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Marcus

minihaa@gmail.com
Experiment zur Säureabsonderung der Wurzel
Protokoll
2011-05-13
Universität Bremen
Botanik bei Uwe Nehls

1 Einleitung
1.1 Nährstoffbedarf
Eine lebende Pflanze besteht zu 90% (Gewichtsprozent) aus Wasser. Einen großen
Teil der Trockenmasse machen die Nichtmetalle Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasser-
stoff, Stickstoff, Schwefel und Phospor aus, welche wegen ihres großen Bedarfes als
Makroelemente bezeichnet werden. Daneben liegen auch noch zahlreiche, meist me-
tallische Elemente in geringeren Mengen in ionischer Form vor. Sie werden über die
Wurzel aufgenommen und je nach Bedarfsmenge in Mikro- und Spurenelemente ein-
geteilt. Allerdings werden auch Stickstoff, Schwefel und Phosphor als ionische Ver-
bindung über die Wurzel aufgenommen. Makroelemente müssen in Nährlösungen
im Bereich von einigen Gramm pro Liter verfügbar sein, Mikroelemente nur im
Bereich von Milligramm pro Liter, Spurenelemente in noch wesentlich geringeren
Mengen. 1

1.2 Abgabe von H+ , Aufnahme von Nährstoffen


Bei höheren Pflanzen erfolgt die Aufnahme von Nährsalzen durch die Wurzel. In
dem Bereich nahe der Wurzel, der Rhizosphäre, finden zahlreiche chemische Wech-
selwirkungen statt. 2
Die Pflanze scheidet Protonen, Kohlensäure und organische Säuren aus. Die
in den Wurzelhaaren der Rhizodermis durch Protonenpumpen abgegebenen H+
spielen hierbei eine zentrale Rolle. Durch die Ansäuerung der Rhizospäre werden:

• einerseits an das Substrat adsorbierten Ionen im Rahmen eines Ionenaustau-


sches mobilisiert.
• andererseits Ionen durch das entstehende, elektrische Ungleichgewicht leicht
aufgenommen (sekundär aktiver Transport). So führt zum Beispiel die Auf-
nahme von NH4+ zu einer starken H+ -Abgabe oder OH− -Aufnahme. Bei
3
NO−3 ist es genau umgekehrt.

Ionen können entweder durch Symport mit Protonen (im Falle von Anionen)
aufgenommen werden oder durch Antiport (Kationen). Um die Wurzeloberfläche
1
Stoffwechselphysiologie der Pflanzen: Physiologie und Biochemie des Primär- und Se-
kundärstoffwechsels Gerhard Richter Georg Thieme Verlag, 1998 - 583 Seiten, Tabelle
Seite 52
2
Peter Schopfer, Pflanzenphysiologie, Axel Brennicke, 7. Auflage, Spektrum ab Seite
305 bis 306
3
Peter Schopfer, Experimentelle Pflanzenphysiologie, Springer-Verlag, Seite 205 - 206

1
kann ein pH von 5 gemessen werden, welcher ausreichend ist, um Ionen auszutau-
schen. Die Stoffwechselprozesse sind auf den Bereich der Wurzelhaare beschränkt, in
der der Austausch durch eine große Oberfläche erleichtert sind. Die Wurzelhaarzone
liegt etwa 5 – 20 mm hinter der Spitze der jeweiligen Wurzel. 4

1.3 Wurzelanatomie und Nährstoffleitung


Prozesse zur Nährstoffaufnahme finden in erster Linie in den Wurzelhaaren statt,
die für die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen verantwortlich sind. Diese Aus-
stülpungen dienen dazu, die Oberfläche der Wurzel zu erhöhen und damit die Dif-
fusionrate zu erhöhen. Eine Ansäuerung des Bodens ist somit besonders in diesem
Bereich zu erwarten. Außerdem ist in der Zone um die Kalyptra eine Protonen-
abgabe zu erwarten, da diese Schleim abgibt, der unter anderem dazu dient, die
Eigenschaften des Bodens zu verändern. Man würde also speziell in diesen beiden
Bereichen eine starke Verfärbung des Agars erwarten und in den sonstigen Wurzel-
bereichen keine oder nur eine schwache Rotfärbung.

1.4 Indikator
Die Säureabsonderung der Wurzel soll nachgewiesen werden, indem zum Agar der
Indikator Lackmus zugegeben wird. Die ist ein aus Flechten gewonnener, blau-
violetter Farbstoff, der oberhalb eines pH von 6.8 blau ist, unterhalb jedoch rot.
Ist nun der pH des Agars im Normalfall größer als 6.8 und die Ansäuerung der
Rhizosphäre so stark, dass der pH unter 6.8 sinkt, so ändert der Indikator seine
Farbe von blau nach rot. Auf diese Weise ist eine Ansäuerung der Rhizosphäre
messbar, wenn der Indikator einen passenden Umschlagspunkt besitzt.

1.5 resultierende Fragestellung


Das Ziel ist es, die Säureabsonderung der Wurzel sichtbar zu machen. Da Nährstoffe
über einen längeren Zeitraum verfügbar sind und Wurzelhaare konstant Protonen
sekretieren, ist außerdem ein konstantes Anwachsen einer Verfärbung zu erwarten.
Die Frage ist also, ob eine Verfärbung des Agars eintritt und ob diese konstant
zunimmt.

2 Material und Methoden


Der Versuch wurde gemäß des zugrunde liegenden Protokolls durchgeführt.5

3 Ergebnisse
Bereits nach 10 Minuten war eine deutliche Färbung um die Wurzeln herum er-
kennbar. Diese nahm am Anfang noch konstant zu und war nach jeweils weiteren
10 Minuten fortlaufend stärker zu erkennen.
4
Peter Schopfer, Pflanzenphysiologie, Axel Brennicke, 7. Auflage, Spektrum Seite 305
bis 306
5
Allgemeine Botanik: Stuktur und Funktion der Pflanzen, Praktikumsskript Botanik
I, Universität Bremen 2010

2
Doch auch wenn die Rotfärbung nach 80 Minuten sehr großflächig und intensiv
ausgeprägt zu sehen war, war der Kontrast zwischen dem Zustand zu 40 Minuten
und 80 Minuten nicht mehr so stark wie zu Beginn des Versuches in einem gleich
großen Zeitraum.
Unterschiedlich starke Färbung in unterschiedlichen Bereichen der Wurzel konn-
te nicht beobachtet werden.

4 Diskussion
Die relativ kontinuierlich stärker werdende Rotfärbung des Agars um die Wurzel
bestätigte die Vermutung einer Säureabgabe der Wurzel. Die rote Farbe ist ein
Indikator für einen pH-Abfall. Wäre dieser Prozess nicht aktiv von der Pflanze
verursacht worden, sondern z.B. durch eine Beschädigung des Wurzelgewebes und
einen Austritt sauren Zellinhaltes, bspw. beim Ausgraben aus dem Substrat, wäre
der pH-Wert schlagartig abgefallen.
Somit kann man auf einen aktiven, von der Pflanze verursachten Prozess schließen.
Der Prozess der Protonenabgabe kann als konstant vermutet werden. Zwar ist
die Ausdehnung der Verfärbung im Verlaufe des Versuchs langsamer geworden,
dazu muss man allerdings bedenken, dass die Fläche um die Wurzel, wie in einem
Zylinder, bei größerer Entfernung quadratisch wächst. Somit ist bei konstanter
Protonenabsonderung auch ein immer langsameres Anwachsen des roter Bereich
zu erwarten. Ein ähnliches Ergebnis würde allerdings auch eine langsam sinkenden
Protonenabsorption hervorrufen. Welcher der beiden Fälle nun tatsächlich vorliegt,
müsste in einem weiteren Experiment bestimmt werden.
Jedoch konnte nicht wie erwartet eine unterschiedlich starke Färbung von un-
terschiedlichen Wurzelbereichen beobachtet werden. Es ist nicht sicher, ob diese
nur nicht beobachtet werden konnten oder die gesamte Wurzel gleichmäßig Proto-
nen abgibt. Problematisch waren sowohl die relativ grobe Beobachtung wie auch
die wirr übereinander liegenden Wurzelbereiche. Ob tatsächlich Protonen nur von
Wurzelhaaren abgegeben werden, müsste ebenfalls in einem weiteren Experiment
mit anderem Versuchsaufbau geklärt werden.

5 Abbildungen

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Abbildung 1: Wurzeln des Erbsenkeimling (Pisum sativum, Fabaceae) in
Agar direkt nach dem Einbetten

Abbildung 2: 10 Minuten nach dem Einbetten, das Agar beginnt sich um


die Wurzel herum zu verfärben

4
Abbildung 3: 20 Minuten nach dem Einbetten, die Verfärbung des Agars
schreitet fort

Abbildung 4: 40 Minuten nach dem Einbetten

5
Abbildung 5: 80 Minuten nach dem Einbetten