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Wir führen diese Konstruktion am Beispiel der Funktion f(x)=x² für

Einführung: Das Tangenten-Problem den festen Punkt P mit a=1, f(a)=1 und den „wandernden“ Punkt Q
Wir wollen einer Funktion in jedem mit den Koordinaten x und f(x) durch:
Punkt x eine Steigung zuordnen.
Dies gelingt, indem wir eine Folge Die Steigung der Sekante durch P und Q ist gegeben durch
von Sekanten betrachten, bei denen yQ  yP x2 1
sich der 2. Punkt immer mehr dem mPQ    x  1 für x  1
ersten Punkt annähert xQ  xP x 1
Führen wir diesen Prozess einmal für Punkte Q mit x>1 und einmal
für Punkte Q mit x<1 aus, so erhalten wir folgende Tabelle:


Offensichtlich nähert sich die Folge der
Steigungen mPQ immer mehr der Zahl 2 an:
Wir sagen: „Der Grenzwert der Folge der
Steigungen ist 2“ und schreiben dafür:
lim  mPQ ( x)   2
x 1
Mit Hilfe der Punkt-Richtungsform der
Geradengleichung können wir die
Tangentengleichung angeben:
y  2x 1
Die Tangente stellt in der Umgebung des
Punktes P eine „gute“ Näherung für f(x) dar.

y  2x 1
Lässt man einen Stein frei fallen, so ist der nach einer Zeit t
zurückgelegte Weg s des Steines gegeben durch:
g 2
s (t )   t  4.9  t 2
2
Wir fragen nach der Geschwindigkeit, die der Stein nach 5s
erreicht hat. (Momentangeschwindigkeit)
Tatsächlich können wir nur mittlere Geschwindigkeiten
berechnen: s (t )  s (a ) s (a  h)  s (a )
v 
t a h

Lassen wir das Zeitintervall immer kleiner werden, so strebt


die Folge der mittleren Geschwindigkeiten offensichtlich
einem Grenzwert zu. Diesen Grenzwert bezeichnen wir als
Momentangeschwindigkeit. Es handelt sich offensichtlich
wieder um das Tangentenproblem:
s ( a  h)  s ( a )
v(a)  lim
h 0 h
In den einführenden Beispielen war bereits von dem Begriff des Grenzwertes die Rede. Diesen Begriff
wollen wir nun allgemein für Funktionen entwickeln und auf Funktionen anwenden.

Definition: Grenzwert einer Funktion an einer Stelle x=a


Es sei f: D→E eine Funktion mit gegebenen Definitions-und Wertebereich. Die Funktion f(x)
hat an der Stelle x=a∈D den Grenzwert L∈ℝ, in Zeichen lim f ( x)  L
xa

wenn es zu jedem ε>0 ein δ>0 gibt, so dass aus 0<|x-a|<δ stets folgt, dass |f(x)-L|<ε ist.
Präziser:
lim f ( x)  L :
xa
 0  x  a    f ( x)  L   
 0  0

Ein „kleines“ ε>0 wird


vorgegeben (ε-Schlauch) …

… Das zu diesem ε passende … Jetzt wird ein noch „kleineres“ ε>0 vorgegeben
δ>0 wird aufgesucht … und das passende δ>0 aufgesucht. Dieser Prozess
muss für jedes(!) noch so kleine aber positive ε>0
funktionieren. Dann haben wir den Grenzwert
gefunden.
lim f ( x)  L :
x a
 0  x  a    f (x)  L   
 0  0

Die Definition besagt, etwas anschaulicher gesprochen, dass, wenn nur x „hinreichend nahe“ bei a liegt, die
Funktionswerte f(x) beliebig wenig vom Wert L, dem Grenzwert abweichen.

Eher salopp ausgedrückt könnte man auch sagen, dass ein „kleines“ Intervall um a herum auf ein „kleines“ Intervall
von Funktionswerten um L herum abgebildet wird.

Anmerkung:
Man beachte, dass laut Definition die x-Werte beliebig nahe an a herankommen können aber nie den Wert a selbst
erreichen können! Würde x den Wert a annehmen können, wäre die Definition des Grenzwertes sinnlos, da dann
vorausgesetzt würde, dass man die Funktion an der Stelle x=a auswerten kann. Wozu dann aber den Grenzwert
betrachten?

Für die meisten „herkömmlichen Funktionen, wie z.B. alle Polynome, alle Exponentialfunktionen, die
trigonometrischen Funktionen usw. ist der Grenzwert der Funktion an einer Stelle x=a immer gleich dem
Funktionswert an dieser Stelle: lim f ( x)  f (a ) Das ist die sogenannte Stetigkeit dieser Funktionen.
xa

Interessant werden die Grenzwertbetrachtungen bei Funktionen, die an einer bestimmten Stelle oder an mehreren
Stellen nicht unmittelbar auswertbar sind:
Beispiel: sin x Diese Funktion ist an der Stelle x=0 wegen der Division durch 0 nicht definiert.
f ( x) 
x Man kann aber trotzdem untersuchen, ob dersinGrenzwert für x→0 existiert. Es stellt sich
heraus, dass dieser Grenzwert existiert: lim x  1 Die Funktion verhält sich „gutartig“ in der
Umgebung von x=0.
x
x0
Im Gegensatz dazu hat die Funktion f(x)=sin(1/x) keinen Grenzwert für x→0.
Diese Funktion verhält sich dort nicht „gutartig“.
Beispiel 1:
Man bestimme den Grenzwert der Funktion f(x)=4x-5 an der Stelle x=3.

Die Vermutung liegt nahe (und wird gleich durch Rechnung bestätigt), dass
der Grenzwert den Wert 7 hat: lim  4 x  5   7
x 3

Wir wollen dies nun nachweisen und müssen dazu zeigen, dass aus der
Annahme, dass wir zu einem (beliebig kleinem) ε>0 ein passendes δ>0
finden können, so dass aus 0<|x-3|<δ folgt, dass |f(x)-7|<ε.
Sei also ε>0 vorgegeben. Wir wählen δ=ε/4 und erhalten:
0  x  3   / 4  4  x  3    4 x  12    (4 x  5)  7  f ( x)  7  
Also hat der Grenzwert von f(x) an der Stelle x=3 den Wert 7.

Beispiel 2:
Wir betrachten den Differenzenquotient aus dem Tangentenproblem zu
f(x)=x² an der Stelle x=a als Funktion von h:
a  h  a2
2
h  (2a  h)
F ( h)    2a  h ( für h≠0 )
h h
Wir wollen also den Grenzwert lim F ( h) bestimmen und vermuten, dass
dieser den Wert 2a hat. h 0

Sei also wiederum ein (beliebig kleines) ε>0 vorgegeben. Wir wählen δ=ε und
erhalten: 0  h  0  h    (2a  h)  2a  F (h)  2a  
Also F(h) an der Stelle a den Grenzwert 2a.
Die Steigung m der Funktion f(x)=x² ist also in jedem Punkt x=a durch den
Wert 2a gegeben: m=2a.
Man beachte, dass die Darstellung F(h)=2a+h nur für h≠0 richtig ist. Die
Voraussetzung, dass h nie den Wert 0 annehmen kann ist also wesentlich!
Beispiel 3: t2  9  3
Wir betrachten die Funktion f (t )  , die für t=0 nicht
definiert ist: D=ℝ\{0} t2
Hat die Funktion f(t) für t→0 einen Grenzwert?

Wir versuchen zunächst durch eine Wertetabelle einen Eindruck zu


gewinnen und entnehmen der Wertetabelle die Vermutung, dass der
Grenzwert den Wert 1/6 hat.

Nun versuchen wir mit dem Taschenrechner noch weiter an t=0


heranzukommen und notieren wieder die Funktionswerte…
Beispiel 3:
t2  9  3
Wir betrachten die Funktion f (t )  , die für t=0 nicht definiert
2
ist: D=ℝ\{0} t
Hat die Funktion f(t) für t→0 einen Grenzwert? Wenn ja bestimme man diesen
Grenzwert L.

Wir versuchen zunächst durch eine Wertetabelle einen Eindruck zu gewinnen


und entnehmen der Wertetabelle die Vermutung, dass der Grenzwert den Wert
1/6 hat.

Nun versuchen wir mit dem Taschenrechner noch weiter an t=0


heranzukommen und notieren wieder die Funktionswerte…

… auf einmal sind wir nicht mehr so sicher, dass unsere Vermutung richtig ist!
Jetzt scheint es so, als ob der Grenzwert den Wert 0 hat.
Falsche Werte!

Was aber ist nun richtig: 0, 1/6 oder vielleicht existiert der Grenzwert
überhaupt nicht ?

Wir versuchen nachzuweisen, dass der Grenzwert 1/6 ist:


Für t≠0 (!!!) erhalten wir durch Umformung:
Anmerkung:
Die Werte entstammen einem
f (t ) 
t2  9  3

 t2  9  3  t2  9  3  t2  9  9

1
bestimmten Taschenrechner.
Ein anderer Rechner kann andere
t2 t2  t2  9  3  t2  t2  9  3  t2  9  3

(falsche!) Werte berechnen! Nun scheint sich die Vermutung L=1/6 zu bestätigen, denn jetzt könnten wir
t=0 einsetzen und würden f(t=0)=1/6 erhalten. Allerdings gilt die Umformung
eben nicht für t=0!

Wir müssen für den korrekten Nachweis wieder auf die ε-δ-Definition des
Grenzwertes zurück greifen. Vorher schauen wir uns den Graphen an …
Die Diagramme sind mit MS-Excel
erzeugt worden!

Hier sieht noch alles ok aus!

Aber was passiert hier?


t 9 3
2
f (t ) 
t2

t2  9  3
f (t ) 
t2
Nachweis für L=1/6:

Wir wählen diesmal


6  6
  0 für   1
1  6 6

und erhalten daraus nach längerer Rechnung die gewünschte


Schlussfolgerung:
t 0   f (t )  16  

Damit ist nachgewiesen, dass der Grenzwert 1/6 ist.

Anmerkung:
Tatsächlich ist die Rechnung ziemlich aufwendig. Wir werden deshalb
relativ schnell nach vereinfachten Möglichkeiten zur Berechnung von
Grenzwerten suchen.
Beispiel 4:
Der Grenzwert lim sinx x
x 0
Dieser Grenzwert tritt später bei der Berechnung von Ableitungen der trigonometrischen Funktionen aber
auch in der Optik beim Studium von Beugungsphänomenen auf.

lim sinx x  1
x0

Beispiel 5:
1  1x 
x
Der Grenzwert lim
x

Dieser Grenzwert definiert die Eulersche Zahl e und ist deshalb von besonderer Bedeutung.
lim 1  1x  : e  2.71828...
x

x 

Beispiel 6:
Der Grenzwert lim sin  x  existiert nicht:

x 0

Damit existiert aber auch der


Grenzwert
lim sin  1x   undef .
x 0
nicht!
Definition: Links-seitiger Grenzwert an einer Stelle a
Es sei f: D→E eine Funktion mit gegebenen
Definitions-und Wertebereich. Die Funktion f(x) hat
an der Stelle x=a∈D den links seitigen Grenzwert
L∈ℝ, in Zeichen
lim f ( x)  L
xa

wenn es zu jedem ε>0 ein δ>0 gibt, so dass aus


a-δ<x<a stets folgt, dass |f(x)-L|<ε ist.

Definition: Rechts-seitiger Grenzwert an einer Stelle a


Es sei f: D→E eine Funktion mit gegebenen
Definitions-und Wertebereich. Die Funktion f(x) hat
an der Stelle x=a∈D den rechts seitigen Grenzwert
Beispiel: Man zeige lim x 0 L∈ℝ, in Zeichen
lim f ( x)  L

x 0

(hier ist a=0 und L=0) xa


Wir müssen zeigen, dass es zu jedem ε>0 ein
δ>0 gibt, so dass: 0  x    wenn es zu jedem ε>0 ein δ>0 gibt, so dass aus
x 0  a<x<a+δ stets folgt, dass |f(x)-L|<ε ist.
Wir wählen δ=ε² und erhalten:
0 x 2  x   x 0 
Definition: „Asymptotisch positiv unendlich“ an einer Stelle a
Es sei D:=(p,q)\{a} mit p<a<q ein offenes Intervall um die Stelle a
und f: D→E eine Funktion, die an der Stelle x=a nicht definiert ist.
Die Funktion f hat an der Stelle x=a den Grenzwert +∞, in Zeichen:
lim f ( x)   wenn es zu jeder (noch so großen) positiven Zahl M
xa ein δ>0 gibt, so dass aus 0<|x-a|<δ stets folgt,
dass f(x)>M ist. Dann heißt die Gerade mit der Gleichung x=a
vertikale Asymptote der Funktion y=f(x);

Definition: „Asymptotisch negativ unendlich“ an einer Stelle a


Es sei D:=(p,q)\{a} mit p<a<q ein offenes Intervall um die Stelle a
und f: D→E eine Funktion, die an der Stelle x=a nicht definiert ist.
Die Funktion f hat an der Stelle x=a den Grenzwert -∞, in Zeichen:
lim f ( x)   wenn es zu jeder (noch so kleinen) negativen Zahl N
xa
ein δ>0 gibt, so dass aus 0<|x-a|<δ stets folgt,
dass f(x)<N ist. Dann heißt die Gerade mit der Gleichung x=a
vertikale Asymptote der Funktion y=f(x);

Anmerkung:
Man sagt dann auch: „f(x) wächst für x gegen a über alle Grenzen“ bzw. „f fällt
für x gegen a unter jede Grenze“.
Wir haben bereits erwähnt, dass die Berechnung, bzw. der Als unmittelbare Folgerungen notieren wir die
Nachweis der Existenz von Grenzwerten mit Hilfe der ε-δ- folgenden Grenzwerte:
Definition mühselig und lästig ist. Wir wollen deshalb mit den
Grenzwertsätzen einfachere Möglichkeiten bereit stellen. n
lim  f ( x)   lim f ( x) 
n
i.
Satz: Grenzwertsätze xa  x a 
Es seien c∈ℝ sowie f(x) und g(x) 2 Funktionen, ii. lim c  c
xa
deren Grenzwerte an der Stelle a∈ℝ existieren.
Dann gilt: iii. lim x  a
xa

i. lim  f ( x)  g ( x)   lim f ( x)  lim g ( x) iv. lim x n  a n


xa x a x a xa

ii. lim  f ( x)  g ( x)   lim f ( x)  lim g ( x) v. lim n f ( x)  n lim f ( x)


xa x a x a xa x a
iii. lim  c  f ( x)   c  lim f ( x)
xa x a
Beispiele an der Tafel und in den Übungen
iv. lim  f ( x)  g ( x)   lim f ( x)  lim g ( x)
xa x a x a

v. lim
xa
 f ( x) / g ( x)  lim
x a
f ( x) / lim g ( x) falls lim
x a xa
g ( x)  0

Schließlich notieren wir als weitere Folgerung, dass der Grenzwert einer Funktion an einer Stelle a genau dann
existiert, wenn die links- und rechtsseitigen Grenzwerte existieren und übereinstimmen:

lim f ( x)  L  lim f ( x)  L  lim f ( x)


xa x a x a
Wir benötigen 2 weitere Theoreme, um spezielle Grenzwerte zu bestimmen:
Satz:
Es seien f (x) und g (x) 2 Funktionen, die in einer Umgebung der Stelle x =a (u.U. mit Ausnahme
der Stelle a selbst) definiert sind. Dann gilt:
f ( x)  g ( x)  lim f ( x)  lim g ( x)
x a x a

Satz: „Squeeze Theorem“


Wenn f (x) ≤ g (x) ≤ h (x) in einer Umgebung der Stelle x = a
und die Grenzwerte von f und h für x gegen a existieren
und beide den Wert L haben, dann hat auch g (x) an der
Stelle x = a den Grenzwert L:
 f ( x)  g ( x)  h( x)  lim f ( x)  L  lim h( x) 
xa x a
 lim g ( x)  L
x a

Beispiel:
Man zeige: lim x 2 sin
x 0
 1x   0
Da der Grenzwert von sin(1/x) für x gegen 0 nicht existiert, kann
man die Grenzwertsätze nicht verwenden.

Stattdessen verwenden wir das „Squeeze Theorem“:

Aus 1  sin  1x   1   x 2  x 2  sin  1x    x 2


folgt, dass der Grenzwert den Wert 0 haben muss!
In vielen Fällen entspricht der Grenzwert einer Funktion f(x) an einer Stelle x=a dem Funktionswert f(a)
an dieser Stelle. Diese Eigenschaft macht den Umgang mit solchen Funktionen besonders „komfortabel“.

Definition Stetigkeit einer Funktion (Continuity)


Eine Funktion f heißt stetig (continuous) an
einer Stelle x = a, wenn gilt: lim f ( x)  f (a )
xa

Die Funktion f heißt stetig auf einem Intervall I,


wenn sie für jedes a ∈ I stetig ist.

Die Funktion f heißt rechts-stetig an einer Stelle


x = a, wenn gilt:
lim f ( x)  f (a)
xa

Die Funktion f heißt links-stetig an einer Stelle


x = a, wenn gilt: lim f ( x)  f (a)
xa
unstetig, aber stetig
fortsetzbar
unstetig

unstetig
Satz:
Es seien f und g zwei an der Stelle x = a stetige Funktionen und c∈ℝ eine reelle Zahl.
Dann sind auch die folgenden Funktionen an der Stelle x = a stetig:
i. f+g ii. f-g iii. c⋅f iv. f⋅g v. f / g, falls g (a) ≠ 0

Satz:
i. Jedes Polynom ist stetig auf ganz ℝ.
ii. Rationale Funktionen sind auf ihrem gesamten Definitionsbereich stetig.
iii. Wurzelfunktionen sind auf ihrem gesamten Definitionsbereich stetig.
iv. Trigonometrische Funktionen und ihre Inversen sind auf ihrem gesamten
Definitionsbereich stetig.
v. Exponentialfunktionen und ihre Inversen, die Logarithmusfunktionen, sind auf ihrem
gesamten Definitionsbereich stetig.
vi. Es sei g (x) stetig an der Stelle a und f (x) stetig an der Stelle b = g (x) . Dann ist f (g (x))
stetig an der Stelle x = a und es gilt:

lim f  g ( x)   f lim g ( x)
xa x a

Der letzte Punkt besagt, dass eine stetige Funktion einer stetigen Funktion wiederum eine stetige Funktion ist,
Von der folgenden Aussage macht man in vielen Fällen implizit Gebrauch, meistens ohne sich dessen
überhaupt bewusst zu werden:

Satz: Zwischenwertsatz
Es sei f eine auf einem Intervall [a,b] stetige Funktion und N eine beliebige Zahl, die zwischen f (a)
und f (b) liegt.
Dann gibt es (mindestens!) ein c∈[a,b] mit der Eigenschaft f (c)=N.

Anmerkung: Der Zwischenwertsatz besagt, dass man eine auf einem Intervall stetige
Funktion auf dem gesamten Intervall ohne den Stift abzusetzen durchzeichnen kann.
Die nebenstehende Funktion nähert sich für
„große“ und „kleine“ Werte der unabhängigen
Variable x immer mehr der Geraden y=1 an.
Dies wollen wir als

lim x 2 1
1  lim x 2 1
1
x  x 1 x  x 1
2 2

schreiben. Wir definieren deshalb:

Definition: Grenzwert im Unendlichen


Es sei f eine Funktion, die auf einem Intervall (a,∞), bzw. auf einem Intervall (-∞,a) definiert ist.
Dann bedeutet die Schreibweise lim f ( x)  L , bzw. lim f ( x)  L
x  x 

dass die Werte von f(x) beliebig dicht an L liegen, sofern nur die x-Werte genügend groß, bzw.
genügend klein gewählt werden. In diesen Fällen heißt die Gerade mit der Gleichung y  L
horizontale Asymptote der Funktion y=f(x).
Satz:
Für jede rationale Zahl r>0 gilt lim x r   und lim x1r  0
lim 1
x 0 x 
x
x
Ist r so, dass xr auch für x<0 definiert ist, so gilt xlim

x r   und lim 1
r 0
x x

Anmerkung: Man beachte, dass die Symbole +∞ und -∞ keine Zahlen sind und also
auch nicht als solche behandelt werden dürfen! Die Symbole bedeuten lediglich
„wächst über alle Grenzen“ bzw. „fällt unter alle Grenzen“. Insbesondere gilt im
Allgemeinen Folgendes:
               0      0 0    0 
 1

Die hier vorgestellten Grenzwerte wollen wir zusammen mit den Grenzwertsätzen verwenden, um einige Beispiele
durchzurechnen: 3x 2  x  2
Beispiel 1: Man bestimme den Grenzwert lim
x  2
5x  4 x  1
Lösung: Zähler und Nenner streben gegen unendlich, so dass wir den Fall „∞/∞“ vorzuliegen haben. Deshalb
können auch die Grenzwertsätze nicht unmittelbar angewendet werden, da diese die Existenz der Grenzwerte von
Zähler und Nenner voraussetzen. Wir müssen deshalb den Funktionsterm so (äquivalent) umformen, dass für alle
beteiligten Funktionen die Grenzwerte existieren: 3x 2  x  2 3 x2  x  2
3  1x  x22
lim x2
 lim  lim
5x2  4 x  1 x  5 x  4 x 1 5  4x  x12
2
x  x 
x2

Jetzt können wir die Grenzwertsätze anwenden, da jetzt 


lim 3  1x  x22  lim 3  lim 1
x  lim 2
2 300 3
die Grenzwerte aller 6 beteiligter Funktionen existieren:  x 
 x  x  x  x
 
lim  5  4
x  1
x2  lim 5  lim
x  x 
4
x  lim
x  x
1
2 500 5
x 
Beispiel 2: Man bestimme die horizontalen und vertikalen Asymptoten der
Funktion
2x2  1
f ( x) 
Lösung: 3x  5
Da der Radikand (d.i. der Term unter der Wurzel) nie negativ oder Null werden
kann und der Nenner die einzige Nullstelle bei x=5/3 hat, ist der Definitions-
bereich von f durch D=ℝ\{5/3} gegeben und die Funktion hat an dieser Stelle
eine Polstelle, also eine waagerechte Asymptote mit der Gleichung x=5/3. Für
x<5/3 ist f negativ und für x>5/3 ist f positiv. Wir erhalten also:
lim f ( x)    lim f ( x)  
x  (5/3)  x (5/3) 
Betrachten wir nun das Verhalten im Unendlichen:
Für x→+∞ und x→-∞ existieren die Grenzwerte von Zähler und Nenner nicht,
so dass wir wiederum nicht so ohne Weiteres die Grenzwertsätze bemühen
dürfen. Eine äquivalente Umformung des Funktionsterms liefert aber:
2x2  1 2 x 2 1 2  x12
lim  lim x
 lim
x  3 x  5 x  3 x 5 x  3  5x
x
hierbei haben wir von der Identität x  0  x  x Gebrauch gemacht. Nun
2

existieren die Grenzwerte der beteiligten Funktionen und wir können den
Limes auswerten: lim 2  lim 12
2
2x 1 20 2
lim  x  x  x
 
x  3x  5 lim 3  5  lim 1x 3  5  0 3
x  x 

Für x→-∞ verwenden wir x  0   x  x und erhalten nach (fast) identischer


2

Rechnung:
2x2  1 2 2
lim  Die Geraden mit den Gleichungen y  
x  3 x  5 3
3 sind also horizontale Asymptoten.
Man bestimme den Grenzwert: lim
x 
 x2  1  x 
Lösung:

lim
x 
 
x 2  1  x  lim
x 
1
x2  1  x
1 1
0
 lim x
 lim x
 0
x  x 2 1  x
x
x  1  x12  1 1 0 1
Wir suchen die Steigung der Tangente in einem bestimmten Punkt P(a,f(a))
der Funktion f(x). Dieses Problem ist identisch mit dem Problem der
Bestimmung der Momentangeschwindigkeit eines Objektes. In beiden
Fällen benötigen wir den Grenzwert für x→a der Steigungen mPQ der
Sekanten durch P(a,f(a)) und Q(x,f(x)):

Definition: Tangente an eine Funktion in einem Punkt (a,f(a))


Die Steigung der Tangente an die Funktion f(x) im Punkt (a,f(a))
ist der Grenzwert f ( x)  f (a)
m(a ) : lim mPQ ( x)  lim
falls dieser existiert.
xa x a xa

Definition: Ableitung einer Funktion in einem Punkt


Die Steigung einer Funktion f in einem Punkt a heißt Ableitung
der Funktion an der Stelle a, in Zeichen: f ( x)  f (a)
f (a)  lim
xa xa

Anmerkung: Existiert die Ableitung einer Funktion in einem Punkt (a, f(a)),
so lässt sich die Funktion in einer (kleinen) Umgebung von a beliebig gut
durch die Gleichung der Tangente ersetzen:
Alternative Darstellung der Ableitung:
Die Ableitung einer Funktion an einer Stelle a wird oftmals auch etwas
anders ausgedrückt. Dazu betrachten wir die nebenstehenden
Abbildungen und setzen:
h  xa  f ( x )  f (a )  f (a  h)  f (a )
Hierdurch erhalten wir folgende äquivalente Darstellung der Ableitung:

f ( a  h)  f ( a )
f (a)  lim
h 0 h
Ableitung und Geschwindigkeit:
Bewegt sich ein Körper gemäß Funktion s=f(t) (s ist der zurückgelegte
Weg als Funktion der Zeit t, so ist die Momentangeschwindigkeit v zur
Zeit t=a gegeben durch: v(a )  f (a )
„Die Momentangeschwindigkeit eines Körpers zu einem Zeitpunkt t=a
ist die Ableitung des Weges nach der Zeit an der Stelle t=a“
Beispiel 1:
Man berechne die Ableitung und die Gleichung der Tangente an die Funktion f(x)=x² für x=a. Wie lauten
speziell die Tangentengleichungen für a=0, a=1 und a=2 ?

Beispiel 2:
Man bestimme die Gleichung der Tangente an die
Hyperbel y=3/x für x=3

Anmerkung:
Wir werden sehr bald Regeln zur Berechnung von Ableitungen aufstellen, die uns das lästige Ausrechnen von
Grenzwerten ersparen.
Ableitungen können auch verwendet werden um Änderungsraten
auszudrücken. Dazu verwenden wir eine nochmals leicht veränderte
Schreibweise: x  x  x  y  f x  f x
2 1  2  1
Dann beschreibt der Differenzenquotient
y f  x2   f  x1 

x x2  x1

gerade die mittlere Änderungsrate der Funktion zwischen x2 und x1.

Der Grenzwert für Δx→0 der mittleren Änderungsrate ist dann die
momentane Änderungsrate, also gerade die Ableitung der Funktion f(x) an
der Stelle x1:

y f  x2   f  x1  f ( x1  x)  f ( x1 )
f ( x1 )  lim  lim  lim
x  0 x x1  x2 x2  x1 x  0 x

y-Werte ändern sich


„schnell“ in P und
„langsam“ in Q
Bisher haben wir die Ableitung einer Funktion immer an einer
bestimmten Stelle x=a betrachtet.
Betrachten wir die Gesamtheit aller Stellen a, für die die Ableitung
existiert, so können wir die Ableitung selbst wieder als Funktion
auffassen. Dann nennen wir die unabhängige Variable aber auch
wieder „x“ und nicht mehr „a“:

f ( x  h)  f ( x ) f ( x  x)  f ( x)
f ( x)  lim  lim
h 0 h x  0 x

Beispiel:
Man bestimme die Ableitung als Funktion von x zur Funktion

f ( x)  x
Man gebe den Definitionsbereich der Funktion und den ihrer
Ableitung an:

(An der Tafel)


1
f ( x)  D( f )  
  0,   D( f )  
\ 0   0,  
2 x
Die Schreibweise f‘(x) für die Ableitung einer Funktion geht auf Sir Isaac Newton zurück.

Ist die unabhängige Variable die Zeit t, und s(t), v(t), a(t) Funktionen
der Zeit, so verwendet man die Schreibweise für die Ableitungen
s (t ) v(t ) a(t )
Wir bezeichnen f ( x) , s (t ) als die Newtonsche Schreibweise für Ableitungen.

Gottfried Wilhelm Leibniz, der letzte sogenannte Universalgelehrte, entwickelte die Infinitesimalrechnung
unabhängig von Newton. Er führte eine andere Notation für die Ableitung ein:
dy df d y
Ausgehend von y=f(x) schreiben wir auch y‘=f‘(x) und nach Leibniz: y  f ( x) :   f ( x)  lim
dx dx dx x  0 x

Wollen wir die Ableitung der Funktion an einer bestimmten Stelle x=a zum Ausdruck bringen, so schreiben wir:
dy
f (a) :
dx xa

ds d
Für Zeitfunktionen, z.B. s(t) schreiben wir entsprechend s (t )   s (t )
dt dt
d
Der Ausdruck ist kein gewöhnlicher Bruch sondern ein sogenannter Differentialoperator:
dx
Wendet man diesen Operator auf eine Funktion f(x) an, so erhält man eine neue Funktion, die Ableitung von f.
dy df
Auch die Ausdrücke , dürfen nicht als Brüche interpretiert werden, da es sich um „unendlich“ kleine
dx dx Größen handelt. (sogenannte infinitesimale Größen)
Definition: Differenzierbarkeit einer Funktion f
Eine Funktion f:D→E heißt differenzierbar an der Stelle x=a, wenn die Ableitung f‘(a) an dieser
Stelle existiert.
Die Funktion f heißt differenzierbar auf ihrem Definitionsbereich, wenn f an jeder Stelle a∈D
differenzierbar ist.
Die Funktion f heißt differenzierbar auf einem Intervall I ( I=[a,b], I=(a,b), I=[a,b), I=(a,b], I=(∞,b),
I=(a,∞) ) wenn f an jeder Stelle a∈I differenzierbar ist.
Beispiel 1:
Wir hatten bereits gesehen, dass die Wurzelfunktion f ( x )  x an der Stelle x=0 nicht differenzierbar ist. Der
Definitionsbereich von f ist also D=[0,∞), der von f‘ hingegen nur D=(0,∞).

Beispiel 2:
Die Betragsfunktion f(x)=|x| ist an der Stelle x=0 nicht differenzierbar, da die rechtsseitigen und linksseitigen
Grenzwerte an x=0 nicht übereinstimmen:
lim |0 hh||0|  1  lim |0 hh||0|  1
h 0 h 0

Der Definitionsbereich von f ist also durch D=ℝ gegeben, wohingegen der Definitionsbereich von f‘ durch d=ℝ\{0}
gegeben ist.
Satz: Wenn f an einer Stelle x=a differenzierbar ist, so ist f dort auch stetig.
Ist f differenzierbar auf einem Intervall I, so ist f auf diesem Intervall stetig.
Anmerkung:
Die Umkehrung dieses Satzes gilt nicht: Aus der Stetigkeit einer Funktion folgt nicht die Differenzierbarkeit!
Beispiel:
Die Funktion f(x)=|x| ist an der Stelle x=0 stetig aber nicht differenzierbar. An allen anderen Stellen ist |x|
differenzierbar also auch stetig.

Wann sind Funktionen nicht differenzierbar?


Die nachstehenden Grafen geben typische Beispiele für Funktionen, die an einer bestimmten Stelle a nicht
differenzierbar sind:

Lineare Approximation, Näherung durch Tangente

Ist f an einer Stelle x=a differenzierbar, so verhält


sich die Funktion in der Nähe von a wie eine Gerade:
Die Funktion wird durch ihre Tangente genähert

Ist f an x=a nicht differenzierbar, so kann man die


Funktion in einer Umgebung von a eben nicht durch
eine Gerade ersetzen!
Wenn f(x) eine differenzierbare Funktion von x ist, dann ist die Ableitung f‘(x) wieder eine Funktion von x.
Dann kann man aber nach der Ableitung der Ableitung fragen und kommt somit zur 2. Ableitung einer Funktion
f(x). Diesen Prozess kann man natürlich beliebig fortsetzen und kommt somit zu immer höheren Ableitungen.
Wir schreiben:

y  f ( x) Für Zeitfunktionen
dy df d schreiben wir hingegen:
y  f ( x)    f ( x)
dx dx dx
d2y d2 f d s (t )
 
y  f ( x)  2  2  f ( x)
dx dx dx ds d
d3y d3 f d
s  s (t )   s (t )
y  f ( x)  3  3  f ( x) dt dx
dx dx dx d 2s d
s  s (t )  2  s (t )
dt dt
d 3s d
s  s (t )  3  s (t )
dt dt
dny dn f d ( n 1)
y ( n )  f ( n ) ( x)  n
 n  f ( x)
dx dx dx
Die Funktion f‘‘ an einer Stelle x=a gibt somit die Steigung der Funktion f‘(x) an der Stelle x=a an. Wir können dies
auch als die „Änderungsrate der Änderungsrate“ einer Funktion f ausdrücken.

Ist speziell s(t) das Weg-Zeit-Gesetz für die (eindimensionale) Bewegung eines
Körpers, so gibt die erste Ableitung des Weges nach der Zeit die ds dv d 2 s
Geschwindigkeit und die 1. Ableitung der Geschwindigkeit nach der Zeit die
vs avs  
dt dt dt 2
Beschleunigung, also die Änderungsrate der Geschwindigkeit an:

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