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Parcours

Anleitungen zur Selbstständigkeit


für Künstler und Designer
Herausgegeben von der Hochschule für Gestaltung
Offenbach am Main
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 Inhalt

I. Startsprung: Richtig selbstständig – 7

Um selbstständig zu arbeiten, braucht man vor allem zwei Dinge: die richtige Einstel-
lung und Spaß an der Sache, mit der man Geld verdienen möchte. Dazu kommen ein
paar Regeln, die man am Anfang beachten sollte und los gehts.

II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt – 22

Damit arbeiten Spaß macht, muss es eine faire Bezahlung geben. Christine Hesse er-
klärt, wie man den »angemessenen« Preis für die eigene Arbeit berechnen kann und
wie man einen Auftrag optimal bearbeitet. Und damit man so ungefähr weiß, was
mit größeren Kunden vertraglich auf einen zukommt, werden unterschiedliche Ver-
tragstypen vorgestellt.

III. Steuern: Ordentlich einfach – 34

Für die Arbeit an diesem Kapitel wurden freundschaftliche Bande zum Finanzamt
geknüpft, damit die aktuellen Gesetzesänderungen auch alle berücksichtigt werden
konnten. So einfach wie möglich wird hier das Prinzip der Umsatzsteuer dargestellt
und es geht darum, welche Steuern man überhaupt zahlen muss.

IV. Meins: Recht haben – 56

Welche Verpflichtungen und Rechte hat man eigentlich gegenüber einem


Auftraggeber? Und wie kann man langfristig an seinen Arbeiten verdienen? Oder,
welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden, um von der eigenen Arbeit leben zu
können?

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 Inhalt

V. Akquise: Gezielt arbeiten – 70

Joachim Kobuss beschreibt, wie man sich und seine Leistungen richtig darstellt,
wie man die passenden Kunden findet und auch anspricht. Dazu gibt es noch
Informationen zu Netzwerken und es geht um Mitgliedschaften, die von besonderem
Interesse für die eigenen Aktivitäten sind.

VI. Versicherungen: Sicher besser – 82

Dieses Kapitel dient dazu, Gerüchte zum Thema Versicherungen durch handfeste In-
formationen zu ersetzen. Hier wird das Prinzip der Künstlersozialkasse beschrieben
und außerdem auf mögliche weitere Versicherungsarten hingewiesen.

VII. Nachschlag: Mehr Informationen – 96

Der Nachschlag liefert alle wichtigen Adressen, weiterführende Links und Literatur-
hinweise für Jene, die mehr wissen wollen.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 Vorwort

Vorwort

Gehe über Start


Als wir Sophia Muckle gefragt haben, ob sie einen Leitfaden zu den ersten Schritten in
die berufliche Selbständigkeit redaktionell betreuen will, gab es für sie mehrere Gründe
begeistert zu reagieren. Nicht nur weil sie zu den Absolventinnen des Fachbereichs Pro-
duktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach gehört, denen die
sprachliche Kommunikation ein besonderes Anliegen ist. Sie war auch mit Beginn der
Arbeit an diesem Ratgeber in eben dieser Lage: Die Idee zur Selbständigkeit ist da, aber
die Verwirrung über administrative Anforderungen und unbekannte Hürden ist groß.
Es wundert somit auch wenig, dass schon Gerüchte über die Entstehung von »Parcours«
Freude bei kommenden Absolventen auslöste und bereits die Entwurfsfassungen bei Pro-
belesern reißenden Absatz fanden.

Sicherlich sind die Buchhandlungen randvoll an Titeln, die bei diesem oder jenem Ein-
stieg in die Berufswelt helfen wollen. Doch noch immer fehlt ein Angebot, das jungen
Gestaltern, die sich bewusst für eine eigenständige Schwerpunktsetzung im Markt ent-
scheiden, eine spezifische Anleitung für den Start gibt. Sophia Muckle als kundige Neu-
einsteigerin und ihre Koautoren, den berufserfahrenen Experten Christine Hesse und Joa-
chim Kobuss, haben dem nun Abhilfe geschaffen. Entstanden ist ein systematischer und
gleichzeitig zugänglich beschriebener Überblick mit vielen weiterführenden Hinweisen
und Beispielen zum A bis Z der professionellen Selbständigkeit. Realisiert wird die Publi-
kation im Rahmen der Hochschulaktivitäten, die durch die Partnerschaft im Gründer-
netz Route A 66* ermöglicht werden.

Trotz aller Regularien und Gesetzeslagen, die vom Selbstständigen im Bereich Design und
Kunst beachtet werden müssen, ist die Haltung zu diesem Beruf – der bei aller Rationali-
tät immer noch künstlerisch ist – entscheidend für den verheißungsvollen Beginn der be-
ruflichen Karriere. Es entstehen Fragen nach der eigenen gestalterischen Position oder der
eigenen Vision für Gestaltung. Es gilt das »Was will ich?« dem »Was kann ich?« voranzu-
stellen. Auch wenn erste Aufträge sich häufig aus Zufällen entwickeln, fußt die erfolgrei-
che Etablierung als Designerin oder Designer auf dem Entdecken und Besetzen einer ei-
genständigen Identität im Markt. Mit der Entwicklung eigener, auch sperriger Ideen über
Sinn und Zweck zeitgenössischer Gestaltung entsteht Aufmerksamkeit und damit das ei-
gentliche Kapital von Gestaltern.

Diese Positionsbestimmung ist schon Teil des Studiums, braucht aber Zeit zur Reife, die
manchmal auch ein ganzes Jahr dauern kann. Deshalb haben wir an der HfG für die Stu-
dierenden aller Fachbereiche Angebote in den Lehrplan integriert, die auf die Zeit nach
dem Diplom vorbereiten. »Diplom und nun?« – eine Sprechstunde mit Lotsenfunktion –

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 Vorwort

und Coaching- oder Mentorenprogramme begleiten die Absolventen während der Über-
gangsphase in den Beruf. Damit erfüllt die Hochschule ihren gesellschaftlichen Auftrag,
nicht nur kreatives Denken zu fördern und auszubilden, sondern auch seine Anwendbar-
keit nach dem Studium zu unterstützen.

Den Spezialisten im Existenzgründungsumfeld wird beim Lesen auffallen, dass wir den
Bereich Finanzierung ausgespart haben. Die Frage der finanziellen Ausstattung zur Eta-
blierung des Geschäftes ist ein sehr wichtiger Aspekt. Jedoch hängt die richtige Entschei-
dung von einer sehr persönlichen Auseinandersetzung über die eigene finanzielle Basis
und Risikobereitschaft ab. Dies lässt sich unserer Meinung nach in diesem Leitfaden nicht
allgemein beantworten.

Für diese Publikation wurde der Name »Parcours« ausgewählt. Ähnlich wie beim
Springreiten spielt es auf das Absolvieren einer Reihe von Hindernissen an, die durch Trai-
ning, Strategie und technisches Wissen überwunden werden. Jedoch nur wenn das Ziel
deutlich formuliert werden kann, bleibt die Motivation hoch und der Erfolg in Sicht. Das
sportliche Motto »Dabei sein ist alles!« kann bei diesem Parcours eben nicht ausreichen.
Denn das Ziel ist attraktiv und der Traum vieler: sich den gestalterischen Freiraum zu er-
halten und die eigene Vision zu realisieren.

Prof. Peter Eckart Ulrike Grünewald


Prodekan des Fachbereichs Produktgestaltung Büro für Wissenstransfer der HfG
Fachlicher Leiter der Existenzgründungsangebote Kontaktstelle Gründernetz Route A 66

* Route A 66 ist das Gründernetz der Fachhochschule Frankfurt am Main, der Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Fachhochschule Wiesbaden und der Hochschule für
Gestaltung Offenbach am Main. Gemeinsam mit weiteren externen Netzwerkpartnern informie-
ren, beraten und schulen die teilnehmenden Hochschulen gründungsinteressierte Studierende und
Hochschulabsolventen im Rhein-Main-Gebiet. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bil-
dung und Forschung im Rahmen des Programms EXIST-Transfer gefördert.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

I. Startsprung: Richtig selbstständig

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

1. Startsprung: Richtig selbstständig

Berufsleben, was bedeutet die Selbstständigkeit? – 8

1. Was bin ich? – 8


Unternehmer oder Arbeitnehmer? – 8
Freiberufler oder Gewerbetreibender? – 9
Der eigene Name – 10

2. Worauf muss ich achten? – 10


Studium und Job – 11
Kleinunternehmer – 11
Berufsanfänger – 12

3. Was brauche ich? – 12


Wie komme ich zur Steuernummer? – 12
Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung – 13
Die Künstlersozialkasse (KSK) – 14
Verwertungsgesellschaften – 14
Die Agentur für Arbeit – 15

4. Together forever? Regeln der Zusammenarbeit – 15


Die Kostenteilungsgesellschaft – 15
Die Kostenteilungsgesellschaft für Fortgeschrittene – 16
Das eigene Netzwerk – 17
Wer andere für sich arbeiten lässt – 18

5. Together forever! Rechtsformen der Zusammenarbeit – 19


Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) – 19
Eingetragene Personengesellschaften – 20
- Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) – 20
- Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) – 20
- Die Partnerschaftsgesellschaft – 21

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Berufsleben – was bedeutet die Selbstständigkeit?

Irgendwann ist es soweit: auch der letzte Bekannte wurde mit neuen Visitenkarten ver-
sorgt und die Webseite für die sympathische Kleingärtnerei im Hinterhof einer Freundin
ist endlich fertig. Für Leistungen dieser Art bekommt man freundschaftliche Entlohnung
und das Gefühl, immer entweder zu wenig oder zu viel zu verlangen. Denn – was ist sie
eigentlich wert, die eigene Arbeit? Und ist das, was man da macht und wie man es macht,
professionell genug, um professionelle Bezahlung zu fordern? Was ändert sich, wenn aus
der Übung die Praxis wird, der erste Auftraggeber sich tatsächlich als solcher versteht und
deswegen eine Rechnung verlangt? Dieses Kapitel erklärt schnell und einfach, worauf
man achten muss und was man braucht, um formal korrekt selbstständig zu arbeiten.
Was bedeutet nun eigentlich Selbstständigkeit? Für den einen ist es ein organisatorischer,
bürokratischer Status, um legal und selbstbestimmt kleinere Aufträge neben dem Stu-
dium oder dem Hauptjob zu erledigen, bis endlich das Angestelltendasein beginnt. An-
stellung, das heißt dann: festes Gehalt, geregelte Arbeitszeiten, geregelter Urlaub und
begrenztes Risiko. Man trägt nicht alle Verantwortung und erledigt klare Aufgaben. So
weit, so schön – aber eben nicht für jeden sind diese Ziele erstrebenswert. Selbstständig
zu arbeiten, das bedeutet keines dieser Ziele anzusteuern. Stattdessen winken nach einer
manchmal harten Anfangsphase unbegrenzte Möglichkeiten für eigene Ideen, grundsätz-
lich freie Arbeitszeiten und manchmal uneingeschränkte Verdienstmöglichkeiten. Diese
Vorteile bezahlt man mit dem vollen Einsatz an wirtschaftlichem Risiko und an Verant-
wortung. Dabei noch zwischen Leben und Arbeit zu trennen, ist für die meisten vor allem
in den ersten fünf bis zehn Jahren unmöglich. Viele genießen aber gerade diese Situation
ein erfolgreiches Berufsleben lang.

1. Was bin ich?

Egal, ob man anfangs nur kleinere Jobs als Zubrot annimmt oder ob man Größeres viel-
leicht auch zusammen mit Freunden plant: damit es unkompliziert bleibt und man pro-
fessionell arbeiten kann, sollte man ein paar Definitionen kennen und einige Regeln
beachten. Denn nach welchen steuerlichen und gesetzlichen Regeln ich mein Geld ver-
diene, hängt davon ab, was ich tue und was ich per definitionem eigentlich bin.

Unternehmer oder Arbeitnehmer?


Gesetzlich unterscheidet man zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern. Das heißt,
wer seine Arbeitskraft verkauft, ist Arbeitnehmer, er arbeitet »auf Lohnsteuerkarte« und
sein Arbeitgeber zieht für ihn Steuern und Sozialversicherungsabgaben vom Lohn ab.
Selbstständige hingegen verkaufen ihre Arbeitsergebnisse, das heißt, sie arbeiten »auf
Rechnung« und müssen sich um Versicherung und Steuern selbst kümmern. Damit

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

freiberuflich Selbstständige gegenüber Angestellten nicht im Nachteil sind, was ihre Sozi-
alversicherungsabgaben angeht, hat der Gesetzgeber die Künstlersozialkasse eingerichtet.
Diese Kasse ist keine Krankenkasse, sondern eine Einrichtung, die den »Freien« den Ar-
beitgeberanteil zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zahlt. Wie man sich bei der
Künstlersozialkasse bewirbt und ab welchem Zeitpunkt man von der studentischen oder
Familienversicherung in die Künstlersozialkasse, kurz KSK, wechselt, wird genauer im
Kapitel 6, »Wie funktioniert die KSK?« erläutert.

Freiberufler oder Gewerbetreibender?


Selbstständige teilen sich in zwei Gruppen ein, nämlich in Freiberufler und in Gewerbe-
treibende. Da diese Unterscheidung steuerlich und rechtlich relevant ist, sollte man sich
des Unterschieds bewusst sein:
Gewerbe sind Handelsgeschäfte. Der Gewerbetreibende muss sein Gewerbe anmelden,
Gewerbesteuer zahlen und sich in Sachen Buchführung und Steuererklärung strengen Re-
geln unterwerfen. Die freie Arbeit im Kunst- und Medienbetrieb ist kein Gewerbe und
braucht deswegen auch keinen Gewerbeschein, keine Anmeldung beim Ordnungs-
amt, beim Handelsregister oder irgendeiner Handelskammer.
Das heißt, Selbstständige, die eine künstlerische oder schriftstellerische Tätigkeit ausüben,
aber auch Dienstleister, deren Arbeit von künstlerischem Gehalt ist, sind freiberuflich
Selbstständige.

Freiberuflich selbstständig sind alle bildenden Künstler:


Schauspieler, Regisseure, Choreografen, Tänzer, Komponisten, Musiker.
Freiberuflich selbstständig ist die schriftstellerische Tätigkeit:
Texter, Journalisten, Schriftsteller, Rechercheure
Freiberuflich selbstständige Dienstleister:
Illustratoren, Fotojournalisten, künstlerische Fotografen, Grafik-, Mode-,
Industrie-, Produkt-, Multimedia-, Textil-, Foto- und Webdesigner

Für freiberuflich Selbstständige gilt:


- Sie arbeiten »auf Rechnung« und bekommen ihr Honorar ohne
Abzüge von Steuern ausbezahlt
- Sie sind einkommens- und umsatzsteuerpflichtig
- Sie müssen sich um Krankenversicherung, Arbeitsunfallversicherung,
berufliche Schadenersatzansprüche und Altersvorsorge selbst kümmern
- Sie müssen Honorare und Vertragsbedingungen selbst aushandeln
- Sie haben keinen bezahlten Urlaub, keinen Kündigungsschutz und
keine Fortzahlung der Vergütung im Krankheitsfall.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Der eigene Name


Nachdem man die ersten Jobs bewältigt und an Sicherheit gewonnen hat, spätestens aber,
wenn man sich selbst einen professionellen Auftritt samt Visitenkarten und Geschäfts-
papieren zulegt, stellt sich die Frage des Namens. Besonders dann, wenn man als Grup-
pe zusammenarbeitet (Siehe auch Together forever! Rechtsformen der Zusammenarbeit).
Freiberuflich Selbstständige können sich den Namen ihrer Unternehmung frei aussuchen,
solange sie einige Details dabei beachten. Mindestens der Familienname muss nämlich
auf den Geschäftspapieren auftauchen. Reine Fantasienamen sind nur Unternehmen
erlaubt, die im Handelsregister eingetragen sind. Selbstständige Freie, die als Gruppe zu-
sammenarbeiten, müssen auf ihren Geschäftspapieren mindestens den Namen von zwei
Mitgliedern angeben. Dabei ist anzumerken, dass es grundsätzlich komisch wirkt, wenn
sich eine Einzelperson als Design-Büro oder Agentur bezeichnet und außerdem kann das
Finanzamt beim Zusatz »Agentur« leicht auf die Idee kommen, es handele sich um ein ge-
werbliches Unternehmen, das dann wiederum zur Gewerbesteuer verpflichtet wäre. Pro-
blematisch sind die Begriffe »Beratung, Agentur und Provider«. Übrigens ist der eigene
Name oder der Gruppenname automatisch geschützt. Rechtlich gilt: wer zuerst unter
einem Namen im öffentlichen Geschäftsverkehr auftaucht, der hat das Recht auf die Be-
zeichnung.

Geschäftspapiere: Briefe, Rechnungen,


Kataloge, Preislisten, Lieferscheine, ...

2. Worauf muss ich achten?

Wer gerade anfängt, neben dem Studium als freier Selbstständiger zu arbeiten, der be-
streitet manchmal mehrere Jobs gleichzeitig. Das Briefpapier für die Gärtnerei entsteht
dann in selbstständiger Arbeit, während der Promotion-Job abends gewerblich versteuert
werden muss. Vielleicht geht man in den Semesterferien dazu noch ein befristetes Ange-
stelltenverhältnis ein und schon hat man drei Einkommensarten, die alle zusammen un-
terschiedliche Steuerprozeduren verlangen. Das stellt aber kein Problem dar, solange die
Einkommenszweige in der Steuererklärung getrennt dargestellt und behandelt werden.

Generell sollte man wissen, dass die Krankenversicherungspflicht für die


hauptberufliche Tätigkeit besteht und im Falle eines Studiums zählt nicht wie sonst das
höchste Einkommen, sondern die investierte Zeit. Das Studium gilt also als Hauptberuf,
wenn in der Vorlesungszeit mindestens 20 Wochenstunden dafür aufgewendet werden.
Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte aufgelistet, auf die man beim Startsprung in
die Selbstständigkeit achten sollte:

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Studium und Job


Einkommensgrenzen: Die Einkommensgrenze für Studenten und Auszubildende, de-
ren Eltern noch Kindergeld beziehen, liegt bei etwas mehr als 7.000 Euro1. In diesem
Freibetrag enthalten sind Stipendien, zum Teil auch Renten und der BAFöG-Zuschus-
santeil. BAFöG-Empfänger, Stipendiaten, Rentenempfänger (Waisenrenten etc.) aber
auch studierende Mütter erkundigen sich nach ihren Steuerfreibeträgen am einfachsten
direkt beim Studentenwerk.
Krankenversicherung: Wer in der Vorlesungszeit weniger als 20 Wochenstunden stu-
diert und dabei mehr als 20 Wochenstunden freiberuflich arbeitet, der gilt eigentlich als
hauptberuflich selbstständig und kann den Schutz der studentischen Krankenversiche-
rung verlieren. In diesem Fall muss er sich über die KSK versichern. Während der vorle-
sungsfreien Zeit kann aber ohne zeitliche Einschränkung gearbeitet werden, ohne dass
die studentische Krankenversicherung gefährdet wäre.
Steuern: Zu Beginn der Selbstständigkeit gehört man für gewöhnlich zur Gruppe der
Kleinunternehmer. Kleinunternehmer sind freie Selbstständige, deren Umsatz (Ein-
nahmen und Ausgaben) im laufenden Jahr unter grob 17.000 Euro2 lag und deren
Umsatz im kommenden Jahr 50.000 Euro nicht überschreiten wird. Sie sind von der
Umsatzsteuerpflicht befreit, können aber auf diese Befreiung verzichten (siehe auch
Kapitel 3, Welche Steuern zahlen freie Selbstständige).

Die Umsatzsteuer wird auch Mehrwertsteuer genannt und ist eine Steuer, die
alle »Verkehrsakte«, das heißt alle Waren und Leistungen erfasst, die ein
Unternehmer durchführt.

Kleinunternehmer
Kleinunternehmer sind freie Selbstständige, deren Umsatz (Einnahmen und Ausgaben)
im laufenden Jahr ungefähr 17.000 Euro beträgt und deren Umsatz im kommenden Jahr
50.000 Euro nicht überschreiten wird. Kleinunternehmer können sich bei ihrer Erfassung
vom Finanzamt von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen (siehe auch Der Fragebogen
zur steuerlichen Erfassung) oder auf diese Befreiung verzichten. Kreuzen sie im Fragebo-
gen zur steuerlichen Erfassung an, dass sie die Umsatzsteuerbefreiung in Anspruch neh-
men, so muss das auf der Rechnung vermerkt werden und sie dürfen auf ihre Rechnungs-
summen keinen prozentualen Steuersatz dazurechnen.

1
dieser Betrag kann sich jährlich verändern und sollte beim Studentenwerk erfragt
werden oder im Netz nachgesehen werden.
2
dieser Betrag kann sich verändern und man erfährt den aktuellen Stand
entweder beim örtlichen Finanzamt oder im Netz.
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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Beispielsatz für die Rechnung: »Nach §19,1 UStG enthält dieser


Rechnungsbetrag keine Mehrwertsteuer«

Sollte nun im laufenden Kalenderjahr ein größerer Auftrag anstehen, bei dem man Um-
satzsteuer verlangen will, so steht folgende Prozedur an: man teilt dem Finanzamt mit,
dass man ab jetzt auf die Umsatzsteuerbefreiung verzichtet und muss dann aber rückwir-
kend bei allen bereits an andere Kunden gestellten Rechnungen nachbessern, das heißt,
noch einmal die Umsatzsteuer für längst Bezahltes eintreiben. Einfacher kann es sein,
wenn man die Bezahlung für den Auftrag verschleppt, das heißt bis ins nächste Kalender-
jahr mit der Rechnung wartet und dann zum Jahreswechsel beim Finanzamt erklärt, dass
man ab jetzt umsatzsteuerpflichtig ist. Die Umsatzsteuerpflicht gilt dann übrigens für die
nächsten fünf Jahre.

Berufsanfänger
Der Berufsanfänger kann seine Ausgaben und Verluste aus der selbstständigen Arbeit in
der Einkommensteuererklärung mit seinen Einkünften aus anderen Jobs verrechnen. Au-
ßerdem wird er auch dann in der KSK aufgenommen, wenn seine Einkünfte noch un-
ter 3.900 Euro liegen. Drei Jahre lang erkennt die KSK diesen Status des Einsteigers an.
Wer danach bei der jährlichen Voreinschätzung bei der KSK seine Einnahmen immer
noch auf unter 3.900 Euro schätzt, der wird ausgeschlossen. Dieser Zeitraum ist außer-
dem auch durch Mutterschaft, Kindererziehung, Zivildienst oder ähnliches verlängerbar.
Allgemein gilt: innerhalb von sechs Jahren kann man seine Einnahmen zweimal auf unter
3.900 Euro schätzen, ohne den Anspruch auf Versicherungspflicht zu verlieren.

3. Was brauche ich?

Bevor man sich aber Gedanken um Einkommensgrenzen macht, muss erst einmal selbst-
ständig gearbeitet werden, damit es überhaupt zur Rechnungsstellung kommt. Damit es
losgehen kann, müssen prinzipiell keine bürokratischen Hürden überwunden werden.
Für die Bezahlung braucht man lediglich eine Steuernummer, die man ordentlich auf der
Rechnung angibt.

Wie komme ich zur Steuernummer?


Um eine Steuernummer zu bekommen, meldet man sich beim Finanzamt. Dafür genügt
ein Anruf oder ein formloser Brief bei dem Finanzamt, das für die Betriebsstätte (oft
der Wohnsitz) zuständig ist. Diese Meldung sollte eigentlich binnen eines Monats nach
dem Jobanfang erfolgen. Als Antwort auf die Meldung beim Finanzamt bekommt man
zunächst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung geschickt, in dem man folgende
Fragen beantwortet – und ihn dann zurückschickt.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung


Allgemeine Fragen: Persönliche Angaben, die Bankverbindungen und eine frühere oder
bisherige Erfassung durch das Finanzamt sind ganz einfach. Wer noch nie eine Steuerer-
klärung abgegeben hat, der ist demnach auch noch nie erfasst gewesen.
Die Art des Betriebes: Gewerblich oder freiberuflich selbstständig? Solange man die eige-
ne Tätigkeit bei den oben aufgezählten freien Berufen einordnen kann, ist an dieser Stelle
»freiberuflich selbstständig« anzugeben. Bei Kammerzugehörigkeit und Handelsregis-
tereintrag kann man als freiberuflich Selbstständiger getrost »nein« ankreuzen. Und auch
die Gründungsform spielt erst dann eine Rolle, wenn man sich bereits schon intensiv mit
dem Thema beschäftigt und sich Gedanken zur passenden Form gemacht hat.
Die Angaben zu voraussichtlichen Einkünften: Den erwarteten Gewinn sollte man
nicht zu hoch angeben, denn bei mehr als 7.235 Euro3 im ersten Jahr werden Einkom-
menssteuervorauszahlungen fällig.
Die Angaben zur Gewinnermittlung: Hier sollte man das Stichwort »Einnahmenüber-
schussrechnung« ankreuzen, das heißt, der Freiberufler zählt einfach Betriebseinnahmen
und -ausgaben zusammen, verrechnet sie und erhält den Gewinn, der schließlich für die
Höhe der zu zahlenden Einkommenssteuer relevant ist.
Die Lohnsteuer und Bauabzugssteuer: Das sind für den Einsteiger irrelevante Fragen,
sie können daher weggelassen werden – es sei denn, man beschäftigt sofort Angestellte
und baut sich dazu noch ein schickes Bürogebäude.
Die Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer: Wer seinen Jahresumsatz auf we-
niger als 16.620 Euro schätzt, kann die Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer in
Anspruch nehmen. Wer das nicht will, kreuzt »Auf die Anwendung des §19 Abs. 2 UstG
wird verzichtet« bzw. »Die Option nach §19 Abs. 2 UstG wird ausgeübt« (Siehe auch
Kapitel 3, Welche Steuern zahlen freie Selbstständige).
Die Soll-/Istversteuerung der Entgelte: Bei der Frage, ob man die Umsatzsteuer nach
vereinnahmten oder nach vereinbarten Entgelten abführt, kreuzt der Freiberufler »nach
vereinnahmten Entgelten« oder »Istversteuerung« an. Das bedeutet, dass in die Umsatz-
steuervoranmeldung nur die Mehrwertsteuereinnahmen aufgenommen werden, die im
betreffenden Zeitraum auf dem eigenen Konto eingegangen sind. Nur Gewerbetreibende
mit einem Umsatz von über 125.000 Euro müssen nach Sollversteuerung abrechnen und
bereits Steuern bezahlen, auch wenn die Rechnungen noch nicht einmal geschrieben sind.
Die Dauerfristverlängerung: Bei der Frage nach der Dauerfristverlängerung »ja« ankreu-
en (Siehe auch Kapitel 3, Welche Steuern zahlen freie Selbstständige).
Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: Wer Geschäfte innerhalb Europas plant,
kann bei dem Ausfüllen dieses Fragebogens auch gleich eine Umsatzsteuer-Identifikati-
onsnummer beantragen.

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den genauen Betrag erfährt man beim Finanzamt oder im Netz

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Nach einer angemessenen Wartezeit erhält man vom Finanzamt schließlich eine Steuer-
nummer, die man auf eigenen Rechnungen anzugeben hat. Durch freundliches Nach-
fragen, am besten telefonisch, lässt sich diese Wartefrist auch verkürzen, bzw. für den Fall,
dass es mit der Rechnung eilt, kann man auch die Steuernummer auf der Rechnung erst
einmal weglassen und später, wenn man sie hat, eine Ersatzrechnung nachreichen.

Die Künstlersozialkasse (KSK)


Um freiberuflich Selbstständige und Künstler ähnlich sozial abzusichern wie Angestell-
te, hat der Gesetzgeber das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) erlassen und die
Künstlersozialkasse – oder kurz KSK – eingerichtet. Die KSK ist keine Versicherung, son-
dern eine gesetzliche Institution, die allen hauptberuflich und in Deutschland arbeiten-
den, selbstständigen Künstlern, Publizisten und im Medienbereich tätigen Dienstleistern
den 50prozentigen Anteil an der Sozialversicherung zahlt, den im Angestelltenverhältnis
der Arbeitnehmer übernehmen muss. Sie zieht Beiträge von den Versicherten ein und lei-
tet sie an die Versicherungsträger, nämlich die jeweilige Krankenkasse und die Bundesver-
sicherungsanstalt für Angestellte (Rentenversicherung) weiter. Man ist also über die KSK
bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert und das zu günstigen Konditionen. Wie
man sich bei der Künstlersozialkasse bewirbt und ab welchem Zeitpunkt man von der
studentischen oder der Familienversicherung in die Künstlersozialkasse wechselt, wird ge-
nauer im Kapitel 6, wie funktioniert die KSK? erläutert.

Verwertungsgesellschaften
Zwar gehört die Anmeldung bei der zuständigen Verwertungsgesellschaft nicht zu den
dringendsten Schritten auf dem Weg in die Selbstständigkeit, doch kann eine Registrie-
rung angenehme finanzielle Folgen haben, über die man lieber früher als später Be-
scheid weiß. Die neun Verwertungsgesellschaften, allen voran die bekannte GEMA, ge-
hören im Allgemeinen zu den meist gefürchteten Institutionen. Dem Künstler oder freien
Selbstständigen nehmen diese Gesellschaften allerdings die Arbeit ab, für jede Abbildung
und jede öffentliche Weiterverwendung seiner Werke, von der er wahrscheinlich noch
nicht einmal etwas mitbekommt, ein Honorar einzutreiben. In Deutschland gibt es die
GEMA (für Komponisten und Textdichter), die GVL (für Musikinterpreten und Darstel-
ler in Rundfunk, Film und Fernsehen), die VG-Wort (für alle Autoren, inklusive Überset-
zer), die VG-Bildkunst (für Künstler, Filmer und Fotografen), die VG Musikedition und
schließlich noch die vier Filmverwertungsgesellschaften GÜFA, VFF, VGF und GWFF
für Produzentenrechte.
Um von den Verwertungsgesellschaften zu profitieren, müssen Künstler und Urheber
sich bei der für sie zuständigen Gesellschaft anmelden. Außer bei der GEMA ist eine
solche Anmeldung kostenfrei.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Die Agentur für Arbeit


Die Agentur für Arbeit, also das frühere Arbeitsamt, hält in der Regel dem frisch diplo-
mierten Berufsanfänger keine Aufträge bereit. Und solange er keine früheren Tätigkeiten
als Angestellter vorzuweisen hat, gibt es für den Berufsanfänger auch kein Arbeitslosen-
geld I. Stattdessen kann man aber von der Agentur für Arbeit das Arbeitslosengeld II be-
kommen und noch dazu Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Das Ar-
beitslosengeld II soll seit 2005 das Existenzminimum derjenigen sichern, die weder Arbeit
noch Vermögen oder trotz Arbeit zu wenig Geld zum Leben haben. Das heißt, grund-
sätzlich können auch Selbstständige, die mit ihrer Arbeit noch zu wenig zum Leben ver-
dienen, als Ergänzung Arbeitslosengeld II (Alg II) beantragen. Das Arbeitslosengeld II ist
eine Sozialleistung, die nur gezahlt wird, wenn kein Vermögen, z.B. Erbschaft oder Steu-
errückzahlung, mehr da ist. Zur Leistung des Alg II gehört auch die Kostenübernahme
der tatsächlichen Kosten für Miete und Heizung – solange die »angemessen« sind - und
der Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung). Um sich über
seine Ansprüche auf Arbeitslosengeld II oder weitere Unterstützungsmöglichkeiten zu in-
formieren, geht man als erstes in ein Beratungsgespräch in der Agentur für Arbeit oder in
einem ihrer Jobcenter. Dort erfährt man, wie und wo man den Antrag auf Arbeitslosen-
geld stellt und kann sich auch gleich erkundigen, was für Leistungen die Agentur dem-
jenigen bietet, der sich selbstständig machen will. Das Angebot ist dabei regional unter-
schiedlich, aber in der Regel gibt es Beratung und Coachings, die sich mit den Themen
Positionierung, Unternehmenskonzept und ähnlichem beschäftigen.

4. Together forever? Regeln der Zusammenarbeit

Neuland zu betreten und große Pläne nicht nur zu spinnen, sondern auch in die Tat um-
zusetzen, macht gemeinsam mit Freunden oder einem Partner grundsätzlich mehr Spaß
als allein. Schließlich ist jedes Problem leichter zu lösen, wenn man es gemeinsam angeht.
Das ist in der Selbstständigkeit nicht anders. Um aber die gegenwärtige oder zukünftige
Zusammenarbeit – temporär, projektbezogen oder langfristig geplant – in eine geregel-
te Form zu bringen, sollte man sich über die verschiedenen Möglichkeiten im Klaren sein
und ihre Vor- und Nachteile abwägen. Ein Minimum an Bürokratie, wie zum Beispiel
die schriftliche Festlegung von Abmachungen zur Kostenaufteilung und Einnahmen-
verteilung, können vor allem dann sehr hilfreich sein, wenn es mal zum Streit kommt
und die Zusammenarbeit an ihre Grenzen stößt.

Die Kostenteilungsgesellschaft
Die Kostenteilungsgesellschaft ist die einfachste Form der Teambildung. Die Gruppe
nutzt gemeinsame Räume und Geräte oder führt auch Projekte und Aufträge gemeinsam

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

aus. Oft bringt das eine das andere mit sich: zuerst teilt man nur Räume und Regale,
später auch Ruhm und Rechnungen.
Damit sich aus dem Ersten aber das Zweite entwickeln kann, muss am Anfang geklärt
und schriftlich fixiert sein, nach welchem Prinzip die gemeinsamen Kosten verteilt wer-
den und wie die diesbezügliche Abrechnung geklärt wird, wer der Ansprechpartner für
den Kunden, wer zeichnungsberechtigt ist, ob ein gemeinsames Konto geführt wird und
wer darauf wann einzahlt, um die Kosten zu decken.

Verursacherprinzip: jeder zahlt, was er verbraucht


Gleichheitsprinzip: jeder zahlt alles zu gleichen Teilen
Prozentuales Prinzip: prozentuale Umlegung auf den Verdienst eines jeden

All diese Abmachungen zur geplanten Zusammenarbeit müssen schriftlich festgehal-


ten sein und dabei regelt man auch gleich, welche Abmachungen gelten, falls die Zusam-
menarbeit nicht wie geplant funktioniert. Also: wie lang ist die Kündigungsfrist? Muss
für Mietersatz gesorgt werden? Muss renoviert oder ein Abstand gezahlt werden? Wer be-
kommt welche angeschafften Geräte oder nach welchem Prinzip zahlt man sich aus? Die-
se Art der Kostenteilungsgemeinschaft ist bereits eine GbR, eine Gesellschaft bürgerlichen
Rechts, die auch die gemeinsame Haftung für die gemeinsam vereinbarten Handlungen
wie Miete und Ähnlichem einschließt.
Vertrag: Für diese Art der Abmachungen bedarf es keines Mustervertrags, sondern nur ei-
nes klar verfassten Schreibens, das alle Beteiligten unterzeichnen.
Steuern: Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft macht seine eigene Steuererklärung und lis-
tet seinen Teil der umgelegten Kosten unter seinen Betriebsausgaben auf.

Die Kostenteilungsgesellschaft für Fortgeschrittene


Sobald die Grenze der bloßen Kostenteilung überschritten wird und es auch zur
gemeinsamen Auftragsbewältigung kommt, muss schriftlich festgehalten werden:
- Wird aus dem Kunden des einen (inkl. Folgeaufträge) der gemeinsame Kunde?
- Wie wird die Zu- oder Mitarbeit abgerechnet? (Pauschal oder Arbeitszeit?)
- Was geschieht mit der erbrachten Leistung, falls der Kunde nicht zahlt oder die
gemeinsame Arbeit nicht abgenommen wird?
- Wenn die Gemeinschaft als solche auftritt, wer spricht für sie, wer unterzeichnet
Verträge und wer regelt die Finanzen?
- Dürfen Einzelne ausgeschlossen werden? Und wie werden die dann entschädigt?
- Was geschieht mit Urheberrechten bei der Auflösung?
Da all diese Fragen ohnehin irgendwann geklärt werden müssen, lohnt es sich, dies vor
Auftragsbeginn zu tun und die Abmachungen zumindest am Anfang vor jeder neuen

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Zusammenarbeit zu prüfen und an die vorher gemachten Erfahrungen anzupassen.


Steuern: Sobald eine solche Arbeitsgemeinschaft gemeinsame Einnahmen hat, wird sie
beim Finanzamt zum Steuersubjekt, das umsatzpflichtig, wenn nicht gar gewerbesteuer-
pflichtig ist und eine einheitliche und gesonderte Gewinnfeststellung erfordert. Wich-
tig und hilfreich sind dabei regelmäßige und nachvollziehbare Abrechnungen und eine
ebensolche Buchführung, etwa in Form eines Kassenbuchs, wie es in Kapitel 3, die fort-
geschrittene Buchführung beschrieben wird.

Das eigene Netzwerk


Auch wer nicht in einer Bürogemeinschaft arbeitet, wird früher oder später auf bekannte
oder befreundete Selbstständige zurückgreifen, um einzelne Aufträge bewältigen zu kön-
nen. Dabei gilt auch hier: klare Absprachen am besten schriftlich, sie sind die vernünftigs-
te Basis für jede Zusammenarbeit.

Was in einem Arbeitsvertrag festgehalten sein sollte:


- Name, Anschrift der Vertragspartner
- Beginn und Dauer der Beschäftigung
- Arbeitsort
- Beschreibung der Tätigkeit
- Zusammensetzung und Höhe des Entgelts
- Fälligkeit der Zahlungen
- Vereinbarte Arbeitszeit
- Urlaubsdauer
- Kündigungsfristen

Besonders, wenn man die Partner eben doch noch nicht sehr gut kennt sollten Haftungs-
fragen, Kündigungsfristen und eben auch Vertragsstrafen auf jeden Fall festgelegt werden.
Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

01. Einzelverträge und die Provisionsfalle


Einzelverträge: Die einfachste Form besteht darin, dem Kunden die gewünschten Arbeits-
partner zu nennen und als Vertragspartner vorzuschlagen. Wer für diese Vermittlung von
seinen Arbeitspartnern eine Provision verlangen will, muss bedenken, dass diese Provisi-
on eine gewerbliche Einkunft ist. Ansonsten ist diese Lösung die einfachste, schließlich ist
jeder an seinen Einzelvertrag gebunden und haftet für seine eigene Leistung. Für den
Kunden allerdings ist diese Lösung die aufwendigste.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

02. Subunternehmertum und die Haftungsfrage


Derjenige, der den Auftrag erhält, kann auch Subunternehmerverträge mit seinen Netz-
werkpartnern schließen und übernimmt dann für alle die Verantwortung und die Ko-
ordination des Auftrags. Die Aufträge an die Arbeitspartner sollten aber nicht im ei-
genen Namen sondern »namens und im Auftrage« des Kunden abgeschlossen werden,
damit nicht die Subunternehmer aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, falls der
Kunde nicht zahlt.
Steuern: Steuerlich ändert sich durch Subunternehmerverträge nicht der eigene steuer-
liche Status. Allerdings zählen zum eigenen Umsatz auch die Beträge, die man an sei-
ne Subunternehmer weiterzahlt. Wer also die umsatzsteuerfreie Grenze von ungefähr
17.000 Euro4 nicht überschreiten will, der muss genau nachrechnen. Außerdem gefähr-
det man, wenn man fremde Leistung verkauft, den Status des Freiberuflers und muss
außerdem Künstlersozialabgaben in Höhe von ungefähr 5%5 des Honorars für die be-
schäftigten Freien an die KSK zahlen.

03. Temporäre Arbeitsgemeinschaften


Mit dem meisten bürokratischen Aufwand verbunden, aber die beste Alternative ist die
Bildung einer temporären Arbeitsgemeinschaft. Projektgebunden wird dafür eine Gesell-
schaft bürgerlichen Rechts gegründet, in der alle Vertragspartner gleichberechtigt sind
und jeweils jeder in voller Höhe die Haftung übernimmt. Die Gemeinschaft ernennt ei-
nen Projektleiter, der Ansprechpartner für den Kunden und mit einer schriftlichen Ver-
trags- und Verhandlungsvollmacht ausgestattet ist.
Vertrag: Für diese Art der Abmachungen bedarf es keines Mustervertrags, sondern nur ei-
nes klar verfassten Schreibens, das alle Beteiligten unterzeichnen.
Steuern: Bei temporären Arbeitsgemeinschaften werden, wie im zuvor aufgesetzten Ver-
trag vereinbart, der Gewinn und die Ausgaben auf alle Beteiligten umgelegt und jeder
macht daraus seine eigene Einkommenssteuererklärung.

Wer andere für sich arbeiten läßt ...


Wer andere für sich arbeiten lässt, der muss neben den oben genannten Schwierigkei-
ten in Bezug auf eigene Freibeträge, Haftungsfragen und Verantwortlichkeit noch eine
Vielzahl anderer Regeln beachten, um seinen eigenen Status als freier Selbstständiger
nicht zu gefährden. Es empfiehlt sich grundsätzlich, eine temporäre Gesellschaft bürgerli-
chen Rechts für einen größeren Auftrag zu gründen und als Gleichberechtigte zusammen-
zuarbeiten.

4
Die steuerlichen Grenzwerte können sich jährlich verändern und sollten immer frisch
aus dem Internet bezogen werden, damit man sich da nicht um einen Euro vertut
5
Die genauen Zahlen kann man auf der Internetseite der KSK finden. Siehe unter
www.kuenstlersozialkasse.de

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Zwar dürfen Freie, die über die KSK versichert sind, Auszubildende und geringfügig
Selbstständige – aber höchstens einen Arbeitnehmer – beschäftigen, ohne aus der KSK
ausgeschlossen zu werden. Dabei muss man aber bedenken, dass man sich als Arbeitge-
ber auch zur Zahlung des »Gesamtsozialversicherungsbeitrages«6 (Kranken-, Renten-,
Arbeitslosenversicherung) an die jeweilige Krankenkasse verpflichtet, ganz zu schweigen
von der Lohnsteuer.

5. Together forever! Rechtsformen der Zusammenarbeit

Will man, nachdem man gemeinsame Erfahrung gesammelt hat, nun endlich der losen
Arbeitsgruppe eine rechtskräftige Form geben, so muss man sich entscheiden, welche der
Gesellschaftsformen für das eigene Team passend ist.
Generell ist dabei zu klären, ob jeder Einzelne seinen Status als freier Selbstständiger
behalten möchte oder jeder bereit ist, diesen Status und damit seine steuerliche Einstu-
fung, Haftungsfragen und versicherungstechnischen Bedingungen zu verändern.

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)


Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist eine Gemeinschaft selbstständiger und gleich-
berechtigter Unternehmer. Für Freie im Kunst- und Medienbetrieb ist sie eine prak-
tische Gesellschaftsform, zu deren Gründung im Prinzip eine mündliche Absprache
reicht. Ein schriftlicher formloser Vertrag, der die bereits oben genannten Absprachen
regelt, bringt aber mehr Sicherheiten. Darin sollten alle Mitglieder sowie der Name und
der Zweck der GbR festgehalten sein. Dazu noch die zu erbringenden Leistungen der
Mitglieder, das Verteilungsprinzip von Kosten und Gewinnen sowie Urheberrechte und
Vollmachten für die Unterzeichnung von Verträgen oder beschränkte Vollmachten für
Ausgaben und Bankgeschäfte. Wichtig ist auch die Frage, wer sich um Buchhaltungs- und
Rechnungsfragen kümmert und was schließlich geschieht, wenn einzelne Mitglieder aus-
steigen.
Alle Mitglieder haften für die als Gesellschaftszweck definierten Unternehmungen,
seien das nun lediglich die Ausgaben oder die gemeinsam bearbeiteten Aufträge.
Der Name: Die GbR muss in ihrem Unternehmensnamen die Zunamen von mindestens
zwei Mitgliedern tragen. Bei gewerblichen GbRs sind es sogar Vor- und Zuname.
Vertragsrecht: Solange die GbR keinen Geschäftsführer ernannt hat, der die Gruppe
vertritt und die Verträge unterzeichnet, muss jedes Mitglied jeden Vertrag persönlich
unterzeichnen.

6
Die Formulare zu den Arbeitgeberbeiträgen sind auf der Internetseite der jeweiligen
Krankenkasse zu finden

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

Steuern: Die GbR ist ein neues Steuersubjekt. Das heißt, sie ist umsatzsteuerpflichtig,
im Falle einer gewerblichen GbR sogar gewerbesteuerpflichtig. Weil die GbR aber keine
eigene Rechtspersönlichkeit ist, ist sie nicht einkommens- und körperschaftspflichtig.
Das bedeutet auch, dass die GbR keine eigenen Gewinne machen und kein Vermögen
bilden kann, sondern alle Überschüsse müssen auf die Mitglieder umgerechnet und in
deren Einkommenssteuererklärung anteilig und nachvollziehbar aufgeführt werden.
Dazu braucht es eine »gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung« siehe Kapitel
3, Steuern für Gemeinschaften. Für die Mitglieder einer solchen GbR gilt weiterhin, dass
sie auf eigenes Risiko arbeiten und keine Arbeitnehmer beschäftigen. Dadurch behalten
sie ihren Status als freie Selbstständige und sind deswegen weder gewerbe- noch körper
schaftssteuerpflichtig. Sie werden in die KSK aufgenommen und haben gegebenenfalls
Anspruch auf Bezahlung nach den Tarifverträgen für Arbeitnehmerähnliche.

Eingetragene Personengesellschaften

- Die Offene Handelsgesellschaft (OHG)


Während für eine freiberufliche GbR keine Umsatzbeschränkung existiert, hat die ge-
werbliche GbR eine Umsatzgrenze von 250.000 Euro, ab der sie als Offene Handelsge-
sellschaft ins Handelsregister eingetragen sein muss. Die freiberufliche GbR kann sich
aber auch freiwillig als OHG eintragen lassen. Dabei ändert sich in Sachen Haftung,
Steuerrecht und Vertretung nach außen nichts am Status der GbR. Dafür kann sich die
OHG einen einfachen Namen geben, muss dann aber eine doppelte Buchführung be-
treiben und unterliegt den strengeren Regeln des Handelsgesetzbuches. Sie ist in begrenz-
tem Rahmen eine eigene Rechtspersönlichkeit und kann ins Grundbuch eingetragen wer-
den, sowie unter ihrem Namen klagen und verklagen.

- Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)


Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist eine eigene Rechtspersönlichkeit, die
sowohl Verträge abschließen als auch Vermögen ansammeln kann. Die Haftung
für ihre Verträge übernimmt die GmbH mit ihrem vollen eigenen Vermögen und
deswegen haften die Gesellschafter nicht mit ihrem Privatvermögen. Die Gesellschafter
verlieren aber ihren Status als Selbstständige und können sich nicht mehr über die KSK
versichern. Darüber hinaus ist die GmbH: körperschaftssteuerpflichtig, zum Eintrag
ins Handelsregister und zur doppelten Buchführung verpflichtet. Sie muss außerdem
zur Gründung einen notariell beglaubigten Gesellschaftervertrag verfassen und einen
alleinberechtigten Geschäftsführer bestellen. Hinzu kommen Gründungskosten für den
Rechtsanwalt, den Notar und weitere Einträge, die sich auf über 1.000 Euro belaufen.

Nicht zu vergessen ist auch das einzubringende Geschäftskapital von mindestens 25.000
Euro und die Verpflichtung, jedes Jahr einen Jahresabschluss zu veröffentlichen.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 I. Startsprung: Richtig selbstständig

- Die Partnerschaftsgesellschaft
Die Partnerschaftsgesellschaft ist eine neue Gesellschaftsform speziell für freie Berufe.
Sie ist eine Personengesellschaft, die nicht gewerblich tätig ist, kann aber wie eine GmbH
Verträge im eigenen Namen abschließen. Gesellschafter sind weder gewerbe- noch kör-
perschaftssteuerpflichtig, sie behalten ihren Status als Selbstständige und können über die
KSK versichert bleiben. Alle Partner haften gemeinsam mit ihrem Privatvermögen, doch
kann die Haftung des Einzelnen im Gesellschaftsvertrag auf das beschränkt bleiben,
was in seiner Zuständigkeit liegt. Zur Gründung ist ein Eintrag ins Partnerschaftsregis-
ter beim Amtsgericht nötig und außerdem ein schriftlicher Vertrag, zu dem man auf die
Hilfe eines Anwalts zurückgreifen sollte, um alle Vorteile auszunutzen. Es muss aber kein
Gesellschaftsvermögen zur Gründung aufgebracht werden.
Name: Der Name der Partnerschaftsgesellschaft muss den Namen mindestens einer Part-
nerin und den Zusatz »und Partner«, »Partnerschaft« oder »Partnergesellschaft« enthalten
und dazu noch alle in der Partnerschaft vertretenen Berufe.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

In Zusammenarbeit mit Christine Hesse,


Geschäftsführerin von Hesse Design/Düsseldorf

Ist aller Anfang schlecht bezahlt? – 24

1. Was bin ich wert? – 24


Nur was etwas kostet, ist auch etwas wert – 24
Was muss ich pro Stunde verdienen? – 25
Wer zahlt welchen Preis? – 26

2. Das Angebot – 26
Ein gutes Angebot – 26
Die Leistung des Auftragnehmers – 27
Vorleistungen – 28
Auftragsphasen – 28
Auftragsablauf – 28
Protokolle – 29

3. Auftragsbestätigung und -abnahme – 29


Die Auftragsbestätigung – 29
Die Auftragsorganisation mit Jobnummern: – 29
Die Auftragsabnahme – 29

4. Verträge – 30
Der Kaufvertrag – 30
Der Dienstvertrag – 30
Der Werkvertrag – 31
Der Urheberrechtsvertrag – 31

5. Die Rechnung – 32
Die Rechnung, bitte – 32
Wer umsatzsteuerpflichtig ist – 33
Wenn das Konto leer bleibt – 33

Christine Hesse – 33

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Ist aller Anfang schlecht bezahlt?

Die ersten Jobs kommen oft überraschend. Und entweder, es wird dann gar nicht über
Bezahlung gesprochen – man kennt sich ja schließlich – oder aber man soll aus dem Ste-
greif sagen, was man denn »dafür so nimmt«. In der Regel antwortet man sofort, ohne
sich wirklich in Ruhe darüber Gedanken gemacht zu haben. Dass es sich lohnt – für den
Auftraggeber übrigens gleichermaßen – in Ruhe über die eigene Leistung und ihren Preis
nachzudenken, merkt man manchmal erst, nachdem schon ein paar Jobs bewältigt wur-
den. Damit diese Anfangsphase so kurz wie möglich bleibt oder gar übersprungen werden
kann, sind in diesem Kapitel Abläufe beschrieben und Kalkulationsmöglichkeiten aufge-
zeigt, die einen übersichtlichen und unproblematischen Jobverlauf ermöglichen können.
Gemäß dem Urhebervertragsrecht müssen freie Selbstständige ihre Preise selbst kalkulie-
ren, anbieten und aushandeln. Solange der Ruhm einem noch nicht vorauseilt, hat man
also das Problem, die eigene Leistung zum angemessenen Wert verkaufen zu müssen. Zu
billig zu sein, ist dabei genauso geschäftsschädigend wie ein phantastischer, aber leider
überdimensionierter Stundensatz. Am besten, man nimmt sich die Zeit, eine Kalkulati-
on durchzudenken, die man dann mit dem Kunden detailliert bespricht und in einem
schriftlichen Angebot so genau wie möglich festhält. Auf diese Art und Weise behält man
selbst den Überblick und erleichtert dem Kunden das Verständnis für die eigene Leistung.

1. Was bin ich wert?

Nur was etwas kostet, ist auch etwas wert


Ganz egal, ob Stratege, Planer, Gestalter oder Produzent, die persönliche Leistung ist
dem Kunden am leichtesten durch den Zeitaufwand plausibel zu vermitteln. Und auch
die eigene Finanzplanung lässt sich am einfachsten mit einer Zeitrechnung in den
Griff bekommen.

Wer allerdings gerade den ersten Job an Land gezogen hat, dem sollte klar sein, dass er
nicht sofort den Stundenlohn des Profis verlangen kann, denn die professionelle Routine
wirkt sich eben stark auf den Zeitfaktor aus. Deswegen stellt sich gerade am Anfang
die Frage, ob man für die Entwurfsarbeit mit Pauschal-Preisen beginnt und sich bei
anderen nach deren Erfahrungswerten erkundigt. Also: Wie viel verlangt XY für ein
CD-Cover mit einem Booklet über vier Doppelseiten, wie viel kostet bei anderen der
Fotojob auf der Hochzeit ... Aufpassen muss man bei pauschaler Bezahlung allerdings
mit der Leistungsbeschreibung, denn mancher Kunde denkt, er könne bei einem
Pauschalpreis immer mehr Leistungen verlangen und den Job unendlich ausdehnen. Also:
genau definieren, wie viele Korrekturen, Änderungen und auch Treffen der Preis
enthält. Wer diese Unsicherheiten überwunden und erste Erfahrungen im eigenen Zeit-

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

und Jobmanagement gesammelt hat, der kann sich ein genaueres Bild davon machen,
welchen Stundenlohn er mindestens berechnen muss, um seine eigenen Ausgaben
für Lebenshaltungskosten und seine Betriebskosten decken zu können. Generell gilt:
wer sich zu billig verkauft, der verdirbt nicht nur den Markt, sondern gibt auch seinen
Kunden das Gefühl, dass die Leistung nicht allzu viel wert sein kann. Deswegen lohnt
es sich, all diese Zahlen einmal in Ruhe zusammenzurechnen und sich eine eigene
Vorstellung von Rentabilität zu erarbeiten.

Betriebskosten:
Auftragsgebundene Einzelkosten: Ausdrucke, Kfz-Kilometerpauschale für
Anreise, Fotokopien, Versandkosten, ...
Variable Gemeinkosten: Material, Strom, Internet, Fachliteratur, ...
Fixkosten: Miete, Sozialabgaben, Leasingraten ...

Was muss ich pro Stunde verdienen?


Das Jahresbruttoeinkommen:
Angebot und Nachfrage bestimmen den Wert. Das gilt für alle freien Selbstständigen.
Im Bereich der Kunst ist es natürlich unmöglich Preisempfehlungen zu geben. Aber ge-
nerell hilft der Blick auf die Marktsituation, um den eigenen Spielraum abzustecken. Das
gilt auch für Designer. Zum Beispiel sollte man sich in diesem Fall bei angestellten Kolle-
gen erkundigen, was Junior-Designer oder Junior Art-Direktoren zurzeit verdienen. Die-
ses Bruttogehalt zuzüglich ca. 20% Arbeitgeberanteil kann man als erstrebenswertes Min-
destjahreseinkommen ansetzen.

Die Stunden:
Die GWA (Gesellschaft der Werbeagenturen) hat ermittelt, dass die durchschnittliche
weiterberechenbare Arbeitszeit eines Angestellten einer Werbeagentur 171 Tage beträgt.
Bei der Berechnung wurden 114 Sonn- und Feiertage, 38 Urlaubs- und Krankheitstage
sowie 42 sonstige nicht weiter berechenbare Tage ermittelt. Das ergibt 1368 Stunden im
Jahr.

Der Ertrag vor Steuern:


Um am Ende mit all dem Risiko nicht schlechter dazustehen als ein Angestellter, müs-
sen zum angestrebten Bruttoeinkommen erst die Sozialabgaben (Renten-, Pflege- und
Krankenversicherung) sowie die Gemeinkosten der Betriebsausgaben (feste Kosten
z.B.: Strom, Telefon, Internet, Fachliteratur; variable Kosten z.B.: Miete, Kfz-Lea-
sing, Versicherungen) hinzu berechnet werden. Achtung: Die Kosten, die für kundenbe-
zogene Arbeiten anfallen und weiterberechnet werden können (z.B. Kuriere, Farbkopien,
Reisen), werden dabei nicht berücksichtigt.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Die Formel für den Mindeststundensatz lautet also:


Jahresbruttoeinkommen : 1368 Stunden = Stundensatz

Dieser Stundensatz ist auch dann ein guter Kalkulationswert, wenn es darum geht, pau-
schal abzurechnen oder alle Leistungen in einem Jahresetat zu erfassen. Bei Logoentwick-
lungen, die voraussichtlich einen größeren Nutzwert erreichen, wird zusätzlich ein pau-
schales Honorar zur Abgeltung der unbegrenzten Nutzung und Verwertung berechnet.
Die Urheberrechte verbleiben allerdings immer beim Schöpfer der Gestaltung.

Produktdesigner werden häufig mittels Pauschalhonorar, Aufwand pro Stunde und/ oder
ausschließlich über Lizenzabgeltung honoriert (Grundlagen sind der Erfolgsanteil des De-
signs am Verkauf sowie der Abgabepreis und die voraussichtlich verkaufte Stückzahl).

Wer zahlt welchen Preis?


Tatsächlich kommt es auch bei Profis vor, dass unterschiedliche Kunden für vergleichbare
Leistungen stark unterschiedliche Preise zahlen. Solche Unterschiede haben oft strategi-
sche Bedeutung. Es gibt nämlich Auftraggeber, die zwar nicht so viel zahlen können wie
finanzkräftige Unternehmen, für die der Arbeitseinsatz aber entweder um ein Vielfaches
angenehmer, kreativer oder ruhmvoller ist. Für Kultureinrichtungen, karitative Institu-
tionen oder für Auftraggeber, deren Zielen man sich selbst in irgendeiner Form verbun-
den fühlt, kann man deswegen ruhig niedrigere Preise ansetzen als bei üblichen Jobs. Hier
zwischen Brot-und-Butter-Jobs und eigenem Engagement zu unterscheiden, zahlt sich
oft aus – besonders, wenn man dafür mutige Ideen umsetzen kann. Außerdem sollte man
bedenken, dass man mit solch freieren Arbeitsergebnissen vielleicht noch an Wettbewer-
ben teilnehmen kann, die einem selbst und dem Auftraggeber Ruhm und Ehre, also Auf-
merksamkeit und neue Jobs einbringen können.

2. Das Angebot

Das Angebot ist immer auch die Vertragsgrundlage für die Zusammenarbeit mit dem
Kunden. Je übersichtlicher und detaillierter es formuliert ist, desto besser kann der
Kunde den Aufwand ein- und dadurch auch die erbrachte Leistung wertschätzen.

Ein gutes Angebot


Wenn es zur Angebotserstellung kommt, sollte man möglichst alle vorher besprochenen
Punkte festhalten.

Beispielsatz: »Gemäß unserem Gespräch am XX. XX. 20XX biete ich Ihnen
für das Projekt XY meine Mitarbeit an. Diese setzt sich zusammen wie folgt: ...«

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Der Eingangssatz bezieht sich also meist auf ein stattgefundenes Gespräch und listet dann
folgende Punkte auf:

1. Eine inhaltliche Beschreibung des Projektes: Welche Leistung soll erbracht werden und
welches Ziel verfolgt das Projekt?
2. Eine technische Beschreibung des Projektes: Welchen Umfang soll die Leistung haben?
Und mit welchen Mitteln soll die Leistung umgesetzt werden?
3. Die Leistungen des Auftragnehmers: Was ist die eigene Leistung und in welche Phasen
gliedert sie sich auf?
4. Die Leistungen des Auftraggebers: Welches Material muss dazu geliefert werden?
5. Das Honorar: Mit oder ohne Mehrwertsteuer? Wann wird gezahlt? Welche Abschlags-
zahlungen werden nach welchen Leistungen getätigt? Was ist im Honorar an Material-
oder Reisekosten enthalten?
6. Die Rechte: Welche Rechte am Entwurf erwirbt der Auftraggeber?
7. Die Zeit: Wie sieht der Terminplan für das gesamte Projekt aus?
8. Das Ergebnis: In welcher Form wird geliefert? (Modelle, Daten, Abzüge, Prints, ...)

Beispielsatz: »Ich würde mich freuen, wenn wir uns auf Basis dieses Angebotes
auf eine Zusammenarbeit einigen könnten und verbleibe ...«

Über jedes Angebot sollte man reden, um die eigene Leistung darzustellen und zu erklä-
ren, wie sich der Preis zusammensetzt.
Auf was man achten muss und was man dabei lernen kann: Wenn der Kunde sofort
auf den Preis eingeht, ist man meist noch zu billig und sollte daraus fürs nächste Mal
lernen. Wichtig ist, auf nicht vorhersehbare Mehrkosten oder Zusatzleistungen
hinzuweisen und dafür schon einmal eine Berechnungsmöglichkeit zu überlegen.
Das spielt vor allem bei pauschaler Vergütung eine Rolle. In diesem Fall sollte man
ganz genau festlegen, was pauschal vergütet wird und ab wann welcher Stundensatz
berechnet wird. Genau sollte man sich auch die Nutzungsrechte überlegen und eventuell
schon mal Übereinkünfte für weitere Nutzungsentgelte treffen. (Siehe auch Kapitel 4,
Nutzungsrechte)

Die Leistung des Auftragnehmers


Üblicherweise unterteilt sich das Angebot in Eigen- und Fremdleistungen. Unter den
Eigenleistungen werden die groben Arbeitsschritte beziffert (Konzeption, Projektma-
nagement, Layout, Reinzeichnung, Text und Produktionsabwicklung). Zu den Fremd-
leistungen zählen beispielsweise Fotografie, Styling, Illustration, Lithografie, Farbproofs,
Lektorat, Druck. Diese werden nach Aufwand und Beleg berechnet.
Um die Kosten für Arbeitsmaterial, Telefon, Datenübertragung etc. weiterzuberechnen,
empfiehlt es sich, eine Service Fee, d.h. ein Zuschlag von 3% auf das Honorar zu

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

veranschlagen. Das spart auch dem Kunden den lästigen »Belegekrieg.« Und bei der
Rechnung nicht die Mehrwertsteuer vergessen.
(Wer am Anfang unter der mehrwertsteuerpflichtigen Grenze für Kleinunternehmer blei-
ben möchte, der berechnet natürlich keine Mehrwertsteuer und gibt das auf der Rech-
nung mit dem schönen Satz: »Dieser Betrag enthält keine Mehrwertsteuer« an)

Vorleistungen
Ein kleines Büro kann sich Vorleistungen nicht unbegrenzt erlauben. Daher sollte man
sich nicht zu fein sein, eine Akonto-Zahlung zu vereinbaren. Dann tut der allgemeine
Zahlungsverzug von 30 Tagen auch nicht so weh. Große Druck- oder Messebauaufträge
sollten vom Kunden direkt beauftragt werden. Zum einen vermeidet man dadurch Li-
quiditätsengpässe, zum anderen auch die Haftung.

Auftragsphasen
Jeder Job gliedert sich in verschiedene Phasen. Diese Phasen sind durch unterschiedli-
che Tätigkeiten gekennzeichnet und können auf verschiedene Weise berechnet werden.
Zum Beispiel könnte eine pauschale Summe für die Entwurfsphase und eine Bezah-
lung nach Stundensatz für die Produktionsüberwachung vereinbart sein. Diese Pha-
sen durchzudenken und sie im Angebot zu definieren, ist nicht nur für die eigene Zeit-
planung und die Kalkulation sehr hilfreich, sondern erleichtert auch die Zusammenarbeit
mit dem Kunden. Außerdem bietet sich jeder Phasenabschluss für die Präsentation ei-
nes Zwischenergebnisses und die dazugehörige Abschlagszahlung an. Termin, Form der
Präsentation oder Abgabe und Abschlagszahlung sollten im Angebot festgehalten sein.
Tendenziell kann jeder Auftrag in vier oder fünf Phasen unterteilt werden, wobei die Er-
stellung eines Angebotes oft schon das Ergebnis der ersten Phase ist.

Auftragsablauf
Phase 1: Erste Gespräche und Recherche, Zielformulierung, möglichst genaue Aufgaben-
beschreibung in Abstimmung mit dem Kunden, Erstellung von Zeit- und Kostenplänen,
bei Fremdleistungen eventuell die Einholung von Angeboten, Abstimmungsgespräche
mit dem Kunden für ein möglichst exaktes Briefing (siehe auch Kapitel 5, Briefing).
Phase 2.1: Problemanalyse, Entwicklung mehrerer gestalterischer Ansätze und Auswahl
eines favorisierten Vorschlags. Ausarbeitung und Präsentation beim Kunden.
Phase 2.2: Überarbeitung, Verbesserung, Ausarbeitung der Details und wieder Abstim-
mungsgespräche mit dem Kunden.
Phase 3: Planung von Fremdleistungen, Briefing von Lieferanten, produktionsreife Vorla-
generstellung, Korrekturen, ...
Phase 4: Auftragserteilung an Lieferanten, Produktion, Produktionsüberwachung und
Abnahme der Erzeugnisse, Kostenabwicklung mit Lieferanten, Abnahme und Abrech-
nung.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Je nachdem, um welche Form der Dienstleistung es sich bei dem Auftrag handelt, sind die
jeweiligen Punkte an die Anforderungen des Jobs anzupassen.

Protokolle
Es empfiehlt sich sehr, die Gespräche mit dem Kunden festzuhalten, indem man sich
Notizen macht. Diese schreibt man dann in einer freundlichen Mail auf und schickt sie
dem Kunden, damit der sich ebenfalls an die Änderungen und Abmachungen erinnern
kann. So sind Auftragnehmer und Auftraggeber immer auf dem gleichen Wissensstand
und Missverständnisse lassen sich vermeiden.

Beispielsatz:
»Wie in unserem letzten Gespräch am XX. XX. 20XX vereinbart ...«

3. Auftragsbestätigung und -abnahme

Die Auftragsbestätigung
Nachdem man das Angebot mit dem Auftraggeber besprochen und es gegebenenfalls in
bestimmten Punkten modifiziert hat, kann die Arbeit fast schon losgehen. Fast: denn al-
les, was fehlt, ist ein Vertrag. Wo der nicht üblich ist, da sollte man selbst mindestens ei-
ne Auftragsbestätigung schreiben, die sich auf das schriftlich verfasste Angebot bezieht.
Diese schickt man dann an den Kunden und solange der nicht widerspricht, ist das ge-
nausoviel wert wie ein Vertrag. Auf was man achten sollte, wenn es zum Vertrag kommt,
kann man im Kapitel 4 nachlesen.

Die Auftragsorganisation mit Jobnummern:


Zur übersichtlichen Auftragsbewältigung sollte man sich ein System der Organisati-
on überlegen, das auch gleich bei der Archivierung nützlich ist. Jobnummern, die ein-
fach kodiert erkennen lassen, um welchen Kunden und Auftrag es geht, sind hilfreich, um
Fremdkosten, Angebote und Rechnungen, aber auch Einzahlungen, Termine, Anfragen
und Dateien zu sortieren.

Die Auftragsabnahme
Die Vergütung, das heißt das eigene wohlverdiente Geld, wird erst nach der Abnahme
der Leistung durch den Kunden fällig. Deswegen ist es notwendig, dass man sich die
Abnahme der Leistung durch den Kunden schriftlich, etwa per mail, bestätigen lässt.
Zum Beispiel ist die Druckfreigabe von Druckvorlagen eine solche Abnahme. Der Kun-
de ist rechtlich zur Abnahme des Werkes verpflichtet, solange keine handwerklichen
Mängel erkennbar sind und die erbrachte Leistung der Beschreibung im Angebot oder im
Vertrag entspricht. Bei handwerklichen Mängeln muss der Auftragnehmer noch einmal

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

nachbessern. Wenn der Kunde die Abnahme dann immer noch verweigert, vielleicht,
weil ihm das Ergebnis einfach geschmacklich nicht zusagt, dann sollte man sich als Auf-
tragnehmer nach professioneller rechtlicher Hilfe umsehen.

4. Verträge

In der freien Kunst und Publizistik herrscht Vertragsfreiheit. Das heißt, jeder kann in-
nerhalb der gesetzlichen Regelungen verhandeln, was er will, das gehört zum Geschäft.
Ebenfalls zum Geschäft gehört, dass man sich mit möglichst vielen Kollegen über Preise
und Konditionen austauscht, um einen guten Marktüberblick zu gewinnen. Als recht-
liche Grundlage reicht es im Streitfall aus, ein schriftliches Angebot und eine Auftragsbe-
stätigung an den Kunden geschickt zu haben. Wer aber lieber Verträge schließt oder vom
Kunden zum Vertragsabschluss gebeten wird, der sollte ein wenig zum Vertragsrecht
wissen und auch noch mal über Allgemeine Geschäftsbedingungen nachdenken, wie im
Kapitel 4 beschrieben. Grundsätzlich sollte man keinen Vertrag, der einem vorgelegt wird,
sofort unterschreiben, sondern erst einmal mit nach Hause nehmen und in Ruhe durch-
lesen. Die verschiedenen Vertragstypen sind hier aufgelistet und sollen einen ersten Über-
blick über die Unterschiede und Konsequenzen ermöglichen.

Der Kaufvertrag
Der Kaufvertrag ist der einfachste Vertragstyp, die Gewährleistungszeit beträgt zwei
Jahre. Treten in dieser Zeit handwerkliche Mängel am verkauften Werk auf, so muss
man für Ersatz sorgen oder das Geld zurückgeben. Stellt der Käufer des Bildes, der Foto-
grafie oder des verkauften Objektes nach kurzer Zeit fest, dass er es doch nicht will, dann
ist dies eine Frage des gegenseitigen Entgegenkommens, also eine Frage der Kulanz des
Verkäufers. Ein Kaufvertrag sollte die Beschreibung des Objektes, das Lieferdatum, den
Preis (mit oder ohne Mehrwertsteuer), Lieferkosten und die Zahlungsmodalitäten enthal-
ten.

Der Dienstvertrag
Der Dienstvertrag ist ein Leistungsvertrag. Das heißt, es geht dabei um Arbeitsleistun-
gen, deren Bezahlung fällig ist, sobald die Leistung erbracht wurde. Das Ergebnis und
seine Qualität sind beim Dienstvertrag nicht relevant für den Anspruch auf Vergütung
und es besteht keine Verpflichtung zur Nachbesserung. Dienstverträge enthalten die ver-
einbarte Dienstleistung des Auftragnehmers, den Umfang der Leistung in Stundenzahlen,
die Arbeitszeiten oder den Zeitrahmen, innerhalb dessen die Leistung erbracht werden
muss, die vereinbarte Vergütung mit Angaben zu Mehrwertsteuer, Spesen, Zahlungsmo-
dalitäten, die Laufzeit des Vertrages, Kündigungsfristen und die Vorleistungen des Auf-
traggebers. Im Falle des Dienstvertrages ist das Honorar auch fällig, wenn die Leistung
durch Verschuldung des Auftraggebers nicht erfüllt werden konnte.
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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Der Werkvertrag
Der Werkvertrag verpflichtet zu einem Arbeitsergebnis, zu einem Werk. Wie der Auf-
tragnehmer das bis zum vereinbarten Liefertermin fertig bekommt, bleibt sein unterneh-
merisches Risiko. Anders als beim Dienstvertrag muss beim Werkvertrag eine Abnahme
des Werkes durch den Auftraggeber stattfinden, die der Auftraggeber aber nur aus hand-
werklichen Mängeln verweigern kann. Der Werkvertrag sollte also die oben unter dem
Punkt ein gutes Angebot, beschriebenen, genauen Angaben zum Werk enthalten.

Der Urheberrechtsvertrag
In den meisten Fällen sind die hier aufgezählten Vertragsarten mit Urheberrechtsverträ-
gen gekoppelt. Urheberrechtsverträge beziehen sich auf die Nutzung von neuen oder von
schon bestehenden »Werken«. Welche Nutzung des Werkes man dem Käufer oder dem
Auftraggeber einräumt, muss im Vertrag präzise definiert sein. Der Verkauf von »Werken«
unterscheidet sich nämlich vom Verkauf normaler Gegenstände, wie zum Beispiel einer
Kaffeemaschine auf dem Flohmarkt insofern, als man im Fall der Kaffeemaschine sämt-
liche Rechte und Ansprüche verkauft. Der Käufer kann also die Maschine in Einzelteile
zerlegen, sie sofort wegschmeißen oder weiterverschenken, ohne dass der Verkäufer noch
etwas damit zu tun hätte. Im Fall von »Werken« behält der Urheber alle Rechte, die er
dem Käufer nicht ausdrücklich eingeräumt hat. Es geht also darum in einem Urheber-
vertrag auch zu definieren, für welche Nutzungsarten in welchem Umfang welche
Rechte verkauft werden. Ob zum Beispiel verkaufte Bilder auch übers Internet
veröffentlicht werden dürfen, ob aus einer Textüberschrift auch gleich noch ein Slogan
wird und ob Illustrationen für ein Buch auch in der Werbebroschüre des Auftraggebers
verwendet werden können – all das muss vorher definiert werden. Oftmals geht es
dabei um den Unterschied zwischen einem einfachen Nutzungsrecht, das heißt,
der Fotograf kann mehreren Zeitschriften dasselbe Bild verkaufen, damit diese es
abdrucken, oder es geht um ein ausschließliches Nutzungsrecht, dann darf er es
nur einer Zeitschrift verkaufen. Das Honorar für ausschließliche Nutzungsrechte ist
natürlich höher, aber wichtig ist hier, dass man diese ausschließlichen Nutzungsrechte
zeitlich, räumlich oder sachlich beschränkt, sonst kann man nie wieder Geld mit
dem »Werk« verdienen und es im schlimmsten Fall noch nicht mal auf der eigenen
Website veröffentlichen. Natürlich möchte jeder Auftraggeber sämtliche Rechte –
und zwar »zeitlich und räumlich« unbegrenzt – erwerben. Das würde allerdings
bedeuten, dass der Auftraggeber die erbrachte Leistung eventuell zu einem höheren Preis
weiterverkaufen darf und der Urheber nichts davon hat. Deswegen muss auch diese Frage
der Vergabe von Nutzungsrechten an Dritte im Vertrag festgehalten werden. Oder
die Frage, ob der Urheber eine prozentuale Beteiligung an den Verkaufserlösen erhält.
Gerade beim Verkauf von Originalen der bildenden Kunst erwirbt der Käufer zwar das
Ausstellungsrecht, nicht aber das Recht, das Werk zu vervielfältigen oder zu verbreiten.
Und wenn der Käufer das Werk als Leihgabe für Ausstellungen zur Verfügung stellt,

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

so darf er es zwar im Katalog abbilden, aber sobald der Katalog über den Buchhandel
erscheint, wird ein erneutes Honorar an den Urheber fällig. Damit diese Fragen schon bei
Vertragsabschluss bedacht werden, sollte der Urheber auf folgenden Punkten bestehen:
Keine pauschalen Nutzungsrechte, keine unbefristeten Nutzungsrechte und keine
ausschließlichen Nutzungsrechte. Außerdem sollte ein Bearbeitungsrecht (bei Fotos)
ausgeschlossen und auf die Namensnennung des Urhebers bestanden werden. Um
zukünftige Nutzungsarten gleich zu bedenken, kann man als Urheber auch darauf
bestehen, über jede Nutzung oder jede neue Nutzungsart informiert zu werden und
Vermarktungsrechte nur gegen Erlösbeteiligung und Mitspracherechte zu vergeben.

Beispielsatz für Widerspruch:


»Eine Weiterverwendung im Internet ist nicht im Honorar enthalten und muss
gegebenenfalls gesondert vereinbart werden ..«.

5. Die Rechnung

Die Rechnung, bitte

Beispielsatz: »Wie vereinbart, möchte ich Ihnen für die (Leistungsbeschreibung,


Datum und Projektname) ... folgenden Betrag in Rechnung stellen ...«

Sobald die Vereinbarungen mit dem Kunden erfüllt sind, wird es Zeit für die Rechnung.
Wenn man vorher schon durch ein detailliertes Angebot und Gesprächsprotokolle für ei-
nen klaren Ablauf des Auftrags gesorgt hat, sollte die Bezahlung unkompliziert verlau-
fen. Man listet dann das vereinbarte Honorar für die erbrachte Leistung auf und wenn es
noch Zusatzleistungen und Spesen gibt, dann hat man das ja bereits mit dem Kunden be-
sprochen und gibt diese Posten noch einmal gesondert an. Seit 2002 muss auf der Rech-
nung auch die Steuernummer angegeben werden (siehe Kapitel 1). Und auch eine Rech-
nungsnummer, das Datum und das Datum der Leistung (bzw. der Lieferung) müssen
unbedingt gesondert auf der Rechnung stehen.
Für die eigene Buchführung sowie für die Buchhaltung des Kunden sind Rechnungs-
nummern auf der Rechnung von organisatorischem Vorteil. Rechnungen ohne Rech-
nungsnummer muss der Kunde nicht bezahlen. Wenn man also wie beschrieben Job-
nummern verwendet, kann das System der Rechnungsnummern gleich die Jobnummer
fortführen. Wichtig ist einfach nur ein logisches, nachvollziehbares System. Auf der
Rechnung muss keine Zahlungsfrist angegeben werden, denn per Gesetz ist die Zahlung
sowieso sofort fällig. Ein freundlicher Satz beschleunigt den Vorgang meist schon.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 II. The Job: Gut vorbereitet, besser bezahlt

Beispielsatz: »Für den Ausgleich dieses Betrages möchte ich mich schon jetzt
bedanken und verbleibe ...«

Wer umsatzsteuerpflichtig ist


Wer, wie in Kapitel 1 beschrieben, die Mehrwertsteuer berechnet, entweder weil seine
Einnahmen über dem Freibetrag für Kleinunternehmer liegen, oder er sich bei seiner Er-
fassung durch das Finanzamt dafür entschieden hat, die Mehrwertsteuer abzuführen,
der führt in seiner Rechnung alle Fremdleistungen und Materialkosten mit dem Netto-
preis auf. (Nettopreis = Bruttopreis – Mehrwertsteuer) Nur Fahrtkosten und Spesen, für
die eine Pauschale vereinbart war, werden hier voll angesetzt. Anschließend werden alle
Preise zusammengezählt und man berechnet die Mehrwertsteuer zur vollen Summe und
schreibt sie dazu.

Wenn das Konto leer bleibt


Die gesetzliche Frist, innerhalb derer der Kunde gezahlt haben muss, läuft nach 30 Tagen
aus. Wer also bis dahin sein Geld immer noch nicht bekommen hat, der sollte auf jeden
Fall einmal beim Kunden anrufen und höflich nachfragen. Eine schriftliche Zahlungser-
innerung in freundlichem Tonfall ist auch besser als eine Mahnung, denn vielleicht hat
der Auftraggeber es tatsächlich vergessen und da möchte man ja nicht sofort für Verstim-
mung sorgen. Rechtsmäßig kann man ab dem 30. Tag Verzugszinsen verlangen. Wenn
man allerdings den Kunden behalten will oder es sich um geringe Beträge handelt, sollte
man überlegen, wie man mit dem Auftraggeber zu einer Einigung gelangen kann oder ob
das Geld den Stress einer gerichtlichen Auseinandersetzung wert ist. Wenn der Betrag die
Mühe lohnt und man genügend Zeit hat, kommt entweder ein Mahnverfahren in Fra-
ge, über das man sich beim örtlichen Gericht erkundigt oder man wendet sich an einen
Rechtsanwalt, den man mit einer Klage beauftragt.

Christine Hesse

Geboren 1957 in Innsbruck, Ausbildung zur Marketingkommunikationswirtin und De-


signmanagementstudium (MBA) an der University of Westminster London. Sie war bei
DFS & R Dorland München und bei Hans Günter Schmitz Wuppertal tätig. Seit 1988
Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Hesse Design, von 1993 bis 2000 Dozentin für
Designmanagement an der Fachhochschule Düsseldorf.
Mitglied des Advisory Board of the Design Management Institute of Boston.
http//:www.hesse-design.de

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Überblick mit guter Aussicht – 36

1. Die Buchführung – 36
Die Einnahmenüberschussrechnung – 37
Die fortgeschrittene Buchführung – 37

2. Steuern für freie Selbstständige – 38


Grundsätzliches zur Steuererklärung – 39
Welche Steuern zahlen freie Selbstständige? – 40
Die Sache mit der Umsatzsteuer – 43
Steuern für Gemeinschaften – 44

3. Das »who is who« der Betriebseinnahmen


und Betriebsausgaben – 45
Was sind Betriebseinnahmen? – 45
Was sind Betriebsausgaben? – 46
Was man aus Betriebsausgaben machen kann – 49
Richtig abschreiben – 50
Einfach abkürzen – 51

4. The Making Of The Steuererklärung – 52


Die Einkommenssteuererklärung – 52
Die Einkommenssteuer für gemischte Tätigkeiten – 52
Kapitalvermögen, Sonderausgaben und Freibeträge – 53
Die Umsatzsteuererklärung – 53
Die Umsatzsteuervoranmeldung – 54
Die pauschale Berechnung der Vorsteuer – 54

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Überblick mit guter Aussicht

Eigentlich kennt man das Dilemma schon vom Studium und aus dem Alltag: Alles, was
man nicht sofort erledigt, erledigt man entweder nie oder erst viel später. Dann aber kos-
tet es sehr viel mehr Mühe und ist mit einer Menge Aufwand verbunden. Und jedes Pro-
jekt, das man nicht sofort oder gleich im Anschluss dokumentiert, ist eigentlich verloren,
weil man nie wieder die Zeit finden oder die Lust haben wird, alle Einzelteile zusammen-
zusuchen und sich noch einmal in alles hineinzudenken. Und weil einem das als freier
Selbstständiger mit Rechnungen, Besprechungsnotizen, Belegen und Quittungen genau-
so gehen kann, sollte man sich gleich von Anfang an ein System zulegen, um den eigenen
Geschäftsverlauf nachvollziehbar zu dokumentieren. Nicht nur, weil man per Gesetz da-
zu verpflichtet ist, sondern auch, damit man den Überblick behält. Und wer seine zeit-
lichen Kapazitäten und finanziellen Mittel einschätzen kann, der arbeitet näher an der
Realität. Außerdem spart ein System Unmengen von Zeit, wenn es an die Einkommens-
steuererklärung und eventuell auch an die Umsatzsteuererklärung geht. In diesem Kapi-
tel soll erklärt werden, wie simple Systeme der Buchhaltung die jährliche Steuerprozedur
erleichtern, welche Steuern man zahlen muss und wie man das am einfachsten hinter sich
bringt. Die Steuergesetzgebung ist ein sensibles Thema, an dem von Seiten des Gesetz-
gebers viel »gedreht« wird. Das bedeutet, dass sich Grenzbeträge, Prozentsätze und Re-
geln häufiger ändern. Deswegen sind alle hier genannten Zahlen, die sich ändern können
mit einem »*« versehen. Um den aktuellen Betrag zu erfahren, schaut man dann am bes-
ten unter dem jeweiligen Stichwort im Internet nach. Dafür eignen sich ganz besonders
offizielle Internetseiten der Regierung oder die von Berufsverbänden. Außerdem ist das
Finanzamt auskunftspflichtig – bei Verständnisfragen oder wenn man mal nicht weiter
weiß, kann man dort anrufen. Wenn man dabei freundlich ist, wird einem in der Regel
gerne geholfen. Ein besonderer Tipp ist auch immer der jährliche Einkommenssteuerrat-
geber der Sparkassen, der das ganze Procedere verständlich erklärt und immer die neues-
ten Zahlen bereithält.

1. Die Buchführung

Grundsätzlich ist jeder freie Selbstständige dazu verpflichtet, seinen Geschäftsverlauf, das
heißt, seine Auftraggeber, seine Einnahmen und Ausgaben so zu dokumentieren, dass
das Finanzamt die Tätigkeiten nachvollziehen und entsprechend der Einnahmen auch
Steuern erheben kann. Diese Dokumentation nennt man umgangssprachlich Buch-
führung. Ganz korrekt ist diese Bezeichnung aus Sicht des Finanzamtes nicht, denn dort
versteht man unter Buchführung eine doppelte Bilanzierung, wie sie Gewerbetreibende
und größere Unternehmen betreiben müssen. Weil aber jeder freie Selbstständige seine
Gewinne ermitteln kann wie er will, solange das System eine gewisse Logik verfolgt und

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

nachvollziehbar für Dritte bleibt, ist ein gewisses Maß an Buchführung auch hier ganz
praktisch, auch wenn es nicht den Maßstäben der doppelten Bilanzierung gerecht wird.
Im gut sortierten Schreibwarenhandel kann man zum Beispiel hübsch altmodisch anmu-
tende Kassenbücher kaufen, in die man von Hand Ausgaben und Einnahmen mit dem
entsprechenden Datum einträgt. Das ist im Grunde die einfachste Art, Buch zu führen.
Natürlich kann man auch eine ganze Menge Geld für ein Computerprogramm ausgeben
oder das alte Schachtel-System aufrechterhalten. Dabei stopft man in die eine Schach-
tel die Einnahmen, also die eigenen Rechnungen und Kontoauszüge und in die andere
die Ausgaben, also alle Quittungen und die Rechnungen, die man selbst im Zusammen-
hang mit der eigenen Arbeit für Miete, Material usw. bezahlen musste. Wenn es dann an
die jährliche Einkommensteuererklärung geht, wird der Inhalt jeder Schachtel sortiert, ar-
chiviert und zusammengerechnet. Beide Inhalte werden anschließend voneinander abge-
zogen, die Einnahmen minus die Ausgaben ergeben dann den Gewinn. Dieses System
ist die einfachste Variante der Einnahmenüberschussrechnung. Wenn man dann beide
Schachtelinhalte schon mal sortiert hat, kann man sie auch gleich entsprechend chronolo-
gisch geordnet, nach Einnahmen und Ausgaben getrennt, in einem Ordner abheften und
darauf hoffen, dass der Steuerprüfer, sollte er denn mal vorbeischauen, sich über die Ord-
nung freut und bald wieder geht.

Die Einnahmenüberschussrechnung:

Einnahmen
– Ausgaben
= Gewinn

Die Einnahmenüberschussrechnung, die Freiberuflern bis zu einem Umsatz von 17,500


Euro* und Kleingewerbetreibenden erlaubt ist, heißt (für den Fall, man muss das mal ir-
gendwo angeben) offiziell: »Gewinnermittlung nach §4 Abs. 3 EStG«.
Sehr zu empfehlen ist das neue Formular, namens »Anlage EÜR«, auf dem man seine
Einnahmenüberschussrechnung ordentlich gegliedert darstellen kann, ohne sich dafür ein
eigenes System ausdenken zu müssen. Und sobald der eigene Umsatz die oben genannte
Grenze übersteigt, muss man die Anlage EÜR ohnehin ausfüllen. Das Formular, namens
»Anlage EÜR« bekommt man meist mit den Unterlagen zu Steuererklärung zugeschickt.
Falls man es nicht bekommt, sollte man es sich dort holen, denn es bewahrt einen davor,
irgendeine Ausgabe zu vergessen.

Die fortgeschrittene Buchführung


Wer alle paar Wochen mal einen kleineren Job macht, dem kann das Schachtel-System
genügen. Wer mehr Übersicht braucht, weil er mehrere Aufträge hat und häufiger mal ei-
ne Rechnung schreiben kann, der legt sich am besten im Computer zwei Tabellen an und

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

führt ein Rechnungsausgangsbuch und ein Wareneingangsbuch.


Das Rechnungsausgangsbuch listet alle Einnahmen auf, die man hat, und zwar in den
Spalten: Auftraggeber, Jobnummer, Lieferdatum, Leistungsart, Tag der Abnahme, Rech-
nungsbetrag, Rechnungsnummer, Rechnungsdatum und Zahlungsdatum.
Die entsprechenden Informationen werden dann in dieser Tabelle verzeichnet und sor-
gen dafür, dass man die Daten jederzeit parat hat. Wenn man, wie in Kapitel 2 unter dem
Stichwort »Protokoll« beschrieben, den Verlauf und die Abstimmungen mit dem Kun-
den dokumentiert und mit Jobnummern arbeitet, dann kann man in der Kommunikati-
on mit dem Kunden auch schneller auf stattgefundene Vereinbarungen verweisen, indem
man das Datum einfach dieser Tabelle entnimmt und vielleicht die entsprechende Mail
dazu parat hat. Das hilft auch dem Kunden, sich schneller an vereinbarte zusätzliche Zah-
lungen oder Ähnliches zu erinnern.
Das Wareneingangsbuch listet alle Ausgaben auf, die man generell oder für einen be-
stimmten Auftrag getätigt hat. Die Spalten heißen dann: Miete, Büromaterial, Telefon-
rechnung, Material für den jeweiligen Job ... Zusätzlich dazu sammelt man die Belege. Bei
Reisen und Geschäftsessen muss man die Belege auch mit Ankunfts- und Abfahrtszeiten
versehen und den bewirteten Kunden notieren, denn das könnte das Finanzamt interes-
sieren und wenn man es gleich macht, erspart man sich die Fragerei.
Wenn man sich schon mal ernsthaft die Mühe macht und sich so ein System anlegt, dann
kann man eigentlich auch gleich noch eine Spalte »Arbeitszeit« einführen. Das ist ganz
hilfreich, damit man lernt, die eigene Zeit für eine bestimmte Tätigkeit einzuschätzen und
in Zukunft realistischer und effizienter zu kalkulieren.

2. Steuern für freie Selbstständige

Die Steuererklärung ist der natürliche Schrecken eines jeden Selbstständigen. Vor allem,
wenn man sie zum ersten oder zweiten Mal macht und bei jedem Kreuzchen das Gefühl
hat, gleich in der höchsten Steuerklasse zu landen. Deswegen aber sofort zum Steuerbera-
ter zu gehen oder sich mit populären Ratgebern auszustatten, ist eigentlich unnötig. Be-
sonders abzuraten ist von Steuerberatern, die sich kaum mit freien Selbstständigen und
künstlerischen Berufen auskennen und die sich als erstes wundern, warum man kein Ge-
werbe angemeldet hat. Der wohlmeinende Tipp der Eltern führt da manchmal zum Fal-
schen. Besser ist es, man hört sich in der Bekanntschaft anderer Selbstständiger um, ob
jemand einen Berater weiß, der sich auf freie Selbstständige in künstlerischen Berufen
spezialisiert hat, oder man erkundigt sich nach so jemandem bei Berufsgenossenschaften
oder im Internet. Vielleicht geht man dann mit der ersten Steuererklärung zu einem sol-
chen Spezialisten und lässt sich das Procedere von Grund auf erklären, um es die folgen-
den Male selbst zu bewältigen. Zumindest solange man noch keine Angestellten beschäf-
tigt und ohne größere Investitionen auskommt, ist die eigene Steuererklärung nämlich zu
schaffen.
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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Grundsätzliches zur Steuererklärung

»Steuern abführen« = Steuern an das Finanzamt zahlen


»Steuerbescheid« = schriftliche Benachrichtigung vom Finanzamt,
wie viel Steuern man bezahlen muss
»Steuerschuld« = Betrag, den man zahlen muss

Selbstständige müssen im Unterschied zu Angestellten ihre Steuern selbst an das Finanz-


amt »abführen«, was soviel heißt wie: bezahlen. Für Arbeitnehmer erledigen das die Ar-
beitgeber, freie Selbstständige aber müssen noch dazu alle Angaben zur Steuerermittlung
selbst liefern. Früher stand deswegen auf dem Steuerbescheid, den man nach der Abgabe
der Steuererklärung bekam, dass er »nur unter Vorbehalt der Nachprüfung« gelte. Das
bedeutete dann: weil sich das Finanzamt auf die Angaben des Selbstständigen verlässt, be-
hält es sich für vier Jahre das Recht vor, diese auch zu prüfen. Mindestens solange, am
besten aber für zehn Jahre musste man deswegen alle Belege für sämtliche Ausgaben auf-
heben. Das heißt auch, entgegen mancher Anfängertipps, dass man Belege nicht dem
Finanzamt mit der Steuererklärung schickt.
Der Vorbehalt galt übrigens für beide Seiten, so dass auch vergessene Ausgaben nachge-
reicht werden konnten. Mittlerweile ist das Finanzamt aber dazu übergegangen, auch an
freie Selbstständige endgültige Steuerbescheide zu erteilen. Das sieht zwar auf den ersten
Blick besser aus, hat aber den Nachteil, dass man innerhalb der angegebenen Frist Ein-
spruch erheben muss, wenn einem der Bescheid nicht passt. Etwa weil Sonderausgaben
nicht so anerkannt werden, wie man das gerne hätte oder weil man noch ein paar Belege
gefunden hat, die man noch hinterherschicken möchte. Die Belege muss man trotz end-
gültigem Bescheid aufheben. Deswegen sollte man den Steuerbescheid also nicht erst ein
paar Tage oder Wochen herumliegen lassen, sondern gleich prüfen und ggfs. Einspruch
einlegen.

Das Finanzamt ist dazu befugt, die Betriebseinnahmen durch Stichproben zu überprü-
fen. Das heißt im Fachjargon Kontrollmitteilung. Wenn also bei einem Auftraggeber ei-
ne Steuerprüfung stattfindet und dabei ein Honorar als Ausgabe verfolgt wird, das bei der
Kontrollmitteilung beim selbstständigen Auftragnehmer nicht als Einnahme auftaucht,
dann führt das beim Selbstständigen zur Steuernachforderung nebst Geldstrafe.
Freie Selbstständige müssen ihre jährliche Einkommenssteuererklärung und ihre jährli-
che Umsatzsteuererklärung spätestens fünf Monate nach Jahresende abgeben. Wenn
man einen Steuerberater bemüht, verlängert sich diese Frist automatisch auf neun Mo-
nate. Wer allerdings den Termin absolut nicht einhalten kann, der kann auch freundlich
beim Finanzamt nach einer Verlängerung fragen, um einen prozentualen Verspätungs-
zuschlag zu umgehen. Wenn der Steuerbescheid dann schließlich vorliegt, sollte man ihn
fristgerecht, das heißt sofort, bezahlen, um weitere Zuschläge zu vermeiden.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Fristen:
Einkommenssteuererklärung: am 31. Mai für das vergangene Jahr
Umsatzsteuererklärung: am 31. Mai für das vergangene Jahr, aber nicht zu
verwechseln mit der »Umsatzsteuervoranmeldung«. Fristen müssen pünktlich
eingehalten werden, sonst kostet das extra. Man kann aber rechtzeitig nach
einer Verlängerung fragen.

Welche Steuern zahlen freie Selbstständige?


Freie Selbstständige zahlen Einkommensteuer und in der Regel auch Umsatzsteuer.

- Die Einkommensteuer: Die Einkommenssteuer ist die Versteuerung persönlicher


Einnahmen, aus welcher Tätigkeit auch immer sie stammen. Der Solidaritätszuschlag
und eventuell die Kirchensteuer werden zusammen mit der Einkommenssteuer erhoben
und richten sich nach dem Gewinn. Der Gewinn ist das, was nach einer Einnahmenü-
berschussrechnung übrig bleibt. Nämlich Einnahmen minus Ausgaben. In der Steuer-
erklärung stellt man eine Einnahmenüberschussrechnung so dar: man macht eine Liste
oder Tabelle, am besten im Computer, und listet alle Einnahmen und alle Ausgaben nach
Ausgabenarten und schließlich noch die Abschreibungsbeträge (wie unter dem Stichwort
»Richtig abschreiben« erklärt).

Betriebseinnahmen im Jahr : Job A 3.000 €


Job B 2.500 €
Job C 3.500 €
Wenn man Umsatzsteuer erhebt,
kommt die als Einnahme hinzu 1.440 €

Gesamte Betriebseinnahmen: 10.400 €

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Betriebsausgaben/ Jahr:

Büro Miete anteilig (inkl. Strom und Heizung) 900 €


Internetanschluss (anteilig) 120 €
Telefonkosten Atelier (anteilig) 400 €
Mobiltelefongebühren (20%) 180 €
Material und Portokosten 120 €
Mehrwertsteuerbetrag vom neuen Rechner (für 2.000 Euro) 320 €
Wenn man Umsatzsteuer erhebt,
kann man die hier als Vorsteuer abrechnen 540 €

Gesamte Betriebsausgaben: 2.580 €

Abschreibungssumme vom neuen Rechner


(nachgesehen in der Afa-Liste) 560 Euro 3.140 €

Gewinn: Betriebseinnahmen – Betriebsausgaben: 7.260 €

Seit dem Jahr 2005 kann man sich diese Art der Auflistung aber ersparen, indem man
einfach das Formular »Anlage EÜR« benutzt und dort die vorgegebenen Kästchen aus-
füllt. Zwar muss man trotzdem selbst rechnen, aber es geht alles viel einfacher und sieht
besser aus. Eigentlich muss man diese Anlage erst ab einem Umsatz über 17,500 Euro*
ausfüllen aber man kann sie auch schon vorher aus Bequemlichkeit benutzen.
Dabei werden alle Beträge unter dem Datum aufgelistet und abgerechnet, an
dem sie auf dem Konto eingegangen bzw. vom Konto abgegangen sind. Diese Art
der Auflistung nennt man im Fall der Einkommenssteuererklärung »Zufluss-
Ablussprinzip«. Dasselbe Verfahren angewendet auf die Umsatzsteuererklärung heißt
dann »Istversteuerung« und die kreuzt man auch im Fragebogen zur steuerlichen
Erfassung an. Das heißt, die Umsatzsteuer für das Ende vom Jahr, die erst im Januar des
nächsten Jahres ans Finanzamt gezahlt wird, ist eine Ausgabe des nächsten Jahres. In den
ersten Jahren kann es dazu kommen, dass man mehr Ausgaben hat, als man eigentlich
einnimmt. Besonders, wenn man gerade einen Arbeitsraum angemietet hat, neue
Arbeitsmittel kauft und endlich mal ein Computerprogramm auch rechtmäßig erwirbt.
In so einem Fall kann es also passieren, dass man »negativen Gewinn« hat. Negativen

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Gewinn kann man mit Einnahmen aus anderen Tätigkeiten verrechnen oder ihn auf
Gewinne im Folgejahr anrechnen lassen. Diese Variation sollte man dann aber am besten
mal mit seinem Sachbearbeiter beim Finanzamt besprechen. Grundsätzlich hat jeder
Arbeitende einen einkommensteuerfreien Grundbetrag von ungefähr 7.600 Euro*.

Brutto: (ital.= mit Verpackung, ohne Abzug) heißt ohne Abzug der Kosten.
Das Gegenteil ist Netto. Ein Brutto-Preis enthält die Mehrwertsteuer oder
Umsatzsteuer (Brutto = Netto + Steuern)
Vorsteuer: ist der Umsatzsteuerbetrag, den man selbst bezahlt, wenn man
z.B. einen neuen Rechner, Papier, oder sonstige Arbeitsmittel kauft.
Umsatzsteuer: ist der Steuerbetrag den man selbst einnimmt, weil man
ihn auf die eigene Leistung erhebt.

Die Umsatzsteuer: Die Umsatzsteuer wird auch Mehrwertsteuer genannt. Die Umsatz-
steuer ist eine Verbrauchersteuer, die alle freien Berufe und Gewerbebetriebe auf ihre Leis-
tungen und Produkte erheben und die somit letztendlich der Verbraucher zahlt. Das ist
nämlich so: Für fast alle Waren und Leistungen im Handelsverkehr wird Umsatzsteuer
erhoben. Der Gesamtpreis, also Preis plus Steuer ist der Bruttopreis. Ein Bruttopreis wur-
de noch nicht um Steuern oder Sozialabgaben vermindert (Brutto – Steuern = Netto). Als
Unternehmen kann man die Vorsteuer, also den Umsatzsteuerbetrag den man selbst für
alles Material, Telefon und ähnliches gezahlt hat mit der Umsatzsteuer, die man selbst
einnimmt, verrechnen. Als Privatverbraucher kann man das nicht, deswegen wird die
Mehrwertsteuer vom Verbraucher bezahlt.

Vorsteuer:
Die Vorsteuer ist die Mehrwertsteuer, die man beim Kauf einer Ware oder
Leistung bezahlt und die man in seiner jährlichen Umsatzsteuererklärung
oder der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung von der eingenommenen
Umsatzsteuer auf den eigenen Rechnungen abziehen kann und demnach
nur den Rest ans Finanzamt abführen muss.

Von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind alle Kleinunternehmer, deren Umsatz (Ein-
nahmen und Ausgaben) im laufenden Jahr bei ungefähr 17.500 Euro* liegt und im
kommenden Jahr 50.000 Euro* nicht überschreiten wird. Wenn man sich von der Um-
satzsteuerpflicht befreien lässt, stellt man den Preis für erbrachte Leistungen ohne Mehr-
wertsteuer in Rechnung und weist schriftlich auf die nicht berechnete Mehrwertsteuer
hin.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Beispielsatz für die Rechnung: »Nach §19,1 UStG enthält dieser


Rechnungsbetrag keine Mehrwertsteuer«

Von der Umsatzsteuerpflicht kann man sich bereits bei der Anmeldung beim Finanzamt
befreien lassen, indem man im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (siehe auch Kapitel
1, »Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung«) das entsprechende Feld ankreuzt. Wenn
man später dann doch die Umsatzsteuer berechnen will, hat man zwei Möglichkeiten:
Entweder man entscheidet sich im laufenden Kalenderjahr dazu, etwa, weil ein größerer
Auftrag ansteht, oder man wartet bis zum Jahreswechsel.
Im laufenden Kalenderjahr teilt man dem Finanzamt mit, dass man ab jetzt auf die Um-
satzsteuerbefreiung verzichtet. Dann aber muss man rückwirkend bei allen bereits in
diesem Jahr gestellten Rechnungen nachbessern, das heißt, bei Kunden die Umsatzsteu-
er für längst Bezahltes eintreiben. Was kein Problem darstellt, wenn man für Firmen ar-
beitet, die ihrerseits wiederum die Umsatzsteuer absetzen können. Einfacher kann es sein,
wenn man die Bezahlung für den Auftrag »verschleppt«, das heißt bis ins nächste Kalen-
derjahr mit der Rechnung wartet und dann zum Jahreswechsel beim Finanzamt erklärt,
dass man ab jetzt umsatzsteuerpflichtig ist. Die Umsatzsteuerpflicht gilt dann aber für die
nächsten fünf Jahre. Auf die Befreiung von der Umsatzsteuer können Kleinunternehmer
aber auch gleich verzichten.

Die Sache mit der Umsatzsteuer


Wie hoch der Prozentsatz ist, den man als Mehrwertsteuer zum Rechnungsbetrag ad-
diert, hängt davon ab, welche Leistungen man in Rechnung stellt. Normalerweise gilt für
Leistungen in den Bereichen Kunst und Medien ein reduzierter Mehrwertsteuersatz*,
wenn es sich um die Erstellung und Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke han-
delt. Wenn das aber nicht der Fall ist, etwa, weil der Fotograf einfach nur Abzüge von den
Hochzeitsbildern an die Brautgesellschaft und nicht etwa Nutzungsrechte verkauft, dann
muss er den normalen Mehrwertsteuersatz auf seine Preise aufschlagen. So kann es pas-
sieren, dass man für zwei Aufträge auch zwei verschiedene Mehrwertsteuersätze verlangen
muss. Im Rahmen eines Auftrags gilt der Mehrwertsteuersatz der Haupttätigkeit auch
für Nebenleistungen wie Anfahrt und Spesen. Weil es ziemlich kompliziert werden kann,
wenn man den falschen Mehrwertsteuersatz in seinen Rechnungen angibt und auch be-
zahlt bekommt, fragt man bei Unsicherheiten lieber beim Finanzamt nach, dann kann
man sich in Zukunft sicher sein.
Die Umsatzsteuer ist eine Steuer, mit der man den eigenen Gewinn erhöhen kann, wenn
man ausschließlich für Unternehmen arbeitet, die ohnehin die gezahlte Mehrwertsteuer
wiederum als Vorsteuer geltend machen. Wenn man aber für Privatpersonen arbeitet,
kann es zu einem empfindlichen Preisunterschied im Vergleich zu Kollegen kommen,
wenn man die Mehrwertsteuer erhebt. Und zwar wird bei allen Rechnungen, die man
stellt, der prozentuale Betrag der Mehrwertsteuer zum Rechnungsbetrag hinzuaddiert

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

und dann ans Finanzamt abgeführt. Man hat also beispielsweise für die Gestaltung einer
Anzeige 1.000 Euro kalkuliert und schreibt nun eine Rechnung über 1.000 Euro plus
Mehrwertsteuer. Das Gute daran ist, dass man von der erhobenen Mehrwertsteuer,
die man jetzt ans Finanzamt abführen muss, alle Mehrwertsteuerbeträge abziehen
kann, die man selbst etwa für Material oder Lieferanten gezahlt hat. Das, was man
bereits selbst an Mehrwertsteuer mit seinen Betriebsausgaben gezahlt hat, nennt man
Vorsteuer. Der momentane Prozentsatz der Mehrwertsteuer beträgt beispielsweise
16 Prozent*. Von den 160 Euro, die man also derzeit auf die Gestaltung der Anzeige
als Mehrwertsteuer »draufschlägt« und die man eigentlich ans Finanzamt »abführen«
müsste, kann die Vorsteuer für den neuen Bildschirm, das Papier, CDs und für sonstigen
Bürokram abgezogen werden und nur noch der Rest der 160 Euro geht ans Finanzamt.
Die Vorsteuer für das Material, die man ohnehin mit dem Kaufpreis gezahlt hat, auch
wenn man keine Mehrwertsteuer erheben würde, holt man sich auf diese Weise also
komplett vom Finanzamt zurück. Deswegen ist die Berechnung der Vorsteuer eine
zusätzliche Einnahme, die allerdings mit etwas Aufwand verbunden ist. Man muss
nämlich die Mehrwertsteuerbeträge, die man ausgegeben hat, zusammenrechnen. Bei
einfachen Materialkäufen ist das meist kein Problem, denn da steht die Mehrwertsteuer
ja gesondert auf dem Beleg. Für Bücher, Zeitschriften und Fahrtkosten im Nahverkehr
kann man 7 Prozent des Kaufpreises berechnen. Für alle anderen Waren und Leistungen
gilt der normale Mehrwertsteuersatz (von momentan noch 16 Prozent). Bei größeren
Anschaffungen kann der Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer) über mehrere Jahre, wie im
Punkt Richtig abschreiben erläutert, von der Einkommenssteuer abgeschrieben werden.
Der Betrag der Mehrwertsteuer wird aber vollständig im Kaufjahr als Vorsteuer
bei der Umsatzsteuervoranmeldung angerechnet. Bei pauschal bezahlten Reise- und
Fahrtkosten kann keine Vorsteuer berechnet werden und das gilt auch für Mieten –
solange es keine Gewerbemieten sind – Postgebühren, Versicherungsbeiträge und
ähnliche Ausgaben.

Steuern für Gemeinschaften


Wer sich (wie im Kapitel 1, Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts beschrieben) mit
Freunden oder Kollegen in einer Gemeinschaft zusammengetan hat, der ist zur
»einheitlichen und gesonderten Gewinnfeststellung« verpflichtet. Zum Glück hat aber
das Finanzamt schon ein gleichnamiges Formular für diese Prozedur, die mal wieder
komplizierter klingt, als sie eigentlich ist. Denn im Grunde geht es lediglich darum, dass
eine GbR zwar Umsatzsteuer zahlen muss, aber keine Einkommenssteuer zahlen kann,
weil es sich ja nicht um eine juristische Person handelt. Einkommenssteuerpflichtig
sind bloß alle, die zu der GbR gehören. Und damit das Finanzamt kontrollieren kann,
ob der Gewinn der GbR auf alle Gesellschafter verteilt wurde und in den einzelnen
Steuererklärungen auftaucht, holt man sich also dieses Formular bei dem Finanzamt,
zu dessen Bezirk der Sitz der GbR zählt, füllt es aus und jedes Mitglied der GbR legt

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

seiner Steuererklärung eine Kopie davon bei. Das Formular fragt grundsätzlich nur nach
gemeinsamen Einnahmen und Ausgaben der GbR. Wenn die GbR also nur Kosten
hat – etwa, weil noch keine Aufträge gemeinsam bearbeitet werden – dann besteht diese
Auflistung nur aus einer internen Kostenverteilung und die Umsatzsteuererklärung
besteht darin, dass man das Formular ausfüllt und keine eingenommene Umsatzsteuer
angibt. Gesellschaften bürgerlichen Rechts, die nur für ein Projekt geschlossen wurden,
brauchen übrigens keine »einheitliche und gesonderte Gewinnfeststellung« abzugeben.

3. Das »who is who« der Betriebseinnahmen


und Betriebsausgaben

Die Steuererklärung ist im Prinzip einfach eine Auflistung von Zahlungen, die im Zu-
sammenhang mit der eigenen selbstständigen Arbeit stattfinden. Und da sich die Steuer,
mit der sich jeder an der Unternehmung Staat beteiligt, aus dem Gewinn errechnet, geht
es bei der Steuererklärung darum, dem Finanzamt zu erklären, wie viel Geld man einge-
nommen und wie viel man davon wieder ausgegeben hat. Es geht also bei der Steuerer-
klärung ganz einfach um Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Beides genau auf-
gelistet und anhand von Belegen im Falle einer Betriebsprüfung nachweisbar, und die
Steuererklärung ist fast schon gemacht. Dazu füllt man noch die Formulare vom Finanz-
amt aus, gibt das ganze bis zum 31. Mai jeden Jahres ab und wartet darauf, dass man mit-
geteilt bekommt, ob man in den ersten Jahren überhaupt etwas zahlen muss und wie viel
das dann ist. Denn schließlich hat jeder Arbeitnehmer einen Einkommensteuerfreibe-
trag von ungefähr 7.600 Euro*.

Was sind Betriebseinnahmen?


Betriebseinnahme ist ganz einfach alles, was im Zusammenhang mit der selbstständigen
Tätigkeit »reinkommt«. Vom Erlös des verkauften Computers über das eigene Honorar,
das Preisgeld vom letzten Wettbewerb bis zur vereinnahmten Mehrwertsteuer, die man
dem Kunden in Rechnung gestellt hat. Schön getrennt nach Einkommensarten werden
alle Betriebseinnahmen aufgelistet, das Buchungsdatum zählt. Steuerfrei sind leider nur
wenige Preisgelder, Stipendien – da fragt man am besten die Stiftung oder den Verleiher.
Steuerfrei sind außerdem nur Krankengelder, Zahlungen aus Hilfsfonds und gewisse Auf-
wandsentschädigungen für nebenberuflichen Kleinkram bis zur Höhe von 1.800 Euro*.
Diesen nebenberuflichen Kleinkram muss man dem Finanzamt dann erklären und dar-
stellen, ob es sich dabei vielleicht einfach um Aufwandsentschädigungen oder ähnliches
handelt.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Was sind Betriebsausgaben?


Betriebsausgabe ist alles, was im Zusammenhang mit der selbstständigen Tätigkeit ausge-
geben wird. Das Finanzamt urteilt bei den Betriebsausgaben nach der Maxime »ganz oder
gar nicht« und deswegen geht es bei den Betriebsausgaben immer um eine ausschließ-
lich berufliche Nutzung. Das heißt, das Arbeitszimmer in der Wohnung, dessen Miete
steuerlich als Ausgabe anerkannt werden soll, darf nicht auch noch Gästezimmer sein,
und die Fahrtkosten zum Arbeitstreffen müssen streng getrennt vom drangehängten Wo-
chenendausflug abgerechnet werden. Dabei werden drei Ausnahmen gemacht: Autos, Te-
lefone und Computer dürfen auch privat genutzt werden und trotzdem wird ein Teil als
berufliche Betriebsausgabe angerechnet. Als Betriebsausgabe wird bis zu einer bestimm-
ten Höhe immer der volle Preis, also inklusive Mehrwertsteuer berechnet und das Bu-
chungsdatum ist immer der Tag, an dem gezahlt wurde. Hier wird nun erklärt, wie die
unterschiedlichen Ausgaben eingeteilt und berechnet werden.

- Kosten für den Arbeitsraum


Die Kosten für beruflich genutzte Räume, also etwa das Atelier oder der Arbeitsraum,
werden voll anerkannt, wenn sie sich außerhalb der eigenen Wohnung befinden. Dann
sind Miete, Strom- und Heizkosten, sowie Reinigungskosten und Raumeinrichtung Be-
triebsausgaben, die auch dann noch aufgeführt werden können, wenn man den Schreib-
tisch schon vorher in der Wohnung stehen hatte. Wenn sich der eigene Arbeitsraum al-
lerdings in der Wohnung befindet, wird es komplizierter. In der Wohnung können die
Kosten, also der prozentuale Anteil der Wohnungsmiete, nur abgesetzt werden, wenn der
Raum ausschließlich für die Arbeit genutzt wird und z.B. kein Durchgangszimmer ins
Wohnzimmer ist und außerdem kein weiterer Arbeitsplatz vorhanden ist. Wenn also
der Arbeitsplatz in der Wohnung die einzige Betriebsstätte darstellt, kann man die nach
Quadratmetern berechnete Miete als Betriebsausgabe geltend machen. Wenn das nicht
der Fall ist, können aber immerhin noch bis zu ungefähr 1.250 Euro* abgesetzt werden.
Allerdings müssen auch dann die Kosten einzeln statt pauschal nachgewiesen werden.
Übrigens sind die Kosten für den Arbeitsraum nicht zu verwechseln mit denen für Ar-
beitsmittel, die immer voll abgesetzt werden können, egal, ob der Raum sich nun in der
Wohnung oder außerhalb dieser befindet. Der Schreibtisch ist also immer Arbeitsmit-
tel, während Teppiche und Tapeten für den Arbeitsraum eben gegebenenfalls nur bis zur
1.250 Euro-Grenze abgesetzt werden können.

- Telefonkosten
Telefone, Handys, Internetanschlüsse und sämtliche laufenden Kosten dafür sind voll
absetzbar, solange eine so gut wie ausschließlich berufliche Nutzung vorliegt. Wer nun
aber nur ein Telefon, ein Handy und einen Internetanschluss hat und alles logischerweise
sowohl privat als auch beruflich nutzt, der kann die beruflichen Telefonkosten auf
zwei Arten steuerlich absetzen. Entweder pauschal, indem man einen glaubwürdigen

46
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

Prozentsatz der Grund- und Gesprächsgebühren als betriebliche Ausgabe absetzt,


oder aber man führt drei Monate lang einen Einzelgesprächsnachweis und ermittelt so
den durchschnittlichen Anteil beruflicher Gespräche an der Telefonrechnung. Diesen
Mittelwert kann man dann zukünftig ansetzen.

- Computerkosten
Auch die Kosten für einen Computer sind voll absetzbar, solange sie ausschließlich be-
ruflich genutzt werden. Das glaubt einem das Finanzamt dann, wenn der Computer im
Arbeitsraum außerhalb der Wohnung steht. Sobald der Computer zu Hause steht, wird
die Sache mit der Abschreibung wieder kompliziert. Wer nämlich den ausschließlich be-
trieblichen Nutzen nicht so recht nachweisen kann, der darf nur 50 Prozent der Kosten
als Betriebsausgaben ansetzen. Wer seinen Computer allerdings mehr als 90 Prozent be-
ruflich nutzt, der braucht keinen privaten Nutzungsanteil abzuziehen.

- Fahrzeugkosten
Wie beim Arbeitsraum und Computer sind alle Kosten für ein Fahrzeug Betriebskosten
und damit absetzbar, solange das Auto nur und ausschließlich beruflich genutzt wird.
Weil aber eine rein berufliche Nutzung bei freien Selbstständigen wohl eher selten vor-
kommt, wird es auch hier wieder ordentlich kompliziert. Als erstes ist zu klären, ob das
Fahrzeug eher ein Privat- oder ein Dienstwagen ist. Bei weniger als zehn Prozent beruf-
licher Nutzung muss das Fahrzeug als Privatwagen behandelt werden. Das heißt: Al-
le laufenden Kosten und Anschaffungskosten sind privat. Dienstfahrten werden einzeln
aufgeschrieben und per Kilometerpauschale abgesetzt. Wenn das Fahrzeug allerdings
als Dienstwagen abgerechnet wird, so müssen alle Kosten für die private Nutzung als Be-
triebseinnahmen verbucht werden. Dafür sind dann alle Anschaffungs- und laufenden
Kosten Betriebsausgaben. In beiden Fällen müssen die jeweiligen Kostenanteile für pri-
vate und geschäftliche Nutzungen entweder durch Eintragungen in ein Fahrtenbuch
exakt festgehalten werden, oder man gibt pauschal ein Prozent vom Listenpreis (Brut-
to-Neupreis) des Wagens als privaten Nutzungsanteil an. Für den Weg zur Arbeit, also
zum eigenen Arbeitsraum dürfen Selbstständige nur die gleiche Kilometerpauschale wie
Arbeitnehmer, nämlich derzeit 30 Cent* pro Kilometer, berechnen. Das gilt für alle Fahr-
zeugtypen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Fahrpreis abzusetzen, bei Fahrrädern,
Mofas und Pkws gelten die aktuellen Kilometerpauschalen, die man am einfachsten im
Internet recherchiert. Generell eignet sich die Abrechnung per Kilometerpauschale für al-
te und die aufwendigere Vollkostenabrechnung für neuere und teure Fahrzeuge. In Zu-
kunft wird sich aber auch hier einiges ändern und erst ab dem 26. gefahrenen Kilometer
wird man überhaupt den Weg zur Arbeit abrechnen können.

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- Dienstreisen
Immer, wenn man außerhalb der eigenen Arbeitsstätte arbeitet, ist man eigentlich auf
Dienstreise. Und dann können nachweisbare Fahrtkosten wie etwa der Parkschein, die
Bahn- oder Taxifahrt abgesetzt werden. Auch die Bahncard wird absetzbar, sobald sie re-
gelmäßig für berufliche Fahrten genutzt wird. Dazu gehören Übernachtungskosten und
gewisse zusätzliche Verpflegungskosten, wenn man dafür Belege hat. Der absetzbare Pau-
schalbetrag für Übernachtung und Verpflegung kann beim Finanzamt erfragt werden
kann. Wenn man ein »Honorar zuzüglich Spesen« vereinbart hat, werden diese Kosten
auch vom Auftraggeber übernommen. Generell gehören Fahrten zu Wettbewerben, zu
Messen und Fortbildungen zum Genre »Dienstreise«, auch wenn Finanzämter solch at-
traktive Fahrten nur gegen entsprechende Belege von Eintrittskarten und Tankstellenquit-
tungen oder Ähnlichem akzeptieren. Wenn man also als Künstler eine Reise tut, um ein
Museum in einer anderen Stadt zu besuchen, dann kann das eine Fortbildung sein, solan-
ge man angeben kann, wie diese Ausstellung mit der eigenen Arbeit im Zusammenhang
steht. Und wenn man nur für diesen einen Museumsbesuch verreist, dann wäre auch die
Fahrt absetzbar.

- Bewirtungen
Meist wird unter Bewirtung das Kundenessen verstanden, von dem man eine maschi-
nell erstellte Quittung als Beleg braucht und auf der man am besten gleich auch noch
den Anlass der Bewirtung sowie den Namen des Kunden notiert, um in der Steuerer-
klärung dann 70 Prozent der Summe als Betriebsausgabe absetzen zu können. Seit neu-
estem darf auch die auf der Bewirtungsrechnung ausgewiesene Mehrwertsteuer als Vor-
steuer geltend gemacht werden. Dass auch die Pizza, der Kaffee und die Cola für die
Nachtschicht vor der Präsentation oder der Sekt für die Büroparty danach zu den Bewir-
tungsausgaben zählen, vergessen die meisten.

- Sonstiges:
1. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und Textbücher sind Betriebsausgaben, wenn deren
Nutzen nachweisbar für das eigene Arbeiten ist. Auf den Quittungen muss deswegen der
Titel der Bücher vermerkt sein und am besten schreibt man noch dazu, für welchen Job
man das jeweilige Buch braucht.
2. Portokosten und Büromaterial jeglicher Art und auch alle technischen Geräte unter
circa 400 Euro sind absetzbare Betriebsausgaben.
3. Genauso ist die Büroausstattung vom Schreibtisch bis hin zum wöchentlichen Blu-
menstrauß absetzbar.
4. Die an das Finanzamt abgeführte Mehrwertsteuer wird natürlich auch als Betriebs-
ausgabe angesehen, genauso wie die Beiträge zu Berufsverbänden oder Genossenschaften,
die Kosten für Fortbildungen oder die Kosten für Berufshaftpflichtversicherungen und
ähnliche Ausgaben.

48
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5. Und falls mal jemand keine Lust mehr auf die Selbstständigkeit haben sollte, dann sind
seine Bewerbungskosten, wie Material für Mappen oder die Portokosten trotzdem noch
Betriebsausgaben und damit absetzbar.
6. Werbekosten und Aufwendungen für Akquisition, also beispielsweise die Versendung
von Weihnachtskarten oder kleinere Geschenke sind bis zu einer Höhe von 35 Euro* pro
Kunde ebenfalls absetzbar.
7. In voller Höhe als Betriebsausgaben zählen auch die Kosten für eine weitere Ausbil-
dung und sogar Kosten für das Zweitstudium. Für das Erststudium sind die Ausgaben bis
zu einem Höchstsatz von 4.000 Euro* als Sonderausgaben absetzbar.

Es gibt Betriebsausgaben, die man zwar hat, die man aber vom Auftraggeber erstattet be-
kommt, etwa, weil man auf seinen Rechnungen so etwas wie eine dreiprozentige »service
fee« veranschlagt. Solche Kosten und die entsprechenden Einnahmen könnte man also als
»durchlaufende Posten« aus der Steuererklärung heraus lassen. Besser ist es aber, sowohl
die Ausgaben als auch die Vergütung vom Arbeitnehmer unter der jeweiligen Rubrik Be-
triebsausgaben und -einnahmen zu verbuchen.

Was man aus Betriebsausgaben machen kann

Absetzen: Der Kaufpreis inklusive der Mehrwertsteuer kann in


einem Jahr als Betriebsausgabe angerechnet werden.
Abschreiben: Die Mehrwertsteuer einer Anschaffung wird sofort im
Kaufjahr als Betriebsausgabe abgesetzt, während der Nettopreis je nach amtlich
vorgeschriebener Nutzungsdauer über mehrere Jahre verteilt abgesetzt wird.

Alle Anschaffungen, deren Nettopreis unter ungefähr 400 Euro* liegt, können sofort
in voller Höhe geltend gemacht werden. Das heißt, wie schon als Einnahmenüberschuss-
rechnung beschrieben, werden die Ausgaben zusammengezählt und von den Einnahmen
abgezogen. Was übrig bleibt, ist dann der Gewinn – und der bestimmt die Höhe der Ein-
kommensteuern.
Alle Ausgaben für Anschaffungen, die über diesem Grenzwert liegen, werden nicht so-
fort in voller Höhe »abgesetzt« sondern müssen »abgeschrieben« werden. Das bedeutet,
dass man über mehrere Jahre die Abnutzung des Gegenstandes als Betriebsausgabe
angeben kann, aber nicht sofort im Kaufjahr den gesamten Kaufpreis. In einem geord-
neten Haushalt – wie dem deutschen Steuerrecht – findet sich ja bekanntlich alles, und
deswegen gibt es auch für diese so genannte »Absetzung für Abnutzung« eine amtliche
Liste1, auf der alle Richtwerte stehen. Auf dieser Afa-Liste ist dann der genaue Abschrei-
bungsbetrag, den man für einen Gegenstand im Jahr abschreiben darf, aufgelistet und den

1
http://www.bundesfinanzministerium.de

49
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kann man schnell im Internet nachsehen. Der Wert errechnet sich aus der ungefähren
Haltbarkeit des Gegenstandes und schreibt beispielsweise vor, dass der Teppich im Büro
sechs Jahre halten müsste und die Telefonanlage zehn Jahre. Wer gebrauchte Geräte kauft,
der darf die realistische Restnutzungsdauer schätzen.
Nicht zu verwechseln sind in diesem Fall Ausgaben und Anschaffungen. Wenn näm-
lich ein Elektriker das Stromnetz im Arbeitsraum auf Vordermann bringt, dann sind
das Ausgaben für Renovierung oder Reparatur, die sofort in voller Höhe abgesetzt wer-
den können. Abgeschrieben werden »Wirtschaftsgüter«, sprich Dinge, die mehr als ein
Jahr nutzbar sind und dann auch wieder verkauft werden können. Wenn man sich al-
so ein Faxgerät anschafft und den Afa-Wert auf der Afa-Liste nachsieht, kann man über
sechs Jahre den vorgeschriebenen Wert in seiner Steuererklärung als Betriebsausgabe an-
geben und von den Einnahmen abziehen. Wenn das Gerät dann aber schon nach einem
Jahr den Geist aufgibt, kann der Restwert (Nettokaufpreis minus erste Abschreibungsra-
te) komplett abgeschrieben werden, denn nun ist es ja eine Betriebsausgabe, die keinen
Nutzen mehr bringt. Wenn man das kaputte Ding dann bei e-bay an einen Bastler ver-
kauft, muss der Erlös wieder als Betriebseinnahme registriert werden und natürlich muss
man auf den Preis dann auch wieder die Mehrwertsteuer erheben und die ans Finanzamt
abführen.

Richtig abschreiben
Wenn man Anschaffungen tätigt, deren Nettopreis den absetzbaren Grenzwert über-
schreitet, wenn also ein neuer Rechner oder endlich mal ein ordentlicher Schreibtisch-
stuhl her müssen, dann gibt es verschiedene Verfahren, diese Ausgabe in der Steuerer-
klärung darzustellen. Zunächst einmal nimmt man für die langfristige Abschreibung
nur den Nettopreis, also den Kaufpreis ohne die Mehrwertsteuer, die auf dem Kaufbe-
leg meist extra ausgezeichnet ist. Die Mehrwertsteuer kann im laufenden Betriebsjahr
komplett als Ausgabe abgesetzt werden, der Nettopreis dagegen wird abgeschrieben.
Und zwar entweder als lineare Abschreibung oder als degressive Abschreibung.
Linear heißt, jedes Jahr wird der gleiche Prozentsatz des Kaufpreises in der Steuererklä-
rung als Betriebsausgabe angegeben. Den Prozentsatz erfährt man aus der Afa-Liste. So
ist beispielsweise der Kauf einer Rohrpostanlage auf der Afa-Liste mit einem Nutzungs-
wert von zehn Jahren angesetzt. Das heißt, innerhalb dieser Jahresangabe auf der Afa-Lis-
te kann der gesamte Nettopreis der Anschaffungen von der Steuer abgeschrieben werden.
Würde man sich also eine schicke Rohrpostanlage in die Arbeitsräume einbauen lassen, so
könnte man jedes Jahr zehn Prozent des Nettopreises der Anlage als Betriebsausgabe ab-
setzen. Hätte ein Leuchttisch nun den Nutzungswert von fünf Jahren, wären es jedes Jahr
20 Prozent des Kaufpreises und so weiter.
Degressive Abschreibung bedeutet, dass man jedes Jahr den gleichen Prozentsatz des
Restwertes absetzt. Bei einer Telefonanlage für 1.000 Euro und einem Nutzungswert
von zehn Jahren könnte man dann also im ersten Jahr zwanzig Prozent von 1.000 Euro

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

abschreiben, im zweiten Jahr zwanzig Prozent von 800 Euro, im dritten Jahr zwanzig
Prozent von 640 Euro, ... Die degressive Methode der Abschreibung ist bei einer sehr
langen Nutzungsdauer sinnvoll.
Aber es kommt noch besser, denn als freier Selbstständiger kann man auch
»Ansparabschreibungen« tätigen. Und das geht so: für eine geplante Investition, die man
dem Finanzamt mitteilt, möchte man Geld ansparen. Bis zu 40 Prozent* des Kaufpreises
kann man deswegen in den Vorjahren unversteuert zurücklegen. Das heißt, man teilt
seine Pläne dem Finanzamt mit und gibt die Ansparsumme als Betriebsausgabe an. Im
Jahr der Anschaffung muss man die Beträge aber wieder als Betriebseinnahme verbuchen.
Allerdings prüft das Finanzamt bei dieser legalen Art des Steuersparens gerne nach, ob
die Anschaffung auch wirklich in der Höhe stattgefunden hat. Berufsanfänger haben fünf
Jahre lang einen Sonderstatus und dürfen die tatsächliche Anschaffung hinauszögern.
Das heißt, generell ist die Ansparabschreibung eine Möglichkeit, den Gewinn aus einem
besonders guten Jahr auf Folgejahre zu verteilen und damit die Steuer niedriger zu halten.

Einfach abkürzen
Für alle, die gerade erst anfangen, im letzten Jahr eben ein paar Jobs gemacht haben und
nicht wirklich viele Betriebsausgaben hatten, für die existiert auch die Möglichkeit, ei-
ne Betriebskostenpauschale anzusetzen. Diese großartige zeitsparende Abkürzung erlaubt
nämlich allen, die nebenberuflich künstlerisch, schriftstellerisch oder wissenschaft-
lich tätig sind, einfach 25 Prozent ihres Umsatzes (aber höchstens um die 600 Euro*) als
Betriebskostenpauschale abzusetzen. Für Studierende, die sich ja hauptberuflich in der
Ausbildung befinden und die noch geringe Betriebsausgaben haben, ist die Steuererklä-
rung per Betriebskostenpauschale erstens der einfachste Einstieg in das Thema Steuer und
zweitens vielleicht sogar rentabel.

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4. The Making Of The Steuererklärung

Bis zum 31. Mai muss jeder freie Selbstständige seine Steuererklärung – und zwar die Ein-
kommensteuererklärung und eventuell auch die Umsatzsteuererklärung – für das Vorjahr
beim Finanzamt abgeben. Wer einen Steuerberater zu Hilfe zieht, der hat damit bis zum
30. September Zeit, wenn er das vorher beim Finanzamt meldet.

Die Einkommenssteuererklärung

»Einkünfte« heißt für das Finanzamt »Gewinn« und bedeutet, dass man
Einnahmen und Ausgaben schon gegeneinander aufgerechnet hat.

Die Einkommenssteuererklärung besteht aus drei Teilen: nämlich aus der


Gewinnermittlung durch Einkommensüberschussrechnung und zwei Formularen,
die man sich entweder aus dem Internet oder direkt beim Finanzamt besorgt. Die
Formulare heißen »Einkommenssteuererklärung« und »Anlage GSE«. Solange der
eigene Umsatz (Einnahmen und Ausgaben) unter 17,500 Euro* bleibt, kann man die
Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung als einfache Rechnung auf
einem gesonderten Blatt darstellen. Aber jeder, der über dem Grenzwert liegt, muss dafür
die neue »Anlage EÜR« ausfüllen. Das gute an diesem Formular ist, dass es erstens ganz
hübsch übersichtlich aussieht und einen zweitens an alles erinnert, was man vielleicht
vergessen könnte, wenn man die Rechnung selbst auf einem Blatt zusammenstellen
würde. Deswegen empfiehlt es sich für alle, die Anlage EÜR auch gleich auszufüllen und
so Zeit und Überlegungen zu sparen.
In der formlosen Gewinnermittlung stellt man den Gesamtbetrag der eigenen Einkünfte
dar. Dabei muss man darauf achten, Einkünfte aus selbstständiger Arbeit getrennt von de-
nen aus nichtselbstständiger oder gewerblicher Arbeit aufzulisten.

Die Einkommenssteuer für gemischte Tätigkeiten


Wer sowohl aus seiner selbstständigen Tätigkeit als auch aus einem Arbeitsverhältnis
als Angestellter Einkünfte erzielt, muss außer der »Anlage GSE« auch noch die »Anla-
ge N« ausfüllen. Die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit errechnen sich, wie bereits be-
schrieben, aus den Betriebseinnahmen abzüglich der Betriebsausgaben. Die Einkünfte
aus nichtselbstständiger Arbeit sind der Bruttoarbeitslohn abzüglich der Werbungs-
kosten. Das Finanzamt rechnet allerdings dem Arbeitnehmer schon eine Arbeitnehmer-
pauschale von circa 900 Euro* als Werbekosten an, so dass nur derjenige, der eindeutig
über dieser Grenze liegt, noch per Ausgabennachweis und durch hinzugefügte Belege die-
se Pauschale erhöhen kann. Wer aus der selbstständigen Tätigkeit wenig verdient hat, der
braucht sie vielleicht gar nicht zu versteuern. Die Gewinngrenze liegt bei ungefähr 400
Euro* im Jahr und wer genug Belege beisammen hat, kann sicherlich seine Betreibsein-
nahmen ordentlich drücken.
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Kapitalvermögen, Sonderausgaben und Freibeträge


Wer Kapitalvermögen, Aktien oder Gewinnanteile an GmbHs besitzt oder gar
Mieteinnahmen hat, der muss natürlich die jährlichen Einkünfte daraus ganz normal
in der Steuererklärung angeben. Vom ermittelten Gesamtbetrag aller Einkünfte
können dann noch Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und eventuell
Kinderfreibeträge* abgezogen werden. Dazu zählen die Kirchensteuer, zum Teil die
Kosten für die Steuerberatung, Aufwendungen bis zu 4.000 Euro für das Studium, falls
man noch studiert und es das erste Studium ist. Dazu natürlich noch die Kosten für eine
weitere Berufsausbildung in einem noch nicht ausgeübten Beruf und für Spenden und
Unterhaltsleistungen. An dieser Stelle ist es besonders interessant, dass man so genannte
Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zu Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Renten-
und Lebensversicherungen auch alle als Sonderausgaben in der Einkommenssteuere
rklärung angeben kann und das Finanzamt dann errechnet, welche Höchstbeträge davon
anerkannt werden können. Nachdem man all diese Informationen beim Finanzamt
abgegeben hat, erhält man den Einkommenssteuerbescheid, in dem das Finanzamt
einem mitteilt, wie viel man an Steuern abführen, also bezahlen muss. Am besten erledigt
man das dann auch sofort, denn die Strafen bei Verzug sind hier empfindlich hoch.

Die Umsatzsteuererklärung

Steuerpflichtiger Umsatz: 10.000 €

Davon Mehrwertsteuer zum


Steuersatz von 16 Prozent: 1.600 €

Abzüglich der Vorsteuerbeträge: 800 €


(geschätzte Summe)
An das Finanzamt zu zahlen: 800 €

Wer auf die Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht verzichtet oder generell mit seinem
Umsatz über dem Freibetrag für Kleinunternehmer liegt, der muss bis zum 31. Mai auch
seine Umsatzsteuererklärung für das Vorjahr abgeben. Der Steuerbetrag, auch Steuer-
schuld genannt, muss im Fall der Umsatzsteuererklärung ohne Aufforderung durch das
Finanzamt einen Monat nach Abgabe der Steuererklärung gezahlt werden. Die Umsatz-
steuererklärung besteht darin, dass man den Umsatz und die eingenommene Mehr-
wertsteuer auflistet. Von den Mehrwertsteuereinnahmen, die man hatte, zieht man
dann die Vorsteuer ab. Also all die Mehrwertsteuerbeträge, die man für seine eigenen
Ausgaben, sei es für Material oder Dienstleistungen, gezahlt hat. Der Rest ist dann die
Umsatzsteuerschuld, die man dem Finanzamt zahlen muss. Am Anfang der Selbstständig-
keit kann es manchmal zu einer negativen Umsatzsteuerschuld kommen. Das bedeutet

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

dann, dass man mehr Vorsteuer gezahlt als man Umsatzsteuer eingenommen hat. Daraus
ergibt sich dann eine negative Steuerschuld, die man vom Finanzamt sogar zurücker-
stattet bekommt.

Die Umsatzsteuervoranmeldung
Weil das Finanzamt auch unterm Jahr gerne mal die Mehrwertsteuer einkassiert, exis-
tieren »vorläufige Umsatzsteuererklärungen«, die dann Umsatzsteuervoranmeldung
heißen und die entweder monatlich oder vierteljährlich fällig sind. Ab wann man eine
vorläufige Umsatzsteuererklärung machen muss, hängt von der Umsatzsteuerschuld im
Vorjahr ab – den genauen Grenzwert recherchiert man am besten im Internet oder fragt
mal beim Finanzamt nach. Entweder man wird also vom Finanzamt schriftlich dazu auf-
gefordert, weil man entsprechend verdient hat oder man ist dazu verpflichtet, weil man
gerade erst anfängt, selbstständig zu arbeiten und auf die Befreiung von der Umsatzsteu-
erpflicht verzichtet. Als Anfänger und Gründer muss man nämlich im Jahr der Grün-
dung und im Folgejahr monatliche Voranmeldungen abgeben. Diese Voranmeldung
ist im Prinzip eine »kleine« Umsatzsteuererklärung und die muss jeweils zehn Tage nach
Ende des betreffenden Monats oder Quartals abgegeben und auch gleich bezahlt werden.
Das Besondere dabei ist, dass man diese Umsatzsteuervoranmeldung elektronisch, das
heißt übers Internet abgeben soll und nur per Antrag eine analoge Version einrei-
chen kann. Hat man sich das entsprechende Programm erst einmal aus dem Netz her-
unter geladen und das Formular durchgelesen, dann liegt die geschätzte Dauer der mo-
natlichen Umsatzsteuervoranmeldung zwischen zehn und zwölf Minuten. Will man die
Abgabefrist verlängern, so besorgt man sich beim Finanzamt das entsprechende Formu-
lar und stellt den Antrag auf Dauerfristverlängerung, der einem einen weiteren Monat
Zeit gibt. Auch wenn man monatlich oder vierteljährlich die Umsatzsteuervoranmeldung
macht und die entsprechende Summe auch gleich an das Finanzamt überweist, muss man
dennoch zum 31. Mai jeweils die jährliche Umsatzsteuererklärung abgeben. Die Umsatz-
steuererklärung dient dann aber in erster Linie der Korrektur und der Überprüfung der
Voranmeldungen. Falls nämlich während des Jahres etwas schief gegangen ist, etwa weil
man eine Rechnung verloren oder ein Kunde nicht gezahlt hat, dann kann man die jährli-
che Umsatzsteuererklärung dazu nutzen, solche Fehler zu berichtigen und eventuell Geld
vom Finanzamt zurück zu bekommen.

Die pauschale Berechnung der Vorsteuer


Um die ganze Rechnerei doch ein wenig zu erleichtern, ist es bestimmten Berufsgruppen,
die noch dazu im vergangenen Kalenderjahr weniger als ungefähr 60.000 Euro* Umsatz
erwirtschaftet haben, erlaubt, die Vorsteuer nach Durchschnittssätzen zu berechnen.
Das heißt, man hantiert nicht lange mit den einzelnen Belegen herum, sondern kann ein-
fach einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes als Vorsteuer abziehen. Das gilt für
Bildhauer, Grafiker (nicht aber für Gebrauchsgrafiker), Kunstmaler, selbstständige Mitar-

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 III. Buchhaltung & Steuern: Ordentlich einfach

beiter bei Bühne, Film, Funk und Fernsehen. Außerdem für Journalisten (Wort und Bild)
und Schriftsteller. Welchen Prozentsatz die jeweilige Berufsgruppe als Vorsteuer berech-
nen darf, erfährt man mal wieder am besten beim Finanzamt oder im Internet auf aktu-
ellen Seiten. Die Berechnung nach Durchschnittssätzen empfiehlt sich dann, wenn man
keine hohen Investitionen tätigen muss – also nicht unbedingt am Anfang – und auch
sonst keine immensen Betriebsausgaben hat.
Wenn man die Vorsteuer pauschal berechnen will, muss man dies dem Finanzamt schrift-
lich mitteilen. Zwar kann man diesen Antrag jederzeit widerrufen, dann aber gilt der Wi-
derruf für die nächsten fünf Jahre.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

IV. Meins: Recht haben

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

IV. Meins: Recht haben

Wie schützt man »geistige Schöpfungen«? – 58

1. Das Urheberrecht – 58
Wie wird man Urheber? – 58
»Persönlich geistige Schöpfung« – 58
Was tun bei gemeinsamer geistiger Schöpfung? – 2
Das Ding beim Namen nennen – 59

2. Nutzungsrechte – 59
Grundsätzliches – 60
Nutzungsarten – 60
Nutzungsrechte – 61
Lizenzrecht – 61
Erste Hilfe bei Nutzungsrechtsverletzungen – 61
Zubrot – 62

3. Schutzrechte – 62
Noch mehr Schutz – 62
Das Geschmacksmuster – 63
Das Schriftzeichenrecht – 64
Das Patent – 64
Gebrauchsmuster – 65
Der Markenschutz – 65

4. Vertragsrechte:
Gewährleistung, Haftung und Kündigung – 66
Gewährleistung – 66
Haftung – 67
Kündigung – 67

5. Allgemeine Geschäftsbedingungen – 68
Eigene AGBs – 69

57
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Wie schützt man »geistige Schöpfungen«?

Als Künstler, Kulturschaffender oder Gestalter produziert man in den wenigsten Fällen
Dinge, die man dann verkauft, sondern meist produziert man »geistige Schöpfungen«,
»Werke« oder die Umsetzung von Ideen. Weil solche »Dinge« aber nicht nur durch den
Urheber reproduziert werden können, ist es entscheidend, wer das Recht auf die Nutzung
hat. In Deutschland wird diese Rechtsfrage durch das Urheberrecht geregelt und das be-
sagt, dass allein der Urheber bestimmt, wer das Werk nutzen darf. Der Urheber verkauft
also seine Werke nicht wie seine alten Möbel auf dem Flohmarkt, sondern er verkauft
nur Nutzungsrechte und kann dadurch langfristig an seinen Werken verdienen – wenn er
es geschickt anstellt und auch das Kleingedruckte im Vertrag liest. Im folgenden Kapitel
wird erklärt, wie man das Urheberrecht an seinen Werken behält und daran Geld verdient
und mit welchen Schutzrechten man sich den wirtschaftlichen Gewinn an den eigenen
Werken sichert, bevor es jemand anderes tut.

1. Das Urheberrecht

Wie wird man Urheber?


Urheber wird man nicht, Urheber ist man. Und zwar, sobald man etwas durch »persön-
lich geistige Schöpfung« geschaffen hat. Das Urheberrecht schützt das Ergebnis geisti-
ger Schöpfung allgemein, seine Verwendung, Vervielfältigung, aber auch die wirtschaft-
liche Verwertung. Der Urheberschutz gilt in Deutschland automatisch und erfordert
keine besondere Anmeldung. Hierzulande ist es auch nicht notwendig, einen Copy-
righthinweis unter die eigene Arbeit zu setzen. Wer aber seine Arbeiten international zeigt,
der kann das kleine c natürlich zur Abschreckung nutzen.
Man darf also kein Werk oder Abbildung eines Werkes benutzen, ohne den Urheber
um Erlaubnis gebeten zu haben. Verantwortlich dafür, dass dieses Recht eingehalten wird,
ist immer der Nutzer. Als Urheber braucht man sich also um nichts zu kümmern, man
muss nur darauf achten, dass man nicht unwissentlich und unabsichtlich die eigenen Ur-
heberrechte los wird.

»Persönlich geistige Schöpfung«


Als »persönlich geistige Schöpfung« gelten natürlich Werke der bildenden Kunst, genauso
wie Sprachwerke, Websites und Computerprogramme, Lichtbild- und Filmwerke,
aber auch technische Pläne bis hin zur Landkarte, Illustrationen, Werke der Musik, der
Tanz- und Baukunst. Entscheidend ist, dass Sachverhalte oder Erfundenes in eigene
Worte, Formen und Bilder gefasst wird. Leider sind bloße Ideen nicht geschützt, und
auch die Darstellungstechnik und der Tatsachengehalt der eigenen Arbeit ist nicht
geschützt, so dass die »persönlich geistige Schöpfung« inhaltlich und stilistisch von

58
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Dritten weiterentwickelt werden kann. Geschützt ist das Produkt schöpferischer


Tätigkeit in all seinen Einzelteilen – das kann der schriftlich gefasste Gedankengang oder
ein computergeneriertes Detail einer Animation sein. Es reicht die Namensnennung
im Abspann des Films, die Unterschrift auf dem Original oder das Kürzel unter der
Zeichnung, um rechtmäßiger Urheber zu sein.

Was tun bei gemeinsamer geistiger Schöpfung?


Wenn im Team zusammengearbeitet wird und mehrere Menschen an der Entwicklung
geistiger Schöpfung beteiligt sind, dann gelten alle Beteiligten als Urheber. In diesem
Fall ist es wichtig, wie in Kapitel 1, Together forever? Regeln der Zusammenarbeit be-
schrieben, in einem einfachen Gesellschaftsvertrag festzuhalten, wie der Arbeitsanteil
der Einzelnen sich in Prozentzahlen ausdrückt, um später Honorare und Gebühren ver-
teilen zu können. Übrigens ist man auch Urheber, wenn man als Angestellter Werke
schafft. Dann aber hat man meist im Arbeits- oder Tarifvertrag schon alle Nutzungsrech-
te an den Arbeitgeber abgetreten.

Das Ding beim Namen nennen


Das Urhebergesetz bestimmt, dass allein der Urheber sein Werk benennen und entschei-
den darf, ob sein eigener Name genannt wird. Dieses Recht sollte man aber auf jeden Fall
auch vertraglich festhalten.

2. Nutzungsrechte

Das Urheberrecht besagt also, dass erst einmal nur der Urheber bestimmen darf, wie ein
»Werk« – also sein Arbeitsergebnis – heißt, wie oft es vervielfältigt wird und wo es er-
scheint. Natürlich will auch der Auftraggeber diese Rechte haben, deswegen regeln Ver-
träge und Allgemeine Geschäftsbedingungen, welche Nutzungsrechte der Urheber an
den Auftraggeber verkauft. Der Legende nach wurde das Nike-Markenzeichen von einer
Praktikanten-Ameise geschaffen, die wahrscheinlich einen Praktikantenvertrag mit dem
Konzern hatte, der ihr sämtliche Nutzungsrechte am Logo absprach, obwohl sie die
Urheberrechte hatte. Der Legende nach ist sie arm geblieben. Hätte sie ein Arbeitneh-
merverhältnis gehabt, wäre sie durch den Arbeitnehmerschutz abgesichert gewesen und
sicherlich an dem unglaublichen Triumph des Markenzeichens reich geworden. Ebenso
reich, wenn nicht noch viel reicher, wäre sie als selbstbewusste freie Selbstständige gewor-
den, wenn sie mit dem Konzern einen Vertrag gehabt hätte, in dem sie sich die Honorie-
rung neuer Nutzungsarten gesichert hätte. Dann würde sie sogar am Nike-Tattoo noch
verdienen. Legendär arm wäre sie aber auch dann geblieben, wenn sie als freie Selbststän-
dige den Vertrag nicht richtig gelesen und sämtliche Nutzungsrechte auf einen Schlag
verkauft hätte.

59
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Ein Vertrag soll die Ansprüche beider Seiten definieren und die jeweilige Regelung
und Einigung festhalten (siehe auch Kapitel 2, der Urheberrechtsvertrag). Besonders
spannend werden Honorarvereinbarungen, wenn es um die »angemessene Vergütung«
geht. Das Urheberrecht enthält nämlich auch ein Recht auf »angemessene Vergütung«,
das sich einerseits an Tarifverträgen aber auch an Vergütungsregeln und abgelehnten
Schlichtungssprüchen orientiert, und das dem Urheber einen Anspruch auf gerichtliche
Kontrolle zuspricht, wenn sich erst nachträglich herausstellt, dass der Urheber unange-
messen an den Erlösen beteiligt wurde.

Grundsätzliches
Manchmal kennt sich auch der Auftraggeber nicht so recht mit dem Urhebergesetz aus
und glaubt, mit der Rechnung auch alle Ansprüche des Urhebers bezahlt zu haben. Un-
wissenheit kann in diesem Fall genauso zu Ärger führen wie unlautere Absichten, die man
aber erst einmal niemandem unterstellen sollte. Deswegen sollte man bereits im Ange-
bot und erst recht im Vertrag alle Nutzungsrechte aufzählen, die der Auftraggeber er-
wirbt und ebenfalls auf diejenigen hinweisen, die er nicht erwirbt.
Folgende Punkte sollten also zuerst im Gespräch geklärt und später im Angebot und im
Vertrag genau festgehalten werden:
Wofür darf der Auftraggeber das Arbeitsergebnis nutzen, welche Nutzungsarten werden
verkauft? (nur um ein Buch zu illustrieren oder auch für den Katalog im Internet?), wel-
che Nutzungsrechte bekommt er? (kann man das Ergebnis auch noch an andere potenti-
elle Kunden verkaufen?), in welchem Umfang darf er das Arbeitsergebnis verwenden und
mit welchem Exklusivitätsgrad? (darf der Auftraggeber das Ergebnis weltweit verkaufen
oder verkauft man es selbst noch einmal an einen Kunden in Übersee?)

Beispielsatz im Angebot:
»Eine Weiterverwendung im ... (z.B. Internet) ... ist nicht im Honorar
enthalten und muss gegebenenfalls gesondert vereinbart werden ...«

Nutzungsarten
Nutzungsart meint die Form, in der ein Werk an die Öffentlichkeit gelangt. Wenn zum
Beispiel ein Künstler ein Kunstwerk verkauft, so verkauft er lediglich das Eigentumsrecht
und das Ausstellungsrecht, aber nicht das Recht auf Abbildung. Abbildungen in Kata-
logen und Kunstbüchern sind eine andere Nutzungsart und die muss ausdrücklich im
Vertrag vereinbart sein. Oder wenn eine animierte Figur tausendfach als Gummipuppe
hergestellt werden soll, dann ist eine solche neue Nutzungsart vielleicht großartig und lu-
krativ, aber nur, wenn der Urheber mitentscheiden kann und auch noch daran verdient.
Über mögliche Nutzungsarten sollte man deswegen immer mit dem Kunden sprechen
und schriftlich im Angebot oder Vertrag darauf hinweisen, dass man als Urheber über
weitere Nutzungsarten informiert werden muss.

60
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Nutzungsrechte
Bei Nutzungsrechten geht es darum, ob man das eigene Arbeitsergebnis ausschließlich
einem Kunden verkauft oder ob man es mehreren anbietet und verkauft. Hier wird zwi-
schen einfachem und ausschließlichem Nutzungsrecht unterschieden – für das aus-
schließliche Nutzungsrecht gibt es natürlich ein höheres Honorar. Aber auch, wenn man
ausschließliche Nutzungsrechte verkauft, muss man darauf achten, diese zeitlich, räum-
lich oder sachlich einzuschränken. Es hängt natürlich stark von der verkauften Leistung
ab, welche Einschränkungen hier sinnvoll sind und auch darüber sollte man unter Ge-
schäftspartnern reden. Wenn es zum Beispiel um ein Kunstwerk geht, dann verkauft man
in der Regel das Ausstellungsrecht, während das Recht zur Vervielfältigung und zur
Verbreitung gesondert vereinbart wird. Wird dieses Werk dann für eine Ausstellung aus-
geliehen und im Katalog abgedruckt, so kann ein erneutes Honorar fällig werden, sobald
dieser Katalog über den Buchhandel vertrieben wird.

Lizenzrecht
Alle Rechte, die man nicht ausdrücklich dem Kunden einräumt, verbleiben grundsätz-
lich erst einmal, am besten mit einem schriftlichen Verweis auf das Urheberrecht,
beim Urheber. Wenn man dem Auftraggeber nun Nutzungsbefugnisse veräußert, so
kann das in Kauf- oder Werkverträgen geregelt sein, in den Allgemeinen Geschäftsbe-
dingungen erwähnt werden oder über einen gesonderten Lizenzvertrag erfolgen. Der
Verkauf von Nutzungsrechten ist Gegenstand des Lizenzrechts. Der Vertragstyp bestimmt
die wirtschaftlichen Konsequenzen (siehe auch Kapitel 2 »Verträge«) und welche Ge-
währleistungsregelungen (siehe auch Kapitel 4 »Haftung und Gewährleistung«) gelten.
Wenn allerdings schon ausschließliche Rechte verkauft wurden, etwa weil man sich den
Vertrag nicht genau durchgelesen hat oder es in den Allgemeinen Geschäftsbedingun-
gen des Auftraggebers vermerkt ist und man keine eigenen hat, dann hat man bereits die
Verfügung abgegeben und kann leider gar nichts mehr verkaufen und im dümmsten Fall
das Werk noch nicht einmal selbst auf der eigenen Website zeigen (siehe dazu Kapitel 4
»Allgemeine Geschäftsbedingungen«). Lizenzen werden als Einmallizenz-, Stücklizenz-
oder Umsatzlizenzgebühr vereinbart. Während für Umsatzlizenzen übliche prozentuale
Lizenzsätze existieren, sind die meisten Lizenzvereinbarungen Verhandlungssache und un-
terliegen den normalen Bedingungen von Angebot und Nachfrage. Erkundigungen dazu
holt man am besten im Kollegenkreis oder bei Fachverbänden ein.

Erste Hilfe bei Nutzungsrechtsverletzungen


Drei bis fünf Jahre Haft stehen bei unerlaubten Nutzungen urheberrechtlich geschützter
Werke an. Und die Anwaltsgebühren sowie Schadensersatzzahlungen muss natürlich der-
jenige zahlen, der das Urheberrecht verletzt. Da solche Maßnahmen natürlich Zeit kosten
und einen Haufen Unannehmlichkeiten mit sich bringen, lautet die erste Regel: erst mal
reden. Denn aufgrund der urheberfreundlichen Rechtslage kann man erst einmal über

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

erneute Honorarzahlungen für die bisher stattgefunden Nutzungen und über zukünf-
tige Nutzungen verhandeln. Und statt Ärger und einer Strafanzeige gibt es dann viel-
leicht endlich mal ein angemessenes Honorar.

Zubrot
Mit Werken, die durch Dritte genutzt werden können, indem sie abgebildet, aufgeführt,
abgespielt, kopiert oder sonst wie präsentiert werden, kann man als Urheber ohne jegli-
chen Aufwand Geld quasi umsonst verdienen. Wie in Kapitel 1 unter dem Punkt Ver-
wertungsgesellschaften beschrieben, gibt es in Deutschland neun Verwertungsgesellschaf-
ten, die von den Verwertern künstlerischer oder publizistischer Arbeit, also zum Beispiel
von Rundfunkanstalten und Verlagen, für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten
Werken Gebühren eintreiben. Man muss sich lediglich bei der zuständigen Verwertungs-
gesellschaft anmelden und schon kann man an den jährlichen Ausschüttungen teilhaben.

3. Schutzrechte

Noch mehr Schutz


Das Urheberrecht schützt geistiges Eigentum und Ergebnisse geistiger Schöpfung all-
gemein, ihre Verwendung, ihre Vervielfältigung und die wirtschaftliche Verwertung.
Um allerdings die Verwertbarkeit einer auf geistiger Grundlage basierenden Neuerung,
Entwicklung oder Erfindung wirtschaftlich zu sichern, bedarf es weiterer Schutzrechte.
Dabei geht es also nicht mehr primär um die Frage der Urheberschaft, sondern sehr kon-
kret um den wirtschaftlichen Nutzen »persönlich geistiger Schöpfung«. Sobald nämlich
das Werk eine Neuerung, Entwicklung oder Erfindung darstellt, wird der Urheber zum
Erfinder. Und die Schutzrechte geben ihm für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit, über
seine Erfindung allein zu verfügen und anderen die Verwendung zu untersagen.
Anders als beim Urheberrecht, das jedes geistige Eigentum automatisch schützt, müssen
die Werke persönlich geistiger Schöpfung für den Anspruch auf Verwertungsschutz
eine Neuerung darstellen. Sie müssen also nicht nur ein Ergebnis eines geistigen Pro-
zesses, sondern ergebnisorientiert etwas Neues und etwas Brauchbares sein. Juristen
erklären diesen Zusammenhang gerne am Beispiel eines Toasters. Wenn also ein Früh-
stücksfreak auf die Idee kommt, einen Toaster mit Lichtsensoren auszustatten, die den
Bräunegrad des Brotes messen und dieses Gerät nicht schon längst im Handel ist, dann
könnte er als Tüftler die neue Lichtsensorik im Toaster patentieren lassen. Wenn aller-
dings keine Materialien die Toasterhitze aushalten und das ganze nicht funktioniert, weil
die Materialforschung noch nicht so weit ist, dann gibt es dafür kein Patent.
Es gibt einen Strauß von Prüfungskriterien, ob der Verwertungsschutz eines Werkes
überhaupt zugelassen wird. Nicht jedes geistige Eigentum erhält also wirtschaftlichen
Verwertungsschutz, auch wenn es einen Anspruch auf Urheberschutz hat. Das deutsche

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Schutzrecht unterteilt sich in eine Vielzahl unterschiedlicher Einzelschutzrechte. Und


die Spanne reicht vom Schriftzeichenrecht bis hin zum Patent. Mit welchem Schutz man
welche Art von Werk am besten schützt und was ein solcher Schutz an Gebühren kostet,
das erfährt man auf der Internetseite des deutschen Marken- und Patentamtes1. Für jedes
gewährte und bezahlte Schutzrecht erhält man eine schicke Urkunde vom Deutschen
Marken- und Patentamt, die man für alle Fälle gut aufbewahren sollte. Im Folgenden sind
einige der wichtigsten Schutzrechte aufgelistet.

Das Geschmacksmuster
Ein Geschmacksmuster schützt die zwei- oder dreidimensionale Erscheinungsform ei-
nes Werkes oder eines seiner Elemente. Die Erscheinungsform kann durch Merkmale
der Linien und Konturen, der Farben, schlicht der Gestalt und Oberflächenstruktur
oder des Materials charakterisiert sein. Jeder industrielle oder handwerkliche Gegenstand,
einschließlich Verpackung, Ausstattung, grafischer Symbole und typografischer Schrift-
zeichen sowie Einzelteile, die zu einem komplexen Erzeugnis zusammengebaut werden,
können durch das Geschmacksmuster geschützt werden, wenn zum Zeitpunkt der An-
meldung ein Neuheitsgrad besteht und das Werk »Eigenart« aufweist. »Neu« meint beim
Geschmacksmuster, dass vor dem Anmeldetag kein identisches Muster angemeldet
wurde. Das heißt, die Gestaltung ist zu diesem Zeitpunkt den Fachkreisen in der EU
nicht bekannt. »Identisch« sind Werke, die sich in ihren Merkmalen nur unwesentlich
unterscheiden. »Eigenart« meint den Gesamteindruck, den das Muster beim Benut-
zer hervorruft und der sich von dem Gesamteindruck unterscheidet, den ein ande-
res Muster eines bereits angemeldeten Werkes bei diesem Benutzer hervorruft. Die
Eintragung in das Geschmacksmusterregister ist der Beginn des Geschmacksmuster-
schutzes, der maximal 25 Jahre ab dem Anmeldetag anhält. Allerdings muss der Schutz
alle fünf Jahre durch eine Gebühr erneuert werden.
Das Deutsche Marken- und Patentamt prüft die Anmeldung zum Geschmacksmuster auf
Sittenwidrigkeit, aber nicht auf »Neuheit« oder »Eigenart« und deswegen wird ein Ge-
brauchsmuster auch dann eingetragen, wenn nicht alle Kriterien erfüllt sind. Mehr De-
tails und das Anmeldeformular kann man sich ganz bequem auf der Internetseite des
Deutschen Marken- und Patentamtes2 besorgen. Die Anmeldegebühr für ein einzelnes
Geschmacksmuster beträgt mindestens 70 Euro, dazu können aber weitere Gebühren für
Auslagen und Druckkosten entstehen.

1
Zur weiteren Recherche auf der Internetseite des Deutschen Marken- und Patentamtes:
http://www.dpma.de
2
Zur weiteren Recherche auf der Internetseite des Deutschen Marken- und Patentamtes:
http://www.dpma.de

63
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Das Schriftzeichenrecht
Das Schriftzeichenrecht ist im Prinzip ein Geschmacksmusterrecht und schützt typo-
grafische Zeichen, also Buchstaben und Alphabete mit ihrem Zubehör (Akzente und
Satzzeichen, Ziffern und andere figürliche Zeichen, etwa Symbole und wissenschaftliche
Zeichen sowie Ornamente). Schutzgegenstand ist das Schriftbild als Gesamtheit und
Voraussetzung für den Schutz als »Schriftfamilie« oder »Satz von Schriftzeichen« ist, wie
unter dem Stichwort Geschmacksmuster beschrieben, die »Eigenart« und »Neuheit« des
Schriftbildes zum Zeitpunkt der Anmeldung.
Die Anmeldegebühr für eine Schriftfamilie beträgt 160 Euro, es können aber weitere Ge-
bühren für Auslagen und Druckkosten entstehen. Das Schriftzeichenrecht kann auf bis zu
25 Jahre verlängert werden.

Das Patent
Patente werden für neue technische Erfindungen vergeben, die einer ausreichenden er-
finderischen Leistung entsprechen und die gewerblich anwendbar sind. Was das deutsche
Marken- und Patentamt als »neu« definiert, muss man sich auf der diesbezüglichen In-
ternetseite ganz genau erklären lassen und gegebenenfalls einen juristisch versierten Be-
kannten hinzuziehen. Besonders bemerkenswert ist zum Beispiel die Regelung, dass man
seine Neuerung nicht öffentlich präsentiert haben darf, bevor man sie als Patent anmel-
den will, weil sonst die eigene Neuerung schon zum Stand der Technik gerechnet wird
und man sich selbst quasi auf dem Standstreifen überholt hat. Natürlich ist der Begriff
»öffentlich« dabei das Problem. Denn je nach Jurist ändert sich die Definition der Öf-
fentlichkeit. Theoretisch ist also die Präsentation vor den Kommilitonen schon öffentlich,
der Modellbau in der Werkstatt mit denselben Kommilitonen aber noch nicht. Wer da
ganz sicher gehen will, der ruft am besten beim Patentamt an. Die maximale Laufzeit des
Schutzrechts beträgt beim Patent 20 Jahre und es dauert in der Regel ein bis zwei Jahre,
bis das Schutzrecht durch das Prüfungs- und das Erteilungsverfahren gegangen ist und
schließlich erteilt wird.
Keine technischen Erfindungen sind laut Patentgesetz u.a. Entdeckungen, wissenschaft-
liche Theorien und mathematische Methoden, Spiele, betriebswirtschaftliche Regeln, die
Wiedergabe von Informationen oder »Programme für Datenverarbeitungsanlagen« und
alles, was gegen »die guten Sitten« verstoßen würde. Der Antrag für die Anmeldung zum
Patent kann beim deutschen Marken- und Patentamt angefordert oder direkt von der In-
ternetseite heruntergeladen werden. Grundsätzlich kann man ein Patent selbst, ohne die
Hilfe eines Juristen, anmelden, empfohlen wird aber – zumindest beim ersten Mal – juris-
tische Beratung, die das Patentamt übrigens auch anbietet. Ein Patent wird dadurch ange-
meldet, dass man die Unterlagen, in denen die Erfindung vollständig beschrieben ist, zu-
sammen mit einem Erteilungsantrag beim Patentamt einreicht und die Anmeldegebühr
in Höhe von 60 Euro einzahlt. Natürlich kommen dann noch weitere Kosten dazu, über
deren Höhe man sich auch beim Patentamt erkundigen und dabei gleich nach Unterstüt-
zung für Studenten oder Ähnlichem fragen kann.
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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Gebrauchsmuster
Kleinere Erfindungen, die gewerblich anwendbar sind, können als Patent oder auch als
Gebrauchsmuster geschützt werden, ohne dass man sich der professionellen Hilfe eines
Anwaltes bedient. Der Gebrauchsmusterschutz dauert drei Jahre und kann auf maximal
zehn Jahre verlängert werden. Das Gebrauchsmuster ist einfacher, schneller und kosten-
günstiger als ein Patent zu erlangen; es besteht jedoch auch eine größere Gefahr, dass es
angegriffen und gelöscht wird, weil zunächst keine Prüfung auf Neuheit vorgenommen
wird. Um Gebrauchsmusterschutz zu bekommen, ist ein Antrag auf Eintragung eines Ge-
brauchsmusters einzureichen, dessen Formular auf der Internetseite angeboten wird. Der
Antrag muss eine technische Beschreibung und entsprechende technische Zeichnungen
enthalten und die technische Neuerung oder Erfindung darstellen, sowie so genann-
te Schutzansprüche formulieren. Die Gebrauchsmusteranmeldung kostet erst einmal um
die 50 Euro3, aber wie immer kommen hier weitere Gebühren dazu, über die man sich
vorher schon mal telefonisch informieren sollte. Das Verfahren dauert durchschnittlich
drei bis vier Monate. Wer seine Erfindung schon einmal öffentlich präsentiert hat, der be-
kommt dafür leider kein Patent mehr. Aber ein Gebrauchsmuster kann er noch dafür be-
kommen, weil in diesem Verfahren eine sechsmonatige Neuheitsschonfrist gewährt wird.

Der Markenschutz
Mit einer Markenanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt können
Wort-, Bild-, dreidimensionale oder auch Hörmarken geschützt werden – also zum
Beispiel der Name eines Unternehmens, ein Logo oder eine Kombination aus beidem, ei-
ne Farbe, einzelne Buchstaben, Gerüche oder eben Töne und Tonfolgen, die geeignet
sind, ein Produkt von einem anderen zu unterscheiden. Der Markenschutz bietet erst ein-
mal – zehn Jahre ab dem Anmeldetag und dann immer um weitere zehn Jahre verlänger-
bar – einen effektiven Rechtsschutz gegen Missbrauch der eigenen Kennzeichnung.
Das Deutsche Marken- und Patentamt prüft die angemeldete Marke auf Schutzfähigkeit
und veröffentlicht die Eintragung im Markenblatt. Nach der Veröffentlichung können
Inhaber von älteren Markenrechten innerhalb einer dreimonatigen Frist Widerspruch ge-
gen die Eintragung der Marke erheben. Und auch Dritte können gegen die Eintragung
Widerspruch erheben, sogar einen Löschungsantrag stellen und mit Abmahnungen oder
Klagen vor einem Zivilgericht drohen. Deswegen sollte man also ordentlich in den Ar-
chiven des Deutschen Marken- und Patentamtes recherchieren und vielleicht auch mal
diverse Suchmaschinen im Internet befragen, ob es denn schon vergleichbare Wort- und
Bildmarken gibt. Eine Markenanmeldung kostet derzeit zwischen 300 und 400 Euro.
Weitere Kosten hängen von der Anzahl von Waren und Dienstleistungen ab, die dieser
Markenschutz umfasst. Die zehnjährige Verlängerung kostet ungefähr 750 Euro.

3
genaue Angaben können auf der Internetseite des deutschen Marken- und
Patentamtes nachgelesen werden.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

4. Vertragsrechte: Gewährleistung,
Haftung und Kündigung

Um alle Drohwörter auf einmal zu erwähnen und um zu erklären, was genau sie bedeu-
ten, welche zeitlichen und rechtlichen Verpflichtungen sie mit sich bringen, wird nach
Gewährleistung und Haftung hier auch noch die Kündigung aufgezählt. Alle drei Be-
griffe werden interessant, wenn ein Job angenommen wurde, wenn Verträge oder Abma-
chungen existieren und wenn das Verhältnis zum Auftraggeber nicht mehr entspannt ist.
Dass es während eines Auftrags oder bei Abnahme eines Werkes mal zu Unstimmigkeiten
kommt, ist an sich noch kein Drama, besonders, wenn man vorher im Angebot oder im
Vertrag diese Möglichkeit schon bedacht hat. Damit man als Auftragnehmer entspannt
bleiben kann, wird hier erklärt, welche Verpflichtungen man eingeht und was sie bedeu-
ten.

Gewährleistung
Eigentlich muss der Auftragnehmer das Werk nach bestem Wissen fehlerfrei liefern.
Wenn er aber ein paar Dinge übersehen hat, wenn etwa wichtige Logos auf der
Drucksache fehlen oder die abgelieferten Bilder des Fotografen nicht wie im Vertrag
oder im Angebot beschrieben digitalisiert geliefert werden, dann muss man noch mal
ran und nachbessern. Dagegen schützt auch keine vertragliche Klausel, die man sich
vielleicht vorher überlegt hat. Umgekehrt dürfen kleinere Mängel aber von Seiten des
Kunden nicht vorgeschoben werden, um die Bezahlung zu verweigern. Es muss also
nachgebessert werden und es muss auch bezahlt werden. Später auftretende Mängel
müssen ebenfalls nachgebessert werden und zwar zwei Jahre lang, es sei denn der
Auftraggeber liefert neu. Das Thema Gewährleistung lässt jeden Juristen in Monologe
ausbrechen, weil sich so viele Möglichkeiten ergeben können. Beruhigen kann man
sich als Auftragnehmer mit einer Berufshaftpflichtversicherung (Siehe auch Kapitel 6
»Die Berufshaftpflichtversicherung«). So eine Versicherung muss sich aber auch erst mal
lohnen und solange man sich noch fast nur mit Visitenkarten beschäftigt, braucht man
logischerweise noch keine. Um zu verdeutlichen, zu welchen Komplikationen es kommen
kann, braucht man sich nur einmal die übliche Kombination Auftraggeber, Grafiker und
Drucker vorstellen. Der Auftraggeber hat die Pflicht, alle Informationen und Materialien,
die der Grafiker braucht, zu liefern. Tut er das nicht und der Job wird nicht termingerecht
fertig, ist das der Fehler des Auftraggebers. Macht der Grafiker einen Fehler und der
Auftraggeber bemerkt den bei der Druckfreigabe nicht, dann müssen sich beide auf einen
Kompromiss einigen, wenn es darum geht, wer den neuen Druckvorgang bezahlt. Macht
der Grafiker einen Fehler, den der Auftraggeber nicht kontrollieren kann, weil er sich mit
der Materie Druck nicht auskennt, dann wäre der Grafiker mit einer Berufshaftpflichtver-
sicherung (siehe auch Kapitel 6 »Die Berufshaftpflichtversicherung«) ganz gut beraten.
Zumindest, wenn es sich um einen teuren Geschäftsbericht in hoher Auflage handelt.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Wenn der Drucker den Job vermasselt, dann muss der natürlich noch mal nachbessern,
bzw. neu drucken. Solche Fehler passieren häufig und meist kann man sich irgendwie
einigen. Je größer natürlich die Jobs werden, desto weniger sollten solche Fehler passieren
und desto eher muss man sich gegen solche Fehler versichern.

Haftung
Die gesetzliche Lage sieht vor, dass der Auftragnehmer für vorsätzlich und grob fahr-
lässig verursachte Schäden haftet. Bei leichter und mittlerer Fahrlässigkeit kann man die
Haftung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (siehe auch Kapitel 4 »Allgemeine
Geschäftsbedingungen«) ausschließen. Ohnehin gilt der Haftungsanspruch nur bei Werk-
verträgen, also bei Verträgen, die ein abgeschlossenes Werk, und nicht wie Dienstverträge
lediglich die erbrachte Arbeitsleistung zum Vertragsgegenstand haben. Manch findigem
Auftraggeber fällt dazu das Mittel der Garantieerklärung ein, also eine vertragliche Ver-
sicherung durch den Auftragnehmer, die jegliche Haftung auch bei kleineren Mängeln
durch leichte und mittlere Fahrlässigkeit dem Auftragnehmer zuschiebt. Solche Garantie-
erklärungen sollten aber auf keinen Fall unterschrieben werden und auch der Vertrag ge-
hört auf solcherlei Nebensatz genau geprüft, denn ansonsten kann der Auftraggeber ver-
langen, dass man die vollen Kosten übernimmt, wenn Drucksachen wegen eines Fehlers
erneut gedruckt werden müssen.
Um sich vor solchen Haftungsansprüchen zu schützen, muss man im Angebot oder dem
Vertrag darauf achten, dass alle Leistungen ohne Gewähr erbracht werden.

Kündigung
Ein Vertrag ist rechtlich bindend. Wer unterschreibt, ohne ihn zu lesen, dem kann man
nur wünschen, dass alles gut läuft. Am besten ist, man unterschreibt nicht sofort, sondern
nimmt den Vertrag erst einmal mit und erkundigt sich bei Unklarheiten im Bekannten-
kreis oder bei Berufsverbänden. Denn ein unterschriebener Vertrag muss erfüllt werden.
Fast immer.
Natürlich – das kennt man aus der Kindheit, als man versuchte, die Geschwister oder
ihr Spielzeug an Freunde zu verkaufen – können Vertragsklauseln auch dann rechtswid-
rig sein, wenn sie in beidseitigem Einverständnis unterzeichnet werden. Arbeitsverträge
sind rechtswidrig, wenn sie gegen geltende Gesetze verstoßen und zum Beispiel unange-
messene Vertragsstrafen festlegen, die vielleicht bereits durch Krankheit des Auftragneh-
mers fällig werden. Oder aber Verträge, die eigentlich Knebelverträge sind und Anspruch
oder Vorkaufsrecht auf alle zukünftigen Werke des Auftragnehmers geltend machen wol-
len. Und schließlich sind auch alle Vertragsklauseln nichtig, die versuchen, die Urheber-
rechte außer Kraft zu setzen. Das sind erst einmal die Umstände, unter denen man im
schlimmsten Fall aus einem vertraglich besiegelten Verhältnis aussteigen kann.
Aber Kündigung muss nicht erst durch Gesetzesbruch möglich sein, die Möglichkeiten
zur Aufkündigung eines Arbeitsverhältnisses können auch undramatisch in Verträgen
bereits festgelegt sein. Das kennt man am besten aus Mietverträgen.
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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

- Dienstverträge: befristete Dienstverträge sind Verträge, die entweder für ein bestimm-
tes Arbeitsvolumen (400 Stunden), einen bestimmten Zeitraum (bis zum 20. Mai) oder
für ein bestimmtes Projekt abgeschlossen werden. Solange der befristete Vertrag keinen
ausdrücklichen Hinweis auf Kündigung enthält, kann er nicht gekündigt werden. Der
unbefristete Dienstvertrag kann dagegen gekündigt werden. Und zwar abhängig von
der Zahlungsvereinbarung. Wer also nach Tagen bezahlt wird, kann zum Ende des folgen-
den Tages gekündigt werden. Bei einer Bezahlung nach Wochen kann der Vertrag zum
folgenden Wochenende gekündigt werden usw.
- Werkverträge: Werkverträge räumen dem Auftraggeber das Recht ein, bis zur Vollen-
dung des Werkes jederzeit den Vertrag zu kündigen. Aber: bezahlt werden muss trotz-
dem. Und zwar das volle Honorar, solange der Auftragnehmer in der für den Auftrag
veranschlagten Zeit nicht an anderen Jobs arbeitet, für die er Honorar erhält. Wenn er an-
derweitige Einnahmen in dieser Zeit hat, dann werden die vom ursprünglichen Auftrags-
honorar abgezogen. Schöner ist es natürlich, gerade wenn man den Kunden trotz nicht
zustande gekommenem Auftragsergebnis nicht verlieren will, eine Kulanzlösung. Und die
kann dann ja auch so aussehen, dass man sich die schon geleistete Arbeit bezahlen lässt.
- Kündigung durch den Auftragnehmer: Wenn man als Auftragnehmer den Vertrag
kündigen will, so muss man sich darauf einstellen, dass der Auftraggeber die Arbeit durch
jemand anderen fortführen lässt und man selbst die Kosten dafür übernehmen muss. Ver-
träge sollten also immer Kündigungsbedingungen und -fristen erwähnen und zwar so-
wohl in Verträgen, deren Gegenstand die Herstellung eines Werkes ist, als auch wenn es
an die Vergabe von Nutzungsrechten, also von Lizenzen, geht. Wenn nämlich ein Ent-
wurf oder ein Werk nur beim Auftraggeber in der Schublade für kreative Ideen landet,
dann sollte man sich vorher vertraglich ausbedungen haben, dass der Auftraggeber auch
eine marktgerechte Verwertung sicherstellen muss und man ansonsten sich auf die Su-
che nach einem anderen »Verwerter« machen kann. Bevor man sich allerdings an die
Kündigung eines Vertrages macht, sollte man vorher noch einmal ein Beratungsgespräch
mit einem Profi führen, den man am sichersten über die Informationsstellen von Berufs-
verbänden findet.

5. Allgemeine Geschäftsbedingungen

Zugegeben – die Kunst-, Medien- und Kulturlandschaft ist eine vertragsarme Branche.
Oft werden dann doch Abmachungen nicht schriftlich festgehalten. Oder der Auftrag-
nehmer lässt aus seinem Angebot erstmal sämtliche Hinweise auf Einschränkungen in der
Lizenzvergabe, der Haftung und in Sachen Kündigung weg, damit das keinen negativen
Eindruck macht und er auf jeden Fall den Auftrag bekommt. In Zusammenarbeit
mit größeren Firmen verweisen die gerne nachträglich oder schon im Vorfeld auf ihre

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 IV. Meins: Recht haben

Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs), die der Auftragnehmer akzeptiert,


sobald er das Honorar annimmt. In solchen AGBs können auch Ansprüche definiert
sein, die man auf keinen Fall akzeptieren sollte. Etwa Verlage, die ausschließliche Rechte
ohne zeitliche, räumliche oder sachliche Einschränkung beanspruchen, Käufer, die sich
den Weiterverkauf ohne Gewinnbeteiligung des Urhebers sichern möchten oder eben
Auftraggeber, die dem Auftragnehmer jegliche Haftung zuschieben wollen. Aber: AGBs
gelten nur dann, wenn der Vertragspartner sie zur Kenntnis nehmen konnte und
ihnen nicht widersprochen hat. Also entweder, man teilt dem Auftraggeber schriftlich
mit, in welchen Punkten man seinen AGBs widerspricht und zwar in höflicher Form und
bespricht anschließend diese Punkte noch einmal persönlich. Oder aber, man formuliert
eigene AGBs, die man natürlich auch dem Angebot beilegt, damit der Auftraggeber sie
auf jeden Fall zur Kenntnis nehmen kann. Dann stehen also die AGBs des einen gegen
die AGBs des anderen und wenn es dann zu Problemen kommen sollte, entscheidet das
meist urheberfreundliche Bürgerliche Gesetzbuch (BGb).

Eigene AGBs
Eigene AGBs müssen keine juristischen Handbücher sein. Es reicht, wenn sie alle bis jetzt
beschriebenen Punkte aufzählen. Also: die Verweise auf das Urheberrecht, die Nut-
zungsarten und Beschränkung der Nutzungsrechte, das Recht auf Namensnennung
des Urhebers und die Informationspflicht bei neuen Nutzungsarten, sowie die Leis-
tungserbringung ohne Gewähr und die Gewährleistung. Eigentlich reicht es aus, die
Formulierung dieser Ansprüche als Signatur an jede Mail anzuhängen, um die eigenen
AGBs zur Vertragsgrundlage zu machen. Wer aber umfangreiche AGBs formulieren will,
der recherchiert am besten mal im Internet, denn dort gibt es Beispiele zum runterladen.
Bei Berufsverbänden kann man sich dazu ebenfalls erkundigen und wem es ganz ernst ist,
der lässt sich erst einmal von einem Anwalt beraten.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

V. Akquise: Gezielt arbeiten

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

V. Akquise: Gezielt arbeiten

1. Dienstleistungs-/Produkt-Angebot
(Positionierung, USP) – 72

2. Zielgruppe
(Bestimmung) – 73

3. Kunden suchen und finden


(Recherche, Analyse) – 74

4. Kalt-Akquise
(Erstansprache ohne Anfrage/konkreten Bedarf) – 74

5. Akquise-Maßnahmen
(Brief, E-Mail, Telefonat, Erstgespräch) – 75

6. Briefing
(Auftrag, Konditionen, Abwicklung) – 76

7. Pressearbeit
(PR, Öffentlichkeitsarbeit) – 77

8. Podium
(Ausstellungen, Events, Vorträge, Wettbewerbe) – 78

9. Netzwerke und Verbände


(Mitgliedschaften) – 79

10. Selbstdarstellung
(Image-, Angebotsbroschüre, Portfolio) – 80

Joachim Kobuss – 81

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

1. Dienstleistungs-/Produkt-Angebot
(Positionierung, USP)

Was ist Ihre Idee? Was ist innovativ an Ihrer Idee? Wie bekannt ist Ihr Produkt/Ih-
re Dienstleistung? Welchen Nutzen hat Ihr Angebot? Welchen Service bieten Sie? Wie
unterscheiden Sie sich von Ihren Wettbewerbern? Warum sollte man Ihr Produkt/Ihre
Dienstleistung kaufen? Die Beantwortung dieser Fragen ist Voraussetzung für Ihre Positi-
onierung am Markt.
Ziel Ihrer Positionierung sollte – im Idealfall – die Herausstellung Ihres unverwechselba-
ren Nutzen-Angebotes sein. Im Fachjargon wird dies als »unique selling proposition«
(USP) bezeichnet. Das hat einen höheren Stellenwert – um den Unterschied zu verdeutli-
chen – als ein unverwechselbares Angebot, als »unique proposition« (UP). Denn das un-
verwechselbare Angebot unterscheidet sich zwar von anderen Angeboten, aber es macht
den Auftraggeber-/Kunden-Nutzen nicht deutlich.
Bei der Definition Ihres Produkt-/Dienstleistungs-Angebotes, also Ihrer Ideen und Leis-
tungen ist neben der Art und dem Inhalt (Produkt/Kommunikation) die Form relevant.
Verstehen Sie sich als Dienstleister? Sehen Sie sich als Berater und Gestalter? Fühlen und
zeigen Sie sich als Unternehmer? Spätestens bei der Frage nach der Innovation Ihrer Idee
wird die Wichtigkeit der Form deutlich. Ausgehend davon, dass eine Design-Dienstleis-
tung von vielen Designern angeboten wird, ist diese an sich nicht innovativ – da in gro-
ßen Mengen (als Überangebot) vorhanden. Das Ergebnis Ihrer Design-Leistung kann
durchaus innovativ sein, damit ist es Ihre Leistung an sich noch nicht. Zumindest so
lange, wie Sie sich auf die Form des Gestalters beschränken. Erst, wenn Sie darüber hi-
nausgehen, wenn Sie Ihre methodische Kompetenz herausstellen und anwenden, und
wenn Sie Ihren Status als Unternehmer kommunizieren und ausfüllen, dann können Sie
das Innovative Ihres Angebotes überzeugend vermitteln.
Damit haben Sie die Voraussetzungen für ein unverwechselbares Angebot (UP) erfüllt.
Der damit verbundene Nutzen für Ihren Kunden/Auftraggeber ist ebenso wichtig, damit
Sie Ihr unverwechselbares Nutzen-Angebot (USP) herausstellen können.
Hier geht es nicht primär um den Nutzen des Designs, sondern um den Nutzen der
Design-Dienstleistung. Diese feine Differenzierung macht den Unterschied in der
innovativen Positionierung aus.
Über die Frage des Nutzens von Design, was gutes und erfolgreiches Design ist und wer
wie dahin gelangt, kommt man zum Nutzen des Designers und der Design-Dienstleis-
tung. Die Design-Dienstleistung ist Voraussetzung, Prozess und Realisierung zur Schaf-
fung von gutem und erfolgreichem Design. Der Designer dient, um zu verdienen und der
Auftraggeber/Kunde lässt dienen, um ebenfalls zu verdienen.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

2. Zielgruppe
(Bestimmung)

Welchen Auftraggeber/Kunden sprechen Sie an? Welche Bedürfnisse und Wünsche ha-
ben Ihre Auftraggeber/Kunden? Wie groß ist das Marktvolumen Ihrer Zielgruppe? Haben
Sie bereits Kontakte zu Auftraggebern/Kunden? Die Bestimmung Ihrer Zielgruppe ist ein
wesentlicher Faktor Ihrer unternehmerischen Tätigkeit. Die Kenntnisse über Ihre po-
tenziellen Auftraggeber/Kunden sind Voraussetzung für eine effektive und erfolgreiche
Umsetzung Ihrer Ideen.
Je nach Design-Disziplin sind möglicherweise alle potenziellen Auftraggeber/Kunden als
Zielgruppe denkbar. Um eine effiziente und effektive Akquisition der ausgewählten
Zielgruppe möglich zu machen, ist jedoch eine eng gefasste Festlegung erforderlich. Nur
so können Sie sich auf die jeweiligen Bedürfnisse und Wünsche Ihrer potenziellen Auf-
traggeber/Kunden einrichten. Sie erreichen nicht jeden mit den gleichen Maßnahmen.
Vielmehr müssen den Zielgruppen entsprechende Aktivitäten angepasst werden.
Wenn die Zielgruppe zu weit gefasst wird, sind ebenso vielfältige Maßnahmen zu entwi-
ckeln und umzusetzen. Dies ist selten mit den verfügbaren Kapazitäten und Finanzmit-
teln vereinbar. Das Risiko, sich hier zu verzetteln und der Außenwelt mit seinem Dienst-
leistungs-/Produkt-Angebot keine klare Botschaft zu vermitteln, ist sehr hoch.
Sehr oft wird die Zielgruppe zu weit gefasst oder überhaupt nicht bestimmt. Dahinter
steckt der Gedanke, sich nicht festlegen und einschränken zu wollen. Insbesondere in der
Gründungsphase glaubt man, möglichst jeden Auftraggeber/Kunden bedienen zu müs-
sen. Unabhängig davon, ob dies sinnvoll und notwendig ist, schließt die Festlegung der
Zielgruppe nicht per se aus, jemanden zu bedienen/beliefern, der nicht in diese Zielgrup-
pe gehört.
Die unbestimmte Zielgruppe resultiert aus der passiven Erwartung, dass Auftraggeber/
Kunden von selbst kommen. Die enge Festlegung auf eine Zielgruppe hingegen entsteht
aus der aktiven Vorgehensweise, Auftraggeber/Kunden gezielt anzusprechen. Hier
liegt der entscheidende Unterschied.
Der Nutzen Ihrer Dienstleistung/Ihres Produktes wird bei nicht festgelegter Zielgruppe
unklar. Das ohnehin schon diffuse Image des Designs wird hierdurch noch zusätzlich be-
lastet. Es besteht eine direkte Wechselwirkung zwischen dem Dienstleistungs-/Produkt-
Nutzen und der Zielgruppe.
Die Definition der Zielgruppe dient auch dazu, den Wunsch-Auftraggeber/-Kunden zu
bestimmen. Dies ist die Voraussetzung, sich bewusst für oder gegen einen potenziellen
Auftraggeber/Kunden zu entscheiden. Erst dann hat man die Wahlmöglichkeit.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

3. Kunden suchen und finden


(Recherche, Analyse)

Wie suchen Sie Kunden, wie finden geeignete Ansprechpartner? Welche Quellen sind
sinnvoll und effektiv? Wie gelangen Sie an die relevanten Daten und Fakten? Die Kun-
densuche scheint zunächst schwierig zu sein, ist jedoch bei systematischer Vorgehenswei-
se einfacher als gedacht. Auch das Finden von Hintergrundinformationen zum Kunden
und zur Marktsituation erscheint kompliziert, wenn nicht sogar unmöglich. Jedoch las-
sen auch spärliche Daten bei gezielter Suche und im Vergleich zu anderen brauchbare und
hilfreiche Rückschlüsse zu.
In der Gründungsphase, wenn noch keine Branchenerfahrungen vorhanden sind, sollten
Sie sich zunächst auf regionale Gegebenheiten konzentrieren und lokale Medien (Tages-
zeitungen, IHK-Publikationen, Branchenbücher wie Gelbe Seiten, Medienhandbücher)
studieren und das äußere Erscheinungsbild der präsenten Unternehmen und/oder Insti-
tutionen beobachten. Der Abruf von Adressen bei Handels-, Handwerks- und/oder Frei-
beruflerkammern und die Anfrage bei Verbänden, Vereinen und Netzwerken können bei
Ihrer Vorbereitung hilfreich sein. Insbesondere das Aktivieren persönlicher Kontakte,
der Besuch von Messen und Veranstaltungen und das Nutzen von Begegnungen sind
gute Möglichkeiten um weiterzukommen.
Bei allen Recherchen und Kontaktaufnahmen ist es wichtig, von Beginn an eine Daten-
bank einzurichten, in der alle relevanten Informationen und Aktivitäten gespeichert wer-
den, um in der Folge eine optimale Pflege der Kundenkontakte zu gewährleisten. Es ist
sehr zu empfehlen, mit der Einrichtung einer Datenbank zu beginnen, bevor Sie auf die
Suche gehen. Damit gestaltet sich nicht nur das Sammeln Ihrer Daten leichter, sondern
auch die Analyse effizient und effektiv.
Neben den Adress- und Namensdaten sind Hintergrundinformationen, wie z.B. Umsatz-
größen und Etatvolumen für Sie interessant. Da diese (bei kleinen Unternehmen/Institu-
tionen) selten veröffentlicht und Design-Investitionen (auch bei größeren Unternehmen/
Institutionen) kaum kommuniziert werden, müssen Sie sich überwiegend auf Vergleiche
und Interpretationen verlassen. Das muss jedoch kein Hindernis sein, die für Sie interes-
santen Daten zu ermitteln. Mit etwas Übung und regelmäßiger Erfassung und Auswer-
tung erreichen Sie mit der Zeit brauchbare Ansätze für Ihre Akquise-Aktivitäten.

4. Kalt-Akquise (Erstansprache ohne


Anfrage/konkreten Bedarf)

Wie überwinden Sie Ihre eigenen Vorurteile und Bedenken? Wie können Sie die erste
scheinbare Hürde der Akquisition erfolgreich nehmen? Wie schaffen Sie es, genauso si-

74
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

cher in Ihrer Akquisition zu werden, wie Sie es in Ihrer Kreativität bereits sind?
Die Kundenwerbung – also das Verkaufen der eigenen Dienstleistung oder des eigenen
Produktes – stellt für viele Designer ein Problem dar, weil ihre Kernkompetenz eben nicht
im betriebswirtschaftlichen Handeln liegt. Die Folge ist, dass sich das Klischee des »Klin-
kenputzens« hartnäckig hält, begründet im schlechten Image des Verkäufers oder des Ver-
treters.
Diese Sichtweise verhindert, dass Verkaufen als zielgerichtete Information, Motivation
und Identifikation zwischen Ihnen und Ihren Kunden angesehen wird. Das Verkaufen ist
die grundlegende Voraussetzung für Ihre nachhaltig erfolgreichen Unternehmungen, ob
freiberuflich oder gewerblich.
Unabdingbar für das erfolgreiche Verkaufen Ihrer/Ihres eigenen Dienstleistung/Pro-
duktes ist Ihr hoher Qualifizierungsgrad und die daraus resultierende Überzeugung,
dass Sie kompetent und gut sind in dem, was Sie anbieten. Daher steht zu Beginn ei-
ne Stärken-/Schwächen-Analyse an und die darauf aufbauende Konzentration auf Ihre ei-
genen Stärken, die weiter ausgebaut werden sollten und denen Sie sich stets bewusst sein
müssen.
Neben Ihren fachlichen Fähigkeiten als Designer sind auch analytische und soziale Anla-
gen wichtig, um auf den Kunden eingehen zu können und Aufgabenstellungen logisch zu
bewältigen. Das Verständnis für die marktwirtschaftliche Situation des Kunden hilft Ih-
nen weiter, die Voraussetzungen für eine professionelle Gestaltung gemeinsam mit Ihrem
Auftraggeber/Kunden zu entwickeln.
Betrachten Sie die Akquisition und das Verkaufen Ihrer Person und Dienstleistung/Ihres
Produktes immer als »Chefsache« und lassen Sie sich diese nicht aus der Hand nehmen.
Das schließt das Delegieren einzelner Maßnahmen nicht aus, sollte jedoch immer unter
Ihrer Kontrolle stattfinden. Denken Sie daran, dass Sie der beste Verkäufer in eigener Sa-
che sind, da niemand überzeugender und authentischer sein kann als Sie selbst.

5. Akquise-Maßnahmen (Brief, E-Mail,


Telefonat, Erstgespräch)

Wie verfassen Sie einen persönlichen und erfolgreichen Akquisitionsbrief/eine E-Mail?


Wie führen Sie Telefongespräche zur Vor- und Nachbereitung? Zum potenziellen Kun-
den gelangen Sie über den Akquisitionsbrief/die E-Mail, das Telefonat und das persönli-
che Gespräch.
Ihren Brief/Ihre E-Mail sollten Sie immer direkt an eine Person richten, mit individueller
Ansprache und unter Berücksichtigung der Empfängerinteressen. Das heißt: beginnen Sie
niemals mit Ihrem eigenen Interesse und Anliegen. Wählen Sie immer einen persönlichen
Anlass/ein für den Empfänger relevantes Thema als »Betreff« und greifen Sie dieses nach
der namentlichen Anrede in den ersten Absätzen auf. Erst danach kommen Sie auf Ihre

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

Person und Ihr Interesse zu sprechen. Verbinden Sie dies dann mit Ihrer Ankündigung,
kurzfristig anzurufen, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren.
Damit die Wirkung Ihres Akquisitionsbriefes verstärkt wird, empfiehlt es sich, eine
Selbstdarstellung oder kleine Arbeitsproben hinzuzufügen und – falls vorhanden – auf Ih-
re Internetpräsentationen hinzuweisen.
Ihr angekündigter Anruf sollte im erwähnten Zeitraum erfolgen und gut vorbereitet sein
(indem alle recherchierten Informationen über den Gesprächspartner vorliegen). Sind Sie
entspannt und unaufdringlich, aber zielstrebig. Wenn möglich, schließen Sie das Telefon-
gespräch mit einer konkreten Terminvereinbarung zum persönlichen Gespräch ab. Falls
letzteres nicht möglich ist, kündigen Sie einen weiteren Anruf zu einem anderen Zeit-
punkt an.
Wenn der Gesprächstermin zustande kommt, ist eine gute Vorbereitung wichtig, denn
Ihr erster Eindruck ist entscheidend für Ihren Erfolg. Je mehr Informationen über den
Gesprächspartner vorhanden sind, desto überzeugender können Sie auf die individuellen
Bedürfnisse eingehen. Ebenso qualifiziert es Sie, Ihr eigenes Interesse an einer Zusammen-
arbeit zu betonen, sprich: warum Sie für ihn unabhängig vom finanziellen Gewinn arbei-
ten möchten.
Referenzen und Arbeitsproben mit Bezug zum Gesprächspartner sind hilfreich. Wenn Ihr
eigenes Know-how sowie die Vorteile und der Nutzen Ihres Angebotes im Mittelpunkt
stehen, ist der zukünftige Kunde besser zu überzeugen. Auf Fragen nach Konditionen of-
fensiv einzugehen, zeigt Ihre wirtschaftliche Kompetenz. Die Unterschiede zwischen Be-
ratungs-, Entwurfs-, Nutzungs- und Ausführungs-Honorar zu erläutern, beweist, dass Sie
professionell arbeiten.

6. Briefing
(Auftrag, Konditionen, Abwicklung)

Wie kommen Sie zu einem professionellen Briefing? Was tun Sie, wenn ein (professionel-
les) Briefing nicht vorhanden ist? Was sollten Sie bei der Beauftragung berücksichtigen?
Nach der erfolgreichen Akquisition Ihres Neukunden und des ersten Auftrages ist Ihr
Briefinggespräch – zwecks reibungsloser Abwicklung – eine wichtige Voraussetzung. Grö-
ßere Unternehmen haben meist ein Konzept- und Strategiepapier vorbereitet, bei kleine-
ren mangelt es nicht selten daran.
In einem solchen Fall ist das Verständnis und das Wissen um Marketingkonzepte, -strate-
gien und -Mix sehr hilfreich und nicht selten unabdingbar.
Ihre Marketing-Kenntnisse erleichtern es Ihnen, die Denk- und Arbeitsweise Ihrer Auf-
traggeber/Kunden nachzuvollziehen (und Sie profitieren in eigener Sache). Lücken oder
gar fehlerhafte Ansätze können Sie dann relativ schnell aufspüren und lösen, oder nicht
vorhandene Briefings gemeinsam mit Ihrem Auftraggeber/Kunden erarbeiten.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

Auf jeden Fall müssen Sie eine klare und verständliche Zielformulierung finden.
Auch die Präsentation Ihrer Konzept-/Strategie- und Gestaltungsvorschläge sollten Sie gut
vorbereiten, mit professioneller Technik arbeiten und ggf. auch durch Handouts ergän-
zen. Sie müssen mit Ihrer Präsentation Verständnis und Begeisterung beim Kunden auslö-
sen. Inhaltlich klar strukturiert und schlüssig argumentiert finden Ihre vorgestellten Ideen
(schneller) Akzeptanz.
Ein Auftrag muss den Umfang der Leistungen, den Termin und die Vergütung beinhal-
ten. Das kann durch den Kunden auch mündlich formuliert werden, Sie sollten dies auf
jeden Fall aber schriftlich bestätigen: kurz und knapp, mit der Beschreibung, wer was für
wen bis wann zu welchem Preis macht und wann/wie Ihr Auftraggeber/Kunde Ihr Hono-
rar an Sie zu zahlen hat.
Es empfiehlt sich, die »Allgemeinen Geschäftsbedingungen« anzufügen, wie unter Kauf-
leuten üblich und akzeptiert. Besser ist es, wenn Sie auf diese bereits im Briefinggespräch
hinweisen und Ihrem schriftlichen Angebot beilegen (Siehe auch Kapitel 4, Eigene AGBs)
Eine Regel sollten Sie immer beachten: erst der Auftrag, dann Ihre Leistung. Erbringen
Sie niemals Leistungen ohne einen verbindlichen und klaren Auftrag. Vorleistungen
sollten Sie ausschließlich Ihrer Eigenwerbung und Akquisition vorbehalten und damit
nicht den beauftragen Leistungen vorgreifen.

7. Pressearbeit
(PR, Öffentlichkeitsarbeit)

Welche Bedeutung hat die PR für Sie? Wie wenden Sie dieses Instrument am effektivsten
an? (Instrumente der Pressearbeit: Pressemitteilungen, Pressekonferenzen, Prospekte und
Material für die Medien, Informationen für Journalisten über das Internet, persönlicher
Dialog.)
Als Bestandteil der Kommunikationspolitik gewinnt die Öffentlichkeitsarbeit (Public Re-
lations/PR) zunehmend an Bedeutung. Die Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit besteht
darin, über sich und sein Unternehmen zu informieren und auf diese Weise Vertrauens-
grundlagen aufzubauen. Die Kernaufgabe von Public Relations ist Ihre Profilierung.
Der spezifische Marketingansatz der Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, dass sich Auf-
traggeber/Kunden und Interessenten nicht allein auf profilierte Dienstleistungen/Produk-
te (Marken) verlassen, sondern ihre Kaufentscheidungen auch von Ihrem Ruf und Ihrer
Kompetenz abhängig machen. Public Relations erfüllen insoweit eine wichtige komple-
mentäre Aufgabe zu Ihrer Dienstleistungs-/Produkt-orientierten Werbung und Verkaufs-
förderung. Hauptansatz ist ein möglichst offener Dialog, der auch einer gewachsenen ge-
sellschaftlichen Verantwortung entspricht.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

Ziel der Public Relations ist es u.a., Vertrauen bei Ihrem Auftraggeber/Kunden
aufzubauen, zu erhalten bzw. zu vergrößern. Darüber hinaus soll die allgemeine
Öffentlichkeit über Sie an sich informiert und dadurch ein positives Image geschaffen
bzw. erhalten werden.

Zielgruppen der PR sind interne und externe Gruppen, u.a. Mitarbeiter und
Miteigentümer, Fremdkapitalgeber und Lieferanten, Netzwerke und Konkurrenten,
Auftraggeber und Kunden, Journalisten und Medien.
Zur Realisierung der genannten Ziele bedienen Sie sich vor allem der Instrumente der
Pressearbeit. Zu ihnen zählen im Wesentlichen Pressemitteilungen, Pressekonferenzen
(bei größeren Büros) und die Erstellung von Prospekten und Material für die Medien.
Hierzu gehört auch die Bereitstellung von Informationen für Journalisten über das Inter-
net. Auch der persönliche Dialog gehört zur Öffentlichkeitsarbeit.
Erreichen werden Sie mehr durch die Pflege persönlicher Beziehungen zu Meinungsfüh-
rern, Journalisten und Vertretern von Institutionen und Ihr Engagement in Verbänden,
eventuell auch in politischen/sozialen Gruppierungen.
Auch wenn die Public Relations nicht zu Ihren Kernkompetenzen zählen, sollten Sie sie
so gut es geht selbst durchführen. Falls Sie über ausreichende Mittel verfügen, ist es besser,
einen PR-Berater zu beauftragen.

8. Podium (Ausstellungen, Events,


Vorträge, Wettbewerbe)

Wie verschaffen Sie sich ein Podium zur Förderung des eigenen Images? Welche Möglich-
keiten bieten sich Ihnen an? Wie nutzen Sie diese?
Ähnlich wie bei den Public Relations geht es hier um Ihre Präsentation in der Öffentlich-
keit – jedoch durch gezielte Einzelmaßnahmen, in die Sie persönlich involviert sind.
Welche der in Frage kommenden Formen Sie nutzen, ist abhängig von Ihrem Angebot
(Ihrer Positionierung) und Ihren persönlichen Voraussetzungen. Da Podien durch größe-
re Teilnehmerzahlen geprägt sind, erfordert Ihr »Auftritt« zunächst etwas Mut und Selbst-
vertrauen, dann Praxis – also selbst erarbeitete Professionalität.
Ausstellungen über Ihre Arbeit bieten Ihnen Gelegenheit, Ihre Ergebnisse vorzustellen so-
wie die damit verbundenen Prozesse und das Management (die Abwicklung) darzustellen.
Hier können Sie ein interessiertes Publikum direkt und durch Ihren eigenen Einsatz auch
persönlich ansprechen. Feedbacks geben Ihnen wertvolle Hinweise auf Bewertung und
Verständnis. Diese bieten sich wiederum für die Entwicklung Ihres Selbstbildes an und
geben Ihnen Anregung für Ihre weitere Professionalisierung.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

Events welcher Art auch immer – Hauptsache, Sie treffen dort Ihre ausgewählte Zielgrup-
pe bzw. wichtige Vermittler – sollten Sie regelmäßig besuchen. Anlässe und Angebote gibt
es viele, daher gehen Sie zielgerichtet vor und prüfen Sie die Bedeutung der Events.

Oft lässt sich das im Vorfeld nicht bestimmen, also probieren Sie es aus und lassen Sie sich
von Ihrem Gefühl leiten.
Vorträge sind ausgezeichnete Anlässe, mit denen Sie sich nicht nur selbst präsentieren,
sondern auch Ihre Ideen und Meinungen zur Diskussion stellen können. Damit bieten
Sie auch die Möglichkeit, Ihr Angebot ins Gespräch zu bringen, ohne dass eine vorder-
gründige Verkaufsabsicht damit verbunden ist. Das reduziert Ihren (eventuellen) inneren
(Verkaufs-)Druck und kann sehr authentisch (positiv) wirken.
Wettbewerbe und Designpreise sind weitere Mittel zur Förderung Ihrer Öffentlichkeit.
Hier ist das Image der Auszeichnungen wichtig und auch die regionale/internationale
Ausrichtung, abhängig von der dahinter stehenden Institution und der Öffentlichkeit des
Wettbewerbs. Aber auch die Bedingungen, die angesprochene Zielgruppe und Ihr Stellen-
wert im Rahmen der Präsentation sind für Sie relevant.

9. Netzwerke und Verbände


(Mitgliedschaften)

Welche Netzwerke sind für Sie interessant? Welche Verbände helfen Ihnen bei der Umset-
zung Ihrer unternehmerischen Ziele? Was nützen Ihnen Mitgliedschaften?
Networking nutzt die Vorteile einer Gemeinschaft, ohne dabei die eigene Selbstständig-
keit zu teilen oder aufzugeben. Netzwerke sind notwendig, weil sich die allgemeinen Rah-
menbedingungen verändern, die Zahl der selbstständigen Designer immer größer wird,
die Komplexität der Design-Aufträge zunimmt und die Anforderungen an Sie als Desi-
gner damit steigen. So entstehen immer mehr Netzwerke mit dem Ziel, den Kunden
mehr Kompetenz anzubieten, Kosten zu sparen oder sich auszutauschen und einer
Vereinsamung als Einzelunternehmer vorzubeugen.
Das Engagement und die Mitgliedschaft in Netzwerken/Verbänden – sofern sich diese am
Markt ausrichten – sind nützliche Mittel für Ihre Eigenwerbung. Insbesondere regional
organisierte Networks sind geeignet, Verbindungen zu potenziellen Auftraggebern/Kun-
den herzustellen. Neben der Vermittlung von Kontakten spielen hier auch der Nutzen aus
der Standortentwicklung und die Kooperation mit anderen Designern eine wichtige Rol-
le. Darüber hinaus sind auch die Berufsverbände interessant, wie z.B. die AGD – Allianz
deutscher Designer (www.agd.de) – oder der BDG – Bund Deutscher Grafik-Designer
(www.bdg-designer.de) –, der VDID – Verband Deutscher Industrie-Designer
(www.vdid.de) – sowie der VDMD – Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer
(www.fashiondesign.de). Diese konzentrieren sich auf die Interessensvertretung

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

aller Designer und bieten Unterstützung in Rechts-, Steuer-, Vergütungs- und


Berufswirtschaftsfragen.
Im Gegensatz dazu sind die deutschen Designzentren eher auf Unternehmen ausgerichtet,
die Design nutzen. Das heißt, dass die institutionelle Förderung überwiegend auf Design
ausgerichtet ist und nicht auf Designer. Ausnahmen bilden hier z.B. das Designzentrum
Hessen (www.designzentrum-hessen.de), das sich auch um Designer kümmert, das
Design-Center Stuttgart (www.design-center.de), das mit dem VDID kooperiert sowie
das IDZ, das Internationale Design Zentrum Berlin (www.idz.de), das der dortigen
Design-Szene eine Plattform bietet.

10. Selbstdarstellung (Image-, Angebotsbroschüre,


Portfolio)

Wie können Sie sich und Ihr Dienstleistungs-/Produkt-Angebot vermitteln? In welcher


Form lassen sich Ihr Image und Ihre Leistung darstellen? Wie setzen Sie Ihr Portfolio wir-
kungsvoll zusammen?
Wenn Sie Ihr Leistungsangebot und Ihre Zielgruppe definiert haben, Ihre Akquise-Maß-
nahmen entsprechend abgestimmt sind und Sie Ihre PR-Arbeit umsetzen wollen, dann
sind Prints, Internetauftritt und Arbeitsproben/-muster eine hilfreiche und sinnvolle Er-
gänzung.
Insbesondere in der Gründungsphase sind jedoch Ihre finanziellen Ressourcen begrenzt,
so dass nur beschränkte Möglichkeiten für Sie zur Verfügung stehen. Aber auch, wenn Ih-
nen Finanzmittel ausreichend zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll, diese effizient einzu-
setzen. Neben der klassischen Geschäftsausstattung (Visitenkarten, Briefbögen etc.) – die
als Standards selbstverständlich und damit unabdingbar sind – eignen sich Werbebro-
schüren sehr gut für die Darstellung Ihrer Person/en und Ihres Angebotes. Art und Um-
fang hängen von Ihrer eigenen Kreativität ab. Von einer einfachen Infokarte bis zu einer
mehrseitigen Broschüre oder gar einem Katalog ist alles denkbar. Hier ist fast alles erlaubt,
wenn es Sie sowie Ihr Angebot authentisch und überzeugend vermittelt.
Die Qualität und den Aufwand der Ausstattung sollten Sie jedoch nicht nur Ihren eige-
nen Möglichkeiten anpassen, sondern auch Ihrer Zielgruppe. Ein Kleinstunternehmen
(wie z.B. ein Einzelhändler oder Arzt/Rechtsanwalt) hat eine andere Erwartungshaltung
als ein Mittelständler, ein Großunternehmen oder eine Institution. Je größer ein potenzi-
eller Auftraggeber/Kunde ist, desto aufwendiger müssen Ihre Prints gestaltet sein, damit
Sie glaubhaft vermitteln, dass Sie den komplexeren Ansprüchen gerecht werden können.
Darüber hinaus ist eine Präsenz im Internet ebenfalls fast zum Standard geworden und
wird (mindestens) von mittleren und größeren Unternehmen/Institutionen erwartet. Da-
mit lassen sich dann auch zusätzliche Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Ihnen
und Ihren (möglichen) Kunden nutzen. Durch eine Konzentration Ihrer Inhalte auf einer

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 V. Akquise: Gezielt arbeiten

Webseite lassen sich Umfang und Aktualität geschickt einsetzen und Ihre Aufwendungen
in Prints eventuell sogar reduzieren.
Für Ihre persönliche Akquisition ist ein Portfolio – eine Entwurfsmappe (eventuell er-
gänzt mit Mustern/Modellen) – sehr hilfreich. Hier sollten Sie jedoch eher sparsam und
sehr gezielt vorgehen. Nicht die Quantität, sondern die Qualität Ihrer Arbeiten ist ent-
scheidend und sollte einer Auftragsvergabe nicht zu viel vorwegnehmen.

Joachim Kobuss

Joachim Kobuss ist Berater, Coach und Trainer für Designer. Darüber hinaus arbeitet er
als Autor und Dozent, u.a. für die HfG_OF. Er ist Kaufmann und greift auf eine
25-jährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Designern zurück. Auf seiner Website
»designersbusiness.de« findet man umfassende Informationen, mit Einsichten und
Aussichten, in und über das Business der Designer (auch zur Akquise, zum Marketing
und zur PR).

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

VI. Versicherungen: Sicher besser

82
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

VI. Versicherungen: Sicher besser

Wer kennt sich eigentlich wirklich aus? – 84

1. Allgemeines zur Versicherungspflicht – 84


Wer, wo, wie lange? – 85
Die studentische Krankenversicherung – 85
Angestellt und Selbstständig – 86

2. Wie funktioniert die Künstlersozialkasse (KSK) – 86


Wer darf in die KSK? – 86
Und wer darf nicht? – 87
»THE« Antrag – 87

3. Die Wahl der richtigen Krankenkasse – 90


Gesetzlich oder privat? – 90
Die Pflegeversicherung – 90
Die Rentenversicherung – 91

4. Sicher ist sicher – 91


Die Unfallversicherung – 91
Die Versicherung im Krankheitsfall – 92
Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUZ) – 92
Die Berufshaftpflichtversicherung – 93
Die Geschäftsinhaltsversicherung – 93
Die Kunstversicherung – 93
Die Berufsrechtschutzversicherung – 93
Die Arbeitslosenversicherung – 94

83
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Wer kennt sich eigentlich wirklich aus?

Wie bei keinem anderen Thema hört man Anderen gespannt zu, sobald es um Versiche-
rungen geht. Denn vielleicht wissen die ja besser Bescheid oder haben in der Bekannt-
schaft gar einen Fachmann. Toll ist auch, wenn man im fortgeschrittenen Alter das The-
ma immer noch auf die Eltern abwälzen oder den Freund, bzw. die Freundin damit
beschäftigen kann. So kursieren die unterschiedlichsten Mutmaßungen für Altersgren-
zen oder Gerüchte, nach denen die Künstlersozialkasse ein sozialistisches Reststück sei,
ganz zu schweigen von den angeblich unglaublichen Vorteilen der Privat-Versicherung.
Ganz ruhig bleibt bei solchen Erzählungen fast keiner, denn wer weiß schon wirklich Be-
scheid und wer kann hier das Fach- vom gefährlichen Halbwissen trennen. Noch mehr
Spannung kommt auf, wenn man selbst privat versichert ist, weil man als Beamtenkind
irgendwann einmal bei der AOK eine »Befreiung von der studentischen Krankenversiche-
rungspflicht« unterschrieben hat und erst sehr viel später merkt, dass man doch lieber ge-
setzlich versichert wäre. Nämlich dann, wenn einem dämmert, dass private Krankenkas-
sen die perfekte Lösung sind, wenn man jung, gesund, männlich und alleinstehend ist.
Dann nämlich sind deren Beiträge ganz schön niedrig. Sobald sich dieser Zustand ändert
oder man vielleicht sowieso weiblich ist, gewinnen gesetzliche Krankenkassen an Reiz.
Das einzige Problem dabei ist, dass man nicht so einfach von einer privaten in eine gesetz-
liche Krankenkasse wechseln kann. Das Zauberwort für freie Selbstständige, um aus die-
sem Dilemma herauszukommen, heißt Künstlersozialkasse, denn die ermöglicht unter
bestimmten Bedingungen den Wechsel aus der privaten in die gesetzliche Krankenkasse
und umgekehrt. Und auch wer nicht das Problem der privaten Krankenversicherung hat,
kann die Vorzüge der KSK (wie in Kapitel 1, Künstlersozialkasse), genießen. Wie man
sich bei der KSK bewirbt und welche Versicherungen sonst noch relevant sind, wird in
diesem Kapitel beschrieben, damit man in Zukunft beim Gespräch über Versicherungen
ganz entspannt bleiben kann.

1. Allgemeines zur Versicherung

Hierzulande sind eine Rentenversicherung, eine Krankenversicherung und eine Pfle-


geversicherung für alle Arbeitnehmer und alle selbstständigen Künstler und Publizisten
gesetzliche Pflicht. Die Beiträge errechnen sich aus festen Prozentsätzen abhängig vom
Einkommen.
Arbeitnehmer, das heißt Angestellte haben damit wenig Aufwand. Das erledigt alles der
Arbeitgeber, indem er monatlich die Beiträge berechnet, sie vom Lohn abzieht und zu-
sammen mit seinem Arbeitgeberanteil an die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
und die Bundesanstalt für Arbeit, sowie die Krankenkasse des Arbeitnehmers abführt.
Freie Selbstständige haben im Prinzip auch nicht viel mehr damit zu tun.

84
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Den Arbeitgeberpart übernimmt für sie nämlich die KSK und wie viel man an die KSK
insgesamt für alle Pflichtversicherungen überweist, das hängt davon ab, was man in
der jährlichen Voreinschätzung des Einkommens angibt. (Siehe dazu auch Kapitel 1,
Berufsanfänger)

Wer, wo, wie lange?


Meistens ist man nicht von heute auf morgen »freier Selbstständiger«, sondern es beginnt
damit, dass man ein paar Jobs für Freunde und Bekannte macht und sich diese Tätigkeit
dann dynamisch professionalisiert. Anfangs kann man bis zu einem bestimmten Ein-
kommen über die Eltern oder in einer studentischen Krankenversicherung abgesi-
chert sein.
In die Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkasse der Eltern passt man genau
bis zu dem Zeitpunkt, an dem man entweder hauptberuflich arbeitet (d. h. mehr als
halbtags, siehe auch Kapitel 1) oder die Einkommensgrenze geringfügig selbstständiger
Tätigkeit überschreitet.1 Es gibt auch noch eine Altersgrenze, die sich aber je nach Ver-
sicherung ändert und nach der man sich einfach gleich bei der Versicherung erkundigt,
statt sich auf die kursierenden Altersangaben im sozialen Umfeld zu verlassen.
Wenn die Grenzen der Familienversicherung hinter einem liegen, muss man sich selbst
krankenversichern. Entweder normal gesetzlich, studentisch, privat oder über die Künst-
lersozialkasse.

Die studentische Krankenversicherung


Die studentische Krankenversicherung ist eine Pflichtversicherung, (natürlich für Studen-
ten). Das Gute ist, dass sie trotz relativ niedriger Beiträge, sehr umfangreiche Erwerbs-
tätigkeiten zulässt und man, neben mindestens 20 Stunden Studium pro Woche, auch
bis zu 20 Stunden die Woche arbeiten kann oder sogar mehr, falls es sich um Wochen-
end- oder Nachtarbeit handelt. Während der Semesterferien darf dann noch mehr gear-
beitet werden. Die studentische Krankenversicherung hat keine Einkommensgrenze, das
heißt, wer sich an die Zeitbeschränkung hält, kann verdienen, was er will. Aber wer den
zeitlichen Rahmen durch seine Tätigkeit überschreitet, das heißt, wer längst keine 20 Wo-
chenstunden mehr studiert, der muss sich gesetzlich oder privat versichern und kann das
über die Künstlersozialkasse tun.

1
geringfügig selbstständig tätig ist, wer weniger als 15 Wochenstunden selbstständig arbeitet und
damit nicht mehr als ungefähr 320 Euro im Monat verdient. Der genaue Betrag kann sich jährlich
ändern. Deswegen fragt man am besten beim Finanzamt oder dem Studentenwerk telefonisch nach
der »Einkommensgrenze für geringfügig selbstständige Tätigkeit«

85
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Angestellt und Selbstständig


Ein fester Job zum Broterwerb, stellt solange keinen Widerspruch zur Selbstständigkeit
dar, solange man dem Arbeitgeber keine Konkurrenz macht oder die eigene Leistung als
Angestellter durch die Selbstständigkeit beeinträchtigt wird. Dabei sollte der Arbeitgeber
von der selbstständigen Tätigkeit informiert werden, um Konflikte zu vermeiden.
Allerdings muss man die selbstständige Tätigkeit versteuern, sobald das Einkommen
eine jährliche Grenze von ungefähr 400 Euro2 überschreitet und natürlich will auch
die Krankenkasse mehr Beiträge, wenn man zwei Einkommen hat. Deswegen fragt
man am besten mal bei der KSK nach, ab welchem Einkommen man sich auch für die
selbstständige Tätigkeit noch versichern muss.

2. Wie funktioniert die Künstlersozialkasse (KSK)

Wie schon im Kapitel 1, die Künstlersozialkasse, beschrieben, ist die Künstlersozialkasse


(KSK) keine Versicherung, sondern eine gesetzliche Institution, die allen hauptberuf-
lich und in Deutschland arbeitenden, selbstständigen Künstlern, Publizisten und im
Medienbereich tätigen Dienstleistern den 50prozentigen Anteil an der Sozialversi-
cherung zahlt, den im Angestelltenverhältnis der Arbeitgeber übernimmt. Die KSK
finanziert sich aus Bundeszuschüssen und indem sie den »Arbeitgeberanteil« von »Ver-
marktern« einzieht.
Man ist also über die KSK bei einer Krankenkasse seiner Wahl, gesetzlich oder privat
versichert und das zu günstigen Konditionen. Die KSK zieht die Beiträge von den Versi-
cherten ein und leitet sie an die Versicherungsträger, nämlich die jeweilige Krankenkasse
und die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (für die Rentenversicherung) weiter.

Wer darf in die KSK?


Das Künstlersozialversicherungsgesetz bestimmt, dass die KSK alle freien Selbstständi-
gen versichert, die eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit (siehe auch Kapi-
tel 1, Was bin ich?) ausüben und damit mindestens ungefähr 3. 900 Euro3 im Jahr verdie-
nen. Insofern ist die KSK eine Pflichtversicherung für diejenigen, die von künstlerischen
oder publizistischen Tätigkeiten leben.

2
Der genaue Betrag kann sich jährlich ändern. Am besten man recherchiert im Internet oder gleich
auf der Internetseite des Finanzamtes nach der »Einkommensgrenze für Nebentätigkeiten«
3
Der genaue Betrag kann sich jährlich ändern. Am besten erkundigt man sich bei der KSK telefo-
nisch nach der »Einkommensgrenze für die Rentenversicherungspflicht«

86
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Und wer darf nicht?


- Für wen die selbstständige Tätigkeit nur eine Nebentätigkeit oder ein Hobby darstellt,
der bleibt über den Hauptjob versichert und braucht eventuell nur ab der bereits genann-
ten Grenze (Siehe Angestellt und Selbstständig) noch zusätzlich eine Versicherung bei der
KSK.
- Wer vor allem im Ausland tätig ist, hat keinen KSK-Anpruch
- Wenn man auch noch durch ein Angestelltenverhältnis über ungefähr 3.900 Euro ver-
dient, wird man nicht mehr in die KSK aufgenommen, außer, die Selbstständigkeit ist
ganz eindeutig der Hauptberuf.
- Wer außerdem überwiegend gewerblich (etwa weil er nur noch Projekte organisiert und
Aufgaben an Kollegen weiterleitet) oder nur vorübergehend künstlerische tätig ist, der
muss sich ebenfalls anders versichern
- Wer mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigt, der verliert seinen Anspruch auf die Versi-
cherungspflicht bei der KSK.
- Wessen Einnahmen aus künstlerisch, publizistischer Tätigkeit nur einen Bruchteil des
Einkommens ausmachen (weniger als ein Sechstel) oder wer aufgrund einer anderen Tä-
tigkeit versicherungsfrei ist, etwa als Beamter, der braucht erst gar keinen Antrag auf Auf-
nahme durch die KSK stellen.

»THE« Antrag
Um bei der Künstlersozialkasse angenommen zu werden, muss man einen Antrag ausfül-
len. Weil dessen Ruf seinen tatsächlichen Schwierigkeitsgrad um ein Vielfaches über-
trifft, gilt es an dieser Stelle erst einmal eine Entwarnung auszusprechen. Es gibt eigent-
lich keinen Grund, die Antragspapiere erst monatelang anzustarren, sondern man nimmt
sich einfach zwei Tage Zeit, dazu ein paar qualifizierte Tipps von Bekannten, die bereits
über die KSK versichert sind und arbeitet den Fragebogen samt seiner Ausfüllhinweise
dann systematisch durch. Es geht also los, indem man den Fragebogen schriftlich oder te-
lefonisch bei der KSK beantragt oder ihn sich von der Internetseite herunter lädt und sich
dadurch anmeldet. Am besten man erledigt das mit dem den Antrag drei Monate, bevor
man aus der studentischen Versicherung, der Familienversicherung oder der Versicherung
als Angestellter »ausgetreten wird«.

- Der Versicherungsbeginn:
Ab wann man versichert sein will, kann man sich selbst aussuchen. Mit dem Antrag be-
kommt man ein Formular der ersten formlosen Anmeldung zugeschickt. Wenn man
dieses Formular mit der formlosen Anmeldung zusammen mit dem ausgefüllten Antrag
zurückschickt, gilt das Datum auf dem Formular als Beginn der Beitragspflicht und des
Versicherungsschutzes. Die Beiträge müssen, wenn alle Formalien geklärt sind, rückwir-
kend bis zu diesem Datum nachgezahlt werden. Wenn man das Formular nicht zurück-
schickt, gilt der Eingang des Fragebogens als Versicherungsbeginn. Oder man teilt der
KSK schriftlich mit, ab welchem Tag der Versicherungsschutz gelten soll.
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

- Die Beitragshöhe:
Die Beitragshöhe errechnet sich bei der KSK nicht wie bei allen anderen Krankenkassen
anhand des Bruttoeinkommens, sondern aus dem voraussichtlichen Einkommen, das
man als Versicherter jährlich für das kommende Jahr einschätzen muss. Wie im Kapi-
tel 1, Berufsanfänger beschrieben, dürfen Berufsanfänger dreimal ein Einkommen unter
dem Mindesteinkommen von ungefähr 3.900 Euro angeben und zahlen dann den Min-
destbeitragssatz der KSK. Per bayrischem Landesgerichtsbeschluss ist es aber auch Künst-
lern, deren Gewinn unterhalb dieser Einkommensgrenze liegt, erlaubt, ihr Einkommen
höher zu schätzen, um überhaupt in der KSK versichert zu bleiben. Natürlich regt dieses
auf Ehrlichkeit basierende System dazu an, sein Einkommen möglichst gering anzugeben,
um niedrigste Beiträge zu zahlen. Deswegen sollte man daran denken, dass man mit die-
sem System eben auch nur die niedrigsten Auszahlungen an Krankengeld, Mutterschafts-
geld oder Rente bekommt. Und wer jahrelang mit dem Mindesteinsatz dabei ist, der
sollte sich auf eine Kontrolle durch die KSK einstellen, denn die KSK ist zu Stichpro-
benkontrollen angehalten und darf auch Bußgelder eintreiben. Am besten man hält
sich bei der Voreinschätzung an die eigenen Gewinnzahlen in der letzten Einkommens-
steuererklärung, dann kann man nicht daneben liegen.

- Entscheidendes:
Die Tätigkeit: Weil die KSK eine Pflichtversicherung für Künstler und publizistisch Tä-
tige ist, muss sie denjenigen, der eine solche Tätigkeit nachweisen kann, aufnehmen.
Im Antrag geht es also zuerst einmal darum eine solche Tätigkeit nachzuweisen. Auf
der Internetseite der KSK4 ist ein Berufskatalog der Versicherungsberechtigten zusam-
mengestellt und meist ist die eigene Tätigkeit da schon aufgelistet. Angeblich hat die Be-
zeichnung Webdesigner schon für Ärger gesorgt und deswegen empfiehlt sich eine Be-
schreibung, die den gestalterischen Anteil dieser Tätigkeit betont. Ansonsten darf die KSK
eben nur formal prüfen und sich kein gestalterisches Urteil erlauben.
Freiberufliche Selbstständigkeit: Wichtig ist natürlich für die KSK, dass man freiberuf-
lich arbeitet. Also empfiehlt es sich nicht, bereits auf dem eigenen Briefpapier mit einem
Firmennamen oder dem Beiwort »Agentur« aufzutreten, denn dann vermutet der Sach-
bearbeiter vielleicht auf den ersten Blick ein Gewerbe oder einen Arbeitgeber. Außerdem
ist es immer besser, mehr als nur einen Kunden oder Auftraggeber angeben zu können.
Denn wo die Vermutung nahe liegt, es könne sich um eine Scheinselbstständigkeit, das
heißt ein verkapptes Arbeitnehmerverhältnis handeln, da wird die KSK mit Sicherheit
noch einmal nachfragen oder spätere Nachweise mehrerer Kunden verlangen.
Beweisführung: Wer schon länger selbständig arbeitet oder bereits ein paar Jobs
gemacht hat, der legt am Besten »Beweismaterial« bei. Je nach Tätigkeit sind das dann
Ausstellungskataloge bei Künstlern, Verträge bei Designern o.ä.. Es ist aber auch schon

4
http://www.kuenstlersozialkasse.de

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

vorgekommen, dass die KSK auch schon früheste Jobs als Beginn der Selbstständigkeit
interpretiert hat und einem deswegen die günstige Berufseinsteigerzeit gleich streicht.
Dann ist man Profi vom ersten Tag an. Es empfiehlt sich also Auftragsbeweise aus dem
letzten Jahr zusammenzustellen. Wer nichts dergleichen hat, weil er gerade erst an-
fängt, der sei unbesorgt. Die KSK muss auch aufnehmen, wenn jemand nur vorhat
entsprechend tätig zu sein. Bereits ein Abschluss oder ein Studium an einer
Kunsthochschule sind aussagekräftige Argumente. Im Fall einer mangelnden Beweislage
behält sich die KSK allerdings eine spätere Prüfung vor, zu der man dann entsprechendes
Material vorlegt.
Erwerbsmäßigkeit: Wie schon erwähnt, verlangt die KSK eine voraussichtliche Einkom-
mensschätzung. Der Berufseinsteiger darf die ersten drei Jahre unter dem Mindestein-
kommen schätzen und zahlt damit die niedrigsten Beträge. Dann aber wird es ernst und
man muss über dem Mindesteinkommen (wie in Kapitel 1, Berufsanfänger beschrieben)
liegen, um überhaupt glaubhaft erwerbsmäßige Absichten zu verfolgen.

Nimmt man sich für die Bearbeitung des Antrags zwei Tage Zeit, dürfte eigentlich nichts
schief gehen. Bei Fragen, die man nicht versteht, kann auch mal der Sachbearbeiter der
KSK telefonisch freundlich befragt werden und ansonsten gilt es, Informationen sauber
zu gliedern und zu präsentieren. Dann bekommt man nach ungefähr drei Monaten den
»Versicherungspflichtbescheid« und hat damit eine weitere Stufe auf dem Weg in die
KSK erklommen.

- Wenn der Antrag abgelehnt wird


Auch eine Absage ist noch kein Grund zur Panik. Denn man kann erstens Widerspruch
einlegen oder man versucht erst einmal mit seinem Sachbearbeiter zu telefonieren, um he-
rauszubekommen, woran die Zusage gescheitert ist.
Wenn man das in Erfahrung gebracht hat, setzt man sich am besten gleich an den nächs-
ten Antrag und versucht es mit mehr Mühe, Beweiskraft und Tipps von Kundigen noch
einmal.

Beispielsatz: »Gegen Ihren Bescheid vom .....


lege ich hiermit Widerspruch ein«

Wenn die KSK einen Antragsteller aber endgültig ablehnt, dann entweder wegen Schein-
selbstständigkeit oder wegen mangelnder künstlerischer Tätigkeit. Die Feststellung
der Scheinselbstständigkeit hat immerhin noch den Vorteil, dass der Arbeitgeber nun ge-
zwungen ist, seinen Auftragnehmer als Arbeitnehmer zu behandeln und dessen Sozialbei-
träge zu zahlen. Wer erneut wegen mangelnder künstlerischer Tätigkeit abgelehnt wird,
der muss sich ganz normal sozialversichern.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

3. Die Wahl der richtigen Krankenkasse

Der Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse ist ein prinzipieller. Die
gesetzlichen Kassen funktionieren nach dem Solidaritätsprinzip, das heißt: Jeder wird
aufgenommen und zahlt die gleichen Beiträge, gestaffelt nach dem Einkommen. Private
Kassen funktionieren nach individuellem Risiko, das heißt: Junge und Gesunde zahlen
wenig, weibliche und ältere Mitglieder zahlen wegen Schwangerschaftsrisiko oder mög-
lichen Krankheiten mehr. Gesetzliche Kassen haben meist den Vorteil, dass Kinder oder
Partner kostenlos mitversichert werden, und dafür bieten private Kassen ein höheres Leis-
tungsspektrum an. Am besten wäre es also, solange in einer privaten Kasse zu bleiben und
geringe Beiträge zu zahlen, bis die ersten Alterserscheinungen auftauchen oder sich der
Familienstand ändert und sich dann auf und davon in die gesetzliche Krankenkasse zu
machen. Weil ein solches Verhalten aber unsozial und unerschwinglich für die Gemein-
schaft wäre, ist es gesetzlich verboten. Man muss sich also entscheiden.

Gesetzlich oder privat?


Als Berufsanfänger bei der Aufnahme in die KSK hat man die Wahl: gesetzliche oder pri-
vate Krankenkasse? Die Entscheidung für die gesetzliche Krankenkasse ist endgültig, es sei
denn, das eigene Einkommen übersteigt die »Jahresarbeitsentgeltgrenze«5, die wohl gerade
bei etwas über 200.000 Euro liegt. Dahingegen ist die Entscheidung für die private Kran-
kenkasse revidierbar. Genau mit dem Ablauf des dritten Jahres selbständiger Arbeit ist ei-
ne Rückkehr in die gesetzlichen Krankenkassen möglich.
Finanziell ist das so geregelt: wer gesetzlich versichert ist, der bekommt von der KSK den
»Arbeitgeberanteil« am Beitrag gezahlt. Wer privat versichert ist, bekommt ebenfalls einen
solchen Zuschuss und zwar auch die Hälfte des tatsächlichen Betrags, aber höchstens die
Summe, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse fällig wäre. Wer sich nicht entscheiden
kann, der sollte sich von beiden Kassentypen Informationsmaterial besorgen, sich ein ver-
bindliches Angebot machen lassen und Fragen bezüglich der Beitragsentwicklung im Al-
ter oder Krankheitsfall stellen.

Die Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist, innerhalb gewisser Einkommensgrenzen, ebenfalls eine
Pflichtversicherung für jeden. In der Regel schließt man sie gleich mit der Krankenversi-
cherung ab. Bei der Versicherung über die KSK in einer gesetzlichen Krankenkasse ist
die »soziale Pflegeversicherung« automatisch dabei. Wer sich über die KSK privat ver-
sichert, muss noch eine private Pflegeversicherung abschließen.

5
wie hoch die »Jahresarbeitsentgeltgrenze« gerade ist, findet man auf der Internetseite der KSK

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Die Rentenversicherung
Altersvorsorge sieht im Bereich Kunst und Medien so aus:
Es existiert eine gesetzliche Rentenversicherung (über die KSK) und jeder, der über die
KSK krankenversichert ist, ist automatisch auch gesetzlich rentenversichert. Staatliche
Unterstützung, zum Beispiel die Riester-Rente gibt es außerdem noch bei bestimmten
privaten Rentenversicherungsangeboten. Welche das aber im Einzelfall sind, erfragt man
am Besten beim Verbraucherschutz6 oder bei der Berufsgenossenschaft. Und natürlich
kann man sich aus der Vielzahl privater Anbieter jegliche Art von Zusatzversicherung aus-
suchen.

4. Sicher ist sicher

Was man als freier Selbstständiger sonst noch alles versichern sollte und was man einfach
gar nicht braucht, wird hier kurz aufgezählt.

Die Unfallversicherung
Unfälle und ihre Folgen, wie z.B. Rehabilitationsmaßnahmen sind nicht über die
Krankenkasse versichert. Deswegen sollte man sich privat wie beruflich darum kümmern,
auch eine Unfallversicherung mit ins Versicherungsbündel zu packen. Auch hier gibt es
wieder gesetzliche und private Versicherungsangebote. Die Berufsgenossenschaften, in
denen Arbeitgeber ihre Angestellten versichern, stehen mit ihren Versicherungen auch
Selbstständigen offen und ihre Angebote sind oft eine bezahlbare Alternative zu privaten
Anbietern. Zuständig ist die »Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung« für
Fotografen, Bildberichtserstatter und Grafikdesigner. Für Kameraleute und alle die mit
Film zu tun haben, ist die »Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik«
da und alle anderen müssen sich an die »Verwaltungs-Berufsgenossenschaft der
Banken, Verwaltungen, freien Berufe und besonderen Unternehmen« wenden. Da
normale Unfallversicherungen nicht unbedingt die besonderen Risiken freier Berufe
berücksichtigen, empfiehlt es sich diesbezügliche Informationen bei Berufsverbänden
oder -genossenschaften einzuholen. Manche Verbände und Genossenschaften haben
auch mit privaten Versicherungsanbietern spezielle Versicherungsbedingungen und –
rabatte für die jeweiligen Berufsgruppen ausgehandelt, denen man sich anschließen
kann. Zu der beruflichen Unfallversicherung kann man auch gleich die für Freizeitunfälle
hinzufügen. Am Besten ist grundsätzlich, wenn man sich parallel zu den Informationen
der Berufsgenossenschaft auch noch beim Verbraucherschutz über die wichtigsten
Leistungspunkte einer Unfallversicherung informiert.

6
http://www.stiftung-warentest.de/

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

Die Versicherung im Krankheitsfall


Während Angestellte für sechs Wochen einen gesetzlichen Anspruch auf die Fortzahlung
ihres vollen Entgeltes im Krankheitsfall haben, bekommen freie Selbstständige zumin-
dest die ersten sechs Wochen gar nichts, wenn sie mal ausgiebig krank sind. Erst ab der
sechsten Woche zahlen gesetzliche Krankenkassen ein Krankengeld. Das Kranken-
geld wird pro Kalendertag berechnet und beträgt ungefähr 70 Prozent des bisherigen ka-
lendertäglichen Einkommens oder eben des Einkommens, das Freie bei der voraussichtli-
chen Einkommensschätzung bei der KSK angegeben haben. Auch hier zeigt sich, dass es
nicht lohnt, dabei ein unrealistisch niedriges Einkommen anzugeben. Immerhin müssen
während der Krankheitszeit keine Beiträge mehr zur Krankenversicherung gezahlt
werden. Durch die Zahlung eines erhöhten Beitrags an die KSK kann man allerdings
auch ein vorgezogenes Krankengeld beantragen, das dann abhängig von den Satzun-
gen der Kasse früher gezahlt wird. Leider gibt es für diese Sonderregelung des Vorgezoge-
nen Krankengeldes keine staatlichen Zuschüsse, das heißt man zahlt diesen Beitrag ganz
und er wird zum üblichen, bezuschussten Beitrag an die KSK addiert. Ein Krankengeld
wird maximal für 78 Wochen gezahlt. Für Rehabilitation ist dann die Rentenversicherung
zuständig. Wer nicht durch eine gesetzliche Krankenversicherung, sondern privat abge-
sichert ist, der muss auch eine private Krankentagegeldversicherung abschließen. Welche
private Kasse das beste Angebot hat, erfährt man mal wieder am ehesten beim Verbrau-
cherschutz und indem man sich »verbindliche« Angebote von verschiedenen Anbietern
erstellen lässt. Generell muss man sich erkundigen, wie viel Tagegeld es ab welchem Tag
gibt und was erträgliche Beiträge sind. Einfach so das Krankentagegeld mitzunehmen und
sich auszumalen, man könne jetzt auch mal ein bisschen bezahlt »blau« machen, lohnt
sich leider überhaupt nicht.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUZ)


Laut Verbraucherschutzzentrale ist das die wichtigste Versicherung für freie Selbstständi-
ge überhaupt. Sie soll nämlich den Ernstfall absichern. Während die berufliche Unfallver-
sicherung nur nach Berufsunfällen und die private eben nur nach Freizeitunfällen zahlt,
und während die Krankenversicherung nur bei vorübergehenden Krankheiten zahlungs-
bereit ist, soll die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BUZ, zahlen, wenn feststeht, dass
es sich mittlerweile nicht mehr um eine Krankheit, sondern um eine dauerhafte Be-
rufsunfähigkeit handelt. Weil es viele Anbieter und noch mehr Angebote für Berufsun-
fähigkeitsversicherungen auf dem Markt gibt, muss man auf Verschiedenes achten, bevor
man sich auf ein Angebot wirklich einlässt. Zum einen unterscheidet sich die Berufsun-
fähigkeitsversicherung von der Erwerbsunfähigversicherung dadurch, dass erwerbs-
unfähig nur derjenige ist, der gar nichts mehr machen kann, also auch keine Karten mehr
abreißen oder auch keine Grünanlagen mehr pflegen kann. Oft sind Berufsunfähig-
keitsversicherungen verkappte Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, von denen man
nur dann wirklich etwas bekommt, wenn gar nichts mehr geht. Eine BUZ aber sollte

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

dann zahlen, wenn kein anderer Beruf mehr zu bewältigen ist, der nach Einkommen und
sozialer Stellung mit dem ursprünglichen Beruf vergleichbar wäre. Vertraglich wird das als
»abstrakte Verweisung« bezeichnet, die man also ausschließen sollte, damit die Versiche-
rung einem, wenn es soweit ist, nicht ein Bündel von Berufen nennt, die man zwar ma-
chen könnte, in denen man aber keine Aussicht auf einen Job hat. Deswegen holt man
sich am besten ein paar verbindliche Angebote zu Versicherungen ein und geht damit in
eine Verbraucherschutzzentrale oder eine unabhängige Beratung.

Die Berufshaftpflichtversicherung
Eine private Haftpflichtversicherung hat fast jeder und sollte auch jeder haben. Wenn
man sich beispielsweise die Kamera für den Urlaub ausleiht und die dann mit der eigenen
Tasche im Restaurant liegen bleibt, kann man wenigstens die Kamera zurückerstatten.
Eine berufliche Haftpflichtversicherung ist, obwohl sie nur wenige haben, für Ähnliches
im beruflichen Umfeld zuständig. Berufshaftpflichtversicherungen decken grundsätzlich
drei Arten von Schäden ab. Nämlich Sachschäden, Personenschäden und Vermögensschä-
den. Berufshaftpflichtversicherungen springen zum Beispiel ein, wenn der geliehene Bea-
mer für die Kundenpräsentation auf dem Weg dorthin kaputt geht oder wenn eine ganze
Imagebroschüre neu gedruckt werden muss, weil in der Kommunikation mit dem Dru-
cker etwas grundsätzlich schief gelaufen ist und jetzt niemand so recht weiß wer eigentlich
Schuld hat. Aber solche Fälle kommen selten genug vor. Meist sind die beruflichen Risi-
ken bei freien Selbstständigen nur schwer zu verallgemeinern, so dass hier keine Empfeh-
lung für oder gegen eine Berufshaftpflichtversicherung ausgesprochen werden kann. Auch
in diesem Fall empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Fachmann, einem Versicherungsver-
treter oder am besten mehreren, damit man danach die »verbindlichen« Angebote noch
einmal mit einem unabhängigen Berater prüft, bevor man sich entscheidet.

Die Geschäftsinhaltsversicherung
Sobald man nicht mehr vom heimischen Schreibtisch aus arbeitet, sondern sich allein
oder mit Kollegen eigene Räumlichkeiten zugelegt hat, empfiehlt sich eine Geschäftsin-
haltsversicherung gegen Brand, Diebstahl, Wasser- und Sturmschäden.

Die Kunstversicherung
Wer seine Werke für Ausstellungen verleiht, der sollte vertraglich regeln, dass seine Werke
für den Transport und die Dauer der Ausstellung versichert sind. Das ist branchenüblich
und nennt sich »von Nagel zu Nagel«.

Die Berufsrechtschutzversicherung
Eine Rechtsschutzversicherung umfasst alle Anwalts- und Gerichtskosten für Rechtsstreit-
igkeiten, aber keine Schadensersatzforderungen. Zu Streitigkeiten kann es natürlich
bei jedem Auftrag kommen und meistens kann man sie ohne rechtliche Schritte durch

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

einen Kompromiss lösen. Gemäß der alten Regel, dass beim Geld die Freundschaft
aufhört, sollte man sich aber überlegen, ab welchem Auftragsvolumen sich eine
Rechtsschutzversicherung lohnt. Bei Berufsverbänden kann man auch hierfür genauere
Informationen einholen und sich zudem deren hauseigenes Angebot ansehen, das oftmals
einen kompletten Rechtsschutz für Mitglieder umfasst.

Die Arbeitslosenversicherung
Eine Arbeitslosenversicherung ist eine Sozialversicherung und dient dazu, erwerbslosen
Personen während ihrer Arbeitssuche ein Einkommen zu sichern. Die Arbeitslosenver-
sicherung gehörte bislang zu den Privilegien angestellter Arbeitnehmer, doch seit Febru-
ar 2006 ist es auch vielen freien Selbstständigen möglich, sich freiwillig in einer gesetzli-
chen Arbeitslosenversicherung abzusichern. Weil dieses Gesetz noch brandneu ist, sind
die Konditionen entsprechend günstig und in Fachkreisen rät man enthusiastisch dazu,
die Gelegenheit zu nutzen, ehe der Gesetzgeber korrigierend eingreift. Außerdem wird
sich an diesem Gesetz noch einiges ändern und es wird einige Zeit dauern, bis die Sach-
bearbeiter in den Arbeitsagenturen entsprechend geschult sind. Deswegen sollte man sich
durch die einschlägigen Foren im Internet stets selbst auf dem Laufenden halten, denn es
ist zunächst nicht damit zu rechnen, dass jemand anderes einen restlos aufklären könnte.
Leider können nicht alle freien Selbstständigen die »freiwillige Weiterversicherung in der
gesetzlichen Arbeitslosenversicherung« nutzen, sondern wie der Name es schon sagt, nur
diejenigen, die schon mal pflichtversichert waren. Weil aber das »Preis-Leistungs-Verhält-
nis« der Arbeitslosenversicherung für freie Selbstständige sehr überzeugend ist, sollte man
auch als Berufsanfänger, bzw. als Fortgeschrittener genau prüfen und nachfragen, ob man
nicht doch ins Raster passt. Zunächst einmal gilt:

- Freie Selbständige, die in den letzten zwei Jahren mindestens 12 Monate lang Beiträ-
ge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben, etwa weil sie angestellt waren oder die
z.B. Arbeitslosengeld bezogen haben, können sich freiwillig weiterversichern, wenn sie
sich innerhalb eines Monats nach Ende der Versicherungspflicht (Anstellung) oder des
Arbeitslosengeldes selbstständig machen (mind. 15 Stunden /Woche). Beim Beginn der
Selbstständigkeit nach dem 1. Februar 2006, muss der Antrag auf eine freiwillige Wei-
terversicherung innerhalb eines Monats nach Beginn der selbstständigen Tätigkeit ge-
stellt werden, ansonsten bleibt einem die Arbeitslosenversicherung versperrt.

- Wer schon vor dem 1.2.2006 selbstständig war (und zwar egal, ob seit zwanzig
Wochen oder seit zwanzig Jahren), der kann sich ebenfalls weiter versichern, wenn er
ebenfalls zuvor schon einmal mindestens 12 Monate pflichtversichert war. Er hat
dann sogar eine Bedenkzeit und braucht seinen Antrag erst bis zum 31.12.2006 stellen.
Freie Selbstständige, die sich über die KSK versichert haben, gehören laut Angaben der
Mediafon-Beratung zu dieser Gruppe der Pflichtversicherten. Wer sich also vor dem

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VI. Versicherungen: Sicher besser

ersten Februar 2006 bereits für 12 Monate über die KSK versichert hatte, kann einen
Antrag an die örtliche Arbeitsagentur stellen.
Den Antrag stellt man bei der örtliche Arbeitsagentur und wahrscheinlich muss man
sich dort ersteinmal durchfragen, denn das Gesetz ist noch ganz frisch und wahrscheinlich
noch nicht überall gänzlich erfasst. Das Antragsformular kann man sich von der Internet-
seite der Arbeitsagentur inklusive der betreffenden Informationen herunterladen. Wird
der Antrag bewilligt, so wird aus der »freiwilligen Weiterversicherung« eine Pflichtver-
sicherung, die erst mit dem Ende der selbstständigen Tätigkeit ausläuft oder wenn man
mit den Beiträgen drei Monate im Rückstand ist.
Der Beitrag für freiwillig weiterversicherte Selbstständige ist einkommensunabhängig und
beläuft sich auf einen festen Monatsbeitrag zwischen 30 und 40 Euro, der im nächs-
ten Jahr sogar noch um rund 30 Prozent sinken wird. Das Arbeitslosengeld, das Selbst-
ständige bekommen können orientiert sich am Durchschnittseinkommen der jeweiligen
Qualifikationsgruppe. Derzeit läge es zwischen mindestens 546,90 Euro und höchstens
1.364,10 Euro netto im Monat. Gezahlt wird das Arbeitslosengeld mindestens 6 und
höchstens 12 Monate lang; für Leute, die älter als 55 Jahre sind, bis zu 18 Monate. Die
Neuregelung ist vorerst befristet bis zum 31.12.2010.

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

VII. Nachschlag: Mehr Informationen

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

VII. Nachschlag: Mehr Informationen

1. Nachschlag zum Thema Existenzgründung und Selbstständigkeit – 98


Allgemeine Informationen im Netz – 98
Linksammlungen – 98
Adressen vor Ort – 98
Adressen allgemein – 99

2. Vereine, Berufsverbände und Genossenschaften – 99


Adressen im Netz – 99

3. Verwertungsgesellschaften – 101
Adressen im Netz – 101
Adressen – 101

4. Stiftungen, Fördereinrichtungen – 102


Alle Adressen im Netz – 102
Adressen – 102

5. Nachschlag zum Thema Steuern – 103

6. Nachschlag zum Thema Recht – 103

7. Nachschlag zum Thema Marketing – 103

8. Nachschlag zum Thema Versicherungen – 104


Adressen im Netz – 104
Adressen – 104

9. Bücher und Broschüren – 105


Design – 105
Kunst – 106
Marketing, Recht, Versicherungen und Steuern für Freie Berufe – 107

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

1. Nachschlag zum Thema Existenzgründung


und Selbstständigkeit

Allgemeine Informationen im Netz:


www.akademie.de/existenzgruendung
www.bfe-muenchen.de/index.php
www.bmwi.de
www.dta.de
www.exist.de
www.existenzgruender.de
www.foerderland.de
www.forum-informationsgesellschaft.de
www.frankfurt-main.ihk.de
www.gruenderleitfaden.de,
www.gruenderlinx.de
www.gründerstadt-offenbach.de
www.ifb-gruendung.de
www.ihk.de
www.keimforum.de
www.mediafon.net
www.ratgeber-e-lancer.de
www.ratgeber-freie.de
www.routea66.de
www.startbuero.de

und dazu eine Studie des Bundes zur Selbstständigkeit im Studium:


www.bmbf.de/pub/his_projektbericht_05_05.pdf

Linksammlungen:
www.agd.de (unter dem Stichwort »Internetadressen« findet man Adressen,
Verbände usw.)
www.mediafon.net (Stichwort »links«)
www.red-dot.org (unter dem Stichwort »service«, »designlinks«)

Adressen vor Ort:


Informationen zu Institutionen in Offenbach, die Unternehmensgründungen för-
dern findet man unter: www.gruenderstadt-offenbach.de

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

Adressen allgemein:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Informationsangebote unter: www.bmwi.de
Broschüren-Download z.B. »GründerZeiten«, »Starthilfe«
Förderdatenbank mit Informationen zu Förderprogrammen der Länder,
des Bundes und der EU

Deutsche Ausgleichsbank
(Beratungszentren, Finanzierungsangebote, Gründerzentrum)
Ludwig-Erhard-Platz 1-3
53170 Bonn
Tel.: 0228/ 831 0
Telefonische Infoline: 01801/ 24240
Fax: 0228/ 831 2526
info@dta.de, www.dta.de

2. Vereine, Berufsverbände und Genossenschaften

Adressen im Netz:
Art Directors Club für Deutschland: www.adc.de
Allianz Deutscher Designer: www.agd.de
BBK Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler:
www.bbk-bundesverband.de
Bundesverband der Freien Berufe: www.freie-berufe.de
Bund Deutscher Grafikdesigner: www.bunddeutschergrafikdesigner.de,
www.bdg-deutschland.de
Bundesverband deutscher Galerien e.V.: www.bvdg.de
www.galerienindeutschland.net
Bund Freischaffender Fotodesigner: www.bff.de
Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive: www.bvpa.org
Das Archiv der Zeichner (Filu): www.filu-archiv.de
DDV Deutscher Designer Verband e.V.: www.germandesign.de
Designerinnen Forum e.V.: www.designerinnen-forum.org
Deutscher Designer Club: www.ddc.de
Deutscher Designertag e.V.: www.designertag.de
Deutscher Künstlerbund e.V.: www.kuenstlerbund.de
Deutsches Verbändeforum: www.verbaende.com
European Council of Artists: www.eca.dk
European Visual Artists: www.europeanvisualartists.org

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

Fachverband Freier Werbetexter: www.werbetexter.com


Free Lens, Verein der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten:
www.freelens.com
GEDOK – Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen
und Kunstfreunde e.V.: www.gedok.de
IGBK Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste: www.ibgk.de
Illustratoren Organisation e.V.: www.io-home.org
Journalistinnenbund: www.journalistinnen.de
Verband Bildender Künstler: www.bbk-bundesverband.de
Verband Deutscher Industriedesigner: www.vdid.de/index_vdid.html
Verband Deutscher Mode- und Textil Designer e.V.: www.modedesign.de
Verein der Fotojournalisten: www.freelens.com
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft e. V.: www.verdi.de
VGD Verband der Grafik-Designer e.V.: www.vgdev.de
Union Network International – Media Entertainments & Arts:
www.union-network.org

100
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

3. Verwertungsgesellschaften

Adressen im Netz:
www.bildkunst.de
www.gema.de, www.gvl.de,
www.vgwort.de
und die restlichen Links dazu
www.vgwort.de/vg.php

Adressen:
GEMA Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
Gesellschaft für musikalische Weberstraße 61
Aufführungs- 53113 Bonn
und mechanische Tel: 0 228 / 9 15 34 - 39
Vervielfältigungsrechte Fax: 0 228 / 9 15 34 - 39
Bayreuther Straße 37 Email: info@bildkunst.de
10787 Berlin http://www.bildkunst.de
Tel: 030 / 2 12 45 - 00
Fax: 030 / 2 12 45 - 950 Verwertungsgesellschaft WORT
Email: gema@gema.de Goethestraße 49
http://www.gema.de 80336 München
Tel: 089 / 5 14 12 - 0
GVL Fax: 089 / 5 14 12 - 31
Gesellschaft zur Verwertung Büro Berlin
von Leistungsschutzrechten Köthener Straße 44
Heimhuder Straße 5 10963 Berlin
20148 Hamburg Tel: 030 / 2 61 38 45
Tel: 040 / 41 17 07 - 0 Fax: 030 / 23 00 36 29
Fax: 040 / 41 03 86 - 6 http://www.vgwort.de
Email: kontakt@vgl.de
http://www.gvl.de

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PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006 VII. Nachschlag: Mehr Informationen

4. Stiftungen,
Fördereinrichtungen

Alle Adressen im Netz:


www.stiftungsindex.de

Adressen:
Bundesverband Deutscher Stiftungen Stiftung Kunstfonds zur Förderung
Postfach 33 03 38 der zeitgenössischen bildenden Kunst
14173 Berlin Informationsangebote unter:
Tel.: 030 / 89 79 47 - 0 www.kunstfonds.de
Fax: 030 / 89 79 47 - 11 Übersicht aller geförderten Künstler
bundesverband@stiftungen.org und Projekte, Übersicht und
www.stiftungen.org Antragsformulare für Förderprogramme
Weberstr. 61
Deutscher Kulturrat 53113 Bonn
Weberstr. 59a Tel.: 0 228 / 9 15 34 - 11
53113 Bonn Fax: 0 228 / 9 15 34 - 41
Tel.: 0 228 / 2 01 35 - 0 info@kunstfonds.de
Fax: 0 228 / 2 01 35 21
post@kulturrat.de Zentrum für Kulturforschung
Handbuch der Kulturpreise,
Stiftung Kulturfonds Ehrungen, Stipendien und individuelle
Chausseestr. 128a Projektförderung für Künstler,
10115 Berlin Publizisten und Kunstvermittler in
Tel.: 030 / 30 88 74 - 0 Deutschland und Europa. Suchmaschine
Fax: 030 / 28 07 04 - 2 für deutschsprachige Kulturpreise unter:
E-mail: www.kulturpreise.de
Geschaeftsstelle@StiftungKulturfonds.de Dahlmannstr. 26
http://www.Stiftungkulturfonds.de 53113 Bonn
Tel.: 0 228 / 21 10 58
Fax: 0 228 / 21 74 93
redaktion@kulturpreise.de

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5. Nachschlag zum Thema Steuern

www.ratgeber-freie.de
www.ratgeber-e-lancer.de
www.steuernetz.de
www.kuenstlerrat.de/rat/tipps.htm
www.steuernetz.de/afa/tabellen/
www.bzst.de (Bundeszentralamt für Steuern)
und natürlich die Internetseite des örtlichen Finanzamtes
Software zur Steuererklärung via Internet gibt es bei: www.elster.de

6. Nachschlag zum Thema Recht

www.gruenderleitfaden.de/recht
Musterverträge: www.frankfurt-main.ihk.de/recht,
www.juracafe.de/ressourcen/mustervertraege
Deutsches Marken- und Patentamt: www.dpma.de/index.htm

7. Nachschlag zum Thema Marketing

www.designersbusiness.de

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8. Nachschlag zum Thema Versicherungen

Adressen im Netz:
www.kuenstlersozialkasse.de
www.billiger-krankenversichert.de
Tarifrechner zur Erfassung von Versorgungslücken: www.mannheimer.de
Stiftungwarentest: www.warentest.de

Adressen:
Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung
Rheinstr. 6-8
65185 Wiesbaden
Tel: 0 611 / 1 31 - 0
Fax: 0 611 / 1 31 - 100
http://www.bgdp.de

Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik


Gustav-Heinemann-Ufer 130
50968 Köln
Tel: 0 221 / 37 78 - 0
Fax: 0 221 / 34 25 03
Email: hv@bgfe.de
http://www.bgfe.de

KSK Künstlersozialkasse
26380 Wilhelmshaven
Tel: 0 44 21 / 75 43 - 9
Fax: 0 44 21 / 75 43 - 586
Email: auskunft@kuenstlersozialkasse.de
http://www.kuenstlersozialkasse.de

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9. Bücher und Broschüren

Design:
Busse, Rido; Was kostet Design?; Birkhäuser; Basel; 1999;
ISBN 3-7643-6767-9

Hübner, Roger / Rohloff, Florian / Bressler, Stefan; Was kostet Web-Design?;


Birkhäuser; Basel; 2003; ISBN 3-7643-6900-0 (€ 45,00)

Kobuss, Joachim; Existenzgründung und Sicherung für Designer;


edition PAGE Galileo Press Verlag; Bonn; 2006; ISBN 3-8984 2-579-7

Maaßen, Wolfgang; Designer’s Manual, Basiswissen für selbständige Designer;


Pyramide Verlag; Düsseldorf; 2000

Maaßen, Wolfgang / May, Margarete; Designer’s Contract,


Vertragsmuster, Formulare und Musterbriefe für Selbständige Designer;
Pyramide Verlag; Düsseldorf; 2000; ISBN 3-934482-02-3

Rat für Formgebung (Hrsg.); Design Bericht,


Kommentiertes Verzeichnis designrelevanter Einrichtungen in der Bundesrepublik
Deutschland, das immer wieder in neuen Auflagen erscheint.

Verband Deutscher Industrie-Designer e.V. VDID; Design Honorar und Verträge,


Schriftenreihe Design Honorar und Verträge vom Verband Deutscher Industrie-
Designer e.V.;
Schriftenreihe des DDV; Stutttgart; 1995; ISBN 3-934482-01-5 (€ 40,00)

Wülfing, Thomas (Hrsg.); Unternehmen Multimedia,


Ein Rechts-Handbuch zum Internet; Himmelstürmer Verlag; Hamburg; 1999

Zentek, Sabine / Blase, Dieter; Handbuch Kommunikationsdesign;


avedition; Stuttgart; 2001; ISBN 3929638428, (€ 44,00)

Zentek, Sabine; Handbuch für Recht in Kunst und Design;


avedition; Stuttgart; 1998; ISBN 3-929638-16-9 (€ 39,00)

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Kunst:
Bayerisches Staatsministerium der Finanzen (Hrsg.); Steuertipps für Künstler;
München; 2003; als pdf-Datei unter: www.stmf.bayern.de

Berenfänger, Harald; Berufe am Theater, Herausgegeben vom Deutschen


Bühnenverein; Bundesverband Deutscher Theater 3. Auflage; Köln; 2000; auch als
pdf-Datei im Internet: www.buehnenverein.de

Broschüre des Bundeswirtschaftsministeriums; Wirtschaftspolitik für Kunst und


Kultur, Tipps zur Existenzgründung für Künstler und Publizisten;
Als Download erhältlich unter:
www.bmwi.bund.de/Redaktion/Inhalte/Pdf/Publikationen

Bundesministerium des Innern (Hrsg.); Individuelle Künstlerförderung des


Bundes, Broschüre zu fördernden Einrichtungen, Institutionen und Programme;
Band 24, 2.Auflage; Stuttgart, Berlin u. Köln; 1996;

Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler; Pro-Kunst3. Steuern –


Verträge –Versicherungen, Handbuch für Bildende Künstlerinnen und Künstler;
Bonn; 2000; zu bestellen unter: bbkigbk@aol.com

Fachgruppe Bildende Kunst der ver.di, Vertragswerk Bildende Kunst mit


Musterverträgen und Empfehlungen für Bildende Künstlerinnen und Künstler,
Kompendium, Berlin 2006

Zu bestellen bei direkt bei ver.di oder mediafon


Fastenrath, Melanie; Kompendium für Künstler; Westerweide-Verlag; Witten;
2002; ISBN 3-928003-33-X

LKD, BJKE, Paritätisches Jugendwerk (Hg.); Kursbuch Kulturförderung


Finanzierungsleitfaden zur Jugend- und Kulturarbeit; LKD-Verlag; Unna; 2002;
ISBN 3-931949-36-2

Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (Hrsg.); Drehbuchautoren – Script,


Guide 02; Berlin; 2002; Als Download: www.drehbuchautoren.de

Zentek, Sabine; Ein Handbuch für Recht in Kunst und Design;


avedition; Stuttgart; 1998; ISBN 3-929638-16-9

Zentrum für Kulturforschung (ZfKf ) (Hrsg.); Handbuch der Kulturpreise;


Bonn; 2001;
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Marketing, Recht, Versicherungen und Steuern für Freie Berufe:


Britzelmaier, Dr. Bernd / Studer, Hans Peter; Starthilfe Marketing;
Teubner Verlag; Leipzig / Stuttgart; 2000

Brückner, Michael / Przyklenk, Andrea; Geschäftsideen erfolgreich umsetzen,


Marktnischen erkennen, Chancen nutzen; Planegg; 1999

Buchholz, Goetz; Ratgeber Freie Kunst und Medien;


Ver.di GmbH; Berlin, 2002; ISBN 3-932349-06-7

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hrsg.); Tipps zur Existenzgründung


für Künstler und Publizisten; Bonn; 2003; Bestellung über: www.bmwi.de

Detzel, Thomas / Engel, Stefan / Oberlander, Willi / Reheuser, Carmen; Freier Beruf
oder Gewerbe?; Institut für Freie Berufe Nürnberg; Nürnberg; 2002;

Gerber, Michael; The E Myth Revisited, Why Most Small Businesses Don’t Work
And What Do To About It; HarperBusinessM; 1995; ISBN: 0887307280

Kobuss, Joachim; Existenzgründung und Sicherung für Designer;


edition PAGE; Galileo Press Verlag; Bonn; 2006; ISBN 3-8984 2-579-7

Kuntz, Stefan, Freie Wildbahn, Einblicke in die Freiberuflichkeit;


Broschüre; Herausgegeben von der IG Medien NRW; Köln; 2000;

Maaßen, Wolfgang; Kunst oder Gewerbe?, Die Abgrenzung der künstlerischen von
der gewerblichen Tätigkeit im Steuerrecht, Handwerksrecht, Künstlersozialversicher
ungsrecht und in anderen Rechtsbereichen; 3. überarbeitete und erweiterte Auflage;
C.F.Müller Verlag; Heidelberg; 2001;

Ratgeber zur Einkommenssteuer jährlich bei Sparkassen und Volksbanken


zu bestellen

Ridderstrale, Nordström; Funky Business, Wie kluge Köpfe das Kapital zum
Tanzen bringen; Prentice Hall Verlag; 2000; ISBN: 3827270014, (€ 23,95)

Waldner, Wolfram / Wölfel, Erich; Gründen, Betreiben, Beenden;


dtv-Beck-Rechtsberater, 5. Aufl.; München; 2001;

Die meisten dieser Nachschlagewerke stehen auch in einem Semesterapparat in


der Bibliothek der HfG Offenbach bereit.
PARCOURS hfg offenbach, Stand 2006

Impressum

Parcours
Anleitungen zur Selbstständigkeit
für Künstler und Designer

Eine Publikation der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main im Rahmen des
Projekts »Gründernetz Route A 66«, gefördert durch das Programm »Exist – Existenz-
gründungen aus Hochschulen« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Herausgeber:
Der Präsident der Hochschule für Gestaltung
Offenbach am Main

Ansprechpartner:
Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
Büro für Wissenstransfer / Kontaktstelle Gründernetz Route A 66
Schlossstrasse 31
D-63065 Offenbach am Main
Telefon/Telefax +49 (0) 69.800 59 - 166
info@hfg-offenbach.de
www.hfg-offenbach.de

Redaktion: Dipl. Des. Sophia Muckle


Konzept und Idee: Ulrike Grünewald
Beratung: Prof. Peter Eckart
Gestaltung: Martin Brombacher
Autoren: Christine Hesse, Joachim Kobuss, Sophia Muckle

Stand: März 2006

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