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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landeshauptmann Presidente della Provincia

Bozen, 08/04/2022 Frau L.Abg.


Myriam Atz Tammerle
Vorbereitet von:
Herrn L.Abg.
Sven Knoll
Südtiroler Landtag
Im Hause

Zur Kenntnis: Frau Präsidentin


Rita Mattei
Südtiroler Landtag

Im Hause

Antwort auf die schriftliche Anfrage Nr. 2069/22 vom 18.02.2022

Sehr geehrte Landtagsabgeordnete,

ich nehme hiermit Bezug auf die vorliegende Anfrage und teile Folgendes mit:

1. Wie viele Fälle von Endometriose gibt es in Süd-Tirol? Bitte um Mitteilung der Entwicklung in
den letzten zehn Jahren.
Die Inzidenz der Endometriose liegt in Europa bei ca. 10-12%. Es gibt keine offizielle Statistik für Süd-
tirol. In den letzten 10 Jahren haben sich die Inzidenzzahlen kaum verändert.

2. Welche medizinischen und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Ärzte, Physio- oder


Ergotherapie, Ernährungsberatung, Psychologische Betreuung, …) von Endometriose gibt es in
Süd-Tirol?
In Südtirol können den von Endometriose betroffenen Patientinnen folgende therapeutischen
Maßnahmen angeboten werden: Ärztliche Therapien (Operationen oder medikamentöse - konservative
Therapien), Physiotherapie, Ernährungstherapie, psychologische Betreuung,
komplementärmedizinische Behandlungen, Behandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch von der
einfachen Zykluskontrolle bis zur In Vitro Fertilisation.

3. Welche Anlaufstellen (Verband oder Vereinigung, Anwälte, …) stehen den Endometriose- Be-
troffenen in Süd-Tirol zur Verfügung? Bitte um Auflistung nach Sprachzugehörigkeit?
Anlaufstellen sind in überwiegendem Maße die gynäkologischen Ambulanzen der sieben
Krankenhäuser, die Ambulatorien der territorialen Dienste sowie die niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzte.

4. Werden die diagnostizierten „Endometriosen“ in Süd-Tirol nach Schweregrade eingeteilt? Wenn


ja, bitte um nähere Erläuterung der Klassifikationskriterien, sowie der Anzahl der Betroffenen
nach Einteilung der Schweregrade. Wenn nein, warum nicht?
Die diagnostizierten Endometriosen werden in Südtirol nach international anerkannten Klassifikationen
eingeteilt. Stadieneinteilung nach ASRM (American Society of Reproductive Medicine) und dem
ENZIAN Scoringsystem für die tief infiltrierende Endometriose. Verteilung der Patientinnen nach
Schweregraden: ca. 20 % Stadium I-II, ca. 80% Stadium III-IV.

5. Wie viele Frauen in Süd-Tirol können aufgrund der Krankheit „überhaupt nicht“ oder nur „einge-
schränkt“ einer Arbeit nachgehen?
Relevante, überprüfbare Daten zu dieser Frage liegen nicht vor. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
liegt aber gemäß Aussage der Experten des Sanitätsbetriebes nach sehr selten (unter einem Prozent)
vor. Teilweise Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (Abwesenheit von der Arbeit wegen Schmerzen,

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Tel. 0471 41 22 22  Fax 0471 41 22 99 Tel. 0471 41 22 22  Fax 0471 41 22 99
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Durchführung von Behandlungen) aber bei einem bedeutend höherem Anteil der betroffenen Frauen
(ca. 30 %).

6. Welche Möglichkeiten stehen diesen Betroffenen derzeit zur Verfügung, um dennoch finanzielle
Einkünfte von öffentlicher Hand zu erhalten?
Im Gesundheitsbereich ist für diese Patientengruppe kein Beitrag vorgesehen.

7. Verfügt Süd-Tirol über die Kompetenz, die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit di-
agnostizierte Endometriose-Fälle als „Behinderung“ anerkannt werden können, um den betroffe-
nen Frauen in Süd-Tirol – ähnlich dem Modell in Deutschland – finanzielle Unterstützungen (Zi-
vilinvalidität) zukommen zu lassen?
Die Bewertung des Grades der Zivilinvalidität wird derzeit durch das Ministerialdekret des
Gesundheitsministeriums vom 5. Februar 1992 „Genehmigung der neuen Tabelle, welche die
Invaliditätsgrade für Behinderte und für Invalidität verursachenden Erkrankungen enthält“ (veröffentlicht
im Amtsblatt vom 26. Februar 1992, Nr. 47) geregelt. Auf Landesebene wird die Anerkennung der
Zivilinvalidität vom Dienst für Rechtsmedizin des Südtiroler Sanitätsbetriebes festgestellt. Auch die
Festellung der Behinderung laut Gesetz vom 5. Februar 1992, Nr. 104, erfolgt beim Dienst für
Rechtsmedizin des Südtiroler Sanitätsbetriebes durch die ärztlichen Kommissionen laut Artikel 1 des
Gesetzes vom 15. Oktober 1990, Nr. 295. Die finanziellen Leistungen für Zivilinvaliden, die von der
rechtsmedizinischen Ärztekommission als solche anerkannt sind, werden von der „ASWE - Agentur für
soziale und wirtschaftliche Entwicklung“ gewährt. Somit ist es derzeit nicht möglich, Leistungen für Formen
der zivilen Invalidität zu gewähren, die nicht in der Ministerialtabelle enthalten sind.

8. Wenn ja, über welche Art von Gesetz kann dies geregelt werden (Landesgesetz, Beschluss der
Landesregierung, …)?
Es handelt sich um eine Zuständigkeit im Bereich Gesundheit, wofür das Land keine primäre Kompetenz
hat.

9. Wenn ja, bis wann kann man mit der Einführung der dementsprechenden gesetzlichen Voraus-
setzungen rechnen?
Es handelt sich um eine Zuständigkeit im Bereich Gesundheit, wofür das Land keine primäre Kompetenz
hat.

Mit freundlichen Grüßen

Arno Kompatscher
Landeshauptmann
(mit digitaler Unterschrift unterzeichnet)
Firmato digitalmente da: Arno Kompatscher
Data: 08/04/2022 16:42:10

Prot. Datum | data prot. 11.04.2022 Prot. Nr. | n. prot. LTG_0002313 Prot. Typ | tipo prot. Eingang - entrata

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