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2.

4 Oberflächenmesstechnik

Wichtige Normen:
DIN 4760 Gestaltabweichungen
DIN EN ISO 4278 Benennung, Definitionen und Kenngrößen der Oberflächenbe-
schaffenheit
DIN EN ISO 4288 Regeln und Verfahren für die Beurteilung der Oberflächenbeschaf-
fenheit
VDI/VDE 2601 Anforderungen an die Oberflächengestalt zur Sicherung der
Funktionstauglichkeit spanend hergestellter Flächen
DIN EN ISO 3274 Geometrische Produktspezifikationen (GPS) - Oberflächenbe-
schaffenheit: Tastschnittverfahren - Nenneigenschaften von Tastschnittgeräten
DIN 4772 Elektrische Tastschnittgeräte....

2.4.1 Allgemeines

Eine Oberfläche ist die Grenze zwischen zwei Medien. Meistens ist eines davon Luft
und das andere ein fester Körper.
Oberflächen haben immer Gestaltabweichungen. Nach DIN 4760 sind 6 Ordnungen
definiert:
Größenordnungen:
Ordnung Bezeichnung Länge/Abweichung
1. Ordnung Formabweichungen >1000:1, große Bereiche
2. Ordnung Wellen 100:1....1000:1
3. Ordnung Rauheit 150:1....5:1
4. Ordnung Rauheit
5. Ordnung Gefügestruktur, Kristalline
Bereiche etc.
6. Ordnung Gitteraufbau, atomarer Be-
reich

Die Gestaltabweichungen werden getrennt voneinander ausgewertet. Dazu werden


genormte Oberflächenkennwerte verwendet. Diese werden normalerweise aus Pro-
filschnitten ermittelt.

Dazu müssen die ermittelten Profildaten gefiltert werden.

Zunächst liegt das ungefilterte Profil vor. Darin ist Welligkeit und Rauheit enthalten

Für Rauheitsmessungen müssen die langwelligen Anteile des Profils entfernt werden
(früher durch elektrische Hochpassfilter, heute durch digitale Filter.
Dieses Profil hat eine Bezugslinie – Ausgleichsgerade nach Gauß. Auf diese Gerade
werden viele Rauheitskenngrößen bezogen.

2.4.2 Wichtige Rauheitskenngrößen

Rz – Gemittelte Rautiefe, Rmax


(„Zehnpunkte-Rautiefe“, daher Index „z“)
Die Messstrecke wird in fünf gleiche Teilmessstrecken geteilt und jeweils die Einzel-
rautiefe Z1 bis Z5 ermittelt. Der Mittelwert davon ist Rz.

Ra Mittenrauwert
(eine der ersten Oberflächenkenngrößen, wurde durch analoge elektrische Filterung
ermittelt)

Profiltraganteil-Kurve, Abbott-Kurve
Durch das ausgerichtete Rauheitsprofil werden horizontale Schnitte gelegt. Mr ist das
Verhältnis der materialerfülltren Länge zur Gesamtmessstrecke. Der Anteil wird über
der gesamten Profilhöhe ermittelt und aufgetragen.

Nach DIN 4776 wird für die Abbottkurve eine Ausgleichsgerade berechnet. Die Hö-
hen bei Mr= 0% und 100% bezeichnen Rpk, Rk und Rvk.
Bedeutung: Traganteile haben vor allem für Gleitflächen Bedeutung. Z.B. benötigen
Zylinderlaufbahnen kleine Werte für Rpk, damit wenig Verschleiß auftritt. Gleichzeitig
benötigt man Vertiefungen, um Schmiermittel in der Gleitfläche zu halten. Verfahren:
(Langhub-)Honen + Ätzen

gehonte Oberfläche
Wellentiefe Wt

Abstand der beiden parallelen Zonengeraden – vgl. Geradheitsmessung


2.4.3 Gerätetechnik

Tastschnittgerät (berührend)

Prinzip: Eine feine Diamantspitze wird über die Oberfläche gezogen. Die vertikale
Auslenkung der Spitze wird über der
Messstrecke aufgezeichnet.

Spitzenradius: meist 5 µm
Messkraft: wenige mN
Nadelhub (Messbereich): 30µm-300µm
(bei Konturmessgeräten sehr viel
mehr)
Messauflösung: 0,01µm...0,001µm

Tastsysteme

Innerer Aufbau:
Die Tastspitze (Diamant) ist an einem sehr leichten Hebel befestigt. Dieser ist spiel-
frei gelagert. Die vertikale Auslenkung wird üblicherweise mit einem induktiven
Messsystem erfasst.
Pendeltastsystem

2 Gleitkufen hintereinander angeordnet,


selbstausrichtend – folgt der Oberflä-
chenkontur, ab D=10mm verfügbar
messbar: Gestaltabweichungen 3. und 4.
Ordnung (Rauheit)

Einkufentastsystem

Das System stützt sich auf einer Gleitkufe ab, nicht selbstausrichtend - es muss pa-
rallel zur Oberfläche ausgerichtet werden, folgt der Oberflächenkontur.

Bezugsflächentastsysteme („Freitastsysteme“)

Selbstausrichtend
Eine Führung (geringe Geradheitabweichungen) wird auf die zu messende Oberflä-
che gestellt. Der Taster gleitet an der Führung und misst die Oberflächenstruktur re-
lativ dazu.
messbar: Gestaltabweichungen 2. bis 4. Ordnung

Nicht selbstausrichtend
Die Tasterführung erfolgt in einem Vorschubgerät.
Messbar: Gestaltabweichungen 2. bis 4. Ordnung,
Nachteil: empfindlich gegen äußere Schwingungen

Weitere Oberflächentaster:
Optisch: Autofokussystem, konfokaler Weißlichtsensor
Vorteil: berührungslos, Nachteil: Messergebnisse (noch) nicht normkonform.
2.4.4 Filter
Dienen zur Trennung der verschiedenen Ordnungen von Gestaltabweichungen. (1.-
4. Ordnung)

mechanische Filter: Tastnadelradius, Gleitkufe

elektrische Filter, heute digitale Filter

digitale Filter: phasenkorrekte Filterung (kommende Änderungen werden berücksich-


tigt. Das Profil wird mit einer symmetrischen Gewichtsfunktion (heute: Gaußvertei-
lung) gefiltert.

Früher: analoge Filter (R-C Filter): nicht phasenkorrekt, nur zurückliegende Änderun-
gen werden berücksichtigt.

DIN 4768 legt 5 Wellenfilter mit den


Grenzwellenlängen 0,08; 0,25; 0,8;
2,5 und 8 mm fest.
Grenzwellenlänge („cut-off-
Wellenlänge „λc): 50% der Amplitude
kommen durch bzw. werden ge-
sperrt.
2.4.5 Vorgehensweise bei einer Oberflächenmessung (Rauheit)

Generell wird in der Richtung gemessen, in der sich die größte Rauheit ergibt (quer
zu Riefen). Es wird zwischen periodischen Profilen (regelmäßige Strukturen) und a-
periodischen Profilen (unregelmäßige Strukturen) unterschieden.

• Es wird der Mittelwert aus 3 oder mehr einzelnen Messungen gebildet


• Messstrecke und Messergebnis müssen zusammenpassen – Rauheitswerte,
Messstrecken und Grenzwellenlängen ergeben sich nach der folgenden Ta-
belle:

Periodische Aperiodische Profile Cut-off Einzelmess- Mess-


Profile strecke strecke
Rillenabstand Rz in µm Ra Λc Le Lm Lt
Sm (mm) µm mm mm mm mm
>0,01 bis 0,032 0,08 0,08 0,4 0,48 bzw 0,56
>0,032 bis 0,1 <0,5 <0,1 0,25 0,25 1,25 1,5 bzw. 1,75
>0,1 bis 0,32 >0,5 bis 10 >0,1 bis 2 0,8 0,8 4 4,8 bzw. 5,6
>0,32 bis 1 >10 bis 50 >2 bis 10 2,5 2,5 12,5 15 bzw. 17,5
> 1 bis 3,2 >50 >10 8 8 40 48 bzw. 56

Ablauf:

• Entscheidung: Periodisch oder nicht?


• Rauheit schätzen oder Probemessung machen und in der entsprechenden
Zeile cut-off-Wellenlänge und Messstrecken wählen.
• Jeweils prüfen, ob die Messergebnisse zu den Einstellparametern passen.

Begriffe:
Gegenüberstellung der Bezeichnungen und Kenngrößenkurzzeichen:

DIN EN ISO 4287 (10/98) DIN 4762 (01/89) VDA 2005 (07/02),
Zur Zeit gültig DIN 4768 )05/90) Blatt 1 (07/02)
Nicht mehr gültig VDA 2006 (07/02)
Zur Zeit gültig
Bezeichnung Kurz- Bezeichnung Kurz- Bezeichnung Kurz-
zeichen zeichen zeichen
1 2 3 4 5 6
1 Einzelmessstrecke l(lr) Bezugsstrecke, Einzelmess- l, le Einzelmessstrecke lr
strecke
2 Messstrecke ln Auswertelänge ln Messstrecke ln
Gesamtmessstrecke lm Gesamtmessstrecke ln
3 Ordinatenwert Z(x) Ordinatenwert Y(x) EInzelrauheitshöhe Zi
Einzelrautiefe zi
4 Größte Höhe des Profils Rz Maximale Profilhöhe, Zehn- Ry, Rz
punktehöhe
Gemittelte Rautiefe Rz
5 Gesamthöhe des Profils Rt - - Gesamthöhe des Rt
Profils
6 - - Maximale Profilhöhe Ry Maximale Rauheitshö- Rmax
Maximale Rautiefe Rmax he