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154 §9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv

l Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv ohne zu

(1) Sie hört/hörte den Motor plötzlich auf- Folgende Verben können wie modale Hilfsver-
heulen. ben gebraucht und mit dem Infinitiv eines Voll-
Sie hat/hatte den Motor plötzlich auf- verbs verbunden werden: bleiben, fahren,
heulen hören. fühlen, gehen, haben, helfen, hören, kommen,
Sie berichtet, dass sie den Motor plötz- lassen, lehren, lernen, schicken, sehen, spüren.
lieh hat/hatte aufheulen hören. Diese Verben können mit einem Objekt (1), mit
(2) Der Prüfer lässt/ließ den Fahrschüler zwei Objekten (2) oder ohne Objekt (3) (4) ge-
den Rückwärtsgang einlegen. braucht werden.
Der Prüfer hat/hatte den Fahrschüler In der Bildung des Perfekts unterscheiden sich
den Rückwärtsgang einlegen lassen. die Verben: helfen, hören, lassen und sehen ver-
Ich habe mich gewundert, dass der Prü- halten sich wie Modalverben. Sie bilden das
fer den Fahrschüler den Rückwärtsgang Perfekt mit dem Infinitiv des Vollverbs und im
hat/hatte einlegen lassen. Nebensatz tritt die finite Verbform vor die bei-
(3) Der junge Mann lernt/lernte rückwärts den Infinitive (1) (2). Die übrigen Verben bilden
einparken. das Perfekt wie üblich mit dem Partizip Perfekt
Der junge Mann hat/hatte rückwärts des Vollverbs; im Nebensatz hat die finite Verb-
einparken gelernt. form Endstellung (3) (4). Die Verben der Bewe-
ich habe beobachtet, wie der junge gung (fahren, gehen, kommen) und bleiben bil-
Mann rückwärts einparken gelernt hat. den das Perfekt mit sein (4).
(4) Der Fahrlehrer geht/ging zwischen- Die modalverbähnlichen Verben bilden in Ver-
durch telefonieren. bindung mit dem Infinitiv eines Vollverbs kein
Der Fahrlehrer ist/war zwischendurch Passiv.
telefonieren gegangen. Mit den Verben helfen, lehren, lernen und
Ich habe gesehen, dass der Fahrlehrer schicken können auch Infinitivsätze mit dem In-
zwischendurch telefonieren gegangen finitiv mit zu gebildet werden:
ist. Der junge Mann lernt rückwärts einparken.
Der junge Mann lernt rückwärts einzuparken.
Die Sekretärin hat den Autoschlüssel suchen
helfen.
Die Sekretärin hat geholfen den Autoschlüs-
sel zu suchen.

1 Sagen Sie im Präsens, was in einer Fahrschule am Prüfungstag vor sich geht.

Beispiel: Der Fahrschüler erklärt Verkehrsschilder, (der Prüfer / lassen)


Der Prüfer lässt den Fahrschüler Verkehrsschilder erklären.

1. Die Fahrschüler füllen die Anmeldebögen aus. (der Fahrlehrer / helfen)


2. Im Büro hängen Landkarten, (die Fahrschule / haben)
3. Ein Kandidat buchstabiert seinen komplizierten Namen (der Prüfer / lassen)
4. Ein junger Mann läuft aufgeregt hin und her. (der Prüfer / sehen)
5. Er diskutiert mit anderen Prüflingen über die Prüfungsbedingungen,
(der Prüfer / hören)
6. Nervosität kommt auf. (der Prüfling / spüren)
7. Ein Fahrlehrer holt die Autoschlüssel, (der Prüfer / schicken)
8. Nach der Prüfung holt ein Vater seinen Sohn ab. (kommen)
9. Die anderen trinken noch ein Bier, (gehen)
10. Der Fahrlehrer hat keine Zeit; er holt seine Eltern vom Bahnhof ab. (fahren)
§9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv 155

2 Bilden Sie, wenn nicht anders angegeben, Sätze im Perfekt.

Beispiel: Der Flugingenieur hat die Klimaanlage repariert, (der Pilot / helfen)
Der Pilot hat dem Flugingenieur die Klimaanlage reparieren helfen.

Flugbetrieb
1. Der letzte Passagier ist eingestiegen, (die Stewardess / sehen)
2. Die Turbinen laufen, (der Pilot / hören / Präs.)
3. In seiner Aktentasche steckt ein Talisman, (der Pilot / haben / Prät.)
4. Gestern abend haben die Piloten mit Freunden gegessen, (gehen)
5. Sie haben noch an der Hotelbar gesessen, (bleiben)
6. Der Pilot ist schon mit 20 Jahren bei der Bundeswehr geflogen, (lernen)
7. Vor dem Start hat der Flugingenieur einen kleinen technischen Fehler beseitigt,
(der Kopilot / helfen / Prät.)
8. Danach hat er die Stewardess informiert, (gehen / Prät.)
9. Vor einem Jahr lief eine Bewerbung bei einer anderen Fluggesellschaft,
(der Pilot / haben / Prät.)
10. Der Kopilot startet und landet öfter, (der Pilot / lassen / Präs.)

Das Verb lassen (= veranlassen, auffordern) (vgl. S. 85f.)

3 Sagen Sie mit Hilfe des Verbs lassen, was ein Richter in einer Gerichtsverhandlung veranlasst.

Beispiel: Der Richter veranlasst, dass ein Justizbeamter die Fenster öffnet.
Der Richter lässt einen Justizbeamten die Fenster öffnen.

Der Richter veranlasst,


1. dass der Angeklagte aufsteht.
2. dass er Angaben zu seiner Person macht.
3. dass er zu den Anschuldigungen Stellung nimmt.
4. dass er über seine Tatmotive spricht.
5. dass die Zeugen einzeln vortreten.
6. dass ein Justizbeamter den Gerichtssaal räumt.
7. dass die Zuhörer bei der Verlesung des Urteils aufstehen.
8. dass ein Justizbeamter den Verurteilten abführt.

Das Verb lassen (= erlauben, zulassen) (vgl. S. 85f.)

4 Sagen Sie mit Hilfe des Verbs lassen, was strenge Eltern ihrem Sohn nicht erlaubt haben.

Beispiel: Die Eltern haben ihrem Sohn nicht erlaubt, dass er mit anderen
Kindern auf dem Spielplatz herumtobt.
Die Eltern haben ihren Sohn nicht mit anderen Kindern auf dem Spielplatz
herumtoben lassen.

Die Eltern haben ihrem Sohn nicht erlaubt,


1. dass er abends ausgeht.
2. dass er mitentscheidet, in welche Schule er geht.
3. dass er viel fernsieht.
156 §9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv

4. dass er jeden Krimi ansieht.


5. dass er auf Partys geht.
6. dass er Popmusik hört.
7. dass er allein in die Ferien fährt.
8. dass er selbständig wird.

Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv eines Vollverbs und einem Modalverb
Der Prüfer will/wollte ihn nicht durchfal- Wenn zu einem modalverbähnlichen Verb in
len lassen. Verbindung mit einem Vollverb noch ein Mo-
Der Prüfer hat/hatte ihn nicht durchfallen dalverb hinzukommt, bildet das Modalverb im
lassen wollen. Präsens und Präteritum die finiten Verbformen,
Ich glaube, dass der Prüfer ihn nicht hat/ das modalverbähnliche Verb steht als Infinitiv
hatte durchfallen lassen wollen. hinter dem Infinitiv des Vollverbs. Im Perfekt,
das immer mit haben gebildet wird, steht das
modalverbähnliche Verb als Infinitiv zwischen
den beiden anderen Infinitiven. Im Nebensatz
steht das finite Verb vor den Infinitiven.

5 Beschreiben Sie eine Prüfungssituation.

Beispiel: Der Fahrschüler lässt sich prüfen, (wollen).


Der Fahrschüler will sich prüfen lassen.

1. Der Fahrschüler lernte Auto fahren, (unbedingt wollen)


2. Man hört beim Schalten das Getriebe krachen, (nicht dürfen)
3. Der Fahrlehrer hilft dem Kandidaten lenken, (nicht dürfen)
4. Der Fahrlehrer hat keine Prüfungsbögen im Auto rumliegen, (wollen)
5. Der Prüfer lässt den Fahrschüler die Prüfung nicht bestehen, (können)
6. Der Fahrschüler lässt sich seine Enttäuschung nicht anmerken, (wollen)
7. Er lässt sich von niemandem Vorwürfe machen, (möchte)
8. Er geht zur Entspannung erst einmal angeln, (müssen)

6 Sagen Sie im Konjunktiv II, was der Prüfer bzw. der Fahrschüler (nicht) hätte
tun müssen, dürfen oder können.

Beispiel: Der Prüfer ließ den Fahrschüler durchfallen, (nicht müssen)


Der Prüfer hätte den Fahrschüler nicht durchfallen lassen müssen.

1. Der Prüfer ließ den Fahrschüler eine halbe Stunde im Auto warten, (nicht dürfen)
2. Er ließ ihn mehrmals an einem steilen Berg bremsen und wieder anfahren,
(nicht müssen)
3. Er ließ ihn auf einer schmalen Straße wenden, (nicht müssen)
4. Er ließ ihn in der Hauptverkehrszeit durch die Innenstadt fahren, (nicht müssen)
5. Er ließ ihn nachts auf der Autobahn fahren, (nicht müssen)
6. Der Fahrschüler hat den Motor ein paar Mal ausgehen lassen, (nicht dürfen)
7. Er blieb mitten auf der Kreuzung stehen, (nicht dürfen)
8. Er ließ die Fußgänger nicht über den Zebrastreifen gehen, (müssen)
9. Der Prüfer ließ den Fahrschüler die Prüfung nicht wiederholen, (können)
§9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv 157

II Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv mit zu


(1) Für die Gastgeber gibt/gab es viel zu Die meisten der unten aufgeführten Verben ha-
tun. ben, wenn sie wie Hilfsverben gebraucht wer-
Für die Gastgeber hat/hatte es viel zu den, modale Bedeutung (Notwendigkeit, Forde-
tun gegeben. rung, Möglichkeit). Einige Verben haben
(2) Die Gäste scheinen/schienen sich wohl passivische Bedeutung (= Passivumschreibun-
zu fühlen. gen).
Die Gäste scheinen sich wohl gefühlt Das Perfekt wird mit dem Partizip Perfekt des
zu haben. modalverbähnlichen Verbs gebildet (1). Das
Verb scheinen bildet das Perfekt - wie Modalver-
ben in subjektiver Aussage - mit dem Infinitiv
Perfekt des Vollverbs (2). Das Verb brauchen bil-
det das Perfekt - wie Modalverben in objektiver
Aussage - mit dem Infinitiv des Vollverbs (Die
Gastgeber haben nichts mehr vorzubereiten brau-
chen.). Das Verb es heißt bildet kein Perfekt. Bei
einigen Verben wird das Perfekt selten ge-
braucht.

bekommen; kriegen (ugs.)


= möglich sein; eine Gelegenheit haben; etw. können:
Er bekommt/kriegt die Gastgeber den ganzen Abend kaum zu sehen.
bleiben
= etw. muss/soll noch getan werden (Perfekt selten) (vgl. S. 84):
Der Erfolg dieses Abends bleibt abzuwarten.
nicht/nur/kaum brauchen
= etw. nicht/nur/kaum müssen (Perfekt und Plusquamperfekt
selten, vorwiegend im Konjunktiv I und II) (vgl. S. 135 und 160):
Er braucht auf seine Traumfrau nicht lange zu warten.
(in der gesprochenen Sprache auch ohne zu)
drohen
= man muss etw. Unangenehmes befürchten (Perfekt selten):
Die Party droht eine Enttäuschung für ihn zu werden.
geben
= jdn. zu etw. veranlassen:
Das Verhalten seiner Traumfrau gibt ihm zu denken.
es gibt
= etw. muss/soll getan werden (vgl. S. 84):
Für die Gastgeber gibt es viel zu tun.
gedenken
= etw. beabsichtigen/wollen (Perfekt selten):
Er gedenkt seine Traumfrau seinen Eltern vorzustellen.
es gilt
= etw. muss/soll getan werden (Perfekt selten) (vgl. S. 83):
Es gilt abzuwarten.
158 §9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv

haben
= etw. müssen/sollen/nicht dürfen/nur dürfen; selten: können (vgl. S. 160f.):
Er hat mit ihr zu sprechen.
es heißt
= etw. muss/soll getan werden (kein Perfekt) (vgl. S. 83):
Es heißt jetzt einen guten Eindruck auf sie zu machen.
(wenig erweiterter Infinitiv auch ohne zu möglich: Es heißt jetzt warten.)
kommen auf
= zu etw. Gelegenheit haben; mit etw. anfangen:
Bei Freunden kam er auf ihre anderen Verehrer zu sprechen.
pflegen
die Gewohnheit haben (Perfekt selten):
Er pflegt sie wöchentlich einmal anzurufen.
scheinen
= einen bestimmten Eindruck machen; den Anschein haben:
Heute abend scheint sie ihn völlig zu übersehen.
sein
etw. muss/soll/kann/darf nicht/darf nur getan werden (vgl. S. 83ff. und S. 160f.):
Eine Traumfrau ist nicht so leicht zu erobern.
stehen
etw. muss erwartet/befürchtet werden (Perfekt selten) (vgl. S. 83):
Es steht zu befürchten/zu erwarten, dass seine Bemühungen umsonst sind.
suchen
= sich bemühen; etw. wollen:
Schon seit einiger Zeit sucht er sie zu vergessen.
sich trauen
- zu etw. den Mut haben:
Er traut sich niemanden mehr auf dieses Thema anzusprechen.
vermögen
- zu etw. fähig sein; etw. können (meist negiert):
Er vermag sich seine Gefühle nicht recht zu erklären.
versprechen
= positiv bevorstehen; unwillkürlich geschehen:
Für seine Traumfrau verspricht der Abend ein Erfolg zu werden.
verstehen
= zu etw. fähig sein; etw. können:
Sie versteht den Männern den Kopf zu verdrehen.
wissen
= zu etw. fähig sein; etw. können:
Sie weiß nicht zu schätzen, was sie an ihm hat.
§9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv 159

Sie hat den Männern den Kopf zu verdrehen Bei den Verben es gilt, es heißt, suchen, sich trau-
verstanden, en, vermögen und verstehen kann der Infinitiv
Sie hat es verstanden, den Männern den mit zu aus dem Hauptsatz ausgeklammert und
Kopf zu verdrehen. nachgestellt werden.
Die Verben drohen und versprechen können
auch Infinitivsätze bilden, allerdings mit einer
anderen als der hier angegebenen Bedeutung:
Er drohte (damit,) sie anzuzeigen. (= jdm. unan-
genehme Folgen ankündigen, wenn er sein Ver-
halten nicht ändert)
Er versprach ihr sie in den nächsten Tagen an-
zurufen. (=jdm. etw. zusichern)

7 Formen Sie die Sätze mit den in Klammern stehenden Verben um.

Beispiel: Für den Abend muss viel vorbereitet werden, (es gibt)
Für den Abend gibt es viel vorzubereiten.

Vergebliche Liebesmüh
1. Er trinkt gewöhnlich nicht viel, (pflegen)
2. Aber auf der heutigen Party kann er sich nicht beherrschen, (vermögen)
3. Es muss befürchtet werden, dass er viel zu viel trinkt, (stehen)
4. Deshalb fangen einige Gäste bereits an über seinen Alkoholkonsum zu sprechen,
(kommen auf)
5. Es gelingt ihnen, den jungen Mann vorübergehend abzulenken, (verstehen)
6. Es ist zu befürchten, dass seine Bemühungen total scheitern, (drohen)
7. Es hat den Anschein, als ob sich seine Erwartungen nicht erfüllten, (scheinen)
8. Er muss den Tatsachen ins Auge sehen, (es heißt)
9. Eine unglückliche Liebe kann nicht so leicht überwunden werden, (sein)
10. Er kann nicht begreifen, warum sie nichts von ihm wissen will, (vermögen)
11. Dabei wird er ein erfolgreicher Anwalt, (versprechen)
12. Er kann mit Menschen gut umgehen, (wissen)
13. Um Klienten muss er sich sicher nicht bemühen, (brauchen)
14. Wann hat er endlich den Mut mit ihr zu sprechen? (sich trauen)
15. Er hatte in letzter Zeit wenig Gelegenheit sie zu sehen, (bekommen)
16. Es sieht so aus, als ob sie einen großen Bekanntenkreis hätte, (scheinen)
17. Er will sie aber auf gar keinen Fall aufgeben, (gedenken)
18. Tag und Nacht kann er an nichts anderes mehr denken, (vermögen)
19. Er bemüht sich ihr seltsames Verhalten zu verstehen, (suchen)
20. Er weiß natürlich, dass sie ihm keine Rechenschaft geben muss, (haben)
21. Auch ist ihm klar, dass er keine Ansprüche an sie stellen darf, (haben)
22. Trotzdem kann er seine Enttäuschung nicht verbergen, (vermögen)
160 §9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv

Das Verb nicht/nur/kaum brauchen (= nicht/nur/kaum müssen) (vgl. S. 135)

8 Berichten Sie, was Petra nicht zu tun braucht.

Beispiel: Petra muss nicht jeden Tag in die Bibliothek gehen.


Petra braucht nicht jeden Tag in die Bibliothek zu gehen.

1. Petra muss nicht noch mehr lernen.


2. Sie muss nicht den gesamten Stoff wiederholen.
3. Sie muss im nächsten Semester nicht noch eine Klausur schreiben.
4. Sie muss keine Angst haben.
5. Sie muss nicht auf die Party verzichten.
6. Sie muss das Referat ja noch nicht in dieser Woche abgeben.

Petra unterhält sich mit Hermann. Er gibt ihr ein paar gute Tips.

Beispiel: Ich benötige deine Hilfe, (mir nur sagen)


Du brauchst es mir nur zu sagen.

7. Ich muss die Hausarbeit ganz neu schreiben, (kaum verändern)


8. Ich muss noch drei Referate schreiben, (nur noch ein Referat schreiben)
9. Ich muss mich auf die mündliche Prüfung vorbereiten, (kaum noch vorbereiten)
10. Ich schlafe immer so schlecht ein. (nur etwas mehr an die frische Luft gehen)
11. Ich muss noch früher aufstehen als bisher, (kaum früher aufstehen)
12. Ich muss mir teure Bücher kaufen, (die Bücher nur in der Bibliothek ausleihen)

Leider zu spät. Hermann gibt Petra nachträglich noch ein paar Ratschläge im Konjunktiv II.

Beispiel: Ich habe viel zu viel gelernt.


Du hättest doch nicht so viel zu lernen brauchen.

13. Ich wurde nervös.


14. Ich war vor Angst wie gelähmt.
15. Ich hatte Angst, dass mir die Zeit nicht reicht.
16. Ich habe meiner Nachbarin geholfen.
17. Ich habe die Arbeit zu früh abgegeben.
18. Ich habe die ganze Nacht schlaflos im Bett gelegen.
§9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv 161

Die Verben haben und sein Die Verben haben und sein drücken in Verbin-
dung mit dem Infinitiv mit zu eine Notwendig-
(1) Der Personalrat hat alle Bewerber gleich keit (müssen) (1), eine Forderung (sollen im In-
zu behandeln. dikativ) bzw. eine Empfehlung (sollen, auch im
Alle Bewerber sind gleich zu Konjunktiv II) (2), ein Verbot (nicht dürfen, ab-
behandeln, geschwächt: sollte nicht) bzw. eine einge-
(2) Jeder Bewerber hat eine Kopie seiner Be- schränkte Erlaubnis (nur dürfen) (3) oder eine
Werbung an den Personalrat zu Möglichkeit (können) (4) aus. Das Verb haben
schicken. kommt in der Bedeutung von können vor allem
Von jeder Bewerbung ist eine Kopie an in Redewendungen vor. Welche modale Bedeu-
den Personalrat zu schicken. tung jeweils vorliegt, muss aus dem Kontext er-
(3) Der Personalrat hat nur sachbezogene schlossen werden, ist aber nicht immer eindeu-
Kriterien zu berücksichtigen. tig.
Es sind nur sachbezogene Kriterien zu Das Verb haben hat aktivische Bedeutung (Der
berücksichtigen. Personalrat muss alle Bewerber gleich behan-
(4) Ohne vollständige Information ist keine dein.); das Verb sein hat passivische Bedeutung
Entscheidung zu treffen. (Alle Bewerber müssen gleich behandelt werden.).
(Zum Verb sein + Infinitiv mit zu vgl. S. 83ff.)

9 haben oder sein?

Die Aufgaben des Personalrats bei Einstellungen


1. Jede frei werdende Stelle sollte auch intern ausgeschrieben werden.
2. Der Personalrat muss bei der Besetzung von Dauerarbeitsplätzen gehört werden.
3. Die einzelnen Dienststellen müssen das akzeptieren.
4. Der Personalrat kann bei Stellenbesetzungen nicht übergangen werden.
5. Er muss alle Bewerbungen sorgfältig prüfen.
6. Er muss darauf achten, dass Schwerbehinderte bei gleicher Qualifikation
bevorzugt eingestellt werden.
7. Niemand darf wegen Schwerbehinderung benachteiligt werden.
8. Nach dem Schwerbehindertengesetz müssen Schwerbehinderte zu einem
Vorstellungsgespräch eingeladen werden.
9. Bei gleichwertiger Eignung männlicher und weiblicher Bewerber sollen
bevorzugt Frauen eingestellt werden.
10. Der Personalrat muss überprüfen, ob diese Aspekte berücksichtigt wurden,
denn er muss über die Einhaltung der genannten Grundsätze wachen.
11. Die einstellende Behörde muss dem Personalrat auch die Kriterien der
Bewerberauswahl mitteilen.
12. Der Personalrat muss innerhalb von sieben Arbeitstagen zu dem Vorschlag
der einstellenden Behörde Stellung nehmen.

Redewendungen mit dem Verb haben:


etw./nichts aufzuweisen haben (z. B. Erfolge)
nichts/nicht mehr viel zu erwarten haben
nichts/nicht viel zu lachen haben
nichts/nicht viel zu melden haben
etw./nichts zu sagen haben
162 §9 Modalverbähnliche Verben mit dem Infinitiv

sich (=D) viel/nichts mehr zu sagen haben


etw./nichts Besseres zu tun haben
nichts/nicht viel zu verlieren haben
nichts/nicht viel zu versäumen haben

III Gesamtübung

10 Schreiben Sie mit Hilfe der in Klammern stehenden Verben einen zusammenhängenden Text.

Beispiel: Märchen (helfen - erziehen) Kinder


Märchen helfen Kinder erziehen.

Kinder brauchen Märchen


Kinder (sich lassen - erzählen oder vorlesen) Ausgang der Märchen geben den Kindern die 20
gern Märchen. Dabei (sehen - stillsitzen) Zuversicht, dass sie (brauchen - sich nicht
man sogar unruhige Kinder. Die komplexe fürchten). Märchen (sich lassen - deuten) als
moderne Welt (drohen - überfordern) Kinder. Projektionen menschlicher Wünsche und
s Deshalb (suchen - eintauchen) sie in die Ängste. Die Welt der Märchen (helfen - be-
Märchenwelt. Kinder (lassen - wirken) Mär- wältigen) dem Kind seine Ängste. Trotz man- 25
chen auf sich. Märchen (vermögen - anre- eher Grausamkeiten (vermögen - stärken)
gen) die Fantasie der Kinder. Kinder (sehen - Märchen das Vertrauen in einen sinnvollen
überwinden) die Märchenfiguren alle mögli- Weltzusammenhang. Kinder (lernen - verste-
10 chen Gefahren. Märchen wie „Das tapfere hen) die Welt durch Märchen besser. Mär-
Schneiderlein" (helfen - stärken) das Vertrau- chen (vermögen - geben) ihnen wichtige so
en der Kinder in ihre eigenen Kräfte. Die Kin- Einsichten über die Menschen. Durch Mar-
der (sehen - hinausziehen/finden) „Hans im chen (scheinen - angesprochen werden) die
Glück" allein in die weite Welt und sein Gefühle der Kinder stark. Märchenhandlun-
is Glück. Kinder (suchen - sich identifizieren) gen (geben - denken) den Kindern. Sie (blei-
mit den Märchenfiguren. Auf diese Weise ben - haften) in der Vorstellungswelt der Kin- 35
(vermögen - vermitteln) Märchen den Kin- der. Märchen (scheinen - beeindrucken) aber
dem eine optimistische Lebenshaltung. Die nicht nur Kinder im „Märchenalter" von
ausgleichende Gerechtigkeit und der gute sechs bis acht Jahren.

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