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Die Geburtswehen der „Neuen Welt“

April 13, 2022


Geopolitische Skizzen und der Ausblick auf ein russisches Jahrhundert
von Dan Mueller 
„Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande?“ zitierte
Papst Benedikt XVI. am 22. September 2011 in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag den
spätantiken Kirchenlehrer Augustinus von Hippo. Nach Ansicht von Germano Dottori, Professor für
Internationale Sicherheit und für Strategische Studien in Rom, wurde der deutsche Papst wenig
später mithilfe finanzieller Erpressung durch amerikanische Regierungskreise nicht nur deshalb aus
dem Amt gedrängt, weil er sich der Islamisierung des Westens entgegengestellt, sondern auch, weil
er sich geopolitisch für eine europäische Integration Rußlands eingesetzt habe. 
Die Räuberbande, von der Benedikt XVI. sprach, war zu diesem Zeitpunkt bereits von der Leine
gelassen. Sogar schon nach dem oberflächlichen Studium des Libyenkriegs 2011 konnte der
Beobachter des politischen Geschehens erkennen, was Absprachen und Verträge mit den westlichen
Demokratien wert sind: Nichts. Und was deren Devisen, vor allem Dollar, Euro und Pfund, im
Zweifelsfall noch wert sind: ebenfalls nichts, vor allem dann nicht, wenn sie auf Konten der
westlichen Wertegemeinschaft liegen und dort „eingefroren“ - Umgangsdeutsch: gestohlen - werden
können, und sogar die eigene Währung im wirtschaftlichen Austausch nicht mehr akzeptiert wird.
Als Teil des vom Weißen Haus unlängst öffentlich gemachten Plans, Rußland wegen des
Ukrainekriegs in den Staatsbankrott zu treiben, untersagte das US-Finanzministerium dieser Tage
den heimischen Banken die Annahme von US-Dollar für die Rückzahlung russischer
Staatsschulden. 
Mehrere Hundert Milliarden Euro und Dollar russischer Auslandsdevisen hat der „Werte-Westen“
auf den Konten seiner Banken blockiert. Kaum geklaut, sollen sie hehlergleich an den
Staatenkumpel Ukraine verschoben werden („Reparationen“), um von dort aus wieder in die
eigenen Taschen zu fließen („Wiederaufbau“). Was man mit der Hehlerware der eigenen Kriege
gemacht hat - der Irak und Syrien lassen ölig grüßen -, läßt sich auch mit der von Kriegen anderer
inszenieren, vor allem, wenn man diese selber provoziert hat: sogar die Konzerntöchter russischer
Unternehmen sollen enteignet werden. Angesichts der Reserven der libyschen Zentralbank und der
irakischen Nationalbank, die sich während der NATO-Kriege wundersamerweise in Luft auflösten,
machen sich die paar Milliarden, die die US-Regierung vor kurzem von der afghanischen
Zentralbank beschlagnahmt hat, geradezu wie „Peanuts“ aus. Und da sind die blockierten Gelder
der venezolanischen Auslandskonten samt der Goldbestände in London noch gar nicht mit
eingerechnet. Die versuchte Erpressung der amerikanischen Regierung, einen Teil dieser Gelder
freizugeben, wenn sich der Eigentümer gegen Rußland wendete, lehnte die venezolanische
Regierung unlängst mit Hinweis auf den fragwürdigen Charakter des Erpressers ab.
Pax Americana: vom Stehlen & Hehlen... 
Auch diplomatische Regeln, Grundlage eines staatlichen Miteinanders, gelten nicht mehr: die
NATO-Staaten brechen mit ihren Massenausweisungen des diplomatischen Personals der
Russischen Föderation die Beziehungen de facto ab, die USA weisen sogar russische Diplomaten
der UNO-Vertretung aus, Polen blockiert das Konto der russischen Botschaft und beschlagnahmt
deren Eigentum - entgegen bestehender internationaler Absprachen und völkerrechtlicher Verträge.
Doch was der „Werte-Westen“ vom Völkerrecht hält, hat er schon eindrucksvoll in Jugoslawien und
Libyen bewiesen. Wer außer ihresgleichen will denn mit solchen Halunken noch Geschäfte
betreiben, die ihre Verträge und Versprechungen nach Gutdünken sogar untereinander brechen (wie
beim französisch-australischen U-Boot-Vertrag vor wenigen Monaten) und deren Währungen im
Zweifelsfall nichts mehr wert sind? Da paßt es wie die Faust aufs Auge, daß ausgerechnet der EU-
Kommissar für Justiz und Rechtsstaatlichkeit, Didier Reynder, dem Übertrag konfiszierten
russischen Eigentums an die Ukraine sein Placet gegeben hat und daß Josep Borrell, Hoher
Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik des Friedensnobelpreisträgers von 2012, der
Europäischen Union, den Krieg gegen Rußland gegenüber Friedensverhandlungen mit Rußland
vorzieht. Die Staaten dieser „Wertegemeinschaft“ gerieren sich schlimmer als Mafiasippen – die
sind zwar auch wortbrüchig und brutal, kennen aber wenigstens einen Ehrenkodex. 
Ein solcher scheint den angelsächsischen Demokratieverfechtern allerdings schon wesentlich früher
abhanden gekommen zu sein, liebäugelten sie doch schon vor Jahrhunderten mit der Piraterie.
Neben dem Stehlen und Hehlen ausländischer Werte wurden mit den Steuern der eigenen Bürger
Diktaturen installiert und Diktatoren hofiert, um Jahre später, mittels Revolutionen und Kriegen
gegen ebendiese, eine reiche Ernte einzufahren. Das ist nicht erst seit dem „Maidan“ und der
militärischen Unterstützung ukrainischer Rechtsradikaler bekannt; schon die Nationalsozialisten
wurden mit ausländischen, vor allem amerikanischen Geldern in die Lage versetzt, den Aufstieg
und die Aufrüstung ihres braunen Regimes zu organisieren. Daß die Demokratien diese
hochgestellten Mitwisser ihrer zynischen Gewaltpolitik nicht in ein Zeugenschutzprogramm
übernehmen, sondern sich ihrer auf eher unschöne Weise zu entledigen wissen, erfuhren die
Deutschen nach dem „Nürnberger Tribunal“, als ihre politischen und militärischen Führungskräfte
gemäß den Urteilen der Siegerjustiz aufgeknüpft oder durch langjährige Haftstrafen mundtot
gemacht wurden. 
...und Hängen & Pfählen 
Doch „Nürnberg“ scheint nur eine Blaupause für unsere Zeit gewesen zu sein. Erst wurde der
irakische Diktator Saddam Hussein vom damaligen US-Sonderbotschafter Donald Rumsfeld mit
Chemiewaffen aufgerüstet, um dann für den Einsatz derselben vom gleichen Rumsfeld, Jahre später
in dessen neuer Funktion als US-Kriegsminister, mitsamt den irakischen Regierungsmitgliedern zur
Strecke gebracht zu werden. Auch das amerikanische Foltergefängnis Abu Ghraib hat nach Ansicht
des emeritierten Professors für Militärgeschichte an der Hochschule der Bundeswehr, Franz Seidler,
einen historischen Vorläufer: im amerikanisch besetzten Schwäbisch Hall der 40er Jahre. Um nur
zwei Beispiele zu nennen. 
Nun will Wladimir Putin, ehemaliger Schützling des Wallstreet-Günstlings Boris Jelzin, für
russische Rohstoffe nur noch Rubel akzeptieren und bindet diesen an den Goldpreis, während
Mohamed bin Salman, bislang unter den Fittichen des US-Imperiums, mit den Chinesen um den
Tausch von Saudi-Erdöl gegen Renminbi-Yuan verhandelt. Die letzten beiden Ölstaatsmagnaten,
die versucht hatten, sich vom US-Dollar und der Pax Americana zu emanzipieren, waren Saddam
Hussein und Muamar al Gaddafi. Der eine wollte sein Öl gegen Euro verkaufen, der andere eine
goldgedeckte Währung einführen; der eine wurde dafür gehängt, der andere gepfählt. Ob Salman
und Putin das auch mit sich machen lassen? Schon regt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
ein Kriegsverbrechertribunal gegen den russischen Präsidenten und seinen Außenminister an, der zu
verlautbaren wagte, mit dem Ukrainekrieg das Dominanzstreben der USA und ihrer Verbündeten
beenden zu wollen. Zudem ließ sich der saudische Thronfolger für seinen Angriffskrieg gegen den
Jemen von den USA aufrüsten - hatten wir sowas nicht schon mal im arabischen Raum? Spannende
Zeiten. 
Geschichte im Spiegelbild 
Zeiten, in denen der unbefangene Beobachter sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß sich
angesichts der mit großem propagandistischem Getöse initiierten Errichtung eines neuen Eisernen
Vorhangs die historische Situation seit den 80er und 90er Jahren in vielen Bereichen um 180 Grad
gedreht hat. Das gilt nicht nur für Fragen der politischen und ökonomischen Stabilität - so hat
beispielsweise Rußland die USA als weltgrößten Weizenexporteur abgelöst -, sondern auch für die
Qualität west-östlicher Medien und die ihrer politischen Führer. Mußten Jelzins Mitarbeiter und
Berater immer wieder den Aussagen des alkoholkranken russischen Präsidenten hinterherrudern,
um dessen Verbalausfälle („3. Weltkrieg“) zu dementieren und in politisch ungefährlichere
Gewässer zu dirigieren, waren nach Bidens Verplapperer über den angestrebten Sturz der russischen
Regierung gleich drei US-Stabsstellen damit beschäftigt, die Worte des dementen Greises im
Weißen Haus umzuinterpretieren. Dessen zunehmender Verfall erinnert fatal an den der
Generalsekretäre der KPdSU in der beginnenden Endzeit der UdSSR und des Warschauer Pakts.
Und der qualitative Verfall des westlichen Pressewesens an die „Prawda“ der Sowjetunion und das
„Neue Deutschland“ der DDR. 
Den neuen Eisernen Vorhang, diesmal vom Westen initiiert und entlang der östlichen Grenzen des
„Cordon Sanitaire“, begrüßen vor allem die zu NATO-Staaten mutierten Länder des ehemaligen
Ostblocks an der Nordwestflanke des früheren Sowjetimperiums. Besonders Polen scheint dem
vergangenen Jahrhundert zugetan zu sein, denn seine Politiker träumen schon wieder von einer
polnischen Hegemonialmacht und zündeln an den Grenzen wie vor hundert Jahren. Demgegenüber
hält sich Ungarn – dessen Volk zu Hunderttausenden auch außerhalb seiner Landesgrenzen als
Minderheiten in den Nachbarstaaten lebt – auffallend zurück; ganz so, als habe seine Elite die
historische Lektion gelernt. Auch der russische Präsident scheint vor allem die erste Hälfte des 20.
Jahrhunderts sehr genau studiert und das geopolitische Spiel des britischen Empires durchschaut zu
haben, die kulturellen Grenzen der Völker großer Reiche als Sollbruchstellen zu definieren und an
diesen entlang kontinentale Imperien in handliche Einzelteile zu zerlegen. So wurden die
Kaiserreiche China und Österreich-Ungarn in appetitliche Happen filetiert und diese dann
nationalistisch indoktriniert, so daß sie sich aufrüsten und erst einmal bei den Siegerbanken des
Weltkriegs verschulden mußten, um anschließend eigene Kriege um Macht- und Landgewinn oder
deren gegnerische Abwehr führen zu können. 
Die angelsächsische Nationalitätenfalle...
Dem Deutschen Reich, ebenfalls durch den „Versailler Vertrag“ den Banken zum Opfer gefallen,
wurden, wie Österreich, große Teile der eigenen Bevölkerung als nationale Minderheiten in den
Sieger- und den neu geschaffenen Staaten vor die Nase gesetzt. Der Oberbefehlshaber der alliierten
Westfront, der französische Marschall Ferdinand Foch, durchschaute das der Weltöffentlichkeit als
Friedensvertrag verkaufte Diktat und nannte es vorausschauend einen „Waffenstillstand für 20
Jahre“. Diese Politik hat System: Kriege infolge willkürlich gezogener Grenzen folgten
beispielsweise auch den abziehenden Kolonialmächten im rohstoffreichen Afrika auf dem Fuße,
und den ideologisch verbrämten Widerstandsgruppen des Kalten Krieges folgten die
Terrororganisationen der Gegenwart. Die Beute teilen sich bis heute internationale Banken sowie
die Rüstungs- und Rohstoffindustrie. 
Diese Politik des „Teile und herrsche“, die 1917/18 auch vom deutschen Kaiserreich und später von
den Alliierten dem besiegten Zarenreich auferlegt wurde, scheiterte in Rußland am langen Atem der
Bolschewisten und ihres roten Terrors und führte ein Vierteljahrhundert später zur Zerschlagung des
Deutschen Reichs. Hatten sich die Siegermächte des Ersten Weltkriegs am entstehenden
Sowjetreich noch die Zähne ausgebissen, begann die Filetierung der Sowjetunion samt der
Ausgrenzung russischer Staatsbürger in die nun unabhängigen ehemaligen Sowjetrepubliken
Anfang der 90er Jahre; es folgten in der Regierungszeit des ersten russischen Präsidenten Boris
Jelzin wie unausweichlich die oben beschriebenen Kriege. Seinem Nachfolger Wladimir Putin
gelang es, die Konflikte zu befrieden, und dieser ließ sich nach dem Georgienkrieg, im Gegensatz
zu Adolf Hitler, kein zweites Mal in die sorgsam inszenierte nationalistische Falle der
angelsächsischen Mächte (Tschechoslowakei 1938/Polen 1939 - Georgien 2008/Ukraine 2014)
locken. 
...und das russische Schachbrett 
Stattdessen rüstete die russische Regierung die umgestaltete Armee ihres Landes mit neu
entwickelten Waffensystemen auf, erreichte Mitte des letzten Jahrzehnts mit ihrer nahezu
unüberwindbaren Raketenabwehr die atomare Erstschlagfähigkeit, erprobte Soldaten, Material,
Strategien und Taktiken im Syrienkrieg und ist seit diesem Jahrzehnt auch im Bereich der
offensiven Fernwaffen konkurrenzlos. Die seit 2014 verhängten Sanktionen der USA und der EU
nutzte Rußland, um seine Wirtschaft weiterzuentwickeln, unabhängiger zu gestalten und zu
diversifizieren. Der Erfolg zeigte sich in der ökonomischen wie sozialen Widerstandsfähigkeit, als
der Versuch, Rußland ähnlich der Sowjetunion in den 80er Jahren mittels eines durch ein
Überangebot geförderten Erdöls provozierten Ölpreisverfalls zu destabilisieren, ins Leere lief. Der
zeitliche Aufschub durch den Betriebsunfall der amerikanischen Politik, die Präsidentschaft Donald
Trumps, ermöglichte es der russischen Regierung zudem, auch in der eigenen Finanzwirtschaft
entscheidende Weichen zu stellen, um nicht, abgeschnitten von den Finanzströmen wie 1941 Japan
von den Rohstofflieferungen, zum Krieg genötigt zu werden. 
Der Gipfel der Nötigung nach jahrelanger Demütigung erfolgte allem Anschein nach im Februar
dieses Jahres. So überstürzt, wie der Angriff auf die Ukraine - dem angelsächsischen
„Festlandsdegen“ der Gegenwart - gestartet wurde, mußte sich die russische Regierung in einer (aus
ihrer Sicht) ausweglosen Situation befunden haben. Dem nach Worten von Bundeskanzler Olaf
Scholz „lange vorbereiteten“ Sanktionstrommelfeuer des sofort verschärften Wirtschaftskriegs der
NATO- und EU-Staaten begegnet die russische Führung mit hybriden Maßnahmen des
Finanzkriegs. 
Wirtschaftskrieg vs. Finanzkrieg 
Durch die Stützung der heimischen Minengesellschaften - die wegen der Sanktionen nicht mehr auf
dem Weltmarkt verkaufen können - mittels Aufkauf deren Goldförderung durch die russische
Zentralbank verfügte die Regierung eine defacto-Goldbindung des Rubels, zunächst im Verhältnis
von  5.000.- Rubel pro Gramm (man beachte die genannte Gewichtseinheit gegenüber der
international gebräuchlichen). Der staatlich festgelegte Preis (eine Unze Gold kostet demnach
155.500 Rubel, das sind bei einem Umrechnungskurs von USD/RUB 1:80 1.943 US-Dollar)
wertete den Dollar auf einen Schlag um mehrere Prozent gegenüber dem russischen Goldpreis ab.
Dem folgte die Ankündigung, die eigenen Energierohstoffe künftig ausschließlich in Rubel an jene
Staaten zu verkaufen, die sich am Wirtschaftskrieg gegen die Russische Föderation beteiligen,
wobei das Prozedere so gestaltet wurde, daß die bestehenden Verträge eingehalten werden können. 
Schon ist die Tendenz erkennbar, auf dem Weltmarkt künftig alle eigenen Rohstoffe - inklusive der
Soft Commidities - nur noch in Rubel abzurechnen, was automatisch zu einer Stabilisierung, weil
weltweit steigenden Nachfrage nach der russischen Währung führen würde. Und tatsächlich erholte
sich der Rubel nach seinem kurzzeitigen Absturz innerhalb weniger Tage, was sicher auch der
Bindung des russischen Öls an den Rubel geschuldet ist und diesen zu einer nicht nur
goldgebundenen, sondern auch rohstoffgedeckten Währung macht. Es scheint, als habe die
russische Regierung auch die währungstechnischen Fallstricke des 20. Jahrhundert genau studiert,
denn sie vermeidet mit diesem Schritt, die systemischen Fehler des Gold- und später Petrodollars zu
wiederholen. Auf diese Weise erschafft sie ein neues, diesmal russisches Bretton-Woods-System
unter Umgehung des Triffin-Dilemmas: eine Art kombinierter Gold- und Petrodollar, nur eben in
Rubel. 
Skizzen des Umbruchs... 
Der neugestaltete Rubel hat durch diese Kombination gegenüber systembedingt kurzlebigen
Kunstwährungen wie dem ECU/Euro sehr gute Chancen, länger als nur einen Kondratjew-Zyklus
zu überdauern; mehr noch: er besitzt das Potential, die stabilste, weil wertbeständigste Währung der
Wirtschaftsgeschichte zu werden. Auch ein an den Gold&Petro-Rubel gekoppelter Krypto-Rubel
besäße eine dementsprechend wertstabile Deckung, was einen großen Teil der bisherigen
Kryptowährungen kollabieren lassen könnte. Haben sich diese Erkenntnisse an den Finanzmärkten
erst einmal durchgesetzt, muß mit einer steigenden Nachfrage nach dieser neuen, goldgebundenen,
rohstoffgedeckten und damit „harten“ Währung gerechnet werden. Wird diese auch noch
eingebunden in eine Referenzwährung der Eurasischen Wirtschaftsunion und Chinas, gibt es für die
Fiat-Währungen kein Halten mehr. Sie könnten das Schicksal des Rubels zur Zeit des Kalten
Krieges teilen und nur noch innerhalb eines eigenen, abgeschotteten Wirtschaftsraums - hinter dem
neuen, diesmal westlichen Eisernen Vorhang - handelbar sein. 
Ein weiterer, bereits sichtbarer Teil des hybriden Finanzkriegs ist die Flankierung der neuen
Währung durch finanztechnische Maßnahmen in Form neuentwickelter nationaler
Zahlungssysteme. Das SPFS („Finanzielles Nachrichtenübermittlungssystem“) wurde von der
russischen Zentralbank nach der Krimkrise geplant, als der Ausschluß aus dem internationalen
SWIFT-Verfahren drohte. Kompatibel mit dem chinesischen CIPS („Cross-Border Inter-Bank
Payments System“) könnte es über die Eurasische Wirtschaftsunion hinaus auch anderen Ländern
offenstehen und als Alternative vor allem jenen angeboten werden, die ebenfalls vom Westen
sanktioniert werden. Der kürzliche Besuch des  russischen Außenministers Sergej Lawrow in Neu-
Delhi nährt die Spekulationen, daß auch der mit Indien entwickelte Mechanismus eines
gemeinsamen Zahlungssystems kurz vor der Einführung steht. Diese neuen Alternativen zu SWIFT
sollen es Banken unter Umgehung des bisherigen sanktionsanfälligen Monopols ermöglichen,
internationale Transaktionen mit den jeweiligen Landeswährungen abzuwickeln. 
...des Wandels... 
Das Erstarken des Rubels zur härtesten Währung der Welt kommt einem Zeitenwandel gleich. Er
wird die sich bereits abzeichnende Zweiteilung des Weltwährungssystems und der Weltwirtschaft
verstärken und sowohl die Ära des US-Dollars als Petro- und Weltleitwährung als auch die darauf
gründende Globalisierung beenden. Die Goldbindung wiederum dürfte zu einem Verfall des
„Papiergolds“ an den Rohstoffmärkten in London und New York führen, da neben dem Dollar jetzt
auch der Rubel für die Goldpreismanipulation geschwächt werden müßte. Was schlechterdings nur
mit einer weiteren ungedeckten Währung möglich wäre und deshalb auch das Ende der frei
handelbaren Fiat-Währungen bedeuten könnte. Davon unabhängig würde ein in diesen Währungen
stark steigender Goldpreis deren Entwertung deutlich sichtbar machen. 
Der unvermeidbare Niedergang der westlichen Staaten ließe sich nur mit deren politischer wie
wirtschaftlicher Abgrenzung hinauszögern, ähnlich dem „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ der
früheren Ostblockstaaten. Zur sich abzeichnenden Blockbildung paßt ökonomisch, daß gerade eine
Gesetzesvorlage den US-Senat passierte mit dem Ziel, alle Handelsbeziehungen mit Rußland und
Weißrußland zu beenden, sowie politisch die vorangetriebene Ausgrenzung Rußlands aus
internationalen Gremien, wie dem Ausschluß aus dem UN-Menschenrechtsrat und dem bereits
angedachten aus dem UN-Sicherheitsrat. Beides rüttelt an den Fundamenten der
Nachkriegsordnung angelsächsischer Prägung. Sollte Rußland seinerseits diese Entwicklung
forcieren - die Partei „Vereintes Rußland“ brachte in der Duma einen Gesetzentwurf zum Austritt
aus der Welthandelsorganisation (WTO) ein -, bliebe das nicht ohne Eindruck auf die Rußland
zugewandten Staaten. Verließe Rußland die UNO, geschähe dies ebenfalls kaum ohne Absprache
mit anderen Regierungen - die gegenwärtige Weltordnung zerbräche. Gleiches droht bei einer
Ausweitung des Ukrainekriegs auf die NATO oder deren weitere Verwicklung in den Konflikt: die
im Bündnis auftretenden Spannungen könnten dieses sprengen und ebenfalls die Epoche der
Nachkriegszeit beenden. Doch egal, wie sich die Zukunft gestalten wird: Die Welt, wie wir sie
kannten, existiert nicht mehr, und „Corona“ war nur ihr Anfang vom Ende. 
...und der Ausblicke... 
Sollte sich das skizzierte Szenario des Rubels als neuer harter Währung durchsetzen, wird es mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den nächsten Wochen und Monaten zur Zweiteilung
des Weltwährungssystems kommen, in dem ein rohstoffgedeckter und goldgebundener Rubel mit
dem (noch) als Weltleitwährung geltenden amerikanischen Dollar konkurriert und die sich schon
abzeichnende Zweiteilung der Weltwirtschaft zusätzlich zu den verhängten Wirtschaftssanktionen
vertieft. Auf diese Weise würde vor unseren Augen eine neue weltpolitische Situation mit einem
neuen Wirtschaftsraum und einer neuen Wirtschaftsordnung entstehen, die nicht nur Gewinner,
sondern auch Verlierer kennt. 
Erster Verlierer könnte China sein, dessen ehrgeiziges Projekt der „Neuen Seidenstraße“ das
Schicksal der Bagdad-Bahn teilt und damit sein Ziel, die Weltinsel Eurasien ökonomisch zu einen,
verfehlt. Das schwächt auch die Zukunftsaussichten des Renminbi-Yuan, der vor allem auf der
wirtschaftlichen Macht des roten Riesenreiches gründet, dem aber im Gegensatz zu seinem
russischen Pendant die Rohstoffdeckung fehlt. Außerdem hält die Volksrepublik immer noch über
drei Billionen Dollar aus ihrem jahrzehntelang erwirtschafteten Exportüberschuß in ausländischen
Staatsanleihen - davon mehr als zwei Drittel in us-amerikanischen -, während sich die Russische
Föderation in den Jahren vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs weitgehend von diesem
finanztechnischen Ballast befreit hat. Verknüpft mit dem fragilen chinesischen Staatsschatz verharrt
zudem die Taiwanfrage in der geopolitischen Funktion eines Gordischen Knotens. 
...auf die neue “Neue Welt“ 
Zweiter Verlierer dürfte die sich in einer seit Jahren ungelösten, weil systemisch nicht auflösbaren
Währungskrise befindliche Eurozone sein; die ansteigende Inflation gilt als Indiz des durch nichts
mehr zu beschönigenden Wert- und Vertrauensverlusts in die Wirtschaft und Politik der
europäischen Staaten. Wobei die schwindsüchtige Gemeinschaftswährung nur als Menetekel
aufscheint: Europa, mit massivem propagandistischem Aufwand der eigenen Politkaste von
Versorgungssuchenden transkontinentaler Gewaltkulturen geflutet, zeigt sich in unseren Tagen als
sterbender Kontinent - zumindest der Teil, der sich unter dem „Westliche Werte“-Einfluß befindet.
Ob und wie die über den Planeten verteilten Pfund- und Dollar-Angelsachsen („Five Eyes“) die
dritten Verlierer sein werden, hängt von der politischen Entwicklung in den USA ab. 
Der östlichste Staat Europas dagegen hat seine historische Chance genutzt, die Grundlagen für ein
Jahrhundert seiner Provenienz zu legen. War das letzte Jahrhundert das „amerikanische“, das durch
die Besiedlung, Urbarmachung und Industrialisierung des klimatisch günstigsten Teils des
nördlichen Subkontinents die Grundlagen für seine Weltherrschaft legte, könnte das 21. Jahrhundert
von Rußland geprägt werden: wie damals Amerikas Wilder Westen befindet sich Rußlands „wilder
Osten“ am Beginn seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Und anders als China hat Rußland kein
gewaltsam herbeigeführtes demographisches Problem, welches das Reich der Mitte in wenigen
Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit bevölkerungstechnisch implodieren lassen wird  - mit
allen wirtschaftlichen und politischen Folgen, die sich, zusätzlich zur beispiellosen Repression der
eigenen Bevölkerung, daraus ergeben. 
„BRICS“ oder „RIC“? 
Die neue „Neue Welt“ erlebt ihre Geburtswehen - bis jetzt - vor allem in Europa; die gewaltsame
Lösung der Taiwanfrage könnte diese Entwicklung beschleunigen. Doch ob tatsächlich die BRICS-
Staaten das Herz einer neuer Weltordnung bilden werden, wie der stellvertretende russische
Außenminister Sergei Rjabkow verkündete, bleibt angesichts der unterschiedlichen politischen und
ökonomischen Entwicklungen dieser Länder offen. Während Rußland, China und Indien
vergleichsweise stabil zu sein scheinen, taumelt Südafrika dem Status eines „Failed State“ entgegen
und ist der Machtkampf in Brasilien noch nicht entschieden. Mit Sicherheit aber haben die „RIC-
Staaten“, also Rußland, Indien und China, geopolitisch die größten Chancen, eine neue Ordnung
nach ihrer Vorstellung zu gestalten. Kein Ozean trennt ihre Länder, im Gegenteil: ihre gemeinsamen
Grenzen prädestinieren sie, das neue wirtschaftliche und politische Herz Eurasiens und damit
unserer Welt zu werden. 
Somit würde sich Halford Mackinders „Herzland“ nach Südosten verschieben - der Albtraum der
Albträume für die angelsächsischen Mächte und ihre Satrapen. Kaufen doch die Chinesen immer
mehr deutsche Weltmarktführer und technologisch hochentwickelte Unternehmen auf und lassen so
die Horrorvorstellung der Angelsachsen, Transatlantiker und ihrer pazifischen Pendants – spätestens
bekannt seit der Rede Georges Friedmans, CEO des amerikanischen Nachrichtendienstes
STRATFOR, am 4. Februar 2015 vor dem „Chicago Council on Global Affairs“ - Wirklichkeit
werden: die Verbindung deutscher Ingenieurskunst mit den Ressourcen der Eurasischen
Wirtschaftsgemeinschaft und dem Bevölkerungspotential Chinas sowie Indiens. Eine aufgrund der
weltpolitischen Situation zusammenwachsende Zwangsgemeinschaft, die beinahe drei Milliarden
Menschen umfaßt, die man mithilfe des neuen Kalten Kriegs anläßlich des Ukrainekonflikts
glaubte, verhindern zu können, und deren Verkehrs- und Wirtschaftswege sich mit den ohnehin
militärstrategisch veralteten Flugzeugträgerflotten der USA und NATO nicht unterbrechen lassen. 
Entscheidend für die Entwicklung eines russischen Jahrhunderts dürfte vor allem die Antwort auf
die Frage sein, wer in Eurasien den Ton angeben und ob China darauf verzichten wird, sein
Gesellschaftsmodell nach alter sozialistischer Tradition zu (re-)exportieren, sobald der gemeinsame
Gegner USA militärisch und wirtschaftlich ungefährlich geworden wäre. Setzte sich dieses Modell
jedoch in Verbindung mit dem chinesischen Kapitalismus samt seiner digitalen
Überwachungstechnologie in Eurasien durch, würde es die Weltinsel in ein riesengroßes
Konzentrationslager verwandeln mit dem Potential, die ganze Erde in einen Sklavenplaneten zu
transformieren. Was auch die Frage aufwirft, ob und wie lange ein „RIC“-Staatenbund ohne den
gemeinsamen angelsächsischen Feind Bestand hätte. Eine Aufteilung der Macht in wirtschaftliche
Dominanz einerseits und militärische andererseits könnte mittel- oder langfristig in einem
beispiellosen Wettrüsten enden. 
Deindustrialisierung Deutschlands und Niedergang Europas 
Daß die ebenfalls beispiellosen und lange vorab geplanten Wirtschaftssanktionen gegen Rußland
kurzfristig und absehbar auf ihre Urheber zurückfallen, dürfte ein weiteres Indiz für eine gewollte,
wenn nicht gar ebenfalls lange vorab geplante Deindustrialisierung Europas und vor allem
Deutschlands sein, das seine sichere heimische Energieversorgung seit dem Mauerfall ohne
wirtschaftliche Notwendigkeit systematisch zerstört hat. Seither gilt, daß die deutsche Industrie nur
aufgrund des günstigen russischen Erdgases als jederzeit verfügbarem Energieträger
wettbewerbsfähig ist. Spanien scheint ebenfalls - über den EU-Sanktionsmarathon hinaus -
engagiert am eigenen Energienotstand interessiert zu sein, denn es ärgert zeitgleich auch seinen
zweitwichtigsten Erdgasversorger Algerien, indem es sich ausgerechnet dieser Tage bemüßigt fühlt,
seine Neutralität im Westsahara-Konflikt aufzugeben und die völkerrechtswidrige Besetzung seiner
ehemaligen Kolonie durch Marokko indirekt anzuerkennen. 
Der neue Eiserne Vorhang wird in jeder Hinsicht zur Verarmung EU-Europas führen und politisch
und wirtschaftlich die Welt erneut in zwei Hälften teilen, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen.
Bezeichnend auch die dekadente Arroganz, mit der die EU-Verwaltung, den wirtschaftlichen
Niedergang vor Augen, in Person von EU-„Politkommissarin“ Margrethe Vestager ihre Untertanen
am Nasenring durch die politische Manege zieht: die Bürger sollten es Putin doch heimzahlen,
indem sie bei der täglichen Körperpflege darauf achten, weniger Wasser und Energie zu
verbrauchen. In Betrachtung der auffälligen Ansammlung unfähigen Personals nicht nur in Berlin,
sondern nahezu allen Regierungsstuben der EU-Länder und deren Entsorgungs-Endstation in
Brüssel möchte man angesichts dieser Entgleisung nicht mehr an Zufall glauben: die Parallelen zum
menschenverachtenden „real existierenden Sozialismus“ sind ebenso unübersehbar wie die
Hinwendung zum chinesischen Gesellschaftsmodell des Überwachungsstaats - und die historischen
wie künftigen Folgen dieser politischen Verirrung. 
Sie sind das Gegenteil der Vision, die Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation, in
seiner historischen Rede am 25. September 2001 vor dem Deutschen Bundestag in die Worte faßte:
„Ich bin überzeugt: Wir schlagen heute eine neue Seite in der Geschichte unserer bilateralen
Beziehungen auf und wir leisten damit unseren gemeinsamen Beitrag zum Aufbau des europäischen
Hauses.“ Mit dem Sturz des Jugoslawienkriegers Gerhard Schröder und der Inthronisierung der
Sozialistin Angela Merkel wurde die Chance des Jahrhunderts auf einen dauerhaften europäischen
Frieden vertan.  
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