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Pluralismus, Toleranz und Impfen

1.) zum Text von O. Höffe, "Gerechtigkeit im Pluralismus: Toleranz" (2001): Nehmen
Sie (ausformuliert) zu Höffes These Stellung, dass volle staatsbürgerliche Toleranz, die
auch die Bereitschaft einschließt, die eigene Überzeugung zu hinterfragen und ggf. zu
verändern (Z. 67-75), nicht eingefordert werden dürfe. Berücksichtigen Sie dabei die
aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Impfgegnern und Impfbefürwortern.
Es ist recht schwierig zu sagen, ob „volle staatsbürgerliche Toleranz“ eingefordert werden
darf. Denn einerseits ist es wichtig zum Wohle der Allgemeinheit zu handeln, andererseits ist
es auch wichtig, jedem Menschen ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben zu
gewährleisten. Nehmen wir uns hier die aktuelle Impfdebatte als Beispiel, gibt es auch keine
perfekte Lösung. Denn einerseits besteht zuseiten des Staats die Pflicht seine Staatsbürger
zu schützen, andererseits steht im Grundgesetz geschrieben, dass jeder frei über seinen
Körper entscheiden kann. Insofern dürfte man eigentlich niemanden zu einer Impfung
zwingen bzw. sie einfordern. Jedoch ist es auch moralisch verwerflich, wenn man nur an sich
selbst denkt und sich nicht einmal informiert, was Impfen angeht.

2.) Schauen Sie sich das nachfolgende Video an und lesen Sie den Text von Miguel de
la Riva. Erläuterungen zu Fachausdrücken finden Sie hier: Paradigma (Spalte 1 unten),
"writ of habeas corpus" (Spalte 2 oben), Paternalismus (Spalte 2 unten und
öfter), skandieren (Spalte 3 oben), auf etw. insistieren (Spalte 3
oben), Integrität (Spalte 4 unten). Legen Sie dann ausformuliert dar, wie und mit
welchen Argumenten de la Riva die auch in dem Video aufgeworfene Frage "Freiheit
oder Solidarität?" beantwortet.
Miguel de la Riva betont, dass körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung uns
garantiert sind, da wir in einem freiheitlichen Staat leben, daher sind sie aufjedenfall zu
achten, und nur unter äußersten Umständen darf man diese einschränken bzw. aufheben.
Bevor man diese jedoch einschränken bzw. aufheben darf, muss man Anderes probiert
haben, damit es als unumgänglich gilt, was bei der Corona-Pandemie beispielsweise die
Masken und Testpflicht wären. Weiterhin behauptet Miguel de la Riva, dass unsere Körper
durch den Virus miteinander in Verbindung sind, das heißt, wir sind nicht nur für uns
verantwortlich, sondern auch für alle anderen, daher gilt hier nicht, dass man die freie
Entscheidungsfreiheit über seinen Körper anführt. Auch sagt Miguel de la Riva, dass nur weil
es Grenzfälle gibt wie z.B. bei der Grippe, man nicht jedes Risiko in Kauf nehmen sollte, vor
allem nicht bei glasklaren Fällen wie beim Corona-Virus. Dies sieht Miguel de la Riva als
einen Mangel an Unterscheidungsvermögen an. Letztlich tendiert Miguel de la Riva zur
Solidarität, da der eigene Körper nicht nur einen selbst betrifft, sondern auch alle anderen
Staatsbürger eines Nationalstaats, da eine einzelne Person nicht immun sein kann, sondern
erst wenn alle „immun“ sind als kollektives Gut.

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