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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Assessore all'Agricoltura, alle Foreste,


Tourismus und Bevölkerungsschutz al Turismo e alla Protezione civile

Frau Landtagspräsidentin
Rita Mattei
Bozen, 16.03.2022 Südtiroler Landtag
dokumente@landtag-bz.org
Bearbeitet von:

L. Abg.
Myriam Atz Tammerle
Sven Knoll
Süd-Tiroler Freiheit
Südtiroler Landtag
landtag@suedtiroler-freiheit.com

Beantwortung der Landtagsanfrage Nr. 2030-22: Blackout in Europa

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, sehr geehrte Landtagsabgeordnete,

in Beantwortung der obgenannten Anfrage kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:

Frage 1: Wie ist der Status der im Dokument „Verwundbarkeit und Resilienz der kritischen
Infrastrukturen in Südtirol Blackout Strategische Maßnahmen“ definierten Maßnahmen? Wir bitten
um die Übermittlung einer detaillierten Auflistung für jede im Dokument angeführte Maßnahme.
Erledigte Maßnahmen: Kartierung der bei Blackout sensiblen Einrichtungen und Infrastrukturen (M1-02-00) –
Die Agentur für Bevölkerungsschutz pflegt im Zivilschutzbrowser die Informationen über die sensiblen und
relevanten Einrichtungen.

Über eine Studie im Auftrag der Agentur für Bevölkerungsschutz an das Eurac -Institut für erneuerbare
Energie im Jahr 2020 wurden folgende Ergebnisse erreicht:

 Plan für ein unabhängiges Landesfunknetz (M2-01-00): in der Studie wurden die Eigenschaften in Bezug
auf der Resilienz auf Stromausfälle der Funkumsetzer erfasst und im Zivilschutzbrowser dargestellt.
Aufgrund dieser Informationen werden vom Landesfunkdienst Wartungsarbeiten durchgeführt. Die
Zusammenarbeit mit der EURAC, Institut für erneuerbare Energie bietet die Möglichkeit für zukünftige
Entwicklungen im Hinblick auf innovative Energielösungen für Funkumsetzer-Standorte.

 Dokumentation und Auswertung der Blackout-Auswirkungen (M4-01-00): Es wurde eine Schnittstelle


zwischen der Fernsteuerungszentrale von Edyna und dem Zivilschutzbrowser erarbeitet, um im Echtzeit
die Stromausfälle auf einer Karte darzustellen und mit einem Auswertungssystem die Autonomie von
relevanten und strategischen Einrichtungen in den evtl. betroffenen Gebieten abzuschätzen. Diese
Informationen fließen in Datenbanken für Planungs- und Auswertungszwecke.

Über eine weitere Studie im Auftrag der Agentur für Bevölkerungsschutz an der Eurac - Institut für
erneuerbare Energie im Jahr 2021 wurden folgende Ergebnisse erreicht:
 Kartierung der strategischen internen Brennstofflager der potenziell beteiligten Dienste
 Kartierung der Brennstoffkapazität der Tankstellen und der Heizöldepots in Südtirol
 Analyse des Kraftstoffbedarfs für die Rettungs- und Zivilschutzdienste in Südtirol

Landhaus 6 – Peter Brugger, Brennerstraße 6  39100 Bozen Palazzo 6 – Peter Brugger, via Brennero 6  39100 Bolzano
Tel. 0471 41 50 00  Fax 0471 41 51 99 Tel. 0471 41 50 00  Fax 0471 41 51 99
http://www.provinz.bz.it/schuler http://www.provincia.bz.it/schuler
lafoagrifor@pec.prov.bz.it lafoagrifor@pec.prov.bz.it
arnold.schuler@provinz.bz.it arnold.schuler@provincia.bz.it
Steuernr./Mwst.Nr. 00390090215 Codice fiscale/Partita Iva 00390090215
Prot. Datum | data prot. 17.03.2022 Prot. Nr. | n. prot. LTG_0001728 Prot. Typ | tipo prot. Eingang - entrata
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Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie können demnächst folgende Maßnahmen umgesetzt werden:
 Vereinbarungen mit Lieferanten und Tankstellen M2-02-00
 Brennstoffversorgungsplan M2-03-00

Über die Implementierung des Informationsverteilungssystems „Nowtice“, die Integration von Nowtice mit der
App Gem2Go des Gemeindenverbandes und der Weiterentwicklung der Social Media Kanäle der Agentur
für Bevölkerungsschutz im Rahmen des neuen Landeswarnsystems ab dem Jahr 2021 wurde eine wichtige
Ergänzung des Bevölkerungsinformationssystems erreicht. Diese Tätigkeiten werden in den nächsten
Jahren fortgesetzt. Über diese neuen Instrumente wurden u.a. folgende Maßnahmen erledigt:
 Harmonisierung der Verfahren M3-03-00 im Rahmen der Zivilschutzplanung
 Entwicklung innovativer Kanäle und Mittel zur Kommunikation mit der Bevölkerung M3-04-00
 Sensibilisierung der Institutionen, der Bevölkerung und des Privatsektors für das Blackout-Risiko zum
Zwecke der bestmöglichen Vorbereitung und der Resilienz der Gesellschaft M3-05-00

Über einen Abkommen zwischen Alperia und Agentur für Bevölkerungsschutz für die Zusammenarbeit im
Rahmen der Zivilschutztätigkeiten für die Jahre 2018-2023 wurden zahlreiche Maßnahmen geplant und u.a.
folgende Ergebnisse des Dokuments bereits erreicht:
 Austausch von Informationen und Daten zum Betrieb und zur Verwaltung von Anlagen sowie von
Prognosedaten (M3-08-00) wie z.B. Betrieb der Stauanlagen, der Stromausfälle
 Verbesserung der Kommunikationsnetze und -systeme zwischen Zivilschutzeinrichtungen und
Betreibern für den Blackout-Fall (M3-01-00) Alperia verfügt über TETRA-Funkgeräte, welche mit dem
Landesfunknetz kommunizieren können und im Katastrophenfall unabhängig von den Telefonnetzen die
Koordinierung der Einsätze gewährleisten können.
 M3-03-00 Harmonisierung der Verfahren

Laufende Maßnahmen: die folgenden Aktivitäten werden laufend durchgeführt und stellen keine
abgeschlossenen Projekte dar, sondern sind kontinuierliche Maßnahmen:
 M1-06-00 Schutzarbeiten und -bauten und M2-06-00 Vorbeugende Instandhaltungsarbeiten: die
Betreiber führen zahlreiche Tätigkeiten in Hinsicht auf die Resilienz der Stromversorgung durch, wie z.B.
den Bau einer neuen Hochspannungskabine mit Mesh-Netz für Krankenhaus Bozen, die
Spannungsänderungen mehrerer Spannungsleitungen auf den Standard 20kV (z.B. Ritten) für eine
gegenseitige Versorgung, die Wandlung von Freileitungen auf Erdleitungen zur Reduzierung von Risiken
durch Naturereignisse, und den Bau neuer Primärstationen zur Erhöhung der Redundanz und dazu eine
deutliche Zunahme von ferngesteuerten Sekundärstationen. Um die Freileitungen besser zu schützen
wird auch das Schneiden von Pflanzen besser koordiniert. Verschluss von Mesh-Netzen (z.B. Martelltal)
und den Ersatz von blanken Kabeln durch isolierte Kabel an Freileitungen.
 M2-04-00 Leuchtturm-System: Bei den vergangenen Stromausfällen wurden die Feuerwehrhäuser als
Bezugspunkt für die Bevölkerung hergenommen, die über das zuverlässige Landesfunknetz Notfälle und
Bedürfnisse melden können.
 M3-05-00 Sensibilisierung der Institutionen, der Bevölkerung und des Privatsektors für das Blackout-
Risiko zum Zwecke der bestmöglichen Vorbereitung und der Resilienz der Gesellschaft: die Organisation
von fachlich-wissenschaftlichen Veranstaltungen und Treffen, sowie die Zusammenarbeit im Rahmen des
Abkommens zwischen ALPERIA und Agentur für Bevölkerungsschutz, sowie die Bereitstellung von
Informationsmaterial zu den Verhaltensregeln im Blackout-Fall auf der Homepage der Agentur für
Bevölkerungsschutz sind nur einige der Initiativen für die Sensibilisierung zum Thema.
 M3-06-00 Vorbereitung und Schulung der Einsatzkräfte: Vorbereitung und Schulung der Einsatzkräfte
und M3-07-00 Regelmäßige Übungen werden in Zusammenarbeit zwischen den Betreibern und den
territorialen Einsatzkräften regelmäßig durchgeführt. Eine große Übung war für das Jahr 2020 geplant,
musste aber Aufgrund der COVID-Pandemie verschoben werden. Im Jahr 2021 hat die Agentur für
Bevölkerungsschutz mit einigen Techniker an der Blackout-Übung ENERGIE21 in Österreich
teilgenommen.
 M3-09-00 Pläne für den Betrieb der strategischen Dienste im Notfall: Die Aktivitäten konzentrieren sich
derzeit auf Zivilschutzdienste und Manager wesentlicher Dienste und demnächst werden andere
Interessengruppen auch miteinbezogen.

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Die folgenden Maßnahmen sind noch nicht gestartet, werden aber schrittweise in Angriff genommen:
 M1-03-00 Resilienz-Mindeststandards für kritische Infrastrukturen: werden Aufgrund der Ergebnisse der
durchgeführten und noch durzuführenden Studien demnächst definiert.
 M1-01-00 Förderung der Anpassung von strategischen Einrichtungen und Infrastrukturen: eine
Abschätzung für eine Norm wird nach der Definition der Standards (M1-03-00) möglich sein.
 M3-02-00 Handbuch zum Blackout-Risiko (Website, Broschüre …) ein Handbuch wird auf der Basis und
der Erfahrungen der geplanten Blackout Übung als Ergebnis erstellt.
 M1-04-00 Informationsvermittlung zur Reduzierung der Verwundbarkeit von Gebäuden kann nach der
Kampagne bezüglich Energie- und Umwelt angegangen werden.
 M2-07-00 Strategische Versorgung über die Müllverwertungsanlage: auf der Basis der aktuellen Lage ist
dieses Projekt nicht prioritär.
 M1-05-00 Ausschreibung von Preisen für Vorschläge zur Stärkung der Blackout-Resilienz kann bei einer
Veranstaltung wie der Fachmesse Civil Protect oder in den Schulen im Rahmen der Vereinbarung mit
Alperia demnächst organisiert werden, aber die Umsetzung ist derzeit nicht weiter konkret geplant.

Frage 2: Verfügt das Land Süd-Tirol über schwarzstartfähige Kraftwerke? Wenn Ja, welche sind es?
Laut Auskunft des Unternehmens „Alperia“ sind folgende Kraftwerke für einen sogenannten “Black Start”
seitens des staatlichen Hochspanungsnetzbetreibers Terna befähigt: Lappach, Bruneck, Naturns, St.
Walburg, Brixen und Kardaun.

Frage 3: Liegen der Landesregierung Zahlen bzw. Schätzungen vor, wie lange ein Netzaufbau nach
einem europaweiten Stromausfall in Süd-Tirol dauern würde?
„Edyna“ gibt hierzu folgende Informationen:
- Bei einem Netzaufbau nach einem europaweiten Stromausfall reden wir von Hochspannungs-Systemen,
weshalb diese Frage TERNA beantworten kann.
- Als Hinweis siehe den diesbezüglichen Plan von TERNA, veröffentlicht unter dem Titel “Piano di
rialimentazione e riaccensione del sistema elettrico nazionale”.
- Sowohl TERNA als auch der Referenzverteiler EDYNA sind vorbereitet und organisiert, um diese Pläne
im Ernstfall umzusetzen.

Frage 4: Im Falle eines europaweiten Stromausfalls, wie würde das Wiedereinschalt-Szenario in Süd-
Tirol aussehen? Kann durch die vielen Kraftwerke ein Inselnetz für die Bevölkerung aufgebaut oder
muss die Energie an andere Teile Italiens weitergeleitet werden?
Alperia verweist auf die erste Frage auf den in der vorherigen Antwort erwähnten Plan. In Bezug auf die
zweite Frage teilt Alperia mit, dass heutzutage das Hochspannungsnetz ein europäisch verknüpftes System
ist, nicht ein italienisches System und schon gar nicht ein autonomes System. Trotzdem kann bestätigt
werden, dass in einigen Zonen und Gebieten der Aufbau eines Inselnetzes möglich ist und dies in
Vergangenheit auch bereits erfolgreich getestet worden ist.

Frage 5: Kann Süd-Tirol im Falle eines europaweiten Blackouts selbst über seine Kraftwerke
verfügen oder obliegt das dem gesamtstaatlichen Übertragungsnetzbetreiber Terna?
Alperia teilt mit, dass die Kraftwerke in Südtirol, die von ihr betrieben werden, in der Verfügbarkeit von
Alperia sind. Alperia entscheidet, ob und wann diese Kraftwerke Strom erzeugen, nach technischen und
wirtschaftlichen Kriterien. Die Übertragung der erzeugten Energie erfolgt dann über die Netze des jeweiligen
Netzbetreibers, der dafür verantwortlich ist.

Frage 6: Hat die Landesregierung in nächster Zukunft Sensibilisierungskampagnen zum Thema


Stromausfall geplant? Wenn Nein, warum nicht?
Zu den Aufgaben der Agentur für Bevölkerungsschutz gehört es, das Bewusstsein und die Sensibilisierung
für die verschiedenen Risikohypothesen zu schärfen, einschließlich das Szenario Stromausfall. Auf der
Grundlage der Planung verschiedener lokaler und staatlicher Initiativen wird von der Agentur für
Bevölkerungsschutz das Programm der Sensibilisierungsaktivitäten regelmäßig evaluiert, es ist nicht
ausgeschlossen, dass es für diesen speziellen Fall in Verbindung mit der bereits geplanten, aber aus
COVID-Gründen verschobenen Zivilschutzübungen durchgeführt werden kann.

Frage 7: Gibt es in Süd-Tirol Gemeinden, in denen die Trinkwasserversorgung bei einem länger
andauernden Stromausfall nicht mehr funktionieren würden? Wenn Ja, um welche Gemeinde handelt

Prot. Datum | data prot. 17.03.2022 Prot. Nr. | n. prot. LTG_0001728 Prot. Typ | tipo prot. Eingang - entrata
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es sich?
Zu dieser Frage hat die Agentur für Bevölkerungsschutz keine Informationen.

Frage 8: Sind in Süd-Tirol in den nächsten Jahren ähnliche Übungen wie in Nord-Tirol zu einem
Blackout geplant?
Für das Jahr 2020 war eine Übung zum Thema Blackout geplant, die jedoch aufgrund von COVID auf einen
noch festzulegenden Termin verschoben werden musste. Umfang und Art der Übung, ob unter Einbindung
der Bevölkerung oder nur eventuell durch Einbindung der Einsatzkräfte, oder als reine
Kommunikationsübung, sowie das Referenzszenario oder der zeitliche Ablauf sind noch nicht festgelegt.
Sobald die Voraussetzungen gegeben sind, wird die Planungsphase der Übung unter Einbeziehung der
Interessierten gestartet. Um anlässlich der ENERGIE21-Übung in Nordtirol interessante Ideen zu sammeln,
nahmen Mitarbeiter der Agentur für Bevölkerungsschutz per Videokonferenz an der Übung teil und die
Agentur entsandte eine Delegation ihrer Techniker als Beobachter.

Mit freundlichen Grüßen

Der Landesrat
Arnold Schuler
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)

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