätzlich muss jede Portalarchitektur Funktionen bereitstellen, die eine
Auswertung des Nutzerverhaltens ermöglichen bzw. die für spezialisierte Tools Schnittstel-
len anbieten, die diese Funktion übernehmen.

3.2.7 Collaboration & Feedback

Im Rahmen der Entwicklungen rund um Web 2.0 haben sich immer stärker Anforderungen
etabliert, die Portalkonsumenten (User) stärker auch die Rolle von Content-Produzenten
ermöglichen sollen. Klassisch in diesem Bereich sind Bewertungsmöglichkeiten (Ratings)
sowie die bereits angesprochenen Empfehlungs- und Kommentarfunktionen. Ohne diese
Feedbackmöglichkeiten kann kein modernes Portal bei seinen Nutzern Akzeptanz gewinnen.
Darüber hinaus sollten moderne Web-Applikationen vielfältige weitere Funktionen bieten,
über die die Nutzer unkompliziert Inhalte generieren können (User Generated Content). Ein
weiterer, wichtiger Aspekt im Interesse des Unternehmens ist die Moderation dieser Inhalte
durch verantwortliche Redakteure. Die adaptierten Funktionen sind den Anwendern aus
Blogs, Wikis, Foren und Social Networks vertraut. Die Frage, die sich mit Blick auf die An-
wendungsarchitektur stellt, ist, ob die Out-of-the-Box-Funktionen einer Portalsoftware den
Anforderungen an User Generated Content genügen oder ob sich hier eventuell die Integra-
tion von spezialisierter Social Media Software lohnt. Die Portalsoftware muss auf jeden Fall
in der Lage sein, spezialisierte Softwaretools zu integrieren. Nutzergenerierte Inhalte können
ausgezeichnet für User Engagement genutzt werden. So können Artikel mit einer hohen
Bewertung in den Suchergebnissen nach oben sortiert werden. Daneben können vieldisku-
tierte Inhalte bzw. Inhalte, auf die häufig verlinkt wurde, ebenfalls im Suchranking steigen
(siehe auch User Engagement).

Opinion Paper 13 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

3.3 Administration & Integration

3.3.1 Integration

Eine zentrale Anforderung an Portale ist die Bereitstellung von Backendinformationen, Pro-
zessen und Funktionen spezialisierter Softwaretools in mehreren konsolidierten Sichten oder
auch nur in einer Sicht. Die Enterprise-Portalarchitektur ist entsprechend auf die Möglichkei-
ten der Integration von Backendsystemen hin zu untersuchen und zu befragen. Die Integra-
tionsmöglichkeiten können hier durchaus stark variieren. So vertritt z.B. der im Jahr 2010
zum ersten Mal auf dem Gartner-Quadranten gelistete Anbieter Backbase einen deutlich
leichtgewichtigeren Ansatz, als dies z.B. Anbieter wie SAP oder Oracle tun. Ein Unterneh-
men muss sich unter Architekturgesichtspunkten die folgenden Fragen stellen: Wie wollen
wir Applikationen in die Portalarchitektur integrieren und wie kann die Portalsoftware dabei
unterstützen? Alle weitergehenden Konzepte bezüglich der Konnektivität von Anwendungen,
dem Messaging & Routing von Informationen, speisen sich aus der Antwort auf diese Fra-
gen. Eine der wichtigsten Prämissen für die Entwicklung der Portalarchitektur muss sein,
dass möglichst keine Business-Logik im Portal nachgebaut bzw. parallel implementiert wer-
den sollte, sondern dass stets ein Weg zur möglichst abstrakten und einheitlichen Integration
von logikführenden Backend- und Legacysystemen gewählt wird.

3.3.2 Administration
Unter dem Stichwort Administration sind verschiedene spezialisierte Funktionen zusammen-
gefasst, die es zum einen den Administratoren erlauben, das System von technischer Seite
her zu konfigurieren, und zum anderen den verantwortlichen Fachanwendern alle Tools an
die Hand zu geben, die Portalarchitektur „mit Leben“, d.h. mit Content zu füllen. Zur Unter-
stützung der verschiedenen Anwendergruppen (Administratoren, Publishern, Autoren, spe-
ziellen Autoren (z.B. aus der Produkt- und Shopredaktion) sind umfangreiche Cockpits und
Toolboxes gefordert. Diese bedürfen oftmals einer recht umfangreichen Oberflächenintegra-
tion. Eine moderne Portalarchitektur muss in der Lage sein, das Erstellen und Bereitstellen
von spezifischen Cockpits einfach und ohne großen Aufwand (z.B. über standardisierte
Pluglets o.ä.) zu unterstützen. Eine grundsätzliche Herausforderung für diese Dashboards
ist, Inhalte und Applikationen verschiedenster Liefersysteme zusammenzufügen und zu-
sammen auf einer Seite darzustellen. Hier sind unter Umständen Berechtigungsmixturen von
unterschiedlichen klassischen Rollen nötig (z.B. zwischen Redakteur und Administrator).

Die Anbindung eines (oder mehrerer) Identity Management Systems, welches das Rechte-
und Rollensystem unterstützt, ist für die Ausprägung von Cockpits unerlässlich, ebenso aber
auch Grundvoraussetzung für die Umsetzung von AAA-Konzepten (Authentication, Authori-
zation, Accounting) als zentraler Voraussetzung für SSO und die Personalisierung.

Außerdem spielt in diesem Kontext eine Suchmaschine eine zentrale Rolle, welche sowohl
in der Lage sein muss, die Frontendsuche für die User (Reader) des Portals abzubilden als
auch Drittsysteme anzubinden. Ein Großteil der Cockpits für Administratoren und Fachan-
wender ist meist Query-gesteuert. In Zukunft werden sicherlich immer mehr Anwendungen in
Portalen auf Basis von Enterprise-Search-Abfragen umgesetzt werden (siehe auch Search
Engine Optimization (SEO), User Engagement, Collaboration & Feedback). Die Themen
Enterprise Search und Identity Management sind mit Portalbordmitteln definitiv nicht seriös
zu lösen, sondern bedürfen der Integration und dem Abgleich mit der Search- und IDM-
Strategie eines Unternehmens.

Opinion Paper 14 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

Die meisten Portalanbieter bieten WCM (Web Content Management) Usecases und Funkti-
onen (Redaktionsprozesse, „What you see is what you get“, WYSIWYG-Editor etc.) out-of-
the-box an bzw. integrieren WCMS-Standardkomponenten. Die zentrale Frage muss hier
sein, welche Funktionen von der Standardsoftware unterstützt und welche durch die Fachab-
teilung erwartet werden? Ist das Delta hier zu groß, muss eine WCMS-Standardlösung in die
Portalarchitektur integriert werden. Ähnliches gilt für die Anforderungen an Dokumentmana-
gement-Funktionen (DMS), die Verwaltung von Digital Assets (DAM) wie Bildern sowie an
Social Media (siehe oben). Hier werden durch die Portalanbieter oft einfache Funktionen
angeboten, welche geprüft und anhand der Fachanforderungen abgewogen werden müs-
sen. Meist bieten Portalsoftwareanbieter aber auch unterstützte Schnittstellen zu Partner-
produkten und Spezialanbietern an.

Die Anbindung eines CRM-Tools (Customer Relationship Management) an die Portalarchi-


tektur ist gerade in Internet- und Extranet-Szenarien sehr sinnvoll, um spezifische Inhalte
und Produkte für spezifische Kunden- und Kundengruppen bereitzustellen. Schließlich er-
möglicht ein CRM-Tool die Auswertung des Nutzerverhaltens. Daneben kann die Verwaltung
spezifischer Kundendaten (z.B. Stammdaten wie Rechnungsadresse, Lieferadresse, Famili-
enstand etc.) ausgelagert werden: in Form eines Self-Service-Angebots an die Kunden.

Spezifischer gestaltet sich die Anbindung von Product Information Management Tools (PIM).
Diese sind oftmals tief in Produktentwicklungs- und -launchprozesse sowie Stammdatenpro-
zesse integriert, während das Portal fertige Kataloge und zentral gepflegte Stammdaten
konsumiert. Da aber die Struktur der Kataloge und die Stammdaten oftmals eine explizite
Auswirkung auf z.B. die Informationsarchitektur in den ausgelieferten Websites haben, sind
PIM-Funktionen bzw. das Verbauen von aus PIM generiertem Content gerade in commerce-
und produktlastigen Szenarien immanent. Dies gilt ebenfalls für klassische Commerce-
Anwendungen, obwohl diese oftmals auch mit Portal- und WCMS-Funktionen angereichert
vermarktet werden.

3.3.3 Transaction

Ein weiterer wichtiger Aspekt für eine Portalarchitektur ist die sichere und zuverlässige Un-
terstützung von Transaktionen. Commerce-lastige Szenarien z.B. definieren komplexe Pro-
dukte nicht nur auf der Basis eines Artikelstammpasses, sondern vielmehr als eine Aneinan-
derreihung verschiedener, sich einander bedingender Prozessschritte mit z.B. spezifischen
Angebote und Kalkulatoren für Kunden (z.B.: Rahmenverträge für spezifische Produkte),
Verfügbarkeitsprüfungen (z.B.: Produkt auf Lager, Produkt regional verfügbar), komplexen
Produktabhängigkeiten (z.B. Ersatzteilbestellungen, Service Upgrades) und der Anbindung
an die Backendsysteme, in denen Orders dann prozessiert werden (Produktion, Logistik und
Rechnungslegung). Klassische Commerce-Systeme bringen für die Erfüllung solcher Anfor-
derungen eigene Workflowengines mit. Eine Portalarchitektur kann mit bordeigenen Mitteln
unterstützen bzw. eine Integration in eine Business Process Engine anbieten. Die Grundfra-
ge, die sich mit Blick auf die Portalarchitektur stellt, ist, in welcher Komplexität und Speziali-
sierung Transaktionen mithilfe der Software abgewickelt werden können. Andernfalls muss
eine Spezialsoftware angebunden werden.

Opinion Paper 15 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

4 Die Portalarchitektur als Investition in die Zukunft

Portalprojekte und -initiativen entstehen in einem Spannungsfeld zwischen agilen Fachan-


forderungen und relativer Statik von IT-Systemen. Der nachhaltige Erfolg von komplexen
Portalszenarien ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig und aktiv beeinflussbar.

 Content- & Applikations-Verteilung sowie Wiederverwendung


 Governance & Guidelines (funktional & technisch) für Content & Applikationen
Organisatorisch
 Fachlicher Support & Betrieb (z.B. SLAs, Verrechnungskonzepte, „Application Store“)
 Transparentes Anforderungsmanagement & Roadmap

 Unterstützung lokaler Geschäftsanforderungen (z.B. Applikation mit Relevanz für nur


eine anwendende Einheit, “kleine” Sites etc.)
Funktional
 Design wieder verwertbarer Services, Funktionsbausteine und Applikationen
 Integrierte Redaktion für Web Content und Applikationen in einem Workflow

 Holistische Betrachtung der technischen Infrastruktur


 Support von Agilität durch Modularität & Wiederverwendung
Technisch
 Abstraktion der Frontend- und Layout-Entwicklung vom Backend
 Adaption auf dezentrales Look & Feel und Einmischen von lokalem Content

Quelle: Detecon International GmbH

Bild 4: Herausforderungen für die Entwicklung von Portalarchitekturen

Der wichtigste Schlüssel zum Erfolg einer Portalarchitektur sind klare Spielregeln zwischen
der IT und den Fachabteilungen sowie ein gemeinsames Verständnis über die benötigten
und gewünschten Portalkomponenten und Basisfunktionen und deren Korrelation zu den
Fachanforderungen.

Eine Portalreferenzarchitektur ist die Basis für ein solches gemeinsames Verständnis und
definiert ein gemeinsames Zielbild von Fachabteilung und IT. Sie fungiert als zentrale Biblio-
thek der Portalservices und Referenzbeispiele, welche für Implementierungsprojekte zur
Verfügung stehen. Außerdem beschreibt die Portalreferenzarchitektur die spezifischen Whi-
tespots in der IT-Bebauung. Anhand der Portalreferenzarchitektur können Anforderungen
konkret diskutiert und Abhängigkeiten transparent gemacht werden. Die Portalreferenzarchi-
tektur bildet die Basis für die Abstimmung und Kommunikation mit den Fachbereichen und
für die Erstellung einer Roadmap zur Entwicklung eines oder mehrerer Portale.

Des Weiteren muss sich die Portalarchitektur möglichst leichtgewichtig darstellen. Entspre-
chend der Prämisse der „Seperation of Concerns“ darf keine Businesslogik in die Portale
implementiert werden, Business Logik muss eine Portalinfrastruktur aus den Backendsyste-
men als Services konsumieren, aggregieren und nach außen repräsentieren. Last but not
least bedient die Entkopplung des Presentation Layers von den Entwicklungs- und Deploy-
mentprozessen des Portalbackends die Fachabteilungen mit der dringend benötigen Agilität
und Flexibilität.

Grundsätzlich ist die Bereitstellung einer sauberen und modularen Portalarchitektur sowohl
eine Investition zur Unterstützung aktueller Geschäftsbedürfnisse als auch zur Unterstützung
zukünftiger Anforderungen durch schon bestehende Implementierungen. Dadurch erhöht
sich die Sicherheit der Investitionen in Software und Customizing deutlich.

Opinion Paper 16 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

5 Der Autor

Steffen Roos ist bei Detecon in der Competence Practice IT Management in Bonn als Ma-
naging Consultant tätig. Seit über 10 Jahren ist er im Kontext von komplexen Implementie-
rungsprojekten von Portalen aktiv. Zur Detecon kam er im Jahre 2010. Mit seiner prakti-
schen Erfahrung aus zahlreichen Portal-Projekten hat er ein breites Wissen sowohl in der
Analyse und Konzeption von unterschiedlichen Unternehmensportalsystemen als auch in
deren Implementierung und Rollout.

Er ist erreichbar unter: +49 228 700 1905 oder steffen.roos@detecon.com

Opinion Paper 17 Detecon International GmbH


Entwicklung ganzheitlicher Portalarchitekturen

6 Das Unternehmen

We make ICT strategies work

Detecon ist ein Beratungsunternehmen, das klassische Managementberatung mit einem


hohen Technologieverständnis vereint.

Unsere Unternehmensgeschichte beweist dies: Detecon International ging aus der Fusion
der 1954 gegründeten Management- und IT-Beratung Diebold und der 1977 gegründeten
Telekommunikationsberatung Detecon hervor. Unser Leistungsschwerpunkt besteht dem-
nach in Beratungs- und Umsetzungslösungen, die sich aus dem Einsatz von Informations-
und Kommunikationstechnologien, engl. Information and Communications Technology (ICT),
ergeben. Weltweit profitieren Kunden aus nahezu allen Branchen von unserem ganzheitli-
chen Know-how in Fragen der Strategie und Organisationsgestaltung sowie beim Einsatz
modernster Technologien.

Das Know-how der Detecon bündelt das Wissen aus erfolgreich abgeschlossenen Manage-
ment- und ICT-Beratungsprojekten in über 160 Ländern. Wir sind global durch Tochter- und
Beteiligungsgesellschaften sowie Projektbüros vertreten. Detecon ist ein Tochterunterneh-
men der T-Systems International, der Geschäftskundenmarke der Deutschen Telekom. Als
Berater profitieren wir daher von der weltumspannenden Infrastruktur eines Global Players.

Know-how und Do-how

Die rasante Entwicklung von Informations- und Telekommunikationstechnologien beeinflusst


in immer stärkerem Maße sowohl die Strategien von Unternehmen als auch die Abläufe
innerhalb einer Organisation. Die daraus folgenden komplexen Anpassungen betreffen
dementsprechend nicht nur technologische Anwendungen, sondern auch Geschäftsmodelle
und Unternehmensstrukturen.

Unsere Dienstleistungen für das ICT-Management umfassen sowohl die klassische Strate-
gie- und Organisationsberatung als auch die Planung und Umsetzung von hochkomplexen,
technologischen ICT-Architekturen und -Anwendungen. Dabei agieren wir herstellerunab-
hängig und sind allein dem Erfolg des Kunden verpflichtet.

Detecon International GmbH


Oberkasselerstr. 2
53227 Bonn
Telefon: +49 228 700 0
E-Mail: info@detecon.com
Internet: www.detecon.com

Opinion Paper 18 Detecon International GmbH