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Doz. Dr.

Marijka Dimitrova

Thema 5: Analyse der Textfunktion

5.1. Der Begriff „Textfunktion” – bereits besprochen

5.2. Klassifikation der Textfunktionen nach Kl. Brinker – Definition gegeben


5.2.1. Die Informationsfunktion – bereits besprochen
5.2.2. Die Appellfunktion
5.2.3. Die Obligationsfunktion
5.2.4. Die Kontaktfunktion
5.2.5. Die Deklarationsfunktion

Zu 2.2. Die Appellfunktion


- Wesen und Paraphrase: Der Produzent drückt seine Absicht aus, dass er den Rezipienten zur
Ausführung einer Handlung oder zur Übernahme einer Meinung bewegen will.
„Ich (der Produzent) fordere dich (den Rezipienten) auf, die Meinung X zu übernehmen/ die
Handlung X auszuführen.”
- Sprachliche Ausdrücke/Verben, die die Funktion signalisieren: auffordern, anordnen,
befehlen, raten, empfehlen, verlangen, beauftragen u.a.; der Imperativsatz (z.B. in
Werbetexten → Genießen Sie ...! Entdecken Sie die frische freie Welt ...!); die
Infinitivkonstruktion (charakteristisch für Gebrauchsanweisungen, Kochrezepte u.a.);
haben/sein + Infinitiv mit „zu” (z.B. in Gesetzestexten) u.a.
- typische Textsorten, in denen die Appellfunktion realisiert wird: Werbetexte, Kommentar,
Gebrauchsanweisung, Kochrezept, Gesetzestext, Antrag, Bittschrift, Predigt, (Wahl)rede u.a.

Bei „Gebrauchsanweisung” oder bei „Kochrezept” kann man von einer Variante der
Appellfunktion sprechen (nach Brinker). Der Produzent will mit solchen Texten den
Rezipienten über bestimmte Handlungsschritte informieren, ihn nicht zu einer Handlung
auffordern. Man spricht in solchen Fällen von Instruktionen. Entscheidend für die Instruktion
ist das Interesse von Autor und Adressat der Instruktion an einem Informationsaustausch,
damit die Instruktion überhaupt zustande kommen kann.

Zu 2.3. Die Obligationsfunktion


- Wesen und Paraphrase: Der Produzent drückt aus, dass er dem Rezipienten gegenüber die
Verpflichtung übernimmt, eine bestimmte Handlung zu vollziehen.
„Ich (der Produzent) verpflichte mich (dem Rezipienten gegenüber), die Handlung X
auszuführen.”
- Verben, die die Funktion direkt signalisieren: versprechen, sich verpflichten, übernehmen,
sich bereit erklären, garantieren, schwören u.a.
- typische Textsorten, in denen die Obligationsfunktion realisiert wird: Vertrag, (schriftliche)
Vereinbahrung, Garantieschein (z.B. Wir garantieren Ihnen somit, dass ...), Diensteid (z.B.
Ich schwöre Treue dem Grundgesetz ...), Vaterschaftsanerkenntnis (z.B. Demgemäß
verpflichte ich mich, dem Kind eine Rente ... zu entrichten.) u.a.

Die Obligationstexte sind an Institutionen gebunden und sind von der Situation/vom Kontext
stark abhängig. Die Textüberschriften sind weitere Signale (außer den Verben) für die
Textfunktion. Über dem Text steht z.B. Garantieschein, Diensteid, Vertrag geschrieben.
Zu 2.4. Die Kontaktfunktion
- Wesen: Der Produzent gibt zum Ausdruck, dass er an der persönlichen Beziehung zum
Rezipienten interessiert ist. Der Produzent möchte einen persönlichen Kontakt mit dem
Rezipienten herstellen und diesen Kontakt pflegen.
- Verben und Ausdrücke, die die Funktion signalisieren: danken, um Entschuldigung bitten,
gratulieren, beglückwünschen, willkommen heißen, Beileid aussprechen, sich beschweren,
verfluchen u.a.
Weitere sprachliche Besonderheiten: Anredeform, Grußformel, Höflichkeitsformen, Gebrauch
von Personalpronomen; spezifische Form und Gestaltung der unten genannten Textsorten.
- typische Textsorten, in denen die Kontaktfunktion realisiert wird: Die Haupttextsorte ist der
Brief (der private Brief, der offizielle Brief (z.B. Geschäftsbrief), der öffentliche Brief (=
Leserbrief). Die Kontaktfunktion ist besonders charakteristisch für die Partizipationstexte
(Das sind Texte, in denen der Autor seine Mit-Freude oder Mit-Trauer zum Ausdruck bringt.).
Die Partizipationstexte lassen sich in Gratulationsbriefe (das sind Texte, in denen die Mit-
Freude ausgedrückt wird) und Kondolenzbriefe (das sind Texte, in denen die Mit-Trauer
bekundet wird/ mit denen Beileid ausgesprochen wird) untergliedern.
Die Ansichtskarte ist eine weitere Textsorte mit Kontaktfunktion.

Kontakttexte sind an spezifische gesellschaftliche Anlässe gebunden (z.B. Geburtstags-,


Hochzeitsfeier).

Zu 2.5. Die Deklarationsfunktion


- Wesen und Paraphrase: Der Produzent drückt aus, dass durch die Äußerung des Textes eine
neue Realität geschaffen wird.
„Ich (der Produzent) bewirke hiermit, dass der Sachverhalt X als Y gilt.”
- Verben und Ausdrücke, die die Funktion signalisieren: j-n zu etw. einsetzen, j-n zu etw.
ernennen, etw. bescheinigen, j-n bevollmächtigen u.a.
- typische Textsorten, in denen die Deklarationsfunktion realisiert wird: Ernennungsurkunde
(z.B. Herr K. wird zum Wissenschaftlichen Rat ernannt.), Testament (z.B. Ich setze meinen
Bruder M.S. zu meinem alleinigen Erben ein.), Bescheinigung (z.B. Hiermit wird bescheinigt,
dass Frau M. regelmäßig an den Lehrveranstaltungen teilgenommen hat.), Vollmacht/
Bevollmächtigung (z.B. Ich bevollmächtige hiermit Herrn S., mein Auto für mich zu
verkaufen.) u.a.

Die Deklarationstexte sind an bestimmte gesellschaftliche Institutionen gebunden. Die


Deklarationsfunktion wird durch die Textüberschrift direkt ausgedrückt (z.B. Testament,
Urkunde, Bescheinigung, Vollmacht).

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