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16. Sikyon. Epochen. — 17. Akrai.

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F ü r die Gestaltung der o b e r e n G e s c h o s s e bietet sich außer dem Grundriß kein


Anhaltspunkt. Bei der großen Tiefe der beiden Dreikammer-Reihen (3,25 m ; 3,44 im Lichten)
gegenüber einer Logeiontiefe von 2,90 m ist eine E r g ä n z u n g im Segestatypus mit Distegia
und Giebelzone unmöglich. Auch eine ungebrochene S k e n e n f r o n t i m T y n d a r i s t y p u s ist wegen des
Fehlens von Paraskenien unglaubhaft. Vielmehr ist Sikyon zusammen mit seinem Schwe-
stertheater Elis eher an den Typus von Priene I anzuschließen (Abschn. 21). Die hintere
Kammerreihe ist im Zusammenhang mit der rückwärtigen Stoa aus nichtszenischen Be-
dürfnissen zu erklären.
F ü r die Z e i t b e s t i m m u n g des Theaters ist gegen Fossum (1905, 272), der ins 4. J h .
hinaufgeht, mit Frickenhaus (46) an 303 v. C. als oberer Zeitgrenze festzuhalten, dem J a h r ,
in welchem Demetrios Poiiorketes die Umsiedlung der Stadt von der Küste auf das Tafel-
land veranlaßte. F ü r das dritte J a h r h u n d e r t sprechen auch sehr entschieden die trockenen
Formen an Kapitell und Pfeilerbasis der Paraskenien (o. S. 197). Beim Aufstand des Aratos
251 v. C. war das Theater schon vorhanden (Plutarch Aratos 8). —
Als Epochen des Theaters von Sikyon sind somit anzunehmen:
1. In der 1. H ä l f t e d e s 3. J h s . E r b a u u n g von Sitzhaus, Skene und Abzugskanal.
Hölzerne Logeionwand, vielleicht mit Holzgebälk, aber mit dekorativ eingesetzten jonischen
Poroshalbsäulen. Die schwach vortretenden einjochigen Paraskenien naiskosartig offen. Nach
251 v. C. die Statue des Aratos aufgestellt, vielleicht in der Ostparaskenionnische.
2. E r s t verhältnismäßig spät, vielleicht nach dem Erdbeben von 23 n a c h C h r . , E r -
setzung des Holz-Poros-Logeions durch ein M a r m o r p r o s k e n i o n mit Vollsäulen. Pausanias
sah die Statue des Aratos vermutlich in dem vom älteren Logeion her erhalten gebliebenen
Ostparaskenion.
3. Nach Pausanias Zeit, also vielleicht Ende des 2. oder im 3. J h . n. C. geschlossene
bemalte S t e i n w a n d a u f d e n ä l t e r e n P r o s k e n i o n s c h w e l l e n , mit drei Türen, die mitt-
lere doppelflüglig und mit ihrer W e s t h ä l f t e aus der Mittelachse gerückt. Hinter ihrer Ost-
hälfte ein Einstieg mit S t e i n t r e p p e in d e n H y p o n o m o s angelegt, sodaß dieser jetzt als
Charonische Stiege zu benutzen ist. — Eine Bühnenwand des römischen Typus mit Säulen
und Nischen h a t es nicht gegeben.
4. Niedriges B e m a m i t V o r h a n g s r i l l e in der Orchestra, nach Art und wohl in der
Zeit des athenischen Phaidrosbemas, also vermutlich im 3./4. J h . n. C.

17. Akrai.
Tafel 43, 44 a, b.
Ausgrabungsbericht von B r o c c h i , abgedr. Kunstblatt I (1820), 121—23. Flüchtige Aufnahme Ca-
vallaris bei S e r r a d i f a l c o IV Taf. 32, 1; S. 159. Darauf beruht H o g g , Mus. of classical antiquities
II (1852) 240, der die Ruine 1825 besucht hatte. S c h u b r i n g Jahrb. Klass. Phil. Suppl. IV 1867, 667.
S t r a c k Tf. 6,4. Wieseler Tf. 2, 2. Aufnahme K o l d e w e y s „nach eiligen Beobachtungen" (17. VI. 95)
bei P u c h s t e i n Ab. 38; Ab. 37; S. 123fg. B i e b e r 50; 181. v. G e r k a n 107. Phot. Brogi 16024—6. —
W i r geben auf Tf. 4 3 Koldeweys Plan mit Ergänzungen und kleinen Verbesserungen nach unserer Unter-
suchung vom 10. V. 24.
Akrai, heute Pallazolo-Acreide, als K o l o n i e v o n S y r a k u s um 664 v. C. gegründet,
liegt 4 3 km westlich von Syrakus auf einer beherrschenden Höhe von fast 700 m. „Von
200 17. Akrai. Sitzhaus.

der Bergspitze, die den Namen Acreraonte führt, überblickt man die ganze südöstliche
Ecke Siziliens von dem Hafen von Augusta und dem Megarischen Meerbusen an, über
Syrakus und das Vorgebirge Pachynos bis nach Terranova (Gela) hin, während im Norden
der riesige Aetna emporragt" (Holm, Gesch. Siz. I 141). Das Theater ist nahe unter
der höchsten Erhebung genau nach Norden gerichtet. Jenseits des tiefeingeschnittenen
Anapos-Tales liegt auf einem breiten Höhenzug Buscemi, das alte Herbessos. Darüber
erhebt sich als mächtiger Blickpunkt in der Ferne genau in der Theaterachse der
rauchende Berg.
Die ursprüngliche Ausdehnung des S i t z h a u s e s ist ohne neue Grabung nicht fest-
zustellen. Von dem jetzt Sichtbaren ist sehr vieles m o d e r n aufgebaut, so das Ostende
des Koilon mit dem kleinen Durchlaß (Tf. 44b hinten); ein großer Teil der Sitzstufen,
nämlich alle Platten, die hinten nicht an die höher liegenden anstoßen; die obere Um-
fassungsmauer nebst dem schmalen Durchgang zwischen der zweiten und dritten Treppe
von Westen (Tf. 44 a), von welchem ein unterirdischer Korridor zu dem westlich anstoßenden
sog. Odeion führt; endlich die westliche jetzt etwas geböschte Stirnmauer (Tf. 44a), die
jedoch in der ursprünglichen Fluchtlinie steht (u. S. 202).
Als östliche A u ß e n m a u e r zeigte uns der Custode sieben Quaderlagen in der Höhe
unterhalb der modernen Abschlußmauer. Da jedoch die jetzt obersten Sitzstufen unter die letztere
untergreifen, so war das Theater jedenfalls höher und die Quadern gehören zu einem inneren
Stützring. Die S i t z r e i h e n bestehen aus rechteckigen Platten, die ohne Fundament auf
Erde liegen und nur mit den Kanten einander berühren (Tf. 43 r. o.; Serr. IV Tf. 32, 3, 4).
Durch acht Treppen mit je zwei Stufen auf eine Sitzreihe entstehen neun Keile. Vorhanden
sind jetzt 12 Sitzreihen, während Serradifalcos Plan IV 32, 1 nur 11 gibt, aber mit An-
deutung von Erdbettungen für drei weitere. Die unterste Stufe wurde in antiker Zeit am
Nordostende vorne etwas abgeschnitten bei Anlegung der Nordostkammer (Tf. 43; u. S. 202).
Die O r c h e s t r a ist genau halbkreisförmig, mit 20,90 m Durchmesser. Ein Pflaster
aus ungleich großen und ungleich gelegten Platten meist zweiter Verwendung stößt mit
einer längsgelegten Plattenreihe an die Front des Pulpitum an und ist wohl gleichzeitig
mit ihm. Rechts und links von diesem ist der Boden eine Steinlage höher.
Von dieser r ö m i s c h e n B ü h n e steht noch eine hochkante, 50 cm hohe Quaderreihe
von 14,39 m Breite, die mit ihren Flanken um 2,40 m in die Orchestra vortritt (Tf. 48;
4 4 a , b). An der Front sind zwei der üblichen kleinen halbrunden Nischen. Vor der
Mitte deutet Cavallaris Plan eine rechteckige Ummauerung an (1,30:2,70 m), aus der
Wieseler (62) eine Art „Thymele" machte. Da nichts Aufgehendes mehr vorhanden ist,
glaubte Puchstein (124) die Zeichnung auf dem Plan nur durch die hier andersartige Pflaster-
einteilung mit kleineren Steinen veranlaßt. Jedoch fehlt an dieser Lagerung die Eckenbildung,
die auf dem Plane trotz seiner Dürftigkeit zu erkennen ist. Es muß also doch wohl eine
Steinsetzung vorhanden gewesen sein, die der allzu sauberen Aufräumung zum Opfer fiel.
Sie erklärt sich als Sockel einer T r e p p e , wie sie sonst in die Front der Pulpita ein-
geschnitten werden. Mit 6 Stufen zu 20 cm Höhe und 25 cm Auftrittstiefe wird grade
die Bühnenfront und eine Höhe von 1,20 m erreicht. Die gleiche Höhe ergibt sich, wenn
man an der Wand selbst eine 2. Quaderlage zu 50 cm nebst Gesims ergänzt. Auf die Rückwand
der Bühne ist die Mauer aus kleineren Steinen zu beziehen, die Serradifalco Tf. 32 da gibt,
wo jetzt der großplattige Stylobat sichtbar ist. Auch hier ist also ein gröberes Mauerstück
Römisches Pulpitum. Hellenistisches Halbsäulonproskenion. Hyposkenion tiirlos. 201

der Spätzeit modern entfernt wordeil. Nach vorn tritt das Pulpitum weiter in die Orchestra
vor als irgendwo sonst, ist aber in seinem Wesen nicht von den späten Bemata in Athen,
Sikyon, Tyndaris verschieden. Die in Akrai gesicherte geringe Tiefe (2,40 m) bestätigt
unsere entsprechende Vermutung beim Phaidrosbema (S. 17).
Von dem hellenistischen P r o s k e n i o n liegt die wohlerhaltene S t y l o b a t s c h w e l l e
an Ort (Tf. 43). Auf ihr sind 8 Paare von hakenförmigen Rillen (br. 6 cm, t. 5—5,5 cm),
die vom Hinterrand 23 cm weit hereingehen, dann rechtwinklig 10 —11,5 cm weit umbiegen.
Zwischen und vor den Hakenpaaren sind die gerauhten Lager von P f e i l e r n mit v o r -
g e l e g t e n H a l b s ä u l e n erkennbar (von Koldewey nicht bemerkt; Dm. der Halbsäulen
41—42 cm, Gesamtdicke mit Pfeilerstück 45—46 cm). Die Pfeilerflanken waren demnach
behufs Befestigung der Pinakes mit Holzleibungen verschalt, ein bisher nicht bekanntes Ver-
fahren. Für den westlichsten Pinax und den zweiten von Ost sind leichte Rillen zur An-
passung eingetieft, bei dem zweitgenannten ist davor ein Riegelloch, um das Werfen des
Holzes nach vorn zu verhindern. Bei der letzten Stütze im Osten ist die äußere Hakenrille,
die auf einem zwischengeflickten Steinstreifen saß, zerstört. Ihr erhaltener Partner ist
kürzer als sonst (19 cm), vor ihm sitzt ein 9 cm langes Zapfenloch (danach Koldewey zu
berichtigen), das mit der Rundung einer Halbsäule nicht zu vereinigen ist. Hier stand
vielmehr eine A n t e mit Holzverkleidung als Eckabschluß. Die Flanke des Proskenions war
somit durch eine Mauer geschlossen und es hatte die gleiche Breite wie das spätere Pulpitum.
Neben der Ostecke, wo jetzt bis zum Sitzreihenende ein spätes Mauerstück und der Ein-
gang zu der N-O-Kammer sind, war ursprünglich ein offener D u r c h l a ß von 2,80 m Breite.
Das W e s t ende des Stylobats ist von einem Mauerstück überdeckt, an das sich ein Durch-
gang anschließt, was aber beides modern zurechtgemacht ist. Da die letzte sichtbare Haken-
rille nicht die für die Ante nötige Form hat, so liegt hier unter dem Mauerstück noch das
Eckjoch, das wie das östliche um 11 cm schmaler als die übrigen gewesen sein wird
(Achsweiten 1,96 m; Pinaxbreite 1,36; an den Endjochen 1,85, bezw. 1,25 m). Auch
neben der Westproskenionecke war ein E i n g a n g , in welchen ein an der Westflanke
entlang führender Weg einmündete, für den auf Serradifalcos Plan eine jetzt ver-
schüttete Felsabkantung durch eine Linie angedeutet erscheint. Der Westeingang muß
um 40 cm schmäler gewesen sein als der östliche, was durch eine Verschiebung der
ganzen Front nach Westen entsteht, da sich die Mittelhalbsäule um ebensoviel west-
lich von dem Mittelpunkt des Orchestrahalbkreises (Kreuzchen auf Tf. 43) befindet, eine
gewiß nur zufällige Ungleichheit. Auch bei den Kerkides hat der Architekt wenig präzis
gearbeitet.
Der Proskenionstylobat ist in den gewachsenen F e l s eingebettet, der hinter ihm nur
mit ganz unregelmäßiger Begrenzung fortgearbeitet ist. An dieser Bogenlinie steigt das
Gestein um etwa 50 cm senkrecht an, weiter rückwärts abermals etwa 40 cm (Tf. 43
Schnitt A —B). Vor der zweiten, gradlinigen Auftreppung setzt Puchstein mit Recht die
s c a e n a e f r o n s an, wodurch das Proskenion die übliche Tiefe von etwa 2,50 m bekommt.
Daß man sich im H y p o s k e n i o n nicht die Mühe gab, den unregelmäßigen Fels ganz zu
entfernen, zeugt für die spieltechnische Bedeutungslosigkeit dieses Raumes, der hier über-
haupt nicht begehbar war. Dazu stimmt, daß die Proskenionwand keine Türen hatte, die
bei dem Erhaltungszustand des Stylobats Spuren hätten hinterlassen müssen. Türen waren
also kein unentbehrlicher Bestandteil der Proskenien.
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXXIII. Bd., 1. Abh. 26
202 17. Akrai. Thyromatabühne. Keine Parodoi. Römisches. Zeitbestimmung.

Von den Räumen hinter der Skenenfront könnten vielleicht durch Reinigung des
Felsbodens noch Bettungen gefunden werden, obwohl eine spätere Bewohnung hier starke
Veränderungen bewirkt hat. Eine Zisterne und zahlreiche pithosartige, mit Mörtel aus-
gekleidete Gruben sind bei Serr. Tf. 32, 1 gezeichnet und von Schubring umständlich be-
schrieben worden.
Von dem A u f b a u des S k e n e n g e b ä u d e s sind nur zwei der charakteristischen
K r a g - oder K o n s o l s t e i n e erhalten, in der von Oiniadai (S. 94) her bekannten Form.
Der eine, an der N-O-Kammer als Türpfeiler wiederverwendet (Tf. 431. u.; 44 a), hat an
einem rechteckigen Schaft ein abgeschrägtes Konsolstück von 39 cm Breite. Eine senk-
rechte Rille an dessen Ansatz sieht wie für eine Holzleiste aus. Nach der Größe und groben
Form war es ein Träger im Untergeschoß wie in Oiniadai Tf. 14, 8; 9. Das andere Stück,
auf dem modernen Osteingang des Koilon (Tf. 44b hinten; Tf. 43 r. u., versehentlich nicht
maßstäblich aufgenommen), das oben eine Aufschnürung hat, ist nach dem gefällig ge-
gliederten Konsolumriß einem Thyroma als oberer Eckabschluß zuzuweisen. Wir dürfen
also den Typus der T h y r o m a t a b ü h n e wie Priene II hier als gesichert ansehen.
Die K o i l o n s t i r n e n lagen genau in der Flucht der Proskenionfront, wie trotz der ent-
stellenden Restaurierungen im Westen noch festzustellen ist, denn hier liegt der unterste
Block der jetzt locker mit Böschung wiederaufgehäuften Koilon westwand (Tf. 44 a) so fest
an Ort, daß wir ihn zuerst für gewachsenen Fels hielten. Dieses ist also ein zweites
T h e a t e r o h n e P a r o d o i . Während diese aber in Tyndaris durch innere Durchgänge ersetzt
sind, wurde in Akrai das Bühnengebäude verkürzt, um beiderseits Zugänge zu lassen, die
gewissermaßen um 90° gedrehte Parodoi sind. Das ist, wie schon v. Gerkan (106) erkannte,
wohl durch die Bodenverhältnisse veranlaßt, indem man möglichst wenig von der Fels-
erhebung abzutragen wünschte, wie ja auch die Verhältnisse im Hyposkenion zeigen. Bei
dem Geländezustand ist auch ausgeschlossen, was Puchstein fragweise annahm, daß weiter
rückwärts ein älteres Bühnengebäude gelegen hätte. Dies Provinztheater zeigt abermals
die individuelle Anpassungsfähigkeit der Theatertypen, denen man mit vitruvischen Regeln
und gelehrten Termini allein nicht beikommen kann.
Aus r ö m i s c h e r Z e i t ist noch die wohl gleichzeitig mit dem Pulpitum entstandene
K a m m e r östlich vom Proskenion zu nennen, deren Eingang heute von dem großen Konsol-
block und einer hohen Quader gebildet wird (Tf. 44 a). Der rechteckige Raum (2,18:2,37 m)
ist von Langsteinen eingefaßt, die vorn und oben sorgfältig geglättet, hinten rauh
sind (EL. 21, D. 26 cm). Die scharfkantig eingetieften Rillen auf der Oberseite (Br. 8,
T. 6,5 cm) gehen an den Langseiteu hinten ins Leere, an der Querseite stumpf gegen die
Langseiten; die Steine liegen also in zweiter Verwendung. Die Rillen, die für Wasser-
führung zu schmal sind, könnten in der Erstverwendung eine Holzschranke, an dem jetzigen
Ort etwa die Bretterwände einer Taberna für Erfrischungen usw. getragen haben. Das
kleine Altärchen hinter der Kammer ist modern dorthin gestellt (Tf. 44, a).
Die Anlagen westlich des Theaters (Serr. IV Tf. 32) sind eine große H a l l e — erhalten
zwei sehr tiefreichende Parallelfundamente in 4 m Abstand voneinander — und daran ein
mit h a l b k r e i s f ö r m i g e n S i t z s t u f e n gefüllter R e c h t e c k b a u . Die drei gut erhaltenen
untersten Stufen sind von sorgfältigster Arbeit und haben eine fein profilierte obere
Kante. Dies ist kein Odeion oder gar Bad, sondern der von Priene, Milet, Messene
(Jb. Anz. 41, 1926, 425) her bekannte B u l e u t e r i o n t y p u s in kleiner Ausführung. Es
18. Piräus. Vollsäulen-Proskenion als offene Halle ohne Pinakes. 203

ist zu vermuten, daß die ihm vorgelagerte Halle eine Agora begrenzte. Ein sehr schöner
Türsturz und ein feingearbeitetes Friesstück weisen auf gute hellenistische Zeit. Man
darf daher mit Holm (Gesch. Siz. III, 38) für diese Anlage an die Bautätigkeit Hie-
rons II (270—215 v. C.) denken, der einen Palast in Akrai besessen haben soll, wovon
die ortsansässige Gelehrsamkeit den heutigen Namen Palazzolo ableitet. Um 210 v. C.
wird auch die einzige bekannte Münzprägung von Akrai angesetzt (Head Hist. num.2 118).
Späthellenistisch dagegen sind nach den Gewandmotiven die interessanten F e l s r e l i e f s , im
Volksmund Santoni genannt, die am Osthang des Stadtberges auf einer jetzt halbabgestürzten
Terrasse in langer Reihe ausgemeißelt sind und nach den Standspuren z. T. hölzerne Naiskoi
vor sich hatten. Dargestellt ist immer wieder Kybele mit Tympanon, Löwen und zahlreichen
Nebenpersonen (Serr. IY Tf. 35). In die durch diese Weihungen angedeutete s p ä t e r e B l ü t e -
z e i t von Akrai möchte man den Theaterbau lieber setzen als in die hieronische, da seine
sehr dürftige Technik von der Feinheit des Buleuterions weit absticht. Man mag also ans
2. Jh. v. C. denken und zwar an seine erste Hälfte, wenn man das für uns erste Auftreten
des Vollsäulenproskeniontypus am Piräustheater (S. 204) gegen 150 v. C. als terminus ante
quem annehmen will.

18. Piräus, Zea-Theater.


Ausgegraben 1880 von P h i l i o s , Prakt. 1881, lOf; 48f. mit Plan von H a g e r ; 1884, 14; Ephim.
1885, 62. Inschriften D r a g a t s i s Eph. 1884, 196. Neue Aufnahme von B o r r m a n n bei Curtius-Kaupert,
Karten von Attika Textheft I, 67. Vgl. J u d e i c h Top. von Athen 389, 17. D —R 97—100, Fg. 34.
P u c h s t e i n 105—107; Abb. 27. F i e c h t e r 73. F r i c k e n h a u s 43, Ab. 16. Möbius o. S. 6. Nicht bei
Bieber. Lehmann-Hartleben und ich reinigten am 21. IV. 32 die Proskenionschwelle, konnten aber die
übrigen Skenenteile unter neuer Verschüttung nicht sehen.
Der ausgezeichnet erhaltene P r o s k e n i o n s t y l o b a t aus hymettischem Marmor trug
im Mittelteil 14 Säulen von 49 cm Dm., bei 1,39 m Achsweite mit Ausnahme des Mittel-
interkolumniums, das mit 2,12 m etwas über l l / i Achsweiten hat. Die P a r a s k e n i e n
haben an den Fronten 4, an den Innenflanken 2 Joche. Außen ist nur je 1 Joch erhalten.
Ob etwa aus den Felsbettungen noch etwas über die Außenflanken zu ermitteln wäre,
war nicht festzustellen. Von den vorgeschlagenen Ergänzungen ist die einjochige Dörpfelds
(D—R Fg. 34) weniger glaubhaft als Frickenhaus (Ab. 16) zweijochige, da so die äußeren
Frontstücke in der Flucht des Proskenionmittelteils liegen wie in Athen. In jedem Falle
ist dieses Proskenion durchaus a l s o f f e n e H a l l e gedacht, bei welcher eine auch nur
vorübergehende Anbringung von Pinakes unmöglich ist. Denn auf dem Stylobat sind zwar
die Lagerflächen für die Vollsäulen sorgfältig geglättet und ihre Quer- und Tiefenachsen
durch 4 radiale Striche sehr sauber bezeichnet (in der Mitte viereckiges Dübelloch mit
schrägem Gußkanal). Dagegen ist in den Säulenzwischenräumen der Werkzoll ganz un-
regelmäßig in durchschnittlicher Höhe von 1,5—2,5 cm, an mehreren Stellen bis zu 3,5 cm
stehen geblieben (vgl. Hagers Plan). Die Holztafeln hätten also ein völlig ungleichmäßiges
Auflager gehabt und seitlich der Werkzollbuckel wären Spalten bis zu Zweifingerbreite
offen geblieben. Im Mittelkolumnium trotz fehlender Spuren mit Dörpfeld eine Tür an-
zunehmen, ist kein Anlaß, da eine Verbreiterung der Mitte an offenen Hallen auch sonst vor-
kommt (S. 14; 42); hier ist sie wegen der Hyposkeniontür ohne weiteres verständlich.
Das Zea-Theater ist somit das für uns früheste Beispiel eines s t e t s o f f e n e n P r o s k e n i o n s
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