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Grundwissen Geographie

IHK

Lernheft 3

Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie

Inhaltsverzeichnis:

3.1 Einleitung ............................................................................................... 2


3.2 Klima – Klimatologie – Klimageographie: Ein Überblick ........................ 2
3.3 Das Klima im Wandel der Zeit ............................................................... 7
3.4 Die globale Erwärmung: Nichts Besonderes – Oder doch? .................. 10
3.5 Globale Erwärmung – Was können wir tun? ......................................... 14
3.6 Selbstlernaufgaben ................................................................................ 15
3.7 Zusammenfassung ................................................................................ 16
3.8 Hausaufgabe .......................................................................................... 18
3.9 Lösungen zu den Selbstlernaufgaben ................................................... 18
3.10 Anhang ................................................................................................... 19

© Copyright Laudius GmbH DE-1017-00-00


Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

3.1 Einleitung

Die Jahre 1997 bis 2005 waren, mit Ausnahme des Jahres 2000, die wärmsten Jahre
seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen (Diercke, 2007). Was zunächst etwas
unspektakulär klingt, zieht indes folgenschwere Entwicklungen weltweit nach sich. Die
globale Mitteltemperatur liegt heute bereits um etwa 0,7 °C höher als im 19. Jahr-
hundert. Die Folgen dieses globalen Temperaturanstieges verteilen sich nicht
gleichmäßig über den Erdball, sondern gehen mit lokalen Klimaextremen einher.

Der indische Subkontinent und Australien werden von Hitzewellen heimgesucht,


während Nordafrika und Ostasien extremen Kälteperioden ausgesetzt sind.
Verheerende Dürreperioden lösen vernichtende Überschwemmungen ab, während
die Zahl der Stürme und Orkane weltweit zunimmt und in den Alpen innerhalb der
letzten 100 Jahre die Hälfte der Gletschermassen abgeschmolzen ist. Al Gore,
ehemaliger Vizepräsident der USA und Initiator von „Live Earth“, dem größten
Benefizkonzert, das je stattgefunden hat, äußerte sich am 07.07.2006 zum drohenden
Klimawandel mit drastischen Worten: „Die Klimakatastrophe kann nur durch eine nie
da gewesene globale Bewegung aufgehalten werden.“ (Diercke, 2007)

Belegen diese Aussagen nun schon, dass ein für viele Menschen bedrohlicher
Klimawandel stattfindet? Oder handelt es sich lediglich um eine vorübergehende
„Störung“ der mittelfristigen Witterungsverhältnisse? Und wer behauptet, dass die
globale Erwärmung durch den Menschen verursacht wird? Gab es nicht in der
gesamten Erdgeschichte Klimaschwankungen mit ausgeprägten Warmzeiten? Ist
alles eher ein umsatzverstärkender Medienhype? Wird übertrieben? Oder ist doch
etwas dran an der drohenden Änderung der uns bekannten Klimaverhältnisse?

In den vorausgegangenen beiden Lernheften dieses Lehrganges haben wir uns einen
Überblick über die Gliederung und Geschichte der Geographie und über verschiedene
Aspekte der Geomorphologie verschafft. Mit diesem Lernheft wollen wir uns in die
Lage versetzen, die vielschichtigen Informationen über das Klima und den Klima-
wandel besser einordnen und verstehen zu können. Das Ziel ist es, auch Teilinfor-
mationen über das Klima und den Klimawandel mit Klarheit und einem schärferen
Urteilsvermögen bewerten und einschätzen zu können.

Dies setzt voraus, dass wir uns näher mit den Grundlagen des komplexen Klima-
geschehens befassen. Doch bevor wir uns diesem zuwenden, betrachten wir
zunächst Grundbegriffe wie „Atmosphäre“, „Klima“, „Klimageographie“ und
„Klimawandel“ etwas näher.

3.2 Klima – Klimatologie – Klimageographie:


Ein Überblick

Wetter, Witterung, Klima, es wird warm, es ist kalt, es wird regnen, es schneit. Dies
alles sind häufig verwendete Begriffe und Redewendungen, wenn es um Meldungen
des Zustandes der Atmosphäre in den Medien geht. Doch wodurch unterscheiden
sich Wetter, Witterung und Klima? Wenn „Kälte“ angekündigt wird, geht es dann um
das Klima oder um das Wetter?

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Klima
Klima und Wetter sind zwei Begriffe, die sich mit den gleichen physikalischen Größen
befassen. Im Zusammenhang mit dem Klima spricht man auch von Klimafaktoren,
wie
– Niederschlag,
– Temperatur,
– Luftdruck oder
– Sonneneinstrahlung.

Wetter und Klima werden in erster Linie durch den Zeitfaktor voneinander
unterschieden.

Merke:

Wetter
… ist der aktuelle Zustand der Atmosphäre in einem bestimmten Gebiet, Dauer:
ca. 1 Tag.

Witterung
… ist der Wettercharakter über mehrere Tage bis maximal über eine Jahreszeit.

Klima
… ist der mittlere Zustand der Atmosphäre über einem Gebiet, welcher sich aus den
Mittelwerten von Wetter bzw. Witterung über einen längeren Zeitraum (über mehrere
Jahre oder Jahrzehnte) zusammensetzt.

Das Wetter kann kurzfristig durch den Einbruch neuer Luftmassen bereits stark
beeinflusst werden. Das Klima einer Region wird langfristig beeinflusst durch
verschiedene Faktoren, wie die Höhenlage eines Ortes, durch den Breiten- oder
Längengrad, in dem sich ein Ort befindet oder ob der Ort über einer mit Wasser oder
Eis bedeckten Fläche liegt. In der folgenden Abbildung 1 sehen wir die Darstellung
einer Klassifikation verschiedener Klimaregionen unserer Erde.

Der über Jahrzehnte hinweg ermittelte Durchschnittswert von Niederschlag und


Temperatur ist häufig verwendete Hauptparameter, mit denen sich unterschiedliche
Klimate voneinander abgrenzen lassen. In dieser Darstellung werden fünf
Hauptklimate (tropisch, trocken, gemäßigt, kontinental und polar) voneinander
abgegrenzt und jeweils noch einmal in typische Subklimate mit feuchteren und
trockeneren sowie wärmeren und kälteren Gebieten untergliedert.

Das Klima und die geologischen Voraussetzungen, also die Zusammensetzung der
erdoberflächennahen Lithosphäre, sind die entscheidenden Einflussfaktoren für die
Entwicklung und Gestaltung unserer „natürlichen“ Umwelt. Sie beeinflussen:
– Böden,
– Vegetation,
– Tierwelt,
– den Menschen und seine Lebens- bzw. Wirtschaftsweise,
– geomorphologische Prozesse (siehe Lernheft 2).

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Tropisch Trocken Gemäßigt Kontinental

Abb. 1: Klimaklassifikationen weltweit. Date: 2009-05-29 (last version).


Quelle: Transferred from en.wikipedia; transfered to Commons by User:Legoktm using
CommonsHelper. Author: Original uploader was Waitak at en.wikipedia Later
version(s) were uploaded by Splette at en.wikipedia. Permission: (Reusing this
image) Released under the GNU Free Documentation License. Eigenbearbeitung:
Ergänzung deutscher Begriffe.

Für den Menschen und sein Überleben ist beispielsweise nicht nur wichtig, wie viel
Niederschlag in einem bestimmten Gebiet über die Jahre gemittelt fällt, sondern auch,
wie sich der Niederschlag über die Jahre verteilt. In den trockenen Regionen der Erde
ist auffallend, wie unbeständig dort die Niederschläge oft fallen. Ein bekanntes in den
Medien oft vertretenes Beispiel ist die Sahelzone, wie in Abbildung 2 dargestellt.
Dieser Gürtel, welcher südlich an die Sahara grenzt, ist oft von ausgeprägten Dürren
gefolgt von katastrophalen Hungersnöten gekennzeichnet.

Andererseits gab es im Jahr 2007 in Teilen dieser Zone verheerende Überschwem-


mungen, deren Folge die Zerstörung von Lebens- und Wirtschaftsraum war. Zwei
extreme Zustände des Lebensraumes vieler Millionen Menschen, hauptsächlich
hervorgerufen durch Niederschläge und ihre nahezu unberechenbare Verteilung über
die Zeit.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Abb. 2: Die Sahelzone (orange markiert) in Afrika.


Quelle: www.wikipedia.de, Stichwort: “Sahel”. Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für
freie Dokumentation veröffentlicht. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen
der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version,
veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder
zu modifizieren.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich das Klima aus


verschiedenen Klimafaktoren zusammensetzt. Einer der Hauptantriebe, der
energetische „Motor“ für das Klimageschehen, ist die Sonneneinstrahlung. Das
Klima einer Region wird beeinflusst durch Umweltfaktoren. Die Lage eines Gebietes
ist also mit ausschlaggebend dafür, wie sich sein Klima gestaltet. Es ist beispielsweise
klimatisch von Belang, ob sich ein Ort oder ein größeres Gebiet nahe einer Wasser-
fläche (Hydrosphäre), wie es auf einer Insel im Meer der Fall sein kann, befindet.
Klimabeeinflussend kann auch die Zusammensetzung der Luft (Atmosphäre) über
einem Gebiet wirken.

Über einer Stadt, mit ihren Industrie- und Autoabgasen, werden sich beispielsweise
andere Messwerte der Luftbeschaffenheit ergeben als über einer fern dem Festland
mit seinen Städten gelegenen Insel im offenen Ozean. Es lässt sich bereits aufgrund
dieser ersten Betrachtungen vermuten, dass die Beschaffenheit der einzelnen
Sphären, wie sie im vorausgegangenen Lernheft vorgestellt wurden, Einfluss auf die
Gestaltung des Klimas nehmen. Der Frage, welche Faktoren im Zusammenhang mit
einem Klimawandel ineinandergreifen, gehen wir in den nächsten Kapiteln nach.

Klimatologie
Auch der Begriff Klimatologie findet in der Umgangssprache so wie in den Medien
häufig Verwendung. Die Klimatologie ist ein Teilgebiet der Meteorologie, das sich
vornehmlich mit dem Zustand und den Prozessen der physikalischen Parameter der
Atmosphäre befasst. Da das besondere Augenmerk auf statistischen Analysen
physikalischer Größen, wie Strahlung, Temperatur oder Luftdruck der mittleren und
höheren Atmosphäre liegt, werden wir diesen Bereich weitestgehend ausklammern.
Stattdessen wenden wir uns zunächst der begrifflichen Eingrenzung der Klimageo-
graphie zu.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Klimageographie
Die Klimageographie ist ein Teilgebiet der physischen Geographie. Im Rahmen der
Klimageographie stehen vor allem die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten
zwischen der Atmosphäre und der Erdoberfläche im Mittelpunkt der Unter-
suchungen. Die physikalischen und chemischen Zusammenhänge werden
vornehmlich von der Klimatologie beschrieben. Die geographische Klimatologie oder
Klimageographie forscht nach den gegenseitigen Einflüssen, die wechselseitig
zwischen Erdoberfläche und Lufthülle im Laufe der Zeit stattfinden, dazu gehört die:
– Wirkung der Erdoberfläche kurzfristig auf das Wetter bzw. langfristig auch auf das
Klima,
– Wirkung des Wetters bzw. Klimas auf die Erdoberfläche.

Abbildung 3 zeigt die Beeinflussung des Klimas durch die Beschaffenheit der
Erdoberfläche am Beispiel des Stadtklimas von Peking in China. Die Konzentration
von Bauten, die Emission von Luftschadstoffen und Abwärme und ein Mangel an
Vegetation können zu der Ausbildung einer besonderen Stadtatmosphäre führen.
Charakteristisch für das Stadtklima größerer Städte können
̶ höhere Durchschnittstemperatur
̶ höhere Schadstoffkonzentration
̶ niedrigere Luftfeuchtigkeit
̶ niedrigere Windgeschwindigkeiten

als im ländlichen Umland sein. Dies ist oft optisch, mit bloßem Auge, leicht wahr-
nehmbar, wie das folgende abgebildete Beispiel zeigt. Die linke Abbildung wurde nach
einem Regenfall aufgenommen. Die Luft ist von Luftschadstoffen „reingewaschen“
und darum wesentlich transparenter. Die rechte Seite zeigt eine typische Smog-
situation mit sichtbar trüber Luft, welche reichhaltig mit Luftschadstoffen, beispiels-
weise aus Auto- und Industrieabgasen, durchsetzt ist.

Abb. 3: Peking (China) im August 2005 an einem Tag nach Regenfall (links) und an
einem nebeligen Tag (rechts).
Quelle: www.wikipedia.org Photos taken by Bobak Ha'Eri. This work is licensed under the
Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.5 License.

Angaben in www.Wikipedia.org zufolge gilt die Luftqualität der Hauptstadt Chinas –


nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – als eine der schlechtesten
der Welt. Die Ursachen dafür liegen sowohl in den zahlreichen Fabrikanlagen und
Kraftwerken als auch am Verkehr und der Feuerung in privaten Haushalten.
Insgesamt erzeugen eine schnelle Verstädterung, das stark gestiegene Verkehr-
saufkommen und die Industriekonzentration in Ballungsräumen eine übermäßige
Emissionsbelastung, deren Folge häufiger Smog sein kann, der eine ernsthafte

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Zur Verbesserung der Luftqualität
wurden bereits strengere Abgasregeln erlassen. Die Luftverschmutzung in vielen
Metropolen der Erde ist weiterhin bedenklich. Der hohe Gehalt an Feinstaub durch
Verkehr und Industrie stellt eine enorme Herausforderung für die Entwicklung
zukünftiger Technik dar.

Abbildung 4 zeigt die Beeinflussung der Erdoberfläche und ihrer Komponenten durch
das Klima am Beispiel des tropischen Regenwaldes in Panama.

Smog – Dieser Begriff setzt sich zusammen aus den Worten „Rauch „(smoke) und
„Nebel“ (fog), den Hauptbestandteilen von Smog. Er ist eine Mischung aus Luftver-
unreinigungen, die meist über Großstädten oder Industrieballungen ausgestoßen
werden. Bei begünstigenden Wetterlagen reichern sich Bestandteile wie Autoabgase,
Staub, Ascheteile und Salzkristalle dem in der Luft befindlichen Wasserdampf bei.

Charakteristisch für das Wetter


des tropischen Regenwaldes
sind über das ganze Jahr relativ
gleichmäßig verteilte Nieder-
schläge, die dazu führen, dass
pro Jahr mehr Niederschlag fällt,
als wieder verdunsten kann. Eine
erhebliche Menge des Regens
verdunstet über das Blattwerk
der Vegetation rasch wieder,
sodass der Regenwald seiner-
seits durch die starke Verdun-
stung zu neuer Niederschlags-
bildung beiträgt. Hier beein-
flussen sich also die Erdober-
flächenbedeckung und das
lokale Klima gegenseitig.

Abb. 4: Tropischer Regenwald auf Barro Colorado Island, Panama.


Quelle: www.wikipedia.de. published Aug 15, 2006.

Quelle: Beyond Neutrality-Ecology Finds Its Niche. Gewin V, PLoS Biology Vol.
4/8/2006, e278. http://dx.doi.org/10.1371/journal.pbio.0040278. Urheber:
Photos courtesy of Christian Ziegler. This image was published in a Public
Library of Science journal. Their website states that the content of all PLoS
journals is published under the Creative Commons Attribution 2.5 license

3.3 Das Klima im Wandel der Zeit

Im vorausgegangenen Kapitel haben wir ansatzweise besprochen, wie sich der


Klimabegriff zusammensetzt und welche Parameter in diesem Zusammenhang eine
Rolle spielen. Der Faktor Zeit sowie Temperatur und Niederschlag können als
wesentliche Hauptparameter gelten. Wenn eine zentrale Rolle dem Faktor Zeit
zukommt, wie hat sich das Klima im Laufe der Zeit entwickelt? Warum sprechen wir
heute von einer Klimaerwärmung? Wie war das Klima „gestern“?

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Die Temperatur hat sich weltweit im Laufe der Erdgeschichte mehr oder weniger
stark geändert. In den letzten Jahrmillionen traten Schwankungen der Temperatur in
unterschiedlich langen Zeitspannen auf. Es gab unterschiedlich lange Perioden mit
höheren Durchschnittstemperaturen und solche mit niedrigeren Durchschnitts-
temperaturen. Aus der Abbildung 5 geht hervor, dass es lange Phasen mit vergleichs-
weise höherer Durchschnittstemperatur (untere durchgehende Linie) von vor fast vier
Milliarden Jahren bis vor ca. 2,3 Milliarden Jahren gab.

Dann gab es nach einer Unterbrechung durch eine kältere Phase bzw. eine Eiszeit
noch einmal eine wärmere Phase von vor etwa 2,2 Milliarden Jahren bis vor einer
Milliarde Jahren. Innerhalb der letzten Jahrmillionen wechselten die Temperatur-
intervalle in kürzeren Abständen. Sogenannte Warmzeiten und Eiszeiten wechselten
einander in kürzeren Abständen ab. Worin lagen und liegen die Ursachen für solche
Klimaschwankungen? Wer oder was war bzw. ist dafür verantwortlich?

Zeit in Jahrmilliarden vor heute


Abb. 5: Klimaänderungen im Laufe der Klimageschichte.
Quelle: www.wikipedia.de. Lizenzstatus: GNU-FDL (Lizenz per Mail eingeholt) Bildquelle:
Schönwiese, Christian-Dietrich: Klima im Wandel, Tatsachen, Irrtümer, Risiken;
Deutsche-Verlags-Anstalt GmbH, 1992

Klimaänderungen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.

Merke:
Das Klima der Erde änderte sich, solange sie existiert. Der Begriff „Klimaänderung“
beschreibt allgemein eine Veränderung des Klimas der Erde über einen längeren
Zeitraum. Als Klimaveränderung wird ein Absinken oder Ansteigen der
Durchschnittstemperaturen der Erdoberfläche über Jahrtausende oder
Jahrmillionen verstanden.

Als Auslöser für einen natürlichen Klimawandel wurden inzwischen unterschiedliche


Ursachen erkannt, welche gegenwärtig als gut erforscht gelten. Davon sollen im
Folgenden einige ausgewählte Hauptursachen kurz besprochen werden.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Sonneneinstrahlung
Die von der Sonne auf die Erde abgegebene Energiemenge ist nicht konstant. Die
Ursachen dafür sind vielseitig. Als wesentlich gilt:
– Die Form der Bahn der Erde um die Sonne ändert sich in einem Zyklus von ca.
100. 000 Jahren
– Die Schrägstellung der Erdachse schwankt in einem Zeitraum von
ca. 40. 000 Jahren
– Die Strahlungsaktivitäten der Sonne ändern sich in einem Zyklus von
ca. 11 Jahren.

Obwohl die Änderung der eingestrahlten Sonnenenergie durch diese Schwankungen


nur relativ gering ist, können die Folgen drastische Ausmaße annehmen. Vor
ca. 600 Mio. Jahren bedeckten Eismassen die Erde von den Polkappen bis fast in die
Tropen hinein. Dieser vermutlich durch die Veränderung der Sonneneinstrahlung
hervorgerufene Vereisungsprozess verstärkte sich noch zusätzlich. Durch die
zunehmende Bedeckung der Erdoberfläche mit Schnee- und Eismassen konnte
besonders viel Sonnenstrahlung von den hellen Oberflächen wieder in den Weltraum
zurückreflektiert werden. Infolgedessen kühlte es sich immer stärker ab.

Vulkanaktivitäten
In kürzester Zeit gelangen enorme Mengen Gase und verschieden Schwebstoffe in
große Höhen der Atmosphäre (Abbildung 6). Die Folge kann eine mehrjährige
Abkühlung der Durchschnittstemperaturen auf der Erde sein.

Abb. 6: Vulkanische Aktivität des Anak Krakatau (2008).


Quelle: www.wikipedia.de. February 07, 2008 at 04:02. Quelle: Krakatau (Krakatoa,
Krakatao) / Indonesia, Sunda Straits. Urheber: flydime Lizenzstatus: Diese Datei ist
lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 2.0 Lizenz

Beispielsweise führte der Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 in den darauf
folgenden Jahren zu einer globalen Temperatursenkung um etwa 0,35 °C.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Meeresströmungen
Auch Veränderungen im komplexen System der globalen Meeresströmungen, wie sie
in Abbildung 7 schematisch dargestellt sind, spielen eine Rolle für die Gestaltung der
Temperaturen auf der Erde. Der relativ warme Golfstrom führt beispielsweise große
Energiemengen in Form von Wärme in den Nordatlantik, sodass an der Westküste
Englands Palmen wachsen können. Auch das bekannte Phänomen der weitgehenden
Eisfreiheit von Norwegens Westküste ist auf den Golfstrom zurückzuführen. Andere
Küstengebiete, die auf gleicher Höhe der Nordhalbkugel liegen, wie beispielsweise die
Ostküste Grönlands, sind währenddessen in weiten Gebieten vereist bzw.
vergletschert.

Abb. 7: Globales Förderband der Meeresströmungen.


Quelle: www.wikipedia.de. Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
veröffentlicht. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für
freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der
Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren.

Die Klimaverhältnisse sind auf der Erde folglich im Laufe der Zeit keinesfalls konstant.
Es gab Phasen der relativen Abkühlung und Phasen klimatischer Aufheizung.
Rekonstruieren lassen sich Klimaänderungen beispielsweise anhand fossile Tier- und
Pflanzenreste. Organismen, die während einer bestimmten Periode lebten, tragen
noch Spuren dieser Zeit in sich. Aber auch geologische Untersuchungen lassen recht
genaue Schlüsse auf Klimaverhältnisse vergangener Perioden zu.

3.4 Die globale Erwärmung: Nichts Besonderes –


Oder doch?

Im vorausgegangenen Kapitel wurde von Phasen der Abkühlung und sogenannten


„Warmphasen“ gesprochen. Gegenwärtig heizt sich das Klima, wie wir den unter-
schiedlichsten Informationsquellen entnehmen können, auf.

Der sich ankündigende Klimawandel hat viele Gesichter. Weltweit sich verschärfender
Wassermangel durch häufigere Dürren, Stürme und Orkane, die immer häufiger auch
in unseren Breiten auftreten, oder der Anstieg des Meeresspiegels, der insbe-
sondere flache Inselstaaten bedroht.

Berichte mit unterschiedlichem Informationsgehalt in den verschiedenen Medien


darüber gibt es am laufenden Band. Wie brisant die mit dem Klimawandel einher-

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

gehenden Folgen bereits jetzt sind, zeigt sich auch daran, dass die zunehmende
Wasserknappheit auf der Tagesordnung der G-8-Staaten bei ihrem diesjährigen
Treffen stand.

Wir haben im vorausgegangenen Kapitel erfahren, dass es im Laufe der Erdge-


schichte etliche Perioden mit unterschiedlichen Durchschnittstemperaturen gab. Ist
dann der gegenwärtig sich abzeichnende Klimawandel nicht ein natürliches
Phänomen, an dem es „nichts auszusetzen“ gibt? Oder gibt es Anzeichen dafür, dass
dieser Klimawandel andere Ursachen haben könnte als natürliche? Was spricht dafür,
was dagegen? Der Energiehaushalt der Erde wird in jüngster Zeit offensichtlich in
zunehmendem Maße verändert. Etliche Indizien sprechen dafür, dass der
wirtschaftende Mensch einen entscheidenden Beitrag zu dieser Veränderung leistet.
Sehen wir uns im Folgenden näher an, worum es sich dabei handelt.

Wie am Beginn einer natürlichen globalen Wärmeperiode, war während der


vergangenen Jahrzehnte ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur nahe
der Erdoberfläche zu verzeichnen. Abbildung 8 gibt die Entwicklung der globalen
Durchschnittstemperatur im letzten Jahrhundert wieder.

Abb. 8: Globale Durchschnittstemperaturen für den Zeitraum 1880 bis 2007 nach
den Messungen des amerikanischen Goddard Institute for Space Studies.
Quelle: www.wikipedia.de. Global average temperature 1880–2007. Source:
http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/. Diese Datei ist gemeinfrei (public
domain), da sie von der NASA erstellt worden ist. Die NASA-Urheberrechtsrichtlinie
besagt, dass „NASA-Material nicht durch Urheberrecht geschützt ist, wenn es nicht
anders angegeben ist“. (NASA-Urheberrechtsrichtlinie-Seite oder JPL Image Use
Policy).

Worin liegen nun die Ursachen für diesen deutlichen Temperaturanstieg? Vielfältige
Untersuchungen ergeben, dass zu den natürlichen Einflussfaktoren auf das Klima, wie
wir sie im vorangegangenen Kapitel beleuchtet haben, mit größter Wahrscheinlichkeit
auch menschliche Aktivitäten Einfluss auf das globale Klima nehmen. An erster Stelle
ist in diesem Zusammenhang der Einfluss des Menschen auf die Zusammensetzung
der Atmosphäre zu nennen.

Bis in eine Höhe von ca. 90 Kilometern setzt sich unsere Atmosphäre aus einem
Gasgemisch aus Sauerstoff (etwa 21%) und Stickstoff (etwa 78%) sowie einigen Edel-
und Spurengasen zusammen. Wir finden in diesem Gasgemisch, das wir auch als

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Luft bezeichnen, auch das sogenannten Treibhausgas Kohlendioxid, mit der


chemischen Formel CO2 und einem relativ geringen Anteil von etwa 0,038 % vor.

Treibhausgas – ein gasförmiger Stoff in der Luft, welcher auf natürlichem Wege oder
Treibhausgas
durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangt sein kann. Sie beeinflussen
den Strahlungs- bzw. Energiehaushalt der Erde.

Treibhauseffekt – Durch den Treibhauseffekt wird die Oberflächentemperatur auf der


Treibhauseffekt
Erde höher als sie ohne strahlungsaktive Gase in der Atmosphäre wäre.

Das Jahr 2006 war das Jahr, in welchem laut der Weltorganisation für Meteorologie
(www.wmo.int) die höchste, je gemessene Kohlendioxid-Konzentration in der
Atmosphäre nachgewiesen wurde.

Abb. 9: Entwicklung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre schematisch dargestellt


für die letzten 100 Millionen Jahre mit einer Prognose für die nächsten
300 Jahre.
Quelle: www.wikipedia.de. Datum 7. Oktober 2007(2007-10-07) Quelle: Urheber: Hannes
Grobe 19:58, 6 October 2007 (UTC). Genehmigung: (Weiterverwendung) Own work,
share alike, attribution required (Creative Commons CC-BY-SA-2.5). Diese Datei ist
lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz Attribution ShareAlike 2.5.

Die hohe CO2-Konzentration in den Anfängen der Erdgeschichte hängt mit intensivem
Vulkanismus und extrem hohen Temperaturen auch im Bereich der Erdoberfläche
zusammen. Bis zum Beginn des Industriezeitalters verläuft die Entwicklung der
CO2-Konzentration in der Atmosphäre von menschlichen Aktivitäten relativ unberührt.
Doch seitdem hat sich der CO2-Ausstoß durch Industrie, Individualverkehr und
Brandrodung riesiger Waldflächen weltweit verachtzigfacht (Diercke, 2007). Das
Diagramm in der Abbildung 9 illustriert diesen Verlauf.

Der rasche Anstieg von CO2, wie er in der Grafik anhand der dunkelroten, immer
breiter verlaufenden Kurve angezeigt wird, ist vor allem eine Folge der permanenten
Verbrennung fossiler Brennstoffe durch den Menschen. Wie sich die CO2-Konzen-
tration in der Zukunft ohne Einwirkung des Menschen voraussichtlich entwickeln
würde, zeigt der rosafarbene, in die Zukunft weisende Pfeil an. Man erkennt durch das
weite Auseinanderklaffen der beiden Verläufe die unterschiedlichen Zustände der
Atmosphäre aufgrund ihrer Zusammensetzung leicht.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Doch was bewirken nun die Treibhausgase? Welche Rolle spielt das zunehmende
CO2 in der Atmosphäre? Wie entsteht der Treibhauseffekt? Sehen wir uns die
Energiebilanz der Erde anhand eines vereinfachten Schemas, wie in Abbildung 10
dargestellt, etwas näher an. Die energetischen Ströme lassen sich folgendermaßen
umreißen:
a. Sonnenstrahlung dringt durch die Atmosphäre und trifft auf die Erdoberfläche
(gelbe Stränge). Durch Wolken, die Atmosphäre und den Boden wird ein Teil der
Sonnenstrahlung direkt in den Weltraum zurückgeworfen.

b. In (Wärme-)Strahlung umgewandelte Sonnenstrahlung wird von der


Erdoberfläche zurückgestrahlt und in der Atmosphäre zu großen Teilen
absorbiert (rote Stränge).
c. Im thermischen Gleichgewicht wird die absorbierte Energie der Atmosphäre je
zur Hälfte in Richtung Erde und Weltall abgestrahlt.

In der Erdatmosphäre bewirken Treibhausgase, wie Wasserdampf, Kohlendioxid


und Methan, seit Bestehen der Erde einen Treibhauseffekt, der ausschlaggebend für
die Klimageschichte der Erde ist. Neben Kohlendioxid ist der Wasserdampf in der
Atmosphäre einer der Hauptabsorber von Wärmeenergie und trägt somit ebenfalls
kräftig zum Treibhauseffekt bei. Der Anteil des Wasserdampfes ist in der Atmosphäre,
abhängig von verschiedenen Faktoren wie der Lufttemperatur, wechselnd.

Merke:
Insbesondere mit dem Wasserdampf und dem Kohlendioxid enthält die Atmosphäre
zwei Bestandteile, welche für die einfallende Sonnenenergie kaum von Bedeutung
sind, jedoch für die abzugebende Wärmestrahlung eine große Bedeutung haben,
indem sie diese absorbieren, also speichern. Dadurch wird die Temperatur, je nach
vorhandener Menge der Treibhausgase, weltweit heraufgesetzt.

Abb. 10: Die Energiebilanz der Erde für die Periode 2000 – 2004. Die Zahlen geben
die Leistung der Strahlung in Watt/Quadratmeter an.
Quelle: www.wikipedia.de. Datum: 2009/02/07. Trenberth, Fasullo and Kiehl (2009): Earth’s
global energy budget. In: Bulletin of the American Meteorological Society, preprint

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

(PDF), based on Kiehl and Trenberth 1997 (PDF). Urheber: NASA, translated by
IqRS, redrawn by Christoph S. Diese Bild- oder Mediendatei wurde von mir, ihrem
Urheber, zur uneingeschränkten Nutzung freigegeben. Das Bild ist damit gemeinfrei
(„public domain“). Dies gilt weltweit.

Im Gegensatz zu natürlich verlaufenden Klimaänderungen in Zeiträumen, welche


Jahrmillionen umfassen können, konzentriert sich der gegenwärtig zu verzeichnende
Klimawandel auf wenige Jahrzehnte. Die durch menschliche Aktivitäten verursachte
Erhöhung der Konzentration der Treibhausgase im letzten Jahrhundert führte in
kürzester Zeit zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur.

Als sicher gilt, dass die globale Durchschnittstemperatur in naher Zukunft um etwa
2 bis 4,5°C steigen wird. Als gesichert gilt auch, dass sich die Temperaturen regional
sehr unterschiedlich entwickeln werden. Als relativ unsicher hingegen gilt, wie sich
andere Faktoren des komplexen Systems Erde entwickeln und verhalten werden. Es
gibt jedoch Entwicklungen, welche im Zusammenhang mit den Folgen des Klima-
wandels als wahrscheinlich gelten. Einige davon sind (Auswahl):
a. Es wird häufiger zu Wetterextremen und damit einhergehenden
Naturkatastrophen kommen.
b. Große Teile des Dauerfrostbodens in den Polargebieten dieser Erde werden
vermutlich auftauen, wodurch große Mengen des klimawirksamen Methans
freigesetzt werden.
c. Die Ozeane erwärmen sich und dehnen sich durch die Erwärmung aus, wodurch
der Meeresspiegel weiter steigt.
d. Weitgehendes Abschmelzen der Polkappen und der Gletschermassen
(Alpengletscher, Grönlandeis etc.) weltweit, wodurch der Meeresspiegel weiter
ansteigt (vgl. Diercke, 2007).

Der Mensch hat es also im Laufe weniger Jahrzehnte zustande gebracht, die
CO2-Konzentration in der Atmosphäre um ca. ein Drittel zu erhöhen. Die drastischen
und zum Teil verheerenden Folgen wird die gesamte Menschheit auf die eine oder
andere Weise treffen. Doch was können wir tun, um den Klimawandel nicht weiter
voranzutreiben? Welches Beispiel können wir aufstrebenden sog.

Entwicklungsländern geben, die ihrerseits gerade dabei sind, ihr Leben an westlichen
Standards zu orientieren? Immenser zusätzlicher CO 2-Ausstoß wäre die unausweich-
liche Folge, sollte unser derzeitiger Lebensstandard mit dem enormen Ressourcen-
verbrauch als Maßstab gelten.

3.5 Globale Erwärmung – Was können wir tun?

Doch welche Maßnahmen lassen sich ergreifen, um die vom Menschen verursachte
globalen Erwärmung aufzuhalten? Wie können wir möglichen Folgen entgegenwirken
bzw. diese abmildern? Aus der Perspektive der meisten am Phänomen „globale
Erwärmung“ forschenden Wissenschaftler, ist der Klimawandel nicht mehr aufzu-
halten. Allerdings wird noch davon ausgegangen, dass die Folgen dieses globalen
Wandels noch abzumildern bzw. zu begrenzen sind.

An erster Stelle steht die Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, um den
Ausstoß des Treibhausgases CO2 spürbar zu reduzieren. Aber auch die Freisetzung
anderer klimawirksamer Treibhausgase, wie Methan, sind einzudämmen, indem in der

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

Landwirtschaft z. B. die industrielle Produktion von Fleisch umgestellt oder verringert


wird.

Entscheidend ist grundsätzlich die konsequente und drastische Reduktion der


unnatürlichen Freisetzung von Treibhausgasen. Zusammengefasst sind hier
wesentliche Maßnahmen, welche dies erreichen können (nach Diercke, 2007):
– mehr Energieeffizienz (z. B. Nutzung von Abwärme in der Industrie)
– Einsparung von Energie (z. B. kraftstoffsparende Motoren, Vermeidung von
Transporten, z. B. beim Kauf von regional erzeugten Produkten)
– Nutzung regenerativer Energien (z. B. Nutzung von Windenergie)
– Verringerung der Methan-Emissionen in der Landwirtschaft (z. B. durch
Umstellung auf andere Pflanzensorten)
– Veränderung der Ernährungsgewohnheiten durch den Verzehr von weniger
Fleisch und mehr Gemüse

Zusätzlich zu den Maßnahmen, die den Klimawandel eindämmen sollen, ist es


sinnvoll, über Maßnahmen nachzudenken, welche eine Anpassung an den
unvermeidlichen Klimawandel darstellen, wie z. B. der Bau moderner Deiche im
Küstenbereich oder Vorhersagesysteme bei drohenden Naturkatastrophen.

Abschließend können wir festhalten, dass es auf dieser Erde aufgrund der jeweiligen
räumlichen Situation sehr unterschiedlich ausgeprägte Klimate gibt. Dieser natürlich
bedingten Vielfalt wird gegenwärtig eine durch den Menschen hervorgerufene
Komponente weltweit hinzugefügt. Wie sich diese aktive Klimabeeinflussung im
Einzelnen auswirken wird, ist noch weitgehend unklar. Sicher ist, dass in naher
Zukunft eine spürbare Änderung eintreten wird – wie stark diese Änderung sein wird,
kann momentan noch jeder Einzelne durch seine ganz persönliche Lebensweise
beeinflussen.

3.6 Selbstlernaufgaben

1. Was bedeutet der Begriff „fossil“? Schlagen Sie in der Ihnen verfügbaren Literatur
nach und kreuzen Sie den richtigen Begriff an:
a urzeitlich
b. weltweit
c begrenzt

2. Welchem Klimagebiet kann das Beispiel in Abbildung 4 zugeordnet werden?


Benutzen Sie für die Lösung dieser Aufgabe die Abbildung 1 in diesem Lernheft.

3. Die globale Durchschnittstemperatur wird in naher Zukunft steigen. Wie viel Grad
Celsius wird dieser Anstieg voraussichtlich betragen?
a. etwa 2 bis 4,5°C
b. etwa 0,7 °C
c. etwa 0,2°C

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

4. Nennen Sie mindestens drei Klimafaktoren. Wodurch unterscheiden sich Wetter


und Klima hauptsächlich?

5. Klimaänderungen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.


Zählen Sie drei wesentliche Beispiele auf:

6. Wie lassen sich Klimaänderungen rekonstruieren? Nennen Sie zwei Beispiele.

7. Was bedeutet der Begriff „Emission“ aus geographischer Sicht? Schlagen Sie in
der Ihnen verfügbaren Literatur nach oder nutzen Sie elektronische Medien.

8. „Smog“ ist ein umgangssprachlich häufig verwendeter Begriff. Erklären Sie ihn
kurz.

3.7 Zusammenfassung

– Die globale Mitteltemperatur liegt heute bereits um etwa 0,7 °C höher als im 19.
Jahrhundert.
– Die Folgen dieses globalen Temperaturanstieges gehen mit lokalen
Klimaextremen einher. Weltweite Folgen sind die Zunahme von
• Hitzewellen,
• Kälte- und Dürreperioden,
• Überschwemmungen,
• Stürmen und Orkanen,
• Abschmelzen der Gletschermassen.

Klima – Klimatologie – Klimageographie


– Klimafaktoren sind beispielsweise:
• Niederschlag,
• Temperatur,
• Luftdruck oder
• Sonneneinstrahlung.
– Wetter kann kurzfristig bereits durch den Einbruch neuer Luftmassen stark
beeinflusst werden, das Klima einer Region wird langfristig, über mehrere Jahre
hinweg, ermittelt.
– Bei der Klimageographie stehen vor allem die Wechselwirkungen und
Abhängigkeiten zwischen der Atmosphäre und der Erdoberfläche im Mittelpunkt
der Untersuchungen.

Das Klima im Wandel der Zeit


– Die Temperatur hat sich weltweit im Laufe der Erdgeschichte immer wieder
geändert.
– Schwankungen der Temperatur traten in den letzten Jahrmillionen in
unterschiedlich langen Zeitspannen auf.
– Warmzeiten und Eiszeiten wechselten einander ab.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

– Klimaänderungen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen


werden.
– Man kann zwischen natürlich und unnatürlich bedingten Klimaänderungen
unterscheiden.
– Auslöser für einen natürlichen Klimawandel können beispielsweise sein:
• inkonstante Sonneneinstrahlung,
• Vulkanaktivitäten,
• Änderungen von Meeresströmungen.

Die globale Erwärmung: Nichts Besonderes – oder doch?


– Der Energiehaushalt der Erde wird in jüngster Zeit offensichtlich in
zunehmendem Maße verändert
– Indizien sprechen dafür, dass die Ursachen für den gegenwärtigen Anstieg der
globalen Durchschnittstemperatur durch den Menschen verursacht sind.
– Der gegenwärtig zu verzeichnende Klimawandel konzentriert sich auf wenige
Jahrzehnte.
– Vor allem spielt der Einfluss des Menschen auf die Zusammensetzung der
Atmosphäre eine ausschlaggebende Rolle.
– Das Treibhausgas Kohlendioxid gelangt auf natürlichem Wege oder durch
menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre.
– Durch den Treibhauseffekt wird die Oberflächentemperatur auf der Erde höher.
– Seit Beginn des Industriezeitalters hat sich der CO2-Ausstoß durch Industrie,
Individualverkehr und Brandrodung riesiger Waldflächen weltweit
verachtzigfacht.

Globale Erwärmung – Was können wir tun?


– drastische Reduktion der unnatürlichen Produktion von Treibhausgasen
– Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe, um den Ausstoß des
Treibhausgases CO2 spürbar zu reduzieren
– weitgehende Umstellung der Lebensweise z. B. durch Veränderung der
Ernährungsgewohnheiten bzw. der Verhaltensweisen in Bezug auf den
Verbrauch von Energie in jeglicher Form (Gebrauch des Autos, Flugreisen, Kauf
regionaler Produkte etc.)

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

3.8 Hausaufgabe

1. Welcher Klimaregion ist Deutschland zuzuordnen? Beschreiben Sie dieses


Klima etwas genauer. Ziehen Sie zur Klärung dieser Frage auch aktuelle
Informationen aus dem Internet heran.

2. Recherchieren Sie in verschiedenen, Ihnen zur Verfügung stehenden Medien


nach Warmzeiten und Eiszeiten. Wie sind Warm- und Eiszeiten darin definiert?

3. Stellen Sie tabellarisch zusammen, aus welchen Gasen sich die Erdatmosphäre
hauptsächlich zusammensetzt? Geben Sie Mengenanteile mit an. Welche Gase
davon können als Treibhausgase bezeichnet werden?

4. Geben Sie stichwortartig an, worin der treibhauswirksame Effekt der


Treibhausgase besteht.

5. Recherchieren Sie beispielsweise im Internet nach diesjährigen Themen beim


Treffen der G-8-Staaten. Welche Themen könnten sich auf den Klimawandel
beziehen? Diskutieren Sie kurz ihre Rechercheergebnisse.

3.9 Lösungen zu den Selbstlernaufgaben

1. a. urzeitlich

2. tropische Klimazone

3. a. etwa 2 bis 4,5°C

4. Niederschlag
Temperatur
Luftdruck oder
Sonneneinstrahlung
Zeitfaktor

5. Klimaänderungen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden.


Zählen Sie drei wesentliche Beispiele auf:
a. Veränderung der Sonneneinstrahlung
b. Vulkanismus
c. Veränderung von Meeresströmungen

6. Klimaänderungen lassen sich anhand


– fossilen Tier- und Pflanzenreste oder auch durch
– geologische Untersuchungen
rekonstruieren.

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Physische Geographie – Aspekte der Klimageographie Lernheft 3

7. Der Begriff Emission bedeutet aus geographischer Sicht:Ausstoß von


Schadstoffen (in die Atmosphäre).

8. „Smog“ setzt sich zusammen aus den Worten „Rauch“ (smoke) und „Nebel“ (fog).

Smog ist eine Mischung aus Luftverunreinigungen, die meist über Großstädten
oder Industrieballungen ausgestoßen werden.

Bei begünstigenden Wetterlagen reichern sich Bestandteile wie Autoabgase,


Staub, Ascheteile und Salzkristalle dem in der Luft befindlichen Wasserdampf
bei.

3.10 Anhang

Quellen:

Borchert, G. (1993):
Klimageographie in Stichworten. Hirts Stichwortbücher. Borntraeger, 2. Auflage.

Goudie, A. (1995):
Physische Geographie. Spektrum Akademischer Verlag.
Heidelberg, Berlin, Oxford.

Latz, W. (2007):
Diercke Geographie. Westermann. Braunschweig.

Leser, H. (1997):
Wörterbuch Allgemeine Geographie. DTV. München.

Weischet, W. (2008):
Einführung in die Allgemeine Klimatologie. Borntraeger, 7. Auflage

World Wide Web: www.wikipedia.de / www.wikipedia.org

Zum Weiterlesen sehr zu empfehlen:

Latz, W. (2007):
Diercke Geographie. Westermann. Braunschweig.
Im Internet: www.wikipedia.de und www.wmo.int (englischsprachig) unter den
Stichworten „Globale Erwärmung“, „Klimawandel“, „Climate Change“ bzw. „Global
Change“

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