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N I G H T H A W K S

B Y E D W A R D H O P P E R

K U N S T G E S C H I C H T E - 1 . S E M E S T E R - PA T R I C K C A R L E T
N I G H T H A W K S
B Y E D W A R D H O P P E R

I N H A L T

1. Biographie
2. Realismus
3. Bildbeschreibung
4. Komposition
5. Interpretation
6. Einfluss
7. Bildanhänge
B I O G R A P H I E

Edward Hopper wurde am 22. Juli 1882 in Ny- verkaufte Hopper das Bild The Mansard Roof
ack, New York geboren. Er war das zweite Kind an das Brooklyn Museum of Art, sein zweites
seiner Eltern Garret Henry Hopper und Elizabeth Gemälde, das er bis dato verkaufen konnte.
Griffiths Smith Hopper. Diese konnten ihn davon Hoppers Ruhmesphase beginnt schließlich in den
überzeugen Illustration zu studieren, was er von 30er Jahren, während der Weltwirtschaftskrise.
1900 bis 1906 an der New Yorker School of Arts 1933, Hopper ist zu diesem Zeitpunkt 51 Jahre
tat. alt, wird im Museum of Modern Art bereits die
Ab 1906 bereiste er Europa und verbrachte, wie erste Retrospektive gezeigt.
viele Künstler zu dieser Zeit, einige Zeit in Paris. Seine realistischen Bilder der amerikanischen
In die USA zurückgekehrt entwickelte Hopper Mittelschicht machten ihn zum Vorbild einer ei-
fortan seinen eigenen Stil, der maßgeblich von genständigen amerikanischen Malerei. Charak-
der ihn umgebenden Wirklichkeit des amerika- teristisch für seinen Stil sind der Ausdruck von
nischen Lebens beeinflusst wurde. Melancholie und Einsamkeit. Viele seiner Bilder
Doch zunächst arbeitete er als Illustrator für sind gezeichnet von abwesend wirkenden Men-
Werbeagenturen, speziell für C.C. Phillips & Co, schen, denen Emotionslosigkeit ins Gesicht ge-
um sich sein täglich Brot zu finanzieren. Die Ar- schrieben steht. Doch nicht nur Menschen spielen
beiten, die zu dieser Zeit entstanden, sah Hop- einen wichtigen Teil in seinem Schaffen. Geprägt
per jedoch nicht als Teil seines künstlerischen wurden viele Werke auch von den Kulissen, in
Schaffens an. denen die Menschen zu sehen sind. Architektur,
Im Jahre 1913 konnte er während der Armory Landschaft, der Alltag des amerikanischen Leb-
Show in New York sein erstes Gemälde für 250 ens machen viele Bilder unverwechselbar.
Dollar verkaufen. Am 15. Mai 1967 verstarb Edward Hopper in
Eine entscheidende Veränderung in seinem Leb- New York. In Europa blieb er über lange Zeit hin-
en brachte die Hochzeit im Jahre 1924 mit der weg unbekannt. Erst 1981 verhalf ihm die erste
Malerin Josephine Verstille Nivison, die er ein große Retrospektive in Amsterdam, Düsseldorf
Jahr zuvor kennengelernt hatte. In den folgen- und London zu großem Ruhm, während er zu
den Jahren stand sie Modell für zahlreiche seiner dieser Zeit in seiner Heimat schon verehrt wur-
Bilder, nachdem sie die eigene Malerei fast voll- de und zu den Klassikern gehörte. Auch heute
ständig aufgegeben hatte. Ihr verdankt Hopper noch haben seine Werke einen großen Einfluss
auch seinen Durchbruch, denn seine Frau war auf Maler, Fotografen und Filmschaffende und es
es, die ihm die Teilnahme an einer Ausstellung ist unwahrscheinlich, dass sich daran in Zukunft
des Brooklyn Museum of Art vermittelte. Dort etwas ändern sollte.

R E A L I S M U S

Der Realismus im Sinne der Kunst, ist der Ver- Personen die allgemein als „schön“ bezeichnet
such menschliches Verhalten und die Umgebung wurden, eher solche darstellte die als „hässlich“
zu beschreiben, bzw. Personen und Gegenstände galten. So wurden häufig vom gedemütigten
genauer darzustellen, als sie in der Realität tat- Leben geprägte Bilder gezeigt, wodurch sich
sächlich erscheinen. Der Begriff „Realismus“ zugleich eine Kritik an den gesellschaftlichen
taucht in der Kunstgeschichte immer wieder pe- Verhältnissen abzeichnete. Daher stammt der
riodisch auf und wird je nach zeitlicher Bewe- Begriff „Gesellschaftlicher Realismus“, zu denen
gung von sich selbst eingeschränkt. die französischen Künstler Gustave Courbet,
Erstmals trat der Realismus in der Mitte des 19. Honoré Daumier und Jean François Millet gezählt
Jahrhunderts, als Reaktion auf die Romantik auf. werden.
Früher bezeichnete man als realistisches Werk Die Stilrichtung des Amerikanischen Realismus,
ein solches, welches statt Gegenstände oder auch bekannt als „American Scene“, entwickelte
sich erst ab etwa 1920 und fand seine Höhep- würde, sich in einem Land durchsetzt, dessen
unkte in den 30er Jahren. Es war zu diesem Zeit- Kultur schon immer besonderen Wert auf Prak-
punkt der erste eigenständige Kunststil in den tikabilität und Gleichberechtigung legte.
USA, man wollte sich so ganz bewusst von der Zu den bekanntesten Künstlern gehören neben
verbreiteten europäischen Moderne abgrenzen. Edward Hopper auch Georgia O’Keeffe, Charles
Das Ziel war es möglichst genau die amerika- Sheeler und Grant Wood. Geprägt wurde diese
nische Lebenswirklichkeit wiederzugeben, dabei Stilrichtung aber eindeutig von Edward Hopper,
wurde versucht Alltagsthemen möglichst konkret der zunächst noch als unabhängiger Maler, ab-
in einen amerikanischen Zusammenhang einzu- seits von zeitgenössischen Bewegungen galt,
betten. Es erscheint logisch, dass ein Kunststil, später aber sozusagen zur Ikone stilisiert wur-
der das Leben so darstellt, wie jeder es sehen de.

B I L D B E S C H R E I B U N G

Das Bild „Nachtschwärmer“ wurde im Jahre 1942 hat. Es befinden sich vier Personen in der Bar.
von Edward Hopper angefertigt. Das Bild wurde Links am Tresen sitzt ein Mann im Anzug mit
mit Öl auf Leinwand gemalt und hat das Format Hut auf einem Barhocker, der dem Betrachter
76x152 cm. Bis zum heutigen Tage ist es im Be- den Rücken zugewandt hat. Er hat seine Arme
sitz des Art Institute of Chicago. auf den Tresen gestützt und diese vermutlich
Das Bild zeigt eine Bar in den Straßen New Yorks verschränkt. Die Haltung zeigt, obwohl er dem
bei Nacht. Der Betrachter blickt vom Bürgersteig Betrachter ja den Rücken zuwendet, dass sein
aus, von außen in die hell beleuchtete Bar hinein. Blick vor sich her schweift und nicht auf eine der
Die Bar befindet sich in einem Eckgebäude der anderen Personen gerichtet ist. An der anderen
Straße und füllt etwa 2/3 der Leinwand. Im link- Tresenseite sitzen zwei Personen. Links ebenfalls
en Drittel ist eine Straße mit geschlossenen Ge- ein Mann im Anzug mit Hut und rechts daneben
schäften zu sehen, die zwar schließlich hinter der eine Frau im roten Kleid. Sie sind so im Bild
Bar verschwindet, sich jedoch durch die großen positioniert, dass ihre Rücken der im Hintergr-
Glasscheiben der Bar weiter verfolgen lässt. Man und verlaufenden Straße zugewandt sind, d.h.
kann von dem sich im Hintergrund befindenden der Betrachter kann von seiner Perspektive aus
Gebäude das Erdgeschoss, sowie einen Teil des ihre Gesichter sehen. Auch ihre Blicke schweifen
1. Obergeschosses sehen. Während der Laden vor sich her, gehen ins Leere, sind sozusagen
im Erdgeschoss mit seinen großen, aber dunklen bedeutungslos. Der Mann hat seine Arme ver-
Fenstern und dem dunkelgrünen Wandanstrich schränkt auf dem Tresen abgestützt, ähnlich
eher unscheinbar wirkt, sticht die Fensterreihe wie der Mann der weiter links im Bild sitzt. Die
aus dem darüber liegenden Stockwerk mit seiner Frau fällt mit ihrem roten Kleid und ihren ro-
orange-roten Farbe sehr hervor, obwohl sie nur ten Haaren besonders auf. Ihr rechter Arm ist
im linken oberen Bildrand zu sehen ist. auf dem Tresen abgestützt und ihr Blick scheint
Das Hauptaugenmerk des Bildes liegt aber ein- sich ihrer rechten Hand zu widmen, als würde
deutig bei der Bar. Von außen betrachtet fallen sie sich ihre Fingernägel anschauen. Dabei sieht
zuerst die großen Glasscheiben auf, die es ein- sie jedoch völlig emotionslos aus. Beide Perso-
fach machen das Geschehen im Inneren der Bar nen haben weiße Kaffeebecher vor sich auf dem
zu beobachten. Eine Tür hingegen ist nicht zu Tresen stehen, trinken in diesem Moment jedoch
sehen. Der Außenanstrich ist ebenfalls dunkel- nicht daraus. Es wird auch nicht deutlich, ob die
grün und fällt nicht sonderlich auf. Auf dem Dach beiden ein Paar sind oder überhaupt gemeinsam
der Bar ist ein braunes Schild mit dem Schriftzug dort sind. Sie berühren sich weder, noch zeigen
„Phillies“ angebracht, dies ist jedoch nicht der sie auf irgendeine andere Art und Weise Zunei-
Name der Bar, sondern Werbung für Zigarren. gung. Bleibt die vierte Person, bei der es sich
Das Hauptgeschehen findet im Inneren der Bar um einen Angestellten der Bar handelt, der die
ab. Zu sehen ist dort einmal der Tresen, der ob- Gäste von hinter dem Tresen bewirtet. Er ist re-
wohl es durch die Perspektive nicht eindeutig chts im Bild und seinen Gästen zugewandt, seine
erkennbar ist, vermutlich eine dreieckige Form Haltung ist leicht gebeugt, sodass seine Hände
unter dem Tresen verschwinden. Im Gegensatz warmen, mittelbraunen Holz gefertigt, die Fens-
zu den anderen Personen ist er als Angestellter terbank unterhalb der großen Scheiben ist grün.
komplett in weiß gekleidet. Neben einem weißen Die Wand im Hintergrund ist in einem kalten
Hemd trägt er auch eine schmale weiße Mütze. hellen gelb gestrichen, das fast schon ins weiße
Durch die helle Beleuchtung im Inneren ist es übergeht. Hinter dem Angestellten stehen auf
nicht eindeutig zu erkennen, aber vermutlich dem Tresen zwei große metallene Behälter, bei
trägt er eine Glatze. denen es sich vermutlich um Zapfhähne oder
Das Geschehen im Inneren der Bar ist hell be- Getränkebehälter handelt. Rechts daneben, am
leuchtet und bildet somit einen Kontrast zur rechten Bildrand ist hinter dem Tresen zudem
nächtlichen Leere außerhalb. Insgesamt herrscht eine gelbe Tür zu sehen, die in der Mitte einen
in der Bar ein warmes, aber klares und sehr auf- quadratischen Durchblick hat.
geräumtes Ambiente. Der Tresen ist aus einem

K O M P O S I T I O N

Edward Hoppers „Nachtschwärmer“ ist ein Bild und Nachtruhe.


geprägt von Kontrasten, dem Spiel mit Licht und Die Farbgebung verstärkt diesen Gegensatz noch
Schatten. Zuerst fällt dem Betrachter die von in- einmal zusätzlich. Auffällig sind die verwendeten
nen hell beleuchtete Bar auf, die absolut im Kon- Rot- und Brauntöne, die die Bar einladend und
trast zur menschenleeren nächtlichen Düsterheit warm wirken lassen. Zudem tauchen im Bild ein-
außerhalb des Lokals steht. Am deutlichsten wird ige Grüntöne auf, die einen Komplementärkon-
dieser Helldunkel-Kontrast, wenn man aus der trast zum Rot bilden. Zu sehen einerseits in der
Bar heraus auf die Straße im Hintergrund blickt. Bar, zwischen der grünen Fensterbank und dem
Durch die Beleuchtung wird aber auch die Straße braunen Tresen und ebenfalls im Hintergrund
im Vordergrund erhellt, wodurch dort kontrast- zwischen der roten Wand und den dunkelgrünen
reiche Schatten entstehen, man achte nur auf Fenster- und Türrahmen.
die Außenwand der Bar unterhalb der Fenster- Eine besondere Perspektive in diesem Bild ist
scheiben. Diese bildet, wie bereits bemerkt, einen schwer auszumachen, ein Fluchtpunkt lässt sich
Helldunkel-Kontrast zur hellen grauen Straße im nicht aufzeigen. Es gibt viele ebene harmonische
Vordergrund, zeitgleich jedoch auch zum hellen Flächen zueinander, keine spitzen oder drama-
Inneren des Lokals. Durch dieses Spiel mit den tischen Formen, die irgendeine Form von Span-
Kontrasten erlangt das Innere der Bar aufgrund nung in dieses Bild bringen. Es handelt sich letz-
seiner Beleuchtung eine besondere Aufmerksam- tendlich um eine wirklichkeitsnahe realistische
keit. Eine Stimmung wird hierdurch besonders Perspektive, die so wirkt, als hätte man auf der
vermittelt: Der Gegensatz zwischen Nachtleben Straße stehend ein Foto der Bar geschossen.

I N T E R P R E T A T I O N

Hopper war bekannt für seinen melancholischen Nachtschwärmer.


Stil, der von Einsamkeit und Emotionslosigkeit Der in der Bar arbeitende Wirt sticht im Ge-
geprägt war. Das Bild „Nachtschwärmer“ ist gensatz zu seinen Gästen hervor, er grenzt sich
charakteristisch für diesen Stil und wurde daher von ihnen ab, nicht nur dadurch, dass er hinter
zurecht zu einem seiner berühmtesten Bilder. dem Tresen steht, sondern auch durch seine
Fällt der Name Edward Hopper, so assoziiert man weiße Kleidung und die weiße Mütze. Der Begriff
in der Regel zuerst dieses Bild mit seinem Na- Nachtschwärmer trifft auf ihn nicht zu, sondern
men. es sind seine Gäste. Er ist frei, er hat seinen Job
In diesem Bild geht es um vier Personen, den dem er nachgeht. Er kann kommen und gehen
Wirt hinter dem Tresen und seine drei Gäste, die und die Gäste zumindest mit dem Ansatz eines
Lächelns bedienen. eingefunden, ohne Begleitung. Eventuell wartet
Interessant wird es, wenn man sich fragt welche er auf jemanden oder wurde zuvor sitzen ge-
Rolle die Nachtschwärmer spielen und aus lassen. Auffällig ist jedoch, wie ähnlich sich die
welchen Gründen es sie zu dieser Zeit in die Bar beiden Männer sehen, obwohl man das Gesicht
getrieben hat. Es wird nicht deutlich, ob sie zu- der einen Person nicht sehen kann. Tatsache ist,
vor unterwegs waren, oder aber vielleicht erst dass Hopper sich selbst als Modell für die beiden
spät von der Arbeit gekommen sind. Einzig bei Männer benutze, ebenso wie er seine Frau als
der Frau kann man wegen des Kleides darauf Modell für die Frau im roten Kleid benutzte.
schließen, dass sie ihren Abend wohl nicht nur Amerika, besonders aber die Stadt New York
in dieser Bar verbracht hat. Ob sie jedoch zum gelten eigentlich als Symbole der Freiheit, in
Mann neben ihr gehört bleibt offen. Es gibt keine denen die Menschen frei ihre Träume leben kön-
Anzeichen dafür, dass die beiden ein Paar sind nen. Hier aber sieht man drei Charaktere, die
oder gemeinsam dort eingetroffen sind, das ein- nachts einsam in einem Lokal sitzen, verschlos-
zige was man mit Bestimmtheit sagen kann, ist sen hinter Glasscheiben. Deutlich wird dies auch
dass sie eng beieinander sitzen. Zu Hoppers mel- durch die fehlende Tür, die es aus Sicht des Be-
ancholischem Stil könnte man aber auch deuten, trachters unmöglich macht diese Einsamkeit zu
dass die beiden ein Paar sind, das sich in einer verlassen.
tiefen Krise befindet, unmöglich miteinander zu Edward Hopper fühlte sich laut eigenen Angaben
kommunizieren. wie ein beängstigter Fremder in einer Welt, die
Zu der einzelnen Person, die dem Betrachter den er nicht gemacht hat und genau diese Stimmung
Rücken zuwendet lässt sich nicht viel deuten. Er spiegelt dieses Bild wieder.
hat sich zu später Stunde alleine in dieser Bar

E I N F L U S S

Wie kaum ein anderer Künstler hatte Edward oder in Dario Argentos „Profondo Rosso“. Eben-
Hopper mit seinen Werken aufgrund der starken falls tauchte das Bild mehrmals als Anspielung in
Atmosphäre einen großen Einfluss auf Filmküns- der bekannten Animationsserie „Die Simpsons“
tler und Regisseure. Die realistische Ausdrucks- auf.
weise lässt viele seiner Bilder nicht von ungefähr Darüber hinaus ist „Nachtschwärmer“ aber auch
aussehen wie eingefrorene Filmszenen. Für das eins der am meisten zitierten Bilder überhaupt.
Bates Motel in Alfred Hitchcocks „Psycho“ diente Am bekanntesten ist wohl Gottfried Helnweins
das Bild „House by the Railroad“ als Vorbild. Aber „Boulevard of Broken Dreams“, in welchem er die
auch das Bild der „Nachtschwärmer“ wurde me- vier Personen durch Marilyn Monroe, Humphrey
hrmals als Vorbild für Filmszenen oder Filmsets Bogart, Elvis Presley und James Dean ersetzte.
genommen, etwa in Ridley Scotts „Blade Runner“
B I L D A N H Ä N G E

“Die Simpsons”, Poster “Die Simpsons”, Episode “der mysteriöse


Bierbaron”

“Nighthawks Revisited”, Esteve Fort “Boulevard of Broken Dreams”, Gottfried


Helnwein