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April 2011

DAS WAHRE
AUSMAß DER SÜNDE
UND DER
EINZIGE AUSWEG
SÜNDE

urch die Sünde des ersten


Menschen ist die Verurteilung
auch über alle anderen gekom-
men. Diese biblische Tatsache
wird vom Großteil der Mensch-
heit verdrängt. Das Wort Gottes
ruft uns jedoch zur Buße über
unsere Sünden auf. Dafür ist rechte
Sündenerkenntnis unerlässlich.

Kann Sünde mit guten Taten aufgewogen


werden? Ist Sünde nur eine Charakterschwäche,
über die hinweggesehen werden kann? Oder
dürfen wir sie sogar gutheißen?

Der Ernst und das Verständnis über die Bedeu-


tung und die Auswirkung der Sünde sind in der
Gesellschaft fast vollständig verloren gegangen.
Die Medien suggerieren, Sünde sei harmlos und
manchmal sogar erstrebenswert. Von Werbe-
agenturen wird sie bewusst instrumentalisiert,
um Käufer zu gewinnen.

Doch trotz dieser Verharmlosung kann sich


niemand den Konsequenzen der Sünde entzie-
hen. Deshalb ist eine Neubesinnung wichtig.
Sünde ist weder harmlos noch erstrebenswert.
Sie ist zerstörerisch und bewirkt letztlich den
ewigen Tod. Doch so wie die Sünde durch den
Ungehorsam des ersten Menschen in die Welt
kam, so ist auch die Rechtfertigung durch den
Gehorsam Christi zu vielen gekommen.

Mit dieser Ausgabe wagen wir den Versuch, der


biblischen Lehre über die Sünde auf den Grund
zu gehen. Wir gehen nicht nur auf die grundle-
gende Definition der Sünde, sondern auch auf
ihre verstrickende Macht und die Verdorbenheit
des Menschen ein. Außerdem ist es uns wichtig
zu zeigen, dass es keinen anderen Ausweg aus der
Sünde gibt als Jesus Christus allein.

Die Redaktion
März 2011

02 I Timotheus
SÜNDE I NR. 03 I 02/2011
t i m ot h e u s m a g a z i n . d e

02 Editorial

03 Inhalt

04-07 Was i s t S ü n d e?
M att h ias Lo h m a n n

08-10 Das wahre Menschenbild


Wa l d e m a r D i r ks e n

12-13 Die Macht der Sünde


Vi kto r S u d e r m a n n

14-17 Sünde im Alltag


Michael Wiche

18-23 Sie spektakulärste Sünde


John Piper

24-25 Erlöst von der Sünde


A n d re as Ku h l m a n n

26-29 John Newton //


Vo n S ü n d e u n d G n a d e
Pete r Vot h

30-33 Das Wesen und die


unbegrenzte Ausbreitung
der Sünde
Pau l Was h e r

34-35 Nachlesen

36 Te r m i n e

37 Impressum

Timotheus I 03
in klares Sündenverständnis ist grundlegend
für das Verstehen des biblischen Evangeli-
ums! Deshalb gehört die unverkürzte Verkün-
digung der Sündhaftigkeit des Menschen
unmittelbar zur Verkündigung des Evangeli-
ums dazu. Diese gute Nachricht1, also die
Errettung des Sünders durch Gottes souverä-
ne Gnade mittels Buße und Glauben an Jesus Christus als
Retter und Herrn, kann nur auf der Grundlage der vorherge-
henden schlechten Nachricht von der Sündhaftigkeit des
Menschen verstanden werden.

Deshalb ist die grundlegende Frage zu beantworten: Was ist


Sünde? Diese Frage mag im ersten Moment etwas seltsam
klingen. Schließlich ist das Wort „Sünde“ ja nicht nur in
frommen Kreisen allseits bekannt. Aber bereits in der
Umgangssprache hat das Wort „sündhaft“ eine interessante
Entwicklung durchlaufen. Von dem, was einst zu meiden war,
hat es sich zu einem Superlativ gewandelt, wurde regelrecht
zum Qualitätsmerkmal. Die Werbung preist „sündhaft gute“
Produkte oder „sündhaft leckere“ Speisen. Man kokettiert,
dass ein bisschen Sünde schon mal erlaubt sei.

Diese Begriffsverwirrung erstreckt sich mittlerweile bis weit


in die Kirchen und Gemeinden hinein. Selbst in evangelikal
geprägten Gemeinden tun sich Menschen heute oftmals
schwer damit, Sünde kurz und präzise zu definieren.

Eine häufig genannte Sündendefinition, auch in evangelika-


len Kreisen, lautet: „Sünde ist Zielverfehlung“. Diese Defini-
tion hat insofern ihre Berechtigung, als man sich hier am
biblischen Urtext orientiert, wo die am häufigsten Worte zur
Benennung von Sünde gebrauchten Worte mit dem hebräi-
schen „chatha“ und dem griechischen „hamartano“ jeweils
Verfehlung bedeuten.2 So verwendet beispielsweise R.C.
Sproul3 diese Definition, illustriert durch das Bild eines
Bogenschützen, der seinen Pfeil nicht ins Ziel bringt.
Diese Illustration hat nun sicherlich ihre Stärken, und ohne
jede Frage entfaltet Sproul daraus ein biblisch fundiertes
Verständnis von Sünde.

Timotheus I 05
Wenn nun also eine Definition von Sünde als Zielver-
fehlung offenkundig selbst am Ziel vorbeizugehen
droht, welche Alternative gibt es? Hier erweist sich eine
Rückbesinnung auf die Sündendefinition der reformato-
rischen Bekenntnisse als hilfreich. So beschreibt das
Westminster-Bekenntnis Sünde als eine Übertretung des
gerechten Gesetzes Gottes und als diesem

„GEISTLICH TOTE entgegenstehend.7 Diese Aussage umfasst sowohl die


Erbsünde (oder Ursünde) als auch jede andere von
MENSCHEN FRAGEN Menschen begangene Sünde. Ähnlich lautende Sünden-
definitionen finden sich in den meisten klassischen
NICHT NACH Bekenntnissen der Reformation.
GOTT UND TUN Eine solche Definition von Sünde als Gesetzesübertre-
tung sowie Ungehorsam und Rebellion gegen Gott
NICHT DAS GUTE“ entspricht den Aussagen der Bibel weitaus eher als das
Bild eines verschossenen Pfeils.

Der Apostel Paulus beispielsweise beschreibt im 5.


Kapitel des Römerbriefs den Zusammenhang von der
Ursünde und der Sündhaftigkeit aller Menschen.
Hierbei bezeichnet er die Sünde in Vers 14 als Übertre-
tung, während er sie in Vers 19 Ungehorsam nennt.
Auch ein Blick auf den Sündenfall macht deutlich, dass
die Begriffe „Übertretung“ und „Ungehorsam“ den
Sachverhalt sehr viel treffender beschreiben als das Wort
„Zielverfehlung“. Im 1. Mose 2,16f sprach Gott zu
Jedoch birgt diese semantisch-etymologische4 Definiti- Adam: „Und Gott der HERR gebot dem Menschen und
on, gerade in unserer Zeit, das Risiko einer gewissen sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten,
Unschärfe, insbesondere im Hinblick auf die Frage, wie aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und
Sünder gerettet werden können. Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du
von ihm issest, musst du des Todes sterben.“8 Und dann
So kann die Illustration eines erfolglosen Bogenschützen lesen wir in Kapitel 3, Vers 6 davon, wie Adam und Eva
zu der irrigen Annahme verleiten, dass wir Menschen dieses Gebot Gottes übertraten und ungehorsam waren:
lediglich besser zielen und Sünder eben gewisse Kurskor- „Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen
rekturen vornehmen müssten, um vom Pfad der Sünde wäre und daß er eine Lust für die Augen wäre und
zur Erlösung zu gelangen. Eine Sichtweise, welche in verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der
letzter Konsequenz die Notwendigkeit des stellvertre- Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war,
tenden Sühnetodes Jesu negiert. An die Stelle des Sühne- auch davon, und er aß.“
opfers tritt dann der Ruf nach einem Vorbild und
Lehrer, der uns hilft, wieder „auf Kurs“ zu kommen und
unser Leben zu „verbessern“. Als weitere Folge wird die
Aufgabe der Prediger des Evangeliums darauf
beschränkt, Sündern dabei zu helfen, bessere oder mora-
lischere Menschen zu werden. Nach einem solchen
Verständnis ist dann Bekehrung in letzter Instanz die
Aufgabe des Sünders, der einfach etwas besser zielen
muss. Eine solche Evangeliumsverkündigung erwartet
von den Menschen mehr als ihnen möglich ist und
unterschätzt andererseits die Kraft von Gottes Wort und
die Bedeutung von Gebet im Zusammenhang mit
Evangelisation.

Geistlich tote Menschen fragen nicht nach Gott und tun


nicht das Gute5, deshalb können sie nicht einfach
erlernen, wie man das Ziel erreicht. Es bedarf des souve-
ränen Eingreifens Gottes, der durch Sein mächtiges
Wort Tote zum Leben erweckt6. Ihn gilt es im Gebet
darum anzuflehen, sich der Sünder zu erbarmen und
diesen die Ohren zu öffnen und neue Herzen zu schen-
ken, so dass sie zum rettenden Glauben kommen
können.

06 I Timotheus
Der Römerbrief macht deutlich, dass diese Rebellion der Wenngleich Sünde vom Wortsinn her durchaus als
ersten Menschen die gesamte Menschheit prägte. So Zielverfehlung definiert werden kann, ist dies nicht in
lesen wir im Römer 11, 32, dass Gott alle Menschen in jedem Fall einem biblischen Evangeliumsverständnis
den Ungehorsam mit eingeschlossen hat, und im Römer dienlich. Eher gerechtfertigt erscheint dies noch im
8, Vers 7 beschreibt Paulus die unerlöste Gesinnung aller Hinblick auf die Sünden von Christen, die ja keiner
Menschen als Feindschaft gegen Gott. Im Epheserbrief erneuten Erlösung bedürfen, sondern tatsächlich „nur“
in Kapitel 2, Vers 1 und 5 und im Kolosserbrief 2, Vers einer Zielkorrektur. Aber auch hier bleibt er ungeeignet,
13 betont Paulus darüber hinaus die Konsequenz des die tatsächliche Sündhaftigkeit der Sünde herauszustel-
Sündenfalls für alle unerlösten Menschen: sie sind len.
geistlich tot! Deshalb bedarf es weit mehr als einer
Zielkorrektur, um das Ziel (Philipper 3,14) zu erreichen. Um das eingangs zitierte Bild des Bogenschützen zu
Um dem Ziel überhaupt entgegen streben zu können, gebrauchen: eine Zielverfehlung kann auch durch
müssen Menschen durch den Geist Gottes wiedergebo- äußere Umstände zustande kommen bzw. dadurch, dass
ren und geistlich lebendig gemacht werden (Johannes der Schütze Anfänger ist und einfach noch nicht besser
3,3). zielen kann. Die Bibel hingegen lehrt, dass für Christen
jede einzelne Sünde vermeidbar (auch wenn er hier auf
Erden niemals alle Sünden vermeiden wird) und stets
Ausdruck einer Rebellion gegen Gott ist.
Aus diesem Grund möchte ich alle Christen ermutigen,
die Sünde als das zu bezeichnen, was sie ist: Rebellion
und Ungehorsam gegen Gott. Eine solch klare Definiti-
on als Grundlage von Verkündigung lässt die Größe und
Herrlichkeit des Evangeliums von der Gnade Gottes
umso deutlicher hervor strahlen.
„DIE
SÜNDE
ALS DAS
BEZEICHNEN,
WAS SIE IST:
REBELLION
UND MATTHIAS LOHMANN
studierte Politikwissenschaften, VWL und

UNGEHORSAM jüngere Geschichte und war danach in verschie-


denen Management-Positionen tätig.
GEGEN Nach seiner Bekehrung studierte er außerdem

GOTT“ am Reformed Theological Seminary in Washing-


ton, um später Pastor in München zu werden.
Matthias Lohmann ist verheiratet und Vater
zweier Mädchen.

1Gr. euangelion
2Siehe hierzu: Rienecker, Fritz & Maier, Gerhard, Lexikon zur Bibel,
Zur Verkündigung des Evangeliums gehört also zentral Wuppertal: R. Brockhaus, 1998, S. 1539f
die Botschaft, dass für Menschen eine komplette 3Sproul, Robert Charles, Glauben von A-Z, Friedberg: 3L Verlag, 2005,
Umkehr und geistliche Wiedergeburt notwendig ist, S.179
damit das Evangelium für den Angesprochenen auch 4Semantik = Lehre von der Wortbedeutung, Etymologie = Lehre von der
ganz persönlich zu einer guten Nachricht wird. Wenn Wortgeschichte und -herkunft
Sünde als Rebellion und Ungehorsam gegen Gott 5Römer 3,11f
verstanden wird, erschließt sich auch die unbedingte 6Hesekiel 37,1-10.
Notwendigkeit des stellvertretenden Sühnetods Christi. 7Artikel 6.6 des Westminster Glaubensbekenntnisses von 1646. In
Die Schuld von Sündern muss getilgt werden, damit aus deutscher Übersetzung online verfügbar:
Feinden Gottes (Röm 8,7) und Kindern des Ungehor- http://www.confessio.reformata.de/home/westminster-
sams und Zorns (Eph 2,2f ) geliebte Kinder Gottes bekenntnis/artikel-6, (zuletzt geprüft 17.2.2011)
(Röm 8,14ff) und Heilige (Röm 1,7; Eph 1,1; uvm) 8Alle Bibelstellen zitiert aus der Lutherbibel in der revidierten Fassung
werden können. von 1984, herausgegeben von der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Timotheus I 07
ir haben uns heute an eine
oberflächliche und kraftlose
»Der Herr schaut vom Verkündigung gewöhnt. Es
ist daher nicht verwunderlich,
Himmel auf die wenn wir als regelmäßige
Menschenkinder, um zu sehen, Gottesdienstbesucher
unbeeindruckt von den Sonn-
völlig

ob es einen Verständigen gibt, tagspredigten beharrlich in unserem alten Trott leben.


Zu dieser verwässerten Verkündigung gehört zweifellos
einen, der nach Gott fragt. ein Menschenbild, das nicht aus dem Wort Gottes,
Sie sind alle abgewichen, sondern aus menschlichen Überlegungen hervorgeht.
Philosophische Überlegungen über das menschliche
allesamt verdorben; Wesen können irreführend sein, wenn sie ihre Begrün-
dung nicht unmittelbar im Wort Gottes finden. Die
es gibt keinen, der Gutes tut, Bibel aber hält uns das wahre Menschenbild wie einen
auch nicht einen Einzigen!« Spiegel vor Augen.
Schon auf den ersten Seiten der Bibel finden wir eine
Psalm 14,2-3 klare Aussage über die Natur des Menschen: „Und der
Herr sah, dass die Bosheit des Menschen auf Erden groß
war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur
böse den ganzen Tag“ (1.Mose 6,5). Seit dem Sündenfall
ist der Mensch von Grund auf sündig. Dieses harte
Urteil Gottes über das Wesen des Menschen wird in der
Bibel mehrfach bekräftigt. Dazu zählt auch der diesem
Artikel zugrunde liegende Bibeltext aus Psalm 14,2-3.
Bemerkenswert ist, dass Paulus diese Verse in Römer
3,10-12 zitiert. Psalm 14,2 zeigt, dass Gott den Erdkreis
durchforscht, um verständige Menschen zu finden, die
nach ihm fragen. Er sucht nicht reiche, berühmte oder
gelehrte Leute. Sie können mit allem, was sie zu bieten
haben, den Anforderungen des großen Schöpfers nicht
gerecht werden. Gott forscht nach Menschen, die
zumindest soweit verständig sind, ihren Zustand, ihre
Pflicht, ihre Bestimmung und ihr Glück in der
Beziehung zu ihm zu erkennen. Er sucht Menschen, die
begierig sind, ihn zu erkennen.1 Was ist das Ergebnis
seiner Suche?

Sie sind alle abgewichen! Zu Beginn der Schöpfung


waren die Menschen in Gottes Augen sehr gut. Zudem
pflegte Gott mit den ersten Menschen eine harmonische
und vertrauliche Gemeinschaft. Durch den Sündenfall
sind die Menschen allerdings „von der eingeschlagenen
Richtung abgebogen“2 in die Entfremdung von Gott.
An die Gläubigen in Rom schrieb Paulus über die
Gottlosigkeit der Menschen: „Denn obwohl sie von
Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen
noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfal-
len in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist
verfinstert“ (Römer 1,21). Von Natur aus kehrt der
Mensch Gott willentlich den Rücken zu.

Sie sind allesamt verdorben! Verdorben ist vor allem das


Herz als Kern des menschlichen Wesens. „Überaus
trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergrün-
den?“ (Jeremia 17,9). Außerdem ist das Herz der
Ausgangspunkt jeglicher Sünde. „Denn aus dem Herzen
kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht,
Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Matthäus
15,19). Durch verwerfliche Worte und Taten verschafft
sich die innere Verderbtheit lediglich Luft in der sichtba-
ren Welt. Alle Bereiche des menschlichen Wesens sind
somit von der Fäulnis der Sünde erfasst. In Römer
3,13-18 zeigt Paulus anhand von alttestamentlichen
Aussagen das Ausmaß der Verdorbenheit: Von fehlender
Gottesfurcht über verwerflichen Sprachgebrauch bis
zum mörderischen Verhalten erstreckt sich die morali-
sche Fäulnis, die sowohl den einzelnen Menschen als „VERDORBEN
auch das menschliche Miteinander zersetzt. IST
Die Sündhaftigkeit des Menschen wird von Johannes VOR ALLEM
Calvin wie folgt beschrieben: „Die Wahrheit aber, die
kein Anlauf erschüttern kann, soll uns ohne Zweifel
DAS HERZ
stehen bleiben. Der Menschengeist ist von Gottes ALS KERN
Gerechtigkeit so vollständig abgekommen, dass all sein
Wollen, Begehren und Tun nur gottlos, verrucht, DES
befleckt, unrein und lästerlich ist; sein Herz ist derma-
ßen vom Gift der Sünde durchdrungen, dass es nur
MENSCHLICHEN
noch verweslichen Gestank von sich geben kann. Und WESENS“
wenn auch zuweilen ein Schein des Guten sichtbar wird,
so bleibt doch das „Gemüt“ mit Heuchelei und Trug
umhüllt, und der Geist liegt innerlich in den Fesseln der
Verderbnis.“3

Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen!


Diese göttliche Feststellung wirft folgende Frage auf:

Timotheus I 09
Was ist mit den Menschen, die sich vor allem im
sozialen Bereich ehrenamtlich einsetzen? Will Gott ihre
„guten Werke“ nicht anerkennen? Sind ihre „guten
Werke“ vor ihm untauglich? An dieser Stelle muss
grundsätzlich festgehalten werden: „Der Mensch sieht
auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz
an“ (1.Samuel 16,22). Gott sieht die wahren Beweg-
gründe aller Werke und beurteilt sie danach.

Gibt es nun unter den Menschenkindern einen Verstän- „SO HAT


digen oder einen, der nach Gott fragt? Mit dem Vers 3
wird diese Frage unmissverständlich beantwortet: Es
AUCH DER
gibt unter den Menschenkindern keinen Verständigen GEISTLICH
und keinen, der nach Gott fragt. „Sie sind alle abgewi-
chen, allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, TOTE
auch nicht einen Einzigen!“ KEINE FREUDE
Zudem ist der unerlöste Mensch geistlich tot durch AN
seine Übertretungen und Sünden (vgl. Epheser 2,1).
Diese Wahrheit muss nüchtern durchdacht werden.
GEISTLICHEN
Einer physischen Leiche vermögen tausend Befehle
nicht zu einer einzigen Regung zu bewegen. Stumm und
DINGEN“
regungslos bleibt sie in ihrem starren Zustand, weil sie
leblos ist. Ähnlich verhält es sich mit einem geistlich
toten Menschen. Aufforderungen zu geistlichen
Entscheidungen und Handlungen bleiben ohne Erfolg.
Der geistlich Tote muss zunächst zum geistlichen Leben
erweckt werden. Gott muss ihm geistliches Leben geben
und dann erst kann er geistlich entscheiden und
geistlich handeln. Bei der Errettung kommt es folglich
nicht auf die Entscheidung des Menschen, sondern auf allein Jesus herbeiführen, was auch in Johannes 8,36
den souveränen heilsbringenden Akt Gottes an. Jesus betont wird: „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so
sagte daher eindeutig: „Niemand kann zu mir kommen, seid ihr wirklich frei.“
es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt
hat“ (Johannes 6,44). Mit ausdrucksvollen Worten wandte sich damals George
Whitefield an seine Zuhörerschaft: „Kommt, ihr toten,
Peter Masters hat den geistlich toten Menschen mit christuslosen, unbekehrten Leute! Kommt und seht den
einem Hund verglichen.4 Man kann den Hund auffor- toten Lazerus ... sein toter, gebundener, übelriechender
dern, die schönen Blumen und Bäume am Wegesrand Leichnam ist nur ein schwarzes Abbild deiner Seele in
zu bewundern. Der Hund wird dieser Aufforderung ihrem natürlichen Stand ... Du bist an Händen und
nicht folgen, sondern sein Vergnügen möglicherweise Füßen gebunden mit Verderbnis ... und du bist unfähig,
am Kot anderer Hunde haben. Es entspricht nicht dich aus diesem ekelerregenden Stand des Todes zu
seinem Wesen, die Natur zu bewundern. So hat auch der erheben ... du magst dich der Kraft deines eingebildeten
geistlich Tote keine Freude an geistlichen Dingen. Er freien Willens rühmen, der Energie moralischer Über-
zieht es vor, bewusst in Sünden zu leben; es sei denn, zeugung und rationaler Argumente ... aber alle deine
Gott erweckt ihn zum geistlichen Leben. Wenn Gott Anstrengungen erweisen sich als fruchtlos, nutzlos, bis
einen Menschen zum ewigen Leben erweckt, dann ist es dieser gleiche Jesus, der befahl: „Rollt den Stein weg!“,
ausschließlich auf seine souveräne Gnade zurückzufüh- und der rief: „Lazarus, komm heraus!“, mit seiner mäch-
ren. tigen Stärke kommt, den Stein des Unglaubens
wegwälzt, zu deiner toten Seele spricht, dich von den
Zu den verbreiteten Irrtümern in Bezug auf das mensch- Fesseln der Sünde und Verderbnis losbindet und dich
liche Wesen zählt sicherlich die Lehre vom freien durch das Wirken des Geistes Gottes befähigt, aufzuste-
Willen. Diese Lehre wird weder in der Bibel explizit hen und zu wandeln ...“5
erwähnt, noch kann sie aus dem Menschenbild der Bibel
abgeleitet werden. Denn der Wille ist wie alle anderen 1Spurgeon, C.H., Die Schatzkammer Davids, Kommentar
Aspekte des menschlichen Wesens von der Sünde durch- zu Psalm 14,2.
setzt. Der unerlöste Mensch ist hinsichtlich seines 2Grundbedeutung des Wortes ‚abweichen’ gemäß dem hebräischen Text.
Denkens und Wollens ein Knecht der Sünde. Jesus 3 Calvin, J., Institutio (2009, 2. Auflage, foedus-verlag), Seite 179.
brachte es deutlich auf den Punkt, als er sagte: „Wer 4Masters, P., Predigt über Epheser 2,1-10 im Tabernacle (ehemals
Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“ (Johannes 8,34). Gemeinde von C.H. Spurgeon), Mai 2010.
Die Befreiung von der Knechtschaft der Sünde kann 5Lutzer, E., Einig in der Wahrheit?, CLV, 2006, Seite 194.

10 I Timotheus
SEID DABEI: EVANGELIUM21 STELLT SICH
ERSTMALS ÖFFENTLICH VOR!

Weitere Infos in kürze hier


evangelium21.net

18.-20. august 2011 Das EVANGELIUM


Gemeinde & missionswerK arche e.v.
evang.-reformierte freikirche
im ZENTRUM
doerriesweg 7, hamburg der GEMEINDE
Zu Evangelium21 gehören Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden, die ihren
Glauben fest auf Jesus Christus gründen. Ausgerichtet auf die von den Reformatoren wie-
derentdeckten Wahrheiten – Gnade allein, Glaube allein, die Schrift allein, Christus allein,
und zu Gottes Ehre allein – wollen wir Impulse setzen, durch die Gemeinden neu belebt
und gestärkt werden. Denn: Allein das biblische Evangelium bewirkt, dass Christen von
einer echten Hoffnung und überwältigenden Freude an Gott erfüllt werden und diese auch
ausstrahlen.
Als Anlaufstelle für Gleichgesinnte und Interessierte empfehlen wir Kontakte und Ressour-
cen. Die von uns angebotenen Materialen und Veranstaltungen heben die Zentralität des
Evangeliums für den Gemeindealltag und das gesamte Leben hervor.
Danach wollen wir demütig streben, mit dem Ziel, dass die Gemeinde Christi im 21. Jahr-
hundert ganz neu erfährt, was es heißt, dass das „Evangelium nicht nur im Wort zu [uns]
kam, sondern in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit“ (1 Thess 1,5).

- Mission Statement, Evangelium21

matt schmucker / matthias lohmann


michael martens / christian wegert
andre bay / ron kubsch
Unter anderem mit folgenden Vorträgen:
Die Vision: Gemeinden, die Gottes Herrlichkeit widerspiegeln
Die DNA der Gemeinde – Textauslegendes Predigen und biblische Theologie
Ein biblisches Verständnis vom Evangelium, von Bekehrung
und von Evangelisation
Das Evangelium für Mitglieder in Not – Seelsorge
Die Renaissance des Evangeliums in Nordamerika –
Der Neu-Calvinistische Aufbruch.
»WO ABER DAS
MASS DER SÜNDE
VOLL GEWORDEN IST, DA
IST DIE GNADE ÜBERSTRÖ-
MEND GEWORDEN, DAMIT,
WIE DIE SÜNDE GEHERRSCHT
HAT IM TOD, SO AUCH DIE
GNADE HERRSCHE DURCH GE-
RECHTIGKEIT ZU EWIGEM
LEBEN DURCH JESUS CHRIS-
TUS, UNSEREN HERRN.«
RÖMER 5, 20-21

Wer die Welt mit offenen Augen der Gesellschaft hinweisen: „Pädophile sind oft nicht
nüchtern ansieht, der stellt schnell therapierbar“1. „Im Prinzip nicht therapierbar“.2 Solche
fest, dass sich die Sünde überall wie oder ähnliche Schlagzeilen sind überall in den Medien
eine Staubschicht gesetzt hat. An zu finden, die Pädagogen, Soziologen oder Psychologen
einigen Stellen ist diese Schicht über Pädophile und Kriminelle sagen. Überall lässt die
dünn, so dass man klar erkennen Sünde ihren Schmutz, ihre Ruinen und ihren Schmerz
kann, was sich dahinter befindet. An zurück. Zu leugnen, dass die Sünde Chaos und Tod
anderen Stellen ist diese Schicht sehr dick, so dass man verursacht, ist töricht. Die Bibel verschweigt diese Tatsa-
gar nichts mehr als Staub sehen kann. Einige werden che nicht, sondern lehrt die bösartige Macht der Sünde.
gewiss diese Feststellung nicht teilen. Sie bezeichnen Der Römerbrief beschäftigt sich in den ersten drei
Menschen, die diese Sicht haben, als Schwarzmaler oder Kapiteln mit der Sündhaftigkeit und Verdorbenheit der
Pessimisten, die immer alles nur negativ sehen. Diese Menschen. Da sind zum einen die Heiden. Diese haben
beschönigende Weltsicht zeugt nicht von Nüchternheit, kein Gesetz in schriftlicher Form von Gott gehabt, wie
sondern von grundsätzlicher Blindheit. Es sind längst die Juden. Ihnen hat sich Gott nicht direkt offenbart. Sie
nicht mehr Christen allein, die auf die Fragmentierung waren aber in der Lage, Gott durch seine Werke in der

12 I Timotheus
Natur zu erkennen und dadurch anzubeten, oder durch Was so gefährlich an der Macht der Sünde ist: Sie
das Gesetz, das in ihnen geschrieben ist, ihm gehorsam umstrickt leicht. Viele Menschen haben den Eindruck,
zu sein. Was haben die Heiden stattdessen getan? Sie dass sie alles im Griff haben. Sie können jede Sache tun,
haben sich von Gott abgewandt, seine Satzungen nicht aber auch zu jeder Zeit davon wieder lassen und es nie
erfüllt. Die Folge war, dass ihr Herz von Gott verfinstert wieder tun. „Einmal ist keinmal!“ ist eine oft zitierte
wurde und sie von Gott dahin gegeben wurden in die Aussage. „Wenn ich das Böse einmal tue, passiert nichts.
Sünde. Seitdem sind die Menschen Knechte der Sünde Ich werde in der Lage sein, mich immer selbst zu beherr-
und voll alles Bösen. schen.“ Diese Menschen sind blind und erkennen die
Gefahr der Sünde nicht. Die Sünde hat die Macht, den
Da sind zum andern die Juden. Diesen hat sich Gott Menschen leicht zu umstricken, ihn gefangen zu
offenbart und seinen Willen in schriftlicher Form durch nehmen. Ein Mensch, der gelegentlich trinkt, meint
das Gesetz kundgetan. Sie wussten um den Weg, der alles im Griff zu haben. Dabei weiß er nicht, dass bei
ihnen zu gehen befohlen worden war. Sie wussten um schwierigen Situationen, die bei allen im Leben vorkom-
das Richtige und Gute. Sie hatten eine privilegierte men, man schnell geneigt sein wird zur Flasche zu
Stellung als Volk Gottes vor allen Völkern. Viele haben greifen, um die Sorgen runter spülen zu können. So
über das Richtige geredet oder gepredigt, aber das entwickelt die Sünde eine endlose Schleife, aus der der
Falsche getan. Was sagt Paulus zu ihnen: „Du predigst, Mensch nicht mehr herauskommt. Es hat vielleicht ganz
man solle nicht stehlen, und stiehlst selber?“ (Röm harmlos mit dem Trinken auf Partys angefangen und
2,21). Sie wurden unterrichtet, haben gepredigt und kann bald zu einem ernsten Problem werden.
haben doch das Falsche getan. Die Juden waren ebenso
Sklaven der Sünde wie die Heiden, obwohl sie besser Ich weiß nicht, wo du dich hier siehst. Aber die Sünde
unterwiesen waren. herrscht auch in dir von Natur aus. In der Aussage „...
alle sind unter der Sünde... “ bist auch du mit inbegrif-
Die Sünde hat es geschafft, unter den Heiden mächtig fen. Die Sünde strebt auch an in dir auf das Vollmaß zu
zu wirken, diese zu binden, zu beherrschen und gefan- kommen. Für einen Alkoholiker oder Drogenabhängi-
gen zu nehmen. Die Sünde hat es geschafft, unter den gen hältst du dich vielleicht nicht. Aber darf ich dich
Juden ihre Macht zu entfalten, indem sie diese domi- fragen, ob du ein Dieb bist? Hast du schon mal Software
nierte. Das Richtige besser zu wissen oder zu kennen gestohlen oder illegal heruntergeladen? Sind alle deine
reicht nicht aus. Paulus stellt im dritten Kapitel nüch- mp3s legal? Willst du deine Sünde durch den Verweis
tern fest, dass alle unter der Sünde sind (Röm 3,9). Eine auf andere rechtfertigen? Wie sieht es aus mit Pornogra-
traurige Feststellung. Die Sünde hat es geschafft, über fie? Kann es sein, dass die Sünde dich da gefangen
allen Menschen zu sein. Sie beherrscht alle. nimmt? Vielleicht ganz heimlich. Stichwort „Schlei-
chende Übernahme“. Wo schafft es die Sünde, dich
Die Sünde gibt sich damit nicht zufrieden, den immer wieder zu überzeugen? Wo kennst du den
Menschen unter Kontrolle zu haben. Sie strebt ein bitteren Nachgeschmack ganz genau und tust es
Maximum an, mit wenig kann sie nicht leben. Sie dennoch? Musst nicht auch du zugeben, dass die Sünde
möchte das Maß voll machen. „Wo aber das Maß der in deinem Leben mächtig ist, vielleicht sogar übermäch-
Sünde voll geworden ist... “. Die Sünde will sich in tig?
jedem menschlichen Herz voll entfalten.
Es gibt Hoffnung! Für den, der ehrlich ist und einsieht,
Wenn die Sünde in einem Menschen beispielsweise in dass in seinem Leben die Sünde mächtig ist, kann die
Form des übermäßigen Alkoholkonsums einmal in Gnade überströmend werden. Die Gnade ist in der
Fahrt kommt, dann hält sie nicht an, bis der Mensch ein Lage, aus der Macht der Sünde zu befreien. Jesus Chris-
Alkoholiker ist. Und selbst dann macht sie solange tus ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören
weiter, bis der Mensch durch den Alkohol zu Tode (1. Joh 3,8). Er kann die Macht der Sünde brechen und
kommt. Überall strebt die Sünde das Maximum an. Gefangene aus dem Kerker befreien (Lk 4,18). Gebun-
denen können die Fesseln gelöst und Blinden die Augen
Was so hinterlistig an der Macht der Sünde ist: Sie aufgetan werden. Was der Mensch nicht tun kann, hat
überzeugt. Die Sünde schafft es, den Menschen immer Gott getan! Anstatt der Sünde wird jetzt die Gnade
aufs Neue zu überzeugen das Böse zu begehen. Ein herrschen. Der Mensch wird durch den Glauben an den
Mensch hat nach seinem übermäßigen Alkoholkonsum Sohn Gottes, Jesus Christus gerettet.
einen Kater: Kopfschmerzen, Übelkeit, schlechte Laune
und der gleichen. Viele nehmen es sich vor, nach dem
ersten Mal nie mehr zu trinken. Es vergeht eine kurze
Zeit und schon sind die guten Vorsätze dahin. Trotz der
Folgen des Alkoholkonsums überzeugt die Sünde den
Menschen zu trinken. Die Sünde tritt immer zuerst
verlockend auf und zeigt sich erst im Nachhinein in
ihrer zerstörerischen Wirkung. So tritt sie in allen
Formen auf und offenbart erst später den bitteren Nach- 1Der Tagesspiegel, 10.06.2010
geschmack. 2Mindener Tageblatt, 11.12.2010

Timotheus I 13
ede Beziehung, in der wir leben, birgt Spannun-
gen und Konfliktpotenzial. In der Ehe, im
Umgang mit meinen Kindern (oder Eltern), auf
der Arbeit mit Arbeitskollegen, bei Freunden,
mit denen ich Zeit verbringe, und auch in der
Gemeinde – im Mitarbeiterkreis, in der
Gemeindeversammlung, im Hauskreis, in der
Jugend… Weil diese Beziehungen nicht spannungsfrei
sind, erlebe ich immer wieder, wie sehr ich und auch die
Menschen um mich herum von Sünde geprägt sind.
Ganz schnell entsteht aus einer „normalen“ Situation
ein Konflikt oder Streit, weil ich mich oder der andere
sich auf eine sündige Art und Weise verhält – oft betrifft
es auch uns beide.
Ich sehne mich dabei aber nach Veränderung, nach
Harmonie – letztlich nach dem Himmel, wo es keine
Sünde, keine Träne und keinen Streit mehr geben wird.
Die Frage für mich ist: Wie gehe ich mit meiner Sünde
um? Warum ist es wichtig, dass ich in meinem Leben
Sünde erkenne und Veränderung erlebe?

Sünde ist eine Realität


Zunächst gilt es, folgende Grundlage für unser Leben
festzuhalten: Sünde ist eine Realität in meinem Leben.
Das Thema Sünde und wie ich Sünde erkenne ist ein
wichtiger Punkt in meinem Leben als Christ. Auf dem
Weg mit Jesus ist das keine Randerscheinung, die ich
außen vorlassen kann.

„ICH SOLLTE
LERNEN,
MIT DIESER
REALITÄT
ZU LEBEN
UND MIT IHR
UMZUGEHEN“

Der Apostel Johannes spricht dieses Thema offen und


direkt an, indem er in seinem ersten Brief schreibt:
„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so
verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in
uns“ (1.Johannes 1,8). Mit anderen Worten: es ist für
MICHAEL WICHE mich keine Option zu sagen, dass ich Sünde ignoriere,
Der Ehemann und Vater von zwei Kindern abschwäche und aus meinem Leben und Alltag
ist Pastor an der FeG Worms. ausklammere. Sünde ist etwas, was zu meinem Leben
Er ist Autor des Blogs dazu gehört und ich sollte lernen, mit dieser Realität zu
Puritaner auf deutsch (puritanum.wordpress.com) leben und mit ihr umzugehen.
und teil der reformatorischen Warum ist es so wichtig, die Realität der Sünde nicht aus
Initiative Evangelium 21. den Augen zu verlieren?

Timotheus I 15
Jesus ist gekommen, um Sünder zu retten
Zunächst gilt es, folgende Grundlage für unser Leben
festzuhalten: Sünde ist eine Realität in meinem Leben.
Das Thema Sünde und wie ich Sünde erkenne, ist ein
wichtiger Punkt in meinem Leben als Christ. Auf dem
Weg mit Jesus ist das keine Randerscheinung, die ich
außen vor lassen kann.

Ich denke, dass wir eine gute Antwort auf diese Frage bei
Paulus finden, der in seinem ersten Brief an Timotheus
schreibt: „Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme
wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um
Sünder zu retten, von denen ich der größte bin“
(1.Timotheus 1,15). Paulus bringt hier zwei Dinge
zusammen, die für unser Thema von größter Bedeutung
sind. Er bezeichnet sich selbst als den „größten Sünder“,
d.h. er nimmt in seinem Leben, in seinen Beziehungen,
in seinem Alltag seine eigene Sünde wahr und erlebt sich
selbst als ein Sünder, der unbedingt einen Retter
braucht. Gleichzeitig sieht Paulus aber auch, dass er
diesen Retter in Jesus Christus gefunden hat, der in die
Welt gekommen ist, gerade um Sünder – wie Paulus und
wie dich und mich – zu retten. Diese beiden Punkte
„Sünde erkennen“ und „Jesus ist gekommen, um Sünder
zu retten“ sind wesentlich für mein Christsein und
meinen Umgang mit anderen Menschen.

Der bekannte Puritaner John Bunyan schreibt dazu:


„Lerne dich selbst besser kennen, was für ein schlechter,
schrecklicher und abscheulicher Sünder du bist: Denn
du kannst die Liebe Christi nicht erkennen, wenn du
nicht vorher die Sündhaftigkeit deiner Natur erkannt
hast“ (John Bunyan, All Loves Excelling, Puritan Paper-
backs, S.84). Das ist es, was Paulus verkörperte – er
kannte seine eigene Sündhaftigkeit und gleichzeitig die
unfassbare Gnade und Liebe Jesu, die er uns am Kreuz
erwiesen hat.
„AUFGRUND
Ich bin Sünder und brauche Rettung
Wenn ich sehe, dass ich selbst ein Sünder bin und DESSEN,
Rettung brauche, dann darf ich und muss ich zu Jesus
laufen, zum Kreuz, dorthin, wo er sein Leben an meiner
WAS JESUS
Stelle gegeben hat – wo er die Strafe für meine Sünde FÜR MICH
vollkommen bezahlt hat durch seinen Tod. Aufgrund
dessen, was Jesus für mich getan hat, darf ich Vergebung GETAN HAT,
von meiner Sünde empfangen – unverdient, ganz aus
Gnade – so wie es Johannes schreibt: „Wenn wir aber
DARF ICH
unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass VERGEBUNG
er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller
Ungerechtigkeit“ (1.Johannes 1,9). Gott ist treu und
VON MEINER
gerecht, wenn wir durch Jesus zu ihm kommen und ihn SÜNDE
um Vergebung unserer Sünden bitten, so dass er uns
vergibt und wir mit ihm leben können. EMPFANGEN“
Der Psalmist vom 32. Psalm bestätigt diese gewaltige
Aussage und gibt uns etwas an die Hand, von dem wir
Ermutigung und Zuversicht erfahren können: „Wohl
dem, dessen Sünde zugedeckt ist“ (Psalm 32,1) – das ist
in Jesus Realität geworden. Unsere Sünde ist zugedeckt,
vergeben in Jesus Christus – wie wunderbar ist diese
Erfahrung.

16 I Timotheus
Wenn ich das erlebe, dann verändert das alles: Jesus wird
mir wertvoller, sein Werk am Kreuz wird für mich
wertvoller, ich erfahre ein Stück mehr, dass Jesus besser
und größer und herrlicher ist als alles, was mir die Sünde
zu bieten hat. Dies gibt mir die Gelegenheit, mein
Leben wieder auf Jesus auszurichten und mich vom
Evangelium verändern zu lassen. Das wirkt sich auf
meine Beziehungen und auf meinen ganzen Alltag aus.
Meine eigene Sündhaftigkeit wahrzunehmen und mich
gleichzeitig an der Gnade Gottes zu erfreuen, die mir in
Jesus und seinem Sterben am Kreuz begegnet. Dies „DIE SICHT,
schafft für mich die Grundlage, auf der ich in meinem
Leben und in meinen Beziehungen zu anderen
DASS ICH
Menschen Veränderung erlebe. Das ist der Grund, SELBST
warum es in meinem Leben als Christ so wichtig ist, dass
ich meine Sünde erkenne und auch Veränderung erlebe. EIN SÜNDER
Dieser Prozess zieht sich durch mein ganzes Leben, ich
BIN,
werde damit nicht abschließen, aber durch seine Gnade KORRIGIERT
werde ich ihm selbst immer ähnlicher. Zu seiner Ehre
will ich leben, mehr und mehr! MEINEN STOLZ
Wie sieht das praktisch aus?
UND MEINE
Es bedeutet ganz konkret in Spannungen, Missverständ- ARROGANZ“
nissen, Schuld, Streit und Sünde nicht zuerst auf den
anderen zu zeigen, nach dem Motto: der andere hat, der
andere ist, der andere sollte, müsste, könnte aber…;
sondern stattdessen zu fragen: wo liege ich vielleicht
falsch? Wo brauche ich Veränderung in meinem
Herzen? Wo hat sich mein Herz von Jesus und vom
Kreuz entfernt?

Die Sicht, dass ich selbst ein Sünder bin, korrigiert


meinen Stolz und meine Arroganz. Um mit anderen
Menschen in einer Weise zu leben, die Gott ehrt,
brauche ich die Korrektur von Gott und von Anderen.
Gott sieht mich und auch mein Gegenüber durch Jesus
Christus, d.h. durch sein perfektes Opfer an meiner
Stelle. Wenn er mich so ansieht, dann sieht er jemanden,
der perfekt ist aufgrund dessen, was Jesus für mich getan
hat. Wenn ich also bei mir oder bei anderen in meiner
Gemeinde ein sündiges Verhalten wahrnehme, darf ich
mir selbst die Wahrheit zupredigen, dass der Andere
genauso vor Gott gerecht gesprochen ist wie ich – durch
das, was Jesus am Kreuz getan hat, perfekt.

Ich will mehr und mehr lernen, die Menschen mit


Gottes Augen und aus Seiner Perspektive zu sehen:
durch die Brille Jesu, der Sein Leben für mich gegeben
hat.

Gott segne euch!

Timotheus I 17
Text John Piper

»Es nahte aber das Fest der ungesäuer-


ten Brote, das man Passah nennt. Und
die obersten Priester und Schriftgelehr-
ten suchten, wie sie ihn umbringen
könnten; denn sie fürchteten das Volk.
Es fuhr aber der Satan in Judas, der mit
Beinamen Ischariot genannt wird, wel-
cher aus der Zahl der Zwölf war. Und er
ging hin und besprach mit den obersten
Priestern und den Hauptleuten, wie er
ihn an sie ausliefern wollte. Und sie
waren erfreut und kamen überein, ihm
Geld zu geben. Und er versprach es und
suchte eine gute Gelegenheit, um ihn
ohne Volksauflauf an sie auszuliefern.«
Lukas 22,1-6
JOHN PIPER (*1946)
ist Ehemann und Vater von fünf Kindern.
Der Pastor und Prediger der Betlehem Baptist Church in
Minneapolis ist vor allem für seine über 30 Bücher und
sein Glaubenswerk „Desiring God“ bekannt.
ie spektakulärste Sünde der Weltge- Er liebte Geld. Er liebte die Macht und die Freuden, die
schichte war die brutale Ermordung er für Geld kaufen konnte.
von Jesus Christus, dem moralisch Paulus erklärt, was das mit der Macht Satans zu tun hat.
perfekten, unendlich würdigen und Hören wir, was Epheser 2,1-3 sagt: „Auch euch, die ihr
heiligen Sohn Gottes. Und der wohl tot wart, durch eure Übertretungen und Sünden, in
verabscheuungswürdigste Akt im welchen ihr einst wandeltet nach dem Lauf dieser Welt,
Verlauf dieses Mordes war der Verrat nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, [hier bemer-
an Jesus durch einen seiner engsten Freun- ken wir die Verbindung: tot durch Sünden, mit Satan
de, Judas Iskariot. Judas war einer der zwölf Apostel, die wandeln] dem Geiste, der jetzt in den Kindern des
Jesus persönlich ausgesucht hatte und der mit ihm Unglaubens wirkt, unter welchen auch wir alle einst
während seines gesamten öffentlichen Wirkens zusam- einhergingen in den Lüsten unsres Fleisches, indem wir
men war. Judas wurde der Geldbeutel der gesamten den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; und
Gruppe anvertraut (Joh 13,29). Er war beim letzten wir waren Kinder des Zorns von Natur, gleichwie die
Abendmahl nahe genug bei Jesus, um das Brot mit ihm andern”. Tot in unseren Sünden, wandeln in der Leiden-
in die gleiche Schüssel zu tauchen (Mk 14,20). schaft des Fleisches, die Wünsche unseres Körper und
unserer Gedanken erfüllen, und daher mit dem Fürsten
Satan fuhr in Judas wandeln, der in der Luft herrscht.
In der Nacht des letzten Abendmahls schreibt Lukas in Satan nimmt nicht unschuldige Menschen in Gefangen-
Lk 22,3-6: „Es fuhr aber der Satan in Judas, ... Und er schaft. Es gibt keine unschuldigen Menschen. Satan hat
ging hin und besprach mit den Hohenpriestern und den dort die Macht, wo sündige Leidenschaft herrscht. Judas
Hauptleuten, wie er ihnen Jesus ausliefern wollte. Und war ein Liebhaber des Geldes, und er überdeckte seine
sie wurden froh und kamen überein, ihm Geld zu geben. Leidenschaft mit einer falschen, äußerlichen Beziehung
Und er versprach es und suchte eine gute Gelegenheit, zu Jesus. Und dann verkaufte er ihn für dreißig Silberlin-
um ihn ohne Volksauflauf an sie auszuliefern.“ ge. Wie viele von Seinesgleichen gibt es heute noch!
Später führte er die Verantwortlichen zu Jesus in den Seien Sie keiner. Und lassen Sie sich nicht von so jeman-
Garten Gethsemane und verriet Jesus mit einem Kuss dem täuschen.
(Lk 22,47-48). Damit wurde Jesu Tod besiegelt. Wenn
Lukas in Vers 3 schreibt, dass "Satan in Judas fuhr" Satans Rolle bei seiner eigenen Zerstörung
kommen uns mehrere Fragen in den Sinn: Beherrschte Die zweite Frage ist, warum Satan Judas dazu verleitete,
Satan einfach einen guten Judas oder war Judas bereits Jesus zu verraten. Hat er nicht gewusst, dass der Tod und
erfüllt von Sünde im Gleichschritt mit Satan unterwegs die Auferstehung von Jesus seine endgültige Niederlage
und Satan beschloss lediglich, dass es jetzt an der Zeit bedeuten würden (Kol 2,13-15; Offb 12,11)? Es gibt
war? Warum tat Satan das, wenn doch der Tod und die gute Gründe zu glauben, dass Satan doch Bescheid
Auferstehung Jesu Satan die endgültige Niederlage wusste.
zufügen würden? Es gibt gute Gründe zu glauben, dass Als Jesus seinen Dienst auf dem Weg zum Kreuz begann,
Satan dies wusste. Und die dritte und wichtigste Frage versuchte Satan ihn vom Weg des Leidens und der
ist: Wo war Gott, als das geschah? Welche Rolle spielte Opfer abzubringen. In der Wüste versuchte er ihn,
er bei der spektakulärsten Sünde, die jemals begangen indem er ihn aufforderte, Steine in Brot zu verwandeln,
wurde? Sehen wir uns die Fragen nacheinander an. von den Zinnen des Tempels zu springen und die
Herrschaft der Welt anzunehmen, wenn er ihn anbeten
Satans Macht in Judas' sündiger Leidenschaft würde (Mt 4,1-11). Hinter all diesen Versuchungen
Was denken wir über den Willen des Judas und die steht der Gedanke: "Geh nicht den Weg des Leidens
Macht Satans, wenn wir lesen, dass Satan in Judas fuhr und der Opfer und des Todes. Nutze deine Macht, dem
(Luk 22,3)? Judas war kein unschuldiger Zuschauer, als Leid zu entkommen. Wenn du der Sohn Gottes bist,
Satan in ihn fuhr. Der Apostel Johannes sagt uns in zeige deinen Herrschaftsanspruch. Und ich kann dir
Johannes 12,6, dass er ein "Dieb" war. Als Judas sich helfen, das zu erlangen. Was immer du tust, gehe nicht
beklagte, dass Maria für die Salbung Jesu Geld ans Kreuz."
verschwendete, merkt Johannes an: "Das sagte er aber Und denken wir daran, als Jesus vorhergesagte, dass er
nicht, weil er sich um die Armen kümmerte, sondern durch die Ältesten und die Hohenpriester viel erleiden
weil er ein Dieb war und den Beutel hatte und trug, was würde und getötet werde, und Petrus wies ihn zurecht
eingelegt wurde." und sprach: „Herr, schone deiner selbst! Das widerfahre
Wenn das unglaublich klingt, denke man nur an das dir nur nicht!“ (Mt 16,22). Mit anderen Worten, ich
skandalöse Verhalten der sogenannten christlichen werde es nie zulassen, dass sie dich auf diese Art töten.
Leiter, die heutzutage Kirchenspenden dazu verwenden, Jesus hat Petrus nicht gelobt. Er sagte: „Hebe dich weg
um Kleidung im Wert von 40.000 Dollar pro Jahr zu von mir, Satan! Du bist mir zum Fallstrick; denn du
kaufen, die ihre Kinder auf einen 30.000-Dollar-Urlaub denkst nicht göttlich, sondern menschlich!“ (Mt 16,23).
auf die Bahamas schicken und einen weißen Lexus und Jesus zu hindern ans Kreuz zu gehen, war das Werk
einen roten Mercedes fahren. Obwohl Judas mit seiner Satans. Satan wollte nicht, dass Jesus gekreuzigt wird. Es
frommen, religiösen Miene neben Jesus saß und hinging wäre sein Verhängnis. Aber hier in Lukas 22,3 fährt er in
und Dämonen in Jesu Namen austrieb, liebte er Jesus Judas und bringt ihn dazu, den Herrn zu verraten und
nicht wie jemand, der von Gott gerechtfertigt ist. ans Kreuz zu bringen. Warum die Kehrtwendung?

20 I Timotheus
Warum versucht Satan ihn vorher vom Kreuz abzuhal- In Johannes 13,18 zitiert Jesus Psalm 41,9 und sagt: „Ich
ten und ergreift dann die Initiative, um ihn an eben rede nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt
jenes Kreuz zu bringen? Das wird uns nicht erklärt. Hier habe. Doch muss die Schrift erfüllt werden: «Der mit
sind meine Lösungsansätze auf diese Frage: Satan sah, mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich erhoben.»“
dass seine Anstrengungen Jesus vom Kreuz abzuhalten In Matthäus 26,24 sagt Jesus: „Des Menschen Sohn geht
fehlschlugen. Jedes Mal behielt Jesus den Kurs. Jesus war zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; aber wehe
fest entschlossen zu sterben (Lk 9,51,53), und Satan zog dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn
daraus den Schluss, dass er ihn nicht stoppen konnte. verraten wird!“ Und in Matthäus 27,9-10 lesen wir: „Da
Daher beschloss er: Wenn er ihn schon nicht aufhalten wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia gesagt
konnte, würde er es zumindest so unangenehm und ist, welcher spricht: «Und sie nahmen die dreißig Silber-
schmerzhaft und so herzzerreißend wie möglich gestal- linge, den Wert des Geschätzten, den sie geschätzt
ten. Wenn schon Tod, dann Tod durch Verrat. Tod hatten, von den Kindern Israel und gaben sie für den
durch Verlassen. Tod durch Verleugnung (Lk 22,31-34). Acker des Töpfers, wie der Herr mir befohlen hatte»“
Tod durch Folter. Wenn er es nicht aufhalten konnte, (Jer 19,1-13; Sach 11,12-13).
würde er doch andere hineinziehen und soviel Schaden Und nicht nur die Heilige Schrift, sondern Jesus selbst
wie möglich anrichten. Es war eine spektakuläre Abfolge erklärt bis ins Detail, wie er getötet werden wird. In
von Sünden, die Jesus ans Kreuz brachten. Markus 10,33-34 sagt er: „Siehe, wir ziehen hinauf nach
Jerusalem, und des Menschen Sohn wird den Hohen-
Gottes Rolle bei der priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden;
Ermordung Seines Sohnes und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den
Das bringt uns nun zur dritten und letzten Frage – der Heiden ausliefern; und sie werden ihn verspotten und
wichtigsten: Wo war Gott, als das geschah? Oder genau- geißeln und verspeien und töten, und am dritten Tage
er: Welche Rolle spielte Gott (und welche nicht) bei der wird er wieder auferstehen.“ In der letzten Nacht sah
spektakulärsten Sünde, die jemals geschehen ist - der Jesus auf Petrus und sagte: "Wahrlich, ich sage dir, in
Ermordung von Jesus Christus? dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich
Um so eine Frage zu beantworten, sollten wir erst dreimal verleugnen!“ (Mt 26,34).
einmal unsere Finger auf unseren Mund legen und
unsere philosophischen Spekulationen verstummen
lassen. Unsere Meinung ist unwichtig. Allein das Wort
Gottes ist ausschlaggebend. Als erstes zeigt er uns in
seinem Wort, dass die Einzelheiten des Todes Christi
Hunderte von Jahren, bevor sie geschehen sind, prophe-
zeit wurden.
Die Heilige Schrift zeigt, dass böse Menschen Jesus
ablehnen würden, wenn er kommen würde. So lesen wir
in Mt 21,42: „Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie
gelesen in der Schrift [er zitiert hier Psalm 118,22]: «Der
Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum „ES WAR
Eckstein geworden. Das ist vom Herrn geschehen, und
es ist wunderbar in unsern Augen»?“
EINE
Die Schrift zeigt, dass Jesus gehasst werden musste. In SPEKTAKULÄRE
Johannes 15,25 zitiert Jesus Psalm 35,19 und sagt:
„Doch solches geschieht, damit das Wort erfüllt werde, ABFOLGE
das in ihrem Gesetz geschrieben steht: Sie hassen mich
ohne Ursache.“
VON
Die Schrift zeigt, dass die Jünger Jesus verlassen würden. SÜNDEN,
In Matthäus 26,31 zitiert Jesus Sacharja 13:7: „Ihr
werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern; denn es DIE JESUS
steht geschrieben: «Ich werde den Hirten schlagen, und ANS KREUZ
die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.»“
Die Schrift zeigt, dass Jesus durchbohrt, aber keiner BRACHTEN“
seiner Knochen gebrochen werden würde. Johannes
zitiert Psalm 34,20 und Sacharja 12,10 und sagt: „Einer
der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem
Speer ... Denn solches ist geschehen, damit die Schrift
erfüllt würde: «Es soll ihm kein Bein zerbrochen
werden!» Und abermals spricht eine andere Schrift: «Sie
werden den ansehen, welchen sie durchstochen haben»
(Joh 19,34-37).
Die Schrift zeigt, dass Jesus durch einen engen Freund
für dreißig Silberlinge verraten werden würde.

Timotheus I 21
Die Hand und der Ratschluss Gottes
In Apg 4,27-28 haben wir die klarste, ausdrücklichste
Aussage über Gottes Hand und seinen Ratschluss hinter
„DIESE DINGE SIND der schrecklichen Kreuzigung seines Sohnes. „Ja
wahrlich, es haben sich versammelt in dieser Stadt wider
NICHT NUR PASSIERT. deinen heiligen Sohn Jesus, welchen du gesalbt hast,

SIE WURDEN IN GOTTES Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem
Volke Israel, zu tun, was deine Hand und dein
WORT VORHERGESAGT.“ Ratschluss zuvor beschlossen hatte, dass es geschehen
sollte.“
Das sind die zwei Worte die ich benutze: die Hand
Gottes und der Ratschluss Gottes. Es ist seltsam ausge-
drückt, wenn man sagt, dass Gottes Hand und sein
Entsprechend Seinem souveränen Willen Ratschluss eine bestimmte Handlung vorherbestimmt
Von all diesen Prophezeiungen wissen wir, dass Gott haben. Man denkt normalerweise nicht von der "Hand"
alles vorhersah und es nicht verhindern würde und es Gottes als vorherbestimmend. Wie kann eine Hand
daher Teil seines Planes war, dass sein Sohn abgelehnt, vorherbestimmend wirken? Hier ist meine Interpretati-
gehasst, verlassen, verraten, verleugnet, verurteilt, on: Die Hand Gottes steht normalerweise für Gottes
bespuckt, ausgepeitscht, verspottet, durchbohrt und ausgeübte Macht - Macht nicht in der abstrakten Form,
getötet werden würde. All das war ausdrücklich Gottes sondern in ihrer irdischen und wirksamen Ausübung.
Wille, bevor es tatsächlich geschah. Es waren Dinge, die Es war nicht nur ein theoretischer Ratschluss Gottes. Es
er geplant hat und die mit Jesus geschehen sollten. Diese war ein Ratschluss, der durch Gottes eigene Hand
Dinge sind nicht nur passiert. Sie wurden in Gottes ausgeführt wurde. Deshalb diese Verbindung zwischen
Wort vorhergesagt. Gott wusste, dass sie geschehen Hand und Ratschluss.
würden, und er hätte planen können, sie zu unterbin- Dies erklärt Jesaja 53,10: „Aber dem HERRN gefiel es,
den, aber das tat er nicht. Also geschahen sie nach seinen ihn zu zerschlagen, er ließ ihn leiden.“
souveränen Willen; Seinem Plan. Der Herr hat ihn zerschlagen. Hinter Herodes und
Und alle diese Dinge waren böse. Sie waren Sünde. Es ist Pilatus und den Heiden und den Israeliten wirkte Jesu
durch und durch sündig, den moralisch perfekten, eigener Vater, der ihn mit einer unendlichen Liebe
unendlich würdigen, heiligen Sohn Gottes abzulehnen, liebte.
zu hassen, zu verlassen, zu verraten, zu verleugnen, zu
verurteilen, zu bespucken, auszupeitschen, zu verspot- Das Evangelium: Gott am Werk in Sachen Tod
ten, zu durchbohren und zu töten. Und doch sagt die Sollte dich dieses Thema berühren? Ja, es sollte, denn
Bibel ausdrücklich und klar, dass Gott selbst diese Dinge wenn Gott nicht der Hauptakteur beim Tod Jesu wäre,
geplant hat. Dies ist ausdrücklich nicht nur in allen dann könnte uns der Tod Christi nicht von unseren
prophetischen Texten erwähnt, die wir gelesen haben, Sünden befreien und wir würden in der ewigen Hölle
sondern auch in Passagen, die noch deutlicher sagen, umkommen (Mt 25,46; 2.Thess 1,9 ). Der Grund,
dass Gott selbst bestimmt hat, dass diese Dinge passie- warum der Tod Christi das Herz des Evangeliums – das
ren sollen. Herz der guten Nachricht – ist, dass Gott es tat. Römer
5,8: „Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit,
Gott hat es verursacht dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder
In Jesaja 53,6.10 heißt es: „Wir gingen alle in der Irre waren.“ Wenn du Gottes Handeln vom Tod Jesu Christi
wie Schafe, ein jeder wandte sich auf seinen Weg; aber trennst, verlierst du das Evangelium. Es war Gottes
der HERR warf unser aller Schuld auf ihn. ... Aber dem Werk. Es ist der höchste und tiefste Punkt seiner Liebe
HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen, er ließ ihn leiden.“ zu Sündern. Gottes Liebe zu dir.
Der Herr zerschlug ihn. Gott war an allen Begebenhei- Römer 8,3 sagt: „… das hat Gott getan, nämlich die
ten, die Jesus ans Kreuz brachten, beteiligt. Hinter dem Sünde im Fleische verdammt, indem er seinen Sohn
Spucken und Auspeitschen und Spotten und Durch- sandte in der Gleichgestalt des sündigen Fleisches und
bohren stehen die unsichtbare Hand und der Ratschluss um der Sünde willen.“ Die Verurteilung, die wir im
Gottes. Fleisch verdient haben, wurde auf „das Fleisch“ Jesu
Und ich sage das vorsichtig und mit Zittern. Diese übertragen. Dadurch konnten wir freigesprochen
Wahrheit ist zu groß und zu schwer und zu schockie- werden.
rend, um leichtfertig oder zu großspurig darüber zu In Galater 3,13 lesen wir: „Christus hat uns losgekauft
reden. Ich wähle daher die Formulierung, dass die von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für
unsichtbare Hand und der Ratschluss Gottes hinter uns wurde“. Gott belegte Jesus mit dem Fluch, der uns
dieser spektakulärsten Sünde des ganzen Universums galt. Dadurch sind wir frei.
steckten – das war schmerzlicher und spektakulärer als In 2. Kor 5,21 heißt es: „Denn er [Gott] hat den, der
der einstige Sündenfall Satans oder irgendeine andere von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht,
Sünde. Der Grund, warum ich genau diese Worte auf dass wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ Gott
wähle, liegt darin, dass es die Bibel in genau diesen rechnete unsere Sünde Christus zu, dadurch werden wir
Worten sagt. frei in der Gerechtigkeit Gottes.

22 I Timotheus
Und Jesaja 53,5 sagt: „… aber er wurde durchbohrt um
unserer Übertretung willen, zerschlagen wegen unserer
Missetat; die Strafe, uns zum Frieden, lag auf ihm, und
durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Gott hat ihn
verwundet. Gott hat ihn zerschlagen. Für dich und
mich. Dadurch sind wir frei.
Buchtipps zu John Piper

„GOTT
HAT IHN
VERWUNDET. Endlich
GOTT HAT leben!
IHN John Piper zeigt in diesem Buch, dass ein richtiges
ZERSCHLAGEN. Verständnis von der biblischen Lehre über die Wieder-

FÜR DICH geburt (o. "Neugeburt", "Erneuerung") unerlässlich ist.


"Der Begriff 'wiedergeboren' ist in der Bibel sehr kostbar
UND MICH. und von ganz entscheidender Wichtigkeit. Unser
Hauptanliegen muss folglich sein, zu wissen, was Gott
DADURCH meint, wenn die Bibel sich dieser Ausdrucksweise
SIND bedient, damit wir durch seine Gnade die Wiedergeburt
erleben und anderen helfen können, dieselbe Erfahrung
WIR FREI“ zu machen. Daher ist es für uns von überragender
Bedeutung, genau zu wissen, was das Wiedergeboren-
sein eigentlich beinhaltet" (John Piper). Das Buch
kostet € 12,20 und ist im 3L Verlag erschienen.

Das Kreuz Christi als Werk und Liebe Gottes


Wenn du die biblische Wahrheit annimmst (und ich
Ihn
bete, dass du es tust), dass Gott spektakuläre Sünde für
den weltweiten Ruhm seines Sohnes anordnet, ohne verkündigen
dass Gott in irgendeiner Form unheilig oder dadurch
zum Sünder wird, dann wirst du nicht vom Kreuz Jesu
Christi als einem Werk Gottes zurückschrecken. Du
wir
wirst keiner von denen sein, die den größten Liebesbe- John Pipers Motto ist: Gott wird am meisten verherr-
weis, den es jemals gab, als "göttlichen Kindesmiss- licht, wenn wir uns am meisten über ihn freuen. Die
brauch" bezeichnen. Du wirst zum Kreuz kommen und Predigt gehört daher elementar zur Anbetung im
auf dein Gesicht fallen. Und du wirst sagen: Das ist Gottesdienst: Gott soll durch die Predigt verherrlicht
keine bloße menschliche Verschwörung. Das ist das werden, und er wird verherrlicht, wenn der Prediger
Werk und die Liebe Gottes. Du wirst es als sein höchstes seine Zuhörer dazu bringt, von Gott ergriffen zu sein
Geschenk empfangen. So wirst du gerettet und Christus und sich über ihn zu freuen. Das Evangelium ist eine
dadurch verherrlicht. Und ich werde es nicht vergeblich Botschaft der Freude, und der Prediger soll diese
geschrieben haben. Freudenbotschaft übermitteln.
Das Buch kostet € 8,50 und ist im Betanien Verlag
Mit freundlicher Genehmigung von www.desiringgod.org erschienen.
Überarbeitung der deutschen Übersetzung: Hans-Werner Deppe

Timotheus I 23
»Er hat unsere Sünden
selbst an seinem Leib
getragen auf dem Holz,
damit wir, den Sünden
gestorben, der Gerechtig-
keit leben mögen; durch
seine Wunden seid ihr
heil geworden«
1. Petrus 2,24

Bei der Erlösung geht es in erster Linie


um die Befreiung von der versklaven-
den Macht der Sünde. Diese Befreiung
wird im Umfeld eines begnadigten
Sünders deutlich wahrgenommen. Sie
besteht nicht lediglich aus einem
emotionalen Übergabegebet, sondern
vor allem aus einem beständig geistlich geführten Leben.
Folglich ist die Wiedergeburt höchst fragwürdig, wenn
die Sünde als herrschendes Prinzip bleibt. Wahre
Erlösung ist nicht auf die Ewigkeit beschränkt, sondern
muss schon hier in der gefallenen Welt zur Geltung
kommen.

Die Erlösung von der Sünde ist der Zweck Jesu Leiden
und Sterben. „Er ... selbst“ bedeutet: er allein.“1 Er allein
war es, der die Sünden stellvertretend an seinem Leib
ans Kreuz trug. Dabei erduldete er die Strafe der Sünde
und leistete damit einem heiligen Gott Genüge, der für
Sünde den Tod verordnete. 1. Petrus 3,18 berichtet uns,
dass Jesus ungerechterweise gelitten hat: "ein Gerechter
für Ungerechte, damit er uns zu Gott führe." Es war
Gottes Wille, dass sein Sohn für die Sünden derer
sterben sollte, die an ihn glauben würden, um ihnen
dadurch Versöhnung mit dem Vater zu bringen. Das ist
die Botschaft des Evangeliums. "Die richtige Erkenntnis
der Sünde ist der Grundstock jedes rettenden Glaubens.
Ohne diese Erkenntnis sind Lehren wie Rechtfertigung,
Bekehrung und Heiligung nichts weiter als Schall und
Rauch."2 Niemand wird zu Christus kommen und um Die Freude an der Erlösung von der Sünde besteht aber
lebendiges Wasser bitten, der zuvor nicht einen Durst nicht darin, die Sünden zu vergessen, sondern sich daran
danach verspürt. Die Kehle ist ausgetrocknet und die zu erinnern, wie es Elihu im Buch Hiob von dem Geret-
Seele bewegt sich auf staubigem Boden, weil die Sünde teten sagt: "Der wird dann singen vor den Menschen
uns vom lebendigen Wasser getrennt hat. Eine umfas- und sagen: Ich hatte gesündigt und das Recht verkehrt;
sende Erkenntnis der Sünde wird Mark und Bein durch- aber er hat mir nicht vergolten wie ich es verdiente; er
dringen und den trockenen Zustand offenbaren. "Die hat meine Seele erlöst, dass sie nicht ins Verderben
Last unvergebener Sünden zu spüren und nicht zu hinabgefahren ist, so daß mein Leben das Licht wieder
wissen, wohin man sich zur Befreiung wenden kann; ein sieht!" (Hiob 33,27-28). Das Wissen um unsere Sünden
krankes Gewissen zu haben wegen des Leichtsinns und ist oft beklemmend, doch gleichzeitig auch unser Zeug-
unwissend im Blick auf die Hilfe zu sein; zu entdecken, nis vor den Menschen. Unsere Freude liegt nicht darin,
dass wir sterben, täglich sterben, und doch unvorbereitet dass wir vergessen, sondern dass wir darum wissen:
sind, Gott zu begegnen"3 - das ist die Dürre, die sich in Christus hat unsere Sünden getragen! Anstatt Vergel-
alle Richtungen vor unseren Augen ausbreitet, wenn wir tung hat uns Erlösung getroffen; anstatt Verderben,
tiefer graben. Eine Trockenheit, die den Durst nach werden wir das Licht sehen. Durch die Wunden und
Vergebung, Lossprechung und Frieden weckt. Diese Striemen Christi wurden wir geheilt. Er hat die Fesseln
Trockenheit hat Menschen dazu veranlasst, unter selbst der Sünde, die uns gebunden hat, durchtrennt und
auferlegter Härte und Regeln nach Erlösung zu suchen. unseren Durst gestillt. Ja, noch vielmehr: Er möchte uns
Sie hat Menschen in Verzweiflung, Angst und Einsam- zu einer Quelle lebendigen Wasser werden lassen. Durch
keit getrieben und viele dazu bewegt, mit tiefen Seufzern seinen Tod sind wir nicht nur gerechtfertigt, sondern in
ihre Knie aufzureiben. Wie tröstend ist es, unter dieser seiner Auferstehung durch den Heiligen Geist zu einem
Last den siegreichen Erlöser zu sehen. Jesus Christus neuen Leben erweckt - befähigt der Gerechtigkeit zu
trug unsere Sünde bereitwillig. Er ging den Weg dieser leben.
Dürre, als er am Kreuz nach Wasser fragte, und versetzte Petrus schreibt hier von einer Sinnesänderung. Wo uns
der Sünde auf dem Holz den Todesstoß. Durch das die alte Kreatur zur Sünde gereizt und gänzlich unfähig
Opfer am Kreuz ist jeder Gläubige in Christus und gemacht hat, Gottes Herrlichkeit zu entsprechen, hat
damit der Sünde gestorben. Die Strafe, die uns treffen das makellose Opfer Christi unser Gewissen gereinigt
sollte, hat er an unserer Statt gebüßt. von toten Werken, damit wir Gott dienen können (Heb
Doch Durststrecken bleiben nicht aus. Die Erinnerung 9,14). Wo uns die alte Kreatur durch Unverständnis und
an begangene Sünden ist bedrückend und die Last Ungehorsam in die Irre gehen ließ, hat Christus unsere
manchmal schwer zu ertragen. Selbstmitleid und Trauer Sinne erneuert, damit wir, durch seine Gnade gerecht-
lenken den Blick oft vom Kreuz auf uns selbst und all zu fertigt, Erben des ewigen Lebens würden (Titus 3,3- 7).
oft wünschen wir uns klagend und murrend das Verges- Als wir noch Feinde Gottes waren, befleckt durch Laster
sen herbei. und Leidenschaften, hat Christus uns abgewaschen und
geheiligt durch sein Blut (1Kor 6,9-11). Gott hat Chris-
tus für uns zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heili-
gung und zur Erlösung gemacht (1Kor 1,30), damit er
alles in allem ist. Christus kam in den Schmutz dieser
Welt und erduldete allen Widerspruch der Sünde. Das
Licht der Welt wurde von der Finsternis zerschlagen und
„WAS FÜR von Sündern ans Kreuz genagelt. Er wurde für uns zum

EINE Fluch. Doch durch seine Auferstehung hat er den


Stachel des Todes aus unserer Brust gerissen. Durch ihn
FESTE BURG IST dürfen wir leben. Durch ihn dürfen wir hoffen. Durch
ihn sind wir eine neue Kreatur, zubereitet zu allen guten
UNSER HERR, Werken. Durch ihn haben wir ein ewiges Erbe im
UND WIE himmlischen Vaterhaus. Das sollte das gleiche Lied in
uns hervorrufen, wie bei dem Geretteten im Buch Hiob.
TRÖSTLICH Was für eine feste Burg ist unser Herr, und wie tröstlich

DER GEDANKE der Gedanke an diesen starken Erretter. Er hat uns aus
der Gewalt der todbringenden Sünde befreit und das
AN DIESEN dürfen wir niemals vergessen. Wellen sind in tiefen
Wassern am größten. Deshalb sollten wir die Tiefen
STARKEN unseres Herzens mit Erkenntnis ausleuchten, damit das
ERRETTER“ Wunder der Erlösung kostbar für uns wird. Und durch
Gottes Gnade werden diese Wellen auch andere erfassen
und zur Umkehr treiben.

1Arnold G. Fruchtenbaum, Die Petrusbriefe und Judas, Seite 46


2J.C.Ryle, Seid Heilig, Seite 40
3J.C.Ryle, Seid Heilig, Seite 369

Timotheus I 25
JOHN NEWTON (1725-1807)
mazing grace, how sweet the sound / That
saved a wretch like me! / I once was lost,
but now I am found, / Was blind, but
now I see.“ (dt. „Unglaubliche Gnade,
wie süß der Klang, / Die einen armen
Sünder wie mich errettete! / Ich war
einst verloren, aber nun bin ich gefunden,
/ War blind, aber nun sehe ich.“) Jeder kennt diese Zeilen,
die wohl bekannteste Hymne der Christenwelt ist auch
heute, Jahrhunderte nach deren Entstehung in aller
Munde. Die Geschichte des Liedes und des Dichters
von „Amazing Grace“ (dt. „Erstaunliche Gnade“), John
Newton, ist in letzter Zeit durch Film und Literatur
zunehmend bekannter geworden. Wenn man von der
biblischen Lehre der absoluten Verdorbenheit des
Menschen spricht und zugleich von der bedingungslo-
sen Liebe und Gnade Gottes, dann muss die Geschichte
von John Newton neu erzählt werden. Es ist allein das
Wort Gottes, das uns in alle Wahrheit führt. Manchmal
jedoch sind es bemerkenswerte Lebensbilder wie die von
Martin Luther, Johannes Calvin, Georg Müller, David
Brainerd oder auch John Newton, die uns bestimmte
biblische Lehren der heiligen Schrift und das Handeln
Gottes näher bringen können.

Timotheus I 27
John Newton war ein Mann des 18. Jahrhunderts und Newton als Zollbeamter in Liverpool tätig. Die nächs-
ein Zeitgenosse der weithin bekannten Erweckungspre- ten 14 Jahre widmete er sich vor allem dem Studium der
diger George Whitefield, John Wesley und Jonathan heiligen Schrift. In den Originalsprachen wohlgemerkt.
Edwards (Johns Begeisterung für George Whitefield Zudem befasste er sich mit den besten Theologen in
sollte ihm später den Spitznamen „Kleiner Whitefield“ Latein, Englisch und Französisch. In dieser Zeit des
einbringen). Er wurde am 24. Juli 1725 in London Studierens kam Newton zu einem festen Lehrverständ-
geboren. Seine Mutter galt als gottesfürchtig, während nis. Der Autodidakt Newton war ein überzeugter
sein Vater ungläubig war und seinen Unterhalt als 5-Punkte-Calvinist: „Die Sichtweisen, die ich bezüglich
Schiffskapitän verdiente. Newtons Vater war sehr streng der Gnadenlehren gewonnen habe, sind für meinen
und ließ es seinen Sohn spüren. Dieser Umstand machte Frieden von entscheidender Bedeutung; ohne sie könnte
Johns Kindheit nicht gerade leicht, vor allem wenn man ich nicht einen Tag, nicht einmal eine Stunde, in Ruhe
bedenkt, dass seine Mutter starb, als er 6 Jahre alt war. leben. Ebenso glaube ich ... dass sie der Heiligkeit
Schon sehr früh folgte John seinem Vater auf den entsprechen und in direkter Weise ein Gespräch über
Weltmeeren. John Newton besuchte nur zwei Jahre lang das Evangelium anregen und es aufrechterhalten.
eine Schule und eignete sich sein Wissen selbstständig Deshalb darf ich mich ihrer nicht schämen.“7
an. Er war ein Autodidakt1 und sollte bis zu seinem Tod 1764 wurde Newton im Alter von knapp 39 Jahren in
einer bleiben. Damit gehörte er zu den Männern jener den Dienst des Pastors berufen, was er sich insgeheim
Zeit, die sich eine erstaunliche Bildung aneignen konn- seit langem erhofft hatte. Nach sechzehn Jahren in der
ten, ohne wirklich die Schule besucht zu haben2. Im anglikanischen Gemeinde zu Olney folgte Newton dem
Alter von 18 Jahren musste John als Marinesoldat zur Ruf der Gemeinde in St. Mary´s Woolnoth in London,
See, was sich negativ auf seinen Charakter auswirkte. In wo er die nächsten 27 Jahre bis zu seinem Tod im Alter
der Folgezeit verrohte seine Moral. Er war ein Soldat, von 82 Jahren als Pastor diente. Pastor Newton hatte
dem Flüche und Gotteslästerungen schnell über die einen enormen „Output“. Er schrieb in seinem Leben
Lippen gingen. Newtons Biograf Richard Cecil schrieb über 300 Hymnen, von denen die bekannteste sicher-
über diese Zeit: „Durch den Umgang mit den Kamera- lich „Amazing Grace“ ist. Oberflächlich gesehen waren
den, die er dabei traf, wurden seine Prinzipien vollstän- seine Jahre nach dem Ende seines Seelebens eher
dig zu Grunde gerichtet.“3 John erinnerte sich später: ereignislos. Was ist es also, was uns an der Person John
„Ich war zu allem fähig; ich hatte nicht einmal mehr die Newton besonders im Hinblick auf die Sünde fasziniert?
geringste Gottesfurcht, und auch mein Gewissen war
völlig verhärtet (soweit ich mich erinnere).“4 Im Alter
von 22 Jahren sollte sich sein Leben entscheidend verän-
dern. In einer unruhigen Nacht auf See wurde sein
Schiff von einem furchtbaren Sturm überrascht. Er
glaubte nicht daran, den Sturm zu überleben. Dies war
für ihn der Grund, zum ersten Mal über sein Seelenheil
nachzudenken. Als alter Mann schrieb er über dieses
Ereignis: „Ich meinte zu erkennen, wie Gottes Hand
alles zu unseren Gunsten lenkte. Ich begann zu beten:
Ich konnte kein Gebet des Glaubens sprechen; ich „ER SCHRIEB
konnte mich nicht einem Gott nahen, mit dem ich
versöhnt war, und ihn Vater nennen ... die trostlosen
IN SEINEM
Grundsätze der Gottlosigkeit hatten sich tief in mein LEBEN ÜBER
Leben eingegraben. ... Die große Frage war jetzt, wie ich
zum Glauben gelangen konnte.“5 Von nun an hatte er 300 HYMNEN,
eine Abneigung gegen das gottlose Leben und John war
sich bewusst, dass er einen rettenden Heiland brauchte:
VON DENEN DIE
„Ich erkannte die Gnade des Herrn an, die mir meine BEKANNTESTE
Vergangenheit vergab, aber für die Zukunft stützte ich
mich hauptsächlich auf meine eigene Entschlossenheit,
SICHERLICH
mich zu bessern. ... Ich kann nicht sagen, dass ich AMAZING GRACE
damals schon ein Gläubiger (im vollen Sinne des
Wortes) war. Dies geschah erst einige Zeit später.“6 IST“
Nicht lange nach jener Nacht, wurde er Kapitän eines
Sklavenschiffs, was er in seinen reifen Jahren jedoch
bitter bereute. Mit 24 Jahren heiratete er seine Jugend-
liebe Mary; ein halbes Jahr später starb sein Vater. Seine
Ehe mit Mary sollte keine Kinder hervorbringen, das
Ehepaar adoptierte allerdings zwei Kinder. Vier Jahre
nach seiner Hochzeit hatte Johns Seemannsleben wegen
eines epileptischen Anfalls ein Ende. Newton sollte
fortan kein Schiff mehr betreten. Von nun an war John

28 I Timotheus
Es ist das beeindruckende Zeugnis des John Newton,
der sich seit seiner Bekehrung jeden Tag mehr seiner
Verdorbenheit und Sündhaftigkeit bewusst war. Das
Zeugnis war gerade kein großes Ereignis mit „Wundern“
und atemberaubenden Erlebnissen und „Offenbarun-
gen“. Für John war die Gnade Gottes das größte „JOHN NEWTON,
Wunder und die größte Offenbarung seines Lebens: Der
Christ „kennt und spürt seine eigenen Schwächen und
PREDIGER,
seine Unwürdigkeit, und er lebt von der Gnade und der EINST UNGLÄUBIG
vergebenden Liebe seines Herrn. Das verleiht ihm eine
gewohnheitsmäßige Güte und liebenswürdige Geistes- UND ZÜGELLOS“
haltung. Demütig in dem Wissen, selbst viel Vergebung
erfahren zu haben, fällt es ihm leicht, auch anderen zu
vergeben.“8 Newtons Bewusstsein für seine eigene
Sünde und die rettende Gnade Gottes wird sich bis zu
seinem Ende wie ein roter Faden durch sein Leben
ziehen und seinen Wandel mit Christus tiefgreifend
prägen. Dies können wir auch seinem Testament
entnehmen, in dem es unter anderem heißt: „Ich befehle
meine Seele meinem Gnädigen Gott und Heiland an,
der mich in seiner Barmherzigkeit verschonte und
bewahrte, als ich ein Abtrünniger, Gotteslästerer und
Ungläubiger war. Er rettete mich an der Küste Afrikas
aus meinem elenden Zustand, in den mich meine
hartnäckige Bosheit gebracht hatte. Ihm hat es gefallen
(obschon ich völlig unwürdig war), mich sein herrliches
Evangelium predigen zu lassen.“9

Wenn du die Gnade Gottes erfahren hast, dann sei dir


deiner Sündhaftigkeit mehr denn je bewusst, damit du
deinen Retter für seine unfassbare Gnade mehr denn je
danken kannst. Wenn du die Gnade Gottes noch nicht
erfahren hast, dann sei dir über deinen Stand als verlore-
ner Sünder im klaren und über die Tatsache, dass nur
Jesus Christus allein der Ausweg ist, damit du einst mit
vollem Herzen zustimmen kannst: „Ich war einst
verloren, aber nun bin ich gefunden, war blind, aber
nun sehe ich“10. Ich möchte diesen Artikel mit einem
Ausschnitt aus der Grabinschrift Newtons schließen, die
er selbst verfasst hat und die uns über den Menschen Beharrlich
in Geduld
Newton das wichtigste in einem Satz vermittelt: „John
Newton, Prediger, einst ungläubig und zügellos, im
Dienst der Sklaverei in Afrika, der durch die reiche
Gnade unseres Herrn und Heilands Jesus Christus
bewahrt, wiederhergestellt und begnadigt sowie berufen von John Piper
wurde, den Glauben zu verkündigen, den er lange zu
vernichten suchte.“11 Newton, Simeon und Wilberforce
waren nicht perfekt. Und doch sind
1Ein Autodidakt ist jemand, der sich im Selbststudium eine Bildung auf diese drei Männer außergewöhnli-
hohem Niveau aneignet. che Vorbilder in ihrer tief gehenden
2Man denke z.B. an Abraham Lincoln (1809-1865), der nicht einen Tag Reife, die ihnen echte Freude
in der Schule verbrachte. schenkte. Sie führten ein Leben voll
3Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 59 von unbezwingbarem Ausharren –
4Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 59,60 weil sie um den Grund der höchsten
5Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 62 Freude wussten.
6Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 64 Das Buch ist bei CLV erschienen
7Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 80,81 und kostet € 7,50. Auch hier
8Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 50 erhältlich: www.cbuch.de
9Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 57
10Aus „Amazing Grace“
11Beharrlich in Geduld, John Piper, CLV, S. 57

Timotheus I 29
Die Sündigkeit der Sünde
enn wir verstehen wollen, in Beginn des Römerbriefes, wo er die Verdorbenheit der
welcher Weise der Mensch an Menschen herausstellt, die Nachkommen Adams als
Adams Rebellion teilhat, „Gotteshasser“ (Röm 1,30). Über den in Sünde gefalle-
müssen wir zuerst das Wesen nen Menschen könnte kein größeres Urteil gesprochen
der Sünde verstehen. Deshalb werden. Gott nicht zu lieben ist das innerste Wesen jeder
müssen wir uns anschauen, Rebellion. Wir sollten dabei auch beachten: Ein Mensch
welche vielfältigen Eigenschaften kann sehr religiös und sich der Gebote Gottes und seiner
und Erscheinungsformen die Sünde der Bibel zufolge Pflichten bewusst, und dennoch ein schrecklicher
hat. Dabei werden wir entdecken, dass Sünde viel mehr Sünder gegenüber Gott sein, wenn sein Gehorsam von
ist als nur ein fehlerhaftes moralisches Urteil oder bloß irgendetwas anderem veranlasst ist, als aus Liebe zu
Ungehorsam gegenüber einem unpersönlichen Gesetz. Gott.
Sünde ist ein Verbrechen gegen Gott. Für unsere Studie
reicht es nicht aus, wenn wir einfach Begriffe definieren. Sünde ist ein Versagen, Gott zu ehren
Wir müssen wieder ein biblisches Verständnis von der Die Bibel erklärt, dass der Mensch zur Ehre Gottes
Sündigkeit der Sünde bekommen. Wir leben in einer geschaffen wurde und dass er alles, was er tut - sogar die
Welt und haben mit Kirchen zu tun, die größtenteils alltäglichsten Dinge wie Essen und Trinken - zur Ehre
nicht mehr verstehen, welch abscheuliche Natur die Gottes tun soll (1Kor 10,31). Gott zu ehren bedeutet für
Sünde hat. Deshalb müssen wir uns beherzt bemühen den Menschen, Gottes alles
wiederzuentdecken, was verlorengegangen ist. Davon überragende Oberhoheit
hängt unser Verständnis von Gott und von der Größe und Würde wertzuschätzen,
unseres Heils in Christus ab. sich an Gott zu erfreuen, in
ihm die höchste Befriedi-
Sünde richtet sich immer gegen Gott gung zu finden und vor Gott
Sünde ist immer und zuerst eine Sünde gegen Gott und zu leben mit der Ehrerbie-
ein Angriff auf seine Person. Einem Gebot Gottes tung, Dankbarkeit und
ungehorsam zu sein, bedeutet, die Faust zu ballen und Anbetung, die ihm gebührt.
sie gegen das Angesicht dessen zu strecken, der allen Sünde ist das exakte Gegen-
Leben gibt und über alles herrscht. Wenn Leute heute
überhaupt noch von Sünde sprechen, dann von Sünde
teil davon, Gott zu ehren.
Wenn der Menschen
„DER
gegen Menschen oder Sünde gegen die Gesellschaft oder sündigt, wird er das völlige MENSCH IST
sogar von Sünde gegen die Natur. Selten hören wir, dass
jemand von Sünde gegen Gott spricht. Ein Mensch wird
Gegenteil dessen, wozu er
erschaffen wurde. Ein sündi- ENTSCHLOSSEN,
dann für gut gehalten, wenn er gute Beziehungen zu
seinen Mitmenschen hat, auch wenn er in völliger
ger Mensch ist ein Geschöpf,
das seine Stellung verlassen
SICH ÜBER
Missachtung Gottes und seines Willens lebt. Oft wird und den eigentlichen Grund SEINEN
gefragt, wie Gott einen Atheisten verurteilen könne, der
doch ein guter Mensch ist. Doch wir sind blind dafür,
für seine Existenz auf den
Kopf gestellt hat. Er hat sich
SCHÖPFER
dass niemand gut sein kann, der seinen Schöpfer
verleugnet und ihm alles vorenthält wessen der Geber
selbst an die Stelle Gottes
platziert und Gottes Willen
ZU STELLEN“
aller Gaben würdig ist. Die Bibel berichtet, dass David durch Selbstbestimmung
sein Volk anlog, Ehebruch beging und sogar den Mord ersetzt. Paulus schreibt: (Sie
an einen Unschuldigen einfädelte. Doch als er mit seiner werden verurteilt) „weil sie
Sünde konfrontiert wurde, betete er inbrünstig zu Gott: Gott kannten, ihn aber
„Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und weder als Gott verherrlich-
ich habe getan, was böse ist in deinen Augen“ (Ps 51,4). ten noch ihm Dank
David war sich darüber im Klaren, dass sich jede Sünde darbrachten“ und „die
zuerst und vor allem gegen Gott richtet. Wenn man das Wahrheit Gottes in die Lüge
nicht versteht, wird man niemals die abscheuliche Natur verwandelt und dem
der Sünde verstehen. Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben
statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit“ (Röm
Sünde ist ein Versagen, Gott zu lieben 1,21.25). Die Wurzel der Sünde reicht viel tiefer hinab,
Die größte aller Sünden ist der Verstoß gegen das größte als es oberflächlich zu sehen ist. Sie ist die Weigerung des
aller Gebote: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben Menschen, Gottes Recht als Gott anzuerkennen. Der
aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele Mensch ist entschlossen, sich über seinen Schöpfer zu
und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen stellen, seinen Thron zu stürzen und ihn seiner Ehre zu
Kraft!“ (Mk 12,30). Christus sagte: „Wenn ihr mich berauben. Sünde ist in ihrem Grundwesen die Weige-
liebt, so werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15). rung, Gott als Gott zu ehren. Sie tritt überall dort zu
Deshalb ist jeder Ungehorsam ein Erweis unserer fehlen- Tage, wo der Mensch mehr seine eigene Ehre sucht als
den Liebe zu Gott. Deshalb bezeichnete Paulus zu die Ehre Gottes.

Timotheus I 31
Sünde ist Gottlosigkeit Sünde ist Untreue und Verrat an Gott
Das Wort Gottlosigkeit bezeichnet eine Weigerung, Das Wort „Verrat“ bezeichnet ein betrügerisches und
Gott als Gott anzuerkennen und den Wunsch, ein untreues Verhalten gegenüber jemandem. In der gesam-
„gottloses“ Leben zu leben, frei und losgelöst von seiner ten Bibel werden Verrat und Untreue als Teilaspekte
Souveränität und seinem Gesetz. Gottlos zu sein, bedeu- jeglicher Sünde gesehen (Hes 18,24), jeglicher Rebellion
tet sich zu weigern, den Charakter und Willen Gottes zu (Jes 48,8), des Abwendens von Gott weg zu den Götzen
entsprechen und moralisch Böses zu begehren, anstatt (1Chr 5,25) und von jeglicher Form des Abfalls bzw. der
sich Gottesebenbildlichkeit zu wünschen. Das größte Abkehr von Gott (Ps 78,57). Jede Sünde ist ein Verrat an
Kompliment, das man jemandem machen kann, wäre dem, der uns erschaffen hat und liebevoll unser Leben
zu sagen, dass man „bei“ ihm sein und „wie er“ sein erhält.
möchte. Sünde offenbart den inneren Wunsch, „ohne“
Gott zu leben und „anders“ zu sein als er. Sünde ist ein Gräuel
Wenn nur eine einzige Sache über Sünde gesagt werden
Sünde ist Rebellion und Widerspenstigkeit könnte, dann sollte gesagt werden, dass sie vor allen
In 1. Samuel 15,23 lesen wir: „Widerspenstigkeit ist eine Dingen ein Gräuel für Gott ist. Ein Gräuel vor dem
Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Herrn ist eine verdorbene, ekelhafte und verabscheungs-
Abgötterei und Götzendienst ...“ Das hebräische Wort würdige Sache. Sie ist für Gott widerwärtig und ekelhaft
meri, das hier mit „Widerspenstigkeit“ übersetzt wurde, und Gegenstand seines Hasses (Spr 6,16). In der Bibel
bedeutet aufmüpfig, rebellisch und ungehorsam gegen- ist jede Sünde ein Gräuel und Sündigen ist immer eine
über jemanden zu sein. Das Wort für „Widerstreben“ ist abscheuliche Tat (Hes 16,52). Sprüche 28,9 erklärt:
das hebräische Wort patsar, was buchstäblich soviel „Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Gesetzes,
bedeutet wie „drücken“ oder „schieben“. Es bezeichnete dessen Gebet sogar ist ein Gräuel.“ Und in Sprüche
jemanden der aufdringlich, überheblich, eingebildet 15,8-9 lesen wir, dass der Lebenswandel und auch das
und anmaßend ist. Es gibt keine kleinen Sünden, weil Opfer des Gottlosen für Gott ein Gräuel sind. Jeder
jede Sünde Rebellion und Widerspenstigkeit ist. Jeder Götzendienst (5Mo 7,25) und jede ungerechte Tat
Ungehorsam ist so böse, als würde man an heidnischen (5Mo 25,16) sind ein Gräuel für den Herrn; gleiches gilt
oder dämonischen Ritualen teilnehmen. Jeder Eigen- für jeden, der sich auf Abwege begibt (Spr 3,32; 15,26),
sinn ist so böse, als würde man sich an einer großen lügt (Spr 12,22) oder im Herzen verdorben (Spr 11,20)
Freveltat oder an der Anbetung eines falschen Gottes oder stolz ist (Spr 16,5). In Offenbarung 21,8.27 endet
beteiligen. die Schrift mit der Warnung, dass jene, die Gräuel tun
oder damit befleckt sind, ewige Strafe erleiden werden.

Sünde ist Zielverfehlung


Das am häufigsten verwendete hebräische Wort für
„JEDE SÜNDE IST EIN Sünde ist chata, was soviel bedeutet wie Zielverfehlung,
den Weg nicht zu finden oder in die Irre zu gehen. In
VERRAT AN DEM, Richter 20,16 wird über besonders fähige Kämpfer

DER UNS ERSCHAFFEN gesagt: „Diese alle schleuderten mit dem Stein aufs Haar
genau und verfehlten ihr Ziel [chata oder griechisch
HAT UND LIEBEVOLL hamartáno,] nie.“ In Sprüche 19,2 lesen wir: „Wer mit
den Füßen hastig ist, tritt fehl [chata].“ Im Neuen
UNSER LEBEN ERHÄLT“ Testament ist das häufigste griechische Wort für Sünde
hamartáno, was ebenfalls mit „das Ziel verfehlen“,
„(ver)irren“ oder „vom Weg abkommen“ übersetzt
werden kann. Der Bibel zufolge ist das Ziel, das der
Mensch anstreben soll, die Ehre Gottes. Jeder Gedanke,
Sünde ist Gesetzlosigkeit jedes Wort und jede Tat, die nicht die Ehre Gottes als
1. Johannes 3,4 besagt: „Jeder, der die Sünde tut, tut höchstes Ziel anstreben, sind Sünde. Es ist wichtig zu
auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlo- beachten, dass Sünde niemals als unschuldiges Versehen
sigkeit.“ Das griechische Wort für „Gesetzlosigkeit“ ist oder aufrichtiger Irrtum angesehen wird, sondern stets
anomia (a = „ohne“, nomos = „Gesetz“). Gesetzlosigkeit als willentlicher Akt des Ungehorsams, der aus der
zu praktizieren bedeutet, „ohne Gesetz“ zu leben oder moralischen Verdorbenheit des Menschen und seiner
so, als habe Gott seinen Willen niemals offenbart. Man Rebellion gegen Gott resultiert.
kann „Gesetzlosigkeit tun, indem man offen dem Gebot
Gottes trotzt oder aber indem man einfach gleichgültig Sünde ist Grenzüberschreitung
gegenüber Gottes Gesetz ist oder es bewusst ignoriert. In Das Wort „übertreten“ ist eine Übersetzung des hebräi-
jedem Fall zeigt man dadurch Verachtung gegenüber schen Wortes abar, was soviel bedeutet wie „kreuzen“,
Gott und seinem Gebot. Die abscheuliche Natur der „passieren“, „durchqueren“ oder „vorbeiziehen“. Gottes
Gesetzlosigkeit wird daran deutlich, dass der Antichrist Gebot zu übertreten bedeutet, weiter zu gehen als
auch als „Mensch der Gesetzlosigkeit“ bezeichnet wird Gottes Gebot es erlaubt. Man missachtet die auferlegten
(2Thes 2,3) Schranken, die Gottes Gesetz uns setzt und geht über

32 I Timotheus
die Grenze hinaus. Im Neuen Testament ist das Wort
„übertreten“ eine Übersetzung des griechischen Wortes
parabaíno, was soviel bedeutet wie „zur Seite abwei-
chen“, „vorübergehen“, „übergehen“ oder „überschrei-
ten“. In Matthäus 15,2-3 findet sich ein exzellentes „ES GIBT KEINEN
Beispiel für die Verwendung von parabaíno: Als die
Pharisäer Jesus fragten: „Warum übertreten [parabaíno]
EINZIGEN
deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? Denn sie NACHKOMMEN
waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen“,
antwortete Jesus ihnen: „Warum übertretet [parabaíno] ADAMS,
auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung
willen?“
DER SICH
NICHT DER
Die unbegrenzte Ausbreitung REBELLION SEINES
der Sünde
VORVATERS
Da wir jetzt ein wenig Einblick in die Sündigkeit der
Sünde genommen haben, müssen wir unsere Aufmerk- ANGESCHLOSSEN
samkeit jetzt einer der wichtigsten Lehren der ganzen
Bibel widmen: der unbegrenzten Ausbreitung der
HÄTTE“
Sünde. Die Sünde ist kein seltenes oder ungewöhnliches
Phänomen, das sich auf eine kleine Minderheit der
Menschheit beschränkt, sondern von weltweiter
Ausbreitung. Die Schrift sagt klar, dass „alle gesündigt Lies den Text mehrmals, bis dir sein Inhalt vertraut ist.
haben und nicht die Herrlichkeit Gottes erlangen“ Schreibe anschließend deine Gedanken zu jedem einzel-
(Röm 3,23). Es gibt keinen einzigen Nachkommen nen Vers auf.
Adams, der sich nicht der Rebellion seines Vorvaters
angeschlossen hätte. Wer das verleugnet, verleugnet 4. Die Bibel bezeugt die Verdorbenheit des Menschen
zugleich das Zeugnis der Schrift, der Menschheitsge- auf eine deutliche, angreifende Weise, sodass nicht jeder
schichte und seiner eigenen sündigen Gedanken, Worte dieses Zeugnis als wahr annimmt. Welche Warnung
und Taten. nennt 1. Johannes 1,8-10 für jene, die das biblische
Zeugnis über den Menschen ablehnen und behaupten,
Aufgaben zum Bibelstudium sie seien keine Sünder?

1. In Römer 3,23 findet sich eine der wichtigsten Aussa- Auszug aus „The Truth about Man“ von Paul Washer. Als PDF unter
gen der Bibel über die Sündigkeit und den Ungehorsam http://www.heartcrymissionary.com/resources/ebooks
aller Menschen. Was lehrt dieser Vers? Mit freundlicher Genehmigung
Übersetzung: Hans-Werner Deppe
Studienhilfe: Der Ausdruck „erlangen nicht die
Herrlichkeit Gottes“ meint wahrscheinlich das kontinu-
ierliche Versagen des Menschen, alles zu Gottes Ehre,
Ruhm und seinem Wohlgefallen zu tun. Sie werden
verurteilt „weil sie Gott kannten, ihn aber weder als
Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten“ (Röm
1,21).

2. Die Bibel ist voller Aussagen über die Sündigkeit und


den willentlichen Ungehorsam des Menschen gegen
Gott und seinen Willen. Was lehren die folgenden
Schriftstellen über den weltweit verbreiteten Ungehor-
sam aller Menschen?
1. Mose 6,5
1. Könige 8,46
Psalm 143,2
PAUL WASHER (*1961) ist Ehemann und Vater von 3 Kindern.
Sprüche 20,9
Nach seinemTheologiestudium diente er 10 Jahre als Missionar in Peru.
Prediger 7,20
Während dieser Zeit gründete er das Missionswerk Heart Cry Missionary Society.
Jesaja 53,6
Dieses Werk ist mittlerweile auf der ganzen Welt aktiv. In Deutschland
ist er einem breiteren Publikum durch seine Predigten bekannt, die durch
3. In Römer 3,9-12 findet sich eine Reihe von Zitaten
das Internet eine weite Verbreitung gefunden haben.
aus dem AT, mit denen Paulus die unbegrenzte Sündig-
keit und den willentlichen Ungehorsam Gott aufzeigt.

Timotheus I 33
nachlesen
„Sünde“ zum Nachlesen

Weiß
wie Wolle
D. Martyn Lloyd-Jones
Dieses Buch von Martyn Lloyd-Jones ist eine Ansammlung seiner fortlaufenden Predigten über Jesaja
1,1-18. Das große Thema dieses Bibelabschnitts ist die Sünde. Anhand dieses Absatzes im Jesaja zeigt der Autor,
wie zerstörerisch die Sünde im Leben des Volkes Israel war, aber auch im Leben eines jeden Menschen ist.
Weniger auslegend, mehr anwendungsbezogen und evangelistisch behandelt der Autor die Textabschnitte mit
vielen Beispielen sehr anschaulich. Vers für Vers zeigt Martyn Lloyd-Jones wie Sünde den Menschen systema-
tisch zerrüttet.
Im ersten Kapitel wird das Reden Gottes und die Reaktion des Volkes aufgezeigt. Gott hat durch
Propheten zu dem Volk geredet, sie aber haben sich von seinen Propheten abgewandt und an falsche Propheten
gehängt. Immer, wenn Gott Boten mit einer Botschaft sandte, waren auch falsche Boten des Satans vor Ort.
Der erste Schritt der Sünde ist, dass ich mich von der Botschaft Gottes abwende und dadurch empfänglich
werde für jede Andere.
Im zweiten Kapitel wird die erste Auswirkung der Sünde aufgezeigt. Es ist die Verblendung oder
Unwissenheit. „Sünde ist Rebellion, wie wir gesehen haben – aber zweitens ist Sünde auch etwas, das unseren
Verstand verblendet und zu Unwissenheit und einer Unfähigkeit zu denken führt“. Der Mensch wird geblendet
und bildet sich ein es wäre alles in Ordnung, obwohl alles andere als das der Fall ist. Er wird unfähig richtig zu
denken und seine schlimme Lage zu erkennen.
Im dritten Kapitel wird die Entwicklung des Menschen aufgezeigt, in dem die Sünde aktiv ist. Sünde
macht den Menschen verdorben und dadurch bringt sie Gericht Gottes mit sich. „Machen Sie die Augen auf
und schauen Sie, wo Sie mit Ihrer Schlauheit gelandet sind, wohin Ihre Abkehr von Gott Sie gebracht hat!“.
Im vierten Kapitel wird die Macht der Sünde aufgezeigt. Die Sünde ermächtigt sich des ganzen
Menschen und macht ihn unbelehrbar und unverbesserlich. Ist die Sünde einmal im Menschen aktiv, gibt sie
sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Sie erobert den Menschen ganz, da sie eine Macht ist und fängt an, ihn
nach belieben zu beherrschen. Dadurch wird der Mensch Freiwild des Teufels.
Im fünften Kapitel werden die Auswirkungen der Sünde deutlich aufgezeigt. Sie führt den Menschen
ins Elend, nimmt ihm das Wertvollste und macht ihn sich zum Sklaven. Die Sünde tritt zuerst verlockend auf,
führt aber letzten Endes immer ins Elend. „Wüssten wir wirklich die Wahrheit über die Sünde, so hätten wir
nie die Dinge getan, die wir getan haben“.
Die Kapitel sechs und sieben zeigen Hoffnung auf. Es wird aufgezeigt, dass der Mensch unfähig ist,
sich selber zu ändern, aber Gott ihm Buße gibt, aus dem Elend und der Macht der Sünde herauszukommen.
Es wird auch die Bedeutung von Buße erklärt, was bei den vielen falschen Vorstellungen heute sehr hilfreich ist.
Die letzten beiden Kapitel zeigen den Weg Gottes zur Rettung, der anders ist als der Weg des Menschen, und
das Reden Gottes zu den Menschen, der Appell zur Umkehr und Rettung.
Alle Zusammengefasst zeigt das Buch das Wirken und das Wesen der Sünde im Menschen und den Weg Gottes
rezensierten
Bücher sind herauszukommen und frei von der Sünde zu werden. Es zeigt sehr viele Facetten der Sünde auf und Gottes
auf cbuch.de Gnade, die damit fertig wird. Dieses Buch als ganzes erinnert an die Aussage des Paulus in Römer 5,20 : „Wo
erhältlich. aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überfließend geworden“. // Viktor Sudermann
Das verlorene Unvollkommene
Gewissen Heilige
John MacArthur Erwin W. Lutzer
Dieses Buch ist eine substanzielle, biblisch fundierte und Im Buch „Unvollkommene Heilige“ beschäftigt Erwin W.
absolut lesenswerte Abhandlung zum Thema Sünde. Dies wird Lutzer sich mit der Thematik der Sünde im Leben von Gläubigen.
durch den Titel zunächst nicht deutlich. John MacArthur schreibt Es handelt sich dabei aber nicht um eine detaillierte und umfassen-
im Vorwort, dass es mit diesem Buch sein einziges Anliegen sei, de Abhandlung, die alle Aspekte des Themas beleuchtet, sondern
„die Gemeinde zum Erwachen zu bringen, hinsichtlich der um den Versuch anhand biblischer Begebenheiten und Gestalten
schrecklichen Realität der Sünde“. Wer John MacArthur kennt, das Elend aufzuzeigen, das Sünde im Leben von Gläubigen mitun-
weiß, dass er sich bei seinen Auslegungspredigten und in seinen ter anrichtet.
Büchern immer sehr eng an die Schrift hält. Dieses Buch zu dieser In insgesamt 12 eindringlich geschilderten Beispielen aus
grundlegenden Lehre ist darum auch eine weitere Empfehlung dem Leben von biblischen Vorbildern wie Noah, Mose und Simson
„den Spurgeon unserer Zeit“ zu lesen und von ihm zu lernen. Die beleuchtet Lutzer verschiedenartige Sünden, ihre Folgen und
theologische Übereinstimmung mit den Reformatoren und Purita- Schlussfolgerungen, die daraus für uns als Gläubige zu ziehen sind.
nern wie John Owen, J.C. Ryle oder Matthew Henry kommt Er zeigt, dass Sünde nicht auf die leichte Schulter genommen
deutlich zum Vorschein. Nicht zu verbergen ist auch in diesem werden kann und dass Sünden im Leben praktische Konsequenzen
Buch MacArthurs Wertschätzung für den Bibelausleger und treuen nach sich ziehen. Ehebruch, Geldgier oder Alkoholmissbrauch
Verkündiger des 20. Jahrhunders, D. Martyn Lloyd-Jones. Dieses bleiben nicht folgenlos.
Buch hilft auf jeden Fall in der Auseinandersetzung mit Fehlent- Das Buch ist wachrüttelnd und fordert auf, an die Sünde
wicklungen unserer Zeit, die Sünde als psychische Störung, Verhal- im eigenen Leben keine Zugeständnisse zu machen, gleichzeitig
tensstörung, antisoziale Persönlichkeitsstörung oder als Krankheit will das Buch angeschlagenen Gläubigen auch Mut machen im
sieht. Kampf gegen die Sünde. Am Ende des Buches werden auch noch
John MacArthur erklärt die fundamentale Bedeutung der ein paar Worte zur Wiedereingliederung Gestrauchelter gefunden.
Lehre von der Erbsünde und der Lehre der menschlichen Verderbt- Schade ist jedoch, dass das Buch nur wenig über die Illustrationen
heit. Er zeigt, dass das Verständnis der Sünde als persönliche Schuld hinausgeht. Es fehlt meines Erachtens eine kurze und bündige
vor dem heiligen Gott grundlegend für das Evangelium ist. Er Darstellung biblischer Lehre zum Thema Sünde, die den durch-
widmet sich auch der Frage nach der Ursache des Bösen in der dacht gewählten Lebensbildern einen Rahmen gibt.
Welt. Als erfahrener Lehrer und Hirte stellt der Autor deutlich Fazit: Rüttelt wach, man sollte aber keine biblisch-
heraus, dass nicht Selbstliebe, ein gutes Selbstwertgefühl oder eine theologisch tiefgehende Abhandlung zum Thema Gläubige und
psychologische Behandlung der Ausweg aus dem Dilemma der Sünde erwarten. // Simon Arnold
Sünde ist, sondern die echte Buße und Neugeburt, der Glaube an
Jesus Christus den Gekreuzigten, das Sündenlamm Gottes.
Dieses Stück Literatur verspricht natürlich kein makello-
ses Leben als Christ. Dennoch ist es eine enorm hilfreiche Anlei-
tung, um im Umgang mit Versuchungen, Lüsten, sündigen
Gewohnheiten, Süchten und Phantasiesünden zu lernen richtig zu
denken und siegreich zu leben. Auf Grundlage der Schrift zeigt der
Autor Auswege und Strategien für das konkrete Leben als Christ
zur Ehre Gottes. // Hans-Jürgen Holzmann
termine
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In den nächsten Monaten gibt es mehrere Möglichkeiten


reformatorisch geprägte Konferenzen zu besuchen,
die sich ein Christuszentriertes Evangelium auf
die Fahnen geschrieben haben. Zum ersten Mal findet
die Evangelium 21-Konferenz statt.

Hirtenkonferenz 2011
Wann? 19.-21. Mai 2011
Wo? Bonn
Thema? Die Auswirkungen der Schrift im Leben der Gläubigen und der Gemeinde
Referenten // Rick Holland, Benedikt Peters, John MacArthur u.v.m
Mehr Infos // www.hirtenkonferenz.de

Verax Konferenz 2011


Wann? 27.-28. Mai 2011
Wo? Unna-Königsborn
Thema? Ein verlässlicherAnker fürs Leben -
Die absolute Wahrheit der Heiligen Schrift in einer Zeit der Beliebigkeit
Referenten // Dr. Kai Soltau, Dr. Martin Erdmann, Dr. Geoffrey Holder, Pfarrer Reinhard Möller
Mehr Infos // www.verax.ws/conference

Evangelium21 Konferenz
mit Workshops von 9Marks Ministries
Wann? 18.-20. August 2011
Wo? Gemeinde und Missionswerk Arche e.V. Hamburg
Thema? Das Evangelium im Zentrum der Gemeinde
Referenten // Christian Wegert, Matt Schmucker, Ron Kubsch, Matthias Lohmann u.v.m
Mehr Infos // In kürze gibt es hier mehr Infos: www.evangelium.net

3. Betanien Konferenz
Wann? 10. September 2011
Wo? Bielefeld
Thema? Geistliches Unterscheidungsvermögen lernen & fördern.
Wie stärken und schützen wir unsere Gemeinden?
Referenten // Thorsten Brenscheidt, Martin Erdmann, Dirk Noll, Hans-Werner Deppe
Mehr Infos // www.betanien.de/konferenz
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Blogs und allen Ausgaben
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ABONNEMENTS SÜNDE I NR. 03 I 02/2011 I EUR 2,90

Jahresabo Deutschland Herausgeber I Die Redaktion


4 Ausgaben mit Lieferung in
Redaktion I Waldemar Dirksen, Viktor Sudermann, Andreas Kuhlmann,
Deutschland I Magazin Din
A4, erscheint quartalsweise, Peter Voth
je ca. 30 Seiten I Einzelpreis Creative Director I Peter Voth » www.be.net/petervoth
2,90 Euro I Jahresabo 11,60
Euro (zzgl. Versandkosten) Redaktionelle Mitarbeit I Hans-Werner Deppe, Hans-Jürgen Holzmann
Lektorat I R. Reichert
Jahresabo Europaweit Abo-Betreuung I Michael Töws » mtoews@betanien.de
4 Ausgaben Lieferung Shop I www.cbuch.de
europaweit I Magazin Din A4,
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Allgemeiner Hinweis I Seit der Januarausgabe 2011 „Glaube“ wird das „Timotheus Magazin“ vom Betanien
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Ungewollt und doch geliebt - MP3 - Hörbuch
Wie Gott mich durch Leid und Ablehnung führte
Vorwort von Elisabeth Elliot // Glenda Revell

Glenda durchlebte eine schlimme Kindheit und viel Leid: sexueller Miss-
brauch, Mobbing durch die eigene Mutter, Magersucht ... Aber sie lernte,
sich nicht als Opfer zu sehen, sondern vielmehr als begnadigter Sünder.
Eine sehr bewegende Geschichte, die sowohl das Evangelium als auch
wertvolle seelsorgerliche Einsichten vermittelt.

Nr. 175922, CD (MP3-Format) im Pappsleeve, 3:14 Std, Betanien


» EUR 5,90 ab 10 Stk. » EUR 3,90

Gottes Plan - kein Zufall!


Die Bibel im Zusammenhang erklärt // Vaughan Roberts

Dieses Buch verfolgt zwei Ziele: Ersten vermittelt es einen


Überblick über die ganze Bibel und erstellt zur Orientierung
eine Art „Landkarte“ der Bibel und des Heilsplans. Zweitens
zeigt es, dass die ganze Bibel auf den Herrn Jesus hinweist –
wie es der Herr seinen Jüngern in Lk 24,27 erklärte.

Nr. 863888, Paperback, 160 Seiten, 3L Verlag » EUR 12,20

Tausend Meilen voller Wunder


Die dramatische Flucht von Chinamissionaren zur
Zeit des Boxeraufstands // Archibald Glover

Dem Boxeraufstand von 1900 in China fielen 49.000 chinesische


Christen und 181 Missionare als Märtyrer zum Opfer. Dieser ergrei-
fende Tatsachenbericht schildert diese Zeit. Ein Klassiker, der auch
in Hudson Taylors Biografie erwähnt wird.

Nr. 555849, Paperback, 286 Seiten, Edition Baruch » EUR 11,95

Jonathan Edwards
Ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung // Ian H. Murray

Eine gut lesbare, sorgfältig recherchierte Biografie von einem


bekannten Autoren über den wohl bedeutendsten Theologen
Amerikas. Nicht nur eine außergewöhnliche Biografie, sondern
auch eine Veranschaulichung, wie die Gemeinde heute aus ihrer
Geschichte lernen kann.

Nr. 256306, Hardcover, 576 Seiten, CLV » EUR 12,90


Ausgewählte Neuheiten aus dem Betanien-Onlineshop cbuch.de
Tel. 05237-899090 eMail. info@betanien.de web. www.cbuch.de

Sind Sie auch katholisch?


Der Heilsweg von Kirche und Bibel im Vergleich // Hans-Werner Deppe

Aktuell zum bevorstehenden Papstbesuch:


evangelistisch zum Weitergeben an Katholiken – aber auch gläubige
Christen lernen hier, was der Unterschied zwischen dem Evangelium der
Bibel und der Heilslehre der röm.-kath. Kirche ist.
Ab 20 Stück nur 1,40 EUR! PDF unter cbuch.de

Nr. 175921, Taschenbuch, 128 Seiten, Betanien » EUR 1,90


ab 20 Stk. » EUR 1,40

Der Tempel aller Zeiten


Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde - eine biblisch-
heilsgeschichtliche Studie // Gregory Beale

Das Thema des Tempels zieht sich als roter Faden durch die ganze Bibel.
Dieses Buch klärt u.a.:
• Wird wieder ein neuer Tempel in Israel gebaut?
• In welchen Tempel setzt sich der Antichrist?
• Was ist mit dem Tempel aus Hesekiel und Offb. 11?
• Jesus und die Gemeinde als der wahre Tempel uvm.

Nr. 175995, Paperback, ca. 480 Seiten, frühestens ab April 2011


Betanien » EUR 21,90

Evolution - Die große Täuschung


1. Mose 1-11 - Der Schlüssel zur Verteidigung des Glaubens. // Ken Ham

Die Bibel warnt, dass in der Endzeit Irrlehrer mit zerstörerischen „wissen-
schaftlichen“ Lügen auftreten und Christen dadurch in die Irre führen
werden (vgl. 2.Petrus 2,1-3). Dieses Buch verdeutlicht, wie grundlegend
die Urgeschichte in 1Mo 1-11 für einen festen biblischen Glauben ist.

Nr. 117743, Paperback, 208 Seiten, Impact » EUR 6,95

BETANIEN
BUCH
des JAHRES Mit Ausharren laufen
2010 Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung?
// Thomas Schreiner & Ardel Caneday

Aufgrund vielfältiger Aufmerksamkeit und etlicher Rezensionen haben wir dieses


Ende 2009 erschienene Buch zum „Betanien-Buch des Jahres 2010“ ernannt.
Verschiedene Sichtweisen über die Sicherheit oder Verlierbarkeit des Heils und
ihr Bezug zu Werken und Heiligkeit werden beleuchtet und aus der Bibel syste-
matisch eine klare Antwort hergeleitet. Fundamental zu diesem Thema.

Nr. 175990, Paperback, 350 Seiten, Betanien » EUR 15,90


timotheusmagazin.de
Sünde // Nr. 03 // 02/2011 // € 2,90

„Die Zuneigungen des natürlichen Menschen sind erbärmlich


entstellt; geistlich gesehen ist er ein Monster. Sein Herz ist dort, wo
seine Füße sein sollten: auf die Erde fixiert; seine Ferse hingegen ist
zum Tritt gegen den Himmel gerichtet, wo sein Herz sein sollte
(Apg 9,5). Sein Angesicht ist der Hölle zugewandt, sein Rücken
dem Himmel zugekehrt, und deshalb ruft Gott ihn auf, umzukeh-
ren. Er freut sich über das, was er bedauern sollte, und bedauert das,
worüber er sich freuen sollte. Seine Ehre ist in seiner Schande, und
er schämt sich seiner Ehre; er verabscheut, was er ersehnen sollte
und ersehnt, was er verabscheuen sollte (Spr 2,13-15).“

Thomas Boston