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Nethys Ys-Laell Amuntikhet

Nethys, Kriegerdienerin der Amuntikhet

"Im Tod sind alle gleich – Menschen, Orks, Trolle, Zwerge, sogar die Elfen. Nun hat uns der
Tod verstoßen – und doch sind wir gleicher als selbst die Toten es sein könnten. Schwört mir
eure Treue, und ich werde uns einen Platz in dieser Welt und diesem Zeitalter erschaffen."

Ich erinnere mich an die Oasen meiner Heimat. Die weißen, unbefleckten Dünen. Die Hitze
der Sonne. Und doch erinnere ich nur einen Schatten, einen Schleier der Täuschung.
Gebrochene Versprechen.

Damals habe ich noch glauben können. Ich schwor mein Leben an eine Göttin, die holde Maid
des ewigen Kreislaufs, Amuntikhet. In ihrem Namen lebte ich, kämpfte ich, tötete ich. Als
Dienerin ihrer Tempel stand mir das gesamte Reich offen, nur die Adligen und die Diener des
Pharaohs standen über mir. Ich führte Batallione in den Kampf gegen Ungläubige und Ketzer.
Ich weiß das ich es tat, und doch kenne ich keine Namen, keine Gesichter mehr. Meine
Erinnerungen sind getrübt, sie sind zerbrochen. Zersplittert weil ich gestorben bin.

Ja du liest richtig. Ich starb. Eine Klinge durchbohrte mich, und ich lag blutend im Sand. Kein
bisschen Luft erreichte meine Lunge noch. Die Dunkelheit kroch vor meine Augen. Und ich
war zufrieden. Mein Tod war Teil des ewigen Kreislaufs, das Ende, dem jeder entgegen geht.
Aber der Verrat fällt Göttern nur allzu leicht. Wir sind nur kleine Kerzen, die sich mit Sonnen
messen in ihrem Verständnis. Was macht es da, den Glauben der Kerze, ein Feuer zu sein,
einfach auszupusten? Mein Tod war nicht mein Ende. Aber ich trieb lange in der Dunkelheit,
unfähig, auch nur zu denken. Dann weicht die Finsternis langsam dem Licht eines Waldes. Ich
schaue mich um, und ich sehe Eichhörnchen. Ich rieche den Duft von Harz, und spüre das
nasse Tau. Aber ich atme nicht. Ich fühle nichts. Ziellos bin ich durch das Wurzelwerk
gestolpert, ehe ich einen See fand und meine Reflexion sah.

Jahrhunderte lang habe ich für den natürlichen Kreislauf des Lebens gelebt. Und diese
Schlampe lässt mich, ihre Dienerin, nicht nur im Stich sondern hat sogar erlaubt das ich als
Untote weiterexistiert habe? Dafür soll sie büßen! Ich werde nicht ruhen, ehe ich in ihren
goldenen Palast aufgestiegen bin und ihr eigenhändig das Herz aus der Brust gerissen habe!

... Du glaubst, dass das mein Plan sein sollte. Und ich verstehe den Gedankengang. Aber die
Wahrheit ist, dass die Wahrheit gar nicht da ist. Wenn Leben und Tod wären, wie man mich
gelehrt hat, dann sollte ich nicht hier sein. Nicht so. Nicht so gut erhalten. Nicht immer noch
im Vollbesitz meines Ichs. Und das ist der wirkliche Fluch: Die Wahrheit ist gar nicht da. Das
Wissen um Leben und Tod, es ist uns Sterblichen nicht gegeben worden. Man lässt uns im
Unklaren, lässt uns wie Ameisen einen Bau aus Glauben und Lügen errichten, der doch nicht
mehr ist als Rauch im Wind. Und das ist nicht das Werk der holden Maid. Das ist das Werk
aller Götter. Ihnen kann man nicht vertrauen.

Mittlerweile weiß ich ein paar Dinge mehr als an dem Tag im Wald, an dem mein Bewusstsein
zurückgekehrt ist. Es muss viel Zeit seit meinem Tod vergangen sein. Das Reich das einmal
Nethys Ys-Laell Amuntikhet
Nethys, Kriegerdienerin der Amuntikhet

meine Heimat war ist nicht mehr als vergessene Ruinen und Legenden über die Vergangenheit.
Die Welt hat sich vollständig verändert. Selbst die Zeitrechnung ist eine völlig andere. Wie alt
bin ich? Ein Millenium? Zwei? Drei? Zehn? Niemand kann mir diese Fragen beantworten. Und
dann ist da auch dieser Overlord. Im alten Reich hätte man Untote und viele der bestialischen
Rassen nicht geduldet, heute sind Sie in der Überzahl, während Völker die zu meiner Zeit
Großmächte darstellten heute beinahe ausgerottet wirken.

Was die Untoten angeht, so habe ich einige recht Hilflose gefunden. Die erste die sich mir
anschloss war Ughyna. Ihrem Anblick nach war sie mal ein Mensch. Sie folgte mir einfach,
setzte sich zu mir, wenn ich rastete. Im alten Reich waren Menschen nicht mehr als Vieh.
Zerbrechlich. Kurzlebig. Doch je länger sie mir folgte, desto mehr dachte ich über die Dinge
nach, die uns verbanden. Vom Tod verstoßen. Verflucht, für immer unter der Sonne zu
wandeln. Ich erkannte, das wir im Untod enger verbunden waren, als ich es mit den Elfen war.
Auch wenn sie nicht antworten konnte, ich teilte meinen Gedanken mit ihr. Ich sagte ihr, ich
würde einen Platz für jene wie uns schaffen. Ich würde die Lügen der Götter aufdecken. Würde
das Geheimnis um Leben und Tod aufdecken. Alles was ich von ihr verlangte, wenn sie mir
folgen wollte, war ihre Loyalität. Sie nickte und wurde meine ständige Begleiterin.

Als nächstes trafen wir Wache. Einst ein Goblin, war er nun ein Bruder des Verfalls, genauso
vom Tod und den Göttern betrogen wie wir. Ich versprach ihm dasselbe wie Ughyna, und er
schwor mir seine Treue.

Um meine Pläne in die Tat umzusetzen durchsuchten wir die Ruinen alter Tempel und alter
Plätze der Macht. In einem Grab im eisigen Norden dann fand ich einen Verbündeten. Ein
magischer Stein, der als Verbindung zu einem alten, mächtigen Wesen diente. Das Wesen
versprach mir auf der Suche nach Macht und Antworten zu helfen, wenn ich im Gegenzug half,
seine Pläne voranzutreiben. Eine leichte Entscheidung. Du magst mich für naiv halten, einen
solchen Pakt so leichtfertig einzugehen, aber ich sage dir, man erreicht nichts, wenn man
zögert. Und was habe ich schon noch zu verlieren? Ich werd mein Ziel erreichen, koste es was
es wolle.

Mit der unheiligen Macht, die das Wesen mir gab zogen wir weiter auf der Suche nach noch
mehr Wissen und Macht. Auf der Reise tragen wir Omegrosh, einen weiteren Verstoßenen des
Todes. Er unterwarf sich mir, nachdem ich meine Überlegenheit demonstriert hatte, und auch
wenn er wenig Interesse an meinem Plan hat, meine Stärke und Macht schufen in ihm
Akzeptanz und Loyalität. Und ich werde weiter Untergebene ansammeln. Ich werde alle, die
wir verraten wurden mit auf meinen Kreuzzug für die Wahrheit nehmen.

Nun sind wir bereits eine Weile in diesem Tal. Manchmal frage ich mich, ob es dieses Tal schon
zu meinen Lebzeiten gab, oder ob auch das eine Veränderung der Welt ist, die in meinen
Jahren als willenlose Untote geschehen ist. So oder so, hier soll es Ruinen geben, die Antworten
haben. Und wir werden Sie finden und unser Ziel vorantreiben.