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Das Yoga Sutra von Patanjali im Unterricht 1.

Tag

„Der Yoga wird durch den Yoga erkannt. Der Yoga geht aus dem Yoga hervor. Wer
achtsam ist, erfreut sich durch den Yoga lange am Yoga.“
(Vyasa im Kommentar zu Yogasutra 3,6)

Einführung

Mit dem Yoga Sutra begann die klassische Yoga-Tradition. Yoga ist eines von sechs
klassischen und hinduistischen Philosophiesystemen; Yoga ist ein Erlösungsweg welcher auf
die Samkhya Philosophie aufgebaut ist.
Als erstes definiert das Yoga Sutra das Wort „Yoga“. Yoga wird als Zustand der Einheit, als
Zustand ohne Trennung und ohne Teilung definiert. Im Yoga geht es nicht darum, eine
Technik oder eine Form nachzumachen sondern es geht darum diesen Zustand „Yoga“ zu
erreichen. Die Intelligenz, das Denken oder das Reden das nützt uns nicht viel diesem
Zustand zu erreichen, weil Yoga ein persönlicher Erfahrungsweg ist. Das intellektuelle
Wissen bedeutet eher ein Hindernis auf dem Yogaweg.
Yoga möchte einen Zustand der Zerstreuung in einen Zustand des inneren Gleichgewichts
verwandeln. Unser Geist ist in ständiger Bewegung. Wenn wir mit etwas beschäftigt sind,
dann denkt unser Geist schon wieder ans Nächste, das wir noch erledigen sollten. Unsere
Gedanken irren von einem Ort zum anderen und auch wenn wir schlafen hören sie nicht auf
sich zu Bewegen; wir träumen von irgendwelchen Dingen die uns beschäftigen, bewusst
oder unbewusst und sogar im Tiefschlaf finden unsere Gedanken noch keine vollkommene
Ruhe. In unserem Geist läuft alles vollautomatisch ab. Unser Denken und unser Handeln
funktioniert in einem geschlossenen Kreislauf. Unser Gedächtnis reagiert auf Reize von
aussen und ruft Erinnerungen an frühere Situationen wach. Es blendet Vorstellungen, Bilder
und Ideen in ein- und dieser ganze Ablauf bildet das Denken. Das Denken entspricht
eigentlich der Vergangenheit und wird von passenden Handlungen begleitet. Das Denken
führt zum Handeln und das Handeln zum Denken. So sind wir gefangen in diesem Kreislauf
von Denken und Handeln. Das Yoga Sutra sagt, dass wir diesen Kreislauf unterbrechen
müssen, damit wir im Denken und Handeln wieder frei werden.

Im ersten Sutra heisst es: „nun folgt die Disziplin des Yoga“. Yoga ist also auch eine
Disziplin, ohne diszipliniertes Üben kommt man im Yoga nicht sehr weit. Im zweiten Sutra
heisst es dann (das ist das berühmteste und wichtigste Sutra des ganzen Werkes: „Yoga
Citta Vritti Nirodah“: „Yoga ist die Stillegung der Geistestätigkeiten“. Das heisst, wenn
man die Gedanken ganz stilllegen kann, wenn gar keine Gedanken mehr vorhanden sind,

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dann hat man den Zustand „Yoga“ erreicht. Und was dann passiert das kommt im
nächsten Sutra:„...dann ruht der Seher in seiner eigenen Gestalt“ wenn es gelingt die
Gedanken stillzulegen, dann können wir erkennen, wer wir in Wirklichkeit. Hier sehen wir
sehr deutlich den Zusammenhang mit der Samkhya-Philosophie: wenn wir keine Gedanken
mehr haben, erkennen wir unseren Purusha (unser wahres Selbst oder unser reines
Bewusstsein), und wir werden nicht mehr von Prakrti (der Welt) abgelenkt (Gedanken sind
ja ein Teil der Welt und nicht ein Teil von unserem wahren Selbst. Solange wir aber
Gedanken haben, solange werden wir von diesen Gedanken abgelenkt und es wir nicht
möglich sein unser wahres Selbst zu erblicken. Was passiert also genau, wenn wir unsere
Gedanken nicht stilllegen können? Die Antwort dazu kommt im nächsten Sutra: „...sonst
hat der Seher die gleiche Gestalt wie die Geistestätigkeite“n, was heisst: Wenn wir unsere
Gedanken nicht stillegen können, nehmen wir die Gestalt unserer Gedanken an. Wir
machen uns Gedanken und durch das empfinden wir Sorgen wir empfinden Ängste, oder es
entstehen Erinnerungen, Wünsche, oder wir empfinden Freude usw. und durch all diese
Zerstreuungen von unserem Geist, können wir unsere wahre Gestalt, unser wahres Selbst,
oder im Samkhya: „unseren Purusha“ nicht erkennen weil wir uns mit den Gedanken oder
mit Prakrti der Welt falsch identifizieren. Und dies ist nach dem Yoga Sutra der Ursprung
von allem Leiden. Solange die Gedanken nicht stillgelegt werden können, solange wird das
Leiden bestehen, weil wir die Gestalt der Gedanken annehmen.

Auch in den Upanishaden, die noch viel früher als das Yoga Sutra entstanden sind, gab es
schon eine Definition von Yoga: „Wenn die fünf Sinne mit dem Denken zur Ruhe kommen
und auch der Geist stillsteht – dies nennen sie die höchste Stufe. Diese ruhige
Beherrschung der Sinne – darunter versteht man Yoga.“ Oder auch Jesus sprach in der
Bergpredigt: „Selig sind diejenigen, die im Geist arm sind, denn ihnen gehört das Reich des
Himmels.

Yoga Sutra im Unterricht 2. Tag

1. Kapitel (Samadhi Pada)

Das Yoga Sutra sagt gleich zu Beginn, daß der Zustand „Yoga“ durch die Stillegung von den
Gedanken kommt. Wenn der Geist ruhig und fest ist, dann ergibt sich der Zustand von der
Erlösung von Samadhi.
Das erste Kapitel des Yoga Sutra beschreibt vor allem den Weg zu der Erlösung (Samadhi),
die Hindernisse auf diesem Weg auftauchen, werden erwähnt, und es werden auch Mittel
vorgeschlagen um diese Hindernisse zu beseitigen.

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Die Hindernisse welche diesem festen und ruhigen Geist im Wege stehen sind die fünf
(Vritti- Welle und damit sind die Wellen gemeint, welche im klaren Wasser unseres
Bewusstseins auftauchen. können entweder leidvoll oder leidlos sein.

1. Pramana, richtige Erkenntnis


2. Viparyaya, Irrtum
3. Vikalpa, Vorstellung
4. Nidra, Schlaf
5. Smrti, Erinnerung

1. „Direkte Wahrnehmung, Schlussfolgerung und Überlieferung bilden die richtige


Erkenntnis.“
Richtige Erkenntnis warum sollte das ein Hindenis sein? Es ist doch gut wenn man
etwas richtig erkennt. Mit dieser richtigen Erkenntnis ist vor allem das intellektuelle
Wissen gemeint. Man kann noch so intelligent sein, unsere Gedanken werden dadurch
nicht ruhiger eher das Gegenteil. Je grösser das Wissen umso mehr Gedanken tauchen
auf. Darum muss man das Wissen hinter sich lassen. Das heisst nicht, dass man dann
nichts mehr weiss, sondern, dass man nicht am Wissen festhalten soll. Man kann mit
dem Wissen sehr weit kommen aber irgendwo kommt es immer an eine Grenze wo es
nicht mehr weiter kann. Vieles ist über das Wissen nicht erfassbar. Jede Wissenschaft
kommt irgendwo an eine transzendente Grenze und es hat gar keinen Sinn, wenn wir
versuchen diese Grenze mit dem Wissen zu überschreiten oder zu erfassen

2. „Irrtum ist eine falsche Erkenntnis, die auf einer Form beruht, die nicht das ist, was
sie zu sein scheint.“
Zum Irrtum gibt es ein klassisches Beispiel: Ein Mann geht im halbdunkeln, plötzlich
sieht er eine Schlange und er gerät in panische Angst bis er merkt, dass es sich gar nicht
um eine Schlange sondern um ein Seil handelt.. Genauso passsiert es uns viel in
unserem Leben wir sehen die Dinge oft nicht so wie sie in Wirklichkeit sind.

3. „Wortwissen zu folgen, das ohne real existierenden Gegenstand ist, ist


Vorstellung.“
Bei allem was wir hören, bei allem das wir fühlen kommt immer gleich eine
Vorstellung. Wenn wir z.B. das Wort „Haus“ hören, sehen wir innerlich ein Haus.
Obwohl das Wort und das Objekt so unterschiedlich sind, glauben wir, dass sich die
Dinge entsprechen. Wir glauben an Dinge die wir gehört oder gelesen haben ohne dass
wir aber eine eigene Erkenntnis damit gemacht haben. Ein Yogi muss auch seine
unwillkürliche Vorstellung auslöschen. Es dürfen keine Vorstellungen mehr auftauchen
die nicht bewusst ausgeführt werden.

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4. „Schlaf ist eine Funktion die auf der Vorstellung von Nicht-Sein beruht.“
Beim Schlaf ist auch nicht ganz klar, warum sollte der Schlaf ein Hindernis sein? Im
Schlaf können keine willentliche Entscheidungen mehr getroffen werden, das
Bewusstsein ist am schlafen und es geschieht alles unbewusst. Ein Yogi muss auch den
Schlaf unter Kontrolle bringen können. Der Geist sollte stehts hellwach und klar sein.

5. „Erinnerung ist das Nichtschwinden wahrgenommener Gegenstände.“


Die Erinnerung ist das Resultat vergangener Erfahrungen. Wenn wir uns zu sehr an
Erinnerungen festhalten, ist es schwierig neue Erfahrungen zu machen. Auch wen wir
vielleicht hundertmal die selbe Situation erlebt haben, heisst es nicht, dass es beim
nächsten mal wieder gleich ist. Im Yoga ist es wichtig, dass man jedes mal neu auf
etwas zugeht und sich nicht an Erinnerungen klammert.

Das Mittel zur Vernichtung von diesen ist die diziplinierte Übung und die
Leidenschaftslosigkeit.

Yoga Sutra im Unterricht 3. Tag

2. Kapitel (Sadhana Pada):

Im zweiten Kapitel geht es vor allem um die Praxis. Als erstes wird der Kriya Yoga definiert:
Er besteht aus 1. Askese (Tapas-auch Hitze, Glut/ Die Asketen zogen sich in die Einsamkeit
zurück und entwickelten durch strenge Yoga Übungen Hitze oder die Glut im Inneren), 2.
Svadhyaya, Studium von den Texten ist der Weg des Wissens (fördert Verständnis zum
Leben) und 3. Ishvarapranidhana, Hingabe an Gott (man bringt jede Handllung als Opfer für
Gott dar, oder auch in der Meditation ist die ganze Aufmerksamkeit fortwährend auf Gott
gerichtet. Dies fördert das Loslassen des Ego). Wenn das Handeln diese drei Eigenschaften
besitzt, kann es zur Erlösung (Samadhi) führen. Der Kriya Yoga dient dazu, die fünf Kleshas
zu beseitigen.

Die Hindernisse welche der Erlösung im Wege stehen sind die fünf kleshas (Befleckung,
Leiderzeuger).

1. Avidya, Unwissenheit (Haupt- Klesha, Ackerboden auf dem die anderen vier kleshas
wachsen). Durch die Unwissenheit wird das Unvergängliche mit dem Vergänglichen
verwechselt.
2. Asmita, Ich-bin- Heit Die Ich-bin-Heit bezieht sich wieder auf den Samkhya. Durch
den Ich-Sinn werden der Sehende und das Sichtbare miteinander in Verbindung

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gebracht. Das reine Bewusstsein (purusha) und die Welt (prakrti) werden als gleich
betrachtet obwohl sie in Wirklichkeit voneinander getrennt sind.
3. Raga, Zuneigung
4. Dvesha, Abneigung

Wer sich für ein „ich“ hält, ist der Anziehung und Abstossung ausgeliefert, alles was einem
begegnet ist entweder freudvoll oder leidvoll. Auch die Angst ist eine Abneigung die auf die
Ich- Wahrhehmung zurückschliesst. Wir haben Angst vor dem Ungewissen der Zukunft.
Angst vor Unfällen, vor Krieg oder Krankheiten, und schlussendlich Angst vor dem Tod
unserer Kinder, vor dem Tod der Familienangehörigen oder vor dem eigenen Tod. Aber
haben wir auch Angst vor dem Tod anderer Menschen die uns nicht nahe sind? Nein, nur
von dem Tod Meiner Kinder, Meiner Mutter, Meines Bruders, Meines Freundes usw. Es ist
also unsere Ich-Wahrnehmung unser Ego die diese Ängste und auch alle anderen
Zuneigungen und Abneigungen auslöst.

5. Abhinivesha, Lebenswille oder der Lebensdrang ist das letzte klesha welches sehr
dominierend im Leben ist. Dieses Klesha gibt uns das Gefühl etwas Wichtiges zu
sein. Im Yoga Sutra steht, dass sogar die Wissenden nicht frei von diesem klesha
sind. Es ist der triebhafte Instinkt der Selbsterhaltung. Es ist schwierig, die eigene
Auflösung oder das eigene Verschwinden zu akkzeptieren.

Die Mittel zur Vernichtung der Kleshas sind:

Gegenimpulse und Meditation

Dh. Einerseits der Weg der Entstehung, so wie sie im Samkhya beschrieben wird,
zurückzugehen, oder auch ein Gegenimpuls auf Zuneigung und Abneigung zu setzten, indem
wir Unangenehmen mit Zuneigung begegnen und umgekehrt.

Ein weiterer wichtiger Inhalt des zweiten Kapitels ist der erste Teil des Ashtanga Yoga
(achtgliedriger Yoga), welcher als zentrale Lehre des Yoga Sutra gilt. (Folgt in den nächsten
Lektion)

Yoga Sutra im Unterricht 4. Tag

Bevor das Yoga Sutra den Ashtanga Yoga erwähnt, wird nochmals ein neues Ziel des 2.
Kapitels aufgeführt: Viveka Kyati (nichtzerstreutes Unterscheidungswissen). Es gilt das

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Vergängliche vom Ewigen zu unterscheiden (im Samkhya Prakrti und Purusha zu trennen).
Die Unreinheit stellt das Hindernis auf diesem Ziel dar. Das Mittel zur Überwindung der
Unreinheit und zum Erlangen von Viveka Kyati ist der Ashtanga Yoga.

Der Ashtanga Yoga (achtgliedriger Yoga):

1. Die fünf Yamas, Verbote


2. Die fünf Niyamas, Gebote
3. Asana, feste Sitzhaltung für die Meditation
4. Pranayama, Atemzügelung
5. Pratyahara, Rückzug der Sinne
6. Dharana, Konzentration
7. Dhyana, Meditation
8. Samadhi, Erlösung

Stufe 1, 2,3,4 und 5 sind Teil von Sadhana Pada. Stufe 6, 7 und 8 zählen zu Vibhuti Pada.
Im 3. Kapitel des Yoga Sutra (YS 3. 4-5) werden die letzten drei Stufen auch als Samyama
(Gesamtzügelung) zusammengefasst. Das Ergebnis von Samyama ist Prajña (Wissen,
Erkenntnis)

Die fünf Yamas sind:

1. Ahimsa, Nicht-Schädigen - Den eigenen Gesichtspunkt nicht den anderen aufzwingen,


Vielfalt akkzeptieren, das Ego zurücknehmen. Ab und zu ist Gewalt wichtig um den
anderen nicht zu schaden.
2. Satya, Wahrhaftigkeit - sich nicht hinter einem Bild verbergen, ungeschminkt und sich
selbst sein.
3. Asteya, Nicht-Stehlen - das Verlangen, das Nehmen auflösen.
4. Brahmacarya, Enthaltsamkeit - die Mitte anstreben, nichts Extremen nachgehen.
Verkehrte Bilder in Beziehungen vermeiden.
5. Aparigraha, Nicht-Besitzergreifen - auf Überflüssiges Verzichten. Sich nicht mit
Besitztümern identifizieren.

Die fünf Niyamas sind:

1. Sauca, Reinheit - mit sich selber im reinen sein (auch äusserliche Reinheit)
2. Samtosa, Zufriedenheit - zufrieden sein ohne einen besonderen Grund dafür zu haben.
3. Tapas, Askese - den Körper und Geist fordern, das, was man macht mit Hingabe
machen, innere Stille, wenig reden.

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4. Svadhyaya Studium der Schriften, Selbsterkenntnis - Studium der Upanishaden und
Sutren usw. nach innen schauen, sich selbst erkennen.
5. Isvarapranidhana, Hingabe an den Herrn - verzichten auf das Ego, loslassen.

Störende Gedanken werden mit der Meditation über das Gegenteil vernichtet.

Yoga Sutra im Unterricht 5. Tag

3. Kapitel (Kaivalya Pada)

Dieser Teil beschreibt die Losgelöstheit, die Befreiung.

Das Wort bedeutet Alleinsein, Abgeschiedenheit, Losgelöstheit, Einzigheit. Dies beschreibt


den Zustand des Menschen, jeder Mensch ist in Wirklichkeit allein, er steht in mitten der
fremden und verwirrenden Welt. Durch das, dass er sich als ich wahrnimmt trennt er sich
von seiner Umgebung ab. Trotzdem muss er aber mit dem leben, was anders als er ist. Für
das Ueberleben braucht er Luft, Wasser, Nahrung usw. Es ist notwendig für ihn das Andere
zu erfahren und darum braucht er auch Beziehungen zu Menschen die anders sind als er.
Die Grundlage in einer Beziehung ist diese Erfahrung von etwas Anderen als man selbst ist.
Das Problem liegt darin, dass der Mensch sich abhängig macht von Beziehungen. Am
Anfang ist er abhängig von den Eltern, später vom Freund oder Freundin usw. Diese
Abhängigkeit in einer Beziehung führt zu Leid, Konflikt, Spannungen und nur wenn der
Mensch eine grosse Krise erlebt, wird er seiner Einsamkeit bewusst und er ist gezwungen
sich mit dieser Einsamkeit auseinanderzusetzen. Diese Erkenntnis des Alleinseins ist im
Yogasutra eine wichtige Erfahrung die schlussendlich zur Befreiung führt. Im ersten Kapitel
wird ja das Ich- Bewusstsein als eines von fünf Hindernissen (Asmita) beschrieben, dass
stillgelegt werden muss. Es ist schwierig sich vorzustellen, man hat keine Ich-
Wahrnehmung mehr, jede Wahrnehmung wird immer in Verbindung mit dem Ich gebracht;
gibt es dann überhaupt noch etwas das man wahrnehmen kann? Ist das Leben noch möglich
ohne Ich-Wahrnehmung? Hat es noch einen Sinn? Dies ist eine sehr schwierige Frage, die
eigentlich gar nicht richtig beantwortet werden kann. Wahrscheinlich ist die Auflösung des
Ich-Bewusstseins schon die Erlösung selbst und ich glaube nicht, dass das Leben in diesem
Zustand noch möglich ist. Im Buddhismus gibt es zwar die Botthisattvas, die eigentlich
schon kurz vor der Erleuchtung stehen, aber auf den Zustand der vollkommenen Erleuchtung
verzichten um anderen zu helfen auch diesen Zustand zu erreichen. Botthisatvas können den
Tod des Körpers selbst selbst hervorrufen und man sagt, dass sie erst dann in die
vollkommene Erleuchtung eintauchen können.

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Der Samkhya beschreibt zwei Bereiche des Menschen. Auf der einen Seite steht die reine
Wahrnehmung der Purusha, auf der andere Seite steht alles, was sich dem purusha als
Objekt für eine Erfahrung anbietet, also die Welt. Die reine Wahrnehmung ist ja das, dass
das man möchte und das, dass so schwierig ist zu erkennen, so wie es ohne Spiegel nicht
möglich ist sich selbst zu sehen, so ist es auch schwierig zu erfahren was reine
Wahrnehmung ist. Weil der Purusha die Wahrnehmung selbst ist, kann er auch niemals ein
Gegenstand der Wahrnehmung sein. Zu der Prakrti zählt auch der Geist mit all seinen
Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen, Wünschen usw. und all das führt zum Leiden und
darum möchte man die Welt von der reinen Wahrnehmung isolieren.

4. Kapitel (Vibhuti Pada)

Schlussendlich geht es sowohl im Samkhya wie auch im Yoga immer darum, die
Wahrnehmung vollkommen von der Welt zu lösen oder zu isolieren. Diese Isolation heisst
im letzten Kapitel des Yoga Sutra Kaivalya. Das heisst, das Ziel ist, die Erkenntnis zu
erlangen, dass wir in Wahrheit losgelöst und alleine sind und uns nicht mehr mit der
objektiven Welt identifizieren.

Das Hindernis wird beschrieben als Karman welches an den Kreislauf der Geburten bindet.
In der Karmatheorie schliesst man darauf zurück, dass jede Handlung eine entsprechende
Wirkung hinterlässt, welche auf unserem Karmakonto gespeichert wird und irgendwann,
sei es in diesem oder im nächsten Leben, zur Wirkung kommt. Sowohl positive
Karmaansammlung, sowie auch negative Ansammlung führt zur Wiedergeburt. Der Yogi
möchte beides nicht um vollkommen aus dem Kreislauf der Geburten auszutreten und die
Erlösung zu erlangen. Das Mittel, das vorgeschlagen wird um zu diesem Ziel zu kommen ist
Viveka Khyati (nichtzertstreutes Unterscheidungswissen). Hier ist wieder die Erkenntnis der
Trennung von Purusha und Prakrti gemeint.

Yoga Sutra im Unterricht 6. Tag

Fazit:

Nochmals über Zentrale Lehre: Ashtanga Yoga

Yama und Niyama stehen ja am Anfang, ähnlich wie die zehn Gebote vom Christentum.

Ist es aber für uns möglich mit diesen Geboten den Weg zu beginnen? Ist es überhaupt
möglich für uns in dieser Gesellschaft diesen Weg den das Yoga Sutra vorschlägt zu gehen?

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Wenn wir nur schon den Aspekt von Ahimsa (Nicht-Schädigen oder Gewaltlosigkeit)
versuchen im Alltag umzusetzen, merken wir wie unwahrscheinlich schwierig dies ist.
Zuerst müssen wir einmal verstehen lernen was unter dem Begriff Nicht-Schädigen
überhaupt gemeint ist, was dieser Begriff beinhaltet.

Hier ein paar Beispiele über den Inhalt von Ahimsa:

1. Gelassenheit und Festheit. Um jemand anderem nicht zu schaden erfordert es


sicherlich eine innere Ruhe und vor allem dann wenn es rundherum turbulent zu und
her geht.
2. Grenzen setzen um jemandem nicht zu schaden.
3. Sich selbst bleiben. Nicht krampfhaft versuchen ein Ideal zu verkörpern. Die eigenen
Grenzen und Schwächen akzeptieren. Auch beim üben im Yogaunterricht den
Aspekt von Nicht-Schädigen umsetzen, sich nicht in eine Stellung zwingen, nicht
forcieren.
4. Vielfalt akzeptieren. Andere Meinung akzeptieren. Ich ertappe mich oft dabei, wie
ich meinen Kindern meine Meinung, Einstellung und meinen Geschmack aufbinden
möchte (dies ist schön, dies ist nicht schön das ist gut usw.) und ihnen nicht immer
die Möglichkeit lasse eine andere Meinung oder andere Bevorzugungen zu haben. Es
ist auch wichtig, dass man die anderen ihre eigenen Erfahrungen machen lässt um
ihnen nicht zu schaden. Wie z.B. kann ein Kind die Gefahr eines Messers erfahren,
wenn es sich nicht einmal geschnitten hat?
5. Nicht-Schädigen beinhaltet auch, dass man den Mitmenschen ein gutes Beispiel
gibt. Das ist das beste Mittel für eine positive Veränderung, besser als lange
Vorträge und Reden.
6. Achtung vor dem Anderen und Mitgefühl ist sehr wichtig für die Verwirklichung von
Nicht-Schädigen. Man muss sich in die Menschen versetzten können um zu
verstehen was für sie schädigend oder Nicht- schädigend ist.

Da sehen wir, dass nur schon im ersten Yama Ahimsa sehr viel enthalten ist

Ich habe in einem Buch eine schöne Beschreibung über das Yoga Sutra gefunden die sagt:
Das Yoga Sutra ist wie ein grosser See, die einzelnen Sutras sind die Kraft des Wassers, die
Wellen. Es ist gleich an welcher Stelle wir in den See eintauchen. Der Weg in die Mitte des
Sees mag länger oder kürzer sein aber die Wellen tragen einem sicher in die Mitte. Es ist
also nicht so wichtig an welcher Stelle wir mit dem Studium des Yoga Sutra beginnen weil
jede einzelne Passage eine Welle ist die uns zur Mitte führt.

Da es sehr schwierig, ja fast unmöglich ist, hier in unseren Gesellschaft, mit den Yama und
Niyama mit diesen zehn Geboten zu einzusteigen, beginnen wir beim 3. Glied: Asana

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(stabile Stellung). Man darf nicht vergessen, dass das Yoga Sutra eine Anleitung zur
Erlösung ist und die Praxis eine vollkommene Zurückgezogenheit oder Weltabgewandheit
erfordert, was für die meisten von uns sowieso nicht möglich ist. Und darum steigen wir bei
Asana, bei der Stillegung der Bewegungen des Körpers ein, kommen zu der Stillegung des
Atems über die Stillegung der Gedanken, und all das bewirkt schlussendlich auch eine
Veränderung auf unser Verhalten im Umgang mit Anderen und uns Selbst.

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