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FREQUENZ

292 Die Wirkleistung in einem verlustbehafteten Kondensator bei Belastung usw. Bd. 10/1956 Nr. 9

Die Wirkleistung in einem verlustbehafteten Kondensator


bei Belastung mit einer Rechteckimpulsfolge
Von H. E i s e n l o h r , Karlsruhe
Mitteilung aus dem Wernerwerk für Bauelemente der Siemens & Halske AG
Inhaltsübersicht:
Bei Kondensatoren, die in Impulsschaltungen verwendet werden, interessiert die im Kondensator infolge seiner
Verluste umgesetzte Wirkleistung, da sie zu einer Erwärmung des Bauelementes führt. In der vorliegenden
Notiz wird nun die Wirkleistung für den Fall beredinet, daß eine Serienschaltung aus verlustloser Kapazität
und ohmsdiem Widerstand mit einer Rechtedtimpulsfolge belastet wird. Da diese Anordnung bezüglich der
Verluste als Ersatzmodell für ein Dielektrikum mit rein Debyescfaem Relaxationsmedumismus dienen kann,
gelten die Formeln auch für den Fall, daß das Dielektrikum eines impulsbelasteten Kondensators Verluste
Infolge Dipolrelaxation (mit nur einer Relaxationszeit) hat. Einige wichtige Spezialfälle werden angeführt,
für die sich der Ausdruck für die Wirkleistung sehr vereinfacht und schließlich wird für den allgemeinen Fall
die bildliche Darstellung einer der Wirkleistung proportionalen Funktion in Abhängigkeit von charakteristischen
Größen gebracht.

Wird ein Kondensator mit Spannungsimpulsen be- also


lastet, so interessiert naturgemäß die in ihm infolge
semer Verluste umgesetzte Wirkleistung, da sie als
pro Zeiteinheit entstehende Wärmeenergie zu einer
Aufheizung des Bauelements führt. Unter den vielen Die Rechteckimpulsfolge U (t) erzeugen wir durch
zur Anwendung kommenden Impulsformen und gerade Fortsetzung der Funktion
unter den verschiedenen möglichen Verlustursachen,
die in der Praxis vorliegen können, wollen wir einen „«r- -
wichtigen Spezialfall untersuchen, nämlich die mit
einer Rechteckimpulsfolge belastete Serienschaltung
einer verlustfreien Kapazität Co mit einem ohmschen
Widerstand r (Belagwiderstand). Diese Anordnung
/(«)= «r -- S IS + -
kann — wie bekannt — bezüglich der Verluste als
„Ersatzmodell" für ein Dielektrikum mit rein Debye-
schem Relaxationsmechanismus aufgefaßt werden. In-
folgedessen gilt der gewonnene Ausdruck für die Ver- (vgl. Bild 1), also
lustleistung auch für den Fall, daß das Dielektrikum
eines impulsbelasteten 'Kondensators Dipolverluste U (t) =Ao+ / AS cos * f
hat. jL-i
An dem komplexen Widerstand k=\
2kn
= ( ) + jY(cü) mit «WA- =
liege die rein periodische Spannung U = Uo^ia>ti dann
ergibt sich für den durch Z fließenden Strom \Jinputsamplitude

i=^5—0-I/o el«"

und daher für die Wirkleistung:


( ) I/o8
P(<a)=ReUReI= — (1)
(das Zeichen Re bedeutet Realteil).
T Zeit
Eine beliebige periodische Spannung U (t) denken - Z
wir uns in ihre einzelnen harmonischen Komponenten Bild l. Der einzelne Rechtedümpuls
zerlegt:
C/s= Für die Entwicklungskoeffizienten ergibt sich
b/2
Jede einzelne Komponente Uk trägt nun zum Gesamt-
verlust P bei, und es ergibt sich, weil die „gemischten
Glieder" herausfallen, einfach o
b/2
i . - , . , 2h . kx
2 l
' Ak= -„,- l ncos<WA-dz= —r- sin ·
2
Speziell ist für die Serienschaltung von Co mit r: und
Xk=r und Y*= — , Akz=2 (---} (1-cosftx). (4).
* Co \Jt K /
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FREQUENZ Die Wirkleistung in einem verlustbehaiteten Kondensator bei Belastung usw. 293
Bd. 10/1956 Nr. 9

Da das Glied mit AO nichts zur Wirkleistung beiträgt, Im Bild 2 ist F (y, z) als Funktion von y mit z als
folgt durch Einsetzen von (4) in (3): Parameter im Intervall l O"3 ^ y ^ l O3 aufgezeichnet.

l — cos Z »7
(5) Z-1
l+q a Jc a

wobei zur Abkürzung


2 r Co n. 2nb
=- - (5a) Z-Q1

gesetzt wurde.
Die Ausrechnung der Summe (5) läßt sich mit Hilfe
/ X~~1C \
der Fourierentwicklung der Funktion cosh l 1
1
bewerkstelligen. Man verifiziert nämlich leicht, daß im 7 w v1 3
Intervall ^ ^ die folgende Entwicklung gültig ist:
Bild 2. Verlauf der Funktion F (y, z) mit z als Parameter
x-n
cosh
cos kx Wir zeigen noch, daß die Endformeln (7) bzw. (11),
(6)
l+q2*2 =
2q nach entsprechender Umdeutung der darin auftreten-
sinh —
k=\ q den Größen, auch die Verlustleistung in einem Kon-
densator beschreiben, dessen Dielektrikum Dipol-
Speziell folgt hieraus für x=0: verluste hat.
00
Die (verlustlose) Leerkapazität des Kondensators sei
Co. Das Dielektrikum werde durch die komplexe
k=l
. Dielektrizitätskonstante = ' ( ) — j " ( ) beschrieben.
Dann ergeben sich für Realteil X und Imaginärteil y
Setzt man (6) und (6a) in (5) ein, so ergibt sich für die des äquivalenten Widerstandes die Ausdrücke:
Wirkleistung bei einer Serienschattung der Kapazität
CQ mit einem ohmschen Widerstand i bei Rechteck- (15)
T
impulsbelastung, gültig für Impulsdauern b <i —- :
J*
YM= (16)
C0h 2 -c^ 2 W
P,= '-[(l-cosh^-jcoth Nun ist nach Debye
2 r Co
)= (eo-«oo) (17)
+sinh (7) 1+ ( )2 '
Hierin bedeuten:
Wir setzen zur Abkürzung der statische,
b_ «, der optische Wert der Dielektrizitätskonstante;
(8) +2
r Co ' = —- — und
T
2= V ^. 7
0) die Relaxationszeit der Dipolsubstanz.
2rC 0 '
Setzt man die Gin. (15), (16), (17) und (4) in die Gl. (2)
und ein, so folgt an Stelle von Gl. (7) für die Verlustleistung
F (y, z) = (l —cosh y) coth z + sinh y. (10)
(18)
Dann können wir für (7) schreiben:
wobei die Funktion F aus £1. (10) zu entnehmen ist und
(H) die Größen y', z' folgende Bedeutung haben:
Co n2
Der erste Faktor — — bedeutet die beim Auf- und
Entladen des Kondensators umgesetzte Leistung für
den Fall, daß die Zeitkonstante r Co klein ist gegen die 2
Impulsdauer b. Die Funktion F (y, z) ist also ein Maß Es ist klar, daß die Gl. (18) nicht dieselbe praktische
für die Abweichung von diesem Grenzfall. Zur Dis- Bedeutung hat wie die Gl. (11), weil sich die Verluste
kussion dieser Funktion betrachten wir die Fälle: eines realen Dielektrikums nur in sehr speziellen Fäl-
(12) len durch die Debyesche Gleichung beschreiben las-
F (13) sen. Doch dürfte die Gl. (18) auch beim Vorliegen einer
F (y l, z) «* sinh y «* y (14) Relaxationszeitverteilung näherungsweise gültig sein,
wenn für der Schwerpunkt der Verteilung eingesetzt
Diese Beziehung gilt praküsA schon für z > 3 wird.
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