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Inhalte Modul

Gewerbeordnung
Betriebsanlagengenehmigung
Umwelthaftung
Umweltstrafrecht

Modul: Gewerbeordnung Chart 1

Gewerbeordnung
Die Gewerbeordnung ist der zentrale Bezugspunkt für
das umweltbezogene Genehmigungsrecht.

… regelt vordergründig den Berufszugang (z.B. Befähigungsnachweise etc.)

… zusätzlich regelt sie auch folgende Bereiche:


Wann braucht eine „Betriebsanlage“ eine Genehmigung?
Was soll Inhalt dieser Genehmigung sein?
Wer hat bei der Erteilung der Genehmigung ein Mitspracherecht?
Welche Bedingungen müssen vorliegen, um eine „alte“ Anlage „sanieren“ zu müssen?
Welche Überwachungspflichten sind einzuhalten (Eigenüberwachung)?
Was passiert bei Schließung der Anlage durch den Betreiber?

Modul: Gewerbeordnung Chart 2

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Sonderanlagenrechte
Für bestimmte Anlagen wurden ähnlich der
Gewerbeordnung Sonderrechte geschaffen:

Wasserrechtsgesetz
Abfallwirtschaftsgesetz
Immissionsschutzgesetz
Emissionsschutzgesetz für Kesselanlagen
Mineralrohstoffgesetz
Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz
usw.

Modul: Gewerbeordnung Chart 3

Betriebsanlagenrecht der GewO

Materielle Bestimmungen: §§74 bis 83

Verfahrensbestimmungen: §§ 353 bis 360

Geltungsbereich: nur gewerbliche Betriebsanlagen


Nicht-gewerbliche Betriebsanlagen (z.B. kommunale, vom Land, von einem
Gemeindeeverband betriebene Anlagen): andere Gesetze

Zuständige Behörde: Bezirkshauptmannschaft (BH) bzw. Magistrat in Städten


mit eigenem Statut

Für Berufungen gegen den Genehmigungsbescheid ist das


Landesverwaltungsgericht des jeweiligen Bundeslandes zuständig

Modul: Gewerbeordnung Chart 4

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Wann benötige ich eine Betriebsanlagengenehmigung?

Grundsätzlich wenn sie geeignet ist, wegen Verwendung von


Maschinen und Geräten, wegen ihrer Betriebsweise, wegen
ihrer Ausstattung oder sonstigem
Leben oder Gesundheit von Menschen oder Eigentum oder
sonstige dingliche Rechte von Nachbarn zu gefährden, die
Nachbarn durch Geruch, Lärm, Rauch, Staub, Erschütterungen
oder in anderer Weise zu belästigen …

Modul: Gewerbeordnung Chart 5

Arten von Betriebsanlagengenehmigungen


Abhängig von Anlagenart und Anlagengröße
Reguläres Verfahren (§ 74 ff GewO)
Vereinfachtes Verfahren (§ 359b GewO)
IPPC – Verfahren (Sonderbestimmungen)
Zusatzbestimmungen für gefahrengeneigte Anlagen
(sog. „Seveso“ – Betriebe)
UVP-Pflicht

Unterscheidung zwischen
Erstgenehmigung (neuer Betrieb)
und
Änderungsgenehmigung (bei Betriebserweiterung oder
grundlegender Umgestaltung/Modernisierung)

Modul: Gewerbeordnung Chart 6

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§ 365b Gewerbeordnung

regelt Konzept der Mitanwendung von anderen


Genehmigungsvorschriften
gesonderte Genehmigungen nach anderen Bundesvorschriften
entfallen → diese Vorschriften sind aber inhaltlich anzuwenden
und im Genehmigungsbescheid allenfalls als erforderliche
Auflagen vorzuschreiben
Landesgenehmigungen und Baurecht (Gemeinde) bleiben davon
unberührt → Verpflichtung zur „Koordination“ der Verfahren

Ausnahmen für bestimmte wasserrechtliche Bewilligungspflichten

Modul: Gewerbeordnung Chart 7

Was gehört zum Genehmigungsansuchen?

Ansuchen und Beilagen


Beilagen - Vierfach:
eine Betriebsbeschreibung einschließlich eines Verzeichnisses
der Maschinen und sonstigen Betriebseinrichtungen,
die erforderlichen Pläne und Skizzen,
ein Abfallwirtschaftskonzept
Beilagen - Einfach:
Zu erwartende Emissionen
Liste der Anrainer (Achtung bei WEG!)
Unterlagen, die zur Beurteilung der Betriebsanlage nach
anderen Rechtsvorschriften zu berücksichtigen sind
(Details siehe nachfolgende Folien)

Modul: Gewerbeordnung Chart 8

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Was gehört zum Genehmigungsansuchen?
nicht unter Z 1 fallende für die Beurteilung des Projekts und
der zu erwartenden Emissionen der Anlage im
Ermittlungsverfahren erforderliche technischen Unterlagen
sowie
sofern es sich nicht um ein Ansuchen betreffend die
Genehmigung eines Gasflächenversorgungsleitungsnetzes oder
eines Fernwärmeleitungsnetzes handelt, die sich aus dem zum
Zeitpunkt der Antragstellung aktuellen Grundbuchstand
ergebenden Namen und Anschriften des Eigentümers des
Betriebsgrundstücks und der Eigentümer der an dieses
Grundstück unmittelbar angrenzenden Grundstücke; wenn
diese Eigentümer Wohnungseigentümer im Sinne des
Wohnungseigentumsgesetzes 2002 - WEG 2002, BGBl. I Nr.
70/2002, in der jeweils geltenden Fasssung, sind, die Namen
und Anschriften des jeweiligen Verwalters (§§ 19 ff WEG
2002)
Modul: Gewerbeordnung Chart 9

Was gehört zum Genehmigungsansuchen?


in einfacher Ausfertigung die zur Beurteilung des Schutzes
jener Interessen erforderlichen Unterlagen, die die Behörde
nach anderen Rechtsvorschriften im Verfahren zur
Genehmigung der Betriebsanlage mitzuberücksichtigen hat.

Modul: Gewerbeordnung Chart 10

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Was gehört zum Genehmigungsansuchen?
Die Mitanwendung der Bestimmungen des Wasserrechtsgesetzes 1959 -
WRG 1959, BGBl. Nr. 215, in der jeweils geltenden Fassung, bezieht sich
auf folgende mit Errichtung, Betrieb oder Änderung der Betriebsanlage
verbundene Maßnahmen: (§ 356b GewO):
Wasserentnahme für Feuerlöschzwecke
Erd- und Wasserwärmepumpen
Abwassereinleitungen in Gewässer, ausgenommen Abwasser-
einleitungen aus Anlagen zur Behandlung der in einer öffentlichen
Kanalisation gesammelten Abwässer
Lagerung von Stoffen, die zur Folge haben, dass durch Eindringen
(Versickern) von Stoffen in den Boden das Grundwasser
verunreinigt wird
Abwassereinleitungen in wasserrechtlich bewilligte Kanalisations-
anlagen (§ 32b WRG 1959);
Beseitigung von Dach-, Parkplatz- und Straßenwässern.

Modul: Gewerbeordnung Chart 11

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Was gehört zum Genehmigungsansuchen?

Sonderbestimmungen
„IPPC-Anlagen“ = §353a GewO
Zusätzliche Angaben zu den „Umweltauswirkungen“ der
BA, insb. Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen
„Seveso-II-Betriebsanlagen“ = Abschn. 8a GewO
Zusätzliche „Sicherheitsdokumentation“
(jedoch keine Genehmigungsvoraussetzung)
Treibhausgasemissionen
Sonderbestimmungen des EZG (insb. Beschreibung der
Tätigkeiten und Emissionen, beabsichtigte Überwachung)

Modul: Gewerbeordnung Chart 12

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Nachbarn und Anrainer

Nachbarn
im Sinne dieses Bundesgesetzes sind alle Personen, die durch die
Errichtung, den Bestand oder den Betrieb einer Betriebsanlage
gefährdet oder belästigt oder deren Eigentum oder sonstige
dingliche Rechte gefährdet werden könnten. (§75 Abs 2 GewO)
Anrainer
Eigentümer jener Grundstücke, die an das BA-Grundstück
unmittelbar angrenzen (auch Wohnungseigentümer nach WEG =
jeweiliger Verwalter) (§353 Z 2 lit b)
Unterschied
Anrainer hat Anspruch auf persönliche Ladung

Beide werden erst durch Erhebung von (tauglichen) Einwendungen zu


Verfahrensparteien.

Modul: Gewerbeordnung Chart 13

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Das erstinstanzliche
Genehmigungsverfahren

Modul: Gewerbeordnung Chart 14

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Eingriff durch Behörde in den laufenden Betrieb

In Österreich werden Betriebsanlagenbewilligungen


grundsätzlich unbefristet erteilt
(in manchen Ländern hingegen gibt es nur befristete Bewilligungen)

Möglichkeit der Behörde, in „laufenden“ Betrieb


einzugreifen,…
Behörde kann nachträglich Auflagen vorschreiben (§ 79),
allenfalls auch auf Antrag von Nachbarn (§ 79a)
Anpassung an den Stand der Technik bei IPPC-Anlagen (§ 81b)
Erzwingung der Einhaltung der Auflagen bis hin zur
Betriebsschließung (§ 360 GewO)
Verwaltungsstrafen

Modul: Gewerbeordnung Chart 15

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Eingriff durch Behörde in den laufenden Betrieb

Bei Betriebsanlagen ist ein kontinuierliches Anpassen


vorgesehen.

„Stand der Technik“


oder
Regelmäßige Überprüfungen aufgrund der Bescheide

Modul: Gewerbeordnung Chart 16

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Verwaltungsstrafen
Verhängung möglich, wenn…

eine bewilligungspflichtige Anlage ohne


Betriebsanlagengenehmigung betrieben wird

genehmigungspflichtige Änderungen und/oder Erweiterungen einer


genehmigten Betriebsanlage ohne Genehmigung erfolgen

im Genehmigungsbescheid vorgeschriebene Auflagen nicht


eingehalten werden

Prüfbescheinigungen im Rahmen der Eigenüberwachung


(wiederkehrende Überprüfungen) nicht vorgelegt werden

Modul: Gewerbeordnung Chart 17

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Schließung der Anlage

Die Behörde kann die Stilllegung einzelner Maschinen, die


Schließung von Anlagenteilen oder die Schließung des gesamten
Betriebes verfügen (§ 360 GewO) →
wenn behördliche Anordnungen nicht befolgt werden
Beabsichtigt der Betriebsinhaber die Anlage aufzulassen, so hat
er entsprechende Vorkehrungen gegen Belästigungen und
Gefährdungen der Umwelt und der Anrainer zu treffen und
diese der Behörde anzuzeigen. Reichen diese Vorkehrungen
nicht aus, hat die Behörde entsprechende Vorkehrungen mit
Bescheid aufzutragen.
Hinweis: bei Konkurs des Betreibers (dieser haftet primär) gibt es
eine subsidiäre Haftung des Grundeigentümers (genau festgelegt
wann dies der Fall ist)

Modul: Gewerbeordnung Chart 18

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Umwelthaftung

Nicht Bestrafung des Täters, sondern Schadensersatz für


verursachte Schäden steht im Vordergrund

2 Arten:
 zivilrechtliche Umwelthaftung (in Österreich im Atomhaftungsgesetz
oder im Gentechnikgesetz umgesetzt, Teilbereiche werden auch
aufgrund der Judikatur zum Schadenersatzrecht des ABGB
abgedeckt)
 Verwaltungsrechtliche Kostentragungspflicht (die
Verwaltungsbehörde trägt dem Verursacher die entstanden Kosten
der Schadensbeseitigung auf)

Modul: Gewerbeordnung Chart 19

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Umwelthaftung
EU Richtlinie 2004/35 über Umwelthaftung und zur Vermeidung
und Sanierung von Umweltschäden:
Umgesetzt in Österreich durch das Bundesumwelthaftungsgesetz
und Gesetze der Bundesländer

Abgedeckt werden drei Arten von Schäden:


Schäden an Gewässern
Schäden am Boden
Schäden an geschützten Arten und Lebensräumen
(z.B. Nationalparks, Naturschutzgebiete)

Es gibt relativ wenige Fälle der Umwelthaftung in Österreich, da von


Industrieanlagen verursachte klassische Umweltschäden selten sind.

Modul: Gewerbeordnung Chart 20

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Umweltstrafrecht

§ 180 bis 183b des Strafgesetzbuches (StrGB)

Seit kurzem auch einschlägige EU Richtlinie:


RL 2008/99/EC über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt

nur geringe Zahl von Verurteilungen in Österreich – die meisten


Probleme werden mit Mitteln des Verwaltungsstrafrechts gelöst
(z.B. Verwaltungsstrafen nach der GewO oder dem AWG)

Präventivwirkung des Justizstrafrechts aber wichtig!

Modul: Gewerbeordnung Chart 21

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Umweltstrafrecht
Vorsätzliche Beeinträchtigung der Umwelt
§ 180. (1) Wer entgegen einer Rechtsvorschrift oder einem behördlichen
Auftrag ein Gewässer, den Boden oder die Luft so verunreinigt oder sonst
beeinträchtigt, dass dadurch
1. eine Gefahr für das Leben oder einer schweren Körperverletzung
(§ 84 Abs. 1) eines anderen oder sonst für die Gesundheit oder
körperliche Sicherheit einer größeren Zahl von Menschen,
2. eine Gefahr für den Tier- oder Pflanzenbestand in erheblichem Ausmaß,
3. eine lange Zeit andauernde Verschlechterung des Zustands eines
Gewässers, des Bodens oder der Luft oder
4. ein Beseitigungsaufwand oder sonst ein Schaden an einer fremden Sache,
an einem unter Denkmalschutz stehenden Gegenstand oder an einem
Naturdenkmal, der 50 000 Euro übersteigt, entstehen kann, ist mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen

Modul: Gewerbeordnung
Betriebsanlagenrecht Chart 22

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Umweltstrafrecht
Fahrlässige Beeinträchtigung der Umwelt
§ 181. (1) Wer fahrlässig entgegen einer Rechtsvorschrift oder
einem behördlichen Auftrag eine der im § 180 mit Strafe
bedrohten Handlungen begeht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu
einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu
bestrafen.

Modul: Gewerbeordnung Chart 23

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