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Seminar 1

1. Gegenstand der Sprachgeschichte und ihre Aufgaben.


Nur die Geschichte der deutschen Sprache ermöglicht das Verstehen und
das Erklären von vielen Erscheinungen des phonetischen, grammatischen Baus der
modernen Sprache. Ohne diese Kenntnisse wird das Erlernen der Sprache zum
Studieren von Regeln, die diesen Prozess schwer machen.
Sehr oft entstehen z.B. Fragen, warum in dem heutigen Sprachsystem so
viele scheinbar unlogische Formen aus dem Rahmen fallen, d.h. in der Aussprache,
der Orthographie, der Grammatik, der Wortbildung - oder wir versuchen
Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den nahe verwandten Sprachen Deutsch
und Englisch zu verstehen:
•Warum schreibt man im Deutschen das lange i in lieb, dienen usw. mit ie?
•Warum heißt es Sonnenschein, wo es sich ja um eine Sonne handelt?
•Warum hat das Deutsche – u.a. im Gegensatz zum Englischen – die
Klammerstellung des Verbs?
•Warum heißt es auf deutsch Apfel, auf Englisch aber apple?
In diesen und anderen Fällen kann oft die diachronische Sprachbeschreibung
eine Antwort geben: lieb wurde früher li-eb ausgesprochen (als ein Diphtong);
Sonnen ist die alte Genitivform der schwachen Feminina; die Endstellung des
Verbs verdankt das Deutsche möglicherweise dem großen lateinischen Einfluß
während der Zeit des Humanismus; und der deutsche Apfel hat pf infolge der sog. .
Lautverschiebung, die das Englische nicht mitgemacht hat.

Eine der wichtigen Aufgaben der Sprachgeschichte ist das Erklären der
Ursachen der sprachlichen Veränderungen. Es sei aber betont, dass so eine
Aufgabe eine der schwersten für die moderne Sprachwissenschaft ist und die
Ursachen der sprachlichen Veränderungen zurzeit noch unerklärt bleiben.
Die Sprache ist ja eine soziale Erscheinung, ein Mittel der Menschen, sich
untereinander zu verständigen. Das Entstehen und Verschwinden der Wörter
spiegelt immer die Zeit, die Sitten und Gebräuche, die geistigen Strömungen, die
Veränderungen der Lebensbedingungen und den Wandel der gesellschaftlichen
Struktur wider.
Die Sprache ist auch ein Spiegel der Sprachträger, der Menschen, die sie
gestern gesprochen haben und heute sprechen. Dies bedeutet aber auch beim
Studium einer Sprache und ihrer Geschichte, dass die Umwelt nicht vergessen
werden darf, in der diese Sprache gesprochen wurde und wird.

2. Ursachen der sprachlichen Veränderungen.

3. Die deutsche Gegenwartssprache, ihre Existenzformen und die nationalen


Varianten der deutschen Sprache.
Die deutsche Gegenwartssprache, ihre Existenzformen und die nationalen
Varianten der deutschen Sprache

Die deutsche Sprache ist die Staatssprache der Bundesrepublik


Deutschland, Österreichs, eine der Staatssprachen der Schweiz, Luxemburgs, und
die Staatssprache des Fürstentums Lichtenstein.
Die Zahl der Deutschsprechenden beläuft sich in diesen Ländern auf 100
Millionen Menschen.

Die deutsche Gegenwartssprache hat einige historisch bedingte


Existenzformen:
1) die gemeindeutsche nationale Literatursprache;

2) deutsche Territorialdialekte (Lokalmundarten);

3) städtische Halbmundarten und Umgangssprache.

Die wichtigste Existenzform der deutschen Gegenwartssprache ist die


deutsche nationale Literatursprache (Hochdeutsch, Hochsprache). Sie ist in den
deutschsprachigen Staaten die Sprache der Literatur und Kultur, der
Wissenschaft, der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens, die Amtssprache
und Schulsprache, die Sprache des öffentlichen Verkehrs und auch die gepflegte
Sprache des privaten Umgangs (die literatursprachliche Alltagssprache).

Die deutsche Sprache, die von mehreren Nationen gesprochen wird, hat
mehrere nationale Varianten, und zwar mindestens drei. Es sind das
Binnendeutsch in der BRD, die österreichische Variante der deutschen
Literatursprache und die schweizerische Variante der deutschen Literatursprache
im deutschsprachigen Teil der Schweiz.

Deutsche Territorialdialekte sind die älteste Existenzform der deutschen


Sprache. Sie haben sich im mittelalterlichen Deutschland gebildet.

Man teilt die deutschen Territorialdialekte in Niederdeutsch (Plattdeutsch)


und Hochdeutsch ein, Hochdeutsch gliedert sich in Mitteldeutsch und
Oberdeutsch unter.

Dialekt oder reine Mundart wird heutzutage nur von den älteren Leuten in
Dörfern und gebirgigen Gegenden gesprochen.

Also der Terminus „Hochdeutsch“ hat zwei Bedeutungen:

1) hochdeutsche Dialekte (Mitteldeutsch und Oberdeutsch);

2) Hochsprache zum Unterschied von den Mundarten und von der


Umgangssprache.

Deutsch gehört zur indoeuropäischen (von einigen früheren Forschern auch


indogermanisch genannt) Sprachfamilie. Die indoeuropäische Sprachfamilie
besteht aus einer Menge von verschiedenen Sprachen und Sprachgruppen. Die
Bezeichnung indoeuropäisch weist darauf hin, dass es sich hier um Sprachen
handelt, die in einem weiträumigen Gebiet zwischen Indien und Europa
gesprochen wurden.

Das Deutsche gehört zur germanischen Sprachgruppe der


indoeuropäischen Sprachfamilie. Die Verwandtschaft der germanischen Sprachen
beruht auf gemeinsamer Abstammung von den Stammesdialekten der alten
Germanen. Sie lebten um die Mitte des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung
rund um die westliche Ostsee, zwischen der Oder und der Elbe, in Jütland und in
Skandinavien und waren in einige große Stammesverbände
zusammengeschlossen.

Heutzutage werden zwei Gruppen der germanischen Sprachen


unterschieden:

Nordgermanische (skandinavische) Sprachen:

1. Schwedisch.

2. Dänisch.

3. Norwegisch.

4. Isländisch.

5. Färöisch (die Sprache der Färöer, wird auf den Färöen - Inselgruppe im
Nordatlantik gesprochen).

Westgermanische Sprachen:

1. Deutsch.

2. Englisch.

3. Niederländisch.

4. Friesisch (in den Niederlanden, Niedersachsen, auf den Friesischen Inseln).

5. Afrikaans (eine der Staatssprachen der Republik Südafrika, neben Englisch).

6. Jiddisch
Die Verwandtschaft der germanischen Sprachen kann man auch heute trotz
jahrhundertelanger eigenständiger Entwicklung feststellen. Sie kommt:

a)     im gemeingermanischen Wortschatz;

b)     in der Morphologie;

c)     in der Wortbildung

zum Ausdruck.

a)     Der gemeingermanische Wortschatz, z.B.:

Deutsch Vater Wort bringen

Englisch father word bring

Niederländisch vader woord brengen

Schwedisch fader ord bringa

b)     Der Ablaut der starken Verben, z.B.:

Deutsch trinken - trank - getrunken

Englisch drink - drank - drunk

Niederländisch drinken - dronk - gedronken

Schwedisch dricka - drack - drucken

c)     Wortbildunssuffixe:

Deutsch -schaft - Freundschaft

Englisch - ship - friendship

Niederländisch - schaß - vriendschaß

Schwedisch - skap - vänskap


4. Die Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte

5. Die Urheimat der Indoeuropäer und der Germanen.


Indoeuropäisch (IE) ist die hypothetische Sprache, die vermutlich auf dem Territorium
zwischen den Karpaten und dem südlichen Uralgebirge im 3.-1. Jahrtausend vor unserer
Zeitrechnung verbreitet war. Infolge der Völkerwanderungen breitete sie sich aufs Territorium
Europas in Westeuropa, in Osteuropa.
Im Laufe der jahrhundertelangen Entwicklung löste sich das IE in verschiedene Mundarten auf.
Die Sprachforscher vermuten, dass die Auflösung der hypothetischen ide. Spracheinheit bereits um
3000 v. u. Z. begonnen haben mag. Als Ergebnis dieses Prozesses entstanden Einzelsprachen und
ganze Sprachfamilien im ide. Raum.
So, die I.E Stämme, die an der Ost- und Nordseeküste in der Nachbarschaft von den
zukünftigen Trägern einerseits der keltischen und andrerseits der slawischen Sprachen lebten, haben
sich im 2. Jahrhundert v.u.Z. in Jütland, in Südskandinavien, (das heutige Dänemark) und an
westlichen Ostseeküste herausgebildet. Die Indoeuropäer, die sich auf diesem Territorium ansiedelten,
gründeten eine neue ethnische und sprachliche Gemeinschaft – Germanen.
Von dem Raum, wo die Germanen lebten, besiedelten sie um 1000 v.u.Z. das Gebiet der
unteren Weser und Oder, dann stoßen sie zur Wisla und um 500 v.u.Z. zur Rheinmündung vor. Später
beginnt auch die Expansion der Germanen in das Imperium Romanum, vor allem ins Gebiet der
unteren Donau, wo die Römer zahlreiche Garnisonen und Legionslager errichtet hatten. Dank
ständiger Kontakte zwischen den germanischen Stämmen und den römischen Vorposten in diesem
Gebiet entstanden die ersten schriftlichen Überlieferungen über die Germanen. Die Römer waren
diejenigen, die die Bezeichnungen Germanen für die Einwohner und Germania für den Siedlungsraum
der germanischen Stammesgesellschaft verbreiteten.
Um 100 u. Z. treten uns fünf große germanische Stammesgruppen entgegen.
1. In Skandinavien leben die Nordgermanen oder die Skandinavier.
2. Auf dem Festland östlich von der Oder an der Ostseeküste und an der unteren Wisla leben die
Goten, die Burgunder und die Wandalen, die man unter dem Namen Ostgermanen
zusammenfasst.
Westlich von der Oder, im Raum von der Elbe bis zum Rhein, von der Nordseeküste bis zum
Mitteldeutschen Gebirge leben drei große Stammesgruppen, die man zusammenfassend als die West-
germanen bezeichnet.
3. An der Nordseeküste leben die Friesen, Juten, Angeln und Sachsen, nach ihren Wohnsitzen
Nordseegermanen benannt. Ihre kultische Selbstbenennung ist die Ingwäonen.
4. Im Gebiet zwischen Rhein und Weser leben die Bataver, Brukterer, Chamaven, Chatten,
Chattuarier, Ubler, Tenkterer und Sigambern. Das sind die Rhein-Weser-Germanen, mit der
kultischen Selbstbenennung die Istwäonen.
5. An der unteren und mittleren Elbe leben die Elbgermanen. Das sind die Sweben, Markomannen,
Langobarden sowie die Hermunduren und die Chatten. Ihre kultische Selbstbenennung ist die
Herminonen.
Aus den Sprachen der skandinavischen Stämme entwickelten sich später das Schwedische,
Dänische, Norwegische, Isländische und Färingische (Island und die Färöer wurden im 9. Jh. von
Norwegen aus besiedelt).
Die ostgermanischen Sprachen sind ausgestorben, da die Ostgermanen als selbständige Stämme
am Ausgang der Völkerwanderungszeit untergegangen sind. Sie kamen schon im 2. Jh. in Bewegung.
Die Goten wanderten nach Südosten ab und siedelten sich an der Küste des Schwarzen und des
Asowschen Meere an, am unteren Dnepr und am unteren Dnestr. Hier bestand im 3.–4. Jh. u. Z. ein
mächtiges Ostgotenreich. Nach dem Einbruch der Hunnen in Europa 375 u. Z. kamen die Goten
wieder in Bewegung, die Ostgoten erreichten Italien, die Westgoten Südfrankreich und Spanien, wo
sie sich gegen Ende des 6. Jhs. in den anderen Völkern auflösten. Die Burgunder kamen auf ihren
Wanderzügen bis nach Südfrankreich und gründeten im Rhonegebiet ein Reich; hier wurden sie
romanisiert. Die Wandalen kamen bis nach Spanien, wo nach ihnen Andalusien benannt ist, und
schließlich bis nach Nordafrika, wo sie sich auch als selbständiger Stamm auflösten. Von den
ostgermanischen Sprachen ist nur die gotische Sprache schriftlich überliefert. Die gotische Bibel
(Codex argenteus), aus dem Griechischen vom gotischen Bischof Wulfila im 4. Jh. u. Z. übersetzt, ist
eines der ältesten Sprachdenkmäler der altgermanischen Sprachen. Sie gibt reichen Aufschluss über
den Bau altgermanischer Sprachen und ist deshalb für das Studium ihrer Geschichte von großer
Bedeutung.
Aus den Stammessprachen der westgermanischen Stämme entwickelten sich später das
Englische, das Friesische, das Deutsche, das Niederländische (als Tochtersprache des
Niederländischen auch das Afrikaans).
Auf Grund der alten westgermanischen Stämme bildeten sich gegen das 3. Jh. u. Z. einige
große Stammesverbände oder Großstämme mit neuen Selbstbenennungen. Aus dem Stamme der Swe-
ben, die um 100 u. Z. an der Elbe gelebt hatten, und aus einigen rhein-weser-germanischen Stämmen
(den Tenkterern, deri Usipetern u. a.) bildete sich der Großstamm mit dem neuen Namen die Ale-
mannen – Alemanni. Die Hauptmasse der Rhein-Weser-Germanen bildete den mächtigen
Stammesverband der Franken – Francci. Ein großer Teil der Nordseegermanen vereinigte sich unter
dem Namen der Sachsen — Sachsi. Neben diesen Großstämmen blieben auch einige alte Stämme
bestehen: die Friesen, die Hermunduren (später Thüringer), die Chatten (später Hessen), die
Markomannen, die später den Kern des Stammes der B a y e r n — Bajuwaren bildeten, u. a. Auch die
westgermanischen Stämme setzten sich in der Völkerwanderungszeit in Bewegung. Sie drangen in
heftigen Stößen gegen, den Rhein und die Donau vor, gerieten in kriegerische Zusammenstöße mit den
Römern und ließen sich in zunehmendem Maße in den ehemaligen Gebieten der römischen
Kolonisation nieder.
So überquerten im 3. Jh. u. Z. die Franken den Rhein und drangen weiter nach Westen vor. Die
nördlichen Franken, die sog. Salier, die am Niederrhein (auf dem Territorium der heutigen
Niederlande im Raum von Utrecht, Helderland, Overijssel) saßen, wurden im 4. Jh. in Nordbrabant als
Bundesgenossen Roms angesiedelt und breiteten sich nach Abzug der römischen Truppen (406)
westwärts nach Flandern bis an die Nordsee aus. Die südlichen Franken, die sog. Ripuarier, stießen
zum Mittelrhein vor, setzten sich im Raum von Köln fest und breiteten sich von hier nach dem Westen
und bis zur E i fei nach dem Süden aus. Anfang des 5. Jhs. stießen die Franken über Flandern nach
Nordgallien (das heutige Nordfrankreich) vor. Gegen Ausgang des 5. Jhs. war fast das ganze Gallien
besetzt.
Ein Teil der Sachsen sowie die Angeln, Jüten und Friesen (die ehemaligen Nordseegermanen)
eroberten im 5.– 6. Jh. Britannien (bis 410 u. Z. römische Provinz mit keltischer Bevölkerung der
Briten). Hier entwickelten sie sich weiter als Angelsachsen. Ihre Stammessprachen bildeten die
Grundlage für die Herausbildung der englischen Sprache.
Die an der Nordseeküste zurückgebliebenen Sachsen (die sog. festländischen Sachsen)
breiteten sich von der Nordseeküste um Holstein über die ganze norddeutsche Tiefebene westlich der
Elbe aus und besiedelten nach Abzug der Franken die alten fränkischen Wohnsitze auf dem
Territorium des heutigen Westsachsens.
Auch die Elbgermanen setzten sich im 3. Jh. in Bewegung und stießen nach Südwesten und
Südosten vor. Die Alemannen ziehen nach dem Südwesten und besiedeln das Maingebiet und
Südwestdeutschland. Nachdem sie von den Franken im 5. Jh. aus der Meingegend verdrängt werden,
stoßen sie weiter nach Südwesten vor und besetzen bis zum 9. Jh. den größten Teil der heutigen
Schweiz, das Gebiet der Rätoromanen. Die Hermunduren ziehen in das heutige Thüringen. Die
Markomannen lassen sich im heutigen südlichen Bayern nieder. Seit dem 6. Jh. ziehen sie innaufwärts
und besiedeln das rätoromanische Tirol. Seit dem 8. Jh. breiten sie sich weiter nach Südosten aus und
besetzen die von den Südslawen bewohnten Gebiete. Hier wird die Ostmark Österreich gegründet.
Auch Kärnten und die Steiermark werden von ihnen besetzt und eingedeutscht. Die Langobarden
ziehen über die Ungarische Tiefebene nach Oberitalien und gründen ihr Reich in der nach ihnen
benannten Lombardei; hier werden sie romanisiert.
Aus den Stammessprachen der Franken, Alemannen, Bayern, Sachsen und anderer
westgermanischer Stämme entwickelt sich später die deutsche Sprache. Auf der Grundlage des
Niederfränkischen (unter Beteiligung des Sächsischen und des Friesischen) entwickelt sich das
Niederländische. Die Sprache der alten Friesen lebt weiter unter ihren Nachkommen und wird von der
friesischen Bevölkerung in den Niederlanden, im Norden der BRD (in Saterland) und in Dänemark
gesprochen.

6. Die Sprache der Germanen


a) der germanische Vokalismus

Der germanische Vokalismus

Das Indoeuropäische:

– fünf Vokale (a, e, i, o, u), die kurz oder lang sein konnten,
– die Diphthonge ai, ei, oi, au, eu, ou, sowie einen Murmellaut.
– die Nasale l, m, n, r konnten die Rolle eines Vokals übernehmen, silbenbildend sein.

Der germanische Vokalismus weist dem Ide. gegenüber folgende Neuerungen auf:

ide. o > germ. a

Z.b lat. nox - ahd. naht «Nacht»

ide. â > germ. ô

lat. mâter - as. môdar «Mutter»

ide. oi > germ. ai

griech. (w)oida — got. wait «ich weiß»

ide. ei > germ. î

griech. steichein - ahd. stîgan «steigen»

Die übrigen Vokale sind im Germanischen erhalten geblieben.

Im Germanischen gab es zwei lange ê.

Das ê1 entspricht dem ide. langen ê, das ê2 entstand vermutlich aus dem ide. Diphthong ei.
In den nord- und westgermanischen Sprachen wurde das ê1 zu â,

vgl. got. slêpan- ahd. slâfan (schlafen),

Das ê2 wurde im Ahd. diphthongiert.

Das Germanische hatte folgende Konsonanten:

stimmlose Verschlusslaute p, t, k,

stimmlose Reibelaute f, ь, s, h,

stimmhafte Reibelaute b, đ, g, z,

Nasale m, n,

Liquiden l, r,

Halbvokale j, ω.

b) der germanische Konsonantismus

c) Die 1. Lautverschiebung
d) Das Gesetz von Karl Verner
e) Festlegung des freien Wortakzents
7. Das Frankenreich und das Werden der deutschen Nationalität.

Das Frankenreich und das Werden der deutschen Nationalität.

Die deutsche Nationalität war aus den westgermanischen Großstämmen der Franken, Bayern,
Alemannen, Thüringer und Sachsen zusammengewachsen.
Die führende Rolle bei der Herausbildung der deutschen Nationalität spielten auf der Anfangsstufe
dieses Prozesses die Franken.

Nachdem die Franken gegen Ende des 5. Jhs. unter Anführung des nordfränkischen Königs Chlodwig,
Gallien eroberten, gründeten sie 486 das Frankenreich, das die alten fränkischen Territorien und das
neueroberte Gallien vereinigte. Hier begann eine intensive Entwicklung der feudalen Gesellschaft. Es
entstehen das Privateigentum und das Erbrecht auf Grund und Boden.

Die Macht fränkischer Könige wird durch die Unterstützung der römischen Kirche gestärkt, weil
Chlodwig und der fränkische Adel 496 das Christentum annehmen. Die Sprache des katholischen
Gottesdienstes, das Latein, wird auch zur Amtssprache des Staates.

Das Frankenreich besteht bis zur Mitte des 9. Jhs. Es erlebt seine Blütezeit unter Karl dem Großen aus
dem Geschlecht der Karolinger (742-814). Karl der Große erobert 773-774 das Langobardenreich in
Italien, gliedert seinem Reich einen Teil Spaniens an, wo er 804 die Westgotische (Spanische) Mark
gründet; 795-796 zerschlägt er das Awarenreich in Pannonien (das heutige Ungarn) und gründet hier die
Pannonische Mark. Unter Karl dem Großen breitet sich das Frankenreich auf das Territorium vieler
europäischer Länder aus.

Für die Herausbildung der deutschen Nationalität war von entscheidender Bedeutung, dass die Franken
sich andere westgermanische Großstämme unterwarfen und ihnen gegenüber als Einiger auftraten.

So unterwarf sich Chlodwig 496 die Alemannen. Seine Nachfolger eroberten 531 das Thüringische
Reich und 534 das Burgundenreich. Auch die Bayern erkannten um diese Zeit die politische Obermacht
des fränkischen Staates an, obwohl sie noch eine gewisse Selbständigkeit bewahrten; 788 wird Bayern
dem Frankenreich endgültig angegliedert. Länger bewahren ihre Unabhängigkeit die Sachsen. Sie leben
abgesondert in den norddeutschen Wäldern. Nach den sächsischen Kriegen Karls des Großen (742—
814) werden sie dem Frankenreich angegliedert und christianisiert.

Die Zusammenfassung der Franken, Alemannen, Bayern, Thüringer, Hessen und Sachsen im
Frankenreich legte den Grundstein zu ihrem Zusammenwachsen zu einer Nationalität.

Doch konnte dieser Prozess im Rahmen des Frankenreiches nicht abgeschlossen werden, da das
Frankenreich ein mehrsprachiger, ethnisch bunter, lockerer Staat war, der keine einheitliche
ökonomische Basis besaß und schwach zentralisiert war.

Im Rahmen des fränkischen Großreiches begann die Entwicklung zweier europäischer Sprachen der
Neuzeit: des Französischen und des Deutschen.
Die linksrheinischen Franken, die sich in Gallien ansiedelten, vermischten sich mit der einheimischen
Bevölkerung, eigneten sich die höher entwickelte galloromanische Kultur an und vertauschten ihre
germanische Sprache mit der romanischen Sprache Galliens, dem werdenden Altfranzösisch.

Die östlichen Franken und die anderen germanischen Stämme, die das Frankenreich zusammenfasste,
sprachen dagegen ihre heimischen germanischen Dialekte, aus denen sich die werdende althochdeutsche
Sprache zu entwickeln beginnt. Bis um 770 leben das Althochdeutsche und das Altfranzösische in
vorliterarischer Form als gesprochene Sprachen. Amts-, Kirchen- und Gelehrsamkeitssprache ist das
Latein.

Die schriftliche Aufzeichnung der werdenden deutschen Sprache beginnt im Zusammenhang mit der
Einführung des Christentums und mit der Kulturpolitik Karls des Großen (768-814). Auf Veranlassung
Karls des Großen werden heimische Lieder aufgezeichnet, Gebete, Predigten und biblische Stücke
werden zur Erleichterung der christlichen Missionierung aus dem Latein in die heimische Sprache
übertragen.

Ein entscheidender Schritt zur endgültigen Herausbildung der deutschen Nationalität war die Aufteilung
des Karolingischen Großreiches unter den Enkeln Karls des Großen, die Trennung seines westlichen
(französischen) Teiles von dem östlichen (deutschen) und die Abgrenzung in Sprachgruppen.

Durch den Vertrag von Verdun 843 entstanden drei Reiche:

1. Karl der Kahle erhielt das Westfränkische Reich, (das spätere Frankreich);

2. Ludwig der Deutsche erhielt das Ostfränkische Reich (das spätere Deutschland);

3. Lothar erhielt das Mittelreich (Italien und das Gebiet zwischen dem Rhein, der Scheide und der
Rhone, das später nach ihm Lotharingien benannt wurde).

Von der sprachlichen Teilung, die sich nach der Aufspaltung des fränkischen Großreiches vollzogen
hatte, gibt eine Vorstellung eines der frühesten Schriftdenkmäler der deutschen Sprache, die sog.
„Straßburger Eide".

Dieses Dokument wurde 842 in Straßburg abgefasst, als Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle
während des „Brüderkrieges", der der Aufteilung des fränkischen Großreiches vorausging, ein Bündnis
gegen Lothar schlossen.

Es ist der Text eines Eides, womit sie und ihre Heere ihre Bundesgenossenschaft beschwören mussten.
Wie alle Dokumente jener Epoche wurde er in lateinischer Sprache abgefasst. Damit aber beide Heere
den Eid verstehen konnten, musste er in zwei heimische Sprachen übertragen werden. Ludwig der
Deutsche sprach den Eid vor dem Heer seines Bruders romanisch (d. h. altfranzösisch), Karl der Kahle
rheinfränkisch (d. h. althochdeutsch);

8. Das Wort „deutsch“


Das Ostfränkische Reich wurde im 9. Jh. Teutonia, das Teutonische Reich genannt. In vielen
lateinischen Quellen finden sich auch die Bezeichnungen Germania, Germani, germanicus, die im
selben Sinne gebraucht werden. Das Wort deutsch tritt zuerst 786 in lateinischer Form theodiscus als
Bezeichnung der Sprache auf. Belegt ist um 800 auch der Ausdruck Teudisca lingua. Es heißt
zuerst 'volksmäßig', 'volksmäßige Sprache' vom got. piuda, ahd. diot 'Volk' und bezeichnet eine
beliebige germanische Sprache gegenüber dem Latein. Im Frankenreich bekommt es dann die
eigentliche Bedeutung 'deutsch', indem die zwei heimischen Sprachen des Reiches als Teudisca und
Romana lingua einander gegen übergestellt werden; es wird also zum Synonym von teutonicus
'Teutonisch'.' Um 1000 trifft man schon im deutschen Text die Bezeichnung diu diutisca zunga und
um l 100 auch die Bezeichnungen diutiskiu liute und diutiskiu lant, woraus im 15.—16. Jh. die
Zusammensetzung Teulschland, Deutschland entsteht.

Literatur:

1. Бублик В.Н. Історія німецької мови. стор. 8-29.


2. Москальская О. И. История немецкого языка стр. 3- 22.

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