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PN1 - Physik 1 für Chemiker und Biologen WS 2019/20

PD. T. Lohmüller Übungsblatt 6

Übungsblatt 6
Besprechung am 03.12.2019/05.12.2019

Aufgabe 1
Stokes & Viskosität. Die Widerstandskraft kleiner kugelförmiger Teilchen in einem Fluid
kann durch das Stokessche Gesetzt beschrieben werden. Für sie gilt Fw = −6πηrv , wobei
r den Teilchenradius, η die Viskosität und v die Geschwindigkeit beschreibt.

a) Schadstoffpartikel mit 15 µm Durchmesser und einer Dichte von 3 g/cm3 fallen unter
dem Einfluss der Gravitation aus der Luft (Viskosität η = 1, 81−5 Ns/m2 ) in Richtung
der Erdoberfläche. Welche Gleichgewichtsgeschwindigkeit haben die Partikel?

b) Ein Reagenzglas mit einer Luftprobe dieser Schadstoffpartikel soll zentrifugiert werden,
um das Absetzen der Partikel am Boden des Reagenzglases zu beschleunigen. Hierzu
wird eine Zentrifuge mit 12000 Umdrehungen pro Minute verwendet. Berechnen Sie
die radiale Geschwindigkeit der Schadstoffpartikel im Reagenzglas, die sich 15 cm vom
Mittelpunkt der Zentrifuge entfernt befinden.

c) Vergleichen Sie die Zeit, welche die Schadstoffteilchen maximal benötigen, um sich am
Boden eines 8 cm hohen Reagenzglases abzusetzen, wenn sie frei fallen und wenn sie mit
der als über die Länge des Reagenzglases konstant angenommenen Geschwindigkeit aus
Teilaufgabe b) zentrifugiert werden.

Aufgabe 2
Felix Baumgartner vs. Gewöhnlicher Fallschirmspringer. Ein gewöhnlicher Fall-
schirmspringer mit einer Masse von m = 80kg springt aus einer Höhe von 6 km aus einem
Flugzeug. Die bei diesem Sprung auftretenden Reibungskräfte können gut durch die in der
Vorlesung besprochene Newton’sche Reibung genähert werden.

a) In der stabilen Flugposition mit gespreizten Armen und Beinen hat der Fallschirmsprin-
ger eine Referenzfläche von A = 0,800 m2 und einen CW von 0,715. Die Dichte von Luft
beträgt 1,00 kg/m3 . Welche maximale Endgeschwindigkeit kann der Fallschirmspringer
in dieser Position erreichen? Hinweis: Für die Berechnung der Endgeschwindigkeit setzen
sie die Gewichtskraft der Reibungskraft gleich.

b) Der Fallschirmspringer möchte jetzt so schnell wie möglich fallen, deshalb springt er mit
dem Kopf voraus, wodurch sich zum einen seine Referenzfläche auf 0,150 m2 verringert
und er etwas windschnittiger wird, weshalb sein CW -Wert auf 0,610 sinkt. Wie schnell
kann er jetzt maximal werden?

c) Am 14. Oktober 2012 erreichte Felix Baumgartner eine Geschwindigkeit von 1357,6km/h
im freien Fall. Wie war das möglich? Welche (als konstant angenommene) Dichte der
Luft ist nötig um diese Endgeschwindigkeit zu erreichen? Bei dieser Geschwindigkeit ist
eine stabile Fluglage unmöglich, man rotiert unkontrolliert. Rechnen Sie deshalb mit den
Flächen- und CW -Werten aus a).

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Aufgabe 3
Raumstation ISS in Erdumlaufbahn. Die Raumstation ISS befindet sich auf einer sta-
bilen, kreisförmigen Umlaufbahn um die Erde. Ihre Masse beträgt mISS = 455 t. In der
folgenden Aufgabe können die Erdrotation und die Luftreibung der Thermosphäre (Atmo-
sphärenschicht in 85 - 500 km über der Erde) vernachlässigt werden.

a) Stellen Sie eine Gleichung für stabile, kreisförmige Umlaufbahnen um die Erde, mit der
Erd-Masse ME = 5, 97 · 1024 kg, auf. Geben Sie einen Ausdruck für die Umlaufzeit (d.h.
die Zeit für eine vollständige Umrundung der Erde) als Funktion des Radius der Um-
laufbahn an.
Hinweis: Die Gravitationskraft zwischen zwei Massen m1 und m2 wird bestimmt durch
das Newton’sche Gravitationsgesetz: FGravitation = G m1r·m 2
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mit der Gravitationskonstan-
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te G = 6,67 · 10 −11 m
. Für eine stabile Umlaufbahn, muss die Gravitationskraft genau
kg·s2
der Zentripetalkraft entsprechen.

b) Die Raumstation befindet sich in einer kreisförmigen Umlaufbahn 400 km über der Erde.
Der Erdradius beträgt RE = 6370 km. Wie lange benötigt die Raumstation für eine
vollständige Erdumrundung?

c) Die Umlaufbahn der ISS ist in Wirklichkeit nicht ganz stabil und muss unter Treibstoff-
verbrauch immer wieder korrigiert werden. Welche Ursachen könnte dies haben und was
wäre eine mögliche Lösung?

Aufgabe 4
Bungeeseil Extrem. Fred will es so richtig wissen. Diesmal steht er auf einer Brücke
300 m über einem spitzen Felsen. Er möchte den Bungeesprung so durchführen, dass er
am tiefsten Punkt mit seinem Kopf die Spitze des Felsens am Boden zwar berührt, dabei
allerdings keine Relativgeschwindigkeit mehr zum Felsen hat (physikalisch gesehen ist das
also völlig ungefährlich). Nähern Sie das Bungeeseil als ideale Feder und vernachlässigen
Sie den Luftwiderstand.

a) Schlagen Sie Fred (m = 80,0 km ) ein Seil vor mit dem er diesen Sprung durchführen
kann. Hinweis: Rechnen Sie mit dem Energieerhaltungssatz und berechnen Sie die benötig-
te Federkonstante für eine beliebige sinnvolle ungedehnte Ausgangslänge l0 des Seils.

b) Mit den Annahmen aus Aufgabe a) würde Fred nachdem er den Stein berührt hat auch
wieder die volle Höhe erreichen, also gegen die Brücke prallen, oder im besten Fall wieder
auf der Brücke stehen. In der Praxis beobachten wir das nicht. Bedeutet das, dass die
Energieerhaltung nur in der Theorie Gültigkeit hat?

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