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Der Völkermord in Ruanda

Ruanda
Bis in die 1990er Jahren galt Ruanda mit etwa 7 Millionen Einwohner als das am dichtesten
bevölkerte Land Afrikas. Dies lässt sich vorallem aus den massenhaft vorhandenen fruchtbaren
Agrarflächen.
Daten
Hauptstadt: Kigali
Staatsform: Präsidialdemokratie
Einwohner: 11,1 Millionen
Fläche: 26.338 km²
BIP: 3.320 Millionen US-Dollar
Lebenserwartung 46 Jahre
Kindersterblichkeit
(unter fünf Jahre): 18,1%
Analphabeten: 35%
HIV-Infizierte 5,1%
Geographie
Das Land ist im Gegensatz zum großen Rest Afrikas mit großen Waldflächen und viel Regen
gesegnet. Der Boden ist fruchtbar (großteils Vulkanland → leicht bebaubares Ackerland) und die
Wasserreserven groß (da Ruanda ein Berggebiet ist, gibt es viele Seen). Das alles sind wichtige
Faktoren für menschliche Besiedlung. Der Großteil Ruandas ist ein Hochland mit einer
durchschnittlichen Seehöhe von 1500 Metern. Der gesamte Höhenbereich reicht von etwa 1.000
Metern bis zum 4.507 Meter hohen Karisimbi. Aufgrund der Höhe ist das Klima trotz der
Äquatornähe eher mild-feucht.
Geschichte Ruandas
Ruanda, gehörte zusammen mit Burundi ab 1897/99 zur Kolonie Deutsch-Ostafrika, 1916
vertrieben Belgische Truppen die Deutschen ohne nennenswerten Widerstand und besetzten Ruanda
und Burundi. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Gebiet des heutigen Ruanda als
Völkerbundsmandat an Belgien übertragen. Die ruandische Amtssprache ist bis heute aus diesem
Grund französisch.
Nach der Auflösung des Völkerbundes wurde Ruanda Treuhandgebiet der UNO und weiterhin von
Belgien verwaltet. Im November 1959 kam es zu einer Bauern-Revolte der Hutu gegen die Tutsi-
Herrschaft. Die gesellschaftlichen Spannungen traten offen zutage. 10 000 Menschen wurden dabei
getötet, einige vertrieben und ca. 150 000 Tutsi flohen in die Nachbarländer Burundi und Uganda,
bis die belgischen Kolonialherren wieder die Ordnung herstellen konnten.
Am 25. September 1961 wurden Parlamentswahlen abgehalten, die die Parmehutu mit 77,7% der
Stimmen gewann. Im Oktober wählte die Nationalversammlung den Hutu Grégoire Kayibanda als
Präsidenten. Am 1. Juli 1962 wurde Ruanda offiziell unabhängig. Zu dieser Zeit lebten schon 350
000 Ruander, vor allem Tutsi, im Ausland.
1963 versuchten Zehntausende zunächst geflohener Tutsis, die Macht im Lande wieder zu erlangen.
Dieser Versuch wurde aber blutig niedergeschlagen. In einem grauenhaften Bürgerkrieg wurden
unzählige Tutsi umgebracht. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Massakern an den im
Lande verbliebenen Tutsis. Am 5. Juli 1973 putschte das Militär unter General Juvénal
Habyarimana, der 1978 Wahlen zuließ und 1994 ermordet wurde.

Volksgruppen in Ruanda
Die zwei wichtigsten und größten sind die Tutsi und die Hutu (eine kleine, in diesem Fall
unbedeutende Minderheit stellen die Twa da). Viele vermeintliche Ruanda-Experten führen den
Völkermord 1994 auf ethnische Unterschiede zurück. Obwohl dies nur bedingt richtig ist, ist es
wichtig diese eben diese zu erläutern:
Über die Herkunft gibt es weder im Fall der Hutu noch im Fall der Tutsi verlässliche Quellen.
Bekannt ist nur, dass sich die zwei Volksgruppen so stark vermischt haben, dass sie mittlerweile die
selbe Sprache sprechen, die selben Sitten pflegen und den selben Ahnenkilt betreiben, sogar
Heiraten untereinander sind üblich. Man kann also keine ethnischen Unterschiede feststellen.
Das Konfliktpotential lässt sich jedoch aus der politischen und wirtschaftlichen Geschichte Ruandas
erklären:
Vor der Kolonialisierung des Staates (18tes jhd.) wurde dieser durch von einem Tutsi
Monarchen verwaltet. Die Tutsi-Minderheit – damals ca. 20% - waren eher
Viehzüchter und die Hutu-Mehrheit – 80% - betrieben Ackerbau.
1919 stand Ruanda unter der Kolonialherrschaft Belgiens. Diese stützte sich auf die
noch immer vorhandene Tutsi Monarchie, was zur Folge hatte, dass rassistische
Vorurteile weiter aufkeimten und die Tutsi zur „oberen Klasse“ durch „genetisch
bedingte Aspekte“ erklärten.
1962 ergriffen die Hutu die Macht und fingen an den Rassismus und den Hass auf
die Tutsi-Minderheit weiter zu schüren. Bereits damals kam es zu ethnisch
motivierten Morden und einer daraus konsultierenden ersten Völkerwanderung.
1994 gipfelte die Terror-Diktatur in dem, von der USA als solchen anerkannten
Völkermord.

Der Völkermord 1994


Als Völkermord in Ruanda werden Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994
begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie sollen schätzungsweise 800.000 bis 1.000.000
Menschen das Leben gekostet haben. Vorsichtigere Schätzungen gehen von mindestens 500.000
Toten aus. Der ruandische Völkermord zählt zu den größten Gewaltverbrechen des 20.
Jahrhunderts. Eine politische Elite um den damaligen Hutu-Diktator verstärkten bewusst das über
Generationen gewachsene ethnische Konfliktpotential zwischen den Hutu und den Tutsi um den
organisierten Genozid zu ermöglichen. In Wahrheit war es ein schlichter Machtkampf um die Tutsi-
Minderheit politisch und gesellschaftlich aus Ruanda zu vertreiben und somit die Hutu-Diktatur zu
sichern.

→ Organisierter Genozid
In diesem Fall spricht man von einem organisiertem Genozid, da schon im Vorhinein eine
Entgleisung der Situation geplant und gewünscht war. Dies wird in mehreren Punkten deutlich:
Der Hutu-Diktatur nahe Radiosender RTLM (Radio Télévision Libre des
Mille Collibes) hatte vor dem Genozid ein absolutes Monopol im Bereich
Hörfunk. Schon lange vor den Massakern schürte der Hutu-Diktator mithilfe
des Senders den Hass und den Rassismus gegen Tutsi. Kurz vor den
Ereignissen 1994 verteilte er dann im ganzen Land gratis Hörfunkgeräte an
die Bevölkerung und beherrschte somit den Informationsfluss im Land.
Während des Völkermordes rief der Sender Hutus immer wieder auf, zu den
Waffen zu greifen und die Tutsi zu vertreiben.
Der Großteil des Genozids verlief ohne den Gebrauch von Schusswaffen. Die
charakteristische Waffen dieser Zeit waren Macheten. Diese wurden im
Vorhinein in großen Mengen importiert, ohne Bedenken oder Einwände
seitens der UNO.
Auslöser
Die Ermordung des ruandischen Präsidenten Habyarimana war der unmittelbare Auslöser des
Völkermords in Ruanda 1994. Die letztendliche Aufklärung steht bis heute noch aus, weil die
kanadische UN-Anklägerin Louise Arbour die Untersuchung der Umstände, unter denen das
Flugzeug mit Präsident Habyarimana darin abgeschossen wurde, untersagte.
Die Black Box aus diesem Flugzeug wurde zwar gefunden, blieb aber im Hauptquartier der
Vereinten Nationen in New York unter Verschluss!
Ursachen
- Das koloniale Erbe Deutschlands und Belgiens
Die Kolonialmächte hatten sich der minoritären Volksgruppe der „Tutsi“ zur Beherrschung der
Bevölkerungsmehrheit - der so genannten „Hutu“ - bedient und hierzu eine Ethnisierung der
politischen Verhältnisse betrieben.
- Stellvertreterkonflikt USA - Frankreich
Die USA strebten - letztlich erfolgreich - mit Hilfe der Tutsi-Guerilla nach der Verdrängung
Frankreichs und Belgiens als Hegemonialmächte aus Ostafrika und dem Kongo.
- Die neoliberale Globalisierung
IWF und Weltbank hatten den recht gut funktionierenden Staat mit systematischer Verschuldung
und anschließend aufgezwungenen "Strukturanpassungsprogrammen" systematisch zerstört. Der
Stellvertreterkonflikt zwischen den USA und Frankreich einerseits und eine ethnisch leicht
polarisierbare Gesellschaft andererseits halfen bei der Verelendung und Zerstörung staatlicher
Strukturen.
Verlauf
Ungefähr 30 Minuten nach dem Attentat begannen in Kigali die Morde an oppositionellen Hutu und
prominenten Tutsi. Die Täter, allen voran Mitglieder der Präsidentengarde, gingen anhand von
vorbereiteten Listen vor, spürten ihre Opfer in deren Häusern auf und brachten sie um. Mitglieder
anderer Truppenteile unter dem Kommando extremistischer Hutu-Offiziere sowie Milizen
unterstützen sie dabei. Zu den ersten Opfern gehörte Premierministerin Agathe Uwilingiyimana, die
gemäß der Verfassung nach dem Präsidenten das zweithöchste Staatsamt bekleidete. Die
internationale Gemeinschaft reagierte auf den Ausbruch der Gewalt, indem sie Ausländer aus
Ruanda ausflog. Französische und belgische Soldaten führten die entsprechenden
Evakuierungsmaßnahmen durch.
Die in Ruanda stationierten UN-Beobachter (MINUAR) sahen zunächst tatenlos zu, wie die Tutsi
abgeschlachtet wurden. Nach dem Ausbruch der Gewalt wurde die Zahl der Blauhelm-Soldaten von
2500 auf 270 gesenkt obwohl der kanadische General Dallaire die UN-Zentrale über Waffenlager
und Todeslisten informierte. Die Blauhelm-Soldaten halfen zwar Ausländern beim Verlassen des
Landes, aber die Einheimischen überließen sie ihrem Schicksal. Die Vereinten Nationen
deklarierten das Geschehen bewusst als Bürgerkrieg und nicht als Genozid. Eine Rebellenarmee der
Tutsi ("Front Patriotique Rwandais", FPR), die von Uganda aus in Ruanda einmarschiert war,
eroberte am 4. Juli 1994 Kigali und erklärte zwei Wochen später den Krieg für beendet. Der RPF
gelang der Sieg, obwohl sie den Regierungstruppen zahlenmäßig unterlegen war. Für Anfang April
wird die Truppenstärke der RPF mit 20.000 bis 25.000 Mann angegeben. Die Zahl ihrer Gegner –
Regierungssoldaten, Angehörige der Präsidentengarde, Nationalpolizisten und Milizen – wird auf
55.000 bis 70.000 Mann geschätzt.
In den drei Monaten April, Mai und Juni 1994 kamen mindestens 800 000 Menschen ums Leben,
darunter auch 50 000 Hutu. 75 bis 90 Prozent der Tutsi fielen dem Völkermord zum Opfer. Vor der
Rache der Tutsi flohen schätzungsweise zwei Millionen Menschen in die Nachbarländer.
Das Internationale Straftribunal in Arusha (Tansania) verurteilte am 18. Dezember 2008 den 1996 in
Kamerun festgenommenen Hutu Théoneste Bagosora (vorsitzender des Krisenstabs) als Drahtzieher
des Genozids an den Tutsi in Ruana zu lebenslanger Haft.
Die Grausamkeiten dieses Krieges sind unfassbar, Opfern wurden oft Körperteile nacheinander
abgehackt um einen langen, qualvollen Tot herbeizuführen. Außerdem wurden Tutsis zu Inzest mit
Blutsverwandten gezwungen oder ihre Angehörigen umzubringen. Schätzungen gehen davon aus,
dass um die 50 % der Menschen durch Macheten getötet wurden. Studien sagen, dass ca. 8 % der
Bevölkerung gemordet haben soll. Andere Schätzungen gehen von dem 5-10 fachem aus.

Es gibt die Vermutung, dass die UN-"Blauhelm"-Soldaten zugunsten der USA abgezogen wurden:
Zu Beginn des Völkermords gab es so genannte Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Ruanda,
die umgangssprachlich auch "Blauhelmsoldaten" genannt werden (auch „UN-Friedenstruppen“,
offiziell: "United Nations Assistance Mission for Rwanda").
Diese haben die Vereinten Nationen dann aber abgezogen als die Gewalt eskalierte, da sie den USA
und Frankreich bei ihrem dort geführten Stellvertreterkrieg im Weg waren. Den USA kam der
Völkermord mit der daraus folgenden Delegitimierung der Hutu-Mehrheit sehr gelegen.
Wären die Blauhelme in Ruanda geblieben, dann hätten sie die Akteure des Nordens gegen sich
selbst intervenieren müssen: Der Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Frankreich hätte
gestoppt werden müssen.

Konsequenzen des Völkermords


Der Genozid geht nach 1994 noch weiter. Er verdirbt das Gewissen und führt zu Rachegelüsten,
denn die Täter werden nicht bestraft und seine Konsequenzen gehen weit über die Grenzen Ruandas
hinaus. Jeder dritte Ruander verlässt noch im selben Jahr das Land (fast 2 Millionen) verlassen noch
im selben Jahr das Land. Die UN richtet nach viel zu langem Zögern die Sicherheitszone
„Turquoise“ im Süd-Westen des Landes ein. Das Problem ist jedoch, dass hier auch die Täter
Schutz finden. Sie leben in den Flüchtlingslagern inner- und außerhalb Ruandas, erhalten dort
Unterstützung und bilden teilweise wieder Hutu-Milizen, welche das systematische abschlachten
der Tutsi fortsetzen (zb. August 1994 im Lager Benaco in Tanzanien).
Daraufhin beschließt die nun amtierende Tutsi-Regierung gegen Hutu-Flüchtlinge radikaler
vorzugehen und greift auf das altbewährte Mittel Gewalt und Massaker zurück. So kommt es, dass
die Armee Ruandas 1995 auf Flüchtlinge eines Lagers in Ruanda schießt. Dabei kommen vor allem
Frauen und Kinder um. Da die meisten, mittlerweile zu Hutu-Miliz-Ausbildungslagern
verkommenen Orte in Zaire – das westliche Nachbarland – liegen und die UNO weder
Blauhelmsoldaten noch irgend eine andere Art von Hilfe leisten, schließen sich Ruanda und der
Südliche Staat Burundi zu einem Militärbündnis zusammen. Das Ziel: die Ausrottung der Hutu-
Lager in Zaire. Da die zairische Armee tatenlos zusieht, oder gar plündert hat das Bündnis leichtes
Spiel.
Ein weiteres Problem entstand durch die Massenvergewaltigungen während des Genozids. Nicht
nur die Anzahl der HIV-infizierten Menschen stieg drastisch, auch die heute 16-jährigen Kinder, die
durch diesen Gewaltakt geboren wurden stellen den Wiederaufbau der Gesellschaft auf eine harte
Probe.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruanda
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Ruandas
http://www.arte.tv/de/Videos-auf-ARTE-TV/2151166,CmC=2540062.html
http://videos.arte.tv/de/videos/ruanda_die_kinder_des_genozids-3253828.html
http://www.ngo-online.de/lexikon/a-z/voelkermord-in-ruanda
http://www.unicef.de/presse/pm/2004/ruanda-voelkermord/
http://www.dieterwunderlich.de/ruanda_genozid.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_in_Ruanda
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,56799,00.html
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Ruanda/uno.html
http://www.stern.de/politik/ausland/voelkermord-in-ruanda-denn-sie-wussten-was-sie-taten-
522189.html