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Physikalische Kräfte & Kräfte im Schiffsbetrieb

1. Kraft im Allgemeinen

In unserem Wortgebrauch gibt es auch Begriffe zur Kraft, die nichts mit physikalischen
Kräften zu tun haben. Beispiele dafür wären die Willenskraft, die Sehkraft oder die
Überzeugungskraft. Physikalische Kräfte bewirken Verformungen oder
Bewegungsänderungen! Zum Beispiel können wir mit unserer Muskelkraft eine
Blechdose zusammendrücken, oder es dehnt sich eine Metallfeder durch die
Gewichtskraft eines angehängten Steins. Zwei Magnete ziehen sich gegenseitig an. In
allen dieser Fälle sprechen wir von einer physikalischen Kraft, die hier wirkt. Newton ist die
nach Isaac Newton benannte Einheit für Kraft. Das Formelzeichen für Kraft in der Physik
ist F. Der Begriff „Kraft“ spielt in der gesamten Physik eine sehr wichtige Rolle.

1.1. Wie werden Kräfte gemessen?


Da wir wissen, dass Kräfte Verformungen oder Bewegungsänderungen bewirken, können
wir diese Eigenschaften messen. Man könnte z.B. eine Kraft durch die Dehnung einer
Metallfeder bestimmen. Das kennt man noch aus dem Physikunterricht in der Schule. Dort
wurden sogenannte Federkraftmesser zum Bestimmen einer z.B. Gewichtskraft
eingesetzt. Die Feder dehnt sich um eine gewisse Länge und man kann an einer in
Newton geeichten Skala die Kraft ablesen. Eine andere Möglichkeit Kräfte zu bestimmen
bezieht sich auf die Bewegungsänderungen. Es wurde festgelegt:

Wenn ein Körper von 1 kg Masse in einer Sekunde aus dem Stand auf 1 m/s
beschleunigt wird, dann wirkt die Kraft 1 Newton (Zeichen 1 N).

Mit dieser Vereinbarung wird auch gleichzeitig das Vielfache einer Kraft angegeben.
Wenn nämlich ein Körper von 1kg Masse in 1 Sekunde auf die doppelte Geschwindigkeit,
also 2 m/s beschleunigt wird, dann liegen 2 Newton vor. Entsprechendes kann man auch
für die Masse sagen: Wenn ein Körper von 2, 3, 4,... n kg in 1 Sekunde auf 1 m/s
beschleunigt wird, dann werden 2, 3, 4,... n N benötigt.

1.2. Kraftrichtung – Wechselwirkung


Die Wirkung einer Kraft hängt von Richtung, Betrag, häufig auch von ihrem Angriffspunkt
ab. Kräfte lassen sich längs ihrer Wirkungslinie verschieben, ohne dass sich ihre Wirkung
ändert. Nehmen wir also als Beispiel eine Blattfeder und spannen sie an einem Ende fest
ein. Am freien Ende befestigen wir einen Bindfaden, an dem sich ein Federkraftmesser
befindet. Zieht man zunächst gerade nach unten, dann zeigt der Kraftmesser 2N an. Zieht
man aber nun leicht schräg, statt direkt nach unten zeigt der Kraftmesser z.B. 2,8N an.
Und wenn man den Bindfaden nicht am freien Ende befestigt, sondern weiter zum
eingespannten Ende hin, dann muss man ebenfalls mehr Kraft aufbringen.
Kräfte sind also gerichtete Größen und man kann sie durch Pfeile darstellen. Bei einem
Kraftpfeil stellt der Anfangspunkt den Angriffspunkt der Kraft dar. Die Richtung des Pfeils
entspricht der Kraftrichtung und die Länge des Pfeils dient als Maß für den Betrag der
Kraft. Über das Zeichen F setzt man einen Pfeil.
Gleichgerichtete Kräfte kann man addieren. Die Summe gleichgerichteter Kräfte erhält
man durch Addition ihrer Beträge.
Um die Wechselwirkung von Kräften zu erklären, kann man sich einen Apfel und die Erde
als Beispiel nehmen. Die Erde zieht am Apfel (Schwerkraft). Aber nicht nur die Erde zieht
am Apfel, sondern der Apfel zieht genauso stark an der Erde. Allerdings erkennt man
durch die große Masse der Erde nur die Bewegung des Apfels. Die Wechselwirkung
äußert sich als Kraft (Gewichtskraft des Apfels) und als eine entsprechend gleich große
Gegenkraft (Kraft des Apfels auf die Erde). Newton drückte dies so aus: actio = reactio.
Wechselwirkungsgesetz:

Kräfte treten immer paarweise auf. Greift ein Körper A mit der Kraft F an einem
zweiten Körper an, so wirkt B mit entgegengesetzt gleicher Kraft auf A zurück.

2. Zusammensetzen und Zerlegen von Kräften


Wir haben ja bereits gelernt, dass man gleichgerichtete Kräfte addieren kann. Aber wie
kann man nun eine Kraft zusammensetzen, die das Gleichgewicht zu einer dritten Kraft
herstellt? Das funktioniert mithilfe eines Kräfteparallelogramms.

Hier sehen wir, wie eine Gewichtskraft von zwei anderen Kräften, aus
unterschiedlichen Winkeln heraus, gehalten wird. Diese Kräfte (F1 &
F2) können wir aber nicht einfach addieren.

So sieht das Kräfteparallelogramm aus, mit


dem wir die Resultierende Kraft aus F1 & F2
bestimmen können. F1 & F2 bilden die
Seiten des Parallelogramms, in dem die
Diagonale die Resultierende Kraft ist. Zwei
an einem Punkt angreifende Kräfte kann
man daher durch eine einzige Kraft
ersetzen, die nach Betrag und Richtung
durch die Diagonale in diesem
Kräfteparallelogramm festgelegt ist. F1 & F2
nennt man Komponenten der
Resultierenden Kraft.

Man kann also sagen:

Drei an einem Punkt angreifende Kräfte sind im Gleichgewicht, wenn die


Resultierende zweier Kräfte den gleichen Betrag, aber die entgegengesetzte
Richtung hat wie die dritte Kraft.

Mit der eben gezeigten Methode kann man Kräfte aus zwei Komponenten
zusammensetzen. Aber wie erhält man die Komponenten, wenn man die Resultierende
Kraft schon kennt? Nehmen wir als Beispiel einen Koffer, den man rollen kann. Man zieht
ihn an einem Gurt, in der Regel schräg nach oben. Daher bewegt die Zugkraft den Koffer
nicht nur vorwärts, sondern sucht ihn auch anzuheben.
Um eine Kraft in seine Komponenten zu zerlegen kann man zeichnerisch folgendermaßen
vorgehen:
• Zeichne die Kraft F (Zugkraft, die man zum ziehen des Koffers aufbringen
muss).
• Lege durch den Anfangspunkt von F zwei Halbgeraden parallel zu den
Richtungen der Teilkräfte (einmal senkrecht nach oben, einmal waagerecht in
Zugrichtung).
• Zeichne durch die Spitze von F Parallelen zu den Halbgeraden.
• Die Schnittpunkte der Parallelen mit den Halbgeraden sind die Endpunkte der
Teilkräfte.
2.1. Rollen und Flaschenzüge
Der Flaschenzug ist eine Vorrichtung, die aus einem Seil (oder Kette, dann Kettenzug) und
festen und/oder losen Rollen besteht, mit der man schwere Lasten ohne großen
Kraftaufwand heben bzw. hochziehen kann. Nur die losen Rollen haben Auswirkungen auf
die Zugkraft, da sie die tragenden Seile bestimmen. Die festen Rollen dienen nur zur
Umlenkung der Kräfte.
Die losen Rollen zerlegen nämlich die Kraft, die auf das Seil wirkt, indem sie das Seil
quasi „aufstückelt“. Es ist nicht mehr nur ein Seil da, sondern mehrere auf denen sich die
Gewichtskraft eines Gegenstandes verteilt.

Die benötigte Kraft (FZ) wird auf die tragenden Seile verteilt, deren Anzahl sich aus der
Anzahl der losen Rollen (n) ergibt (FZ = FL : n). Bei einer losen Rolle hat man z.B. zwei
tragende Seile und somit halbiert sich die aufzuwendende Kraft. Allerdings vervielfacht
sich die Zuglänge des Seils im gleichen Maße wie die benötigte Kraft abnimmt. Das
besagt die goldene Regel der Mechanik: Was an Kraft eingespart wird, muss an Weg
zugesetzt werden.Hier kann man das als Formel so formulieren: s = h * n.

3. Gewichtskraft und Masse

Die Ausrüstung eines Astronauten der auf den Mond geflogen ist betrug ca. 85 kg.
Das hielt ihn jedoch nicht davon ab weite Sprünge zu machen ohne viel Kraft auf zu
wenden. Um dieses Thema zu verstehen muss man sich mit dem Thema Gewichtskraft
und Masse beschäftigen. Dabei ist besonders die Tatsache zu betrachten das an
verschiedenen Orten eine andere Anziehungskraft wirkt und deshalb auch Ortsfaktor (g)
genannt wird.
Ort g in m/s² (N/kg)
Mitteleuropa 9,81
Geografische Pole 9,83
Äquator 9,78
In 200 km Höhe 9,22
Mond 1,62
Wenn man sich den Unterschied der Gewichtskräfte auf der Erde zum Mond ansieht
verwundert es nicht weiter, dass der Astronaut solche Sprünge machen konnte. Die
Gewichtskraft eines Gegenstandes hängt vom Ortsfaktor ab. Die Masse aber bleibt auch
auf dem Mond gleich!
4. Arbeit/Leistung

Arbeit wird verrichtet wenn z.B ein Aufzug eine Kiste mit Werkzeugen nach oben zieht.
Wichtig ist das der zurückgelegte Weg und die Gewichtskraft proportional zueinander
stehen. D.h wenn zwei Kisten anstatt einer 10 m nach oben gezogen werden, wird
automatisch die doppelte Arbeit verrichtet. Wird jedoch eine Kiste 20 m nach oben
gezogen wird ebenfalls die doppelte Arbeit verrichtet. Diese Form der Arbeit heißt
Hubarbeit. Arbeit wird generell in Newtonmeter angegeben.

Die mechanische Arbeit W ist das Produkt aus dem Betrag der Kraft F in Richtung
des Weges, längs dessen die Kraft wirkt, und der Länge s dieses Weges!

Die Leistung ist die verrichtete Arbeit in einer bestimmten Zeit. Je schneller man eine
bestimmte Arbeit verrichtet desto größer ist die Leistung. Die Leistung wird in
Newtonmetern durch Sekunde angegeben und entspricht 1J/s.

5. Energie

Anstatt Energie zu definieren, stellen wir euch einige Energieformen vor. Dabei bekommt
man eine recht gute Vorstellung davon was Energie überhaupt ist:

Potenzielle Energie ist im übertragenen Sinne gespeicherte Energie, welche frei gesetzt
werden kann. Als einfachstes Beispiel kann man sich einen Stein in die Hand nehmen und
diesen auf Brusthöhe halten. Dadurch erschafft man potenzielle Energie indem der Stein
gehoben wurde und auf einer bestimmten Höhe bleibt bis er fallen gelassen wird.
Übertragbar auf den Schiffsbetrieb wäre dieses z.B. bei einem Hochtank an Bord, denn
dieser kann durch die Gravitation ein Medium in einen anderen Tank transportieren. Wirkt
auf einen Gegenstand eine Kraft, so wird er (wenn er nicht festgehalten wird) durch diese
Kraft beschleunigt und bekommt damit kinetische Energie. Die kinetische Energie, die ein
Gegenstand durch die Beschleunigung in einem gegebenen Kraftfeld bekommen würde,
nennt man potenzielle Energie.

Die Kinetische Energie (oder Bewegungsenergie) ist Energie, die ein Objekt aufgrund
seiner Bewegung enthält. Lässt man einen Stein, der ja potenzielle Energie enthält, fallen,
so wandelt sich diese potenzielle Energie in kinetische Energie um.

Chemische Energie ist eine in einem Stoff gespeicherte Energie die bei einer Umformung
des Stoffes freigesetzt wird. Ein Beispiel hierfür wäre die Verbrennung von Diesel im
Motor, da auch bei diesem Vorgang der Diesel umgeformt wird und am Ende nur noch
Rückstände wie Ruß, Kohlendioxid u.s.w bleiben.

Die elektrische Energie ist eigentlich eine potenzielle Energie, die durch elektrische Kräfte
verursacht wird. Die elektrische Energie, die wir ins Haus geliefert bekommen, wird in der
Regel in Kilowattstunden abgerechnet.

Freie Energie ist der Anteil der Wärme eines Gases, der mit einer Maschine in kinetische
Energie umgewandelt werden kann.
Übersicht:

Physik. Größe Einheit Formelzeichen


Kraft N F
Masse m (z.B. kg) M
Zeit t (z.B. min.) T
Höhe (Länge) h (z.B. Meter) L
Arbeit J (Joule)/Nm (Newtonmeter) W
Leistung w (Watt) = Nm/s = J/s P
Ortsfaktor m/s² g

Formelsammlung
E-pot = m * g * h
Bsp.: E-pot = 10 kg * 9,81 m/s² * 5 m = 490,5 m²/s² = 490,5 J

E-kin = 0,5 * m * v
Bsp. : E-kin = 0,5 * 10 kg * 50 m/s² = 250 m²/s² = 250 J

W-hub = FG *h
Bsp. : 500 N * 15m = 7500 Nm = 7500 J

P= W
t
P = 360 N * 3 m Nm
9s = 120 s

6. Energieerhaltung & Maschinen als Energiewandler


Energie verschwindet niemals einfach so. Energie wird immer auf etwas anderes
übertragen oder wandelt sich von einer Energieform in eine Andere. Besonders gut kann
man das an einem Fadenpendel erklären:

schwingt die Pendelkugel aufwärts, dann nimmt ihre


Bewegungsenergie ab, aber ihre Lageenergie nimmt zu.
Man sagt: Die Bewegungsenergie wandelt sich in
Lageenergie um. Im Höchsten Punkt hat die Lageenergie
ihren größten Wert. Bei der Abwärtsbewegung wächst die
Bewegungsenergie auf Kosten der Lageenergie. Im
tiefsten Punkt ist die Bewegungsenergie am größten.

Schon seit 2000 Jahren wissen die Menschen wie man eine
Energie in eine andere umwandelt. Wasserräder sind hier als
Beispiel zu nennen. Dieses oberschlächtige Wasserrad nutzt
die Gewichtskraft (Also die Lageenergie) des Wassers um
das Rad in Bewegung zu versetzen. Mit dieser gewonnenen
Bewegungsenergie kann nun z.B. eine Getreidemühle
angetrieben werden.
7. Beispiele für Kraft im Schiffsbetrieb
Auftriebskraft:
Schiffe schwimmen auf dem Wasser, weil der in
das Wasser eingetauchte Teil des Schiffes leichter
ist als das verdrängte Wasser und das
Gesamtgewicht des Schiffes dem Gesamtgewicht
des von ihm verdrängten Wassers entspricht.
Wegen der großen Lufträume hat ein Schiff trotz
der schweren Baustoffe (Stahl etc.) eine geringere
mittlere Dichte als Wasser. Schiffe befinden sich bei
einem bestimmten Tiefgang in einem stabilen
Gleichgewicht: Tauchen sie aufgrund von
Störungen tiefer ein, vergrößert sich der Auftrieb
und sie werden wieder emporgehoben, werden sie
zu weit emporgehoben, verringert sich der Auftrieb,
und die Schwerkraft lässt sie wieder eintauchen.
Scherkräfte zwischen Laderäumen:
Scherkräfte zwischen Laderäumen werden durch
ein ungleichmäßiges Beladen selbiger
hervorgerufen. Der eine Laderaum, der voll
beladen ist möchte aufgrund seines Gewichts
tiefer in das Wasser eintauchen als der leere
Laderaum. Der Leere wird durch den Auftrieb des
Wassers stärker nach oben gedrückt. Im
schlimmsten Fall können die Laderäume entzwei
brechen.

Sagging
Befindet sich ein Schiff in einem Wellental und die
Vor – und Achtersteven auf einem Wellenberg so
werden die Decksverbände gestaucht und die
Bodenverbände gestreckt. Es kann auch durch
falsche Beladung hervorgerufen werden.
Hogging
Befindet sich ein Schiff auf einem Wellenberg so
werden seine Decksverbände gestreckt und seine
Bodenverbände gestaucht. Es kann auch durch
falsche Beladung hervorgerufen werden.

Torsionskräfte:
Bei schräg kommenden Seegang kann das Schiff
ungleichmäßig belastet werden, wodurch es zu
einer Verdrehung kommen kann. Außerdem kann
es bei einem falschen Beladungszustand dazu
kommen. Gerade bei Containerschiffen ist das so.
Wenn BB nur schwer beladene Container geladen
sind und Stb. nur leere, und das dann von
Laderaum zu Laderaum wechselt, dann verdreht
sich das Schiff in sich.
7. Aufgaben
1. Nennen Sie min. 2 Formen der Energie und beschreiben Sie sie!
2. Erläutern Sie warum Schiffe auf dem Wasser schwimmen können!
3. Von was hängt die aufzubringende Zugkraft bei einem Flaschenzug ab?

1. (s. 5. Energie)
2. (s. 6. Beispiele für Kraft im Schiffsbetrieb → Auftriebskraft)
3. Von der Gewichtskraft und der Anzahl der tragenden Seile (Fz = FL : n)

Quellen:

Literatur:
- Kuhn Physik, Band 1; 2. Auflage; S. 98 ff.
- Physik für Techniker; 16. Auflage; S. 30 ff.

Internet:
-http://www.lernstunde.de/thema/kraefte/grundwissen.htm
-http://www.lern-online.net/physik/mechanik/kraft-arbeit/kraft-physikalisch/
-http://www.physikabitur.info/Mechanik/91011%20Kraefte1.pdf
-http://www.weltderphysik.de
-http://www.nww-web.at/notebook/Kraefte/Skriptum.pdf
-http://devserv.helliwood.de/sl_fullmobile_store/mobile_physik/Die_Kraft.htm
-http://www.thomaswpeter.com/deutsch/uebermich/Diplomarbeit/4/43/432.htm
-http://en.wikipedia.org/wiki/Hogging_and_sagging (incl. dort angegebenen Quelltexten!)
-http://www.napoleon-forum.de/index.php?showtopic=1699
-http://www.tis-gdv.de/tis/bedingungen/schiffe/alte_schiffe.pdf