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Für Leo Johann

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Albrecht Rissler

ZEICHNEN
Tipps für Kreative
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ZEICHNEN – TIPPS FÜR KREATIVE  ist kein Lehrbuch, das Sie systematisch durcharbeiten
müssen. In diesem reich illustrierten Buch können Sie einsteigen, wo Sie möch­
ten. Die mehr als 100 Tipps sollen vor allem das Vergnügen bereiten zu entde­
cken, was Zeichnen alles bedeuten kann.
Ich habe es für Anfänger wie für fortgeschrittene Zeichnerinnen und Zeichner
geschrieben. Es richtet sich auch an Menschen, die nicht zeichnen, aber Freude
an der ältesten aller Künste haben. Ich bin mir sicher, dass darunter welche sind,
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die sich daran erinnern, wie gerne sie als- Kinder
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gezeichnet haben, und die wie­ -
der einsteigen und einen neuen Zugang finden wollen.
Zu den zeichnerischen Techniken finden Sie Hinweise und Fotos der verwende­
ten Materialien. Dass in diesem Buch kein spezieller Zeichenstil propagiert wird,
erkennen Sie an der Auswahl von Arbeiten Studierender, die ich an der Mainzer
Hochschule betreuen durfte und die mich auf zahlreichen Zeichenexkursionen
begleitet haben. Hierfür stehen auch die Beispiele von Teilnehmern meiner Zei­
chenkurse und von befreundeten Kollegen. Das Buch darf auch als Appell an
Künstler, Designer oder Architekten verstanden werden, das analoge, sämtliche
Sinne beanspruchende Zeichnen nicht zu vernachlässigen.
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Die Skizzenbücher der Urban Sketchers – Vertreter einer weltweit wachsenden


Szene – demonstrieren, wie attraktiv das Zeichnen vor Ort wieder geworden ist.
Sie finden im Buch auch Arbeiten von Kindern. Mit ihnen erinnere ich an die Ver­
antwortung von Eltern und Erziehern in Bezug auf die Förderung bildnerischer
Fähigkeiten, die allen Kindern gegeben sind. Sie gelten als Voraussetzung für
jede Art von Kreativität, die auch in kognitiven Bereichen von Bedeutung ist.
Mein Dank gilt allen, die zum Gelingen dieses Buchs beigetragen haben. Dem
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Verleger Gerhard Rossbach, transid - exl37162862-3864917204
Lektorin Barbara Lauer und allen Mitarbeiterin­ -
nen und Mitarbeitern des dpunkt.verlags danke ich für die Begeisterung für die­
ses Projekt. Ohne die vielfältige Unterstützung meiner Frau Ursula wäre das
Buch nicht entstanden. Ihr Blick für gute Gestaltung und ihre Hilfe beim Schrei­
ben der Texte hat sich auch dieses Mal als sehr hilfreich erwiesen. Stellvertre­
tend für viele andere danke ich Dr. Markus Käfer und Heiko Ernst für wertvolle
Hinweise und Anregungen. Besonders dankbar bin ich ehemaligen Studenten,
Teilnehmern meiner Zeichenkurse, Künstlerkollegen und Kindern, die Arbeiten
für dieses Buch zur Verfügung gestellt haben.
Albrecht Rissler im Mai 2015
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NULL A DIES SINE LINEA   Diese Äußerung wird Apelles zugeschrieben, dem berühmten Maler
der griechischen Antike. So oder ähnlich lauten viele Appelle von Künstlern, die
das Zeichnen als Königsdisziplin betrachten und empfehlen, keinen Tag ohne
Zeichnen verstreichen zu lassen. »Zeichne, Antonio, zeichne, und verliere keine
Zeit«, schrieb Michelangelo auf ein Blatt seines Schülers. Die
aufgewendete Zeit für das Zeichnen steht in unmittelbarem
Zusammenhang mit den Fortschritten, die man auf diese
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Weise erzielen kann. Musiker - exl37162862-3864917204
wissen das. Ohne Übung ist -
Begabung nichts wert. Eine Viertelstunde pro Tag ein paar
­Linien zu zeichnen, ist ein guter Anfang. Schenken Sie Ihrer Freu­

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de am Zeichnen Zeit!
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ALLES ZEICHNEN IST GUT, ALLES ZEICHNEN IST BESSER   Adolph Menzel (1815 – 1905), von
dem dieser Ausspruch überliefert ist, war ein unablässiger Alleszeichner. Über
6000 Zeichnungen, 77 Skizzenbücher und Hefte hat er hinterlassen. Kein Ge­
genstand erschien ihm zu banal. Er skizzierte, was ihm unter die Augen kam:
den Kamm seiner Köchin Lina, Hochräder, den Rockschoß des Kutschers auf
­einer Fahrt nach Dresden, Schnaken, selbst eine Klobürste findet sich in seinen
Skizzenbüchern. Wie Menzel war Horst Janssen (1929–1995) ein obsessiver
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Zeichner, den alles interessierte. - exl37162862-3864917204
Sein wunderbares Buch »Nature Morte« ist -

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eine Aufforderung, nicht umständlich nach geeigneten Motiven zu suchen, son­
dern das zu zeichnen, was sich in unmittelbarer Nähe anbietet.
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HALTEN SIE IHREN STIFT SO?   Obacht! Das könnte einer der Gründe sein, weshalb Ihre Zeich­
nungen steif und wenig spontan wirken. Ich weiß, man kann sich eine in Jahren
erworbene Haltung nicht sofort abgewöhnen. Aber versuchen Sie trotzdem,
den Stift so zu halten, als ob er Ihnen jederzeit aus der Hand fallen könnte. Dicke
und schwere Zeichengeräte helfen Ihnen dabei. Sie geben schon mit geringem
Druck, fast allein durch ihr Gewicht, Farbe ab. Und legen Sie beim Zeichnen den
Handballen nicht auf. Belassen Sie allenfalls den kleinen Finger als Stütze und
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Führung auf dem Papier. Noch besser ist- es,
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gelegentlich aufrecht stehend an -
der Staffelei zu zeichnen. Dies alles fördert ausdrucksstarkes Zeichnen und trai­
niert ganz nebenbei die Motorik Ihrer Hand.
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VON ANFANG AN DIE RICHTIGEN MITTEL   Klar, alles was Tinte, Grafit, Kohle oder sonst eine
Farbe annimmt, ist als Träger einer Zeichnung geeignet. Picasso hat es vorge­
macht. Angeblich soll er auf Tischtüchern gezeichnet haben. Trotzdem, die Qua­

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lität einer Zeichnung hängt auch von der Qualität der Materialien ab. Zu dünne
Papiere, brechende Bleistifte, stumpfe Spitzer, trockene Filzstifte, instabile Un­
terlagen oder schmierende Radiergummis können arg frustrieren. Skizzen­
bücher, die nach kurzer Zeit zerfleddern, sind ein Ärgernis. Auf die Lichtechtheit
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von Papier, Stiften und Farben sollten Sie- achten,
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wenn Sie Arbeiten verkaufen -
oder verschenken. Es ist peinlich, nach ein paar Jahren eine Arbeit unter die
Nase gehalten zu bekommen, deren Papier eine andere Farbe angenommen hat
oder auf der die Zeichnung wie eine Geheimschrift verschwunden ist. Es wäre
doch schade, wenn eine schöne Zeichnung der Nachwelt nicht erhalten bliebe.
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DER SPRINTER   Dass Tintenroller prima Zeichengeräte sind, haben die Hersteller noch gar
nicht begriffen. In der Werbung jedenfalls werden sie fast ausschließlich als
Schreibgeräte bezeichnet. Dabei ist der auch »roller ball pen« genannte Stift
durch den gleichmäßigen Tintenfluss für spontanes Zeichnen geradezu ideal.
Mit einem guten Tintenroller können Sie lange Striche ziehen, ohne dass die
­Linie stottert. Ein anderer Vorteil ist, dass die Tinte schnell trocknet, was ihn
zum idealen Stift für das Skizzenbuch macht. Die Strichstärken beginnen bei
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0,2 mm. Auf kleinem Papierformat kann -die
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sehr dünne Kugelspitze ein filigra­ -
nes Liniengespinst zaubern. Die 0,7 mm breite Mine braucht größere Flächen
und ist für einen klaren linearen Zeichenstil gut geeignet. Ich verwende über­
wiegend Minen der Stärke 0,5 mm, weil ich damit auf unterschiedlich großen
Formaten zeichnen kann.
Die Nachteile des Tintenrollers will ich nicht verschweigen: Die Linien sind im­
mer gleich dick, was im Vergleich zur Metallfeder ziemlich langweilig wirkt.
­Achtung: Die Kugelspitze braucht eine gute Behandlung. Ein leichter Stoß kann
das komplizierte Kugelgehäuse zerstören und die Tinte zum Auslaufen bringen.
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ZEICHNEN IN EINEM ZUG   Wenn Sie sich nicht trauen, im Zugabteil ein direktes Gegenüber
zu zeichnen, können Sie schlafende oder in der nächsten Reihe sitzende Mitfah­
rer von der Seite oder durch einen Spalt zwischen den Sitzreihen aufs Papier
bringen. Gut möglich, dass man Sie mal entdeckt. Mit einem freundlichen
­Lächeln ist die Irritation des »Modells« meist aus der Welt geschafft. Fotografen
machen es ebenso. Aufenthalte des Zugs in Bahnhöfen sind prima geeignet für
ein paar schnelle Skizzen der draußen Wartenden.
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Am besten gelingen solche transid - exl37162862-3864917204
mit einem schwergewichtigen Tintenroller. -
Sein Strich ist grafisch klar und reagiert mit wenig Druck. Das ist dann wichtig,

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wenn Sie rasch Personen zeichnen möchten, die sich bewegen.
Wenn Sie in ein paar Jahren Ihr Skizzenbuch wieder in die Hand nehmen und
sich die Zeichnungen der Fahrgäste anschauen, werden Sie froh sein, wenn Sie
sich auch die Fahrtstrecke, die Uhrzeit und den Zugtyp notiert haben. Das hilft
Ihnen, sich an mehr zu erinnern, als Sie in der Zeichnung untergebracht haben.
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WIEDERHOLEN SIE SICH!   Sollten Sie ein Instrument spielen, dann ist Ihnen dies vertraut: No­
ten, die Sie einstudieren möchten, würden Sie nach den ersten Misstönen nicht
beiseitelegen und es dann mit einem anderen Musikstück versuchen. Sie wür­

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den es vermutlich so lange spielen, bis Sie es beherrschen.
Nichts anderes kann ich Ihnen raten, wenn Sie ein Objekt zeichnen möchten.
Geben Sie nach den ersten Versuchen nicht auf. Sie werden sehen, mit jeder
Skizze wird Ihnen Ihr Motiv zunehmend vertrauter. Dabei wird Ihnen nicht jeder
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neue Versuch besser gefallen - exl37162862-3864917204
als der erste. Das ist normal. Hängen Sie den ers­ -
ten Versuch in Sichtweite auf und den neuesten daneben. So behalten Sie im
Blick, was sich verändert hat. Nach ein paar Dutzend Zeichnungen ist der Fort­
schritt sichtbar. Versprochen!
Extratipp für Studienbewerber: Das »Festbeißen« an einem Objekt, das Sie in
immer neuen Variationen »durchdeklinieren«, kommt bei Mappenprüfern an
den Hochschulen gut an! Siehe auch Tipp 107.
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ZEICHNEN AUF RÄDERN   Es ist viel intelligenter, sich fahren zu lassen. Dieser Satz eines Kolle­

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gen fällt mir oft ein, wenn ich mich ans Steuer setze. Sicher ist: Viele Zeichnun­
gen wären entstanden, hätte ich mich entspannt mit einem Skizzenbuch auf
den Rücksitz gesetzt. Nach Jahren würde ich sehen, wer mich von A nach B ge­
fahren hat oder was rechts und links der Straße passiert ist.
Stefan Gelbergs Zeichnung entstand während einer Busfahrt in der Türkei. Er
wird sich an die vorne sitzenden Männer erinnern, ihre Stimmen hören oder
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noch wissen, welche Farben - exl37162862-3864917204
deren Jacketts hatten. Nicht unwahrscheinlich, dass -
er noch weiß, wie die Frau an der Straße aussah, die er mit vier Strichen festhielt.
Übertrieben? Sicher nicht, denn Zeichnen ist wie ein Marker, der Wahrnehmun­
gen im Gehirn fixiert. Sie werden dort so lange gespeichert, bis das Skizzenbuch
wieder in die Hand genommen wird. Seien Sie klug. Lassen Sie sich fahren.
Zeichnen Sie im Auto. Es schüttelt zu sehr? Richtig! Aber das ist das Gute daran.
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DURCHBLICKE   Daumen und Zeigefinger beider Hände formen ein Viereck. Die Öffnung be­
stimmt den Ausschnitt eines Motivs. Praktischer ist ein Papprahmen mit den
Proportionen des Zeichenpapiers oder zwei ineinander verschiebbare Winkel,
die man sich in geeignetem Abstand vor die Augen hält. Das sind die traditionel­
len Hilfsmittel, mit denen sich Bildausschnitte ungefähr bestimmen lassen.

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Doch festhalten kann man die gewählten Ausschnitte nicht. Mit Digitalkameras
funktioniert das ganz einfach. Variationen lassen sich abspeichern und verglei­
chen. Die beste Lösung wird offensichtlich. Und: Mit einer digitalen Kamera und
deren rahmenbetontem Display können Sie Ihr Gespür für gute Bildschnitte

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überall trainieren. Sie ist sowieso immer dabei. Siehe auch Tipp 10, 54 und 59.
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GEDÄCHTNISSPUR   Der Fotograf Saul Leiter (1923 – 2013) fasziniert durch einen sensiblen
Blick auf das New Yorker Straßenleben. In mutigen Ausschnitten zeigt er ein
außergewöhnlich sicheres Gespür für aufregende Kompositionen. Seine poeti­
schen Farbfotos, die an japanische Holzschnitte erinnern, sind die attraktivsten
und deren Farben wichtige Bestandteile der Komposition.
Es ist interessant, Leiters Farbfotos versuchsweise auf Grauwerte zu reduzieren.
Auf diese Weise wird noch deutlicher, welch kompositorische Sicherheit dieser
- orderid - exl37162862-3864917204 - Flächen-
Fotograf hatte. Spannende transid und- Hell-Dunkel-Kontraste,
exl37162862-3864917204 in den Raum -
fluchtende Perspektiven, vergitterte Vordergründe, vielschichtige, kulissenartig
aufgebaute Durchblicke – am liebsten mittels beschlagener Scheiben – waren
die Stilmittel, die er virtuos und spontan (!) einsetzen konnte.
Nehmen Sie doch beim nächsten Besuch einer Fotoausstellung ein Skizzenbuch
mit. Versuchen Sie kompositorisch interessante Fotos mit raschen Skizzen zu
analysieren. Sie werden die Bildideen guter Fotografie verstehen lernen. Mehr
noch: Sie werden überrascht sein, was Sie dabei entdecken. Sie legen in Ihrem
Gedächtnis eine Spur, die Ihnen den Weg weist für spannende Bildgestaltun­
gen. Ob gezeichnet oder fotografiert. Siehe Tipp 9, 54 und 59.
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WIE EIN FÄCHER   Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dem langweiligen Viereck eine Bild­
spannung zu verpassen. Runde Motivanteile bilden einen Gegensatz zur Gestal­
tungsfläche. Unterschiedlich große Flächen beleben das Bildformat. Hell-Dun­
kel-Kontraste geben Zeichnungen eine starke Wirkung, die das dröge Viereck
des Bildformats vergessen lassen. Zu den wirksamsten gehören die Diagonalen,
besonders dann, wenn sie in unterschiedlicher Länge ein Motiv ausbalancieren.
Eine Variation diagonaler Gestaltung ist
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die Auffächerung von Bildteilen. Nimmt - exl37162862-3864917204 -
man den Ausschnitt eines Baums, er­
reicht man, dass die aus verschiedenen
Richtungen kommenden Diagonalen an
den Außenkanten des Bildformats an­
docken und so das Motiv zusammen­
halten. In einem Skizzenbuch trägt die
Auffächerung zum Zusammenhalt der
beiden Seiten bei.
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EIN DAUERBRENNER   Dass die Mine des Bleistifts nicht aus giftigem Metall besteht, hat sich
herumgesprochen. In Wirklichkeit besteht der Stift aus dem Mineral Grafit, dem
Tone und Bindemittel zugefügt werden. Je geringer der Tonanteil ist, desto wei­
cher der Bleistift. Mit dem Härtegrad 9B nutzen Sie das große Spektrum von
Tonwerten, von zartem Grau bis zu fast schwarzem Anthrazit.
Sehr weiche Bleistifte haben eine unmittelbare Auswirkung auf den Charakter
jeder einzelnen Linie. Ein harter Bleistift benötigt weit mehr Druck als ein wei­
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cher, der mit lockerer Hand- geführt
transid - exl37162862-3864917204
werden kann. Man könnte meinen, dass ein -
weicher, dicker Bleistift große Formate braucht. Ich habe die Erfahrung gemacht,
dass die Vollgrafitstifte oder Jumbos in einem Mini­skizzenbuch zur reizvollen
Beschränkung zwingen. Siehe auch Tipp 14.

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SCHUMMERN VERBOTEN!   Haben Sie das im Kunstunterricht oder in einem Zeichenkurs


nicht auch schon zu hören bekommen? Tatsächlich ist das Verwischen vor al­
lem von Grafit ziemlich verpönt. Richtig ist, dass geschummerte Zeichnungen
wie weichgespült aussehen, weil dadurch die Linien der Zeichnung verschwin­
den. Die Verwendung eines Papierwischers (Estompe) ist dann sinnvoll, wenn
zarte Übergänge zwischen den Tonwerten beabsichtigt sind – zum Beispiel bei
dem blühenden Rhabarber links. Wenn Sie eine Bleistiftzeichnung
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schummern- wollen,
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funktioniert es am besten mit den Grafit­ -
sorten 8 oder 9B. Um die Arbeit wieder zu einer Zeichnung zu

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machen, können über die weiche Tonfläche erneut eine Schraf­
furschicht oder einzelne Linien gezogen werden.
Die Estompen bestehen aus gewickeltem Löschpapier. Es gibt sie von 6 bis
16 mm Durchmesser. Mit der »Schummernudel« lassen sich auch Pastellkrei­
den und Kohle verreiben. Das Spitzen des Papierwischers funktioniert mit
Schmirgelpapier einigermaßen zufriedenstellend.
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KL ASSIKER-UPDATE   Diese Bleistifte nennen sich Graphite Aquarelle, Graphitint, sie sind
­medium wash oder very soft und haben meist einen brush aufgedruckt – das
Symbol dafür, dass sie mit Wasser vermalbar sind. Dem normalerweise wasser­
festen Gemisch aus Grafit, Tonen und ölartigen Bindemitteln ist ein Emulgator
zugesetzt, der die Minen und Vollgrafitstifte wasserlöslich macht. Je nach Re­
zeptur und Grafitanteil ist der Grauwert silbrig-hell oder nahezu schwarz. Sehr
ergiebig sind Stifte, denen ein Kreideanteil beigemischt ist.
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250 Gramm schwer ist ein-hand
transid - exl37162862-3864917204
made water-soluble graphite stick einer portu­ -
giesischen Manufaktur, der zu experimentellem Zeichnen einlädt. Interessant
ist das Vermalen (Lavieren) mit einem kaum feuchten Borstenpinsel. Wird Pa­
pier mit klarem Wasser überstrichen und danach in die feuchte Fläche mit dem
Graphite Aquarelle gezeichnet, entstehen weitere reizvolle Effekte. Wenn Ihre
Zeichnung dunkler oder plastischer werden soll oder Sie mit Hilfe einer feinen
Lavur einen Kontrast zu den Linien suchen, dann sind vermalbare Bleistifte ge­
nau das Richtige. Siehe auch Tipp 12.
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FÜR SPONTANE   Ein Modell, dicke Ölkreide, Bister, glattes Papier DIN A4, ein Glas Wasser, Lap­

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pen und breite Borstenpinsel. Das ist alles, was Sie brauchen. Bister ist eine aus
Holzasche gewonnene Tusche, deren Farbton sich je nach Holzart unterschei­
det. Die Rußtinte ist als Granulat zum Anrühren oder fertig zubereitet erhält­
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lich. - transid - exl37162862-3864917204 -
Lassen Sie die Hand Ihres Modells verschiedene Haltungen einnehmen. Schnel­
le Positionswechsel der Hand zwingen Sie zum raschen Zeichnen mit der Ölkrei­
de. Spontaneität hat Vorrang vor Richtigkeit.
Die unhandliche Ölkreide ist für präzises Zeichnen ohnehin nicht geeignet. Mit
der Rußtinte und dem Pinsel färben Sie nun rasch die dafür vorgesehenen Flä­
chen ein. Ein leicht angefeuchteter Borstenpinsel erzeugt eine reizvolle
Struktur. Verwenden Sie zudem glattes Papier, gelingt das Abperlen
der Tusche von der Ölkreidezeichnung am besten.
Siehe auch Tipp 32.
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NACHHER – VORHER   Tagesanbruch im Süden Kretas. Vom Balkon des Hotels aus zeichnete
ich einen Teil des nahen Dorfes. Die Sonne löste sich schnell vom Horizont und
tauchte die weißen Gebäude in ein zartes Rosa, während der Himmel immer
noch eine nachtblaue Farbe hatte. So ist meine Erinnerung an diesen Morgen.
Als ich zuhause das Skizzenbuch wieder in die Hand nahm, fiel mir auf, dass die
Stimmung der Zeichnung nicht mit meiner Erinnerung übereinstimmte. Die
Häuser stehen kontrastlos vor einem hellen Hintergrund. Die Tageszeit könnte
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man allenfalls anhand einiger - exl37162862-3864917204
Schattenflächen erahnen. -
So kam ich auf die Idee, dem Himmel mittels Schraffuren einen
Tonwert zu geben, dessen Dichte von rechts nach links zunimmt.
Auf diese Weise bekamen die Gebäude das nötige Licht. Der Ver­

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gleich demonstriert, welche Wirkung sich mit unterschiedlichen
Tonwerten erzielen lässt. Siehe auch Tipp 17.
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SCHATTEN MACHEN LICHT   Das Licht auf der überhängenden Weide an einem Altrheinarm
kam erst zur Wirkung, als ich den Tonwert des Wassers gezeichnet habe. Auf
weißem Papier ist dies die einzige Möglichkeit, etwas zum Leuchten zu bringen.
Schatten können noch viel mehr: Gerundet helfen sie, Stamm und Äste drei­
dimensional erscheinen zu lassen. Je nachdem, ob die Schattenflächen nach
oben oder nach unten gebogen sind, zeigen sie die Richtung an, nach der sich
die Äste strecken. Außerdem: je dunkler der Tonwert, je heller das Licht.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Zum dreidimensionalen Raum - exl37162862-3864917204
wird ein Zeichenpapier allein durch das Hinzufü­ -
gen eines Schattenflecks. Hier sind es Insekten, die auf einer Fläche des Papiers
krabbeln. Eine außerhalb des Papiers befindliche Lichtquelle strahlt sie an.
Ich rate Ihnen, diesen Effekt immer dann zu suchen, wenn Ihnen Atmosphäre in
Ihren Arbeiten wichtig ist. Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Tonwer­
ten. Wenn Sie Sorge haben, dass Sie eine Arbeit verderben könnten, kopieren Sie
diese und probieren Sie die Wirkung noch dunklerer Schatten dort aus. Das
macht Sie bei der nächsten Originalzeichnung mutiger. Siehe auch Tipp 16.
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KEINE ANGST VOR MASCHINEN!   Diese Arbeiten sind keine technischen Zeichnungen. Sie
entstanden freihändig und können gelingen, wenn Sie einige Tipps beherzigen:
Verwenden Sie kein Lineal und keinen Bleistift, sondern Stifte, die das Radieren
unmöglich machen. Versuchen Sie jede Linie einzeln stehen zu lassen, ohne sie
durch weitere korrigieren zu wollen. Ärgern Sie sich nicht,
wenn sie krumm aussehen. Vermeiden Sie, komplette Ma­
schinen zeichnen zu wollen.
- orderid - exl37162862-3864917204 - Teile
Zeichnen Sie die vordersten transid - exl37162862-3864917204
des Objekts zuerst. Achten -
Sie darauf, wie flach die Ovale sind. Zeichnen sie deren
­Schmalseite nie spitz, sondern immer rund. Sollten Sie Pro­
bleme mit der Perspektive haben, zeichnen Sie trotzdem weiter. Wenn die Teile
mit der Zeit nicht mehr zusammenpassen wollen, dann machen Sie sie pas­
send. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Maschine so niemals funktionie­
ren könnte, ist das nicht schlimm. Ihre Zeichnung muss funktionieren.
Grafisch attraktiv werden solche Zeichnungen, wenn Sie Linien und Flächen
miteinander kombinieren, Negativflächen schwärzen und unterschiedlich helle
Tonwerte mit Strukturen schaffen.
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INS LICHT GESETZT   In Aktzeichengruppen herrscht eine fast andächtige Stille und
konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Jede Unruhe wirkt sich negativ auf
die Zeichnungen aus. Wie beim Porträtieren sind die Erwartungen an
die Ergebnisse sehr hoch. Vieles will gleichzeitig beherrscht sein. Na­
türlich möchte sich das Modell in der Zeichnung wiedererkennen. Die
Proportionen sollten stimmen und die Verkürzungen richtig gesehen
werden. Rippen und Wirbelsäule können zum Verzweifeln schwierig
- orderid - exl37162862-3864917204
sein. Außerdem will man -Hände
transid - exl37162862-3864917204
und Füße nicht immer verstecken. -
Dazu kommen die Erwartungen in Bezug auf einen ausdrucksstarken
und spontanen Zeichenstil. Und das alles in wenigen Minuten! Mein
Rat: Schließen Sie sich einer Aktzeichengruppe an. Kein anderes Zeich­
nen ist so lehrreich!
Hier ist eine Anregung, wie man einen Akt ins Licht stellen kann. Nach
ein paar »Hilfslinien«, die den Umrissen des Körpers folgen, können
Sie eine Negativfläche als Hintergrund einzeichnen. Wie wenig Binnenzeich­
nung dann noch nötig ist, entscheiden Sie selbst. Viel ist es nicht, wie Sie sehen.
Siehe auch Tipp 95 und 96.

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KONTERFEI   Winzige Details entscheiden darüber, ob ein Porträt dem Modell entspricht oder
nicht. Dabei ist es gleichgültig, ob es in einem altmeisterlichen Stil, nur mit ein
paar Strichen oder als Karikatur gezeichnet wurde. Um zu verhindern, dass Ge­
sichter stereotype Nasen, Lippen oder Augen bekommen, empfehle ich Ihnen,
viele unterschiedliche Gesichter zu zeichnen. Dabei prägen sich markante Un­
terschiede ein – Brillen und Frisuren eingeschlossen.
Hinweise zu den Maßverhältnissen des menschlichen Kopfs
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
bekommen Sie in einem speziellen - exl37162862-3864917204
Zeichenkurs. Von Kur­ -
sen, die Fotos als Vorlagen anbieten, rate ich Ihnen ab. Ein
gutes Fachbuch vermag die »Lehrzeit« abzukürzen. Doch
es kann das Studium direkt vor dem Modell nicht ersetzen.
Wie beim Aktzeichnen auch hilft nur ständiges Training und
der Wille, sich von Schwierigkeiten nicht abschrecken zu lassen.
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NAHELIEGEND   Ich vermute, dass es vielen Zeichnern so geht: Die Zeichnung einer Person ist
im Großen und Ganzen gelungen. Doch Hände und Füße: eine einzige Katastro­
phe! Das Glücksgefühl ist groß, wenn hin und wieder die komplette Zeichnung
perfekt, wie aus einem Guß erscheint.
Rainer Lieser, von dem die Zeichnungen auf diesen Seiten stammen, scheint sol­
che Probleme nicht zu kennen. Mit dem Tuschefüller erfasst er schwierigste Ob­
jekte mit gutem Auge für die Proportionen und leichthändig gezogenen Linien.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Ein Naturtalent? Ja, aber sein - exl37162862-3864917204
Können basiert auch auf enormem Fleiß. Tausen­ -
de Zeichnungen füllen großformatige Skizzenblöcke, mit denen er das private
Umfeld, seine Studienzeit und die Stadt Mainz dokumentierte. Seine Zeichnun­
gen wirken wie ein Appell: Authentisch bleiben! Zeichnen, was naheliegt.
Schauen Sie sich um!

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MERKHILFE   Wenn Sie das nächste Mal in einen Vortrag gehen, eine Autorenlesung besu­
chen, an einer nicht ganz so spannenden Stadtratsitzung, Bürgerversammlung
oder Lehrerkonferenz teilnehmen, bringen Sie Ihr Skizzenbuch mit und zeichnen
Sie Redner und Zuhörer. Werden in einer kunsthistorischen Vorlesung Bilder
projiziert, ist genug Zeit für ein paar schnelle Skizzen. Mit einem Tintenroller
oder einem anderen, der Hand rasch folgenden Stift, geht es am
besten. Das macht Spaß, und mit schriftlichen Notizen ver­
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
bunden sind solche Skizzen - exl37162862-3864917204 -
eine prima Gedankenstüt­
ze und originell obendrein! Für dunkle Räume gibt es
Kugelschreiber mit einem LED -Licht an der Spitze!
Der leuchtet Ihnen auch im Theater oder in einem
Konzert. Im Übrigen können Sie in einem ab­
gedunkelten Raum auch »blind« zeich­
nen. Siehe Tipp 37 und 38.
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RINDVIECHER   sind seit Jahrtausenden attraktive Motive für Maler, Zeichner und Bildhauer.
Denken Sie an die Höhlenmalereien in Altamira, an die Viehdarstellungen des
Holländers Paul Potter, des deutschen Impressionisten Heinrich von Zügel oder
an die Radierungen über den Stierkampf von Pablo Picasso.
Die kompakte Form zeigt sich am schönsten, wenn sie wiederkäuend liegen.
Mit halb geschlossenen Augen erfassen Sie die große Form. Beobachten Sie den
Wechsel zwischen konkaven und konvexen Konturen. Vermeiden Sie Bündelun­
- orderid - exl37162862-3864917204
gen von Linien. Es braucht-ein
transid - exl37162862-3864917204
paar Skizzen, bis man mit ihrer Körperform ver­ -
traut ist. Um die Form von innen heraus zu begreifen – über das Studium von
Skelett und Muskelaufbau –, hilft ein gutes Fachbuch. Doch das unmittelbare
Studium auf der Weide ersetzt es nicht. Mit jeder neuen Skizze verbessern sich
die Kenntnisse über die anatomischen Fakten. Detailstudien gehören dazu.
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WILDLIFE GANZ NAH   Zeichnen Sie die harmlosen Mauerbienen, wenn sie sich im Frühjahr
an einem Loch in der Hauswand zu schaffen machen. Es ist hochinteressant,
was dann im Laufe des Jahres weiter passiert. Einem schwarzen Waldmistkäfer
könnten Sie kurzzeitig die Freiheit rauben und ihn skizzieren. Auch die tote Flie­
ge, die Sie im Haus finden, eignet sich für ein paar Studien. Zoo ist überall! Und
kostet keinen Eintritt. Nehmen Sie eine Lupe zur Hilfe und entdecken Sie Details
bei Insektenbeinen, die Sie mit bloßem Auge nicht sehen würden. Ihre Konstruk­
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
tion ist immer dieselbe, aber die Formen -sind
exl37162862-3864917204
äußerst variabel. Es sind Wunder­ -
werke der Biomechanik und optische Leckerbissen für Zeichner. Skizzieren Sie
die Details – übergroß. Nehmen Sie zuerst einen Bleistift. Wenn Sie mit den Ein­
zelheiten besser vertraut sind, ist ein Tintenroller oder eine Tuschefeder das
richtige Instrument. Mit einiger Übung können Sie Insekten aus dem Gedächt­
nis skizzieren. Zeichnen Sie diese mit Kindern. So lernen sie, was ein Tarsus ist,
dass eine Schwebfliege keine Wespe und die nützliche Spinne kein Insekt ist.
Siehe auch Tipp 87.
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WENIGER IST MEHR   Was ist dran an diesem oft bemühten Kriterium für die Beurteilung von
Zeichnungen? Die Antwort ist nicht einfach, weil die Faszination, die von Zeich­
nungen ausgehen kann, – grob eingeteilt – sich aus zwei Quellen speist.
Zeichnern, die mit detailreicher Präzision Wirklichkeit darzustellen vermögen,
ist Bewunderung immer sicher. Ist es deswegen bloßes Handwerk? Wäre dem
so, müsste man die Arbeiten manch berühmter Künstler als erlernbar betrach­

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ten. Ich erinnere an die »Betenden Hände« von Albrecht Dürer.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Bewundert wird, wer scheinbar mühelos,-ohne
exl37162862-3864917204
großen Aufwand, wie auf Zuruf -
und nur mit ein paar Linien etwas darzustellen vermag. Erkennbare Leichtigkeit,
Mut, Sicherheit und jahrzehntelange Zeichenpraxis führen zu dem, was viele
als »gekonnt« bezeichnen. Glück hat, wer ein gutes visuelles Gedächtnis besitzt.
Wenn sich diese Fähigkeiten bündeln, kommt das zustande, was man land­
läufig »angeborenes Talent« nennt – eine ideale Voraussetzung, Motiven mit
minimalem Aufwand einen maximalen Ausdruck zu verleihen.
Was fasziniert Sie an Zeichnungen, welche lassen Sie gleichgültig? Schärfen Sie
Ihr Urteilsvermögen, indem Sie so viele wie möglich betrachten. Das hat unmit­
telbar Auswirkungen auf Ihre Arbeit und jede einzelne Zeichnung.
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OFFENHEIT UND DICHTE   Dies sind Zeichnungen, die in Südengland entstanden sind. Ge­
zeichnet habe ich mit einem sehr feinen Tintenroller auf einem stark holzhalti­
gen Papier, das ein Buchbinder für mich zu einem Skizzenbuch verarbeitet hat.

- orderid - exl37162862-3864917204 - transid - exl37162862-3864917204 -

Mit diesen Skizzen möchte ich Sie auf Tonwerte hinweisen, die allein mit Li­

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nien entstehen. Mit Parallelschraffuren lassen sich Flächen sehr rasch dunkler
zeichnen. Mehr Konzentration erfordern Strukturen, die als Kürzel zum Beispiel
Laub andeuten. Interessant ist der Effekt, der entsteht, wenn helle Bildteile mit
sehr dichten Strichlagen oder Strukturen eingefasst werden. Diese können hel­
ler erscheinen als der blanke Papierton. Probieren Sie es aus!
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VOR ORT UNMITTELBAR   Warum sich quälen? Schnell ein Foto machen. Das aufgewühlte
Meer hält still. So lässt es sich bequem abzeichnen. Oder kann ich Sie herausfor­
dern, sich diesem irrsinnigen Zeichenthema zu stellen? Der wichtigste Grund,
weshalb Sie es versuchen sollten, ist die Erfahrung, dass sich jeder Strich, jedes
Detail der Zeichnung mit allem verbindet, was um Sie herum geschieht. Wenn
Sie sich ein paar Stunden zeichnend mit diesem Gewoge beschäftigen, werden

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Sie noch in Jahren das herandonnernde Wasser und die Schreie der Möwen hö­
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
ren, die salzige Luft riechen - exl37162862-3864917204
oder noch wissen, wie warm es war. Wenn Sie zu­ -
hause ein in Sekunden gemachtes Foto wieder in eine zweidimensionale Zeich­
nung übertragen, wird Ihnen dieser Gesamteindruck fehlen.
Vor Ort werden Ihnen Bilder gelingen, auch wenn sie unvoll­
kommen sind. Zeichnen Sie nach Fotos, werden Sie sich dar­
auf konzentrieren, die Ästhetik des Fotos zu kopieren. Ein
technischer Vorgang, der nur abbildet. Mehr ist es nicht.
Siehe auch Tipp 42.
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ZEICHNEN VON ZEICHEN   Die geschriebene Handschrift ist die »Verflüssigung« abstrakter
Schrifttypen – zweifellos eine Art des Zeichnens. Andererseits ist Zeichnen eine
Art Schreiben von Zeichen. Kürzel, die zum Beispiel für die Beschreibung einer
Blattstruktur oder für die Rinde eines Baums gefunden werden müssen, sind
nichts anderes als summarisch zusammengefügte einzelne Bildzeichen, die, je
nach Abstraktionsgrad, mehr oder weniger leicht zu entziffern sind.

- orderid - exl37162862-3864917204 - transid - exl37162862-3864917204 -

Die Handschrift eines geübten Zeichners ist an den flüssig gezeichneten Struk­
turen zu erkennen. Erfinden und Schreiben von zweckfreien Zeichen, schnelles

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Aneinanderreihen oder das Ineinanderschreiben von Wörtern fördert die Ent­
wicklung eines überzeugenden und individuellen Zeichenstils. Pinselschreiber,
Farbstifte, Tintenroller oder Kugelschreiber – jedes Schreibgerät ist geeignet.
Siehe auch Tipp 29, 74 und 105.
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NATUR KOPIEREN?   Zeichner sind Sammler. Sie sind aufmerksame Beobachter und zeichnen,

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lange bevor sie den Stift in die Hand nehmen. Zeichner lieben schön strukturier­
te Dinge, die sie herausfordern, und überlegen, wie sie diese zeichnen würden.
Welche Formensprache benötigt das Blätterdach eines Ahorns, welches Kürzel
braucht es für eine Wiese, wie kann man einen Felsen aus Kalkstein charakteri­
sieren oder wie übersetzt man bewegtes Wasser zeichnerisch so, dass jeder Be­
trachter die Zeichnung entziffern kann? Das ist angesichts der aberwitzigen
- orderid - exl37162862-3864917204
Vielfalt von Dingen, die die-sichtbare
transid Welt- Zeichnern
exl37162862-3864917204
anbietet, nicht einfach. -
Die wichtigste Aufgabe besteht darin zu versuchen, den Dingen ihren eigenen
Charakter zu geben. Jede noch so große Bemühung um eine Kopie von Natur
muss scheitern. Selbst die präziseste Nachahmung ist schon der Beginn einer
Abstraktion der Wirklichkeit. Die Herausforderung ist, mit geringsten Mitteln
Strukturen so zu zeichnen, dass sie dennoch »gelesen« werden können.
Schauen Sie sich um. Beginnen Sie mit alltäglichen Gegenständen. Oder brin­
gen Sie etwas mit von Ihrem Spaziergang und legen Sie los.
Siehe auch Tipp 28, 74 und 105.
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ZEICHNEN WIE GEDRUCKT   Die wie eine Rötelzeichnung anmutende Zeichnung ist weder
mit Rötel noch auf einem Blatt Papier entstanden! Der gesamte Vorgang des
Zeichnens geschah mit Hilfe eines Zeichenprogramms auf einem digitalen Zei­
chenbrett. Zwei Techniken sind zu unterscheiden. Bei der einen zeichnet man
mit einem digitalen Stift auf dem Tablett so, dass nicht dort, sondern auf dem
Bildschirm die Zeichnung erscheint. Die andere Methode vereint Tablett und
Screen, wie man das vom Zeichnen mit Fingern auf einem Smartphone kennt.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Gute digitale Zeichenprogramme bieten-eine
exl37162862-3864917204
Unmenge verschiedener Spitzen -
an, die ziemlich perfekt sämtliche traditionellen Zeichen- und Malwerkzeuge
simulieren. Außerdem lassen sich in unbegrenzter Anzahl und Variationen Far­
ben und Papierstrukturen erzeugen. Es ist sogar möglich, eigene digitale Spit­
zen herzustellen, mit denen die Zeichnung angefertigt werden kann. So ist das
in der hervorragenden Arbeit mit der Kakaopflanze von Mart Klein und Miriam
Migliazzi geschehen. Darüber hinaus sind dreidimensionale Aufnahmen von
Kakaopulver in die Zeichnung integriert.Dies ist nicht die Zukunft. Das ist schon
die Realität in den Ateliers vieler Illus­tratoren und Zeichner.

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ALLES, WAS ZEICHNET   ist ein Zeichengerät. Es gibt nichts, was Sie nicht mal ausprobieren
könnten. Also, wie wäre es mit Pipetten und Ähnlichem, das mit dem Deckel
eines Farbbehältnisses verbunden ist. Hier ist es ein Pinsel, der ein Stempelkis­
sen mit frischer Farbe bestreicht, und ein spitzes Röhrchen, das Flüssigkeit in
einem Tuscheglas aufnehmen kann. Das Dritte ist eine normale Pipette, die
man als Zeichner hin und wieder benutzt. Jedes dieser sonderbaren Zeichenge­
räte erzeugt eine jeweils andere Art von Linien. Ihnen gemeinsam ist, dass die
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Farbabgabe schwer zu kontrollieren - exl37162862-3864917204
ist und dass die Linien leicht ineinanderlau­ -
fen. Das ist aber genau der Reiz dieser Technik, die Sie am Beispiel vieler Motive

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ausprobieren können. Mit ein wenig Übung finden Sie schnell heraus, wie feine
Linien entstehen oder wann fleckartige angebracht sind.
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ANREGENDES BISTER   Ein Stück altes Holz, ein wenig Grünzeug und ein Gläschen Bister. Das
ist alles, was Sie für dieses Zeichenexperiment benötigen. Die Strukturen des
Holzes geben Ihnen die Inspiration für den Versuch. Die Pflanze als kaum zu
kontrollierendes Zeicheninstrument verhindert, dass Sie sich allzu sehr mit De­
tails beschäftigen. Die Tusche bietet ein reiches Spektrum an wunderschönen
Brauntönen. Siehe auch Tipp 15.

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ZEICHNE MIR EIN SCHAF   fordert eine Stimme von Saint-Exupéry, als dieser in der Wüste auf­
wacht. Doch »der kleine Prinz« war mit keinem der Ergebnisse des notgelande­
ten Piloten zufrieden. Saint-Exupéry beschreibt eine Frustration vieler Erwach­
sener, die zeichnen wollen. Wie schwer sie sich tun, ist an den Linienbündeln zu
erkennen, die eine Kontur mehrfach wiederholen, bis die »ideale« Linie darin
verschwindet.
In Kinderzeichnungen sieht man diese »Wollfäden« selten. Sie sind mit klaren
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Linien gezeichnet. Mit Beginn - exl37162862-3864917204
der Pubertät und bei erwachsenen »Wiederan­ -
fängern« (63 Jahre, links) behindert der Anspruch auf Richtigkeit die ursprüng­

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liche Spontaneität. Die Erfahrung, dass sich zwischen Sehen und Können eine
Kluft auftut, vermag den Spaß am Zeichnen nachhaltig zu verderben.
Sollten Sie Wollfäden zeichnen, versuchen Sie Linien ohne
Korrektur stehen zu lassen. Dann sehen Sie, dass eine Zeich­
nung nicht nur deswegen gut ist, weil sie »richtig« ab­
bildet. Benjamin (5) und Linus (8) zeigen, dass es mit
Schafen auch so seine Richtigkeit haben kann.
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NIE ZU SPÄT!   Die früh einsetzende Fähigkeit von Kindern, ihre Eindrücke in knapper Form zu
illustrieren, ist erstaunlich. Sind Ihre Zeichnungen zudem originell, gut beobach­
tet und unbeeinflusst von Schablonen der auf sie einstürmenden Bilderflut, ist
dies ein Indiz für ihre Kreativität. Soll sie erhalten bleiben, können Eltern bei der
Auswahl von Bild- und Spielmaterial viel Gutes tun. Mit Beginn der Pubertät, der
kritischen Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt und der Hinwendung

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zu Vorbildern, geht manches an bildnerischer Eigenständigkeit verloren. Hier fällt
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
der Kunsterziehung eine wichtige - exl37162862-3864917204
Aufgabe zu. Ob sich die Förderung altersge­ -
recht an den Bedürfnissen der Heranwachsenden orientierte, spiegelt sich in Ar­
beiten von Erwachsenen, die sich an ihre kindliche Freude am Zeichnen und Ma­
len erinnern und deshalb Kurse besuchen. Da mittlerweile ihre Ansprüche in
Bezug auf eine »gute« Zeichnung gestiegen sind, tut sich oft eine Kluft zwischen
Wollen und Können auf. Die Verwunderung, dass Arbeiten wie von Kinderhand
aussehen, ist groß. Dass dies kein Drama sein muss, zeigt das Bild links. Mein Rat:
Nicht aufgeben! Durch eine intensive Sehschulung und durch konstantes Üben
lässt sich einiges zurückgewinnen und dazulernen. Übrigens: Die Baumzeich­
nungen stammen von Kindern zwischen drei und sieben Jahren.
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ERST MAL OHNE   Räumlichkeit ist mit hart eingrenzenden Linien schwierig zu erzeugen. So
umrandete Objekte können wie ausgeschnitten und aufgeklebt wirken. Wer ge­
wohnt ist, so zu zeichnen, und eine Zeit lang auf die einfassenden Linien ver­
zichtet, könnte überrascht sein, wie einfach sich Dreidimensionalität erzeugen
lässt. Am besten übt sich das mit einem weichen Bleistift. Natürlich entwirft
und sucht man mit Linien die Konturen der Objekte. Doch wenn die Linien ganz
ohne Druck und sehr hell gezeichnet werden, verschwinden sie in den danach
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eingefügten Tonwerten. Diese - exl37162862-3864917204
Helligkeitsabstufungen, auch Valeurs genannt, -
sollte man ausgiebig an einfachen Objekten trainieren. Ein kleiner Stein, rund –
noch besser kantig, ist ideal. Danach kann man räumliches Zeichnen auch an
komplizierteren Objekten anwenden und später die Tonabstufungen auch mit
Schraffuren versuchen. Siehe auch Tipp 36 und 40.
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SCHLÜSSELÜBUNG  Die Bleistiftzeichnung oben stammt von einer Schülerin. Aufgabe im
Kunstunterricht war, das Gewand einer römischen Dame zu zeichnen. Gearbei­
tet wurde vor dem Modell, einem Abguss einer antiken Marmorskulptur, und
nach einem Foto.
Sehen Sie, wie wenig plastisch die Zeichnung erscheint? Ursache dafür sind die
Linien, die die Falten umranden. Wenige Hinweise genügen, um zu zeigen, dass
das Objekt keine Linien hat. Zwar haben die großen Tonwertunterschiede klare
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Konturen, aber keine lineare - Ansonsten
Umrandung! exl37162862-3864917204
besteht das Gewand aus -
feinen Tonwertverläufen und Schatten, die die Falten mitformen. Die Bleistift­
studie unten nach einem Ausschnitt des Tafelbildes »St. Laurentius« von Mat­
thias Grünewald zeigt, wie plastisch sich ein Gewand ohne lineare Umrandung
darstellen lässt.
Das Zeichnen von Falten ist eine Schlüsselübung. Es öffnet Türen für alle mög­
lichen Anforderungen, die das Zeichnen bereithält. Siehe auch Tipp 35 und 40.
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BLIND ZEICHNEN   Blindzeichnen bedeutet nicht, mit geschlossenen Augen zu zeichnen. Sie
bleiben offen. Aber sie kontrollieren nicht, was auf dem Papier passiert. Das,
was der Zeichnende sieht, fließt ohne Umweg in die zeichnende Hand. Die sonst
übliche Korrektur fällt weg. Ich habe diese Art des Zeichnens immer wieder
selbst und mit Teilnehmern in meinen Kursen ausprobiert. Mit dem immer glei-
chen Ergebnis: Die Zeichnungen unterscheiden sich erheblich von der gewohn-
ten Handschrift. Die Linien wirken spontan und selbstbewusst. Die Ergebnisse
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sind in aller Regel überraschend originell.- exl37162862-3864917204 -
Blindzeichnen ist kein Selbstzweck. Es macht augenfällig, dass richtig auch
falsch sein kann oder anders gesagt: Die Qualität einer Zeichnung ist wesent-
lich von der Ausdruckskraft der Linien geprägt und nicht allein davon, ob das

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Motiv »richtig« wiedergegeben ist. Es lohnt sich also, immer wieder das ge-
wohnte Zeichnen durch Blindzeichnen aufzufrischen. Siehe auch Tipp 38.
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WILDER SCHÄDEL   Ausdrucksstarke Resultate beim Blindzeichnen erzielt man natürlich mit
jedem Motiv. Die hier gezeigten Zeichnungen stammen von einer Gruppe von
Zeichnern, die sich im Kreis sitzend mit dem Schädel eines Wildschweins be­
schäftigt haben. Die Spielregeln: Alle schauen auf das Objekt. Niemand kontrol­
liert, was auf dem Zeichenpapier passiert. Blindzeichnen fördert Selbstvertrau­
en, Spontaneität und ausdrucksvolles Zeichnen, was sich in jeder einzelnen
Linie niederschlägt. Besonders hier wird deutlich, dass eine gute Zeichnung
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nicht von einer »richtigen«-Wiedergabe
transiddes- exl37162862-3864917204
Motivs abhängig ist. Wichtiger Tipp: -
Achten Sie darauf, dass Sie beim Blindzeichnen keine stereotypen Formeln
zeichnen, sondern genau die Besonderheiten des Objekts studieren, auch wenn
Sie diese auf dem Papier nicht verbessern können. Siehe auch Tipp 37.
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REAKTIONSSCHNELL   Mit Kameras lässt sich eine quirlige Stadt mit einem Klick einfrieren.
Zeichner haben es nicht ganz so einfach. Eine Zeichnung, je nach Motiv, Stil und

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Technik, nimmt eine Weile in Anspruch. Szenen, die sich dauernd verändern,
müssen schnell erfasst und collageartig zusammengestellt werden. Dazu
braucht es Erfahrung und ein Repertoire, auf das man zurückgreifen kann.
Karin Schliehe hat die Szene mit einem schwarzen Stift direkt vor dem Motiv
gezeichnet. Man kann sich vorstellen, wie dieser über das Skizzenbuch flog. An­
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deutungen markieren bestimmte - exl37162862-3864917204
Gebäude. Und doch erkennen Stuttgarter so­ -
fort, um welchen Platz es sich handelt. Ja, man sieht, wo die Zeichnerin geses­
sen und in welche Richtung sie geguckt hat. Im Atelier wurde die Zeichnung mit
Farben ergänzt, eingescannt und mit Photoshop digital weiterbearbeitet.
Falls Sie gewohnt sind, mit großer Genauigkeit oder nach Fotos zu zeichnen,
rate ich Ihnen, eine solche Szene mal vor Ort zu versuchen. Am besten mit
Zeichengeräten, die nicht korrigierbar sind. Lassen Sie ihnen freien Lauf!
»Richtigkeit« muss nicht das primäre Ziel sein. Nicht selten sind es die im­
pulsiven Linien, die Zeichnungen attraktiv machen.
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WAS HAT AQUARELLIEREN MIT ZEICHNEN ZU TUN?   Eine ganze Menge! Wer mit der nicht

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einfachen Aquarelltechnik malen möchte, muss rasch entscheiden, welche Flä­
chen des Papiers mit dem Pinsel belegt und welche ausgespart werden sollen.
Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, im Motiv das Nebeneinander positiver
und negativer Flächen zu erkennen, um zum Beispiel Licht zeigen zu können. Im
Aquarell sind es die Farbflächen, die mit ihrem »Grauwert« helle Partien des
Motivs eingrenzen. Dasselbe geschieht beim Zeichnen mit Tonwerten, gleich­
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gültig ob sie mit Grafit, Tintenroller, - exl37162862-3864917204
Kreide oder Kohle erzeugt werden. -
Das Zeichnen mit Tonwerten ist also eine notwendige Vorübung für das beim
Aquarellieren so wichtige Flächensehen. Leider ist weit verbreitet, dass viele, die
Malen lernen wollen, zuerst mit dem Aquarellieren beginnen. Ausgerechnet mit
der schwierigsten aller malerischen Techniken! Frustration ist die Folge. Oder
die Flucht in eine vorgeblich »abstrakte« Malerei, die kaum die Schwierigkeiten
übertünchen kann. Ein geeigneter Zwischenschritt ist eine Kombinationstech­
nik mit Linien und Tonwerten. Nehmen Sie dazu wasservermalbare Bleistifte,
Farb- oder Grafitkreiden. Siehe auch Tipp 35 und 68.
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L AVIEREN   und trotzdem zur Sache kommen. Zum Beispiel mit einem nicht wasserfesten
Faserschreiber, dessen Linien Sie mit einem feuchten Pinsel anlösen können. Da­
mit lassen sich Schraffuren verdichten, Tonwerte oder Lichter durch Aussparun­
gen erzeugen. Nicht jeder Stift ist dafür geeignet. Manche geben mehr, andere
nur widerspenstig Farbe ab. Am besten ist es, alles auszuprobieren, was Sie in
der Stifteschublade finden können. Das Skizzenbuch ist für Testreihen das rich­
tige Medium. Ist dessen Papier etwas saugfähig – umso besser. Wenn Sie im
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Skizzenbuch die Proben mit - exl37162862-3864917204
dem Namen der verwendeten Stifte bezeichnen, -
können Sie jederzeit nachschauen, wie die einzelnen Tinten beim Vermalen
­reagieren. Unzählige Mischtechniken ergeben sich, wenn Sie statt reinem Was­
ser Farben verwenden: Aquarell- und halb deckende Tempera- oder Acrylfarben
bieten sich zur Kombination an. Sie können Deckweiß auf farbigen Papieren
ausprobieren. Mit einem gestutzten Borstenpinsel laviert es sich markanter als
mit einem weichen Aquarellpinsel. Siehe auch Tipp 51 und 77.

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JETZT ERST RECHT!   Als der schon zu Lebzeiten bewunderte japanische Maler, Zeichner und
Holzschneider Hokusai im Alter von 89 Jahren auf dem Sterbebett lag, soll er
gesagt haben: »Würde der Himmel mir weitere fünf Jahre schenken, könnte ich
ein berühmter Maler werden.« Hinter dieser Äußerung verbergen sich Einsich­
ten, die allen ernsthaft Zeichnenden bewusst sind. Sie sind nie zufrieden!
Selbst im Glück über eine gelungene Arbeit kann der Gedanke, dass sie auch
hätte besser werden können, Motor sein, um voranzukommen. Zufriedenheit
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wäre Stillstand. Zeichnen ist - exl37162862-3864917204
ein nie endender Prozess des Sehens, Lernens und -
des Trainings. Dazu gehört, dass Zeichner schwierigen Motiven nicht aus dem
Weg gehen sollten. Im Gegenteil! Mit dem Musiker Miles Davis könnte
man sagen: Spiel nicht das, was du kannst, sondern das, was du
nicht kannst. Siehe auch Tipp 27.
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ANREGUNG AUS DEM SKIZZENBUCH   Vielleicht haben Sie eine Zeichnung im Skizzenbuch,
die Sie gerne in einem großen Format sehen würden. Es gibt Zeichenkarton als
Rollenware, den man sich auf Maß zuschneidet und auf einer festen Grundplat­
te befestigt. Die fertige Arbeit braucht einen stabilen Rahmen und einen Schutz
durch Glas. Eine relativ teure und umständliche Angelegenheit!
Hier ist eine weit einfachere Lösung: Zeichnen Sie mit Kohle auf einer vorgrun­
dierten, nicht zu groben Leinwand. Fertig bespannte Keilrahmen gibt es sehr
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preiswert. Das Maß 100 × 100 cm ist eine-gute
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Größe. Diese lässt sich auf einer -
einfachen Staffelei noch gut handhaben.
Betrachten Sie Ihre Zeichnung im Skizzenbuch nicht als Vorlage, die es genau zu
übertragen gilt. Lassen Sie sich auf die Besonderheiten des Zeichnens mit Na­
turkohle ein. Verwenden Sie Ihre Finger und Estompen zum Verwischen, außer­
dem Knetradiergummi, den Sie auch als Zeichengerät nutzen können, um aus
dunklen Partien wieder Lichter herauszuholen. Nach Fertigstellung sollten Sie
die Zeichnung sparsam mit einem Fixativspray schützen.
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DARF ES EIN BISSCHEN GRÖSSER SEIN?  Pinselzeichnungen auf großen Leinwänden sind
nicht das, was man von einem Bildträger erwartet, auf dem gewöhnlich gemalt
wird. Hier ist es der Versuch, mit sparsamen Mitteln einen Hohlweg zu charak­
terisieren. Offene und verdichtete Strukturen und unterschiedliche Bewegungs­
richtungen sind die Ausdrucksmittel für diese Zeichnung.
Pinselzeichnungen auf Leinwänden sind dann reizvoll, wenn man über die ge­
wöhnlichen Formatgrößen von Zeichenpapieren hinausgehen möchte. Einfa­
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che, vorgrundierte Leinwände - exl37162862-3864917204
in standardisierten Größen sind relativ preiswert. -
Sonderformate, auch in Übergrößen, muss man herstellen lassen.

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Acrylfarben sind am einfachsten zu handhaben. Ob die Konsistenz direkt aus
der Tube, mit Wasser gemischt oder mit einem Malmittel verbunden, die
richtige ist, findet man schnell heraus.
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AUS DEM SCHULTERGELENK   Das ist ein Rat für Zeichnerinnen und Zeichner, die gewohnt
sind, auf kleinem Format, mit einem harten Bleistift, sehr zögerlich und mit der
Nase nahe am Papier zu zeichnen. Die zeitweise Benutzung einer Staffelei könn­
te helfen, sich das Zaudern abzugewöhnen. Kein aufgelegter Handballen wird
den Strich bremsen. Die Motorik ist nicht nur auf die Finger und das Handgelenk
beschränkt.
Aus dem Schultergelenk heraus gezeichnet, werden Zeichnungen fließender
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und spontaner. Dickleibige-Stifte
transid
und gut- »laufende«
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Gerätschaften helfen da­ -
bei. Staffeleien haben den Vorteil, dass man sie so einstellen kann, dass die Sicht
auf das Zeichenpapier annähernd im rechten Winkel verläuft. Vor allem senk­
rechte Ausdehnungen des Motivs können richtig eingeschätzt und wiedergege­
ben werden. Wer schon mal einen Akt oder ein Porträt auf einem flach vor sich
liegenden Papier gezeichnet hat, kennt das Problem. Ein weiterer Vorteil: Sie
können ein paar Schritte zurückgehen, um die Arbeit aus der Distanz als Einheit
zu betrachten und die Komposition insgesamt zu beurteilen. Übrigens: Es gibt
sehr preiswerte und brauchbare Staffeleien zum Ausprobieren.

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KUNST ODER UMWELTVERSCHMUTZUNG?   Die Antwort könnte sehr kontrovers ausfallen.


Tatsache ist, dass die zwei Meter hohen Graffitis von jemandem stammen müs­
sen, der oder die über eine erstaunliche motorische Sicherheit verfügen muss.
Es sind Zeichnungen, auch wenn sie mit der Spraydose entstanden sind. Die ins

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Auge springend Kraft dieser Graffitis ist ein Ziel, das auch Sie anstreben sollten.
Ständiges Training der Hand gehört zum Zeichnen dazu.
Es gibt Übungen, mit deren Hilfe Sie Ihrem Zeichnen »Beine machen«. Hier ist
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die Anregung zu einer, die-Sie
transid
mit jedem-Stift
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ausführen können. Beginnen Sie -
am unteren Rand eines Papiers so schnell wie möglich eine Linie zu ziehen, die
kleine Aufwölbungen oder Brücken hat. Die nächste folgt dieser in geringem
Abstand. Mit jeder Linie pflanzen sich die Ausbuchtungen weiter fort. Wenn Sie
auf der linken Seite die Abstände der Linien größer und an der rechten ganz eng
setzen, entsteht eine räumliche Wirkung. Das braucht Konzentration, macht
Spaß und ist gut für das motorische Training der Hand.
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VON DER FREIHEIT   Ich kann mich gut erinnern, als ich das erste Mal in einem Olivenhain
war. Ich lief wie berauscht von Baum zu Baum auf der Suche nach dem origi­
nellsten Exemplar. Keiner glich dem andern. Weder in der Form noch in der

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Struktur der Borke. Je nach-Blickwinkel
transidzeigen
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einzelne Bäume eine völlig unter­ -
schiedliche Gestalt. Es ist schwer, nicht an menschliche Extremitäten, Tiere oder
Fabelwesen zu denken.
Als Zeichner hat man zwei Möglichkeiten, sich auf die aberwitzigen Figuren der

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Olivenbäume einzulassen. Entweder hat man den Ehrgeiz, die Gestalt eines be­
stimmten Baums detailreich abzubilden. Oder man lässt sich von der »Kreativi­
tät« der Olivenbäume anstecken und spielt phantasievoll mit dem Angebot der
Objekte. Ein Falsch oder Richtig gibt es dabei nicht. Am Beispiel dieser Zauber­
bäume kann man erfahren, wie viel Freiheit man sich beim Zeichnen nehmen
kann, ohne den Bezug zum Objekt zu verlieren. Siehe auch Tipp 100 und 111.
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INITIALZÜNDUNG   Es gibt mehrere Gründe, weshalb ich Ihnen diese Pastellzeichnung zeige.
Zuerst fällt im Vordergrund die rhythmisch gegliederte Baumreihe auf, die den
Blick auf den Bodensee und auf den Höhenzug des Bodman im Bildhintergrund
vergittert. Es ist ein Bildkonzept, wie es von vielen westlichen Künstlern ange­
wendet wurde, nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts japanische Holzschnitte in
Europa den Japonismus auslösten. Beispiel? Recherchieren Sie nach dem Bild
»Pappeln am Ufer der Epte« von Claude Monet von 1891.
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Interessant ist die Zeichentechnik - exl37162862-3864917204
von Bernhard Buss (1899–1991). Mit Pastell­ -
kreide zeichnete er auf tiefschwarzem Karton. Das erfordert ein Umdenken,
wenn man gewohnt ist, auf weißem Papier zu zeichnen. Alles, was hell ist, muss
nicht mühsam ausgespart werden: Man setzt die Lichter einfach auf. Für seine
schnelle zeichnerische Handschrift genau das Richtige.
Ein weiterer Grund ist ein persönlicher: Im Beisein des Malers Buss durfte ich
als 12-Jähriger meine erste Zeichnung in der Landschaft machen. Eine Initial­
zündung, die Folgen hatte. Solche Erfahrungen sind wichtig.
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DER WEICHLING   Auch der Kugelschreiber ist nicht nur ein Schreib-, sondern auch ein respek­
tables Zeichengerät. Im Gegensatz zur Linie eines Tintenrollers, dessen flüssiges
Medium klare Begrenzungen hervorbringt, wirken die Striche des Kulis sehr viel
weicher. Das kommt durch die ölartige Paste, die gelegentlich auch schmierig
sein kann, was kein Nachteil sein muss. Im Gegenteil: Solche Linien lassen sich
mit dem Finger, noch besser mit einem Papierwischer, zu zarten Tonwerten ver­
reiben. Diesen Effekt illustrieren die Skizzen der hier abgebildeten Katzen. Ob­
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wohl der Kugelschreiber mehr Druck beim- Zeichnen
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benötigt, sollten Sie ihn mit -
leichter Hand benutzen. Seine Stärke liegt im fein ziselierten Zeichnen auf klei­
nem Format. Ein flauschiges Katzenfell ist also ein geeignetes Motiv. Da der Kuli
als Schreibgerät gehandelt wird, ist dessen Tintenpaste in der Regel dokumen­
tenecht. Darauf verlassen sollten Sie sich bei diesem Massenartikel
natürlich nicht. Billigprodukte haben gelegentlich ungewöhnliche
Farbtöne. Eine kleine Testreihe schafft Klarheit.

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GENIALE IDEE   Sie kennen Marker und Sie kennen Pinsel. Dieser Brushpen ist eine Symbiose
aus beiden. Eine wirklich gute Erfindung. Das Zeichnen mit diesem Stift erinnert
an das Malen fernöstlicher Schriftzeichen. Feinste Linien lassen sich damit zau­
bern. Legt man den Pinsel seitlich an, ergeben sich breitflächige Striche. Interes­
sant wird es, wenn die Mine allmächlich leer wird und der Pinsel auszutrocknen
droht. Dann entstehen reizvolle Striche, die an die Tonwerte von Zeichenkohle
erinnern. Die Arbeit mit dem Brushpen erfordert rasches, zupackendes Vorge­
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hen. Man muss wissen, was - hier
man tut. Der exl37162862-3864917204
vorgestellte Brushpen ist mit ei­ -
ner ergiebigen Mine bestückt. Die wasserfeste Tusche ist tiefschwarz.
Eine Alternative ist ein Colorbrush ähnlicher Bauart. Er enthält flexible, aus­
tauschbare Tanks mit wasserlöslichen Tinten in unterschiedlichen Farben.
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HÖHEN
    Auf einem weißen Papier eine Lampe zum Leuchten zu bringen ist schwierig.
Das funktioniert nur dann, wenn kräftig dunkle Tonwerte in ihrem Umfeld ge­

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zeichnet oder gemalt werden. Einfacher ist es, getönte Papiere zu verwenden,
um mit Deckweiß das zu »höhen«, was strahlen soll.
Das eingefärbte Papier dient als mittlerer Tonwert. Den hellsten belegt man mit
reinem Deckweiß. Durch geringe Beimischung von deckenden Temperafarben,
aber auch mit lasierenden Aquarellfarben werden feine Nuancen erzielt. Durch­
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scheinend transparente Flächen erreicht-man
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auf Tonpapier mit reinen Aqua­ -
rellfarben – sofern das Papier ausreichend saugfähig ist.
Dazu ein Tipp: Die vorgesehene Fläche vorher mit klarem Wasser nässen, kurz
einwirken lassen und dann erst einfärben. Dadurch wird der Farbton einiger­
maßen fleckfrei.

Der in der Szene der Urban Sketchers sehr bewunderte Zeichner Miguel Her­
ranz demonstriert diese Mischtechnik einer kolorierten Zeichnung auf ein­
drucksvolle Weise. Siehe auch Tipp 41 und 77.
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LERNPROZESS   Kinder zeichnen meist ohne Überschneidungen. Über et­


was drüber schon gar nicht. Tun sie es doch, geschieht es
durch Abgucken oder indem man sie auf räumliche Phänome­
ne hinweist. So war es auch bei dem Tiger der achtjährigen
Jo-Ella. Erst als man ihr sagte, dass so die gefährliche Raubkat­
ze noch immer frei herumläuft, hat sie – überzeugt von der
Wirkung – nach und nach das Gitter über dem Tier ergänzt.
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Ein Aha-Erlebnis, das auch - exl37162862-3864917204
ungeübte Erwachsene überra­ -
schen kann!
Auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Zeichenkursen müs­
sen häufig überredet werden, Überschneidungen auszupro­
bieren und sich dafür geeignete Motive zu suchen. Frustratio­
nen lassen sich vermeiden, wenn man mit einfachen Motiven
beginnt, um sich dann mit immer komplexeren zu beschäfti­
gen. Es macht großen Spaß, auf einem zweidimensionalen
Blatt einen dreidimensionalen Raum zu schaffen.
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ZU VIER HÄNDEN   Arbeiten Sie gerne mit anderen Künstlern zusammen? Ja? Dann könnte
Ihnen dieser Vorschlag gefallen: Zeichnen oder malen Sie mit jemandem am
selben Bild. Gleichzeitig! Oder nacheinander. Sie beginnen oben links, der oder
die andere unten rechts. Sie schauen eine Weile zu, dann mischen Sie sich ein.
Oder umgekehrt. Ein Riesenspaß. Damit die Freundschaft nicht in die Brüche
geht, sollten Sie vorher Spielregeln vereinbaren. Zum Beispiel, dass jeder dem
anderen ins Handwerk pfuschen darf. Oder dass beliebiges Zeichen- und Malge­
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rät verwendet werden kann. Für die nicht- unwichtige
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Frage, wann ein Bild »fer­ -
tig« ist, kann es natürlich keine Regel geben. Meine Erfahrung ist, dass sich zwei
ebenbürtige Künstler schnell einigen können. Zum Schluss wird eigenhändig
signiert.
Sie werden fragen, was das Ganze soll. Betrachten Sie es als ein nicht ganz ernst
zu nehmendes Experiment. Es zeigt, wie zwei eigenständige künstlerische
Handschriften sich symbiotisch zu einem neuen Stil vereinen und gegenseitig
befruchten können.
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DIE MITTE IST NICHT IMMER GOLDEN   Das vielfach zu beobachtende Bedürfnis, ein Motiv in
der Mitte des Formats zu positionieren, degradiert das Papier zum bloßen Trä­
ger der Zeichnung. Das Papierformat ist aber Teil der Gesamtwirkung und kann
nur im Zusammenhang mit der Zeichnung gesehen werden. Diese Figur­-Grund-

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Relation, also das Verhältnis - exl37162862-3864917204
der Negativräume in Bezug zu den mit Zeichnung -

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belegten Flächen, können Sie anhand kleiner Kompositionsskizzen testen. Fin­
den Sie heraus, welche Flächenverhältnisse langweilig wirken und welche durch
extreme Unterschiede an Spannung gewinnen. Hierbei spielen Licht- und
Schattenwirkungen eine wichtige Rolle. Der Inhalt des Motivs darf nicht verges­
sen werden. Er muss mit der Gestaltung eine Symbiose eingehen. Wie wichtig
all diese Überlegungen sind, können Sie bei den Radierungen von Rembrandt
nachprüfen. Sehr lehrreich! Siehe auch Tipp 9, 10 und 59.
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RECYCLING   Ein sandfarbenes Skizzenpapier ist für eine sommerliche Zeichenexkursion in


einer mediterranen Landschaft keine schlechte Wahl, wenn der Grundton dort
in etwa dem des Papiers entspricht. Recyclingpapiere haben sichtbare Ein­
schlüsse von Holzfasern oder Farbresten. Solche Bücher zu finden, ist Glücks­
sache. Selbstgebundene Skizzenbücher sind eine Alternative zu gekauften
Exem­plaren. Fast in jeder größeren Stadt gibt es Buchbindekurse, in denen Sie
gesammelte Re­cyclingpapiere verarbeiten können. Oder Sie bringen diese zu ei­
- orderid - exl37162862-3864917204 - ein
nem Buchbinder, der Ihnen transid - exl37162862-3864917204
fadengeheftetes Skizzenbuch nach Maß mit ei­ -
nem individuellen Einband anfertigen wird.
Im Gegensatz zu weißen Blättern haben Recyclingpapiere
und durchgefärbte Sorten einen großen Vorteil:
Ausgehend vom Grundton des Papiers lassen
sich Zeichnungen mit ergiebigen Farbstiften,
Deckweiß und Temperafarben auf zeitsparen­
de Weise heller und dunkler einfärben.

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BLINDDRUCK   Der technische Vorgang Monotypie ist rasch beschrieben: Ein Papier wird sehr
vorsichtig und ohne Druck auf eine eingefärbte Glasplatte gelegt. Gezeichnet
wird auf der sichtbaren Oberseite des Papiers. Jedes Zeichengerät ist geeignet.
Auf der Unterseite entsteht die Monotypie – ein Einmaldruck. Das Ergebnis
wird erst sichtbar, wenn das Papier von der Farbfläche abgehoben wird. Beste
Resultate erzielt man mit Offsetdruckfarben und sehr dünnem Werkdruckpa­
pier. Gute Walzen, zwei Glasplatten zum Aufspachteln und zum gleichmäßigen
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Auswalzen der Farbe garantieren - exl37162862-3864917204
gute Drucke. Jörg Osterspeys Beispiele zeigen, -
dass sich Monotypien zu Mehrfarbdrucken weiterentwickeln lassen. Übrigens:
Es entstehen immer zwei Originale. Die Zeichnung auf der Rückseite der Mono­
typie und der Einmaldruck selbst!
Bei Offsetdruckfarben muss man mit Lösungsmitteln arbei­
ten. Es gibt Alternativen, die allerdings nicht ganz so perfekte
Ergebnisse hervorbringen. Sie können mit wasserlöslichen Li­
noldruckfarben oder mit Acrylfarben experimentieren. Letzte­
ren können Sie einen Verzögerer (Retarder) beimischen, der
allzu schnelles Eintrocknen der Farbe verhindert.
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ALLES HAT ZWEI SEITEN   Auch ein Skizzenbuch. Doch dessen Einzelseiten sind nicht zwei ge­
trennt zu bearbeitende Blätter, sondern ein zusammengehörender Gestal­
tungsraum. Der Bund, der die Seiten teilt, stört dabei nicht. Im Gegenteil.
Bildelemente können zum Beispiel so platziert werden, dass sie beide Seiten
miteinander verklammern. Wie auch bei einem ungeteilten Zeichenpapier, gibt
es eine Vielzahl von kompositorischen Möglichkeiten, eine Doppelseite span­
nungsvoll zu gestalten. Mutige Anschnitte oder Ausschnitte, diagonale Teilun­
- orderid - exl37162862-3864917204
gen, vergitterte Bildräume,-Hell-Dunkel-Kontraste,
transid - exl37162862-3864917204
interessante Flächenbezüge, -
das »Hereinkommen« von Motiven von außerhalb in das Gestaltungsformat,

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deren Verschwinden im Bund oder aus der Bildfläche, Dialoge von Motiven über
den Bund hinweg und anderes mehr. Sollten Sie also gewohnt sein, Ihr zu zeich­
nendes Objekt immer in die Mitte eines einzelnen Blatts zu setzen, dann pro­
bieren Sie mutig mal ganz andere Platzierungen aus. So wird die komplette
Fläche einer Doppelseite im Skizzenbuch Teil der Gesamtgestaltung.
Siehe auch Tipp 58.
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KOMMEN SIE AUS IHRER ECKE!   Es ist gut vorstellbar, dass sich manche Künstler im Westen
an den Kopf gefasst haben, als sie Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals japani­
sche Holzschnitte zu Gesicht bekamen. »Warum sind wir nicht selbst darauf ge­
kommen?«, könnten sie gedacht haben. Van Gogh schrieb seinem Bruder Theo,
dass man in Paris nur noch mit japanischen Augen sehen würde. Die Art des
japanischen Bildaufbaus war so neu, dass er und andere die Konzepte sofort
übernahmen. Zweidimensionale Bildebenen, Schlankformate, vergitterte Bild­
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räume, gewagte Überschneidungen und -anderes
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mehr wurden zu Gestaltungs­ -
mitteln, die bis heute in allen bildenden Künsten genutzt werden.
Die Beispiele auf diesen Seiten zeigen, wie anders als gewohnt eine Bildfläche
gestaltet werden kann. Durch die Nutzung harter Anschnitte, durch »Hereintre­
ten« oder »Hinausgehen« eines Motivs, durch kontrastreiche Flächenbezüge
wird die Gestaltung nicht nur formal spannender, sondern auch in Bezug auf
den Inhalt, der transportiert werden will. Nicht alles muss innerhalb des For­
mats abgebildet sein. Manches ist außerhalb vorstellbar und beflügelt die
Phantasie. Nicht verwunderlich also, dass zum Beispiel Illustratoren von Bilder­
büchern für Kinder diese Gestaltungsmittel nutzen. Siehe auch Tipp 57 und 65.
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BRIEFMARKEN ZEICHNEN   Jede Zeichnung braucht ein Gerüst. Bauen Sie deshalb vor: Ent­
werfen Sie briefmarkengroße Kompositionsskizzen, bevor Sie ein größeres Blatt
an der linken oberen Ecke beginnen, um dann überrascht zu sehen, dass Sie mit
dem vorhandenen Platz nicht auskommen. Außerdem erklärt sich damit rasch
der Bildaufbau, an dem Sie sich auf dem größeren Zeichenpapier orientieren
können. Praktisch ist, diese Kompositionsversuche in Ihrem Skizzenbuch zu do­
kumentieren. Dort bleiben sie zum Nachschauen immer präsent.
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Sie können auch unterschiedliche - exl37162862-3864917204
Perspektiven mit einer digitalen Kamera auf­ -
nehmen. Speichern Sie die Alternativen ab und vergleichen diese miteinander.
So trainieren Sie Ihr Gespür für einen spannungsreichen Bildaufbau.
Siehe auch Tipp 9, 10 und 54.
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MIT DURCHSICHT   Nehmen Sie eine Ihrer Zeichnungen, von der Sie glauben, dass sie sponta­
ner hätte werden sollen. Legen Sie auf diese Arbeit ein nicht zu dünnes Transpa­
rentpapier und fixieren Sie beide Blätter mit Klebstreifen.
Verwenden Sie keine Fotos als Vorlagen. Der Grund: In ein in direkter Ansicht
gezeichnetes Objekt haben Sie sich »eingelesen«. Es ist Ihnen nicht fremd. Dies
ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, der Ihrem Zeichnen mehr Spontanei­

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tät verleihen kann.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transidkönnen
Mit gut »laufenden« Zeichengeräten - exl37162862-3864917204
Sie die durchscheinende Vorlage -
nachzeichnen. Je schneller und unvorsichtiger Sie das tun, desto besser. Versu­
chen Sie herauszufinden, mit welchen Stiften Ihnen das am besten gelingt.
Wenn Sie nach einigen Versuchen mit den Ergebnissen zufrieden sind, sollten
Sie auf den Umweg verzichten und ohne das Transparentpapier zeichnen.
Mit einer ähnlichen Methode können Sie testen, wie Ihre Zeichnung koloriert
aussehen könnte. Legen Sie auch hier ein Transparentpapier auf Ihre Arbeit und
färben auf diesem die gewünschten Partien ein.
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DIE KÖNIGSDISZIPLIN   der bildenden Künste ist das Zeichnen. Die Krönung ist die Darstel­

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lung des menschlichen Körpers. Das Bedürfnis, dessen Anatomie zeichnerisch
zu beherrschen, ist so alt wie die Kunst selbst. Leicht ist es nicht.
Früh beginnen Kinder, Menschen zu zeichnen, in Comics mühen sich Jugend­
liche damit und Erwachsene tun es in Aktklassen an den Akademien und Volks­
hochschulen und in unzähligen frei organisierten Gruppen.
In diesen verabredet man sich oft zu sehr kurzen, nur wenige Minuten dauern­
- orderid - exl37162862-3864917204 - Modell
den Übungen, in denen das transid - exl37162862-3864917204
in einer Pose verharrt oder sich gar bewegt. -
So zu skizzieren kann furchtbar frustrierend sein, ist aber eine der besten Zei­
chenübungen, die Sie sich antun können. Die dabei entstehenden Seherfahrun­
gen sind weit wichtiger als das, was sich auf dem Papier abzeichnet.
Nehmen Sie also das Aktzeichnen wahr, sooft Sie dazu die Gelegenheit haben.
Vermeiden Sie das Abzeichnen von Fotos. Zeichnen Sie »live«!
Spätestens, wenn Sie mit Sonnenbrille, dem tief in die Stirn gezogenen Sonnen­
hut und mit einem Skizzenbuch bewaffnet am Strand sitzen und die Urlauber
skizzieren wollen, werden Sie davon profitieren.
Schnell der Hand folgende Stifte sind ideal.
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FALTEN ÜBERALL   Falls Sie das Zeichnen von Stofffalten lernen möchten, sollten Sie es unbe­
dingt zuerst mit Tonwerten versuchen. Beobachten Sie genau die weich verlau­
fenden Übergänge von hell nach dunkel und die Schatten, die eine klare Kontur
haben. Besonders gut gelingt diese Unterscheidung, wenn Sie zum Beispiel ein
weißes Tuch ohne Muster mit einer hellen Lampe anstrahlen.
Zeichnen Sie mit sehr weichen Bleistiften. Am besten mit 8B. Konturen entste­
hen nur durch aneinandergrenzende, unterschiedlich dunkle Tonwerte. Kaum
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
sichtbare Hilfslinien, mit denen - exl37162862-3864917204
Sie Ihr Objekt konstruieren, verschwinden im -
ersten angelegten Tonwert.
Das Beherrschen des Faltenwurfs ohne einfassende Linien macht das Zeichnen
ähnlicher Motive wesentlich leichter. Spätestens, wenn Sie vor einer Felskulisse
am Meer oder in den Bergen sitzen, werden Sie davon profitieren. Auch das mo­
dellierende Zeichnen eines Akts oder eines Porträts gelingt Ihnen ohne harte
Eingrenzung der Tonwerte wesentlich besser.
Das Sehen und Zeichnen der Flächen ist deshalb so wichtig, weil Sie diese dann
auch mit Schraffuren mittels einer Tuschefeder, eines Tintenrollers oder anderer
linearer Zeichengeräte meistern werden.
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NICHT NUR FÜR KIDDIES  Farbstifte gehören zur Standardausrüstung eines Schulmäpp­
chens. Doch auch in der Hand eines Profizeichners können sie ihren speziellen
Zauber entfalten. Die Zeichnungen in großformatigen Skizzenbüchern eines
ehemaligen Studenten demonstrieren dies eindrucksvoll.
Das Angebot bunter Stifte ist unübersichtlich groß. Bei der Wahl sollte klar sein,
für welche Art der Zeichnung sie verwendet werden. Es gibt cremig weiche bis

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eher harte Farbstifte. Letztere sind fürs kleine Format und für präzise Ausformu­
- orderid - exl37162862-3864917204
lierungen goldrichtig. Alle- transid - exl37162862-3864917204
Sorten können untereinander gemischt werden. -
Dazu aus Erfahrung: Harte immer über weiche Stifte zeichnen! Auch die Be­
schaffenheit des Papiers spielt eine Rolle. Ist es zu weich, »ermüdet« das Papier
schnell. Auf zu harten Papieren findet die Stiftkreide keinen Halt.
In der Regel sind Farbstifte in Holz gefasst. Gut in der Hand liegen etwas dicke­
re Stifte, deren Minen bis zu 10 mm stark sein können. Darunter
sind welche, die sich ergiebig mit Wasser vermalen lassen.
Fehlt die Ummantelung aus Holz, nennt man sie Vollmi­
nenstifte. Sind sie viereckig, lässt es sich sehr schön über
Kante und mit den Seitenflächen zeichnen.
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SPEICHERKAPAZITÄTEN   Wenn Sie viel in der Natur zeichnen, schaffen Sie sich eine Art Herba­
rium, das auf Ihrer zerebralen Festplatte schlummert, aber auf Abruf jeder­zeit
heruntergeladen werden kann. Es ist ein Formenschatz, der Ihnen das Zeichnen
vor Ort mehr und mehr erleichtert und Ihre Hand ohne viel nachdenken zu müs­
sen über das Blatt führt. Wenn es dann »läuft« und sich die Zeichnung unver­
krampft entwickelt, kann das große Glücksgefühle auslösen. Sollten Sie sich zu­
dem vor Ort ganz vom Motiv lösen können, ist es besonders befriedigend.
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Mit zunehmender Erfahrung - exl37162862-3864917204
erkennen Sie, dass Sie nicht der Sklave des Motivs -
sind. Sie gestalten Ihr Bild, wie Sie es möchten. Mit dem gewonnenen Material
im Kopf fügen Sie hinzu, was Ihrer Zeichnung guttut. Sie lassen weg, was über­
flüssig ist. Es ist Ihre Zeichnung, Sie machen sich Ihr Bild.
Naturformen zu zeichnen, ohne vor Ort zu sein, ist eine weitere Herausforde­
rung. An den Ergebnissen können Sie erkennen, wie weit die Sehschule in der
Natur Früchte zeigt. Je besser Ihr Auge vor Ort geschult wurde, je freier können
Sie Naturformen interpretieren. Das drückt sich in jeder einzelnen Linie aus.

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IMPULS AUS FERNOST   Sie kommen vom Einkaufen. Sie entdecken, dass die Ware in japani-
sche Holzschnitte verpackt wurde – Originale von großer künstlerischer Quali-
tät. Sie beginnen sie zu sammeln. Sie und Ihre Künstlerfreunde sind von den
Arbeiten so fasziniert, dass Sie die bis dahin unbekannten Bildkonzepte über-
nehmen. Das löst einen Impuls aus, der die Kunstszene aus den Angeln hebt.
So ist es um 1870 passiert. Nach japanischem Vorbild zu arbeiten, wurde zum
»dernier cri«. Er hallt bis heute nach. Die Vergitterung des Bildraums ist eines
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der Bildkonzepte, die Maler, - exl37162862-3864917204
Comiczeichner, Illustratoren, Zeichner, Fotografen -
und Kameraleute bis heute anwenden. Der Künstler Jörg Hülsmann ist einer
von ihnen. In seinen großartigen Arbeiten zu Italo Calvinos Buch »Die unsicht-
baren Städte« zeigt er es. Das Zauberwort heißt Japonismus. Recherchieren Sie!
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HOMMAGE AN ANDREW WYETH   Diese Zeichnung stammt aus einem meiner Skizzenbücher
aus dem Elsass. Ich zeichnete aus dem Fenster einer über 300 Jahren alten men­
nonitischen Ferme in den Vogesen. Es gibt viele davon auf dem von den Menno­
niten kultivierten Hochplateau. Im Vordergrund sieht man den Bauerngarten
mit originalem Sandsteinpfosten. Im aufgeforsteten Waldstück müssen Sie sich
den mennonitischen Friedhof mit schlichten Grabsteinen vorstellen.
Die Zeichnung schlägt eine Brücke zu Andrew Wyeth (1917 – 2009), den ich zu
- orderid - exl37162862-3864917204
den besten Zeichnern des -20.transid - exl37162862-3864917204
Jahrhunderts zähle. Er verbrachte sein ganzes Le­ -
ben in Chadds Ford in Pennsylvania, wenige Kilometer entfernt von den Sied­
lungsgebieten der amerikanischen Mennoniten im Lancaster County.
Recherchieren Sie nach seinem wunderbaren, mit Aquarell und Gouache ge­
malten Bild »Spruce Grove« von 1970. Dann verstehen Sie, weshalb ich meine
Zeichnung als eine Art Hommage an diesen bei uns fast unbekannten Künstler
betrachte. Ich hoffe, dass Sie möglichst viele Beispiele seiner Zeichenkunst fin­
den. Diese schätze ich besonders wegen der großen Spannweite zwischen rea­
listischer Wahrhaftigkeit und der Lust, Grenzen der Abstraktion auszuloten.

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AUF AUGENHÖHE   Ein häufig zu beobachtendes Phänomen bei Innenraum- und Landschafts­
zeichnungen ist, dass der Horizont nach oben geklappt wird. Die Darstellungen
machen den Eindruck, als wären sie aus erhöhter, wenn nicht gar aus der Vogel­
perspektive beobachtet. So werden oft auch Gläser gezeichnet, deren Öffnun­
gen mehr aus der Vorstellung als aus genauer Beobachtung dargestellt werden.
Das erinnert an Zeichnungen von Kindern, die denken, dass der obere Rand ei­
nes Glases offen, also kreisrund ist und der Boden auf einem ebenen Tisch steht.
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
Interessant ist auch der Vergleich - exl37162862-3864917204
mit einem Holzschnitt von Urs Graf, kurz be­ -
vor die Zentralperspektive um 1500 n. Chr. in Italien neu entdeckt wurde.
Hier sehen Sie den Zusammenhang zu der Zeichnung einer Meeresbucht in
Schottland auf der linken Seite. Um den Horizont auf Augenhöhe
zu halten, müssen die Ovale der Bucht sehr flach gezeichnet wer­
den. Das Taxieren der Streckenverhältnisse mit Hilfe eines Blei­
stifts, den Sie mit ausgestreckter Hand vor Ihr Motiv halten, ist eine
bewährte Methode. Ein Kurs über perspektivisches Zeichnen oder
ein gutes Fachbuch hilft über erste Schwierigkeiten hinweg.
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ÜBE MALEN!   Diese Postkarte hat mir ein ehemaliger Student geschickt. Ein guter Zeichner.
Und ein talentierter Maler. Er wusste, dass ich am liebsten zeichne und mich
nicht als Maler bezeichnen würde. Trotzdem ist der Appell absolut gerechtfer­
tigt. Beide Techniken hängen auf vielfältige Weise zusammen. Und, wie diese
Karte eindrucksvoll zeigt: Beide lassen sich wunderbar kombinieren. Ratsam ist,
Zeichnung und Aquarell autonom zu betrachten. Die Zeichnung exakt bis an die
Linien mit Farbe zu füllen, würde der Arbeit die ursprüngliche Spontaneität neh­
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men. - transid - exl37162862-3864917204 -
Kolorierte Zeichnungen eignen sich besonders für Skizzen, die unterwegs ent­
stehen und für die Sie nicht besonders viel Zeit haben. Die Farbe können Sie
auch im Quartier ergänzen. Deswegen sollten Sie immer einen Reise­
aquarellkasten im Gepäck haben.
Eine simple, aber brauchbare Alternative zu normalen Aquarellpinseln sind so­
genannte Wasserpinsel. Das sind Kunststoffpinsel mit einem Wassertank. Eine
Handvoll davon können Sie mit den wichtigsten Farben füllen und
der Wasservorrat, der Becher und der Farbkasten können
zuhause bleiben.
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IM HANDUMDREHEN   zaubert ein Grafitstäbchen ein Bergmassiv. Mit den Kanten gezogene
Linien legen die Konturen der Felsen fest. Die Seitenflächen des Vollgrafitstifts
schaffen Tonwerte und lassen so die beleuchteten Partien hervortreten. Was da­
bei entsteht, erinnert an die Formen eines Bergkristalls. Passt also zum Motiv.
Das wird beim ersten Versuch nicht sofort klappen. Ein paar Übungen am Bei­
spiel eines kleinen Bruchsteins, den Sie von allen Seiten studieren und zeichnen,
bereiten Zeichnungen komplexerer Motive vor.
- orderid - exl37162862-3864917204 - mit
Auch Architektur lässt sich transid - exl37162862-3864917204
Grafitstäbchen relativ leicht konstruieren. Vor­ -
aussetzung ist, dass Sie die wichtigsten Regeln des perspektivischen Zeichnens
kennen. Der Architekt Alfred Görstner demonstriert dies eindrucksvoll am Bei­

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spiel der St.-Gallus-Kirche in Ladenburg.
Freies perspektivisches Zeichnen, also ohne Lineal, können Sie sich mit Hilfe ei­
nes Fachbuchs sehr gut selbst beibringen. Pflanzen und alles, was sonst noch
rund ist, eignet sich für diese Technik weniger gut. Aber warum nicht probieren?
Die einzige Gefahr besteht darin, dass das Zeichnen mit dem »Zauberstäbchen«
zu einer Manier wird, bei der die Technik selbst im Vordergrund steht.
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FALTENGEBIRGE   Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor einem riesigen Kalksteinmassiv und möch­
ten es zeichnen. Die einzelnen Felsgruppen sind mit einem gespinstartigen
Krakelee von Spalten überzogen. Wie wird man dieser zeichnerischen Heraus­
forderung gerecht? Sicher nicht, indem jeder Haarriss abgebildet wird. Jeder
einzelnen Linie würde man ansehen, mit welcher Vorsicht gezeichnet wurde.
Außerdem ginge bald die Orientierung verloren und man wüsste nicht mehr, an
welcher Stelle man gerade arbeitet.
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Hier ist ein Vorschlag – einer - exl37162862-3864917204
von vielen möglichen –, wie man dem Berg zu Leibe -
rücken könnte: Tauchen Sie am Vorabend ein paar zerknüllte Packpapiere in Dis­
persionsfarbe und glätten Sie diese anschließend. Wieder trocken, sind die leicht
geknitterten und nicht mehr flexiblen Papiere am anderen Tag bereit zum Zeich­
nen. So präpariert, erhalten Sie ein ideales Trägermaterial für lavierte Feder­
zeichnungen, das den Charakter der Felsen schon in sich trägt und zudem zur
freien Interpretation des Motivs ermuntert.
Den Kalkfelsen über dem Dorf St. Jean de Buèges in Südfrankreich hat der Bild­
hauer Prof. Eberhard Linke gezeichnet.
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NICHT VON UNGEFÄHR   Begabung allein hilft nicht weiter. Wer ein absolutes Gehör hat, wird
üben müssen, wenn daraus eine Karriere werden soll. So ist es auch mit dem
Zeichnen. Eine Begabung ist eine Aufforderung, sie verantwortungsvoll zu nut­
zen. Die hier links gezeigten Illustrationen von Mandy Schlundt sind nicht vom
Himmel gefallen. Sie sind Resultat vieler Jahre des Zeichnens, mit dem sie nicht
erst mit Beginn des Studiums begonnen hat. Die nicht einfache Schabetechnik
war für sie neu. Ihre langjährige Zeichenpraxis half ihr, im unbekannten Terrain
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die richtigen Entscheidungen zu treffen. - exl37162862-3864917204 -
Auf einer völlig schwarz belichteten und fixierten Reprofolie funktionierte die
Schabetechnik am besten. Leider wird der lichtempfindliche Film in der Druck­
industrie kaum mehr verwendet. Eine Alter­
native sind im Handel erhältliche Schabe­
kartons. Sie sind mit einer Mischung aus weißer Kreide und Bindemitteln
beschichtet, auf der eine matte, tiefschwarze Schicht aufgedruckt ist. In diese
Oberfläche lassen sich mit einer Radiernadel, einem Skalpell oder mit der Ra­
sierklinge feinste Linien, ja sogar leicht transparente Tonwerte schaben.
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DAS EINFACHSTE IST DAS SCHWERSTE   Wenn Sie Menschen in der Öffentlichkeit mit ein paar
lockeren Strichen ohne stereotype Gleichförmigkeit zeichnen wollen, braucht es
ein sinnvolles Training. Nehmen Sie jede Gelegenheit wahr, Porträts, Akt und
Menschen in aller Ruhe zu zeichnen. Verkürzen Sie nach und nach die Zeit, die
Sie dafür benötigen. Verwenden Sie Stifte, die sie nicht radieren können. Nach
Fotos solche Studien zu betreiben bringt wenig Fortschritt, weil Sie die Körper
nicht dreidimensional vor sich haben. Ein gutes Lehrbuch kann helfen, ersetzt
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aber das Zeichnen nach direkter - exl37162862-3864917204
Anschauung nicht. Mit der Zeit lernen Sie, wie -
sich Modelle durch individuelle Merkmale unterscheiden und wie diese durch
sparsame Andeutungen charakterisiert werden können. Erstaunlich ist, dass
geringste Abweichungen im Millimeterbereich darüber entscheiden, ob eine
Hand, eine Mimik, ein Blick oder eine bestimmte Körperhaltung gelingt.
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FINISHED FISH   Zwischen Hauptgang und Nachspeise bleibt nicht viel Zeit für derlei Skizzen.
Es kann sein, dass man dem Kellner in die Arme fallen muss, damit er die attrak­
tiven Zeichenobjekte nicht vom Tisch räumt. Zu schade für den Mülleimer. Je­
denfalls, solange sie nicht gezeichnet sind.
Stifte, die leicht über das Papier gleiten, ein Skizzenbuch, das nicht den halben
Tisch belegt, und eine tolerante Begleitung sollten Sie dabeihaben. Falls Sie in
einem Restaurant skizzieren und die Kolorierung der Zeichnung Sie von einer
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aufmerksamen Unterhaltung - exl37162862-3864917204
abhalten würde, können Sie diese später in Ihrem -
Quartier oder zuhause nachholen. Verwenden Sie Aquarellfarben, brauchen Sie
ein dazu geeignetes Papier. Oder Sie nehmen einen Satz Pinselmarker. Doch
Achtung: Je nach Qualität des Skizzenbuchs dringen manche durch das Papier.
Da ein Skizzenbuch wie ein Tagebuch geführt werden kann, passen zu solchen

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Zeichnungen eingeklebte Visitenkarten, eine Restaurantkritik oder Rezepte, die
Ihnen die Köchin oder der Koch verraten.
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SPURENSUCHE   Wenn man von Zeichnungen spricht, denkt man im Allgemeinen an Arbei­
ten, die sich durch singuläre Linien zusammensetzen. Doch Zeichnen ist viel
mehr als das! Zeichnungen können auch aus Tonwerten bestehen, die aus tau­
senden Einzelstrichen, aus Form- und Parallelschraffuren oder durch eine Viel­
falt von Strukturen unterschiedlichster Dichte und Helligkeit entstehen.
Am interessantesten und zeichnerisch anspruchsvoll sind Texturen, weil sie die
Oberflächenbeschaffenheit von Materialien beschreiben. Wer zum Beispiel ei­
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nen Baum darstellen will,-wird
transid
sich mit -der
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Charakteristik der Blätter oder der -
Rinde beschäftigen und dafür sogenannte Kürzel finden müssen. Das sind auf
ein Mindestmaß gebrachte Verkürzungen von Einzelformen, die summarisch
ein komplexes Motiv darstellen können. Je nachdem, wie dicht sie gesetzt sind,
lassen sich hell beleuchtete oder beschattete Partien räumlich darstellen.
Sensibilisieren Sie Ihre Wahrnehmung, indem Sie mit der Kamera auf die Suche
nach interessanten Oberflächen gehen. Untersuchen Sie Zeichnungen von Kön­
nern der Kunstgeschichte. Es wird Ihnen dann helfen, wenn Sie vor Ort die Cha­
rakteristik einer bestimmten Oberflächentextur zeichnerisch herausarbeiten
möchten. Siehe auch Tipp 28, 29 und 105.
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GRIFF IN DIE BLUMENVASE  Tintenroller, Kugelschreiber, Feltpen, Pinselschreiber, Marker,


selbst vermalbare Bleistifte sind perfekte Hightech-Produkte, die in immer neu­
en Variationen auf den Markt geworfen werden.
Sparen Sie sich doch mal die Fahrt zum nächsten Künstlergroßmarkt. Verzichten
Sie auf eine Bestellung bei einem Onlineversand. Greifen Sie einfach in eine Blu­
menvase. Oder zweigen Sie sich vom nächsten Baum was ab. Auf Ihrem Spazier­
gang findet sich vielleicht eine Feder, ein schönes Gras, Strohhalme, ein Holun­
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derzweig oder urtümliche- Schachtelhalme,
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die Sie zu einem Pinsel bündeln. -
Selbst ein dürrer Ast eignet sich zum Zeichnen. Stammt er vom Holunder, könn­
te er hohl sein. Eine schöne Alternative zu einer gekauften Rohrfeder. Sie werden
staunen, wie anders, wie interessant Zeichnen sein kann.
Siehe auch Tipp 109.

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ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN   Ohne geht’s nicht.

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STRANDSCHÖNHEITEN   Angeschwemmte, zu wunderlichen Formen ausgewaschene Holz­


stücke, Muschel- und Schneckenfragmente, Krebsscheren, poröse Lavasteine,
Seeigelschalen, glattgeschliffene Glasscherben – diese kleinen Dinge könnten
Ihr Urlaubsskizzenbuch schmücken. Mit Bleistift machen Sie sich erst mit der
Form vertraut. Danach gelingen ein paar lockere Zeichnungen mit einem
schnellen Stift. Oder Sie fordern Ihre Geduld heraus und versuchen die Schön­

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heiten so plastisch wie möglich darzustellen. Wenn Sie ein Skizzenbuch mit ge­
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töntem Papier haben, formen - exl37162862-3864917204
Sie den Gegenstand mit dem Bleistift vor allem -
an den Stellen, die beschattet sind. Darüber legen Sie mit Aquarell den Grund­
ton an. Mit Deckweiß höhen Sie zuletzt die Teile, die
herausleuchten sollen. Hier ein Spezialtipp
für glänzende Gegenstände, die Sie auf
getöntem Papier darstellen wollen:
Grundieren Sie die Flächen zuerst
mit verdünntem Deckweiß.
Siehe Tipp 82 und 51.
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PARALLEL L ÄUFT ES AM BESTEN   Es gibt viele Arten, wie Künstler Schraffuren zeichnen. Jeder
hat seine eigene Handschrift. Leonardo da Vinci hat überwiegend mit der linken
Hand gezeichnet. Deshalb sind seine Schraffuren gut an den von links oben
nach rechts unten gezogenen Linien zu erkennen. Albrecht Dürer war ein Meis­
ter in Formschraffuren. Sie helfen, Plastisches zu runden. Es erfordert Konzentra­
tion, wenn man die nach unten oder nach oben gewölbten Bögen einiger­maßen
parallel hinbekommen will. Weniger handwerklich betont sind Schraffuren,
- orderid - exl37162862-3864917204 - formen
wenn sie mit lockerer Hand transidoder -Tonwerte
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erzeugen. -
Kreuzschraffuren wirken sehr technisch. Bei dichten Lagen geht dieser Eindruck
verloren. Mehrlagige Parallelschraffuren werden homogener, wenn die Schich­
ten der Linien in einem flachen Winkel zueinander gezeichnet werden. Je dunk­
ler die Tonwerte, je weniger spielt die Richtung der Linien eine Rolle.
Mein Rat: Rasch gezogene Schraffuren sind überzeugender als vorsichtig ge­
zeichnete. Deshalb ist ein Schraffurtraining auf mindestens DIN A4 großen Blät­
tern sehr nützlich. Mit dem Tintenroller geht es prima! Siehe auch Tipp 46.
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SEISMOGRAFISCHES ZEICHNEN  Irgendwas Vibrierendes werden Sie finden. Zur Not geht

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auch, wenn Sie ein Papier auf Ihren wippenden Oberschenkel legen und einen
Stift darauf tanzen lassen. Die Idee zu der Zeichnung auf dieser Seite entstand
auf einer langen Busfahrt über holprige Strecken. Am besten funktionieren sehr
schwere Zeichengeräte, deren Gewicht alleine einen Strich erzeugt. Man kann
den Stift in bestimmte Richtungen steuern. Zum Beispiel, um Verdichtungen zu
erreichen, die Strukturen rhythmisch zu ordnen. Oder es ganz dem Zufall über­
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lassen. Eine andere Methode - exl37162862-3864917204
ist das Zeichnen mit Hiebkritzeln (siehe linke Sei­ -
te). Mit einem Zeichenstift, der nicht gleich den Geist aufgibt, schlägt man auf
ein robustes Papier ein. Tintenroller, Gänsekiele, Kugelschreiber, Wachskreiden,
auch ein Grasbüschel – alles, was Farbe abgibt, ist geeignet. Wozu das alles? Sie
sensibilisieren Ihren Blick für Strukturen. Und: Sie geben Ihre kopfgesteuerte
Kontrolle ein wenig aus der Hand und überlassen dem Material die Herrschaft
über die Zeichnung.
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IMMER DER GLEICHE STIEFEL   Es ist nicht einfach, seiner Art des Zeichnens neue Impulse zu
geben, besonders, wenn Arbeiten als zu brav, zu zögerlich empfunden werden.
Doch schon der Wechsel zu einem anderen Zeichengerät oder zu größeren Pa­
pierformaten kann neue Wege erschließen. Hier ist eine spielerische Methode
zu sehen, die durchaus ernst gemeint ist und sich über einen Umweg stimulie­
rend auf Ihr Zeichnen auswirken kann.
Legen Sie eine fertige Zeichnung auf einen Kopierer oder Scanner. Während des
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Kopiervorgangs bewegen Sie das Blatt in-verschiedene
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Richtungen. Sie werden -
herausfinden, welche Geschwindigkeit günstig ist. Wenn Sie einen dunklen Tin­
tenroller oder Tusche und Feder verwenden, ist die grafische Wirkung am größ­
ten. Die oft skurrilen Ergebnisse zeigen, dass Motive ganz anders interpretiert
werden können und wie wenig abbildhaft sie sein müssen. Die Botschaft ist:
Nehmen Sie sich schon beim unmittelbaren Zeichnen mehr Freiheit!
Diese Technik lädt außerdem zu variantenreichem Experimentieren ein: Auf den
manipulierten Kopien können Sie weiterzeichnen. Oder Sie nutzen sie als Col­
lagematerial zu phantasievollem Gestalten. Viel Spaß!
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KLEISTERZEICHNUNGEN   Das Spiel mit positiven und negativen Bildelementen kann durch
ein passendes Experiment ergänzt werden. Die Zutaten: Tapetenkleister, Eimer,
schmales Trinkglas, Acrylfarbe, Glas zum Anrühren, Flachpinsel und gutes Pa­
pier. Den Kleister mit Wasser sämig anrühren, klumpenfrei auf das Papier strei­
chen und anschließend mit der Farbe überpinseln. Danach das schmale Glas
mit der Öffnung senkrecht und dicht auf den Kleister-Acryl-Fond aufsetzen und
mit großzügigen Bewegungen über das Papier schieben. Jetzt nutzen Sie dieses
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Ergebnis als Druckstock und - exl37162862-3864917204
bedecken ihn mit einem neuen Papier, das Sie vor­ -
sichtig mit der flachen Hand andrücken. Nun ziehen Sie gleichmäßig die beiden
Papiere auseinander. Dies ist der erste Abdruck – eine Spielart der Monotypie.
Beide Papiere können erneut abgeklatscht werden, bis sie keine Farbe mehr ab­
geben. Mehrfarbdrucke und Überdrucke mit zwei unterschiedlichen »Druckstö­
cken« sind möglich. Sie werden nicht mehr aufhören wollen!

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STRANDL ÄUFER  Auf die Frage, an welchem Ort ich mich als Urlauber und Zeichner am
wohlsten fühle, habe ich nur diese Antwort: an einer Felsenküste. Nirgendwo
sonst werden meine Sinne so umfassend gefordert. Helles Licht, der bis an die
Erdkrümmung reichende Blick, der Salzgeschmack auf den Lippen, Patrouille
fliegende Möwen, ihre klagenden Schreie und das Anklatschen des Wassers. Mit
allem mag ich mich beschäftigen. Alles ist interessant, vieles schwierig: die
komplizierten Formen der tanzenden Wellen, die aufspritzende Gischt, die
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zeichnerisch sehr schwer festzuhalten - exl37162862-3864917204
Da gibt es löchrig vom Salzwasser -
ausgespülte Felsen, schön geschliffene Kieselsteine, silbrig glänzendes Treib­
holz, Muscheln, Schnecken, Teilglieder von Krebsen, Vogelfedern, Seegras – an
vielen Orten leider auch viel angeschwemmter Müll. Mein Tipp für einen ertrag­
reichen Zeichenurlaub am Meer: Bleiben Sie möglichst an einem Ort. Kleine In­
seln sind ideal. Hier ist es die bretonische Île de Groix. In der Begrenzung der
überschaubaren Insel gibt es genug festzuhalten. Siehe auch Tipp 77.

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VOM ZWEI- INS DREIDIMENSIONALE   Wie Kinder das räumliche Sehen und Zeichnen entde­
cken und es nach und nach verfeinern, ist ein spannender Aspekt ihrer Gesamt­
entwicklung. Am Anfang steht die lustvoll empfundene Erfahrung, dass Stifte
Spuren erzeugen. Dann entstehen Kritzeleien, die sie benennen oder interpretie­
ren. Die Zeitspanne des piktogrammartigen Zeichnens von Menschen, Tieren
und Gegenständen ist das Reizvollste der Kinderkunst. Für das Symbol eines
Hauses genügt ihnen lange Zeit ein Viereck mit einem Dreieck darüber. Später
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bekommt die Längsfront einen oder zwei-Giebel.
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Mit Beginn der Pubertät gelingen räumliche Darstellungen in einer Art Parallel­
perspektive. Dabei würde es bleiben, wenn keine Hilfe von außen angeboten
wird. Erst eine Perspektivlehre überwindet die Hürden und kann zu ungeahnten
Aha-Erlebnissen führen. Augenhöhe, Horizont, Fluchtpunkte, Fluchtlinien, Ver­
kürzungen oder Zentralperspektive sind Begriffe einer Darstellungstechnik, de­
ren Entdeckung in der Renaissance der Kunst einen enormen Schub verlieh.
Per­spektivisches Zeichnen ist kein Hexenwerk. Ein Lehrbuch, ein spezieller Zei­
chenkurs oder Hinweise im Internet helfen weiter. Prägen Sie sich das Wichtigs­
te ein. Mit stetiger Übung wird aus Theorie routinierte Praxis.
Siehe auch Tipp 108.
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ZEICHNEN, WO NIX IST   Landet man auf Lanzarote, ist es, als wäre man von einem Grashügel
auf einen Steinhaufen gehüpft. An vielen Stellen ist die Insel wie ein zu dunkel
gebackener Brotlaib, scharfkantig aufgerissen. Es gibt Touristen, die deshalb nie
mehr wiederkommen. Andere lieben die Insel genau dafür. Sie sehen, dass
Lanzarote keine Endzeitlandschaft ist.
Quadratkilometer große Teppiche aus Lapillikies modellieren die Landschaft,
aus der sich unzählige Vulkane mit prachtvollen Mineralfarben emporheben.
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Die Bauern nutzen den schwarzen - exl37162862-3864917204
Kies als Hydrokultur für herrliche Weine und -
wohlschmeckendes Gemüse. Überall drücken sich Pionierpflanzen durch die
Lava­kruste. Die Mischung aus apokalyptischer Unwirklichkeit und Kulturland­
schaft ist ein zeichnerischer Leckerbissen. Hier sind weiche Grafitstifte, satt­
schwarze Tintenroller oder Tuschefedern die passenden Zeichengeräte. Genau
das Richtige für die verwirrenden Strukturen, die Konzentration fordern, aber
auch zur freien Interpretation einladen.

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MIT DEM SKIZZENBUCH AUF EXPEDITION   Jens Hübners Tour mit Fahrrad und Zelt durch die
Sahara begann in Ägypten. Die kolorierte Zeichnung des Doppeltempels bei Kom
Ombo stammt aus seinem tagebuchartigen Skizzenbuch, das ihn auf dieser Reise
begleitete. Um den Grundton der Landschaft einzufangen, bediente er sich einer
empfehlenswerten Methode: Er färbte das Papier des Skizzenbuchs an vielen
Stellen mit Rooibostee ein und arbeitete zusätzlich mit Aqua­
rellfarben.
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Die Zeichnungen und Aquarelle von Jens-Hübner
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setzen eine -
Tradition der Reisemalerei fort, die Künstler vor allem im
19. Jahrhundert in Gebiete führten, die in Europa weitgehend

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unbekannt waren. Der 1802 in Augsburg geborene Johann
­Moritz Rugendas sei hier als Beispiel genannt. Während Künst­
ler der Romantik scharenweise nach Italien und Griechenland fuhren, zog es ihn
nach Süd- und Mittelamerika, wo er über 6000 Zeichnungen und Gemälde schuf.
Diese haben den berühmten Naturforscher und Weltreisenden Alexander von
Humboldt so begeistert, dass er Rugendas Mentor, Förderer und Freund wurde.
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IN STRUKTUREN SCHWELGEN  Den Charakter von Oberflächen so hinzubekommen, dass


man das Material erkennt, ist nicht einfach. Die Besonderheiten der Zeichen­
geräte und die Komplexität der Motive setzen Grenzen. Was für alle Zeichen­
übungen gilt, ist auch hier richtig: Die Seherfahrung ist wichtiger als das Resul­
tat auf dem Papier. Sie hilft beim spontanen Zeichnen rasch das geeignete
Kürzel zu finden. Auch unvollkommen kann sie der Betrachter dechiffrieren. Das
ist besser, als über alle Oberflächen hinweg dieselben Kringelchen zu zeichnen.
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Je spontaner Kürzel entstehen, - exl37162862-3864917204
desto überzeugender die Zeichnung. Will man -

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den richtigen Dreh erst in einer »ernst gemeinten« Arbeit herausfinden, ist Frust
vorprogrammiert. Also immer wieder ein paar Oberflächen »aufs Korn« neh­
men und den Seh­erfahrungen hinzufügen. Extratipp: Recherchieren Sie Kupfer­
stiche von Albrecht Dürer. Sehr lehrreich!
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SCHÖNE BIESTER   Herumflatternde Motten im Haus sind lästig, Stubenfliegen Nervtöter. Auf
Schnaken könnte man verzichten. Spinnen sähe man lieber draußen als drin­
nen. Ein glibbriger Engerling im Blumentopf ist nicht willkommen. Auch die
nachtaktiven Silberfischchen können eine Plage sein. Doch beim näheren Hin­
sehen, am besten mit einem Vergrößerungsglas, entpuppen sich die Biester als
bildschöne Zeichenobjekte.
Hier ein Vorschlag: Legen Sie ein spezielles Skizzenbuch für alles an, was in Ihrer
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Wohnung, auf dem Balkon,- auf
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der Terrasse oder im Garten kreucht und fleucht. -
Sie werden staunen, was da im Laufe der Jahre zusammenkommt. Vielleicht in­

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teressieren Sie sich besonders für eine Art. Zum Beispiel für die zahlreichen Va­
rianten der Marienkäfer. Entdecken Sie ihre Puppen und Larven. Auch diese sind
sehr schön anzusehen! Und sehr nützlich. Am liebsten fressen sie Blattläuse.
Oder Sie besorgen sich im Blumenhandel eine Venusfliegenfalle und schauen
zeichnend zu, wie eine Pflanze ein Heupferd frisst. Ich weiß, das klingt grausam.
Aber Zeichner sollten vor nichts zurückschrecken. Siehe auch Tipp 24.
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RETROSPEKTIV   80er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Ein Auftrag für ein auflagenstarkes Ma­

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gazin. Thema des Hefts: ein Altrheingebiet in Stockwerken – über und unter
Wasser. Vorbild war der artenreiche Taubergießen am Oberrhein.
Es gab kein Internet, keine Suchmaschinen, die die Recherche erleichtert hätten.
Damals benötigten Illustratoren für solch eine Aufgabe eine umfassende Biblio­
thek und gute Beziehungen zu zoologischen und botanischen Instituten. Glück
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hatte, wer in der Nähe einer - exl37162862-3864917204
Universität sein Atelier hatte. -
Der geforderte Entwurf wurde mit der Post versendet. Die Möglichkeit, eine
Reinzeichnung per Mausklick an den Auftraggeber zu schicken, war noch nicht
erfunden. Der erste Versuch musste gelingen. Ging er daneben, musste alles
nochmal gemacht werden. Photoshop gab es natürlich nicht.
Nicht geändert hat sich, dass Illustratoren im Vorteil sind, für die Naturstudien
eine Selbstverständlichkeit sind. Die unvermeidbaren Vorlagen, die nicht immer
aussagekräftig genug sind, wissen sie richtig zu interpretieren. Gleichgültig ob
die Arbeiten auf Papier oder auf einem digitalen Zeichenbrett entstehen, kön­
nen sie ihren Wahrnehmungserfahrungen vertrauen.
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OB STIFT ODER MAUS, AUF KOPF UND HAND KOMMT ES AN   Holzschnitte von Albrecht Dü­
rer zeigen, dass er mit Vorrichtungen experimentierte, die ihm das perspektivi­
sche Zeichnen erleichtern sollten. Wie David Hockney in unseren Tagen, hätte
der Renaissancekünstler heute keine Skrupel, ein digitales Zeichenbrett zu nut­
zen. Junge Zeichner des 21. Jahrhunderts machen keinen Unterschied mehr, ob
eine Handzeichnung auf Papier oder mit digitalem Zeichenstift auf einem
Touchscreen entsteht. Wer im Zoo oder im Urlaub ein Grafiktablett dabeihat,

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kann seine Materialkiste zuhause lassen. -Sieexl37162862-3864917204
ist im Zeichenprogramm integriert. -
Auf ein paar »analoge« Sinneseindrücke muss man allerdings beim digitalen
Zeichnen verzichten: das schöne Gefühl, ein gutes Zeichenpapier zwischen den
Fingern zu halten, das hörbar weiche Gleiten von Zeichenkohle, Grafit und
Pastellkreiden, das kratzige Geräusch einer Rohrfeder oder die ein wenig nach
Teer riechende Zeichentusche. Nichts als Nostalgie? Kann
sein. Vielleicht ist es wie mit dem Lesen von Literatur
auf einem E-Book. Es wird das haptisch erfahrbare
Buch nicht ersetzen. Hoffentlich!
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AUF DEN SCHULTERN   Ordnen Sie folgende Künstlerinnen und Künstler chronologisch nach
ihrem Geburtsjahr: Peter Paul Rubens, Leonardo da Vinci, Max Beckmann, Mary
Cassatt, Giovanni Battista Tiepolo, Francisco Guardi, Jean Giraud alias Moebius,
Albrecht Dürer, Käthe Kollwitz, Francesco de Goya, Hans Holbein der Jüngere,
Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Heinrich Kley, Max Slevogt, Wolfgang Rei­
therman, Katsushika Hokusai, Paul Flora, Edgar Degas, Gustave Doré, Egon
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Schiele, Isabel Quintanilla,-Lyonel
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Feininger, Andrew Wyeth, Félix Valloton, Olaf -
Gulbransson, John Constable, Adolph von Menzel, Jean-Jacques Sempé, Henri
de Toulouse-Lautrec und Horst Janssen.
Quatsch! Das ist nicht ernst gemeint und auch keine Eingangsfrage zu einer Ra­
tesendung. Dennoch sollten Sie sich für das zeichnerische Werk dieser Künstler
interessieren. Sie setzen Maßstäbe, an denen sich Zeichnerinnen und Zeichner
orientieren können. Die Betrachtung nicht nur von Meisterwerken schärft Ihr
Gespür für Qualität und hilft bei der eigenen Arbeit richtige Entscheidungen zu
treffen. Machen Sie sich bewusst, was Sie begeistert und was Sie kaltlässt.
Siehe auch Tipp 91.
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AUGENFUTTER   Zeichnungen von Andrew Wyeth sind eine Offenbarung und im Buch Wyeth
at Kuerners in großer Fülle ausgebreitet. Immer noch gültig sind Gerhard Goll­
witzers Texte in seinem 1952 erschienene Büchlein Zeichenschule für begabte
Leute. Mit Schmökern in Bernsteins Buch der Zeichnerei werde ich nie fertig. Die
andächtige Stille der vielen Besucher in der Berliner Ausstellung mit den Wun­
derwerken von Hokusai ist mir unvergesslich und der Katalog eine einzige Au­
genweide. Und kein Buch über den Goldenen Schnitt lässt mehr staunen als das
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reich illustrierte von György transid - exl37162862-3864917204
Die Kraft der Grenzen. -

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Das sind ein paar mir wichtige Bücher zum Thema Zeichnen, die meine Arbeit
begleiten – viele davon seit Jahrzehnten. Darunter sind kostbare, sinnlich und
haptisch erfahrbare Schätze. Bücher sind kein Fastfood. In ihnen erfährt man
Dinge im Zusammenhang. Erstaunliche darunter, zum Beispiel, dass Adolph
Menzel mit dem Zimmermannsbleistift zeichnete. Im Katalog der Münchner
Ausstellung radikal real steht es. Und man kann es sogleich nachprüfen. Die Ab­
bildungen sind so gut wiedergegeben, als hätte man ein Faksimile seiner Skiz­
zenbücher vor sich. Mein Tipp: Stöbern Sie in einem Antiquariat nach Büchern
über Zeichner und das Zeichnen. Es ist pures Augenfutter! Siehe auch Tipp 90.
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MUSEUM SKETCHING   Künstler stehen auf den Schultern derjenigen, die in der Zeit vor ihnen
gearbeitet haben. So ähnlich hat es einmal der Maler, Grafiker und Autor Oskar
Kokoschka formuliert. Für mich ist das Skizzieren im Museum eine fruchtbare
Auseinandersetzung mit dieser Tatsache. Ich entdecke Neues, vermeintlich Be­
kanntes neu oder in einem ganz anderen Licht. Besonders aufregend sind für
mich natürlich Ausstellungen von Arbeiten auf Papier, insbesondere Zeichnun­
gen, die wegen ihrer Lichtempfindlichkeit selten gezeigt werden können. Meist
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führen solche Ausstellungen - exl37162862-3864917204
zu einem Arbeitsschub oder zumindest zu einem -
Tritt in den Hintern: Tu was!
Verbunden mit tagebuchartigen Eintragungen und Notizen zu den Exponaten
sind solche Zeichnungen wertvolle Gedankenstützen. Außerdem: Jede Arbeit
erweitert das Bildgedächtnis. Dieser Bildervorrat hilft bei der eigenen Arbeit.
Lassen Sie sich viel Zeit zum Zeichnen im Museum. Verwenden Sie ein Skizzen­
buch mit stabilem Deckel, der Ihnen als Unterlage dient.

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MIT DEN AUGEN ZEICHNEN   Falls es wirklich mal vorkommen sollte, dass Sie ohne Stift und
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Skizzenbuch unterwegs sind, - exl37162862-3864917204
haben Sie eine Alternative: Zeichnen Sie mit den -
Augen! Bewegen Sie einen virtuellen Zeichenstift über Gesichter von Menschen.
Sehen Sie, wie sich konkave mit konvexen Konturen abwechseln? Dieses Spiel
von Wölbungen und Einbuchtungen begegnet Ihnen überall: in einer hügeligen
Landschaft, an einer Weinflasche, bei den Konturen eines Katzenrückens oder
bei Wellen am Meer. Letzteres: zum Verzweifeln schwierig!
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VOM GLÜCK DER ANSTRENGUNG   Sicher ist Ihnen beim Zeichnen schon die merkwürdige
Mischung aus Anstrengung und Entspannung aufgefallen. Trotz mancher Frus­
tration zu Beginn, wenn die Striche noch nicht »sitzen«, stellt sich doch nach
und nach ein Zustand ein, den Psychologen als Flow bezeichnen: Flow ist das
völlige Aufgehen in einer Tätigkeit, die uns Konzentration und Mühe abverlangt,
die wir aber gerade deshalb lustvoll ausüben. Zeichnen ist ein hervorragender
Flow-Erzeuger (wie etwa auch Musizieren, Schachspielen, Klettern, Joggen),
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denn unser Objekt absorbiert - und
Auge, Hand exl37162862-3864917204
Kopf so sehr, dass wir in ein Sta­ -
dium der Selbstvergessenheit geraten und alles andere um uns herum ausblen­
den, manchmal für Stunden. Danach ist man vielleicht müde oder sogar er­
schöpft – aber gleichzeitig auch entspannt und zufrieden. Zeichnen wird also
mit jeder Übung mehr zu einer Form von Kontemplation und Meditation, die
tiefe Glücksgefühle auslösen kann. Besondere Orte haben daran einen großen
Anteil. Gönnen Sie sich den Zeichenflow!

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LÜCKEN ERKENNEN   Ein schwieriges Kapitel, besonders für Anfänger. Und nicht nur für diese!
Wir identifizieren Gegenstände am besten, wenn sie dunkel vor hellem Hinter­
grund stehen. Das Dazwischen interessiert die Wahrnehmung wenig. Oder
doch? Ohne diese Zwischenräume würden sich Gegenstände gar nicht darstel­
len. Sie als Form zu erkennen, ist für das Zeichnen sehr wichtig und im Lernpro­
zess eine große Hürde, die es zu überwinden gilt, will man weiterkommen.

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Ein Beispiel: Betrachten Sie die Blattgruppe eines Baums. Genauso wichtig wie
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ihre Form selbst sind die Räume - exl37162862-3864917204
zwischen den Blättern. Sie beschreiben die -
Konturen der Blätter. Wer diese Zwischenräume sieht und darstellen kann,
spürt, wie das Zeichnen noch einmal einen gewaltigen Schub erhält.
Ein Aha-Erlebnis, das es in sich hat. Sie werden sehen, es hat
Folgen für so viele andere Motive.
Siehe auch Tipp 19 und 96.
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WECHSELSPIEL   Sie kennen die hier abgebildete Kippfigur, vielleicht auch kompliziertere op­
tische Täuschungen, die mit unserer Wahrnehmung Schabernack treiben. Se­
hen Sie zwei Profile von Gesichtern oder fällt Ihnen zuerst der Pokal auf? Oder
beides gleichzeitig? Wenn Ihnen Letzteres keine Schwierigkeiten bereitet, wird
Ihnen eine Zeichnung einer mit Laub beschatteten Fläche wenig Mühe machen.
Wenn es Ihnen aber trotzdem ein wenig schwerfällt, dann sollten Sie mit einem
kleinen Ausschnitt solcher Licht- und Schattenflächen beginnen. Versuchen Sie
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nicht nur die Form der Blätter - exl37162862-3864917204
zu sehen und zu zeichnen. Auch die Lichtflecken -
haben eine Form, die sich an den Blattformen orientieren muss.
Sabine Baumgärtel hat das Motiv mit dem Tintenroller gezeichnet und eine
Umrandung der Flächen vermieden. Sie sehen, dass die Baumstämme nicht
vollständig mit einer Linie gezeichnet werden müssen. Unser Auge ist in der
Lage, sie als Ganzes zu erkennen. Auch mit dem Bleistift und anderen Zeichen­
geräten ist dies eine ausgesprochen nützliche Übung. Sind Sie mit dem Ergeb­
nis zufrieden, nehmen Sie einen schwarzen Karton und zeichnen die Licht­
flecken mit weißem Farbstift ein. Sehr erhellend! Siehe auch Tipp 19 und 95.
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PAPIER ALS LICHTRAUM   Ein Zeichenpapier ist nicht nur der Träger des Motivs. Es ist Teil der
Gestaltung und der Raum, in dem Ihre Arbeit einen optimalen Platz bekommen
soll. Ist eine Zeichnung einfach nur in die Mitte eines Formats platziert, kann sie
keine spannungsvolle Beziehung zu der Gesamtfläche eingehen. Dass ein Bo­
gen Zeichenpapier wirklich zu einem dreidimensionalen Raum werden kann,
demonstriert die Aufnahme auf der linken Seite. Ursprünglich war nur die
Zeichnung zu sehen. Dann wurde die reale Pflanze, beleuchtet durch eine Lam­
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
pe, so über die Zeichnung gehalten, dass -sich
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ihr Schatten auf dem Papier abbil­ -
den konnte. Beides zusammen wurde mit der Kamera dokumentiert. Diese De­
monstration zeigt, wie man Papier in einen dreidimensionalen Lichtraum
verzaubern kann. Die andere Zeichnung, ohne Schatten, vermag das nicht. Ver­

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suchen Sie also, wann immer es sich anbietet, Schatten in Ihre Zeichnungen
einzufügen. Damit schaffen Sie nicht nur Raum, sie erzeugen
auch Licht. Seine Anwesenheit schafft Atmosphäre – ein
nicht zu unterschätzender Faktor in Bezug auf die
Akzeptanz einer Arbeit. Siehe auch Tipp 98.
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EINEN SCHATTEN WERFEN   Schatten knipsen Licht an. In einer Zeichnung funktioniert, was
physikalisch gesehen natürlich Unsinn ist. Doch je mehr dunkle Flächen weiße
Anteile in der Zeichnung umgeben, desto besser können diese aus dem Papier
herausleuchten. Hier sehen Sie die Wirkung von Wurfschatten. Sie sind, im Ge­
gensatz zu Eigen- und Schlagschatten, vom Gegenstand mehr oder weniger
weit getrennt. Die Zeichnung links demonstriert, wie allein durch den Schatten
auf dem flachen Papier ein dreidimensionaler Raum entsteht. Links wirft der
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Stein einen Schatten auf einer - exl37162862-3864917204
eingefärbten Fläche. Hier auf dieser Seite macht -
er das weiße Papier zu einem einzigen Lichtraum. Ohne den Schatten würde der
Bänderstein wie auf dem Papier aufgeklebt wirken. Sie können es hier auf dieser
Seite testen, indem Sie den Schatten mit einem Stück weißem Papier abdecken.
Siehe auch Tipp 97.
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ALLES, WAS GL ÄNZT   Wenn Sie das Zeichnen mit Tonwerten üben wollen, dann sind Metalle
und durchsichtige Gläser ideale Übungsobjekte. Sie entdecken, wie viel Schwär­
ze Sie mit Grafit auftragen müssen, um Lichtreflexe zur Wirkung zu bringen. Be­
ginnen Sie mit einfachen Objekten. Hilfslinien zur Konstruktion der Gegenstän­
de zeichnen Sie mit weichen Bleistiften so hell es geht. Sie verschwinden in dem
nächstdunkleren Tonwert. Zeichnen Sie Schicht auf Schicht. Versuchen Sie ho­
mogene Flächen zu erzeugen. Die Testreihe oben zeigt Ihnen, wie man das üben
- orderid - exl37162862-3864917204 - abgegrenzte
kann. Achten Sie auf scharf transid -Lichtreflexe
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und solche, die einen wei­ -
chen Verlauf haben. Ganz zum Schluss können Sie mit etwas härteren Bleistif­
ten notwendige Präzisierungen vornehmen. Denn auch hier gilt die Regel: Hart
auf Weich, nicht umgekehrt!

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ALLES RICHTIG? KEINESWEGS!   »Und mag ein Ding noch so ungeschickt oder verzeichnet
sein, egal, ich will in jedem Strich den Willen sehen, das ist alles, Korrektheit
nichts.« Arnold Böcklin (1827–1901) hat damit der ausdrucksstarken Linie vor
dem abbildhaften Abzeichnen den klaren Vorzug gegeben.
Nicht immer ist ein anatomisch oder perspektivisch exakt wiedergege­
benes Motiv eine gute Arbeit. Zeichnungen von Pablo Picasso sind
dafür ein beredtes Beispiel. Seine Meisterschaft gründet in
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seinem zupackenden Strich, - exl37162862-3864917204
frei von den Fesseln erwarteter -
Genauigkeit, und seiner trotzdem erahnbaren guten Beob­
achtungsgabe. Darin liegt die Faszination seiner Zeichnun­
gen. Diese Unbekümmertheit ist nicht von heute auf
morgen erreichbar. Aber es gibt Methoden, die
lange Wege abkürzen helfen.
Siehe auch Tipp 47 und 111.
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URBAN SKETCHING   Die 2007 in Seattle gegründete Organisation der Urban Sketchers ist zu
einer weltweiten Bewegung herangewachsen. In vielen Städten haben sich
Gruppen gebildet, die sich zum Zeichnen verabreden. Präsentiert werden die
­Arbeiten nicht in Museen und Galerien, sondern im Internet.
Hier ein Auszug aus ihrem Manifest: »Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder drau­
ßen, nach direkter Beobachtung. Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte
unserer Umgebung, der Orte, an denen wir leben oder zu denen wir reisen. Wir
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zeigen die Welt, Zeichnung-für
transid - exl37162862-3864917204 -
Zeichnung.«
Suchen Sie im Internet nach Urban Sketchers. Sie werden staunen, welche Viel­
falt an Techniken und Stile zu entdecken sind! Sie finden dort auch Infor­
mationen über lokale Gruppen. Vielleicht haben Sie Lust mitzumachen.
Unter den Sketchern gibt es große Könner. Die Zeichnung auf der
­linken Seite stammt von dem Berliner Rolf Schröter. Ganz schön mu­
tig, in einem Supermarkt zu zeichnen, werden Sie denken. Ja, das ist
es. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich, auch an belebten Orten zu
zeichnen und sich ganz auf das Motiv zu konzentrieren.
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KONKURRENZ BELEBT   Gruppendynamisch gesehen sind Zeichengruppen interessante Stu­

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dienobjekte. Neben allen möglichen Schattierungen von Persönlichkeiten gibt
es immer wieder einzelne Teilnehmer, die ängstlich sich selbst blockieren, weil
- orderid - exl37162862-3864917204 - transid
sie glauben, dass jemand dabei - exl37162862-3864917204
sein könnte, der »besser« ist. -
Ein paar Überlegungen helfen: Verwandeln Sie diese Besorgnis offensiv in ein
Interesse an dem, was die anderen machen. Kritisieren Sie konstruktiv und er­
tragen Sie selbst Kritik. Man kann immer etwas von anderen lernen. Glauben
Sie an die Entwicklungsfähigkeit Ihrer Arbeiten. Erwarten Sie nicht, dass sich
Fortschritte über Nacht einstellen. Zeichnen lernen braucht Zeit.
Urban Sketchers, die weltweite Bewegung von Zeichnerinnen und Zeichnern,
die sich regelmäßig treffen und online veröffentlichen, kennen die positive Wir­
kung des Zeichnens in Gruppen.
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STOCKSTEIF UND UNBERECHENBAR   Sie kann die Tusche kaum halten, kratzt, spritzt, tropft
und ist doch ein fabelhaftes Zeichengerät. Die Rohrfeder verlangt eine Hand, die
Striche mutig über das Papier treiben kann. Nichts für Feiglinge. Ein Werkzeug
für Zeichner, die das Risiko nicht scheuen und wissen, dass etwas schiefgehen
kann. Die klassische Rohrfeder besteht aus Bambus. Sie können perfekt herge­
stellte Rohrfedern im Kunstbedarfshandel kaufen. Doch Selbermachen bereitet
Spaß. Sie brauchen ein fingerdickes Rohr und etwas Geschick im Umgang mit
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scharfen Messern. Vorteil -
dertransid - exl37162862-3864917204
selbst hergestellten Rohrfedern ist, dass jede an­ -
ders ausfällt. Die einen können Sie spitz zuschneiden, andere flach enden las­
sen. Wichtig ist, dass die Feder vorne sehr dünn geschnitzt ist und einen Längs­
schnitt hat, der die Feder mittig teilt. So wird sie elastisch und federt. Am Ende
des Schnitts bohren Sie ein Loch. Das hilft, die Tusche möglichst lange am glat­
ten Bambusholz zu halten. Da die Tusche das Holz versiegelt, sollten Sie die
Bambusfeder nach Gebrauch feucht abwischen.

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ZEICHNEN MACHT GLÜCKLICH   Danny Scholz zeichnet am liebsten Köpfe auf kleinen Tafeln
und großen Leinwänden. Zufrieden und stolz zeigt sich der Künstler neben
seinem Werk. Unschwer erkennt man ein Selbstporträt. Seine Bilder
werden in Ausstellungen bewundert. Bei Sammlern sind sie begehrt.
Das Glück war nicht immer auf seiner Seite. Die Motorik von Danny
Scholz ist eingeschränkt. Er ist Mitglied des Wormser atelierblau.
In der Einrichtung der Lebenshilfe hat die künstlerisches Arbeit
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eine enorme positive Wirkung - exl37162862-3864917204
auf die Persönlichkeit der behin­ -
derten Künstler.
Danny Scholz zeichnet Bilder mit starker, suggestiver Wirkung. Sie
wirken authentisch und unbeeinflusst von Stilrichtungen. Seine Ar­
beiten entstehen intuitiv »aus dem Bauch heraus«. Die von Konventio­
nen unbeschwerte Kunst von Danny Scholz ist eine Aufforderung, darüber
nachzudenken, wie Bildwirkung zustande kommt und was authentisches Zeich­
nen bedeutet. Seine Kunst inspiriert – nicht, um sie nachzuahmen. Deshalb
mein Tipp: Suchen Sie immer wieder eine Gelegenheit und Übung, Motive durch
ausdrucksstarke Linien möglichst einfach auszudrücken. Siehe auch Tipp 37.
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VORTRETEN   Räumlichkeit lässt sich wunderbar allein mit Linien erzielen. Je dichter sie ge­
zeichnet sind, je heller erscheinen Bildteile, die hervortreten sollen. Mit Parallel­

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schraffuren erreichen Sie auf schnelle Weise sehr dunkle Tonwerte. Mit Struktu­
ren der Details – einer Rinde zum Beispiel – beschreiben Sie die spezifische
Oberfläche eines Motivs. Mit der Verdichtung und Auflösung dieser Kürzel steu­
ern Sie die Tonwerte. Parallelschraffuren und Strukturen sind gut zu mischen. 

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Sammeln Sie mit der Kamera Beispiele für Strukturen in der Natur. Am besten
mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Das fördert die Wahrnehmung und hilft beim
Zeichnen nach direkter Beobachtung. Vom Abzeichnen solcher Fotos rate ich
auch hier ab. Weit lehrreicher ist das Zeichnen räumlich gesehener Objekte.
Siehe auch Tipp 28, 29 und 74.
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NUR EIN ANL ASS   Dieses, hier unterlegte, seltsam geformte Gebilde ist der Blütenstand einer
Bergpalme. An einem Stiel hängen fünf krakenartige Arme. Ein wunderschönes
Objekt für geduldige Zeichner. Wenn Sie zu diesen gehören, wird man Sie dafür
loben, wie perfekt Sie es wiedergeben können. Wissenschaftliche Illustratoren
brauchen diese Fähigkeit. Auch das kann große Kunst sein.
Gehören Sie aber zu den ungeduldigen Zeichnern, dann betrachten Sie eine sol-
che Form als eine Aufforderung für ein freies zeichnerisches Spiel. Platzieren Sie
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das Objekt auf Ihrem Zeichenpapier - exl37162862-3864917204
so, dass eine spannungsvolle Komposition -
entsteht. Nach einer Weile werden Sie das Objekt gar nicht mehr anschauen
und vergessen, was es ist. Verfremden Sie es farblich. Variieren Sie die Form.
Nutzen Sie unterschiedliche zeichnerische Techniken. Kombinieren Sie diese
mit Acryl-, Tempera- und Aquarellfarben oder mit anderen Materialien. Den Ex-
perimenten sind keine Grenzen gesetzt. Damit können Sie lange beschäftigt
sein und ein ganzes Skizzenbuch füllen. Das hier abgebildete ist selbst gemacht!

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AN DER WURZEL PACKEN!   Mit Bleistift, Tintenroller, Rötel, Farbstift, Aquarell, Pastellkreide,
Acryl, Kohle, auf vorgestrichenem oder getöntem Papier, mit Aquarell auf Büt­
ten, im Skizzenbuch über den Bund, auf großem Bogen an der Staffelei, mit dem
Finger gewischt, laviert, radiert, mit Textur oder Formschraffur, gesprüht, abge­
klatscht, das Ding von hinten, von vorne, in Drauf- und Untersicht, auf Augenhö­
he, gedreht, gestürzt, diagonal, hereinfallend, harmonisch im Goldenen Schnitt,
angeschnitten, mittig zentriert, eingeklemmt, aufgehängt, mit und ohne Schat­

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ten, negativ, angestrahlt, ganz sorgfältig,-wie
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Dürer, surreal, expressiv, naturalis­ -
tisch, abstrahiert, verfremdet … und das am Beispiel des immer gleichen Gegen­
stands. Sie werden staunen, auf welche Ideen Sie dabei noch kommen! Keine
Wurzel zur Hand? Keine gute Ausrede! Siehe auch Tipp 7.
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EINE BITTE   »Die Grundschule hat die vorrangige Aufgabe, jedes Kind individuell zu fördern.«

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So ungefähr steht es im Bildungsplan eines deutschen Bundeslands. Das Fach
Kunst soll zu bildnerischem Denken erziehen, den Kindern das Entdecken ihrer
Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten ermöglichen und sie zur Ent­
wicklung einer eigenständigen Bildsprache führen. Wie kann sich aber eine ei­
gene Bildsprache entwickeln, wenn zum Beispiel an Schulen, nicht an allen (!),
Klassensätze von Kopien verteilt werden, bei denen die Kinder – ausgerechnet
- orderid - exl37162862-3864917204
in ihrer kreativsten Phase-–transid - exl37162862-3864917204
durch Ausmalen fremder Vorlagen nur noch die -
Wahl zwischen ein paar Farben haben? Meine Bitte: Wenn Sie mit Kindern ar­
beiten oder die Möglichkeit haben, mit ihnen zu zeichnen, unterstützen Sie de­
ren eigenschöpferische Anlagen mit Aufgaben, die ihrem jeweiligen Alter und
Interesse entsprechen. Bringen Sie die kreativen Schätze ans Tageslicht, die in
jedem Kind schlummern. Sie werden Augen machen! Siehe auch Tipp 83.
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AUSSER KONTROLLE   Sind Sie mit Ihrem gewohnten Zeichenstil unzufrieden oder finden Sie,
dass Ihre Zeichnungen steif und unspontan wirken? Ein radikaler Technikwech­
sel könnte wahre Wunder wirken. Vielleicht genügt auch nur ein gelegentliches
Spiel mit ungewohntem Material. Es ist durchaus möglich, dass solche Experi­
mente helfen, Ihre zeichnerischen Möglichkeiten zu erweitern. Entdecken Sie,
was man alles unter dem Begriff Zeichnen verstehen kann.
Versuchen Sie dem Gehirn und der Hand die Kontrolle zu entziehen. Experimen­

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tieren Sie drauflos. Legen Sie - an
alles, was Sie exl37162862-3864917204
Materialien zur Verfügung haben, -
in erreichbare Nähe. Sie werden staunen, auf was für Ideen Sie kommen und
welche Überraschungen Sie erleben. Ich garantiere Ihnen einen wunderbaren
Flow. Sie werden die Welt um sich herum vergessen. Siehe auch Tipp 75.
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RETTET DIE SLOWMAIL!  Helfen Sie mit, diese wunderbare und traditionsreiche Art des
künstlerischen Austauschs zu erhalten. Sie können den Großteil Ihrer Post trotz­
dem dem Internet anvertrauen. Nur ein paar Kärtchen und Briefe im Jahr.
- orderid - exl37162862-3864917204 - irgendwas
Selbst malen, zeichnen, mit transidbekleben,
- exl37162862-3864917204
mit einer passenden Briefmar­ -
ke versehen und eigenhändig in den analogen Briefkasten werfen. Es sind phila­
telistische Kostbarkeiten! Haben Sie keine Angst, die kleinen Kunstwerke offen
zu verschicken. Die allermeisten erreichen die Adressaten.
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MACHEN SIE BILDER, KEINE ABBILDER!   Der Wunsch, ein Motiv in der Natur »richtig« wieder­
geben zu wollen, ist verständlich. Aber so sehr man sich auch bemüht, eine Wie­
dergabe eins zu eins kann nicht gelingen. Allein die Komplexität der Naturfor­
men und die Einschränkungen des Zeichenmaterials zwingen zu Abstraktionen.
Und das ist gut so.
Machen Sie sich nicht zum Sklaven eines Motivs. Sie gestalten es. So, wie Sie es
für richtig halten. Einzelne Bildelemente können Sie komplett weglassen, ande­
- orderid - exl37162862-3864917204
re dazuerfinden, erheblich-vereinfachen,
transid -sparsam
exl37162862-3864917204
andeuten, zusammenrücken -
oder auseinanderziehen. Wie es für die Bildwirkung optimal erscheint. Kennt­
nisse über kompositorische Möglichkeiten helfen dabei. Sie spüren sofort, ob
die Bildgestaltung gelingt und damit zur Qualität der Arbeit beiträgt. Intuitiv
nimmt auch der mit Gestaltungsfragen wenig vertraute Betrachter Ihren Ge­

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staltungswillen wahr. Siehe auch Tipp 47 und 100.
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WANN IST EIN BILD FERTIG?   Das wird Sie beschäftigen, solange Sie zeichnen. Die Arbeiten
auf dieser Seite demonstrieren, wie viele Tonwerte notwendig sind, um eine be­
stimmte Wirkung zu erzielen. Bei diesem Bachlauf in Schottland wollte ich das
Gegenlicht auf der Wasseroberfläche zur Wirkung bringen. Sie sehen, dass
schon wenige Tonwerte ausreichen, um diesen Effekt zu erzielen. Aber wie lernt
man, im richtigen Augenblick aufzuhören? Die Angst, eine Zeichnung zu verder­
ben, ist verständlich. Doch es lohnt sich, gelegentlich übers Ziel hinauszuschie­
- orderid - exl37162862-3864917204 - Erfahrungen
ßen. So können Sie wichtige transid -gewinnen,
exl37162862-3864917204
die Sie zwischen zu frühem -
Aufhören und Verderben einer Arbeit machen können. Dadurch bekommen Sie
ein Gespür dafür, wann Sie den Stift aus der Hand legen können. Machen Sie
Fotos, die die einzelnen Stadien dokumentieren. Das schafft Klarheit.

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ANFANGEN!

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ALBRECHT RISSLER,   1944 in Balingen geboren, Sohn eines Holzbildhauers, nach der Volks­
schule Lehre als Dekorateur, danach Plakatmaler in einem Modehaus. 1963 ers­
te Einzelausstellung mit Kleinplastiken und Malerei in Pforzheim. 1966 Beginn
des zweiten Bildungswegs, anschließend Lehramtsstudium. Dozent am Päda­
gogischen Fachseminar in Gengenbach. Zehn Jahre Fachlehrer für musisch-tech­
nische Fächer, zuletzt an der Internationalen Gesamtschule Heidelberg. 1981
Aufgabe des Lehrerberufs und Gründung eines Ateliers für Illustration. Langjäh­
- orderid - exl37162862-3864917204
rige Zusammenarbeit mit-Horst
transid - exl37162862-3864917204
Stern, Herausgeber des Umweltmagazins na- -
tur. 1987 Lehrauftrag an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung, Kunst
und Medien, Stuttgart. 1988 Berufung als Professor für Zeichnen und Illustra­
tion an die Fachhochschule Mainz, Fachbereich Gestaltung. 1995 Veröffentli­
chung des Buchs Zeichnen – unterwegs mit Stift Skizzenbuch im Callwey-­Verlag,
München. Seit 2002 Zeichenkurse u. a. während des Kunstsommers im Kloster
Irsee, an der Sommerakademie Oppenheim und an der Kunstakademie Bad Rei­
chenhall. 2012 Veröffentlichung des Buchs Zeichnen in der Natur in der Edition
Fischer, München. 2014 Herausgabe des Buchs Komposition – die Kunst der
Bildgestaltung im dpunkt.verlag, Heidelberg.
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BILDNACHWEIS  8 Stefan Gelberg   18 Im Uhrzeigersinn: Nicole Gaspar, www.creativwerk.net/


gaspar, Rainer Lieser, www.rainer-lieser.de, Lisa Küffner  20 Isabella Spitz­
nagel   21 Rainer Lieser   24 Schnake, Kinderzeichnung   27 Foto: Ursula Rück­
auf-Rissler   30 Mart Klein, www.dainz.net   32 Sigrid Kleinod   33 Linke Seite:
Horst Grüning, rechte Seite oben: Benjamin, unten: Linus 34 Ina Safran, Kinder­
zeichnungen von unten im Uhrzeigersinn: Sandra, Ferdinand, Petra, Tobias,
Carmen, David, Lisa, Florian, Valerie, Moritz, Kristina, Laura, Julian, Sophie,
­
- orderid - exl37162862-3864917204
­Florian, Robin, Gloria, Simone, Gesche  -36
transid
Linke Seite:- Statue
exl37162862-3864917204
einer römischen -
Dame (Ausschnitt), Abgusssammlung der Universität Heidelberg   37 Linke Sei­
te: S
­ tudent, Kursteilnehmer   38 Linke Seite oben und Mitte: Lisa Küffner, linke
Seite unten: Dr. Rainer Lenzen, rechte Seite: Ina Jakoby 39 Karin Schliehe,
www.schliehe-mark.de   46 Sprayer unbekannt   48 Bernhard Buss   51 Miguel
Herranz, www.miguel-­
herranz.com  52 Linke Seite: Elisabeth Kaiser, rechts
oben: Jo-Ella, rechts: H
­ annelore Rudolf   53 Wolf Heinecke und Albrecht Rissler,
Foto: Gisela Egger-Heinecke   55 Buchbinder der Skizzenbücher: Thomas Weil,
www.thomas-weil-buchbinden.de  56 Prof. Jörg Osterspey  57 Linke Seite:
­Susan Ide   58 Figur: Christian Trippe, Skizzenbuch: Katja Rosenberg, www.katja-
rosenberg.de  59 Elke Dörr   60 Linke Seite: Ina Jakoby, Mitte: Hans Dorenburg
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63 Christian Barthold, http://cargocollective.com/Christian-Barthold  65 Jörg


Hülsmann, www.joerg­huelsmann.de   68 Christian Felder, www.christianfelder.
de  69 Rechte Seite: Dr. Alfred Görstner, ­­
www.malerei-­
grafik.goerstner.de  
70 Prof. Eberhard Linke, www.stiftung-linke.de   71 Mandy Schlundt, www.man­
dysbilder.de   75 Katja Rosenberg   81 Rechte Seite: Waltraud Kissinger   83 Linke
Seite: Martin Stankewitz, rechte Seite: Barbara  85 Jens Hübner www.jens­
huebner.de  88 Rechte Seite Mitte: Angelika Konopatzki  89 Raimund Frey,
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www.rai­mund-frey.de   93-Von
transid
links nach-rechts:
exl37162862-3864917204
Rupert Lehmann, J­ ulia, Susann -
Stoebe, www.motivwerkstatt.de, Andrea Keller, Emilie Vanvolsem, www.emilie­
vanvolsem.info, Lutz Heyder 96 Linke Seite: Sabine Baumgärtel, rechte Seite
oben: Lena Ramdohr 97 Links oben: Josef Haug, www.josef-haug.de, Mitte:
Richard Franke, oben rechts: Agathe Haslach 98 Linke Seite: Andrea Diemer  
101 Skizzenbuch und Fotos: Rolf Schröter, skizzenblog.rolfschroeter.com
104 Danny S
­ cholz, www.atelierblau.com 106 Katja Rosenberg 107 Annette
Böhmer 108 Julia 109 Andrea Diemer   110 Links außen: Stefan Gelberg, rechte
Seite: Anabel Leiner, ­www.anabell­einer.de 111 Foto: Ursula Rückauf-Rissler,
Foto Innentitel: Thomas Weil, Foto Vita: Walter Spagerer, alle anderen Zeichnun­
gen und Fotos stammen vom Autor.
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INHALTSÜBERSICHT   1 Nulla dies sine linea   2 Alles zeichnen ist gut, alles zeichnen ist­
besser 3 Halten Sie Ihren Stift so? 4 Von Anfang an die richtigen Mittel 5 Der
Sprinter   6 Zeichnen in einem Zug   7 Wiederholen Sie sich!   8 Zeichnen auf
­Rädern 9  Durchblicke 10  Gedächtnisspur 11 Wie ein Fächer 12 Ein Dauer­
brenner 13 Schummern verboten! 14 Klassiker-Update 15 Für Spon­
tane   16 Nachher – Vorher   17 Schatten machen Licht   18 Keine Angst vor
­Maschinen!   19 Ins Licht gesetzt   20 Konterfei   21 Naheliegend   22 Merkhilfe
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23 Rind­­viecher   24 Wildlife ganz nah   -
25transid
Weniger ist-mehr
exl37162862-3864917204
  26 Offenheit und -
Dichte  27 Vor Ort unmittelbar  28 Zeichnen von Zeichen  29 Natur kopie­
ren?   30 Zeichnen wie gedruckt   31 Alles, was zeichnet   32 Anregendes Bis­
ter   33 Zeichne mir ein Schaf   34 Nie zu spät!   35 Erst mal ohne   36 Schlüssel­
übung   37 Blind zeichnen   38 Wilder Schädel   39 Reaktionsschnell   40 Was hat
Aquarellieren mit Zeichnen zu tun?   41 Lavieren   42 Jetzt erst recht!   43 Anre­
gung aus dem Skizzenbuch   44 Darf es ein bisschen größer sein?   45 Aus dem
Schultergelenk   46 Kunst oder Umweltverschmutzung?   47 Von der Freiheit
48 Initialzündung   49 Der Weichling   50 Geniale Idee   51 Höhen   52 Lernpro­
zess   53 Zu vier Händen   54 Die Mitte ist nicht immer golden   55 Recycling 
56 Blinddruck   57 Alles hat zwei Seiten   58 Kommen Sie aus Ihrer Ecke!   59 Brief­
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marken zeichnen   60 Mit Durchsicht   61 Die Königsdisziplin   62 Falten über­


all   63 Nicht nur für Kiddies   64 Speicherkapazitäten   65 Impuls aus Fernost 
66 Hommage an Andrew Wyeth   67 Auf Augenhöhe   68 Übe malen!   69 Im
Handumdrehen 70 Faltengebirge 71 Nicht von ungefähr 72 Das Einfachste ist
das Schwerste   73 Finished fish   74 Spurensuche   75 Griff in die Blumen­vase
76 Üben, üben, üben 77 Strandschönheiten 78 Parallel läuft es am besten  
79 Seismografisches Zeichnen 80 Immer der gleiche Stiefel 81 Kleisterzeich­
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nungen 82 Strandläufer 83 Vom Zwei-- ins
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Dreidimensionale 84 Zeichnen, -
wo nix ist   85 Mit dem Skizzenbuch auf Expedition   86 In Struk­turen schwel­
gen   87 Schöne Biester   88 Retrospektiv   89 Ob Stift oder Maus, auf Kopf und
Hand kommt es an 90 Auf den Schultern 91 Augenfutter   92 Museum Sket­
ching   93 Mit den Augen zeichnen   94 Vom Glück der An­strengung 95 Lücken
erkennen 96 Wechselspiel 97 Papier als Lichtraum 98 Einen Schatten wer­
fen  99 Alles, was glänzt  100 Alles richtig? Keineswegs!  101 Urban Sket­
ching   102 Konkurrenz belebt   103 Stocksteif und unberechenbar   104 Zeich­
nen macht glücklich   105 Vortreten   106 Nur ein Anlass 107 An der Wurzel
packen! 108 Eine Bitte 109 Außer Kontrolle 110 Rettet die Slowmail! 111 Ma­
chen Sie Bilder, keine Abbilder!   112 Wann ist ein Bild fertig?   113 Anfangen!
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IMPRESSUM Lektorat: Gerhard Rossbach, Barbara Lauer


Copy-Editing: Susanne Rudi
Gestaltung: Albrecht Rissler
Herstellung: Birgit Bäuerlein
Druck und Bindung: PHOENIX PRINT GmbH; Würzburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiblio­
grafie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86490-239-0

1. Auflage 2015
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Wieblinger Weg 17
69123 Heidelberg

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