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AB0-System

1. Allgemein über Blut:


Blut (lateinisch Sanguis): im Herz-Kreislauf-System (Blutkreislauf) zirkulierende Körperflüssigkeit, die dem
allgemeinen Stofftransport und –austausch (z.B. Sauerstoff) dient.
Die Blutmenge des Menschen beträgt etwa 78% seines Körpergewichts, beim Erwachsenen (bei 70 kg
Körpergewicht) etwa 4,5-6l. Das Blut setzt sich aus dem Blutplasma (Serum + Fibrinogen) und aus den
geformten Bestandteilen, den Blutkörperchen (rote Blutkörperchen: Erythrozyten), zusammen.

2. AB0-Blutgruppensystem:

a)Allgemein:
Der österreichische Arzt Karl Landsteiner (1868-1943) entdeckte im Jahre 1900, dass sich das menschliche Blut
hinsichtlich der Fähigkeit des Serums unterscheidet, rote Blutkörperchen zu agglutinieren (d. h. sie
zusammenklumpen zu lassen).
->AB0-System:
- Gene zeigen keine Modifikation und mutieren nur ganz selten
- 100%ige Penetranz, d.h. das dem dominanten Gen zugeordnete Merkmal
- Gene unabhängig von Umweltfaktoren, Alter der Person sowie das
Verhalten von anderen Genen
- Multiple Allelie: d.h. es existieren mehr als zwei verschiedene Allele für ein Gen,
von den der Mensch nur 2 davon besitzt. Beim AB0-System gibt es also folgende
drei unterschiedliche Allele: A, B, 0
- Gene A und B sind dominant über 0
- Im heterozygoten Zustand AB kommen beide Allele gleichwertig zur Ausprägung
-> kodominanter Erbgang

b) Blutgruppenmerkmale:
Auf der Membranoberfläche der Erythrozyten befinden sich - wie bei allen Zellen - bestimmte, den speziellen
Organismus kennzeichnende Moleküle, Antigene. Diese Antigene bestimmen die Blutgruppe eines Menschen.
Übersicht über die vier menschlichen Blutgruppen

Erythrocyten- Antikörper
Blutgruppe Genotyp
Antigen im Serum
A AA oder A β
A0
B BB oder B α
B0
AB AB A und B keine
0 00 keine α und β

c) Blutgruppenbestimmung:
Die Blutgruppen sind untereinander nur begrenzt verträglich, denn 3 Monate nach der Geburt bilden sich diese
Antikörper im Blutplasma gegen die Antigene der anderen Blutgruppen. Es wird diskutiert ob diese
Antikörperbildung aufgrund E.coli-Bakterien geschieht, da jene zu dieser Zeit den Darm besiedeln. Diese
Antikörper werden als Agglutinine bezeichnet, weil das Blut infolge der Antikörperproduktion verklumpt),
kommt es mit dem Blut einer anderen Blutgruppe in Berührung. Plasma der Blutgruppe B enthält z. B.
Agglutinine gegen die roten Blutkörperchen der Blutgruppe A (Anti-A genannt), Plasma der Blutgruppe A
Agglutinine gegen die Blutgruppe B (Anti-B). Plasma der Blutgruppe 0 enthält Agglutinine gegen die
Blutgruppen A und B. Hingegen enthält Blutgruppe AB keine Agglutinine gegen eine andere Blutgruppe. Wenn
man einer Blutprobe Serum mit den verschiedenen Antikörpern zufügt, kann man durch die Reaktion des Bluts
(Verklumpung oder nicht) genau feststellen, um welche Blutgruppe es sich handelt. Gibt man z. B. der
Blutgruppe B ein Anti-A-Serum hinzu, kommt es zu keiner Verklumpung, gibt man jedoch ein Anti-B-Serum
hinzu, kommt es zur Agglutination.
Betrachtet man die Tabelle, so stellt man fest, dass beim Mischen von Blut nur bei Übereinstimmung der beiden
Blutgruppen keine Agglutination entsteht. Man kann also nur Blut der gleichen Blutgruppe übertragen.
Lediglich, wenn wir Körperchen und Serum getrennt übertragen, gibt es mehr Möglichkeiten. Die früher
gebrauchten Begriffe Universal-Spender (Blutgruppe 0) und Universal-Empfänger (Blutgruppe AB) gelten somit
nicht für Blutübertragungen, sondern nur bei Übertragung von Blutkörperchen.

3.Entstehung der einzelnen Blutgruppen:

Blutgruppe A:
25 000 -15 000 v.Chr. : Ernährung hauptsächlich von Getreide. Durch diesen Wechsel in ihren
Ernährungsgewohnheiten veränderte sich auch der Verdauungstrakt und das Immunsystem des Menschen, um
besser die neue Nahrung tolerieren und absorbieren zu können. Durch das neue Zusammenleben der Menschen
kam es auch zu mehr infektiösen Krankheiten. Menschen mit der Blutgruppe A sind deutlich weniger anfällig
gegen bakterielle und virale Krankheiten als solche mit der Blutgruppe 0.

Blutgruppe B:
Zwischen 15000 und 10000 v.Chr. entwickelte sich in der Region des Himalaja die Blutgruppe B. Vermutlich
aufgrund der klimatischen Unterschiede der heißen afrikanischen Wüste zu den kalten Regionen der
himalayanischen Hochebene mutierte die Blutgruppe 0 zur Blutgruppe B.

Blutgruppe AB:
Menschen mit Blutgruppe AB sind sehr selten. Nur etwa 4% der Bevölkerung hat diese Blutgruppe. Die ersten
Menschen mit Blutgruppe AB findet man etwa ab 900 v.Chr., als Horden von Einwanderer über Europa einfielen
und sich mit der westlichen Bevölkerung vermischten. Das Immunsystem von Menschen mit Blutgruppe AB ist
sehr viel weiter entwickelt als jenes von Menschen mit den Blutgruppen A oder B. Das Immunsystem von AB ist
besser in der Lage, Antikörper gegen Antigene und den damit einhergehenden Krankheiten zu entwickeln.

Blutgruppe 0:
Die Blutgruppe 0 ist die älteste Blutgruppe, die man kennt. Zu dieser Gruppe gehörten die Neandertaler und
später die Cro-Magnon- Menschen.

4. Blutgruppenverteilung in Deutschland:

Blutgruppe A: 43%
Blutgruppe B: 10%
Blutgruppe AB: 5%
Blutgruppe 0: 40%

5. Anwendungen:

- Bluttransfusionen
- Transplantationsmedizin zum Feststellen der Kompatibilität (Verträglichkeit) zwischen den
Blutgruppen des Spenders und Empfängers (Vermeiden von Transplantatabstoßung u.a.)
- Rechtsmedizinische (z.B. Identifizierung von Blutspuren) und anthropologische
Untersuchungen (Klärung von Fragen der Abstammung und Vererbung
-> Vaterschaftsgutachten) von Bedeutung

6. Heutiger Stand der Blutgruppenbestimmung:

Es werden heute über 10 verschiedene Blutgruppensysteme mit mehr als 100 antigenen Blutgruppenmerkmalen
unterschieden. Neben dem AB0-System ist das Rhesusfaktorsystem am bekanntesten, wobei hier die Ausbildung
des D-Antigens (Rhesusgen) dominant ist.

Rainer Schneider, 22.10.03