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ka’ Dinosaurier BAND 15 ‘Auch heute noch, mehr als 150 Jahre nach den fersten Knochenfunden, beschattigen die Dinosaurier die .schrecklch groBen Echsen”, die Phantasie Vieler Menschen. Der Autor dieses WAS IST WAS-Buches Joachim ‘Oppermann, Mitarbeter am weltbekannten Beriner ‘Museum fi Naturkund, 2eichnet wissensohaftich fundiert den Entwickiungsweg der Dinasaurier nach. interessant cezahit er yon den fesigen Pfianzentressern, den zweibeinig leufenden Réubern, den VogeltuB-, Stachel, Panzer- und Horndinosauriern und schieBlich von Untergang dieser fasziniorenden Tere vor 65 Millonen Jahren, die aber in ihren Nachfahren, den heutigen VOgeln, weiterleben, In dieser Reihe sind bisher erschienen: Band 1 Unsere Erde Band 82 Meereskunde Band 66 Berihmte Arzte Band 2 Der Mensch Band 33 Pilze, Moose und Fame Band 67 Die Vélkerwanderung Band 3 Atomenergie Band 34 Wasten Band 68 Natur Band 4 Chemie Band 35 Erfindungen Band 69 Fossilien Band 5 Entdecker Band 36 Polargebiete Band 70 Das Alte Agypten Band. 6 Die Sterne Band 37 Computer und Roboter Band 71 Seerauber Band 7 Das Wetter Band 38 Prahistorische Saugetiere Band 72 Heimtiere Band 8 Das Mikroskop Band 39 Magnetismus Band 73 Spinnen Band 9 Der Urmensch Band 40 Végel Band 74 Naturkatastrophen Band 10 Fliegerel und Luftfahrt Band 41 Fische Band 75 Fahnen und Flaggen Band 11 Hunde Band 42 Indianer Band 76 Die Sonne Band 12 Mathematik Band 43 Schmettertinge Band 77 Tierwanderungen Band 13 Wilde Tiere Band 44 Das Alte Testament Band 78 Manzen und Geld Band 14 Versunkene Stadte Band 45 Mineralien und Gesteine Band 79 Moderne Physik Band 15 Dinosaurier Band 46 Mechanik Band 80 Tiere - wie sie sehen, Band 16 Planeten und Raumfahrt Band 47 Elektronik hhéren und fihen Band 17 Licht und Farbe Band 48 Luft und Wasser Band 81 Die Sieben Weltwunder Band 18 Der Wilde Westen Band 49 Leichtathletik Band 82 Gladiatoren Band 19 Bienen und Ameisen Band 50 Unser Kérper Band 83 Héhlen Band 20 Reptilien und Amphibien Band 51 Muscheln und Schnecken Band 84 Mumien Band 21 Der Mond Band 2 Briefmarken Band 85 Wale und Delphine Band 22 Die Zeit Band 53 Das Auto Band 86 Elefanten Band 23 Von der Hohle bis Band 64 Die Eisenbahn Band 87 Tirme zum Wolkenkratzer Band 55 Das Alte Rom Band 88 Ritter, Bandi 24 Elektrizitat Band 56 Ausgestorbene Tiere Band 89 Menschenaffen Band 25 Vom Einbaum zum, Band 57 Vulkane Band 90 Der Regenwald ‘Atomschiff Band 58 Die Wikinger Bandi 91 Briicken Band 26 Wilde Blumen Band 59 Katzen Band 92 Papageien und Sittiche Band 27 Plerde Band 60 Die Kreuzziige Band 98 Olympia Band 28 Die Welt des Schalls Band 61 Pyramiden Band 94 Samurai Band 29 Berithmte Wissenschafftler Band 62 Die Germanen Band 95 Haie und Rochen Band 20 Insekten ‘Band 63 Foto und Film Band 96 Schatzsuche Band 31 Baume Band 64 Die Alten Griechen Band 97 Hexen und Hexenwahn Band 65 Die Eiszeit Tessloff Verlag Dinosaurier Von Joachim Oppermann lustriert von Manfred Rohrbeck Das grote volistandige Skelett eines Riesendino- sauriers wurde 1910 in Ostajrika freigelegt und im Berliner Museum fiir Naturkunde aujgestelt, TessloffDVerlag ‘Vorwort Dinosaurier — von diesem Begriff geht eine groBe Faszination aus, und fiir die meisten Menschen verbindet sich damit die Vorstel- lung von urzeitlichen Riesentieren mit unglaublichen Eigenschaften, Phantasie- volle Zeitungsberichte, grellbunte Lebens- bilder und spektakuldre Ausstellungen mit beweglichen, briillenden Dinosaurier- Robotern vermitteln immer farbigere Ein- driicke von der Vielfalt dieser Tiere Doch die letzten Dinosaurier starben vor 65 Millionen Jahren aus, und niemand hat sie lebend gesehen, niemand kann guten Gewissens ihre Farbung schildern oder die Zusammensetzung ihrer Nahrung angeben. Erhalten blieben nur wenige K6rperreste und Spuren: versteinerte Knochen und Eier, Fu- und Hautab- driicke. Trotz geduldiger ,kriminalistischer* Forschungsarbeit haben wir noch immer sehr liickenhafte Kenntnisse tiber die Dinosaurier und ihre Welt. Das Bemiihen, die Liicken in diesem Bild durch Erkla- rungsversuche und neue Theorien zu schlieBen, erfordert gleichermaBen Phan- tasie und Vorsicht. Schon oft muBten frihere Vermutungen aufgrund neuer Funde berichtigt werden. So haben gerade in den letzten 10 Jahren zahlreiche Entdeckungen das Mosaikbild von der Dinosaurierwelt deutlich verandert und erganzt, Dieses WAS IST WAS-Buch erzahit von der Herkunft, dem Aussehen und der Lebensweise von Uber sechzig der bekanntesten Dinosaurier-Arten. Darliber hinaus findet der interessierte Leser am SchluB des Buches Hinweise fair Begegnungen mit Dinosauriern in Deutsch- land, Osterreich und in der Schweiz. WAS IST WAS, Band 15 18 Dieses Buch ist auf chorrel gebleichtam Papior gosruskt Bidquellennachwls Fotos: Bayer Stastssammiung hr Palgortologe und hist Goclogia, Munchen: 8.6 Dr. Jochen Hams, Bern §, 51: Dr Martin Lockey, Unveaty of Colorado a! Denvar § 21 ‘Museum for Netrkunge, Bern: &. 1,0, 20, 46; Natural History Museum London: S. 8 m, 29, 34 u, 36: ‘ovoat Photo Library Landon” S40 Umecalagfoto: Dr Jochen Helms, Borin; lhustraonen: Mantes Rohroeck, Magdeburg Copyright © 1900 Tesslot Varing Niensera Die Verbratung dieses Buches ager von Tilo daraue dure Fim, Funk oder Fernsehen, ‘dor Nachdruck oder ci femechansche Wiedargabe sind nur mit Genenmigung des Tessbot Velages gestalt ISBN 2.7600-0255-4 Inhalt Eine kurze Fundgeschichte Waren die Drachen der Marchen und Mythen Saurier? 4 Wann wurden Dinosaurierknochen als solche erkannt? 4 Was blieb von den Dinosauriern erhalten? «6 Warum haben die Dinosaurier so seltsame Namen? 7 Wo tberall wurden Dinosaurier gefunden? 7 Das Zeitalter der Dinosaurier Wer waren die Dinosaurier? 8 Von wem stammen die Dinosaurier ab? 9 Wie viele Dinosaurier-Arten sind bekannt? 9 Welche Dinosaurier-Gruppen gab es? " Wann lebten die ersten Dinosaurier? 12 ‘Wann lebten die gréBten Dinosaurier? 12 Wann lebten die letzten Dinosaurier? 13 Pflanzenfressende Riesendinosaurier War Plateosaurus der erste Riesen- dinosaurier? 14 Was ist typisch fiir Riesendinosaurier? 14 Wie unterscheiden sich die Riesen- dinosaurier? 15 Was fraBen die Riesendinosaurier? 16 Hatten die Riesendinosaurier Feinde? 17 Furchterregende Raubdinosaurier Wer waren die gréBten Fleischfresser? 18 Wie jagten die Kleinen Raubdinosaurier? 20 ‘War der Urvogel ein Kleiner Raub- dinosaurier? 20 Warum hatte die Vogelechse besonders groBe Augen? 22 ‘Was wissen wit von den StrauBdinosauriern? 22 Wovon emahrte sich der Eierdieb? 23 ‘Wer totete wen? 23 Wie jagte Schreckenskiaue? 24 Wer war der Riese mit der schrecklichen Hand? 25 Erbeutete Baryonyx Fische? 25 Die merkwiirdigen VogelfuRdinosaurier Wie gro8 wurden die VogelfuBdinosaurier? Wie schnell waren die Gazellendinosaurier? Wer ist der bekannteste Schnabel- dinosaurier? Woran erkennt man einen Entenschnabel- dinosaurier? Welche Dinosaurier hatten die dicksten Schadel? Mit H6rnern, Stacheln und Panzern Wozu diente der Papageischnabel? Wie verteidigte sich Protoceratops? Wie viele Hérner hatten die Horndinosaurier? Wie schitzten sich die Stacheldinosaurier? Waren die Panzerdinosaurier unverwundbar? Allgemeine Merkmale der Dinosaurier Wie sah die Haut der Dinosaurier aus? Brauchten die Dinosaurier zwei Gehirne? Hatten Dinosaurier eine Stimme? Wie schnell konnten Dinosaurier laufen? Waren Dinosaurier Warmbiiiter? Wie sahen die Eier aus? ‘Wurden die Jungtiere betreut? Lebten Dinosaurier in Herden? Wie alt wurden Dinosaurier? Die anderen Saurier ‘Wer zahit zu den Sauriern? Gab es vor den Dinosauriern andere Saurier? Welche Saurier konnten fliegen? Wie sahen die Meeressaurier aus? Vom Untergang der Dinosaurier Wann starben die Dinosaurier aus? Warum starben die Dinosaurier aus? Haben die Dinosaurier Nachfahren? Besucht die Dinosaurier! Wo wurden in Mitteleuropa Dinosaurier gefunden? In welchen Museen sind Dinosaurier ausgestellt? 26 26 ar 28 30 30 31 32 34 36 36 37 88888 a“ 42 42 44 45, 46 46 48 49 49 Eine kurze Fundgeschichte Aber der alte Drache schoB aus sei- nem verfluch- Waren die ten Rachen Drachen der | tiber den Hel- Marchen und | den Siegfried Mythen Saurier?| die Flam- men. Uber- dies brauchte sich der Drache seines gewaltigen Schwanzes mit solcher List, daB er den Ritter zum éfteren dar- ein flocht..." heiBt es in der Siegfriedsage des Nibelungenliedes. Sind solche Dra- chen der Sagen und Marchen aus aller Welt reine Phantasiegebilde, oder gab es dafir Vorbilder? Kénnten es ausge- schmickte Berichte Uber Dinosaurier sein? Heute ist klar, daB ein Mensch niemals le- bende Dinosaurier gesehen haben kann. Aber seit es Menschen gibt, werden sie gelegentlich auf die versteinerten Reste ihnen_unbekannter _riesi- ger Tiere gestoBen sein. Darunter waren sicher ‘auch Dinosaurierknochen und -zahne. Die unge- wohnlich groBen und fremd- artigen Fundstiicke ldsten Erstaunen, Angst und Fra- gen aus. Stammten sie von Tieren oder Gdttern? Waren sie Beweise fur den groBen genschaften ausgestattet, teils mit de- nen lebender Tiere, teils mit den Eigen- mit den erst spater ge- nauer bekannten Dino- sauriern haben, ist ein Um 1820 erregten Funde von gro- Ben verstei- nerten Zahnen und Knochen das Interesse englischer und franzésischer Forscher. Ihnen wurde allmahlich klar, daB sie von ungewdhnlich groBen Echsen, also Reptilien stammen muBten, die vor langer Zeit gelebt hatten. Wann wurden Dinosaurier- knochen als solche erkannt? Kampf mit dem Drachen: Diese tiber 300 aiue alte Darsietleng ist aber kein Beweis fur Dinosaurier Der englische Arzt Parkinson bezeichnete 1822 ein Fundstiick in der Sammlung des Geologen Buckland als Megalosaurus (GroBechse). Buckland selbst nahm 1824 die wissenschaftliche Benennung und Be- schreibung vor. Damit war zum ersten Mal ein Dinosaurier als solcher erkannt und zu- treffend benannt worden. Die zweite aufsehenerregende Meldung folgte 1825 durch den englischen Arzt Man- tell. Seine Frau Mary hatte 3 Jahre zuvor in einem Stein am StraBenrand 4 bis 5 Zenti- meter groBe Zahne entdeckt. In dem nahe gelegenen Steinbruch fanden sich weitere Zane und versteinerte Knochen. Da die Zane in ihrer Form denen eines Leguans einer Echse Miltel- und Stidamerikas, gli chen, bezeichnete Mantell das neuent- ERSTE FUND Das Unterkioferoruchstick von Megalosaurus, ‘Owens erste Rokonstruktionszeichnung von autor (hier von fyrannosaurus) zeigten, daB Megalo- ‘saurus aut «den Hinter- beinen gelaulen sein mus. Megalosaurus rach noutigor Auflassung, deckte Tier als Iguanodon oder Leguan- zahn (s. S. 27). Nach weiteren Dinosaurie-Funden in Eng- land stieB man 1837 auch in Deutschland, in der Nahe von Nimberg, auf Knochen einer Dinosaurier-Art, die Professor Her- mann von Meyer Plateosaurus oder Flach- echse nannte. Keinem Forscher war bis dahin bewuBt, daB die neuentdeckten, aber nur bruchstiickhaft bekannten Tiere zu einem eigenstandigen Reptilien-Typ ge- héren kénnten. Erst nach volistandigeren Funden erkannte dies Professor Richard Owen in London. Deshalb schlug er 1841 vor, alle Vertreter dieser Reptiliengruppe Di- nosaurier, was Schreckensechsen oder schrecklich groBe Echsen bedeutet, zu nennen. STUCKE UND VORSTELLUNGEN VON DINOSAURIERN Ein Zahn und Mantels erste Fokonstruktions: Zeichnung von Iguanodon, ln Tell der Witbelsavle Die erste plastische Rekonstruktion von Iguanodon. Vollstandige Skeletunde zeigten s Spéter, daB auch Iguanodon au den Hintorbainen laufen konnte, Ethalten geblieben sind vor allem die Kno- chen der Dinosaurier. Zu den glticklichsten, aber auch seltensten Entdeckungen zah- len vollstandige Ske- lette oder Schade! mit Zahnen. Doch meistens miissen sich die Paldontologen (Paldontologie ist die Wissenschaft von den Lebewesen vergan- gener Erdzeitalter) mit Knochenbruchstiik- ken und Einzelz&hnen begniigen Kérperweichtelle konnten nicht Uberdau- em, aber manchmal findet sich ein ge- nauer Abdruck von Hautpartien mit allen Einzelheiten. Eine Sensation sind immer wieder versteinerte Dinosauriereier oder Schalenreste. Leider kann man nur vermu- ten, zu welcher Art sie gehéren. Auch wenn ein ganzes Nest mit Eiern und ein dariber liegendes Skelett eindeutig zu- sammenzugehéren scheinen, kann man nicht sicher sein. Besonders interessant sind Nahrungsreste, die sich in der Magengegend eines Dino- saurierskelettes befinden, wie die Knochen einer Eidechse zwischen den Rippen des kleinen Raubdinosauriers Compsogna- thus. Auch aus versteinerten Kotballen laBt sich viel Uber die Nahrung herauslesen. Sehr wertvoll sind FuBabdriicke und ganze Fahrten, da sie Aufschlu8 dber Lebens- weise, Laufgeschwindigkeit und die Kérper masse der Tiere geben kénnen Was blieb von den Dinosau- riern erhalten? 6 von oben nach unten: Kopf und Hals eines Plateo- saurus, freigelegt in einer Ton grube bei Halberstadt, Versteinerte Krallenknochen, Ziihne und Eier vor Dinosauriern, Kalksteinplatte mit Skelet des kleinsten Raubdinosauriers Compso- gnathus. In der Bauchregion sind die Knochen einer Eidechse (Beutetier) sichtbar Jede bisher unbekannte Dinosaurier-Art bendtigt_ und erhalt Warum haben | einen eigenen Na- die Dinosaurier | men. Zur Taufe ist so seltsame | derjenige Wissen Namen? schattler_berechtigt, der den Fund griind- lich untersucht und mit den schon be- kannte Arten verglichen hat. Der ,Tauf- schein* ist eine Verdffentlichung in einer Fachzeitschrift. Der Name besteht immer aus 2 Teilen: einem Gattungsnamen (mit groBem An- fangsbuchstaben) und einem klein ge- schriebenen Artnamen. Der wissenschaftli- chen Tradition gemaB benutzt man dazu die lateinische Schrift und Sprache. Auch griechische Wérter, geographische und Eigennamen sind Ublich. Meist beschreibt der Name typische Eigenschaften der Di- nosaurier-Art oder der gefundenen Bruch- stiicke. Stegosaurus armatus = Bewaf- nete Dachziegelechse bezieht sich auf die typischen Platten und Stacheln auf der Oberseite des Tieres. Ceratosaurus nasi- cornis = Hornechse mit Nasenhorn be- schreibt das auffallige Horn auf der Nase des Raubdinosauriers und Diplodocus lon- gus = Langer Doppelbalken den beson- ders langen Dinosaurier mit dem ihm eige- nen doppelten Fortsatz an den meisten Schwanzwirbelknochen. Oft wird der Fundort in den Namen einbe- Wo iiberall wur- den Dinosaurier gefunden? Dinosaurierfunde aus der: Tiaszeit vor 220 Mil. Jahren A Jur Yor 210 bis 145 Mil, Jahron © kreidezelt vor 145 bis 65 Mil. Jahren Zogen: In Mamenchisaurus hochuanensis stecken Mamenchi und Hochuan, Fundort und Landschaft in China. Lesothosaurus wurde in Lesotho, Afrika, Albertosaurus in Alberta, Kanada gefunden. Mit Personennamen sollen verdienstvolle Menschen geehrt werden: Nach Mantel und Buckland, den beiden englischen Dinosaurier-Forschern, wurden Megalo- saurus bucklandi und Iguanodon mantelli benannt. Dem amerikanischen Saurier- Entdecker Othniel Charles Marsh wurde der kleine Gazellendinosaurier Othniella gewidmet, dem deutschen Saurier-For- scher Janensch der Riesendinosaurier Ja- nenschia. Janensch selbst ehrte den Direk- tor des Berliner Museums fiir Naturkunde, Branca, indem er dem gréBten Riesendino- saurier den Namen Brachiosaurus brancai = Brancas Armechse gab. Der volistandige zweiteilige Name wird meist nur bei der wissenschaftlichen Arbeit benutzt, sonst reicht der Gattungsname aus. Einen passenden deutschen Namen gibt es nur fur wenige Dinosaurier-Arten, beispielsweise Eierdieb fur Oviraptor oder Panzerechse fur Panoplosaurus. Wenn man die wissenschaftlichen Namen ein- fach ins Deutsche Ubersetzt, entstehen meist unschéne Wortungetiime. Also be- nutzen wir die Originalinamen — Dinosau- rier, Tyrannosaurus oder Triceratops sind uns doch schon gelaufig! Das Zeitalter der Dinosaurier Dinosaurier ist die Bezeichnung fir nur eine Gruppe der Saurier oder Repti- lien, die ausschlie8- lich im Erdmittelalter lebte. Daneben gab es viele andere arten- reiche Sauriergruppen, wie Flug- und Kro- kodilsaurier, Schlangenhals- und Pflaster- zahnsautier, Fischsaurier, Schuppenech- sen und Saugetierhnliche Reptiien (s.S. 42 bis 45). Die Unterschiede zwischen den Dinosauriern selbst waren sehr groB, so daB ihre Verwandtschatt fir uns nur schwer Wer waren die Dinosaurier? zu erkennen ist. Die Spanne reichte von Arten in Katzen- oder HuhngréBe bis zu den AusmaBen der riesigen Wale, von vier beinig laufenden bis zu Arten, die sich nur auf den Hinterbeinen forlbewegten, von flinken Jager und gierigen Fleischfressern bis zu gemachlichen Pflanzenfressern. Und doch I&8t sich ihre wichtigste gemein- same Eigenheit auch auBerlich erkennen: Alle Dinosaurier waren Lanatiere! Ihre Laut- beine standen unter dem Kérper und nicht seitlich, wie bei den meisten Reptilien sonst. Man kann die Dinosaurier daher auch als Laufsaurier bezeichnen. ERD. Neu. oer pene fy} ae i || e 5 a 8) F | Be) E ed 2 ‘ d mL C Dinosaurier Brickenechsen Krokodile J = eiggonte 34 ~ x anche Neen 3S Palyeasaurer 3 a 2 _--—STAMMBAUM-SCHEMA DER REPTILIEN 3 Ursaurer UND IHRER NACHFAHREN i DIE DINOSAURIER-GRUPPEN Echsenbecken-Dinosaurier/Saurischier _ | Vogelbecken-Dinosaurier/Ornithischier ] Echaentucinosaurieyf]| RavblictvBainosaurier | | ‘Sauroposen Theropoden ! VorRiesen- Riesen- Grofe Raud- Kleine Raub- Vogettus-Dickkopt:_Stachal- Panzer» Horn dinosaur dinosaurier dinesaurer” dnosaurier dnosaurier inosaurer dinosaurier dincsaurier Ginosaurier Prosauro: Sauro- Carmo- Cosi. Omimo-Pachycephalo ankjio: Cora poder saurer—=saurer’ pode” sauier sauror —sautor——_topsler Die ersten echten Landwirbeltiere, die Ur reptilien oder Ursau- tier, entwickelten sich vor iiber 300 Milio- nen Jahren. Sie leg- ten ihre Eier nicht mehr wie die Lurche im Wasser ab, sondern auf dem Land. Vor dem Austrocknen war das grofe, dotterrei- che Ei durch eine feste Schale geschiitzt Aus ihm schiiipfte keine Larve (Kaul quappe) mehr, sondern ein fertiges kleines Kriechtier. Von wem stammen die Dinosaurier ab? ~~ Der Ursaurier Hylonomus Diese ersten eidechsengroBen Lanatiere waren die Vorfahren aller spateren Repti- lien. Bald entwickelten sich an die unter- schiedlichen Lebensréume angepafite Spezialisten: Fleisch- und Pflanzentresser, Langsamkriecher und Schnelldufer, Wald- oder Sumpfbewohner. Mindestens 6 ver- schiedene Echsen- oder Sauriergruppen entstanden so. Eine davon waren die kro- kodilahnlichen, 1 bis 2 Meter langen Theko- dontier (Wurzelzahnsaurier). Als Fleisch- fresser machten sie Jagd auf Insekten, Frd- sche und kleine Eidechsen, wobei sich einige etwas aufrichten und nur auf den Hinterbeinen rennen konnten. Die neue Art, sich fortzubewegen, brachte einen gro- Ben Vorteil gegeniiber anderen Echsen- gruppen, die wie die Ursaurier mit seitlich stehenden Beinen ,auf allen vieren’ liefen Diese Schnellaufer unter den Thekodon- tien gelten als die Ahnengruppe der Dinosaurier (s. S. 43). Der Wurzelzalmsaurier Euparkeria, Bisher sind weit Uber 10000 Dinosaurier- reste gefunden wor- den: Einzelknochen barber und ganze Skelette, saurier-Arten | Schadel und Zahne, Eier und Kotballen, versteinerte FuBspu- ren und andere Abdriicke. Alles Wissen Uber Dinosaurier wurde aus diesem Mate- rial abgeleitet. In den gut 150 Jahren der Fundgeschichte ist es den Paliontologen gelungen, uber 500 verschiedene Dinosaurier-Arten zu identifizieren und zu beschreiben. Immer wieder kommen neue Entdeckungen hin- zu, Doch manchmal muB ein Name auch wieder gestrichen werden, wenn sich her- ausstellt, daB getrennt gefundene und einem anderen Tier zugeordnete Einzel- teile zu ein und derselben Art gehdren ” Oder es erweisen sich anscheinend unter- schiedliche Arten als Mannchen und Weib- chen oder als Jung- und Alltier einer Art. Einige dieser 500 Arten sind so nahe mit- einander verwandt, da8 man sie in eine Gattung zusammentaBt. So zahit man heute 9 Arten der Horndinosaurier zur Gattung Triceratops (Dreihorngesicht) und 3 Arten der langarmigen Riesendinosaurier aus Nordamerika und Nord- und Ostafrika zur Gattung Brachiosaurus (Armechse) Zu den Riesendinosauriem gehoren aber insgesamt uber 40 Gattungen. Die artenreichsten Dinosauriergruppen waren die Raubdinosaurier mit Uber 150 Gattungen und die zweibeinig laufenden VogelfuBdinosaurier mit 65 Gattungen. Von der wahrscheinlich artenarmsten Gruppe, den Stacheldinosauriern, sind bis- her nur 11 Gattungen bekannt. YalIYyNVSON14 vor 145 KREIDE A vor 65 Mill. Jahren TERTIAR vor 210 JURA vor 145 OTAMNV YalYNVS suchus Ohmdenosaur Fas (6), Diplodocus (7) Halticosaurus (9), Dilop Megalosaurus (11), Allosaurus (12). Dryosaurus (25), Parksosaurus (26), Ouranosaurus (27), Iguanodon (28), Tintaosaurus (29), Pachycephalosaurus (30), Psittacosaurus (31), Triceratops Scelidosaurus (33), Stegosaurus (34), Hylaeosaurus (35), Ankylosaurus (36), Eudimorphodon (37), Preranodon (38) So einheitlich, wie die Dinosaurier auBer- lich erscheinen, wa- ; ren sie nach den Un- Welche Dino- | tersuchungen der saurier-Gruppen| palaontologen nicht 9 gab es? Wegen der _unter- ~ schiedlichen Stellung sihrer Beckenknochen, besonders des ‘Schambeins, werden die Schreckensech- sen zwei Gruppen zugeordnet: den Ech- senbecken-Dinosauriern oder Saurischiern und den Vogelbecken-Dinosauriern oder Omithischiem. Das Becken der ersten ‘ Gruppe ahnelt dem der typischen Landrep- i tilien, das der zweiten jedoch dem der Vé- } gel. Auch bei einigen anderen Knochen gibt es grundsatzliche Unterschiede. So haben die Vogelbecken-Dinosaurier an der Spitze des Unterkiefers einen zusatzlichen zahnlosen Knochen, der von einem Horn- g, Ss schnabel bedeckt war. Den Echsenbek- ken-Dinosauriern fehit dieser Knochen. Es scheint, daB beide Gruppen schon seit dem Beginn ihrer Entwicklung getrennt waren. Die ersten Saurischier waren Fleischfres- ser, liefen auf kraftigen Hinterbeinen und benutzten die Arme zum Beutefang. Spa- ter entwickelten sich aus solchen Raub- dinosauriern auch Pfianzentresser. Da sie einerseits von ihrem nahrstoffarmeren Fut- ter eine viel groBere Menge bendtigten, an- dererseits nicht mehr schnellfiiBig jagen muBien, nahm ihre Korpermasse mehr und mehr zu. Zum Laufen wurden wieder alle 4 Beine bendtigt. Nach dem Knochenbau ihrer Beine werden diese Pflanzenfresser EchsenfuBdinosaurier oder Sauropoden genannt. Dagegen sind die zweibeinig lau- fenden Raubdinosaurier RaubtierfuBdino- saurier oder Theropoden. Die Vogelbecken-Dinosaurier kennt man. von ihren friihesten Funden nur als zwei- beinig laufende Pflanzenfresser. Ihr FuB- bau ahnelt dem der Végel, daher werden sie als VogelfuBdinosaurier oder Ornithopo- den bezeichnet. Solange die Arten noch klein waren, muBten sie schnell laufen k6n- nen, um ihren Feinden zu entkommen. Aber je grdBer die Tiere im Laufe der Stam- mesentwicklung wurden, um so haufiger stiitzten sie beim langsamen Gang ihren schweren Kérper auch mit den kurzen Vor- derbeinen ab, wie beispielsweise die Schnabelechsen (s.S. 27). Bei anderen bildeten sich allmahlich zum Schutz gegen Fleischfresser wirksame Panzer: Abstehende Stachein und Platten ragten von Ricken und Schwanz der Ste- gosaurier (Stacheldinosaurier) auf. Ein ge- gliederter rundlicher Knochenpanzer be- deckte die Ankylosaurier (Panzerdinosau- rier), und ein groBer Knochenschild und spitze Horner am Kopf schiltzten die Cera- topsier (Horndinosaurier). Dadurch war es nicht mehr nétig, bei jeder Gefahr zu fldich- ten, die Tiere konnten vierbeinig und lang- samer laufen (s.S. 8). n Das Dinosaurier-Zeitalter beginnt inmitten der Triaszeit vor 230 Millionen Jahren (s.S. 10/11). Damals lagen alle heutigen Erdtelle direkt anein- ander und bildeten ein zusammenhangendes Landgebiet. We- gen des heiBen und trockenen Klimas wa- ren weite Landstriche wistenartig. In den feuchten Niederungen der FluBtaler jedoch und an den Kiisten wuchsen Farne und Schachtelhalme sowie in den Waldern uunfame, Nadel- und Ginkgobaume. Zur wi Landschatten gehérten und Fréschen auch viele Wann lebten die ersten Dinosaurier? Saurier: pflanzenfressende Ur- und Schna- belkopfsaurier, Schildkréten und Flugsau- rier, eidechsen-, krokodil- und Saugetier Ahnliche Reptilien Die ersten typischen Dinosaurier dieser Zeit waren zweibeinig laufende mittelgroBe Raubdinosaurier (Theropoden), wie Halt cosaurus und Coelophysis. Bald entwickel- ten sich auch immer gréBer werdende und immer haufiger auf 4 Beinen laufende Pflanzenfresser, die Prosauropoden, wie: Plateosaurus. Und schlieBlich ersch gegen Ende der Tiiaszeit die erste nen zweibeinig laufenden Pflanzep oy jithopoden), Lesothosaurt Pflanzenvvelt in der Ti In der Jurazeit vor 210 bis 145 Millionen Jahren ldsten_ sich die Erdteile allmah- lich voneinander, zwi- schen ihnen dehnten sich warme_ Flach- meere aus. Das Kli- ure feuchtwarm, und eine Uppige Wann lebten die gréBten Dinosaurier? stigen Lebensbedingungen fuhrten zu einem enormen Aufbliihen der Dinosaurier- welt: Viele neue Arten entstanden und brei- teten sich Uber die ganze Erde aus. Uberall auf dem Land wurde nun das Leben nicht mehr durch andere Saurier, sondern nur noch durch Dinosaurier gepragt. Nebeneinander entwickelten sich mehrere Typen pflanzenfressender Riesendinosau- en Landtieren, die es je- mals gab. Ob Brachiosaurus, Apatosaurus oder Diplodecus, ob Super, Ultra~ oder Seismosaurus, sie alle lebten in der spaten Jurazeit. Kleine Gazellen- und gréBere Schnabeldinosaurier weideten in Gruppen. Die merkwirrdigen Stacheldinosaurier er- In der Kreidezeit vor 145 bis 65 Millionen Jahren rUckten die Erdteile immer mehr Wann lebten | auseinander, _ die ae letzten | Meere zwischen in- inosaurier? | nen wurden breiter und tiefer, das Klima etwas kihler. Das fllhrte zu Landschaften mit abwechslungsreicher Pflanzenwelt und Pflanz immer seltener, nur wenige Arten dberleb- ten und entwickelten sich weiter. Die Sta- cheldinosaurier starben sogar villig aus; dafiir tauchten die Panzer- und spater auch die Horndinosaurier aut. Neben den Schna- beldinosauriern entwickelte sich eine Viel- zahl von Entenschnabeldinosauriern. rs welt in der Zeit schienen. AuBer den kleineren {linken Raubdinosauriem, wie Compsognathus und Archaeopteryx, lebten jetzt auch Rie- sen, wie Allo- und Ceratosaurus, die mit ihrem méchtigen GebiB auch groBe Prlan- zentresser Uberwaltigen konnten. immer neuen Veréinderungen. Blitenpflan- zen entwickelten sich, darunter auch die breitblattrigen Laubbéume, wie Magnolien und Platanen. Sie kamen mit den wech- seinden Klimabedingungen b und breitetensich..schl ganze Erde aus igi Auch die Dino! mehrmals. Die der Unterey Ki schlankeren Raubdinosautiern gab es zahl- reiche Spezialisten: Jager mit gewaltigen Krallen an Handen und FiBen, strauBen- &hnliche Kleintierfanger mit Greifhanden und zahnlose Eierdiebe. Das Ende der Kreidezeit aber brachte schlieBlich so einschneidende Veranderun- gen auf der ganzen Erde, daB/nach und Pflanzenfressende Riesendinosaurier Plateosaurus (Flachechse) war der erste in Deutschland ent- War Plateo- deckte Dinosaurier saurus der erste| (8. S. 5). Hier wurden Riesendino- spéter auch viele saurier? volistandige Skelet- te ausgegraben. Die Funde aus einer Tongrube bei Halberstadt und einem Steinbruch bei Trossingen sind heute Plateosaurus in vielen Museen ausgestelit. Der bis zu 8 Meter lange Plateosaurus muB zu seiner Zeit, der spaten Triaszeit, der gr6Bte und ei- ner der haufigsten Dinosaurier gewesen sein. Er ist ein typischer Vertreter der lang- halsigen Prosauropoden (Vor-Riesendino- saurier), die sich aus kleinen zweibeinig laufenden Fleischfressern zu immer gréBe- ren, mehr und mehr vierbeinig laufenden Pflanzenfressern entwickelten. Sie gelten als die Vorfahren der Riesendinosaurier. Mitt seinen groBen Krallen an den Handen wirkte Plateosaurus zwar wie ein gefahrli- ches Raubtier, doch war er ein langsamer Pflanzentresser mit kleinen Zéhnen im Maul. Die Krallen dienten wohl Die Riesendinosaurier waren die gréBten Tiere, die jemals 1 die Erde liefen, Was isttypisch | 30°" bie “2omal eo fir die Riesen- | innern die schlan- ken Gestalten dieser hochbeinigen Raub- dinosaurier_so_ sehr an StrauB und Emu, Ld da ihre Erforscher diese Ahnlichkeit auch im Namen ausdrUk- ken wollten. Ornithomimus, Struthiomimus, Dromiceiomimus und Gallimimus bedeu- ten Vogel-, StrauB-, Emu- und Huhn-Nach- ahmet. Wie die heutigen groBen Lautvégel konnten sie sehr schnell laufen, so schnell wie kein Dinosaurier sonst, wahrscheinlich mehr als 50 Kilometer pro Stunde. Sie hat- ten keine Zahne, dafiir vermutlich einen Hornschnabel. Aber ob sie sich auch wie Végel ernéhrien, ist noch offen. Lebten sie von Insekten und Eidechsen oder von Krabben und Schnecken, gruben sie mit ihren Handen die Eigelege anderer Saurier aus, oder waren sie vielleicht Pflanzentres- sef und rupften Blatter und Triebe, Frichte und Samen? Ergriffen sie die Nahrung mit den Handen oder mit dem Schnabel? Auch vieles andere ist noch ratselhatt. Leb- ten sie in Herden? Betreuten sie ihre Jun- gen? Und haben sie, statt Eier zu legen, le- bende Junge geboren? Die groBe Ofinung des Beckens I&Bt das méglich erscheinen, Was wissen wir von den StrauB- dinosauriern? ‘nicht Beweis genug, Wie ein Kriminalfall erschien ein Fund bei den Ausgrabungen von 1922 in der Wu- ste Gobi. Direkt ber einem sorgsam mit Sand _abgedeckten Nest des Horndino- sauiers Protoceratops fand sich der zer driickte Schadel eines kleinen Raubdino- sauiriers. Hatte hier ein wachsames Weib- chen an seinem Nest éinen Elerrauber Uberrascht und getdtet? Die auffallig kur- zen und kraftigen Kiefer mit nur einem Zahn des Raubers diirften sich besonders gut zum Offnen von dickschaligen Dino- sauiriereiern geeignet haben. Oviraptor — ar odef...Birauber-— en 1,80 Meter lan- Arten haben Wovon ernahrte sich der Eierdieb? Velocirapior im Kampf mit Protoceratops. Einer der schénsten und aufregendsten Di- nosaurierfunde _ge- lang 1971 in der Mon- golei, als man die vollstandigen Ske- lette eines Raubers und seines Oplers freilegte. Der etwa 1,80 Meter lange Raub- dinosaurier Velociraptor (Schneller R&u- ber) hatte einen ebenso groBen Horndino- saurier angegriffen, war dabei aber selbst schwer verletzt worden. Ineinander ver krallt und verbissen, starben beide Tiere, ohne den Gegner loszulassen (s. S. 30). Velociraptor muB ein gefahrlicher Jager ge- wesen sein: Mit seinen langen Beinen konnte er jedes filichtende Beutetier einho- len. Die 30 spitzen und scharfen Zahne so- wie Fangkrallen an den Handen und sichel- férmige ReiBkrallen an den FuBen mach- ten ihn zu einem furchtbaren Raubtier. Wer tétete wen? 23 Ein anderer un Wie jagte Schreckens- klaue? deckt. Dabei_ war auch er kein Riese, sondern nur etwa 1,50 Meter hoch, wenn er sich aufrichtete, und 3 bis 4 Meter lang. Mehr als die Halfte davon maB der Schwanz, der im hinteren Teil steif war und als Balancierstange diente. Doch mit sei- nen Zahnen sowie den Krallen an Fingern und Zehen muB er ein gefahrlicher Jager gewesen sein. Eine Kralle an jedem Fu war besonders gro8 und stark gekriimmt, sie wurde beim Laufen hochgeklappt getragen. Beim An- sprung an ein Beutetier konnte sie vor- geschnellt und mit kréftigem Tritt in den Kérper des Opfers geschlagen. werden Schreckliche Klaue (Deinonychus) wurde dieser Rauber deshalb genannt. Die Wir- kung der Krallenhiebe wurde noch erhéht, 24 den USA in Gesteins- schichten aus der fri hen Kreidezeit ent- Eine Gruppe von Deinonychus tiberfallt eine Schnabelechse Tenontosaurus “wenn Deinonychus sich mit den Handen am Beutetier festkrallte und sein Gebif in dessen K6rper schlug. Da die Zahne schrég nach hinten gerichtet waren, konnte sich das Opfer auch durch heftiges Schiit- teln nicht mehr befreien, die Zahne dran- gen nur noch tiefer ein. Deinonychus erinnert mit dieser Jagd- weise an den heutigen, etwa gleich groBen Leoparden. Wie dieser konnte er Beute- tiere, die grdBer als er selbst waren, schla- gen. Moglicherweise jagte er im Rudel, worauf nicht nur der Fund von Knochen mehrerer Exemplare an einer Stelle hin- deutet. Auch die ungewohnlich groBe Hirn- hdhle la8t vermuten, daB Deinonychus zu komplizierten Verhaltensablaufen und zum Zusammenleben in Gemeinschafter fahig war. “ Als Beutetiere von Deinonychus kamen wohl vor allem Jungtiere aller anderen Dinosaurier-Arten, am haufigsten die der Pflanzentresser Hypsilophodon und. Igu- anodon in Frage. immer das Aussehen eines riesigen Raub- dinosauriers, von dem man bei Ausgra- bungen in der Mon- golei leider nur die Arm- und Handkno- chen fand. Doch diese Arme waren mit 2,50 Meter Lange fast so lang wie ein gan- zer Deinonychus oder viermal so lang wie dessen Arme. An jeder Hand saBen 3 ge- waltige Krallen, mit denen auch sehr grofe Beutetiere erdolcht und zerrissen werden konnten. Tief beeindruckt nannten die pol nischen Forscher ihre Entdeckung Deino- cheirus oder Schreckliche Hand. Nimmt man zum Vergleich die Gestalt von StrauBdinosauriern, deren Arme ganz ahn- lich gebaut, aber nur ein Viertel so lang wa- ren, 80 mUBte Deinocheirus noch um die Halfte gréBer als ein Tyrannosaurier (s.8.18) gewesen sein! Ganz ungeduldig warten die Saurier-Freunde und -Forscher in aller Welt auf weitere Knochentunde und damit auf die Ldsung der Ratsel um den Riesen mit der schrecklichen Hand. schrecklichen Hand? Fraps Baryonyx Fische oder Aas? Erst 1986 wurde in einer Tongrube in Eng- land ein ganz neuer Typ von Raubdino- Boyan saurier entdeckt. Das b \ paver ber 8 Meter lange Tier hatte einen 1 Meter langen kroko- diéhnlichen Kopf und doppelt so. viele Zahne wie die anderen Fleischfresser. Seine Vorderbeine waren sehr lang und Kraftig, deshalb nimmt man an, daB das Tier auf allen vieren ging. Fir einen Raub- dinosaurier wéire diese Laufweise sehr un- gewohnlich! Ein groBes, uber 30 Zentimeter langes Krallenglied war AnlaB, das Tier Baryonyx oder Schwere Kralle zu nennen. Wahr- scheinlich — aber bisher nicht sicher — be- fand sich diese Kralle an der Hand Wovon ernahrte sich Baryonyx? Die vielen spitzen Zahne im langgestreckten Kiefer und in der N&he des Bauches gefundene Fischschuppen deuten auf Fischnahrung, $a Baryonyx am oder im Wasser und schleuderte mit seiner Kralle gréBere Fi- sche aufs Land heraus? Es ist auch denk- bar, daB er ein Aasfresser war. Mit der gro- Ben Kralle konnte er tote Kérper 6finen und Die merkwiirdigen Vogelfu8dinosaurier Ausnahmsios alle Arten der zweiten Haupt- gruppe der Dinosau- Wie groB rier, der Vogelbecken- wurden die Dinosaurier (Ornith- Vogelfus. ischier), waren Pflan- zenfresser. Aber auch bei ihnen waren die ersten bekannten, in der Triaszeit lebenden Formen kleinere und perfekt zweibeinig laufende Tiere. Damit ahnelten sie zwar AuBerlich den Kleinen Raubdinosauriern, doch sind sie in einigen Einzelheiten des Kérperbaus grundverschieden. So gleicht der Knochenbau ihrer FuBe mehr dem der Végel, so daB sie VogelfuBdinosaurier (Or- nithopoden) genannt werden. Und sie hat- ten natiirich ein PflanzenfressergebiB, in dem dicht gedrangt kantige ZAhne zum Zerschneiden und Zerquetschen von Blat- tern und Stengel saBen. Die Schnauzen- spitze aber war zahnlos, ein Hornschnabel tiberdeckte die Kieferknochen. Auch unter den VogelfuBdinosauriern gab es spater 42 Meter lange und 5 Tonnen schwere Rie- senformen. Doch die friihen Arten waren klein und leicht, nur 1 bis 2 Meter lang. Zu ihnen zahit Lesothosaurus (Echse aus Le- sotho, Sidatrika). Er hatte lange Hinter- beine mit noch 4 Zehen. An den Handen saBen 5 kurze Finger, mit ihnen konnte er sich gut abstiitzen, oder er benutzte sie zum Putzen oder zum Freischarren von Nahrung. Doch meist ruptte Lesothosau- rus mit seinem Schnabel Blatter, Triebe und Knospen ab. Vor dem Herunterschlucken zerbi8 und zerkaute er sie griindlich. Be- gegnete ihm ein Raubdinosaurier, half nur schnelle Flucht. Bald entwickelten sich aber auch neue, gréBere Arten, bei denen vor allem an den Mannchen verlangerte Eckz&hne auffielen. Doch wurden sie wohl kaum als Waffen gegen Raubdinosaurier, sondern eher bei Rivalenkampfen eingesetzt. Diese Gruppe wurde Heterodontosaurier genannt. dinosaurier? 26 Gazellendinosaurier_gehérten zu den schnellsten Laufern Wie schnell unter den Dinosauri- waren die em. Man nimmt an, Gazellen- daB sie mit ihren ho- dinosaurier? | hen __,Vogelbeinen* eine Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde erteichten Dieser Pflanzenfresser-Typ scheint zu allen Zeiten erfolgreich gewesen zu sein; seine Vertreter kamen fast wahrend des gesam- ten Erdmittelalters vor. Die zwischen 1 und 4 Meter langen Tiere nahmen zu ihrer Zeit woh! einen alhnlichen Platz in der Natur ein wie heute die mittelgroBen Pflanzenfresser von Gazelle und Antilope diber Ziege und Hirsch bis zu den Kanguruhs. Wie diese lebten sie meist in Herden. Dryosaurus: Zum Abrupfen von Pflanzenteilen sich der Hornschnabel bestens. V zerkleinerte Nahrung seitlic dem Maul fiel. Typisch fiir dis grofe, 1,50 bis 2,50 Meter phodon (Zahn mit hohem: Dryosaurus (Eichenechse), wie Nanosaurus (Zwerge¢ Schnabeldinosaurier oder ~Schnabelech- sen heiBen die gro- Wer ist der Ben, bis zu 10 Me- bekannteste ter langen VogelfuB- Schnabel- dinosaurier, deren Schnauzenspitze mit einer breiten schna- belahnlichen Hornkappe bedeckt war. Die- ser Schnabel eignete sich offenbar sehr gut zum Abrupfen von Pflanzen, wahrend des Gebrauchs scharite er sich selbst und wuchs standig nach. Die Zahne standen in Reihen eng nebeneinander und bildeten eine geschlossene Reibeflache, wodurch das Futter gut zerkaut werden konnte. Iguanodon (Leguanzahn, s.S.5) ist die dinosaurier? \shaufigste-und bekannteste, aber auch typi- ste dieser Echse wurden in Eu- en und Nordamerika entdeckt. p Spielte zu seiner Zeit wohl eine hnliche Rolle in der Natur wie die Zebras und groBen Antilopen heute. Auigrund der zahireich erhalten gebliebenen FuBspuren wei man ziemlich sicher, daB die Echsen in kleinen Gruppen oder Herden mit den Jungtieren lebten, die dadurch besser vor Raubdinosauriern geschiltzt waren. Wahr- scheinlich konnte Iguanodon sich gegen Angriffe sogar zur Wehr setzen, denn es hatte als Waffe einen dolchartigen Dorn aut dem Daumen. Sicherer war jedoch die rechtzeitige Flucht, und die bis zu 5 Tonnen schweren Tiere liefen dann auch auf den Hinterbeinen. Bei ruhiger Gangart beweg- ten sie sich auf allen vieren fort, die 3 mitt- leren Finger trugen daher kleine Hufe statt gewohnlicher Krallen. Ebenfalls weit verbreitet waren Campto- saurus (Bogenechse — wegen der geboge- nen Oberschenkelknochen) und Tenonto- saurus (Sehnenechse — wegen der auffalli- gen verknécherten Sehnen, die bei allen Schnabelechsen langs der Wirbelsaule den Ricken versteiften). Ouranosaurus (Waranechse) hatte lange Fortsatze an den Rickenwirbeln. Noch ist unklar, ob sie die Stitzen fur ein Hautsegel oder einen kamelhéckerahniichen Buckel waren. Die Schnabelechse Iguanodon (links) und der _ Gazellendinosaurier Hypsilophodon (unten) Die meisten der Uber 20 Entenschnabeldi- nosaurier (Hadrosau- tier) lassen sich an den auffalligen Kno- chengebilden auf ih- rem Kopf leicht unter scheiden, doch in der iibrigen Gestalt sind sie sich sehr ahnlich. Im Vergleich zu ihren Vorfahren, den Schnabeldinosauriern, haben sie noch starker spezialisierte Schnabel und Zahne. Jedes Gebi8 hatte tiber 1000 kleine kan- tige Zahne, die zu sogenannten Batterien zusammengefligt waren und daher eine Kau- oder Mahifléche mit feilenartiger Oberfiiche ergaben. Eine groBe Zunge driickte die Pflanzennahrung zwischen die Batterien in die richtige Lage zum Kauen Wangen und Backentaschen schlossen das Maul nach auBen hin ab. Die Schnabel der einzelnen Arten unter- scheiden sich deutlich in der Form, sie wa- ren offenbar der bevorzugten Nahrung ge- nau angepaBt. Mit Entenschnabeln sind sie nur grob wegen ihrer Breite vergleich- bar, denn sie waren harter, ziemlich kurz, und im Kiefer dahinter saBen Zahne. Auch wurden sie nicht im Wasser benutzt, son- dern zum AbbeiBen und Abrupfen von Pflanzenteilen an Land. Uber die Bedeutung der merkwiirdigen Kopfgebilde wird noch immer viel geratselt. Woran erkennt man einen Entenschnabel- dinosaurier? Eine Gruppe von Corythosaurus. Man hiett sie mal flir Schnorchel, mal fur Kihleinrichtungen, mal notwendig zur Ton- erzeugung, mal fiir Erkennungszeichen fir die Arigenossen. Da diese Gebilde aber nur bei den Mannchen besonders groB und wohl auch prachtig gefarbt, bei den Weib- chen dagegen kleiner waren oder ganz fehiten, konnen sie kaum eine unbedingt lebensnotwendige Aufgabe gehabt haben. Wahrscheinlich spielten sie bei der Verstan- digung zwischen den Artgenossen — bei Rivalenkampten beispielsweise — eine wichtige Rolle, wie wir es von den Gewei- hen, Hémern, aufblasbaren Kehisdicken oder farbigen KAmmen am Kopf von heute lebenden Tieren kennen All diese Méglichkeiten deuten darauf hin, da die Entenschnabeldinosaurier sehr ge- sellige Tiere gewesen sein miissen, in de- ren Rudein oder Herden eine bestimmte Rangordnung herrschte. Jungtiere hatten darin besondere Platze, beim Weiterziehen der Herde gingen sie hinter den Erwachse- nen. Gemeinschattich legten die Weib- chen auch ihre Nester in Kolonien an, wie man bei Ausgrabungen entdeckte. Und alle Jungtiere blieben nach dem Schitipfen noch langere Zeit im vom Muttertier be- wachten Nest. Entenschnabel- dinosaurier: Kritosaurus Pier Dickkopfdinosaurier (Pachycephalosaurus) im Rivalenkumpf Homa: Prenocephale cephale Scheidel von Prenocephale. Eine recht eigenartige Gruppe der Vogel- becken-Dinosaurier sind die Dickkopf- dinosaurier (Pachy- cephalosaurier), von manchen auch Wid- derdinosaurier oder Knochenschadel genannt. Der Name sagt es bereits: Die Knochen des Schadel- daches sind enorm verstarkt, bis zu 25 Zentimeter Dicke bei der gréBten Art Offensichtlich wurde dieser Schadel als Rammbock in den Zweikampfen der Mann- chen eingesetzt. Wie heute die Wildschaf- Widder, kémpften in der Kreidezeit die Dickkopfdinosaurier um ihre Vorrangstel- lung in der Herde. Mit einer Geschwindig- keit von etwa 35 Kilometer pro Stunde Welche Dino- ‘saurier hatten die dicksten Schadel? rasten sie aufeinander zu. Damit die Wucht des Aufpralls nicht zu Riicken- und Hals- verstauchungen fiihrte, war auch die Wir- belsdule noch besonders verstarkt und ver- steift. All diese Angaben sind jedoch Vermutun- gen, denn wenig ist von den Tieren erhal- ten — fast nur die Schadel von Mannchen. Einen iiber 60 Zentimeter langen Dick- schéidel hatte Pachycephalosaurus (Dick- kopfechse), dessen Korperlinge aut etwa 6 Meter geschatzt wird. Die anderen Arten waren bedeutend kleiner. Homalocephale (GleichmaBiger Kopf) erreichte 3 Meter, Stegoceras (Gehérntes Dach) 2,50 Meter. Ein Exemplar von Micropachycephalosau- tus (Kleinste Dickkopfechse) war mit 50 Zentimeter Lange nur etwa huhnergroB. 29 Mit Hornern, Stacheln und Panzern In der Mongolei fand man 1922 in Gesteins- schichten der friihen Kreidezeit Skelette det Paeaeh von bis zu 2 Meter F | langen Dinosauriern, schnabel? i die wegen ihres papa- geiahniichen Schna- bels und der auffalligen Koptform Psittaco- saurus (Papageiechse) genannt wurden Der kurze, aber doch sehr kraftige Schna- bel war spitz und scharfkantig. Mit ihm konnten die Tiere auch sehr feste Pflanzen- teile ab- oder aufbeiBen. Die BeiBkraft muB enorm gewesen sein, denn am kantigen Schédel gibt es viele Ansatzstellen fur groBe, kréftige Muskeln, besonders eine Papageischnabeldinosaurior oder Peittacosaurus hohe Kante am Hinterrand des Kopfes. An- hand der eindeutigen Merkmale fiel es den Forschern leicht, auch sehr kleine Skelette dieser Art zuzuordnen. Sonst ist es immer sehr schwierig, die Zusammengehdrigkeit von Alt- und Jungtieren zweifelsfrei zu kIs- ren. Die kleinsten ,Kiken waren 24 und 27 Zentimeter lang, ihr Schéidel nicht einmal 3 Zentimeter. Natiirlich entsprachen der undlichere und nicht so stabile Kopf und Schnabel noch ihrem Alter. Solch zarte Jungtiere waren ganz sicher eine leichte Beute fiir kleine Raubdinosaurier. Deshalb nimmt man an, daB die Papageiechsen langere Zeit von der Mutter betreut wurden. Vielleicht hat sie sie auch mit einem Brei aus zerkleinerten Blattern gefiittert? 30 Dieser bis zu 2 Meter lange, nur 75 Zenti- meter hohe, aber bis zu 2 Tonnen schwere Dinosaurier ist seit langem recht gut be- kannt. In der Mongo- lei wurden nicht nur mehr als 100 Skelette in allen Lebensgré- Ben ausgegraben, sondern auch Eier und Nester. Der Name Protoceratops bedeutet Vorlaufer oder Urahn der Horndinosaurier (Ceratopsier). Noch fehlen die langen spit- zen Horner auf dem Kopf, der bei ihm durch dicke Hocker gepanzert ist. Aber wie die spateren Horndinosaurer lief er vierfl- Big, hatte einen Hornschnabel und einen zu einem knéchernen Schild verkingerten Hinterkopt. Dieser Uber den Nacken ra- gende Schild hatte wahrscheinlich mehrere Autgaben: Er war Ansatzstelle fiir die kraf- tigen Kiefermuskeln und diente gleichzeitig als Schutz fiir den leicht durch einen Raub- dinosaurier verwundbaren Hals sowie als Mittel zum Drohen und Imponieren. Da die Tiere gesellig lebten, gab es zwischen den Artgenossen sicherlich Rivalenkampfe und Rangeleien um die besten Futter- oder Nistplatze. Sich dabei nur auf den starken, scharfen Schnabel zu verlassen ware nicht ungefahrlich gewesen. Wie wirksam jedoch dieser Schnabel als Verteidigungswatfe war, bezeugen die Skelette von 2 getéteten Raubern (Velociraptor und Oviraptor s. S. 23) In dem einen Fall hatte ein Velociraptor (Schneller Rauber) einen Protoceratops angegtitfen. Dieser konnte sich offenbar noch heftig wehren. Wahrend das Raubtier den Kopf des Beutetieres festhielt und sic bemiihte, es zu toten, gelang es dem wundeten Protoceratops noch, mit scharfen Schnabel den Angreifer todliGt Wie verteidigte sich Proto- ceratops? Uiberdeckt. " Horndinosaurier erschienen erst im letzten Zehn- tel des Dinosaurier Zeitalters, also vor etwa 80 Millionen Jahren. Ihre gut er- hal und zahlrei- chen Reste fand man bisher nur in Nord- amerika. Allein von Tr ps (Dreihorn- icht) sind Uber 100 Alle Horndinosaurier waren ibe lange Riesen mit groBen Képfen, an P denen die knéchernen Hinterkopfschilde, Horner und ein starker ,Papageienschnabel" auf- er Schnabel un Kauzéhne konnten harte Blatter und Zweige oder andere feste, zhe Pflanzen- nahrung_bewaltigen. Der Schnabel_ war aber genauso g Heiner und Hinter hatten die Horn- dinosaurier? tus (Stierechse) und Pentaceratops (Fiinf- icht) reichte der S halben Riicken! Die meisten Arten hatten jedoch einen kiir- zeren Schild und fast immer ein gréBeres Nasenhorn gegeniiber den kleinere hérnern. Bei Monoclonius (Einhorn) war Horn dber 70 Zentimeter lang, Die gréBten und bekannte: tops (Dr 9 zu 1 Meter ren zur Gattung Tr sicht), deren Stimhérner lang und sehr spitz wurden. Horndinosauriey Eine an ler Abschreckung von Feinden finden wir bei den ebenfalls vierbeinig laufenden und Pflanzen fres- senden Stegosauri- erm oder Stacheldino- sauriern. Vom Hals tiber den Riicken bis zum Schwanzende zog sich eine Dop} relhe von Knochenstacheln und -platten. Sie waren nur lose in der Haut befestigt. Vielleicht konnten die Tiere einige der spit- zen Stacheln sogar gezielt einem Gegner entgegenrichten. Die nur aus leichtem, pordsem Knochenmaterial bestehenden Platten dagegen eigneten sich nicht fur eine aktive Abwehr. Wahrscheinlich waren sie gut durchblutet, von diinnerer Haut iiberzogen und dienten zum Regeln der Kérpertemperatur. Es ist aber noch nicht klar, ob diese Platten abwechselnd oder paarweise nebeneinan- der standen. Bei den Ausgrabungen in Nordamerika lagen einige wenige lose 21 schen den Ubrigen Knochen. Deshalla Wie schiitzten sich die Stachel-| dinosaurier? dachte man urspriinglich an einen ani den Kérper dachziegelartig bedecken. Der Name Stego- saurus _(Dachziegelechse) jedoch mit seinem Stachelschwanz um — einen nur Klein und winzigen Zahne n, gs Blatternahrung. Wollten die héher hangende Blatter und Zwei reichen, stellten sie sich auf ihre langeren Hinterbeine. Der nur in Nordamerika gefunder trurosaurus (Stachélsd Ostafrika a eo centrurus (Stache mehreren Stell Noch besser als die Stegosaurier der Jura- zeit waren die erst in der Kreidezeit auftre- tenden Panzerdino- saurier oder Ankylo- saurier gegen An- griffe fleischfressen- der Rauber geschiitzt. Diese vierbeinig lau- fenden, stammigen Pflanzentresser trugen vom Kopf bis zur Schwanzspitze eine wi- derstandsfahige Riistung aus Knochen- platten unter der festen Hornhaut. An K6r- per- und Schwanzseiten verlief meist noch ein Saum krattiger Dornen oder Stacheln. Und der Schwanz endete bei einigen Arten in einer als Schlagwaffe einsetzbaren riesi- gen Knochenkeule. Wurden die Tiere von Raubdinosauriern bedroht, drlickten sie sich wahrscheinlich fest an den Boden und vertrauten ihrem uneinnehmbaren Panzer. Bekam ein Angreifer jedoch die unge- schiitzte Bauchseite zu fassen, war es wohl um den Pflanzenfresser geschehen. Bis heute sind uber 30 Panzerdinosaurier Arten bekannt. Die meisten lebten zum Ende der Kreidezeit. Doch schon uber 100 Millionen Jahre friiher existierte ein Vor- laufer, der Scelidosaurus (Gliederechse). Seine Panzerung bestand aus Knochen- platten und -stacheln, die sich in 7 Langs- einen tiber den Kérper zogen. Die 3,5 Meter lange Echse fra8_ wahrscheinlich Farn- und die palmenahnlichen Cycas- Gewdichse. Waren die Pan- zerdinosaurier unverwundbar? Panoplo- saurus Scolidosaurus Nodosaurus “Sas S| sruthio- Panzer- dinosaurier: Euoplo cephalus Keulen- schwanz- Panzer- dinosaurier: Talarurus Ankylosaurus seinem Ketlenschwaiz einen Tyrannosaurus, vertreibt mit Den spaiteren Panzerdinosauriern gehéren 2 Gruppen an: die schlanken Spitz~ schwanz-Panzerdinosaurier (Nodosaurier) mit schmalem Kopf und lockerer Panze- rung und die gedrungenen Keulenschwanz- Panzerdinosaurier (eigentliche Ankylosau- tier) mit breiterem Kopf und einem keulen- artig verdickten Schwanzende Einer der ersten Spitzschwanz-Panzerdi- nosaurier war der 5 Meter lange Acantho- pholis (Dorntrager). Uber Hals und Schul- tern zog sich eine Doppelreihe kurzer Dor- nen. Polacanthus (Zweiseitig Bedornter) hatte dort viel gréBere Stacheln. Beim No- dosaurus (Knotenechse) erscheint die Haut wie mit groBen Knétchen besetzt Sauropelta (Echsenschild) war besonders massig: 3 Tonnen’ schwer und 7 Meter lang. Spater. am Ende des Dinosaurier- Zeitalters, eireichten auch Palaeoscincus (Altechse) und Panoplosaurus (Véllig ge- panzerte Echse) solche Ausmave. Typisch flr die Keulenschwanz-Panzerdi- nosaurier war eine viel starkere, llickenlose Panzerung. So hatte der 6 Meter lange Ta- larurus aus der Mongolei 5 Zentimeter dicke Knochenplatten. Auch bei dieser Gruppe traten die gréBten Arten zuletzt auf: Euoplocephalus (Typisch gepanzerter Kopf) und Ankylosaurus (Gekriimmie Echse) wurden 10 Meter lang. Verkné- cherte Sehnen machten den hinteren Teil des Schwanzes zu einem starren Stiel, wo- der gewaltigen Keule sehr ge- Zielte Schlage mdglich waren. Allgemeine Merkmale der Dinosaurier Die Haut gehért zu den Kérperteilen, die gewéhnlich nicht ; , versteinern und Wie sah die dberdauern kénnen. Haut der Eine Doch in wenigen saurier aus? gliicklichen Fallen fand man Abdrlicke von Hautpartien. So von einem Anatosau- tus (Entenechse), der in einem Sandsturm starb und von trockenem Sand begraben wurde. Die Anatosaurus-Haut war nackt, trocken und fest und in kleine erhdhte Fel- der mit dickerer Hornhaut und dazwischen liegende weichere Falten unterteilt. Unter den dickeren Hornhautschildchen waren Abdruck der Haut ei es Riesendinosauriers Deutch ist die Gliederung in steife Felder und bewegliche Hautfalien zu erkeren. Kleine Knochenplattchen in die Haut einge- lagert Solche Knochenplatten hatten schon die Vorfahren der Dinosaurier und auch ihre Verwandten, die Krokodile. Es ist anzuneh- men, daB dieser Hauttyp bei den Dinosau- riern weit verbreitet war. Bei den Panzerdi- nosauriern waren die Knochenplatten am starksten ausgebildet. Bis zu 5 Zentimeter dick und liickenlos nebeneinanderliegend, bedeckten sie die gesamte Kérperober seite als fester, aber beweglicher Panzer. Darliber lag die Hornhautschicht, die ein dem Plattenmosaik entsprechendes Mu- 36 ster bildete. Auf spitzen oder buckelartig gewélbten Knochenplatten verstarkte die Hornhaut diese Formen zu dicken, spitzen Hérnern oder Buckeln: Wahrscheinlich war die Haut ahnlich vietfal- tig gestaltet wie bei den 3 heutigen Repti- liengruppen Schildkréten, Krokodile und Briickenechsen (s. S. 48). Jedoch deutet bisher nichts auf Dinosaurier mit einem Schuppenkleid oder einer Hautung wie bei Schlangen hin. Vollig unbekannt ist, welche Farben und Muster Dinosaurierhaut haben konnte. Alle farbigen Darstellungen beruhen auf Vermu- tungen oder reiner Phantasie. Nachdem der amerikanische Dinosaurier- Entdecker Marsh vor ber 100 Jahren zum ersten Mal ein voll- stndiges Skelett ei- nes Riesendino- sauriers untersuchen konnte, duBerte er sich erstaunt: ,Die sehr kleinen MaBe von Kopf und Gehimn weisen auf ein dummes, langsames Repti hin..." Diese Einschatzung blieb lange so allge- meingilltig, daB der Begriff Dinosaurier so- gar Eingang in den iblichen Sprachge- brauch fir etwas Altertiimliches und Stumpfsinniges fand. Eine solche Beurtei- lung wird aber vielen Dinosauriern nicht ge- recht, besonders wenn man an die kleine- ren wendigen Raubdinosaurier oder an die gesellig lebenden Entenschnabeldinosau- rier denkt. Der Raubdinosaurier Sauromithoides hatte das relativ gréBte Gehimn, fast so gioB wie bei Sdugern oder Végeln. Die Ausbuchtun- gen der Hirnhéhle im Schade zeigen, dad diejenigen Hirnteile, die flr das Sehen und Riechen oder die komplizierteren Bewe- gungen, wie Balancieren oder Tasten und Greifen mit den Handen, zustandig sind, deutlich und groB ausgebildet waren. Brauchten die Dinosaurier zwei Gehirne? Auch Entenschnabeldinosaurier konnten, wenn man nach der Form der Hirnhéhle geht, sehr gut sehen, héren und riechen. Diese Sine waren zum rechtzeitigen Er- kennen von Feinden besonders wichtig flr die ungepanzerten, unbewafineten Pfian- zentresser. Dafiir gibt es bis heute keinen Beweis, son- der nur Vermutun- gen, die aber nicht unbegrlindet sind. Unter den heutigen Reptilien _ verstandi- gen sich Krokodile Hatten die Dinosaurier eine Stimme? Stegosaurus- Skelett ver AK dickung conim f I ¢ pir iiennan Parasauco- lophus 1” Hohiraume, inden Koplautsatzen Das im Verhaltnis zu ihrer KérpergréBe kieinste Gehirn hatten die Panzer und die Stacheldinosauriet. Nur so groB wie eine WalnuB kann das Gehirn des elefantengro- Ben Stegosaurus gewesen sein. War das ausreichend? Eine andere, gréBere Hoh- lung fir ein Nervenzentrum befand sich in der Hiftregion der Wirbelsaule. War diese Verdickung des Riickenmarks ein zweites Gehirn, wie manchmal behauptet wird? Si- cherlich nicht, sondern nur die gewohn- liche Umschaltstation fur die Nervenbah- nen in den Hinterkérper und den Schwanz. Bel den meisten Wirbeltieren mit langem Schwanz ist das Riickenmark an dieser Stelle auffallend dicker. Und bei Stegosau- riern war der Schwanz nicht nur tiesig, so lang wie der dibrige Korper, er hatte auch eine lebenswichtige Aufgabe als Abwehr- waffe. Um fur einen gezielten Schlag alle Schwanzmuskeln genau steuern zu kon- nen, war ein austeichend groBes Nerven- system am Schwanzansatz notig. Nur das Gehirn im Schadel ist das echte. Fur eine Lebensweise als gut bewafineter und deshalb geméichlich auf 4 Beinen lau- fender Pflanzenfresser reichte es offenbar aus, denn die Stacheldinosaurier existior- ten diber viele Millionen Jahre. mit ihren Artgenossen aber verschiedene Laute. So kénnen die erwachsenen Mann- chen mancher Arten laut brillen oder grun- zen, um Rivalen einzuschiichtern oder Weibchen anzulocken. Die Jungtiere rufen sogar schon aus dem Inner des Eies und verstandigen damit ihre Nestgeschwister und ihre Mutter Gber das bevorstehende Schlipfen. Warum sollen ihre nachsten Verwandten, die Dinosaurier, nicht auch ahnliche Fahigkeiten besessen haben? ‘An den Knochen ist das aber nicht nach- weisbar, Man hat Gberlegt, ob mit den von der Nase ausgehenden Gebilden mancher Entenschnabeldinosaurier eine Lauterzeu- gung oder -verstarkung mglich gewesen sein konnte. Einige Forscher hatten das fiir wahrscheinlich. Danach war Lambeosau- tus f&hig, trompetendhnliche Tone zu er zeugen. Wie bei Hirschen und Antilopen heute dienten solche Laute vielleicht als Warnrufe vor nahenden Feinden fur die im dichten Pflanzenwuchs fressende Herde. Zur Lauterzeugung gehért auch ein geeig- neter Empfanger, ein empfindliches Gehér. Bei einem vollsténdig erhaltenen Schadel fand man tatséchlich sehr feine Knéchel- chen zur Schalliibertragung im Ohr, was auf ein gutes Hérvermagen hinweist. 37 HEA Riesen- dinosaurer wy ielberrig katvantic cnc wie BE cvercoro ee a.“ “8 Grote Raub: dinosaur: = Gazellen- dinosaurier = Hinterbeine inegesamt 0 10 Bo cue eneAd 50 Kopt klein nd leicht, ‘Typische Schnellaufer-Eigenschatten bei Dinosauriern: Tiere sind Wamnbidtor,laufon zweibeinig una sind von mitlerer GroBe (3 bis 4m lang, 50 bis 100 kg schwen. Beckenknochen set fest mit der Wirbelsaule verbunden. Hintere Sohwanz halite star ent als Balancierstange, ‘Oberbein dick, mit kratigen Muskein Unterbein schlank, nur mit Sehnen, lang Zehen lang, mit langen icallon als Spikes. | Kieine Raub- dinosaurier In allen Epochen der Dinosaurierzeit gab es besonders schlan- ke, nur auf ihren Hin- terbeinen laufende Arten, sowohl unter den Raub- als auch unter den pflanzen- fressenden VogelfuBdinosauriern. Schon Coelophysis, einer der ersten bekann- ten Dinosaurier aus der Triaszeit, muB ei- ner der schnelisten gewesen sein. Sehr schlank und leicht gebaut, war er bei 3 Me- ter Lange nur etwa 30 Kilogramm schwer. ‘Auch einige dér letzten Dinosaurier, die am Ende der Kreidezeit, 150 Millionen Jahre spater als Coelophysis, lebten, waren sehr schlanke Schnelléufer — die StrauBdino- saurier (siche oben). Doch wie kann man genauere Angaben liber Laufgeschwindigkeiten von ausge- storbenen Tieren machen? Gibt es irgend- welche Anhaltspunkte? Dazu muB man fol Wie schnell konnten Dino- saurier laufen? 38 gende 3 Beobachtungen heranziehen: Er- stens die Beinlangen der Tiere — sie sind an den gefundenen Knochen mefbar. Zweitens die Kérpermasse — sie wird ge- schatzt. Drittens die Schrittlangen und die Gangart - man kann sie aus dem Kérper- bau und aus den versteinerten Fahrten der einzelnen DinosaurierTypen ablesen. Als Vergleich dienen die Schnelléufer unter den heutigen Wirbeltieren: Rennpferde und Windhunde, Gazellen und Geparde, Ha- sen und Kanguruhs, StrauBe und Renn- kuckucke. Mit 100 Kilometern pro Stunde sind die schnelisten der Gepard und einige Gazellen-Arten, also die mittelgroBen Tiere mit einer Kérpermasse von etwa 50 Kilo- gramm. Leichtere und schwerere Tiere sind langsamer. Bei den Dinosauriern ergibt sich aus dieser Erkenntnis sowie aus ihren Beinlangen, den Fahrten und den Kérpermassen die oben dargestelite Ubersicht. Die heutigen Reptilien —Schlangen, Eidech- sen, Krokodile und Schildkréten — sind wechselwarme Tiere, oft vereinfachend Kaltolliter genannt. Ihre Kérpertempera- tur ist von der Temperatur ihrer Umgebung abhangig. Eidechsen beispielsweise wer- den in der kalten Jahreszeit nahezu bewe- gungslos — sie suchen sich deshalb im Herbst ein schiitzendes Versteck. Erst die Frihlingstemperaturen locken sie wieder hervor. Um sich aufzuwarmen, sonnen sie sich gern. Nur ein gut durchwarmtes Tier ist fink und beweglich genug fur eine er- folgreiche Jagd. Végel und Saugetiere da- gegen kénnen ihren Kérper unabhangig von der AuBentemperatur gleichmasig warm halten, indem ihr Kérper selbst Warme erzeugt (Warmbliiter). Mit Aus- nahme der Winterschlafer sind sie daher immer aktiv und nicht von der Temperatur der Jahres- oder Tageszeit abhangig. Ge- gen zu hohe Warmeverluste schiitzt sie ein isolierendes Feder- oder Haarkleia, Nachdem man lange Zeit die Dinosaurier — als eindeutige Reptilien — fir Kaltoliter hielt, gibt es heute viele Hinweise auf unter- schiedliche Formen der Warmblitigkeit bei ihnen. Bedingt durch das dberwiegend warme und milde Klima, hatten die Tiere ohnehin eine guinstig hohe Korpertempera- tur. Brauchten sie mehr Warme, sonnten sie sich. Bei manchen Arten war daftir die Hautoberflche vergréBert: Spino- und Ouranosaurus trugen ein Riickensegel, Stegosaurier gut durchblutete Rucken- platen Die massigen Kérper der Rieset rier knnen auf diese Weise je ausreichend aufgeheizt bei ihnen staute warme, die in j Muskelbewegungen ui zesse entsteht sie sich schnel Haut. Aber ing Waren Dinosaurier Warmbliiter? sendinosaurier verzgerte sich diese Ab- gabe durch den langeren Weg zur Haut und die relativ kleinere Oberfiache, so daB sich _geniigend Warme ansammelte und die Tiere zwangslaufig zu Warmblutern wurden. Und die Jungtiere? In ihren klei- nen Kérpern konnte sich noch nicht ausrei- chend Warme aufstauen. Wahrscheinlich verbrachten sie die ersten Jahre ihres Le- bens als wechselwarme Tiere. Eine andere Méglichkeit, als Warmbliter zu leben, entwickelte sich bei den Raubdi- nosauriern. Die ,nebenbei* entstandene Warme wurde durch zusatzlich erzeugte Heizwarme erganzt, was nur mit Hilfe der energiereichen, schnellverdaulichen Fleisch- nahrung méglich war. Als Warmbliiter wa- ren die Tiere nun jederzeit zur schnellen Jagd oder Flucht in der Lage Doch besonders bei den kleinen Arten muB der Warmeverlust Uber die Haut hoch gewesen sein, Man nimmt daher an, daB die kleineren Raubdinosaurier ein isolieren- des Federkleid trugen. Bei einem von ih- Dinosaurier legten Eier. Das konnte man annehmen, bevor tat- siihlich versteinerte Dinosauriereier ge- funden wurden, denn Dinosaurier sind Rep- tilien. Aber wie diese Eier ausgesehen haben, konnten erst Funde zeigen. Eine Voraussage war még- lich: Die Eier konnten nicht dicker gewesen sein als die Offnung im Becken der Weib- chen, durch die sie ja passen muBten. Die ersten Reste von Dinosauriereiern fand man schon im vorigen Jahrhundert in Suid- frankreich, aber tiber die Gr6Be und die Zu- gehérigkeit konnte man nichts Genaues sagen. Die ersten Eigelege wurden 1923 in der Wiiste Gobi entdeckt. Sie stammten von verschiedenen Dinosaurier-Arten. Wie sahen die Eier aus? Eigelege von Protocenatops. Es wurde in der Gobi gefunden, Die Fundstelle in Suidfrankreich erwies sich spater doch als sehr ergiebig. Mehrere hundert Eier wurden geborgen, die vor 70 Milionen Jahren bei einer Uberschwem- mung mit Sand und Schiamm bedeckt wor- den waren. Es lieBen sich 10 Eitypen unter- scheiden. Die groBten Eier waren rundlich, bis zu 24 Zentimeter lang und hatten ein Volumen von 3 bis 35 Litern. In einem nicht vollstandig erhaltenen, etwa 1 Meter breiten und 0,70 Meter tiefen Nest lagen 12 solcher Eier. Sie stammen wahrscheinlich vom Riesendinosaurier Hypselosaurus. 40 Die schénsten Nestfunde gelangen seit 4978 in Montana, Nordamerika. Eine Worden cle | ganze Kari ven 1 - Betreut? Uber 10 Nestern ei: nes Entenschnabel- dinosauriers hatte sich hier erhalten. Jede Nestmulde war 2 Meter breit und 1 Meter tief. In einer lagen zwar nur zertretene Eischalen, in einem anderen dafur aber Jungtiere, die bereits 0,50 bis 2 Meter lang waren. Zur Zeit des Schluipfens aus den etwa 20 Zen- timeter langen Eiern diirften sie 30 bis 35 Zentimeter groB gewesen sein. Sie blieben also noch Kingere Zeit im Nest (wobei sie die Eischalen zertraten) und wurden wahr- scheinlich von ihren Mitten bewacht und gefittert. Maiasaura (Mutterechse) wurde dieser Entenschnabeldinosaurier deshalb genannt. Da® die Muttertiere auch gebriitet haben, ist bei ihrer Kérpermasse von min- destens 2 Tonnen nicht anzunehmen. Wahrscheinlich hat das pflanzliche Nist- material durch Garung gentigend Brut- warme geliefert. Daneben hatten auch Gazellendinosaurier einen Nistplatz, der offenbar jahrelang be- nutzt wurde, In den 10 jeweils 1 Meter brei- ten Nestern lagen bis zu 24 langliche Eier. Die frisch geschllipften Gazellendinosau- rier blieben aber nicht im Nest, sondern verlieBen es sofort und versammelten sich in der Nahe zu einer Kindergruppe. Es gab also bei Dinosauriern schon Nesthocker und Nestflichter-Verhalten der Jungtiere, die von ihren Mattern unterschiedlich be- treut wurden. Funde von Fahrten und Massenansamm- lungen von Knochen geben Hinweise dar- Lebten i auf, daB einige Dino Pesan saurier-Arten in Her den gelebt haben. Aus den FuBspuren kann ein gelibter Fahrtenleser viel tiber die Verhaltensweisen der Tiere herauslesen. Hier hat eine Herde von Riesendinosauriern thre Fufispuren hinterlassen (Colorado, USA) In Texas verlaufen Uber eine Gesteins- schicht 20 Riesendinosaurier-Fahrten par- allel zueinander. Nur wenige Abdrlicke Uberlagerten sich. Aus ihrer unterschied- lichen GréBe geht hervor, daB zur Herde auch Jungtiere gehérten, die sich in ihrer Mitte authielten. Aut einer Felsplatte in Kanada hat eine Herde von Entenschna- eldinosauriern ihre FuBabdrlicke hinter- lassen. Sie war in breiter Front Uber den damals weichen Untergrund gezogen. Die Jungtiere trotteten offenbar hinterher, denn ihre Fahrten dberdecken manchmal die der alteren Tiere. So gibt es inzwischen viele Beispiele fir ein Herdenleben bei den Pflanzenfressern. Aber auch einige Arten der Kleinen Raub- dinosaurier lebten im Rudel. An einer Stelle verlaufen 19 gleichartige Fahrten mittle- rer Schrittlange nebeneinander Uber eine Flache. Das kénnte bedeuten, da sie auch im Rudel jagten Die Spuren der groBen, schweren Raub- dinosaurier, wie Tyrannosaurus, finden sich dagegen bisher nur einzeln. Die einfache Methode, das Alter von Lebe- wesen durch das Ab- z&hlen von Jahresrin- Wie alt wurden | gen zu ermittein, Dinosaurier? kann man bei Dino- ‘sauriern nicht anwen- den. Unter den das ganze Jahr hindurch gleichbleibenden Be- dingungen jener Zeit konnten die Lebewe- sen gleichma@ig wachsen. Es bildeten sich weder bei Baumen noch bei den Zahnen oder Knochen der Dinosaurier deutliche Jahresringe. So ist man auf Vermutungen angewiesen. Frisch nach dem Schilipfen wuchsen die Jungtiere sicherlich schnell, besonders die Nesthocker unter ihnen, die in den ersten Lebenswochen von ihrer Mut- ter gefiittert und beschiitzt wurden. Nest- flichter haben vom Schltipfen an eine gré- Bere Selbstandigkeit, wachsen anfangs aber etwas langsamer. Hatten die Dinosaurier etwa zwei Drittel der ErwachsenengrdBe erreicht, waren sie fortoflanzungsfahig. Das Wachstum ver- langsamte sich jetzt, horte aber bis zum Lebensende nicht auf. Man nimmt an, da3 die Riesendinosaurier 40 bis 50 Jahre bis zur Fortpflanzungsreife bendtigten und Uber 200, vielleicht sogar 300 Jahre alt wer- den konnten. Die Lebensdauer der klein- sten Arten erreichte wahrscheinlich nur 1 oder 2 Jahrzehnte. Entenschnabel- dinosaurier Mutter mit Jungriereh. Die anderen Saurier Der Begriff Saurier wird nicht immer ein- deutig gebraucht. Ur- spriinglich bezeich- Wer zahit zu nete man damit den Sauriern? alle groBwiichsigen Reptilien — (Kriech- tiere) und Amphibien (Lurche), die in vergangenen Erdzeitaltern lebten und jetzt ausgestorben sind. Heute werden naturlich auch die kleineren Arten dazugezahit. Da auch Krokodile, Briicken- und Schuppenechsen des Erdmittelalters als Saurier bezeichnet werden, kann man ebenso ihre heute noch existierenden Ver- treter mit einbeziehen. Der Begriff Saurier bedeutet jedenfalls genau dasselbe wie Echse oder Reptil. Und wenn eine Tierart mal Panzerechse, mal Panzersaurier und mal Panzerreptil genannt wird, dann ist da- mit doch immer dasselbe gemeint. Zu denjenigen Sauriem, die heute als Am- phibien eingestuft werden, gehéren die Steinkohlensaurier und die Panzerlurche. Sie sind an ihren Skeletten auch nur schwer von Reptilien zu unterscheiden. Mastodonsaurus war beispielsweise solch & ein riesiger, 4 Meter langer \ Lurch. Er lebte wie ein Krokodil in SUmpfen und Seen. Die ersten Reptilien, die sich in der Stein- kohlenzeit (Karbon) vor Uber 300 Milio- nen Jahren entwik- kelten, werden als Ur- saurier oder Stamm- reptilien bezeichnet, Zunéchst waren es kleinere eidechsenahn- liche, rauberisch lebende Tiere. Doch im Laufe der Zeit gab es immer gréBere Ur saurier, die sich mehr und mehr von Pflan- zen emahrten. Die gréBten waren 3 Meter lang und schwerfallig, mit seitwarts abge- winkelten Beinen und dicker, héckriger Haut. Sie besiedelten die ganze Erde. Aus dieser Gruppe sind alle anderen Reptiien hervorgegangen. Gab es vor den Dinosauriern andere Saurier? Lime ‘Ursauner) Bradysaurus (Ureauren) Schon in der Steinkohlenzeit entwickelten sich aus Urreptilion die langschwanzigen bis zu 3 Meter langen Wolf- oder Kamm- saurier (Pelycosaurier) mit kréftigen Eck- zahnen im GebiB. Bei vielen ragten vorn Riicken hohe Knochenstabe auf, zwischen denen sich ein Hautsegel spannte. Bei den kurzschwanzigen Saugetierahnlichen Rep- tilien (Therapsiden) verlagerten sich die Beine allmahlich unter den Kérper und er- méglichten so auch massigen Tieren ein leichteres Laufen. Mit ihren schweren Kép- fen und den hauerartigen Eckzahnen erin- nern die gréBten Arten unter ihnen an FluB- pferde. Die GroBkopfsaurier (Dinocepha- lier) Moschops — ein Pflanzentresser — und Anteosaurus — ein Raubtier mit einem ge- waltigen Gebi8 — waren tiber 3 Meter lang, Noch gréBer konnten die Zweizahnsaurier (Dicynodontier) werden. Sie hatten nur 2 riesige hauerahnliche Eckzahne im Ober- "schope (Grofkopfseuren Anteosaurus (Grobkoptsaunen Lystrosaurus (@itezarneauron kiefer. Der Ubrige Kiefer war von einem har- ten Hornschnabel uberzogen. Bei den Raubtierzahnsauriern (Theriodon- tier), vorwiegend Fleischfressern, wurden Gestalt und GebiB immer hundeahniicher. Wahrscheinlich bildeten sich schlieBlich Haare, Lippen und Wangen, Milchdriisen und Warmblitigkeit, wie es spater fur Sau- getiere typisch ist. Aber fast alle diese Sau- getierahnlichen Reptilien starben zu Be- ginn des Dinosaurier-Zeitalters aus! Nur wenige kleine Arten entwickelten sich in der Triaszeit zu echten Saugetieren weiter, Diese blieben unscheinbar klein, nur maus- bis eichhérnchengroB. Sie existier- ten nicht nur neben den Dinosauriern, son- dern Uberlebten diese und konnten sich in der Erdneuzeit zu einer noch grdBeren Viel- falt als die Dinosaurier selbst entwickeln. Andere Nachfahren der Ursaurier waren die Schnabelkopfsaurier (Rhynchocepha- lier). Anfangs noch klein, gab es auch bei ihnen spater tiber 3 Meter lange schwerfal- lige GroBtiere. Typisch waren breite gerillte Zahnplatten in der papageischnabelartigen Schnauze. SchlieBlich lebten vor den Dinosauriern na- tirlich noch deren Vorfahren, die Wurzel- zahnsaurier (Thekodontier) Die Thekodontier waren anfangs krokodil- Abnlich, hatten auch meist einen Panzer aus Knochenplatten unter der Haut, lebten Uberwiegend im flachen Wasser und wur- den Uber 4 Meter lang. Auch sie entwickel- ten sich zu erstaunlich unterschiedlichen Typen, so zu bizarr gepanzerten GroB- und Adlerkopfechsen, langschnauzigen Fischfangern in den Gewéaissern, winzig kleinen, nur 20 Zentimeter langen Klet- terechsen mit fallschirmartigen Seiten- hauten oder Rickenfortsatzen sowie zu den schlanken Schnellauferech- sen, die als die unmittelbaren Vorfah- ren der Dinosaurier angesehen wer- den (s. S. 9). Desmatosuchus (links) und Longisguama (rechs), zwei / Thekodontiet Ve ¢ Der grijpte Flugsaurier Quetzatcoatlus (oben) und der Planktonfiseher Prerodaustr. Die Flugsaurier waren Zeitgenossen der Dinosaurier. Beide stammen von Welche Saurier | denselben Vorfahren konnten fliegen?| ab, den Wurzelzahn- sauriern. Aber welch ein Gegensatz zwi- schen einem riesigen ElefantenfuBdino- saurier und einer zartgliedrigen Flugechse! Das typische Kennzeichen der Flugsaurier waren ihre Armfliigel. Eine schmale ledrige Flughaut reichte von der Kérperseite bis zur Spitze des enorm verlangerten vierten Fingers. Die kurzen ersten 3 Finger trugen Krallen und ragten aus der Vorderkante des Flligels hervor. Die ersten Flugsaurier erreichten die GréBe von Amsein oder Krahen, allmahlich entstanden gréBere Arten. Am Ende der Kreidezeit lebten die gréBten, darunter ein riesiger Segler mit den AusmaGen eines Segelflugzeuges. Man teilt die Flugsaurier in 2 Gruppen ein Die Langschwanz-Flugsaurier mit langem Schwanz und kurzem Hals lebten in der er- sten Halfte des Dinosaurier-Zeitalters bis zum Ende der Jurazeit. Die Kurzschwanz- Flugsaurier mit langem Hals und schmale- ten, langeren Fligeln traten erst zur Zeit der letzten Langschwanz-Flugsaurier auf und existierten bis zum Ende der Kreide- zeit. 44 a Flugsaurier: ‘Scaphognathus Dimorphodon Dsungari- plerus, Prerodactyius Pteranodon Die meisten Flugsaurier erbeuteten Fische, was durch Nahrungsreste an den Stellen, wo sich der Magen oder der Kehisack be- funden hatten, nachgewiesen ist. Dicht Uber der Wasseroberflache fliegend, ergrif- fen sie die Fische mit ihrer Schnauze, in der spitze Zahne saBen. Die sehr groBen Flugsaurier hatten keine Zahne, sondern einen Hornschnabel. Pter- anodon (Zahnloser Flieger) kénnte mit sei- nem Unterschnabel das Wasser durch- pfliigt und zugeschnappt haben, wenn er einen Fisch beriihrte. Kleinere Arten waren wohl Insektenfanger. Und der gréBte Flugsaurier — Quetzalcoat- lus — lebte wahrscheinlich wie heute die Geier von Aas. 3. Eine Paddelechsengestalt, bei der nur Meareksaitier: die Beine als Ruderflossen benutzt wur- 2 4 den, hatten Plesio- und Pliosaurier und Meeresschildkréten 4, Eine Fischgestalt, die mit Hilfe kurzer Schlige der hohen Fischschwanzflosse Moorosschirete vorangetrieben wurde, hatten die delphin- ahnlichen Fischsaurier. Zwischen allen Haupttypen gab es auch Ubergange, so daB eine groBe Vielfalt un- ter den Meeressauriern entstand. Die Fischsaurier (Ichthyosaurier) - unter- scheiden sich am starksten von der vierbei- nigen Landechsengestalt der Ursaurier ‘orcessten Die urspriinglich fanfzehigen FaBe wurden zu flachen Ruderflossen. Und die hohen Schwanz- und Riickenflossen sind kein .Erbteil* der Fische, sondern ,Neuentwick- lungen* der Fischsaurier! it der Gestalt eines Fisches _konnten diese Saurier nicht mehr an Land Bier able- gen, wie es sonst fir die anderen Meeres- saurier und die heutigen Seeschildkroten Pesioseurus typisch ist. Daher mussen die Fischsaurier lebende Junge geboren haben! Gut ethal- tene Skelettfunde von Muttertieren mit voll entwickelten Jungen im Bauch bestatigen diese Voraussage. Kronosaurus Mosasaurus Icahyosaurus, Die meisten Saurier waren Landbewohner. irr Fischsaurier Doch haben sich mehrere Wie sahen die Meeres- saurier aus? standigen _ Lebens- raum —_ erschlossen und sich ihm in ihren Korperformen bestens angepaBt; 1. Eine Echsengestalt mit RuderfuiBen | seitlich abgeflachtem Ruders ten Pflasterzahn- und Nothos: 2. Eine langgestreckte ¢ durch Schlangelbeweg oP “Adriosaurus, in Mosasaurier gage Vom Untergang der Dinosaurier Diese Frage wird meist schnell und ein- fach beantwortet: vor etwa 65 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit und damit des Erdmittelalters. Uber 150 Millionen Jahre lang hatten immer wieder neue Dino- saurier das Leben auf dem Land gepragl, jetzt verschwand diese Tierwelt innerhalb kurzer Zeit véllig von der Erdoberflache. Nicht ein einziger Fund ist aus den Ablage- rungen der Tertiérzeit bekannt. Aber nicht alle Dinosaurier-Arten und -Gruppen haben diese Zeit Uberhaupt er reicht. Bereits 120 Millionen Jahre fruher, mitten im Dinosaurier-Zeitalter, waren die letzten der Vor-Riesendinosaurier_ schon wieder verschwunden. Auch die Stachel- dinosaurier starben 60 Millionen Jahre vor den Ubrigen Dinosaurier-Gruppen aus. Da- fdr tauchten die Dickkopf- und die Horn- dinosaurier zu diesem Zeitpunkt erst aut Standig entwickelten sich neue Arten, aber ebenso verschwanden viele auch wieder von der Erde. Der gréite Tell der Dinosau Wann starben die Dino- ‘saurier aus? Seit ihrer Entdeckung bewegt auch das restlose Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit die Gemiter vieler Menschen. Mehr als 100 Theorien tiber die Ursachen sind aufgestellt worden, die meisten davon erwiesen sich als unhaltbar. Warum starben die Dino- saurier aus? Oft wird namlich Ubersehen, daB andere Tiergruppen die kritische Zeit Uberlebt ha- ben: Krokodile, Eidechsen, Schlangen, Schildkréten, Végel und Saugetiere. Galten dieselben Ursachen fur sie nicht? Andererseits verschwanden mit den land- bewohnenden Dinosauriern auch die Mee- ressaurier, Ammoniten und andere Meeres- kleintiere, aber auch Landpflanzen von der Bildflache. Dieselben Griinde miiBten auch flr sie Zutreffen! Unsinnig sind die Theorien von einer legendaren Sintflut - denn es starben auch Meerestiere aus, wahrend viele Landtiere offenbar keinen Schaden nahmen — und die von der Ausrottung durch Urmenschen, denn sie entwickelten sich erst 60 Millionen Jahre spater. Auch andere Griinde, die bei den Dinosau- riern selbst liegen sollen, konnen nicht die alleinige Ursache sein — etwa der Riesen- wuchs und die Schwerfalligkeit, denn auch die kleinsten und die schnelisten Dinosau- rier starben aus. Unhaltbar sind auch die Erklarungen, die Raubdinosaurier hatten erst alle Pflanzenfresser vernichtet_und seien dann selbst verhungert, oder die klei- nen Saugetiere fraBen alle Dinosauriereier = warum aber nicht die von den Uberleben- den Reptilien? Eine der jungsten Theorien beruft sich auf eine plotzliche Katastrophe durch den Einschlag eines riesigen Meteo- riten. Danach nimmt man an, ein Himmels- k6rper von 10 Kilometer Durchmesser traf die Erde. Der Aufprall wirbelte so viel Staub in die Hohe, da3 der Himmel Uber der ge- samten Erde monatelang’ verdunkelt war, Die auf Licht angewiesenen Pflanzen star ben, mit ihnen die Pflanzenfresser, danach die Fleischfresser. Es wurde erst sehr ka weil die Sonnenstrahlung nicht mehr zur Pion et hinduism le Wenn diese Katastrophe, fiir die es tat- sachlich viele Anzeichen gibt, so drama- tisch stattgefunden hat, ware ein pldtzli- ches Aussterben aller Dinosaurier sehr ver- standlich, Aber es ware andererseits uner- klarlich, warum ebenso empfindliche Tiere, wie die Végel, Uiberleben konnten! Uberzeugendere _ Forschungsergebnisse deuten darauf hin, daB das Aussterben der Dinosaurier nicht plétzlich, sondern in einer langer andauernden Krisenzeit ablief. All- mahlich verschlechterten sich die Lebens- bedingungen fir diejenigen Tiere, die an das bis dahin Uberall gleichmaBige feucht- warme Klima und die tippige Ptlanzen- und Tierwelt angepaBt waren. Die standige Ver- lagerung der Kontinente und Meere brachte spiirbare Klimaveranderungen mit sich. Durch die Bewegungen der Erdkruste und die Erweiterung der tiefen Ozeanteile wurden immer mehr Flachmeergebiete zu trockenem Land mit einer weniger Uppigen Pflanzenwelt. Dariiber hinaus wurde die vorher gleichma®ige Warme durch kaltere Nachte und kihlere Winter unterbrochen. Viele Dinosaurier fanden nicht mehr Uiberall und standig reiche Nahrung, Kiihle Nachte und Winter verschlechterten die Brutbedin- gungen fiir die Eier. Jungtiere wuchsen langsamer. Allmahlich wurden die einzel- nen Dinosaurier-Arten immer seltener und starben nach und nach aus, in einem Ge- biet eher, im anderen Saugetiore immer andere Pflanzen- rien ,auftauchten* und sich ‘riteneinschlag oder andere plétz- Katastrophen konnen die ungtinsti- und. Pflan- , aber nicht Mit dem Aussterben der Dinosaurier, der Flug- und Meeres- saurier sowie ande- Haben die : rer Sauriergruppen Dinosaurier Si Nechtahrong | begannen die dberie: benden Landwirvel- tiere die freigeworde- nen Lebensraume fiir sich zu erschlieBen. Das gelang vor allem den Warmbliitern un- ter ihnen, den Saugetieren und den VO- geln. Die Vogel sind sogar die einzigen echten Nachkommen des Dinosaurierge- schlechts, obwohl ihr AuBeres heute das kaum noch erahnen l&Bt. Aber viele Einzel- heiten des Kérperbaus und das Ei erinnern an ihre Vorfahren unter den Kleinen Raub- dinosauriern. Der Grund fir das Uberieben von Végeln und Saugern liegt sicherlich in ihrer Fahigkeit, ihre KOrpertemperatur auch unter schwierigen Klimabedingungen regu- lieren zu knnen. Das Federkleid und der Haarpelz waren dabei eine gute Hilfe. Unter den vielen Vogel-Arten, die sich nun herausbildeten, erstaunen besonders die- jenigen, die eine Gestalt und Lebensweise wie Raubdinosaurier erreichten. An die StrauBdinosaurier erinnern Strau8_ und Emu, an die kleinsten Raubdinosaurier der Rennkuckuck. Die Sdugetiere aber brachten besonders viele neue Typen hervor. Auf dem Land wur- den die Lebensréume der Dinosaurier mit Pflanzen- und Fleischfressern aller GroBen wiederbesetzt. Kanguruhs, Nashémer und Girteltiere ahneln sehr stark den Gazellen-, den Horn- und den Panzerdinosauriern Sogar in die ehemaligen Bereiche der Flug- und der Meeressaurier drangen Sau- getiere, wie Fledermause und Flughunde, Robben, Seekiihe und Wale, vor. Die dberlebenden Saurier oder Reptilien waren wechselwarme Tiere und konnten sich nicht ganz so erfolgreich entfalten. Doch Schuppenechsen, Schlangen und Schildkréten entwickelten sich noch einmal zu vielen unterschiedlichen Arten. Die weit- gehend unverdnderten Krokodile aber iiberleben heute in nur 20 Arten, die Schnabelkopt- oder Briickenechsen sogar nur in einer einzigen Art. Straus Giratte } Nashorn ige Reptilien von heute: Es gibt in Mitteleuropa bisher etwa fiintzig Fundstellen von Dino- saurierknochen und Wo wurden in Mitteleuropa | -fahrten. Die meisten Dinosaurier davon stammen aus gefunden? der spaten Traszeit. Hierzu_gehdrt auch die erste Entdeckung, der Plateosaurus, von 1837 bei Nurnberg. Spater konnte die- ser Vor-Riesendinosaurier noch an weite- ren Stellen ausgegraben werden, darunter viele vollstandige Exemplare in Halberstadt am Harz, bei Trossingen am Schwarzwald und bei Frick im Norden der Schweiz. Auch mehrere andere Arten fanden sich dort so- wie in Sid-Thitringen, bei Stuttgart und bei Tubingen: so die Raubdinosaurier Haltico- saurus, Procompsognathus, Avipes, Ve- locipes, Dolichosuchus, Teratosaurus und die Pflanzenfresser Sellosaurus und Efraasia. ‘Aus Juragesteinen der Frankischen Alb stammen die Skelette des kleinsten Raub- dinosauriers Compsognathus und des Unvogels Archaeopteryx. Knochen des groBen Megalosaurus entdeckte man in Schleswig-Holstein und in Osterreich. Von Riesendinosauriern wurde bisher nur ein Beinknochen bei Ohmden éstlich von Stutt- gart gefunden (Ohmdenosaurus). Bei Grimmen in Vorpommern fand man einen versteinerten Schadel eines mittelgroBen Gazellendinosauriers (Emausaurus). Fahrten von groBen Raub- und Riesen- dinosauriern wurden im Wiehengebirge bei Barkhausen freigelegt. Auch aus der Kreidezeit gibt es bisher nur wenige Funde: ein kopfloses Skelett des Papageischnabeldinosauriers Stenopelix im Weserbergland, mehrete Iguanodon- und Raubdinosaurier-Reste im Sauer land, den VogelfuBdinosaurier Mochlodon bei Salzburg sowie die beiden kleinsten Panzerdinosaurier Struthiosaurus und Crataeomus im ostlichen Osterreich. An mehreren Stellen im Weserbergland wurden Fahrten von Iguanodon und sei- nen Verwandten entdeckt. Museum fiir Naturkunde Berlin: Zahirei- che Funde aus Ost- In welchen afrika, darunter fun Museen sind ‘Skelette von Brachio-, Dinosaurier Dicraeo-, Elaphro-, ausgestellt? Kentruro- und Dysa- lotosaurus, dazu Pla- teosaurus und Diplodocus, Archaeopteryx und Compsognathus, Senckenberg-Museum Frankfurt am Main: Skelette von Diplodocus, Plateosau- rus, Anatosaurus, guanodon, Schadel von Triceratops und Tyrannosaurus. Museum fiir Naturkunde Stuttgart: Drei vollstandige Plateosaurus-Skelette sowie Reste weiterer Dinosaurier aus Deutsch- land und Ostafrika. Museum fiir Paldontologie Tubingen Skelette von Plateosaurus, Kentrurosau- rus, Hypsilophodon und Coelophysis, Teile von Diplodocus und Protoceratops, Scha- del von Iguanodon und Tyrannosaurus. Pla- teosaurus-Skelette und weitere Saurier- reste findet man auch im Museum Hei- neanum Halberstadt und im Naturhisto- rischen Museum Basel. In Siiddeutschland befinden sich Originale der kleinen Raubdinosaurier aus der Jura- zeit: Das Compsognathus-Skelett liegt in Minchen, Bayerische Staatssammlung fiir Paldontologie, ein Archaeopteryx-Ske- lett wird in Eichstatt im Jura-Museum, ein zweites in Solnhofen im Biirgermeister- Miiller-Museum aufbewahrt. Dinosaurier aus Europa und Amerika sind im Naturhistorischen Museum Wien und im Haus der Natur Salzburg zu sehen In Norddeutschland kann man freigelegte Fahrten an den Originalfundplatzen bei Barkhausen und Miinchehagen im Nor den des Weserberglandes besichtigen Auch die Museen der Umgebung, vor allem in Osnabriick, in Miinster und in Hanno- ver, zeigen Fahrten, Skelettreste und in OriginalgréBe nachgebildete Dinosaurier. Dinosaurier-Plastiken stehen auBerdem in Kleinwelka, in Miinchehagen und im Zoo Hagenbeck Dinosaurier der Triaszeit 1 Plateosaurus 2 Efraasia 3 Halticosaurus 4 Procompsognathus 5 Avipes 6 Teratosaurus 7 Velocipes 8 Dolichosuchus 9 Sellosaurus Dinosaurier der Jurazeit 10 Compsognathus 11 Archaeopteryx 12 Megalosaurus 13 Ohmdenosaurus 14 Emausaurus 15 Mochlodon’ Dinosaurier der Kreidezeit 16 Stenopelix 17 Iguanodon 18 Struthiosaurus Oairicn ek © imsinack Gaz © OSTERREICH OBern SCHWEIZ janel” Museum Freilichtmuseum Saurierpark A