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Untersuchungen zur Wirkung verschiedener Buhnenformen auf

die Lebensräume in Buhnenfeldern der Elbe


Andreas Anlauf, Bernd Hentschel

Zielsetzung

Seit dem 18. Jahrhundert werden an der Elbe Buhnen gebaut. Sie dienten anfangs primär
dem Ufer- und Eigentumsschutz. Später kam die Funktion der Bündelung des Abflusses
zur Verbesserung der Fahrwasserverhältnisse für die Schifffahrt hinzu. Heutzutage haben
aber auch Umwelt- und Naturverträglichkeitsansprüche an Bedeutung gewonnen.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Bundesanstalt für Wasserbau untersuchen
daher im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamts Magdeburg, inwieweit andere
Buhnenformen den heute bestehenden hydraulischen und technischen Anforderungen
mindestens ebenso gerecht werden wie die vorhandenen, dabei jedoch für die
Entwicklung einer flussgebietstypischen Fauna und Flora deutlich positiver sind. Mit den
Ergebnissen des Vorhabens sollen für Buhnen in der Elbe Möglichkeiten für ökologische
Optimierungen unter Wahrung des planfestgestellten hydraulischen Regelungsziels
erreicht werden.
Krebs (1978) definierte Ökologie als die „wissenschaftliche Untersuchung der
Wechselbeziehungen, welche die Verbreitung und Häufigkeit von Organismen bestim-
men“. Die Analyse dieser Wechselbeziehungen bestimmt auch die Grundstruktur der
Untersuchungen. Da die Zielsetzung einer ökologischen Optimierung nur in Verbindung
mit einer naturschutzfachlichen Zielrichtung gesehen werden können, bekommen die
Entwicklungsziele (DVWK 1996) eine besondere Funktion. Da die Entwicklungsziele
für die Elbe aber noch nicht umfassend definiert sind, kann in Anlehnung an die
Konzeptionen der LAWA (1996) und der IKSE (1994) die Förderung der
regionaltypischen Entwicklung der Artenvielfalt entsprechend der Besiedlung des
potentiell natürlichen Flusses und der Förderung biotoptypischer Arten als
Entwicklungsziel gesehen werden. Für die Buhnen sind also folgende Ziele anzustreben:
- einem nach Zeit und Ort variables Mosaik an Strukturen, Formen und
Substratverteilungen
- eine größere Fläche mit möglichst flacher Neigung,
- eine höhere Diversität und Anzahl der Kleinstrukturen,
- eine Zunahme der Variabilität von Kies- und Sandbänken und von Pionierstandorten,
- eine Zunahme temporärer Habitate wie z.B. Überflutungsgewässer, Kies- und
Sandbänke.

Methoden und Ergebnisse

Modelluntersuchungen - Auf der Grundlage von theoretischen Vorüberlegungen wurden


in der Zusammenarbeit von Biologen und Ingenieuren die Grundprinzipien alternativer
Buhnenformen erarbeitet. Dabei wurde die Zielsetzung vorrangig auf die Wirkungen in
den Buhnenfeldern konzentriert Zur prinzipiellen Ermittlung der Abhängigkeit
unterschiedlicher Strömungsszenarien von der Buhnenform wurden unterschiedliche
Buhnenformen (deklinante und inklinante Buhnen, Bogen- und Knickbuhnen, etc, Abb.
1) in einem aerodynamischen Modell voruntersucht. Die mit diesen Untersuchungen
vorausgewählten Buhnen wurden in einem großmaßstäblichen hydraulischen Modell im
Detail untersucht. Ein numerisches zweidimensionales, tiefengemitteltes Modell wurde
außerdem für Parameterstudien herangezogen (Finite Differenzen, Rechenkern Telemac)
(Walzer 2000).

Abb. 1 Prinzipwirkung der Versuchsbuhne vom Typ „Knickbuhne“

Naturuntersuchungen - Wesentlich für das Projekt ist der Bau neugestalteter


Versuchsbuhnen in der Elbe. Die Erfassung der Funktion und Wirkung der aquatischen,
amphibischen und terrestrischen Lebensraumstrukturen für Tiere und Pflanzen an diesen
Versuchsbuhnen und in den jeweiligen Buhnenfeldern hat für die Untersuchungen eine
zentrale Bedeutung.
Über den parallelen Bau von vier Versuchsbuhnen des Typs „Knickbuhne“ und fünf des
Typs „Absenkungsbuhne“ (Abb. 2) in Verbindung mit quantitativen Besiedlungserhe-
bungen unter Berücksichtigung repräsentativer faunistischer Indikatorgruppen sowie
flächendeckender Erhebungen der Biotope und Pflanzengesellschaften und der
Hydrografie wird die notwendige Datengrundlage für die Formulierung der
Wechselbeziehungen zwischen den Lebensraumstrukturen, ihren Veränderungen und den
Organismen geschaffen. Weiterer wichtiger Bestandteil der Untersuchungen sind dabei
sechs nahgelegene Referenzbuhnen in konventioneller Bauweise.
Die Untersuchungen in den Versuchsstrecken und an Referenzstellen bei Schönberg und
Bälow an der Elbe (Elbe-km 439-446) schließen den Bereich der Buhnenkörper und
Buhnenfelder detailgenau ein. (Abb. 3). Die Untersuchungen zur Fauna werden
zusammen mit der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Hamburg
durchgeführt und umfassen die Fische, die aquatischen Wirbellosen (Makrozoobenthos),
und die Laufkäfer (Carabiden). Ergänzende Untersuchungen zur Substratwahl und
Entwicklung von Laufkäfern werden im Labor durchgeführt. Die vegetationskundlichen
Untersuchungen erfolgen zusammen mit dem Büro RANA, Halle.

Abb 2. Versuchsbuhne vom Typ „Absenkungsbuhne“ (li.) im hydraulischen Modell (1:30) und
vom Typ „Knickbuhne“ im Naturversuch (re.)

Abb. 3 Probenraster der Untersuchungen von Fischen, aquatischen Wirbellosen und Hydrografie

Untersuchungen zur Abiotik erfolgen mit der Technischen Universität Berlin und
umfassen
- die Aufnahme der Topografie der gesamten Untersuchungsstrecke (Versuchs- und
Referenzbuhnenfelder) und angrenzender Strombereiche,
- die Messung von Geschwindigkeitsverteilungen in den Buhnenfeldern und bei
höheren Abflüssen auf den überströmten Buhnen sowie
- die Bestimmung der Kornverteilung des Substrates in den Buhnenfeldern.
Verschiedene Bereiche sind bislang aus den biotischen als auch aus hydrografischen
Untersuchungen zu unterscheiden. Sie bestimmen das Besiedlungsbild der aquatischen
Wirbellosen und korrespondieren auch mit dem Vorkommen der Fische (Abb. 4).:
- Hartsubstrate in den Buhnen mit Steinschüttungen in strömungsarmen Bereichen und
Steinschüttung in Bereichen mit starker Strömung
- Weichsubstrate im Buhnenfeld und in den Buhnenrandbereichen mit Kies-
Grobsanddecke in Bereichen mit starker Strömung sowie Sand in Bereichen mit
geringer Strömung,
- Anoxische / Faulige Sand- und Schluffablagerungen,
- tümpelartige Stillgewässer und kurzlebige Restwassertümpel.
- Grobdetrituslager und Auenlehmbänke

Abb. 4 Vorkommen von Fischarten im Buhnenfeld 114

Zeitablauf - Zum Gesamtprogramm gehören Basisuntersuchungen zum Istzustand vor


dem Umbau zerstörter Buhnen zu Versuchsbuhnen, sowie Messungen und Erhebungen
nach dem Umbau über mindestens 3 Jahre. Die Voruntersuchungen wurden 1999
begonnen und die Istzustandserhebungen in der Natur 2001 abgeschlossen. Im Jahr 2001
erfolgte sukzessiv der Bau der Versuchsbuhnen. Daran schließen nun die weiteren
Kontrolluntersuchungen und begleitende Modelluntersuchungen an.

Literatur

DVWK (1996) Zur aktuellen Leitbilddiskussion, DVWK Nachrichten 148, 53-54


Henning, M. (2000) Untersuchung zur Auswirkung des Buhnenwinkels auf die Strömungsvor-
gänge in Buhnenfelder; Institut für Hydromechanik der Universität Karlsruhe, Diplomarbeit,
angefertigt bei der Bundesanstalt für Wasserbau
Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) (1994) Ökologische Studie zum Schutz
und zur Gestaltung der Gewässerstrukturen und der Uferrandregionen der Elbe
Krebs, Ch. J. (1978) Ecology, the Experimental Analysis of Distribution an Abundance, (2nd ed.)
New York: Harper &Row
Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) (1996) Nationale Gewässerschutzkonzeption,
Beschluß der (LAWA) Vollversammlung vom 20.9.1996
Walzer, A. (2000) Numerische Untersuchung einer neuartigen Buhnenform; Diplomarbeit
Bauhaus Universität Weimar, angefertigt bei der Bundesanstalt für Wasserbau