Sie sind auf Seite 1von 4

Vanessa Denise Olk (0808722) 230051 Proseminar Einführung Leiterin: Bettina Kolb

Aufgabe 3: Zusammenfassung

15.04.2011

Literatur: Liebsch, Katharina: Identität und Habitus (Kap.1 & 2: 70-76) (2008). In: Korte, Hermann; Schäfers, Bernhard (Hrsg.) (2008): Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie. 7. überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 70-86.

Katharina Liebsch (2008) beschreibt in Ihrem Buchabschnitt Identität und Habitus in den ersten zwei Kapiteln die Begriffe und Begriffsentwicklung der Identität und des Habitus sowie die unterschiedlichen Theorieansätze. Die Begriffe beschreiben beide das menschliche Verhalten, das im Laufe eines Lebens durch soziale Merkmale wie Kleidung, Denkweisen, Sprache oder Mimik und Gestik geprägt wird (vgl. Liebsch, 2008: 70). Da sich soziale Merkmale und Rollenansichten innerhalb einer Gesellschaft im Laufe der Zeit verändern können sind auch die Begriffe der Identität und des Habitus einem kulturellen und gesellschaftlichen Wandel unterlegen (vgl. Liebsch, 2008: 70). Die Entstehung der beiden Begriffe lässt sich als ein Ergebnis der Verbindung von individuellem Handeln und gesellschaftlichen/ gemeinschaftlichen Strukturen erklären (vgl. Liebsch, 2008: 70). Somit sind die drei Parameter der Entstehungsprozesse die der Kultur, der Gesellschaft und des Individuums.

Identität und Habitus werden aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven betrachtet und können beide auf unterschiedliche Art und Weise die Selbstreflexion einer Person fördern. Liebsch unterscheidet hier in eine innere und eine äußere Welt (vgl. Liebsch, 2008: 70). Die Identität einer Person bildet sich dabei aus der Abgrenzung der beiden Welten voneinander. Was im Gegensatz zum Habitus steht, der sich aus der Verbindung der inneren und äußeren Welt entwickelt, dh. zum Beispiel die Verbindung von kognitiven und emotionalen Faktoren. Aus der Identitäts-Idee Jean-Jaques Rousseaus einer tugendhaften Persönlichkeit, entwickelten sich die Voraussetzungen des gegenwärtigen Identitätsbegriffs: Die Verbindung von einem Leben in Vernunft und einer Selbstreflexion des Menschen. Soziale Institutionen spielen hierbei nach Liebsch ebenfalls eine wichtige Rolle, da sie einer Identitätsausbildung durch das Antreiben einer Selbstreflexion verhelfen.

Vanessa Denise Olk (0808722) 230051 Proseminar Einführung Leiterin: Bettina Kolb

15.04.2011

Der Identitätsbegriff wurde maßgeblich durch den Philosophen Herbet Mead geprägt, der die Beziehung zu sich selbst – das self – betont (vgl. Liebsch, 2008: 72). Liebsch nennt als weitere wichtige Person Erik H. Erikson, der den Begriff der Identität überhaupt erst in den deutschsprachigen Raum brachte und daraus den Begriff der Ich-Identität entwickelte. Dieser steht in direktem Zusammenhang mit den Anforderungen und Einflüssen der sozialen Umwelt einer Person. So entwickelt sich die Ich-Identität durch ein laufendes Aus- und Angleichen von Einflüssen und Erwartungen der Umwelt (vgl. Liebsch, 2008: 72). Laut Liebsch ist die gegenwärtige Ansicht der Identitätsforschung die, dass unterschiedliche Einflüsse der Gesellschaft entsprechend unterschiedliche Identitätskonstruktionen zur Folge haben die gleichsam auch scheitern können (vgl. Liebsch, 2008: 73). Unterschiedliche soziale Rollen und Anforderungen schaffen diese Identitätskonstruktion. So ergibt sich auch nicht mehr nur eine Identität, sondern mehrer Identitäten einer Person, sogenannte „multiple Selbsten(vgl. Liebsch, 2008: 73 zit. nach Bilden, 1997). Ebenso gibt es Identitäten die durch eine Gruppenzugehörigkeit geprägt werden, sogenannte partizipative oder kollektive Identitäten (vgl. Liebsch, 2008: 73).

Die Entwicklung des Habitusbegriffs wird durch das soziale und kulturelle Umfeld sowie den Lebensverlauf einer Person geprägt – dh. die Verbindung von Individuum und Gesellschaft. Der Habitus ist ein System in dem das Individuum sein Denken, seine Wahrnehmung sowie seine Handlungen realisiert. Norbert Elias beschreibt den Habitus als ein spezifisches Gepräge des Individuums (vgl. Liebsch, 2008: 74), dass er zum einen mit der Gesellschaft die ihn umgibt teilt und zum anderen als eine Grundlage für die Entwicklung individueller Persönlichkeitsmerkmale dient. So wird das gegenwärtige sowie das zukünftige Verhalten und Handeln einer Person bestimmt. Zudem sieht Elias eine Doppelbedeutung des Habitus-Begriffs: auf der einen Seite stehen die Gewohnheiten und Handlungen die im Laufe eines Lebens entstehen und auf der anderen Seite das Vermögen einer Person diese Gewohnheiten und Handlungen sozialen und gesellschaftlichen Ordnungen zuzuordnen. Ein weiterer Anhänger ist laut Liebsch Arnold Gehlen, der die Fähigkeiten und Handlungen einer Person als habitualisiert und einen Automatismus in deren Abläufen sieht. Diesen Prozess nennt er Institutionalisierung und rechnet ihm eine relative Entlastungsfunktion zu (vgl. Liebsch, 2008: 75), indem das Individuum nicht jedes Mal das Bewusstsein für ein Phänomen neu schaffen muss sondern auf bestehende Muster des Habitus zurückgreifen kann.

Vanessa Denise Olk (0808722) 230051 Proseminar Einführung Leiterin: Bettina Kolb

15.04.2011

Das Individuum kann gleichzeitig seinen Habitus eigenständig erweitern oder verfeinern. Der Habitus ist nach Gehlen also zum einen selbsterzeugend und zum anderen individuell erzeugt. Eine andere Begriffsbeschreibung ist die des Strukturiert-Seins und der strukturierenden Funktion des Habitus. Peter Berger und Thomas Luckmann sehen laut Liebsch den Habitus nicht als eine Eigenschaft des Individuums, sondern als eine Handlungsstruktur (vgl. Liebsch, 2008: 75). Diese Sichtweise bedingt, dass das Individuum nicht zwangsläufig benötigt wird und somit austauschbar ist. Ähnliche Annahmen hat Pierre Bourdieu (vgl. Liebsch, 2008: 76), der den Habitus ebenfalls als strukturiert und strukturierend ansieht und das Individuum dabei als nicht-autonom sieht. Zu dem sieht er ebenfalls eine Entlastungsfunktion in der Struktur des Habitus, in dem er dem Individuum die Fähigkeit ermöglicht in Situationen fast automatisch zu unterscheiden und zu urteilen. Dies nennt er den praktischen Sinn eines Individuums (vgl. Liebsch, 2008: 76).

Abschließend lässt sich festhalten, dass Katharina Liebsch mit den Begriffen der Identität und des Habitus eine Erläuterung formuliert, die beide Begriffe voneinander abgrenzen: Die Identität einer Person als ein (Selbstreflexions-)Konstrukt für das Verständnis des Selbst und der Habitus als Schema von erzeugten und erzeugenden Handlungen und Gewohnheiten eines Individuums.

Vanessa Denise Olk (0808722) 230051 Proseminar Einführung Leiterin: Bettina Kolb

Literaturverzeichnis:

15.04.2011

1. Liebsch, Katharina: Identität und Habitus (Kap.1 & 2: 70-76) (2008). In: Korte, Hermann;

Schäfers, Bernhard (Hrsg.) (2008): Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie.

7. überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 70-86.

2. Bilden, H.: Das Individuum – ein dynamische System vielfältiger Teil-Selbste. Zur Pluralität in Individuum und Gesellschaft. In: Keupp, H (Hg.) (1997): Identitätsarbeit heute.

Klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung. Frankfurt a. M

227-250.