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14.04.

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Der Sakrale Raum – vom antiken Tempel zu aktuellen Der Sakrale Raum – vom antiken Tempel zu aktuellen
Tendenzen im christlichen Sakralbau . . . Tendenzen im christlichen Sakralbau . . .

1. Die Genese des antiken Tempels 1. Die Genese des antiken Tempels
•  der minoische und der mykenische Kulturkreis: •  Der minoische und der mykenische Kulturkreis:
Architektur diametral! è Architektur diametral!
•  der griechische Tempel •  Der griechische Tempel
•  der römische Tempel •  Der römische Tempel

2. Die christliche Basilika - Entwicklung eines Bautyps 2. Die christliche Basilika - Entwicklung eines Bautyps

3. Sakralarchitektur: Raum. Licht. Liturgie 3. Sakralarchitektur: Raum. Licht. Liturgie

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Daidalos, der Ur-Architekt ?

Der Sakrale Raum – vom antiken Tempel zu aktuellen


Tendenzen im christlichen Sakralbau . . .

1. Die Genese des antiken Tempels


•  der minoische und der mykenische Kulturkreis:
è Architektur diametral!

a)  Daidalos und der Architekt als mythischer Schöpfer

b)  Das Labyrinth: Die Bauprinzipien der minoischen Architektur

c)  Die Festung: Die Bauprinzipien der mykenischen Architektur

Daidalos und Ikaros, Vorbereitung der Flucht


von Kreta: Relief, Rom, Villa Albani (vgl. Ovid,
Theseus schleppt den Minotauros aus dem Labyrinth. Attische,
Ars amatoria II, 21-96, sowie Ovid,
rotfigurige Kylix, ca. 440-430 v. Chr. (wahrscheinlich aus Vulci,
Metamorphosen VIII, 183-235
3 Italien). 4

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Das kretische Labyrinth . . . Das kretische Labyrinth . . .

Labyrinth = ? Labyrinth = ?
Sog. Tafel von Pylos, gef. im Sog. Tafel von Pylos, gef. im
„Palast des Nestor“ im heutg. „Palast des Nestor“ im heutg.
Pylos, Pelo- Pylos, Pelo-
ponnes, um 1220 v. Chr. ponnes, um 1220 v. Chr.

Münzen aus Knossos,


Archäolog. Museum Hera-
klion, Kreta, 5./4. Jh. v. Chr. 5 Verschiedene Münzen aus Knossos, z.T. Archäol. Museum Heraklion, Kreta, 5./-2. Jh. v. Chr. 6

Das kretische Labyrinth . . . Labyrinth-Darstellungen der römischen Antike ...


Labyrinth =
•  ein klar definierter, aber gewundener Weg mit eindeutigem Anfangs- und
Endpunkt (= Unterscheidungskriterium zum „Irrweg“)
•  Umläufe mit regelmäßigen Richtungsänderungen

Pompeji, Graffito (eines Kindes?):


„HIC HABITAT MINOTAURUS“
è meint das Labyrinth auf Kreta!

Logo der Architektur-


Zeitschrift „Daidalos“

7 8
Verschiedene Münzen aus Knossos, z.T. Archäol. Museum Heraklion, Kreta, 5./-2. Jh. v. Chr.

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Labyrinth-Darstellungen der römischen Antike ... Labyrinth-Darstellungen der römischen Antike ...

Pompeji, Graffito (eines Kindes?):


Charakteris3sches Fußbodenmosaike: Römische Beispiele
„HIC HABITAT MINOTAURUS)“ aus Pompeji (li.u.: Villa des Diomedes),
römisches Labyrinth =
è meint das Labyrinth auf Kreta! Conímbriga (Portugal)

= Vier-Quadranten-Labyrinth ...
9 = Vier-Quadranten-Labyrinthe
10 ...

Labyrinth-Darstellungen der römischen Antike und des Mittelalters ... Labyrinth-Darstellungen der römischen Antike und des Mittelalters ...

Kathedrale von Chartres, Kathedrale von Chartres,


Fußbodenmosaik („Haus des Fußbodenmosaik, 13. Jh.
Daidalos“), 13. Jh.; Entwurf:
Villard de Honnecourt (um 1230)
h;p://www.youtube.com/watch?
v=16e_UA0nqCE, ab min 26:51

h;ps://www.youtube.com/watch?v=XTMfBg2Ize0

Chartres, Kathedrale, Chartres, Kathedrale, Fingerlabyrinth an der Kathedrale San


begonnen nach 1194 begonnen nach 1194 Martino in Lucca, 13. Jh. (Dm. ca. 50 cm)
Vier-Quadranten-Labyrinthe ...
11 Vier-Quadranten-Labyrinthe12
...

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Interpretation des
Labyrinths als „Stadt“ ...
Der Sakrale Raum – vom antiken Tempel zu aktuellen
Das Labyrinth als Metapher
für „Schicksal“ bzw. als
Tendenzen im christlichen Sakralbau . . .
Sinnbild des menschlichen Mosaik, Umzeich-
Lebenslaufes . . . nung: Gargates
bei Vienne, FR:
... dargestellt „Trunkenheit des 1. Die Genese des antiken Tempels
als städtische Herkules (Mitte:
Struktur ... Theseus und •  Der minoische und der mykenische Kulturkreis:
Ariadne
Architektur diametral!

a)  Daidalos und der Architekt als mythischer Schöpfer

b)  Das Labyrinth: Die Bauprinzipien der minoischen Architektur

c)  Die Festung: Die Bauprinzipien der mykenischen Architektur

Gottfried Eichler d. J.,


Gottfried Eichler d. J.,
Augsburg 1715-1770, Augsburg, Mi. 18. Jh.,
Sinnbild des menschl. Sinnbild des 13
menschl.
Farhi-Bibel, 1325: Jericho (Archetyp der 14
Lebenslaufs
heidnischen Stadt, vgl. Troja) Lebenslaufs

Chronologie der minoischen Kultur (gilt als früheste Hochkultur Europas)


•  bronzezeitlichen Kultur Kretas; Bezeichnung nach dem mythologischen König Minos
Summen
•  die Zuordnung der Epochen ist noch immer in wissenschaftlicher Diskussion
(wichtigstes Kriterium ist dabei die kretische Importware in Ägypten und umgekehrt):

Trojanischer
Kreis •  Vorpalastzeit (ca. 3100-2000 v. Chr.)

Mykenischer Kreis •  Altpalastzeit oder ältere Palastzeit (ca. 2000-1700 v. Chr)


•  Neupalastzeit oder jüngere Palastzeit (ca. 1700-1400 v. Chr.)
•  Nachpalastzeit (1450/1400-1100/1050)
•  Untergang (Theorien): See- und Erdbeben, innere Unruhen (?),
Kretominoische Doppel-
Handelskonflikte, militärische Auseinandersetzungen (Achäer?) axt (Labrys)

Jüngster Palast von Knossós:


- keine Befestigungsanlagen
Mykenischer, minoischer und
Minoischer Kreis
trojanischer Kreis:

- mittlere Bronzezeit
15 16
(2000-1500 v. Chr.)

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o.: Kreta, Mallia:


Grabungsgelände,
Luftbild

Kreta, Palast von Kreta, Palast von


Knossos. Gra- Knossos. Gra-
bungsgelände, bungsgelände,
Luftbild 17 Luftbild 18

•  Eingang?
•  Erschließung?

•  Repräsentations-
•  räume?
•  (Sakralräume)?

!?

Alte Paläste: erste Zerstö-


rung durch Erd-
beben: um 1700
v. Chr.
Neue Paläste: 19 20
ca.1600-1520 v. Chr.)

5
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Zum Vergleich: Zum Vergleich:


die Raum- und Grundrissprinzipien bei Mies van der Rohe . . .

Kreta, Palast von Knossos Kreta, Palast von Knossos


Mies van der Rohe, Entwurf für ein
Landhaus aus Backstein, Projekt,
Potsdam-Neubabelsberg 1924

21 22

•  Eingang?
•  Erschließung?

•  Repräsentations-
räume? Sakral-
räume?

Grundriss

Zum Vergleich:
das Prinzip der Raum-
zonierung bei Mies Alte Paläste: erste Zerstö-
van der Rohe, rung durch Erdbeben
Deutscher Pavillon für um 1700 v. Chr.
die Weltausstellung
Neue Paläste:
1929 (Barcelona) 23 24
ca.1600-1520 v. Chr.)

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Der zentrale Hof – ein solitärer Freiraum ...


•  Eingang?
•  Erschließung?

•  Repräsentations-
räume? Sakral-
räume?

... nächste Folie:

Pfeil:
Blickrichtung
in den zentralen
Innenhof

Alte Paläste: erste Zerstö-


rung durch Erd-
beben: um 1700
v. Chr.
Blick in den zentralen Innenhof: der zentraler Hof als „solitärer Freiraum“
Neue Paläste: 25
(Vorsicht: phantasiegeleitete Rekonstruktion!) . . . 26
ca.1600-1520 v. Chr.)

Der zentrale Hof – ein solitärer Freiraum ... Der zentrale Hof – ein solitärer Freiraum ...

HERAUSFORDERUNGEN?

•  riesiges Gebäudeensemble von bis zu 5


Stockwerken
•  umbaute Fläche von 21.000 m² auf einer
lichten Fläche von 2,2 ha.
•  800 Räume sind heute nachweisbar (als
ursprünglich rekonstruierbare = weit über
1000 Räume)
•  verfügbare Bautechnik + Baumaterial!

Blick in den zentralen Innenhof: der zentraler Hof als „solitärer Freiraum“ Blick in den zentralen Innenhof: der zentrale Hof als „solitärer Freiraum“
(Vorsicht: phantasiegeleitete Rekonstruktion!) . . . 27 (Vorsicht: phantasiegeleitete Rekonstruktion!) . . . 28

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Räume/Bauteile, die
durch ihre besondere
Ausstattung auffallen:
09: Große Treppe
10: Halle der Doppeläxte
11: Säulenhalle
12: Megaron des Königs
13: Megaron der Königin
Ostflügel:
„Wohnung
des Königs“
10: Halle der Doppeläxte
.

Das Prinzip der „Raumzonierung“


in der minoischen Architektur . . . 10

Das Material bestimmt die


Alte Paläste: erste Zerstö- Form . . . !!!
rung durch Erd- 13
beben: um 1700 è
v. Chr.
LICHT !!!!?
Neue Paläste: 29 30
ca.1600-1520 v. Chr.)

Ostflügel: Ostflügel:
„Wohnung „Wohnung
des Königs“ des Königs“
10: Halle der Doppeläxte 10: Halle der Doppeläxte

Das Material bestimmt die Form . . .


Das Prinzip der „Raumzonierung“ Knossos - vorwiegend lange, schmale
in der minoischen Architektur . . . 10 Räume: Stützweiten als Raumdefinitions- 10
kriterium! (unendlich lang ist möglich, die
Das Material bestimmt die Breite ist konstruktiv beschränkt)
Form . . . !!! à Lösung:
13 a) Auflösung in Stützen! 13
è
b) „perforierte“ Wände
LICHT !!!!? c) (Licht-)Höfe ohne Spannweitenbe-
31 32
schränkung)

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Das Prinzip der „Raumzonierung“ in der minoischen Architektur . . .

Halle der Doppeläxte und Vorhalle 33 34


Palast von Knossos, Ostflügel, Vorraum zum Saal der „Doppeläxte“, von innen

Palast von Knossos, Ostflügel, Vorraum Palast von Knossos, Ostflügel, Vorraum
35 36
zum Saal der „Doppeläxte“, von außen zum Saal der „Doppeläxte“, von außen

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Knossos, sog. Megaron der Königin


37 mit Knossos, sog. Megaron der Königin
38 mit
Säulenhalle und Lichtschacht Knossos, sog. Thronsaal Säulenhalle und Lichtschacht

Die kretische Säule . . .

Palastanlage von Knossos, Ostflügel-Haupttreppe

LICHTLICHTLICHTLICHTLICHT !!! 39 idem, Konstruktionsdetails 40

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•  Eingang? •  Eingang?
•  Erschließung? •  Erschließung?

•  Repräsentations- •  Repräsentations-
•  räume? •  räume?
•  (Sakralräume)? •  (Sakralräume)?

Alte Paläste: erste Zerstö-


rung durch Erdbeben
um 1700 v. Chr.

Neue Paläste: 41 42
ca.1600-1520 v. Chr.)

Bauprinzipien der minoischen Kultur


- Palastanlagen: organisches Wachsen wie in einer vorderorientalische Stadt
(zellenartig-agglutinierenden Hauselemente), bestehen nicht aus einzelnen
Gebäuden/Gebäudetrakten sondern nur aus Räumen/Funktionsbereichen
-  keine architektonische Hierarchie
- keine Repräsentationsbauten
-  keine Solitäre
-  keine (ausgewiesenen) Kultbauten
- Höfe als „solitärer Freiraum“
- orthogonaler Grundriß (Logik des rechten Winkels, trotz des scheinbaren Chaos)
-  keine Befestigungsmauern, nur auf die Sicherheit der Insellage vertrauend

- Raumzonierungen
- wenige abgeschlossene Räume, fast ausschließlich Durchgangsräume
- „Zwangswegeführung“
-  Säulen à anthropomorph

Knossos: Kultanlage, Schautreppen? - die Kultur endet um 1525 v. Chr. durch ein katastrophales Erd- und Seebeben
43 44
Phaistos

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Der Sakrale Raum – vom antiken Tempel zu aktuellen


Tendenzen im christlichen Sakralbau . . .

1. Die Genese des antiken Tempels


•  Der minoische und der mykenische Kulturkreis:
Architektur diametral!

a)  Daidalos und der Architekt als mythischer Schöpfer

b)  Das Labyrinth: Die Bauprinzipien der minoischen Architektur

c)  Die Festung: Die Bauprinzipien der mykenischen Architektur


Santorin nach dem Vulkanausbruch/ dem Seebeben .....

45 46

Mykene, Löwentor

Summen

Trojanischer
Kreis
Mykenischer
Kreis

Mykenischer, minoischer und


Minoischer Kreis trojanischer Kreis:

- mittlere Bronzezeit
(2000-1500 v. Chr.) 47 48

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Tiryns, Befestigung ...

Befestigungsanlagen:
•  gewundene, enge Wegeführung (Zwangswegeführung)
•  einzelne, in sich abgeschlossene „Sicherheitsabschnitte“ (Zwingersituation)
49 •  Annäherungsbereich gut „bestreichbar“ 50

Die Burg von Tiryns ... 51 Die Burg von Tiryns ... 52

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Poissy, Villa Savoye, 1929 (Le Corbusier)


Mykenische Festungen:

Vorgegebene Wegstrecke ... ?


Hierarchisierung der Bauten ... ?

Vorgegebene Wegstrecke ... ? 53


Die Burg von Tiryns ... 54

Mykenische Festungen:

?
Vorgegebene Wegstrecke ... !
Hierarchisierung der Bauten ... !

Die Burg von Tiryns ... 55 Die Burg von Tiryns ... 56

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Megaron: Basisformen des griechisch-an3-


ken Profan- und Sakralbaus . . .
Baukörper von elementarer Einfachheit: Architektonische
Haus ohne Mittel zur Reprä-
•  langes Rechteck mit geschlossenen Seitenwänden Vorhalle sentation von
•  unterteilt in einen Hauptraum und 1-2 Nebenräume Status und
Megaron- Macht ...
•  die Stirnseite öffnet sich meist in eine offene Vor- Grundform
halle mit seitlich vorspringenden Wandzungen

?
(= sog. Anten) und einer Stützenstellung
Megaron mit
Vorhalle
Antentempel

Megaron mit
Säulenvorhalle
Tempel mit Säulen
„in antis“

Griechisches
Wohnhaus

57 58

Rezeption der mykenischen Gestaltungsmittel . . .


Architektonische
Mittel zur Reprä-
sentation von
Status und
Macht ...
•  Zwangswegeführung
(ZwingersituaAonen)
• Achsialität,
•  Symmetrie,
•  Frontal Approach

Rom, antike Kaiserforen


59 60

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Rezeption der mykenischen Gestaltungsmittel . . .

Und die
SAKRALBAUTEN
.... ?

Berlin, Neubau der Reichskanzlei, La Bibliothèque Nationale de France, Paris


Albert Speer, 1939 (1990-1996), Dominique Perrault61 , 62
Architektur der Ära „Mitterand“

Die Sepulkralarchitektur
Und die der Mykener . . .
SAKRALBAUTEN
.... ?

Kraggewölbe !

Homer (Od. 7, 81):


„Athena ... überquerte die Mykene, Schachtgrab
öden Meere und kam nach
Marathon und auf die
breiten Straßen Athens, wo
sie den festen Palast des
Königs Erechtheus betrat ...“

à d.h. die Götter besuchen keine
Tempel bzw. keine ausgewiese-
nen Sakralbauten, sondern die Sog. Schatzhaus des Atreus
mykenischen Paläste ... ? 63 Mykene, Grab der Klytaimnestra: Zustand vor der 64
Restaurierung

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li.: echtes Gewölbe (nur Druckkräfte) Mykene, sog. Schatzhaus des Atreus (um 1250), Gewölbe und
re.: Kraggewölbe (Druck- und Zugkräfte) Eingang

65 66

Bauprinzipien der mykenischen Kultur


- kriegerisch: richtige Festungen, militärischer Charakter der Burgen,
Monumentalität
- ebenfalls keine ausgewiesenen Sakralbauten (Palast des „Priesterkönigs“,
Naturheiligtümer)
- eindeutige Bauvolumen zeichnen sich ab
- achsiale und frontale Erfahrung der Gebäude
- bevorzugter Gebäudetyp = Megaron: Einraum-Gebäude mit Vorhalle, Rich-
tungsbau mit Symmetrieachse
- Gebäudehierarchie ablesbar
- tektonische Klarheit
- Symmetrie + Achse werden zum Gestaltungsmittel
- Repräsentation von Macht
- Ablesbarkeit von Einzelelementen = der Baukörper/das Außen steht im
Vordergrund
-  inszenierte Hinführung auf die Gebäude

Niedergang zwischen 1200-1000 v. Chr. durch einwandernde illyrische Stämme ...

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