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Gletscher

Ein Gletscher ist eine aus Schnee hervorgegangene Eismasse mit einem klar definierten Einzugsgebiet, die sich aufgrund von Hangneigung, Struktur des Eises, Temperatur und der aus der Masse des Eises und den anderen Faktoren hervorgehenden Schubspannung eigenständig bewegt. Gletscher sind die größten Süßwasserspeicher der Welt und nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher der Erde überhaupt. Sie bedecken in den Polargebieten große Teile der Landflächen. Daher sind Gletscher auch bedeutend als Wasserzulieferer für viele Flusssysteme und haben entscheidenden Einfluss auf das Weltklima.

Entstehung von Gletschern Gletscher benötigen eine Reihe von entscheidenden Faktoren zu ihrer Entstehung. So ist eine langfristig ausreichend niedrige Temperatur nötig, damit es zu Schneefall kommt. Die Höhenlinie, ab der im langjährigen Mittel mehr Schnee fällt als dort abtauen kann, ist die klimatische Schneegrenze. Diese kann bedingt durch Beschattung oder exponierte Sonnenlagen (z. B. Südhang in einem Gebirge der Nordhalbkugel) lokal um mehrere hundert Meter vom eigentlichen Mittelwert der Region abweichen. Man spricht in diesem Fall von der orografischen Schneegrenze.

Durch Gletscher gebildete Formen:

Das Kar: Quellmulden werden durch Gletscher eingetieft und ausgeschliffen, Karsee und Karschwellen Die Moräne: vom Gletscher transportiertes Schuttmaterial ( End-, Grund-, Mittel-, Seiten-, Stirn-, Obermoräne). Trogtal: Querprofil eines Gletschers, mit Trogschulter und Schliffgrenze (Hochstand der Vergletscherung)

Erosion von Gletscher Durch Frostsprengung und andere Verwitterungsarten fallen Gesteinsstücke auf den Gletscher und werden ins Tal transportiert. Andere Gesteine werden vom wachsenden Gletscher überrollt und mitgeschleift, so gelangen auch sie irgendwann ins Tal. Dort schmilzt das Eis und das Gestein fällt aus. Es können Endmoränen entstehen, dies sind Berge von Schutt, welche sich am Ende eines Gletschers befinden. Anhand alter Endmoränen können Wissenschaftler feststellen, wie lang ein Gletscher einmal war. Auch kann man feststellen wie hoch ein Gletscher vor Millionen Jahren war. Gletscher bilden so mit der Zeit ein Tal, welches aussieht wie ein U. Deswegen nennt man diese Talfom Trog- oder U-Tal. Am Ende des Gletschers tritt ein Gletscherbach aus, welcher mit Wasser vom geschmolzenen Eis gespiesen wird. Er transportiert Gesteinsstaub und größere Teile. Durch den Staub ist er weißlich verfärbt und das Wasser hat darum auch den Beinamen Gletschermilch.

Verfirnung Als Firn oder Firnschnee bezeichnet man Schnee, der mindestens ein Jahr alt ist und somit eine Ablationsperiode überstanden hat. Firn entsteht, wenn die feineren Schneekristalle durch wiederkehrendes Auftauen und Gefrieren zu größeren graupelartigen, körnigen Gebilden verschmelzen. Die Firngrenze ist die sommerliche Untergrenze der zusammenhängenden Schneedecke auf Gletschern. Den Teil des Gletschers oberhalb der Firngrenze nennt man auch Firnfeld. Die nächste Stufe des Umwandlungsprozesses zu Gletschereis bezeichnet man als Firneis, wobei dieser Umwandlungsprozess (Metamorphose) vor allem durch Druck verursacht wird. In der Glaziologie erzeugen die beim Rückzug eines Gletschers zurückbleibenden Moränenebenfalls terrassenähnliche Gebilde, die aber Endmoräne oder Seitenmoräne genannt werden.

Gletschertypen Je nach Entstehungsweise und Entwicklungsstadium unterscheidet man heute folgende Arten von Gletschern:

Talgletscher Eismassen, die ein deutlich begrenztes Einzugsgebiet besitzen und sich unter dem Einfluss der Schwerkraft in einem Tal abwärts bewegen. Klassisch dafür sind die großen Gebirgsgletscher. Sowohl die Menge des Schmelzwassers als auch die Fließgeschwindigkeit des Gletschers variieren im Jahresverlauf mit einem Maximum im Sommer. (Beispiel: Aletschgletscher). Kargletscher Eismassen geringer Größe, die sich sonnengeschützt in einer Mulde, dem so genannten Kar, befinden. Kargletscher besitzen keine deutlich ausgebildete Gletscherzunge. Durch die geschützte Mulde können sie tiefer auftreten als Talgletscher. Eisstromnetze Miteinander verbundene Gletschersysteme in Alaska und Spitzbergen Inlandeis oder Eisschild Die größten Gletscher überhaupt. Eismassen, die so mächtig werden, dass sie das Relief fast vollständig überdecken und sich auch weitgehend unabhängig von ihm bewegen (z. B. in Grönland oder der Antarktis). Lawinengletscher Gletscher, die unterhalb der Schneegrenze liegen und daher kein eigenes Nährgebiet haben. Sie liegen meist im Schutz großer sonnenabgewandter Bergwände und werden von abgelagertem Lawinenschnee gespeist. Meergletscher Gletschertyp der arktischen Regionen, größte Ausdehnung in den Buchten der Antarktis.

Gletscher als Süßwasserreserve Gletscher stellen in vielen Regionen eine sichere Wasserversorgung der Flüsse in der niederschlagsarmen Sommerzeit dar, da sie vor allem in dieser Zeit abschmelzen. Sie wirken darüber hinaus ausgleichend auf den Wasserstand, zum Beispiel beim Rhein. In den wüstenhaften Gebirgsregionen des Pamir und Karakorum werden die Talböden und Berghänge fast ausschließlich mithilfe des Gletscherwassers bewässert.

Gletschernutzung durch den Menschen Auf Grund ihrer imposanten Erscheinung haben Gletscher heute eine enorme Bedeutung für den Tourismus in Gebirgen und in den hohen Breiten. Sie sind immer ein Anziehungspunkt, wenn sie verkehrstechnisch erschlossen sind. Dann eignen sie sich auch für den Wintersport als schneesicheres Gletscherskigebiet. Zurzeit sind 15 Millionen km² der festen Erdoberfläche von Gletschereis bedeckt. Das entspricht etwa 10 % aller Landflächen.

Der größte Gletscher der Erde (ohne Inlandeis) ist der Lambert-Gletscher (Antarktis).

Der größte und längste Alpen-Gletscher ist der Aletschgletscher (117,6 km² / 23,6 km lang)

Der größte Gletscher in Österreich ist die Pasterze am Großglockner