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Thern1ische Turbon1aschinen

Von

Dr. Walter Traupel


o. Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule
Zürich

Zweiter Band
Regelverhalten, Festigkeit
und dynamische Probleme

Zweite neubearbeitete und erweiterte Auflage

Mit 587 Abbildungen

Springer-Verlag Berlin Deideiberg GmbH


1968
Alle Rechte vorbehalten
Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Springer-Verlages übersetzt
oder in irgendeiner Form vervielfältigt werden
© by Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1960 and 1968
Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag OHG., Berlin/Heidelberg 1968
Softcoverreprint ofthe bardeover 2nd edition 1968
Library of Congress Catalog Card Number: 66-5118
ISBN 978-3-662-13208-1 ISBN 978-3-662-13207-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-13207-4

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Buche berechtigt auch
ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, daß solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und
Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften
Titel Nr. 1061
Vorwort zur zweiten Auflage

Auch bei der Neuauflage des zweiten Bandes dieses Buches ist eine vollständige
Überarbeitung notwendig geworden. Die Bedeutung der hier behandelten Themen ist
sogar eher noch stärker in den Vordergrund getreten, da die Steigerung der Einheits-
leistungen, die für die derzeitige Entwicklung so charakteristisch ist, vor allem mechanische
Probleme aufwirft.
Unter den Ergänzungen, die den drei Kapiteln über die Regelung der Turbomaschinen
beigefügt wurden, ist wohl die Behandlung des Regulierverhaltens von Gasturbinen mit
verstellbarem Leitrad an der mechanisch unabhängig laufenden ND-Turbine die wich-
tigste. Wir haben uns die Frage gestellt, ob nicht andererseits gerade im Kapitel über
die Regelung der Gasturbine auch Schaltungen, die z. Z. kaum angewandt werden,
hätten weggelassen werden können. Solange aber die Entwicklung so sehr im Fluß ist,
läßt sich auch kaum voraussehen, was schlußendlich bedeutsam bleiben wird, weshalb
wir von solchen Streichungen Abstand genommen haben.
Die Abschnitte über Festigkeitsrechnungen mußten zahlreiche Erweiterungen erfahren,
weil sich die Fälle mehren, wo man außergewöhnlich hohe Beanspruchungen zu beherr-
schen hat und dementsprechend sorgfältige Untersuchungen machen muß. Die weitest-
gehende Überarbeitung erfuhr das Kapitel über Temperaturprobleme. Die elektronische
Rechenmaschine hat die sehr verwickelten Berechnungen, auf die man dort geführt
wird, möglich gemacht, was für den Turbomaschinenbau von großer Tragweite ist, da
diese Fragen naturgemäß die Betriebssicherheit der Maschinen in hohem Maße tangieren.
Noch wichtiger für die Betriebssicherheit ist die Beherrschung des dynamischen
Verhaltens der Maschinen. Da hierüber viel gearbeitet worden ist, mußten auch die
entsprechenden Kapitel des Buches überarbeitet werden. Es konnte aber nicht in Frage
kommen, die umfangreiche neuere Literatur über die Dynamik der Rotoren auch nur
annähernd vollständig zusammenzufassen. Manche dieser Veröffentlichungen sind
übrigens für den Ingenieur wenig befriedigend, da sie einerseits von einer sehr abstrakten
Betrachtungsweise ausgehen, andererseits aber erst anwendbar werden, wenn Unterlagen
vorliegen, über die man meist gar nicht verfügt. In diesem Buch ist daher besonderer
Wert darauf gelegt worden, diese z. T. unerwarteten Effekte (z. B. die Labilisierung des
überkritischen Laufzustandes durch die innere Dämpfung) anschaulich verständlich zu
machen. Anschauliches Verständnis setzt den Ingenieur in die Lage, technisch zweck-
mäßig zu disponieren.
Von befreundeten Ingenieuren wurde ich auf Mängel oder Fehler in der ersten Auflage
aufmerksam gemacht. Ich habe diyse zu beheben versucht und danke allen für die positive
Kritik. Dank schulde ich ferner meinen Mitarbeitern, den Herren V. BEGLINGER,
R. HuWILER, 0. ITEN, U. SALADIN, A. RoEDER, W. ScHLACHTER, C. UTz und H. J.
ZoLLINGER für das Lesen der Korrekturen und andere Arbeiten, die sie für die Neuauf-
lage durchführten, und ebenso Frl. D. ToEPFER für die Niederschrift des Manuskriptes.
Schließlich möchte ich nicht versäumen, dem Springer-Verlag zu danken für die aus-
gezeichnete Ausführung des Buches.

Zürich, im Februar 1968


W. Traupel
IV Vorwort zur ersten Auflage

Vorwort zur ersten Auflage


Der vorliegende zweite Band behandelt drei voneinander wesentlich verschiedene
Problemkomplexe, nämlich erstens das Regelverhalten der thermischen Turbomaschinen,
zweitens die Festigkeitsprobleme (einschließlich der Temperaturprobleme, die mit ihnen
eng verknüpft sind) und drittens die dynamischen Fragen (Schaufelschwingungen, kri-
tische Drehzahlen usw.). Während die Behandlung des Regelverhaltens eine völlig
natürliche Fortsetzung des Stoffes des ersten Bandes ist, scheint dies für die beiden
übrigen Problemkreise weniger zuzutreffen. Trotzdem hielten wir es für dringend wünsch-
bar, in einem solchen Buch die mechanischen Fragen nicht zu übergehen.
Die Vorstellung, an einer thermischen Strömungsmaschine werde alles Wesentliche
durch strömungstechnische und thermodynamische Gesichtspunkte bestimmt, und das
übrige sei Routinearbeit, ist leider recht weit verbreitet. Sie ist aber durchaus unzu-
treffend, um so mehr als dabei auch meist das Konstruktive als gedankliche Leistung
unterbewertet wird. Die einwandfreie Lösung der mechanischen Probleme ist ebenso
wichtig und ebenso schwierig, und die Betriebstüchtigkeit der Maschine hängt entschei-
dend davon ab. Deshalb müssen diesbezügliche Untersuchungen schon die ganze Aus-
legung und Konzeption der Maschine maßgebend beeinflussen. Der verantwortliche
Ingenieur sollte die Zusammenhänge in ihrer GesaP"theit überblicken, d. h., in seine
Überlegungen müssen zugleich mit thermodynamisch-strömungstechnischen auch me-
chanische Erwägungen eingehen. Diesem Sachverhalt möchten wir mit dem Buch ge-
recht werden.
Bei der Ausarbeitung dieses zweiten Bandes habe ich wiederum wertvolle Anregungen
von Ingenieuren aus der Praxis erhalten. Ihnen allen möchte ich meinen Dank aus-
sprechen, ebenso Frl. 0. PALLAVICINI für die Anfertigung des Manuskriptes und den
Herren Dipl.-Ing. H. JAGGI und Dipl.-Ing. G. GYARMATHY für das Lesen der Korrek-
turen. Besonders bin ich auch dem Springer-Verlag dankbar für die gewohnte vorbild-
liche Ausführung des Buches und für die Bereitwilligkeit, mit der er bei dem ganzen
zweibändigen Werk auf meine verschiedenen Wünsche eingegangen ist.

Zürich, im Juli 1960


W. Traupel
Inhaltsverzeichnis

Formelzeichen .VIII

12. Regelung der Dampfturbinen 1


12.1 Allgemeines . . . . . . 1
12.2 Regeleingriffe . . . . . 1
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung . 7
12.4 Empirische Unterlagen über das Teillastverhalten 16
12.5 Bemessung der Regelventile . . . . . . . . . . 19
12.6 Funktionelle Probleme der Dampfturbinenregelung 25
12.7 Probleme der Lastabschaltung . . . . . . 30
12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung 36
12.9 Berechnung der Überdrehzahlen 44
Literatur . . . . . . . . . . 53

13. Regelung der Turboverdichter 54


13.1 Regeleingriffe 54
13.2 Saugdrosselregelung . 56
13.3 Abblaseregelung . . 61
13.4 Umblaseregelung . . 65
13.5 Axialverdichterregelung durch ~chaufelverstellung 69
13.6 Radialverdichterregelung durch einstellbaren Vordrall 76
13.7 Verdichter mit Zwischenkühlung . . . . . . . 78
13.8 Funktionelle Probleme der Verdichterregelung 80
Literatur . . . . . . . . 86

14. Regelung der Gasturbinen 86


14.1 Regeleingriffe 86
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 90
a) Einwellige Anlage . . . . . . . 90
b) Zweiwellige Anlage, Turbinen in Serie geschaltet 95
c) Zweiwellige Anlage, Turbinen parallelgeschaltet . 100
14.3 Regelung mit verstellbarem Leitapparat . . . 102
14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad 107
a) Allgemeines . . . . . . . . . . . . . 107
b) Einwellige Anlage . . . . . . . . . . . 110
_ c) Anlage mit seriegeschalteten Turbinen . . 111
d) Anlage mit parallelgeschalteten Turbinen 113
e) Anlage mit seriegeschalteten Turbinen und verstellbarem Leitrad 113
f) Gegenüberstellung der verschiedenen Schaltungen . . . . . . . 114
14.5 Beispiele gerechneter und gemessener Gasturbinencharakteristiken 116
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung . . 125
14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit 135
14.8 Das Problem der Lastabschaltung . . . . 143
14.9 Beispiele von Gasturbinenregelsystemen. . 148
14.10 Übersicht über das regeltechnische Verhalten der verschiedenen ~chaltungen . 154
Literatur . . . . . . . . . 157

16. Festigkeit der Schautelungen 158


15.1 Schaufelbeanspruchung durch Fliehkraft 158
15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte . 165
15.3 Rückwirkung der Fliehkraft auf die Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strö·
mungskräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
VI Inhaltsverzeichnis

15.4 Beanspruchung des Schaufelpaketes durch Strömungskräfte 177


15.5 Torsionsbeanspruchung von Schaufeln . 182
15.6 Wärmespannungen in Schaufeln . . . . 185
15.7 Viskoser Spannungszustand in Schaufeln 188
15.8 Die Gestaltung der Schaufelbefestigung . 191
15.9 Die Beanspruchung der Schaufelbefestigung. 198
15.10 Die Beanspruchung der Schaufeln der Radialturbinen 214
15.11 Die Beurteilung der Festigkeit von Schaufeln und ihren Befestigungen 219
a) Allgemeines . . . 219
b) Tiefe Temperatur 220
c) Hohe Temperatur 227
Literatur . . . . . . 234

16. Festigkeit der Rotoren 225


16.1 Freitragender Ring 235
16.2 Radkranz mit Schaufeln, an Scheibe . 236
16.3 Differentialgleichungen der rotierenden Scheibe bei elastischer Verformung . 240
16.4 Scheibe gleicher Festigkeit. . . . . . . . . . . . . 242
16.5 Scheibe für beliebig vorgegebenen Spannungsverlauf . 243
16.6 Die Scheibe konstanter Dicke . 245
16.7 Scheibe hyperbolischen Profils . 248
16.8 Die kegelige Scheibe . . . . 248
16.9 Die Scheibe beliebigen Profils . 255
16.10 Die zylindrische Trommel . . . 258
16.11 Spannungskonzentration an Ausgleichlöchern 261
16.12 Rotoren mit ausladendem Kranz und zusammengesetzte Rotoren 262
16.13 Bestimmung des Schrumpfmaßes. 267
16.14 Biegespannungen in Scheiben . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
16.15 Spannungen in Radialrädern . . . . . . . . . . . . . . . . . 273
16.16 Spannungsverteilung im Rotor bei kriechendem Werkstoff (viskoser Spannungszustand) . 280
16.17 Spannungsverteilung in Scheiben bei teilweise elastischem, teilweise viskosem Verhalten. 287
16.18 Die Beurteilung des Spannungszustandes in Rotoren. 289
16.19 Gestaltung von Rotoren 297
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . 305

17. Festigkeitsprobleme an stillstehenden Teilen 306


17.1 Gehäuse und Leitschaufelträger, Allgemeines 306
17.2 Topfgehäuse . . . . . . . . . . . . . . . 306
17.3 Gehäuse und Leitschaufelträger mit horizontalem Trennflansch 313
17.4 Berechnung von Gehäuseteilen nach der Theorie dünner Schalen 319
17.5 Viskoser Spannungszustand in Kugel- und Zylinderschalen 323
17.6 Berechnung der Bolzen . . . . . . . 325
17.7 Berechnung der Leitradzwischenböden 328
Literatur . . . . . . . . . . . . . 329

18. Temperatur- und Kühlungsprobleme . . . . . . . . . . . 330


18.1 Grundgesetze der Wärmeleitung und des Wärmeüberganges. 330
18.2 Ähnlichkeitsgesetz der Wärmeleitung, Analogieversuche. . . 332
18.3 Strenge Lösung des Problems der instationären Wärmeleitung 335
a) Ebene Platte 336
b) Zylinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 336
c) Kugel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337
d) Allgemeine instationäre Lösungen für Platte, Zylinder, Kugel und allgemeinere Körper 337
e) Stationäre Lösungen . . . . . . . . . . . . . . . . 339
18.4 Stationäre Temperaturverteilung in Rotoren und Gehäusen . . . . . . . . . . . . . . 339
18.5 Eindimensionaler Temperaturverlauf in ungekühlten Schaufeln . . . . . . . . . . . . 347
18.6 Temperaturprobleme beim Anfahren und bei Laständerungen, vereinfachte Behandlung . 351
18.7 Differenzenverfahren zur Berechnung instationärer Temperaturfelder 354
18.8 Berechnung von instationären Temperaturfeldern in Rotoren und Gehäusen 361
18.9 Berechnung der Wärmedehnungen 369
18.10 Gekühlte Schaufeln . . . . . . 371
18.11 Theorie der gekühlten Schaufel 378
18.12 Theorie der gekühlten Turbine 386
Inhaltsverzeichnis VII
18.13 Vorausbestimmung der Zustandsänderungen in gekühlten Turbinen bei Prozeßrechnungen 395
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . 399

19. Schwingungen von Schaufeln und Scheiben 400


19.1 Der einfache Schwinger . . . . . • . 400
19.2 Rückführung des allgemeineren Falles des schwingenden Körpers auf den einfachen Schwinger 403
19.3 Gekoppelte Schwingungen . . . . . . . 406
19.4 Biegeschwingungen eines geraden Stabes . . . . . . . . . . . . . 407
19.5 Drehschwingungen eines geraden Stabes . . . . . . . . . . . . . 411
19.6 Bestimmung von Eigenfrequenzen nach dem Verfahren von STODOLA 413
a) Allgemeines . . . 413
b) Biegeschwingung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
c) Drehschwingung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416
19.7 Bestimmung der Eigenfrequenzen nach dem Verfahren von RAYLEIGH. 418
a) Allgemeines . . . . 418
b) Biegeschwingungen 419
c) Drehschwingungen . 422
19.8 Formel von DUNKERLEY 423
19.9 Die Eigenfrequenzen von Schaufelpaketen. 425
19.10 Der Einfluß der Fliehkraft auf die Eigenfrequenzen 434
19.11 Schwingungen stark verwundener Schaufeln 438
19.12 Schwingungsberechnung mit Hilfe von Übertragungsmatrizen . . 443
19.13 Berechnung von Scheibenschwingungen mit Übertragungsmatrizen. 448
19.14 Koppelschwingungen von Schaufeln und Scheibe 454
19.15 Einflüsse zusätzlicher Effekte auf die Eigenfrequenzen . . . . . . 461
19.16 Experimentelle Feststellung von Eigenfrequenzen . . . . . . . . 462
19.17 Schwingungsanregung und Spannungsamplitude bei einzeln schwingenden Schaufeln 464
19.18 Schwingungsanregung und Spannungsamplitude bei Paketschwingungen 469
19.19 Größe der Erregungskräfte . . . . . . . . . . . . . . 473
19.20 Größe der Dämpfung, Selbsterregung . . . . . . . . . 477
19.21 Die schwingungstechnische Auslegung von Schaufelungen. 485
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . 488

20. Dynamische Probleme des Läufers . . . . . 489


20.1 Die kritischen Drehzahlen eines beliebigen drehsymmetrischen Läufers 489
20.2 Die Scheibe an einer masselosen Welle als Modell des wirklichen Läufers 496
20.3 Stabilitätsuntersuchung nach STODOLA 500
20.4 Der Einfluß der elastischen Lagerung 503
20.5 Nicht drehsymmetrische Läufer . . . 508
20.6 Die Kreiselwirkung . . . . . . . . . 511
20.7 Nachgiebigkeit und Dämpfung des Ölfilms 515
20.8 Der Einfluß der inneren Dämpfung auf die Stabilität 523
20.9 Klassische Verfahren zur Bestimmung kritischer Drehzahlen 529
20.10 Bestimmung kritischer Drehzahlen durch Digitalrechengeräte 534
20.11 Bestimmung der kritischen Drehzahlen durch Versuche und Analogiegeräte 540
20.12 Drehschwingungen . . . . . . . . . . 542
20.13 Ergebnisse der Lagertheorie . . . . . . 546
20.14 Selbsterregte Schwingungen des Läufers 559
20.15 Gaslager . . . . . . . . . . . . . . . 570
20.16 Zusätzliche Resonanzen bei Wälzlagern. 574
Literatur . . . . . . . . . . . 576

21. Anhang: Werkstoffeigenschalten 577


21.1 Allgemeines . . . . . . . 577
21.2 Bezeichnungen . . . . . . 579
21.3 Werkstoffe für mäßige Temperaturen (ferritisch) 580
21.4 Ferritische Werkstoffe für höhere Temperaturen 581
21.5 Austenitische Werkstoffe und Sonderlegierungen . 583
21.6 Relaxation und Abbau von Spannungsspitzen. 588
21.7 Leichtmetalle. . . . . . . 592
21.8 Oxydation und Korrosion . 593
Literatur . . . . . . . . · 594

Namen· und Sachverzeichnis . 595


Formelzeichen
Wir geben nachfolgend die häufigst gebrauchten Buchstabensymbole an. Aus naheliegenden Gründen
mußten die Buchstaben oft in mehreren verschiedenen Bedeutungen gebraucht werden, also auch ausnahms-
weise in solchen, die von den nachfolgenden Angaben abweichen, was dann aber aus dem Zusammenhang
hervorgeht. Die Bezeichnungen in den strömungstechnisch-thermodynamischen und in den mechanischen
Teilgebieten sind so unterschiedlich, daß sie getrennt aufgeführt werden.

a) Strömungstechnisch-thermodynamische Gebiete (Kap. 12, 13, 18 und Abschn. 15.2)


a Schallgeschwindigkeit lsp I~P' 1;; Spaltquerschnitt allgemein, des Leit-
a lichte Weite eines Beschleunigungs- rades, des Laufrades
gitters Gr Grashof-Zahl, siehe Abschn. 18.1
b axiale Breite eines Schaufelkranzes bzw. h Totalenthalpie i + c2/2
meridionale Breite des Strömungsweges h als Normalenthalpie gebildete Total-
einer Radialmaschine
B Biot-Zahl (vgl. Bd. 2, Seite 332)
u_ Pv, wird für das ideale
enthalpie __
u-1
c Absolutgeschwindigkeit
c0 , c1 , c2 , Ca Absolutgeschwindigkeit am Eintritt Gas gleich cP T
• eines vorgeschalteten Leitrades, am Ein- .dh Änderung der Totalenthalpie
tritt eines Laufrades, am Austritt eines LI h, isentrope Änderung der Totalenthalpie
Laufrades, am Austritt eines nachgeschal- hp unterer Heizwert bei konstantem Druck
teten Leitapparates i Enthalpie
c 00 absolute vektorielle Mittelgeschwindig- Lli Enthalpieänderung
keit eines Gitters LI i, isentrope Enthalpieänderung
Cno ... Cna Normalkomponenten der Geschwindig- j Normalenthalpie __
u_ p v, wird für das
keiten c0 • • • Ca u-1
c,. 0 ••• c,.a Umfangskomponenten der Geschwindig- ideale Gas identisch mit cPT
. keiten c 0 ••• Ca k, k1 ..• ka Durchflußfaktoren für die durch die In-
c* kritische Geschwindigkeit dizes angegebenen Kontrollflächen
Cmax Grenzgeschwindigkeit bei Entspannung Länge
ins Vakuum Schaufellängen
c. Auftriebskoeffizient Arbeit
c1 Reibungskoeffizient Arbeit pro Masseneinheit
cP spezifische Wärme bei konstantem L.. am Radumfang geleistete spezifische
Druck Stufenarbeit
c. spezifische Wärme bei konstantem Vo- innere spezifische Stufenarbeit
lumen innere spezifische Arbeit einer ganzen
cw Widerstandskoeffizient Maschine oder eines ganzen Prozesses
Zirkulationskoeffizient [Definition Bd. 1, Masse
2. Aufl., Seite 375) Exponent, siehe Abschn. 15.11
LI c,. Differenz c,. 1 - c,. 2 bzw. c,. 2 - c,. 1 Massenstrom
C bezogene Absolutgeschwindigkeit c/u 2 Massenstrom durch Spalt
C 0 • •• Ca bezogene Absolutgeschwindigkeiten, ge- Drehmoment
bildet mit c0 ••• Ca Mach-Zahl
Cno . .. Cna Normalkomponenten der bezogenen Ab- n Polytropenexponent
solutgeschwindigkeiten C0 • •• Ca n Exponent, siehe Abschn. 15.11
C,. 0 ••• C,.a Umfangskomponenten der bezogenen n Drehzahl pro Minute -.-
Absolutgeschwindigkeiten C0 • •• Ca n* VJc:o
Charakteristische Drehzahl .!!:..._
Verhältnis LI c,./u2 N Leistung no Jrx
Crocco.Zahl cjc=x• siehe Bd. l, 2. Aufl., N; innere Leistung
Seite 98 p Druck
D Raddurchmesser Ll.p Druckabfall
Dm, DN, D8 Durchmesser des Mittelkreises, Naben- p Totaldruck
kreises, Spitzenkreises Pr Prandtl-Zahl
E Ellipsenfaktor, siehe Seite 45 Q Wärmemenge
I Durchflußquerschnitt q Wärmemenge pro Masseneinheit
I Verhältnis, siehe Gl. 15.11 (34) q Wärmestromdichte (in Kap. 18)
Formelzeichen IX
r Radius 'IJ• Wirkungsgrad eines Einlaufstutzens
rm, r"v' r8 Radius des Mittelkreises, Nabenkreises, YJ; innerer Wirkungsgrad
Spitzenkreises 'IJm mechanischer Wirkungsgrad
r, ril: Reaktionsgrad, kinematischer Reaktions- 'f}p polytroper Wirkungsgrad, siehe Bd. I,
grad Seite llff.
R Gaskonstante 'IJth thermischer Wirkungsgrad
Re Reynolds-Zahl 'IJthi innerer thermischer Wirkungsgrad
8 Sehnenlänge eines Schaufelprofils 'IJu mit L,. gebildeter Stufenwirkungsgrad,
8 Entropie pro Masseneinheit siehe Bd. I, 2. Auf!., Seite I60-I67
S Entropie 'IJ, isentroper Wirkungsgrad der Stufe, siehe
S Axialschub Bd. I, 2. Aufl., Seite I4
St Stanton-Zahl, siehe Bd. 2, Seite 331 'IJ, u innerer isentroper, mit L,. gebildeter
Schaufelteilung Wirkungsgrad
t Zeit {} Verdrängungsdicke der Grenzschicht
T absolute Temperatur f} Temperaturverhältnis (Gasturbinen-
T absolute Totaltemperatur prozeß)
u Umfangsgeschwindigkeit {} Zentriwinkel eines Schaufelprofils
u1 , u2 Umfangsgeschwindigkeit Eintritt und &1 Temperaturgrenzschichtdicke
Austritt Laufrad () Trägheitsmoment eines Rotors
um, uN, u 8 Umfangsgeschwindigkeiten entsprechend () Verhältnis fJjs
rm, rN, rs O, Verhältnis D1/s
u innere Energie pro Masseneinheit x Isentropenexponent
u Umfang eines Querschnittes A Wärmeleitfähigkeit
Verhältnis ~t1 /u2 = r 1 /r2 A Leistungszahl
V spezifisches Volumen ;,n Diffusor-Umsetzungsgrad, siehe Bd. 1,
V Volumen 2. Auf!., Seite I72
v Volumenstrom A Charakteristische Leistungsausbeute,
siehe Abschn. I4.4
w Relativgeschwindigkeit
Relativgeschwindigkeit Eintritt und Aus- n Druckverhältnis
tritt Laufrad II Druckverhältnis
Umfangskomponenten von w1 und w 2 (! Dichte
relative vektorielle Mittelgeschwindigkeit ffJ Durchsatzzahl, siehe Bd. I, 2. Aufl.,
des Laufrades Seite I87
W, W 10 W 2 , W oo bezogene Relativgeschwindigkeit ffJ Strömungspotential
w/u2 , bzw. w 1/u 2 usw. t]J Durchflußgröße, siehe Bd. I, 2. Auf!.,
Wut, W,. 2 Umfangskomponenten von W 1 und W 2 Seite 504
ml1 , lffi2 mit w 1 und w 2 gebildete Crocco-Zahlen 'P Druckzahl, siehe Bd. I, 2. Auf!., Seite 187
x Dampfgehalt des Naßdampfes lJ! Stromfunktion
y Verhältnis des Radius zu einem Bezugs- lJ! Durchflußfunktion, siehe Bd. I, 2. Aufl.,
radius, namentlich r/rm oder r/rN Seite 98
Y Radienverhältnis r8 /r.v = Ds/D_v 'Jf" 'l'k Funktionen zur Berechnung isentroper
z Stufenzahl Enthalpiedifferenzen, siehe Bd. I, 2. Aufl.,
z Drosselstellenzahl einer Labyrinthdich- Seite 3
tung w Winkelgeschwindigkeit
<X Durchflußkoeffizient Q Ringquerschnitt
.x absoluter Strömungswinkel
Indizes werden vorwiegend in folgendem Sinne
a 0 ••• .x 3 Winkel der Geschwindigkeiten c0 ••• c3
gegen die tangentiale Richtung gebraucht:
0 Normalzustand, Bezugszustand, Aus-
<X 00 'Vinkel von c00 gegen die tangentiale
legungszustand
Richtung
0 Eintritt vorgeschaltetes Leitrad
ß, ßu ß2 , ßoo relativer Strömungswinkel, insbeson- I Austritt vorgeschaltetes Leitrad = Ein-
dere Winkel von w 1 , w2 , w 00 gegen die
tritt Laufrad
tangentiale Richtung
2 Austritt Laufrad
y Beaufschlagungswinkel
3 Austritt nachgeschaltetes Leitrad
r Zirkulation
m Mittelkreis
o Spaltweite N Nabe
e Beaufschlagungsverhältnis S Spitze
e Gleitzahl .x Eintritt Stufengruppe
e relativer Druckverlust LI pjp w Austritt Stufengruppe

'TJ
YJ
Verlustzahl
Zlthigkeit
Wirkungsgrad
E
A
Eintritt Maschine
Austritt Maschine

1)', 'IJ" Leit- und Laufradwirkungsgrade Bei Größen, die sich auf einzelne Schaufelkränze be-
'IJn Diffusorwirkungsgrad ziehen, bezeichnet ' das Leitrad und " das Laufrad
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. a.
X Formelzeichen

b) Festigkeitsprobleme, dynamische Probleme usw. (Kapitel 15-17, 19 und 20)

A Auflagerreaktion u, um, uN Umfangsgeschwindigkeit allgemein, im


a kleinste Ölspaltweite (Lager) Mittelkreis, im Nabenkreis
b Breite (z. B. tragende Flankenbreite) u örtliche Amplitude eines schwingenden
d Durchmesser (z. B. Nietschaft) Körpers bzw. dimensionsloses Maß für
D Faktor zur Berechnung der Spannungs- diese
amplitude einer schwingenden Schaufel v Radialverschiebung
D Durchmesser v Geschwindigkeit einer Schwingungs-
Dm, DN, Ds Durchmesser des Mittelkreises, Naben- bewegung
kreises, Spitzenkreises V Vergrößerungsfaktor, siehe Abschn. 19.1
e Exzentrizität (Rotor) w Momentanwert der örtlichen Auslenkung
E Elastizitätsmodul W Einflußfunktion, siehe Abschn. 19.6
I Querschnitt von Schaufel oder Welle )ffi dimensionslose Einflußfunktion, siehe
I Verhältnis siehe GI. 15.11 (34) Abschn. 19.6
IN Schaufelquerschnitt an Nabe X Koordinate
g Schwerebeschleunigung X Radienverhältnis, siehe Abschn. 16.6
G Gleitmodul X Kraftkomponente
G Gewicht y Koordinate
h Weite eines Schmierspaltes y Radienverhältnis rfrN oder r/r;
Hn, H,n Ausdrücke, siehe Abschn. 19.17 y Scheibendicke
j Funktion zur Berechnung der Reibungs- y örtlicher Momentanwert des Ausschlages
leistung (Lager) (Biegeschwingung) ·
y Radienverhältnis r8frN oder r./r;
J Flächenträgheitsmoment
y örtliche Amplitude (Biegeschwingung) .
JP polares Trägheitsmoment einer Fläche
z Koordinate, insbesondere axiale Koordi-
k elastische Konstante eines Stabes
nate
k1 Verhältnis I/ s 2
Schaufelzahl eines Rades
kJ Verhältnis Jfs 4
Anzahl der Schaufeln eines Paketes
K Kerbwirkungsfaktor
Ordnungszahl der Erregung (Schaufel-
l Länge, insbesondere Schaufellänge oder
schwingung)
Rotorlänge
m Masse
z Fliehkraft
a theoretischer Formfaktor
m Exponent, siehe Abschn. 15.11 ß Wärmeausdehnungszahl
M, M 6 , M, Moment, Biegemoment, Torsions- ß wirklicher Formfaktor, siehe
moment Abschn. 15.11
n Ordnungszahl y Verdrillungswinkel, Winkeldeformation
n Exponent, s. Abschn. 15.11 {j logarithmisches Dekrement
n, sekundliehe Drehzahl e relative Dehnung
N Leistung e., e., e, relative Dehnungen in axialer, radialer,
p Druck, Flächenpressung tangentialer Richtung
Pm Mittelwert einer Flächenpressung es Bruchdehnung
P Kraft ' Koordinate, dimensionslose Koordinate
q Flächenpressung 1J Koordinate, dimensionslose Koordinate
q Funktion zur Berechnung der Öldurch- 1J Zähigkeit
flußmenge 1J empirischer Faktor, siehe Abschn. 15.11
Q Querkraft {} Verhältnis JfJ0 , wo J 0 ein Wert an einer
Q Öldurchflußvolumen pro Zeiteinheit ausgezeichneten Stelle ist
r
(Lager) e Massenträgheitsmoment
Ausschlag einer zirkular polarisierten u Sicherheitsfaktor zur Berücksichtigung
Schwingung der Streuung der Festigkeitswerte
r Radius u1 , u 2 , ••• Eigenwerte (Biegeschwingung), siehe
rm• rN, rs Radius des Mittelkreises, Nabenkreises, Abschn. 19.4
Spitzenkreises ft Reibungskoeffizient
Innenradius, Außenradius v Schwingungsfrequenz
Schwerpunktsradius und Innenradius v., v.n Eigenfrequenz allgemein und n-ter Ord-
eines Radkranzes nung
radiales Lagerspiel v:n Eigenfrequenz n-ter Ordnung ohne Ein-
8 Sehnenlänge des Schaufelprofils fluß der Fliehkraft (Schaufel)
s Stimulus, siehe Bd. 2, Seite 466 I; Koordinate, dimensionslose Koordinate
Schaufelteilung Ilm Lagerkennzahl (Sommerfeldzahl)
t Zeit Q Dichte
T Temperatur a Normalspannung
T kinetische Energie a. Spannungsamplitude
Formelzeichen XI
a. Axialspannung Fliehkraftspannung
ab Biegespannung größter dauernd zulässiger Wert einer
an, Gn 1 Bruchspannung allgemein und nach der Spannungsamplitude
Zeit t Schubspannung
aF Fließgrenze (Streckgrenze) relative Lebensdauer siehe Abschn. 15.11
ak, a,k Spannung im Radkranz allgemein und Phasenwinkel
am Innenrand Verhältnis ///0 , wo / 0 ein Wert an einer
am zeitlicher Mittelwert der Spannung ausgezeichneten Stelle
am, während der Zeit t zulässiger \Vert von am Phasenwinkel
aP vom Druck herrührende Spannung Faktor zur Berücksichtigung der Ver-
a,. a,., G,; Radialspannung allgemein, am Außen- wölbung eines tordierten Querschnittes
rand, am Innenrand potentielle Energie eines deformierten
a,w, a,p, a,P Radialspannung herrührend von Körpers
Rotation, Temperatur, Druck w Winkelgeschwindigkeit
a1, a,., a0 Tangentialspannung allgemein, am w Kreisfrequenz
Außenrand, am Innenrand Kreisfrequenz der Eigenschwingung, ins-
a, w, a, T, a1P Tangentialspannung, herrührend von besondere derjenigen n-ter Ordnung
Rotation, Temperatur, Druck dimensionslose Eigenfrequenz
12. Regelung der Dampfturbinen

12.1 Allgemeines
Das Problem der Regelung der Dampfturbinen wie auch der Turboverdichter und
Gasturbinen zerfällt in zwei völlig verschiedene Problemgruppen. Die erste Problem-
gruppe kann etwa durch die Bezeichnung "statisches Regelverhalten" gekennzeichnet
werden. Hier handelt es sich im allgemeinsten Sinne um die Betrachtung der möglichen
Beharrungszustände. Zu dieser Gruppe gehören etwa die Fragen, welche Regeleingriffe
an der Maschine möglich und welche in wirtschaftlicher Beziehung zweckmäßig sind.
Damit hängt auch zusammen die Untersuchung der thermodynamisch-strömungs-
technischen Verhältnisse, die in der Maschine infolge der Regeleingriffe auftreten. Auch
ist in diesem Zusammenhang wichtig, von welchen Primärimpulsen (Drehzahl, Durch-
flußmenge, einstellbarer Sollwert der Leistung usw.) ausgehend überhaupt geregelt
werden soll.
Die letztgenannte Fragestellung weist bereits hinüber zur zweiten Problemgruppe,
die mit der Bezeichnung "Regeldynamik" umschrieben werden kann. Hier handelt es
sich um den zeitlichen Ablauf des Regelvorganges. Die zweckmäßige Auslegung des
Regelsystems selbst ist hier Gegenstand der Betrachtung, wobei die Schnelligkeit des
Reagierensund die Stabilität die maßgebenden Gesichtspunkte sind. -Historisch hat für
die Entwicklung der Theorie der Regeldynamik gerade die Dampfturbinentechnik eine
maßgebende Rolle gespielt, denn es war vor allem STODOLA, der sich in diesem Zusammen-
hang damit beschäftigte. Regeldynamische Probleme beschränken sich aber keineswegs
auf den Turbomaschinenbau, sondern haben heute im Gegenteil in anderen Gebieten eine
noch viel größere Bedeutung (Fernsteuerung, Automation usw.). Regeldynamik ist da-
her zu einem umfangreichen Sondergebiet geworden, innerhalb dessen der Turbo-
maschinenbau in keiner Weise mehr eine ausgezeichnete Stellung einnimmt. Deshalb be-
schränken wir uns in diesem Buch auf die Teilprobleme der Regeldynamik, die für den
Turbomaschinenbau spezifisch sind. Insbesondere werden Stabilitätsprobleme nur be-
handelt bis zur Aufstellung des Gleichungssystems, das der Ausgangspunkt der Stabili-
tätsuntersuchung ist.
12.2 Regeleingriffe
Der einfachste Regeleingriff an einer Dampfturbine ist die Drosselung, vgl. Abb. l.
Durch entsprechende Einstellung eines Drosselventils kann bei unveränderlichem Ein-
trittsdruck PE der Druck Px unmittelbar vor der Schaufelung mehr oder weniger herab-
gesetzt werden gegenüber dem Druck p: ,
den er bei völlig geöffnetem Drosselorgan hat.
Damit vermindert sich die Durchflußmenge m nach dem Kegelgesetz (vgl. 11.3) etwa
proportional Px. Zugleich wird die innere Arbeit pro Mengeneinheit L; =LI hEA kleiner,
so daß die innere Leistung
(l)
entsprechend zurückgeht. Das gleiche gilt aber gemäß Abb. l auch für den inneren
Wirkungsgrad
(2)
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Aufl.
2 12. Regelung der Dampfturbinen

Der schlechte Teillastwirkungsgrad ließ die reine Drosselregelung trotz ihrer Einfach-
heit für moderne Großanlagen meist ausscheiden. Bei den sehr großenGefällen der Hoch-
druckdampfprozesse fällt allerdings der Wirkungsgrad mit zunehmender Drosselung zu-
nächst nur wenig ab, und da man solche
Anlagen fast dauernd mit hoher Last be-
treibt, greift man in neuerer Zeit wieder
gelegentlich mit Vorteil auf die reine Drossel-
regelung zurück.
Den Nachteil des schlechten Teillast-
wirkungsgrades vermeidet die allgemein ge-
bräuchliche DUsengruppenregelung, Abb. 2,
die schon unter 4.1 erwähnt wurde. Die mit
Gleichdruck- oder Curtis-Schaufelung ver-
sehene erste Stufe, die sog. Regelstufe,
weist einige Beaufschlagungssektoren auf.
Pc \
Pc \ Der Dampfzufluß zu jedem dieser Sektoren
P[ \ wird durch ein besonderes Regelventil ein-
\ *~
gestellt. Mit zunehmender Belastung wird
Pt \ -<::

1 \
\
"q

~.,
in stetiger Weise ein Ventil nach dem
anderen geöffnet, vgl. die schematische
\ .<::!
\ ~
Darstellung Abb. 2. Wie dort zu erkennen,
\ weisen die Öffnungsperioden der einzelnen
Ventile meist eine gewisse Überdeckung auf,
worauf wir noch .z urückkommen. In einem
beliebigen Belastungszustand wird im all-
gemeinen eine mehr oder weniger große
s---- Anzahl der Ventile voll geöffnet sein und
somit keine zusätzliche Drosselung ver-
Abb. 12.2.1 Arbeitsschema der Drosselregelung und
Zustandsänderung im Entropiediagramm ursachen, während eines teilweise geöffnet
1 Hauptabsperrventll, 2 Regelventil ist; der dort entstehende Drosselverlust be-
trifft aber nur eine Teilmenge.
Daraus ergibt sich der gegenüber
reiner Drosselregelung bessere
Teillastwirkungsgrad, der beson-
ders günstig wird in den mit
A, B, 0 in Abb. 2 angedeuteten
Betriebszuständen, da dort bis auf
den kleinen Überdeckungseffekt
überhaupt kein durch die R ege-
lung bedingter Drosselverlust auf-
tritt. Offenbar arbeitet diese Rege-
lung um so vollkommener, je
größer die Anzahl der Beaufschla-
gungssegmente (Düsengruppen ge-
nannt, weil namentlich früher die
Leitkanäle oft als Düsen bezeich-
net wurden). Sehr verbreitet ist die
Anordnung mit vier Segmenten.
0 .4
Oft - besonders bei modernen
Leistung - Großturbinen -sind es aber mehr,
vereinzelt bis 10. Besonders fein-
Abb. 12.2.2 Arbeitsschema der Düsengruppenregelung und
Ventilöffnungsgesetz stufige Regelungen lassen sich er-
1 Hauptabsperrventil, I, 11, 11I, IV Düsengruppenventile reichen mit komplizierteren Öff-
12.2 Regeleingriffe 3
nungsgesetzen, z. B. gemäß der schematischen Darstellung nach Abb. 3, doch wird
von solchen Möglichkeiten wegen der damit verbundenen Komplikationen kaum Ge-
brauch gemacht. Bei den hohen Eintrittstemperaturen moderner Maschinen wird mit
Vorteil der zuerst öffnende
Beaufschlagungssektorin zwei m IY y fi
kleine Sektoren aufgeteilt, die
symmetrisch im Unter- und
Oberteil des Gehäuses ange-
ordnet sind, damit beim An-
wärmen keine asymmetrische
Temperaturverteilung im Ge-
0
häuse entsteht. Überhaupt Leistung -
sind die Wärmedehnungen für Abb. 12.2.3 Steuergesetz einer Düsengruppenregelung. Beachte die
die Gestaltung der Düsen- gleichzeitige Öffnung der Segmente I und II zur Vermeidung ein-
gruppenregelung von großer seitiger Gehäuseerwärmung bei sehr kleiner Last
Bedeutung. BeiderKonstruk-
tion nach Abb. 4 ist die Dampfführung so gewählt, daß unabhängig von der Anzahl der
geöffneten Sektoren der ganze Gehäuseumfang vom Dampf bespült wird, während bei
der Bauart nach Abb. 5 jedes einzelne Beaufschlagungselement für sich völlig frei dehn-
bar angeordnet ist. Manchmal wird auch so vorgegangen, daß man beim Anfahren die

Abb. 12.2.4 Anordnung der Beaufschlagungssektoren bei einer Turbine der Topfbauart für Drücke bis etwa
200 bar (204 at) und Temperaturen bis 535 °C (SSW)

sämtlichen Düsengruppenventile voll öffnet und durch ein kleines Drosselventil unter
Umgehung des Hauptabsperrventils den Dampf den Beaufschlagungssegmenten zuführt,
vgl. [15]. Man fährt also mit Drosselregelung an und vermeidet so asymmetrische Tem-
peraturverteilungen.
l*
4 12. Regelung der Dampfturbinen

Abb. 6 zeigt eine Anordnung, die für einen Druck von 255 bar (260 at) bei 625 oc
vorgesehen ist, weshalb ein Doppelmantelgehäuse zur Verwendung kommen muß. Man
erkennt, wie die Einführung des Dampfes in die vier Beaufschlagungselemente erfolgt
und wie dabei den Wärmedehnungen
sorgfältigst Rechnung getragen ist.
Die Beaufschlagungselemente selbst
haben eine festigkeitstechnisch gün"
stige gerade Form. Man beachte auch,
wie die äußeren Dampfzuführungs-
leitungen je in ein Bündel enger Rohre
aufgelöst sind, damit sie eine hohe
Biegeelastizität aufweisen und somit
keine großen Kräfte auf das Gehäuse
ausüben. -Bei einerneueren Lösung
von BBC sind die Düsensegmente zu
einem geschlossenen (in der Horizon-
talebene nicht geteilten) Ringkörper
vereinigt, der, um den Rotor gelegt,
mit diesem in den Gehäuseunterteil
eingesetzt wird.
Ein weiterer möglicher Regelein-
griff ist die R egelung durch Ober-
springen von Stufen, Abb. 7, die vor
allem als Überlastregelung in Frage
kommt. Durch Öffnen eines Über-
brückungsventils wird Dampf un-
mittelbar vor einer weiter hinten fol-
genden Stufe zugeführt. Dort staut
sich infolgedessen gemäß dem Kegel-
gesetz ein so viel höherer Druck auf,
wie es dem vergrößerten Dampfdurch-
fluß entspricht. Die Leistungserhö-
hung, die sich so erzielen läßt, kann
sehr beträchtlich sein, doch ist dieser
Regeleingriff stets verlustbehaftet, da
ja eine wesentliche Teilmenge des
Dampfes eine starke Drosselung er-
fährt. Oft wird hingegen diese Lösung
gewählt als Überlastregelung bei Ma-
schinen, die sonst Düsengruppenrege-
lung besitzen, siehe z. B. Abb. 4. Es
wird in diesem Falle meist nur die
Regelstufe übersprungen.
Auf die Möglichkeiten, die mit
einer mehrfachen Anwendung dieses
Abb. 12.2.5 Anordnung der Beaufschlagungssektoren bei
einer Turbine für 100 MW Leistung (BBC). Jedes Element Regelverfahrens gegeben sind, hat
kann den Wärmedehnungen frei folgen SEIPPEL [16] hingewiesen. Abb. 8 zeigt
1 einsitzige Diffusorventile, 2 Düsenkästen, 3 Servomotoren ein von ihm angegebenes Schema.
Es sind dabei a und b Düsengruppen-
ventile, c und d Ventile zum Überspringen von Stufen, wobei c nur die Regelstufe,
d eine weitere Stufengruppe überspringt. Damit bei hoher Überlast sich im Zwischen-
überhitzer, welcher der MD-Turbine vorausgeht, kein zu hoher Druck aufstaut (der
eine entsprechende Verstärkung und damit Verteuerung der entsprechenden Anlageteile
12.2 Regeleingriffe 5

verlangen würde) ist auch die MD-Turbine mit einem Stufenüberbrückungsventil f aus-
gerüstet, das zugleich mit dem Ventil d geöffnet wird. Mit solchen Mitteln kann eine
Maximalleistung erreicht werden, welche die wirtschaftlichste Leistung um mehr als

Abb. 12.2.6
Anordnung der Beaufschlagungssektoren bei einer Dampfturbine mit Doppelmantel-MD-Gehäuse (AEG)

50% übertrifft. Bei 50 % Überlast hat dabei der Anlagewirkungsgrad immer noch etwa
93% seines Optimalwertes. Eine solche Lösung ist oft wirtschaftlicher und betrieblich
günstiger als das Aufstellen besonderer Maschinen zur Spitzendeckung oder das häufige
Zu- und Abschalten großer Dampfturbo-
gruppen innerhalb eines Netzes.
Abb. 8 zeigt weiter ein Ventil g, durch
das die erste Anzapfung abgesperrt werden
kann und ein Ventil h, durch das eine Teil-
menge des Speisewassers die Vorwärmer 15
bis 8 umgehen kann. Solche Eingriffe, die
eine Leistungserhöhung durch Verminderung
der Anzapfmengen herbeiführen, sind sehr Abb. 12.2.7 Schema der Regelung durch Über-
einfach und werden daher als Notbehelf oft springen von Stufen
vorgenommen. Sie bringen aber nur eine
mäßige Leistungsst eigerung und vermindern den thermischen Wirkungsgrad wesentlich.
Die hier angegebenen Regeleingriffe können in mannigfacher Weise miteinander
kombiniert werden. Dabei sind z. B. Lösungen denkbar wie die folgende, die bei Schiffs-
turbinen verwendet worden ist: Die einzelnen Düsengruppenventile werden von Hand
6 12. Regelung der Dampfturbinen

entweder voll geöffnet oder geschlossen; die feinere Regelung erfolgt durch ein allen
Düsengruppen gemeinsam vorgeschaltetes Drosselventil. Die früher viel augewandte

Abb. 12.2.8 Schema einer Dampfkraftanlage mit Überlastregelung nach SEIPPEL [16]
D Dampferzeuger, HD Hochdruckturbine, MD Mitteldruckturbine, ND Niederdruckturbine, K Kondensator, P Pumpen,
R Regelstufe, a, b Düsengruppenventile, c-1 Stufenüberbrückungsventile, g Absperrventil, h Umgehungsventil,
1- 8 Speisewasservorwärmer

Handbetätigung einzelner Ventile ist mindestens bei großen modernen Maschinen ver-
schwunden. Der Primärimpuls, von dem ausgehend die Regelorgane unter entsprechender
Krafteinschaltung verstellt werden, ist normalerweise die Drehzahl (Fliehkraftregler),
wobei das Regelsystem als solches allerdings meist so arbeiten muß, daß im Beharrungs-
zustand stets wieder genau die-
selbe Drehzahl sich einstellt.
Es ist aber auch möglich, die
Maschine direkt ausgehend von
der elektrischen Leistungsmes-
sung zu regeln. Bei den großen
"' im Verbundbetrieb arbeitenden
elektrischen Netzen lassen sich
auch einzelne Dampfturbogrup-
pen digital regeln, d. h. die ein-
zelnen Düsengruppenventile nur
ganz öffnen oder ganz schließen.
Man betreibt die Maschinen dann
stets in besonders wirtschaft-
lichen Betriebszuständen.
ND
Regelproblemevielfältiger Art
treten z. B. auf bei Entnahme-
turbinen, bei denen nur ein Teil
Abb. 12.2.9 Schema einer Entnahmeturbine des Dampfes bis auf das Konden-
satorvakuum entspannt wird,
während der restliche Teil bei höherem Druck entnommen und einem Wärmeverbraucher
zugeführt wird. Dann muß die Regelung gleichzeitig den im allgemeinen voneinander un-
abhängigen Forderungen von Leistungs- und Wärmebedarf entsprechen. Abb. 9 zeigt
schematisch, wie dies etwa verwirklicht werden kann. HD- und ND-Teil der Turbine,
zwischen denen die Dampfentnahme erfolgt, weisen besondere Regelventile auf. In Abb. 9
ist für beide Teile einfache Drosselregelung angegeben, doch sind Düsengruppenregelung
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung 7

oder Stufenüberbrückungsventile ebensogut möglich. Der Fliehkraftregler 1 beeinflußt die


Regelorgane des HD- und ND-Teiles gleichartig im Sinne einer Vergrößerung des Durch-
flusses bei abnehmender Drehzahl. Der Druck an der Entnahmestelle wird durch die Druck-
dose 2 gemessen, welche beim Absinken dieses Druckes eine Verminderung des Durchfluß-
querschnittesdes ND-Teiles und eine Vergrößerung desjenigen des HD-Teiles herbeiführt;
beides bewirkt ein Wiederansteigen des Druckes. Es ist leicht zu erkennen, daß auf
diese Weise Drehzahl und Entnahmedruck in engen Grenzen konstant gehalten werden
können, bei Verwendung von Regelsystemen mit geeigneten Isodrom- und Isobarvorrich-
tungen im Beharrungszustand selbst völlig konstant. Damit paßt sich aber die Maschine
gleichzeitig dem jeweiligen Leistungs- und Wärmebedarf an.

12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung


Die thermodynamische Berechnung der Drosselregelung gestaltet sich einfach, da ja
bei vor dem Drosselventil und somit auch vor der Schaufelung konstanter Enthalpie das
Kegelgesetz mit hinreichender Genauigkeit gilt. Der Kegel ist in der Zeichenebene dar-
stellbar durch eine Schar von Ellipsen, deren jede einem bestimmten Wert des Druckes Pcx
vor der Schaufelung zugeordnet ist, wobei durch geeignete Maßstabswahl die Ellipsen
in Kreise überführbar sind, siehe Abb. l. In diesem
Diagramm kann weiter der Druck Pw nach der
Schaufelung in Funktion von m als Kurve ein-
getragen werden. Ist Pw konstant, wie im Beispiel
Abb. 1 angenommen, so wird dies!3 Kurve offen-
bar eine horizontale Gerade, doch ist die zeich-
nerische Konstruktion im allgemeineren Fall in
gleicher Weise durchführbar. Gibt man sich nun
irgendeine Durchflußmenge - Punkt A im Dia-
gramm Abb. 1 - so trifft man in dem senkrecht
darüberliegenden Punkt B eine Ellipse, die einem
bestimmten Druck Px zugeordnet ist, nämlich 0 rh.
demjenigen Druck, bei dem die Ellipse die Ordi-
natenachse schneidet. Die Auftragung dieses od
Druckes Prx über dem Abszissenwert m gibt den
Punkt 0. Diese Konstruktion, für eine Anzahl von /'
rh-Werten ausgeführt, gibt die Kurve Pcx = l(m),
die zeigt, auf welchen Druck bei jedem beliebigen
Durchfluß heruntergedrosselt werden muß. Mit
dem nunmehr für jede Durchflußmenge bekannten 0 rh.
Eintrittszustand und Enddruck läßt sich nach Abb. 12.3.1 Schar der Ellipsen für verschie-
den Ausführungen unter 11.4 jeweils der Ent- dene Eintrittsdrücke Pcx· Wird der Austritts-
spannungsverlauf in der Turbine ermitteln - druck Pro konstant gehalten, so ergibt sich
wenn nicht sogar eine Charakteristik der unter der dargestellte Zusammenhang zwischen
Pcx und m, womit die Querschnittskurve
11.5 behandelten Art vorliegt -, womit nach o.f =Funktion (m) bestimmbar ist
GI. 12.2 (1) und (2) - bzw. ihren Verallgemeine-
rungen bei Turbinen mit Anzapfung - Leistung und Wirkungsgrad aufgefunden werden.
Auch der Ventildurchflußquerschnitt läßt sich nun in Funktion der Menge angeben,
denn man kennt den Zustand p~, v~ vor Ventil und zu jedem m das zugehörige Pcx nach
Ventil. - Der Druck p~ vor Regelventil wird um den Druckabfall im Hauptabsperr-
ventil kleiner sein als der Druck PE vor Hauptabsperrventil, welcher als der eigentliche
statische Druck am Maschineneintritt zu gelten hat. - Für den Durchflußquerschnitt I
des Regelventils gilt gemäß Gl. 3.6 (25) bis (26)

(X I -_ m
-
V'
V"-
---
2u
1 v~
p~'
(1)
8 12. Regelung der Dampfturbinen

wobei
"
für -p~
P"'> ( -2-)-;;-::-)"
l.: + 1 '
(2)

für ~
p;; <
=
( -2
l.: + 1
-)-;;-::-r" ' (3)
während IX ein Durchflußbeiwert ist, der die Strömungswiderstände und die Einschnürung
im Ventil berücksichtigt und von der Gestalt und Stellung des Ventils abhängt; er ist
für den gegebenen Ventiltyp aus Versuchen zu ermitteln. Die durch (2) gegebene
1p-Funktion ist in Abb. 3.6.3 dar-
gestellt und gilt bis zum an-
gegebenen Schalldruckverhältnis,
1'---
I

Q20
I während bei weiterer Absenkung
I
"' von p()l. der durch (3) gegebene
Q16
I
I
' \
konstante 1p-Wert bestehen bleibt.
Abb. 2 stellt 1p für " = 1,3 dar.
Q12
I
\ Der so erhaltene wirksame Quer-

Q08
I
I 1\' schnitt IX f läßt sich wie in Abb. 1
gezeigt auftragen, womit die Ven-
I \ tilbemessung möglich und der Aus-
Q()/i
\ gangspunkt für die Gestaltung des
0,5116,Ji
Regelsystems gefunden ist.
0 Ql 0,2 Q3 0,4 4.5 0,6 0,7 QB Q9 1.0
Die Berechnung der Düsen-
Pot/Pf bzw. P1/Po-
gruppenregelung macht von den
gleichen Überlegungen Gebrauch,
Abb. 12.3.2 Größe 'I' in Funktfon des Druckverhältnisses
für Isentropen. oder Polytropenexponent 1,3 doch muß zunächst das Durch-
flußverhalten der Regelstufe
untersucht werden. Diese ist auffaßbar als eine Reihe von parallelgeschalteten einstu-
figen Turbinen (die Beaufschlagungssektoren), die mit demselben Austrittsdruck ar-
beiten. Das Verhalten jedes einzelnen dieser
Sektoren wird daher erschöpfend beschrieben
durch eine Stufencharakteristik, wie in Bd. I,
Abschn. 11.2, behandelt. Es wird dort gezeigt,
daß die allgemeinste Stufencharakteristik in
dimensionsloser Darstellung dreiparametrig ist.
Liegt, wie im Falle der Regelstufe, der Zuström-
winkel · IXo fest, so bleibt ein zweiparametriger
Zusammenhang übrig. Da zudem die meisten
Dampfturbinen mit konstanter Drehzahl arbeiten
und auch die Enthalpie des Frischdampfes 1 kon-
0 V P stant gehalten wird, ist auch der maßgebende
Abb. 12.3.3 Charakteristik einer Regelstufe Parameter u2 = u2/V2lio unveränderlich, und wir
erhalten die einfache einparametrige Stufen-
Charakteristik, wie sie in Abb. 3 dargestellt ist. Es ist mit rh und e als Massenstrom
und Beaufschlagungsverhältnis des betrachteten Sektors
'V=~ (4)
f-l
_
=
rhv 2
ef}2 V2.di,' - V2.di,' 'Y/su = .di,.
.di

Im Zusammenhang mit der hier vorliegenden AUfgabe ist es zweckmäßig - abweichend


von der sonst in diesem Buche bevorzugten Definitionsweise - LI i. zu bestimmen aus
dem Totalzustand P 0 , h 0 vor dem Leitapparat und dem statischen Druck p 2 nach dem
Laufrad und dementsprechend auch das effektive LI i mit dem Totalzustand am Eintritt
1 h0 ist die als Normalenthalpie berechnete Totalenthalpie des Dampfes vor dem Leitapparat.
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung 9

und dem statischen Austrittszustand zu bilden; auf diese Einzelheit kommen wir noch
zurück.
In Analogie zum Durchflußgesetz einer Mündung oder Düse setzen wir für den Be-
aufschlagungssektor
.-
m- aVPo . (5)
Vo,

Hier ist v 0 t das dem Totalzustand vor dem Leitapparat entsprechende spezifische Volumen
und G eine Größe, deren Abhängigkeit von den Betriebsbedingungen noch zu bestimmen
ist. Aus der ersten der Gin. (4) folgt
• _ ,u e .Q 2 V2Ll i, _ ,u e .Q 2
m -
v2
- -v -
2
V -2x- p oVot [ 1 - ( -P2
x- l P0
)7] , (6)

wobei LI i. aus den für idealen Dampf gültigen Relationen berechnet ist. Die Gleich-
setzung der Ausdrücke nach GI. (5) und (6) und die Auflösung der entstehenden Gleichung
nach G liefert

(7)

Für v 0 efv 2 können wir folgenden Ausdruck finden

also
l (h_)
t-f]
(8)
l - n.u [l - ( ;: Po .
Wenn wir diesen Ausdruck in GI. (7) einführen und abkürzend setzen

(9)

V [
folgt
n 2x ~-1]
- -
G = f-l e !1 2 [ ~) " _ 1 1 - :n ~ . (10)
l- n.u l- n ~

Wir bezeichnen nun alle Größen, die sich auf den Auslegungspunkt beziehen, mit
dem Zeichen * und können so vermöge GI. (5) setzen

(11)

Hier ist von der Tatsache Gebrauch gemacht, daß für idealen Dampf bei konstanter
Eintrittsenthalpie gilt P 0 Vot = P~ v~ t· Mit den Gin. (10) und (11) folgt

.!!:___=~ f!(v)n l-n,.(v*)[l-n*": ] v l - n " "


1 1
.
(12)
m* P(f f!(v*) n* [ ~] ~
l - n,u(v) l - n " l - n* ~
In dieser Gleichung ist explizite angedeutet, daß f-l und 'Y/su vermöge der Stufencharakte-

V
ristik (also Abb. 3) von v abhängen. Nun gilt aber bei konstanten h0 und u 2 offenbar
"1

1-n* "
v = v* "-1
. (13)
l- n "
10 12. Regelung der Dampfturbinen

Damit wird klar, daß der ganze Ausdruck

E =
-
~-t(v) n
~-t(v*) n*
1- 1J,u(v*) b- n*7]
[ ~]
1 - 1J.u(v) 1 - n "
ll 1- n !!....}-
~
1 - n* "
(14)

eine Funktion von :n: allein ist, die vollständig festliegt, wenn :n:* und die Stufencharakte-
ristik gegeben sind. Es läßt sich alsdann setzen
m = m* ;; E (:n:). (15)

E (:n:) hat den in Abb. 4a dargestellten Charakter. Es existiert also, wie im Falle
der Mündung ein kritischer Wert :n:k, unterhalb dessen E = const wird. Bei der Berech-
nung von E aus der Stufencharak-
Pz teristik sollte dies genau erhalten
werden. Trifft dies nicht zu, so ist
die Charakteristik - ins besondere
die Kurve fl(v) - fehlerhaft. Bei-
spiele für den Charakter der
E-Kurve finden sich bei JAGGI [17].
(!(
* Bei Gleichdruckstufen, wie es die
Regelstufen sind, liegt :n:k meist
zwischen 0,5 und 0,6, also fast
gleich wie bei einer einzelnen Mün-
0 a 0 m dung. Wäre in der Tat der Reak-
tionsgrad einer Stufe bei allen Be-
Abb. 12.3.4 Durchflußverhalten einer Regelstufe
triebszuständen genau Null, so wäre
a) E-Funktion ("Ellipsenfaktor"), b) Massenstrom m, abhängig von Gegen-
druck Po für verschiedene Werte des Gesamtdruckes P 0 vor Stufe ihr Durchflußverhalte n durch den
Leitapparat allein gegeben. Bei rein
konvergenten Leitkanälen erhielte man also dasjenige der Mündung, das durch Abb. 2
gegeben ist, d. h., die E-Kurve wäre eine affine Verzerrung der in Abb. 2 dargestellten
tp-Kurve. Man hat daher bei der Berechnung von Dampfturbinenrege lungen das Durch-
flußverhalten der Regelstufe weithin durch eine E-Kurve dargestellt, die mit :n:1, = 0,5
erhalten wird und für :n: > :n:k den Kurvenverlauf durch eine Ellipse approximiert.
Ein wesentlich abweichendes Verhalten ergibt sich bei konvergent-diverg ent aus-
gebildeten Leitkanälen, wie sie etwa verwendet werden für Curtis-Stufen, die mit hoher
Überschallgeschwi ndigkeit arbeiten.
P Pz Dort geht bei einer Steigerung des Aus-
----------r--- -- trittsdruckes (Eintrittszustand kon-
stant) der Massenstrom erst zurück,
wenn der Austrittsdruck den Wert Pk
überschreitet, der sich im Austritts-
querschnitt einstellt, wenn im eng-
sten Querschnitt Schallgeschwindig-
keit herrscht und der divergente Teil
0 c___ _ _ ___._~rh vollständig als Diffusor arbeitet, vgl.
die Darstellung Abb. 5. Bei solchen
Regelstufen kann mit hinreichender
Genauigkeit das Durchflußverhalte n
der Stufe als mit dem des Leitappa-
Abb. 12.3.5 rates identisch betrachtet werden.
Durchflußverhalten einer konvergent-divergenten Düse Wenn überhaupt in einem Betriebs-
zustand der Druck nach der Stufe so
hoch wird, daß hinter den Leitdüsen Pk erreicht wird, dann sind die Druckänderungen in
den Schaufelkränzen so gering, daß Pk und der Druck nach Stufe praktisch gleich werden.
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung 11

Schließlich müssen wir noch darauf zurückkommen, daß bei den theoretischen Über-
legungen dieses Abschnittes die Enthalpiedifferenzen vom Totalzustand vor der Stufe
aus gerechnet werden. Dies ist zweckmäßig, weil beim Ansatz
GI. (5) Druck und spezifisches Volumen des Totalzustandes ;;
eingeführt werden müssen, wenn G nicht zusätzlich noch von
der Bewegungsenergie der Zuströmung abhängen soll. Eine
Darstellung der Stufencharakteristik unter Verwendung der
Definitionsweise dieses Abschnittes ist natürlich ebensogut
möglich wie die in Bd. I, Abschn. 11.2, gegebene; die beiden Po
sind stets ineinander überführbar. Die Abweichungen, die
entstehen, wenn man bei der Berechnung von E aus GI. (14)
an sich unkorrekterweise 'f}su(v) und tJ(v) aus einer Charak-
teristik nach der anderen Definitionsweise entnimmt, sind
übrigens sehr gering. ,,
Ist nun die Funktion E (n) der Regelstufe bekannt, so
kann daraus vermöge GI. (15) für jeden Sektor auch zur Dar-
stellung der Durchflußmenge rh übergegangen werden, vgl.
Abb. 4 b. Mit diesem Diagramm kann genau gleich verfahren
werden wie mit dem Kegeldiagramm Abb. l. Das der be-
trachteten Stufe nachfolgende System - es müßte an sich
Abb. 12.3.6 Bestimmung des
nicht einmal eine Schaufelung sein - sei nun so geartet, daß Gesamtdruckes P 0 vor dem
für es die Durchflußmenge rh und der Eintrittsdruck, der Leitapparat für gegebenen Ver-
gleich p 2 der betrachteten Stufe ist, in bekannter Weise mit- lauf des Druckes p 2 hinter dem
einander zusammenhängen, siehe Kurve p 2 , Abb. 6. Für jede Laufrad für eine Düsengruppe
gegebene Durchflußmenge rh liegt der Punkt B auf einer be-
stimmten der Kurven P 0 = const unserer Kurvenschar, womit dasjenige P 0 gefunden
ist, das wir durch Drosselung einstellen müssen, um den geforderten Durchfluß zu er-
halten. So entsteht die Kurve P 0 •
Abb. 7 zeigt die Behandlung einer Maschine mit Düsengruppenregelung, wobei
der Einfachheit halber nur drei Düsengruppen angenommen sind. Das Diagramm oben
rechts stellt das Kegelgesetz des gesamten der Regelstufe nachfolgenden Teiles dar und
entspricht der Abb. l. Der Eintrittsdruck ist hier gleich dem Druck p 2 der Regelstufe.
Bei Kondensationsturbinen fällt die Linie Pw praktisch mit der Abszisse zusammen, so
daß dann die gestrichelte Linie p 2 eine durch den Ursprung gehende Gerade wird. Da
aber dieses Gesetz streng nur für unveränderliche Eintrittsenthalpie gilt, muß noch eine
Berichtigung vorgenommen werden, denn nach GI. 11.3 (12) ist der Massendurchfluß
umgekehrt proportional der Größe VP v am Eintritt. Es sei rh' die Durchflußmenge, die
sich bei konstanter Eintrittsenthalpie des der Regelstufe nachfolgenden Teiles ergibt (also
entsprechend der gestrichelten Linie p 2 ). Dann ist für ein gegebenes p 2 die tatsächliche
Durchflußmenge (ausgezogene Kurve p 2 )
(16)

wobei wiederum Zeichen* den Auslegungspunkt andeutet und Index 2 den Zustand nach
Verwirbelung der Austrittsenergie der Regelstufe, vgl. Abb. 8. Man müßte, um die Kor-
rektur (16) durchzuführen, den Zustand 2, somit also den Wirkungsgrad der Regelstufe
für jedes p 2 kennen. Fehler in seiner Abschätzung bei abweichenden Betriebszuständen
(beachte dabei den. verminderten Wirkungsgrad eines allfällig mit starker Drosselung
arbeitenden Sektors!) wirken sich aber nur sehr schwach aus.
Die berichtigte (ausgezogene) p 2 -Kurve bildet den Ausgangspunkt zur Behandlung
der Verhältnisse in den einzelnen Beaufschlagungssektoren. Die Diagramme J, 11, 111
in Abb. 7 oben links, welche den drei Sektoren zugehören, entsprechen der Darstellung
Abb. 6. Im Diagramm I kann die Kurve p 2 von AI bis CI direkt durch Parallelverschie-
12 12. Regelung der Dampfturbinen

bung des entsprechenden Stückes der p 2-Kurve des Diagramms rechts erhalten werden.
In 0 1 soll der Sektor II zu öffnen beginnen, Punkt Au. Sektor I ist voll offen in D 1 ,
p p o p m p

rh

0 Ymax Y
Abb. 12.3.7 Diagramm zur Berechnung einer Düsengruppenregelung

wobei durch Sektor II die durch Bu gegebene Menge strömt. Nun muß die Summe der
Mengenzunahmen von 01 bis D1 und von Au bis Bugleich der gesamten Mengenzunahme
sein, die der betreffenden Änderung des Druckes p 2 entspricht, d. h. gleich der Strecke Ll 1
im Diagramm rechts. Von B u läuft die p 2 - Kurve im Feld II
parallel zur p 2 -Kurve im Diagramm oben rechts. Dies gilt
cfl<·~'2'df-7'9-T:H'--­ aber nur, bis der kritische Wert p 2 k erreicht ist, denn von
Pr hier an nimmt der Durchfluß durch den Sektor I wieder
PE ab. Deshalb läuft oberhalb P2k die p 2 -Kurve im Feld II
P[ so, daß für jeden gegebenen Druckzuwachs die Zunahme
Po von mu, vermindert um die Abnahme von m1 gleich der
Po
Zunahme des gesamten mist, die durch die p 2 -Kurve rechts
2 :4uslegungs- gegeben ist. Von On an beginnt der Sektor III zu öffnen,
punkt und es wiederholt sich die oben angegebene Überlegung,
nur ist jetzt die Summe der Mengenzunahmen von 0 u
bis Du und Au1 bis Bu1 minus die Mengenabnahme Ll 1
gleich der gesamten Mengenzunahme Ll 2. Von B m an läuft
die P2-Kurve im Feld III so weiter, daß die Zunahme von
mu1 minus die Abnahmen von m1 und mu gleich der Zu-
Teillast nahme von m ist.
Für jeden der Sektoren I, II, III ist, wie anhand Abb. 6
erläutert, aus der p 2-Kurve die P 0 -Kurve zu bestimmen,
s-----~~ und aus dieser ergibt sich wieder wie im Falle der Drossel-
Abb. 12.3.8 Zustandsänderung in
regelung der Verlauf des wirksamen Ventilquerschnittes lX f,
einer Regelstufe bei verschiedenen siehe die Diagramme unten links in Abb. 7. Schließlich
Belastungen kann der Verlauf der (LX f)J, (lX f)u, (lX /)m auf naheliegende
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung 13

Weise in das Diagramm unten rechts übertragen werden, wo für jedes Ventil der wirk-
same Querschnitt über der gesamten Durchflußmenge m aufgetragen ist. Damit ist auch
hier wieder der Ausgangspunkt für die Ausbildung der Ventilsteuerung gewonnen. In
Abb. 7, wie auch in Abb. 9, ist angenommen, daß der Druckabfall zwischen dem Total-
p p n p DI p Überlastventil p

0 0 0 0 rhu-
(od)u od

{a.f)I {cd)m

1I

rhu-

Abb. 12.3.9 Diagramm zur Berechnung der Regelung einer Maschine mit Düsengruppenregelung
und Überlastregelung durch Überspringen der ersten Stufe

druck PE vor der Maschine und dem Totaldruck P 0 vor dem einzelnen Beaufschlagungs-
sektor (bei voller Öffnung des zugehörigen Regelventils) konstant sei. Dies kann natür-
lich nicht genau zutreffen, da die Druckabfälle durch das Hauptabsperrventil, das
Dampfsieb usw. von der gesamten Dampfmenge m abhängen. Die Berücksichtigung
dieses Einflusses würde aber das Verfahren sehr komplizieren, und die Fehler, die durch
diese Vereinfachung entstehen, sind unbedeutend.
In durchaus analoger Weise kann auch die Regelung durch Überspringen von Stufen
behandelt werden. Wir betrachten als Beispiel wiederum den Fall einer Turbine mit
drei Düsengruppen, denen noch ein Überlastventil beigefügt sei, das die Regelstufe
umgeht. Abb. 9 stellt die Verhältnisse dar. Vom Punkt 0 aus öffnet das ÜberlastventiL
Die Beendigung der Öffnung der Gruppe 111 erfolgt von On1 bis Dn1 , worauf die weitere
Steigerung der Durchflußmenge nur noch durch Vergrößerung des Querschnittes des
Überlastventils geschieht, bis in E die volle Öffnung desselben erreicht ist. Nun seien
m1 , mu, mu1 die Durchflußmengen der drei Sektoren, mu diejenige des Überlastventils
und m die gesamte Durchflußmenge. Dann gilt für jedes p 2 von 0 an aufwärts
mu = m- (mi + mu + mw), (17)
wobei aus Abb. 9 alle Werte auf der rechten Seite der Gleichung ablesbar sind. Aus mu,
p 2 und p~ (Druck vor Regelventilen) ergibt sich in bekannter Weise für jede Durchfluß-
menge der wirksame Durchflußquerschnitt (1X f)u des Überlastventils.
Die Behandlung von Entnahmeturbinen u. dgl. geschieht durch sinngemäße Über-
tragung der grundsätzlich gleichartigen Überlegungen. Bei Turbinen mit Zwischenüber-
hitzung wird mindestens bei kleiner Last an dem Turbinenteil, der dem Zwischenüber-
14 12. Regelung der Dampfturbinen

hitzerunmittelbar nachfolgt (meist MD-Gehäuse) regelnd eingegriffen (Drosselung); nach


dem Vorschlag von SEIPPEL [16] kann hier auch ein Stufenüberbrückungsventil für Über-
lastbetrieb angeordnet werden. Deshalb muß in diesem Falle die thermodynamische
Berechnung der Regelung zunächst für den ganzen Teil von Zwischenüberhitzer bis Kon-
densator für sich durchgeführt werden. Mit dem Zusammenhang zwischen dem Druck
der Zwischenüberhitzung und der Durchflußmenge ist für den vorangehenden Turbinen-
teil der Gegendruck in Funktion der Menge bekannt, worauf dort die Untersuchung
nach den angegebenen Prinzipien durchgeführt werden kann.
Für Düsengruppenregelung wie auch für die Regelung mit Überspringen der Regel-
stufe kann der Zustand am Eintritt in die nachfolgende Schaufelung folgendermaßen
berechnet werden. Es möge n in allgemeiner Weise die einzelnen Beaufschlagungssektoren
kennzeichnen (also I, 11 usw.). Dann ist die Totalenthalpie h 2 nach der Regelstufe, die
bei vollständiger Verwirbelung der Bewegungsenergie am Radaustritt zugleich die sta-
tische Enthalpie i 2 ist, gegeben durch
(18)

Hier sind die n7n die den einzelnen Beaufschlagungssektoren zugeordneten inneren Wir-
kungsgrade, welche die Spaltverluste einschließen, nicht aber die Verluste durch Rad-
reibung und Ventilation, und bei denen die Bewegungsenergie am Radaustritt als ver-
loren betrachtet wird. N R und N v sind die Verlustleistungen durch Radreibung und
Ventilation, die sich aus Bd. I, Abschn. 8.4, ergeben. Wenn ein Überbrückungsventil
geöffnet ist, so beeinflußt dies h 2 gemäß GI. (18) einfach dadurch, daß ~ rhn/rh < 1. -
n
Es ist leicht zu verifizieren, daß der Zusammenhang zwischen 'Y/su und n'r bei der Defi-
nitionsweise dieses Abschnittes gegeben ist durch
'YJt = 'f/su - 'V 2 0~ - ~ 'sp> (19)
wobei wie üblich 0 2 = c2/u2 und L; 'sp
die Spaltverluste bezeichnet. - Der Zustand p 2, i 2
ist der Ruhezustand, von dem ausgehend der Dampf im nachfolgenden Leitrad zu be-
schleunigen ist.
In allen Fällen ist nach den hier beschriebenen Untersuchungen der Ausgangspunkt
gefunden zur Berechnung des genauen Entspannungsverlaufes und somit der Leistung
für jede Durchflußmenge, vgl. darüber die Ausführungen unter 11.4.
Bei der Kondensationsturbine muß hierzu allerdings noch die Abhängigkeit des
Kondensationsdruckes von der Last bekannt sein. Dieser Zusammenhang ist folgender-
maßen auffindbar. Es seien rhA der Dampfstrom am Turbinenaustritt, rhw der Kühl-
wasserstrom durch den Kondensator, hA die Totalenthalpie am Turbinenaustritt, i' die
Enthalpie des Kondensates entsprechend dem Kondensatordruck pk, LIT 1 und LIT 2 die
Temperatursprünge zwischen der Kondensationstemperatur und der Temperatur des
eintretenden bzw. austretenden Kühlwassers, c dessen spezifische Wärme, k und F
Wärmedurchgangszahl und Oberfläche des Kondensators und Q die pro Zeiteinheit
übertragene Wärmemenge. Dann gelten die folgenden Relationen
Q=rhA(hA-i'}, (20)
Q=rhwc(LIT 1 -LIT 2 ), (21)
(22)

Der aus LIT 1 und LIT 2 gebildete Ausdruck in GI. (22) ist, wie in der Theorie der Wärme-
übertragung gezeigt wird, der mittlere Temperatursprung zwischen Dampf und Kühl-
wasser. Aus GI. (20) und (22) folgt
. (h .,) k F LlT1 - LlT2
mA A - ~ = ln(LlT1 /LlT2 ) (23)
und aus GI. (20) und (21)
(24)
12.3 Thermodynamische Berechnung der Regelung 15
Wenn man nun aus Gl. (24) L1T 2 ausrechnet und in Gl. (23) einsetzt, erhält man

oder
kF
. • ., ) = l. (25)
. (
mw c ln 1 -
mA
mw
r•A-
c L1T1
~

Wenn wir nun diese selbe Gleichung auch für den durch Zeichen * gekennzeichneten Aus-
legungspunkt anschreiben, die beiden Ausdrücke, die ja den Wert 1 haben, einander
gleichsetzen und beachten, daß k, F, mw und c vom Betriebszustand unabhängig sind,
werden wir schließlich auf die Relation
(26)

geführt, welche die Lösung unseres Problems enthält. Denn gibt man sich mA und setzt
versuchsweise verschiedene Werte des Kondensatordruckes Pk, so entspricht jedem ein
bestimmtes L1T 1 (da ja die Kühlwassereintrittstemperatur festliegt), ein bestimmtes i 1 ,
und auch hA kann für jedes Pk ermittelt werden. Dasjenige Pk ist der mA zugeordnete
korrekte Wert, bei dem Gl. (26) erfüllt ist. Die Berechnung von hA in Funktion des Aus-
trittsdruckes erfolgt so, daß man im fraglichen Zustandsbereich die statische Entspan-
nungslinie einzeichnet, so das jedem Druck zugehörige spezifische Volumen v2 , also auch
V2 . mA v 2 erhält und aus einer Kurve nach Art Abb. 12.4.5, die für die betreffende
Endstufe charakteristisch ist, c~/2 bestimmt. Dann ist hA = i 2 + c~/2.
Bei Maschinen mit Anzapfvorwärmung bleibt außerdem noch die Frage zu beant-
worten, wie unter den verschiedenen Betriebsbedingungen die Anzapfdrücke sich ver-
schieben. Dies kann geschehen auf Grund der Überlegung, daß für jeden einzelnen Ent-
spannungsabschnitt (Austritt Regelstufe bis erste Anzapfung, zwischen je zwei
Anzapfungen und letzte Anzapfung bis Konden- ·

-- ---
300
sator) näherungsweise das Kegelgesetz gilt. Be-
trachten wir etwa den Abschnitt zwischen der V V
i-ten und der (i + 1)-ten Entnahmestelle, so
gilt für die Durchflußmenge m;
_,..... v v v

--- --- --
v
V V v f.--
/
V ..........
~ = 1!!._ p{' v'(' 1 - (pl+l/p,)2 (27) / / V
m{' p{' 1-(pf'+I/Pt) / v 1----

----
2

v v
P1V1 •
/ f-"
Da alle Zwischendrücke zugleich steigen oder / / / /
V': V v-

-- -
V / .........

-
sinken, verändern sich die Pi+ 1 fp; nur wenig,
ausgenommen für den letzten Abschnitt, weil v. . . .V / .......... v f--
der Enddruck sich meist weniger stark ändert. V l..--""" f.-- f.--
!-""

Daher wird der zweite Wurzelausdruck (der


V /

"Ellipsenfaktor") praktisch für alle Abschnitte 100


V V l..--"""
V
außer dem letzten (und in Extremfällen dem
0,2 0,6 0,8 1.0 1.2
zweitletzten) gleich Eins. Daraus ergibt sich m!m*-
folgendes Berechnungsverfahren. Man nimmt Abb. 12.3.10 Abhängigkeit der Vorwärmtempe-
in erster Näherung an, die sämtlichen Zwischen- ratur des Speisewassers vom relativen Dampf-
drücke veränderten sich proportional dem Aus- durchfluß durch die Turbine
trittsdruckp2 der Regelstufe, also PdP7 = P2/P;.
Mit diesen Anzapfpunkten bestimmt man für den betrachteten Teillastzustand die An-
zapfmengen wie unter 2.3 erläutert und hat damit die m; für die einzelnen Abschnitte.
Anhand der zur Form
(28)
16 12. Regelung der Dampfturbinen

vereinfachten GI. (27) können nun die p; berichtigt werden; nur für den letzten Abschnitt
ist (27) beizubehalten. Mit den genaueren p; können gegebenenfalls die Anzapfmengen
nochmals ermittelt werden. Das Verfahren führt sehr rasch zu einem befriedigenden
Zusammenstimmen aller Daten.
Mit der Verschiebung der Anzapfdrücke wird unvermeidlicherweise auch die Vor-
wärmungstemperatur des Speisewassers eine Funktion des relativen Dampfdurchflusses
rhjrh*, worüber Abb. 10 orientiert.

12.4 Empirische Unterlagen über das Teillastverhalten


Die genauere Durchrechnung von Teillastzuständen einer Dampfturbine ist eine
außerordentlich umfangreiche Arbeit. Auf Grund der vorliegenden Erfahrung verfügt
man aber über Unterlagen, die eine näherungsweise Bestimmung des Teillastverhaltens
mit hinreichender Genauigkeit ermöglichen, vgl. z. B. HEGETSCHWEILER, BARTLETT [7].
Zweckmäßig ermittelt man zunächst einen idealen Verlauf des inneren Turbinenwirkungs-
grades, wie er sich bei unendlich feinstufiger
Düsengruppenregelung ergeben würde, und
r"-'"?11-;"----:;--,---------;-/--------.--hc fügt dann eine Korrektur zur Berücksich-
tigung der wirklichen Düsengruppenregelung
bei. Am einfachsten ist es, von dem nach
GI. 1.6 (1) als Enthalpieverhältnis definierten
Wirkungsgrad 'f/iEA = iJhEA/iJh,EA auszu-
gehen. Allerdings ergibt sich hier zunächst
die Schwierigkeit, daß die Wasserabscheider
Sprünge in der Zustandslinie verursachen.
Sollte diese genaue Zustandslinie im Aus-
legungspunkt vorliegen, so müßte man sie
zuerst in eine äquivalente stetige Zustands-
linie überführen, die gleiche innere Arbeit
ohne Wasserabscheidung liefern würde. Zu
diesem Zweck setzt man für die einzelnen
Entspannungsabschnitte die Mengen rh; ein,
die sich ohne Wasserabscheidung ergeben und
legt die iJ h; so fest, daß die m; iJ h; gleich
groß sind wie bei der wirklichen Expansion.
So wird man auf einen ideellen Entspannungs-
Endzustand w', Abb. 1, geführt, dem noch
eine Enthalpieerhöhung durch Verwirbelung
der Austrittsgeschwindigkeitsenergienachfolgt.
s---- Zweckmäßig definiert man nun einen inneren
Abb. 12.4.1 Umzeichnung der Zustandslinie im Wirkungsgrad
i s- Diagramm in eine äquivalente stetige Linie (1)

siehe Abb. l. Der Austrittsverlust ist in diesem 'fJ; nicht eingeschlossen. Es sei nun 'f/ioo
der so definierte Wirkungsgrad bei unendlich feinstufiger Düsengruppenregelung. Dann
läßt sich setzen
'f/ioo = nf- xy, (2)

wobei x und y je nach Maschinenart und den besonderen Bedingungen aus Abb. 2 und 3
zu entnehmen sind. Es ist dort stets m* die Durchflußmenge im Optimalpunkt; die
absoluten Ein- und Austrittstemperaturen TE und TA sind ebenso wie p E und PA eben-
falls im Optimalpunkt gültige Werte. Diese Kurven fassen ein umfangreiches Erfahrungs-
material zusammen und basieren auf der oben genannten Veröffentlichung.
12.4 Empirische Unterlagen über das Teillastverhalten 17
arz 2.0
\
\ -- T.fJ ~dp~=s'orv
QTO
1\ 7000-x ~
\
0,08 1\. t 1.2
~~
'\ \ a ::;"
L ~~oao r--
t O.OtJ ~ ~'\ D.8
~ ~V
./- ~ ~000

I"
""
f.i

~ I"- '?'

"
0,1/-0,3 0,1/- 0,5 O,tJ
I""' t-.,.
TA/Tt-
....... ~
l'-
.......

-
r---~
o,5 ao w
l ~ 0,8 0,9 7,1
rh/rh*-
Abb. 12.4.2 Zur Bestimmung des Wirkungsgrades von Kondensationsturbinen bei Teillast und Oberlast
a) einkränzlge Regelstufe, b) zweikränzige Regelstufe

1.8
\~ 1.6 /
1,..~/
I~ ~ ~~~
~ V
t
1.2
V
~ ::;"
~~
~ ~~
7 48t- &o.,V
~ r--10~
~ 0,110,5
i'
O,tJ 0,7 0,8
I~ ~
"'~ 1Tt.1 ~1r~
0
11'-h .-J.--4
0.3 a11 a5 a6 a7 o,8 aB 1.1 1.2
rh/rh*-
Abb. 12.4.3 Zur Bestimmung des Wirkungsgrades von Gegendruckturbinen bei Teillast und Oberlast

Weiter ist nun der Einfluß der Drosselung in


teilgeöffneten Düsengruppenventilen beizufügen.
Wird eine Drosselung vorgenommen derart, daß
der Totaldruck am Eintritt in den ersten Leit-
apparat vom Wert P 0 , den er bei voll offenem
Ventil hat, auf P~ zurückgeht, so hat, wie die
schraffierte Verlustfläche im Entropiediagramm,
Abb. 4, zeigt, der Arbeitsverlust pro kg Dampf
die Größe T. Lls, wo T. die isentrope Endtempe-
ratur ist. Dies ist theoretisch genau richtig für
die Kondensationsturbine und näherungsweise für
die Gegendruckturbine. Nun setzt man
'Y/i = 'Y/ioo- C, (3)
wobei für den Drosselverlust
Abb. 12.4.4 T s-Diagramm zur Bestimmung
,. T,L1sm» des Verlustes durch Drosselung in einem
<, Fl:i mL1 (4) Regelventil
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 2
18 12. Regelung der Dampfturbinen

gesetzt werden kann. Hier ist mD die Durchflußmenge der Düsengruppe, in der gedrosselt
wird, m die totale Durchflußmenge und L; die innere Turbinenarbeit pro kg, die ge-
nügend genau gleich dem Wert im Auslegungspunkt gesetzt werden kann. Die Verminde-
rung des Stufenwirkungsgrades für den gedrosselt arbeitenden Sektor kann man durch
eine entsprechende Vergrößerung von Lls berücksichtigen.
Schließlich bleibt noch der Austrittsverlust beizufügen. Er hat den Wert c~/2 (wobei
kein Diffusor vorausgesetzt ist) und kann leicht in Funktion der Durchflußmenge an-
gegeben werden. -Bei der Be-
711
J/kg stimmung der Durchflußmenge
./ sind die Anzapfungen zu be-

10
/ rücksichtigen. - Für eine ge-
gebene Endstufe kann man ein
/ für allemal ein Diagramm der
t 8

/' in Abb. 5 gezeigten Art auf-


\
stellen.
\ / So kann man für jeden Last-

2
\ ~
V zustand schließlich einen ideel-
len Austrittszustandspunkt A ',
Abb. 1, ermitteln, womit Lei-
0 100 200 1100 m/sec 500 stung und Wirkungsgrad der
~/JJ2 - Maschine festgelegt sind. Man
Abb.12.4.5
erhält so den für Dampftur-
Austrittsverlust der Endstufe einer Kondensationsturbine binen mit Düsengruppenrege-
V 2 = Austrittsvolumen, 0 2 = Ringfläche am Austritt, 10' J oule/kg "" 2,39 kcal/kg lung typischen Verlauf des
inneren Wirkungsgrades, wie er
in Abb. 6 dargestellt ist. Abb. 7 gibt die entsprechenden Darstellungen des spezifischen
und absoluten Dampfverbrauches. Bei Turbinen mit Zwischenüberhitzung bildet man
zweckmäßig ein gewogenes Mittel aus den Wirkungsgraden der Entspannungsabschnitte
vor und nach Zwischenüberhitzer. Auf dieses wendet man die Unterlagen nach Abb. 2
an und auf die dem Zwischenüberhitzer vorgeschaltete Turbine die Unterlagen nach
0,90
Abb. 3. Damit kann auch auf den Entspan-
nungsabschnitt nach dem Zwischenüberhitzer
rückgeschlossen werden.
t

'
0,86 Der Drosselverlust, der im nahezu voll ge-
~ ~
/I öffneten Drosselventil entsteht in dem Punkt,
wo die Öffnung der nächsten Düsengruppe

0,78
V eben beginnt, ist meist sehr gering. Die Über-
deckung wird so gewählt, daß der Druckabfall
0 0.2 0,6 0.8 1,0 1.2 durch das fast voll offene Ventil bei Öffnungs-
N/N0 - beginn des nächsten Ventils mindestens noch
etwa doppelt so groß ist wie bei voller Öff-
Abb. 12.4.6 Typischer Wirkungsgradverlauf für
eine Kondensationsturbine. Ansteigen des Wir- nung. Die Überdeckung ist empfehlenswert
kungsgrades bei Teillast beruht auf der Vermin- mit Rücksicht auf die Stabilität der Regelung.
derung des Austrittsverlustes Wird nämlich durch eine Düsengruppe nur
ein ganz kleiner BruchteiL ihrer vollen Menge
geleitet, so wird die Leitradaustrittsgeschwindigkeit c1 derart klein, daß keine Arbeits-
abgabe in der Regelstufe, sondern sogar eine Bremswirkung eintritt. Diese wird zwar
meistens mehr als ausgeglichen durch die arbeitleistende Entspannung dieser gleichen
Dampfmenge in den restlichen Stufen, doch sichert die Überlappung immerhin einen
regelmäßigeren Leistungsverlauf.
Der Charakter der Wirkungsgradkurve kann je nach Auslegungsart und Prozeß-
führung von dem in Abb. 6 gezeigten wesentlich abweichen. Bei großen Grundlast-
maschinen, die praktisch stets Vollast fahren, versucht man das Maximum des Wirkungs-
12.5 Bemessung der Regelventile 19

grades in den Vollastpunkt zu legen. Eine wesentliche Überlastung bei mäßigem Wir-
kungsgradabfall ist dann z. B. nach dem Vorschlag von SEIPPEL [16] möglich.
1110
kgfsec
l 20 V

fXJ
~
/
V
80
V V
:,.._....,

60
'
/
/
............ L
/
~
"......., ~
/
spezif Dompflf!l'f.roucll

20

0 70 20 30 1/1) 5/}(j() 70 80 90 100 MW 120


Leislurr; an ßeneroforlrlemme - - -
Abb. 12.4.7 Absoluter und spezifischer Dampfverbrauch einer Dampfturbinenanlage, vgl. CHURCH [2]

12.5 Bemessung der Regelventile


Die Untersuchungen des Abschn. 12.3 liefern für jedes Regelventil den wirksamen
Durchflußquerschnitt cx f in Funktion der gesamten Durchflußmenge rh, vgl. z. B.
Abb. 12.3. 7 unten rechts. Für die Ausbildung der Regelung ist weiter der Zusammen-
hang zwischen rh und der Stellgröße Y wesentlich, die ihrerseits durch die Primärimpulse
der Regelung (Drehzahl, Wattmeter, Handeinstellung nach vorgegebenem Programm usw.)

Abb. 12.5.1 Betätigung der Düsengruppenventile von einem gemeinsamen Servomotor aus über eine
Nockenwelle (Allis-Chalmers)
2*
20 12. Regelung der Dampfturbinen

bestimmt ist. Praktisch kann Y die Kolbenstellung eines Servomotors sein, von dem
aus über geeignete Gestänge, Nockenwellen u. dgl. die Ventile betätigt werden (z. B.
Abb. 1), oder es kann auch der Druck einer Regelflüssigkeit sein, durch den einzelne
Servomotoren gesteuert werden, deren jeder ein Ventil betätigt (z. B. Abb. 12.2.5).
Meist wird der Zusammenhang zwischen Y und m mindestens annähernd linear gewählt.
Wünschbar ist an sich ein linearer Zusammenhang zwischen Y und der Leistung N,
denn dann ist dYfdN konstant, womit die Stabilitätsbedin-
gungen für die Regelung bei allen Belastungen dieselben sind.
Da aber der Zusammenhang zwischen m und N ebenfalls
näherungsweise linearen Charakter hat, genügt auch ein
linearer Zusammenhang zwischen Y und m. Dann kann in
Abb. 12.3.7 und 12.3.9 unmittelbar neben der Skala m noch
eine solche für Y angegeben werden, womit der Zusammen-
hang zwischen den IX I der einzelnen Ventile und der Stell-
größe Y gegeben ist.
Abb. l2.5.2 Für die Verwirklichung dieser vorgeschriebenen Öffnungs-
Profiliertes Doppelsitzventil gesetze stehen grundsätzlich zwei Wege offen. Der eine be-
I = Summe der Ringflächen
steht in der Profilierung der Ventilkörper. Der Zusammen-
hang zwischen Y und der Ventilstellung kann dabei an sich beliebig sein und somit nach
Gesichtspunkten konstruktiver Einfachheit und Zweckmäßigkeit gewählt werden (z. B.
kinematische Einfachheit eines Gestänges). Der geforderte Zusammenhang zwischen IX I
und Y wird nach Abb. 2 durch entsprechende Gestaltung des Ventilkörpers erreicht.
Jedem Y entspricht eine bestimmte Ventilstellung y, und für diese gibt man der Ring-
fläche I den geforderten Wert. Dabei muß die Durchflußzahl IX bekannt sein. Sie ist aus
Versuchen zu ermitteln und hat meist die Größenordnung
0,6 bis 0,85, wobei die unteren Werte für volle Öffnung
) in Frage kommen, die oberen nur bei geringer Öffnung
des Ventils. - Die andere Lösung verzichtet auf die Pro-
filierung der Ventilkörper und erreicht das gewünschte
Ergebnis dadurch, daß zwischen dem Ventilhub y und Y
ein Zusammenhang hergestellt wird, wie er den gefor-
derten Zuordnungen von IX I und Y entspricht, vgl. die
schematische Darstellung Abb. 3. Konstruktiv läßt sich
dies auf sehr viele Arten verwirklichen, z. B. auf direktem
mechanischem Wege durch Anordnung einer Nockenwelle
wie in Abb. 1 und 3. Aber auch durch entsprechende
gesetzmäßige Steuerung eines Öldruckes läßt sich dies
erreichen, wobei die Steuerung des Öldruckes selbst durch
Organe wie Kurvenscheiben geschehen kann.
Abb. 12.5.3 Nichtprofiliertes Ein- Die Lösung mit profiliertem Ventil, die früher sehr
sitzventil. Gewünschter Zusammen-
hang zwischen Stellgröße Y und f
häufig verwendet wurde, ist seltener geworden. Manch-
wird hergestellt durch entsprechende mal verzichtet man überhaupt darauf, Y und die IX I
Gestalt der Kurvenscheibe in einer vorgegebenen Weise aufeinander abzustimmen,
sondern wählt eine möglichst einfache Steuerung und
nimmt in Kauf, daß dann kein annähernd linearer Zusammenhang zwischen Stellgröße
und Leistung mehr besteht. Durch genügend große Überdeckungen der einzelnen Öff-
nungsperioden ist stets eine Annäherung an die Linearisierung zu erreichen. Andererseits
genügen bei Maschinen, die auf große Netze arbeiten u. U. auch digitale Ventilsteue-
rungen, bei denen die Ventile nur ganz geöffnet oder ganz geschlossen werden.
Um mit mäßigen Stellkräften auszukommen, hat man früher weithin entlastete
Doppelsitzventile bevorzugt, vgl. Abb. 2. Mit der Steigerung der Drücke und Tempera-
turen ist aber das Abclichtungsproblem immer schwieriger geworden, weshalb die Doppel-
sitzventile mehr und mehr verlassen wurden. Geringste Wärmedehnungsunterschiede
12.5 Bemessung der Regelventile 21
zwischen Ventilkörper und Gehäuse oder relative Verformungen beeinträchtigen die
Dichtheit einer der beiden Sitzflächen; das Durchblasen an der Undichtheitsstelle führt
zudem zu einer raschen Zerstörung der Sitzflächen. Bei einsitzigen Ventilen, denen man
deshalb heute für hohe Temperaturen und Drücke den Vorzug gibt, entsteht aber anderer-
seits das Problem der großen Stellkräfte.
Es kann umgangen werden durch Ver-
wendung von Vorhubventilen. Ab b. 4 zeigt
eine solche Anordnung in geschlossener
Stellung. Hierbei herrscht im Raume e der
gleiche Druck wie in f, da die beiden nur
durch eine Labyrinthdichtung getrennt
sind. Soll das Ventil geöffnet werden, so
wird zuerst das Vorhubventil c angehoben,
so daß durch die Bohrung d Druckaus-
gleich zwischen den Räumen e und g her-
gestellt wird. Hierauf läßt sich der Ventil-
körper a mit geringer Kraft anheben.
Die heute bei Großmaschinen meist-
verwendete Lösung ist das nicht entlastete
Einsitzventil mit strömungstechnisch gün-
stiger Formgebung und nachgeschaltetem
Diffusor, Abb. 12.2.5. Im Ventil können
dank des Rückgewinnes durch den Diffusor
sehr hohe Geschwindigkeiten zugelassen
werden, womit kleine Ventilabmessungen
entstehen. Dadurch werden nicht nur die
notwendigen Stellkräfte vermindert, son-
dern auch der dichtende Umfang wird
klein. - Während man bei entlastet en
Ventilen mit Rücksicht auf unberechen-
bare Reibungseinflüsse u . dgl. den Servo-
motor oft so bemessen muß, daß seine
Stellkraft ein Mehrfaches (etwa das 3 fache)
der theoretisch benötigten ist, genügt hier
eine viel kleinere Reserve. Die theore-
tischen Verstellkräfte sind bei solchen un-
entlasteten Ventilen derart groß, daß zu-
sätzliche Bewegungswiderstände reichlich
berücksichtigt sind, wenn man die Kraft
des Servomotors etwa 25% größer wählt
als theoretisch notwendig.
Die Berechnung der Diffusorventile
kann davon ausgehen, daß sie als kon-
vergent-divergente Kanäle aufgefaßt wer-
den, die, wie die Beobachtung lehrt 1 , im Abb. 12.5.4
ganzen Betriebsbereich dasselbe Verhalten Entlastetes Einsitzventil mit Vorhubventil (AEG)
zeigen wie eine Laval-Düse bei gleichen
Bedingungen und Querschnittsverhältnissen. E s treten also z. B. die in Abb. 12.3.5
angedeuteten Strömungszustände auf, wobei der Verdichtungsstoß im Ringquerschnitt
zwischen Sitz und Ventilkörper oder im divergenten Kanalteil liegen kann. Wenn die
Strömung vollständig im Unterschallgebiet verläuft und höchstens im engsten Quer-
1 Diese Mitteilung verdanke ich einer Information von Herrn Dipl.-Ing. A. ÜBERLE in Fa. BBC, Baden
(Schweiz).
22 12. Regelung der Dampfturbinen

schnitt / 1 (der je nach Ventilstellung die in Abb. 5a oder 5b gezeigte Lage hat) die
Schallgeschwindigkeit erreicht, gelten folgende Relationen:
Ist p 0 , Vo der Zustand vor Ventil (die Geschwindigkeitsenergie wird dort als vernach-
lässigbar betrachtet) und herrscht in / 1 die Geschwindigkeit c1 und der Druck Pt, so ist
in isentroper Näherung

~ = ": 1 PoVo[1-(:~)~: 1 ]=io[1-(::) ~: 1 ]. (1)

Ebenso gilt, wenn j stets die Normalenthalpie bedeutet


c~ . .
2=Jo -)1, (2)
so daß auch

c~ = 1I~0
21t
[ 1- (.1!L)
Po
~: 1
] = (1 + ~)
211
[1 _ ( P1
Po
)~: 1
] • ( 3)

Mit den Geschwindigkeiten Ct und c2 (im Austrittsquerschnitt / 2 , Abb. 5) definieren wir


Crocco-Zahlen Q:t und Q:2 durch
(4)
womit aus GI. (3) auch hervorgeht
><-t
2
__§____ 1 _ (P1) -
~ (5)
1 +@:~ - Po •
Da weiter die lokale Mach-Zahl Mt im engsten Quer-
schnitt durch
(6)

a. gegeben ist, liegt mit den Gin. (5) und (6) der Zu-
Abb. 12.5.5 Diffusorventil
a) vollgeöffnet, b) tellgeöffnet
sammenhang zwischen dem Druckverhältnis Pt/Po, der
Crocco-Zahl und der Mach-Zahl im Querschnitt / 1 vor.
Die Strömung durch den divergenten Kanal ist beim vorausgesetzten Strömungs-
zustand eine reine Diffusorströmung, für die mit 'YJ o als Diffusorwirkungsgrad gesetzt
werden kann ~ -t
,1 .
~s
+ c~2 _
-
.
)t p
~ _ 1 ] + c~2
[(.12)-
1 _
=
'f/D
c~2' (7)
somit auch

(8)

Die Kontinuitätsgleichung lautet unter Herbeiziehung der Gl. (2) und der Definition der
Normalenthalpie

oder

Dies kann auch in die Form


fz 1 + ~~ - ~ ~
(9)
}; = (pzfPtl ~

gebracht werden. Schreibt man sich die Mach-Zahl am Eintritt, somit also Q:1 vor, so
bestimmen GI. (8) und (9) für gegebene Werte des Querschnittsverhältnisses Mit und des
12.5 Bemessung der Regelventile 23
Diffusorwirkungsgrades das Druckverhältnis p 2 fp 1 und (ii; 2 • Abb. 6 zeigt diesen Zusammen-
hang für 'Y/D = 0,8 und 0,85 und einen lsentropenexponenten " = 1,3, wie er für Heiß-
dampf in Frage kommt. Der zweckmäßige halbe Kegelwinkel des Diffusors bewegt sich
etwa zwischen 3,5° und 6°, vgl. auch
die Angaben Bd. I, Abb. 3.13.2. Da
mit (ii; 1 aber vermöge GI. (5) auch
p 1 jp 0 bekannt ist, kann man auch
das gesamte Druckverhältnis P2/Po
= (PI/Po) (p2/P1) bestimmen. In Abb. 7
ist das so erhaltene Ergebnis dar-
gestellt; als Ordinate ist dabei aller-
dings der relative Druckabfall
~==:Po- P2 = 1 _ )2 (10) 1,~~~--~1.8~--~U~--~Zp~--~t~~--~t~8----Z.~,Z~~46'
Po Po Po fz/f,-
aufgetragen. - Für kleine Druck-
Abb. 12.5.6 Druckerhöhung pJp1 in einem Diffusor bei
abfälle, die für das voll geöffnete Ven- gegebenen Werten des Querschnittverhältnisses /J/1 , der
til vor allem interessieren, weichen Crocco-Zahl am Diffusoreintritt und des Diffusorwirkungs-
die Kurven von der Geraden so wenig grades
ab, daß man mit sehr hoher Genauig-
keit die exakten Beziehungen durch die für inkompressible Medien gültigen ersetzen
darf. Dort erhält man aber, wie leicht zu verifizieren ist,

L1p~ = [1 _ 'YJ D + ( j: rl (1 _ ~: ) . (ll)


Der durch das Ventil tretende Massenstrom ist wiederum gegeben durch

m. = cx 1fl fI V2x1 -
--
" -
Po,
Vo
(12)
1p ist also die in Abb. 12.3.2 dargestellte Funktion. - Damit sind die Unterlagen zur
Berechnung von Diffusorventilen bereitgestellt. Daß die Strömung im konvergenten
Teil verlustfrei betrachtet wurde, dürfte bei der hier vorhandenen starken Beschleuni-
gung und der zu fordernden
Genauigkeit zulässig sein. Für TJo- o,oo --t-----t--t---t---+-- TJo=O.BS -+-----1
den Kontraktionsbeiwert kann
etwa cx = 0,98-0,99 gesetzt O,ZO
werden, vorausgesetzt, daß der
Radius r des Einlaufwulstes 10,1&
(Abb. 5) reichlich bemessen ~
wird (nicht viel kleiner als der r.:,_o,1z
'o::::J
Radius des engsten Querschnit-
tes). 408
I
Aus GI. (12) folgt, wenn In- I
I
dex ,max' den Zustand voller 0,0~
-t-
Ventilöffnung kennzeichnet I
0
0,5 O,G 0,7 0,8 to ac a7 oJJ
P1/Po-
1J! (M/Imax) (13) 0,15 0,1Z 409 40& aos-~~
o o,1s a1z o,o9 o,oc o,oJ o
= "!P* (M/1l . ao ac a~ az o 1 o.o o,c a~< az o
-Mt
1p*ist der 1p-Wert für volle
Ventilöffnung (d. h. der mim- Abb. 12.5.7 Gesamter relativer Druckabfall <1 pfp0 in Diffusor-
ventilen in Funktion des Druckverhältnisses p1/p 0 , des Querschnitts-
male auftretende 1p-Wert). Zur verhältnisses Mit und des Diffusorwirkungsgrades 'YJD
Bestimmung des Zusammen- (Isentropenexponent x = 1,3)
24 12. Regelung der Dampfturbinen

hanges zwischen Ventilquerschnitt und Dampfdurchfluß muß der Druck p 2 in Funktion


von mbekannt sein, d. h. also der Druck im Raume zwischen dem Diffusoraustritt und dem
Leitapparat, der bestimmt wird, wie etwa in Abb. 12.3.6, 7 und 9 dargestellt. Gegeben
ist also
12 = 1 - Llp = F (~) (14)
Po - Po mmax '

wie im Beispiel Abb. 8 dargestellt.


Wir nehmen nun an, das Ventil sei dimensioniert, was durch Anwendung der Gin. (11)
und (12) auf den vollgeöffneten Zustand geschehen kann, da man sich p 0 , v 0 , (/ 2 //J),
;
~' llO:J:?I 1,0
~ / I

~~ ~
/ I
1\ \
/ /
/ I
O,Z \ ~~,~~ O,Z

~0 ae o,c 49 az
\/ 0
/
o,z 49 O,b 0,8 1,0
0

-YfYmax m/mmax-
Abb. 12.5.8 Beispiel für den Zusammenhang zwischen Hub, Querschnitt, Durchflußmenge und Druckabfall
bei einem Diffusorventil

(LI pfp 0 ) und m für diesen Zustand vorschreiben wird. Zur Nachrechnung eines teilgeöffneten
Zustandes wählt man einen Wert p 1 fp 0 und hat damit sogleich "P (Abb. 12.3.2). Wenn
man nun versuchsweise fz// 1 annimmt, kann man vermöge Abb. 7 Llpfp 0 bestimmen und
kann jetzt mfmmax auf zwei Arten ermitteln, nämlich aus den Beziehungen (13) und (14).
Liefern nicht beide das gleiche Ergebnis, so ist lz//1 zu ändern, bis Übereinstimmung
hergestellt ist. Somit ist ein zusammengehöriges Wertepaar mfmmax' / 2 //1 bestimmt (also
auch / 1 , weil ja / 2 festliegt). Indem man dies für eine hinreichende Zahl von Punkten
ausführt, erhält man den im Beispiel Abb. 8 rechts des Schallpunktes S dargestellten
Kurvenast. S selbst findet man, indem man für p 1 fp 0 den kritischen Wert wählt, also
0,546 für ~ = 1,3. Links von S herrscht einfache Proportionalität zwischen Menge und
Durchflußquerschnitt, da ja in / 1 in diesem Gebiet stets Schallgeschwindigkeit herrscht.
Der Verlauf der Kurve pzfp 0 ist in diesem Gebiet für das Mengen-Querschnittsgesetz
belanglos; auch ein Knickpunkt P, wie er etwa durch die Überdeckung aufeinanderfolgen-
der Öffnungsperioden zustande kommt, ist dann ohne Einfluß. Ein vollständiges Dia-
gramm von der Art der Abb. 12.3.7 wird dann höchstens noch zur Bestimmung des
Betriebszustandes und Arbeitsumsatzes in der Regelstufe selbst benötigt.
Da sich aus der Geometrie des Ventils auch der Zusammenhang zwischen Ventilhwb
und Querschnitt ergibt - vgl. die Darstellung in Abb. 8 links, wo y der Ventilhub ist -
hat man schließlich auch die genaue Relation zwischen Ventilstellung und Menge. Im
gewählten Beispiel ist der volle Querschnitt schon bei 85% des vollen Hubes erreicht.
In diesem Punkt ist der Querschnitt zwischen Sitz und Ventilkörper gleich dem engsten
Querschnitt des Kanals selbst, weshalb offenbar jedes weitere Anheben des Ventils keine
Querschnittsvergrößerung mehr bringen kann. Trotzdem ist es zweckmäßig, einen solchen
zusätzlichen Leerhub vorzusehen, weil dadurch die Geometrie der Strömungsbegrenzung
so verbessert wird, daß ein etwas kleinerer Druckverlust entsteht. Einer theoretischen
Erfassung entzieht sich dieser Effekt.
Von besonderem Interesse ist offenbar die genaue Lage des Punktes S. Sie hängt
stark ab von den besonderen Daten und Annahmen, die zugrunde gelegt werden, also
12.6 Funktionelle Probleme der Dampfturbinenregelung 25
vom 'Y/D und h// 1 des Diffusors und vom Druckabfall iJpjp 0 , den man bei voller Öffnung
zuläßt. Abb. 8 ist berechnet mit /2//Imax = 2,5, 'Y/D = 0,8 und iJpjp 0 = 0,03 für volle
Öffnung, was· ein sehr kleiner Wert ist. S rückt um so weiter nach rechts, je höher das
Querschnittsverhältnis und der Wirkungsgrad des Diffusors und je größer der Druck-
abfall, den man bei voller Öffnung zuläßt. Meist bewegt sich dieser Wert iJpjp 0 etwa
zwischen 0,03 und 0,06, was bei Diffusorventilen auf Strömungsgeschwindigkeiten im
Halsquerschnitt von der Größenordnung 200 bis 300 mjsec führt. Die ideelle, über den
ganzen Querschnitt konstant gedachte Geschwindigkeit hat bei einsitzigen Ventilen ohne
Diffusor die Größenordnung 90 bis 130 mfsec, bei doppelsitzigen nur 60 bis 100 mjsec.
Die tatsächlichen lokalen Geschwindigkeiten liegen der Ablösungen und Einschnürungen
wegen sehr viel höher. Die Druckabfallrechnung wird korrekt, wenn man dies durch
den Kontraktionsbeiwert 1X sogleich berücksichtigt, also mit einem kleineren verfüg-
baren Querschnitt rechnet.

12.6 Funktionelle Probleme der Dampfturbinenregelung


Der weitaus größte Teil der Dampfturbinen dient zum Antrieb elektrischer Gene-
ratoren. Wir behandeln also nachfolgend die hierbei sich ergebenden Verhältnisse. Die-
selben Überlegungen lassen sich in sinngemäßer Abwandlung auf andere Anwendungs-
fälle übertragen.
Jede Dampfturbine besitzt einen Drehzahlregler, der die Regelorgane über geeignete
Krafteinschaltungen verstellt. Seine Statik - d. h. die Drehzahländerung, welche dem
ganzen Steuerbereich von Leerlauf bis Höchstlast entspricht - hat meist etwa die
Größenordnung 4% der NenndrehzahL Arbeiten mehrere Maschinen auf ein gemeinsames
Netz, so kann man mit der Statik der einzelnen Maschinen die Lastverteilung beeinflussen,
denn hat z. B. eine Maschine eine kleinere Statik als alle übrigen, so wird ihre Regelung
auf Drehzahlschwankungen besonders empfindlich ansprechen und sie übernimmt daher
einen besonders großen Teil der Leistungsschwankungen. Würde nichts weiteres vor-
gesehen, so wäre die Netzfrequenz eine Funktion der gesamten Leistung, die sich aus
dem Zusammenspiel der Statiken der einzelnen Maschinen ergeben würde. Dies wird
aber nicht zugelassen, weshalb jeder Turbinenregler mit einer Drehzahlverstellvorrichtung
versehen ist, mit deren Hilfe durch an sich willkürlichen äußeren Eingriff die "Vollast-
drehzahl" (Drehzahl bei der die Turbinenregelung
die Valleistung einstellt) verschoben werden kann.
Ist nun eine Drehzahländerung durch Lastände-
rung aufgetreten, so werden die Drehzahlverstell- ~ 10'11'-""""'4--+---f---='=-~~
vorrichtungen der einzelnen Maschinen langsam ~ ~
verstellt, bis beim neuen Belastungszustand wieder ~ 100 1---+=""""'--k:::--=~~=--+---"=1
genau die Solldrehzahl hergestellt ist. Diese Beein- ~
flussung der Verstellvorrichtungen kann von einem ~
Frequenzmesser aus erfolgen und kann einzelne
Maschinen oder alle gleichzeitig erfassen. Werden
nicht alle zugleich verstellt, so ergeben sich Be-
lastungsverschiebungen zwischen den einzelnen
Maschinen. Haben alle Maschinen die gleiche Statik
und werden ihre Verstellvorrichtungen miteinander 8~~-~z~o--~~o--~m~-~@~-~mo·

in gleicher Weise verstellt, so übt diese Richtig- Leislung in %der lliichsf!eisfung


stellung der Drehzahl keinen Einfluß auf die Last- Abb.I2.6.1
verteilung aus. Darstellung der charakteristischen Eigen-
Abb. 1 veranschaulicht die kennzeichnenden schaften einer Dampfturbinenregelung
Eigenschaften einer Dampfturbinenregelung, vgl.
darüber auch [1]. Jede der dargestellten Geraden entspricht einer bestimmten Ein-
stellung der Drehzahlverstellvorrichtung und zwar Gerade a der unteren, Gerade b
26 12. Regelung der Dampfturbinen

der oberen Extremlage. Die angegebenen Parameterwerte geben die von der unteren
Extremlage aus gemessene Stellung in Prozent des gesamten Verstellbereiches an. Die
Neigung der Geraden entspricht der Statik der Regelung. Im vorliegenden Beispiel
ist die Statik 4%. Ein Regelvorgang spielt sich grundsätzlich - abgesehen von den
regeldynamisch bedingten Einzelheiten des zeitlichen Ablaufes - folgendermaßen ab:
Die Maschine laufe etwa mit der genauen Nenndrehzahl und 35% ihrer Höchstleistung,
siehe Punkt A, Abb. 1. Nun steige die Leistungsaufnahme des Generators auf 60%.
Dadurch fällt die Drehzahl ab und die Regelvorrichtung der Turbine verstellt die Regel-
ventile, bis im Punkt B wieder Gleichheit von abgegebener und aufgenommener Leistung
erreicht ist. Um die verbleibende Drehzahlverminderung -im vorliegenden Beispiel!% -
rückgängig zu machen, wird nun aber die Verstellvorrichtung verschoben - im Bei-
spiel Abb. l von 60 auf 67%. So gelangt man in den Punkt C, der den schließliehen
Beharrungszustand darstellt, in dem wieder die genaue Nenndrehzahl hergestellt ist.
Die Einstellung der Drehzahlverstellvorrichtung kann sogar von einem Gerät aus erfolgen,
das die Anzahl der Perioden abzählt und die Übereinstimmung mit dem Sollwert her-
zustellen sucht, indem durch vorübergehende Drehzahlabweichung ,verlorene' Perioden
durch Überdrehzahl wieder eingeholt werden.
Bekanntlich gibt es Isodromregler, welche die Eigenschaft besitzen, nach jed~r Dreh-
zahlabweichung die Drehzahl wieder genau auf den Sollwert zurückzubringen; es bleibt
bei diesen Regelungen also keine Drehzahländerung übrig, die erst durch Verschieben
einer Verstellvorrichtung wieder rückgängig gemacht werden müßte. - Die Wirkungs-
weise solcher Regler erkennt man etwa aus dem in Abschn. 14.8 beschriebenen Beispiel
einer Isodromregelung einer Gasturbine. -An sich wäre es denkbar, die Frequenzhaltung
in einem Netz dadurch zu sichern, daß man jede Maschine mit einer Isodromregelung
versehen würde. Praktisch kommt diese Lösung deshalb nicht in Frage, weil dann die
Lastverteilung zwischen den einzelnen Maschinen völlig dem Zufall überlassen wäre, wie
man aus dem Wirkungsprinzip solcher Isodromregelungen sofort versteht. Es dürfte
also nur eine Maschine mit einem Isodromregler versehen sein. Dies wiederum hätte den
Nachteil, daß diese eine Maschine allein im Beharrungszustand alle Laständerungen
übernehmen würde. Denn da ihr Regler die Sollfrequenz immer wieder genau herstellt,
kehren Reglerlage und Leistung aller anderen Maschinen immer wieder zu den gleichen
Beharrungswerten zurück. Um auch die anderen Maschinen an den Lastveränderungen
teilnehmen zu lassen, müssen ihre Drehzahlverstellvorrichtungen verstellt werden. Dies
kann auch ausgehend von einer Messung der Netzleistung geschehen. In diesem Falle
wird von der Leistung aus unmittelbar die Steuerung der Regelventile vorgenommen,
noch bevor eine Drehzahländerung eingetreten ist. Dies ist aber nur eine Grobanpassung
der abgegebenen an die geforderte Leistung. Die Feinanpassung wird übernommen von
der Maschine mit dem Isodromregler, der so lange spielt, bis die Sollfrequenz hergestellt ist.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Stellung des Servomotors - also letzten
Endes die Leistung - der Maschine mit Isodromregler zur Steuerung der Verstell-
vorrichtungen der anderen Maschinen heranzuziehen. Das läuft darauf hinaus, daß
im Beharrungszustand jeder Leistung der isodromgeregelten Maschine bestimmte Lei-
stungen der anderen Maschinen zugeordnet werden. Somit entspricht jeder Gesamtleistung
eine gewisse Leistungsverteilung, und da die Sollfrequenz eingehalten wird, hat man das
gewünschte Ergebnis. - Stets ist es möglich, einzelne Maschinen von Hand zu regeln,
d. h. also willkürlich Leistung "ins Netz zu drücken", da ja die Regelungen der anderen
Maschinen den notwendigen Ausgleich schaffen. Man'macht davon Gebrauch, um große
Einheiten mit konstanter Last durchlaufen zu lassen. - Über das Zusammenarbeiten
von Maschinen in einem Netz vgl. auch die Darstellung bei BoREL [20].
Die Verstellvorrichtung ist vor allem auch für das Synchronisieren notwendig, denn
mit ihrer Hilfe läßt sich im Leerlauf die Drehzahl variieren und so Übereinstimmung
mit der Istfrequenz des Netzes herstellen, bevor der Generator auf das Netz geschaltet
wird.
12.6 Funktionelle Probleme der Dampfturbinenregelung 27
Selbstverständlich müssen auch die Dampferzeuger entsprechend dem Dampf-
bedarf geregelt werden. Dies erfolgt nicht einfach so, daß etwa nur die Druckschwan-
kungen, die durch den variierenden Dampfbedarf der Turbine hervorgerufen werden,
als Ausgangssignal für die Regeleingriffe am Kessel benutzt werden. Vielmehr beeinflußt
man auch die Kesselregelung primär vom Leistungsbedarf des Netzes selber aus und
benutzt Dampfdruck und Temperatur als zusätzliche Signale zur genauen Einregelung
des geforderten Betriebszustandes. Über die mannigfaltigen Möglichkeiten, die hier
gegeben sind, vgl. etwa PROFOS [18].
Abb. 2 zeigt in stark vereinfachter Weise das Schema einer rein hydraulischen Regelung
(BBC) und läßt die oben beschriebenen Funktionen erkennen. Die von der Turbinen-
welle angetriebene Zahnradpumpe 1 fördert Schmieröl zu sämtlichen Lagern und ihre
Druckleitung 2 ist über die ein- 12
stellbare Drosselöffnung 3 mit
dem Regelsystem 4 verbunden.
Jenes besitzt eine Abflußöff-
nung 5, deren Querschnitt durch
den Fliehkraftregler 6 gesteuert
wird, derart, daß höherer Dreh-
zahl größere Öffnung entspricht.
Durch die Öffnungen 3 und 5
findet ein ständiger Durchfluß
von Öl statt, wobei der Druck
im Regelsystem 4 bei konstant
eingestellter Öffnung 3 offen-
sichtlich vom Querschnitt 5 ab-
hängt und mit abnehmendem
Querschnitt (abnehmende Dreh-
zahl) steigt. Dadurch werden
nacheinander die Düsengruppen- Abb. 12.6.2 Schema der rein hydraulischen BBC-Regelung
ventile 7, 8, 9 angehoben in der
Reihenfolge, die durch die Stärke der Federn ihrer Servomotoren gegeben ist. Weiter ist
10 eine mit der Turbinenwelle umlaufende kleine Ausflußöffnung, die dauernd öffnet und
schließt. Sie erzeugt auch im Beharrungszustand der Maschine ständige kleine Druck-
schwankungen, die ein geringfügiges Spielen der Regelorgane zur Folge haben und sie so
vor dem Festsitzen bewahrt. Die Hülse 11 ist die Drehzahlverstellvorrichtung, die in
der oben geschilderten Art beeinflußt werden kann. Eine Verschiebung in der mit +
angegebenen Richtung bewirkt eine Erhöhung der Drehzahl. - Schließlich tritt bei
Überschreitung einer höchstzulässigen Drehzahl oder beim Ansprechen anderer Sicher-
heitsvorrichtungen der Schnellschluß in Tätigkeit, durch den der Schieber 12 geöffnet
und das ganze Regelsystem drucklos gemacht wird. Damit schließen alle Ventile. Auch
das Hauptabsperrventil 13 wird gleichzeitig geschlossen.
Die direkte Betätigung der Servomotoren durch den Regelöldruck, wie in Abb. 2
dargestellt, kommt höchstens für ganz kleine Maschinen in Frage. Um bei größeren
Einheiten genügende Stellkräfte bei hinreichend kleiner Trägheit zu erhalten, wird vom
Prinzip der Vorsteuerung Gebrauch gemacht. Abb. 3 zeigt eine solche Anordnung von
BBC.
Hochdrucksteuerflüssigkeit mit einem festliegenden Druck von etwa 30 bar(= 30,6 at)
wird bei 1 in den Servomotor eingeleitet und wirkt einerseits auf die Ringfläche des
Stufenkolbens 2, während sie andererseits durch die Drosselöffnung 3 auch unter die
rechte Stirnfläche dieses Kolbens geleitet wird (Raum 4). Aus diesem Raume strömt
sie durch die kleine gesteuerte Öffnung 5 ständig ab. Der Druck im Raum 4 ist somit
gegeben durch das Verhältnis der Durchflußquerschnitte der Öffnungen 3 und 5. Die
Stellung des Dampfventils ist ihrerseits festgelegt durch diesen Druck, da sich in jeder
28 12. Regelung der Dampfturbinen

Beharrungslage die Kräfte der Federn 6 und 7, die Druckkraft auf die Ringfläche des
Stufenkolbens 2, die Kraft auf seine rechte Stirnfläche und die Dampfkraft auf das Ventil
das Gleichgewicht halten.

Abb. 12.6.3 Servomotor zur Betätigung eines nicht entlasteten Regelventils für hohen Druck (BBC)

Der Druck der Regelflüssigkeit, der unmittelbar durch den Regler in solcher Weise
gesteuert wird, wie etwa im Schema Abb. 2 angegeben, wirkt durch die enge Bohrung
im Abflußverstärkerkolben 8 auf den Kolben 9. Dessen Lage ist damit durch den Druck
der Regelflüssigkeit diktiert, somit aber auch die Lage des Steuerorgans 10 der Öffnung 5.
Steigt der eben genannte Druck (Abfall der Drehzahl), so bewegt sich 9 nach rechts,
Öffnung 5 wird kleiner; der Druck im Raum 4 steigt damit ebenfalls und verschiebt
Kolben 2 nach links, wodurch das Dampfventil weiter geöffnet wird. Mit dieser Bewegung
wird aber zugleich über den Hebelll die Rückführhülse 12 nach rechts bewegt, d . h. im
Sinne einer Vergrößerung der Öffnung 5. Durch diesen Mechanismus wird jedem Behar-
rungswert des Regelflüssigkeitsdruckes eine bestimmte Ventilstellung zugeordnet, die
bis auf sehr kleine Nebeneffekte unabhängig ist von der Zähigkeit der Steuerflüssigkeit,
obwohl vom Prinzip der Durchflußregelung Gebrauch gemacht ist. Wenn das Regel-
ventil sich immer mehr öffnet, stößt der Teil 13 schließlich an die Einstell-
schraube 14 an, so daß von da an Hebel 11 und Rückführhülse 12 der weiteren Ventil-
bewegung nicht mehr folgen können. Folglich läuft nun Kolben 2 ungehindert nach
links, bis der Ventilkörper mit seiner Schulter an der Büchse 20 ansteht. So entsteht der
Leerhub, der bis zur Ventilendlage noch vorgesehen wird, und gleichzeitig wird durch
das Aufliegen der Schulter an der Büchse 20 ein Leckverlust längs der Ventilspindel
bei Vollöffnung vermieden. In dieser Lage wird der Ventilkörper durch den vollen Dampf-
druck angepreßt, so daß die volle Kraft der Steuerflüssigkeit auf die rechte Seite des
Kolbens 2 die Ventilspindel unnötig hoch beanspruchen würde. Dies vermeidet man durch
den Stift 15, der dem Kolben 2 stets folgt und in dessen linker Endlage einen Abfluß-
querschnitt freigibt, der den Druck im Raum 4 auf das notwendige Maß herabsetzt .
Fällt der Regelflüssigkeitsdruck im Stutzen 16 sehr rasch ab (z. B. Auslösen des
Schnellschlusses von irgendeiner Sicherheitsvorrichtung aus), so bewegt sich Kolben 8
nach unten, da die enge Bohrung im Kolbenboden keinen augenblicklichen Druckausgleich
zuläßt. Damit kommunizieren die Räume links und rechts des Kolbens 9 und dieser
schnellt nach links in die Endlage. Damit wird Öffnung 5 voll freigegeben und der durch
sie tretende Flüssigkeitsstrom wird so groß, daß am Ringspalt 17 eine Druckdifferenz
entsteht, die den Kolben 18 gegen die Federkraft nach links drückt. Somit kommuniziert
12.6 Funktionelle Probleme der Dampfturbinenregelung 29

der Raum 4 über einen großen Ringquerschnitt mit dem Ablauf 19, was ein sehr rasches
Schließen des Dampfventils bewirkt.
Beachtenswert ist auch die konstruktive Gestaltung des Abschlusses des Ventil-
gehäuses. Ein einfacher Abschlußflansch würde bei sehr hohen Dampfdrücken (etwa
über 120 bar) festigkeitstechnisch nicht mehr genügen, weshalb die dargestellte Anord-
nung gewählt ist. Bei der Montage werden nacheinander die Büchse 21 (mit ihren Innen-
teilen, also vor allem Büchse 20 und Ventilkörper) und der Keilring 22 ins Ventilgehäuse 23
eingesetzt und Mutter 24 angezogen. Hierauf wird Mutter 25 eingeführt und angezogen,
wodurch man die Büchse 21 etwas zurückzieht und den Keilring 22 sehr stark anpreßt.
Schließlich wird noch der Flansch 26 aufgebracht, der aber im Betriebe keine sehr großen
Kräfte erfährt, da er nur den Sperrdampfdruck zu halten hat. Die volle Kraft des Hoch-
druckdampfes wird vielmehr von Büchse 21 über Ring 22 auf Mutter 24 übertragen, deren
Spezialgewinde die Kraft aufnimmt. Der Dampfdruck selbst trägt damit wesentlich
zur Erhöhung der Dichtungskraft am Keilring bei. Die Demontage erfolgt nach Ab-
nehmen des Flansches 26 in folgender Reihenfolge: Mutter 25 lösen, Mutter 24 lösen,
Mutter 25 wieder anziehen und so durch Büchse 21 Keilring 22 herausziehen.
Während in dem hier behandelten Beispiel jedes Regelventil seinen eigenen Servo-
motor besitzt, werden oft auch mehrere oder alle Ventile über mechanische Zwischen-
glieder (Gestänge, Nockenwellen u. dgl.) von einem gemeinsamen Servomotor aus ge-
steuert. Dies bringt eine Vereinfachung des hydraulischen Systems, doch müssen oft
große Kräfte übertragen werden, und es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Kinematik
des Übertragungsgestänges nicht durch Wärmedehnungen gefälscht wird. Manchmal
wird auch eine Zwischenlösung gewählt, bei der jedes Ventil seinen eigenen Servomotor
besitzt, die Vorsteuerbewegungen aber auf mechanischem Wege übertragen werden. Auf
das Beispiel Abb. 3 übertragen, würde dies bedeuten, daß man die Bewegung des Steuer-
organs 10 nicht durch den Druck der bei 16 eintretenden Regelflüssigkeit, sondern auf
mechanischem Wege vorschreibt.
Der Druck der bei 1 eingeführten Steuerflüssigkeit liegt mit 30 bar sehr viel höher
als früher allgemein üblich war (etwa 5 bar). Man erhält so sehr große Stellkräfte bei
mäßigen Servomotorabmessungen und dementsprechend geringere Trägheit des Re-
agierens. Als Steuerflüssigkeit diente früher allgemein Schmieröl. Wegen der damit ver-
bundenen Feuergefahr zieht man heute synthetische schwer brennbare sog. Hydraulik-
öle vor.
Da das einwandfreie Arbeiten des Regelsystems für die Betriebssicherheit der An-
lage von größter Wichtigkeit ist, muß ein Festsitzen der Steuerungsteile sorgfältig ver-
mieden werden. Dies kann leicht
p,

m
eintreten, wenn eine Maschine % I
lange Zeit in einem Beharrungs-
zustand läuft. Ein Mittel, um

UJ
dem vorzubeugen, ist die Schaf-
fung einer künstlichen "Unruhe"
durch eine Vorrichtung, wie sie P2 ·
z. B. in Abb. 2 bereits dargestellt I %
P2
wurde (umlaufende Öffnung 10). a b
Durch das ständige leichte Spie- Abb. 12.6.4 Konische Ausbildung von Kolben und Steuerschiebern
len des Regelmechanismus wird hydraulischer Regelsysteme
die Ruhereibung aufgehoben. a: richtig, b: falsch
Dasselbe Ziel wird dadurch er-
reicht, daß man besonders lebenswichtige Schieber usw. beständig langsam um ihre Achse
rotieren läßt. Auch ist oft eine schwach konische Ausbildung der einzelnen Schieber und
Kolben einer hydraulischen Steuerung zu empfehlen. In Abb. 4 ist dargestellt, welche Ver-
hältnisse sich ergeben, wenn sich ein konischer Kolben aus seiner Mittellage entfernt, und
zwar unter a bei richtiger, unter b bei falscher Anordnung der Konizität. Es ist jeweils
30 12. Regelung der Dampfturbinen

der Druckverlauf in den beiden gegenüberliegenden Spaltquerschnitten wiedergegeben. Bei


der Anordnung nach a hat die entstehende Druckverteilung die Tendenz, den Kolben in
die Mittellage zurückzubringen, während im Falle b das Gegenteil zutrifft, weshalb ein
solcher Kolben die Neigung hat, festzusitzen. Werden die Teile rein zylindrisch ausgebildet,
so besteht die Gefahr, daß infolge zufälliger Bearbeitungsungenauigkeiten der Fall b
entsteht. Nicht überall kann aber von diesem Mittel Gebrauch gemacht werden, besonders
dann nicht, wenn der Überdruck bald auf der einen, bald auf der anderen Kolbenseite
auftritt. Hochdruckkraftkolben werden mit Gummiringen oder metallischen Kolben-
ringen gedichtet.

12.7 Probleme der Lastabschaltung


Die für das Arbeiten der Regelung schwierigsten Verhältnisse liegen vor bei der
Vollastabschaltung, d. h. wenn infolge einer Störung im elektrischen Netz der Generator
bei voller Leistung plötzlich abgeschaltet und damit seine Leistungsaufnahme praktisch
Null wird. Diese schroffe Laständerung muß die Regelung abfangen können, d. h ., die
Turbine soll ohne Betriebsunterbruch weiterlaufen,
wobei die vorübergehend auftretende höchste Dreh-
zahl nicht mehr als 7 bis 8% über der Normaldreh-
zahlliegen soll. Nur für den Fall des Versagens der
Regelung ist der Schnellschlußregler oder Drehzahl-
wächter vorgesehen, siehe z. B. Abb. l und 2, ein
astatischer Regler, dessen Ansprechen das sofortige
und völlige Schließen der Regel- und Absperrventile
herbeiführt und damit die Anlage stillsetzt. Meist wird
vorgeschrieben, daß die Schnellschlußvorrichtung bei
etwa 10% Überdrehzahl auslösen muß. Dies soll aber
Abb. 12.7.1 Drehzahlwächter mit exzen· bei ordnungsgemäßem Zustand der Anlage überhaupt
trisch gelagertem Ring (Escher-Wyss) nie vorkommen und ist lediglich als "zweite V er-
teidigungslinie" gedacht für den Fall des Versagens
der Regelung. Der Grundsatz, eine Regelung müsse so ausgebildet werden, daß die Sehneli-
schlußvorrichtung in keinem denkbaren Betriebsfall zur Auslösung kommt (sofern nicht
überhaupt ein Versagen der Regelung vorliegt), ist von den Konstrukteurennicht immer
in voller Konsequenz verfolgt worden. Bei den modernen Großdampfturbinen erweist sich
dies auch als ganz besonders schwierig, weshalb gerade diese Maschinen bei Lastabwurf
zunächst nicht immer befriedigten. Große Dichte des Dampfes, wie sie bei Hochdruck-
prozessen auftritt, hat zur Folge, daß
J
die Massenträgheitsmomente der Ro-
toren und damit die in ihnen auf-
gespeicherten Bewegungsenergien im
Vergleich zur Leistung klein ausfallen.
Ist
(I)

das Massenträgheitsmoment des gan-


zen rotierenden Systems (einschließ-
lich Induktor), N 0 die volle Maschinen-
Abb. 12.7.2 Drehzahlwächter (BBC)
leistung und w 0 die Winkelgeschwin-
Bolzen 1 durch Feder 2 gehalten, so daß sein Schwerpunkt exzentrisch
digkeit entsprechend der Sollfrequenz
zur Drehachse. Heine Lage wird im übrigen fixiert durch Spiralfeder- des Netzes, so kann man durch
blätter 3 und 4, die in Bolzenlängsrichtung sehr weich, in Querrichtung
steif sind. Bei Überschreiten der Grenzdrehzahl schlägt Bolzen gegen
Federkraft so weit aus, daß er Klinke 5 trifft, wodurch Schnellschluß
ausgelöst. Bolzenaufhängung völlig reibungsfrei. Von links kann zur t T := ~;: (2)
Prüfung der Vorrichtung Spritzöl durch Bohrung 6 eingeführt werden,
wodurch H ohlraum des Bolzenkopfes teilweise mit Öl gefüllt wird. Da-
durch wird der Schwerpunkt des Bolzens so weit verschoben, daß er
die Trägheitszeit t r definieren. Sie ist
bei Betriebsdrehzahl auslöst die Zeit, während welcher die Maschine
12.7 Probleme der Lastabschaltung 31
die Leistung N 0 abgeben müßte, um so viel Arbeit zu leisten, wie in Form von Bewegungs-
energie in den Rotoren steckt. Die ebenfalls oft benutzte Anlaufzeit ta (d. i. die Zeit,
die vom Stillstand bis zur Erreichung der vollen Drehzahl verstreichen würde, wenn als
beschleunigendes Moment das Vollastdrehmoment zur Verfügung stände) ist das Doppelte
von tr. Bei modernen Großmaschinen sind die Größenordnungen etwa tr = 3,5 7 5 sec
(oder ta = 7 7 10 sec), d. h. recht kurz. Eine Drehzahlerhöhung von 4%, wie es der
Statik der Regelung etwa entspricht, vollzieht sich dann bei Vollastabschaltung in
etwa 0,28 -;- 0,40 sec. Die Lage wird weiter dadurch erschwert, daß gerade bei Hochdruck-
anlagen Leitungen, Stutzen und Toträume (besonders bei Doppelwandgehäusen) Dampf-
mengen enthalten, die selbst bei völlig geschlossenen Ventilen durch ihre Entspannung
noch eine merkliche zusätzliche Beschleunigung der Rotoren bewirken. Diesen Gegeben-
heiten haben sich die Schlußzeiten der Ventile und Reaktionszeiten des Regelsystems
anzupassen. Beachtet man nun, daß bei den Ventilen solcher Maschinen die Servomotoren
Stellkräfte von der Größenordnung 5 -;- 10 Gdyn( 1 Gdyn = 109 dyn = 104 N = 1,02Mp)
ausüben müssen und Schlußzeiten von 0,25 -;- 0,4 sec haben sollen, so ermißt man die
Schwierigkeit der konstruktiven Probleme.
Bei den Hauptabsperrventilen, siehe z. B. Abb. 3 und 4, die stets den Regelventilen
vorgeschaltet sind, wird die Schließbewegung durch Federkraft eingeleitet, gleichzeitig
aber durch die Strömungskräfte
unterstützt. An die Stelle des
früher weitverbreiteten rein
mechanisch betätigten Haupt-
absperrventils, Abb. 3 (Öffnen
und Schließen normalerweise
durch Handrad, beim Anspre-
chen des Sicherheitsreglers je-
doch Schließen durch Auslösen
einer Klinke), tritt bei der
modernen Großanlage das hy-
draulisch betätigte, Abb. 4. Da-
mit ist nicht nur Fernsteuerung
vom Kommandopult aus mög-
lich, sondern der Servomotor Abb. 12.7.3 Mechanisch betätigtes Hauptabsperrventil mit Vorbub-
läßt sich auch so ausbilden, ventil (AEG)
daß sein Kolben unmittelbar adampfthermometer,
Hauptventil, b Vorhubventil, c Schnellschlußkllnke, d Dampfsleb, e Frisch-
t Drehwelle der Schnellschlußkllnke, q Schnellschlußgestänge
vor dem Aufsitzen des Ventil-
körpers auf seinen Sitz auf ein Flüssigkeitspolster aufläuft (siehe Anordnung Abb. 4),
das den Schlag auffängt, der sonst gerade unter den Bedingungen der Hochdruckanlage
das Ventil gefährden würde.
Um die Schlußzeit der Regehing zu verkürzen, ist es zweckmäßig, den Schließvorgang
schon einzuleiten, bevor sehr wesentliche Drehzahlabweichungen entstanden sind. Dies
kann so erreicht werden, daß man außer dem Fliehkraftregler noch ein Element vor-
sieht, das die Drehbeschleunigung der Weile mißt und das Regelsystem im Sinne des
Schließens beeinflußt, sobald eine merkliche positive Drehbeschleunigung auftritt.
Zusätzliche Maßnahmen sind notwendig bei Anlagen mit Zwischenüberhitzung. Der
Dampfinhalt der Zwischenüberhitzerbündel und Verbindungsleitungen ist derart groß,
daß bei Vollastabschaltung die Entspannung dieses Dampfes selbst bei vollständiger
Absperrung des Dampfzutrittes zum HD-Teil noch eine Drehzahlsteigerung um 40%
und mehr verursachen würde. Um nicht nur dies zu verhindern, sondern die größte Dreh-
zahlerhöhung auf 7 -;- 8% zu begrenzen (also das Auslösen der Schnellschlußvorrichtung
zu vermeiden) sind zusätzliche Absperrorgane, die sog. A bfangventile nach dem Zwischen-
überhitzer unmittelbar vor Wiedereint ritt des Dampfes in die Turbine anzuordnen.
Um gleiche Sicherheit und gleiches Schnellschlußverhalten zu gewährleisten wie bei An-
32 12. Regelung der Dampfturbinen

lagen ohne Zwischenüberhitzung, sind zwei solche Ventile hintereinander anzuordnen.


Das erste, das Zwischendampfregelventil, wird bei einer plötzlichen Entlastung vorüber-
gehend teilweise oder ganz geschlossen und begrenzt damit den Drehzahlanstieg auf die
vorgeschriebenen 7 -7- 8%. Allmählich kehrt es aber wieder in die voll offene Lage zurück,

Abb. 12.7.4 Hydraulisch betätigtes Hauptabsperrventil (BBC). Beachte die Gewindedeckelkonstruktion, die
bei hohem Druck zweckmäßig an die Stelle des Flanschdeckels tritt, ferner die Vorrichtung zur Verhinderung
des Rotierens des lose auf der Spindel sitzenden Ventilkörpers

so daß im Beharrungszustand kein dauernder Drosselverlust ensteht. Nur bei sehr kleiner
Last bleibt das Ventil auch im Beharrungszustand nur teilweise geöffnet. Das zweite
dieser Ventile, das Zwischendampfabsperrventil, schließt stets zugleich mit dem Haupt-
absperrventil, nämlich beim Ansprechen der Schnellschlußvorrichtung oder wenn das
Schließen vom Bedienungspult aus herbeigeführt wird.
Abb. 5 zeigt im Prinzipschema die Steuerung eines Zwischendampfregelventils. Es
ist 1 der HD-Teil, 2 der MD-Teil, 3 der ND-Teil der Turbine. Anstelle der Düsengruppen-
ventile ist in dieser vereinfachten Darstellung nur ein Regelventil 4 eingezeichnet.
Ferner bedeuten 5 den Zwischenüberhitzer, 6 das Zwischendampfregelventil und 7 die
Kondensatoren. Bei einer Entlastung geht der Fliehkraftregler 8 in die strichpunktiert
gezeichnete Lage über und verschiebt dementsprechend die Hebel 9, 10, 11 derart,
daß das Ventil 4 schließt. Gleichzeitig zieht der Hebel 12 die Kulisse 13 hoch, womit
über den Hebel 14 das Ventil 6 im Sinne des Schließens verschoben wird. Durch die
Bewegung der Kulisse wird andererseits der Schieber 16 nach unten verstellt, so daß
12.7 Probleme der Lastabschaltung 33
durch die Drosselblende 17 allmählich Drucköl in den Servomotor 15 überströmt, seinen
Kolben hebt und so über das Gestänge 18, 19 den Hebel 12 nach rechts auslenkt. Damit
wird das Ventil 6 wieder lang-
sam geöffnet und derSchieher16
in seine neutrale Lage zurück-
geführt, womit der Vorgang
abgeschlossen ist. Von einer ge-
wissen geringen Teillast an ab-
wärts bleibt der Servomotor 15
blockiert, bewirkt also keine I
Auslenkung des Hebels 12 und
somit kein Öffnen des Ventils 6
i
mehr. -DaeineUnterbrechung i
des Durchflusses durch die
Rohrbündel des Dampferzeu- ! 2Z
gers nicht zulässig ist, sind Um- r-H~
gehungsventile 20 und 21 vor-
gesehen, durch welche Dampf
1' ,r- I
unter Umgehung der Turbine
aus dem Überhitzer durch
den Zwischenüberhitzer in die
Kondensationsanlage umgelei-
tet werden kann. Das Ventil 20
wird von der Steuervorrich- L __ _
tung 22 aus betätigt, und zwar
öffnet es dann, wenn der Druck
in der Dampfzuleitung einen
Grenzwert übersteigt. Ebenso
· d d V t 'l 21 St Abb. 12.7.5 Steuerung eines Zwischendampf-Regelventils
w1r.. as en 1 . vom euer- .. (nach E scher-wyss M'tt
1 •
[9])
gerat 23 aus beemflußt. Es off-
net beim gleichen kritischen Frischdampfdruck, doch wird sein Öffnungsquerschnitt noch
zusätzlich vom Fliehkraftregler aus beeinflußt. Durch diese Anpassung an den jeweiligen
Leistungszustand werden unerwünscht starke Druckschwankungen im Zwischenüberhitzer
vermieden. - Das Schema, Abb. 5, erläut ert nur die grundsätzliche Arbeitsweise einer
solchen Steuerung, die technisch z. B. unter Verwendung hydraulischer Elemente in
äußerst mannigfacher Weise verwirklicht werden kann.

Abb. 12.7.6 Anordnung der Regel- und Absperrventile einer Anlage mit Zwischenüberhitzung (Escher-Wyss)
1 HD-Turbine, 2 MD-Turbine, 3 ND-Turbine, 4, 4' Frischdampf-Absperrventile, 5, 5' , 5" Frischdampf-Regelventile (drei weitere
befinden sich auf der Unterseite der Turbine), 6, 6' Zwischendampf-Absperrventile, 7, 7' Zwischendampf-Regelventile, 8, 8' tiber-
strömleitung zwischen MD- und ND-Teil, 9 Drehvorrichtung für Rotor, 10 R egelblock, 11, 12, 13, 14 Lagerböcke, 15 Generator

Abb. 6 zeigt die Disposition der Ventile einer Anlage mit Zwischenüberhitzung. Bei
modernen Großanlagen erfolgt die Dampfzuführung stets durch mindestens zwei parallel-
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 3
34 12. Regelung der Dampfturbinen

geschaltete Hauptabsperrventile, hinter denen eine Querverbindung besteht. - Selbst


Anordnungen mit je einem Hauptabsperrventil für jedes Düsengruppenventil sind im
Gebrauch. - In gleicher Weise sind bei Zwischenüberhitzungsanlage n nicht nur wie
oben erwähnt zwei Abfangventile hintereinander anzuordnen, sondern es werden außer-
dem zwei solche Ventilpaare parallelgeschaltet. Einerseits legt schon die bei hohen Tempe-
raturen notwendige Symmetrie der Turbinengehäuse solche Anordnungen nahe. Zudem
wird es dann aber möglich, ohne jede Unterbrechung des Betriebes das Ventil eines der
beiden parallelen Stränge vorübergehend zu schließen und so das einwandfreie Arbeiten
der Schnellschlußvorrichtung zu prüfen. Diese Kontrolle wird in regelmäßigen Zeit-
intervallen vorgenommen, da der Schnellschluß unbedingt zuverlässig sein muß.
In Abb. 7 ist ein etwas vollständigeres Schema einer Anlage mit Zwischenüberhitzung
wiedergegeben. Wenn die Umgehungsventile 11 und 12 geöffnet sind, wirddurch Wasser-

----------------------- ---, I
--ljl I
I
I
I
I I

~------J
I
I
I
1-----.J
't .,
1'1 I I
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iI I L--% -J ~----'
L L~-@- nv_Jiv -~--------~----J
J
--- 8 --- 8 __

Abb. 12.7.7 Schema einer Zwischenüberhitzungsanlage


1 Dampferzeuger, 2 Überhitzer, 3 HD-Turbine, 4 Zwischenüberhitzer, 5 MD-Turbine, 6 ND-Turbine, 7 Kondensatoren, 8 Speise-
wasservorwArmer, 9 Speisewasserbehälter, 10, 10' Speisepumpen mit Antrieb durch Dampfturbine und Elektromotor, 11 Umgehungs-
ventil der HD-Turbine, 12 Umgehungsventil der ND-Turbine, 13 Dampfkühler für HD-Umgehung, 14 Dampfkühler für ND-
Umgehung, 15 Kondensatpumpe, 16 Generatorkühler

einspritzung in die sog. Dampfkühler dafür gesorgt, daß eine Abkühlung zustande kommt,
wie sie der arbeitsleistenden Entspannung des Dampfes entsprechen würde. Dies ist
notwendig, um den Zwischenüberhitzer und die Kondensationsanlage vor zu hoher
Temperatur zu schützen. Insbesondere wird auf diese Weise auch der Dampferzeuger
angefahren, wobei die Turbine zunächst noch stillsteht. Ihre Inbetriebsetzung erfolgt
erst, wenn die Dampferzeugung schon ein solches Maß erreicht hat, daß für die Durch-
führung des Anfahrmanövers reichlich Reserve zur Verfügung steht. Zwischenüber-
hitzungsanlagen sind heute stets Blockeinheiten, d. h. der Dampferzeuger (manchmal
auch zwei Dampferzeuger), die Turbine und die sämtlichen Zusatzeinrichtungen bilden
ein in sich geschlossenes System, das thermisch keine Querverbindungen aufweist zu
anderen Einheiten desselben Werkes. Die große Vielteiligkeit der Zwischenüberhitzungs-
anlagen legt diese Vereinfachung dringend nahe, weshalb die Zwischenüberhitzung erst
in größerem Umfang Anwendung fand, nachdem die Fortschritte des Dampferzeuger-
baues die Blockanordnung möglich machten, ohne daß deswegen größere Stillstands-
zeiten der Turbine in Kauf genommen werden mußten.
12.7 Probleme der Lastabschaltung 35

Abb. 8 zeigt ein Beispiel einer Abfangventilgruppe, links das Regelventil, rechts
das AbsperrventiL Beide sind mit Vorhubventilen versehen und strömungstechnisch
günstig gestaltet.

Abb. 12.7.8 Abfang-Ventilgruppe (Escher-Wyss)


1 Ventilge!Jäuse, Z Regelventil, 3 Absperrventll, 4 Dampfeintritt, 5, 6 Dampfaustritt, 7 ScWießfeder, 8 Servomotor

Abb. 9 zeigt eine Konstruktion, bei der Regelventil (Abfangventil) und Absperrventil
in besonderer Weise kombiniert sind. Das Absperrventil besteht aus Ventilteller 1 und
Vorhubventil2 und wird geöffnet, wenn das Regelventil6 noch geschlossen ist. Der Servo-
motor des Absperrventils verschiebt die Ventilspindel nach links, öffnet so das Vorhub-
ventil und stellt damit Druckausgleich zwischen den Räumen 3 und 4 her, so daß auch
Ventilteller 1 verschoben werden kann. Bei voller Öffnung steht die Schulter der Ventil-
spindel an der Führungsbüchse 5 an und vermeidet so Dampfleckage längs der Spindel. -

Abb. 12.7.9 Abfang-Ventilgruppe, beide Ventile zu einer Einheit vereinigt (BBC)

Das Öffnen des R egelventils 6 geschieht dadurch, daß zunächst sein Vorhubventil 7
nach links gezogen wird. Raum 8 steht dann über Spalt 9 mit Raum 10 und über das
geöffnete Vorhubventil mit Raum 3 in Verbindung. So entsteht im Raum 8 ein Zwischen-
druck, der Ventil 6 so weit entlastet, daß es ganz nach links gezogen werden kann. In
der Endlage bilden die Ventile 1 und 6 zusammen einen strömungsgünstigen Körper.
Wieder ist dafür gesorgt, daß bei voller Öffnung Dampfleckage längs der Spindel ver-
mieden wird. Das Schließen der Ventile bereitet keine Schwierigkeiten und erfolgt im
Störungsfalle unter dem Einfluß der Dampfkräfte von selbst.
Bei der in Abb. 10 dargestellten Ventilgruppe handelt es sich um Umgehungsventile
zur Überführung des aus dem Zwischenüberhitzer austretenden Dampfes in den Kon-
densator. Beim Öffnen öffnet zuerst das in Strömungsrichtung erste Ventil, das ein
a•
36 12. Regelung der Dampfturbinen

reines Absperrorgan ist, dann erst das zweite, durch dessen Stellung der Durchfluß so
geregelt wird, daß der Solldruck im Zwischenüberhitzer eingehalten wird. Beide Ven-
tile sind mit Vorhubventilen ver-
sehen und strömungstechnisch
günstig gestaltet. Durch die
Hintereinanderschaltung von
zwei sehr gut dichtenden Ven-
tilen werden Leckverluste durch
die Umgehungsleitung hindurch
im normalen Betrieb vermie-
den.
Moderne Großanlagen sind
stets mit einer Reihe von Kon-
troll- und Warngeräten versehen,
von denen vor allem zu nennen
sind: Fernanzeige der Lager-
temperaturen, Temperaturen an
bestimmten Stellen der Gehäuse,
Relativdehnungen zwischen Ro-
tor und Gehäuse, und Rotor-
exzentrizität (sog. "Wellenwäch-
ter"), Lagervibrationen, Kon-
densatorvakuum. Meist werden
sie als registrierende Geräte aus-
gebildet und lösen Signalvorrich-
tungen aus, sobald die gemes-
senen Größen abnormale Werte
annehmen. Gewisse dieser Kon-
trollgeräte lösen auch den
Schnellschluß aus, wenn die
gemessene Größe · sich weiter
Abb. 12.7.10 so verändert, daß eine Gefähr-
Umgehungs-Ventilgruppe für MD- und ND-Teil (Escher-Wyss) dung der Maschine zu befürch-
1 Absperrventil, 2 Regelventll, 3 Servomotor für beide Ventile, 4, 6, 6 Hebelwerk ten ist.

12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung


Dieser Abschnitt befaßt sich mit den Grundlagen, von denen die Betrachtung der
Stabilität einer Dampfturbinenregelung auszugehen hat. Um die Theorie zu linearisieren,
beschränkt man sich auf kleine Abweichungen von einem Beharrungszustand. Wenn x
irgendeine Größe ist, die einem augenblicklichen Betriebszustand entspricht, so setzen
wir x = x(O) + t5x. Hier ist x(O) der Wert der gleichen Größe in dem als Ausgangspunkt
gewählten (an sich beliebigen) Beharrungszustand. Die Abweichung t5x von diesem
Beharrungswert wird als so klein vorausgesetzt, daß wir durchweg mit linearen Ansätzen
auskommen. Vorbereitend betrachten wir zunächst typische Elemente, aus denen sich
der Regelkreis aufbaut.
Elemente wie Meßwerke (hier Fliehkraftregler) und als Proportionalregler arbeitende
Kraftverstärker zeigen ein dynamisches Verhalten, das unabhängig von ihrer besonderen
t echnischen Struktur durch eine bestimmte Differentialgleichung beschrieben werden
kann. Bei einem Fliehkraftregler, Abb. 1 a , sei z. B. dem Bereich der Winkelgeschwindig-
keiten von Wmin bis Wmax , welcher der Statik der Regelung entspricht, der Anteil .L1 x i
des vollen Muffenhubes zugeordnet. Hierbei ist ). = 1 - (rh1 /rh 0 ), wobei rh1 der Leerlauf-
dampfstrom, rh 0 der Dampfstrom bei Maximalleistung ist (beide am Maschineneintritt
12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung 37
gemessen). Mit w 0 als Sollwert der Winkelgeschwindigkeit ist
(1)

die Statik. Da sie stets klein ist gegen 1 , kann im Beharrungszustand des Reglers ge-
setzt werden
;; =~= A W-Wmln = A W-Wmln = ;,.!!._, (2)
,1 X; Wmax - Wmin w0 S S
wo Q die vom Minimalwert aus gemessene relative Drehzahlabweichung ist. Wenn in
einem Zeitpunkt der Regler nicht die Lage einnimmt, die durch GI. (2) vorgeschrieben
ist, besteht kein Gleichgewicht zwischen
der Federkraft und der von den Flieh-
gewichten auf die Muffe übertragenen
Kraft. Für die so entstehende Resultie-
rende P setzen wir
P = K ( A. ~ - ;;) = K (;i-1 - ;i), (3)

wobei wir für A. QjS im Hinblick auf


eine einheitliche Bezeichnungsweise ;;_ 1
setzen. Die dadurch ausgelöste Bewegung
der Muffe läßt die Reibung zur Wirkung
kommen, die wir proportional der Ge-
schwindigkeit d ;ddt setzen, also
R= -D!:JJ_
dt . (4) w c::.D
a b
Schließlich denken wir uns die sämtlichen Abb. 12.8.1 Zur Festlegung der Bezeichnungen
zu beschleunigenden Massen des Systems a) Fllehkraftregler, b) Servomotor
in die Muffe reduziert, d. h., wir messen
seine Trägheit durch eine Größe M, derart, daß die Bewegungsgleichung die Form
M d2;, = p - R (5)
dt2
annimmt. Mit den oben angegebenen Ausdrücken wird dies
M ~t~~ = K(;;_1- ;;) - D dd~~. (7)

Aus den für das System typischen Größen D, K und M bilden wir nun die folgenden ,
die, wie leicht nachzuprüfen, die Dimension einer Zeit haben:

tM =V~' (8)
D
tn = J[ · (9)

Damit kann Gl. (7) übergeführt werden in die Form


2 d2;,
tM(ii2 + tndt
d;, + r,;; =
1: 1:
5"i-1·
(10)

Der in Abb. 1 b dargestellte Servomotor ist offenbar im Gleichgewicht und in Ruhe,


wenn ;; = ;;_ 1 , wobei wir wiederum setzen ;; =
xdilx; , ;;_ 1 = X;-1/ilx;-1· Ist diese
Bedingung nicht erfüllt, so ist der rechts dargestellte Steuerschieber aus seiner neu-
tralen Lage verschoben und die Steuerflüssigkeit erzeugt am Kraftkolben eine Kraft,
die wir vereinfachend proportional der Schieberauslenkung setzen, also wieder
(11)
Ebenso entstehen durch die Bewegung Reibungskräfte, die wir, auf den Kraftkolben
reduziert, durch Gl. (4) ausdrücken können. Unter Einführung einer auf den Kraft-
38 12. Regelung der Dampfturbinen

kolben reduzierten, die Trägheit messenden Größe M gemäß GI. (5) gelangen wir mit
den Setzungen (8) und (9) schließlich wieder auf GI. (10). -Der Ansatz (11) mag Bedenken
erregen, da es fraglich scheinen könnte, ob er eine zutreffende Beschreibung des strömungs-
physikalischen Vorganges ist. Die Zulässigkeit dieser Setzung (in hinreichend engem
Bereich) liegt einerseits am Vorhandensein von Überdeckungen h, Abb. 1b, die einen
ständigen Öldurchfluß zur Folge haben. Andererseits kann der Einfluß der Kolben-
geschwindigkeit auf die wirksame Druckdifferenz - als einem Reibungsvorgang gleich-
wertig - in D, der Einfluß der Trägheit der zu beschleunigenden Flüssigkeitsmassen
in Meingeschlossen werden. Die Werte von tM und tD können daher praktisch nur experi-

Die Größe 'i


mentell gewonnen werden; vgl. über diese Fragen auch JÄGER [19].
läßt sich stets ersetzen durch
(12)
Da ';(0) ein Festwert ist, sind die Ableitungen von C; gleich denen von,;, und da weiter
stets
(13)
gilt zugleich mit GI. (10) auch
(14)

Diese Gleichung läßt sich offenbar setzen für Regelelemente (Meßwerke, Transmitter,
Servomotoren), die den Charakter von Proportionalreglern haben. Wir setzen für die
Theorie der Dampfturbinenregelung solche voraus, obwohl auch andere (Differential-
regler, Integralregler) Verwendung finden können, worauf wir noch zurückkommen.
Als nächstes betrachten wir das Beschleunigungsverhalten der Turbogeneratorgruppe,
deren totales Massenträgheitsmoment @ und deren Maximalleistung N 0 sei. In einem
betrachteten Zeitpunkt seien die Turbinenleistung NT und die vom Generator auf-
genommene Leistung N G
Nr = Nr(O) + flNr, r(15)
Na= Na(O) + flNa. (16)
Da N r(O) = N 6 (0), ist der momentane Leistungsüberschuß, der sich auch durch das
überschüssige Drehmoment fJ M ausdrücken läßt
Wo fJM = fJNT- fJNa. (17)
Die Bewegungsgleichung lautet dann für die Turbogeneratorgruppe
dro _ ~M _ ~Np-~N0
Tt- e - 8roo (18)
Mit der Einführung der durch GI. 12.7 (2) definierten Trägheitszeit tr geht daraus un-
mittelbar hervor
(19)

oder auch, wie der Vergleich mit GI. (2) zeigt,


dD _ 1 ~Np- ~No (20)
Tt- 2t1• N0
Die gleiche Relation gilt aber schließlich auch für die relative Drehzahlabweichung v
vom Beharrungspunkt, nämlich
,. =ro- ro(O) = Q- !J(O},
Wo
(21)
also
(22)
Man beachte, daß Ä. PjS in der Gleichung des Fliehkraftreglers die Rolle von C;- 1 über-
nimmt.
12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung 39
Um das zeitliche Verhalten der Turbine selbst zu studieren, gehen wir aus von der
schematischen Darstellung, Abb. 2, aus der auch die wichtigsten Bezeichnungen hervor-
gehen. Wir betrachten zunächst die zeitliche Änderung des Druckes Pi im Dampfraum i.

1 -----------------~~---t~_t,_tm__~~------------- ------------~
I I
I
I
Llh~ LlhlJ Llh3~ Llhrt..J/i Llh~fi•l/ Llh 11A II
I
tflr, tor I
I
I
I
_j

I
I I I I I
I I I I I I I

m[ m,a.J mafi-1/ mal


;njn;~ man mA
A

t
Abb. 12.8.2 Schema einer Dampfturbine mit Regelstufe und Anzapfstutzen; zur Aufstellung des regel-
dynamischen Gleichungssystems

Dazu müssen die Durchflußgesetze bekannt sein, die die einzelnen Massenströme be-
herrschen. Da die Druckverhältnisse (p;- 1 /pi) nur geringfügigen Änderungen unterworfen
sind, besteht mit sehr großer Genauigkeit Proportionalität zwischen Eintrittsdruck und
Massenstrom eines Schaufelungsteils, d. h. es ist, wenn wir allgemein definieren
(23)

m<l-1>1 (24)
m<l-1>,(0)
Somit ist auch
(25)
Hier ist
- m..,(O) (26)
IX; = m<•-1>,(0)
die relative Anzapfmenge im Beharrungszustand. Für die Abweichung !5m 4 ; der Anzapf-
menge setzen wir 15m.~ ß
m.(1-1)1(0) = i 'fjJ;, (27)

wobei ß; in linearisierter Näherung das Schluckgesetz des Vorwärmers samt Verbindungs-


leitung kennzeichnet. Für den Dampfinhalt m; des betrachteten Raumes gilt also
d;:, = ~m(i-lH - ~mW-1) - ~mai = rhu-1Ji(O)['IjJ;-1 - (1 -IX;+ ß ;) 'f/JJ. (28)

Nun ist andererseits, wenn wir die mit der Druckänderung im Raume i verbundene
Zustandsänderung als Polytrope ansetzen,
1 1
[_l!!._]n n=
- - 1
~ = v1 (0) = = [ p 1 (0) + !5p,] (1 +"Pi;: (29)
m1(0) v, p (0)
1 p1(0) ' '
1

'
1 -(1
dm·=-
n
m (0)
+ 1/!·)n
rt
- - 1
d11!·RJ-'
, ,,
m (0)
n -d11J
T"
· (30)
40 12. Regelung der Dampfturbinen

weil VJ; ~ 1. Damit läßt sich für Gl. (28) auch setzen
m~O) dd~~ = mu-1>;(0) (VJi-1- (1- !X;+ ßi) VJ;]. (31)
Wir definieren durch
t· = mi(O) (32)
' - m(i-l)i(O)

die Füllzeit des Raumes i im Zustand 0. Dann läßt sich Gl. (31) schreiben
-t,n -dlp;
dt +
(1 - !X.' + ß.)t
111·
Y' t
= 1/J.
Y' l -
1
'
(33)
womit die Druckgleichung für den Raum i gefunden ist.
Die Behandlung der Regelstufe hat davon auszugehen, daß sowohl die Regelventile
als auch die einzelnen Beaufschlagungssektoren (als parallelgeschaltete Stufen aufgefaßt)

mfDJ+öm '\ ~

mro; -mro;
m(oJ-Ioml ________ _,_
I

I
I
I
I
I
I
I

b
Abb. 12.8.3 Durchflußgesetz der Regelstufe
a) Massenstrom in Funktion des Druckes P,. vor Leitapparat, b) Massenstrom in Funktion des Druckes Pw nach Stufe

Elemente sind, für welche die Durchflußmenge m gemäß Abb. 3 vom Eintrittsdruck p iX
und vom Gegendruck Pw abhängen. In linearisierter Näherung läßt sich also setzen
~m = aiX ~p".- bw ~Pw = a!Xp".(O) 1p".- bwPw(O) 'f/Jw, (34)
wo aiX und bw die Neigungen der in Abb. 3a undbeingetragenen Tangenten repräsentieren.
Wenn wir nun durch die Zeichen ' und " auf die vollgeöffneten und den teilgeöffneten
Sektor verweisen und durch die Indizes die Räume bezeichnen wie in Abb. 2 angegeben,
erhalten wir für die sämtlichen voll geöffneten Sektoren
X ~m~2 = - p2(0) X b; 1p2, (35)
für den teilgeöffneten
.11m·1
U 2 - a"
11 -
1 p"
l (0) 111
Tl-
11 b112 p 2 (0)
(36) 11,
.,-2·

Wenn wir uns alle Änderungen zunächst so langsam durchgeführt denken, daß nur
stationäre Zustände durchlaufen werden, dürfen wir Gl. (35) und (36) summieren, und
es gilt
(37)

H ier charakterisieren die b~ das Durchflußverhalten der ganzen Sektoreneinheit mit Ven -
til, b'; das Verhalten des von 1" bis 2 reichenden Sektors, also ohne Ventil. Für dieses
letztere gilt vielmehr das Durchflußgesetz
.ll""
umE l = . " (O)
mE1
of
f(O) -
bll
1 P1"(O) "P111 · (38)
~1/f(O) ist die relative Änderung des Ventilquerschnittes. Da nun aber ~m~1 = ~m~'2,
folgt aus (36) und (38) auch
. " (0)
mEI
0I
/(O) = (al" + b")
1 P1"(0) 'f/J1 II
- b"2P2 (0) 'f/J2· (39)
12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung 41
Schließlich ist unter der gemachten Voraussetzung auch JrhE = Jrh 23 und somit nach
Gl. (24)
(40)
Mit (37), (39) und (40) liegt ein Gleichungssystem vor, aus dem wir "P~ und 1p 2 eliminieren
können, worauf wir erhalten:
_fl_
/(0)
= {a(' + b('
a('
[1 + rhE(O)
P2(0) (bll
2
+ .::;.,~ b')]
2
_ p 2(0)
rhE(O)
bll} r5rhE
2 rh;/ 1 (0) . (41)
Wir setzen abkürzend
U _ {a(' + b;' [ + rhE(O) (b"2 + .::;.,~ b')]2 _
a('
1 p 2 (0) p 2 (0)
rhE(O)
b"}2 (42)
und können dann mit fmax als maximalem Öffnungsquerschnitt des betrachteten Ventils
und rhEo als größter Durchflußmenge durch die ganze Maschine Gl. (41) in folgender
Form schreiben : fj) = _fl_ = /(0) mEO U ( rj'fhE) (43)
- /max /max rh~'l (0) rhEo .
Wenn wir nun fordern, daß die Stellung des Servomotors und der in die Turbine
eintretende Dampfstrom rhE einander proportional sein sollen, so bedeutet dies offenbar
(44)
wo Cs die gemäß Gl. ( 12) definierte Stellungsabweichung des Servomotors ist. Damit
geht Gl. (43) über in
(45)

Der vor Cs stehende Faktor ist von dem betrachteten, durch 0 gekennzeichneten Be-
harrungszustand abhängig und gibt für die unmittelbare Umgebung desselben den
Zusammenhang zwischen Servomotorstellung und Ventilöffnung, d. h. also z. B. die
örtliche Steigung des Nockens, durch den der Servomotor die Ventilstellung diktiert.
Um den mathematischen Ausdruck für diesen Zusammenhang zu finden, mußte das
stationäre Verhalten der Regelstufe betrachtet werden.
Um das zeitabhängige Verhalten der Regelstufe zu gewinnen, muß analog überlegt
werden, wie dies für den i-ten Raum geschehen ist. Für den Raum 1" gilt also nach
Gl. (36) und (38)
dm('
----a;t = • 11
mE1
r5 f - b"
(0) f(O) 1 P1'' (0) "P1'' - [a111 P1"(0) "P111 - b"2 P2 (0) "P2 ] · (46)

Wenn man hier dm~' durch den Ausdruck nach Gl. (30) ersetzt, die Zeitkonstante
_ m('
t''1 = -.-
(0)
(47)
mEo
einführt und Jfff(O) durch das mit Gl. (43) definierte Verhältnis fJ> ausdrückt, erhält man
.![ d1p(' _ /rr.ax rh;{, (0) fj) _ a(' p;' (0) + b(' p(' (0) 11 + b~' P2(0) (48)
n dt - /(0) rhEo rhEo "P1 rhEo "P2·
Für Raum 2 lautet die Bilanzgleichung, wenn man die Relationen (35), (36) und (24)
heranzieht:
dm 2 J: • 11 + ~
? t =um 12 .::;., J: • '
um 12 -
J: •
um23
= [a~ p~(O) "P~- b~ P2(0) "P2J- P2(0) ~ b~ "P2- rhE(O) 1jJ2, (49)
oder nach Einführung der Zeitkonstante
t2 ~ m_2(0) (50)
mEo
mit GL (30) auch
t 2 d1p 2 a(' p;' (0) " rhJJ(O) + (b~' +}; b~) p 2(0) (51)
-n · -dt = m'JJ·o "P1 - m'EO "P2·
Mit den Gln. (48) und (51) ist das zeitliche Verhalten der Regelstufe beschrieben.
42 12. Regelung der Dampfturbinen

Die Leistung eines von i bis (i + 1) reichenden Turbinenteils ist


N;u+I) = m;<i+l) L1h;<i+l), (52)
die Leistungsabweichung also
bN;<;+tl = .dh;<i+tl(O) bm;(i+tl + m;u+~l(O) b(.dh;<;+~J). (53)
Mit hinreichender Genauigkeit läßt sich setzen
b(.dh;(i+tl) = [v;(O) bp;- V;+I(O) ()pi+I] 1'/iU+I)
= [p; (0) V; (0) 'lj!; - Pi+t(O) V; +1 (0) "Pi +1] f}; (i+l)' (54)
wo fJi(i+I) ein Mittelwert des Wirkungsgrades des betreffenden Abschnittes ist. Wir
erhalten also schließlich
bNI(I+l) = ml(i+l)(O) L1hi(i+I)(O) "Pi+ '/]i(Hl)[pj(O) v.(O) 'PI- PI+I(O) V;+J(O) 'Pi+I]m;(i+I)(O). (55)
~ ~ ~
Die gleiche Überlegung läßt sich auf die beiden parallelgeschalteten Teile der Regelstufe -
ungedrosselter Teil 1' 2 und gedrosselter Teil 1" 2 - übertragen. Wenn wir alsdann
die sämtlichen so erhaltenen t5NfN 0 summieren, können wir den so erhaltenen Ausdruck
t5N rfN 0 in GI. (22) einführen. So entsteht GI. (62) des nachfolgenden Gleichungssystems.
Damit liegen nun alle Unterlagen vor zur Aufstellung des Systems der Differential-
gleichungen, welches das Verhalten des Regelkreises beschreibt. Zur Vereinfachung der
Darstellung schreiben wir für die den Beharrungszustand kennzeichnenden Größen,
wie p;(O), mi(i+I)(O) usw. nur p;, mi(i+l)> .. . , da die Koeffizienten, mit denen die un-
bekannten Funktionen und ihre Ableitungen multipliziert werden, ausschließlich aus
Größen gebildet sind, die (wenn nicht ohnehin konstant) auf den Beharrungszustand 0
bezogen sind. Zum besseren Verständnis des Gleichungssystems, geben wir an, das Ver-
halten welches Teiles der Regelstrecke durch jede Gleichung ausgedrückt wird: (56) Flieh-
kraftregler, (57) Transmitter, (58) Servomotor, (59) und (60) Regelstufe, Gin. (61) Räume 3
bis n, (62) durch Leistungsschwankung diktierte Drehzahlschwankung.
2 d2f;. df; ).
tMr"""(lt2+ raf+Cr=sv; .(56)

tMt
2 d2f;,
dt2 + df;d/- + Ct = Cr; (57)
d2 r;, + t
t2Ms"""(jt2 df;, + r r . {58)
Ds([t ss=st,
d " + ( " + b") P1" " = _ U ~ + _2__1!_
t" .....J!!_ b" •
~
n dt mEO
a1
'IJ!I
1
l,s mEO 'IJ!2>
(59)
.2 d!J!2 + mE + (b~' + .E b~) P2 = al P! ". (60)
n dt 2 mEO 'ljl mEo "Pl '

: dJt + {1 - 1Xa + ßa) "Pa= 'ljJ2,


!.!...
n
d!J!;
dt
+ {1 -(X·+ ß·) 1 1
11!·
Tl
= 1/J·
Ti-
1
>
{61)

d!J!n + (1
nt,. dt - 1Xn + ßn) "Pn -_ "Pn -I>,

d 'P =
Tt 1
2tT No { (ai" PI" "PI" - "" b. 2I +
b"2P2 "P2 ) L1 h"I2 - P2 "P2 A h'I2...:;.,
+ 'fJ~2 m~2(P~ V~ 'lj!~ - P2 v2 "P2) - fJ~2(mE - m~2) P2 v2 "P2 +
+ m2a[Ah23 "P2 + 'f}2a(P2 V21J!2- PaVa "Pa)]+
+ mi(i+l) [Ahi(i+l) "Pi+ 'f/i(i+l) (p; v; "Pi- Pi+l vi+I "Pi+l)] +
12.8 Zur Dynamik der Dampfturbinenregelung 43

Wir haben nun ein System von (n +


4) linearen Differentialgleichungen mit kon-
stanten Koeffizienten vor uns, wobei v, C., Ct, C., 1p~, 1p 2 , 1p 3 ••• "Pn die unbekannten
Funktionen und fJN c(t) die einzige Störungsfunktion sind. - Man hat sich fJN c(t)jN 0
als kleine Störung zu denken, da sonst die Voraussetzungen der Theorie nicht mehr erfüllt
sind. ~ Die allgemeine Lösung eines solchen Gleichungssystems entsteht aus einer Über-
lagerung einer partikulären Lösung des Systems mit Störungsfunktion und der all-
gemeinen Lösung des Systems ohne Störungsfunktion (also des homogenen Systems); unter
einer Lösung ist dabei stets der vollständige Satz der gesuchten Funktion verstanden. Da-
mit Stabilität gewährleistet sei, ist es notwendig und hinreichend, daß sich die allgemeine
Lösung des homogenen Systems ausschließlich aus Gliedern aufbaut, die mit t abklingen
(periodisch oder aperiodisch). Daher geht die Stabilitätsuntersuchung vom homogenen
Gleichungssystem aus; die Kenntnis der Störungsfunktion ist nicht nötig. Die Bestim-
mung der Lösung des homogenen Systems geschieht in bekannter Weise durch Einsetzen
von Exponentialansätzen für die gesuchten Funktionen. Das so entstehende Gleichungs-
system hat nichttriviale Lösungen nur unter der Bedingung des Verschwindens seiner
Determinante, eine Bedingungsgleichung deren Wurzeln rv die sämtlichen Exponenten
der Ansätze 0 e~v t liefert, womit die Stabilitätsfrage beantwortet ist. Das Auffinden
dieser Wurzeln ist mit sehr leistungsfähigen elektronischen Rechenmaschinen möglich,
doch verfügt die Regelungstheorie auch über andere Mittel zur Überprüfung der Stabilität,
die eine effektive Lösung des Gleichungssystems nicht erfordern, vgl. darüber die ein-
schlägige Literatur, z. B. [24-27]. Im allgemeinen werden übrigens einzelne der Zeit-
konstanten des Gleichungssystems GI. (56) -(62) so klein, daß sie vernachlässigbar werden,
woraus entsprechende Vereinfachungen folgen.
Im Schema Abb. 2 ist kein Zwischenüberhitzer eingezeichnet. Trotzdem gelten die
angegebenen Gleichungen mindestens im normalen Betriebsbereich auch für Anlagen
mit Zwischenüberhitzung, denn das nach dem Zwischenüberhitzer angeordnete Regelventil
(Ventil 6, Abb. 12.7.7) entfernt sich aus seiner voll offenen Lage bei kleinen Regel-
schwankungen entweder gar nicht oder so wenig, daß dadurch kein fühlbarer Einfluß
entsteht. Der Zwischenüberhitzer spielt also einfach die Rolle eines der in Abb. 2 an-
gegebenen Räume, und zwar ist er ein besonders großer (große Zeitkonstante t;, etwa
4 ..;- 10 sec). Während aber für die anderen Räume der Polytropenexponent n annähernd
gleich dem Isentropenexponenten ist - n = 1,25 dürfte ein hinreichend genauer Wert
sein - ist für den Zwischenüberhitzer der Exponent der Isotherme zu setzen, also genügend
genau n =I.
Unsicher sind die Werte der ß;, welche das Schluckverhalten der Vorwärmer kenn-
zeichnen. Ihre Bestimmung erfordert selbst wieder eine kompliziertere dynamische Unter-
suchung; am besten erfolgt sie experimentell. Da aber keine sehr große Genauigkeit
erforderlich ist, kann die folgende grobe Näherung als Anhaltspunkt dienen. Es sei p;
der Dampfdruck im Vorwärmer, welcher der i-ten Anzapfstelle entspricht; p~ ist also
um den Druckabfall in der Verbindungsleitung tiefer als p;. Weiter seien Tc; die p~ zu-
geordnete Kondensationstemperatur, Tli die Eintrittstemperatur und T 2 i die Austritts-
temperatur des Speisewassers für den betrachteten Vorwärmer. Mit
(63)
ist dann
(64)

wobei die Werte für den Beharrungszustand einzusetzen sind.


Werden andere als Proportionalregler verwendet, sind die betreffenden Regler-
gleichungen entsprechend abzuwandeln. Wenn etwa der Servomotor mit einer Isodrom-
vorrichtung versehen ist, tritt an die Stelle von GI. (58) die Gleichung
tJ 3C,
t2Ms ddt3 +t J
d2C,
t Ds dj2 + (t + t Ds ) dt
J
dC, = dC,
t J(fi" + ,.
\,t• (58')
44 12. Regelung der Dampfturbinen

Hier tritt als zustäzliche Zeitkonstante die Isodromzeit tJ auf, die gebildet ist aus der
Elastizitätskonstante und der Dämpfungskonstante, welche die nachgiebige Rück-
führung (Isodromvorrichtung) kennzeichnen.
Bei Maschinen, die auf ein großes Netz arbeiten, ist die Frage naheliegend, ob über-
haupt Stabilität der Regelung gefordert werden müsse, denn man könnte sich vorstellen,
daß die anderen Maschinen die eine, die von sich aus instabil wäre, "festhalten'~. Nun wird
aber durch die ständigen kleinen Frequenzschwankungen das Regelsystem der Maschine
immer etwas gestört, worauf sie, wenn ihre Regelung instabil ist, mit starken Leistungs-
pendelungen reagiert. Diese sind nicht nur für die Wirtschaftlichkeit und Betriebs-
sicherheit der Maschine selbst höchst unerwünscht, sondern sie müssen auch durch die
übrigen Maschinen des Netzes ausgeglichen werden. Deshalb ist auch in einem großen
Netz stabiles Regelverhalten jeder einzelnen Einheit erforderlich.
In der Theorie ist der Einfluß der Drehzahlverstellvorrichtung nicht berücksichtigt
worden. Das wäre ein äußerer Eingriff von gleichem Charakter wie die aufgeprägte
Leistungsstörung ~N G(t), d. h. man erhielte eine zusätzliche Störungsfunktion im Glei-
chungssystem. Diese aber ist für die Betrachtung des Stabilitätsproblems belanglos.

12.9 Berechnung der Vberdrehzahlen


Nach den Angaben des Abschn. 12.7 müssen die Bedingungen gestellt werden, daß
die bei Vollastabschaltung auftretende Höchstdrehzahl unter der Grenze bleibt, wo der
Schnellschluß auslöst und daß andererseits die absolut höchste Drehzahl, die bei Vollast-
abschaltung und völligem Versagen der Regelung auftreten kann (also bei Auslösen des
Schnellschlusses), noch zu keiner Gefährdung der Maschine führt. Da gerade bei modernen
Maschinen die Einhaltung dieser Bedingungen nur durch sorgfältigste technische Maß-
nahmen gelingt, müssen diese Drehzahlerhöhungen vorausgerechnet werden, was in der
nachfolgend dargelegten Weise geschehen kann. Für die Durchführung der Theorie ist
es an sich gleichgültig, ob es sich um den normalen, bei Vollastabschaltung auftretenden
Regelvorgang oder um den Schnellschluß handelt. Die Theorie kann sogar unter nahe-
liegender Änderung der Bedeutung einzelner Symbole zur Berechnung der Drehzahl-
abweichungen bei beliebigen (positiven oder negativen) plötzlichen Laständerungen
herangezogen werden.
Die zu berechnenden Drehzahlerhöhungen sind bedingt durch die endlichen Schluß-
zeiten der Ventile und den Dampfinhalt der einzelnen Leitungen, Toträume usw. Deshalb
Pw müssen die Entspannungsarbeiten berechnet werden,
die durch die Dampfmengen geleistet werden, die in
den einzelnen Räumen enthalten sind, bzw. die wäh-
rend des Schließvorganges noch einströmen. Für diese
Untersuchung ist die Turbine wie in Abschn. 12.8 auf-
zufassen als ein System von hintereinandergeschalteten
Räumen, die durch Schaufelungen miteinander ver-
bunden sind, deren Durchflußverhalten durch das
Ps Kegelgesetz beschrieben wird. Der Dampfinhalt der
Schaufelungen selbst ist den genannten Räumen zu-
0 m zuschlagen. Allerdings muß im einzelnen ein etwas
Abb. 12.9.1 Ellipsengesetz für beliebige anderer Weg eingeschlagen werden als im voran-
Stufengruppe gegangenen Abschnitt, da die Linearisierungen, die
man im Rahmen der Stabilitätstheorie durchführt,
hier nicht zulässig sind. Im allgemeinsten Falle ist das Kegelgesetz der zwei Räume
verbindenden Schaufelung aus einer Ellipsenkonfiguration der in Abb. 1 dargestellten
Art zu bilden, d. h., es besteht ein von Null verschiedenes Schalldruckverhältnis

(l)
12.9 Berechnung der Überdrehzahlen 45
Es ist aus der Geometrie der Abb. 1 leicht zu verifizieren, daß das Durchflußgesetz dann
die Form
(2)

annimmt, wobei Index 0 den Vollastpunkt kennzeichnet, Index lX den Eintritt, Index w
den Austritt. Hierbei behält allerdings der Wurzelausdruck für Pa!Pw < a den konstanten
Wert
V (1 - a) 2 -
(1- a) 2
(Pwo!Pao- a) 2
bei. Mit a = 0, was in der Mehrzahl der Fälle mindestens näherungsweise verwirklicht
ist, geht (2) in das Gesetz 11.3 (16) über. Wir nennen im folgenden den Wurzelausdruck
"Ellipsenfaktor" E, schreiben also
(3)
wobei definitionsgemäß
E (P"')
PIX
=V
-
(1- a) 2
(1 - a) 2 -
- (Pw!Pa- a) 2
(Pwo/P!Xo- a) 2
für 1!.!:!...
p!X
~ a, 1
V ~ (4)
E ( Pw) = (1 - a) 2 für Pw
p".-
< a. J
PIX - (1 - a) 2 - (Pwo/P"o- a) 2

Hierbei sind die Rückwirkungen der Eintrittsenthalpie und der Drehzahl vernachlässigt,
was im Rahmen einer solchen Untersuchung zulässig ist.
Nun betrachten wir z. B. den Raum zwischen einem Regelventil und dem Leitrad
der Regelstufe, dessen Volumen V 1 ist und der die Dampfmenge
( 5)

enthält. Wir setzen voraus, daß die Zustandsänderung in diesem Raume im Verlaufe
des untersuchten Vorganges polytropen Charakter habe und durch den Polytropen-
exponenten n gekennzeichnet sei. Dann wird mit

( 6)
aus (5)
(7)

Ist weiter rh 0 die Dampfmenge, die im Vollastpunkt je Zeiteinheit durch den Raum V1
strömt, so ist offenbar _ mlo
t 1 =-.- (8)
mo
die "Füllzeit" des Raumes V1 , d. i. die mittlere Verweilzeit eines Dampfteilchens in
ihm. In einem beliebigen Zeitpunkt t wird nun der Dampfzufluß zu V1 den Betrag
mJt' = rh 0 cp (t) (9)
haben, wo die Funktion cp im allgemeinen einen Wert kleiner als Eins hat, bei geschlos-
senem Ventil Null wird und in ihrem Verlauf vom Schließgesetz des Ventils abhängt.
Herrscht im Zeitpunkttin V1 der Druck p 1 (t), so ist andererseits die abströmende Dampf-
menge
rhl' = rho .l!l. E
PIO
(h.),
P!
(10)

wo p 2 der Druck nach der Regelstufe ist und die E-Funktion derselben als bekannt vor-
auszusetzen ist. Nun gilt offenbar
dm-
-
dt
-
1 _
m"
•. /
- m/"
• .,. P1 E ( -P2
= m• 0 [ cp (t) - -
P1o P1
)l • (11)
46 12. Regelung der Dampfturbinen

Weiter ist aber nach (7)


1
(PI )
(1L)
d
(.12.) =
--1
dm 1 = m 10 !:_ m 10 dtfu
n (I2)
dt n Pio dt p 10 n " 1 '

so daß durch Gleichsetzung von (ll) und (I2)

d (PI )
Ttp;;;
n 1 (I3)
n

Mit der Abkürzung


... , (I4)

und der Definition (8) der Füllzeit wird aus (I3)

(I5)

womit die Differentialgleichung für die Druckänderung im betrachteten Raum gefunden


ist. Man beachte, daß die E-Funktion für das Argument n2 P2o/n1 p 10 zu bilden ist. Zur
[
Vereinfachung der Schreibweise deuten wir dies mit
E (n 2 /n 1 ) an. Bei der graphischen Darstellung der
E-Funktion, Abb. 2, kann demgemäß außer der
Emax
1 ---
Skala p 2/p 1 auch eine solche für n2/n1 angegeben
werden. In gleicher Weise läßt sich die E-Funktion
angeben für irgendeinen Schaufelungsabschnitt, wo-
bei die Skalen Pi+ 1 fp; bzw. :n:;+ljn; darstellen.
An sich gilt eine solche Beziehung für jede Düsen-
gruppe einzeln. Meist wird man sich aber für den
Fall interessieren, wo zunächst alle Düsengruppen
voll offen sind und miteinander gleichzeitig schließen.
0 '----=u=-Pco-=--";p=-
10
--------L-pzlp 1 Hierbei kann man normalerweise das ganze System
als einen Raum mit einem Absperrorgan betrachten.
0 2 1t2 /Jt1 Über den Polytropenexponenten n muß eine Schät-
Abb. 12.9.2 "Ellipsenfaktor" E in Funk- zung gemacht werden. Günstigste Verhältnisse, d. h.
tion des Druckverhältnisses kleinste Überdrehzahlen erhält man mit der An-
nahme isentroper Zustandsänderung, also n = x. Sie
kann der Wirklichkeit nicht völlig entsprechen, weil der bei der Entspannung sich ab-
kühlende Dampf von den noch heißen Wandungen Wärme aufnehmen wird. Außerdem
wird, solange das Ventil nicht völlig geschlossen ist, gedrosselter Frischdampf in den Raum
übertreten, was eine weitere Erhitzung bewirkt. Die entgegengesetzte Extremannahme,
nämlich isotherme Zustandsänderung wäre sicher nach der anderen Richtung falsch,
lieferte also zu große Überdrehzahlen. Demgemäß muß n so gewählt werden, daß man
zwischen diesen beiden Grenzfällen liegt. Es sei etwa für Heißdampf n = l,I5 bis I,2
empfohlen. Sehr große Fehler können nicht entstehen, da selbst für die beiden Extrem-
fälle die Ergebnisse nicht allzuweit auseinanderliegen.
Für einen zwischen zwei Schaufelungsabschnitten liegenden Raum (z. B. Verbin-
dungsleitung) läßt sich die Überlegung in genau gleicher Weise wiederholen, nur ist
für die einströmende Menge anstelle eines Gesetzes der Art (9) ein Ansatz der Form (IO)
zu machen. Man erhält dann in Analogie zur Gl. (I5) die Differentialgleichung

a;; = ~ n;n~l [ni-1Ei-1,iC~~~J-niEi,i+lc·~~;l )]· (I6)


Hier verweist i auf den betrachteten Raum, i - I auf den ihm vorausgehenden, i I +
auf den ihm nachfolgenden. Die E-Funktionen sind ebenfalls durch Indizes gekenn-
12.9 Berechnung der Überdrehzahlen 47
zeichnet, da jeder Schaufelungsteil ein besonderes Ellipsengesetz befolgt. Es stellt also
z. B. E;- 1 ,; das Ellipsengesetz des Schaufelungsteiles zwischen den Räumen i - 1 und
i dar.
Weiter können an einem Raum zusätzliche Abzweigungen anschließen. Dann ist in
der eckigen Klammer in (16) ein entsprechender Ausdruck zu subtrahieren, dessen
Aufbau aus dem Verhalten des betreffenden Verbrauchers hervorgeht. Gleichzeitig ist
zu berücksichtigen, daß durch den anschließenden Schaufelungsteil auch im Auslegungs-
punkt nicht die volle in den Raum einströmende Menge abströmt. Es sei eine Größe ai
für den betrachteten Raum definiert durch a; =Abgezweigte Menge/Zuströmende Menge,
wobei beide Mengen für den Auslegungspunkt einzusetzen sind. Dann ist in (16) E;, i+ 1
noch mit (1 - a;) zu multiplizieren. Im praktisch häufigsten Fall, wo die abgezweigte
Menge zum Speisewasservorwärmer strömt, ist folgendermaßen zu überlegen. Es kann
angenommen werden, daß sich der Temperaturzustand des Vorwärmers während der
kurzen Dauer des betrachteten Vorganges nicht ändere. Außerdem ist der Dampfinhalt
des Vorwärmersystems sehr erheblich, so daß die Druckabsenkung im Vorwärmer der-
jenigen an der Anzapfstelle nicht zu folgen vermag. Deshalb wird praktisch der ab-
gezweigte Strom vollständig unterbrochen, sobald der Druck an der Anzapfstelle ab-
gefallen ist um einen Betrag, der gleich dem normalen Druckabfall zwischen Anzapfstelle
und Vorwärmer ist. Das Rückströmen von Dampf wird durch ein Rückschlagorgan
vermieden. Dieses Verhalten kann in folgender Weise ausgedrückt werden:

(17)

cx - a· P10
'- '
-p
'
Llp;
-
-

1-n1
'LlpdP10
für 1 - ni Llp-
~--',
P;o
l
(18)
cx; = a; für 1-
Llp.
n; ~ - - ' .
P1o I
Hierbei ist L1 p; der Druckabfall im Vollastpunkt zwischen der Anzapfstelle und dem Vor-
wärmer. Ist p um mehr als LJp; vom ursprünglichen Wert aus abgefallen, so daß cx; = a;,
so ist in (17) das Durchflußverhalten offensichtlich nach den obigen Überlegungen korrekt
formuliert. Im Vollastpunkt kann das Zusatzglied für die Anzapfmenge gerade dadurch
berücksichtigt werden, daß cx; = 0 gesetzt wird, denn die Anzapfung wirkt gleich wie
eine anschließende Schaufelupg, welche die volle Menge schlucken würde. Nimmt man
weiter den Übergang zum Zustand völliger Absperrung der Anzapfung linear an, so
entsteht das durch (18) angegebene Gesetz.
Auf Grund dieser Überlegungen kann für jede Turbinenanlage ein vollständiges
System von Differentialgleichungen angegeben werden, das den zeitlichen Verlauf der
Drücke an den verschiedenen Punkten beschreibt. Als Beispiel betrachten wir die
Anordnung nach Abb. 3, eine Anlage mit Zwischenüberhitzung. Für die einzelnen
Räume, deren Numerierung aus Abb. 3 hervorgeht, gelten dabei die folgenden Glei-
chungen:
(19)

.!.':..n2 n~
1
dn'! =
dt t2
[n1E12 (~)-
n
n2 E2a (~)].
1 n 2
(20)

n 3 = const = 1, (21)
n-1
dn4 = t;
dt n n4- n [ f{! "(t) - n4 E 4 5 (n;
n5 )] , (22)

dd~5 = ~
n-1
n 5 _n_ L_! ct
45
n 4 E 45 ( ::) - (1- cx 5 ) n 5 E 56 ( : : )]. (23)

n 6 = const = 1 . (24)
48 12. Regelung der Dampfturbinen

Hier beschreiben q/ und q/' die aus den Schließgesetzen der Regel- und Abfangventile
folgenden Durchflußgesetze. lXs ist die gemäß {18) der Anzapfung aus dem Raum 6 zu-
geordnete Größe, während tX 4 5 der Anzapfung zwischen den Räumen 4 und 5 zugeordnet

Abb. 12.9.3 Schema der Dampfräume einer Anlage mit Zwischenüberhitzung

ist. Sind a 45 die relative Anzapfmenge, p 45 , 0 der Druck an jener Anzapfstelle und L1p 45
der Druckabfall bis zum Vorwärmer, alles bei Vollast, so ist hinreichend genau
lX4s = a,s A
1-:n4
I wenn 1 - :n:, --- Llp4 5
2 --, sons t lX 45 = a 45 ,
LJ P4 s P45.o P4s.o
weil der Druck an der Anzapfstelle annähernd proportional p 4 ändert. Der Fehler liegt
auf der sicheren Seite, denn die Anzapfung wird in Wirklichkeit etwas weniger schnell
unterbrochen. Der Faktor 1/{1 - tX 45 ) folgt daraus, daß eine Unterbrechung der An-
zapfung eine Vergrößerung des Zuflusses zum Raum 5 bedingt. GI. {21) spricht aus, daß
während der Zeitspanne, die der ganze Entleerungsvorgang der Turbine in Anspruch
nimmt, der Druck im Zwischenüberhitzer praktisch noch nicht ändere, d. h. daß seine
Füllzeit groß sei im Vergleich mit den Füllzeiten der Turbinenräume. Wo dies nicht
hinreichend genau der Fall wäre (z. B. indirekt mit flüssigem Metall beheizter Zwischen-
überhitzer), könnte man eine entsprechende Bilanzgleichung für den Zwischenüberhitzer
formulieren. Auch der Kondensatordruck ist mit GI. (24) als während der Zeit des Vorgangs
hinreichend genau konstant vorausgesetzt. Weiter ist im Gegensatz zu der Darstellung
unter 12.8 hier das Volumen der Anschlußräume der Anzapfungen zwischen 4 und 5
und zwischen 5 und 6 als vernachlässigbar klein angenommen, was oft zulässig ist und
zu den entsprechenden Vereinfachungen des Gleichungssystems führt. Die Verallgemeine-
rung wäre in naheliegender Weise durchführbar. Bei Naßdampfturbinen für Atomkraft-
anlagen, bei denen zwischen einzelnen Gehäusen ein Wasserabscheider angeordnet ist,
muß nicht nur der Dampfinhalt dieser Abscheider berücksichtigt werden, sondern
namentlich auch ihr Wasserinhalt, der bei der Druckabsenkung teilweise verdampft.
Auch der Wasserfilm an Gehäusewandungen, der bei der Absenkung des Druckes ver-
dampft, ist bei Naßdampfturbinen zu berücksichtigen.
Unser Gleichungssystem zerfällt offensichtlich in zwei unabhängige Systeme von je
drei Gleichungen, nämlich (19) bis (21) und (22) bis (24), von denen je eine trivial ist,
so daß zwei Paare gekoppelter Differentialgleichungen vorliegen für die Funktionen n 1
und n 2 bzw. n 4 und n 5 . Dazu kennen wir für t = 0 die Anfangsbedingungen
n 1 (0) = n2 (0) = :n:, (0) = n 5 {0) = 1. {25)
12.9 Berechnung der Überdrehzahlen 49
Damit ist das Problem mathematisch vollständig formuliert. Für die Auflösung der
Gleichungssysteme dürfte praktisch nur die Differenzenrechnung in Frage kommen.
Man ersetzt also das Zeitdifferential durch eine endliche Zeitspanne L1 t und dement-
sprechend die d ni durch Differenzen L1 ni, multipliziert die vier Gleichungen mit L1 t
und erhält so vier Beziehungen für die L1 ni, also z. B. für (19)
n-1
L1 n 1 = ~1 t n n 1_n_ [ <p' (t) - n 2 E 23 ( :: ) ] (26)

und analog für (20), (22), (23). Sind für einen Zeitpunkt t alle ni bekannt, so sind alle
L1 ni berechenbar, wie (26) am Beispiel von L1 n 1 zeigt, womit die Werte ni für t L1t +
aufgefunden sind. So kann vom bekannten Anfangszustand ausgehend die Lösung
Schritt für Schritt gewonnen werden. Bei großen Änderungen der ni im betrachteten
Zeitintervall empfiehlt es sich, die Rechnung zu berichtigen durch nochmaliges Be-
stimmen der L1 ni, wobei man für die ni Mittelwerte für die Zeit L1 t einsetzt, die aus der
ersten Näherung folgen.
Bei der Durchführung der Rechnung entsteht insofern eine gewisse Schwierigkeit,
als im Augenblickt = 0 noch Beharrungszustand herrscht, so daß alle L1 ni = 0 werden.

r.
Dies kann man in folgender Weise umgehen. Man setzt z. B. in Gl. (19)

q/ (t) = 1- 0 (~ (27)
Mit den beiden Konstanten 0 und b kann man das gegebene <p'-Gesetz mindestens für
eine erste Zeitspanne genügend genau wiedergeben; meist genügt der Ansatz (27) sogar
für die vollständige Darstellung des Gesetzes. Da auch ganz kurz nach Beginn des Vor-
ganges die sämtlichen ni und somit auch die E noch von Eins kaum verschieden sind, läßt
sich mit Gl. (27) für Gl. (19) setzen
d:n:l = -!!:.. 0 (.!...)b· (28)
dt 4 4
Mit der Anfangsbedingung n 1 (o) = 1 erhält man
_ _ nO(t/t1 )b+l
nl- 1 b +
1 ' (29)

womit der n 1 -Verlauf im ersten Zeitintervall gegeben und die Differenzenrechnung ein-
geleitet ist. Wenn nötig könnte hiervon ausgehend der Ausdruck in eckiger Klammer
in Gl. (20) für die Anfangsphase des Vorganges berechnet und in einer zu GI. (27) analogen
Form dargestellt werden, worauf der n 2 -Verlauf in gleicher Weise berechenbar wäre.
Auch die schrittweise Verbesserung durch nochmalige Durchrechnung mit den bereits
bestimmten ni-Verläufen ist möglich. - Mit dem Gleichungssystem (22), (23) ist analog
zu verfahren.
Aus dem Verlauf der Drücke an den verschiedenen Punkten in Funktion der Zeit
läßt sich sogleich auch die Arbeit gewinnen, die während des betrachteten Vorganges
an den Rotor abgegeben wird. Während der Zeitspanne dt empfängt der Rotor die Arbeit
dL = ~ mi rJi L1isi dt, (30)
i

so daß er vom Beginn bis zum Zeitpunkt t die Arbeit


t
L(t) = ~ j mi 'l}i L1isi dt (31)
' 0

aufnimmt. Hier ist mi die Masse, die pro Zeiteinheit durch den Abschnitt zwischen i
und i + 1 strömt, 'l}i der innere Wirkungsgrad und L1 is i das isentrope Enthalpiegefälle
des Abschnittes. Diegenaue Definition von 'l}i lautet

(ii+ %) - (ii+l + ~) (32)


r]i=
L1 i,,
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 4
50 12. Regelung der Dampfturbinen

wobei c; die Eintrittsgeschwindigkeit und C;+ 1 die Austrittsgeschwindigkeit des Ab-


schnittes sind. Eigentlich müßte 'YJ; für jeden Augenblick entsprechend dem momentanen
Strömungszustand durch den betrachteten Abschnitt eingesetzt werden. Praktisch wird
es genügen, näherungsweise den im Normalpunkt gültigen Wert für 'YJ; einzusetzen.
Tatsächlich wird der weitaus größere Teil der Arbeit mit einem Wirkungsgrad ab-
gegeben, der von demjenigen im Normalpunkt nur wenig abweicht. Außerdem liegt der
Fehler auf der sicheren Seite, da in Wirklichkeit der Wirkungsgrad schlechter, die Arbeit
also kleiner wird.
Der augenblickliche Wert der Durchflußmenge m; ist in gleicher Näherung wie früher
m; Pt E (-
• = m;o-
• PI+-
I )
= m;o

n; E i,i+l· (33)
P1o P1
Die n; und E;, i+l sind aus der früheren Rechnung in Funktion von t bekannt. Ferner
kennt man aus
Pi= Pion; (34)

die sämtlichen p; in Funktion der Zeit und kann damit aus dem is-Diagramm für jeden
Zeitpunkt die .LI i. i ablesen. Man beachte, daß jedem p; vermöge des angenommenen
Polytropengesetzes das spezifische Volumen
1
V;= V;o 'Jlj n (35)
zugeordnet ist, womit der Zustand eindeutig festliegt. Hingegen führt die Entspannung
von Pi auf Pi+l unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades nicht notwendig auf das
aus dem Polytropengesetz folgende V; +I, da dieses Gesetz auch Wärmeübertragung an
den Wandungen mitumfaßt.
Mit den Relationen, GI. (33), (34) und (35) und der Lösung des Gleichungssystems,
die wie oben erklärt durch Differenzenrechnung gefunden wird, läßt sich der Integrand
von GI. (31) für jeden Zeitpunkt berechnen und somit auch L(t) aus dieser Gleichung
finden. Nun sei w(O) die Winkelgeschwindigkeit zu Beginn des Vorganges, also z. B.
im Augenblick des Auslösens der Schnellschlußvorrichtung (genauer eigentlich in dem
Zeitpunkt, wo sich das Ansprechen des Schnellschlusses an den Regelventilen bemerkbar
macht!), t9 das Trägheitsmoment des ganzen Läufersystems nach GI. 12.7 (1). Dann
ist in einem beliebigen Zeitpunkt die Winkelgeschwindigkeit w (t) gegeben durch die
Energiegleichung
(36)

Vermöge GI. 12.7 (2) ist dies auch darstellbar in der Form

w2 (t) = w2 (0) + w~ tiJo' (37)

womit unser Problem gelöst ist. Das höchste w ergibt sich praktisch für das t, wo alle Pi
bis auf den Enddruck abgesunken sind (im HD-Teil von Zwischenerhitzungsanlagen bis
auf den Druck im Zwischenüberhitzer). - Die ganze Rechnung läßt sich gut der elek-
tronischen Rechenmaschine anpassen, da auch das Zustandsverhalten des Dampfes, wie
es durch das is-Diagramm wiedergegeben wird, durch Ansätze ausdrückbar ist, die in die
Maschine eingegeben werden können.
Das Verfahren liefert nicht nur den Höchstwert von w, sondern es gestattet darüber
hinaus die Bestimmung des ganzen zeitlichen Verlaufes, wofür man sich aber meist
weniger interessiert. Es ist daher beachtenswert, daß eine wesentliche Abkürzung der
Rechnung möglich ist, wenn nur das maximale w gesucht ist. Sobald nämlich einmal
alle Ventile geschlossen sind, ist die Verfolgung der weiteren zeitlichen Veränderungen
unnötig. Um dies zu erkennen, betrachten wir das System, Abb. 4. Gegeben ist ein ge-
schlossener Raum V1 , der die Dampfmasse m mit einem Druck p 1 und einer inneren
Energie u 1 (pro Masseneinheit) enthält. Nun gebe man durch eine Turbinenschaufelung
12.9 Berechnung der Überdrehzahlen 51
hindurch den Durchtritt nach einem zweiten Raume frei, in welchem der konstante
Druck p 2 herrsche, der kleiner sei als PI. Bei dem nun folgenden Druckausgleich sinkt
die innere Energie des ursprünglich im Raume V I eingeschlossenen Dampfes von ui
auf u 2 • Die Abnahme dieser inneren Energie ist bedingt einerseits durch die Arbeits-
abgabe an die Turbinenschaufelung, andererseits durch die Verschiebungsarbeit, die an
dem Dampf zu leisten ist, der ursprünglich schon im Auspuffraum war. Diese Verschie-
bungsarbeit hat den Betrag
P2 m(v2- vi)·
Daher ist die an die Schaufelung abgegebene Arbeit
L = m[(ui- u2)- P2(v2- vi)]
Pr
oder wegen
ui = ii - PI vi ,
auch
(38) Abb. 12.9.4 Ersatzsystem, bestehend
aus geschlossenem Raum V1 und an-
Allerdings liegt L damit noch nicht eindeutig fest, denn schließender arbeitaufnehmender
es wurde noch nichts gesagt über den Charakter der Schaufelung
Zustandsänderung, die vom Zustand I zum Zustand 2
führt; lediglich, daß sie adiabatisch sei, ist bei der Aufstellung der Energiebilanz implizite
vorausgesetzt worden. Die Entspannung der verschiedenen nacheinander die Schaufelung
durchströmenden Dampfteilchen wird aber im allgemeinen mit verschiedenen Wirkungs-
graden erfolgen, und die Expansion des im Raume V I verbleibenden Restes erfolgt ihrer-
seits mit anderen Verlusten. Es wäre also i 2 in GI. (38) eigentlich aufzufassen als ein
über die ganze Masse m erstreckter Mittelwert, der erst aus einer Untersuchung der
Einzelvorgänge zu gewinnen wäre. Praktisch wird es jedoch genügen, den ganzen Vor-
gang zunächst als rein isentrop zu betrachten, womit i 2 eindeutig festliegt. Die so be-
rechnete, sicher zu große Arbeit L ist alsdann mit einem entsprechenden mittleren
Wirkungsgrad zu multiplizieren, der geschätzt werden muß.
Vom Augenblick an, wo alle Ventile geschlossen sind, ist die Turbine auffaßbar als
ein System von solchen Räumen, deren Dampfinhalte durch Schaufelungen hindurch
in die Austrittsräume (Kondensator, Zwischenüberhitzer, Gegendrucknetz) abströmen.
Daß die Räume hintereinandergeschaltet sind, ist bis auf Nebeneffekte unwesentlich.
Jedes Teilchen expandiert schließlich arbeitleistend bis auf den gemeinsamen Enddruck,
so daß das System auch aufgefaßt werden kann wie eine Anzahl von parallelgeschalteten
Systemen der Art, Abb. 4. Es sei nun t. der Zeitpunkt, in dem alle Ventile geschlossen
sind. Dann ist nach GI. (7) und (8) die Masse m;, die im Raume V; eingeschlossen ist,
) I

m; = m;o 'lt;n = mi-I 0 t; 'lti-;,• (39)


m;-I,o ist die Masse, die dem Raume V; im Normalpunkt pro Zeiteinheit zuströmt. Sie
ist nicht notwendig identisch mit der Masse m; 0 , die aus ihm durch die anschließende
Schaufelung hindurch abströmt, da eine Anzapfung aus dem Raume V; vorgenommen
werden kann.
Damit ergibt sich nun das folgende abgekürzte Verfahren zur Berechnung der größten
Winkelgeschwindigkeit Wmax· Man löst das Gleichungssystem für die n; [also z. B. das
System GI. (19) bis 24)] durch Differenzenrechnung nur bis zu dem Zeitpunkt t., in
dem alle Ventile geschlossen sind und erhält so auf die früher angegebene Weise
t,
L(t.) = ~ Jm; 1'/i L1i.; dt. (40)
' 0
Weiter setzt man
1
Lmax = L(t.) + 1:I ij; mi-1 , 0 t; '11:;-;,[i;(t.. ) - isA i - (p; - PA)V;(t.)]. (41)
4*
52 12. Regelung der Dampfturbinen

Hier sind ii(t,) und vi(t.) die Enthalpie und das spezifische Volumen des Dampfes, der
in t, im Raume V; eingeschlossen ist; isAi ist die bei isentroper Entspannung von diesem
Zustand aus bis zum gemeinsamen Austrittsdruck PA entstehende Endenthalpie. ij; ist
der geschätzte mittlere Wirkungsgrad dieses Entleerungsvorganges. Meist wird hin-
reichend genau für alle Vi dasselbe ij; eingesetzt. Damit erhält man schließlich

Wmax
2
= W
2 (0} + Wo tTNo •
2 Lmax (42)

Bei Anlagen mit Zwischenüberhitzung ist als PA für alle der Zwischenüberhitzung
vorgeschalteten Teile der Zwischenüberhitzungsdruck zu setzen. Dieser sinkt zwar mit
großer Verzögerung ab, so daß das Schema, Abb. 4, hier eigentlich nicht zutrifft, doch
ändert er sich während der kritischen Phase des Vorganges - bis Wmax erreicht wird - nur
sehr langsam, so daß hinreichend genau mit einem konstanten Wert gerechnet werden
kann, den man zur Vorsicht relativ tief einschätzen wird. Die weitere langsame Druck-
absenkung im Zwischenüberhitzer bis auf den Leerlaufwert bewirkt zwar eine Fort-
setzung der Entleerung der Räume der HD-Turbine, die aber praktisch keine Arbeits-
abgabe an den Turbinenläufer mehr zur Folge hat, denn der Dampfdurchtritt durch
die Schaufelung erfolgt so langsam, daß der Wirkungsgrad im allgemeinen sogar negativ
werden kann.
Für rasche Abschätzungen genügt sogar die folgende weiter vereinfachte Berechnungs-
methode. Anstatt den Vorgang während des Schließens der Ventile in seinen Einzelheiten
mo.-~-------,---------,------~--,----------,
% HD- Regelrenftle
~
~ ~~--~----~---------4----------+----------i
<::
~
0~--~~--~--------~--------~--------~
100 I
o.z ~ks
"'o MO- Rege/renfile(Abfangrenftle)
~ I
~ 50
~
0
mchls\
I
.___ zoo
V An- 21Z U/min, t- ZB9 sec
]min-~
~ 100
/
'~ / 1 z 3 sec
t-
Abb. 12.9.5 Drehzahlverlauf beim Abschaltversuch an einer Turbine von Siemens, nach TRÖSCHER [23]

zu verfolgen, nimmt man an, daß die Ventile während der Zeitspanne t./2 voll offen-
bleiben und dann plötzlich vollständig schließen. Alsdann folgt die Entleerung nach
dem Schema, Abb. 4. In diesem Falle kann man unmittelbar GI. (41) formulieren, wobei
man lediglich L (t.) durch N 0 t,
-2-

ersetzt und für die Pi• vi, ii die Werte des Normalpunktes einsetzt.
GI. (41) nimmt dann die Form
Lmax = N~t, + ~iji rhi-1,0 ti[iio- isAi- (Pio- PA) Vio] (43)
an. t

Diese Rechnung wurde beispielsweise ausgeführt für eine Turbine mit N 0 = 120 MW,
n = 3000 Ufmin, deren Schaltung der Abb. 3 entspricht. Die Trägheitszeit des Rotor-
systems (einschließlich Generator) sei tr = 4,0 sec, und die Drücke und Dampfmengen
in den einzelnen Räumen seien im Normalpunkt:
I2.9. Berechnung der Überdrehzahlen 53

I
p m p m
Raum
I bar
I kg Raum bar
I kg

I I 55 7,00 4 27 4,05
2 I25 I4,00 5 6,5 7,90
3 I 30 - 6 0,04 -

Ferner wurde angenommen, der Schnellschluß löse aus bei 10% Überdrehzahl, also
bei 3300 U fmin. Alsdann vergehe eine Zeit von 0,1 sec bis die Ventile zu schließen be-
ginnen und eine weitere von 0,2 sec bis sie ganz geschlossen sind. Nach der Rechnung
entsteht dann eine höchste Drehzahl von 3392 Ufmin, d. h., wir erhalten insgesamt
eine Überdrehzahl von 13,1%. Beispiele gemessener Drehzahlverläufe bei Abschalt-
versuchen geben etwa ÜBERLE [21], RAAB [22], TRÖSCHER [23]. Die Ergebnisse nach [23]
zeigt Abb. 5. Dabei handelt es sich um eine von Normaldrehzahl ausgehende Vollast-
abschaltung, die von der normalen Regelung aufgefangen wird, ohne daß die Sehneli-
schlußvorrichtung zur Auslösung kommt. Das Diagramm zeigt auch die Schließbewegung
der Ventile.

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Bypass in Reducing Thermal Stress Gradients in Steam Turbines. Trans. ASME, J. of Engineering for
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VDI-Z. I05 (1963) S. 775-781 u. 809-8I6.
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Nr. I/2, S. I7.
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s. 95-I09.
[23] TRÖSCHER, H.: Lastabschaltversuche an Kraftwerksblocks. Siemens-Z. 37 (I963), H.IO, S. 712-720.
[24] LEONHARD, A.: Die selbsttätige Regelung, 3. Aufl. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Springer 1962.
[25] HÄNNY, J.: Regelungstheorie. Zürich: Leemann 1947.
[26] ÜPPELT, W.: Kleines Handbuch technischer Regelvorgänge, 4. Aufl. Weinheim: Verlag Chemie 1964.
[27] KLEINAU, W.: Regeldynamik von Dampfturbinen mit Zwischenüberhitzung. BWK I7 (1965) S. 304-306.
54 13. Regelung der Turboverdichter

13. Regelung der Turboverdichter


13.1 Regeleingriffe
Das Problem der Regelung der Turboverdichter ist vielgestaltig, weil nicht nur die
Charakteristiken der Verdichter selbst untereinander große Unterschiede aufweisen,
sondern auch die Eigenschaften der Verbrauchersysteme und der Antriebsmaschinen
sehr verschieden sind. Dementsprechend sind sehr verschiedene Regelverfahren not-
wendig, die nachfolgend angegeben werden.
Regelung durch Veränderung der Drehzahl. Ein möglicher Eingriff besteht darin,
die Drehzahl der jeweils verlangten Fördermenge anzupassen. Da aber der erzengbare
Druck ebenfalls stark von der Drehzahl abhängt - vgl. die Ausführungen unter Ab-
schnitt 11.7 -, ist dieses Verfahren nur dort anwendbar, wo der Verbraucher zugleich
mit abnehmender Menge auch einen wesentlich verminderten Druck verlangt. Außer-
dem muß die Antriebsmaschine diese Drehzahländerung zulassen, was der Fall ist bei
Dampf- oder Gasturbinen, jedoch im allgemeinen nicht bei elektrischem Antrieb. Der
eigentliche Regeleingriff wird hier an der Antriebsmaschine vor-
genommen, und die sich einstellenden Betriebszustände ergeben
sich aus dem Zusammenwirken der Charakteristiken von An-
triebsmaschine, Verdichter und Verbraucher, wie in Kap. 14 am
Beispiel der Gasturbine gezeigt wird. · Grundsätzlich ist die Re-
gelung durch Drehzahländerung ein wirtschaftliches Verfahren.
Saugdrosselregelung. Manchmal kann die gestellte Regel-
aufgabe durch Anordnung eines einstellbaren Drosselorgans in
der Saugleitung des Verdichters gelöst werden, vgl. Abb. I.
Damit läßt sich bei unveränderlicher Drehzahl die Fördermenge
Abb. 13.1.1 Schema der vermindern, wobei im allgemeinen gleichzeitig auch der Förder-
Saugdrosselregelung druck absinkt. Es kann dabei allerdings nur so weit gegangen
werden, wie es die Pumpgrenze erlaubt. Da gedrosselt wird, ist
dieser Eingriff stets mit mehr oder weniger großen Verlusten verbunden, also an sich
unwirtschaftlicher als die Regelung durch Drehzahländerung.
Regelung durch Abblasen oder Umblasen. Für den Turboverdichter ausgesprochen
ungünstige Bedingungen liegen vor, wenn der Verbraucher bei unveränderlichem oder
wenig veränderlichem Druck eine stark variierende Menge verlangt. Dann ist weder

a b
Abb. 13.1.2 Abb. 13.1.3
Regelung durch Abblasen (a) bzw. Umblasen (b) Regelung durch Zwischenabblasen
(besonders für Pumpverhütung)

Drehzahlvariation noch Saugdrosselung möglich, und eine Verminderung der Liefer-


menge ist oft nur erreichbar durch Abblasen einer mehr oder weniger großen Teilmenge
nach Austritt aus dem Verdichter. Diese Teilmenge kann dabei ins Freie oder - z. B.
wenn das betreffende Gas nicht verlorengehen darf - zurück in den Saugstutzen ge-
leitet werden, vgl. Abb. 2. Im letzteren Falle spricht man von Umblaseregelung. Solche
Arten der Regelung sind natürlich sehr verlustbehaftet.
13.1 Regeleingriffe 55

Bei Verdichtern mit steiler Charakteristik (besonders Axialverdichtern), kann es not-


wendig werden, bei bestimmten Betriebszuständen gemäß Abb. 3 zwischen zwei Stufen
abzublasen. Dies ist z. B. bei Gasturbinen während des Anlaßvorganges im Gebiet sehr
kleiner Drehzahlen manchmal der Fall.
Regelung durch Rekuperationsturbine. Die großen Verluste, die beim Abblasen
oder Umblasen entstehen, lassen sich auf einen Bruchteil vermindern, wenn die nicht
zum Verbraucher abströmende
Teilmenge in einer sog. Reku-
perationsturbine arbeitleistend
entspannt wird. Diese Menge
kann alsdann ins Freie ent-
weichen, Abb. 4a, oder in den
Saugstutzen zurückgeführt wer-
den, Abb. 4 b. Den wesentlich
wirtschaftlicheren Betrieb bei
kleinerer Liefermenge erkauft
man hierbei durch eine kompli- a b
ziertere Anlage. Auch wird die Abb. 13.1.4 Regelung durch Rekuperationsturbine
Leistungsaufnahme bei voller a) mit Abblasung, b) mit Umblasung
Fördermenge durch das Mit-
laufen der Rekuperationsturbine erhöht. Deshalb wird diese Turbine manchmal ab-
kuppelbar ausgeführt,· so daß die Anlage auch ohne sie betrieben werden kann, sobald
für eine längere Betriebsperiode die volle Menge benötigt wird.
Regelung durch verstellbare Organe innerhalb des Verdichters. Außer der nur be-
schränkt anwendbaren Regelung durch Drehzahländerung sind alle oben angeführten
Arten der Regelung mehr oder weniger stark verlust-
behaftet. Selbst im Falle der Rekuperationsturbine sind die
Verluste noch erheblich. Eine grundsätzliche Verbesserung
läßt sich nur erreichen, wenn es gelingt, die Maschine
selbst den ändernden Betriebsbedingungen anzupassen.
Beim Radialverdichter ist dies nach den Entwicklungs-
arbeiten der Maschinenfabrik Oerlikon in überraschend ein-
facherWeise möglich durch mehr oder weniger starkes Ein-
schieben eines Ringes in die Laufradeintrittsöffnung, vgl. Abb. 13.1.5 Regelung durch Ein-
Abb. 5. Die Strömung reißt dann an der Ringkante ab, schiebung eines Ringes in die Lauf-
und es entstehen Verhältnisse, die denen in einem ent- radeintrittsöffnung
sprechend schmäleren Laufrad ähnlich sind. Zwar entstehen (Maschinenfabrik Oerlikon, Zürich)
auch so zusätzliche Verluste, doch sind sie kleiner als bei
Saugdrosselregelung oder selbst bei Verwendung von Re-
kuperationsturbinen. Der Ring kann so nahe an die Trag-
scheibe des Laufrades herangeschoben werden, daß nur
noch ein mit Rücksicht auf die Betriebssicherheit not-
wendiger Spalt übrigbleibt. Dabei geht die Fördermenge
auf wenige Prozent des Auslegungswertes zurück, ohne
daß die Maschine zum Pumpen kommen würde.
Ein anderes beim Radialverdichter häufig angewandtes
Verfahren besteht darin, daß dem Laufrad - bei mehr-
stufigen Maschinen im allgemeinen nur dem ersten Lauf-
Abb. 13.1.6 Radialverdichterrege-
rad - ein verstellbarer Leitapparat vorgeschaltet wird, lung durch Veränderung des Vor-
vgl. Abb. 6. Während im Auslegungspunkt das Strömungs- dralles (verstellbares Vorleitrad)
medium dem Laufrad im allgemeinen ohne Vordrall zu-
geführt wird, kann das Vorleitrad bei reduzierter Menge so verstellt werden, daß es dem
Medium einen Drall in Richtung der Raddrehung erteilt. Es ist dann also Cu 1 positiv
56 13. Regelung der Turboverdichter

(im Auslegungspunkt meist Null), so daß


Lu = u2 Cu 2 - u! Cu I (1)
kleiner wird als ohne diesen Eingriff. Damit wird auch die Druckerzeugung der Stufe
kleiner, womit sich der Verdichter in der Regel der Forderung des Verbrauchers besser
anpaßt. Auch rückt die Abreißgrenze (Stabilitätsgrenze) mehr ins Gebiet kleiner Durch-
flußvolumen. Früher sind auch bisweilen die dem Laufrad nachfolgenden Diffusor-
schaufeln verstellt worden, eine Maßnahme, die für sich allein nicht sehr wirksam ist
und höchstens im Verein mit dem verstellbaren Vorleitrad eine zusätzliche Verbesserung
bringen könnte, was aber auf zu große bauliche Komplikationen führt. Wo sehr große
Anpassungsfähigkeit verlangt wird, ist vielmehr der schaufellose Diffusor zu- emp-
fehlen. - Das verstellbare Vorleitrad wird gelegentlich als "Dralldrossel" bezeichnet,
ausgehend von der Vorstellung, daß es sich dabei um eine verbesserte Saugdrossel-
regelung handle. Dies ist aber nicht der Fall, denn der Drosselvorgang ist wesentlich
stets ein solcher, der mit Energiedissipation verbunden ist, was ja im vorliegenden Fall
gerade möglichst vermieden wird.
Beim Axialverdichter kann eine Anpassung der Schaufelung an veränderte Betriebs-
bedingungen in an sich naheliegender Weise. durch Verstellung einzelner Schaufelkränze
erreicht werden, eine Lösung, die z. B. durch den Verstellpropeller oder die Kaplan-
Turbine bereits vorgezeichnet ist. Auch ein- bis dreistufige Gebläse für niedrige Drücke
und große Fördermengen sind schon seit langem bisweilen mit verstellbaren Laufschaufeln
versehen worden. Hingegen glaubte man lange Zeit, beim eigentlichen Axialverdichter
die mit dieser Lösung verbundenen Komplikationen vermeiden zu müssen. Erst ver-
hältnismäßig spät gab man sich darüber Rechenschaft, daß z. B. das Beifügen einer
Rekuperationsturbine eine Komplikation von durchaus vergleichbarem Ausmaß dar-
stellt, dabei aber die Vorteile der Verstellschaufelung nicht voll zu erreichen vermag.
Als entscheidend wichtig erwies sich die Erkenntnis, daß die konstruktiv besonders
schwierige und kostspielige Laufradverstellung unnötig ist, sondern daß eine Verstellung
der Leitschaufeln bereits eine Anpassung in sehr weitem Bereich ermöglicht. Auch
müssen oft nicht alle Leitkränze verstellbar sein, sondern einige Stufen am HD-Ende -
oft mehr als die Hälfte aller Stufen - dürfen feste Schaufelungen aufweisen. Damit
lassen sich die baulichen Komplikationen in durchaus vertretbaren Grenzen halten.
Diese Regelung führt sich mehr und mehr ein, da bei den anderen Regelungsarten ein
offensichtlich krasses Mißverhältnis besteht zwischen der strömungstechnisch hoch-
wertigen Gestaltung der Schaufelung selbst und dem verlustreichen Arbeiten der Regelung.

13.2 Saugdrosselregelung
Wir betrachten die in Abb. 1 schematisch dargestellte Verdichteranlage. Vor dem
Saugdrosselorgan herrsche der statische Druck p E, der Gesamtdruck PE, und es sei
dort das spezifische Volumen v E, womit auch
.
JE= u-IPEVE
" (1)
gegeben ist. Der statische Druck nach dem Saugdrosselorgan sei p~, derjenige am Aus-
trittsstutzen PA. Beim aus der freien Atmosphäre ansaugenden Verdichter ist, sofern
bis zum Drosselorgan keine merklichen Strömungswiderstände auftreten, PE praktisch
gleich dem atmosphärischen Druck. Im Falle des idealen Gases ist weiter jE = cP TE.
Index 0 soll im nachfolgenden stets den Auslegungszustand andeuten.
Nun wird gefordert, daß der Verdichter bei einer Drehzahl n eine gewisse sekundliehe
Masse rh vom gegebenen Eintrittszustand PE, VE auf einen vorgeschriebenen Austritts-
druck PA bringen soll. Gesucht wird für diesen Betriebszustand der Druck p~, auf den
gedrosselt werden muß, der Austrittszustand und die innere Leistungsaufnahme des
Verdichters.
13.2 Saugdrosselregelung 57

Damit das Problem in dieser allgemeinen Form gelöst werden kann, muß die Ge-
samtcharakteristik des Verdichters vorliegen. Nach den Ausführungen unter 11.7 ist
diese folgendermaßen darstellbar.
Man setzt
Il= PA (2)
- Pe''

.n
~ . P~o
= ..!!!:._
mo PE
, Vj~ '
.,
]Eo
(3)

(4) I
I '
/
I Pt
(5) f,'
EI
d E

vgl. auchAbb, 2. Alsdann beschreiben


die Funktionen
II = II( (/), n*), (6)
'YJi=F((/),n*), (7) Abb. 13.2.1 Schema und Bezeichnungen zur Theorie der
die in Abb. 3 graphisch dargestellt Saugdrosselung
sind, das Verhalten des Verdichters
vollständig, soweit Einflüsse der Reynolds-Zahl nicht merklich sind. In Kap. ll wurden
diese Beziehungen zwar hergeleitet, ausgehend von den Zuständen in den Punkten IX
und w, Abb. 2. Sie behalten aber ihre
Struktur bei, einerseits für jeden Ab-
schnitt einer Schaufelung einzeln und
andererseits auch für das ganze System
einschließlich des Einlaufes und des all-
fälligen Austrittsdiffusors.

7Ji ---7]i
n -n

H=7
s------<- 0

Abb. 13.2.2 is.Diagramm für Saugdrosselregelung Abb. 13.2.3 Gesamtcharakteristik in dimensions-


loser Darstellung

Die Lösung des gestellten Problems gelingt nun in der Weise, daß mit den vor-
geschriebenen Daten und einem vorerst geschätzten Wert p~ aus Gl. (3) (/) und aus
Gl. (4) n* berechnet wird. Dabei darf praktisch stets hinreichend genau j~fj~ 0 ersetzt
werden durch jEfjE 0, da die Geschwindigkeiten in den Einlaßstutzen stets verhältnis-
mäßig klein sind. Wo dies nicht zutreffen sollte, müßte eine nachträgliche Berichtigung
vorgenommen werden. - Dann läßt sich aus der Charakteristik, Abb. 3, sogleich II
ablesen, womit
(8)
58 13. Regelung der Turboverdichter

Stimmt dies nicht mit der ursprünglichen Annahme überein, so ist jene zu ändern bis
Übereinstimmung hergestellt. ist. Alsdann liest man aus Abb. 3 auch 'YJi ab und erhält
L . _ Ai,
'- 1]; . (9)

Ll i, läßt sich mit dem bekannten p~ sogleich aus dem is-Diagramm ablesen. Damit wird
die aufzuwendende innere Leistung
Ni=mLi. (10)
Schließlich kann noch ein innerer Gesamtwirkungsgrad 'Y}iEA berechnet werden, der den
Verlust der Drosselung mit umfaßt und
(11)

beträgt. L1isEA ist aus dem is-Diagramm zu entnehmen, wie in Abb. 2 dargestellt. Stets
ist das is-Diagramm auch durch die Rechnung mit der Pk-Funktion (Bd. I, Anhang)
ersetzbar.
Nicht unter allen Umständen hat das gestellte Problem überhaupt eine Lösung.
Es kann z. B. ein Wertepaar n*, !/J entstehen, das rechts der Pumpgrenze nicht an-
zutreffen ist. Dies bedeutet, daß der gewünschte Betriebspunkt mit Saugdrosselregelung
allein nicht in stabiler Weise gefahren werden kann. Man wird also zusätzlich abblasen
oder umblasen müssen. Oder es kann sein, daß keine Lösung gefunden werden kann,
weil der Verdichter den geforderten Druck PA selbst ohne Drosselung nicht zu erzeugen
vermag.
Besonders einfach liegen die Verhältnisse, wenn der Eintrittszustand PE, vE konstant
ist und auch die Drehzahl den Wert n 0 unverändert beibehält. Von der Gesamtcharak-
teristik, Abb. 3, werden dann nur die
Kurven mit Parametern*= 1 gebraucht,
womit auf Grund von GI. (3) und (6) ge-
setzt werden kann
m = m0 PEo
~~ !/J(II). (12)

Bei gegebenem II ist also der Massen-


durchfluß proportional dem Druck nach
Drosselorgan, ein Zusammenhang, der
wie in Abb. 4 gezeigt, graphisch zum
Ausdruck gebracht werden kann. Das
Diagramm besteht aus einer Schar ähn-
licher Kurven, deren jede einem be-
stimmten p~ zugeordnet ist, wobei der
Ähnlichkeitsmaßstab gerade proportional
p~ ist. Nun möge vom Verbraucher in
Funktion von m ein Druck PA vor-
geschrieben werden, vgl. die entsprechend
rh bezeichnete Kurve in Abb. 4. Für jeden
Abb. 13.2.4 Konstruktion des Saugdruckes p~ in Funk- Punkt dieser Kurve, z. B. A, läßt sich
tion der Menge für festliegende Drehzahl und Eintritts- sofort der Druck p~ angeben, auf den
enthalpie aus Verdichtercharakteristik und Verbraucher-
charakteristik (gestrichelte Kurve p..t)
gedrosselt werden muß. Es ist dies das-
jenige p~, das als Parameter der durch
A gehenden Kurve der Verdichtercharakteristik zugeordnet ist. So entsteht die in Abb. 4
angegebene einfache Konstruktion der Kurve p~.
In Punkt P wird die Purp.pgrenze erreicht. Da man aber einen gewissen Sicherheits-
abstand gegenüber ihr braucht, wird man etwa bis zum Punkt P' mit der Drosselregelung
auskommen.
13.2 Saugdrosselregelung 59
Auch die Leistung N; läßt sich für die so bestimmten Betriebszustände leicht ermit-
teln. Es genügt, sie in der oben angegebenen Weise zu berechnen für die Punlde der
"ungedrosselten" Charakteristik, also der Kurve mit Parameter p~ = p~ 0 • Die so be-
rechnete innere Leistung ist in Abb. 4 mit N(p~ 0 ) angegeben. Da nun die Leistung bei
gegebenem Druckverhältnis proportional m und somit auch proportional p~ ist, ergibt
sich für die Leistungsaufnahme im Betriebszustand A die folgende Konstruktion: Durch
Zeichnen des vom Ursprung 0 durch A gehenden Strahles findet man Q und von hier aus
den Punkt R auf der Leistungskurve. Aus dem in 11
R abgelesenen N;(p~ 0 ) findet man den Leistungs-
verbrauch für A mit

N ; =p;, (.A) N (
- , - i PEo ·
I )
(13)
Pao

Es läßt sich nun auch überblicken, unter


welchen Bedingungen Drosselregelung wirtschaft-
lich ist. Dies ist offenbar der Fall, wenn sowohl Abb. 13.2.5 Flache Charakteristiken von
die Charakteristik des Verdichters als auch die des Verdichter und Verbraucher. Günstige Vor-
Verbrauchers flach verlaufen. In Abb. 5 ist ein aussetzung für Saugdrosselregelung
solches Beispiel gezeigt, und man sieht aus der
Konstruktion sogleich, daß hier offenbar mit einer sehr geringfügigen Drosselung, also
kleinem Verlust, eine sehr wesentliche Verminderung der Durchflußmenge erzielt werden
kann. Derart flache Charakteristiken, daß Saugdrosselregelung günstig wird, lassen sich
praktisch nur mit Radialverdichtern erreichen, besonders wenn ß2 ~ 90°. Beim Axial-
verdichter wird diese Art der Regelung wohl kaum je in Frage kommen.
Die Berichtigung dieser Untersuchung, die notwendig würde in dem allerdings sel-
tenen Fall, wo j~ von jE wesentlich verschieden wäre, könnte folgendermaßen geschehen.
Es ist (vgl. Abb. 1)
(14)

(15)

wobei f~ = /E vorausgesetzt ist. Demnach ist


•1 _ .
JE
2 _ . l ( m.vE )2
-JE- c;, 2- c}: -JE--;- -- v;. )2
[(-- - 1] , (16)
2 !FJ VE

und damit hinreichend genau


( 17)

Durch diese Gleichung ist j~ bestimmbar, sobald in einem ersten Rechnungsgang p~


erhalten wurde; mit dem neuen j~ ist die Rechnung zu wiederholen.
Schließlich bleibt noch aufzufinden, welche Lage das Saugdrosselorgan bei einem
gegebenen Betriebszustand einnehmen wird. Da diese Regelorgane niemals völlig dichten
müssen und andererseits bei voller Öffnung einen möglichst kleinen Durchflußwiderstand
aufweisen sollen, werden meist Klappen oder jalousieartige Konstruktionen verwendet,
wie etwa in Beispiel Abb. 6. Bei voller Öffnung ist hierbei nahezu PE - p~ = 0 und all-
gemein kann auch bei teilweiser Öffnung die Zuströmgeschwindigkeit cE nicht mehr als
klein gegenüber der Geschwindigkeit c im engsten Querschnitt betrachtet werden. Der
Vorgang läßt sich berechnen als Durchfluß durch eine Öffnung, ausgehend vom Stau-
punktzustand, der vor dem Regelorgan herrscht. Der entsprechende Gesamtdruck ist

(18)
60 13. Regelung der Turboverdichter

Die Größenordnung von cE ist stets so, daß diese inkompressible Näherung genügt.
Nach Gl. 3.6 (25) und (26) läßt sich setzen

m=cxleEVJV2).;, (19)

1p =
V 2

(~:)-;- (~:)-" .
><+1
(20)

Hierbei ist I die in Strömungsrichtung gebildete Projektion des Durchflußquerschnittes


und cx ein empirischer Faktor, in den alle Abweichungen des wirklichen Vorganges gegen-

Abb. 13.2.6 Beispiel von Drosselorganen an einem zweiflutigen Radialverdichter (GHH). Die linke der beiden
Verdichterhälften ist abschaltbar, weshalb Regelorgane zum Absperren der durch den linken Teil geförderten
Luftmenge vorgesehen sind

über dem einfachen Fall des reibungsfreien Durchflusses durch eine Mündung zusammen-
gefaßt werden. Er muß experimentell bestimmt werden und ist für eine gegebene geo-
7,0 metrische Anordnung eine Funktion des
Einstellwinkels y und des Druckverhält-
nisses p~/PE, vgl. Abb. 7. Praktisch in-
teressiert der Einfluß von p~/PE nur
bei stark geschlossener Stellung, da bei
W///////////////////////4 einigermaßen großer Öffnung dieses
Druckverhältnis nahe bei Eins liegt.
-pv?·- - Klappe rund
Übrigens ist cx stark abhängig von an
sich geringfügigen Einzelheiten der Aus-
>////////////#7////&////h --- Klappe rechfedrig führung. Die 1p-Funktion kann wie in
a2r----.----,----.----.----,,---~--~
Abb. 8 dargestellt werden. In GI. (19)

,__
sollten für eE und jE eigentlich die
dem Staupunktszustand entsprechenden
J0° lt0 70°
Werte eingesetzt werden, doch entsteht
Abb. 13.2.7 Durchflußbeiwert ~ für eine Klappe bei Verwendung der Werte des statischen
Zustandes kein wesentlicher Fehler.
Wenn lo der Durchflußquerschnitt bei voll offener Lage (y = 0) und Ymax der Ein-
stellwinkel bei geschlossener Klappe ist, gilt mit guter Näherung

I= /o (1- _siny ), (21)


SinYmax
13.3 Abblaseregelung 61
worauf GI. (19) die Form
siny = (1- m V . ) sinymax (22)
cxfo I!E'P 2JE

annimmt. Die Berechnung von PE aus GI. (18), und 1p aus Abb. 8 liefert vermöge GI. (22)
und einem aus Versuchen gewonnenen Diagramm für cx zu jedem beliebigen Betriebs-
zustand den Winkel y .
Für die Ausbildung des Servomotors für die Verstellung der Klappe wird das von ihr
ausgeübte Drehmoment benötigt. Dieses ist
M = fl (PE - p~) F b' (23)
wobei F die Fläche der Klappe, b ihre Breite (siehe Abb. 9) und fl ein aus Messungen
zu bestimmender dimensionsloser Koeffizient ist. Er ist ebenfalls Funktion von y und

--
[)26
p~/PE, siehe Abb. 9. Sein Maxi-
r-..... r-... mum hat allerdings fl bei sehr
......... \
022 - c-- - [)08
........ r-... \
[)78 .......... ' \
'\ .\
........
~6's I 0,06

"'
.........

""'
\ ........
I ~ I'-..

"' t
Q7ij
'\ ~r--.. ..........
[)70
f€.~--. ........ r-...... ~ ~ [)01/.

!'... '\ \ \

"" l\
' \ [)02
~ ,\
[){Jfj 1-- - · 1\. \\'
00
-~ 20 IJO

[)Oll
\ ~\ r-
\\ Abb. 13.2.9 Zur Berechnung des Dreh-
momentes einer Klappe. Drehmoment-
beiwert tt

0o,q as 0.6 w QB o,g QBS 1,0 weiter Öffnung der Klappe, wo


PE/Pt-- p~/PE von Eins nur wenig ver-
Abb. 13.2.8 Durchflußfunktion 'P schieden ist. Daher interessiert der
Einfluß des Druckverhältnisses
kaum. Die Kurve, Abb. 9, gilt für den inkompressiblen Grenzfall, d. h. p~/PE ~ 1. Aus
GI. (23) geht übrigens hervor, daß es im Hinblick auf die Verstellarbeit vorteilhaft ist,
eine größere Anzahl von Klappen parallelzuschalten als eine einzige große Klappe vor-
zusehen. Denn für einen gegebenen Querschnitt wird die Summe der F unabhängig von
der Anzahl Klappen ungefähr festliegen, während b bei Unterteilung in mehrere Klappen
kleiner wird.
13.3 Abblaseregelung
Bei der Anordnung nach Abb. 1 seien wiederum PE, vE, pA, m und n vorgeschrieben.
Gefragt ist die abzublasende Menge ma und damit die vom Verdichter effektiv zu för-
dernde Menge mv, ferner die aufzuwendende innere Leistung N;. Die Gin. 13.2 (1) bis (7)
gelten auch hier, nur daß jetzt p~ durch PE zu ersetzen ist, es sei denn, daß gleichzeitig
noch mit Saugdrosselung gearbeitet werde. Aus den vorgeschriebenen Daten ist sogleich
JI und n* bekannt, so daß die Charakteristik, Abb. 13.2.3, die zugehörigen Werte l/J
und 1]; liefert. Die in GI. 13.2 (3) auftretende Durchflußmenge m ist hier die vom Ver-
dichter geförderte Menge mv, für die folglich erhalten wird

( 1)
62 13. Regelung der Turboverdichter

Somit wird auch die Abblasemenge aus


(2}
gefunden. Ferner ist, wenn wir die durch GI. 13.2 (5) und Abb. 13.2.2 gegebene Defi-
nition von 'YJ; sinngemäß (d. h. mit p~ =PE) übernehmen
N; = rhv Ai, = rhv jE'Pk(Il) . (3)
'f/1 'f/1
Ein die ganze Anlage kennzeichnender innerer isentroper Wirkungsgrad 'YJ; t läßt sich
bilden aus mL1i,E.A. (4)
'Y/it = NI

Das Berechnungsverfahren bleibt grundsätzlich dasselbe, wenn gleichzeitig noch mit


Saugdrosselung gearbeitet wird, nur steht dann ein zusätzlicher Freiheitsgrad zur Ver-
fügung. Man kann dann z. B. zusätzlich p~ von vornherein vorschreiben.

0 o~--------~------~m-v---m~

Abb. 13.3.1 Schema und Bezeichnungen zur Theorie Abb. 13.3.2 Bestimmung von Abblasemenge und
der Abblaseregelung Leistung bei unveränderlicher Drehzahl und kon-
stantem Eintrittszustand

Der Fall konstanten Eintrittszustandes und konstanter Drehzahl wird auch hier
besonders einfach, denn die Verdichtercharakteristik besteht dann aus einer einzigen
Druck-Mengenkurve a, Abb. 2. Mit der Verbraucherkurve b erhält man damit in der aus
Abb. 2 ersichtlichen Weise für einen gegebenen Punkt P die Abblasemenge rha. Die
innere Leistung kann nach GI. (3) für alle Punkte der Kurve a berechnet werden, siehe
KurveN;, und ist damit für jeden Betriebszustand
angebbar.
Wird die Menge rha in einer Rekuperations-
turbine entspannt, so ist die resultierende innere

D
Leistungsaufnahme
N;=N;v-N;r, (5)
wobei die Leistung N;v des Verdichters aus GI. (3)
berechenbar ist, während für die Turbinenleistung
N;r analog
t N;r = rhailisT'Y/iT = rhajA Pe(Ilr) 'f/iT (6)
rh, gilt. Das Druckverhältnis II r der Turbine kann
Abb. 13.3.3 Schema und Bezeichnungen zur von dem des Verdichters infolge der zusätzlichen
Theorie der Zwischenabblasung Druckabfälle in jenem Strom merklich abweichen.
'YJ; r ist aus der Turbinencharakteristik zu ent-
nehmen, worauf wir bei der Umblaseregelung noch zurückkommen. Der totale Wirkungs-
grad 'Y/it läßt sich in jedem Falle wieder aus GI. (4) bestimmen.
Eine komplizierte Mannigfaltigkeit von möglichen Betriebszuständen ergibt sich
im Falle der Zwischenabblasung nach Abb. 3. Es sei PE der Eintrittsdruck, PA der
13.3 Abblaseregelung 63
Austrittsdruck und P:r. der Druck an der Abblasestelle (Zwischendruck). Wir bezeichnen
nun alle Größen, die sich auf den ersten Verdichtungsabschnitt von PE bis P:r. beziehen,
mit Index 1 und die auf den Abschnitt von Pz bis PA bezogenen mit Index 2, setzen also
nl =!!:...., (7)
PE
n2 =PA, (8)
p,

cp 1 =~I
mo
PEO
PE
~'
}Eo
(9)

cp 2 = ~2 Pzo
mo p.
V/• ,
J,o
(10)

n1 *-n~
= - -.-, (11)
no JE

2 = n~
n*- - -.-, (12)
no J,
"_1
P1 = n-"-
1
- 1, (13)
"_1
p2 = ~-1, (14)
2
jE 'JF1
'Y/1 =-.--.-, (15)
J, -JE
j. 'P2
'Y/2=-.-- .. (16)
JA- }z
Die P 1 und P 2 sind also nichts anderes als die in Tafel 3 und 4 des Anhanges von Bd. 1
dargestellten Funktionen Pk. Das Verhalten der beiden Verdichtungsabschnitte wird
durch die in Abb. 4 dargestellten Teilcharakteristiken
nl = fli((/Jl, n1), ( 17)
n2 = n2 ( (/)2' n:)' (18)
'YJ1 = fi(lli, n1), (19)
'YJ2 =
/2(ll2, n:) (20)
wiedergegeben. Dabei läßt sich in zweckmäßiger Weise neben der ll-Skala jeweils noch
die zugehörige P-Skala angeben.
Nach Gl. (15) ist nun
0

)z =JE • (1 + --:;j;"'
'Pt) (21)
so daß
(22)
Damit wird auch
(23)
und ferner
iE (1 + 'P1/rh) (24)
iEo (l + 'P1 o/1110) '

Durch Vergleich dieser Beziehung mit Gl. (9) folgt auch


1 + 'Pl/171 (25)
1 + 'Piof17to '
was wir in die Form
(26)
64 13. Regelung der Turboverdichter

bringen können. Da sicher rh 2 ~ rh 1 folgt, daß das Gebiet der möglichen Betriebszustände
durch die Bedingung
(/)2 Il1 l + 'l'2 o/TJ10 ~ 1 (27)
(/)1 no
1 1 + 'l'IITJ1
abgegrenzt ist. Zu GI. (26) fügen wir noch die nach rh 1 aufgelöste GI. (9) bei:
. m . PE vjEO (28)
m1 = '~-'1 m o - -.- •
PEo 1E
Die Gin. (23), (26), (28) stellen zusammen mit den in Abb. 4 angegebenen Charakte-
ristiken und den Relationen (13) und (14), die durch die Pk-Tafeln des Anhanges Bd. I
wiedergegeben sind, die vollständige Beschreibung des Regelverhaltens eines Verdichters
mit Zwischenabblasung dar. In der Tat kann man sich z. B. den Eintrittszustand PE, vE
(und somit jE) vorschreiben und ebenso den Zwischendruck p., den Austrittsdruck PA
und die Drehzahl n. Dann sind aus
11.2
GI. (7) und (8) Il1 und Il2 bekannt,
/ / ~~:-u n~-1.l\ somit P 1 , P2 und aus GI. (11) auch

L
/~/
\
ni. Die Charakteristik, Abb. 4, lie-
fert dann f/J 1 und rJ 1 . Aus GI. (23)
n:,
1\ \
folgt aus Abb. 4 f/J2 und 'f/2.
/
Jetzt kann aus GI. (28) rh1 und aus
J.O
I ~0

GI. (26) rh2 berechnet werden, wo-


[/ I
;r----
~9 1\
mit die innere Leistung ~
1/ + m2'l'2 ( 1 + 'P1)]
2.2
/
~l!B \ \ I 1""'/ aaQ9 N · =. [m1'P1
' JE TJI 1J2 1)1
(29)

1.8 f\ V) rJ wird. Um einen inneren Gesamt-

\
V wirkungsgrad 'fJ; 1 zu erhalten, ver-
V~ gleichen wir N; mit dem Leistungs-
1.11
V aufwand eines Verdichters, der die
~ Menge rh 2 isentrop mit dem Druck-
verhältnis II = Il1 Il2 verdichten
2.6 f-- würde. Mit
* n1-7.1 l"\
~
v~ ><-1
//
)'...
P=Il-"--1
__...

\
2
~ w x-1

""\
i--
~9
= (Ilt Il2)-"- - 1 (30)
......, M-

"' 4
,_.:.:___ wird dann
~ '/aa
··-
~t) ..!!._ +~(I + .!!...)
\
'I

\ \
1\
~~
'f/ i t = (
m2 1)1 1J2 1J1
(31)
l!7 0,8 0,9 1.1 atJ 0,8 !j)
rf!,,IP2- Aus diesen Ausführungen geht
hervor, daß in dimensionsloser Dar-
Abb. 13.3.4 Charakteristiken der beiden Verdichterteile. Beide
Charakteristiken entsprechen der Axialverdichtercharakteristik stellung die sämtlichen möglichen
in Bd. I, Abb. 11.7.3 Betriebszustände eine dreipara-
metrige Mannigfaltigkeit darstellen.
Daraus ergibt sich das Problem, einen Weg zu finden, wie diese verwickelten Zusammen-
hänge rasch überblickt werden können. Dies ist folgendermaßen möglich. Außer den in
Abb. 4 angegebenen Charakteristiken stellt man noch die folgenden Funktionen in Dia-
grammen dar, vgl. Abb. 5:
Q(Il1,ni) = l+'P1o/1Jto , (32)
I + '1'1/'f)I
R(Ilt, ni) = flt v-;-I-+~'P;;-1--;
0/c-1)1-0.
(33)
(/)1 fl1o I + 'l'1/1J1
13.4 Umblaseregelung 65
Da aus Abb. 4 zu einem gegebenen Wertepaar Il1 , n~ sogleich 1J'1 , 'YJ 1 und @1 abgelesen
werden können, sind Q und R tatsächlich ein für allemal angehbare Funktionen dieses
Paares. Damit läßt sich ein beliebiger Betriebszustand rasehestens in folgender Weise
bestimmen. Gegeben sind ni, II1 , II2 und
somit auch 1J'1 , 1J'2 sowie II und lJ'. Aus
Abb. 4 entnimmt man @1 , 'YJ 1 und aus
Abb. 5 Q und R. Damit wird
(34)
und somit sind aus Abb. 4 @2 und 'YJ 2 be- t 7,00r--+--~--+-~~-r--~~
kannt. Dann folgt Clll

(35)

womit GI. (31) 'Y/it liefert. Damit ist der dem


Wertetripel II1 , II2 , ni entsprechende Be-
triebszustand völlig bekannt, wobei wir
unter einem "Betriebszustand" bei dieser 7,5 r---,_---+----r---+----+--~--~
dimensionslosen Betrachtungsweise immer
noch eine zweiparametrige Schar von ein-
ander physikalisch ähnlichen Betriebszu-
ständen verstehen. Denn man kann jetzt
noch p E und v E frei wählen und erhält aus
GI. (28) rh 1 , aus dem bekannten rh 2/rh 1 auch Cl:: 1,0 r---,_+-+--~r---~---l--~=----4...:.._~
rh2, aus GI. (29) Ni, mit PA= II PE den
Enddruck und aus GI. ( 11) n.
Die Regelorgane haben bei Abblase-
regelung meist die Gestalt von Ventilen, da
sie einerseits dicht schließen müssen und 2,2 2,1/.
l.ti 7,8 2,0 2,6
andererseits sehr erhebliche Druckgefälle n,-
zur Verfügung stehen, was auf annehmbare Abb.l3.3.5
Abmessungen führt. Es sind ein- und doppel- Funktion Q nach Gl. (32) und Funktion R nach
sitzige Ventile im Gebrauch. Die letzteren Gl. (33). Berechnet aus der Charakteristik Abb. 4
sind hier eher vertretbar als im Dampf-
turbinenbau, weil keine hohen Temperaturen auftreten und meist auch die Dichtheit
weniger vollkommen sein muß als dort. Die Berechnung ist dieselbe wie bei den Regel-
ventilen der Dampfturbinen. Um bei einem Zustand Pa, Va vor Ventil die Abblase-
menge rha durchzulassen, muß der wirksame Durchflußquerschnitt
(X j = rha Va (36)
'P V2j.

betragen. Hier ist wiederum f der geometrische Durchflußquerschnitt, cx die experimentell


zu bestimmende Durchflußzahl, ja die mit Pa und Va gebildete Normalenthalpie und 1p
die mit den Drücken vor und nach Ventil gebildete Durchflußfunktion, wie sie z. B.
in Abb. 13.2.8 dargestellt ist.

13.4 Umblaseregelung

Wir betrachten die in Abb. 1 dargestellte Anordnung einer Umblaseregelung mit


Rekuperationsturbine. Ist diese letztere nicht vorhanden, so vereinfacht sich das nach-
folgend angegebene Berechnungsverfahren so, daß der Wirkungsgrad der Turbine gleich
Null gesetzt wird. Außer dem Druckverhältnis II =PA/PE des Verdichters führen wir
hier noch das der Turbine ein, das
II T = (1 - e) II (1)
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 5
66 13. Regelung der Turboverdichter

beträgt, wobei s = ~ LJpjp die Summe der relativen Druckabfälle in den Verbindungs-
leitungen zwischen Turbine und Verdichter darstellt.
Als Komplikation kommt hier hinzu, daß auch die
Rekuperationsturbine für einen bestimmten Betriebs-
zustand ausgelegt ist, wobei aber dieser Auslegungs-
zustand und derjenige des Verdichters im allgemeinen
niemals zugleich auftreten können, denn die Turbine
wird ja erst bei einem Teillastzustand des Verdichters
voll zur Aktion kommen. Deshalb soll der Auslegungs-
zustand des Verdichters wie bisher durch den Index 0
gekennzeichnet werden, derjenige der Turbine aber
rfq durch einen Querstrich, also z. B. II r.
Für die Enthalpiedifferenzen in Turbine und Ver-
dichter gilt: ·
Abb. 13.4.1 Schema und Bezeichnungen
zur Theorie der Umblaseregelung mit Verdichter: LJ iv = j~ 'Pk(II), (2)
'T}v
Rekuperationsturbine
Turbine:
LJir =jA 'l'e(Ilr) 'YJr, (3)
wobei 'YJv und 'YJr stets innere Wirkungsgrade sind. Die Normalenthalpie j~ ergibt sich
durch die Mischung des frisch angesaugten Arbeitsmittels mit dem von der Turbine
zurückkommenden. Es ist also

(4)
Da aber
j~ + LJ iv -
LJ ir = (j~ +
LJ iv) [1 - 'Y/T 'l'e (!Ir)] = j~ [ 1 + 'P~(~)] [1 - 'Yjr 'l'e(II r)J,
ergibt sich durch Einsetzen in GI. (4)
(m + 'fhr)j~ = mjE + md~ [ 1 + 'P~(~)] (1 - 'YJT 'J'e(Jir)]. (5)
Abkürzend setzen wir
(6)
womit GI. (5) übergeht in
j~ = -----,-"----,.,::--;-,~~iE'----------:- (7)
1 - ß {[ 1 + 'P~(~) ] [1 - 'T}p 'P.(JI,,)] - 1} .
Da die durch den Verdichter strömende Menge m(1 +
t-t) beträgt, wird seine Durchfluß-
funktion
(/> = m(l
mo(1
+ ß) PEo
+ ßo) PE
Vj~ i~o·
(8)

Ferner gilt jetzt


n* =..!!:_V
no
i~o
i~ '
(9)

während für die Turbine ein Laufzahlver-


hältnis
V* = ~ = u/V2LfG, = ~
v ü/V2Lii,p n
vi.A IJF,(Jip}
JA 'P,(llp)
(10)

7 --------n--*
0L----------:!- eingeführt wird. Meist ist übrigens n = no
Abb. 13.4.2
=
h" A
n,
da diese Regelung vor allem für Ma-
d l
Wirkungsgradgesetz einer Rekuperationsturbine sc men zur nwen ung ge angt, die mit un-
veränderlicher Drehzahl arbeiten.
Zur Berechnung des Regelverhaltens der Anordnung nach Abb. 1 müssen nun die
vollständigen Charakteristiken des Verdichters und der Rekuperationsturbine vorliegen.
13.4 Umblaseregelung 67

Eine Verdichtercha rakteristik ist z. B. durch Abb. 13.2.3 wiedergegeben, während die
Turbinenchara kteristik aus dem in Abb. 2 dargestellten Wirkungsgrad gesetz und 'dem
Durchflußgesetz besteht, das durch
.
mr = --;-
mr---
PA
VjA E(IIT ) IX
PA -.-
1A
(ll)

wiedergegeben wird. Hier ist E (Il r) der Ellipsenfaktor der Turbine, wie er im Abschn. 12.6
eingeführt wurde. GI. (11) stellt also das Kegelgesetz dar, doch ist zusätzlich noch ein

Abb. 13.4.3 Rekuperationstur bine mit verstellbarem Leitrad (Sulzer) nach AGUET [2]

Abb. 13.4.4 Verstellbarer Leitapparat für Rekuperationstur bine (Sulzer), voll offene und ganz geschlossene
Stellung, nach AGUET [2]

Faktor IX gesetzt. Dieser stellt den Einfluß des Regeleingriffs an der Turbine dar. Dieser
Regeleingriff kann in einer Drosselung vor der Turbine bestehen, oder es kann eine
Düsengruppen regelung vorgesehen sein oder - beim Axialverdichte r die moderne Lö-
sung -eine Regelung durch Verstellen des Leitrades, siehe z. B. Abb. 3 und 4. Im letzteren
5*
68 13. Regelung der Turboverdichter

Falle handelt es sich stets um einstufige Turbinen kleinen Reaktionsgrades. Bei Radial-
verdichtern sind des hohen Druckverhältnisses und der relativ niedrigeren Drehzahl
wegen auch Curtisturbinen im Gebrauch. Bei festgehaltener Stellung der Regelorgane
hat nun das System, bestehend aus der Turbine und ihren Regelorganen, ein bestimmtes
Ellipsengesetz. Somit wäre also eigentlich für jede Regelstellung ein besonderes Ellipsen-
gesetz einzuführen, was etwa durch die Schreibweise E (II r, IX) zum Ausdruck gebracht
werden könnte; hier wäre IX irgendeine die Regelstellung charakterisierende Größe.
Meist sind aber diese Ellipsengesetze im praktisch benötigten Gebiet mit hinlänglicher
Genauigkeit einander ähnlich, so daß die in Gl. (ll) gegebene Produktdarstellung E (II r) IX
möglich ist. Der Zusammenhang zwischen dem Faktor IX und der Regelstellung - also
z. B. der Leitradeinstellung - muß durch eine besondere Untersuchung der Turbine
gefunden werden, wozu in Bd. I die nötigen Grundlagen zu finden sind; oft wird man
zur direkten experimentellen Untersuchung greifen.
Für jede Regelstellung ist nun der Turbinenwirkungsgrad 'YJr, der gegebenenfalls
auch die Drosselverluste der Regelorgane mitumfaßt, in bekannter Weise als Funktion
der Laufzahl darstellbar, da es sich ja nur um eine Stufe handelt. Dies führt auf das
Diagramm Abb. 2.
Die Durchrechnung eines beliebigen Betriebszustandes ist in folgender Weise möglich.
Vorgeschrieben sind n, m, PE und PA· Damit kennt man sofort jE, II, IIr, 'Pk und 'P•.
Mit vorerst geschätzten Werten p, 'YJv, 'Y/T berechnet man nach Gl. (7)

VI-
vj~ 1 (12)
jE = fl {[ 1 + 'P~(~)] [1 -1)r 'P,(llr)]- 1}

und gewinnt nun aus Gl. (8) f/J und aus Gl. (9) n*. Durch f/J und II wird aber durch die
Verdichtercharakteristik (z. B. Abb. 13.2.3) ein n* bestimmt, das mit dem eben erhaltenen
nicht übereinstimmt. Gleichzeitig liefert die Charakteristik auch einen besseren Wert
für 'Y}v (beachte, daß dies in Abb. 13.2.3 'YJ; heißt). Deshalb ist nun mit einem neuen p
zu probieren, bis Übereinstimmung der beiden n* hergestellt ist. Ist dies der Fall, so
3 kennt man mit Gl. (7) j~, hat also auch
7.0
(1 + -l[fk)
V-
JA -JE
0
- .,
(13)
/_ 1)v
QB
und folglich mit Gl. (ll) v*. Da mr = p m, ist nun

t / aus Gl. (ll) die dort einzig unbekannte Größe IX


berechenbar, womit aus Abb. 2 'YJr bestimmbar ist.
0,6 V
I~ /u
:,....---
- Die Abweichung gegenüber dem geschätzten Wert
verlangt eine nochmalige Berichtigung der Rech-
/ nung. Schließlich liefert
N; = m(jA -jE) (14)
0,2
die Leistungsaufnahme und
7 jE l[fk(J1)
0 0,2 Q/1 0,6 0.8 lO 'Y/it =-. . (15)
JA- JE
riz/ril.o-
den totalen inneren Wirkungsgrad.
Abb. 13.4.5 Verlauf des totalen inneren
Wirkungsgrades in Funktion der Menge für Es mag zunächst scheinen, daß ein Rückführen
des Arbeitsmittels von der Rekuperationsturbine
einen Axialverdichter mit Rekuperations-
turbine. Größte Fördermenge m0 = 36 kg/s
zum Verdichtereintritt nur dann in Frage komme,
wenn das Arbeitsmittel als solches nicht verloren-
gehen darf. Denn durch dieses Rückführen erhöht sich die Verdichter-Eintrittstemperatur
und damit der Arbeitsaufwand je Masseneinheit. Wie die Untersuchung zeigt, ist dies
aber trotzdem oft wirtschaftlicher. Indem man nämlich die Eintrittstemperatur erhöht,
vermindert man auch die Fördermenge des Verdichters und muß dementsprechend
weniger durch die Turbine expandieren. Oft arbeitet außerdem der Verdichter in einem
13.5 Axialverdichterregelung durch Schaufelverstellung 69
günstigeren Punkt seiner Charakteristik. Diese V orteile können den zuerst genannten
Nachteil überwiegen.
Abb. 5 zeigt ein Beispiel für einen Verlauf des Gesamtwirkungsgrades 'YJ;t in Funktion
der Durchflußmenge für einen Axialverdichter mit Umblaseregelung durch Rekupe-
rationsturbine, vgl. [1]. Der Verdichter ist zur Erzeugung von Hochofenwind bestimmt.
Die Kurve für das Druckverhältnis II entspricht dem Widerstandsgesetz des Hochofens.
Drehzahl und Umgebungszustand sind konstant. Man erkennt, daß selbst bei dieser Rege-
lung der Wirkungsgradabfall mit abnehmender Menge sehr beträchtlich ist.

13.5 Axialverdichterregelung durch Schaufelverstellung


Eine Anpassung einer einzelnen Stufe an geänderte Betriebsbedingungen kann durch
Verstellen der Laufschaufeln allein, der Leitschaufeln allein oder beider zusammen
erreicht werden. Aus naheliegenden Gründen ist es wünschbar, nur mit der Verstellung
der Leitschaufeln auszukommen. In Abb. l sind daher für eine feste Laufradstellung
verschiedene Leitradstellungen und zugehörige Geschwindigkeitsdreiecke angegeben.

- Lauf

( ( l.etl

-
}~w,
lauf

( ( Le1l

- louf

{· ~.
// leif

Abb. 13.5.1 Schaufelschnitte und Geschwindigkeitsdreiecke für feste Laufradstellung und verschiedene
Leitradstellungen

Es zeigt sich, daß durch Leitradverstellung allein unter Wahrung günstiger Strömungs-
verhältnisse die Durchtrittskomponente On in durchaus weiten Grenzen geändert werden
kann. Für jede Schaufelstellung kann die Stufe durchgerechnet werden nach den in
Bd. I angegebenen Grundlagen. Es läßt sich also auch für jede Schaufelstellung eine
besondere Stufencharakteristik angeben, und diese lassen sich zu einer Charakteristiken-
schar zusammenfassen, vgl. Abb. 2. Man erkennt daraus die große Anpassungsfähigkeit,
die mit der Leitschaufelverstellung erreicht werden kann und den großen Bereich von
Betriebszuständen, in denen ein guter Wirkungsgrad erhalten wird. Die genauere Ana-
lyse der Vorgänge bei verschiedenen Schaufelstellungen ist allerdings deshalb recht
verwickelt, weil bei jeder Schaufelstellung und jedem Strömungszustand das Problem
der räumlichen Strömung neu gelöst werden müßte, und zwar in seiner schwierigeren
Form, denn es sind die Schaufelformen gegeben, und der jeweilige Strömungsverlauf
gesucht. Daher wird man praktisch unbedingt den Versuch heranziehen müssen. Die
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 5a
70 13. Regelung der Turboverdichter

Versuche bestätigen aber durchaus die theoretisch zu erwartende große Anpassungs-


fähigkeit.
Über die Ermittlung der Regeleigenschaften einer mehrstufigen Schaufelung, deren
Stufen mindestens zum Teil verstellbare Leiträder aufweisen, läßt sich nichts allgemeines

f as
J Q6~--4-~-+~~Pr-4~r4-+~~Pr--~---+~~~--+-~

;;.
QQ~--+---~~~~--~--~~~~--~~~

0.5 0.6 0.7 0.8 l3


'P-
Abb. 13.5.2 Stufencharakteristik einer Repetierstufe für verschiedene Leitradstellungen y. r:p und 'P auf
Nabendurchmesser bezogen

angeben, weil einerseits die Zahl der verfügbaren Freiheitsgrade groß ist (jeder Leit-
schaufelkranz kann an sich in anderer Weise verstellt werden, eine Möglichkeit, von der
allerdings bis heute kaum Gebrauch gemacht worden ist) und andererseits die unter-
schiedlichen Charakteristiken der Verbraucher und
der Antriebsmaschinen durchaus unterschiedliche
Regelverfahren nahelegen. Wir beschränken uns
daher nachfolgend auf das Beispiel der Gasturbo-
Verdichtergruppe mit frei einstellbarer Drehzahl.
Wenn ein solcher Verdichter für hohes Druck-
Zur Untersuchu!b~~! t~äherung an die
3 verhältnis ausgelegt wird, so genügt die Veränder-
Pumpgrenze bei verminderter Drehzahl lichkeit seiner Drehzahl nicht, sondern es müssen
noch zusätzliche Regeleingriffe vorgenommen wer-
den, nämlich Zwischenabblasung oder Leitradverstellung für einige ND-Stufen oder beide
Maßnahmen zugleich. Dies erkennt man aus folgender Überlegung.
Es sei II = Pw!P"' das Druckverhältnis der Schaufelung selbst, vgl. Abb. 3. Dann
ist das Verhältnis der Volumenströme an den beiden Stellen
1
~-II~ (1)
Vw- '
wo n der Polytropenexponen t ist. Mit Q als Ringquerschnitt und u als Umfangs-
geschwindigkeit irgendeiner Stufe wird die entsprechende Durchsatzzahl
v (2)
fJ? = !Ju.

Daraus folgt auch für jeden Betriebszustand, wenn Index 0 wieder den Auslegungs-
zustand kennzeichnet
(3)
13.5 Axialverdichterregelung durch Schaufelverstellung 7l

wo w die Winkelgeschwindigkeit bedeutet. Es ist also insbesondere


f{irx Vrx Wo
(4)
f{irxo = VrxoW '
(/Jw Vw Wo
(5)
({!wo= Vwow"
Mit GI. (1) schreibt sich GI. (4) auch
1

~ _ (.!!_)~ VwoW
(/Je<o- Ilo
V w
·
w 0 ( 6)

Über Vw/ V., 0 läßt sich eine ungefähre Angabe machen auf Grund des Durchflußgesetzes
der Turbine, d. h. des Kegelgesetzes. Nach diesem ist die Durchflußmasse ungefähr
proportional p. Da aber V= mR T fp und m ,...., p, wird V unabhängig vom Druck.
Das gilt für den Volumenstrom am Turbineneintritt und somit in roher Näherung auch
für den am Verdichteraustritt. Es wäre also V.,fV., 0 ~ 1. Etwas genauer wird die Ab-
schätzung, wenn man noch den Ellipsenfaktor mit berücksichtigt, also setzt

(7)

Schließlich läßt sich noch in grober Näherung die Winkelgeschwindigkeit propor-


tional der Wurzel aus der isentropen Enthalpieerhöhung LJ is.xw setzen. Diese letztere
><-1
ist aber proportional Il-"- - l. Daher wird

~ ~11Il0!!..,f
w ><-1
-1. (8)
, II-"- -1

lv "1
Somit wird aus GI. (6) schließlich

~ ~ (!!_)~
(/Jrxo Ilo
Ilo-" _ 1
~
V 1 _ n-2
1 - I l0 2 '
(9)
II" -1

Diese Relation ist in Abb. 4 dargestellt für Il0 = 5 und Il0 = 12, wobei x = 1,4
und n = 1,464 vorausgesetzt ist. Dieses n entspricht einem polytropen Wirkungsgrad
von 0,9. Man erkennt, daß bei großem Il0 das
1.0
Verhältnis IPrxfiPrxo kleinere Werte annimmt als bei
kleinem Il0 • Dies ist bedeutsam, weil bei Unter- I /V
Q9
schreitung eines bestimmten Wertes von cp"'fcp" 0 die /
rotierende Abreißströmung einsetzt. Das bedeutet / ~
zwar nicht notwendig das Einsetzen des Pumpens,
kann aber die Maschine gefährden und bedeutet jeden- /
I
~
/
p
falls eine Annäherung an die Pumpgrenze, vgl. Bd. I, I
Abschn.1l.7. Meist hat dieser Grenzwert von IP.x!Cf!.xo /i
die Größenordnung 0, 7 bis 0,8. Bei Il0 = 12 wird er ,/
sicher unterschritten, d. h., die Anlage kann über- I"
Q5
haupt nicht in Gang gesetzt werden, ohne Durch-
schreiten des instabilen Gebietes. In Wirklichkeit ist I
IJ 6 8 10 12
gerade bei II .Z:: Il0 das wirkliche w größer als sich n-
aus GI. (8) ergeben würde, d. h., Cf!.x!Cf!.xo wird noch Abb. 13.5.4 Abhängigkeit der Durchsatz-
kleiner, also ungünstiger als nach GI. (9). Diese zahl am Verdichtereintritt von den Ver-
Schwierigkeit läßt sich dadurch überwinden, daß änderungen des Druckverhältnisses
man bei reduziertem Betrieb (II .Z:: Il0 ) die Durch-
flußmenge durch die ersten Stufen künstlich vergrößert, d. h. eine Zwischenabblasung
zwischen zwei mittleren Stufen vornimmt. Die vollkommenere Lösung aber besteht
darin, die ersten Stufen durch Zudrehen der Leiträder dem wesentlich verminderten
5a*
72 13. Regelung der Turboverdichter

cp-Wert anzupassen. Dies ist durchaus im erforderlichen Ausmaß möglich. Es stellt sich
hier nun sofort die Frage, wieviele Stufen verstellbare Schaufeln erhalten müssen und
nach welchem Gesetz diese verstellt werden müssen. Über die zweite dieser Fragen gibt
folgende Überlegung Auskunft.
Die Schaufelung wird eingeteilt in eine ND-Stufengruppe mit Verstellschaufeln und
eine HD-Stufengruppe mit fester Schaufelung. Die Druckerhöhung in der ND-Gruppe
geht von Pa auf Pz• die in der HD-Gruppe von Pz auf p",. Wir stellen uns nun vor, die
Leitschaufeln der ersten Gruppe sollen so verstellt werden, daß der Druck Pz um dpz
erhöht werde und fragen uns, wie dadurch die Durchsatzzahl cp am Eintritt in die HD-
Gruppe beeinflußt wird. Analog Gl. (1) gilt hier für die Volumenströme an den Stellen cx
undz

(10)
womit
1

-- -)n: -
a (Pa V
n
dp, _
- - - V,
--
p,
dp,
. p, n p,
(ll)

Da die Durchsatzzahl an der betrachteten Stelle


V,
cp = Qu (12)
beträgt, ist auch
d _ udV,- V, du
cp- Qu2 (13)

Hier setzen wir dVz nach Gl. (ll) ein, womit


d = - 12._ [ dp, + .!:..:!:._] = - cp [ dp, + .!:..:!:._] . (14)
cp Q u n p, u n p, u
Die Änderung der Umfangsgeschwindigkeit erschließen wir daraus, daß die isentrope
Enthalpieerhöhung im HD-Teil proportional der Drehzahl hoch einen Exponenten a
ist, der näherungsweise gleich Zwei ist. Dies läßt sich in der Form
"-1

(P"')-" -
p,
1 =Aua (15)

ausdrücken, denn der Ausdruck links ist proportional der genannten Enthalpiedifferenz
und u ist proportional der Drehzahl. Diese Gleichung führt auf
"-1
dU = - X - 1
. ( Pw )-"- d p,
x a A u• 1 p, p, '

-"-1 "-1
du
-= - 1 ( Pw) " dp, = (x- 1) (p",jp,) " dp,
Tz
X-
u xaAu• p,
(16)
xa [(p",jp,)7-- dp,
Dies eingesetzt in Gl. (14) liefert

d: = ( (• [ l)(p-:·~71 - _!_}
n
dp,.
Pz
(17)
x a (p",jp,) " - 1

Im Hinblick auf die Pumpgrenze ist es nun wesentlich, ob cp mit Pz zunimmt oder ab-
nimmt, denn eine Zunahme von cp bedeutet Entfernung von der Pumpgrenze. Es inter-
essiert uns daher das Vorzeichen des Ausdruckes in geschweifter Klammer. Mit den
in Frage kommenden Werten von a, n und " ist leicht nachzuprüfen, daß der Ausdruck
für sehr große p",fpz sicher negativ wird, für gegen Eins strebendes p",fpz aber sicher
positiv. Setzt man ihn Null, so erhält man dasjenige p",fpz, das die beiden Gebiete trennt,
13.5 Axialverdichterregelung durch Schaufelverstellung 73

Es ergibt sich, wie leicht zu kontrollieren


"
Pw [ U a ]...-::J: (18)
p;= ua-(u-1)n ·

Mit~= 1,4, n = 1,464, a = 2 erhält man so Pw/Pz = 2,29. Liegt das Druckverhältnis
des HD-Teiles über diesem Wert, so bewirkt eine Erhöhung des Anfangsdruckes Pz
dieses Teiles eine Verminderung von cp, während für kleinere Druckverhältnisse eine
Zunahme von cp entsteht. - Wir können also das Ergebnis dieser Untersuchung fol-
gendermaßen zusammenfassen.
Gibt man sich bei einem Verdichter mit frei einstellbarer Drehzahl, der in einem
ND-Teil eine verstellbare Schaufelung besitzt, Anfangsdruck, Enddruck und Durch-
flußmenge, so bewirkt eine Schaufelverstellung im Sinne einer Vergrößerung der Druck-
erzeugung des ND-Teiles eine Entfernung von der Abreißgrenze im HD-Teil dann,
wenn das Druckverhältnis des letzteren unter etwa 2,3 liegt. Für höhere Druckverhält-
nisse tritt im Gegenteil eine Annäherung an die Abreißgrenze ein. Absichtlich wird hier
von der Abreißgrenze statt von der Pumpgrenze gesprochen, da eine Überschreitung
dieser Grenze in einer Stufe noch nicht notwendig das Pumpen des ganzen Verdichters
zur Folge haben muß.
Diese Überlegungen liefern einen Hinweis, wie die Schaufelverstellung optimal aus-
zubilden wäre. Wenn der mit festen Leiträdern ausgerüstete Teil der Schaufelung im
fraglichen Betriebsbereich ein Druckverhältnis von unter 2,3 erzeugt, erreicht man die
größtmögliche Ausweitung des stabilen Betriebsbereiches durch ein Verstellgesetz, bei
dem alle Verstellstufen zugleich mit der ersten nichtverstellbaren die Abreißgrenze
erreichen. Denn dann übernimmt der ND-Teil den größtmöglichen Anteil an der Druck-
erzeugung. Liegt jedoch das Druckverhältnis des nichtverstellbaren Teiles auch im
betrachteten Betriebsbereich noch wesentlich über 2,3, so entsteht der größtmögliche
stabile Betriebsbereich, wenn man alle verstellbaren Leiträder so weit wie möglich zu-
dreht, damit diese Stufen ein Minimum an Druck erzeugen. Die Drehzahl wird sich dann
allerdings auf einen etwas höheren Wert einstellen als wenn die Druckerzeugung der
ersten Stufen größer wäre, weshalb dies einen besonders großen Verstellbereich der ersten
Stufe (genauer gesagt ihres Vorleitrades) verlangt, da sonst die Abreißgrenze überschritten
werden könnte. Praktisch bevorzugt der Gasturbinenbau aus naheliegenden Gründen
technischer Einfachheit die Ausführung mit nur wenigen Stufen mit verstellbaren Leit-
rädern, die alle in gleicher Weise verstellt werden. Die theoretische Behandlung kann
so erfolgen, daß man einen Satz dimensionsloser Gesamtcharakteristiken für diese Stufen-
gruppe berechnet, nämlich eine für jeden LeitradeinsteHwinkel y. Zusammen mit der
Charakteristik der restlichen Stufen (HD-Teil) entsteht dann ein Rechenverfahren analog
dem unter 13.3 für Zwischenabblasung angegebenen. GI. 13.3 (23) bleibt unverändert,
während GI. 13.3 (26) zu ersetzen ist durch
f]J _
2 -
f]J Il1o
1 II1
V ++ l
1
'Pdrh
'P1o/'YJ1o ·

An die Stelle des Freiheitsgrades rh 2 /rh 1 tritt der Freiheitsgrad y.


Die Folge der Leitradstellungen für den theoretisch idealen Fall, wo alle verstell-
baren Stufen zugleich an ihrer Pumpgrenze arbeiten und der dann sich einstellende
Betriebszustand, lassen sich in der nachfolgend angegebenen Weise nachrechnen. Wir
stellen uns die Aufgabe derart, daß die Durchflußmenge rh, der Eintrittszustand p"',
T"' und der Austrittsdruck Pw vorgeschrieben werden. Gefunden wird mit der Einstellung
der einzelnen Leiträder auch die Anzahl der Verstellstufen.
Für die Berechnung dürfen wir hier ideales Gas voraussetzen. Es muß beachtet
werden, daß dem ersten Laufrad ein verstellbares Vorleitrad vorausgehen muß, welches
den geforderten absoluten Zuströmwinkel c:x 1 herstellt. Der kleinste Winkel, der hier
eingestellt werden kann, legt die kleinste Durchsatzzahl fest, mit der die erste Stufe
74 13. Regelung der Turboverdichter

ohne Ablösung betrieben werden kann. Die Kontinuitätsgleichung lautet für die Kontroll-
ebene IX vor dem Vorleitkranz und die Kontrollebene 1 nach diesem, also am Laufrad-
eintritt
rhRTrx
!JrxCrx= (I9)
Prx
rhRT1
!J1 C1 Sin1X1 = P1
(20)

wobei Dor. und Q 1 die entsprechenden Ringquerschnitte sind und axiale Zuströmung
vorausgesetzt ist. Ferner ist die Gasgleichung verwendet. Praktisch wird meist Q"' R:! D1
sein, und die Strömung durch das Vorleitrad kann mit hinlänglicher Näherung als in-
kompressibel betrachtet werden. Dann gilt
(2I)
Ferner folgt dann aus der Bernoullischen Gleichung mit einem isentropen Wirkungs-
grad 'YJ• des Vorleitrades
Pl = p _ _!_ e"' c2
"' 7J, 2 "'
(-1-
sin <X
_ I)
(22)
2 1

oder mit Einführung der Gasgleichung

P1 =p"'[I- ~~ 2~;T"' (sin~<X 1 -I)]. (23)

Die Temperaturänderung ist außerordentlich gering, muß aber doch berücksichtigt


werden, da bei der Wirkungsgradbestimmung aus den Temperaturen schon Fehler von
I oc wesentlich sind. Es ist
(24)

Für die Zustandsänderung in der ersten Stufe sind die Druckzahl 1p und der innere
isentrope Stufenwirkungsgrad 'YJ• i maßgebend. Über diese Größen muß eine Charakte-
ristik vorliegen. Zweckmäßig ist in diesem Zusanimenhang eine Darstellung in der Art
von Abb. 5, wo statt der
Schaufelstellung der WinkeliX 1
als Parameter benutzt wird.
Konstantes 1X 1 entspricht aller-
dings nahezu konstanter
Schaufelstellung. Es ist nun
die isentrope Enthaipieände-
rung in der Stufe
f!$46
;i;:.
LI~.
0

= "P 2~ , (25)
att diejenige im Laufrad allein

ll2
."
LI~. = r "P 2u~ , (26)

während die wirkliche Enthal-


oaJ O,'J 0,5 7.3 pieänderung in der Stufe
A • j i,
Abb. 13.5.5 Stufencharakteristik einer Repetierstufe für verschiedene
LJ~=- (27)
7J,I
Laufradzuströmwinkel a 1 , die durch Leitradverstellung eingestellt
beträgt. Nun ist bei Charak-
werden können. r:p und 'IJI auf Nabendurchmesser bezogen, a 1 im
Mittelkreis gemessen teristiken der in Abb. 2 und 5
dargestellten Art stets c3 = c1 ,
IXa = 1X 1 vorausgesetzt, also nach Größe und Richtung gleiche Geschwindigkeiten am
Ein- und Austritt der Stufe. Diese Bedingung wird aber nicht erfüllt sein, denn das dem
ersten Laufrad nachfolgende verstellbare Leitrad wird ja im allgemeinen einen von IX 1
13.5 Axialverdichterregelung durch Schaufelverstellung 75
verschiedenen Winkel~Xa erzwingen, weshalb auch c3 =F c1 • Man kann dies berücksichtigen,
indem man zwar 1fl aus der Charakteristik entnimmt, dagegen GI. (25) ersetzt durch

(28)
Da andererseits der Vorgang im Laufrad durch das nachfolgende Leitrad nicht in wesent-
licher Weise beeinflußt wird, kann GI. (26) unverändert übernommen werden.
Für die Laufradaustrittsebene kann die Kontinuitätsgleichung in der Form
mRT2 n
- -- = q; u2 .:.&2 (29)
P2
geschrieben werden. Weiter gelten die Beziehungen

L1 i~' = Cp T1 Pk ( ~: x), , (30)

L1i, = Cp T1 Pk ( ~:, x), (31)


' LJi;'
T 2~ T t-r---, (32)
"'si c"
Ta= T1 +-.
.1i
cP
(33)
n . mRT
.:.&a Ca SlniXa = ---.
Ps
3
(34)
Damit ist nun das folgende Berechnungsverfahren möglich. Gegeben sind der An-
fangszustand Po" T"', die Durchflußmenge m und die Drehzahl n, somit also auch alle
Umfangsgeschwindigkeiten. Die gegebene Stellung des Vorleitrades erzwingt einen be-
stimmten Winkel~X 1 • Aus GI. (19) folgt dann c"', aus GI. (21) c1 , aus GI. (23) p 1 und aus
GI. (24) T 1 • Da die Dichteänderung im Laufrad nur gering ist, kann aus GI. (29) ein
Näherungswert von q; berechnet werden, wobei T 2 undp 2 durch T 1 undp 1 ersetzt werden.
Nach Voraussetzung sollen die Ausgangsdaten so gewählt sein, daß dieses q; nahezu
gleich dem Wert ist, welcher beim gegebenen ~X 1 der Abreißgrenze entspricht, vgl.
Abb. 5. Die in diesem Betriebszustand q;, ~X 1 gemäß der Charakteristik auftretenden 1fl
und r liefern mit GI. (26) L1 i~, mit GI. (30) p 2 , mit GI. (32) T 2 und folglich mit GI. (29)
ein genaueres q;. Mit diesem ist die Rechnung zu wiederholen. - Nun wählt man
versuchsweise einen ca-Wert und verfährt wie folgt. Aus GI. (28) berechnet man L1i.,
aus GI. (31) p 3 , aus GI. (27) L1i (wobei 'Y/si aus der Charakteristik entnommen wird),
aus GI. (33) T 3 und aus GI. (34) IXa. Dies ist zugleich das IX 1 des zweiten Laufrades. Schließ-
lich findet man aus GI. (29) das q; des zweiten Laufrades näherungsweise, indem man
wiederum vorerst für T 2 und p 2 die Werte vor dem Rad (also Ta und Pa der ersten Stufe)
einsetzt. Liegt das so erhaltene q; nicht sehr nahe an der Abreißgrenze, so wählt man ein
anderes c3 und wiederholt die Untersuchung bis diese Bedingung erfüllt ist. So erhält
man schließlich ein endgültiges IXa und damit die Einstellung des dem ersten Laufrad
nachfolgenden Leitrades. Es folgt die Berichtigung von q; genauso wie im Falle der ersten
Stufe und die Rechnung schreitet völlig analog weiter.
Indem man so die Einstellwinkel der aufeinanderfolgenden Leiträder Schritt für
Schritt bestimmt, erhält man schließlich für ein bestimmtes Leitrad eine Stellung, die
mindestens so weit oder weiter geöffnet ist wie die der festen Leiträder. Dies ist unter
den gegebenen Voraussetzungen die erste Stufe, die mit einem festen Leitrad versehen
sein darf. Sie wird im allgemeinen bereits etwas weniger nahe an der Abreißgrenze
arbeiten als die vorhergehenden Stufen. Von hier an geht die Rechnung Stufe für Stufe
weiter nach dem unter 11.6 angegebenen Verfahren. Man gelangt also schließlich zu
einem gewissen Enddruck Pw· Nun ist anhand des Durchflußgesetzes des Verbrauchers
zu kontrollieren, ob bei diesem Druck auch die vorausgesetzte Menge m wirklich durch-
gesetzt wird. Ist z. B. Pw zu klein, so müssen nun m und n größer angenommen werden
(ungefähr im gleichen Verhältnis, denn es soll ja in der ersten Stufe wieder derselbe
76 13. Regelung der Turboverdichter

Grenzwert q; entstehen) und die ganze Rechnung ist zu wiederholen bis Übereinstimmung
hergestellt ist. Die Rechnung ist außerordentlich langwierig, kann also nur mit der
elektronischen Rechenmaschine durchgeführt werden, da auch Iterationen auftreten.
Sie liefert für einen vorgeschriebenen Verstellbereich des Vorleitrades der ersten Stufe
die kleinste Anzahl verstellbarer Leitschaufelkränze, welche die volle Ausnutzung dieses
Verstellbereiches gestattet, die hierbei notwendige Folge der Einstellungen und den
größtmöglichen sicher stabilen Betriebsbereich, alles unter der Voraussetzung Pw!P:: ~ 2,3.
Zur praktischen Durchführung der Rechnung ist zu bemerken, daß man die lf'k-Funktion
sehr genau bestimmen muß, wenn nicht merkliche Streuungen in die Rechnung kommen
sollen. Die konstruktiven Komplikationen, die sich aus der angenäherten Verwirklichung
eines solchen allgemeineren Verstellgesetzes ergeben, dürften nicht notwendigerweise
so groß sein, daß sie solche Lösungen ausschließen.
Wenn auch mit solchen Leitschaufelverstellungen bei stark verminderter Drehzahl
das instabile Betriebsgebiet nicht vermieden werden kann, bleibt als zusätzliches Mittel
die Zwischenabblasung. Allerdings ist bei sehr kleiner Drehzahl das Pumpen oft un-
gefährlich und kann beim Anfahren oder Abstellen rasch durchfahren werden.

13.6 Radialverdichterregelung durch einstellbaren Vordrall


Die Wirkung eines einstellbaren, dem Radialverdichterlaufrad vorgeschalteten Leit-
rades kann leicht anhand des Geschwindigkeitsplanes, Abb. l, verfolgt werden. Die
Leistungszahl A. ist

A. = u2~;"2 = 2(Cu2- U1 Oul)


=2[(l-0n2cotß2)-UI0nlcot1XI]· (l)
Wenn die betrachtete Stufe aus der
Atmosphäre ansaugt, wo der mit In-
dex E bezeichnete Zustand herrscht, so
ist die isentrope Enthalpieerhöhung
Abb. 13.6.1 Geschwindigkeitsdreiecke zur Erklärung der L1isEa, gemessen vom Zustand E bis
Wirkung des einstellbaren Vordralles zum statischen Enddruck p 3 gemäß
Abb. 2 mit guter Näherung gegeben
PJ durch
E
0

2 -(
-
Ci)~
tp- --
2 '
~.
(2)
Pc
wo 'Y/e der Einlaufwirkungsgrad ist, der
c
-~
die Verluste im verstellbaren Vorleitrad
"<::! mit umfaßt. Da weiter mit 'Y/su als isen-
PE tropem Stufenwirkungsgrad, der die
Radreibung und die Spaltverluste nicht
Pt umfaßt
-~
"'<:! tp = 'Y/su(A. +
C~- Ci), (3)
folgt auch durch Einsetzen in GI. (2)
s
Abb. 13.6.2 Darstellung der Zustandsänderung in einer
L1~j~ 3 = 'f/su {2[(1 - On2 cotß2)-
Radialverdichterstufe mit einstellbarem Vordrall
-U10nlcot1XI]-On-o~(~. -r]su)·

Da aber 0 1 = On 1/sintX 1 und lfsin 2 1X1 = l + cot 1X1, folgt


2 schließlich

L1!•/B2S = 'Y/su {2 [(l - Cn2 cotß2) - ul Onl cotiXI] -


u2
0~} - 0~1 (l + cot2 1XI) (...!.._-
~.
'Y/su). (4)
13.6 Radialverdichterregelung durch einstellbaren Vordrall 77

Diese Gleichung zeigt, daß z. B. bei unverändertem Durchflu:ß, also konstantem


0 n 1, eine Verkleinerung von iX 1 (Zudrehen des Vorleitrades) zu einer wesentlichen Ab-
senkung von LlisE 3 und somit des Druckes p 3 führt, da ja cotiX1 zunimmt. Besonders
interessiert auch die Frage, wie die Verhältnisse sich verschieben, wenn man zugleich iX 1
und On 1 vermindert und zwar derart, daß der relative Zuströmwinkel ß 1 zum Laufrad
unverändert bleibt. Allgemein ist
Cu 1 = U1 - On! cotßl· (5)
Für den Auslegungspunkt, den wir durch Index 0 kennzeichnen, folgt aus dieser Glei-
chung mit Ou 1o = 0 die Beziehung
cotß1o = 0u1 . (6)
nlO
Weiter ist allgemein
Cu!
CO
t iX1 = o-·
nl
(7)

Wenn wir in dieser Gleichung Ou 1 durch den Ausdruck nach GI. (5) ersetzen und dort
cotß 1 zudem gleich dem durch GI. (6) gegebenen cotß 10 setzen -,wodurch wir ausdrücken,
daß der relative Zuströmwinkel konstant gehalten wird -, so erhalten wir
cotiXl =~
On!
[1- 0 nl ]·
cnlO
(8)

=
Zur Abkürzung setzen wir On 1/0n 1o a. Um anhand von GI. (4) das Verhalten der Stufe
zu überprüfen, das sich ergibt, wenn man Durchflußveränderung und Schaufeleinstellung
so aufeinander abstimmt, daß ß 1 unverändert gleich ß 10 bleibt - also gemäß GI. (8) -
muß man nicht nur diese Gleichung in GI. (4) einführen, sondern auch die Variation
von On 2 und 0 3 beachten. Vereinfachend setzen wir
(9) b
was zwar nur bei unverändertem Verdichtungsverhältnis streng
richtig wäre, für diese Untersuchung aber eine genügende Näherung
darstellt. Dann schreibt sich GI. (4)

.du~/~3 = 'l}su{2[(1 - a On2o cotß 2 ) - U~(l - a)]- a 2 0~0 } - 1,0


(],

-
0,6' 0,8 7,0
(10) a-
Abb. 13.6.3
Abb. 3 zeigt eine Auswertung dieser Gleichung für die folgenden Abhängigkeit der Druck·
erzeugung vom Durch-
beiden Fälle : fluß bei einem durch
Kurve a: OnlO = On20 = Oao = 0,3, UI = 0,55, ß2 = 45°, einstellbaren Vordrall
konstant gehaltenen re-
'l}su = 0,85, 'l}e = 0,95. lativen Zuströmwinkel ß1
Kurve b: OnlO = On20 = 3 = 0,35, UI = 0,4,
0 ß2 = 74°, a rückwärtsgekrümmte
Schaufeln; b radialstehende
'l}su = 0,85, 'Y/e = 0,95.
Schaufeln

Der Fall Kurve a entspricht einem Laufrad mit rückwärtsgekrümmten Schaufeln und
einem Laufradaustrittswinkel von etwa 40° (also verhältnismäßig flach), der Fall Kurve b
einem offenen Rad mit Schaufelaustrittswinkel90°, was einschließlich des Minderleistungs-
faktors auf etwa ß2 = 74 o führt. Kurve a zeigt einen schwachen Anstieg der Größe
LlisEa/(u~/2), wenn der Durchfluß auf die Hälfte zurückgeht, während bei Kurve b sogar
annähernd Konstanz dieser Größe erhalten wird. Läßt man gewisse Abweichungen des
Winkels ß 1 von seinem Optimalwert ß 10 zu, und zwar in Grenzen, die noch keine starke
Verschlechterung mit sich bringen, so kann man selbst ein Abfallen der Druckerzeugung
der Stufe mit abnehmender Menge erhalten, wie es viele Verbraucher fordern.
Am wirksamsten ist dieser Regeleingriff bei der einstufigen Maschine, doch kann
er auch bei der mehrstufigen mit Vorteil herangezogen werden, da man damit den Anfangs-
druck der nachfolgenden Stufen in der Hand hat. Die rechnerische Verfolgung der mög-
78 13. Regelung der Turboverdichter

liehen Betriebszustände basiert in diesem Falle auf einem Satz Charakteristiken der
ersten Stufe - für verschiedene Vorleitradwinkel y - und der Charakteristik des rest-
lichen Teiles der Maschine. Sie erfolgt analog zu bereits behandelten Fällen der Hinter-
einanderschaltung von Stufengruppen mit bekannten Charakteristiken.

13.7 Verdichter mit Zwischenkühlung


An Verdichtern mit Zwischenkühlung sind dieselben Regeleingriffe möglich wie an
adiabatisch arbeitenden Maschinen. Auch die Berechnungsverfahren lassen sich in sinn-
gemäßer Weise übertragen. An sich läßt sich der mit Zwischenkühlern versehene Ver-
dichter stets auffassen als eine Reihe von hintereinandergeschalteten adiabatisch
arbeitenden Verdichtern, deren jeder behandelt wird wie oben erläutert. Meist wird
es aber zweckmäßig sein, eine Gesamtcharakteristik des gekühlten Verdichters zu er-
mitteln, die dann als Grundlage der Regelungsuntersuchungen dienen kann. Diese
Gesamtcharakteristiken lassen sich aus den Charakteristiken der einzelnen adiabatischen
Teilverdichter gewinnen, wie am Beispiel eines Verdichters mit einer Zwischenkühlung
gezeigt wird. Als Arbeitsmittel wird ideales Gas vorausgesetzt, weil nämlich sonst die
Aufstellung einer allgemeingültigen (dimensionslosen) Charakteristik wegen des kompli-
zierteren Zusammenhanges zwischen Enthalpie und Temperatur unmöglich ist. Beim
ungekühlten Verdichter muß die Temperatur nicht explizite in die Untersuchung eingehen,
wohl aber beim gekühlten.
Wir betrachten also einen Verdichter, der Gas vom Anfangszustand p 1 , T 1 zunächst
auf p 2 verdichtet, worauf nach einer Zwischen-
~ kühlung der Zustand Pa, Ta hergestellt und der
1__j Druck schließlich im HD-Teil auf p 4 gebracht
wird, siehe Abb. 1. Es sei
Il' = P2, (1)
Pl

Il" = EJ..
Pa'
(2)

B= P2-Pa, (3)
Abb. 13.7.1 Schema eines Verdichters mit P2
Zwischenkühlung
Il = P4
Pl
= (1 - e) Il' Il". (4)
Weiter lauten die dimensionslosen Kenngrößen, die Durchfluß und Drehzahl kenn-
zeichnen
f/>' = ~ ~v Tl, (5)
mo P1 T1o

f/>" = ~ .J!!.Q_
mo Pa
VTa ,
Tao
(6)

n *'-
- -no -Tl- ,
n VTlo (7)

n *"-
-- -Ta- .
n VTao
no (8)

Mit ihrer Hilfe läßt sich das Verhalten des ND- und des HD-Teiles einzeln darstellen
durch Charakteristiken der Form
Il' = Il'(f/>', n*'), (9)
Il" = Il" ( f/>", n*"), (10)
'TJ~ = I' (Il', n*'), (11)
'TJ~' = I" (Il", n*"). (12)
13.7 Verdichter mit Zwischenkühlung 79

Durch Einsetzen von GI. (5) in GI. (6) erhält man

(/>" = (/>' P1 Pao


P1o Pa
V T1o Ta .
Tl Tao
(13)

Wegen Pa/P1 = (1 - s) Il' wird dies mit der hinreichend genauen Annahme s = konst.
auch
(/>" = (/> Il:
Ilo
V V T1o
Tao
Ta.
Tl
(14)
Weiter findet man aus GI. (7) und (8)
n*" = n*'VTao VTl. (15)
T1o Ta
Die innere Arbeit ist allgemein
L·z = Cp
[T 1 IJFk(II')
'
+T 3
IJFk(II")]
II '
(16)
1); 1);

während der Arbeitsaufwand für die isotherme Verdichtung den Wert


LT = RT1 lnll (17)
hat. Daraus ergibt sich für den isothermen Wirkungsgrad
Lr x- l lnii
'Y}T = L; = - X - IJFk(IJ') + !2_ IJFk(IJ") '
(18)
'7; T1 1);'

wobei die Bezeichnung RfcP = (u - 1)/u verwendet ist. Oft interessiert auch die End-
temperatur T 4 , die gegeben ist durch
T 4-- T 3 IJFk(II") II (19)•
1);

Die Durchrechnung eines beliebigen Betriebszustandes kann nun in folgender Weise


geschehen. Die gegebenen Ausgangsdaten seien n, m, p 1 , T 1 , T 3 • Dann folgen aus
GI. (5) und (7) (/>' und n*' und damit aus der Charakteristik des ND-Teiles, die durch
GI. (9) und (11) dargestellt wird, Il' und 'YJ;. Weiter liefert GI. (14) (/>" und GI. (15) n*",
worauf durch die Charakteristik GI. (10) und (12) II" und 'YJ" bestimmt sind. Damit
gibt GI. (4) II, Gl. (18) 'YJT und GI. (19) T 4•
Beim Versuch, diese Untersuchung für eine genügend große Anzahl von Fällen ein
für allemal durchzuführen, stößt man allerdings auf die Erschwerung, daß auch bei
dimensionsloser Behandlung noch drei unabhängige Variable auftreten, nämlich außer (/>'
und n*' noch T 3 fT 1 , wie man aus GI. (14) und (15) erkennt, die den Übergang zu (/>"
und n*" vermitteln. Dasselbe Temperaturverhältnis tritt auch in GI. (18) auf, während
GI. (19) bei der dimensionslosen Behandlung zweckmäßig in der Form

(20)

geschrieben wird, womit auch hier das gleiche Temperaturverhältnis vorkommt. Die
Anzahl der unabhängigen Veränderlichen läßt sich im allgemeinen nicht auf zwei zurück-
bringen, es sei denn daß
rf
T
=
1
const

gesetzt werden dürfe 1 • Dies ist aber nur ganz ausnahmsweise möglich, denn Ta hängt
vor allem von der Kühlwassertemperatur ab, die kaum proportional T 1 sein wird. Genau-
genammen geht selbst das wärmeübertragungstechnische Verhalten des Zwischenkühlers
in diese Zusammenhänge ein, wenn auch meist mit hinreichender Genauigkeit Ta pro-
1 Der Fall n = const = n 0 , Ta = /(T1) führt ebenfalls zu einer zweiparametrigen Schar von Betriebs-
zuständen.
80 13. Regelung der Turboverdichter

portional der absoluten Eintrittstemperatur des Kühlwassers angenommen werden darf.


Der so entstehende Fehler liegt bei Teillast auf der sicheren Seite, denn die Kühlung
wird bei Teillast besser.
Für sehr genaue Untersuchungen muß
t n*'=7,7---- man also den Parameter T 3 fT 1 etwa drei
Werte durchlaufen lassen und erhält für
7,0---
49-- jeden eine Charakteristik der in Abb. 2 an-
0,8--- gegebenen Art, womit durch Interpolation
jeder beliebige Betriebszustand auffindbar
~~-----------------------------
ist. Damit hat man die vollständige Grund-
lage einer exakten regeltechnischen Unter-
suchung. - Den Fall des Verdichters mit
mehreren Zwischenkühlern erhält man durch
sinngemäße Verallgemeinerung des oben aus-
geführten, wobei aber beachtenswerterweise
die Anzahl der freien Parameter im allge-
0 ~I
meinen nicht weiter zunimmt. Die End-
temperaturen nach den verschiedenen Küh-
Abb. 13.7.2 Charakteristik eines Verdichters mit
Zwischenkühlung lern sind nämlich entweder alle ungefähr ·
gleich oder sie haben doch näherungsweise
einen einfachen Zusammenhang miteinander, so daß man alle kennt, wenn man eine kennt.

13.8 Funktionelle Probleme der Verdichterregelung


Entsprechend den sehr verschiedenen Arten der Anwendung von Turboverdichtern,
können auch die funktionellen Probleme ihrer Regelung völlig verschiedene sein. Be-
sondere Verhältnisse treten z. B. auf, wenn mehrere .Verdichter in ein gemeinsames Netz
fördern, vgl. darüber KLUGE [11]. Hier beschränken wir uns auf eine kurze Erörterung
der Funktionsweisen der wichtigsten Typen von Regelsystemen.
In gewissen industriellen Betrieben ist heute noch die reine Handregelung gebräuch-
lich. Sie hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß ihr Funktionieren vom Be-
dienungspersonal leicht verstanden und überblickt werden kann. Oft sind aber die
Betriebsbedingungen so kompliziert, daß sie auf diese Weise entweder gar nicht mehr
oder nur mit unvertretbarem Personalaufwand beherrscht werden können, womit die
automatische Regelung notwendig wird. Auch das Bestreben, unter den verschiedenen
Betriebsbedingungen möglichst
wirtschaftlich, d. h. mit klein-
stem Leistungsaufwand zu fah-
ren, führt zur automatischen
Regelung. Deshalb findet man
bei Verdichterregelungen zwi-

---CD--rn I
schen einfachster Handbedie-
nung und kompliziertester Au-

'
I 1
tomatik alle Zwischenstufen.
L-Cp----- _ _ _ ...JI
Abb.l zeigt im Blockschema
die Arbeitsweise einer Regelung
dJ a b
auf konstanten Förderdruck.
Von einer Druckmeßvorrich-
Abb. 13.8.1 Schema einer Regelung auf konstanten Förderdruck tung 1 aus (z. B. Druckdose)
a) Regeleingriff an der Antriebsmaschine, b) Regeleingriff am Verdichter selbst wird ein den Istdruck darstel-
lender Regelimpuls zum Regel-
block 2 weitergegeben, während gleichzeitig von der Druckeinstellvorrichtung 3 aus ein
den Solldruck darstellender Impuls zum gleichen Regelblock gelangt. - Die Einstellung
13.8 Funktionelle Probleme der Verdichterregelung 81
des Solldruckes kann von Hand oder selbst wieder automatisch in Funktion irgendwelcher
Betriebsgrößen des Verbrauchers erfolgen. - Ausgehend von der Differenz zwischen
Istdruck und Solldruck leitet nun der Regelblock Eingriffe entweder an der Antriebs-
maschine (Abb. la) oder am Verdichter (Abb.l b) oder an beiden gleichzeitig ein, derart,
daß die Differenz zum Ver-
schwinden kommt. Als Eingriff
ist in Abb. 1 b Saugdrosselung
angedeutet, doch kann grund-
sätzlich irgendeiner der bespro-
chenen Eingriffe vorgenommen
werden.
Wesentlich komplizierter
kann die Regelung werden,
--QJ----rn
I
I A
wenn ein bestimmter Sollwert I f2l 7 I
der Menge vorgeschrieben wird. L~---- ___ _J

Im Beispiel Abb. 2 ist zu die-


sem Zweck in der Ansaugleitung
a
cb
eine Venturi-Düse 1 angeordnet. b
Ausgehend von der dort ge- Abb. 13.8.2 Schema einer Regelung auf konstante Fördermenge
messenen Druckdifferenz wird a) Regeleingriff an der Antriebsmaschine, b) Regeleingriff am Verdichter selbst
ein die Istmenge darstellender
Impuls an den Regelblock 2 weitergeleitet. Andererseits wird diesem von einer Einstell-
vorrichtung 3 aus der Sollwert der Menge gegeben. Der Unterschied zwischen beiden
beeinflußt die Antriebsmaschine (Abb. 2a) oder den Verdichter selbst (Abb. 2b) oder
beide zugleich im gewollten Sinne. - Die Venturi-Düse
beansprucht viel Raum, ist aber gewöhnlichen Düsen oder
Blenden unbedingt vorzuziehen, denn beigegebenem "Wirk-
druck" (der Messung zur Verfügung stehendes Llp) ist die
als Verlust zu betrachtende Druckdifferenz zwischen Ein-
tritt und Austritt kleiner als bei diesen letzteren. Eine _
sehr verlustarme Mengenmessung ermöglicht das Staurohr,
das aber geeicht werden muß (dies gilt allerdings oft auch a
für Düsen und Blenden, weil sie nicht immer normgerecht - - - - - - - - - - - -
eingebaut werden können). Seinen Nachteil, nur einen ge-
ringen Wirkdruck zu geben, kann man vermeiden durch
den sog. "Staudruckvermehrer". Dieser besteht aus einer
inmitten der Leitung angeordneten kleinen Venturi-Düse,
vgl. Abb. 3a, in deren engstem Querschnitt die Öffnung des
Staurohres sitzt. Da die dort sich einstellende Geschwindig-
keit weit über der mittleren Geschwindigkeit im Rohr
liegt, wird ein entsprechend größeres L1 p gemessen. Man :--1
kanndiesesPrinzipauchmehrmalsanwenden, sieheAbb.3b, b 1
wo die Anordnung auch insofern anders getroffen ist, als .__,____,
tJp
auf ein Staurohr verzichtet, und das L1 p in der sonst bei
Düsenmessungen üblichen Art gemessen wird. Wenn vor Abb. 13.8.3 Staudruckvermehrer
Eintritt in den Verdichter keine Störung der Strömung a) einfache Venturidüse mit Staurohr,
b) doppelte Venturidüse ohne Staurohr
(Saugdrosselung, Umblasung) auftritt, so kann der Druck-
abfall im Ansaugstutzen selbst unmittelbar als Wirkdruck benutzt werden, womit die
Mengenmessung völlig verlustfrei ist.
In genauer Weise läßt sich allerdings die Durchflußmenge rh aus der Messung einer
Druckdifferenz Llp allein noch nicht gewinnen, denn es gilt ja

(l)
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 6
82 13. Regelung der Turboverdichter

oder wenn ideales Gas vorausgesetzt wird


.-
m- xVpLlp
---r_r-• (2)

wobei 0 und K von der Anordnung abhängige Größen sind, die übrigens nur näherungs-
weise Konstanten sind, da sie z. B. von der Re-Zahl abhängen können. Die genauere
Mengenbestimmung würde also verlangen, daß die drei Größen p, LI p und. T in die Regel-
vorrichtung eingegeben werden. Oft verlangt der Betrieb nur eine ganz ungefähre Ein-
haltung der Sollmenge. Dann kann man von
den Veränderungen des Druckes und der Tem-
peratur am Verdichtereintritt absehen und
sich mit der Messung von Llp begnügen. Das
genügt aber nicht mehr, wenn größere Ge-
nauigkeit verlangt wird, was im Zusammen-
hang mit vollautomatischen Pumpverhütungs-
vorrichtungen der Fall sein kann. Aber auch
dann, wenn die Menge nicht in der Saug-
leitung, sondern in der Druckleitung gemessen
wird - z. B. bei Abblaseregelung, wo hinter
dem Abblaseventil gemessen werden muß -
muß auf die genaü.ere Relation (2) gegriffen
werden, selbst wenn keine besondere Genauig-
keit verlangt wird. Die Regelvorrichtung kann
0 0
7
in solchen Fällen nach dem folgenden Grund-
gedanken gestaltet werden. Nach GI. (2) ist
zunächst
0 0
logm = logK + l(logp + logLip -logT). (3)
Die Größe (logp + log LI p - logT) hängt also
eindeutig mit m zusammen (K wird als kon-
stant betrachtet). Nach Abb. 4 wirken nun die
Meßwerte p, LI p und T (dieses durch die Länge
des Stabes 3 gemessen) auf geeignete Kurven-
scheiben ein, derart, daß die Höhenlagen der
Rollen 4, S, 6 proportional logp, logLip und
logT sind. Das angeschlossene Hebelwerk gibt
eine Höhenlage des Punktes 7, die proportional
logp +logLip -logT ist. Von ~er Mengenein-

- stellvorrichtung 8 aus wird ferner der Dreh-


punkt 9 so verschoben, daß seine Lage, von
oben nach unten gemessen, dem Logarithmus
------------~llr---- des Sollwertes von m proportional ist. Durch
Abb. 13.8.4 Schema einer automatischen Mengen- geeignete Wahl der Proportionalitätsfaktoren
regelvorrichtung und Hebelverhältnisse läßt es sich offensicht-
lich erreichen, daß der Drehpunkt 10 stets in
derselben Lage bleibt, solange der Sollwert von m gleich dem durch GI. (3) gegebenen
Istwert ist. JedeAbweichung von Istwert undSoliwert verschiebt hingegen denPunktlO,
was als Ausgangsimpuls für die entsprechenden Regeleingriffe verwendet werden kann.
Das Schema, Abb. 4, gibt natürlich nur das funktionelle Prinzip; die technische Ver.
wirklichung kann auf sehr verschiedene Arten erfolgen.
Meist ist es notwendig, Regelungen der in Abb. 1 und 2 dargestellten Art noch zu
ergänzen durch eine Pumpverhütungsvorrichtun g. Das Verfahren besteht dabei darin,
ein Abblase- oder Umblaseventil (auch Zwischenabblaseventil) zu öffnen, sobald die
Gefahr einer Überschreitung der Pumpgrenze besteht. Wir betrachten zunächst den
13.8 Funktionelle Probleme der Verdichterregelung 83

einfachen Fall konstanter Drehzahl und unveränderlichen Eintrittszustandes. Dann wird


die Druck-Mengencharakteristik durch eine einzige Kurve dargestellt, siehe Abb. 5.
Daraus erkennt man, wie eine Pumpverhütungsvorrichtung in diesem Fall zu steuern
ist. Bei einer steilen Charakteristik (Abb. 5a), wie sie besonders beim Axialverdichter
anzutreffen ist, genügt es offenbar, von einem gewissen Druckp* an aufwärts das Abblase-
oder Umblaseventil allmählich zu öffnen (siehe Kurve für den Ventilöffnungsquerschnitt f).

p p

----+----------- -
I
t
"-.

0 r- fmax
a b
Abb. 13.8.5 Zur Steuerung der Pumpverhütungsvorrichtungen
a) steile Charakteristik (Axialverdichter), b) flache Charakteristik (Radialverdichter)

Bei genügend großem Querschnitt kann so das Pumpen mit Sicherheit vermieden werden.
Im Extremfall ist das Ventil so zu bemessen, daß es bei größter Öffnung die volle Menge
durchläßt, denn dann wird das Pumpen auch verhindert, wenn der Abfluß zum Ver-
braucher völlig abgesperrt wird. Bei flacher Charakteristik (Abb. 5b) muß die Purnp-
verhütungsregelung vom Ansaugvolumen aus gesteuert werden. Von emem nahe der
Pumpgrenze befindlichen Grenzwert V* ausgehend, P
öffnet das Abblaseventil in der durch die Quer- p
schnittskurve f angegebenen Weise. P'o..,
Gegenüber dem in Abb. 5 veranschaulichten r! -------------~-

einfachsten Fall tritt in Wirklichkeit die Erschwe- \\


rung hinzu, daß der Eintrittszustand - meist in- \
\
folge klimatischer Einflüsse - nicht konstant ist. \
\
Auch die durch Netzfrequenzschwankungen be- \
dingten Drehzahländerungen sind nicht immer be- \
\
--------------------~
langlos. Wir betrachten etwa einen aus der freien
Atmosphäre ansaugenden Axialverdichter und
nehmen an, daß gleichzeitig die Außenlufttempe-
0 v
Abb. 13.8.6 Einfluß klimatischer .Änderungen
ratur sehr hoch, der Barometerstand sehr tief und auf die Pumpgrenze bei steiler Charakteristik
die Netzfrequenz etwas unter ihrem Sollwert sei.
Dann kommt, wie aus der dimensionslosen Darstellung der Gesamtcharakteristik sogleich
zu erschließen ist, die Pumpgrenze wesentlich tiefer zu liegen (siehe Abb. 6), z. B. vom
Punkt P zum Punkt P'. Das einfachste Mittel, dieser Schwierigkeit zu begegnen, besteht
darin, das p* der Pumpverhütungsvorrichtung von vornherein so einzustellen, daß auch
in diesem Extremfall das Pumpen noch sicher vermieden wird. Wie aus Abb. 6 hervor-
geht, bedeutet dies aber, daß unter normalen Bedingungen das Abblasen bereits einsetzt,
lange bevor dies nötig wäre. Man verzichtet damit auf eine Druckreserve, welche die
Maschine eigentlich geben könnte, ausgenommen bei besonders ungünstigen klimatischen
Verhältnissen.
Weiter betrachten wir das Beispiel eines Verdichters mit flacher Charakteristik und
nehmen an, die Außentemperatur sei besonders tief, der Barometerstand besonders
6*
84 13. Regelung der Turboverdichter

hoch. Dann rückt die Pumpgrenze von P nach P', siehe Abb. 7. Für die Messung des
Durchflußvolumens am Eintritt ist auf GI. (2) zurückzugreifen. Es ist
V=rhv=rhRT =KRTVpLlp =K'VTLlp. (4)
p p T p
Wenn nun, wie es meist der Fall ist, die Regelung nur von LI p aus gesteuert wird, so
täuscht diese Anzeige offenbar bei besonders tiefem T und besonders hohem p ein zu
p großes V vor (denn die unter der Wurzel stehende
po..~--- . . . . .
T- und p-Korrektur wird nicht berücksichtigt).
p ........... , Die durch die Verschiebung der Pumpgrenze und
I '
durch den Meßfehler bedingten Abweichungen
I '\ addieren sich also hier. Will man trotzdem das
I \
I \ Pumpen unter allen Umständen vermeiden, so
I \ muß man die Regelung so einstellen, daß man
: \ einen beträchtlichen Teil der Volumenreserve der
I \
----------L------------
I
-~ Maschine verliert.
I Den hier geschilderten Nachteilen kann man
o v v unter Beibehaltung einfacher Regelsysteme nur
Abb.13.8.7 Einfluß klimatischer Änderungen ausweichen, indem man es dem Betriebspersonal
auf die Pumpgrenze bei flacher Charakteristik überläßt, mindestens in Extremfällen einzugreifen
und durch Verstellen der Regelvorrichtung die An-
passung an die jeweiligen Bedingungen herbeizuführen. Eine völlig automatische Pump-
verhütungsregelung, welche die Nebeneinflüsse mitberücksichtigt und damit ohne über-
mäßig große Sicherheitsspanne auskommt, wird selbst bei konstanter Drehzahl nur
wenig oder gar nicht einfacher als der komplizierteste Fall, bei dem auch noch die Dreh-
zahl wesentlich ändert. Um die Funktionsweise dieser allgemeinsten Pumpverhütungs-
regelung zu erkennen, müssen wir auf die dimensionslose Darstellung der Verdichter-

" "

0 0
a b
Abb. 13.8.8 Linien beginnender Abblasung (gestrichelt)
a) bei steiler Charakteristik, b) bei flacher Charakteristik

charakteristik zurückgreifen. Wir schreiben uns also vor, daß das Abblasen an den
gestrichelten Kurven Abb. 8a und Sb beginnen soll. Eine solche Kurve kann z. B. durch
eine Gleichung der Form
II = j(n*) (5)

dargestellt werden, was besonders bei steiler Charakteristik nach Abb. 8a zweckmäßig
ist. Eine Regelvorrichtung, die von dieser Beziehung ausgeht, zeigt im Blockschema
Abb. 9. Gemessen wird durch den Fliehkraftregler 1 die Drehzahl und durch den Tempe-
raturfühler 2 die Temperatur. Beide Meßimpulse wirken auf den Regelblock 3 ein, der
daraus die Größe
n* =~ 1['1';; (6)
no V--p;-
13.8 Funktionelle Probleme der Verdichterregelung 85

,-----------,
I 18
I
I
I
I
I f(D)

c)~B
~t ln i
8-r@J
I I I
Pt&
I
t &pf
I r
I L;--v-----<
L_ ._/- _!__ •....1.
tJp

Abb. 13.8.9 Blockschema einer vollautomatischen Abb. 13.8.10 Blockschema einer vollautomatischen
Pumpverhütungsvorrichtung. Regelimpulse: Eintritts- Pumpverhütungsvorrichtung. Regelimpulse: Druck-
zustand, Austrittsdruck, Drehzahl verhältnis, Menge

Solange II ~ f(n*), wird von dort aus nichts weiteres veranlaßt. Übersteigt jedoch II
den Wert f(n*), so wird ausgehend vom Block 8 das Abblaseventil9 geöffnet, und zwar
um so stärker, je weiter II über f(n*) liegt.
Eine andere Möglichkeit, die vor allem für die flache Charakteristik nach Abb. Sb
in Frage kommt, besteht darin, von einer Darstellung der gestrichelten Kurve gemäß
W = f(II) (7)
auszugehen. Da
(8)

bedeutet die Messung von W das Messen der Größe


!!:_ 1/TE. (9)
PE
Aus der Relation (2) ergibt sich, daß dies proportional der Größe
_1_vpE.dp VTE = v.dp (10)
PE TE p
ist. Daraus folgt das Regelschema nach Abb. 10. Von den Druckfühlern 1 und 2 aus
werden die Impulse PE und PA zum Block 3 gegeben, der daraus das Verhältnis II
bildet und dieses weitergibt an Block 4, der dieses in f (II) umformt. Vom Druckfühler 1
aus wird PE zusätzlich auf den Block 5 übertragen. Dieser erhält vom Venturi-Rohr 6
und dem Druckfühler 1 zusammen außerdem den Impuls L1 p und bildet aus den beiden
die Größe W, die ja proportional dem durch GI. (10) gegebenen Wurzelausdruck ist. Wund
f (II) werden zum Block 7 weitergeleitet. Solange W ~ f (II), geschieht kein weiterer
Eingriff. Fällt aber W unter f(II), so wird vom Block 7 aus das Öffnen des Abblase-
ventils 8 herbeigeführt.
In der technischen Ausgestaltung werden solche vollautomatischen Pumpverhütungs-
vorrichtungen sehr verwickelt, wobei noch zu bedenken ist, daß diese ganze Zusatz-
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Aufl. 6a
86 14. Regelung der Gasturbinen

regelung ja zum übrigen Regelsystem hinzukommt und mit ihm in zweckmäßiger Weise
zu kombinieren ist. Es ist wenig bekannt, daß eine vollautomatische Verdichterregelung,
die es gestattet, den stabilen Betriebsbereich stets voll auszunützen, und gleichzeitig
das Pumpen mit Sicherheit vermeidet, unvermeidlich derart kompliziert wird. Beachtet
man weiter, daß der kostenmäßige Aufwand für das Regelsystem in einem angemessenen
Verhältnis zu den gesamten Erstellungskosten der Anlage stehen muß, so drängt sich
der Gedanke auf, die ganze Regelung auf elektronischer Basis auszuführen und nur für
die Krafteinschaltung zur Verstellung der Regelorgane selbst auf hydraulische Servo-
motoren überzugehen. Bis heute sind fast ausschließlich mechanisch-hydraulische (u. U.
auch pneumatische) Regelsysteme zur Anwendung gelangt. Über deren Ausbildung vgl.
die Bemerkungen in Abschn. 12.5.
Literatur
[1] AGUET, E.: Les turbines agaz Sulzer de 7500 kW alimentees en gaz de haut fourneau. Revue Uni-
verselle des Mines, 9' Serie, tome X, no. 12, Liege 1954.
[2] -: Sulzer-Axialgebläse für Hochofenwind. Techn. Rundschau Sulzer 37 (1955) No. 3, S. I.
[3] BLASIG, K.: Regelung von Turbokompressoren mit dem Strahlrohrregler. Stahl u. Eisen 53 (1953) H. 15.
[4] ECKERT, B., u. E. SCHNELL: Axial- und Radial-Kompressoren, 2. Aufl. Berlin/Göttingen/Heidelberg:
Springer 1961.
[5] GILLI, R.: Die Metamorphose des Turbokompressors bei Brown Boveri vom ersten Kompressor der
Welt bis zum Typ Isotherm. Brown Boveri Mitt. 30 (1943) No. 11/12, S. 346.
[6] HALLER, M.: Turbogebläse in Hochofenanlagen. Brown Boveri Mitt. 39 (1952) No. 5/6, S. 189.
[7] -: Das Brown Boveri-Turbogebläse im Großstahlwerk. Brown Boveri Mitt. 39 (1952) No. 5/6, S. 200.
[8] HoLLECK, B.: Selbsttätige elektrische Regelung des Dampfkreiselverdichters. AEG-Mitt. (1938) S. 477.
[9] HuBER, F.: Brown Boveri Isotherm-Kompressoren. Brown Boveri Mitt. 39 (1952) No. 5/6, S. 179.
[10] KLuGE, F.: Regelung von Kreiselverdichtern. ZVDT 84 (1940) 837.
[11] - : Kreiselgebläse und Kreiselverdichter radialer Bauart. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Springer 1953.

14. Regelung der Gasturbinen

14.1 Regeleingriffe
Im einfachsten Falle ist die Veränderung der Brennstoffzufuhr der einzige Regel-
eingriff, der an einer Gasturbine vorgenommen wird. Oft aber sind zudem weitere Ein-
griffe wünschbar oder notwendig. Gründe, die dazu führen, sind vor allem die folgenden:

a b
Abb.14.1.1 Abblaseregelung am Verdichter bei Gasturbinen
a) einfaches Zwischenabblasen, b) Zwischenabblasen mit Einführung zwischen zwei.Turbinenstufen

Vermeidung des Pumpens des Verdichters bei Teillast, Verbesserung des Teillastwirkungs-
grades, Beschleunigung des Regelvorganges, Vermeidung des Durchbrennens bei plötz-
lichem LastausfalL
14.1 Regeleingriffe 87
So können am Verdichter grund-
sätzlich alle jene Eingriffe vorgenom-
men werden, die auch sonst bei Turbo-
verdichtern üblich sind, besonders das
Abblasen und Zwischenabblasen, Ab-
bildung 1 a. Drehzahlvariation des Ver-
dichters kommt oft dank der Besonder-
heit der Schaltung schon durch die
Veränderung der Brennstoffzumessung
zustande. Verstellbare Leiträder wer-
den in zunehmendem Maße verwendet.
Saugdrosselung kommt kaum in Frage,

2
----I><J-

Abb. 14.1.2 Einer mechanisch unabhängigen


Nutzleistungsturbine ist eine Drosselungs- und
Absperrklappe 1 vorgeschaltet. Abblaseventil 2
verhindert das Pumpen des Verdichters, wenn
1 geschlossen

I
·-1><1-
Abb. 14.1.3
Umgehungsorgan an einer mechanisch un-
abhängig laufenden Nutzleistungsturbine

schon weil es sich meist um Axial-


verdichter handelt, für welche dieses
Regelverfahren sehr unwirtschaftlich
wäre. Auch die Anordnung besonderer
R ekuperationsturbinen ist kaum in Er-
wägung zu ziehen. Hingegen ist z. B.
die Überführung einer zwischen ein-
zelnen Verdichterstufen entnommenen
Teilmenge in eine Zwischenstufe der
Turbine - zweckmäßig zwischen HD-
und ND-Turbine - denkbar, vgl. Ab-
bildung 1 b.
An der Turbine selbst sind die
aus dem Dampfturbinenbau bekannten
Regeleingriffe (Drosselung, Teilbeauf-
88 14. Regelung der Gasturbinen

schlagung, Stufenumgehung) schwer oder gar nicht durchführbar. Drosselung, z. B. mit


einer Klappe, ist möglich, aber verlustreich. Die Klappe müßte möglichst vor der
Brennkammer angeordnet werden, damit wenigstens die Temperaturprobleme vermieden
werden, vgl. Abb. 2. Teilbeaufschlagung scheidet der großen Durchsatzvolumen wegen
vollständig aus. Umgehung einzelner Stufen durch eine Teilmenge des Heißgases wurde
schon ausgeführt, hat sich aber nicht bewährt. Höchstens kommt die Umgehung ganzer
Turbinen, z. B. einer mechanisch unabhängig laufenden Nutzleistungsturbine in Frage,
z. B. Abb. 3, nicht aber die Einführung vor eine Zwischenstufe innerhalb eines Gehäuses.
Hingegen ist bei der Gasturbine im Gegensatz zur Dampfturbine das Verstellen eines
Turbinenleitrades ein möglicher und u. U. sehr zweckmäßiger Eingriff, vgl. Abb. 4 und 5,

Abb. 14.1.5 Verstellbares Leitrad einer Gasturbine der General Electric Co., nach McMuLLEN [8]

denn es kann so auf verlustarme Weise die Schluckfähigkeit beeinflußt werden. Zur Ver-
meidung des Durchbrennens von ND-Turbinen bei plötzlicher Entlastung, ist es auch
möglich, im Abgasstutzen vorübergehend zu stauen, vgl. Abb. 6. Dies isttrotzdes großen
Durchsatzvolumens t echnisch denkbar, da das Stauorgan ja keineswegs dichten muß;
allerdings ist der bauliche Aufwand groß.
Weitere Regeleingriffe sind in großer Zahl vorgeschlagen, aber zum kleinsten Teil
praktisch erprobt worden. So ist es z. B . möglich, einer mechanisch unabhängig von der

t--1.....______,

Abb. 14.1.6 Gasturbine mit mechanisch un- Abb. 14.1.7 Leistungsübertragung von der Verdichter·
abhängig laufender Nutzleistungsturbine und gruppeauf die Nutzleistungsturbine oder umgekehrt, z. B.
Drosselorgan D hinter dieser auf elektrischem Wege; 1 und 2 sind Motorgeneratoren

Nutzleistungsturbine laufenden Turbogruppe künstlich (z. B. elektrisch) Leistung zu-


zuführen oder zu entziehen, Abb. 7. Zum Zwecke einer vorübergehenden starken Lei-
stungssteigerung kann Wasser in die Brennkammer eingespritzt und dort verdampft
werden, wobei die Verdampfungswärme durch eine gleichzeitige Erhöhung der Brenn-
stoffzufuhr aufzubringen ist, vgl. PFENNINGER [10]. Die so erreichbare Leistungsst eige-
rung ist sehr beträchtlich. Der thermische Wirkungsgrad sinkt etwas ab. Der Wasser-
verbrauch ist hingegen außerordentlich groß. Über die Ablagerung von K esselstein an
14.1 Regeleingriffe 89
der Turbinenschaufelung, die zu befürchten ist, scheinen noch keinerlei Erfahrungen
vorzuliegen.
Eine Sonderstellung nimmt die geschlossene Gasturbine ein, da bei ihr die sog.
Pegelregelung möglich ist. Abb. 8 zeigt das entsprechende Schema und den Prozeß im
is-Diagramm. Im Auslegungspunkt sei z. B. der tiefste Druck im Prozeß p 1 und der
höchste p 2 • Im Kreislauf ist eine bestimmte Luftmasse eingeschlossen. Lediglich infolge
der Stopfbüchsverluste entweicht ständig eine kleine Menge, die dauernd ersetzt werden
muß. Zu diesem Zweck ist ein Reservebehälter 1 vorgesehen, aus dem über ein Regel-
ventil 2 die benötigte Luftmenge nachgespiesen wird. Der Behälter 1 wird seinerseits
mit Hilfe eines Verdichters 4 nachgefüllt. Soll nun z. B. die Leistung vermindert werden,

0 s
Abb. 14.1.8 Schema und is-Diagramm der Pegelregelung der geschlossenen Gasturbine

so wird das Ventil 3 vorübergehend geöffnet, so daß ein Teil des Luftinhaltes des Kreis-
laufes nach außen entweicht. Damit stellt sich schließlich ein neuer Beharrungszustand
ein, bei dem der tiefste Kreislaufdruck p~, der höchste p~ ist. Der Lufterhitzer wird
ähnlich einem Dampferzeuger so geregelt (namentlich durch die Brennstoffzufuhr), daß
die Höchsttemperatur T max stets denselben Wert beibehält. Die tiefste Temperatur des
Prozesses liegt ebenfalls fest, da sie nur wenige Grade über der gegebenen Kühlwasser-
temperatur liegt. Schließlich läuft die Turbogruppe mit unveränderlicher Drehzahl, da
sie mit dem Generator gekuppelt ist. Da Luft praktisch ein ideales Gas ist und somit
j = cPT mit konstanter Temperatur ebenfalls konstant ist, läßt sich leicht erkennen,
daß unter diesen Bedingungen alle Maschinen in einem festen Punkt ihrer dimensions-
losen Charakteristik arbeiten. Es wird daher auch p~fp~ = p 2 jp 1 • Damit geht das is-Dia-
gramm des Arbeitsprozesses bei Teillast aus demjenigen bei Vollast lediglich durch
eine Horizontalverschiebung hervor, vgl. Abb. 8. Bis auf Nebeneffekte ist daher auch
der Teillastwirkungsgrad gleich dem Vollastwirkungsgrad. - Der Übergang von kleinerer
auf größere Last erfolgt sinngemäß durch Öffnen des Regelventils 2 und damit Auffüllen
des Kreislaufes.
Wenn auch bei dieser Pegelregelung alle Belastungszustände in günstiger Weise ohne
die Gefahr des Pumpens gefahren werden können, so kann doch der Übergang von einem
zum anderen Beharrungszustand verwickelte Probleme aufwerfen. Dies gilt vor allem
beim völligen Ausfallen der Last. Deshalb können auch bei der geschlossenen Gas-
turbine zusätzlich ähnliche Regeleingriffe nötig werden, wie sie oben schon für das
offene Verfahren angegeben wurden.
Die Regelung der Gasturbine wird dadurch wesentlich erschwert, daß alle Drosselungen,
Abblasungen oder Umführungen den Wirkungsgrad des Gesamtprozesses sehr ungünstig
beeinflussen. Solche Eingriffe kommen also nur für Betriebszustände in Frage, die niemals
längere Zeit gefahren werden. Wirtschaftliche Dauereingriffe sind außer der Brennstoff-
zumessung nur das Verstellen von Leitapparaten an Turbinen und Verdichtern und in
begrenztem Umfang vielleicht Leistungsübertragung der in Abb. 7 gezeigten Art.
90 14. Regelung der Gasturbinen

14.2 Berechnung der Beharrungszustände


Jeder mögliche Beharrungszustand muß die folgenden Bedingungen erfüllen: Die
Durchflußmenge durch die Turbinen muß gleich der Durchflußmenge durch die Ver-
dichter sein (gegebenenfalls vermindert um die Durchflußmengen von Abblase- oder
Umgehungsventilen). Strenggenommen unterscheiden sich die beiden Mengen um die
Brennstoffmenge und die Leckmengen; beide Einflüsse sind klein und einander ent-
gegengesetzt, können also meist vernachlässigt werden. - Weiter erfüllen alle Maschinen
diejenigen Gesetzmäßigkeiten, die durch ihre Charakteristiken ausgesprochen sind.
Schließlich muß die Bedingung des Leistungsgleichgewichtes an mechanisch unabhängig
vom Nutzleistungsempfänger laufenden Turbogruppen erfüllt sein, d. h., es ist Gleich-
heit von Turbinen- und Kompressorleistung zu fordern. Die Formulierung dieser Prinzi-
pien liefert in jedem Falle ein System von Beziehungen, das die Gesamtheit der möglichen
Beharrungszustände festlegt. Diese Beziehungen sind für jede Schaltung besonders auf-
zustellen. Wir behandeln anschließend drei einfache Grundfälle. Die Behandlung kompli-
zierter Schaltungen kann alsdann durch sinngemäße Verallgemeinerung erfolgen. In
allen Gleichungen dieses Kapitels sind die Drücke, Temperaturen, Enthalpien usw.,
strenggenommen als Totaldrücke, Totaltemperaturen, Totalenthalpien usw. zu verstehen.
a) Einwellige Anlage. Abb. 1 zeigt das Arbeitsschema und die Numerierung der Zu-
standspunkte. Wir setzen
II=ll (1)
- P1'

II7 = _&_
Ps
= ( 1 - s) l l = ( 1 -
P1
s) II, (2)
"-1
(3)
"-1

(4)

Die lJI können also auch aus den Bildtafeln 1 bis 6 des Anhanges von Bd. I abgelesen
werden. Dabei sind für die Isentropenexponenten u jeweils die für den betreffenden
Temperaturbereich gültigen Werte einzusetzen.
Weiter sei

6
(5)

(6)

(7)
1

Hierbei verweist Index Null stets auf den Aus-


E legungspunkt. 1J und n* können hier mit dem
Abb. 14.2.1 Schema und Numerierung der Verhältnis der absoluten Temperaturen statt
Zustandspunkte für die einwellige Gasturbine
mit dem der Normalenthalpien gebildet werden,
weil das Arbeitsmittel ein ideales Gas ist. Für die Turbine kann auch gebildet werden

(8)

Die Rechnung basiert auf den Charakteristiken des Verdichters und der Turbine wie
sie z. B. durch Abb. 2 und 3 dargestellt werden. Nach den Ausführungen unter 11.3
ist das Durchflußverhalten der Turbine darstellbar in der Form

(9)
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 91

wobei der "Ellipsenfaktor" E (Il r) meist hinreichend genau durch einen Wurzelausdruck
analog GI. 12.9 (2) wiedergegeben werden kann. In GI. (9) ist die Rückwirkung der
relativen Drehzahl n~ auf den Durchfluß vernachlässigt, der z. B. bei der Darstellung
GI. 11.3 (12) durch das Verhältnis der Mittelwerte der Schluckzahlen ft zum Ausdruck
kommt. Für die meisten in Frage kommenden Betriebszustände ist dieser Einfluß aber
sehr gering.
Die Gleichheit der Durchflußmengen von Turbine und Verdichter läßt sich nun so zum
Ausdruck bringen, daß man den Ausdruck GI. (9) für mfm 0 in GI. (5) einsetzt, womit
<fJ = E (IJ r) .1!.!_
P4o
V T maxO PEo
T max PE
1[1.';.
VT;;;
(10)

Die relativen Druckverluste, die durch s erfaßt sind, können näherungsweise als konstant
betrachtet werden, sofern nur kleine Abweichungen von II gegenüber Il0 in Frage kom-
men. Genauer ist s folgendermaßen zu gewinnen. Im Auslegungszustand ist
So= Pzo- P4o + Pso- P1o.
Wenn wir dann setzen Pzo P10
Pzo- P4o = fs Pso- P1o = (1 _ /) So,
Pzo 0' P1o
so ist mit sehr guter Näherung

10

9
// l\ '~nlflu
/,
/'
\ \
, -
8
/
~....
....~ 1"-- ~5
. ~

1u
7 / .a-~
......

)
...... ~
,......~" ..... jj;Y'; _;,O.. k'
6
I . . . - z;..
":.-/' ~/_.v~
1,0

2~
...........
.............. ..... ......-
5
. 8/
I
!
~
I......I'
: rf
I....-....-..-
....-/ . . . -
v,.....- !--"',......
/
....... ~ /
V
_l_
0,9

/ v. .___..
~
~,
/ .......... t20,8
t~
3
,..-
~-- B n*=l18 1,0
1,1
.......

2o,s
//
0,6
\
0,7
'i
0,8
IY0,9 1,0 1.1 1,2 0,79 0,78 0,82 o,o6 a9o
.P-- TJv--
Abb. 14.2.2 Charakteristik des Axialverdichters einer einwelligen Gasturbine. Gestrichelte Linien stellen
das Durchllußverhalten der Turbine für verschiedene Temperaturverhältnisse dar

Weiter können, vermöge GI. (7), die Temperaturen durch Temperaturverhältnisse ersetzt
werden. Dann geht GI. (10) über in
<P = E (Il r) II(l - s) Ps PEo 1(7f;
Ilo(l - Eo)Pso PE VT
oder weil in diesem Zusammenhang meist genügend genau 1
Ps PEo(l - s) "'"' 1
Pso PE(! - Eo) ,...., '
auch
(12)
1 Bei Gasturbinen, die lnit kleinem Druckverhältnis und großen Druckverlusten arbeiten, kann diese

Näherung unzulässig werden.


92 14. Regelung der Gasturbinen

Da II r, vermöge Gl. (2), durch II gegeben ist, ist damit (fJ ausgedrückt in :Funktion von II
und {}. Dieser Zusammenhang kann in die Verdichtercharakteristik eingetragen werden,
siehe die gestrichelten Kurven mit Parameter {} in Abb. 2.
Damit kann nun ein beliebiger Betriebszustand in folgender Weise nachgerechnet
werden. Man schreibt sich die beiden Werte
0
n* und {}vor. Diese legen in der Verdichter-
charakteristik, Abb. 2, einen bestimmten

"' '\
0, 9
Punkt P fest, für welchen nun II, (fJ und der
0, 8
/). ~ 0
~ 1'6t---8
isentrope Verdichterwirkungsgrad 'YJv bekannt

~!/'\
sind. Aus Gl. (8) ist n~ bekannt und mit
I, ""'9
dem aus Gl. (2) und (11) bestimmten II Taus

'YI
7
I'J
~
der Turbinencharakteristik, Abb. 3, auch der
0,6 innere isentrope Turbinenwirkungsgrad 'YJr.
Il=2 Man hat somit die nötigen Unterlagen zur
0,5 Berechnung des Prozesses. Wir greifen auf
die Ausführungen unter 2.5 zurück und
0,2 0,6 0,8 1,0 ~9 ~8
setzen wie dort
n~- -
Y =-p-
c (13)
- Cpv '
Abb. 14.2.3 Beispiel einer Wirkungsgradcharakte-
ristik einer Turbine wobei cP T und cP v die Mittelwerte der spezi-
fischen Wärmen in Turbine und Verdichter
sind und Cp den ideellen Mittelwert für den Verbrennungsvorgang bedeutet. Dann ist
die innere Arbeit L; nach Gl. 2.5 (17)
L; = CpvTE [Y {} 'Pe'Y/T- ~; ]· (14).

Mit der Abkürzung


(15)
läßt sich also schreiben
*
N ;-- A (n, {}) N ;o
PE- - T
TE .
PEo
VI EO
(16)

Die Größe A hängt in der Tat nur von n* und {}ab, denn wenn diese beiden Parameter
gegeben werden, liegen, wie oben dargelegt, (!J, II, II T, 'YJv und 'Y/T fest, womit gemäß
Gl. (15) der Ausdruck A berechenbar ist. Die Durchführung dieser Rechnung für das
ganze Feld der in Frage kommenden n* und {} liefert ein Diagramm der Art Abb. 4a.
Ferner ist nach Gl. 2.5 (24) der innere thermische Wirkungsgrad 'Y/thi des Prozesses
'Jfk
Y f} 'Pe'YJT--
'Yjv
(17)
'Y/th i = -(1_+_a-)y--{;-f}---(-;-1-+-~=;---:-)---'YJ-r~[f}-(l:..!...:.--'YJ-1'-'Jf-,)-----c(:--1-+--;~:;;-;--:-)]::7"}"

Auch dieser Ausdruck kann wie A für jedes in Frage kommende Wertepaar n*, {} be-
rechnet werden, sofern man noch den Rekuperatorwirkungsgrad 'Y/r und den die Abstrah-
lung kennzeichnenden Zuschlag iX (Größenordnung 0,005 bis 0,02) konstant setzt. Gerrauer
ist es, für den Rekuperatorwirkungsgrad zu setzen
rho )0,25
'Y/ro ( rh
'Y/r = 1 + [( rhrho )0,25 - I ] 'YJro
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 93

rh 0 /rh kann man in dieser Gleichung wohl stets hinreichend genau durch ll 0fll ersetzen.
Der Wert des Exponenten, der mit 0,25 angegeben ist, hängt etwas vom Apparatetyp
ab. Für Querstromapparate kann er bis 0,3 betragen, während bei Längsstrom vereinzelt
Werte bis 0,2 auftreten können, je nach dem besonderen Wärmeübergangsgesetz des
Apparates. So kann schließlich, wie in Abb. 4 b, auch 'Y/th; in Funktion von n* und {}
dargestellt werden.
Mit Hilfe der Diagramme, Abb. 4, können nun in weiten Grenzen beliebige Betriebs-
zustände rasch ermittelt werden. Gegeben sollen sein der Umgebungszustand PE, TE,
die Turbineneintrittstemperatur T max und die Drehzahl n. Dann liefert Gl. (6) n*,
Gl. (7) {}, Abb. 4 A und 'Y/thi und Gl. (16) N;. Effektivleistung und effektiver thermischer
Wirkungsgrad folgen daraus durch Multiplikation mit dem mechanischen Wirkungsgrad.
2~---r----~--~----~

0,2

t
<c
s
1::-
2,5

I
0 0.1
I
I
I
I
I
I
I
I
I
-10,7 0
0,8 0,9 1,0 1,1 0.7 O,tJ 0,9 1,0 1,1
a n*- b n*-
Abb. 14.2.4 Beispiel einer Gesamtcharakteristik einer einwelligen Gasturbinenanlage
Diagramm a) Charakteristische Leistungsgröße, Diagramm b) Innerer thermischer Wirkungsgrad

Eine erschöpfende Darstellung aller möglichen stationären Betriebszustände der


Anlage ist damit allerdings noch nicht unter allen Umständen gewonnen. Vor allem
können, wie in Abb. 2 gezeigt, die durch das Durchflußgesetz der Turbine gegebenen
gestrichelten Kurven {} = konst. die Pumpgrenze bzw. Stabilitätsgrenze überschneiden.
Die Punkte links dieser Schnittpunkte entsprechen entweder keinen stationären Betriebs-
zuständen (pulsierende Förderung, also das Pumpen) oder es ist zwar ein stationärer
Betriebszustand möglich, doch arbeitet der Verdichter mit rotierender Abreißströmung,
was seine Schaufelung gefährden kann. Es sind also Mittel zur Vermeidung dieser Schwie-
rigkeiten vorzusehen. Wird etwa ein Abblaseventil angeordnet, so kann z. B. die Turbine
in einem Betriebszustand arbeiten, der durch den Punkt A dargestellt wird, der Ver-
dichter aber z. B. im Punkt B. Die Differenz der zugehörigen 4>-Werte entspricht der
abzublasenden Menge. Zur Herabsetzung der Leistung bis zum Wert Null ist zwar ein
solches Abblasen bei der vorliegenden Schaltung niemals notwendig, denn es ist stets
möglich, {} so weit herabzusetzen, daß die Nutzleistung verschwindet. Hingegen kann
das Abblasen unumgänglich werden während des Anlassens, besonders bei Verdichtern,
die für hohe Druckverhältnisse ausgelegt sind. Darüber vgl. die Ausführungen unter
13.3 und 13.5, aus denen hervorgeht, daß in diesem Falle die Zwischenabblasung zwischen
einzelnen Verdichterstufen zweckmäßig ist. Ein modernes und sehr zweckmäßiges Mittel
94 14. Regelung der Gasturbinen

zur Lösung dieses Problems ist die Anordnung verstellbarer Leitapparate in den ersten
Stufen des Verdichters.
Nicht eingeschlossen in diese Betrachtung sind weiter die Einflüsse der Reynolds-
Zahl. Diese kann bei festgesetzten Werten n* und {} immer noch variieren. Meist aller-
dings ist der in Frage kommende Variationsbereich so klein, daß kein wesentlicher
Einfluß zustande kommt. Bei Flugtriebwerken kann aber die Reynolds-Zahl in großer
Flughöhe so sehr absinken, daß die Verschlechterung der Maschinen fühlbar wird. Das
Flugtriebwerk entspricht übrigens nie dem einfachen Fall der einwelligen Anlage, der
hier behandelt wird, da als zusätzlicher Parameter noch die Mach-Zahl der Fluggeschwin-
digkeit hinzukommt. Der Fall ist theoretisch eng verwandt mit demjenigen einer in Serie
geschalteten Nutzleistungsturbine.
Schließlich kann noch ein weiterer Einfluß deutlich in Erscheinung treten, der bisher
unbeachtet geblieben ist, nämlich der Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Dies gilt vorab für
tropische Verhältnisse. Bei atmosphärischem Druck und 40 oc ist der Dichteunterschied
zwischen trockener und mit Feuchtigkeit gesättigter Luft etwa 5%, also keineswegs
vernachlässigbar. Strenggenommen wird dadurch sogar die Anzahl der dimensionslosen
Parameter unseres Problems vergrößert, denn es ergibt sich eine leichte Verschiebung
des Isentropenexponenten. Diese ist aber von so geringem Einfluß, daß sie vernach-
lässigt werden kann. Mit dieser Vereinfachung ist, wie leicht verifiziert werden kann,
der Einfluß der Luftfeuchtigkeit dadurch erfaßbar, daß man die Definitionsgleichungen (5)
und (6) ersetzt durch
rp- m PEo
= mo PE
RTEV RoTEo'
(5')

(6')

Hierbei sind R und R 0 die Gaskonstanten für den betrachteten und den Auslegungs-
zustand, wie sie sich aus den jeweiligen Luftfeuchtigkeiten ergeben.
Auch in GI. (8) wären unter der Wurzel die Faktoren R 0 und R beizufügen, womit
aber die Form
n*-
T - n*VD;
7}

gerade wieder bestehenbleibt. Desgleichen würde das Durchflußgesetz der Turbine lauten

~ = J!LVRoTmaxo E(IIT), (9')


mo P4o RTmax
womit GI. (12) unverändert bleibt. Damit ist gezeigt, daß unsere dimensionslose Dar-
stellung auch den Einfluß der Feuchtigkeit mit hinreichender Genauigkeit umfaßt. Eine
eingehende Untersuchung darüber führt HEIL [17] durch, und er findet in der Tat, daß
der Feuchtigkeitseinfluß sehr gering ist. Beim Übergang zur absoluten Leistung irgend-
eines bestimmten Betriebszustandes ist alsdann GI. (16) im Rahmen unserer Näherung
zu ersetzen durch
Ni= A (n*, {})Nio PE VRRTTE . (16')
PEo o Eo

An GI. (16) oder (16') mag überraschen, daß nach diesen Beziehungen die Anlage-
leistung scheinbar zunimmt, wenn die Umgebungstemperatur steigt. Dies trifft aber
nur zu, wenn der Faktor A gleichzeitig unverändert bleibt. Das bedeutet, daß die Höchst-
temperatur im gleichen Verhältnis gesteigert wird wie die Umgebungstemperatur und
zudem noch die Drehzahl proportional der Wurzel aus dieser letzteren hinaufgesetzt
wird. Unter diesen Umständen ist eine Leistungssteigerung durchaus einleuchtend.
Aus der Gesamtheit der möglichen Betriebszustände sondert nun weiterhin die
Charakteristik des Nutzleistungsempfängers - d. h. die ihm eigentümliche Relation
zwischen Drehzahl und Leistungsaufnahme - das Feld der tatsächlich auftretenden
Betriebszustände aus. Dieses Feld stellt in dimensionsloser Darstellung immer noch eine
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 95

zweiparametrige Mannigfaltigkeit dar und ist nichts anderes als ein bestimmter ab-
gegrenzter Ausschnitt aus dem durch Abb. 4 wiedergegebenen Gesamtfeld. Erst wenn
man sich noch auf einen bestimmten Umgebungszustand, z. B. PEo, TEo festlegt, ent-
steht eine einparametrige Mannigfaltigkeit von Betriebszuständen, wobei dann das
Ergebnis der Untersuchung zusammengefaßt werden kann in einer Kurve, die den ther-
mischen Wirkungsgrad in Funktion der Leistung darstellt nach Art von Abb. 5.
Besonders wichtig ist es aber gerade bei der Gasturbine, sich darüber Rechenschaft
zu geben, was bei geändertem Umgebungszustand, besonders bei erhöhter Umgebungs-
temperatur TE geschieht. Wenn die Drehzahl vom Nutzleistungsempfänger aus ent-
weder in Funktion der Leistung (z. B. bei Antrieb eines Propellers oder einer Pumpe)
a, 3 oder fest (elektrischer Generator) vor-
geschrieben ist, bedeutet eine Erhöhung
~ von TE eine Herabsetzung von n* und
V damit gemäß Abb. 4a eine Verkleinerung
/
V
O,Z

\
9
/

V 1,2

~
'I/ '~
0

0,8

0 0.2 0,9 0,8


Ni/Nio-
0,8 1,0 1,2 20 0 20 °C
tE-
"'"'
'10

Abb. 14.2.5 Wirkungsgradverlauf in Funktion der Be- Abb. 14.2.6 Gemäß Abb. 4 bei konstant gehaltener
lastung, aus Abb. 4 bestimmt mit konstanter Dreh- Höchsttemperatur tma.r. = 735 oc und konstanter
zahl n = n 0 und konstanter Umgebungstemperatur Drehzahl in Funktion der Umgebungstempe-
TB= TBo· Verlauf weniger günstig als nach Abb. 14.5.9 ratur tg erzeugbare relative Leistung N 1/N10 für
weil Druckverhältnis im Auslegungspunkt hoch (Il0 = 6) einwellige Gasturbine

des für die Leistung maßgebenden Faktors A. Da die Höchsttemperatur des Prozesses
meistens aus technischen Gründen für längere Betriebszeit keine weitere Steigerung zuläßt,
bedeutet höheres TE zugleich tieferes#, also eine weitere Herabminderung von A. Daher
fällt die höchste ohne Übertemperatur erzeugbare Leistung mit zunehmender Um-
gebungstemperatur stark ab, vgl. z. B. Abb. 6. In besonders hohem Maße gilt dies bei
Nutzleistungsempfängern, deren Drehzahl mit der Leistung variiert (Propeller), denn
dann kann wegen des Leistungsmankos schon die Normaldrehzahl n 0 nicht erreicht
werden, womit der Leistungsabfall nur um so stärker wird. Es ist ohne weiteres möglich,
daß sich das Leistungsgleichgewicht überhaupt nicht mehr herstellen läßt und die Anlage
somit einfach versagt. Man vermeidet dies durch die Wahl anderer Schaltungen.
b) Zweiwellige Anlage, Turbinen in Serie geschaltet. Abb. 7 zeigt das Schema der
Anlage, deren ND-Turbine die Nutzleistung abgibt. Mit der dort angegebenen Nume-
rierung der Zustandspunkte setzen wir
Il = P2' (18)
PI
II T = Pa = (l - e) II, (19)
Ps
Jl' =Pa, (20)
P4
[J" = P4. (21)
Ps
96 14. Regelung der Gasturbinen

Damit wird auch


II ' = (1 - e) II
(22)
II" .

Für das Turbinenaggregat (HD- und ND-Turbine) als Ganzes gilt dasselbe Durchfluß-
gesetz wie im vorhergehenden Falle, weshalb wiederum

tP =E(Ilr) ~V~ (23)

gesetzt werden kann. In der Verdichtercharakteristik lassen sich also dieselben ge-
strichelten Linien # = const eintragen wie in Abb. 2. Außerdem muß nun aber auch

Ps
Abb. 14.2.7 Schema und Numerierung der Zu- Abb. 14.2.8 Kegeldiagramm für die gesamte Expansion
standspunkte für die zweiwellige Gasturbine mit und für die ND-Turbine allein bei Schaltung nach Abb. 7.
seriegeschalteten Turbinen Für beide Kegel Durchflußmenge (gestrichelte Strecke)
und Gegendruck (Strecke a) gleich groß. Daraus Zuord-
nung von P4 und Pa

das Durchflußgesetz für jede Turbine einzeln erfüllt sein, vgl. die Darstellung in Abb. 8
und 9. Deshalb muß z. B. gelten
(24)

Nach den bereits unter Abschn. 11.3 durchgeführten Überlegungen bleibt das Druck-
verhältnis Il' der HD-Turbine bei einer Veränderung des gesamten Druckverhältnisses IIT

"nn
EIl"0
---~ ----
I
I
tI
0 II a u'
Abb. 14.2.9 Graphische Bestimmung der Zuordnung der Druckverhältnisse II und II"

fast unverändert, und dasselbe gilt daher mit sehr guter Näherung auch für das Tem-
peraturverhältnis T 4 jT 3 = T 4 /T max· Daraus folgt aber

(25)
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 97

Indem man dies in Gl. (24) einsetzt und den so erhaltenen Ausdruck für rhjrh 0 in Gl. (5)
verwendet, folgt
(26)
Da aber
(27)
wird aus Gl. (26)
rp = E" (Il") II" (l
IIo' (l
+ e)
+ eo)
V D0
D ·
(28)

Mit Gl. (23) erhält man daraus auch, wenn wieder (l + s)/(l + s 0 ) R:! 1 gesetzt wird 1

E (II ) _!!_ = E" (II") II" (29)


T Ho IIo' ·

Diese Gleichung stellt den Zusammenhang zwischen II und Il" her, da II T vermöge
GI. (2) zugleich mit II gegeben ist.
Neu kommt gegenüber der einwelligen Anlage hinzu die Gleichgewichtsbedingung
an der freilaufenden Turbogruppe. Genauer formuliert muß der Überschuß der Tur-
binenarbeit über die Verdichterarbeit gleich der Lagerreibungsarbeit L, pro Massen-
einheit Luftdurchsatz sein.
L,. =TE [cP T {} P; 'YJ~ - cp v 'Pk]. (30)
1'/v

Hier ist 'YJ~ der innere isentrope Wirkungsgrad der HD-Turbine und
"_1

p; - 1 - ( ~' )-" . (31)


Aus Gl. (30) folgt auch
(32)

Für die Lagerreibung läßt sich mit hinreichender Genauigkeit setzen

L r-- L ro (- n )2 -- L rO n *2 -TJIJ
T, (33)
no Eo
somit auch
(34)
Mit
(35)
wird also Gl. (32) schließlich
(36)

Die Berechnung irgendeines Betriebszustandes ist jetzt in folgender Weise möglich.


In vorbereitender Rechnung bestimmt man erst die linke Seite von Gl. (29) in Funktion
von II und die rechte in Funktion von Il", vgl. Abb. 9. Nun wählt man irgendeinen
Wert II und bestimmt daraus das zugehörige Il", siehe den gestrichelten Linienzug
Abb. 9. Mit Gl. (22) hat man auch Il' und somit nach der Beziehung (31) P~, während
Pk aus II schon bekannt ist. Mit vorerst geschätzten Werten 'YJ~, 'YJv und n* liefert GI. (36)
eine erste Näherung von {}. Das Diagramm, Abb. 2, liefert zu den jetzt gegebenen Wer-

1 Gegebenenfalls ist auf die genauere Relation Gl. (ll) zurückzugreifen.


Traupel, Turbomaschinen II, 2. Aufl. 7
98 14. Regelung der Gasturbinen

ten II und {} die n*, f[J und 'f}v, worauf mit GI. (8) das n';. der HD-Turbine bekannt ist.
Mit diesem und Il' liefert die HD-Turbinencharakteristik, Abb. IOa, ein berichtigtes 'Y}; ..
Nun kann die Rechnung von
GI. (36) an wiederholt werden,
'TJ'r'
bis Übereinstimmung herge-
stellt ist. Die Rechnung läßt
sich selbstverständlich voll
automatisieren, wobei kurven-
mäßig gegebene Funktionen
durch geeignete mathematische
Ansätze in die Rechenmaschine
einzugeben sind. Dieses Ver-
fahren füh•·t auf eine eindeutige
0 n*T 0 Lösung. Dies ist deshalb be-
a b achtlich, weil hier die An-
Abb. 14.2.10 Wirkungsgradcharakteristiken der beiden Turbinen nahme einer einzigen Größe,
a) HD-Turblne, b) ND-Turbine nämlich II, genügt, um die
Lösung vollkommen festzule-
gen, während im vorhergehenden Falle in dimensionsloser Darstellung zwei freie Para-
meter vorhanden sind, z. B. n* und {}.
In naheliegender Abwandlung der vorhergehenden Ausführungen ergibt sich hier
(37)

(38)

(39)
'Y}thi (1 + oc) y {1} - (1 + f;-) - 1]r [ 1J(1 - P; 1]~) (1 - P;' 1]~) - ( 1 + f;-)]} .
In diesen Gleichungen tritt als neuer, durch die bisherigen Untersuchungen nicht fest-
gelegter Parameter der innere Wirkungsgrad 'YJ~ der ND-Turbine auf. Er hängt gemäß
der Charakteristik, Abb. lOb, ab von Il" und der charakteristischen Drehzahl n*" der
ND-Turbine. Es ist
(40)

wobei n" die Drehzahl der ND-Turbine ist, die vom Nutzleistungsempfänger vorgeschrie-
ben wird. Betrachtet man wiederum die sämtlichen möglichen Betriebszustände, so ist
für jede der oben bestimmten Lösungen, d. h. für jedes II, die Größe n*" zu variieren.
Damit erhält man jeweils die zugehörigen 'YJ'f und somit A und 'Y}thi. Mit der unabhängigen
Variation von n*" werden also A und 'Y}thi wieder Funktionen von zwei Variablen, wie
im vorhergehenden Falle. Trotzdem ist der Unterschied ein durchaus wesentlicher, denn
in dem praktisch vor allem in Frage kommenden Bereich ist der Einfluß von n*" auf 'YJ~
derart klein, daß auch die Abweichungen von A und 'Y}thi äußerst geringfügig werden.
So macht es z. B. im Bereich zwischen Vollast und l/3-Last für den Verlauf des ther-
mischen Wirkungsgrades keinen fühlbaren Unterschied, ob nun der Nutzleistungs-
empfänger mit konstanter Drehzahl oder nach dem "Propellergesetz" (Drehzahl pro-
portional der dritten Wurzel aus der Leistung) arbeite. Ein sehr ausgedehntes zwei-
parametriges Feld von Betriebszuständen entsteht praktisch nur bei Gasturbinen für
Straßenfahrzeuge oder Lokomotiven, wo bei jedem Druckverhältnis II die Drehzahl der
ND-Turbine von Null bis zum zulässigen Höchstwert variieren kann.
Sehr gut ist bei der vorliegenden Schaltung der Einfluß der Umgebungstemperatur
zu überblicken. Da einem gegebenen Druckverhältnis II eindeutig ein Wert {}entspricht,
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 99
läßt sich für ein vorgeschriebenes TE auch sogleich das T max = {} TE angeben, das be-
nötigt wird, um das verlangte II zu erreichen. Da aber andererseits Tmax begrenzt ist,
ergibt sich so mit der Charakteristik, Abb. 11, für jede Umgebungstemperatur ein Höchst-
wert von II, A und ?}thi. - Die allfällige Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit kann
hier, wie auch bei der nachfolgend besprochenen Parallelschaltung, in gleicher Weise
erfolgen wie bei der einwelligen Anlage.
Zwei Feinheiten verdienen hier noch
Beachtung. Die eine betrifft die Abhängig-
keit der Druckverlustgröße s von II. Sie
ist gegeben durch GI. (11) (unter sinn-
gemäßer Berücksichtigung der anderen
Numerierung der Zustandspunkte), sofern
zwischen HD- und ND-Turbine kein nen-
nenswerter Druckabfall in Rechnung zu
setzen ist. Ist hingegen ein solcher Druck-
abfall vorhanden, so kann GI. (11) zwar
übernommen werden, nur muß man dann
setzen 0,1

0 0 z~L-~3--'f+--,5~-~6--*7-~8
Psop- P1o = (1 _ /) 130 , IJ-
10
Abb. 14.2.11 Gesamtcharakteristik einer zweiwelligen
wobei Ll p 40 der Druckabfall zwischen HD- Gasturbine mit Serieschaltung nach Abb. 7
und ND-Turbine im Auslegungszustand
ist. Eine zweite Bemerkung betrifft die in diesen Untersuchungen stets wiederkehrende
Funktion E, also den "Ellipsenfaktor". In den Gleichungen wird er als nur vom Druck-
verhältnis abhängig angegeben, während das genaue Durchflußgesetz der Turbine ver-
langen würde, daß man setzteE (II r, n;.), wobei sich/lT und n;. auf die jeweils betrachtete
Turbine beziehen. Über diese Zusammenhänge vgl. o.-----,-----,---,---.,..-----,--.,...--,
die Ausführungen unter 11.5 in Bd. I, sowie bei
CORDES [18], GASSERT [19], HAUSENBLAS [20] und
JAGGI [21]. Im allgemeinen ist nun der Einfluß
der Variation von n~ im interessierenden Bereich
so klein, daß er vernachlässigt werden kann. Bei 6 t
der ND-Turbine der hier behandelten Schaltung 1:::::
kann aber der Einfluß doch fühlbar werden. Das 'f 1---+--+---+.Y'-1+---H---H
Rechenverfahren ist dann entsprechend auszu-
gestalten, was bei Verwendung der elektronischen
Rechenmaschine leicht möglich ist. Es geht dann
in Gl. (29) als weitere Variable noch n*" ein, und
man erhält für die aus Verdichter und HD-Turbine
0 0,2 a'f a6 1,1
tP--
bestehende Gruppe eine zweiparametrige Schar Abb. 14.2.12 Betriebslinie b (Linie der mög-
von Betriebszuständen, da man ja die beiden un- lichen stationären Betriebszustände) in der
abhängigen Variablen II und n*" verfügbar hat; Charakteristik des Verdichters einer zwei-
der Einfluß der zweiten Variablen ist naturgemäß welligen Gasturbine mit Serieschaltung nach
Abb. 7
verhältnismäßig klein.
Die Tatsache, daß die Betriebszustände der aus Verdichter und HD-Turbine be-
stehenden Turbogruppe dimensionslos mindestens in der Regel genügend genau eine
einparametrige Mannigfaltigkeit bilden, hat noch eine Konsequenz, die zu nicht ge-
ringen Schwierigkeiten Anlaß geben kann. In der Verdichtercharakteristik, Abb. 12,
werden die sämtlichen möglichen Betriebszustände durch eine einzige Kurve b dargestellt.
Diese kann die Pumpgrenze schneiden. Tritt dies ein, so stehen als Gegenmaßnahmen
zur Verfügung: Andere Auslegung des Verdichters, derart, daß die Pumpgrenze günstiger
7*
100 14. Regelung der Gasturbinen

liegt, Abblasen aus einer Zwischenstufe und Leitradverstellung im Verdichter (eventuell


nur Vorleitrad der ersten Stufe). Über die beiden genannten Eingriffe, von denen der
letztere die an sich wünschbare Lösung darstellt, vgl. die Ausführungen unter 13.3
und 13.5. Da das Zwischenabblasen verhältnismäßig stark verlustbehaftet ist, kann es
sich dabei ergeben, daß bei dieser
Betriebsweise das Leistungsgleich-
gewicht an der Verdichtergruppe nur
durch eine Turbineneintrittstempe-
3 ratur erreicht werden kann, die einen
[}i unzulässig oder doch unerwünscht
I
hohen Wert annehmen kann (also
I I sehr hohe Temperatur bei sehr ver-
-1><1-' ~-l><l--
minderter Last!). Um dies zu ver-
1 2
meiden, kann inan das Leistungs-
Abb. 14.2.13 Zweiwellige Anlage mit seriegeschalteten Tur- gleichgewicht künstlich herstellen
binen, Pumpverhütungsventill und Leerlauforgan 2. Zugleich durch den Anlaßmotor, der in diesem
mit 1 wird 2 geöffnet. Dadurch Absenkung des Gegendruckes Betriebsbereich dauernd mithilft. Es
der HD-Turbine, so daß Leerlauf ohne Mithilfe des Anlaß-
motors 3 möglich besteht dann also die paradoxe
Situation, daß die Anlage Nutz-
leistung abgibt, dabei aber die Mithilfe des genügend stark zu bemessenden Anlaßmotors
benötigt, da sonst der Betrieb zusammenbricht. Ein anderes Mittel besteht darin, ein
Regelorgan zur Umgehung der ND-Turbine vorzusehen, Abb. 13, das man dann auch
zur Beherrschung der Vollastabschaltung heranziehen kann. Durch Öffnen dieses Organs
wird der Gegendruck der HD-Turbine abgesenkt und so ihre Leistung erhöht. Diese
Lösung ist aber heute eher veraltet, da man etwa das gleiche erreichen kann durch ein
verstellbares Leitrad am Eintritt in die ND-Turbine, was konstruktiv einfacher wird
und zusätzliche regeltechnische Vorteile bietet.
c) Zweiwellige Anlage, Turbinen parallelgeschaltet. Abb. 14 zeigt das Anlageschema.
Es ist der allgemeinere Fall vorausgesetzt, daß beide Turbinen besondere Brennkammern
aufweisen, also mit verschiedenen Eintrittstemperaturen betrieben werden können.
Hingegen sind die Ein- und Austrittsdrücke der
beiden Turbinen gleich, womit die Gin. (1) bis (6)
unverändert übernommen werden können. Von
der gesamten Durchflußmenge rh verarbeitet die
Verdichterantriebsturbine den Anteil (l - a) rh
und die Nutzturbine den Anteil a rh. Wir setzen
das Zeichen ' für die Verdichterturbine und "
für die Nutzturbine und definieren so
{}' = T:Uax (41)
- TR'
T"
1 {} ''=~
- TE. (42)
E
In Analogie zu GI. (8) ist

= n*V _(l,,
Abb. 14.2.14 Schema und Numerierung der Zu-
standspunkte für zweiwellige Gasturbine mit
parallelgeschalteten Turbinen
n *' =
_ _!!:__
no
11 T:Uax.O
T'
roa-...
1}~
·u·
(43)

während für die Nutzturbine eine entsprechende charakteristische Drehzahl

n *'' _
= -,,
n
"v-T" "
no
maxO _ n
- T ' - ---".
max no
(44)

definiert werden kann. Weiter bilden wir


lJ = (1 - a) {}' + a {}". (45)
14.2 Berechnung der Beharrungszustände 101
Diese Größe hat für das Durchflußverhalten der Anlage offensichtlich dieselbe Bedeutung
wie das frühere {}, weshalb GI. (12) hier in die Form

C/J =E(IIr) -Jf V~· (46)

übergeht. Da die Ein- und Austrittsdrücke beider Turbinen stets gleich sind, läßt sich
die Mengenverteilung nur durch die Temperaturen beeinflussen, wenn von der Möglich-
keit besonderer Regelorgane abgesehen wird. Aus der Tatsache, daß der Durchfluß um-
gekehrt proportional der absoluten Temperatur ist, ergibt sich dann

a = ao V f}~' {}
{}' {}o • (47)

Durch Einsetzen der GI. (45) in diese Beziehung und Quadrieren entsteht eine quadra-
tische Bestimmungsgleichung für a, deren physikalisch reelle Lösung
_ a~
a- 2
( {}"
7
)
-1 ~+ao
1}~' l/4 a~ ( {}"
7 -1
)2 m+~
{}~' {}~' (48)
lautet. Schließlich ist eine Gleichung für das Leistungsgleichgewicht an der Verdichter-
gruppe beizufügen, die analog zu GI. (36) hier die Form

(l - a) y {}' 'l'e 'YJ'r =


'l'
_k
'Y/v
+ Ä. 0 n* 2 (49)

annimmt, wobei Ä. 0 unverändert durch GI. (35) gegeben ist.


Ein Betriebszustand im Sinne der dimensionslosen Darstellung läßt sich nun z. B.
folgendermaßen bestimmen. Man gibt sich {}' und {}" und erhält so aus GI. (48) a und
aus GI. (45) {},Hierauf versucht man GI. (49) zu erfüllen, indem man probeweise einige II
annimmt [womit man nach GI. (2) sogleich II r hat], 'l'e und 'l'k aus den Diagrammen
abliest und mit geschätzten Werten von 'YJ~, 'YJv und n* kontrolli;ert, ob GI. (49) erfüllt
ist. Mit dem II, mit welchem dies hinreichend genau der Fall ist, geht man in eine
Verdichtercharakteristik der Art Abb. 2; die dort angegebenen gestrichelten Kurven
sind jetzt Kurven konstanten Wertes {), da ja GI. (46) genau gleich aufgebaut ist wie
GI. (12), welche diese gestrichelten Kurven festlegte. Mit II und {)wird also in der Ver-
dichtercharakteristik eindeutig ein Punkt festgelegt, womit auch 'Yjv und n* gegeben
sind. GI. (43) liefert auch n*', und mit diesem und !Ir ist aus der Charakteristik der
Verdichterturbine 'YJ~ zu entnehmen. Mit diesen genaueren Werten kann nun das Ver-
fahren von GI. (49) an wiederholt werden usw. bis Übereinstimmung hergestellt ist.
Im Gegensatz zum Falle der hintereinandergeschalteten Turbinen besteht nun hier schon
für die mechanisch unabhängig vom Nutzleistungsempfänger laufende Turbogruppe eine
zweiparametrige Schar von Beharrungszuständen, da ja f}' und {}" unabhängig von-
einander gewählt werden können. Allerdings erweist sich der tatsächlich verfügbare
Variationsbereich doch als äußerst gering, denn mit völlig beliebig gewählten {}' und {}"
läßt sich das Gleichgewicht an dieser Turbogruppe im allgemeinen nicht herstellen,
d. h., GI. (49) hat keine Lösung.
Für jeden Betriebszustand, der mit einem Paar {}', {}" gegeben ist, lassen sich in
Analogie zu den vorhergehenden Ausführungen folgende Größen berechnen:
A - cp a f}" lJI. n'-l (50)
- ao 1J~' P.o n'-lo'
a {}" lJI. 'YJ'-l
'7thi = (I + cx) y K, (51)

K = f} - (l + ~) - rJr [(l - a) {}'(I - rJ'r 'l'e) + a {}" (l - rJ~ 'l'e)- ( l + ~)]. (52)

Die Größe A liefert zusammen mit GI. (16) für jeden beliebigen Betriebszustand die
Leistung. In Gin. (50) bis (52) tritt allerdings als zusätzlicher Parameter der Wirkungs-
102 14. Regelung der Gasturbinen

grad 'f}~ der Nutzturbine auf, der seinerseits Funktion von fiT und n*" ist. fiT ist mit{}'
und {}" bereits gegeben, während n*" im allgemeinsten Falle noch völlig frei ist [vgl.
GI. (44)]. Die Variation dieser charakteristischen Nutzturbinendrehzahl liefert für jedes
Paar {}', {}" noch A- und 'f}thi-Werte, die von n*" abhängen. Diese beiden Kenngrößen
sind also schließlich Funktionen der Variablen {}', {}" und n*", d. h., die Gesamtheit
der möglichen stationären Betriebszustände - in dimensionsloser Auffassung - stellt
eine dreiparametrige Mannigfaltigkeit dar!
Die meisten Nutzleistungsempfänger weisen jedoch solche Eigenschaften auf, daß
nur ein verhältnismäßig kleiner Bereich von n*"-Werten praktisch auftritt, womit '1}~.
dessen Optimum in diesem Bereich liegt, nur ganz wenig beeinflußt wird. Da auch der
praktisch mögliche Bereich der Kombinationen von {}'und {}" sehr begrenzt ist, erweist
sich das dreiparametrige Feld der Möglichkeiten als äußerst eng. Wird nur eine Brenn-
kammer vorgesehen, wobei {}' = {}", so bleibt nur noch eine zweiparametrige Mannig-
faltigkeit übrig. Deshalb ergeben sich auch wesentlich dieselben Schlußfolgerungen wie
im Falle der hintereinandergeschalteten Turbinen. Es tritt also u. U. die Schwierigkeit
auf, daß bei einer bestimmten Teillast die Pumpgrenze des Verdichters erreicht wird,
und die dann möglichen Gegenmaßnahmen sind analog dem vorhergehenden Falle. An-
lagen dieser Art erweisen sich sogar in Auslegung und Herstellung als ganz besonders
heikel, weil das Leistungsgleichgewicht nach GI. (49) nur in ganz beschränktem Bereich
wirklich hergestellt werden kann. Gesetzt etwa, infolge geringfügiger Fehler in der Be-
rechnung und Fertigung der Schaufelungen werde das Verhältnis der Schluckfähigkeiten
der beiden Turbinen etwas verschoben, derart, daß a größer wird als beabsichtigt. Dann
hat Gl. (48) u. U. nur Lösungen für {}'-Werte, die bei gewöhnlichen Umgebungstempera-
turen auf Höchsttemperaturen führen, welche der Maschine aus werkstofftechnischen
Gründen nicht zugemutet werden können. Dann kann das Leistungsgleichgewicht an
der Verdichtergruppe überhaupt nicht hergestellt werden, d. h., das Anlassen der Ma-
schine gelingt nicht. In den Anfängen der Gasturbinenentwicklung sind in der Tat solche
Schwierigkeiten in großer Zahl aufgetreten. Das ist auch einer der Gründe, warum diese
Schaltung derzeit kaum verwendet wird.
Ergänzend ist hier noch beizufügen, daß 'f}thi nach GI. (39) und (51) in seiner Be-
deutung etwas abweicht von der vorher verwendeten Definition des inneren thermischen
Wirkungsgrades. Die Lagerreibung der frei laufenden Turbogruppe ist ja in der Gleich-
gewichtsbedingung schon berücksichtigt. Also ist das erhaltene 'f}thi nur noch mit dem
mechanischen Wirkungsgrad 'fJ':. der Nutzturbine allein zu multiplizieren, wenn der
effektive Wirkungsgrad erhalten werden soll. Dasselbe gilt für den Übergang von der
inneren Leistung zur Effektivleistung.
Andere Schaltungen als die 3 Grundformen, die hier behandelt wurden, lassen sich
durch sinngemäße Anwendung der gleichen Überlegungen untersuchen. Oft werden die
Berechnungen dabei noch wesentlich umfangreicher, doch können sie unter Zuhilfe-
nahme automatischer Rechengeräte in nützlicher Frist abgewickelt werden. Es ist für
die Gasturbine typisch, daß sie viel mehr theoretische Vorarbeit verlangt, als dies sonst
bei Wärmekraftmaschinen in der Regel der Fall ist, wenn dasselbe Maß von Sicherheit
in der Voraussage der Betriebseigenschaften erreicht werden soll.

14.3 Regelung mit verstellbarem Leitapparat


Bei Gasturbinenanlagen, die ihre Nutzleistung durch eine mechanisch unabhängig
laufende ND-Turbine abgeben, läßt sich ein günstiges Regelverfahren dadurch verwirk-
lichen, daß diese ND-Turbine am Eintritt mit einem verstellbaren Leitapparat versehen
wird. Man hat es damit in der Hand, den Gegendruck der HD-Turbine zu beeinflussen
und so günstige Teillastzustände zu erreichen. Insbesondere läßt sich so auch der sehr
starke Einfluß der Umgebungstemperatur auf die Anlageleistung ausgleichen. Eine
theoretische Untersuchung über dieses Regelverfahren gibt JAGGI [21]. Ausgangspunkt
14.3 Regelung mit verstellbarem Leitapparat 103

ist dabei die Berechnung des Einflusses der Leitradöffnung auf die Schluckfähigkeit der
Turbine.
Es seien (vgl. Abb. l) PE der Totaldruck vor dem verstellbaren Leitapparat, p 1 der
statische Druck nach diesem, PA der statische Druck am Austritt aus der ganzen Ma-
schine, TE die Totaltemperatur vor der Ma-
schine, D 1 der Ringquerschnitt und cx1 der
Strömungswinkel am Austritt aus dem verstell- IJ
baren Leitrad. Dann ist
!1 = D1 sincx1 (1)
der Durchflußquerschnitt des Leitrades. Wir
führen weiter die Druckverhältnisse
Ill - PE ' II2 = .l?l__ (2)
Pl PA
ein. Der Massenstrom m
läßt sich alsdann nach
der bekannten Durchflußformel ausdrücken

(3)

wobei n der Exponent der Polytrope ist. Wir


approximieren die Zustandsänderung durch die
Maschine durch die in Abb. l gestrichelt ein-
getragene Polytrope. Nun denken wir uns bei
konstantem PE den Durchflußquerschnitt f1
durch Schaufelverstellung um df 1 geändert.
Dann verschiebt sich Il1 um dll1 und m um
dm. Mit den Bezeichnungen
dm
dM =-.-,
m
(4) s
Abb. 14.3.1 Turbine mit verstellbarem Leit-
d cp == ~~1 (5) apparat und Zustandslinie im is-Diagramm

wird dann, wie durch Ableiten der Gl. (3) zu gewinnen ist,
[(n + 1)/n] IT;<n+l)/n - (2/n) IJ:; 2 1n
dM = d C/J + 2Jil[JI1 2 / n - Jil (n+l)ln] dJll • (6)

Gemäß dem Durchflußgesetz für den Schaufelungsteil, in dem die Entspannung


von p 1 auf p A vollzogen wird, gilt für den Massenstrom auch

. - • PI
m-mo-- - - E(II)
2.
P1o
v-wlO
T1
(7)

Hier ist wieder E der das Durchflußgesetz kennzeichnende Faktor, den wir als Ellipsen-
faktor bezeichnen, auch wenn das Gesetz von allgemeinerem Typus ist, also nicht durch
eine genaue Ellipse dargestellt werden kann. E würde eigentlich noch von n* abhängen,
was wir vernachlässigen. Nun ist bei festen Werten PE, TE, PA
n-1
TI
TIO =
( P1
PIO
)-n '
womit GI. (7) übergeht in
-1

m = m0 ( : { : )-;;--- E(Il2). (8)


Weiter ist
104 14. Regelung der Gasturbinen

so daß mit
II = .!2_ (9)
PA
auch
II
II2 =n· 1
(10)

Somit kann die Größe E ebensogut auch in Funktion von I/1 dargestellt werden. Wir
setzen also
(11)
und erhalten damit gemäß Gl. (8)
m. = m. 0 ( I/
IJ1 )-1/n
10 F (I/1), (12)

dm• = m. 0 d
di/1
[( I/1
I/10
)-1/n F (I/1) ] di/1• (13)

Da I/10 eine Konstante ist, folgt hieraus auch


d
diJ [Ifi'1/n F(I/1)] di/1
dM = --=-~=-;;-:-=-:--­
1
I/il'• F (I/1)
(14)

Wenn man diese Beziehung nach di/1 auflöst und den so erhaltenen Ausdruck in Gl. (6)

I l
einsetzt, erhält man
[ ~If12fn_ n + 1 If!(n+l)/•] If111•F(IJ1)
1+
dM n n
2IJ1 [If12/n- I/[(n+1)/1>] _d_ [Ifi"1/n F(I/1)]
di/1
I=df!>. (15)

Dies kann auch in der Form

( aM) -I 1 + [~If-2/n- ~Il1'"+1)/n] F(I/1) t 1


(16)
8([1 II-l 2IJ{•+1li•[If[21•-Ili"'"+1JI•]d~ [IJ-11•F(I/1)]I
1

dargestellt werden. Durch den Index II ist angedeutet, daß diese Größe bei der Ab-
leitung konstant gehalten wird. Die so gebildete partielle Ableitung stellt offensichtlich
1,0
1/ /V V: ~ 'I ~
!""" I

0,8 t--- ~~~V/ ~ lI Kege/gesefz ~ b7 I


t-~ ~~r/ I \2' I

/ / // I V; I

/. I // : I 1/Diisengeselz I

IL lj / l VL l
'lfv '/ l /, Il=Z
l
O,Z /J ljj I fj l
1/J I !J I
O1,0
V 1,Z 1,9 1,C 1,8
l f
Z,O 1,0 1,Z 1,9 1,C 1,8
I
Z,O
~- ~-
a b
Abb. 14.3.2 Größe (BM/8 W)II in Funktion der maßgebenden Variablen
a) Durchflußgesetz nach GI. (17), b) Gegenüberstellung zwischen diesem Gesetz und Düsengesetz

den Einfluß der Querschnittsänderung am Leitrad auf das Schluckvermögen der Turbine
dar. Abb. 2a zeigt diese Größe, und zwar für ein Ellipsengesetz der Form

E-
_V 1 _ IJ;;(n+1)/n .
1 _ IJ-(n+l)fn
20
( 17)
14.3 Regelung mit verstellbarem Leitapparat 105
Der Polytropenexponent ist n = 1,325, was z. B. einem Isentropenexponenten" = 1,375
und einem polytropen Wirkungsgrad fJp = 0,9 entspricht. Wie Abb. 2b erkennen läßt,
ist der Einfluß der besonderen Annahme über das E-Gesetz auf das Schlußergebnis
gering; dort ist für ein Druckverhältnis II = 2 gezeigt, wie sich die Werte von (aMja'P)n
unterscheiden, wenn einmal das Gesetz nach GI. (17), das andere Mal das Durchfluß-
gesetz der einfachen Düse zugrunde gelegt wird. Dies sind offenbar Extremannahmen.
Trotzdem ist der Unterschied verhältnismäßig klein.
Für eine feste Leitradstellung läßt sich das Durchflußgesetz der Turbine aussprechen
durch die Gleichung

rh = KPB E(IJ) = KpA IJE(IJ) = KpA li E(IJ) = KpA [J(n+l)/2nE(IJ). (18)


· VTB VTB ~ II<n l)/2n ~

Damit wird
drh = K PA _rl_ [IJ(n+l)/2n E(IJ)]dlJ (19)
VTA dll '
somit
_d_ [II<n + l)/2n E (II)]
dM dll dll (20)
= II<n+l>t2n E(II) •
d. h., wir erhalten
_d_ [II<n + ll/2 "E (II)]
aM)
(8ff dii (21)
!P = --II=:-1,.-:-+~1JI"'"2n-E"""""(II;;:-)- •

Abb. 3 stellt diesen Differentialquotienten für das angegebene E-Gesetz dar.


Da nun - in dimensionsloser Darstellung - der Durch-
fluß durch die Turbine eine Funktion des Druckverhält-
nisses und der Leitradöffnung ist, gilt im allgemeinsten \
Falle \
1\_
(22) ~0,8

- -
~
~
Was durch die Leitradverstellung erreicht werden soll, ~ 0.!1 ...........
ist die Verschiebung des Gegendruckes der HD-Turbine
- somit also die entsprechende Änderung von II der
ND-Turbine - bei einer gegebenen Durchflußmenge. 0
1,G 2,0 2,~ 2,8
Der entsprechende Differentialquotient (aiJjatP)M kann II-
aus GI. (22) berechnet werden, indem man dort dM = 0 Abb. 14.3.3 Größe (oM/oll)q, für
setzt. Was eigentlich interessiert, ist die relative Änderung das Durchflußgesetz nach GI. (17)
des Druckverhältnisses, d. h., man hat den genannten
Differentialquotienten noch durch II zu dividieren. Die für die Wirksamkeit des Regel-
eingriffes kennzeichnende Größe ist also

l (oll)
7T acJ> M=-
(*)II
II(aM) · (23)
aii (/>

Abb. 4 zeigt diese Größe, wie sie sich aus den Differentialquotienten nach Abb. 2 und 3
ergibt; die Diagramme entstammen sämtlich der Arbeit von JAGGI [21]. Bei strömungs-
technisch hochwertig ausgebildeten Turbinen sind die Druckverhältnisse der einzelnen
Schaufelkränze verhältnismäßig klein. Arbeitet z. B. das verstellbare Leitrad mit einem
Druckverhältnis von 1,15, so bewirkt eine Vergrößerung des Leitradquerschnittes um
10% eine Absenkung des Gegendruckes der HD-Turbine um 2,7%, wie aus Abb. 4 her-
vorgeht.
106 14. Regelung der Gasturbinen

Wir haben damit die Unterlagen zur Berechnung der Betriebszustände einer Gas-
turbinenanlage mit verstellbarem Leitapparat. Wenn wir auf die Bezeichnungsweise des
0
Abschn. 14.2 zurückgreifen, so tritt dort an die
1\ Stelle der GI. 14.2 (24) die Relation

-0.2
\ -- _!/!-= (l + <X)E"(Il")~ 1~. (24)
P4o VT;
I~ mo

\~ Hier berücksichtigt der Faktor <X den Einfluß


1 -0.~ der Leitradstellung, und zwar ist mit hin-
~ ~ II= 1.~ reichender Genauigkeit
~
~~~ -ac- ~ t--..Z6' aM) t~-t~o (25 )
'---- ~ <X ~ ( aIP II fl .
-I~ \ 2,0
Hier ist (aMja ifJ)II für II = Il" einzusetzen;
-0.8 ~
'\ ~ 3,0 / 1 ist der Leitradquerschnitt nach Gl. (1), / 10
sein Wert im Auslegungspunkt. - Damit geht
"\
w.
I
-1,0 GI. 14.2 (29) über in
~~
l'tt--2,0 E (II T) -ff- = (1 + iX)E" (IJ") (26)
1,2
Diese Gleichung sowie die Gln. 14.2 (36) bis
Abb.14.3.4 Größe (1/II) (aMjaiP)M in Funktion (39) und die Maschinencharakteristiken stellen
von II1 und II dann die Grundlage für die Berechnung der Be-
harrungszustände dar. Gegenüber dem früher
angegebenen Berechnungsverfahren steht nun mit <X ein zusätzlicher frei wählbarer Para-
meter zur Verfügung. Man kann davon z. B. in der Weise Gebrauch machen, daß man
für jedes Kompressordruckverhältnis das Temperaturverhältnis {} des Prozesses wählt,
vermöge Gl. 14.2 (36) auf das Druckverhältnis der HD-Turbine schließt und mit dem
damit auch festgelegten Druckverhältnis Il" der ND-Turbine und Gl. (25) iX bestimmt.
Da nun so die Möglichkeit gegeben ist, die Prozeßführung für die Teillastbetriebs-
zustände in gewissen Grenzen beliebig festzulegen, stellt sich sogleich die Frage, wie
diese Festlegung zweckmäßig zu treffen ist. Darüber finden sich bei JAGGI [21] gewisse
Richtlinien. Wir betrachten zunächst die Schaltung ohne Wärmeaustauscher. Wenn wir
für diese in Funktion von Druckverhältnis II und Temperaturverhältnis {} den inneren
thermischen Wirkungsgrad 1}thi und die Größe 1 II AjJ!ß - die für eine gegebene Ma-
schine ein unmittelbares Maß für die Leistung ist - als Kurven auftragen, erhalten
wir ein Diagramm der in Abb. 5 gezeigten Art. Dort sind gestrichelt in die Kurvenschar
für II A/Vß auch Kurven konstanten Wertes 'f}thi eingetragen, die sich aus der im Bild
oben dargestellten Kurvenschar für 'flthi unmittelbar ergeben. Wo nun diese gestrichelten
Kurven ein Minimum aufweisen, da wird der betreffende Wirkungsgrad mit der kleinsten
Leistung erreicht; umgekehrt erhält man dort die gegebene Leistung mit dem besten
Wirkungsgrad. Demnach würde man die günstigste Regelung erhalten, indem man II
und {} einander so zuordnete, wie es sich aus der Kurve k, Abb. 5, ergibt.
Nun wird allerdings der Auslegungspunkt A im allgemeinen selbst nicht auf der
Kurve k liegen, weil dies auf sehr große Druckverhältnisse führt. Dann ist es, wie Abb. 5
zeigt, am günstigsten, bei konstant gehaltenem II mit dem Temperaturverhältnis {} bei
Teillast so weit herunterzugehen, bis die Kurve k erreicht wird und von dort weg längs k
weiterzufahren. Würde der Auslegungspunkt rechts der Kurve k liegen - was selten
vorkommen dürfte -, so hätte man umgekehrt zunächst bei konstantem {}das Druck-
verhältnis II abzusenken und dann längs k weiterzugehen.
Anders liegen die Verhältnisse bei Anlagen, die mit Wärmeaustauschern von einiger-
maßen hohem Rekuperatorwirkungsgrad versehen sind. Dort ergeben sich im inter-
1 Es ist hier A == L;/cp TE mit L, als spezifischer Arbeitsausbeute des Prozesses und TE als Umgebungs-
temperatur.
14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad 107

essierenden Bereich überhaupt keine Minima der Kurven ?}thi = const. Das günstigste
Regelverfahren ist dann das bei konstant gehaltenem ß, d. h., man hat praktisch auf
konstante Höchsttemperatur einzuregeln.
Eine wirklich strenge Optimierung
f aJ~ der Regelung verlangt natürlich, daß
~a~r--r--~-~-~~~~~~~ unter Berücksichtigung der Maschinen-
~
charakteristiken das ganze Feld der Mög-
~G~-~-~~~~b--=~-b--b-~ lichkeiten rechnerisch überprüft wird.

+-_J_----l------j-+--1 ~

~
'""'=::-+--+----i--r--~--+-b---1~

Abb.14.3.6 Relative Änderung der Leitradöffnung


zur Absenkung der Leistung bei konstantem II
bzw. konstantem {}
Auslegungsdruckverhältnis des Leitrades II1 = 1, 2,
nach JAGGI [21]

- Abb. 5 ist mit konstanten polytropen


Maschinenwirkungsgraden gerechnet. -
0z;--~-+-----':--~-~-~-_J__ _ j
10 Trotzdem können diese Angaben als
Richtlinien dienen, umsomehr als die
Abb. 14.3.5 Diagramm zur Bestimmung eines zweck- Optima oft so flach sind, daß Fehler in
mäßigen Regelungsverfahrens, nach JAGGI [21] der Optimierung keine sehr großen Aus-
wirkungen haben.
Abb. 6 gibt noch auszugsweise einige Ergebnisse nach [21] wieder. Dargestellt ist
die relative Änderung der Leitradöffnung (/ 1 - / 10 )//1 , die zu einer Verminderung der
Leistung um 10% unter den Auslegungswert notwendig ist, wenn auf konstantes Druck-
verhältnis II bzw. auf konstantes Temperaturverhältnis ß geregelt wird. Das Auslegungs-
druckverhältnis des verstellbaren Leitrades ist Il1 = 1,2.

14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad


a) Allgemeines. Durch die im vorhergehenden Abschnitt dargestellten Untersuchungen
kann im einzelnen Falle nicht nur der thermische Wirkungsgrad unter geänderten Be-
triebsbedingungen ermittelt werden, sondern es läßt sich auch beurteilen, welches der
Einfluß der Umgebungstemperatur auf die erzengbare Leistung und den Wirkungsgrad
ist. Die Untersuchung ist aber umfangreich und setzt das Bekanntsein der Maschinen-
charakteristiken voraus. Es besteht daher der Wunsch, auf einfacherem Wege gewisse
qualitative allgemeingültige Aufschlüsse zu erhalten. Um dies zu erreichen, führen wir
vorbereitend eine thermodynamische Prozeßanalyse durch, die vom bisherigen Vorgehen
etwas abweicht. Wir betrachten den Prozeß nach Abb. 1, wobei es an sich gleichgültig
ist, ob die Entspannung in einer einzigen Turbine oder in zwei parallel- oder hinter-
einandergeschalteten Maschinen erfolgt. Mit der angegebenen Numerierung der Zu-
standspunkte wird unter Vernachlässigung der Abstrahlung der innere thermische Wir-
kungsgrad (i4 - i 5) - (i2 - i 1 )
'f]thi = ( i4 - ia) ( 1)
108 14. Regelung der Gasturbinen

Für das Gesamtergebnis entsteht kein großer Fehler, wenn mit konstanter spezifischer
Wärme und somit konstantem Isentropenexponenten gearbeitet wird, vgl. die Aus-
führungen unter l.l. Daher läßt sich mit hinreichender Genauigkeit setzen
(T4 - T5) - (T2 - TI)
1lthi = (T4- T3) . (2)
Das übliche Vorgehen besteht nun darin, unter Einführung isentroper Verdichter-
und Turbinenwirkungsgrade die auftretenden Temperaturunterschiede aus denjenigen
zu berechnen, die im isentropen Falle sich ein-
stellen würden. Dies ist aber deshalb nicht ohne
weiteres immer zweckmäßig, weil die isentropen
Wirkungsgrade einerseits irrfolge des Rückgewinnes
bzw. Erhitzungsverlustes zusätzlich vom Druck-
verhältnis abhängen. Ein weiterer Einfluß ist durch
die Austrittsverluste der einzelnen Maschinen be-
dingt, die bei kleinerem Druckverhältnis stärker
in Erscheinung treten. Dies kann rechnerisch so
berücksichtigt werden, daß man die Austritts-
verluste in die Druckverluste des Prozesses mit
einschließt. Daß dies korrekt ist, wird sofort klar,
L - - - - - - - - - - - - - - -8• wenn man sich vorstellt, jede Maschine sei mit
Abb. 14.4.1 is-Diagramm des Prozesses einer einem vollkommenen Diffusor versehen, der einen
einwelligen Gasturbine. Zur Erklärung des restlosen Rückgewinn der Bewegungsenergie her-
polytropen Wirkungsgrades beiführt, worauf anschließend eine Drosselung
vorgenommen wird. Es ist der Druckabfall dieser
Drosselung, den wir in die Rechnung einführen, und die Druckverhältnisse sind diejenigen
"Werte, die man mit vollkommenem Diffusor erhielte. - Weiter arbeiten wir mit den
polytropen Verdichter- und Turbinenwirkungsgraden, die definiert sind durch
vdp
t}pV = di' (3)
di
t]pT = vdp · (4)

Halten wir diese konstant, so werden die isentropen Wirkungsgrade von selbst in
solcher Weise variabel, wie es den Einflüssen des Erhitzungsverlustes bzw. Rückgewinnes
entspricht, vgl. die Ausführungen unter 1.3 und 1.4. Aus GI. 1.3 (24) und (16) folgt für
die Polytropenexponenten nv und nT des Verdichters und der Turbine auch
nv - 1 _ 1 (" - 1)
----:n;;- - T/p V -"- '
(5)

n p - 1= t]p T ( " - 1). (6)


np "
Zur Abkürzung führen wir folgende Bezeichnungen ein
nv- 1
X:==---, (7)
nv
n1'- 1
y=--, (8)
np

ll=12 (9)
-PI'
ßp
z=1-~-=1-s.
p
(10)
Damit wird
T2 -T1 =TI(flx_ 1), (11)
ferner mit {} = T 4 /TE = T 4 /T 1 auch
T 4 -T5 = ßT 1 [1 - (z fltu]. (12)
14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad 109
Der Rekuperatorwirkungsgrad ist
Ta- T2
'Y/r = T 5 - T' (13)
2
woraus auch
(14)
Da aber
T2 =T1 IJx, T 5 =T4(zll)-Y = fJTt(zii)-u, (15)
folgt aus GI. (14), wenn wir dort rechts T 4 durch #T1 ausdrücken,
T4 -Ta = fJT1 - T1 IJx - rJ,[ fJTt(z II)-Y - T1 IJx]. (16)
Die durch GI. (11), (12) und (16) wiedergegebenen Beziehungen, in GI. (2) eingesetzt,
führen auf -&[1 - (z JI)-'] - [Jix - 1]
'Y/thi = D-Jix-'f},[D(zli) Y-Jix]' (17)
womit die gesuchte Beziehung für den inneren thermischen Wirkungsgrad gefunden ist.
Für die Beurteilung der Arbeitsausbeute ist weiter die Größe
A = ~ = #[1- (z II)-Y]- [IJx- 1] (18)
cP TB.
praktisch, wobei L; die innere Arbeit pro Masseneinheit darstellt. Bezeichnet N die
innere Leistung und Index 0 allgemein den Auslegungszustand, so gilt
N rh L; rh TB A (19)
N;; = rh0 L 10 = rh0 TBo A 0 •

Für Betriebszustände, die in unmittelbarer Nähe des Auslegungszustandes liegen, können


wir den Einfluß des "Ellipsenfaktors" vernachlässigen und für das Durchflußgesetz der
Turbine schreiben
(20)

wobei der Druck vor Verdichter der Einfachheit halber von vornherein konstant gesetzt
ist. Aus GI. (19) und (20) folgt weiter
N 1I -&0 TB A
No = Ilo
V DTEo
( 21 )
Au"
Um auf einfache Weise Aufschluß zu erhalten über das typische Verhalten der ver-
schiedenen Schaltungen und Prozesse, untersuchen wir nun die Änderungen von Leistung
und Brennstoffverbrauch in unmittelbarer Nähe des Auslegungspunktes, d. h., wir bil-
den die interessierenden Ableitungen. Es sei b der spezifische Brennstoffverbrauch der
Anlage. Dann ist hinreichend genau ·
b '7tbiO
(22)
bo = '7th! •

Der Einfluß der Höchsttemperatur auf den Verbrauch wird folglich dargestellt durch
a(bfbo) _ a ( 'f/thio ) _ 'f/thio a'f/thi
~- aT, ~ - - 'f/~hl aT,
und mit T 4 = f}Tp, 0 , wenn wir die Ableitung noch speziell im Auslegungspunkt bilden,
a(b/b0) _ _ 1 ( d'f/thi ') ( 23)
aT, - TBo'f/thiO d-& .

Den Ausdruck d'Y]thi/d f} können wir auf Grund von Gl. (17) bilden. Wir setzen
u == #[1 - (z II)-Y]- [IJx- 1], (24)
V =: f} - IJx, (25)
w = f}(z II)-u- IJ:r, (26)
so daß
u
'Y/thi = V - 'f/r W •
(27)
llO 14. Regelung der Gasturbinen

Nun deuten wir partielle Ableitung durch Indizes an, also z. B. u 8 = iJufa {}. Dann gilt
u 8 = 1 - (z IItv, v8 = 1, w8 = (z II)-v, (28)
Ua = {} y z-y Il -(y+l) - x Jix-1, VII= - X
(29)
JI.,·-I,}
Wn = - {} y z-y JI-(y+l) - X Jix-1,
womit
dfJthi = (v - 1Jr w) UIJ - u(1 - f}r WIJ) + (v -1}, w) un- (va - 1J, wu) u dii. ( 30)
d{} (v -1}, w) 2 (v -1}, w) 2 d{}

Weiter interessiert die Ableitung der relativen Leistung NJN0 nach der Höchst-
temperatur T 4 bei unveränderter Umgebungstemperatur. Auf Grund von GI. (21) können
wir offenbar in unmittelbarer Umgebung des Auslegungspunktes setzen
N0 + dN
N0
_ II0
-
+ dii
II0
V+ 00
~0
d{}
( A 0 +dA)
A0 '
(31)

dN _ dii + dA _ _!._ ~ = dii + dA _ _!._ dT,


N0 - II0 A0 2 00 Il0 A0 2 T 40 '

oder wegen d T 4 = TE 0 d {}
8(N/N0 ) = _1_ [-1- dii + _1_ dA _ _1_] (32)
aTl T 80 Il d{} 0A d{} 20 0 0 •

Damit ergibt sich auch die Abhängigkeit des Brennstoffverbrauches von der Leistung
bei unverändertem Umgebungszustand. Es ist
8(b/b0) _ 8(b/b0 ) / a(NfNo) (33)
8(N/N0 ) - aTl 8Tl .

Weiter interessiert der Einfluß des Umgebungszustandes auf die Leistung bei unveränder-
ter Höchsttemperatur. In diesem Falle geht GI. (21) über in
N II ATE
(34)
No= Ilo Ao TEo'
folglich in der Nähe des Auslegungspunktes
N0 + dN _ (Il0 + dil) (A 0 +dA) (TEo + dTE) (35)
N0 - Il0 A 0 TEo
dN _ dil + dA + dTE (36)
No- Ilo Ao TEo'
oder wegen
(37)

(38)

Mit den Gin. (23), (30), (32), (33) und (38) sind nun in unmittelbarer Umgebung des
Auslegungspunktes Ableitungen gefunden, welche die wichtigsten Zusammenhänge
charakterisieren, nämlich die Abhängigkeit der Leistung und des Verbrauches von der
Höchsttemperatur, die Abhängigkeit des Verbrauches von der Leistung und der Einfluß
der Umgßbungstemperatur auf die Leistung. Die Auswertung der angegebenen Glei-
chungen setzt aber noch die Berechnung der Größen dllfd {} und dA/d {} voraus. Dies
muß je nach Schaltung gesondert geschehen, wie in den nachfolgenden Beispielen gezeigt
wird.
b) Einwellige Anlage. Wir setzen konstante Drehzahl voraus und betrachten zunächst
den Einfluß der Änderung der Höchsttemperatur. Für die Abhängigkeit des Druck-
verhältnisses von der Höchsttemperatur läßt sich dann setzen
,..
II = Ilo ( !J 2
. (39)
14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad 111

Wäre die Verdichtercharakteristik vollkommen steil, so wäre die Fördermenge durch


die Verhältnisse vor der Turbine nicht beeinflußt, und es müßte sich daher vor dieser
ein Druck aufstauen, der proportional der Wurzel aus der absoluten Eintrittstemperatur
wäre. Es wäre dann ft = 1 . Infolge der endlichen Neigung der Charakteristik wird
ft < 1, meist etwa ft ~ 0,85. Mit (39) wird
,..
)T
.

( dii ) p, II0 ( {} -l
d {} T 11 - const = 2 {} 0 7i; (40)
und daher insbesondere im Auslegungspunkt selbst

( dii) p,II0 (41)


([jf T 11 ~ const = 2fi; ·
Weiter gilt wegen GI. (18)
dA)
( df} T 11 ~const
= (1 - (z JitYJ + y z-y JI-(I+y) ( dJI)
df}
{}-X JI:r-1 ( d[J ),
df}

oder im Auslegungspunkt unter Verwendung von GI. (41)

( dA)
df} r.~~~const
= [1 - (z llo) -y] + f'2f}o
Ilo [y z-y llö(l+y) f}o -X Jix-l]. (42)

Andere Werte nehmen diese Ableitungen an, wenn bei unveränderlicher Höchst-
temperatur und Drehzahl die Umgebungstemperatur variiert. Es läßt sich setzen

li = 170 n*•, ( 43)


also
V

li = 170 ( rz;;j 2
. (44)

Der Exponent v hängt von der Verdichtercharakteristik ab und hat die Größenordnung 2.
Wegen
(45)
wird GI. (44) auch

(46)

und somit die Ableitung, wenn wir sie sogleich im Auslegungspunkt bilden

( dii) v II0 (47)


([jj" T 4 =const =TI;·
Die Ableitung von A berechnet sich in gleicher \Veise wie oben, nur daß jetzt für
dlljdf} der Ausdruck nach GI. (47) einzusetzen ist. Man erhält so im Auslegungspunkt

( 48)

womit für die einwellige Anlage alle Unterlagen zur Berechnung des Verhaltens in
unmittelbarer Umgebung des Auslegungspunktes vorliegen. Die Besonderheiten der
Verdichtercharakteristik finden dabei ihren Ausdruck in den Exponenten ft und v.
c) Anlage mit seriegeschalteten Turbinen. Um mit den übrigen Bezeichnungen dieses
Abschnittes in Übereinstimmung zu bleiben, wählen wir die Numerierung der Zustands-
punkte wie in Abb. 2 angegeben. Zur Vereinfachung der Schreibweise setzen wir
n=.l!2._ n' = P~ ( 49)
- p, ' - P4'
112 I4. Regelung der Gasturbinen

Es ist leicht zu prüfen, daß dann die Bedingung des Leistungsgleichgewichtes an der
unabhängig laufenden Turbogruppe durch
'Y/m t?[1 - n'Y] = Jix- 1 (50)
ausgesprochen wird, wenn 'Y/m der mechanische Wirkungsgrad dieser Gruppe für sich
allein ist. Für das Durchflußgesetz der Turbinen behalten wir nun den Ellipsenfaktor
bei, da besonders die ND-Turbine im allgemeinen
ein recht kleines Druckverhältnis besitzt. Es gilt
daher
~=_&_V*.
rho Pu T,
I - :~t'2
1 - 3t~2'
(51)

m
rho =P~ VW:P~o T4
I -
I -
:~t"2
:~t~'2 •
(52)

Bliebe p~fp 4 bei allen Betriebszuständen genau


gleich, so würde dasselbe auch für T~JT 4 gelten,
und damit wäre auch

(53)
s
Nun zeigt die Untersuchung, daß p~fp 4 zwar
Abb. 14.4.2 is-Diagramm des Prozesses einer
nicht genau konstant bleibt, aber doch in weitem
zweiwelligen Gasturbine mit seriegeschalteten
Turbinen Bereich nur sehr wenig ändert. Die T verhalten
sich aberwiep<n-l)/n, ändern also noch viel weniger
und außerdem ist im vorliegenden Falle noch die Wurzel zu ziehen, so daß schließlich
GI. (53) doch mit sehr hoher Genauigkeit zutrifft. Damit folgt aus der Gleichsetzung
von GI. (51) und (52)
I - :~t'2 p~ v-r=-~
f"J.
I - :~to
= -,-
P4o I - :~to
//"}.
oder
:lto
7
V I - :~t'2 -
I - :~t~~ -
V I - :~t"2
I - :~to' 2 • (54)

Andererseits ist aber wegen GI. (49) auch n" = nfn', womit GI. (54) in die Form

(
:~to )2 I - :~t'2 - I - (:~t/:~t')2
(55)
:~t' I - 3to 2 - I - (:~to/:7to) 2

gebracht werden kann. Dies läßt sich in folgender Weise nachAJ' auflösen. Es sei
A _ '2
- :lto
2

=
:lto
I - :~t% B= (56)
Dann ist
(57)
oder wegen n = 1/z II auch

(A + (z~)2 f",
y

n'Y = (58)
worauf GI. (50) übergeht in
(59)

Damit ist die für diese Schaltung typische eindeutige Zuordnung zwischen Druck-
verhältnis II und Temperaturverhältnis t? aufgefunden, auf die schon in Abschn. 14.2b
hingewiesen wurde. Wegen der getroffenen Vereinfachungen ist die Gleichung nur in
14.4 Klimaempfindlichkeit und Teillastwirkungsgrad 113

der Nähe des Auslegungspunktes gültig. Die Differentiation liefert


dii [1 - n'v]2
dli= B '
(60)
X IJx-l[1 - n'Y] - _Y_ [IJx- 1) n'(y- 2)
z2IJ3

wobei :n:' durch GI. (58) gegeben ist.


Die innere Arbeit der Nutzturbine ist

Li= cPTa1 - :n:"v] = cPT 4 ( ~:) [1 - :n: 11 Y] = cPT 4 :n:'Y[1 - :n:"v] = cPT 1 -&:n:'v[1 - :n: 11 Y],
(61)
was mit GI. (18) und (58) auf

A = ß [(A + (z~)2 )i;- (z~)' j (62)

führt. Die Differentiation gibt weiter

~~ = [;n;'Y- (zll)-Y] + ß [zYJv+t - ___}/_}!_ ;n; I (y -


z2 IJ3
2) ] dII
df} '
(63)

wobei wiederum ;n;' vermöge GI. (58) durch II ausgedrückt zu denken ist.
Nach GI. (60) und (63) können nun die Werte dlljd-& und dAjd-& insbesondere für
den Auslegungspunkt berechnet werden; Hierauf liefern die Gin. (23), (30), (32), (33),
(38) alle gewünschten Auskünfte über das Verhalten der Anlage. Im Gegensatz zur
einwelligen Schaltung sind die Ableitungen dlljd-& und dAjd-& hier unabhängig davon,
welche Betriebsgrößen konstant gehalten werden, was damit zusammenhängt, daß die
Betriebszustände der frei laufenden Turbogruppe in dimensionsloser Darstellung eine
einparametrige Mannigfaltigkeit darstellen.
d) Anlage mit parallelgeschalteten Turbinen. Vereinfachend nehmen wir an, die
Eintrittstemperaturen für beide Turbinen seien gleich, was auch praktisch meist mehr
oder weniger der Fall ist. Dann ist die in Abschn. 14.2c eingeführte Größe a, welche
die Mengenaufteilung kennzeichnet, konstant. Für das Leistungsgleichgewicht an der
Verdichtergruppe erhalten wir dann, wie leicht nachzuprüfen ist,
1]m(1 - a) #[1 - (z II)-v] = Jix- 1. (64)
Die Differentiation liefert
dii (1 - a) 1Jm I/[1 - (z IIP] 2
dF = [1- (zll) •] [(x +_y) IJx- y]- y[IJx- 1] ·
(65)

Die innere Arbeit der Nutzturbine ist


(66)
woraus
A = a -&[1 - (z JI)-Y] (67)
und weiter
d1i
dA = a {[1 - (z II)-v] + -& y z-y JI-(y+t) dF
dll} . (68)

Die durch GI. (65) und (68) gegebenen Ableitungen, im Auslegungspunkt bestimmt und
eingesetzt in GI. (23), (30), (32), (33), (38), geben wiederum Aufschluß über das charakte-
ristische Betriebsverhalten der Anlage mit Parallelschaltung. Aus gleichen Gründen wie
im vorhergehenden Falle sind dlljd-& und dAjd-& unabhängig davon, welche Tempe-
ratur konstant gehalten wird.
e) Anlage mit seriegeschalteten Turbinen und verstellbarem Leitrad. Es ist ein Vorteil
dieser Anordnung, daß der Leistungsrückgang, der sonst unvermeidlich ist, wenn bei
konstantgehaltener Höchsttemperatur die Umgebungstemperatur ansteigt, völlig ver-
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Aufl. 8
114 14. Regelung der Gasturbinen

mieden werden kann, wenigstens bis zu einem obersten Grenzwert der Umgebungs-
temperatur. Dieser Grenzwert ist gegeben durch die maximale Vergrößerung der Schluck-
fähigkeit der ND-Turbine, die sich mit dem vorgesehenen Verstellbereich erzielen läßt,
ohne daß ihr Turbinenwirkungsgrad zu sehr absinkt. Die Rechnung verläuft hier so,
daß man für das gegebene T max und das erhöhteT E das Temperaturverhältnis {} = T max!T E
berechnet und für dieses II so wählt, daß die volle Leistung erhalten wird. Die Be-
dingung des Leistungsgleichgewichts an der HD-Gruppe liefert hierauf deren Gegendruck,
somit auch Il". Alsdann erhält man aus GI. 14.3 (25) tx, d. h. die Leitradstellung.
Aus der Verdichtercharakteristik folgt die Drehzahl, mit der die Verdichtergruppe in
diesem Betriebszustand läuft. Sie liegt über der Normaldrehzahl, was auf entsprechend
höhere mechanische Beanspruchungen führt. Da aber dieser Betriebszustand nur während
eines Bruchteiles der gesamten Betriebszeit der Maschine besteht, kann dies zugelassen
werden, ohne daß die Lebensdauer der Hochtemperaturteile dadurch merklich beein-
trächtigt wird.
Hingegen muß bei der strömungstechnischen Auslegung des Verdichters darauf ge-
achtet werden, daß diese Drehzahlsteigerung möglich sein muß, ohne daß man in der
ersten Stufe an eine Machzahlgrenze anstößt. Die erste Stufe ist daher zweckmäßig
nach den Prinzipien der transsonischen Stufe auszulegen.
f) Gegenüberstellung der verschiedenen Schaltungen. Nach den vorangegangenen
Ausführungen lassen sich nun für die verschiedenen Schaltungen die Ableitungen bilden,
die das Verhalten der Anlage kennzeichnen. Die nachfolgenden Angaben stützen sich
auf folgende Voraussetzungen:
'YjpT = 'YjpV =
0,9,
'YJr = 0, 75, wenn Wärmeaustauscher vorbanden,
z = 1 - 0,055 = 0,945 ohne Wärmeaustauscher,
z = 1 - 0,085 = 0,915 mit Wärmeaustauscher,
"= 1,375.
Im Falle der einwelligen Anlage werden darüber hinaus die Kennwerte p, und v gebraucht,
die für die Verdichtercharakteristik typisch sind. Es wurde gesetzt p, = 0,85, v = 2,
was etwa normalen Verhältnissen entspricht.
Die wichtigste Angabe ist die Größe
fJ(NfNo)
fJTE '

welche die Klimaempfindlichkeit darstellt. Abb. 3 gibt sie wieder, und zwar ist der
größeren Anschaulichkeit wegen aufgetragen die Leistungsabnahme in Prozenten bei
einer Erhöhung der Umgebungstemperatur von 20 auf 30 °0. Hierbei ist angenommen,
die Auslegung sei für 20 oc vorgenommen. Das Bild zeigt die folgenden wesentlichen
Zusammenhänge. Am geringsten ist die Klimaempfindlichkeit der einwelligen Anlage 1 •
Deutlich ungünstiger ist die Gasturbine mit Serieschaltung und weitaus ungünstiger
diejenige mit Parallelschaltung der mechanisch unabhängigen Nutzleistungsturbine.
Bei der einwelligen Anlage und bei Serieschaltung wird die Klimaempfindlichkeit um so
geringer, je höher die als konstant vorausgesetzte Eintrittstemperatur in die Turbine
angesetzt ist. Im Falle· der Parallelschaltung fehlt dieser Einfluß. Dies rührt daher,
daß mit zunehmendem Auslegungstemperaturverhältnis {}0 der Mengenanteil (1 - a)
der Verdichterturbine kleiner wird, was den an sich günstigen Einfluß des hohen {} 0
auf die Klimaempfindlichkeit gerade wieder ausgleicht.
Die Größe fJ(NfNo)
8T4
1 Es hängt dies allerdings von den Exponenten p, und v ab. Damit hängt auch die Abweichung der An-
gaben von Abb. 3 und Abb. 14.2.6 zusammen.
14.4 Klimaempfindlichkeit und 'reillastwirkungsgrad 115
also die Abhängigkeit der Leistung von der Höchsttemperatur bei festgehaltener Um-
gebungstemperatur ist in Abb. 4 dargestellt, wobei wiederum die Erhöhung der Nutz-
leistung in Prozenten für eine Temperatursteigerung um l 0 oc angegeben ist. Das Verhalten
der einzelnen Anordnungen ergibt sich analog wie oben: Die geringste Leistungserhöhung
erreicht man bei der einwelligen Anlage, eine größere bei Serieschaltung und die größte
bei Parallelschaltung. Durch Bildung der Quotienten der in Abb. 3 und 4 angegebenen
30 Größen läßt sich auch näherungsweise an-
% geben, um wieviel man die Gastemperatur

, . . ---
steigern muß, um eine Erhöhung der Um-
\\ I gebungstemperatur um lO oc auszugleichen.
' <~T
Die dazu notwendige Steigerung der Gas-

20
...... ...... __ m.----,----.-----.-~-.-----r----,

--- 1----
%

-·--'r-·-··-·- -·- ·-· ~·-


'11>a=3,0

.-:::::::::::: ~
- - 3,5
~:-·-'-r-·-·
3,0 . 1 - - · - . --:- -· r--.:-
,__y.q_
10
3,5
'1.0

olf 5 6 7 8 9 10 alf~----5~--~6~---7~--~a----~9~--~m·
IIO- no-
Abb. 14.4.3 Leistungsabfall in Prozenten für eine Abb. 14.4.4 Leistungssteigerung in Prozenten bei
Steigerung der Umgebungstemperatur um 10°0, aus- Steigerung der Höchsttemperatur um 10 oc, aus-
gehend vom Auslegungswert 20 °0. Höchsttemperatur gehend vom Auslegungswert. Umgebungstemperatur
konstant gleich dem Auslegungswert 20°0
- - Einwellige Anlage, konstante Drehzahl - - Einwellige Anlage, konstante Drehzahl
- - - - Zweiwellige Anlage mit Serieschaltung · - - - Zweiwellige Anlage mit Serieschaltung
- - • - - · Zweiwellige Anlage mit Parallelschaltung - - - - - - Zweiwellige Anlage mit Parallelschaltung
Index 0: Auslegungszustand Index 0: Auslegungszustand

temperatur liegt zwischen 28 und 44 oc bei der einwelligen Anlage, zwischen 20 und 35 oc
bei Serieschaltung und zwischen 27 und 42 oc bei Parallelschaltung. In dieser Beziehung
bestehen also keine entscheidenden Unterschiede zwischen den einzelnen Anordnungen.
Schließlich gibt die nachfolgende Zahlentafel noch einige Angaben über die Ab-
hängigkeit des Brennstoffverbrauches von der Belastung.
Zahlentafel1: Zunahme des spezifischen Brennstoffverbrauches in Prozent pro 10% Abnahme der Nutzleistung
iio 3,0 3,5 4,0
tma.x oc 606 753 899

n. 6
I 10 6
I
I
10 10

Einwellig • 3,3 I
I
4,0 2,7 2,8 2,0
Ohne Wärmeaustauscher Serie ...•• 3,2 i 3,1 2,9 2,6 1,6
Parallel ..• 3,2 i 2,7 3,2
I 2,5 2,5
n. 4 6 4 6 6

Einwellig 4,8 5,7 3,9 4,6 3,9


Mit Wärmeaustauscher Serie ..... 2,7 2,7 2,5 2,3 2,1
Parallel ... 1,7 1,0 1,6 1,1 1,2

Die Zahlen dieser Tabelle gelten an sich für das jeweilige Wertepaar # 0 , Il0 allgemein,
unabhängig von der Umgebungstemperatur. Zur Orientierung ist aber noch die Höchst-
s•
116 14. Regelung der Gasturbinen

temperatur T max für eine Umgebungstemperatur von 20 oc angegeben. Es zeigt sich,


daß die zweiwelligen Schaltungen mit Wärmeaustauscher günstigere Teillastwirkungs-
grade geben als die einwellige 1 • Bei der rekuperatorlosen Maschine ist ein eindeutiger
Vorteil der Parallelschaltung oder der Serieschaltung nicht zu erkennen. Hingegen
erreicht die Maschine mit Parallelschaltung und Wärmeaustauscher weitaus den besten
Teillastverbrauch.
Trotzdem muß von der Anwendung der Parallelschaltung abgeraten werden, und
zwar der großen Klimaempfindlichkeit wegen, die aus Abb. 3 zu erkennen ist. Diese
0,3
?Jo-9,0
I
I ~-9,S / ~-9,0
V
/ /

----
r--- ;-"t/
~~ ~ \\y\i/ 1e.... ---:::: 1)Y'
~~//

-
V V~
/Vv / -;::::::. ~ 1ß
~
V V -- 1ft
F-
~
c z c 8 z 8 10
IIo-
Abb. 14.4.5 Relative Vergrößerung des Leitradquerschnittes (/1 - / 10)//10 zum Ausgleich einer Erhöhung der
Umgebungstemperatur um 10 °0, ausgehend von 15 °0
Il0 = Auslegungsdruckverhältnis, D0 = Auslegungstemperaturverhältnis des Prozesses; Il1 = Auslegungsdruckverhältnis des
verstellbaren Leitrades; nach JAGGI [21]

hat nämlich eine noch weittragendere Bedeutung als man zunächst vermutet. Wesent-
lich denselben Effekt wie die Erhöhung der Eintrittstemperatur hat z. B. eine Ver-
schmutzung der Turbinen- und Verdichterschaufelungen.

--
I
/ / Also bedingt hier eine geringfügige Verschmutzung schon

-
~- "".,'J.O
_;V ~ einen wesentlichen LeistungsabfalL Auch sind solche

~0,02 ----
q,O
Anlagen sehr empfindlich auf kleine Fehler der Aus-
legung oder Fertigung. Wenn z. B. der Durchflußquer-
l

~ schnitt der Nutzleistungsturbine gegenüber dem der Ver-


dichterturbine um einige Prozent zu groß bemessen wird,
c 8 10 erreicht die Anlage irrfolge der etwas gefälschten Mengen-
IIo- verteilung (Größe a) die vorgesehene Nutzleistung auch
Abb. 14.4.6 nicht annähernd. Will man also Parallelschaltung an-
Relative Drehzahlerhöhung (n- n 0 )fn0 wenden, so muß man unbedingt durch besondere Mittel
der Verdichtergruppe beim Ausgleich
einer Erhöhung der Umgebungstem- die nötige Reserve künstlich schaffen. -Ungünstig ist
peratur um 10 °0, ausgehend von 15 °0 die Parallelschaltung auch insofern, als stets zwei Hoch-
rr. = Auslegungsdruckverhältnis, D0 =Aus- temperaturturbinen benötigt werden. Außerdem ist die
legungstemperaturverhältnis des Prozesses;
nach JAGGI [2Il
Au f tm·1ung m
· zwei· para11e1e Ströme vom Stan d punk t
der Maschinenwirkungsgrade aus nie ratsam.
Für den Fall der Serieschaltung mit verstellbarem Leitapparat zeigen Abb. 5 und 6
auszugsweise einige Ergebnisse von JAGGI [21]. Dargestellt sind die relative Vergrößerung
der Leitradöffnung und die Drehzahlerhöhung der Verdichtergruppe, die notwendig sind
zum Ausgleich des Einflusses einer Erhöhung der Umgebungstemperatur um 10 °Ü.

14.5 Beispiele gerechneter und gemessener Gasturbinencharakteristiken


Eine systematische Untersuchung des Regelverhaltens einer größeren Anzahl von
Schaltungen haben MALLINSON und LEWIS [7] durchgeführt. Wir geben hier die wich-
tigsten ihrer Resultate wieder, wobei wir uns auf die Fälle beschränken, die vor allem

1 Man beachte, daß hierbei konstante Drehzahl vorausgesetzt ist. Bei variabler Drehzahl kann die ein-
wellige Anlage gute Teillastwirkungsgrade erreichen.
14.5 Beispiele gerechneter und gemessener Gasturbinencharakteristiken 117

praktisches Interesse besitzen. Einheitlich lagen jenen Berechnungen die folgenden


Daten im Auslegungspunkt zugrunde:
Höchsttemperatur . . . . . . . . . . . . . . . 1050 °K = 777 °C
Umgebungstemperatur . . . . . . . . . . 288°K = 15°C
Temperatur nach Kühler (wenn Zwischenkühlung) . 293°K = 20°C
Isentroper Verdichterwirkungsgrad . . . . . . . . 0,84
Isentroper Turbinenwirkungsgrad . . . . . . . . . 0,88
Rekuperatorwirkungsgrad (wenn vorhanden) 0,75
Druckverhältnis bei Schaltungen ohne Zwischenkühlung 5
Druckverhältnis bei Schaltungen mit Zwischenkühlung 4 X 3 = 12
Summe der relativen Druckverluste . . . . . . . . . 0,027

Bei Anlagen mit Wärmeaustauscher wurden die zusätzlichen Druckverluste dadurch


berücksichtigt, daß der rechnerisch erhaltene thermische Wirkungsgrad mit 0,96 multi-
pliziert wurde. Der Umgebungszustand ist bei allen Angaben dieses Abschnittes un-
veränderlich vorausgesetzt.
Die verwendete Durchflußcharakteristik der Turbine ist in Abb. 1 dargestellt. Die
mit "vielstufig" angeschriebene Kurve stellt das Gesetz der Ellipse dar. Dies wurde aber
nur für einige Berechnungen herangezogen. Meist wurde die mit "dreistufig" angeschrie-
bene Kurve benutzt, die aus der in Abb. 1 ebenfalls dargestellten Durchflußkurve der
einzelnen Stufe theoretisch berechnet worden war. Es fällt auf, wie weit sich die Kurve
"dreistufig" von der Ellipse entfernt. Offenbar ist eine Schaufelung mit sehr kleinem
5
0,89

'f

t 0,6 t3
$t 1:::::
~0,/f~---+----+---~----~~~ 2

0,2~--~----+----+----+---~ n*=0,5

0 az 0,11 o,6 o,a 1,0 0 az 0,'1 0,6 0.8 1,0


(mpEofmoPdV~I~o· ifl-
Abb. 14.5.1 Den Rechnungen von MALLINSON und Abb. 14.5.2 Den Rechnungen von MALLINSON und
LEWIS [7]zugrunde liegende Turbinendurchflußgesetze LEWIS [7] zugrunde liegende Verdichtercharakteristik

Reaktionsgrad vorausgesetzt worden, denn sonst käme man schon mit drei Stufen der
Ellipse recht nahe. Auch die hohe Lage des Schallpunktes der einzelnen Stufe bestätigt
dies. Die Variation des Turbinenwirkungsgrades wurde nur in summarischer Weise
berücksichtigt. Bei Turbogruppen, die mit variabler Drehzahl laufen, wurde er konstant
gesetzt, und nur bei Maschinen, die ein variables Gefälle mit unveränderlicher Drehzahl
verarbeiten ist er entsprechend der Stufencharakteristik variiert worden.
Abb. 2 zeigt die den Rechnungen zugrunde gelegte Verdichtercharakteristik mit
Druckverhältnis 4 im Auslegungspunkt. Die Charakteristiken der Verdichter mit Aus-
legungsdruckverhältnis 3 und 5 sind analog. An diesen Charakteristiken fällt vor allem
die außerordentlich günstige Lage der Pumpgrenze auf. Ferner liegt der Auslegungspunkt
nicht im Bereich höchsten Wirkungsgrades. Beides beeinflußt die Rechenergebnisse im
Sinne eines günstigen Teillastverhaltens. Die Vereinigung dieser Verdichtercharakteristik
mit einem Durchflußgesetz der Turbine, das "völliger" ist als die Ellipse, gewährleistet
die größtmögliche Ausweitung des Betriebsgebietes, das ohne die Gefahr des Pumpens
118 14. Regelung der Gasturbinen

gefahren werden kann. Dies ist bei der Beurteilung der Ergebnisse zu beachten, denn
es können sehr leicht ungünstigere Verhältnisse eintreten als sie die Untersuchung von
MALLINSON und LEWIS ergeben hat.
Abb. 3 zeigt die Rechenergebnisse für die einwellige Anlage ohne Zwischenkühlung,
und zwar mit und ohne Wärmeaustauscher und mit konstanter bzw. nach dem "Propeller-
gesetz" variierender Drehzahl. Dieses letztere lautet bekanntlich
1

n ( N
no = No
)3 . (1)

Es sind also vier Varianten dargestellt, und zwar jeweils der thermische Wirkungsgrad 'f}th
und die Temperatur t am Turbineneintritt in Funktion des Leistungsverhältnisses (Be-
lastung) N JN 0 • Für den Fall der gemäß Propellergesetz variierenden Drehzahl sind
ferner noch in der Verdichtercharakteristik die dabei durchlaufenen Betriebszustände

po=ru
800
oc
t 600
5

lf

t 3
t:S
1:::::: !:""

10 0,2 0,'1 0,6 0,8 1,0 0,2 0,'1 0,6 0,8 1,0
tfJ- N/No-
Abb. 14.5.3 Rechenergebnisse nach [7] für einwellige Gasturbinenanlage
a Propellergesetz mit Wärmeaustauscher; b Propellergesetz ohne Wärmeaustauscher; c Konstante Drehzahl mit Wärmeaustauscher;
d Konstante Drehzahl ohne Wärmeaustauscher
Dreistufige Turbine vorausgesetzt. Die mit "Propellergesetz" angegebenen Fälle können bei kleiner Last diesem Gesetz nicht
mehr genau folgen, aus Gründen, die im Text angegeben. Kurven "Propellergesetz" gelten auch für zweiwellige Anlage mit
parallelgeschalteten Turbinen

eingetragen. Es geht daraus hervor, daß die Pumpgrenze nirgends erreicht wird, was
mit den oben genannten Umständen zusammenhängt (es ist die Charakteristik der drei-
stufigen Turbine vorausgesetzt). - Für sehr kleine Belastung - mindestens etwa von
1/3-Last an abwärts - sind in diesem Falle die Rechnungsergebnisse wegen der ge-
machten Annahme sicher zu günstig, denn es bedarf einer endlichen Drehzahl, um über-
haupt ohne Mithilfe des Anlaßmotors die Gruppe im Leerlauf zu halten. Da aber bei
jeder Drehzahl gemäß dem Propellergesetz noch ein positives Drehmoment abgegeben
werden müßte, ist der Betrieb einer einwelligen Gasturbine nach dem Propellergesetz
gar nicht bis zu beliebig kleiner Belastung hinab möglich. Die auf diesen Fall bezogenen
Kurven muß man also etwa so verstehen, daß von einer bestimmten Leistung an abwärts
durch äußere Eingriffe - z. B. Propellerverstellung - die Drehzahl in Abweichung
vom Propellergesetz künstlich hochgehalten wird und bei N = 0 mindestens noch den
für Leerlauf notwendigen Wert hat. Praktisch gleiche Ergebnisse wie im Falle der Dreh-
zahländerung nach Propellergesetz würde man erhalten mit einer mechanisch unabhängig
laufenden Nutzleistungsturbine, welche der Verdichterturbine parallelgeschaltet ist.
Hier verschwindet· auch die soeben besprochene Schwierigkeit, da die Nutzleistungs-
turbine bei beliebig kleiner Drehzahl das nötige Drehmoment abgeben kann.
14.5 Beispiele gerechneter und gemessener Gasturbinencharakteristiken 119
Abb. 4 zeigt die Ergebnisse für die Gasturbine ohne Zwischenkühlung mit Serie-
schaltung der Nutzleistungsturbine und mit Wärmeaustauscher. Die Fälle der konstanten

ftH-liO
800
oc ~
Loo ~
""" V
5 /' 1,0 '100 ~b
f/j
--
/
n *= 0,9
/
-
/ <)
0,3
o,~s ~
t... az ~
.~
O.B/>(
x ~
(
2 a1
/
I
10 0,2 0,'1- 0,6 0,8 1,0 0 0,2 0,'1- 0,6 0,8 1,0
tP- N/N0 -
Abb. 14.5.4 Rechenergebnisse nach [7] für zweiwellige Anlage mit Serieschaltung. Dreistufige Turbine.
Mit Wärmeaustauscher
a Propellergesetz, b konstante Drehzahl

oder nach dem Propellergesetz variierenden Nutzturbinendrehzahl unterscheiden sich


hier kaum. Die Kurve der durchlaufenen Betriebszustände in der Verdichtercharakte-
ristik verläuft in beiden Fällen gleich und trifft die Pumpgrenze nirgends.
1,2

t.. 0,8
1,0
110 _... ....--
~
<:! 0,6 l..---' ~0

0,'1
...... .........-

t 8DOoc ~
..., 700
5 600
/...........-
'I
n*~t,o
0,3 ~
---..
J 3 t,z 0,2 {
""'
I
1::::::

2 0,1
0,5.
.
10 0,2 0,6 0,8 1,0 0 o,z 0,8 1/}
tP'-
Abb. 14.5.5 Rechenergebnisse nach [7] für zweiwellige Verbundanlage mit Zwischenkühlung und Wärme-
austauscher, ohne Zwischenerhitzung, Leistungsabgabe bei konstanter Drehzahl an der HD-Welle

In Abb. 5 sind die Ergebnisse zusammengestellt für eine Anlage mit einem ND-Ver-
dichter, einer ND-Turbine, einem HD-Verdichter und einer HD-Turbine, wobei ND-
und HD-Gruppe voneinander mechanisch unabhängig sind und die Nutzleistung bei
konstanter Drehzahl an der HD-Welle abgenommen wird. Zwischen den Verdichtern
120 14. Regelung der Gasturbinen

ist eine Zwischenkühlung vorgesehen, und die Anlage ist mit einem Wärmeaustauecher
ausgerüstet. Außer der Höchsttemperatur und dem thermischen Wirkungsgrad sind in
Funktion des Leistungsverhältnisses NfN 0 noch die Drehzahlverhältnisse nfn 0 für die
HD- und ND-Gruppe aufgetragen. Während dieses Verhältnis für die HD-Gruppe
gemäß Voraussetzung stets gleich Eins ist, sinkt es für die ND-Gruppe mit abnehmender
Leistung sehr wesentlich ab. Dieses Verhalten, das sich bei dieser Anordnung von selbst
ergibt, entspricht der Forderung, bei reduzierter Last der Gefahr des Pumpens aus-
zuweichen. Das Diagramm links, welches die Betriebslinie innerhalb der Charakte-
ristik des ND-Verdichters (Druckverhältnis Il', Durchflußgröße @') darstellt, zeigt,
daß tatsächlich die Pumpgrenze nirgends erreicht wird. Im HD-Verdichter besteht
bei dieser Schaltung ohnehin keine Pumpgefahr. Die hier behandelte Anordnung ist
ausgezeichnet geeignet für größere ortsfeste Anlagen.
Die in Abb. 6 wiedergegebenen Ergebnisse beziehen sich auf eine Schaltung, die
sich von der vorhergehenden nur dadurch unterscheidet, daß die Nutzleistung an der
1,2

<-
t" 0,8
a
HD -1- k-- ~
~ a,b
~

/
3, ~

<'
~
b~

--
~
2,8 500

-
b 1---
~----
~---.::...
t .....

I
2,9 ~ a

1::::
2,0

1,8 0, 11'/
t;o 0,2 0 O,'f 0,8 0,8 1,0
N/N;-
Abb. 14.5.6 Rechenergebnisse nach [7] für zweiwellige Verbundanlage mit Zwischenkühlung und Wärme·
austauscher, Leistungsabgabe an der ND-Welle nach Propellergesetz
a ohne Zwischenerlrltzung, b mit Zwischenerhitzung

ND-Welle abgenommen wird. Für den Nutzleistungsempfänger ist dabei das Propeller-
gesetz angenommen. Die Kurvenabeziehen sich auf den Fall ohne Zwischenerhitzung,
die Kurven b auf den mit Zwischenerhitzung zwischen HD- und ND-Turbine. In allen
Fällen ist Zwischenkühlung vorgesehen. Aus den Kurven für das Drehzahlverhältnis n/n0
erkennt ~an .wieder die starke Abnahme der Drehzahl der ND-Gruppe bei Teillast,
während die Drehzahl der HD-Gruppe nur wenig ändert. Dadurch wird das Pumpen der
Verdichter vermieden. Dies setzt aber voraus, daß der Nutzleistungsempfänger dem
Propellergesetz gehorcht (oder mindestens einem ähnlichen Gesetz). Daher ist diese
Anordnung z. B. für Schiffsanlagen sehr gut geeignet, nicht aber ohne weiteres für
Generatorantrieb. Wenn man sie doch für diesen letzteren Zweck verwenden will, muß
man z. B. durch Abblasen nach dem ND-Verdichter bei Teillast das Pumpen vermeiden,
was mit großen Verlusten verbunden ist. Schon bei einer Leistung, die nur verhältnis-
mäßig wenig unter der Normallast liegt (z. B. 70% der letzteren), wird dieser Eingriff
nötig. Der Teillastwirkungsgrad solcher Anlagen wird also sehr schlecht. Wenn trotzdem
14.5 Beispiele gerecimtlter und gemessener Gasturbinencharakteristiken 121

diese Anordnung bei solchen stationären Anlagen verwendet wird, wo guter Teillast-
wirkungsgrad unwesentlich ist, so deshalb, weil sie beträchtliche Vorteile aufweist. So
wird durch die tiefere Drehzahl der ND-Gruppe das Problem des Getriebes zwischen
Gasturbine und Generator vereinfacht oder vermieden. Vor allem kommt aber der Ein-
trittsdruck in die ND-Turbine wesentlich höher zu liegen als bei Nutzleistungsabgabe
an der HD-Welle. Bei Anwendung der Zwischenerhitzung liegt dieser Druck ausgesprochen
günstig, führt also auf einen hohen thermischen Wirkungsgrad. Wenn hingegen die
Nutzleistung an der HD-Welle abgenommen
wird, liegt der Druck vor der ND-Turbine
für eine günstige Anwendung der Zwischen-
erhitzung zu tief. Daher ist auch im Bei-
spiel, Abb. 5, keine Zwischenerhitzung

700
t ·c
....,500
l/00
1,0

t
.:!.. 0,8
"" /
10
/
0,6
0,9 8

t.."
0,3
6 t
$
~
0,2 ~
2 9 6 8
N-
0 0,25 0,5 0,75 1,0 1,25 z
N/N0 -

Abb. 14.5.7 Meßergebnisse an einer einwelligen,


mit konstanter Drehzahl laufenden Gasturbine von 5 10 MW 15°
N-
BBC, nach [16] 0,75 1,0
0 0,25

vorgesehen. Die Anwendung der Zwischen- Abb. 14.5.8 Meßergebnisse an einer zweiwelligen Ver-
erhitzung ist bei dieser Anordnung in sinn- buridan1age von BBC. Leistungsabgabe bei konstanter
Drehzahl an der HD-Weile. Nach [11]
voller Weise nur möglich, wenn weitere t Temperatur vorHD-Turbine, t 2 Temperatur vor ND-Turbine.
1
Komplikationen in Kauf genommen werden. n jn~ relative Drehzahl der ND-Gruppe, II gesamtes Druck-
'7th thermischer Wirkungsgrad an
Als solche kommen in Frage die Aufteilung verhältnis der Verdichter,
Generatorklemme
der Verdichtung in drei Abschnitte mit zwei
Zwischenkühlungen, wobei ND- und MD-Verdichter auf derselben Welle arbeiten oder die
Aufteilung der Turbine in drei hintereinandergeschaltete Einheiten, wobei die Zwischen-
erhitzung zwischen der HD-Turbine und der auf gleicher Welle arbeitenden MD-Turbine
vorgenommen wird.
Ein Beispiel eines gemessenen Wirkungsgradverlaufes an einer einwelligen, mit kon-
stanter Drehzahl laufenden BBC-Gasturbine ohne Wärmeaustauscher zeigt Abb. 7,
vgl. [16]. Demgegenüber zeigt Abb. 8 die Meßergebnisse an einer ebenfalls von BBC
gebauten zweiwelligen Großanlage, deren Schaltung in der Figur ebenfalls eingetragen
ist, vgl. [11]. Hier ist von der oben erwähnten Verdichtung mit zwei Zwischenkühlungen
Gebrauch gemacht, um eine günstige Lage des Zwischenerhitzungsdruckes zu erhalten.
Im Diagramm sind außer dem thermischen Wirkungsgrad das gesamte Druckverhältins ll,
122 14. Regelung der Gasturbinen

die Eintrittstemperaturen t 1 und t 2 der HD- und ND-Turbinen und die Drehzahlverhält-
nisse der beiden Turbogruppen angegeben. Wie aus der Abbildung hervorgeht, bleibt
der Abfall des thermischen Wirkungsgrades etwa bis auf Halblast herab gering.
Besonders übersichtlich wird der Vergleich der verschiedenen gemessenen und ge-
rechneten Kurven, wenn man das Verhältnis 'f/th/'f/th 0 in Funktion von Nf N 0 darstellt.
In Abb. 9 ist dies für die mit konstanter Drehzahl laufende einwellige Gasturbine ge-
schehen, und zwar sind die von M.ALLINSON und LEWIS berechneten Beispiele der gemes-
senen Kurve von BBC (nach Abb. 7) und einer von BROWN [1] berechneten Kurve
gegenübergestellt. Weiter können die Angaben der Zahlentafel I des vorhergehenden

~4
-· ,, --
--·
:?
1,0
:;:;..- ;... __ ",

", ....

il
0,8
~a /"-C
t" /
/1

ü
~0,6
---~ /
i I
0,~
r/
I. II
0,2
/
I
O,Z 0,'1 0,6 0,8 1,0 0 O,Z 0,'1 0,6 0,8 1,0
N/N0 - NjN0 -
Abb. 14.5.9 Vergleich des Wirkungsgradverlaufes für Abb. 14.5.10 Vergleich des Wirkungsgradverlaufes
einwellige Gasturbinen bei konstanter Drehzahl für einwellige Gasturbinen, Drehzahl variierend, im
a ohne Wärmeaustauscher, berechnet von MALLINSON und normalen Belastungsbereich nach Propellergesetz
LEWIS [7], b mit Wärmeaustauscher 'Ir = 0, 75, berechnet von a mit Wärmeaustauscher 'Ir= 0,75, berechnet von MALLIN·
MALLINSON und LEWIS [7], c ohne Wärmeaustauscher, ge- SON und LEWIS [7], b mit Wärmeaustauscher ('Ir = 0,8), be-
messen von BBC [16], d mit Wärmeaustauscher 'Ir = 0,8, rechnet von BROWN [1], c ohne Wärmeaustauscher, berech·
berechnet von BROWN [1] net von MALLINSON und LEWIS [7]. Zweiwellige Anlage mit
parallelgeschalteten Turbinen gibt ungefähr gleichen Wirkungs.
gradverlauf

Abschnittes noch zum Vergleich herangezogen werden, denn sie geben die Neigung der
Wirkungsgradkurven im Auslegungspunkt NJN 0 = l. Man erkennt die durchaus be-
friedigende Übereinstimmung.
Abb. 10 zeigt die entsprechende Gegenüberstellung für die einwellige Anlage mit
nach Propellergesetz variierender Drehzahl. Dazu müßte man allerdings wiederum
beifügen, daß das Propellergesetz bei kleiner Teillast verlassen werden muß, z. B. durch
Anwendung eines Verstellpropellers. Das Diagramm gilt mit guter Näherung auch für
die zweiwellige Anlage mit parallelgeschalteter Nutzturbine. Erwartungsgemäß sind die
Ergebnisse günstiger als bei konstanter Drehzahl, besonders bei Anlagen mit Wärme-
austauscher. Beachtenswerterweise ist die Neigung der Kurven im Auslegungspunkt
noch geringer als nach den Angaben über Parallelschaltung in Zahlentafel1 zu erwarten
wäre. Das beruht auf der Verdichtercharakteristik, die ihr Wirkungsgradoptimum
nicht im Auslegungspunkt hat.
Abb. 11 bestätigt, daß der Wirkungsgradverlauf der zweiwelligen Anlage mit serie-
geschalteter Nutzturbine ungünstiger ist als im Falle nach Abb. 10. Hierbei ist es prak-
tisch unwesentlich, ob die Nutzturbine mit konstanter Drehzahl oder gemäß dem Pro-
pellergesetz arbeitet. Die Übereinstimmung mit den Angaben der Zahlentafel1 ist recht
gut, wobei aber auch hier die Kurvenneigung eher geringer ist.
Abb. 12 bezieht sich auf "Verbundschaltungen", d. h. auf solche mit mindestens
zwei auf verschiedenen Wellen laufenden Verdichtern (zwischen denen gekühlt wird)
14.5 Beispiele gerechneter und gemessener Gasturbinencharakteris tiken 123
und demgemäß mindestens zwei Turbinen, also entsprechend den Abb. 5, 6 und 8.
Beigefügt sind ferner zwei Kurven für Anlagen mit drei hintereinandergesc halteten
Turbinen, wobei die HD-Turbine den HD-Verdichter, die ND-Turbine den ND-Ver-
dichter und die MD-Turbine mechanisch unabhängig von den beiden anderen den Nutz-
leistungsempfänger antreibt. Kurve b entspricht den gemessenen Ergebnissen an einer
von der Mitsubishi Nippon Heavy-lndustries Ltd. gebauten Gasturbine dieser Art, vgl.
lsOGAI, FuJISAWA, YosHrr [3]. Kurve e zeigt Rechenergebnisse von BROWN [1]. Es fällt auf,
daß hierbei - im Gegensatz zur einwelligen Anlage, vgl. Abb. 9. - die gemessenen
Kurven bei kleiner Last durchweg wesentlich unter den gerechneten liegen. Dies rührt
von den Charakteristiken der Maschinen
(besonders Verdichter) her, die im Teillast-
gebiet wesentlich zu günstig angenommen
wurden. Besonders fällt die Kurve c aus

1,0
R:R.J=fCJ
~
~
~
tA
0,8

t" ~

-- I
$0,6
A

I
0,'1

0,2

0 O,Z 0,'1 0,6 0,8 1,0 0 O,Z 0,'1 0,6 0,8 1,0
N/N0 - N/N0 -
Abb. 14.5.11 Vergleich des Wirkungsgradverlaufes Abb. 14.5.12 Vergleich des Wirkungsgradverlaufes
für zweiwellige Gasturbinen mit Serieschaltung der für Verbundschaltungen
Turbinen. Drehzahl der Nutzleistungsturbine nach a Messung an zweiwelliger Anlage mit Zwischenerhitzung von
Propellergesetz variierend, jedoch Kurven in weitem BBC. Nutzleistung an HD-Welle bei n = const, nach [11).
b Messung an dreiwelliger Anlage der Mitsubishi Nippen
Bereich auch für konstante Drehzahl gültig Heavy lndustries Ltd., mit Zwischenerhltzung, Leistungs-
a mit Wärmeaustauscher ('Ir = 0,75), berechnet von MALLIN- abgabe an mechanisch unabhängiger MD-Welle, nach [3).
BON und LEWIS [7), b mit Wärmeaustauscher ('Ir = 0,8), be- c Rechnung für zweiwellige Anlage ohne Zwischenerhltzung.
rechnet von BROWN [1) Nutzleistung an HD-Welle bei n = const, nach [7]; d Rech-
nung für zweiwellige Anlage mit Zwischenerhitzung, Nutz-
leistung an ND-Welle, Propellergesetz, nach [7); e Rechnung
für dreiwellige Anlage mit Zwischenerhitzung, Leistungsabgabe
an mechanisch unabhängiger MD-Welle, nach [1)

dem Rahmen. Würde man aber die Kurve umzeichnen, derart, daß man den jetzt mit
NfN 0 = 0,6 bezeichneten Punkt als Vollastpunkt benennen würde, so fügte sie sich sehr
gut in das Gesamtbild ein.
Die zweiwellige Schaltung mit einem einzigen Verdichter und zwei hintereinander-
geschalteten Turbinen, wobei die ND-Turbine die Nutzleistung abgibt, ist besonders
geeignet für den Antrieb von Landfahrzeugen. In diesem Falle wird allerdings der
Wirkungsgradverla uf nicht mehr durch das Diagramm Abb. 11 wiedergegeben, da ja
für jeden Druckzustand der Anlage die Drehzahl der Nutzleistungsturbi ne noch zwischen
Null und dem höchstzulässigen Wert variieren kann. Dabei ändert sich auch der Wirkungs-
grad der Nutzturbine entsprechend, weshalb der thermische Anlagewirkungsgrad von
den beiden Variablen N(N 0 und n"fn~ abhängt, wobei n" die Drehzahl der Nutz-
leistungsturbine ist. Abb. 13 stellt eine solche Charakteristik dar. Dabei wurde an-
genommen, daß die günstigste Drehzahl der Nutzleistungsturbi ne in Funktion der
124 14. Regelung der Gasturbinen

Nutzleistung nach dem Propellergesetz variiere und daß der so bei jeder Leistung
günstigstmögliche Wirkungsgrad durch die Kurve a, Abb. 4 (somit auch Kurve a,
Abb. 11), gegeben sei. Weiter wurde vereinfachend angenommen, der Wirkungsgrad
der Nutzleistungsturbine ändere bei Abweichung von der jeweils günstigsten Drehzahl
gemäß einem parabolischen Gesetz, eine Näherung, die eher auf der sicheren Seite
liegt. Die so erhaltenen Kurven für 'Y/th/'Y/th 0 sind nur dann korrekt, wenn kein Wärme-
austauscher vorgesehen ist, denn andernfalls bedingt ein schlechterer Wirkungsgrad
der ND-Turbine eine Erhöhung der Austrittstemperatur und somit auch des Wärme-
rückgewinnes, also eine Ausflachung der Wirkungsgradkurven. - An sich wurde die

1,0
3,0
OJJ ~~ J'ln ,I= 1,0
0
1,8

~
46
1,6
', -, ~
~
'f{o
~"
0,'1
1,'1
z " i'

~"'
"'~&.

1,0
t
~1,0
::.::
1,2

'-G'<f9

'-G'~
'"
" " i', \
\'-. ~

""'" "\'~' ·~
r--. ,, 1,0

t 0,8 OJJ
"'-.
r--\'"'-1\ ~ ~
49"-
~
-
"'-.
"'
~a 0,6 ~~
\.."'-.

~' '"" -~
~ "-, 0,8 ~... ,
""-,
0,'1 0,'1 1"""--..117
~ I'" "- ~ ~
....,
1Jthi7Jt 0- 0,6
0,2
'-.

0,6 0 0,2 0,6 0,8


1', ""-~'
1,0 -------1,2
a2 0/f 0,8 1,0
n1n:-- n"/n~ __...

Abb. 14.5.13 Gerechnete Leistungs- und Wirkungs- Abb. 14.5.14 Gerechnete Drehmomentcharakteristik,
gradcharakteristik einer zweiwelligen Gasturbine für entsprechend der Leistungs- und Wirkungsgrad-
Landfahrzeuge, Turbinen in Serie charakteristik Abb. 13
n' /n0 =relative Drehzahl der HD-Turbine;
n"/n~' =relative
Drehzahl der ND-Turbine, proportional Fahrgeschwindigkeit

Kurve a, Abb. 4, unter Voraussetzung eines Wärmeaustauschers gerechnet, doch ist


auch ohne diesen durch genügend hohes Druckverhältnis ein durchaus ähnlicher Verlauf
erreichbar.
Aus Leistung und Drehzahl kann auch sogleich auf das für den Fahrzeugbetrieb
besonders wichtige Drehmoment M geschlossen werden. Abb. 14 zeigt daher MfM 0
für die verschiedenen Betriebszustände, wobei auch Kurven konstanten thermischen
Wirkungsgrades eingetragen sind. Dem parabolischen Verlauf des Turbinenwirkungs-
grades entspricht der geradlinige Verlauf des Drehmomentes, wobei das Stillstand-
drehmoment das Doppelte des Drehmomentes im Optimalpunkt ist. Auch diese Näherung
liegt wieder auf der sicheren Seite, denn die wirkliche Gestalt der Wirkungsgradkurve
und die hier stets vernachlässigte Rückwirkung der Drehzahl auf den Durchfluß bewirken
eine Steigerung des Stillstanddrehmomentes. Bei besonderer Auslegung kann es in
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung 125
Extremfällen nahezu das Dreifache des Wertes im Optimalpunkt erreichen. Meist aber
liegt das Verhältnis wenig über zwei. - In Abb. 15 endlich ist das relative Drehmoment
5 MfM 0 über der Fahrgeschwindigkeit auf-
getragen für ein Fahrzeug mit zweigängigem

~-
Getriebe. Es geht daraus hervor, daß sich
die Gasturbine bezüglich ihrer Drehmoment-
t.6ang charakteristik den Bedürfnissen des Fahr-
zeugbetriebes ausgezeichnet anpassen läßt,

~
0,3
3 /~
l\ ~0
~0,2

II
\~
0,1

\{A
2
0 1000 'kW 2000
N-
I
>f;w"• Abb. 14.5.16 Verlauf des thermischen Wirkungsgrades
über der Leistung für eine geschlossene Gasturbine mit
1\\_-1 2.6ang
~ 1,0
Pegelregelung von Escher Wyss nach Messungen von
QUIBY [12]

'-: \ \1~ ~
~
/
/
~
\...._ aeo
>--....
'-.....::: ....._ Q70 ---- während der Wirkungsgradverlauf weniger
günstig ausfällt.
Geschlossene Gasturbinen erreichen, wie
1JtJ.frltho = 0. 60/ unter 14.1 erläutert, dank der Pegelregelung,
0 0,2 0/1 0,6 0,8 1,0 1,2 1,'I
sehr günstige Teillastwirkungsgrade. Abb. 16
v/v0 -
Abb. 14.5.15 Drehmomentcharakteristik einer Gas-
stellt einen solchen Wirkungsgradverlauf
turbine für Landfahrzeug mit zweigängigem Ge- nach Messungen von QuiBY [12] dar. Bei
triebe, berechnet aus Charakteristik Abb. 14 größeren Einheiten ist ein eher noch .etwas
vjv0 = relative Fahrgeschwindigkeit günstigerer Verlauf zu erwarten.

14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung


Das regeldynamische Verhalten der Gasturbine ist ein außerordentlich kompli-
ziertes. Es treten dabei Probleme in Erscheinung, die spezifische Eigentümlichkeiten
der Gasturbine darstellen, weshalb für zwei typische Beispiele von Gasturbinen die
regeldynamischen Gleichungen hergeleitet werden.
Als erstes betrachten wir eine einwellige Gasturbine mit Wärmeaustauscher nach
Abb. l. Die Regelung ist in der einfachstmöglichen Form ausgebildet, nämlich direkte
Einstellung der Brennstoffzufuhr von einem Fliehkraftregler aus. Die Statik dieser
Regelung bedingt im Beharrungszustand eine bestimmte Abhängigkeit zwischen Leistung
und Drehzahl (dem Leistungsbereich von Null bis Höchstlast entspricht eine Drehzahl-
abweichung von einigen Prozenten des Normalwertes), die gegebenenfalls nachträglich
durch eine Drehzahlverstellvorrichtung noch eliminiert werden kann, wie unter 12.6
beschrieben. Die in Abb. l eingetragenen Zahlen geben die Numerierung der Zustands-
punkte. Weiter wird mit Index 0 derjenige Beharrungszustand gekennzeichnet, von dem
der Regelvorgang seinen Ausgang nimmt. Es kann dies der Auslegungszustand sein,
aber ebensogut auch jeder andere Beharrungszustand.
126 14. Regelung der Gasturbinen

Für einen beliebigen, vom Zustand 0 abweichenden Betriebszustand folgt der Massen-
strom mT durch die Turbine mit hinreichender Näherung dem Gesetz
~T = .h_ 1/T40 ~ _h_ 1(1';;. (1)
mpo P4o ~ T, P2o Vr_r;-
Das Durchflußverhalten des Verdichters ist gegeben durch seine Charakteristik. In
unmittelbarer Nähe des Beharrungszustandes 0 kann sie stets durch ein Gesetz der Art
mv
mvo = no)a (fu )b
( n p2 (2)

angenähert wiedergegeben werden, wobei durch die Wahl geeigneter Exponenten a


und b die Anpassung an den örtlichen Verlauf der Charakteristik hergestellt werden
kann. Größenordnungen sind etwa
a ~ 1,4-;- 2, b ~ -(0,1-;- 0,3).
In jedem Beharrungszustand, ge-
kennzeichnet durch einen bestimm-
ten Wert des Druckes p 2 , ist nun
im Raume zwischen den Kontroll-
flächen I und II, Abb. 1, eine be-
stimmte Luft- bzw. Gasmasse m(p 2 )
eingeschlossen. Sie beträgt, wenn d V
irgendein Element dieses Raumes ist

(3)

Abb. 14.6.1
wobei durch die Integrationsgrenzen
Schema einer einwelligen Gasturbine mit Drehzahlregelung
angedeutet wird, daß über das ganze
Raumgebiet von 1 bis 11 integriert werden muß. Die Funktion m(p 2 ) kann aus den
bekannten Beharrungszuständen ein für allemal ermittelt werden. Beim Durchgang durch
instationäre Zustände wird allerdings der Zusammenhang zwischen m und p 2 nicht genau
der gleiche sein, doch sind die Abweichungen gering.
Nun gilt für den betrachteten Raum die folgende Mengenbilanz:
. . dm(p dm dp2 (4)
mv- mT = _d_t_ = 2)
dp2 Tt·

Dabei können mT und rhv aus GI. (1) und (2) ausgedrückt werden. Es ist rhvo = rhTo = m 0 ,
da ja im Beharrungszustand praktisch gleiche Mengen durch Verdichter und Turbine
strömen. Da weiter dmjdp 2 eine bekannte Funktion F (p 2 ) ist, folgt

oder
(5)

Die pro Zeiteinheit durch den Brennstoff zuzuführende Wärmemenge beträgt

Q= 40 (T4 -Ta).
mT Cp(T4-Ta) = rho Cp.l!!_ l(T;;T (6)
P2o Vr_r;-
Andererseits läßt sich setzen
Q= (1 + p,) Qo, (7)
wobei die Größe p, durch die Stellung des Brennstoffregelorgans gegeben ist. Es ist also

rr:
40 (T, -Ta)= (1
moCp.l!!_ l(T;;T
P20 V
+ p,) mo Cp(T,o -Tao)
oder
(T, -Ta) l(T;;T4o = (1 + p,) P2o (T,o -Tao).
vrr: P2
(8)
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung 127
Es seien fernerNdie vom Nutzleistungsempfänger aufgenommene Leistung, vermehrt
um die Summe der Lagerreibungen und sonstigen mechanischen Verlustleistungen,
8 die Summe der Trägheitsmomente der Rotoren, w ihre Winkelgeschwindigkeit, 'YJv
und 'f/T die isentropen -Wirkungsgrade von Turbine und Verdichter und 'I'k und lJI, wie
üblich die durch GI. 14.2 (3) und (4) definierten Funktionen. Dann gilt folgende Energie-
beziehung für das Rotorsystem

LA
Cf
d(dt!f) ·
= mrCpT
T
4
1u (
r, Ps
·
P4) 'f/1'- mvcpv T
1
~k 'YJv~:( )
- N. (9)
Für die linke Seite läßt sich auch setzen

8
d(
dt
~2 )
= LA dw
~ w---a:t = Bwo
2 ( n )
no
d (
at no .
n )
(10)
Mit GI. (1) und (2) und Cpr = y Cpv läßt sich Gl. (9) in die folgende Form bringen

8 w~ (~) _!:_ (~) = mo


no dt no
Cpv[Y lJI. ( P4 )'YJrT4
Ps
..1lv
P2o
T 40 -T
T4
1 ~k(~)
'YJv
(!!:.)a(E!.)bj.,
no P2o
-N. (11)

Schließlich sind noch die Gleichungen für den Fliehkraftregler und den Servomotor
anzusetzen. Sie können unmittelbar aus Abschn. 12.8 übernommen werden. Die Regler-
gleichung [Gl. 12.8 (56)] lautet
t2
Mr
d 2 ~,
dt2
+ t Dr .!:._1_
dt
+ ?;r = ~
S
( n-no n 0 )
. (12)

Hier bedeuten tMr und tnr die Zeitkonstanten, die Trägheit und Dämpfung des Reglers
kennzeichnen, Cr den relativen Reglerausschlag, S die Statik und 2 den Anteil des vollen
Reglerhubes, welcher der Statik entspricht, vgl. die Ausführungen unter 12.8. Die Glei-
chung des Servomotors lautet entsprechend
(13)

wobei die Bedeutung der Symbole die völlig analoge ist.


Servomotorstellung und Brennstoffzumessung stehen über die Relation
f-l = - u ?;. (14)
miteinander in Zusammenhang. U bestimmt sich folgendermaßen. Aus der Berechnung
der Beharrungszustände ist für jede Leistung die zuzuführende Brennstoffmenge bekannt.
Da aber gemäß der Statik der Regelung im Beharrungszustand jeder Leistung eine
Drehzahl und somit eine Servomotorstellung zugeordnet ist, kennt man den Zusammen-
hang zwischen Brennstoffmenge und Servomotorstellung. - Bei der in Abb. 1 dar-
gestellten Anordnung würde dies auch die Gestaltung des Regelkonus R festlegen. -
Im durch Index 0 gekennzeichneten Beharrungspunkt hat die Kurve, die den Zusammen-
hang zwischen Brennstoffzufuhr und Servomotorstellung darstellt, eine gewisse Steigung,
die unmittelbar vermöge GI. (7) auf U schließen läßt. U hat also für jeden Beharrungs-
zustand einen anderen Wert.
Die in GI. (8) auftretende Temperatur Ta ist bei rekuperatorloser Anordnung identisch
mit T 2 , d. h. sie ist dann gleich

also eine bekannte Funktion von p 2 • Ist hingegen ein Rekuperator vorgesehen, so wird
seine Metallmasse im allgemeinen den Temperaturänderungen nur mit erheblicher Ver-
zögerung folgen können. Da hierdurch aber auch T 3 wesentlich bestimmt ist, kann in
diesem Falle während des Regelvorganges Ta ~ konst. angenommen werden. Die Ein-
führung des zeitabhängigen Verhaltens von Wärmeaustauschern, das durch LoNDON [22]
128 14. Regelung der Gasturbinen

untersucht wurde, ist möglich, stellt aber eine wesentliche Komplikation dar, die nur
bei extrem leichten Apparaten (Zeitkonstante in der Größenordnung der Zeitkonstanten
der Maschinen) notwendig ist. Weiter ist
{15)

wobei die alle relativen Druckverluste umfassende Größe z näherungsweise unveränderlich


ist. Somit ist auch p 4 /p 5 unmittelbar mit p 2 gegeben. - Die Leistung N hat man sich
als eine vom Nutzleistungsempfänger aus vorgeschriebene Funktion der Zeit zu denken.
Dann enthalten die Gin. {5), (8), (11), {12), (13) und (14) schließlich noch die sechs un-
bekannten Zeitfunktionen (njn 0 ), p 2 , T 4 , t;n Ca und /-'· Zusammen mit den Anfangs-
bedingungen - meist njn0 = 1, Pz = Pz 0 , T4 = T40, Cr =Ca= f.' = 0 in t = 0 -
sind diese vier Funktionen also bestimmt, womit der Ablauf des Regelvorganges be-
schrieben ist.
Es ist beachtenswert, daß selbst bei dieser einfachen Anordnung der Regelvorgang
einem derart komplizierten, nichtlinearen Gleichungssystem gehorcht. Seine Lösung
gelingt nur mit Differenzenrechnung, d. h. mit automatischen Rechengeräten. Beschränkt
man sich jedoch auf kleine Störungen, so wird eine Linearisierung des Gleichungssystems
möglich. Man hat zu diesem Zweck die in den Gleichungen auftretenden Funktionen
in unmittelbarer Nähe des durch Index 0 gekennzeichneten Beharrungszustandes in
Taylor-Reihen zu entwickeln, die nach dem Glied erster Ordnung abgebrochen werden.
Dann wird folgende Darstellung möglich. Wir setzen nachstehende Definitionen:
(16)

(17)

(18)
Ferner sei x-1

'P.o - 1 - (.PL)--;;-,
P4o
(19)
x-1
~kO = p; _ 1,
_ (Pao)--;;- (20)

{} = ~10. (21)
In GI. (19 und (20) wird das gleiche " eingesetzt, denn wir setzen vereinfachend kon-
stante spezifische Wärme Cp und somit y = 1 voraus. - Weiter sei
Al = 1 - ~ao' &0
(22)

Bz- a !l'.~:o' (23)


'1v
0 _ 1 +Tao (24)
1 =2 Tu,
0 _ '1T {} !l'.o
{25)
2 = 2 '

D 1 = 1 _ Ta!!_ _ Pao ( dTa ) (26)


- T40 T40 dpg Pa-P•.'

Dz == 'Y}T {} 'P.o [ 1 + "-;; 1 (1 - 'P.o)] -


(27)
- ~~vo [b + " -;; 1 (1 + 'Pk o) ] ,
p = N-N0 (28)
- m0 ep T1 '
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung 129
wobei N 0 die dem Beharrungszustand 0 zugeordnete Leistung ist. Außer den in GI. (12)
und (13) auftretenden Zeitkonstanten werden noch die beiden folgenden benötigt:

P2o (*) 0 (29)

(30)

Dann lautet schließlich das linearisierte Gleichungssystem:


2
+ tnr F + Cr =SV
··
tMr Cr <,,.
A
(12 1 )

t~. t. + tn. t. + C. = C,. (13 1 )


av + !-r + (b - 1) 'ljJ = tm '1jJ (51)
Al u c. + 01 + Dl 'ljJ = 0
L (SI)
-B2 v + 02 -r + D 2 'ljJ -P = te v (111)
Ableitungen nach t sind hier durch Funkte angedeutet. Durch die Numerierung dieser
Gleichungen ist angedeutet, aus welcher der vorher angegebenen Gleichungen jede einzelne
hervorgeht.
Ausgehend von diesem Gleichungssystem kann der Regelvorgang nach den klassischen
Methoden der Regelungstheorie verfolgt werden, vgl. etwa HÄNNY [2], LEONHARD [5],
ÜPPELT [9]. Vor allem läßt sich die Stabilität überprüfen. Dabei erweist sich die Störungs-
funktion P als für die Stabilität unwesentlich, kann also weggelassen werden, während
die charakteristischen Zeiten sehr wichtige Parameter sind. Läßt man diese Zeitkon-
stanten sämtlich gegen Null streben, so beschreibt das Gleichungssystem ein rein sta-
tisches Verhalten, bei dem jedem Wert P eindeutig fünf Werte Cn C., v, -r, 'lfJ zugeordnet
sind und sich somit das Stabilitätsproblem nicht mehr stellt. Die Aufgabe ist dabei
wieder auf diejenige der Bestimmung von Beharrungszuständen zurückgeführt.
Weiter betrachten wir das Beispiel der Anlage mit in Serie geschalteten mechanisch
unabhängigen Turbinen und verstellbarem Leitrad an der ND-Turbine, vgl. Abb. 2.
Die Numerierung der Zustands-
punkte geht aus der Abbildung
hervor und ebenso das Blockschema s
der Regelung, die folgendermaßen
arbeitet. Der Fliehkraftregler R
steuert über den Servomotor 8 1 das
Brennstoffregelventil B und über
den Servomotor 8 2 die Einstellung
des verstellbaren Leitrades L. So-
wohl sl als auch 82 sind so aus-
gebildet, daß jeder Reglerstellung
im Beharrungszustand eindeutig
eine Servomotorstellung zugeordnet
ist, so daß also eine Proportional-
'f'
regelung entsteht. Weiter ist ein
Temperaturfühler T vorgesehen,
der über einen Servomotor 8 3 die Abb. 14.6.2 Schaltschema und Blockschema der Regelung einer
Gasturbinenanlage mit Serieschaltung der Turbinen und Leit-
Stellung des Leitrades L zusätzlich radverstellung an der ND-Turbine
beeinflußt. Wir setzen voraus, daß
auf konstante Temperatur T 4 eingeregelt werden soll. Überschreitet nun T 4 seinen Soll-
wert T 40 , so beeinflußt der Temperaturfühler T den Servomotor 8 3 so, daß dieser das
Leitrad L weiter öffnet. Dadurch wird der Gegendruck nach der HD-Turbine abgesenkt,
womit diese den Verdichter auf höhere Drehzahl bringt, was die Vergrößerung des
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Aufl. 9
130 I4. Regelung der Gasturbinen

Luftdurchsatzes und folglich eine Verminderung der Temperatur T 4 nach sich zieht. Der
Servomotor Ba weist eine nachgiebige Rückführung auf derart, daß keine bleibende Un-
gleichförmigkeit entsteht. Er verstellt also das Leitrad so lange, bis der Sollwert T 40
hergestellt ist. Damit entsteht eine Regelung, die z. B. auch den Einfluß der Außenluft-
temperatur von selbst ausgleicht.
Bei der Aufstellung des Gleichungssystems, das die Regeldynamik dieser Anlage
beschreibt, halten wir uns im wesentlichen an das Vorgehen von ITEN [23]. Vorbereitend
führen wir folgende Abkürzungen ein:
-"-1
-
~k = (::)
" -1, (3I)

-"-1
-
~h ==I - (:!) " ' (32)
"-1
- -
~n =I - (:!) " (33)

:n;A-:n;Ak
qh = I - (34)
:n:u '
- nn- nnk
qn =
I - :n:,.k
(35)

Hier ist :rr:h = p~fp 4 und :rr:hk der kritische Wert dieses Druckverhältnisses, d. h. das Druck-
verhältnis, von dem an abwärts der Gegendruck p~ keinen Einfluß auf die Durchfluß-
menge mehr ausübt, vgl. die Ausführungen unter 11.3. Ebenso ist :Tr:n = p 5 fp~ und :rr:""
der kritische Wert von :Tr:n.
Die maßgebenden Gleichungen können in gleicher Weise wie beim vorhergehenden
Beispiel gefunden werden, wobei wieder Index 0 auf den Beharrungszustand verweist,
von dem ausgehend der Regelvorgang untersucht wird. GI. (5) ist zu ersetzen durch

(36)

wobein die Drehzahl der Verdichtergruppe ist. Der Unterschied gegenüber GI. (5) besteht
lediglich darin, daß noch der zweite Wurzelausdruck als Faktor beigefügt wurde. Er
stellt den Ellipsenfaktor der HD-Turbine dar und darf deshalb nicht gleich 1 gesetzt
werden, weil das Druckverhältnis dieser Turbine meist zu klein ist, um diese Vereinfachung
zu rechtfertigen. - An die Stelle der GI. (8) tritt die Beziehung

(T4 -Ta) l{T;;T4o =(I+ p,) Pzo VII- q~2o (T40 -Tao), (37)
VT; Pz - qh ·

die sich wieP-erum nur durch die Einführung· des Ellipsenfaktors unterscheidet. - Das
Analogon zu GI. ( II) lautet

und unterscheidet sich von GI. (11) abgesehen von der Verallgemeinerung des Turbinen-
durchflußgesetzes dadurch, daß an die Stelle der Nutzleistung N nur die Reibungs-
leistung Nr der Lager (einschließlich allfälliger angekuppelter Hilfsantriebe) tritt, da
die HD-Gruppe keine Nutzleistung abgibt. -Für die ND-Turbine ist eine entsprechende
Bewegungsgleichung anzuschreiben. Sie lautet, wenn wir einheitlich den Index n ver-
wenden für Größen, die sich auf die ND-Turbine beziehen

-N. (39)
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung 131
Zum Verständnis der Gleichung beachte man, daß die ND-Turbine die gleiche Menge
verarbeitet wie die HD-Turbine, so daß der entsprechende Faktor, nämlich das Produkt
der beiden Wurzeln, multipliziert· mit p 2 jp 20 aus GI. (38) übernommen werden kann.
Weiter ist die Temperaturabsenkung in der ND-Turbine proportional T~, das vermöge
des Ausdrucks T 4 [1 - 'Y}r Ph] auf T 4 zurückgeführt werden kann.
Die Gleichheit der Durchflußmengen der beiden Turbinen legt über ihre beiden
Durchflußgesetze den Zwischendruck p~ fest. Die entsprechende Gleichung lautet

(40)

cx kennzeichnet die Vergrößerung des Schluckvermögens der ND-Turbine durch die


Leitradverstellung, ausgehend von der Leitradstellung in dem durch Index 0 gekenn-
zeichneten Beharrungszustand. Es ist, wenn wir mit f 1 den Durchflußquerschnitt des
verstellbaren Leitrades bezeichnen,
cx = ( ßM) /1- fto (41)
ß <P II fto '
wobei der in dieser Gleichung auftretende partielle Differentialquotient aus Abb. 14.3.2
zu entnehmen ist und zwar für den mit Index 0 gekennzeichneten Betriebszustand.
Die Größe p,, welche die Abweichung der Brennstoffzumessung vom Beharrungswert
kennzeichnet, hängt mit der relativen Verstellung C1 des Servomotors S 1 zusammen
gemäß
(42)
wobei U 1 in gleicher Weise zu bestimmen ist, wie schon bei der entsprechenden GI. (14)
erläutert. Die Größe cx hängt von den relativen Verstellgrößen C2 und Ca der ServomotorenS2
und Sa ab gemäß
(43)
U 2 bestimmt sich aus der - im Beharrungspunkt 0 gebildeten - Steigung der Kurve,
welche die Einstellung der Schluckfähigkeit der Turbine in Funktion der Leistung dar-
stellt, da die Stellung des Servomotors S 2 in Beharrung mit der Leistung eindeutig
zusammenhängt. U 3 ist gegeben durch die Leitradverstellung, die dem vollen Ausschlag
des Servomotors Sa zugeordnet ist, und ist daher in gewissen Grenzen beliebig wählbar.
Um unser Gleichungssystem vollständig zu machen, müssen wir den Gin. (36) bis (43)
noch die Gleichungen der Regler R und T und diejenigen der Servomotoren S 1 , S 2 und Ba
beifügen. Bevor wir das so entstehende Gleichungssystem als Ganzes darstellen, sollen
die bisher vorliegenden Gleichungen noch linearisiert werden. Außer den durch die
Gin. (16) bis (18) definierten Variablen v, -r: und 1fl treten neu die folgenden Maschinen-
variablen hinzu
- nn- nno
'Vn = ' (44)
nno
_ P~- P~o
1fln = P~o '
(45)

während wir die Variablen p, und cx sogleich vermöge der Gin. (42) und (43) ausdrücken.
Die Zeitkonstanten tm und t 0 können gemäß GI. (29) und (30) übernommen werden,
während für das Rotorsystem der ND-Turbine samt Nutzleistungsempfänger eine weitere
Zeitkonstante
(46)

einzuführen ist. Man beachte, daß in GI. (30) e jetzt das Trägheitsmoment der Läufer
von HD-Turbine und Verdichter ist, während das Trägheitsmoment des Nutzleistungs-
empfängers (gegebenenfalls auf die Turbinendrehzahl reduziert) in Bn eingeht. Das
9*
132 14. Regelung der Gasturbinen

linearisierte Gleichungssystem läßt sich alsdann folgendermaßen darstellen. Man setzt


qhO nho
D,. - ( 47)
I - q~o I - nhk '
q.• o nno ( 48)
Dn= 1 - q~o I - nnk '

und erhält damit folgende Formeln für die im Gleichungssystem auftretenden Koeffi-
zienten:
K 14 = b - (l + Dh),
K15

K1s =2·
= Dh,
I 1 ( 49)

K 17 = a; J
K 24 = l + D" (wenn Wärmeaustauscher),

K 24 = l + D"- -
"-I
- {}
'Pko +I
T /T (wenn kein Wärmeaustauscher),
K25 = -D,.,
" 1Jv[1 - ( ao 4o)]
1 (50)

K _ I ( T4o + Tao ) 1 •
26 - 2 T4o- Tao ' J
Ka4 = 'YJm. 'Y]T {} [ 'Pho(l +Dh)
x-1
+-"-(1- ]
'P"o) --:;); 'Pkob
I[ x-1
+-"-(1 + ])
'P~;o) '[

Ka5 = 'Y/m'Y/T {} [ 'P"oDh + -"-


x-1
(l - 'Pho) ,
]
(51)
Ka6 =
Ka7
~ rJm 'Y/T {} 'Pho,
= -a 'Pko/'YJv;
K44 = 'Y/Tn {} 'Pno [ (l - 'Y/T 'Pho) (l + Dh) - " : 1 'Yjr(l - 'Pho) J,
l
K45 = 'Y/Tn {}{":I [(l - 'Pho) 'Pno + 'Yjr(l - 'Y/T 'Pho) ( l - 'Pno)] -
(52)
- (l - 'YJT 'Pho) 'P"oDh},

J
r
+ Dh), l
"-I I - 'Pho
K54 =-2~
~
'Y/T I -1]p
'P
hO
- (l
(53)
x- I I - 'Pho
K55 = - -2-'YJr
X
I
-1]T
'P
hO
+ (l + Dh) + Dn. J
Das in diesen Formeln auftretende 'Y/m ist der mechanische Wirkungsgrad der HD-Gruppe,
der so definiert ist, daß die Lagerreibungsleistung das (l - 'Y/m)-fache der inneren Tur-
binenleistung ist. Man beachte, daß alle Wirkungsgrade, wie auch das Temperatur-
verhältnis {}, sich auf den durch Index 0 bezeichneten Beharrungspunkt beziehen. Bei
der Aufstellung der Gleichungen ist die spezifische Wärme vereinfachend konstant ge-
setzt, und es sind auch die Durchflußmengen der Maschinen im Beharrungszustand als
gleich vorausgesetzt, d. h., die Leckmengen und die Brennstoffmenge sind vernach-
lässigt. Für eine Stabilitätsuntersuchung, um die es sich hier handelt, sind diese Verein-
fachungen zulässig, denn sie laufen aufs gleiche hinaus, als wenn man die ganze Unter-
suchung etwa für eine Höchsttemperatur durchführte, die von der wirklichen wenig
abweicht. - Wenn wir noch das Leistungs-Störungsglied P nach Gl. (28) einführen und
in den nachfolgenden Gleichungen Ableitungen nach der Zeit durch Punkte andeuten,
14.6 Zur Dynamik der Gasturbinenregelung 133

lautet das vollständig linearisierte Gleichungssystem des Regelvorganges:


K14 1fJ + K15 'lfJn + K16 T + K17 V= tm ljJ, (36')
- ul '1 + K24 1fJ + K25 'lfJn + K26 T = 0, (37')
Ka4 1p + Kas 'lfJn + Ka 6 T + K 37 V= te v, (38')
K44 1fJ + K45 'lfJn + K46 T = ten Vn + P, (39')
U2 '2 + Ua 'a + Ks41fJ + Kss 'lfJn = 0, (40')
2 !'
(~rr <.,,. + tn,. ,, + ,,. =sv,
· A.
(54)

ttCt+Ct=Ar, (55)
+ tDl t1 + C1 = Cn
t~~o e1 (56)

t~2e2 + tD2 c2 + c2 = ' " (57)


tJ t~ata + tJ tD3 ea + (tJ + tna) Ca= tJ Ct + Ct· (58)
Dieses Gleichungssystem besteht offensichtlich aus zwei Gleichungsgruppen. Die
erste, die Gruppe der Maschinengleichungen, bestehend aus den Gln. (36') bis (40'), geht
unmittelbar hervor aus der Linearisierung der Gln. (36) bis (40). Die zweite, bestehend
aus den Gln. (54) bis (58), ist die Gruppe der Gleichungen des Regelsystems. Dabei ist (54)
die Gleichung des Fliehkraftreglers R, wie sie schon unter 12.8 hergeleitet wurde; tMr und
tn,. sind also die beiden Zeitkonstanten dieses Reglers. GI. (55) beschreibt das Verhalten
des Temperaturfühlers T. Dabei ist A die Konstante, die bei festgehaltener Temperatur-
abweichung den Zusammenhang zwischen dieser und der relativen Abweichung Ct der
Lage des Temperaturfühlers von seiner Sollage herstellt. In dieser Gleichung fehlt das
Glied zweiter Ordnung, weil an einem solchen Organ die Kräfte zur Beschleunigung der
Massen stets vernachlässigbar klein sind. Die Zeitkonstante tt hat folgende Bedeutung:
cm
tt = IX F. (59)

Hier sind c, m und F spezifische Wärme, Masse und Oberfläche des Temperaturfühlers
und IX die Wärmeübergangszahl zwischen Gas und Temperaturfühler. Es läßt sich leicht
verifizieren, daß das Verhalten des Temperaturfühlers durch GI. (55) ausgedrückt wird. -
Die Gln. (56) und (57) geben das Verhalten der Servomotoren S 1 und S 2 wieder, vgl.
die Herleitung unter 12.8. Dabei sind tM 1, t,YI 2, tDI und tD2 die Zeitkonstanten, welche
die Trägheit und die Dämpfung dieser Aggregate kennzeichnen.
Schließlich beschreibt GI. (58) das Verhalten des Servomotors S 3 , der mit nach-
giebiger Rückführung versehen ist und so eine bleibende Temperaturabweichung eli-
miniert. Abb. 14.9.1 stellt eine solche Vorrichtung dar, die dort allerdings von einem
Fliehkraftregler aus ihren Primärimpuls empfängt. Die Stelle jenes Fliehkraftreglers 1
nimmt beim Servomotor S 3 der Temperaturregler T ein. Die nachgiebige Rückführung
entsteht durch die in Abb. 14.9.1 gezeigte Feder 8 und die Ölbremse, deren Verdränger-
kolben 6 das Öl durch die Drosselöffnung 7 drückt. Ist die Vorrichtung in Ruhe, so ist
der Kolben 6 kräftefrei, so daß auch die Feder 8 entspannt und der rechte Endpunkt
des Hebels 2 in seiner neutralen Lage sein müssen. Da in Beharrung aber auch Schieber 3
in seiner Mittellage sein muß, kann die Vorrichtung erst zur Ruhe kommen, wenn Regler 1
in seine genaue Sollstellung zurückgekehrt ist. Wenn während des Regelvorganges das
rechte Ende des Hebels 2 sich um das Maß z aus seiner neutralen Lage entfernt hat,
übt die Feder 8 die Kraft F = kr z aus. Dieser wird das Gleichgewicht gehalten durch
die Kraft am Kolben 6, die F = k~ w beträgt, wenn w die Relativgeschwindigkeit des
Kolbens gegenüber dem ihn umgebenden Zylinder ist. Der Quotient aus der Konstan-
ten k~, die die Öl bremse kennzeichnet, und der Federkonstanten kr, nämlich
tJ = k,Jk,, (60)
134 14. Regelung der Gasturbinen

ist eine zusätzliche Zeitkonstante des Systems, die zu den Zeitkonstanten tM und tD
hinzukommt. Sie heißt bei Drehzahlreglern Isodromzeit, bei der in diesem Abschnitt
behandelten Temperaturregelung also sinngemäß Isothermzeit und wird allgemein auch
gelegentlich Kataraktzeit genannt. Wenn man die Bewegungsgleichungen der sämtlichen
Teile des in Abb. 14.9.1 dargestellten Kraftgetriebes aufstellt, so wird man schließlich
auf eine Relation der durch GI. (58) wiedergegebenen Art geführt.
Das angegebene Gleichungssystem beschreibt das Regelverhalten der Anlage für
kleine Leistungsschwankungen vollständig und ist insbesondere der Ausgangspunkt der
Stabilitätsuntersuchung, die nach den Verfahren der Regelungstheorie durchführbar ist.
In vielen Fällen sind gewisse Zeitkonstanten so klein, daß sie mit hinreichender Genauig-
keit gleich Null gesetzt werden können. Es betrifft dies besonders t.'vl" manchm.al auch
die tM der Servomotoren und selbst tD,; im letzteren Falle kann der Fliehkraftregler
.aufgefaßt werden als ein ideales Meßwerk, das die Drehzahl verzögerungsfrei angibt.
Stabilitätsuntersuchungen für Gasturbinen solcher Art wurden durchgeführt von lTEN [23].
Ein modernes Verfahren zur Behandlung komplexer Regelsysteme gibt auch STARKER-
MANN [24].
Im vorliegenden Beispiel wurde angenommen, daß ein fester Sollwert der Höchst-
temperatur eingehalten werden soll. Es kann aber auch von einer gewissen Teillast an
abwärts oder selbst im ganzen Lastbereich eine vom Betriebszustand abhängige Höchst-
temperatur gefordert werden. Der dafür maßgebende Primärimpuls kann z. B. die Leistung
(d. h. die Drehzahl der ND-Turbine) oder der Verdichtungsdruck sein. Solche zusätzlichen
Regeleingriffe würden auf weitere Gleichungen führen, die dem System beizufügen wären.
Ganz allgemein kann es sich aber auch als notwendig erweisen, das linearisierte
Gleichungssystem in einer anderen Beziehung zu verallgemeinern. Die Maschinenwir-
kungsgrade sind nämlich selbst im Auslegungspunkt im allgemeinen nicht notwendig
optimal und besitzen daher von Null verschiedene Ableitungen; vollends gilt das in der
Regel in anderen Betriebspunkten. Diese Ableitungen müssen aber bei einer strengeren
Durchführung der Theorie ebenfalls in die Koeffizienten Kii des Gleichungssystems ein-
gehen. Die Rückwirkung auf die Stabilität der Regelung kann wesentlich werden.
Mit geschlossenem Kreislauf arbeitende Gasturbinen können in ähnlicher Weise
behandelt werden wie die beiden obigen Beispiele offener Gasturbinen, vgl. darüber
SALZMANN [13]. Für solche Anlagen kommt die unter 14.1 beschriebene Pegelregelung
in Frage, bei der je nach der geforderten Leistung Luft zusätzlich in den Kreislauf ein-
gefüllt oder aus ihm entzogen wird. Wie SALZMANN zeigt, ist es zweckmäßig, das Ein-
füllen oder Entziehen von Luft auf der Hochdruckseite des Prozesses vorzunehmen, wie
dies auch in Abb. 14.1.8 angegeben ist. Läßt man nämlich z. B. Luft aus dem Reserve-
behälter in den HD-Teil der Anlage überströmen, so steigt dort sogleich der Druck,
während er auf der ND-Seite im ersten Augenblick noch unverändert ist. Die so
erzwungene Vergrößerung des Druckverhältnisses des Verdichters setzt dessen Förder-
menge zunächst herab. Gleichzeitig steigt der Durchfluß durch die Turbine. Beide Effekte
zusammen ziehen die allmähliche Auffüllung des ND-Teiles der Anlage nach sich, bis
sich schließlich die Durchflußmengen der beiden Maschinen angeglichen haben und da-
mit der neue Beharrungszustand hergestellt ist. Lange bevor dies der Fall ist, erreicht
aber die Leistung schon annähernd ihren neuen Sollwert, denn die anfängliche Ver-
größerung der Turbinendurchflußmenge und die Verminderung der Fördermenge des
Verdichters bewirken sofort ein Ansteigen der als Nutzleistung verfügbaren Differenz
zwischen Turbinen- und Kompressorleistung. Die Regelung reagiert also wesentlich
weniger träge, als man zunächst annehmen würde.
Diese Zusammenhänge sind besonders beachtenswert für das Problem der Aufnahme
dauernder kleiner Lastschwankungen. Im Beharrungszustand entspricht jeder Leistung N
ein bestimmter Luftinhalt m der Anlage, und zwar besteht hinreichend genau ein linearer
Zusammenhang der Art N
m = (mo- m 1) No+ m 1 , (61)
14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit 135

wo Index 0 den Auslegungspunkt kennzeichnet und mz der Luftinhalt bei Leerlauf ist.
Nun schwanke z. B. die Leistung gemäß
N =No+ L1N sin.Q t.
(62)
Wenn die Frequenz dieser Schwankung sehr klein ist, werden praktisch stationäre Zu-
stände durchlaufen, und es gilt
m = (m 0 - mz) ( 1 + ~~ sin.Q t) + mz. (63)
Für jede Periode muß vom Reservebehälter aus eine Luftmenge in den Kreislauf ein-
gefüllt werden, die gleich der Differenz zwischen dem größten und dem kleinsten m
ist, also 2Ll N
L1 moo = (mo - mz). ---w-
(64)
0

Die gleiche Menge wird während der Entlastungsphase jeweils wieder abgeblasen. Durch
den Index oo ist angedeutet, daß dies die Menge bei unendlich langer Schwingungs-
periode ist. Bei höherer Frequenz der geforderten Leistungsschwankung werden hin-

--
gegen instationäre Zwischenzustände durchlaufen, wobei nach den durchgeführten

2
............. ' V
~ "A0 /

""
aa
/
---

6
..........
'~
-........
/
V
I
~

az

0 20 '10 60 80 100 120 0 20 '10 60 80 100 120


stündliche Anzahl Lastschwankungen stündliche Anzahl Lastschwankungen
Abb. 14.6.3 Zum Ausregeln von Lastschwankungen Abb. 14.6.4 Leistungsaufwand für die Verdichtung
bei Pegelregelung benötigte Luftmenge, nach der Reserveluft zum Ausregeln von Lastschwankungen
SALZMANN [13] durch Pegelregelung, ausgedrückt in Prozenten der
Anlageleistung, nach SALZMANN [13]

Überlegungen die höchste Leistung schon erreicht wird, bevor die volle Menge L1 moo
eingefüllt ist. Da aber die geforderte Leistung sogleich wieder zurückgeht, wird diese
Menge überhaupt nicht benötigt. Dieser Effekt wird um so deutlicher, je schneller die
Schwankung. Abb. 3 zeigt Ergebnisse der genannten Untersuchung von SALZMANN, aus
der nur ein Fall als typisches Beispiel herausgegriffen ist. Dargestellt ist der Quotient
aus der wirklich einzuführenden Menge L1m und dem Wert L1moo in Funktion der stünd-
lichen Anzahl der Schwankungen. Die ständige Erzeugung der zur Aufnahme der Last-
schwankungen nachzufüllenden Druckluft bedingt einen Leistungsaufwand, der als
Verlust zu bewerten ist. In Abb. 4 ist dieser Verlust dargestellt in Prozenten der Normal-
leistung für eine Leistungsschwankung L1NfN0 = 0,05. Wie man erkennt, hält sich dieser
Verlust durchaus in wirtschaftlichem Rahmen.

14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit


Bei allen Gasturbinen ist der Höchstdruck des Prozesses mehr oder weniger stark
abhängig von der Belastung. Dementsprechend hängt auch die Druckluftmenge, die
in Wärmeaustauschern, Brennkammern, Verbindungsleitung usw. enthalten ist, von der
Leistung ab. Besonders deutlich tritt dies in Erscheinung, wenn mindestens einer 'der
Verdichter mit stark variierender Drehzahl läuft, wie dies vor allem für frei laufende
136 14. Regelung der Gasturbinen

(vom Nutzleistungsempfänger unabhängige) Turbogruppen zutrifft. Beim Übergang von


kleinerer zu größerer Belastung muß daher der Druckluftinhalt vergrößert werden,
was einen gewissen Energieaufwand bedeutet. Außerdem wird gegebenenfalls Energie
gebraucht zur Beschleunigung der Rotoren. Daraus ergibt sich ein der Gasturbine eigenes
Regelverhalten, welches durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Trägheit des Reagie-
rens gekennzeichnet ist. Denn in dem Augenblick, wo der Nutzleistungsempfänger mehr
Leistung verlangt, muß vor allem der Gasturbine selbst zusätzliche Energie zugeführt
werden, um den geforderten neuen Betriebszustand herzustellen.
Diese Zusammenhänge werden bei Untersuchungen der im vorhergehenden Kapitel
dargestellten Art von vornherein mitumfaßt. Beschränkt man sich aber auf die Stabili-
tätsuntersuchung, so erhält man noch keine Antwort auf die Frage, wie lange es dauert,
bis nach einer Laständerung der neue Beharrungszustand sich einstellt. Dies zu beant-
worten, würde die Lösung des Gleichungssystems voraussetzen, die allerdings durch die
leistungsfähigen elektronischen Rechenmaschinen möglich geworden ist. Oft wünscht
man aber, einen Einblick in die zu erwartende regeltechnische Trägheit zu erhalten,
noch bevor eine derart umfassende Untersuchung durchgeführt wird. Denn es können
sich dabei solche Reaktionszeiten ergeben, daß überhaupt ein anderes Regelverfahren
gesucht werden muß. Man wird also zunächst eine summarische Untersuchung durch-
führen und erst wenn durch diese ein Regelverfahren gefunden ist, das Aussicht auf
Erfolg bietet, auf eine theoretische Behandlung im Sinne des vorhergehenden Abschnittes
zurückkommen.
Wir prüfen nun, auf welche Art und Weise die Energiezufuhr erfolgen kann, die beim
Übergang von einem Beharrungszustand tieferer Leistung auf einen solchen höherer
Leistung notwendig ist zur Erhöhung des Energie-
inhaltes der Anlage. Eine Möglichkeit besteht in einer
vorübergehenden Steigerung der Höchsttemperatur
und wird durch Abb. l veranschaulicht. Als Abszisse
ist der dem jeweiligen Betriebszustand entsprechende
Höchstdruck p der Anlage aufgetragen, als Ordinate
die jedem Druck im Beharrungszustand zugeordnete
Verdichterdrehzahl n, die Nutzleistung N und die
Turbineneintrittstemperatur T max. Nun soll der Über-
gang von einem Druck p 1 auf einen Druck p 2 be-
trachtet werden. Soll er in endlicher Zeit erfolgen,
0 p, p, p
so muß T max während des Vorganges über den Be-
harrungswerten liegen, die den durchlaufenen Drücken
Abb. 14.7.1 Zur Veranschaulichung des
Überganges von tieferer auf höhere zugeordnet sind, vgl. die gestrichelte Eintragung in
Leistung unter vorübergehender starker Abb. l. Dadurch entsteht jene Störung des Gleich-
Temperatursteigerung gewichtes, durch die der Energieinhalt der Anlage
vergrößert wird. Bei den im vorhergehenden Abschnitt
behandelten Beispielen von Regelungen offener Gasturbinen wird tatsächlich die Erhöhung
des Energieinhaltes durch Übertemperaturen herbeigeführt, die besonders im Falle der
Anlage mit mechanisch unabhängiger Nutzleistungsturbine beträchtlich werden.
Vorübergehende Übertemperaturen sind in erheblichem Maße zulässig. Die bei Be-
harrung zugelassenen Temperaturwerte sind im heutigen Stand der Technik vor allem
durch die Rücksicht auf Korrosion und Versehrnutzung der Turbinenschaufelung ge-
geben. Dies trifft besonders dann zu, wenn Schweröle verbrannt werden sollen. Nur
bei gasförmigen Brennstoffen oder hochwertigen aschearmen Ölen bildet die Warm-
festigkeit der verfügbaren Werkstoffe die Grenze. Übertemperaturen, die bei Regel-
vorgängen auftreten, dauern aber nur wenige Sekunden oder höchstenfalls Minuten,
so daß während dieser Zeit eine wesentliche Versehrnutzung oder Korrosion nicht statt-
finden kann. Voraussetzung ist natürlich, daß Belastungsstöße mit starken Übertempe-
raturen nicht zu häufig auftreten. Auch dort, wo die Betriebstemperatur durch die
14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit 137
Warmfestigkeit begrenzt ist, sind kurzzeitige Übertemperaturen nicht ohne weiteres
gefährlich, da strukturelle Veränderungen der Werkstoffe, die zu ihrer Unbrauchbarkeit
führen würden, meist eine erhebliche Zeit beanspruchen. Andererseits ist zu beachten,
daß die Schaufeltemperatur sich sehr rasch der des Gases angleicht, womit auch die
entsprechende Wärmedehnung sogleich auftritt. Bei der Bemessung der Spiele ist hierauf
Rücksicht zu nehmen.
Ein anderes Verfahren, der Anlage beim Übergang zu höherer Leistung Energie
zuzuführen, kann als Verfahren der "Leistungsumleitung" bezeichnet werden. Es besteht
darin, daß dem Nutzleistungsempfänger zunächst sogar vorübergehend weniger Leistung
zugeführt und dafür die Leistung auf die Verdichterturbine übertragen wird: Dadurch
wird diese beschleunigt und füllt zugleich den Druckluftinhalt der Anlage auf. Dieses
Verfahren kann bei Serieschaltung verwirklicht werden mit Hilfe eines verstellbaren
Leitrades an der die Nutzleistung abgebenden ND-Turbine, vgl. Abb. 14.1.4. Wenn bei
dieser Anordnung der Durchflußquerschnitt des Leitrades z. B. vergrößert wird, staut
sich vor der ND-Turbine bei gegebener Durchflußmenge ein geringerer Druck auf, womit
das Gefälle dieser Turbine kleiner, das der HD-Turbine entsprechend größer wird. Daher
beschleunigt sich die Verdichtergruppe, womit alle Drücke und gleichzeitig die Durch-
flußmenge ansteigen. Die Brennstoffmenge kann in etwa gleichem Verhältnis wie die
Luftmenge vergrößert werden. Das gleichzeitige Ansteigen von Eintrittsdruck und
Menge bewirkt eine starke Leistungserhöhung der ND-Turbine, wobei sich schließlich
ein neuer Beharrungszustand einstellt, in welchem die Nutzleistung größer ist als vor
dem Regeleingriff.
Abb. 2 zeigt, wie in einem solchen Fall der Übergang von der kleineren Leistung N 1
auf die größere Leistung N 2 vor sich geht, vorausgesetzt, daß die Erhöhung des Energie-
inhaltes der Anlage nur durch Leistungsum-
leitung vorgenommen wird. Die ausgezogene
Leistungskurve veranschaulicht den zeitlichen
Verlauf der Leistung, die darunter gezeichnete ~
Kurve gibt denjenigen des Höchstdruckes p
wieder. Bestimmt man zu jedem p diejenige
Leistung, welche die Anlage abgeben würde, Nt
wenn sie bei diesem Druck stationär arbeitete,
so erhält man die gestrichelte Leistungs-
kurveN'. Mit guter Näherung läßt sich sagen,
daß in jedem Zeitpunkt t die Leistungsdiffe-
renz N'- N die zur Beschleunigung der Ver-
dichtergruppe und zum Auffüllen der Anlage
verfügbare Überschußleistung darstellt. Die
Abb.l4.7.2
Fläche zwischen den Kurven N' und N ist Zeitlicher Verlauf der Leistung N bei Lastaufnahme
daher die hierzu aufgewendete Arbeit. Beach- nach dem Verfahren der Leistungsumleitung
tenswert ist, daß die Leistung zunächst ab-
sinkt. Es sind auch andere Verfahren zur Leistungsumleitung bekannt, wie unter 14.1
ausgeführt, doch haben sie an Interesse verloren, seit das Problem des verstellbaren
Leitrades gelöst ist.
Der in Abb. 2 dargestellte vorübergehende Leistungsabfall ist lange nicht in allen
Fällen zulässig. Er kann in Kauf genommen werden bei einer Schiffsmaschine, sofern
die Zeitspanne t 12 genügend kurz ausfällt, denn der träge Schiffskörper reagiert nicht
merklich auf einen kurzen LeistungsausfalL Ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Loko-
motive, doch müßte dort bereits im Falle der elektrischen Übertragung die elektrische
Regelung dieser Besonderheit augepaßt werden. Stromerzeugende Gasturbinen können
nur dann in einer solchen Weise geregelt werden, wenn die Maschine nicht die Aufgabe
der Frequenzhaltung übernehmen muß, sondern nach einem willkürlich wählbaren Pro-
gramm Leistung "ins Netz drückt". Für eine frequenzhaltende Maschine würde eine
138 14. Regelung der Gasturbinen

Leistungskurve der in Abb. 2 dargestellten Art keinen stabilen Betrieb ermöglichen.


Zwar können solche Mittel, wie das verstellbare Leitrad, trotzdem herangezogen werden,
doch muß dann gleichzeitig durch andere Maßnahmen dafür gesorgt werden, daß der
Nutzleistungsabfall beim Eintreten des Belastungsstoßes un:terbleibt. Zum Beispiel kann
gleichzeitig mit Übertemperatur gearbeitet werden. Die unter 14.6 behandelte zwei-
wellige Anlage mit verstellbarem Leitrad erfüllt die regeltechnischen Stabilitätsbedin-
gungen nur dann, wenn die maßgebenden Parameter so gewählt werden, daß solche
Übertemperaturen entstehen. Diese vermögen nicht nur den augenblicklichen Leistungs-
abfall zu unterdrücken, sondern darüber hinaus eine zusätzliche Beschleunigung der
Verdichtergruppe herbeizuführen und damit die Zeitspanne t 12 abzukürzen.
Beim Vorgang der Entlastung würde konsequenterweise die Leistungsabgabe der
Nutzturbine zunächst ansteigen, wenn nur das Verfahren der Leistungsumleitung ver-
wendet wird. Dieser Nachteil, der natürlich ebenso unerwünscht ist, läßt sich aber grund-
sätzlich leicht vermeiden durch Abblasen von Luft aus der Anlage.
Ein grundsätzlich anderer Weg zur Beschleunigung des Regelvorganges ist die Zufuhr
von Energie aus einer äußeren Quelle. In Frage kommt die Zufuhr von Druckluft aus
einem Speicher, also das Verfahren, das bei der geschlossenen Gasturbine stets angewandt
wird. Eine sehr wirksame Energiezufuhr kann auch erreicht werden durch Einspritzen
und Verdampfen von Wasser in die oder nach der Brennkammer. Dabei wird gleichzeitig
die Brennstoffzufuhr so erhöht, daß kein Absinken der Temperatur auftritt, d. h., die
ganze Wärme zur Verdampfung und Überhitzung wird durch zusätzlichen Brennstoff
aufgebracht. Bei dieser Betriebsweise wird die durch die Turbine strömende Gasmenge
wesentlich größer als die im Verdichter komprimierte Luftmenge, was die verfügbare
Leistungsdifferenz empfindlich vergrößert. Nachteilig ist natürlich der Wasserverbrauch.
Ferner muß der Verdichter so gestaltet werden, daß er hierbei nicht ins Pumpen gerät,
denn die Verdampfung des Wassers wirkt auf den Verdichter so zurück, als ob man die
Durchflußquerschnitte der Turbine vermindert hätte. Dieses Verfahren ist übrigens nicht
nur vorübergehend zur Aufnahme schroffer Belastungsstöße anwendbar, sondern ge-
gebenenfalls auch im längeren Betrieb. Man kann auf diese Art eine sehr starke Über-
lastung einer Gasturbine erreichen, ohne sie irgendwie zu gefährden, da ja keine Über-
temperatur in Kauf genommen werden muß. Der Wirkungsgrad wird dabei im all-
gemeinen etwas schlechtel\; vor allem aber ist der Wasserverbrauch im längeren
Betrieb sehr groß. Die Erfahrung
müßte erst zeigen, ob das Wasser
bei länger dauernder Einspritzung
dV mit Rücksicht auf die Kessel-
p steinbildung aufbereitet werden
müßte.
In allen Fällen wird also beim
Übergang zur größeren Leistung
dafür gesorgt, daß vorübergehend
s- der in die Anlage eintretende
PE Energiestrom größer ist als der
Abb. 14.7.3 Schema und is-Diagramm einer Verdichteranlage aus ihr austretende. Der Unter-
mit angeschlossenem Volumen V schied zwischen beiden sei in
einem gegebenen Zeitpunkt LI N;
je größer er im zeitlichen Mittel ist, desto kleiner wird das Zeitintervall t 12 , das zum
Übergang von N 1 auf N 2 benötigt wird. Die Berechnung von t 1 2 kann in folgender Weise
erfolgen. Abb. 3 stellt schematisch die Verdichteranlage und die zugehörige Zustands-
änderung im is-Diagramm dar; es ist eine Verdichtung mit zwei Zwischenkühlungen
angenommen, um die Untersuchung allgemein zu gestalten. Dabei ist es für die energe-
tische Überlegung unwesentlich, ob die drei Verdichter mechanisch gekuppelt sind oder
nicht. Es sei V das gesamte Volumen der an die Verdichteranlage anschließenden Brenn-
14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit 139

kammern, Verbindungsleitungen und Wärmeaustauscher (nur druckluftgefülltes Volumen


derselben, also HD-Seite). - Wenn andere Apparate und Leitungen (z. B. Zwischen-
kühler, Zwischenbrennkammern) ebenfalls wesentliche Beiträge zur Trägheit der Anlage
liefern, genügt es im allgemeinen, zu V einen entsprechenden Zuschlag zu machen, also
diese im Gebiet tieferer Drücke arbeitenden Teile durch ein äquivalentes Volumen auf
der HD-Seite zu ersetzen. Dies ist nur ein überschlägiges Verfahren, das aber im all-
gemeinen genügt, weil der Energieinhalt dieser Teile meistens nur ein Bruchteil des-
jenigen des Hochdrucksystems ist. Man beachte, daß wegen des kleineren Druckes
sowohl die Verdichtungsarbeit als auch der Luft- bzw. Gasinhalt wesentlich kleiner ist.
Wo aber die erwähnte Näherung nicht mehr genügt, ist eine Verallgemeinerung der
Untersuchung möglich.
Nun werde irgendein Teilvolumen dV des Gesamtvolumens betrachtet. In diesem
Teilvolumen herrsche die Temperatur T. Dann ist die in ihm eingeschlossene Menge
gegeben durch pdV
dm = RT' (1)
folglich die Gesamtmenge durch
m= ~ja;. (2)
V

Daher läßt sich eme mittlere Temperatur T innerhalb V definieren durch die Gas-
gleichung, also
pV - pV
m= RT' T= mR' (3)
Mit GI. (2) erhält man also

Ja;
- V
(4)
T=
V

Ändert man p um den Betrag dp, so wird im allgemeinen T um dT ändern, und die
Zunahme (Jm des Druckluftinhaltes ist folglich nach der ersten Schreibweise der Gl. (3)
() m = .!_
R
( T dp- p dT)
T2
= .!_ (_!__
R T
_ T~ 2 !!!___)
dp
d
p.
(5)

Um diese Menge auf den Druck p zu bringen, ist die Arbeit


dL = tJm :E Lliv (6)
aufzuwenden, wobei :E LI iv die Summe der effektiven Enthalpiedifferenzen der einzelnen
Verdichtungsabschnitte ist, vgl. Abb. 3. Diese Summe ist für eine gegebene Verdichter-
anlage eine als bekannt vorauszusetzende Funktion des Druckverhältnisses pfpE, bei
konstantem Eintrittsdruck PE also eine Funktion von p. Ersetzt man in GI. (6) tJm
durch den Ausdruck Gl. (5), so erhält man
dT) .
dL= RV ( T1 - ;_rp 2 Tp :E Ll~vdp. (7)

Die gesamte Bewegungsenergie der Rotoren ist


e. 2
E =4-fw;, (8)
I

ihre Zunahme also


dE = :E 8; w; dw;, (9)
i
wo 8; das Trägheitsmoment und w; die Winkelgeschwindigkeit des i-ten Rotors be-
deuten. Unter dem i-ten Rotor ist im allgemeinen ein ganzes Rotorsystem, d. h. z. B.
ein Turbinenrotor und die mit ihm gekuppelten Verdichterrotoren zu verstehen. Nun
muß offenbar für jeden Zeitpunkt gelten
LIN dt = dL + dE. (10)
140 14. Regelung der Gasturbinen

Durch Einsetzen von Gl. (7) und (9) folgt hieraus


I { V ( I
d t= LIN p dT) . dw,} (11)
R T --ifo.Tp ~L1~v+f8iwi dp dp

und somit für die Zeitspanne t 12 für den Übergang von p 1 nach p 2

(12)

Meist genügt es, die Rechnung vereinfacht durchzuführen, indem man T = const
setzt. Damit vereinfacht sich Gl. (12) zu

(13)

Diese Gleichung kann durch Einführung besonderer Variablen in eine noch zweck-
mäßigere Form gebracht werden. Es sei
;n; = .J!_ (14)
-Po'

tr == "':
mo
0 , (15)
wo Index 0 stets den Auslegungspunkt der Anlage bezeichnet. Es ist m0 die pro Zeit-
einheit durch die Anlage strömende Luftmenge, m 0 der Druckluftinhalt des Volumens V,
tr folglich die "Füllzeit" von V, d. h. die durchschnittliche Verweilzeit eines Luftteilchens
im Hochdrucksystem. Bezeichnen wir noch mit LNo die Nutzarbeit des Prozesses im
Auslegungspunkt pro Mengeneinheit durchströmender Luft und mit N 0 die Nennleistung,
so gilt unter Verwendung unserer Definitionsgleichungen
P2 n2 "a
~J};Liivd =p0 Vf};Liivd = f};Liivd
RT LI N p R IJi LI N ;n; mo LI N ;n;

. tr !"'•};
= mo Lliv d
L f N n = tr
!"'•( LINN 0 ) (}; Lliv) d
--y;;;;- n. (16)

Weiter führen wir ähnlich wie in Abschn. 12.5 die "Trägheitszeit" tTi des i-ten Rotor-
systems ein durch
(17)
und setzen außerdem
(18)
Alsdann läßt sich setzen

J . J
P2 n2 n2

.
""o.j....!!!.i_ dw;
~ 17 '
~
LIN dp P
d = ""B;w~
~ 2N0
'
0
~
n, dn
""t T,.
N0_) '!' dn'!' d ;n; = ~
2 ( LIN
~
2 (N 0 ) ~dnfd
LIN n, dn ;n;, (19)

Die Einführung von GI. (16) und (19) in GI. (13) führt auf

(20)

Diese Gleichung bringt das Zeitintervall t 1 2 in Beziehung zur Füllzeit und zu den Träg-
heitszeiten der Anlage und ist in folgendem Sinne beachtenswert.
Die Zeitkonstanten tr und tTi hängen nur von der konstruktiven Ausführung der
Anlage ab. In der Tat ist tr um so kleiner, also um so günstiger, je kompakter die Appa-
14.7 Energieinhalt und regeltechnische Trägheit 141
rate und je kürzer die Leitungen. Wärmeaustauscher, die aus einer großen Anzahl kleiner
Rohre bestehen und nur wenig Raum einnehmen, führen auf kürzere Füllzeiten als
solche mit großen Rohren. Leichte, aus Scheiben gebildete Rotoren, bei denen der Werk-
stoff hochgradig ausgenützt ist, ergeben kürzere Trägheitszeiten als beispielsweise ein-
teilig geschmiedete Rotoren. Die übrigen Größen, die in Gl. (20) als Faktoren der Zeit-
konstanten tr und tTi auftreten, hängen umgekehrt nur von der gewählten Schaltung,
der Prozeßführung und von den strömungstechnischen Charakteristiken der Maschinen
ab. Die Darstellung nach Gl. (20) ist also besonders zweckmäßig, weil hier die funktio-
nellen und die baulichen Eigentümlichkeiten der Anlage voneinander getrennt in die
Rechnung eingehen und somit auch für sich variiert werden können.
Die eigentliche Schwierigkeit bei der Bestimmung von t12 ist die Unsicherheit der
Kenntnis von LI N. Wollte man in strenger Weise vorgehen, so müßte man LI N in Funk-
tion von p oder n kennen, was auf die exakte regeldynamische Untersuchung zurück-
führt. Diese liefert aber den ganzen zeitlichen Ablauf des Vorganges, so daß Gl. (20)
nur noch zur Kontrolle dienen könnte. Es handelt sich also effektiv darum, nach einer
ungefähren Kenntnis des Regelvorganges LI N in Funktion von p zu schätzen - oder
gar nur einen Mittelwert von LI N - und daraus die Größenordnung von t 12 zu erhalten.
Wie dies zu geschehen hat, hängt von der Art der Erzeugung des Leistungsüberschusses
LI N ab. Wir betrachten etwa den Fall, daß nur mit vorübergehender Übertemperatur
vor der Turbine gearbeitet werde. Dabei sei die Anordnung nach Abb. 14.6.2 voraus-
gesetzt, bei welcher die ND-Turbine mechanisch unabhängig von der übrigen Anlage
den mit wesentlich konstanter Drehzahl laufenden Nutzleistungsempfänger antreibt.
Die Numerierung der Zustandspunkte wird von Abb. 14.6.2 übernommen. Ist nun
T 45 (p 4) die Turbineneintrittstemperatur, die beim Druck p 4 im stationären Betriebs-
zustand herrschen würde und T 4 (p 4 ) diejenige, die während des instationären Über-
ganges tatsächlich herrscht, so ist offenbar
LIN = [rhcpT4(P4)- m8 cpT48 (p 4)] Pe(:~)1]T, (21)
sofern mit Temperaturerhöhung allein und ohne Leitradverstellung gearbeitet wird.
Hierbei ist rh der tatsächliche Massendurchfluß und rhs der Wert im stationären Zustand.
Nach dem Durchflußgesetz der Turbine ist

m. = ms. 1I--iF-T
rr.r;; ,
' 4
(22)
folglich
(23)

eine Größe, die in Funktion von p 4 angegeben werden kann, wenn man sich die Funk-
tion T 4 (p 4 ) für den Regelvorgang gibt. p~ ist der Druck nach der HD-Turbine, vgl.
Abb. 14.6.2. Im Vorgeben von T 4 (p 4 ) liegt im allgemeinen eine Schätzung, denn dies
würde sich gerrauer erst aus dem gesamten Ablauf des Vorganges ergeben.
Als zweites Beispiel betrachten wir wiederum die Anlage gemäß Abb. 14.6.2, setzen
nun aber voraus, daß der Leistungsüberschuß LI N ohne jede Übertemperatur lediglich
durch "Leistungsumleitung" erzeugt werde, und zwar durch Öffnen eines verstellbaren
Leitapparates an der ND-Turbine. Die Schluckfähigkeit dieser Turbine soll hierdurch
um den Faktor 1 + iX erhöht werden. Folglich tritt an die Stelle des Druckes P~s, der
im jeweiligen stationären Zustand herrschen würde, der Wert P~s/(1 + iX), und der so
entstehende Leistungszuwachs an der HD-Turbine" ist

LI N = mcPT4 1JT [ Pe ( p4 (~~::- o:)) - Pe ( ~48 )]. (24)


Hierbei ist die Rückwirkung des abgesenkten Gegendruckes der HD-Turbine auf die
Durchflußmenge m vernachlässigt; m
und T 4 sind also bei jedem Druck p 4 gleich den
Werten des entsprechenden stationären Zustandes.
142 14. Regelung der Gasturbinen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Übertemperatur und verstellbarem Leitrad wäre

LI N = m. Cp 1'JT [ T 4 V*. 'P. ( p4 (~~~ a)) - T4s 'Pe ( ~48 )]. (25)

In analoger Weise wäre in anderen Fällen zu überlegen. Bei der Betrachtung der
Energiebilanzen solcher Regelvorgänge können sich scheinbare Widersprüche einstellen,
die darauf beruhen, daß unsere Untersuchung die oft sehr erhebliche Wärmekapazität
der Rohrbündel von Wärmeaustauscher n nicht explizite berücksichtigt. Man denke
sich etwa den Fall, daß zwischen Verdichter und Wärmeaustauscher aus einem Reserve-
behälter Druckluft in die Anlage eingeführt wird. Diese wird an der Einführungsstelle
kalt sein, nimmt nun aber im nachfolgenden Wärmeaustauscher Wärme auf aus den
Wandungen, die sich dabei entsprechend abkühlen. Bei der kurzen Dauer des Regel-
vorganges kann diese Temperaturabsenk ung sehr gering bleiben. Während des Über-
ganges zehrt man also hierbei von einer Energiereserve, die anschließend während eines:
quasistationären Vorganges langsam wieder ergänzt wird durch eine leichte Vergröße-
rung der Brennstoffzufuhr. Definiert man LI N als Unterschied zwischen ein- und aus-
tretendem Energiestrom, wie das
Br-----,---,-- --------,------ ----,
oben geschehen ist, so hat man
die aus der Wärmekapazität der
61----+-
Wandungen entnommene Energie
--:-;---..._
zum eintretenden Energiestrom zu
~ ~~----~---4----------~----~~L--1 rechnen.
~

~
~~~ Bei kompliziert geschalteten
~ c:...:::::;;~~ 21----1---1----~~f----------1 mehrwelligen Anlagen entsteht eine
gewisse Unsicherheit dadurch, daß
man sämtliche Drehzahlverhält-
nisse ni in Funktion von :n: kennen
sollte. Normalerweise wird man an-
nehmen, daß die gegenseitige Zu-
ordnung der ni etwa gleich sei wie
bei den Beharrungszuständ en, was
natürlich keineswegs genau zutref-
fen muß. Wenn die Nutzleistungs-
turbine mechanisch unabhängig
von der restlichen Anlage arbeitet,
ist es daher zweckmäßig, das Ver-
halten dieses restlichen Teiles, des
"Druckgaserzeuger s", für sich zu
betrachten, also im zweiten Glied
rechts in GI. (20) den Summanden,
welcher der Nutzleistungsturbi ne
entspricht, wegzulassen. (Beim oben
behandelten Beispiel fällt er ohne-
8000,7 0,8 0,9 1,0 hin weg, weil dort die Drehzahl der
:rt = PmaxfPmax 0 _ _ . Nutzturbine unveränderlich ist.) Je
Abb. 14.7.4 Charakteristische Funktionen zur Berechnung der nach der Art, wie das betrachtete
Übergangszeit t12 für eine zweiwellige Gastwbinenanlage mit System abgegrenzt wird, ist auch
Serieschaltung der Turbinen LI N verschieden einzusetzen, denn
wird eine mit variabler Drehzahl
arbeitende Nutzleistungsturbi ne miteinbezogen, so gehört auch der Leistungsanteil zur
Beschleunigung derselben mit zu LI N.
Ein Beispiel eines Ergebnisses einer derartigen Untersuchung ist in Abb. 4 wieder-
gegeben. Es handelt sich wiederum um eine Anlage mit Serieschaltung der Turbinen
14.8 Das Problem der Lastabschaltung 143
nach Abb. 14.6.2, wobei die Rechnung aus den dargelegten Gründen auf die Druckgas-
erzeugergruppe beschränkt werden konnte. Das Auslegungsdruckverhältnis der Anlage
ist Sechs, die Höchsttemperatur im Auslegungspunkt 735 oc = 1008 °K, entsprechend
einem Temperaturverhältnis 3,5 bei 15 oc Umgebungstemperatur. In Abb. 4 sind zu-
nächst angegeben in Funktion von n die jeweilige Höchsttemperatur T maxS des statio-
nären Betriebes und das zugehörige stationäre Leistungsverhältnis N / N 0 • Es wurde
angenommen, die Beschleunigung erfolge lediglich durch Übertemperatur, und zwar sei
die Höchsttemperatur während des Beschleunigungsvorganges konstant 755°0 = 1028°K
oder 785 oc = 1058 °K. Dadurch entstehen, wie das Bild zeigt, zunächst nur gering-
fügige Verschiebungen der Kurven, die NfN 0 in Funktion von n darstellen. Die in GI. (20)
auftretenden Integrale sind ebenfalls aufgetragen, wobei die obere Integrationsgrenze
als laufend angenommen und daher mit n bezeichnet wurde. Der Wert n 1 entspricht
dem Halblastpunkt.
Für gegebene Werte der Füllzeit und der Trägheitszeit können aus Abb. 4 die Über-
gangszeiten zwischen Halblast und einem Zustand höherer Leistung sogleich angegeben
werden. Für Übergang auf Vollast erhält man z. B. für die Übergangszeit t 12 die Werte
der folgenden Zahlentafel (alle Zeiten in Sekunden):

Tmax = 755 'C = 1028 'K Tmax = 785°0 = 1058°K


lt 0,5
I 1
I 2
I 4 0,5
I 1
I 2 I 4

tp =I 7,65 ll,O 17,7 31,1 5,37 7,65 12,2 21,3


tp = 3 16,3 19,6 26,3 39,7 ll,6 13,9 18,4 27,5
tp = 6 29,2 32,5 39,2 52,6 20,9 23,2 27,4 36,8

Da sich in Wirklichkeit die während des Regelvorganges zugelassene Höchsttemperatur


nicht sogleich einstellt, sind die angegebenen Zeiten Mindestwerte. Wenn man sie ein-
halten will, muß T max vorübergehend die angegebenen Werte sogar etwas überschreiten.
Die Zahlen der Tabelle zeigen, daß mit Trägheitszeiten und Füllzeiten, die praktisch
durchaus möglich sind, Übergangszeiten von einer halben bis einer Minute auftreten
können. Sollen Regelzeiten von einigen Sekunden entstehen, so müssen die Volumen
auf ein äußerstes Mindestmaß reduziert und sehr leichte Rotoren verwendet werden. Das
führt auf Wärmeaustauscherbauarten, bei denen in gegebenem Raum sehr viel Ober-
fläche untergebracht wird (z. B. Rohre sehr kleinen Durchmessers). Solche Apparate
sind aber auf Versehrnutzung sehr empfindlich und daher für Anlagen, die schlechte
Brennstoffe verbrennen, nicht brauchbar, es sei denn, daß einfache zuverlässige Verfahren
zur Reinigung während des Betriebes gefunden werden, die auch bei engen Durchfluß-
querschnitten wirksam sind. Solange solche nicht vorliegen, muß man sich bei Anlagen
zur Verbrennung schlechter Brennstoffe mit mäßigem Rekuperatorwirkungsgrad be-
gnügen, sobald man kleine regeltechnische Trägheit wünscht. Diese Konsequenz läßt
sich - außer bei einwelligen, mit konstanter Drehzahl laufenden Anlagen - nur ver-
meiden, wenn man während des Belastungsvorganges von einer äußeren Quelle Energie
zuführt.
14.8 Das Problem der Lastabschaltung
Der große Energieinhalt von Gasturbinenanlagen erschwert nicht nur den raschen
Übergang auf höhere Leistungen, sondern macht auch die Beherrschung einer plötzlichen
Lastabschaltung schwierig. Bei vielen Nutzleistungsempfängern ist mit einem plötz-
lichen Ausbleiben der Last jederzeit zu rechnen, vorab beim elektrischen Generator.
Besonders schwierig ist in dieser Beziehung der Schiffsantrieb, weil dort bei hohem See-
gang der Propeller immer wieder austauchen kann. Die Belastung wird also in kurzen
Abständen immer wieder stark vermindert oder ganz unterbrochen und setzt schlag-
artig wieder ein. Diese Schwankungen soll die Maschinenanlage aufnehmen können, ohne
daß der Schnellschluß auslöst.
144 14. Regelung der Gasturbinen

Das Verhalten von Gasturbinen bei Lastabschaltung ist je nach ihrer Schaltung und
Ausbildung sehr verschieden, was ja von den Regeleigenschaften ganz allgemein gilt.
Die einfache Verminderung oder Unterbrechung der Brennstofrnufuhr genügt im all-
gemeinen keineswegs zur Verhütung gefährlicher Drehzahlsteigerungen, da der Energie-
inhalt der Anlage noch freigesetzt wird, wenn kein Brennstoff mehr zugeführt wird.
Am günstigsten verhält sich in dieser Beziehung die einwellige Anlage, denn bei dieser
bedeutet das plötzliche Wegbleiben der Nutzlast noch keineswegs eine völlige Ent-
lastung der Turbine. Um die Verhältnisse besser zu überblicken, betrachten wir als
Beispiel eine einwellige Gasturbine mit Wärmeaustauscher mit Druckverhältnis Fünf
und folgenden Prozeßdaten (mit konstantem cP gerechnet):

Lufttemperatur Eintritt Verdichter . . . . l5°C


Lufttemperatur Austritt Verdichter . . . . 209°C
Lufttemperatur Austritt Wärmeaustauscher . 360°C
Gastemperatur Eintritt Turbine 735°C
Gastemperatur Austritt Turbine . . . . . 4l2°C

Hierbei nimmt der Verdichter 60% der Turbinenleistung auf. Bei einem plötzlichen
Unterbruch von Last und Brennstoffzufuhr geht die Turbineneintrittstemperatur auf
360 oc zurück. Da hierbei das Enthalpiegefälle proportional der absoluten Temperatur
zurückgeht, der Durchfluß aber umgekehrt proportional der Wurzel aus dieser ansteigt,
ergibt sich im ersten Augenblick eine Verminderung der Turbinenleistung um den Fak-
tor 0,792. Der verfügbare Leistungsüberschuß ist damit noch 48% der Vollastleistung.
Würde die Turbinenleistung während des anschließenden Vorganges unverändert bleiben,
so beschleunigte sich die Gruppe, bis die mit der dritten Potenz der Drehzahl ansteigende
Verdichterleistung der Turbinenleistung gleich wäre, was bei einer Drehzahlsteigerung
von knapp 10% erreicht wäre. In Wirklichkeit werden die Verhältnisse dadurch ver-
bessert, daß der Durchfluß durch die Turbine im ersten Augenblick um den Faktor 1,26
größer ist als die Luftlieferung des Verdichters, was im Sinne einer Druckabsenkung
im System wirkt. Dem wirkt andererseits die Beschleunigung des Verdichters entgegen,
was die Verhältnisse ungünstig beeinflußt. Der wirkliche Vorgang kann nur durch eine
gerrauere Untersuchung erfaßt werden, doch zeigt diese Überlegung jedenfalls, daß sich
die Überdrehzahlen in verhältnismäßig engen Grenzen bewegen. Oft genügt die einfache
Absperrung der Brennstoffzufuhr (bei einwelligen Anlagen ohne Wärmeaustauscher
immer). Manchmal empfiehlt sich die Beifügung eines Abblaseventils hinter dem Ver-
dichter.
Grundsätzlich ähnlich, aber deutlich ungünstiger, liegen die Verhältnisse bei zwei-
welligen Anlagen der in Abb. 14.5.5 und 14.5.8 dargestellten Art, bei welcher die Nutz-
leistungsturbille zwar nicht mechanisch unabhängig ist, aber nur einen Teil der Ver-
dichtungsarbeit aufbringt. Auch hier verhindert der Verdichter ein freies Durchbrennen
der Turbine, doch liegen die möglichen Überdrehzahlen beträchtlich höher. Ohne zusätz-
liche Mittel, wie Abblaseventile, ist hier nicht auszukommen, sobald größere Volumen
(Wärmeaustauscher) vorhanden sind.
Ausgesprochen schwierige Verhältnisse liegen vor bei Anlagen mit mechanisch un-
abhängigen Nutzleistungsturbinen, da hier jede Drehzahlbegrenzung durch Leistungs-
aufnahme eines Verdichters wegfällt. Die Parallelschaltung nach Abb. 14.1.2 ist dabei
besonders unangenehm, denn bei ihr gil;>t es kaum eine andere Lösung, als ein Schnell-
schlußabsperrorgan 1 anzuordnen (möglichst vor der Brennkammer der Nutzleistungs-
turbine) und durch Öffnen eines Abblaseventils 2 dafür zu sorgen, daß bei abgeschlos-
senem Organ 1 der Verdichter nicht pumpt. Dabei sollte das Organ 1 sogar doppelt
vorgesehen werden, um beim Versagen eines der beiden noch die nötige Sicherheit zu
haben! Konstruktiv bereiten solche Absperrorgane große Schwierigkeiten, da sie für
großes Durchflußvolumen zu bemessen sind und in Bruchteilen von Sekunden schließen
müssen. Erleichternd wirkt allerdings die Tatsache, daß sie nicht dicht zu halten brauchen.
14.8 Das Problem der Lastabschaltung 145
Die Serieschaltung nach Abb. 14.2.7 zeigt ein immerhin deutlich günstigeres Ver-
halten. Auch hier würde zwar selbst bei völlig unterbrochener Brennstoffzufuhr der durch
die Nutzleistungsturbine abströmende Druckluftinhalt eines Wärmeaustauschers diese
Turbine noch auf eine bei weitem zu hohe Drehzahl treiben. Ja selbst ohne Wärme-
austauscher ist die Gefahr nicht mit Sicherheit gebannt. Wenn nämlich die Verdichter-
gruppe dank der Trägheit ihrer Rotoren eine lange Auslaufzeit besitzt, genügt der da-
durch bedingte Luftdurchsatz immer noch, um die Nutzleistungsturbine zu gefährden.
Es handelt sich dabei um eine Übertragung von Bewegungsenergie vom Rotorsystem
der Verdichtergruppe auf dasjenige der Nutzleistungsturbine, und zwar auf pneuma-
tischem Wege. Man vermeidet diese Gefahr, indem man das Rotorsystem der Verdichter-
gruppe möglichst leicht, das von Nutzleistungsturbine und Nutzleistungsempfänger hin-
gegen schwer ausbildet. Dann ist bei kleiner Füllzeit (kein Wärmeaustauscher und kleines
Brennkammervolumen) mit Brennstoffabsperrung allein auszukommen. Mit Wärme-
austauscher genügt dies keinesfalls mehr. Man muß in diesem Falle z. B. durch Abblasen
künstlich dafür sorgen, daß der Höchstdruck rasch absinkt. Dieser Eingriff ist hier
sehr wirksam, im Gegensatz zur Anlage mit parallelgeschalteten Turbinen, wo er kaum
genügen würde. Da nämlich bei Serieschaltung die Gefälleänderung sich vor allem
auf die ND-Turbine konzentriert, wird diese durch die Druckabsenkung wirksam ge-
schützt.
Bei der Anlage, für die Abb. 14.7.4 berechnet wurde, bewirkt z. B.ßine Absenkung
des Höchstdruckes von 6 auf 4 bar (1 l;>ar = 1,02 at) bei gleichzeitiger Absperrung der
Brennstoffzufuhr eine solche Verminderung des Gefälles der Nutzleistungsturbine, daß
ihre Durchbrenndrehzahl nur noch etwa 25% über der normalen Betriebsdrehzahl liegt.
Bei einer Druckabsenkung auf 3,5 bar läge sie gar nur noch etwa 10% über der Be-
triebsdrehzahl. Nun sei etwa eine Trägheitszeit der Nutzleistungsgruppe von 5 sec an-
genommen und vorausgesetzt, der Schnellschluß löse bei 10% Überdrehzahl aus und
die Regeleingriffe selbst nähmen etwa 0,3 sec in Anspruch. Wenn alsdann 1 sec später
der Druck bereits auf 4 bar zurückgegangen ist und anschließend weiter sinkt, so wird
die größte auftretende Überdrehzahl von der Größenordnung 20% sein. Soll diese rasche
Entleerung bei großen Wärmeaustauschapparaten (Füllzeiten von einigen Sekunden)
möglich sein, so muß der Durchfluß durch das Abblaseventil von der Größenordnung
des Vollastdurchflusses der Anlage sein.
Noch schwieriger als der Schutz der Maschinen vor zu hoher Drehzahl ist das Ab-
fangen einer Vollastabschaltung ohne Auslösung des Schnellschlusses, eine Forderung,
die bei Dampfturbinenzentralen allgemein gestellt wird. In der Brennkammer muß dann
eine Sparflamme aufrechterhalten werden, durch die nur eine sehr geringfügige Wärme-
zufuhr erfolgt und die bei der anschließend wieder einsetzenden normalen Brennstoff-
zufuhr die Zündung sichert. Auch verlangt die dann sehr enge Begrenzung der zulässigen
Drehzahlsteigerung relativ kleine Füllzeiten, wenn die Kapazität des Abblaseventils nicht
übertrieben groß werden soll. Ein sehr wirksames Mittel zur Unterdrückung von Dreh-
zahlsteigerungen ist das Drosseln unmittelbar hinter der ND-Turbine, vgl. Abb. 14.1.6
(Drosselorgan D). Das Aufstauen eines höheren Gegendruckes vermindert das Gefälle
der ND-Turbine so stark, daß Überdrehzahlen leicht vermieden werden können. Die
konstruktive Ausbildung des Drosselorgans ist allerdings nicht einfach, denn es soll in
offenem Zustand ein sehr großes Volumen mit möglichst kleinem Druckabfall durch-
treten lassen und dabei sehr rasch in die geschlossene Lage gebracht werden können.
Immerhin muß es nur drosseln und niemals dichten. Es kommen also vor allem jalousie-
artige Gebilde in Frage. Eine mögliche Lösung ist auch ein Kranz verstellbarer
Schaufeln hinter dem letzten Laufrad der ND-Turbine. Die Schaufeln hätten gerade
Skelettlinien und würden im Normalbetrieb etwa so stehen, daß sie die Abströmung nicht
beeinflussen. Bei plötzlicher Entlastung würden sie zugedreht, so daß eine starke Drosse-
lung entsteht. Bei dieser Lösung würde der Austrittsstutzen keine Druckbeanspruchung
erfahren
Traupel, Turbom.aschinen II, 2. Aufl. 10
146 14. Regelung der Gasturbinen

Die Berechnung des Lastabschaltvorganges basiert auf denselben Überlegungen wie


diejenige sonstiger instationärer Übergänge. Wir geben nachfolgend die Gleichungen
an für die einwellige Anlage und die zweiwellige Anlage mit Serieschaltung nach
Abb.I4.2.7.
Das regeltechnische Verhalten der einwelligen Anlage wurde bereits beschrieben durch
die Gin. 14.6 (5), (8) und (ll) bis (14). Von diesen fallen beim Schnellschlußvorgang
800 800
oc
\rf
oc

\
1000 1000
OK OK
t
......"..
800
600
t
500 I-."'- t 80
8f}Qt
50{) K'"

~
K'" 0 \
I{{)() '100
600 600
300 300

cxß cxß
t 0,2
... v
0, 6
I
~
~
0,1
V
t 0,'f
I
0 ~ 0,2
V
t
~ 0,95
~ r<fz/Pzo
...........
0

~ 0,90 ..........
1,12 /
/ Nutzturb.

1,025

-- - 'II
1,081----~'----+--------l

t 1,020
V::n/n0
--E:.."
I 1
V
1,0

V
~ 1,010 ~
~
""
1:::

10 0,2 O,'f 0,6 0,8 sec 1,0 ~"


~
t-
Abb. 14.8.1 Verlauf der Drehzahl n und des Höchst-
druckes p 2 beim Schnellschlußvorgang bei einer ein-
welligen Gasturbine. Index 0 kennzeichnet Betriebs-
zustand bei Schnellschluß-Auslösung
Poo/P 1 = 6,_ ß = 0,2, e w~fmo cp = 1200sec (°K),
m0 /F(p 2 ) = const = 2,5 bar/sec

GI. (8) und (12) bis (14) weg, da die normale


Drehzahlregelung nicht mehr spielt. An-
statt dessen kann folgender Ansatz für die Abb. 14.8.2 Verlauf der Drehzahl n der Verdichter-
Turbineneintrittstemperatur T 4 gemacht gruppe, der Drehzahl nN der Nutzleistungsturbine
werden. Während eines ersten Zeitinter- und des Höchstdruckes p 2 beim Schnellschlußvorgang
valls LI t von der Größenordnung 0,3 sec für eine zweiwellige Gasturbine mit Leistungsabgabe
fällt T 4 vom Wert T 40 (bei Auslösung des durch die mechanisch unabhängige ND-Turbine.
Index 0 kennzeichnet Betriebszustand bei Schnell-
Schnellschlusses) auf einen Wert Tt, der schluß-Auslösung
entweder gleich der Verdichteraustritts- p 20 /p1 = 6, ß = 0,6, e w2fm 0 Cp = 680 sec (°K) für Verdichter-
temperatur oder - wenn ein Rekuperator gruppe, liiiN wJv 0 /'m0 Cp = 540 sec (°K) für ND-Turbine mit
Generator, mo/F(p 2) = const = 2,5 barjsec
vorhanden ist - gleich der Austrittstempe-
ratur aus diesem letzteren ist. Während des weiteren Vorganges bleibt T 4 = T:.
GI. 14.6 (ll) gilt unverändert, doch ist nun N = 0. Das gleiche trifft auch für GI. 14.6 (5)
zu, wenn kein Abblaseventil vorgesehen ist. Ist ein solches vorhanden, so kommt noch
ein Zusatzglied hinzu. Für die Abblasemenge ma läßt sich setzen, solange überkritisches
14.8 Das Problem der Lastabschaltung 147
Druckverhältnis am Ventil herrscht,
·
ma =IX ß-mo.
Pz · (1)
Pzo

Hier kennzeichnet der Faktor IX den Öffnungszustand des Ventils; er ist Eins für das voll
offene und Null für das geschlossene Ventil. Weiter ist ß ein Maß für die Kapazität des
Abblaseorgans, denn wenn der Höchstdruck p 2 gleich dem Auslegungswert p 2 0 ist, wird
ma m
= ß 0 , d. h., die Konstante ß setzt beim Auslegungsdruck den Ventildurchfluß
zum normalen Massenstrom der Anlage in Beziehung. Indem der Durchfluß noch weiter-
hin proportional p 2 fp 2 0 gesetzt wird, ist das Durchflußgesetz der überkritischen Ent-
spannung mit hinreichender Näherung erfüllt. Der Bereich unterkritischer Entspannung-
d. h. etwa unter p 2 = 2 bar - interessiert praktisch nicht, denn man wird die Unter-
suchung nur so weit führen, bis die Drehzahl durch ihr Maximum gegangen ist. Dies
tritt aber ein, lange bevor p 2 so weit abgesenkt ist. - Die Einführung der durch GI. (1)
gegebenen Abblasemenge in die Bilanzgleichung liefert

~
d
dt
= ~
. [ n
F(pz) hd (pJ - (p;;) (V-
a Pz
T;
+ b Pz T4o
IX
ß)J
'
(2)

was jetzt an die Stelle der GI. 14.6 (5) tritt. Diese Gleichung und Gl. 14.6 (11), mit N = 0
geschrieben, beschreiben nun den Vorgang vollständig, sobald IX und T 4 entsprechend
den Schnellschlußregeleingriffen gegebene Funktionen der Zeit sind. Die beiden un-
bekannten Funktionen sind p 2 und n. Die Lösung des Gleichungssystems erfolgt durch
Differenzenrechnung. Abb. 1 zeigt das Ergebnis eines durchgerechneten Beispieles.
Die regeldynamischen Gleichungen für die zweiwellige Anlage mit Serieschaltung sind
die Gln. 14.6 (36) bis (40), soweit man von den Reglergleichungen absieht, die wir weg-
lassen können, da wir annehmen, daß in einer kurzen Zeitspanne die Brennstoffzufuhr
auf Null und das allenfalls vorhandene verstellbare Leitrad in die Leerlauflage gehe.
Wird mit Abblasung gearbeitet, so ist wiederum Gl. (36) entsprechend zu ergänzen, wie
im vorhergehenden Beispiel erläutert. - Ohne verstellbares Leitrad kann man direkt
wieder Gl. (2) verwenden. - Es liegen alsdann für p 2 , p~, n, nN vier Gleichungen vor,
die durch Differenzenrechnung zu lösen sind. Ein durchgerechnetes Beispiel ohne ver-
stellbares Leitrad ist in Abb. 2 wiedergegeben.

I t - - - - - 1. .

70 80 90 100 110 120 130 1#0 150 160 170 180 190 200 210 220 230 2#0 sec
I I I I ;:;;I I I ;;;::::::: : I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I

][ t

:
90 100 110 1ZO 130 1~0 150 160 170 180
1:2:: I I
::I
I I I I I I I I

Abb. 14.8.3 Ergebnisse von Vollastabschaltversuchen an zwei gleichartigen Großgasturbinen von BBC,
Verbundschaltung mit Leistungsabgabe von ND-Welle, ohne Wärmeaustauscher, nach PFENNINGER [10]
I erste Maschine; II zweite Maschine; A Öffnungszeitpunkt des Generatorhauptschalters; .Jn Drehzahlanstieg; t Zeit;
b, b' bleibende Drehzahlerhöhung 4,5% ; c, c' vorübergehende größte Drehzahlerhöhung etwa 8%

Wenn eine Verdichtercharakteristik vorliegt, ist in Gl. (2) sowie in den Gln. 14.6 (11)
und 14.6 (36) und (38) der Ausdruck (nfn 0 }a (p 2 fp 2 0)b ersetzbar durch die direkt aus dieser
Charakteristik gegebene Größe lP/lP 0 • Der Ansatz (nfn 0 }a (p 2fp 20 )b wurde ja an sich nur
für die unmittelbare Umgebung des Beharrungszustandes gemacht. Wenn man ihn hier
für große Abweichungen verwendet, so muß man b entsprechend anpassen oder kann
10*
148 14. Regelung der Gasturbinen

auch den Faktor {p 2/p 2 0 )b ersetzen durch den für größere Abweichungen zutreffenderen
Ausdruck ( )
1+c 1-..E!..,
P2o
in welchem c die Steigung der Charakteristik kennzeichnet.
Ein besonders elegantes Verfahren besteht darin, auch das Problem der Lastabschal-
tung durch das verstellbare Leitrad der ND-Turbine zu lösen. Es wird dann beim Ein-
treten der Entlastung die Brennstoffzufuhr auf Null gebracht bzw. nur noch die Spar-
flamme weiterbetrieben und gleichzeitig das Leitrad abnormal weit geöffnet. Dann fällt
nicht nur die Temperatur, sondern auch der Druck vor der ND-Turbine sofort stark ab,
und ihr Gefälle wird dementsprechend vermindert. Gleichzeitig fällt ihr Wirkungsgrad
stark ab. Es sind Auslegungen möglich, bei denen dies genügt, um die ND-Turbine und
den Nutzleistungsempfänger vor unzulässig hoher Drehzahl zu schützen, selbst ohne
irgendwelches Abblasen. Die theoretische Untersuchung des Vorganges erfolgt wie oben
dargelegt, vgl. auch lTEN [23], wobei für die Vergrößerung des Schluckvermögens der ND-
Turbine ein entsprechender Ansatz einzuführen ist.
Man hat auch schon das Problem der Lastabschaltung so umgangen, daß besondere
elektrische Widerstände vorgesehen werden, die im Falle des Ausfallens der äußeren
Last auf den Generator geschaltet werden, so daß dieser weiterhin Leistung aufnimmt
und so das Durchbrennen verhütet.

14.9 Beispiele von Gasturbinenregelsystemen


Die Regelsysteme von Gasturbinen fallen bei der großen Verschiedenartigkeit des
regeltechnischen Verhaltens der einzelnen Schaltungen und den unterschiedlichen Auf-
gabestellungen (Stromerzeugerantrieb, Propellerantrieb usw.) außerordentlich verschie-
den aus. Wir behandeln daher anschließend nur einige wenige Beispiele. Die gezeigten
Regelschemata geben dabei nur das Wesentliche
des Wirkungsprinzips wieder, entsprechen also in
den Einzelheiten nicht der tatsächlichen Ausfüh-
rung; die Arbeitsweise wird dadurch leichter ver-
ständlich.
Abb. 1 zeigt eine einfache Regelung, wie sie etwa
anwendbar ist bei einwelligen Gasturbinen ohne
7
Wärmeaustauscher. Der Nutzleistungsempfänger
sei ein elektrischer Generator, und zwar soll die
Gasturbine allein die Frequenzregelung überneh-
men. Dementsprechend ist die Regelung als Iso-
dromregelung ausgebildet, welche unmittelbar die
Brennstoffzufuhr steuert. Steigt z. B. die Drehzahl
über ihren Sollwert, so hebt der Fliehkraftregler 1
5 das linke Ende des Hebels 2. Dadurch wird der
0
Steuerschieber 3 hochgezogen und läßt Drucköl
zur Oberseite des Kolbens 4 zutreten. Dieser be-
wegt sich nach unten und bewirkt über den Hebel5
eine Verminderung der Brennstoffzufuhr. Gleich-
zeitig führt die Abwärtsbewegung des Kolbens
Abb. 14.9.1 Schema einer einfachen Isodrom-
regelung einer Gasturbine eine Rückführung des Steuerschiebers 3 herbei,
da der rechte Endpunkt des Hebels 2 nach unten
gezogen wird. Diese Rückführung ist aber nur eine vorübergehende, da beim Ölzylinder 6
die Räume über und unter dem Kolben durch die enge Drosselöffnung 7 miteinander in
Verbindung stehen. Die Feder 8, die durch die Verschiebung des rechten Endes des
Hebels 2 gespannt worden ist, wird also allmählich wieder in ihre entspannte Lage zu-
14.9 Beispiele von Gasturbinenregelsystemen 149

rückkehren, wobei Öl aus dem Oberteil des Zylinders 6 durch die Drosselöffnung 7 hin-
durch nach der Unterseite verdrängt wird. Die ganze Vorrichtung kann offensichtlich
erst zur Ruhe kommen, wenn der Schieber 3 und die Feder 8 - d. h. also das rechte
Ende des Hebels 2 - in ihrer neutralen Lage sind. Das bedeutet aber, daß der Hebel2
in seiner neutralen Lage ist und die Drehzahl mit ihrem Sollwert übereinstimmt.
Weiter ist ein Schnellschlußzylinder 9 vorgesehen, der im Betrieb stets durch eine
Druckölzuleitung 10 unter konstantem Druck gehalten wird, derart, daß das rechte
Ende des Hebels 5 in einer festen Lage gehalten wird. Wenn nun irgendwelche Betriebs-
größen, wie Drehzahl oder Temperatur, ihren zulässigen Höchstwert überschreiten oder
z. B. die Schmierölversorgung versagt, so macht die Schnellschlußvorrichtung die Lei-
tung 10 sofort drucklos, worauf die Feder des Zylinders 9 das rechte Ende des Hebels 5
nach unten drückt bis zur völligen Absperrung der Brennstoffzufuhr. Bei der einwelligen
Anlage ohne Wärmeaustauscher genügt dies, um jeden weiteren Drehzahlanstieg zu ver-
meiden und die Anlage stillzusetzen.
Die Regelung nach Abb. 1, die sich grundsätzlich nicht unterscheidet von entspre-
chenden Regelungen anderer Wärmekraftmaschinen, z. B. der Isodromregelung eines
Dieselmotors, hat den Vorteil der Einfachheit, daneben aber auch beträchtliche Nach-
teile. Vor allem hat man die Gastemperatur vor der Turbine nicht in der Hand, sondern
die Regelung gibt "rüchsichtslos" so viel Brennstoff, daß die geforderte Leistung erreicht
wird. Die einzige Sicherung gegen zu hohe Temperatur ist die Schnellschlußvorrichtung,
die aber selbstverständlich normalerweise gar nie ansprechen sollte. Da aber unter
ungünstigen Bedingungen (z. B. hohe Umgebungstemperatur) die Eintrittstemperatur
der Turbine weit über ihren normalen Wert ansteigen wird, muß man bei der Festlegung
des Prozesses und der Ausbildung der Turbine für die nötige Reserve sorgen, was
leicht zu unwirtschaftlichen Lösungen führt. Außerdem kann bei der Anordnung nach
Abb. 1 die Leistung weder durch die normale Regelung noch durch die Schnellschluß-
vorrichtung ohne wesentliche Drehzahlsteigerung auf Null herabgesetzt werden, sobald
ein einigermaßen großer Wärmeaustauscher vorgesehen wird. Bei zweiwelliger Anord-
nung könnte eine solche Regelung das Durchbrennen der Nutzleistungsturbine nicht
verhindern, vor allem nicht bei Parallelschaltung; nur bei Serieschaltung ohne Wärme-
austauscher könnte sie sich günstigenfalls als hinreichend erweisen.
Diese Mängel vermeidet die Regelung nach Abb. 2. Sie arbeitet grundsätzlich derart,
daß vom Drehzahlregler aus der jeweilige Sollwert der Höchsttemperatur eingestellt
wird, worauf eine Isothermvorrichtung die Brennstoffzufuhr so lange verstellt, bis die
tatsächliche Höchsttemperatur diesem Sollwert entspricht. Da das Spielen der Isotherm-
vorrichtung verhältnismäßig langsam vor sich geht, ist eine Grobeinstellung vorgesehen,
welche die Brennstoffzufuhr ungefähr dem Sollzustand anpaßt und außerdem eine
Abfangvorrichtung, die auch bei Vorhandensein eines Wärmeaustauschers zu hohe
Überdrehzahlen unterdrückt. Um das Arbeiten der Regelung zu beschreiben, verfolgen
wir zunächst den Vorgang der Aufnahme eines Belastungsstoßes.
Die Muffe des Fliehkraftreglers 1 senkt sich, da der Laststoß ein Absinken der Dreh-
zahl hervorruft. Der Hebel 2 dreht sich um seinen vorläufig festen rechten Gelenkpunkt,
so daß der Nocken 3 die Feder 4 komprimiert und damit die Öldurchflußöffnung 5
verkleinert. Da die volumetrisch fördernde Pumpe 6 im System 7 somit einen höheren
Druck erzeugt, hebt sich der Kolben 8 und verstellt über den Hebel 9 den Brennstoff-
regelkonus 10 so, daß sich die Brennstoffzufuhr vergrößert. Damit ist bereits eine Grob-
anpassung an den neuen Belastungszustand herbeigeführt. Die Verhältnisse werden
nun so gewählt, daß der Druck im System 7 ein unmittelbares Maß für die Solltemperatur
ist. Andererseits legt der Temperaturfühler, der die Isttemperatur mißt, die Lage des
Regelkonus 11 fest, so daß unter dem Einfluß der volumetrisch fördernden Pumpe 12
im System 13 ein Druck entsteht, der ein Maß für die Isttemperatur darstellt. Nun sei
diese letztere beispielsweise zu hoch. Dann ist der Druck unter dem Kolben 14 größer
als über diesem, und das System, bestehend aus den Kolben 14 und 15 und dem Steuer-
150 14. Regelung der Gasturbinen

schieher 16, verschiebt sich langsam nach oben, wobei das Öl durch die Drosselöffnung 17
hindurch von der Oberseite zur Unterseite des Kolbens 15 verdrängt wird. Der Steuer-
schieber 16 gibt den Druckölzutritt zur Oberseite des Kolbens 18 frei, worauf sich dieser
abwärtsbewegt. Dabei verstellt er gleichzeitig den Brennstoffregelkonus 10 im Sinne
des Schließens (also Verminderung der Temperatur) und leitet über die Kolben 19 und 15
die Rückführung des Schiebers 16 ein. Die Temperaturregelvorrichtung kommt nur zur
Ruhe, wenn der Schieber 16 in seiner neutralen Lage ist. Damit dies aber eine Gleich-
gewichtslage sei, müssen die Drücke über und unter dem Kolben 14 einander gleich sein,
was Übereinstimmung von Isttemperatur und Solltemperatur bedeutet.

Abb. 14.9.2 Schema einer indirekten Brennstoffregelung über einen in Funktion der Drehzahl
vorgeschriebenen Temperatursollwert

Offensichtlich kommt bei dieser Anordnung im Beharrungszustand stets eine be-


stimmte Zuordnung zwischen Reglerstellung und Temperatur heraus, und zwar hat
die Regelung eine gewisse Statik. Wie schon am Beispiel der Dampfturbinenregelung
erklärt, kann die Forderung konstanter Frequenz im Beharrungszustand trotzdem erfüllt
werden. mit Hilfe der Drehzahlverstellvorrichtung. Die Drehzahlverstellung kann im
Falle der Abb. 2 herbeigeführt werden durch Verschieben des Schaftes 20; eine Ver-
schiebung nach unten bedingt eine Steigerung der Drehzahl. Wenn auf diese Weise
auf konstante Frequenz geregelt wird, kommt schließlich eine Zuordnung zwischen dem
Lastzustand des ganzen Netzes und der Temperatur der Gasturbine zustande. Un-
zulässige Übertemperaturen über längere Zeitabschnitte sind damit ausgeschlossen.
Unter ungünstigen Umständen, z. B. bei hoher Umgebungstemperatur gibt die Anlage
aber nicht mehr ihre volle Leistung ab. Die Klimaempfindlichkeit tritt vielmehr in
Erscheinung.
Um auch bei plötzlicher Lastabschaltung die Überdrehzahl eng zu begrenzen, ist
ein Abblaseventil 21 vorgesehen, das im normalen Betrieb stets fest auf seinen Sitz
gepreßt wird. Der Raum über dem Kolben 22 ist über die Drosselöffnung 23 mit der
Druckölzufuhr 24 verbunden. Die Drosselöffnung 23 ist unwirksam, solange kein Durch-
fluß auftritt. Überschreitet nun aber die Drehzahl ein gewisses Maß, so wird nicht nur
die Brennstoffzufuhr auf ein Minimum abgedrosselt, sondern der Regelkonus 25 wird
so hoch gezogen, daß er den Ölabfluß aus dem Raume über dem Kolben22mehr oder
14.9 Beispiele von Gasturbinenregelsystemen 151

weniger freigibt. Zusammen mit der Drosselöffnung 23 stellt sich jetzt ein mehr oder
weniger stark verminderter Druck in diesem Raume ein, und das Abblaseventil21 öffnet
sich entsprechend und läßt Luft nach dem Verdichteraustritt aus der Anlage entweichen.-
In der praktischen Ausführung müßte der Servomotor, der das Ventil 21 betätigt,
natürlich eine Vorsteuerung erhalten, was hier nur weggelassen wurde, um das Wirkungs-
prinzip in einfacher Weise darstellen zu können. - Bei genügend großer Bemessung
des Ventils 21 gelingt es, auch bei Anlagen mit Wärmeaustauscher die höchste Über-
drehzahl eng zu begrenzen, sogar bei zweiwelligen Anlagen mit Serieschaltung.
Sollte wegen eines Versagens der Regelung oder aus anderen Gründen der Schnell-
schluß auslösen, so würden folgende Eingriffe erfolgen. Normalerweise steht das SehneU-
schlußsystem 26 unter vollem Öl-
druck, womit das Ventil 27 dau- ~~ ---li;:~:============::.::­
ernd geschlossen, das Ventil 28 d 7
dauernd offengehalten wird. Beim
Auslösen des Schnellschlusses ver-
schwindet der Druck im System 26,
womit 27 voll öffnet, 28 aber
schließt. Damit ist der Brennstoff
vollständig abgesperrt und das
Ventil 21 öffnet voll und bewirkt
so die rasche Entleerung und Still-
satzung der Anlage. -An die Stelle
des Abblaseventils 21 können ge-
gebenenfalls auch andere Regel-
organe treten, wie im Abschn. 14.8
bereits dargelegt wurde.
Abb. 3 zeigt das Regelschema
einer mit variabler Drehzahl ar-
beitenden einwelligen Gasturbine.
Es handelt sich um die Regelung
des Strahltriebwerkes Jumo 004,
welches das erste betrieblich
brauchbare Turboflugtriebwerk
der Welt war. Das Triebwerk als
solches hat heute nurnochhistori- Abb. 14.9.3 Schema einer mit variabler Drehzahl arbeitenden
sches Interesse, doch ist die Re- einwelligen Gasturbine mit vom Primärimpuls aus einstellbarem
gelung in ihrer Wirkungsweise Drehzahlsollwert
auch heute noch in geeigneten
Fällen durchaus anwendbar. Sie arbeitet derart, daß der Pilot zugleich eine Grobeinstellung
der Brennstoffzumessung und eine Einstellung des Sollwertes der Drehzahl vornimmt,
worauf eine Isodromregelung die Brennstoffzufuhr so lange korrigiert, bis die vorgeschrie-
bene Drehzahl erreicht ist.
In Abb. 3 stellt 1 den Hahn zur direkten Grobeinstellung der Brennstoffzufuhr dar;
der Brennstoff kommt bei b von der Pumpe und wird bei e zu den Einspritzdüsen weiter-
geleitet. Mit der Verstellung des Hahnes 1 erfolgt zugleich auch diejenige des Stempels 2,
der den Sollwert der Drehzahl festlegt. Wäre die Breimstoffzumessung durch den Hahn 1
schon völlig genau, so würde z. B. beim weiteren Öffnen die Drehzahl genausoviel
ansteigen wie es dem erhöhten Sollwert entspricht, und der erhöhten Kompression der
Feder 3 durch den Stempel 2 würde gerade durch die erhöhte Fliehkraft am Fliehkraft-
regler 4 das Gleichgewicht gehalten. In Wirklichkeit besteht diese genaue Überein-
stimmung nicht. Wir nehmen beispielsweise an, die Drehzahl steige etwas zu hoch.
Dann bewegt sich der Schieber 5 nach unten und verbindet den Kanal 6 mit dem Drucköl-
system 7, den Kanal 8 mit dem Ablauf. Die Kolben 9 und 10 bewegen sich daher nach
152 14. Regelung der Gasturbinen

oben, und zwar in erster Näherung um denselben Betrag. Dadurch wird einerseits der
Brennstoffregelkonus 11 hochgezogen und läßt eine größere Brennstoffmenge durch den
Rücklauf r in den Brennstoffbehälter rückströmen, so daß weniger zu den Einspritz-
düsen gelangt. Andererseits wird über den Hebel 12 die Hülse 13 nach unten gedrückt,
womit die durch die Bewegung des Schiebers 5 aufgedeckten Durchflußöffnungen wieder
zugedeckt werden, d. h., es entsteht eine Rückführung. Damit aber eine Isodromregelung
(Statik Null) zustande kommt, darf diese Rückführung nicht starr sein, sondern muß
allmählich wieder verschwinden. Das geschieht im vorliegenden Falle dadurch, daß
die Feder 14 die Hülse 13langsam wieder nach oben drückt und über den Hebel12 den
Kolben 10 nach unten schiebt, wobei das Öl aus dem Raum 15 durch die Drosselöffnung 16
hindurch nach dem Ablauf gedrängt wird. Es läßt sich verfolgen, daß dieser Mechanis-
mus so lange spielen muß, bis durch geeignete Verstellung des Regelkonus 11 die Gleich-
heit von Sollwert und Istwert der Drehzahl erreicht ist. Dabei ist es wichtig, zu beachten,
daß die Regelung als Durchflußregelung ausgebildet ist, wie auch die Durchflußdrossel-
kanäle 17, 18 und 19 zeigen. Auch in der Beharrungslage decken daher die Schieber die
Öffnungen nicht völlig zu, sondern sie nehmen eine Lage ein, bei der noch ein ganz
geringer Durchfluß erfolgt. Bei der wirklichen Ausführung ist der Durchflußquerschnitt 16
nicht eine feste Öffnung, sondern er öffnet und schließt sich periodisch in rascher Folge.
Er ist zu diesem Zweck in einen mit dem Fliehkraftregler rotierenden Teil verlegt.
Dadurch wird der ganze Mechanismus ständig in Bewegung gehalten, womit ein Fest-
sitzen verhindert wird.
Es ist weiter dafür gesorgt, daß der Überdruck im Brennstoffsystem b gegenüber der
Zuleitung e zu den Einspritzdüsen einen gewissen Höchstwert nicht wesentlich über-
schreiten kann. Wird er überschritten, so wird der Schieber 20 gegen die Kraft der
Feder 21 nach unten gedrückt und verbindet den Raum 22 statt mit dem Brennstoff-
rücklauf r mit dem Zulauf b. Dadurch wird der Regelkonus 11 gehoben und vermindert
den Druck. - Im Leerlauf wird sowohl der Hahn 1 als auch der Hahn 23 so gestellt,
daß die Durchflußöffnungen horizontal liegen. Damit wird die ganze Regelung kurz-
geschlossen und die Brennstoffzumessung erfolgt durch die fest eingestellten Kanäle 25
und 26.
Sowohl bei der Regelung nach Abb. 2 als auch bei der nach Abb. 3 werden sehr
große vorübergehende Übertemperaturen beim Übergang zu höherer Leistung nur dann
vermieden, wenn Drehzahl und Höchstdruck in der Anlage dem Regeleingriff nicht zu
sehr nacheilen. Dies verlangt entweder sehr kleine Füllzeiten und Trägheitszeiten (Flug-
triebwerk) oder an und für sich geringe Variation von Drehzahl und Höchstdruck (ein-
wellige Anlage für Generatorantrieb).
In Abb. 4 ist das Schema eines Regelsystems gezeigt, das auch diesen Nachteil ver-
meidet. Es ist dabei eine zweiwellige Anlage mit Serieschaltung der Turbinen voraus-
gesetzt, wobei die ND-Turbine ein verstellbares Eintrittsleitrad besitzt und allein die
Nutzleistung abgibt. Das Schema gibt wiederum nur die Wirkungsweise, während die
technische Ausführung in vielen Einzelheiten eine andere sein müßte.
Der Reglerblock 1 empfängt den Primärimpuls z. B. vom Fliehkraftregler der ND-
Turbine aus oder auch unmittelbar vom Wattmeter oder von einer Sollwerteinstellung
der Leistung, die nach einem frei wählbaren Programm gesteuert werden kann. Er ver-
stellt darauf den Drehpunkt 2 des Hebels 3 und zwar nach oben, wenn eine größere Leistung
verlangt wird. Damit verschiebt sich Punkt 4 und somit auch der Brennstoffregelkonus 5
nach unten, im Sinne einer Vergrößerung der Brennstoffzufuhr. Die Bewegung des
Regelkonus 5 kann aber nur so weit gehen, bis der Zapfen 6 an der Kurvenscheibe 7
anschlägt. Die Lage der letzteren hängt ab vom Verdichtungsenddruck p, der auf die rechte
Seite des Kolbens 8 einwirkt. Je höher p, desto tiefer kann der Zapfen liegen und desto
größer ist folglich die größtmögliche Brennstoffzufuhr. Damit ein freies Spielen des
Hebels 3 möglich ist, ist ein elastisches Element 9 in die Kraftübertragung eingebaut.
Diese Begrenzungsvorrichtung sichert die Anlage gegen eine zu hohe Übertemperatur,
14.9 Beispiele von Gasturbinenregelsystemen 153

da ja der ·Luftdurchfluß proportional p ist und folglich bei kleinerem Luftdurchfluß


auch die Brennstoffzufuhr enger begrenzt ist.
Zugleich mit der Brennstoffzufuhr wird auch das Leitrad verstellt, indem der Hebel10,
der mit dem Steuerschieber 11 und dem Kolben 12 des Servomotors 13 verbunden ist,
eine Aufwärtsverschiebung des Kolbens 12 hervorruft, wenn sich der Konus 5 nach unten
(im Sinne des Öffnens) verschiebt. Dadurch wird das Leitrad weiter geöffnet. So ist
aber erst eine Grobeinstellung des Leitrades herbeigeführt. Die Feineinstellung erfolgt
vom Temperaturregler aus. Dieser steuert den Regelkonus 14. Die volumetrisch för-
dernde Pumpe 15 erzeugt damit im Raum unter dem Regelkonus 14 und folglich über
dem Kolben 18 einen Druck, der ein Maß für die Temperatur ist. In gleicher Weise ent-
steht durch die volumetrisch fördernde Pumpe 17 unter dem Kolben 18 ein Druck, der

Abb. 14.9.4 Regelschema für zweiwellige Gasturbine mit Serieschaltung und verstellbarem Leitrad an der
ND-Turbine. Zuordnung der Werte von Druck und Temperatur

von der Lage des Regelkörpers 16 abhängt, die ihrerseits durch den Verdichtungs-
enddruck p festgelegt wird. Sind die Drücke über und unter dem Kolben 18 ungleich,
so verschiebt sich dieser aus seiner neutralen Lage und leitet über den Steuerschieber 19
eine Bewegung des Kolbens 20 ein, der eine Leitradverstellung bewirkt. Die Rückfüh-
rungsbewegung des Steuerschiebers wird durch den Ölzylinder 21 und den Ölkatarakt 22
herbeigeführt, und zwar handelt es sich, wie leicht zu erkennen, um eine nachgiebige
Rückführung. Deshalb besteht kein fester Zusammenhang zwischen den Stellungen
der Kolben 18 und 20, doch kann die ganze Vorrichtung erst zur Ruhe kommen, wenn
Kolben 18 seine neutrale Lage einnimmt und somit von oben und unten den gleichen
Druck erhält. Da diese beiden Drücke aber durch die Lagen der Regelkörper 14 und 16
bestimmt sind, wird schließlich im Beharrungszustand eine feste Zuordnung zwischen
Verdichtungsdruck p und Höchsttemperatur T hergestellt. In dem Bereich, wo der
Körper 16 zylindrisch ist, bleiben Veränderungen von p ohne Einfluß auf die Regel-
vorrichtung, und diese regelt folglich auf konstantes Tein. Es liegt dann die in Abb. 14.6.2
und im zugehörigen Text beschriebene Regelung vor.
154 14. Regelung der Gasturbinen

Weiter ist vorgesehen, daß bei kleiner Last, also von einer gewissen Lage des Gelenk-
punktes 2 an abwärts, der Steuerkörper 23 den Ölabfluß aus dem Raum 24 allmählich
freigibt, so daß der Druck in diesem Raum abfällt und das Abblaseventil25 sich zu öffnen
beginnt. Dieser Eingriff kann insbesondere sinnvoll sein, wenn der primäre Regelimpuls
vom Fliehkraftregler aus erfolgt, weil er dann geeignet ist, unzulässige Überdrehzahlen
zu verhindern. Es kann aber auch eine Pumpverhütungsregelung auf diese Weise ge-
steuert werden. Schließlich wird beim Ansprechen des Schnellschlusses das System 26
drucklos gemacht, womit Ventil 27 die Brennstoffzufuhr absperrt und Ventil 28 durch
Öffnen auch die vollständige Öffnung des Abblaseventils 25 herbeiführt.
Man beachte, daß eine Zunahme der Temperatur über ihren Sollwert zu einem weiteren
Öffnen des Leitrades führt, wodurch die HD-Turbine einen größeren Anteil des Gefälles
erhält. Das beschleunigt die HD-Gruppe und erhöht so den Luftdurchsatz, womit die
Temperatur zurückgebracht wird. Schützt also diese Vorrichtung die Anlage vor dauernden
Übertemperaturen, so wirkt sie andererseits auf den Regelablauf labilisierend, sobald
die ND-Turbinendrehzahl der Primärimpuls ist, denn es wird dann beim Einsetzen eines
Laststoßes das Ansteigen der ND-Turbinenleistung etwas verzögert. Man muß also die
Zeitkonstanten dieser Regelung zweckmäßig wählen.
Die Aufgabe, bei großen Trägheits- und Füllzeiten eine stabile Regelung zu schaffen,
die große Laststöße aufzunehmen vermag, kann unlösbar sein, wenn nicht weitere Hilfs-
mittel herangezogen werden, auf die schon in Abschn. 14.7 hingewiesen wurde. Es käme
also z. B. in Frage, die durch die Kurvenscheibe 7 gebildete Begrenzungsvorrichtung
zu ersetzen durch eine Vorrichtung, die zwar die weitere Steigerung der Brennstoff-
zufuhr zuläßt, dafür aber von einem gewissen Punkt an eine Wassereinspritzung mehr
und mehr freigibt. In ähnlicher Weise könnte auch Druckluft aus einem Reservebehälter
in die Anlage eingeleitet werden.
Wie aus den Ausführungen dieses Abschnittes hervorgeht, können die Regelsysteme
von Gasturbinen wesentlich verwickelter ausfallen als bei anderen Wärmekraftmaschinen.
Dies wird vor allem klar, wenn man beachtet, daß die hier wiedergegebenen Regel-
schemata stark vereinfacht sind und Anlaßsteuerungen, Vorsteuerungen, Unruhe-
system u. dgl. noch nicht enthalten. Auch genügt zur Bemessung der Brennstoffzufuhr
in vielen Fällen ein einfacher Regelkonus nicht. Allgemein möchten wir hier die direkt
regelbare volumetrisch fördernde Brennstoffpumpe empfehlen (Kolbenpumpen mit ver-
änderlichem Hub), die das unbeabsichtigte Einströmen großer Brennstoffmengen in
die Brennkammer sicherer ausschließt als andere Anordnungen. Vor allem aber ist
zu betonen, daß kleine Volumen und leichte Rotoren stets anzustreben sind, denn dadurch
erleichtert man sich die Regelprobleme wesentlich und gewinnt außerdem den Vorteil
kleineren Raumbedarfes und Gewichtes.

14.10 Übersicht über das regeltechnische Verhalten der verschiedenen Schaltungen


Das regeltechnische Verhalten der Gasturbinen zeigt so verschiedene Aspekte, daß
wir abschließend noch einen Gesamtüberblick über das Problem geben, indem wir für
die wichtigsten Schaltungen die Eigenschaften stichwortartig zusammenfassen. Ab-
gesehen von Abb. 4 b sind in den nachfolgenden Schemata nur die Turbomaschinen,
der Nutzleistungsempfänger, die Art der mechanischen Verbindungen dieser Einheiten
und die Strömungswege angegeben. Im Schema ist also jeweils offengelassen, ob Wärme-
austauscher und andere Prozeßverbesserungen vorgesehen sind. Stets bezeichnet V
einen Verdichter, T eine Turbine und N den Nutzleistungsempfänger. Es werden zwei
Arten von Nutzleistungsempfängern betrachtet, nämlich erstens der mit konstanter Dreh-
zahl laufende elektrische Generator und zweitens der dem Propellergesetz gehorchende
Nutzleistungsempfänger (dies kann ein Propeller oder irgendeine Kreiselmaschine sein).
Die Angaben über die Trägheit der Lastaufnahme haben nur einen relativen Charakter,
da hierfür vor allem die Trägheitszeiten und Füllzeiten maßgebend sind, die nicht direkt
14.10 Übersicht über das regeltechnische Verhalten der verschiedenen Schaltungen 155

mit den Schaltungen zusammenhängen. Aber auch bei gegebenen Trägheits- und Füll-
zeiten sind die Schaltungen einander nicht gleichwertig, wie aus den Überlegungen in
Abschn. 14.7 hervorgeht. In diesem Sinne sind die nachfolgenden Angaben zu verstehen.
Einwellige Anlage, Abb. 1. Bei Generatorbetrieb Teillastwirkungsgrad ohne und mit
Wärmeaustauscher schlecht. Spezifische Verbrauchszunahme bei 10% Leistungsverminde-
rung 2 bis 4% ohne Wärmeaustauscher und 4 bis 6% mit Wärmeaustauscher. Klima-
empfindlichkeit verhältnismäßig gering (8 bis 11%
Leistungsabfall bei 10 oc höherer Umgebungstempe-
ratur). Praktisch beliebig rasche Lastaufnahme mög-
lich auch mit Wärmeaustauscher. Keine Pumpgefahr.
Betrieb nach Propellergesetz nur beschränkt möglich,
weil bei tiefer Drehzahl Drehmoment ungenügend. An- Abb. 14.10.1 Einwellige Anordnung
trieb solcher Nutzleistungsempfänger durch einwellige
Gasturbinen verlangt Zwischenschaltung eines stufenlos regelbaren Getriebes oder Anwen-
dung von Verstellpropeller. In diesem Falle Klimaempfindlichkeit praktisch eliminierbar
und bei Verwendung von Wärmeaustauscher sehr guter Teillastwirkungsgrad möglich.
Lastaufnahme träge, kann aber durch Leistungsumleitung (z. B. Propellerverstellung)
sehr beschleunigt werden. Pumpgefahr bei stark reduzierter Last besteht nur, wenn
Verdichter für sehr hohes Druckverhältnis ausgelegt (über ,_, 6). Gleiches Verhalten
zeigt einwellige Gasturbine für Fahrzeuge mit Gleichstromübertragung.
Verhalten bei Lastabschaltung in allen Fällen sehr günstig. Oft genügt Unterbrechung
der Brennstoffzufuhr.
Zweiwellige Anlage mit Serieschaltung, Abb. 2. In weitem Bereich besteht kein wesent-
licher Unterschied zwischen Generatorantrieb und Antrieb eines Nutzleistungsempfängers
nach Propellergesetz. Teillastwirkungsgrad nicht
sehr günstig. (Mit und ohne Wärmeaustauscher
etwa 2 bis 3% spezifische Verbrauchserhöhung
pro 10% Lastreduktion.) Klimaempfindlichkeit
nicht allzu groß (11 bis 15% Leistungsabfall bei
10 °0 höherer Umgebungstemperatur). Pump-
gefahr bei stark reduzierter Last besteht nur,
wenn Verdichter für sehr hohes Druckverhältnis Abb. 14.10.2 Zweiwellige Anordnung,
ausgelegt (über ,_, 6). Lastaufnahme ziemlich Serieschaltung
träge. Verhalten bei Lastabschaltung ungünstig.
Wenn Wärmeaustauscher vorhanden, ist Abblaseventil nötig, dessen Schluckfähigkeit
die Größenordnung der vollen Fördermenge des Verdichters haben muß. Selbst ohne
Wärmeaustauscher oft Abblaseventil oder andere Mittel nötig. Gefälle der HD-Turbine
größer als das der ND-Turbine, daher Zwischenerhitzung zwischen beiden thermodyna-
misch nicht günstig.
Verbesserung des Teillastwirkungsgrades und praktisch Elimination der Klima-
empfindlichkeit sind möglich durch verstellbares Leitrad an ND-Turbine, womit
u. U. auch Lastabschaltung ohne Abblaseventil beherrschbar. Etwas stärkere
Annäherung an Pumpgrenze bei sehr kleiner
Last. Lastaufnahme etwas träger, läßt sich durch
Leistungsumleitung (Öffnen des Leitrades) künst-
lich beschleunigen.
V t-1..__N__,
Brauchbar für direkten Antrieb von Land-
fahrzeugen.
Zweiwellige Anlage mit Parallelschaltung, Ab- Abb. 14.10.3 Zweiwellige Anordnung,
bildung 3. In weitem Bereich besteht kein wesent- Parallelschaltung
licher Unterschied zwischen Generatorenantrieb
und Antrieb eines Nutzleistungsempfängers nach Propellergesetz. Teillastwirkungsgrad
günstig (mit Wärmeaustauscher 0, 7 bis 1, 7% spezifische Verbrauchserhöhung pro 10%
156 14. Regelung der Gasturbinen

Lastreduktion, ohne Wärmeaustauscher 2 bis 3,5% ). Klimaempfindlichkeit sehr groß


(17 bis 30% Leistungsabfall bei 10 oc höherer Umgebungstemperatur !). Pumpgefahr bei
stark reduzierter.. Last besteht nur, wenn Verdichter für sehr hohes Druckverhältnis
ausgelegt (über R> 6). Lastaufnahme sehr träge. Verhalten bei Lastabschaltung sehr un-
günstig; Absperrorgan vor Nutzleistungsturbine nötig, kombiniert mit Abblaseventil zur
Vermeidung des Pumpens.
Das verhältnismäßig kleine Zuflußvolumen zur Nutzleistungsturbine bietet günstige
Möglichkeiten der räumlichen Gruppierung, doch sind die Betriebseigenschaften so
schlecht, daß diese Schaltung zu vermeiden ist, um so mehr, als zwei parallelgeschaltete
Hochtemperaturturbinen teuer werden.
Zweiwellige Verbundschaltung, Nutzleistung an der HD- Welle abgenommen, Abb. 4.
Anlage ohne besondere Hilfsmittel nur für Generatorantrieb brauchbar. Dann keine
Gefahr des Pumpens der Verdichter. Sehr günstiger Teillastwirkungsgrad (mit Wärme-
austauscher im Auslegungspunkt gar kein Abfallen oder sogar leichtes Ansteigen des
Wirkungsgrades mit sinkender Last). Große Klimaempfindlichkeit. Lastaufnahme träge.

a b
Abb. 14.10.4 Verbundanordnung mit Leistungsabnahme an der HD-Welle
a) einfache Anordnung; b) Anordnung mit zwei Zwischenkühlern, zur Erzielung einer günstigen Lage des Druckes
für Zwischenerhitzung

Verhalten bei Lastabschaltung insofern günstig, als Nutzleistungsturbine mit Verdichter


gekuppelt; trotzdem Abblaseventil nötig. Gefälle der HD-Turbine größer als das der
ND-Turbine, daher Zwischenerhitzung zwischen beiden nicht günstig. Vermeidung dieses
Nachteiles gelingt durch Anordnung nach Abb. 4 b: Drei Verdichter mit zwei Zwischen-
kühlungen, wobei zwei Verdichter auf ND-Welle.
Ein Propeller, der durch eine solche Anlage angetrieben würde, müßte ein Verstell-
propeller sein, der mit fast unveränderlicher Drehzahl laufen müßte. Wesentliche Re-
duktion der Drehzahl der HD-Welle würde zum Pumpen des ND-Verdichters führen.
Zweiwellige Verbundschaltung, Nutzleistung an der
ND- Welle abgenommen, Abb. 5. Wirtschaftlicher Teil-
T lastbetrieb nur möglich, wenn Nutzleistungsempfänger
mindestens annähernd dem Propellergesetz gehorcht.
Dann keine Gefahr des Pumpens der Verdichter. Sehr
günstiger Teillastwirkungsgrad (mit Wärmeaustauscher
im Auslegungspunkt gar kein Abfallen oder sogar leichtes
Ansteigen des Wirkungsgrades mit sinkender Last).
Klimaempfindlichkeit groß, doch etwas günstiger als
bei Schaltung nach Abb. 4. Lastaufnahme träge. Ver-
Abb. 14.10.5 Verbundanordnung mit
Leistungsabnahme an der ND-Welle halten bei Lastabschaltung günstig (noch besser als bei
Schaltung nach Abb. 4). Gefälle der HD-Turbine kleiner
als das der ND-Turbine, daher Zwischenerhitzung zwischen beiden günstig.
Wird die Anlage für Generatorantrieb benutzt, so muß bei jeder einigermaßen stärkeren
Lastverminderung hinter dem ND-Verdichter abgeblasen werden, weil er sonst pumpt.
Somit also Teillastwirkungsgrad außerordentlich schlecht. Wird dies in Kauf genommen,
Literatur 157
so entsteht eine Anlage mit kleiner Trägheit, kleiner Klimaempfindlichkeit und günstigen
Eigenschaften im Auslegungspunkt.
Zweiwellige Verbundschaltung mit zwei ND-Turbinen, wovon eine mit der HD-Turbine
gekuppelt ist, Abb. 6. Anlage nur für Generatorantrieb geeignet. Dann keine Pumpgefahr.
Sehr günstiger Teillastwirkungsg,rad (mit Wärmeaustauscher im Auslegungspunkt gar
kein Abfallen oder sogar leichtes Ansteigen des
Wirkungsgrades mit sinkender Last). Klima-
empfindlichkeit geringer als bei Anlage nach
Abb. 4. Lastaufnahme träge. Verhalten bei Last- t-1.___N___,
abschaltungrelativ günstig, weil Nutzleistungs-
turbine mit Verdichter gekuppelt; trotzdem
Abblaseventil nötig. Gefälleverteilung auf HD-
und ND-Turbinen kann so gewählt werden, daß
Zwischenerhitzung in günstigster Weise durch-
führbar. Schaltung vor allem dann vorteilhaft,
wenn Anlage so groß, daß Aufteilung der ND- Abb. 14.10.6 Verbundanordnung mit Leistungs-
abnahme an der HD-Welle mit Aufteilung der
Turbine in zwei parallele Einheiten ohnehin ND-Expansion auf beide Wellen
notwendig. Anlage ist dann thermodynamisch
günstiger als Schaltung Abb. 4a, einfacher als
Schaltung Abb. 4 b und regeltechnisch besser
als beide.
Dreiwellige Verbundschaltung, drei Turbinen
in Serie, Ab b. 7. In weitem Bereich kein wesent-
licher Unterschied zwischen Generatorantrieb
und Antrieb eines Nutzleistungsempfängers nach
Propellergesetz. Schaltung besonders für An-
lagen mit hohen Druckverhältnissen (12 bis 25)
geeignet. Teillastwirkungsgrad an sich schlechter
als bei den anderen Verbundanordnungen, außer- Abb.14.10.7 Dreiwellige Verbundanordnung mit
dem Pumpgrenze des ND-Verdichters u. U. bei Leistungsabnahme an der ND-Welle
nicht allzu kleiner Teillast bereits erreicht.
Beide Nachteile behebbar durch verstellbares Leitrad an ND-Turbine. Dann sehr günstiger
Teillastwirkungrad und keine Pumpgefahr. Sehr geringe Klimaempfindlichkeit. Last-
aufnahme träge. Schaltung nicht geeignet, wenn große Füllzeit (Wärmeaustauscher) un-
vermeidlich. Verhalten bei Lastabschaltung ungünstig. Abblaseventil praktisch stets
nötig. Zwischenerhitzung kann relativ günstig ausgelegt werden. Brauchbar für direkten
Antrieb von Landfahrzeugen.
Literatur
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[10] PFENNINGER, H.: Betriebserfahrungen mit Brown Boveri Gasturbinen. Brown Boveri Mitt. 44 (1957)
Nr. 4/5, S. 200.
158 15. Festigkeit der Schaufelungen

[11] PFENNINGER, H.: Betriebserfahrungen mit Brown Boveri Gasturbinenanlagen. Brown Boveri Mitt. 40
(1953) Nr. 5/6, S. 144.
[12] QurnY, H.: Compte rendu des essais de la turbine aerodynamique Escher-Wyss-AK. Schweiz. Bauztg.
125 (1945) Nr. 23/24.
[13] SALZMANN, F.: Zur Theorie der Regelung von aerodynamischen Wärmekraftanlagen mit geschlossenem
Kreislauf. Schweiz. Bauztg. 65 (1947) 123.
[14] TRAUPEL, W.: Energieinhalt und regeltechnische Trägheit von Gasturbinenanlagen. MTZ 18 (1957)
Nr. 1, S. 19.
[15] -:Das Verhalten von Gasturbinen unter geänderten Betriebsbedingungen. MTZ 18 (1957) Nr. 6, S. 163.
[16] - : Die Entwicklung der Gasturbine in der Schweiz. Verhandlungen der 5. Weltkraftkonferenz, Wien
1956, Bericht 203 G3 /9.
[17] HEIL, G.: Zur Klimaempfindlichkeit der Gasturbinen. Maschinenbautechnik 12 (1963) H. 9.
[18] CORDES, G.: Strömungstechnik der gasbeaufschlagten Axialturbine. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Springer
1963.
[19] G.ASSERT, H.: Betriebsverhalten einer Turbinenstufe bei verij,nderlichen Drehzahlen und Volumenströmen
bis zu negativen Werten. Diss. TH Stuttgart 1964.
[20] H.AUSENBLAS, H.: Vorausberechnung des Teillastverhaltens von Gasturbinen. Berlin/Göttingen/Heidel-
berg: Springer 1962.
[21] J.AGGI, H.: Stationäres Betriebsverhalten von Gasturbinen mit verstellbaren Leitapparaten. Diss. ETH
Zürich: Juris 1964.
[22] LONDON. A. L., u. R. M. CRINA: The Transient Response of a Two-Fluid Conterflow Heat Exchanger.
Trans. ASME, 80 (1958) 1169.
[23] lTEN, 0.: Regeldynamik von Gasturbinen mit verstellbaren Leitapparaten. Diss. ETH 1968.
[24] ST.ARKERMANN, R.: Die Behandlung linearer Mehrfachregelsysteme mit Hilfe von Determinanten auf der
Basis des verallgemeinerten Blockschaltungsbildes. Diss. ETH 1964.

15. Festigkeit der Schaufelungen


15.1 Schaufelbeanspruchung durch Fliehkraft
Bei axial durchströmten Maschinen trägt man bei der Ausbildung der Schaufelung
oft dem räumlichen Charakter der Strömung Rechnung, was auf ein längs des Radius
veränderliches Schaufelprofil führt. Deshalb wird der Schaufelquerschnitt I, Abb. 1, im
allgemeinen eine Funktion von r sein. Bildet man die Schaufel nach rein strömungstech-
nischen Gesichtspunkten aus, so ergibt sich praktisch
stets eine Form, bei welcher der Querschnitt von innen
nach außen abnimmt. Dies ist aber auch vom Stand-
punkt der Festigkeit aus wünschbar. Wir haben hier
also den leider nicht sehr häufigen Fall vor uns, wo die
f
mechanischen und strömungstechnischen Erfordernisse
einander nicht widersprechen. Abb. 2 zeigt ein Beispiel
einer stark verjüngten Schaufel. Ein Massenelement
dm = e I dr der Schaufel, vgl. Abb. 1, übt offenbar,
wenn w die Winkelgeschwindigkeit des Rotors ist, die
Zentrifugalkraft
dZ = e f dr r w2 (1)

lLL~l-
aus. Somit erfährt ein beliebiger, in r* liegender Quer-
schnitt I* die Zugspannung

J~ r dr,
r!'l

<1z(r*) = (! w
2 (2)
r*
Abb. 15.1.1 Zur Berechnung der Flieh-
kraftspannungen in einer verjüngten wobei rs der Radius an der Schaufelspitze ist. Die
Schaufel größte Spannung tritt praktisch stets im Schaufelquer-
15.1 Schaufelbeanspruchung durch Fliehkraft 159

schnitt /N an der Nabe auf, nämlich


JLr dr.
r::;

(JzN = e W2 (3)

Normalerweise gehen die Schaufeln mit einer Ausrundung in den Fußkörper über, wie
in Abb. l angedeutet. Das im Nabenradius gemessene /N ist daher eigentlich ein ideeller
Querschnitt.
Zweckmäßig setzt man noch
I r
y=- , (4)

\
rx
10
I
I 1,'1

~ t
;::,.,
1,3

I 1,2

I 1,1

I 10 1000
az-
Abb. 15.1.3 Verlauf der Fliehkraftspannung a.
längs der Schaufel
Y = 1,5, ttN = 200 rn/sec; a Schaufel konstanten Quer-
schnittes, b verjüngte Schaufel (1 Mdyn = 1,02 kp)

Mit rN w = u.v schreiben sich dann Gl. (2)


und (3)

Jf. y dy;
y

az(y*) = e u~ (5)
y•

J[ y dy.
y

(JzN = (! U~ (6)
~ 1

~ Die Integrale in diesen beiden Gleichun-


gen sind dimensionslose Ausdrücke, die
Abb. 15.1.2 Laufschaufel der Endstufe einer Dampf-
turbine (MAN) offensichtlich nur von der geometrischen
Gestalt der Schaufelung abhängen, nicht
aber von den absoluten Abmessungen. Geometrisch ähnliche Schautelungen aus W erkstotfen
gleicher Dichte, die mit derselben Umfangsgeschwindigkeit laufen, erfahren daher gleiche
Spannungen durch Fliehkräfte.
In Abb. 3 stellt Kurve b ein Beispiel eines solchen Spannungsverlaufes dar. Die
Spannung ist im Wurzelquerschnitt am größten, nimmt aber nach außen zunächst
nur verhältnismäßig langsam ab. Eine viel stärkere Abnahme würde sich ergeben im
Falle der Schaufel mit konstantem Querschnitt. Hier ist nach Gl. (5) und (6)
Y2- yu
az(Y*) = e u~ 2 ; (7)
2 Y2- 1
C1zN = (!UN 2 ' (8)
160 15. Festigkeit der Schaufelungen

vgl. auch Abb. 3, Kurve a. Wenn man annimmt, daß der Schaufelquerschnitt von Nabe
bis Spitze linear von fN bis fs abnehme, läßt sich Gl. (6) in geschlossener Form inte-
grieren. Hierauf basiert Abb. 4, aus welcher für gegebene Verhältnisse die Spannung a=N
abgelesen werden kann. Der Fall der Schaufel konstanten Querschnittes läßt sich auch
folgendermaßen behandeln. Die Masse einer Schaufel von der Länge l ist m = e l f.
lfDm-
0 at az
Y-
1.2 1.9 1.6 1.8 20
: I ~I I V / V
~~~,,Hlt 1/
I / V
i "' ~ I / V
I \~,., ~r-Jj-']- !>.'/:,/
) i/ /
/
V
t I /~'i:>/ I~ ~'0~ / / V V V ./
: I I J ~ / 1/ . /V
I 1/ V V"-s/ II I / 1/ / ~~ . /V .."v
V / 1/ ~ V J / V ./ zzy / V .....
V!J / / r::,y I / V V / ' ßlt I-'
~ 'k .L. IL_I V.. L. / V / ....... ~
as V II 1/ / / _,.,-" V ..... V / .......
/ V/ /
~ ~ ./ II '/ '/ / ....-: V .......
/ ~
I-',...
a :% / r;j ~ ? ~ ~ ;:::..
1/V/- ~ ~ :::;..-
/ ~ I
~ ""' llf!{:9
0 0 1000 2000
UzN-
3000

Mdyn/cm ~000

Abb. 15.1.4 Fliehkraftspannung a,N in der Schaufelwurzel für zylindrische und verjüngte Schaufeln mit
linearem Querschnittsverlauf (I Mdyn = 1,02 kp) ··

Sind weiter um und r m Umfangsgeschwindigkeit und Radius für den Mittelkreis, so ist
die Fliehkraft Z und die Spannung azN
mum2 _ (! z I Um2
---;::-- -"-m-'
z_
oder mit Dm als mittlerem Durchmesser
2 (! l
a.N = 2
Um D.
m
(9)

Die Aussagegleichheit von Gl. (8) und (9) ist leicht nachzuprüfen. Die Darstellung Gl. (9)
ist besonders aufschlußreich, weil hier die Fliehkraftspannung ausgedrückt wird durch
die Umfangsgeschwindigkeit im Mittelkreis und das Schaufellängenverhältnis lfDm,
beides Größen, die auch bei der strömungstechnischen Auslegung der Schaufelung eine
wesentliche Rolle spielen.
Die Ausdrücke e u~ in Gln. (5) bis (8) bzw. e u! in Gl. (9) haben die Dimension einer
Spannung. Wie in Abschn. 16.1 gezeigt wird, ist allgemein eu 2 die Spannung, die ein
mit der Umfangsgeschwindigkeit u laufender freitragender dünner Ring durch die Flieh-
kräfte erfährt. Die Größe (! u. 2 kommt in allen Berechnungen von Fliehkraftspannungen
vor und ist daher im Diagramm Abb. 16.1.2 dargestellt.
Aus Gl. (9) läßt sich noch eine oft übersehene Schlußfolgerung ziehen. Es sei V der
durch das betrachtete Laufrad strömende Volumenstrom und q; die auf den mittleren
Durchmesser bezogene, in bekannter Weise definierte Durchsatzzahl des betreffenden
Schaufelungstyps. Dann lautet die Kontinuitätsgleichung

V= n Dm l ({J Um = n D';,. ( ~J ({J Um,


woraus
z v Vw 2
(10)
15.1 Schaufelbeanspruchung durch Fliehkraft 161

Die Einführung dieses Ausdruckes in GI. (9) ergibt


e V w2 (11)
(Jz N = 2numr
m •

Nun sei für ein Laufrad die Drehzahl (somit also auch w), der Volumenstrom und der
Schaufelungstyp (d. h. g;) gegeben. Dann ist gemäß GI. (11) eine Herabsetzung der

Abb. 15.1.5 Beispiel einer Laufschaufelung mit Deckplatten


I Laufschaufel, 2 Dichtungsstreifen, 3 Leitschaufelträger. Die Dichtungsspitzen werden erst am fertig beschaufeiten Rotor
herausgedreht (SS W)

Fliehkraftspannung nur möglich, durch eine Heraufsetzung der Umfangsgeschwindigkeit!


Das scheint zunächst paradox, folgt aber aus der Tatsache, daß die Fliehkraftspannungen
nach GI. (9) proportionall/Dm sind und daß dieses Schaufellängenverhältnis nach GI. (10)
durch Erhöhung der Umfangsgeschwindig-
keit sehr stark vermindert wird. Der große
Nachteil, der dieser Art Spannungen zu ver-
mindern entgegensteht, ist die sehr fühl-
bare Verschlechterung des Stufenwirkungs-
grades, die bei zu kleinen lfDm-Werten
unvermeidlich ist.
Häufig wird das Schaufelblatt noch
durch zusätzliche Elemente belastet. Als
solche kommen in Frage Deckplatten am
Schaufelende, die zur Verminderung der
Spaltverluste vorgesehen werden, vgl.
Abb. 5, oder Deckbänder, die mehrere
Schaufeln miteinander verbinden und vor
allem aus schwingungstechnischen Grün-
den vorgesehen werden, vgl. Abb. 6. Zur
Bekämpfung von Schwingungen werden
außerdem lose eingelegte Dämpfungs-
drähte nach Abb. 7 verwendet. Manchmal
werden solche Drähte auch mit den
Abb. 15.1.6 Beispiel einer Laufschaufelung mit an-
Schaufeln verlötet; sie werden dann als genieteten Deckbändern, die Gruppen von Schaufeln
Bindedrähte bezeichnet. Ähnliche Quer- verbinden (Escher-Wyss)
verbindungen erzielt man auch durch An-
ordnung profilierter Fortsätze an den Schaufelblättern, die miteinander verschweißt
werden, vgl. Abb. 8. Es sei D der Durchmesser, in welchem ein solches zusätzliches
Element angeordnet sei, und f sei sein Querschnitt (also z. B. der Querschnitt des
Dämpfungsdrahtes). Dann ist mit z als Schaufelzahl t = n Dfz die Schaufelteilung an
der Stelle des Elementes. Dieses nehme hiervon den Anteil ß t em (für Deckplatte ß = 1,
Traupel, Turbomaschinen II, 2. Auf!. 11
162 15. Festigkeit der Schaufelungen

Abb. 15.1.7 ND-Rotor einer 150 MW-Turbine (BBC). Durch die Schaufelreihen sind lose eingelegte
Dämpfungsdrähte hindurchgezogen

bei Dämpfungsdraht, wenn z. B. 30 % der Teilung durch den Schaufelquerschnitt ver-


sperrt sind ß = 0,7). Nennen wir weiter f den Querschnitt des Elementes, so wird seine
Fliehkraft Z gegeben durch
= (ßtfe)ü 2z ßnD/
--"-....:...":r:..:....__ = e u 2 z r
-

=2nßfeü2 (12)
z
und damit die zusätzliche Spannung L1 a,
die in einem Radius r < r im dort vor-
handenen Querschnitt f des Schaufel-
blattes entsteht
A _
LJ (j - -2 z- f) -
nß (T eu.
2
(13)
Bei verjüngten Schaufeln wird (//!)
gegen außen immer größer, somit also
auch L1 a. Der Verlauf der Fliehkraft-
spannung in Funktion des Radius wird
also bei Vorhandensein einer Deckplatte
oder eines Deckbandes völliger. Durch
Einsetzen von hv in Gl. (13) kann man
Abb. 15.1.8 Schaufeln mit Deckplatten, die miteinander
mit ü = y uN für die totale Fliehkraft-
verschweißt sind. Schaufeln auch durch Schweißung mit spannung in der Schaufelwurzel den
dem Rade verbunden Ausdruck

IYzNt t = 2 [
(! UN f d Y + -2 nz-
JYt;;Y f ) -Y
ß (t;; 2] (1 4)
1

angeben, wobei offensichtlich wiederum der ganze Ausdruck in eckiger Klammer nur von der
geometrischen Gestalt der Schaufelung abhängt und nicht von den absoluten Abmessungen.
15.1 Schaufelbeanspruchung durch Fliehkraft 163
Deckbänder, Dämpfungsdrähte u. dgl. belasten aber nicht nur die Schaufeln zusätz-
lich, sondern sie erfahren auch selbst Beanspruchungen, die oft sehr beträchtlich sind.
Betrachten wir etwa ein Stück eines Bindedrahtes nach Abb. 9a. Das größte Biege-
moment ist hierbei
(15)

folglich wird die Biegespannung abd• wenn Wd das Widerstandsmoment des Drahtes ist,

(16)

Bei lose eingelegten Dämpfungsdrähten kann praktisch ß = 1 gesetzt werden. In diesem


Falle ist auch die Beanspruchung am frei überhängenden Teil des Drahtes zu kontrollieren.
Die Biegungsspannung an der letzten Ab-
stützung des Drahtes ist ebenso groß wie
an allen anderen Abstützungen, wenn die
Bedingung a = 0,408 t (vgl. Abb. 9b) er-
füllt ist. Bei a = 0,5 t wird die Beanspru-
chung an der letzten Abstützung 1,5mal
größer. Würde man überhaupt nichts vor-
stehen lassen, d. h. a = 0 vorsehen, so
u:..
a
,...
I
wäre die Biegungsbeanspruchung an der
Abb. 15.1.9 Anordnung von Bindedrähten (a) und
zweitletzten Abstützung etwa das 1,5fache Dämpfungsdrähten (b)
des Wertes nach GI. (16).
Dieselben Überlegungen können gegebenenfalls auch auf die Beanspruchungsverhält-
nisse an Deckbändern übertragen werden. Dies ist allerdings nur dann ohne weiteres
möglich, wenn das Deckband an jeder Schaufel durch je ein Niet befestigt ist, vgl. Abb. 10,
denn dann liegen klare und einfache Abstützungsverhältnisse vor.
In diesem Falle ist das vViderstandsmoment für den durch das Loch
geschwächten Querschnitt einzusetzen und außerdem zu berück-
sichtigen, daß die örtliche Spannungsspitze am Lochrand um einen
gewissen Formfaktor höher liegt als der Rechnungswert. Der Form-
faktor hat unter den gegebenen Verhältnissen die Größenordnung 2,
vgl. darüber auch NEUBER [8], PETERSON [9], RüHL [11] und
Abb. 15.6.20. Solche Formfaktoren sind übrigens auch einzuführen
bei der Beurteilung der Beanspruchung des Schaufelblattes am
Rande eines Loches, das zur Aufnahme eines Dämpfungsdrahtes
vorgesehen wird. Dort ist mit dem geschwächten Querschnitt zu
rechnen und mit einem Formfaktor von der Größenordnung 2,5
zu multiplizieren.
Bei Deckbändern und Deckplatten, die mit der Schaufel durch Abb.l5.1.10 Deckband
mehrere Nieten oder überhaupt auf andere Weise verbunden sind, über Deckplatte ge-
oder auch bei Deckplatten, die mit der Schaufel ein Stück bilden, nietet mit je einem
Niet pro Schaufel
ist die theoretische Beurteilung der Beanspruchungen meist nur in (Westinghouse)
ganz roher Näherung möglich. Dies hängt mit den äußerst unüber-
sichtlichen Abstützungs- bzw. Einspannverhältnissen zusammen. Entweder ist das Spitzen-
profil der Schaufel stark gekrümmt oder es ist zwar recht flach, aber doch so orientiert,
daß jedenfalls nicht von einer Einspannung längs einer senkrecht zum Deckband (axial)
gerichteten Geraden gesprochen werden kann. Dies wäre aber Bedingung dafür, daß
das betreffende Element in einfacher Weise als gebogener Balken betrachtet werden
könnte. Wenn allerdings in solchen Fällen schon die aus GI. (16) berechnete Spannung
im Bereich des Zulässigen liegt, dann erübrigt sich auch eine weitere Untersuchung,
denn die Beanspruchung ist bei diesen komplizierteren Einspannverhältnissen stets
geringer, da die Verformung stärker behindert ist.
ll*
164 15. Festigkeit der Schaufelungen

Im Falle der Deckplatte an einem wenig gekrümmten Profil an der Schaufelspitze,


wie in Abb. l l dargestellt, ist eine Abschätzung der Spannungen in folgender Weise
möglich. Man betrachtet die Beanspruchung des Querschnittes A -D als eine Über-
lagerung von Biegung und Torsion. Zu diesem Zweck bestimmt man zuerst die Lage
des Schwerpunktes S des Stückes ABO D und seine Masse m,
womit man sogleich auch die Fliehkraft und ihren Angriffs-
punkt kennt. Aus dem Hebelarm a ergibt sich dann sogleich
das Biegungsmoment und aus dem Hebelarm b das Torsions-
moment auf den Querschnitt A-D, womit die Spannungen
nach klassischen Verfahren gerechnet werden können. Das-
selbe Verfahren kann auch verwendet werden, wenn nicht
c nur jede Schaufel mit einer einzelnen Deckplatte versehen,
Abb. 15.1.11 Zur Berechnung sondern ein durchgehendes Deckband angeordnet ist. Solche
der Spannungen in einer Deck- Deckbänder - wie übrigens auch Bindedrähte - schließen
platte bei den allermeisten Konstruktionen nicht in sich zurück,
sondern sind an mehreren Stellen des Umfangs unterbrochen,
meist an einer größeren Anzahl von Stellen. Damit entstehen aber stets Endpartien,
bei denen die Verhältnisse so liegen wie in Abb. 11. Da im übrigen Teil des Deckbandes
die Beanspruchungen tiefer liegen, genügt die obige Untersuchung.
Ein Schaufelblatt ohne alle zusätzlichen Konstruktionselemente kann übrigens unter
dem Einfluß der Fliehkraft allein bereits Biegungsbeanspruchungen erleiden. Das trifft
immer dann zu, wenn die Schwerlinie der Schaufel - d. h. die Verbindungslinie der
Schwerpunkte der in verschiedenen Radien vorhandenen Schaufelprofile - nicht mit
einem Radius zusammenfällt. Will man z. B. die dadurch entstehenden Biegungs-
beanspruchungen im Querschnitt an der Schaufelwurzel berechnen, so legt man in den
Schwerpunkt SN jenes Querschnittes ein Koordinatensystem ~, 'YJ, entsprechend den
Hauptträgheitsachsen, vgl. Abb. 12. Nun liege im Radius r
ein Querschnitt I, dessen Schwerpunkt S die Koordinaten ~
und 'YJ aufweise (d. h. der durch S gehende Radius durch-
sticht die Ebene des Wurzelprofils in einem Punkt mit diesen
Koordinaten). Dann übt das entsprechende Schaufelelement
dMTJ von der radialen Erstreckung dr auf den Wurzelquerschnitt
Biegungsmomente dM;; und dMrJ von der Größe
d M;; = 'YJ e W 2 I r dr' (17)
aus, vgl. Abb. 12, weshalb die beiden Komponenten des Bie-
gungsmomentes auf den Wurzelquerschnitt
Abb. 15.1.12
Zur Berechnung der Biegungs- rs rs
beanspruchung einer Schaufel M;;= ew 2 fnlrdr, MrJ=ew 2 J~Irdr (18)
durch die Fliehkräfte; ~ und 1] rN rN
in Richtung der Hauptträg-
heitsachsen betragen. In entsprechender Weise lassen sich die Biegungs-
momente in anderen Querschnitten berechnen.
Die Bedeutung der aus diesen Biegungsmomenten entstehenden Spannungen wird
oft überschätzt. Gelegentlich wurde schon angestrebt, durch geeignete Orientierung
des Schaufelblattes diese Biegungsmomente heranzuziehen, um dadurch die von den
Strömungskräften herrührenden Biegungsmomente teilweise aufzuheben. Damit dieser
Effekt aber wirklich eintreten kann, muß der Schaufelfuß im Rotor ganz außerordentlich
genau gehalten werden. Normalerweise gewährleisten die Fußbefestigungen eine solche
Genauigkeit nicht. Die Ungenauigkeiten in der Einstellung der einzelnen Schaufeln
führen oft zu Biegungsmomenten, die größer sind und anders gerichtet sein können als
die theoretischen. Es ist aber auch meist keine Gefährdung der Schaufel zu befürchten,
wenn durch ungenaue Schaufeleinstellung etwa sehr große Biegungsspannungen ent-
15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte 165

stehen sollteni. Sobald nämlich die Streckgrenze überschritten wird, richtet sich die
Schaufel auf, d. h., sie ändert ihre Orientierung so, daß gerade diese Biegungsbeanspru-
chungen zurückgehen.
Auch Deckplatten führen zu einer Biegungsbeanspruchung des Schaufelblattes, die
erheblich wird, sobald der Schwerpunkt Sd der Deckplatte nicht auf demselben Radius
liegt wie SN. Sind ~d und 'Y)d die Koordinaten der Projektion von Sn und md die Masse
der Deckplatte, die im Radius r liegt, so werden die entsprechenden Momente
Mr;d = md r w 2 'Y)d, M7Jd = md r w 2 ~d· (19)
Mit einer allmählichen Verformung des Schaufelblattes, durch welche diese Momente
zum Verschwinden gebracht werden, kann bei kurzen Schaufeln nicht gerechnet werden,
so daß dann die entsprechenden Spannungen tatsächlich in Rechnung zu setzen sind.
Durchgehende Deckbänder hingegen führen kaum zu einer nennenswerten fliehkraft-
bedingten Biegung der Schaufelblätter.

15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte


Wir betrachten die Strömungskräfte an einer völlig freistehenden (also nicht mit
anderen Schaufeln verbundenen) Schaufel, Abb. l. Die Überlegung läßt sich in gleicher
Weise für Leit- und Laufschaufeln durchführen. Wir behandeln hier zunächst die Lauf-
schaufeln, geben aber später die entsprechenden Beziehungen für das Leitrad an. In
der Kontrollebene 1 herrscht im Radius r der Druck PI, und das Strömungsmittel dringt
mit der Normalgeschwindigkeit cni ein, während in der Kontrollebene 2 der Druck p 2
und die Normalgeschwindigkeit cn 2 vorliegen. Ein in r befind-
liches Querschnittselement der Eintrittsebene von der radialen
Ausdehnung dr und der Breite t = 2 n rfz erfährt eine Kraft
PI (2 n rfz) dr und läßt einen axialen Impulsstrom von der
Größe (}1C~I(2nrfz)dr eintreten. Die Summe beider ist nach
dem Impulssatz einer in r angreifenden Kraft äquivalent, die
bezüglich des Wurzelquerschnittes der Schaufel ein Moment

dMA = 2nr
z
(PI+ (h c~I) (r- rN) dr (1)

besitzt. Dieselbe Überlegung läßt sich für die Austrittsebene


wiederholen, wobei das von dort herrührende Moment negativ
einzusetzen ist. Die Integration längs der ganzen Schaufel
liefert somit

(2)

Die durch die gleichen Querschnittselemente ein- und austre-


tenden tangentialen Impulsströme sind (h Cni cui(2n rjz) dr und
(!2 cn2 Cu2(2n rfz) dr, womit im Wurzelquerschnitt ein auf MA
senkrecht stehendes Moment von der Größe Abb. 15.2.1
Zur Berechnung der Biegungs-

J
rs
beanspruchungen an einer
Mr = 2zn ((!I Cni Cui- (}2 Cn2 Cu2) (r- rN) r dr (3) freistehenden Schaufel durch
rN die Strömungskräfte

erhalten wird. Damit ist das auf den Wurzelquerschnitt einwirkende Biegungsmoment M
nach Größe und Richtung bekannt, vgl. Abb. l. Diese Untersuchungen, wie auch die
1 Höchstens bei gleichzeitiger großer Schwingungsbeanspruchung kann eine Gefahr für die Schaufel

entstehen.
166 I5. Festigkeit der Schaufelungen

nachfolgenden, können in analoger Weise auch auf einen Schaufelquerschnitt in irgend-


einem beliebigen Radius übertragen werden, doch treten in rN meistens die größten
Beanspruchungen auf. Bei sehr stark verjüngten Schaufeln können die größten Biegungs-
spannungen auch ausnahmsweise weiter außen auftreten.
Die Gin. (2) und (3) können noch in einer Weise umgeformt werden, durch welche
die grundlegenden Zusammenhänge genauer in Erscheinung treten. Mit
. " p
J =- --
- "-I e
(4)
wird
1
:~ = c~r-l. (5)

(-4-r-1,
n

12_ = (6)
Pz Jz

wo u der Exponent der Isentrope und n derjenige der Polytrope ist. Vereinfachend
setzen wir rein axiale Durchströmung voraus, was in Anbetracht der bei Festigkeits-
rechnungen geforderten Genauigkeit unbedenklich geschehen kann. Dann lautet die
Energiegleichung
.
)I=
.
J2 + U(Cul- Cu2)- - 2- ,
~-~
(7)

wobei in üblicher Weise c 1 und c2 die resultierenden absoluten Geschwindigkeiten am


Eintritt und Austritt sind. Wie dies in Bd. I bereits allgemein durchgeführt wurde,
bezeichnen wir alle durch u dividierten Geschwindigkeiten mit C. Dann kann GI. (7)
geschrieben werden
(8)

Wir setzen weiter u = y uN und führen die mit uN und der Schallgeschwindigkeit des
Austrittszustandes gebildete Mach-Zahl
M(uN) =V uN (9)
(u - I) j 2
ein. Dann ist
(10)

Diese Darstellung ist nur sinnvoll, wenn der Austrittszustand und somit j 2 praktisch
in allen Radien gleich ist, was aber mit hinreichender Genauigkeit angenommen werden
darf.
Mit GI. (5) und (6) kann z. B. GI. (2) in die folgende Form gebracht werden:

= 2n Jrs{ [(jl) n~l 1] + [


p2
-z- j2 - Cn 1 - Cn 2
Jhcn2 " _" I } (r - rN) r d r. ( 11)
rN

Hier ist die Bedingung rein axialen Durchflusses verwendet, die auch zur Relation
1

Cn 1 = Cn 2 ( :: ) = C n 2 ( ~: ) n- 1 (12)
15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte 167
führt, womit wir erhalten

(13)

Mit GI. (9) erhält dies schließlich die Form

J(lu: r':, - U: r'·] o;, Y' xM'(uN)) (y -


y

MA ~ 2 "~ p, I] - [I - I) ydy. (14)

In gleicher Weise erhalten wir für M r den Ausdruck

JOn2(0u1- Ou2)
y

Mr = 2n:'1P2 xM 2(uN) (y- 1) Y3 dy. (15)


1

Mit den Gln. (10), (14) und (15) sind nun MA und M r gegeben, und zwar als Produkte
aus der Größe r~ p 2 jz (welche die Dimension eines Momentes hat) und je einem dimen-
sionslosen Faktor, der wesentlich nur von der Geometrie der Geschwindigkeitsdreiecke
und der Mach-Zahl abhängt. Für das resultierende Moment kann man also schreiben
M = 3
rNp2 F (16)
z '
wo F der betreffende dimensionslose Faktor ist. Die durch M hervorgerufene Biegungs-
spannung ab ist bei gegebener Gestalt des Profils an der Schaufelwurzel umgekehrt
proportional der dritten Potenz der Sehnenlänge sx des betreffenden Schaufelprofils,
d. h. es gilt
(17)

Nun liegt das Verhältnis sN/(v ((v die Schaufelteilung an der Nabe) für einen gegebenen
Schaufelungstyp fest. Wenn man also setzt

r r(;;r r'
3 3 2
(Jb = rN P2 F' = rs P2 F' = z P2 F' ( 18)
z t'1 ( ;; z ( 2nzrs 8n3 ( ;;

und wenn wir den Nenner, der für eine gegebene Schaufelung festliegt, noch in einen
Faktor F" einschließen, wird schließlich
(19)

Wir erinnern daran, daß F" gegeben ist durch den Verlauf der Gittergestalt längs
des Radius, somit also auch durch die Gestalt der Geschwindigkeitsdreiecke und durch
die Mach-Zahl. Mit Gl. (19) ist eine beachtenswerte allgemeine Relation gefunden. Bei
gegebener strömungstechnischer Auslegung (Verlauf der Gittergestalt längs des Radius)
ist z noch frei wählbar, und die Gleichung lehrt, daß der Einfluß dieser Schaufelzahl
auf die Biegespannung ein quadratischer ist.
Es wird anschließend noch aufgezeigt, daß für kleine Dichteänderung F" proportional
dem Quadrat der Mach-Zahl ist. In diesem Falle ist hinreichend genau Cn 1 = cn 2 • Wir
setzen zudem noch vereinfachend voraus, daß Cn 2 längs des Radius konstant sei. Da
im allgemeinen der Arbeitsumsatz pro Masseneinheit u LI Cu längs des Radius annähernd
konstant sein wird, ergibt sich, wie leicht nachzuprüfen ist, längs r konstante Tan-
gentialkraft am Schaufelblatt. Deshalb erhält man den korrekten Wert des Biegungs-
11 a*
168 15. Festigkeit der Schaufelungen

momentes MT, wenn man sich die Tangentialkraft T im Mittelkreis angreifend denkt;
ihr Hebelarm ist dann lf2, wo l die Schaufellänge ist. Ist T die Tangentialkraft an einer
Schaufel, so ist die Radleistung offenbar
N = zTum, (20)
wobei der Index m auf den Mittelkreis verweist. Wir führen weiter die auf den Mittel-
kreis bezogene Durchsatzzahl q; und Leistungszahl A == 2f1 cufu ein. Dann wird die Rad-
leistung auch
(21)

so daß aus der Gleichsetzung von Gl. (20) und (21)


T _ 3tDmle2 .A. u;. (22)
- z q; 2"

Die dadurch bewirkte Komponente des Momentes an der Schaufelwurzel ist MT = T l/2,
also
(23)

Nun ist ;n; Dmfz = tm, d. h. die Teilung im Mittelkreis, oder wenn wir t die Teilung im
Nabenkreis nennen
(24)

Wenn wir nun Gl. (23) noch durch 83 dividieren, wobei 8 die Profilsehnenlänge an der

+r(+)( ~:)
Nabe ist, so folgt
fLT - ~T = Cf/ ( e2 u! . (25)

Den Ausdruck M r/8 3 haben wir mit /LT abgekürzt, da er sich als eine praktische Größe
zur Berechnung der Spannungen erweist.
Wie in Abschn. 5.5 gezeigt ist, steht bei reibungsfreier Strömung unter der Bedingung
Cn 1 = Cn 2 die resultierende Kraft auf die Schaufel eines Gitters senkrecht auf der geo-
metrischen Mittelgeschwindigkeit W 00 , vgl. Abb. 2. Die Reibungskräfte können bei
Festigkeitsrechnungen ohne weite-
~ resvernachlässigt werden, weshalb
gemäß Abb. 2 sogleich von der
Tangentialkomponente T auf die
Axialkomponente A geschlossen
werden kann, nämlich
A =T cotßoo· (26)
Diese Beziehung gilt in jedem Ra-
dius und das durch die Axialkräfte
ausgeübte Moment MA müßte
durch entsprechende Integration
längs r bestimmt werden. Man
Abb. 15.2.2 Zur Berechnung der Biegungsbeanspruchung an könnte anstatt dessen näherungs-
einer freistehenden Schaufel durch die Strömungskräfte bei weise A mit Gl. (26) aus der in
konstanter axialer Durchtrittskomponente Gl. (22) angegebenen Tangential-
kraft berechnen und annehmen,
daß auch dieses A im Mittelkreis angreife. Bei diesem Vorgehen würde man aber in der
Mehrzahl der Fälle die Komponente MA etwas unterschätzen, denn die meisten Schaufe-
lungen sind so ausgelegt, daß der Reaktionsgrad nach außen zunimmt. Damit wird
der Beitrag der äußeren Partien zur Integration besonders groß. Die genaue Rechnung
15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte 169
wird allerdings bei der geforderten Genauigkeit selten notwendig sein. Im allgemeinen
wird es genügen, wie angegeben von GI. (26) auszugehen, für ßoo aber nicht den Wert im
Mittelkreis einzusetzen, sondern den Winkel in einem Radius r*, der durch r* = rN + (2/3) l
gegeben ist, vgl. Abb. 2. Dadurch kommt eine angenäherte Korrektur des Fehlers zu-
stande. Wir nennen diesen Winkel ß!:, und erhalten damit, da ja das so korrigierte A
auch im Mittelkreis angreift, unmittelbar

/1A - MA =
--:;a /11' COtß*00 , (27)
folglich für das gesamte Moment
M ,;-
!1 - - 8 3 = 11 r r 1 + cot ß!2 (28)
oder
11 = e2 u~ ~ ( +) 2 (+) (~) V1 + cot2ß~ . (29)

11 bildet mit der Umfangsrichtung den Winkel ß:,. Hiermit oder bei genauer Rechnung
mit den Gin. (2) und (3) ist das Biegungsmoment der Strömungskräfte im Wurzelquer-
schnitt der Laufschaufel nach Größe und Richtung gegeben.
Für die freistehende Leitschaufel können diese Überlegungen sinngemäß übernommen
werden und ergeben anstelle der Gln. (2), (3) und (29) die folgenden:

J
's
MA = 2; (Po- PI+ eo c; 0 - !?I c;I) (rs- r) rdr; (30)
rN

f
's
Mr= 2zn (eicniCui- eoCnoCuo) (rs -r)rdr; (31)

f1 = Dm ) 1/
q; A ( 8l )2 (8t ) ( J5;
!?I Um2 -4 V1
+ COt2 * <Xoo • (32)

f1 bildet mit der Umfangsrichtung den Winkel der nun aber in r* = rN.x:,, (l/3) +
zu messen ist. In GI. (32) sind .A., cp und um im Gegensatz zur üblichen Gepflogenheit
auf den Mittelkreis am Leitradaustritt zu beziehen. Außer-
dem sind hiersundtauf den Außendurchmesser bezogen.
Die Indizes in den Gleichungen sind entsprechend unserer
beim Turbinenleitrad gültigen Konvention gesetzt, doch
ist die Anpassung an die Bezeichnungsweise des Axial-
verdichters naheliegend.
Ergänzend kann noch angegeben werden, daß im Falle
der Wirbelflußschaufelung die genaue Integration in all-
gemeiner Form durchführbar ist. Das oben angegebene
2
vereinfachte Verfahren ist aber auch in diesem Falle hin-
reichend genau.
Ausgehend vom Biegungsmoment sind die Biegungs-
spannungen im Profil an der Schaufelwurzel in elementarer Abb. 15.2.3 Hauptträgheitsachsen
und Biegemomente in einem
Weise angebbar. Die beiden Hauptträgheitsachsen dieses Schaufelprofil
Profils seien mit 1 und 2 bezeichnet, vgl. Abb. 3. M bildet
mit der Achse 1 den Winkel y und hat die beiden Komponenten MI= M cosy und
M 2 = M siny. Damit entsteht z. B. an der Austrittskante des Profils, die durch die
Koordinaten ai, a 2 gekennzeichnet ist, die Biegungsspannung

ab (ai, a2 ) -
_ M [-aiJeasy
--
a 2 siny]
- -J-- . (33)
I 2

In gleicher Weise kann die Biegungsspannung in jedem anderen Punkt des Profils an-
gegeben werden. Bei Turbinenschaufeln ist aber meist die Hinterkante derjenige Punkt
170 15. Festigkeit der Schaufelungen

des Profils, welcher die größte Biegungsbeanspruchung erhält. Bei Axialverdichter-


schaufeln ist es oft ein Punkt des Schaufelrückens. Wir setzen nun
X-~ (34)
1=--;-·
k J2 -=7·
J2 (35)

wo J 1 und J 2 die Hauptträgheitsmomente sind. Die dimensionslosen Größen x 1 , x 2 ,


kJI, kJ 2 sind offensichtlich nur von der Gestalt des Profils abhängig und nicht von
seinen absoluten Abmessungen. GI. (33) läßt sich damit in die folgende Form bringen
_ [ x1 cosy x2 siny ]
k/1 =3,39·10- 3 ab (x1, x2 ) - ft - k - - - - k - - ' (36)
Jl J2
k12 =1~,6 ·10 -J
1rw1=k1tf:c1=0,0110 wobei p, = M /8 3 ; es kann nach den genauen Gin. (2},
kwz= k1z / Xz = 0,02'18
kf = 0,25'1 (3) bzw. (30), (31) bestimmt werden oder näherungs-
weise nach GI. (29) bzw. (32). Liegt es fest (samt
seiner Richtung), so folgt aus der Lage der Haupt-
trägheitsachsen y und schließlich nach GI. (36) die
gesuchte Biegungsspannung.
2 Wir vergleichen dieses Ergebnis noch mit der all-
gemeinen Relation GI. (19). Zu diesem Zweck ersetzen
wir etwa in GI. (29) e2 durch
(2 2 = _u_ ~2 • (37)
u - 1 12

Dann ist, wenn M(um) die Mach-Zahl bedeutet

Abb.15.2.4
Laufschaufelprofil für kleinen Reaktions-
grad mit zugehörigen Daten kJ> kw, k1

Gemäß GI. (36) erhält man hieraus die Spannung, indem man noch mit dem dort in
eckiger Klammer geschriebenen Faktor multipliziert. Somit kann man also schließlich
setzen
(40)
mit
(41)

Da die Gittergestalt und somit t/8 festliegt und auch die Schaufellänge l gegeben ist,
ist (l/8) 2 unmittelbar proportional z2 • GI. (40) hat somit tatsächlich denselben Aufbau
wie GI. (19), denn F" ist bis auf einen konstanten Faktor gleich BM 2 (um)· Unter den
vereinfachenden Voraussetzungen, auf denen GI. (29) beruht, ist demnach F" tatsächlich
proportional dem Quadrat der Mach-Zahl, wie bereits behauptet wurde.
Bei der Auslegung einer Schaufelung gibt die thermodynamisch-strömung stechnische
Berechnung bekanntlich keinen gerraueren Anhaltspunkt über die zu wählende axiale
Breite eines Schaufelkranzes oder, was dasselbe bedeutet, die Sehnenlänge 8. Lediglich
die Bedingung einer nicht zu kleinen Reynolds-Zahl ist zu beachten. Die Größe B hängt
nun aber offensichtlich von der absoluten Größe von 8 nicht ab, denn tf8 ist durch die
strömungstechnische Auslegung gegeben, somit also auch B. Da auch p 2 und M 2 (um)
festliegen, hat man gemäß GI. (40) die Biegungsbeanspruchung einzig mit dem "Schlank-
heitsverhältnis" l/8 in der Hand, und zwar sind die Spannungen proportional dem Qua-
drat dieser Größe. Dies ist allerdings nur eine theoretische Beanspruchung statischen
Charakters, der sich praktisch stets eine gewisse dynamische Beanspruchung überlagert,
15.2 Beanspruchung der freistehenden Schaufel durch Strömungskräfte 171
die aber mit der statischen zusammenhängt, Auch ist die im folgenden Abschnitt be-
handelte Korrektur in vielen Fällen zu beachten.
1(11 =0,90'1·1o-3
k12 =7,90·1o-3
kw1=k1tfx1=3,97·10- 3
kw2= 7y:2/x2= 12,'1'1· 10-3
kf =0,150

Abb. 15.2.5 Turbinenschaufelprofil (z. B. für Über- Abb. 15.2.6 Flaches Turbinenschaufelprofil (z. B.
druckturbine) mit zugehörigen Daten kJ, kw, k1 Laufradspitze) mit zugehörigen Daten kJ> kw, k1

Abb. 4, 5, und 6 zeigen Angaben für drei Turbinenschaufelprofile, Abb. 7 solche für
drei Laminarprofile für Axialverdichter. Angegeben sind außer den oben eingeführten
kJ 1 und kJ 2 noch die Werte _ I
k1 = 82 . (42)

Mit A ist jeweils der Punkt größten Abstandes von der Hauptträgheitsachse 1 bezeichnet.
Für die praktische Durchführung der Berechnung beachte man noch folgendes.
Wenn in den Gleichungen e in kgfm 3 und die Geschwindigkeiten in mfsec eingesetzt

Dicke 10 %, Wölbung 5% 2

1
c:o_ -------- s1{. --------:s
k11 -'1.9J·1o-s
k12 ='1,21·1o-3
kw1=B,01·10- 9

f ---
kf = 7,35·10-z

Dicke 7%, Wölbung 3, 75 "I•


k11 = 2,18 ·10 -s

-------
7r12 =3,1'1·1o- 3
1 ........- ::::; kw1='1.60·to-•
i k, =5,25·10-z

Dicke 5 "'• , Wölbung 2,5 "/o 2


k11 =B.98·10- 6
............... kiZ = 2,19 ·10 - 3
te
S' fi :s kw1=Z.ZO·to- 9
kf =3,82·1o-z

Abb. 15.2.7 Drei Laminarprofile für Axialverdichter mit zugehörigen Daten kJ, kw, k,

werden, so müssen die p in Nfm 2 eingesetzt werden, und in diesen Einheiten werden
auch die Spannungen erhalten. Will man alle Drücke und Spannungen in bar oder,
was das gleiche ist, in Mdynfcm 2 erhalten (1 Mdyn = 10 N = 1,02 kp), so ersetze man
Ausdrücke der Form e u 2 durch
(_g_)
10
(__.!._)2 =
100
(u/100)2
10v '
wo v das spezifische Volumen ist. Die Rechnung wird dabei besonders übersichtlich, da
u/100 sehr bequeme Zahlen liefert und v oft aus einer Entropietafel abgelesen werden kann.
172 15. Festigkeit der Schaufelungen

Für Doppelkreisbogenprofile, wie sie in transsonisch arbeitenden Axialverdichter-

-·-v,
stufen verwendet werden, hat BEGLINGER [12] die k-Werte berechnet. Die Ergebnisse
I I I
a10
I "'2 ~- -~ ., 1
I
2-(}-1~~
/ a
t-
r--t-
s
-f-
-
~o·
/
/
v '
, I s a10 1- ejs ~~ V / a
tO
·10" I L_ ·10"J lkV"v ~'f-..V L
/

V I ~
V
v ~VV .§..-V ..-
..o/ I I ~ .;Y V ~ ..~ ~
f-"

,
1~ / /
~
/ . I / ~ ..~.....-: ~ /
V ~ I\
.;Y
aoz
V ~ / ~~ ~
V ./
~

/
z ~ kr ~
V / .;Y
~~ ~
V
V ~ ~\\
V vV
~
0
~.0~ 40G 0,08 0,10 0,12 ~09 O.OG OJJ8 0,10 filZ 409 aoG MB ato atz
d,fs - d/s- d/s -

Abb. 15.2.8 Charakteristische Werte für Festigkeitsrechnungen bei Doppelkreisbogenprofilen

sind in Abb. 8 dargestellt. In den Diagrammen ist unter s die theoretische Sehnenlänge
zu verstehen, wie man sie erhielte, wenn Ein- und Austrittskante völlig scharf, also ohne
jede Abrundung ausgeführt würden.

15.3 Rückwirkung der Fliehkraft auf die Beanspruchung der freistehenden Schaufel
durch Strömungskräfte
Im vorhergehenden Abschnitt wurde angenommen, die Schaufel verbiege sich unter
dem Einfluß der Strömungskräfte so wenig, daß dadurch keine Rückwirkung auf die
Beanspruchungsverhältnisse entstehe. Das ist aber bei Laufschaufeln,
die einem starken Fliehkraftfeld unterworfen sind, nicht ohne weiteres
immer der Fall. Abb. 1 möge eine Laufschaufel im ausgebogenen Zu-
stand veranschaulichen. Ein im Radius r = r N x gelegenes Schaufel- +
element von der Länge dx und dem Querschnitt I erfährt eine Flieh-
kraft von der Größe
r w 2 dm = (rN + x) w 2 (! I dx.
Da ihre Angriffslinie nicht durch den Schwerpunkt des Wurzelprofils
geht, sondern einen Abstand y* von diesem hat (Abb. 1), entsteht im
Wurzelquerschnitt ein Biegungsmoment von der Größe
dM = y*(rN + x ) w2 eI dx.
Dieses steht offenbar dem von den Strömungskräften herrührenden
Moment entgegen und bewirkt somit eine Verminderung der Biegungs-
spannungen.
Abb. 15.3.1 Rück- An sich ist die elastische Linie der Schaufel im allgemeinen sogar
wirkung der Flieh-
kräfte auf die Biege-
eine räumliche Kurve. Man hat also zwei Ebenen senkrecht zu den
beanspruchung einer Hauptträgheitsachsen des Profils der Schaufelwurzel zu legen und
Laufschaufel die Projektionen der elastischen Linie auf diese beiden Ebenen zu
15.3 Rückwirkung der Fliehkraft auf die Beanspruchung der freistehenden Schaufel 173

betrachten. Die Konfiguration, Abb. 1, ist als eine solche Projektion aufzufassen. Die
betreffende Hauptträgheitsachse verlaufe z. B. parallel zur Drehachse, so daß die ge-
nannte Ebene senkrecht auf der Drehachse stehe. Da die Fliehkraft immer längs eines
Radius angreift, wird dann y* = y rN/(rN +
x) und somit
dM = y rN w 2 (!I dx.
Würde umgekehrt die Hauptträgheitsachse senkrecht zur Richtung der Drehachse stehen,
so daß die Ebene eine Meridianebene wäre, so wäre offenbar y* = y und somit
dM = y (rN + x) w 2 (!I dx.
Daraus folgt, daß für eine Hauptträgheitsachse, die mit der Richtung der Drehachse
den Winkel ß bildet,
dM = y[rN + x(l - cosß)] w2 (!I dx
gilt. Es sei M 0 das der betreffenden Hauptträgheitsachse zugeordnete Biegungsmoment,
wie es sich aus den Untersuchungen des vorhergehenden Abschnittes ergibt. Dann ist
das tatsächlich auftretende Moment offenbar
l
M =Mo-(! w 2 y[rN J + x(l - cosß)] ldx. (1)
0

Für den Verlauf des Querschnittes I längs x können wir im allgemeinen hinreichend
genau einen linearen Ansatz machen, also setzen
(2)

Hier hat b eine anschauliche Bedeutung. Ist etwa der Querschnitt an der Schaufelspitze
noch 0,4mal so groß wie der an der Wurzel, so ist b = 0,6.
Zur Durchführung der Integration in GI. (1) muß noch die Funktion y(x) bekannt
sein, d. h., wir müßten bereits die elastische Linie unter dem vereinigten Einfluß von
Strömungskräften und Fliehkräften kennen. Da dies nicht der Fall ist, wäre das korrekte
Vorgehen eigentlich folgendes. Unter Verwendung der allgemeinen Gleichung der elasti-
schen Linie, die
"
y =JE
M (3)

lautet, müßte von GI. (1) aus zur Differentialgleichung für y übergegangen werden
[GI. (1) wäre dabei für einen beliebigen, also nicht den Wurzelquerschnitt zu formulieren].
Mit der Lösung dieser Differentialgleichung wäre die Lösung unseres Problems gegeben.
Diese Untersuchung ist durchgeführt bei BIEZENO-GRAMMEL [1]. Wir begnügen uns
statt dessen hier mit einer groben Näherung, auf deren Zulässigkeit wir später zurück-
kommen. Diese Näherung besteht darin, die elastische Linie durch folgende Gleichung
zu beschreiben :
y = A [ ~2 - ~~2 ] ' (4)

wo A eine vorerst unbekannte Konstante ist. Es folgt daraus


(5)

womit man sogleich erkennt, daß der Ansatz (4) sinnvoll ist. In der Tat ist die Krümmung
an der Schaufelspitze Null und an der Schaufelwurzel ein Maximum - nämlich gleich A-
wie es dem tatsächlichen Charakter der elastischen Linie entspricht. Aus dem Vergleich
von GI. (3) und (5) folgt auch, daß A = M fJ E (an der Schaufelwurzel gebildet), wes-
halb die Gleichung der elastischen Linie genauer
(6)
lautet.
174 I5. Festigkeit der Schaufelungen

Nun können GI. (2) und (6) eingesetzt werden in GI. (1), womit
l

M =Mo -M e;~N J[~- I~ 2 ] (1 -b 7) [rN + x(1- cosß)] dx. (7)


0

Wenn man diese Integration durchführt und alle Glieder mit dem Faktor M auf die
linke Seite nimmt, erhält man

M{1+ e(wr;~fNl 2 [(:J( 230 -~)+(r~Y(! -!~~)(l-cosß)]}=M0 • (8)


Mit w rN = uN, IN = kr 8 2 , J = kJ 8 4 und mit Einführung des Schaufellängenverhält-
nisses Y = r 8 /rN = (rN + l)frN kann GI. (8) auch in die folgende Form gebracht werden:
M 1
(9)
(! u"v ( l )2 [
M0 - k E
I+ k;1
8 (Y- 1) (20-
3 b ) ( I . 37 b)
9 + (Y- 1) 2 9 - 420 (1- cosß)
] ·

Der Ausdruck (! u~v/E ist für (! = 7,85 · 10- 3 kgjcm 3 und E = 2 · 106 Mdynfcm 2
= 2,04 · 10 6 kpfcm 2 in Abb. 2 dargestellt. Ferner gibt Abb. 3 die Größen

I K' - ( y - l) ( 230 - ~)
3 und
V
- f--· K" = (Y -1)2(~- 37b)
I wieder.
9 420
IV Damit ist nun die Berechnung der Biegungs-
2 I spannungen unter Berücksichtigung des Fliehkraft-
einflussesill folgender Weise möglich. Nach Gl.l5.2 (36)
kann die Spannung a~ 0 in irgendeinem Punkte xi, x 2
/, des Fußprofils [xi sind dimensionslose Werte gemäß
I Gleichung 15.2 (34)] ohne Fliehkrafteinfluß berechnet
V werden aus
V (10)

/1 abiO
xi cosy
= f-lk;;-'
/
V -- -
Hier deutet Index 0 an, daß ohne Fliehkrafteinfluß
gerechnet ist. Mit diesem wird nach der oben durch-
r---- geführten Untersuchung
200 m/sec 300
(12)
uN- mit
Abb. 15.3.2 1
Die Größe e u~fE in Funktion von UN Xi = 1 + 3!_ (!:_) e u'f.,
2
[K' + K"(1- cosß)] . (13)
kJ 1 s E

Die kJ i (i = 1, 2) sind dabei für den Wurzelquerschnitt zu nehmen, für welchen auch 8
einzusetzen ist. Meistens ist für die Achse mit dem größeren Trägheitsmoment praktisch
XR1l.
Die Verminderung der Biegungsspannungen wird noch ausgesprochener, wenn die
Schaufel an ihrer Spitze eine Deckplatte trägt (der Fall des Deckbandes, das eine Ver-
steifung bewirkt, ist nicht Gegenstand dieses Abschnittes). Es seit die Teilung im Spitzen-
radius. Der Querschnitt der Deckplatte sei das c-fache des Wurzelquerschnittes IN. Dann
ist die Fliehkraft der Deckplatte
e c IN t y rN w2 •
Die Auslenkung y hat an jener Stelle gemäß GI. (6) den Wert
5 MP.
12 JE.
15.3 Rückwirkung der Fliehkraft auf die Beanspruchung der freistehenden Schaufel 175

Daher wird der maßgebende Hebelarm nach derselben Überlegung wie oben
5 M l2 1 + Y (1 - cosß)
12 JE 1+Y
Das Produkt aus Fliehkraft und Hebelarm ist das zusätzliche Moment, das in GI. (7)
rechts noch abzuziehen ist.

0,15 0,15

9
~ h,L
""i
V
_j_ ~tL-
0,10
V
/ 0,10
11_
I
~11
/
L V ~v
_L / V LI~Y-
I L V I
0,05 I / / ~
1),
0,05 I VV /
'1/ /V v'"" VJ 1/ ~~V
v.~ V/ V / /
I~ ~ V I-''1~
l/.1 '/ /
~ r/ V vv
V

__l~ V 1.--- ~
r-
ld ~V ......
V
~ ~ !--""" .......
~~~
=-
1,2 1,'1 1,6 1,8 2,0 1,2 1,'1 1,6 1,8 2,0
Y- r-
Abb. 15.3.3 Die Größen K' und K" in Funktion des Schaufellängenverhältnisses Y

Die weitere Überlegung ist dieselbe wie oben und liefert anstelle der GI. (13) die Be-
ziehung 1

X;= 1 +·~(..!...) 2 eu'1v [K'+K"( 1 -cosß)+ 5ncY2 1+Y(1-cosß) )' (14)


kJi s E 6z 1+ Y
wo z die Schaufelzahl ist.
Es bleibt noch zu überprüfen, ob die mit GI. (6) ausgesprochene vereinfachende
Annahme über den Verlauf der elastischen Linie die zu fordernde Genauigkeit sichert.
Die Gestalt der elastischen Linie äußert sich in den Funktionen K' und K". Daher wurde
vergleichsweise auch eine von GI. (6) abweichende Annahme getroffen, nämlich
- M 2
y- 2J E X ' (15)
d. h. ein parabolischer Verlauf, bei dem die Krümmung praktisch den konstanten Be-
trag y" = M(J E haV. Diese Annäherung ist offenbar sehr grob, denn an der Schaufel-
spitze müßte richtigerweise y" auf Null zurückgehen. Wenn man diese sicher sehr
schlechte Annahme zugrunde legt anstatt GI. (6), so erhält man für die in GI. (13) in
eckiger Klammer geschriebene Größe Werte, die in praktischen Fällen etwa zwischen
10 und 20% von denen abweichen, die nach GI. (6) erhalten werden. Die Abweichung
der Xi wird damit noch etwas kleiner. Wenn wir nun annehmen, daß die X; nach unserer
Methode gegebenenfalls nur auf 25% genau werden, - ein so großer Fehler ist von
vornherein nur bei X;~ 1 denkbar - so haben wir die möglichen Fehler, die von der
1 Dies bedeutet, daß der Parabelbogen sich von einem Kreisbogen mit dieser Krümmung nicht merklich

unterscheidet.
176 15. Festigkeit der Schaufelungen

Abweichung der wirklichen elastischen Linie gegenüber der nach GI. (6) herrühren, wohl
reichlich eingeschätzt. Was dies praktisch bedeutet, mögen folgende Beispiele zeigen.
Es sind in der nachfolgenden Zahlentafel für einige Laufschaufeln angegeben die reinen
Zugspannungen durch Fliehkraft azN' die Biegungsspannung abo ohne Korrektur, die
gemäß der vorliegenden Methode korrigierte Biegungsspannung ab, der Unterschied
LI a = ab - abo und die Summe a = azN + ab.
Konden-
Dampf· sations- Axial-
turbine Gasturbine verdichter
turbine Endstufe
HD-Stufe Endstufe 1. Stufe

y 1,2 2,0 1,8 1,8


UN rn/sec 100 200 200 ISO
Us rn/sec 120 400 360 324
a,N Mdynfcm2 173 2750 2200 2070
abo Mdyn/cm2 410 660 740 2025
(Jb Mdyn/cm2 409 410 507 650
L1 a Mdyn/cm2 1 250 233 1375
(J Mdyn/cm2 582 3160 2707 2720
1 Mdyn = 1,02 kp

Wie man aus dieser Gegenüberstellung erkennt, wird LI a hier nur beim Axialverdich-
ter derart groß, daß ein beträchtlicher Fehler im Endergebnis a möglich wäre. Dieser
Sachverhalt ist nicht zufällig, sondern er ist für lange Axialverdichterschaufeln typisch.
Der tiefere Grund dafür ist die schwache Krümmung der Schaufelprofile, die den Quo-
tienten krfkh der in GI. (13) im Nenner erscheint, weit größer werden
läßt als bei Turbinenschaufelungen. Namentlich wird auch der in Gl. {11)
auftretende Quotient xjk 1 für die Achse mit dem kleinen k 1 ausnehmend
groß. - Gesetzt nun der Fall, ab sei für die oben aufgeführte Axial-
verdichterschaufel in Wirklichkeit 25% größer als nach der Rechnung.
Es wäre dann ab= 812, LI a = 1213, a = 2882. Das resultierende a
wäre also 6% größer als nach der Rechnung. Das ist ein Fehler, wie
er gerade bei Schaufeln selbst durch Herstellungstoleranzen zustande
kommen kann. Auch in ;diesem Falle dürfte also das vereinfachte Ver-
fahren noch durchaus genügen.
Die Verminderung des Biegungsmomentes an der Schaufelwurzel
durch die Fliehkraft ist insofern bemerkenswert, als die von den Tangen-
tialkräften herrührende Komponente dieses Biegungsmomentes für den
Arbeitsumsatz wesentlich ist, denn es wirkt treibend bei der Turbine
y* und hemmend beim Verdichter. Man könnte darum vermuten, daß eine
Beeinflussung dieses Momentes durch die Fliehkraft nicht möglich sei,
da doch der Arbeitsumsatz unverändert bleiben muß. Dieser scheinbare
Abb. 15.3.4 Widerspruch löst sich wie folgt. In Abb. 4 ist eine gebogene Turbinen-
Von einer aus- schaufelmit ihrer resultierenden Fliehkraft F dargestellt. Reduziert man
f:1b~~n;:ns~~~~; diese Kraft in denSchwerpunktSdes Fußprofils, so daß sie die Lage F'
ausgeübte Kräfte einnimmt, so muß man ein Moment M' = y* F beifügen, das entgegen
und Momente der sonstigen Schaufelbiegung wirkt und die in diesem Abschnitt be-
handelte Herabsetzung der Biegungsspannungen zur Folge hat. Hingegen
schneidet die Angriffslinie von F' die Drehachse nicht, sondern hat von ihr den Ab-
stand y*, womit der Rotor das gleiche Moment gerade wieder im treibenden Sinne er-
hält. - Diese ganze Überlegung gelingt nur, wenn man die Richtung von F korrekt
annimmt und nicht, wie dies fälschlicherweise in der Literatur gelegentlich geschehen ist,
parallel zur ungebogenen Schaufelachse. Diese letztere Annahme wäre, obwohl grundsätz-
lich unkorrekt, im Zusammenhang mit der Spannungsberechnung zulässig, wenn die Rück-
wirkung des Fehlers auf die Spannungen vernachlässigbar wäre. Dies ist aber nicht ohne
weiteres der Fall. Die K' und K" können nämlich nahezu um einen Faktor 2 falsch werden.
15.4 Beanspruchung des Schaufelpaketes durch Strömungskräfte 177

15.4 Beanspruchung des Schaufelpaketes durch Strömungskräfte


Sobald eine feste Querverbindung zwischen zwei oder mehreren Schaufeln besteht,
bilden sie ein Schaufelpaket. Das mechanische Verhalten einer Schaufel innerhalb eines
Paketes ist ein anderes als für die betreffende freistehende Schaufel. Dies gilt zwar nicht
für die reine Zugbeanspruchung, wohl aber für
die Biegungsbeanspruchung, sobald die Quer-
verbindung eine nennenswerte Biegesteifigkeit
aufweist. Bei den Bindedrähten ist diese meist
so gering, daß sie keinen großen Einfluß auf
den statischen Spannungszustand der Schaufel
ausübt. Wenn man daher in diesem Falle die
Rückwirkung der Querverbindung auf die Schau-
felbiegung vernachlässigt, entsteht kein großer
Fehler, der zudem auf der sicheren Seite liegt.
Anders verhält es sich mit den Deckbändern,
deren versteifender Einfluß oft so groß ist, daß
seine Vernachlässigung ein falsches Bild geben
würde. Leider stellen sich aber gerade hier der
genauen mathematischen Behandlung solche
Schwierigkeiten entgegen, daß man sich mit rohen 2
Näherungen begnügen muß.
Im allgemeinsten Falle sind die Schaufeln der
Turbomaschinen verjüngt und verwunden, d. h., Abb. 15.4.1 Durch die Verbiegung der Schau-
bedingte Verformung des Deckbandes.
es ändern sich längs der Schaufel nicht nur die feln Wären die Schaufeln bezüglich der Haupt-
Hauptträgheitsmomente, sondern auch die Rich- trägheitsachse 2 völlig steif, so ergäbe sich
tungen der Hauptträgheitsachsen. In diesem Fall eine Deckbandverformung gemäß gestrichelter
liegen die Verhältnisse außerordentlich verwickelt, Eintragung
und es wird unumgänglich sein, sofort zum Ver-
such zu greifen, wenn man sehr genaueUnterlagen haben muß. Übersichtlicher wird das
Problem, wenn wenigstens die Richtungen der Hauptträgheitsachsen längs der Schaufeln
nicht ändern (unverwundene Schaufel). Dann ist die Behandlung nach BIEZENO und
GRAMMEL [1] möglich. Besonders einfach wird der prak-
tisch sehr häufige Sonderfall der Schaufel konstanten
Profils.
Abb. l zeigt zwei Schaufeln und das sie verbindende
Deckband in deformiertem Zustand. Man erkennt daraus
sogleich die eigentliche grundlegende Schwierigkeit des
Problems. Damit die Lösung mit angemessenem Rechen- 2
aufwand möglich sei, muß das Deckband als eingespann-
ter gebogener Balken behandelt werden, während es in
Wirklichkeit ein plattenförmiger Körper ist, der sich in
äußerst komplizierter Weise verformt. Man beachte be- Abb. 15 .4.2 Festlegung von l* für
sonders, wie kompliziert die Randbedingungen infolge angenietetes Deckband
der Gestalt des Schaufelprofils sind. Dazu ist noch zu
bemerken, daß die Einspannung am Übergang in die Schaufel keine vollkommene ist,
da ja auch das Schaufelende eine gewisse Nachgiebigkeit besitzt. Wie in Abb. l gezeigt
wird, grenzen wir vom Deckband einen Bereich ab durch die parallel zur Hauptträgheits-
achse 1 verlaufenden gestrichelten Geraden. Das zwischen diesen verbleibende Band
von der senkrecht zur Achse 1 gemessenen Breite l* betrachten wir als gebogenen Balken.
Wie diese Breite etwa zu wählen ist, zeigt Abb. l für den Fall des mit der Schaufel
"verwachsenen" Deckbandes, während Abb. 2 veranschaulicht, wie die Annahme z. B.
für ein vernietetes Deckband getroffen werden könnte. Wesentlich ist hierbei gerade
Traupel, TurbolllliBChinen II, 2. Auf!. 12
178 15. Festigkeit der Schaufelungen

auch die Annahme, daß der Einspannquerschnitt des Balkens parallel zur einen Haupt-
trägheitsachse gelegt werden dürfe. Angesichts dieser groben Vereinfachungen wäre es
wenig sinnvoll, die theoretische Untersuchung allzuweit zu treiben, denn man könnte sich
dabei der Täuschung hingeben, eine sehr genaue Berechnung gemacht zu haben, während
die Ausgangsannahmen eine allzu große Genauigkeit von vornherein ausschließen.
Das in dieser vereinfachten Form gegebene Problem ist statisch unbestimmt. Der
wesentliche Schritt bei seiner Lösung ist die Bestimmung des Momentes M 1 , welches
vom Deckband auf die Schaufel ausgeübt wird. Für die Einzelheiten der Überlegung
verweisen wir auf das genannte Werk von BrEZENO und GRAMMEL und geben sogleich
das dort zu findende Ergebnis für M 1 an:
J' E'
u1l2 q1o - - cosß
MI J1oE
- l*a J' E' (1)
Ti2 + 12Ä1 J 10 E cosß

Hierin bedeuten: ß der Winkel, Abb. 1, J 10 E die Biegesteifigkeit der Schaufel an der
Stelle ihrer Einspannung (Nabe bei Laufschaufel, Gehäuse bei Leitschaufel), J 1 E 1 die
Biegesteifigkeit des Deckbandest, q1 0 die senkrecht zur Hauptträgheitsachse 1 einwir-
kende Strömungskraft je Längeneinheit der Schaufel, und zwar an ihrer Einspannstelle,
u1 ein Faktor, der die Veränderlichkeit der Belastung q1 und des Trägheitsmomentes J 1
längs der Schaufel berücksichtigt und A1 ein Faktor, der nur der Variation von J 1 Rech-
nung trägt. Für zylindrische Schaufeln und q1 = q1 0 = konst. wird u 1 = A1 = 1. Die
Annahme eines konstanten q1 ist bei dieser Untersuchung wohl immer zulässig, womit
dann auch u 1 nur noch durch die Veränderlichkeit von J 1 gegeben ist. Trotzdem sind
auch dann noch im allgemeinen u 1 und A1 verschieden. u 1 vergleicht die Neigung am
freien Ende eines einseitig eingespannten und durch eine stetig verteilte Last gebogenen
Stabes mit derjenigen Neigung, die ein Stab konstanten Querschnittes bei konstanter
Belastung q1 0 aufweisen würde. A1 hingegen vergleicht die Neigung am freien Ende
eines einseitig eingespannten Stabes, der an diesem Ende durch ein Biegungsmoment
beansprucht ist mit der entsprechenden Neigung des Stabes mit konstantem J 1 • Beide
Größen wären im allgemeinsten Falle graphisch zu bestimmen.
Um die Berechnung zu erleichtern, kann man vereinfachend setzen
Jl = J10

I+a_::_ (2)
l

Durch geeignete Wahl des Parameters a läßt sich mindestens in vielen Fällen der tat-
sächliche Verlauf von J 1 längs der Schaufel hinreichend genau annähern. Mit a = 0
ist damit zugleich der Fall unveränderlichen Querschnittes umfaßt. Wenn q1 = konst.
gesetzt wird, ist leicht aufzufinden, daß mit dem Ansatz GI. (2)
a
"1 = 1 + 4' (3)
erhalten werden.
Nun ist mit q1 = q10 = const
(4)

das Biegungsmoment um die Trägheitsachse 1, welches der Schaufelwurzelquerschnitt


bei frei endigender Schaufel erhalten würde. Demnach kann man für GI. (1) auch setzen
J' E'
2u1 JEcosß
M I 10 M (5)
- l*a J' E' lf•
Ti2 + 12Ä1 J 10 E cosß
1 J' ist in der üblichen Weise für den Schritt senkrecht zum Deckband einzusetzen, nicht etwa parallel

zu Achse 1.
15.4 Beanspruchung des Schaufelpaketes durch Strömungskräfte 179

Für eine nicht am Ende des Paketes stehende Schaufel ist aber das tatsächliche Moment
im Wurzelquerschnitt
(6)
Der Faktor 2 vor M' rührt daher, daß auf beiden Seiten der Schaufel ein Deckhand-
stück vorhanden ist, welches das Moment M' ausübt. Wenn hier M' noch durch Gl. (5)

l
ausgedrückt und dabei der Faktor vor M 1 r noch etwas übersichtlicher geschrieben wird,
folgt
MI= [ 1 - J1oEl*a 4u~ Mlf· (7)
J' E' l t 2 cosß + 12 .11
Dies gilt, wie oben bemerkt, für eine nicht am Ende des Paketes stehende Schaufel,
weil nur dort in Gl. (6) der Faktor 2 auftritt. Daraus ist gelegentlich der Schluß gezogen
worden, für die Endschaufeln des Paketes sei der Faktor 2 wegzulassen. Dies ist aber
ein Irrtum, wie man aus folgender Überlegung erkennt. Würde
an der Endschaufel wirklich nur das Gegenmoment M' auf-
treten, so würde sie sich entsprechend stärker verbiegen, vgl.
gestrichelte Eintragung in Abb. 3. Das Deckband verhindert
dies aber, und es entstehen in ihm Längsspannungen, derart,
daß die Spitze der letzten Schaufel wieder den Abstand t von
der nächstfolgenden einnimmt. Ein aus einer größeren Anzahl
Schaufeln bestehendes Paket zwingt daher den Endschaufeln
annähernd dieselbe Verformung auf, wie sie die zwischenliegen-
Abb. 15.4.3
den Schaufeln erleiden, weshalb Gl. (7) praktisch auch für die Verformungszustand eines
Endschaufeln gilt. Dies trifft allerdings um so weniger zu, je Schaufelpaketes
kleiner die Schaufelzahl des Paketes ist und wird im Grenz-
fall, wo nur zwei Schaufeln miteinander verbunden sind (die heute oft verwendeten
"Schaufelzwillinge"), völlig falsch. Dann fällt in Gl. (6) der Faktor 2 tatsächlich weg, aber
auch schon Gl. (1) ist dann so zu ändern, daß der Faktor 12 im Nenner durch 6 zu ersetzen

l
ist. Für Schaufelzwillinge tritt also an die Stelle von GI. (7) die Beziehung

M 1= [1 - J1o E l*a 2u~


J' E' l t2 cosß + 6 ..11
Mlf• (8)

Damit ergibt sich nun das folgende einfache Verfahren zur Berechnung der Biegungs-
spannungen im Wurzelprofil bei Schaufelpaketen. Gemäß Gl. 15.2 (36) erhält man die
Biegungsspannung in einem Punkt x 1 , x 2 [ dimensionslose Koordinaten nach Gl. 15.2 (34)]
des Wurzelprofils einer freien Schaufel durch Addition der beiden Spannungen
(9)

Ist ein Deckband vorhanden, so wird die Biegungsspannung


ab = (1 - 0) ab1f + ab2f• ( 10)

wobei für ein Paket aus einer größeren Anzahl Schaufeln


0 4u1
= J l* 3 1 ' (11)
j,ol t2 cosß + 12..11
während dann, wenn nur je zwei Schaufeln durch ein Deckband verbunden werden
0- 2u1
- Jlolu _I_+ 6..1 (12)
J' l t2 cosß 1

Hier ist noch für Schaufel und Deckband gleicher Elastizitätsmodul gesetzt, was praktisch
stets zutrifft. u1 und A1 können meist hinreichend genau nach GI. (3) bestimmt werden.
12*
180 15. Festigkeit der Schaufelungen

In GI. (10) ist ferner angenommen, daß die Biegung um die Trägheitsachse 2 vom Deck-
band nicht beeinflußt werde, was berechtigt ist, da die Steifigkeit der Schaufel selbst
m dieser Richtung sehr viel größer ist. Werden z. B. nur drei Schaufeln zusammen-
C gebunden, so ist an sich weder GI. (11) noch GI. (12) anwend-
bar. In diesem Falle kann man sich folgendermaßen helfen.
Es sei zP die Schaufelzahl des Paketes. Dann trägt man gemäß
Abb. 4 die Größe 0 auf, nämlich 0 = 0 für die freie Schau-
fel (zp = 1), 0 nach GI. (12) für 1fzp = 0,5 und 0 nach Gl. (11)
0 1 t/zp für 1/zp = 1/ oo = 0. Mit der so erhaltenen Kurve läßt sich für
jedes Zp der 0-Wert angenähert angeben.
Abb.l5.4.4 Bestimmungdes Interessant ist auch der Grenzfall des völlig steifen Deck-
C-Wertes für ein Schaufel-
paket mit zP Schaufeln bandes, für welchen nach GI. (11) und (12) übereinstimmend
0 = x 1 /3 A1 gefunden wird. Da für verjüngte Schaufeln stets
x 1 < A1 , erreicht 0 offenbar den absolut größtmöglichen Wert 1/3 für die zylindrische
Schaufel mit starrem Deckband. Es ist in diesem Grenzfall
(13)
Die mögliche Herabsetzung der statischen Biegungsspannungen durch Deckbänder bleibt
daher praktisch immer relativ gering.
Nicht zu übersehen ist andererseits die Beanspruchung des Deckbandes selbst und
der Verbindung zwischen Schaufel und Deckband, die durch das Biegemoment M' ge-
geben ist. Im Deckband entsteht damit eine Biegungsspannung

(14)

wo Wa das Widerstandsmoment des Deckbandes ist. Weiter ist 1X ein allfälliger Form-
faktor, der von der geometrischen Gestalt der Verbindung zwischen Deckband und
Schaufel abhängt. Hier läßt sich M' vermöge GI. (5) durch M 1 r ausdrücken und dieses
wiederum durch abd, worauf GI. (14) übergeht in

(15)

Dabei ist 0* = 0/2 für das Paket mit vielen Schaufeln und 0* = 0 für Schaufelzwillinge;
a 1 ist der Abstand des Punktes, in dem ab 1 f auftritt, von der Hauptträgheitsachse 1.
Der ganze Ausdruck O*J 10 fWa a 1 hängt offensichtlich nur von der geometrischen Ge-
stalt der Anordnung ab und nicht von den absoluten Abmessungen. Das so bestimmte
a~a ist dem aus GI. 15.1 (16) berechneten aab zu überlagern.
Während die Übertragung des Momentes M' bzw. 2M' durch das Spitzenprofil der
Schaufel im allgemeinen keine Schwierigkeiten bereitet, können an Nietverbindungen
außerordentlich hohe Spannungen entstehen. Sie lassen sich in
gleicher Weise berechnen wie die Biegungsbeanspruchungen im
Deckband, d. h., es ist
C~o
abv = 1X - W ablf•
( 16)
va1

Hier ist wieder 1X der betreffende Formfaktor, der die Spannungs-


Abb.l5.4.5 konzentrationen berücksichtigt und Wv das Widerstandsmoment
Ausrundung der Wurzel
des Nietschaftes am des Verbindungselementes, also z. B. dasjenige des Nietschaftes
Deckband oder bei Vorhandensein mehrerer Nieten das gesamte Wider-
standsmoment aller ihrer Querschnitte. Zu diesem abv ist noch die
reine Zugspannung zu addieren, die durch die Fliehkraft des Deckbandes gegeben ist.
Der Krümmungsradius r am Übergang des Nietschaftes in das Schaufelblatt, vgl. Abb. 5,
sollte allermindestens 10% des Durchmessers d des Schaftes sein, wobei 1X die Größen-
ordnung 1,6 hat; besser ist ein wesentlich größerer Krümmungsradius (rjd = 0,25 gibt
15.4 Beanspruchung des Schaufelpaketes durch Strömungskräfte 181
rx ~ 1,3). - Eigentlich gilt Gl. (16) nur, wenn zwischen Deckband und Schaufelende
ein kleiner Spalt besteht, vgl. Abb. 6, denn nur dann muß der Nietschaftquerschnitt das
ganze Biegungsmoment übertragen. Es kann aber jederzeit durch herstellungsbedingte
Ungenauigkeiten eine Konfiguration entstehen, die der von Abb. 6
ähnlich ist, weshalb vorsichtigerweise nach Gl. (16) zu rechnen ist.
Die Nietverbindung zwischen Schaufel und Deckband ist oft-
mals die eigentliche Schwachstelle der Konstruktion, besonders
wenn infolge des Nietverfahrens noch eine örtliche Versprädung
des Werkstoffes auftritt. Dies ist um so gefährlicher, als zu der
vorerst behandelten rein statischen Beanspruchung noch eine
wesentliche Schwingungsbeanspruchung treten kann. Deshalb Abb.15.4.6
Spalt zwischen Deckband
sucht man dort, wo besonders schwierige Verhältnisse auftreten und Schaufeln gibt un-
(große Strömungskräfte, hohe Temperaturen), ohne Vernietung günstige Beanspruchung
auszukommen und verwendet z. B. Lösungen der in Abb. 15.1.8 des Nietschaftes
dargestellten Art. Eine andere Lösung besteht darin, die Schaufeln
zwar mit Zapfen zu versehen, die in entsprechende Löcher des Deckbandes hineinragen,
aber keine Vernietung vorzunehmen, sondern die über den Zapfen verbleibenden (also
von den Zapfen nicht ausgefüllten) Teile der Löcher mit Schweißmaterial auszufüllen.
So entsteht eine sehr gute Verbindung zwischen Zapfen und Deckband. Die Schaufelfüße
eines solchen Paketes werden vor dieser Operation durch Schweißen geheftet. Nach
Beendigung der Schweißarbeiten wird das Paket geglüht und dann fertig bearbeitet.
Bei schlanken Laufschaufeln und hohen Umfangsgeschwindigkeiten ist auch im Falle
des Schaufelpaketes die Rückwirkung des Fliehkraftfeldes auf die Verformung und
damit den Spannungszustand zu berücksichtigen. Dies kann in grundsätzlich gleicher
Weise geschehen wie in Abschn. 15.3 beschrieben, nur daß ein anderer Ansatz für die
elastische Linie gemacht werden muß. Diese muß einen Wendepunkt besitzen, da ja
das Biegemoment an der Schaufelspitze dem an der Schaufelwurzel entgegengesetzt ist.
Wir setzen anstelle der Gl. 15.3 (6)
ME (l)
y = -1 - -
JlO p
2
( 1-cos-.px)
l
(17)
Dabei wird in der Tat
y"(O) =~.
JlO E

und außerdem wird das Verhältnis der Momente an Schaufelspitze und Schaufelwurzel
offenbar richtig, wenn
0
cosp = -T="O
oder 0 .
p = arc cos ( - 1=0), (18)

und zwar gleichgültig, ob es sich um ein Paket mit vielen oder nur mit zwei Schäufeln
handelt; man hat nur das jeweils gültige 0 einzusetzen. Ausgehend vom Ansatz Gl. (17)
erhält man nach einer Rechnung, die derjenigen im vorangegangenen Abschnitt völlig
analog ist, folgendes: