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Carl Schmitt: „Der Begriff des Politischen“

1. Unter welchen Voraussetzungen schrieb Carl Schmitt seinen Aufsatz „Der...“?

Die ursprüngliche Fassung wurde mehrmals geändert.

Schmitt rechtfertigt die undurchsichtige Polemik seines Textes mit der Notwendigkeit einer Antwort auf eine „Zwischenlage“. Alle politischen
Begriffe haben einen polemischen Sinn.

Die erste Fassung wurde in Bonn geschrieben. Sie war,


aus einer Krise des Staatsrechts heraus geschrieben,
selbst Symptom der Krise und
für ein das Berliner Publikum, das packende Formulierungen wollte, bestimmt.

„Nicht nur der Staat befindet sich in einer Krise; einem staatsrecht, das ein Verschwinden seines Gegenstandes diagnostiziert, ergeht es ebenso...Er
rekonstruiert den Staat.“

„Carl Schmitt entwickelte Begriffe und Positionen als Theoretiker der Gegenrevolution. Für Carl Schmitt gab es nur einen wirklichen Feind: die
demokratische Arbeiterbewegung, die den autoritären Staat durch Demokratie auf der Grundlage von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit
zu ersetzen suchte.“

Volk und Reich dürfen nicht in einer lückenlosen Legalität restlos gefesselt sein.
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2. Was bedeutet Freund und Feind? Und wie wurde der Begriff des Politischen in der Folgezeit aufgenommen?

Das Politische auf die Unterscheidung Freund-Feind zu verkürzen verwischt die Grenzen zwischen Feind und Gegner sowie zwischen Feind und
Feindbild.

Freund-Feind-Theorie ist ein Produkt der spezifisch deutschen Geschichte. Schmitt hat sie in Auseinandersetzung mit dem Pluralismus entwickelt:
primärer Begriff des Politischen (Religions-, Sozial-, etc.- Politik sind sekundäre Begriffe des Politischen)

Freund-Feind Gruppierungen sind nicht mit dem Staat identisch. Der Staat bestimmt den inneren Feind. Das Unterscheiden ist die eigentliche
Dezision, die politische Einheit wird konstituiert.

Autoritäre Politik braucht Feindbilder, um Machtpositionen zu erringen oder zu festigen, um Hegemonie festzusetzen, um Befugnisse
durchzusetzen.
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3. Worin unterscheidet sich der Begriff des Politischen des Carl Schmitt von anderen Auffassungen über das Politische? Und was ist
der Unterschied zwischen dem Begriff des Politischen und dem Begriff der Politik?

Das Politische Die Politik


Schmitt Andere Schmitt Andere
Platon Philosophie und Tugend - Souveränität Platon: Ordnung

- Entscheidung Aristoteles Ethik Aristoteles Praxis


- Recht
Patristik Sünde, Gehorsam
- Gruppierung
im Konfliktfall Scholastik Leitung, allgemeines Wohl - Verteidigung

Luther „saecularis“ Scholastik Herrschaft


- Partei - Dominanz
Konfess.ng illegitime Herrschaft des Staates Luther Technik der Obrigkeit
über
“ Pufendorf bürgerschaftlich, Wirtschaft und
Bewertungskate „disciplina“ Gesellschaft
gorie Marx Regierungshandeln, normlose
Liberalismus, Citoyen und Bourgeoise Technik
- Freund-Feind integrative scheinhaftes Tun Liberalismus Freiheit des Individuums
Politikbegriffe - Homogenität integrative
- Heterogenität Mittlere zwischen Staat und Politikbegriff Sollenssätze für Regierung
Gesellschaft e
- Das „Zu-
Verteidigende v. Treitschke Erhaltung der Macht,

Max Weber auf den Staat bezogen, Max Weber Streben nach Machtanteilen
politisches Handeln

Das Politische ist das Handeln Die Politik ist die Form (Normen und Werte)
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4. Wie leitet Schmitt den Begriff des Politischen her?

Politische Gegnerschaft ist etwas Abgeleitetes

Freund-Feind Kriterium
Zusammenschluss
Pluralismus
Kampf und Konflikt Dezision

Bestimmung der Politik von einer Grenzsituation her Antiliberalismus,


statt Diskussion ohne Entscheidung,
Entscheidung ohne Diskussion

Dezision ist nur möglich, wenn der Gegenstand .


gegen den sie sich richtet definiert wird: .
der Feind .
Dezision ist die Entscheidung über die .
Art und Form des eigenen Seins .
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5. Wie sieht die Linke aus Sicht Carl Schmitts aus und wie betrachtete die neue Linke den Begriff des Politischen?

Carl Schmitt geht von den Thesen aus, dass sich politisches Handeln nach dem Gegensatz von Freund und Feind strukturiert und dass sich politische
Entscheidungen nicht rational begründen lassen. Das Anfechtbare beider Aussagenberuht unter anderem darin, dass sie mit dem Anspruch auftreten,
das Wesen des Politischen und nicht etwa nur die Erscheinungsform von Politik in einer bestimmten geschichtlichen Situation zu beschreiben.

Mit seinen Theorien und Gedanken über das Politische, die Verfassung, den Parlamentarismus, völkerrechtliche Abgrenzungen, Land- und
Raumnahmen hat er jedenfalls nicht nur das Staats- und Verfassungsrecht über die Grenzen Deutschlands hinaus bis auf den heutigen Tag
befruchtet- er hat auch die sozial- und Geschichtswissenschaften beeinflusst. Dieser Einfluß reicht bis weit in die neue Linke hinein, die Carl
Schmitt entscheidende Impulse ihrer Liberalismuskritik verdankt. Das Spektrum seiner Ansätze reicht von einer politischen Theologie über eine bis
heute nachwirkende Verfassungslehre aus den zwanziger Jahren bis zur Theorie des Partisanen, die Schmitt angesichts der Befreiungsbewegung der
Dritten Welt unter Aufnahme von Gedanken Maos entwickelt hat.

Walter Benjamin: wie Schmitt ein Gegner des Parlamentarismus des Liberalismus und des Denkens in Kompromissen, Kompromiß ist Korruption.
Der Geist einer Epoche entfaltet sich erst im Ausnahmezustand, Neigung zum Theologischen und Absoluten.

„Carl Schmitt erkannte damals, dass ´verschiedenartige Interessen´ hinter´ legalen Wällen Deckung nehmen´ können, dass Legalität zum
„Schutzwall“ für die Arbeiterbewegung werden kann.“

„Freund-Feind ist die gegenrevolutionäre Antwort auf die Klassenkampftheorie...Carl Schmitt erkennt, dass die Linie des ökonomischen Kampfes
nicht notwendigerweise mit der Kampflinie der Politik identisch ist.“
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Der Toleranzbegriff bei Carl Schmitt und Hans Kelsen


(wertneutrale und passive Toleranz)
Hans Kelsen, Verfassungsrechtler,
hielt 1932 noch die Verteidigung der demokratischen Staatsverfassung gegen die antidemokratischen Kräfte für einen Selbstwiderspruch. „Bleibt
sie sich selbst treu, muß sie auch eine auf Vernichtung der Demokratie gerichtete Bewegung dulden.“
reine Rechtslehre, keine Vermittlung zwischen positivem Recht und Naturrecht. Trennung zwischen Sein und Sollen, Rechtspositivismus,
Verfassung ohne Wertesystem, Rechtsformalismus
Demokratie kann sich durch Mehrheitsbeschluß selbst abschaffen (dagegen Dolf Sternberger: „Keine Duldung den Feinden der Duldung“).
Radikale Auslegung des Toleranzbegriffes: „Die Freiheit der Wissenschaft in Verbindung mit dem Glauben an die Möglichkeit ihrer Objektivität.“

Carl Schmitt
passive Toleranz ohne Selbstverteidigung des Staates macht das parlamentarische System handlungsunfähig.
Toleranzprinzip leitete sich aus der Passivität des Staates gegenüber den Konfessionen her. Der Staat muß gegenüber allen Anschauungen neutral
bleiben: Freiheit der Propaganda, der Sitte und Moral.
Der neutrale Staat ist der inhaltslose Staat. Der totale Staat ist der starke Staat. „Er denkt nicht daran, die neuen Machtmittel seinen eigenen Feinden
und Zerstörern zu überliefern und seine Macht unter irgendwelchen Stichworten, Liberalismus Rechtsstaat oder wie immer man es nennen will
untergraben zu lassen.
Massendemokratie ist ein heterogenes Gebilde physischer oder moralischer Gleichheit. Zur wahren Demokratie gehört die Homogenität unter
Ausscheidung des Heterogenen. „Die politische Kraft einer Demokratie zeigt sich darin, daß sie das Fremde und Ungleiche, die Homogenität
bedrohende, zu beseitigen und fernzuhalten weiß.“
Toleranz ist ein subversives Ferment, dass die durch Artverbundenheit geschaffene Homogenität des Volkes sprengt und den Staat schwächt. Der
liberale Staat des 19. Jh. (stato neutrale e agnostico) ist Ergebnis eines Neutralisierungsprozesses, der im 17. Jh. einsetzte und die
Entscheidungsgewalt des souveränen Staates entscheidend schwächte. Toleranz soll dem privaten Bereich vorbehalten bleiben (Bodin), im
modernen Liberalismus liegt der Todeskeim der Souveränität.
Als Moses Mendelssohn vom Staat Glaubens und Gewissensfreiheit verlangte, tat er dies in dem Instinkt, „dass eine solche Unterminierung und
Aushöhlung der staatlichen Macht zur Lähmung des fremden und zur Emanzipation des eigenen jüdischen Volkes am besten dient.“
Toleranz bedeutet politisch nachteilige Neutralisierung, nur ein schwacher Staat überlässt die Entscheidungsfreiheit seinen Bürgern.
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Die Diktatur
„Daß die Verfassung unantastbar ist, besagt ... nur, dass jede verfassungsgesetzliche Einzelheit für den Diktator bei der Erfüllung seiner Aufgaben
ein unüberwindliches Hindernis darstellt. So werden Sinn und Zweck der Diktatur – die Sicherung und Verteidigung der Verfassung als eines
Ganzen missachtet und in ihr Gegenteil verkehrt. Jede einzelne verfassungsgesetzliche Bestimmung wird wichtiger als die Verfassung selbst.“
Der Begriff des Politischen
Das Politische als Voraussetzung des Staates. Eine Definition des Politischen als etwas auf den Staat bezogenes ist eine Tautologie
: Freund Feind.

Ernst Jünger sagte einmal: „Wer sich selbst kommentiert, geht unter sein Niveau“, worauf Carl Schmitt antwortete, dass dies für einen Soldaten
richtig sein möge, ein Wissenschaftler aber seine Aussagen ständig modizifieren müsse. Das beweist, dass der apodiktische Stil Carl Schmitts, der
seine Ansichten wie von einem Elfenbeinturm aus verfasst erscheinen ließ, eher Ausdruck einer zeitgemäßen Unreife des Denkens war als ein Teil
einer praxisorientierten, eindeutigen philosophischen Konzepts.

Politik und das Politische


Begriffsklärung: Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Staatswissenschaft“ bzw. „Staatskunst“
Abweichende Entwicklung seit Machiavelli: Kunst des Machterwerbs und der Machtbehauptung, ohne Bindung an einen bestimmten Zweck der
staatlichen Gemeinschaft

Platon:
Politik bezeichnet gemeinschaftlich Geschäfte, die Fähigkeit das Richtige oder Gerechte zu erkennen. Aufgabe der Staatskunst ist es eine Ordnung
zu schaffen. Politische Gewalt und Philosophie fallen zusammen. Der Bürger soll durch die Philosophie zur Tugend erzogen werden. Die
Philosophie sollte eben deshalb politisch werden, weil Politik in ihrer wahren Gestalt als Verwirklichung der Philosophie gedacht wurde.

Aristoteles:
Die Philosophie wird in verschiedene Disziplinen eingeteilt und in praktische und theoretische Philosophie geteilt. Politik gehört zur praktischen
Philosophie und die politische Wissenschaft ist die auf den Staat bezogene Philosophie unter Abhebung von der Ethik oder unter Ausgrenzung der
Ökonomik. Der Mensch ist ein von seiner Natur hin auf das Leben im Staat angelegtes Lebewesen. Der Mensch lebt im Staat um des guten Lebens
willen. Thema der Politik ist nicht die Erkenntnis, sondern das Handeln, ein „Gut“, dass der Mensch durch ein Leben der Tugend verwirklichen und
erwerben kann. Somit ist Ethik ein Teil der Politik, deren „Telos“ das politisch Gute ist. Die Ökonomik ist davon abgegrenzt. In der
Verfassungslehre gilt die Herrschaft über die Kinder als königlich, die Herrschaft über die Frau dagegen als politisch. Die politische Herrschaft ist
die Herrschaft der Vernunft über die Triebe, die ökonomische Herrschaft die Herrschaft des Mannes über Frau und Kinder. Der Unterschied zur
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Despotie besteht darin, dass die ökonomische dem Wohle der Regierten, die despotische dagegen dem Wohle des Regierenden dient. Der Tyrann
hat nicht den gemeinen Nutzen, sondern den eigenen Vorteil im Auge. Praktische Disziplin ist gleichzeitig wissen und Handeln die beste
Verfassung ist diejenige, nach der jedermann am besten handle und glückselig lebe.

Die Stoa
Im Zuge der Integration aller Gebiete des Mittelmeerraumes entsteht der Gedanke an eine Göttlichkeit der menschlichen Vernunft. Das Politische
bezieht sich nicht mehr auf eine begrenzte Gesellschaft, sondern gilt für die ganze Menschheit. Neben der Annahme der Existenz einer Menschheit
gewinnen Gerechtigkeit und Sorge für die Mitmenschen den Rang von Universalprinzipien. Der Mensch soll zum tugendhaften Leben erzogen
werden. Die Herrschaft Roms ist durch den Nutzen, den sie den anderen Völkern bringt.

Die Patristik
Aus der Lehre des Evangeliums wird ein neuer Herrschaftsgedanke abgeleitet. Der Christ hat dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Paulus
gebot den bedingungslosen Gehorsam gegenüber der Obrigkeit. Die Verwirklichung der eigentlichen Bestimmung des Menschen blieb unabhängig
vom Gelingen der weltlichen Ordnung, doch der Mensch sollten den Gesetzen des diesseitigen Staates ganz unterworfen sein.
Der Zusammenhang zwischen gerechter Regierung und glückseligem Leben war zerschnitten!

Scholastik
Die Verwendung des Begriffes Politik setzt in Anknüpfung an Aristoteles wieder ein. Er wird vorwiegend adjektivisch gebraucht, wobei politicus
den Begriffen civilis und socialis gegenübergestellt ist. Das allgemeine Wohl gliedert sich in zwei Aspekte, das Zusammenleben und die Herrschaft.
Zum einen lebt der Mensch von Natur aus in einer Gesellschaft, zum anderen bedarf es einer Leitung des Ganzen, um für das allgemeine Wohl zu
sorgen. Die Struktur des politischen Lebens ist teleologisch und nach einer Hierarchie der Zwecke geordnet. Der letzte Zweck des Daseins ist ein
über die Gesellschaft hinausweisendes „ultimus finis“, die politische Ethik ist dem Heilsverlangen der durch den Glauben bestimmten Peson
untergeordnet.

„Politisch“ bezog sich auf das Vorhandensein einer verfassungsmäßigen Ordnung. Gehorsem wurde damit zur Vorraussetzung der Erfüllung der
Zwecke, um derentwillen die Gemeinschaft überhaupt besteht.

Luther
Die weltliche Gewalt dient der Einhaltung der christlichen Gebote. Der Mensch hat sich äußerlich dem Gesetz zu unterwerfen. Die weltliche
Herrschaft ist gottgewollt. „Politicus“ entspricht „saecularis“, Das Politisch ist durch die Schlechtigkeit des Menschen gerechtfertigt. Die
Aufrechterhaltung der öffentlich Ordnung ist keine ethische Aufgabe der Bürger, sondern ein technisch-praktisches Problem für die Obrigkeit.
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Das Politisch erscheint aus dieser Perspektive als ein technisches Problem.

Neuzeit
Der Sinn von ´politicus´ wird vom Mittelalter zur Neuzeit so umfassend, dass er die bei aristotelische Bedeutung als freistaatlich aufschluckt.
aristotelische Tradition - Zusammenhang von Politik und Ethik im Zweck des Gemeinwohls.
Beobachtung der Moralgebote, Moralität der Mittel.
Staatsräson – Politik als Bereich der gegenüber der Moral autonom bleibt.
In der Gegenwart lebt in der Gegenüberstellung von ´normativ´ und ´empirisch´ die fundamentale Doppeldeutigkeit des Politikbegriffes fort, die
seine Geschichte seit Machiavelli und Hobbes bestimmte.

Macchiavelli
Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen, unter denen Macht erworben und erhalten werden kann. Der Staat ist gemäß der Natur des Menschen eine
bloße Machtorganisation. Er unterscheidet zwischen ´viviere politico´ und ´vivere civile´ und stellt diese der Tyrannenherrschaft ausdrücklich
gegenüber. Das Wort ´politico´ verwendet er nicht.

Bedeutungswandel
Die Frage, wann sich die Bedeutung des „Politischen“ von einem auf das Interesse des Staates gerichteten Handeln zur Bezeichnung illegitimer
Herrschaft wandelte ist nicht geklärt. Im Zuge der konfessionellen Auseinandersetzungen wurde ´politiques´ vermehrt zur Bezeichnung des Gegners
verwendet.

Pufendorf
Pufendorf knüpft an die ursprünglich Verwendung des Begriffes ´politisch´ an, ist sich aber der Zweideutigkeit der Begriffe „Politik“ und
„politisch“ bewusst. Nach dem Naturrecht ist der Mensch auf das Leben in der Gemeinschaft und im Staat angewiesen. Der Mensch wird aber nicht
durch die „natura“ zum „animal politicum“, sondern durch „disciplina“. Der politisch Mensch ist der, der seine natürliche Bestimmung erfüllt.
Politisches Verhalten ist demnach nicht nur Sache der Regierenden, sondern auch der Bürger.

„Politik“ wird zunehmend zum Ausdruck für Regierungslehre und Regierungshandeln. Doch Politik hat sich vom Idealbegriff im sinne der
Moralphilosophie zunehmend zum Realbegriff gewandelt. Das „Politische“ ist nicht mehr auf nur die öffentliche Ebene beschränkt und wird zum
Synonym für List und Verschlagenheit.
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Von Hobbes bis Kant


Hobbes entwickelt und begründet seine Politikphilosophie aus dem neuzeitlichen Wissenschaftsideal. Nach dem Vorbild der Mathematik wird die
praktische Politik zur technischen Kunstfertigkeit. Dieser Gedanke, dass es weniger darauf ankomme, die Menschen zu erziehen, sondern ihre
Schlechtigkeit in Rechnung zu stellen, geht in den Konsitutionalismus ein. Unter Kant wird aus dem Begriff der Politik die Bindung an empirische
Zwecke herausgelöst. Indem er dem politischen Handeln nun das Staatsweisheitsproblem zuordnet, brach er entschieden mit der bisher gültigen
Auffassung von Politik als einem klugen Verhalten.

Entwicklung in Deutschland
Politik wird schrittweise durch das Recht ersetzt. Politik beschreibt das Nebeneinader verschiedener Staaten. Im liberalen Politikbegriff geht es um
Grundsätze, durch die der praktischen Politik die richtigen Mittel ermittelt werden sollen. Politik wird zu reiner normloser Technik. Politik wird zur
Erfahrungswissenschaft von den Staatsmitteln, nicht von seinen Zwecken. Leopold von Ranke meinte, die echte Politik als allgemeine Wissenschaft
von Staat müsse eine historische Grundlage haben. Es gelte, die Regel des Werdens zu finden, das oberste Gesetz sein die Selbstbehauptung.

Hegel und Marx


Bei Hegel ist politisch noch gleichbedeutend mit staatlich-herrschaftlich.
Nach Marx lag das Politische in der Revolution, insofern der Staat sich von den unpolitischen Standesunterschieden emanzipierte. Das Politische
der bürgerlichen Gesellschaft lag in ihrer atomistischen Struktur, in welcher der Mensch auf seinen Hobbesischen Naturzustand zurückgeworfen
war. Diese Form des Poltischen war im Interesse der Menschen notwendigerweise durch die Revolution aufzuheben.

Politische Perspektiven seit 1848


Marx unterschied im Citoyen und dem Bourgeois den politischen und den unpolitischen Menschen. Die Verwendung des Wortes „politisch“ spitzt
sich zu einer Bezeichnung für bürgerliches Verhalten zu. Einmal werden Kunst und Kultur von der Politik unterschieden, dann gewinnt mit den
Schlagworten Politizismus und Politisierung das Politische eine Bedeutung von scheinhaftem Tun.

Integrative Politikbegriffe
Aus der kameralistischen Staatslehre hatte sich eine Reihe von Nachfolgedisziplinen abgespalten: das philosophische und allgemeine Staatsrecht,
die Allgemeine Staatslehre, die Volkswirtschaftspolitik und die Nationalökonomie. Die Frage nach einer besten Ordnung war nicht mehr im
Blickpunkt der Wissenschaft was sich teilweise aus der Vorherrschaft des liberalen Grundsatzes erklärte, dass Aufgabe des Staates nur sein könne,
dem Individuum ein höchstmögliches Maß an Freiheit zu gewähren. Die Politik erhielt eine untergeordnete Stellung im Kreis der übrigen
Staatswissenschaften. Die Bestimmung der Zwecke wurde in den Bereich metaphysischer Spekulation verwiesen. Von Treitschke stellte sich eine
Politik vor, die aus empirischen Gegebenheiten eines Volkes Sollenssätze für Regierung und Gesetzgebung entwickelte.
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Integrative Politikbegriffe verstehen Politische als Mittler zwischen den im Wandel befindlichen gesellschaftlichen Kräfte und der Willenseinheit
des Staates, durch den das Gleichgewicht in der Gestaltung des Gesamtwillens gesichert wird.
Das Wesen des Politischen wurde darin gesehen, die bedeutsamen gesellschaftlichen Tendenzen und Bedürfnisse von den bedeutungslosen
unterscheiden zu lernen und ihnen staatliche Geltung zu verschaffen. Von Rochau beschrieb in „Grundsätze der Realpolitik“ wie die Prinzipien der
allein richtigen Politik zu entwickeln seien. Die Verfassung galt ihm als der rechtliche Zustand, in dem sich die gesellschaftlichen Kräfte im
Verhältnis zum Staat befinden. Ideen sind gesellschaftliche Kräfte, allerdings nur in dem Maße, als die Menschen fähig und bereit sind, sie in sich
aufzunehmen und ihnen zu dienen.

Bei von Treitschke erscheint das Politische als die Kunst, sich die gesellschaftlichen Kräfte im inneren und die Gegebenheiten der Staatenwelt im
äußeren Verhältnis im Interesse der Selbsterhaltung, der Erhaltung der eigenen Macht zunutze zu machen. Die Integration der gesellschaftlichen
Kräfte in den Staat, soweit dadurch die Macht des Staates gefestigt werden kann, und die Selbstbehauptung des Staates nach außen erscheinen hier
lediglich als zwei Seiten desselben Bestrebens.

Hermann Heller griff auf Ludo M. Hartmanns Definition der Politik als die Kunst, gesellschaftliche Tendenzen in rechtliche Formen umzusetzen
zurück. Dabei galt es die inner- oder zwischenstaatlichen Kräfte, welche danach streben, den Staat nach ihren Intentionen zu organisieren und zu
aktivieren. Bei Smend diente die Verfassung dem Prozeß ständiger Erneuerung des Staates.

Der Begriff des Politischen bei Carl Schmitt


Schmitt führt den Begriff als eine Bewertungskategorie nach Analogie anderer Sachgebiete menschlichen Denkens und Handelns ein. Der
Zusammenhalt einer Gruppe muß sich am möglichen Ernstfall, dem effektiven Kampf, orientieren. Die sich dabei bildenden Gruppen sind die
letztlich maßgebenden Gruppen. Nur diese Gruppierungen sind politisch. Eine Sozialpolitik gibt es erst, seitdem eine politisch beachtlich Klasse
ihre sozialen Forderungen erhoben hat. Gegenkräfte, die sich von innen heraus gegen einen Staat formieren haben den Punkt des Politischen nur
erreicht, wenn sie stark genug wären einen beschlossenen Krieg zu verhindern.
(Die Orientierung am Ernstfall würde nur solche innerstaatlichen Verbindungen als maßgebend ausweisen, welche die reale Möglichkeit des
Bürgerkrieges akzeptieren.)

Max Weber
Politik ist das Streben nach Machtanteilen. Das Politische ist auf den Staat bezogen. Macht bedeutet Einfluß. Die Perspektive, aus der heraus das
Politische bestimmt wird ist ganz die des politischen Handelns. Politisches Handeln ist nur im Dienst einer Sache wertvoll.