Sie sind auf Seite 1von 535

BAUWESEN

WISSEN

Detlef Aigner, Gerhard Bollrich

Handbuch der
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Hydraulik
für Wasserbau und
Wasserwirtschaft

b
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Handbuch der Hydraulik


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
Detlef Aigner
Gerhard Bollrich

Handbuch der Hydraulik


für Wasserbau und Wasserwirtschaft
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1. Auflage 2015

Beuth Verlag GmbH · Berlin · Wien · Zürich


© 2015 Beuth Verlag GmbH
Berlin · Wien · Zürich
Am DIN-Platz
Burggrafenstraße 6
10787 Berlin
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Telefon: +49 30 2601-0


Telefax: +49 30 2601-1260
Internet: www.beuth.de
E-Mail: kundenservice@beuth.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede
Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts ist ohne schriftliche
Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für
Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeiche-
rung in elektronische Systeme.

Die im Werk enthaltenen Inhalte wurden vom Verfasser und Verlag sorgfältig
erarbeitet und geprüft. Eine Gewährleistung für die Richtigkeit des Inhalts
wird gleichwohl nicht übernommen. Der Verlag haftet nur für Schäden, die
auf Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit seitens des Verlages zurückzuführen
sind. Im Übrigen ist die Haftung ausgeschlossen.

Titelbild: © Detlef Aigner


Satz: B & B Fachübersetzergesellschaft mbH, Berlin
Druck: COLONEL, Kraków
Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier nach DIN EN ISO 9706

ISBN 978-3-410-21341-3
ISBN (E-Book) 978-3-410-21346-8
Errata
zum Titel „Handbuch der Hydraulik“,
1. Auflage, ISBN 978-3-410-21341-3

Auf den Seiten 87, 141, 279 und 339


wurden inhaltliche Korrekturen vorgenommen,
die wir Ihnen mit diesem Erratum zur Verfügung stellen.

Ihr Beuth Verlag


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46
4 HYDROSTATIK

h2
FH    g  b  (4.38a-d)
2
FV    g  b  AV

F  FH2  FV2

FV
tan  
FH

Segmentschütz unter Wasser:


Segmentschütze werden z.B. als Verschlüsse für Stollenbauwerke eingesetzt. Die Staufläche
befindet sich dabei um die Tiefe z0 unterhalb des Wasserspiegels.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.18 Wasserkraft auf ein Segmentschütz

h 2  z02
FH    g  b  (4.39a-f)
2
FA    g  b  AA

F  FH2  FA2

FA
tan  
FH

xD  r  (cos   cos  )

zD  h  z0  r  sin 

87
6 DRUCKROHRSTRÖMUNG
Die hydraulische Rauheit k wird in Millimetern [mm] angegeben, ist aber keine geometrische,
sondern eine im hydraulischen Versuch ermittelte Größe.

Da die Berechnung von  mit Gleichung (6.26) nur implizit möglich ist, wird als Anfangswert
in der Regel   0 , 02 verwendet und nach ein oder zwei Iterationen ist man dem endgültigen
Wert sehr nahe.

Um diesen Aufwand der impliziten Lösung zu umgehen, wurden zahlreiche mathematische


Versuche für Näherungsformeln unternommen. Die Formel (Gleichung (6.27)) von Zanke
(1993) weist über den gesamten turbulenten Bereich die beste Näherung für Gleichung (6.26)
auf. Die Abweichungen liegen unter 0,25%.
2
   log Re 
1,2
k d 
   2  log  2 , 72    (6.27)
  Re 3, 71  
  

Der Umschlag von laminarer in turbulenter Strömung erfolgt, wie Messungen zeigen, in einem
Bereich zwischen 2320 < Re < 4000. Zanke hat mit Hilfe einer Sprungfunktion  die
Gleichung (6.16) für die laminare Strömung und die Gleichung (6.27) für die turbulente
Strömung zusammengeführt und für den Gesamtbereich aller Re-Zahlen folgende Lösung
entwickelt:
2
64    log Re 
1,2
k d 
  1        2  log  2 , 72    (6.28)
Re   Re 3, 71  
  

( 0 ,0033 Re 8 ,75 )
mit   e e

Bei laminarer Strömung wird   0 und bei turbulenter Strömung   1 .


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Eine etwas einfachere explizite Näherungsformel geben Swamee und Jain (1976) für den
Reibungsbeiwert im turbulenten Bereich mit folgender Formel an:
2
  5,74 k d  
   2  log  0 ,9 
3, 7  
(6.29)
  Re

Diese gilt für 10 6  k d  10 2 und 5 103  Re  3 108 , was praktisch dem gesamten
technisch wichtigen turbulenten Strömungsbereich entspricht. Die Übereinstimmung der
Näherungsgleichungen (6.28) und (6.29) mit der Prandtl-Colebrook-Formel nach Gleichung
(6.26) ist sehr gut und wesentlich besser als mit anderen, in verschiedenen Quellen
aufgeführten Gleichungen.

141
7 FREISPIEGELSTRÖMUNG

  Kontrollvolumen  
S2 h2
h1   S1   1  
2  hgr

Bild 7.23 Verhältnis der konjugierten Wassertiefen und relative Verlusthöhe (unten) am Übergang
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

vom Schießen zum Strömen des ebenen, einfachen Wechselsprungs (oben)

Die Berechnung der Wechselsprunglänge aus empirischen Gleichungen zur Bemessung eines
Tosbeckens, der baulichen Begrenzung zur Beherrschung des turbulenten Wechselsprunges,
wird im Abschnitt 8.20 erläutert.

7.4.5 Ermittlung der Randbedingung 1 und h1 am überströmten Wehr

Dass der Überfall ein typisches Beispiel für das Auftreten eines Fließwechsels ist und wie
dieser zur Ermittlung der Überfallformel genutzt werden kann, wird im folgenden Abschnitt 8
erläutert. Zur Ermittlung der Randbedingungen für den Wechselsprung nach der Überströmung
eines Wehres wird hier eine iterationsfreie Lösung vorgestellt, die zur Abschätzung des
Energieverlustes bei der Überströmung auf Ergebnisse von Peterka (1978, siehe bei Bollrich,
2013) zurückgreift. Er bestimmte den Verlustbeiwert m aus dem Verhältnis von
Fließgeschwindigkeit 1 nach dem Wehr zur theoretischen Fließgeschwindigkeit, ermittelt

279
Tabelle 8.2 Überfallformel und Überfallbeiwerte unterschiedlicher Profile von Überfällen
Überfallansicht Überfallformel µ0 µ1 µ2
Rechteck
1,5
b = bW 2  2
2 4  b   h  
2
Q   μ  2 g  b  h1,5 0,577 1  µ         1,5
h 3  9  B   h  w  

Trapez
bW 2 4 h
Q  μ  2 g  bs  h1,5  (1  ) 0,537 1,5
3 5 b'  2
2 4  bs  0 ,8  n  h   h  
2

b n n bis 1         h  w   1,5

b'  s n 1 2  9  B    
1:n1  1:n2  
n
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2 0,577
bS 

Kreis
  2
bW 2 11   2  h 2 3  d 2  h 2 
Q  μ g d 3 h 6 0,529 1         2
d   2  d   B   h  w  
h 

8 Überfälle und Hochwasserentlastungen


Parabel
2
bW   g 2 4h  2  b 
2
 h 
2 
Q  μ h c 2 0,612 1   w     2
c bw  2  2 B   hw 
h  

Dreieck
bW 2 ,5
8  2
2  8   bw  
2
h  
2
Q  μ  2 g  n  h 2 ,5 0,537 1           h  w   2,5
h  15   15   2  B    

1:n  1:n 
339
Autorenporträts

Prof. Dr.-Ing. habil. Detlef Aigner ist Hochschullehrer an der


Technischen Universität Dresden, Fakultät Bauingenieurwesen. Er
studierte Wasserbau und Wasserwirtschaft an der TU Dresden,
arbeitete als Planungsingenieur und kehrte 1979 wieder an die TU
zurück, wo er heute Laborleiter des Hubert-Engels-Labors ist. Schon
seit Längerem stehen die physikalische und numerische Modellie-
rung im Wasserbau und in der Wasserwirtschaft im Mittelpunkt
seiner fachlichen Arbeit.
Detlef Aigner ist Mitherausgeber und Mitautor des Bandes „Tech-
nische Hydromechanik 2“ sowie Autor und Mitautor zahlreicher
Fachpublikationen.

Dr.-Ing. habil. Gerhard Bollrich vertrat bis 1992 das Lehrgebiet


Technische Hydromechanik an der Technischen Universität Dresden.
Danach leitete er bedeutende wasserbauliche und wasserwirtschaft-
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

liche Projekte im In- und Ausland. Nach 2002 wirkte er an mehreren


Hochwasserschutzprojekten mit.
Gerhard Bollrich ist Begründer der Reihe „Technische Hydro-
mechanik“ und Verfasser zahlreicher Fachpublikationen.

I
Handbuch der Hydraulik

Vorwort
Das „Handbuch der Hydraulik“ mit dem Zusatz „für Wasserbau und Wasserwirtschaft“ ist
als erweitertes Nachschlagewerk konzipiert und auf die Lösung von praktischen hydrome-
chanischen Aufgabenstellungen des Wasserbaues und der Wasserwirtschaft ausgerichtet.
Im Buch wird auf ausführliche Ableitungen und tiefgreifende Erläuterungen verzichtet. Hier
wird auf die Grundlagenbücher und Lehrbücher der Technischen Hydromechanik, der
Strömungslehre oder des Wasserbaus verwiesen, die in den letzten Jahren zahlreich auf dem
Markt erschienen sind. In diesem Buch wird das Problem benannt, kurz beschrieben und
seine Lösung mit dazu erforderlichen Gleichungen und Beiwerten aufgezeigt. Diese sind so
aufbereitet, dass sie verständlich und sofort nutzbar sind. Die Lösung eines Problems ist
einerseits mit Hilfe von Diagrammen oder Tabellen möglich, kann aber auch andererseits aus
Gleichungen und Beiwerten selbst gefunden werden.
Neben den hydraulischen Lösungen enthält das Buch die für ein Handbuch typischen
zusätzlichen Informationen wie z. B. mathematische, insbesondere geometrische oder
physikalische Tafelwerte und Formeln.
Der Begriff „Hydraulik“, aus dem griechischen Wort „hydro“ (Wasser) abgeleitet, ist
wissenschaftlich betrachtet, die Lehre der ruhenden und strömenden Flüssigkeiten. In der
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

technischen Anwendung (technische Hydraulik) wird der Begriff oft nur auf die hydrauli-
schen bzw. pneumatischen Maschinen beschränkt. In diesem Buch wird dieser Begriff als
umfassende Definition dieses Fachgebietes verstanden.
Die Hydraulik des Wasserbaues und der Wasserwirtschaft ist als technische Anwendung
eher unter dem Begriff „Technische Hydromechanik“ bekannt. Die entsprechende Fachbuch-
reihe „Technische Hydromechanik“ besteht aus Band 1 als Grundlagenfachbuch für die
Ausbildung und das Studium, Band 2 und 4 enthalten spezielle hydraulische Probleme und
Band 3, ebenfalls auf die Lehre ausgerichtet, enthält eine Sammlung von Übungsaufgaben
und deren Lösungen. Das vorliegende Handbuch der Hydraulik versteht sich als Ergänzung
zu diesen Bänden, konzentriert sich dabei auf den Anwender, der die Grundlagen dieses
Fachgebietes beherrscht, aber die eine oder andere Formel und den einen oder anderen
Beiwert vergessen hat, sucht oder auffrischen möchte. Selbstverständlich sind neuere
Untersuchungen, Veröffentlichungen und Erkenntnisse in diesem Buch eingearbeitet, aber
man findet auch Vergessenes, schon Bekanntes oder oft Genanntes.
Dresden, September 2014 Detlef Aigner
Gerhard Bollrich

II
Inhaltsverzeichnis
Seite

1 Allgemeines .......................................................................................................... 1
1.1 Geschichtliche Entwicklung .................................................................................. 1
1.2 Formelzeichen und Einheiten in der Hydraulik ................................................... 2
1.2.1 Basisgrößen der SI-Einheiten ................................................................................... 2
1.2.2 Symbolverzeichnis ................................................................................................... 3
1.3 Dezimale Vielfache von Einheiten ......................................................................... 7
1.4 Griechisches und kyrillisches (russisches) Alphabet, römische Ziffern
und Zahlen ............................................................................................................. 7
1.5 Umrechnung von britischen und US-Einheiten in metrische Einheiten ............. 9
1.6 Historische und nicht mehr gebräuchliche Einheiten ........................................ 12
1.7 Umrechnungen wichtiger Einheiten.................................................................... 12
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik,
wichtige geometrische Werte .......................................................................... 15
2.1 Wichtige Zahlenwerte .......................................................................................... 15
2.2 Trigonometrie ...................................................................................................... 15
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2.2.1 Allgemeines Dreieck .............................................................................................. 15


2.2.2 Rechtwinkliges Dreieck ......................................................................................... 15
2.2.3 Umrechnungen der Winkelfunktionen.................................................................... 16
2.3 Wichtige Funktionen ........................................................................................... 16
2.3.1 Quadratische Gleichung ......................................................................................... 16
2.3.2 Kubische Gleichung ............................................................................................... 16
2.3.3 Newtonsches Näherungsverfahren ......................................................................... 17
2.3.4 Taylor-Reihe .......................................................................................................... 17
2.3.5 Exponentialfunktion............................................................................................... 18
2.4 Umrechnung von Gefälle und Böschungsneigung .............................................. 18
2.5 Flächenberechnung (Auswahl) ............................................................................ 19
2.6 Volumenberechnung (Auswahl) .......................................................................... 22
2.7 Geometrie von Gerinne-Querschnitten mit offenem Wasserspiegel ................. 23
2.7.1 Offene Gerinne ...................................................................................................... 24
2.7.2 Genormte Kanalquerschnitte bei Vollfüllung nach DIN 4263 ................................ 25
2.8 Schwerpunkt S, Flächenträgheitsmoment und Zentrifugalmoment ................. 27
2.9 Hydraulisch günstige Fließquerschnitte ............................................................. 28
3 Physikalische Größen und Einheiten ............................................................ 33
3.1 Schwerebeschleunigung ....................................................................................... 33
3.2 Corioliskraft ......................................................................................................... 34
3.3 Gezeiten ................................................................................................................ 35
3.4 Eigenschaften des Wassers .................................................................................. 37
3.4.1 Dichte .................................................................................................................... 37

III
Handbuch der Hydraulik

Seite
3.4.2 Dichteveränderungen durch Beimengungen ........................................................... 39
3.4.3 Relative Raumänderung des Wassers ..................................................................... 41
3.4.4 Dampfdruck des Wassers ....................................................................................... 41
3.4.5 Viskosität von Wasser ............................................................................................ 42
3.4.6 Volumenelastizität ................................................................................................. 43
3.4.7 Druckwellengeschwindigkeit ................................................................................. 43
3.4.8 Oberflächenspannung und Kapillarität ................................................................... 46
3.5 Materialwerte weiterer Flüssigkeiten und Gase ................................................. 48
3.6 Materialwerte von Rohrleitungen und Baustoffen ............................................. 49
3.7 Sink-, Fall- und Steiggeschwindigkeit ................................................................. 50
3.7.1 Allgemeiner Ansatz ................................................................................................ 50
3.7.2 Sink- bzw. Absetzgeschwindigkeit von Feststoffen in Wasser ............................... 54
3.7.3 Fallgeschwindigkeit von Wassertropfen in Luft ..................................................... 58
3.7.4 Steiggeschwindigkeit von Luftblasen im Wasser .................................................... 59
3.8 Druck .................................................................................................................... 61
3.8.1 Definition der Druck-Einheiten .............................................................................. 61
3.8.2 Atmosphärendruck ................................................................................................. 62
3.8.3 Absolutdruck und Bezugsdruck .............................................................................. 64
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

3.8.4 Dampfdruck, Haltedruck und Kavitation ................................................................ 65


3.8.5 Druckmessung ........................................................................................................ 67
4 Hydrostatik ......................................................................................................... 69
4.1 Definitionen .......................................................................................................... 69
4.2 Hydrostatische Druckkraft auf ebene Flächen ................................................... 71
4.2.1 Senkrechte Seitenflächen ....................................................................................... 71
4.2.2 Konstruktive Lastaufteilung ................................................................................... 73
4.2.3 Geneigte Seitenflächen ........................................................................................... 75
4.2.4 Horizontale Bodenflächen, hydrostatisches Paradoxon ........................................... 77
4.2.5 Ebene Flächen unterhalb des Wasserspiegels ......................................................... 78
4.3 Zerlegung der Druckkraft in horizontale und vertikale Anteile ........................ 81
4.3.1 Geneigte Seitenflächen ........................................................................................... 82
4.3.2 Polygonartige Stauwand ......................................................................................... 83
4.3.3 Einfach gekrümmte Stauwand ................................................................................ 84
4.3.4 Kreiszylinderflächen .............................................................................................. 86
4.4 Innendruck von Behältern, Kesselformel ........................................................... 91
4.5 Flüssigkeitsmanometer......................................................................................... 92
4.6 Niveauflächen ....................................................................................................... 94
4.6.1 Kommunizierende Gefäße ...................................................................................... 95
4.6.2 Niveaufläche in gleichmäßig beschleunigten Gefäßen ............................................ 95
4.6.3 Niveaufläche in rotierenden Behältern ................................................................... 96
4.6.4 Wasserspiegellage in Gerinnekrümmungen ............................................................ 98
4.7 Auftrieb ................................................................................................................. 99

IV
Inhaltsverzeichnis

Seite
4.7.1 Im Wasser eingetauchte Körper ............................................................................. 99
4.7.2 Hydrostatischer Auftrieb auf Bauwerke ............................................................... 100
4.7.3 Hydrodynamischer Auftrieb auf Bauwerke .......................................................... 101
4.8 Schwimmen und Schwimmstabilität ................................................................. 102
4.8.1 Nachweis der Schwimmfähigkeit ......................................................................... 102
4.8.2 Nachweis der Schwimmstabilität ......................................................................... 103
4.9 Hydraulische Presse ........................................................................................... 107
5 Hydrodynamische Grundgleichungen ........................................................ 109
5.1 Einführung ......................................................................................................... 109
5.2 Begriffe und Definitionen .................................................................................. 110
5.3 Kontinuität ......................................................................................................... 113
5.4 Allgemeine Strömungsgleichungen ................................................................... 115
5.5 Bernoulli-Gleichung ........................................................................................... 117
5.6 Fließwechsel ....................................................................................................... 118
5.7 Wellenausbreitung ............................................................................................. 120
5.8 Flachwassergleichungen .................................................................................... 121
5.9 Saint-Venant-Gleichungen ................................................................................ 122
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

5.10 Abflussformeln ................................................................................................... 123


5.11 Impuls- und Stützkräfte .................................................................................... 124
5.12 Ausgleichsbeiwerte............................................................................................. 126
5.13 Filtergesetz von Darcy ....................................................................................... 127
6 Druckrohrströmung ....................................................................................... 129
6.1 Einleitung ........................................................................................................... 129
6.2 Energie- und Drucklinie (Durchflussberechnung) ........................................... 129
6.3 Fließarten, Geschwindigkeitsprofile und Reibungsbeiwert ............................. 133
6.3.1 Laminare Rohrströmung ...................................................................................... 133
6.3.2 Turbulente Rohrströmung .................................................................................... 134
6.3.3 Reibungsbeiwert im turbulenten Bereich ............................................................. 137
6.4 Absolute und relative hydraulische Rauheit..................................................... 142
6.5 Q-d-I-Tafeln zur Durchflussermittlung ............................................................ 143
6.6 Druckrohrsortiment nach DIN (Auswahl)........................................................ 147
6.7 Nicht kreisförmige Querschnitte ....................................................................... 156
6.8 Verkrustung und Alterung von Rohren............................................................ 159
6.9 Örtliche Verluste in Rohrleitungselementen und Armaturen ......................... 161
6.9.1 Verluste durch Querschnittsänderungen ............................................................... 162
6.9.2 Verluste durch Richtungsänderungen ................................................................... 170
6.9.3 Einlaufverluste ..................................................................................................... 172
6.9.4 Auslaufverluste .................................................................................................... 177
6.9.5 Vereinigungsverluste ........................................................................................... 178
6.9.6 Verzweigungsverluste .......................................................................................... 184

V
Handbuch der Hydraulik

Seite
6.9.7 Integraler Verlustbeiwert der Rohrverzweigung ................................................... 186
6.9.8 Verluste an Armaturen ......................................................................................... 188
6.10 Lufteinschluss und Teilfüllung .......................................................................... 199
6.11 Wasserabzug und Wasserverteilung ................................................................. 201
6.11.1 Stromvereinigung ................................................................................................. 201
6.11.2 Wasserabzug mit gelochten Rohren ...................................................................... 202
6.11.3 Stromtrennung...................................................................................................... 203
6.11.4 Wasserverteilung .................................................................................................. 203
6.12 Pumpen- und Turbinenleitungen ...................................................................... 204
6.12.1 Pumpenleitungen .................................................................................................. 204
6.12.2 Pumpensonderform: Druckluftheber..................................................................... 212
6.12.3 Turbinenleitungen ................................................................................................ 216
6.12.4 Hydraulik der Pumpspeicherung .......................................................................... 219
6.13 Hydraulische Berechnung von Rohrnetzen ...................................................... 222
6.13.1 Wirtschaftliche Fließgeschwindigkeit und wirtschaftlicher Durchmesser .............. 223
6.13.2 Netzaufbau ........................................................................................................... 226
6.13.3 Hydraulische Kennlinien ...................................................................................... 227
6.13.4 Berechnungsregeln ............................................................................................... 231
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

6.13.5 Berechnungsverfahren .......................................................................................... 231


6.14 Druckstoß ........................................................................................................... 233
6.14.1 Ursachen und Phänomene .................................................................................... 233
6.14.2 Berechnungsansätze ............................................................................................. 235
6.14.3 Druckstoßverminderung ....................................................................................... 238
7 Freispiegelströmung........................................................................................ 241
7.1 Allgemeines, Begriffe ......................................................................................... 241
7.2 Fließformeln ....................................................................................................... 244
7.2.1 Fließformel nach Gauckler-Manning-Strickler (GMS-Formel) ............................. 245
7.2.2 Fließformel nach Darcy und Weisbach ................................................................. 251
7.2.3 Einfluss der Querschnittsformen auf die Abflussberechnung ................................ 254
7.2.4 Abflusskurven ...................................................................................................... 256
7.3 Abfluss in teilgefüllten, geschlossenen Leitungen ............................................. 258
7.3.1 Genormte Kanalquerschnitte ................................................................................ 258
7.3.2 Zuschlagen geschlossener Leitungen bei Teilfüllung ............................................ 264
7.3.3 Abfluss in Durchlässen unter Verkehrswegen ...................................................... 264
7.4 Schießen und Strömen ....................................................................................... 269
7.4.1 Der kritische Fließzustand .................................................................................... 270
7.4.2 Die Bedeutung der Froude-Zahl ........................................................................... 276
7.4.3 Hydraulische Effekte beim Fließwechsel Strömen-Schießen ................................ 277
7.4.4 Der Wechselsprung (Hydraulic Jump) .................................................................. 278
7.4.5 Ermittlung der Randbedingung 1 und h1 am überströmten Wehr ....................... 279
7.4.6 Fließwechsel durch Verringerung des Fließquerschnittes ..................................... 282

VI
Inhaltsverzeichnis

Seite
7.4.7 Fließwechsel durch erhöhte Rauheit und Störsteine ............................................. 284
7.4.8 Fließwechsel an unterströmten Verschlüssen ....................................................... 285
7.5 Schubspannung und Sohlbewegung .................................................................. 285
7.5.1 Definition der Schubspannung ............................................................................. 285
7.5.2 Kritische Schubspannung und kritische Geschwindigkeit .................................... 287
7.5.3 Geschiebetransport .............................................................................................. 290
7.6 Lokale Verluste .................................................................................................. 292
7.6.1 Einlaufverluste ..................................................................................................... 292
7.6.2 Gerinneübergänge ................................................................................................ 293
7.6.3 Krümmungen ....................................................................................................... 295
7.6.4 Einbauten (Pfeilerstau)......................................................................................... 297
7.7 Stau- und Senkungslinien .................................................................................. 298
7.8 Instationäre Freispiegelströmungen – Schwall- und Sunkwellen .................... 305
7.8.1 Allgemeines ......................................................................................................... 305
7.8.2 Berechnungsansatz Schwallwelle ......................................................................... 307
7.8.3 Sunkwelle, Berechnungsansatz ............................................................................ 308
7.8.4 Schwall und Sunk im Rechteckquerschnitt........................................................... 308
7.8.5 Näherungsberechnungen ...................................................................................... 309
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

7.8.6 Schwall in beliebig geformten Gerinnequerschnitten ........................................... 310


7.8.7 Iterative Berechnung der Sunkwellen ................................................................... 311
7.8.8 Verformung von Schwallwellen ........................................................................... 312
7.8.9 Berechnungsbeispiel ............................................................................................ 314
7.8.10 Maßnahmen zum Schwallabschlag....................................................................... 318
7.9 Ausfluss aus Öffnungen und unter Schützen .................................................... 319
7.9.1 Bodenöffnungen .................................................................................................. 320
7.9.2 Seitenöffnung ...................................................................................................... 321
7.9.3 Ausfluss unter Schützen ....................................................................................... 323
7.9.4 Rückgestauter Ausfluss ........................................................................................ 327
8 Überfälle und Hochwasserentlastungsanlagen.......................................... 331
8.1 Einleitung Überfälle ........................................................................................... 331
8.2 Überfallformel .................................................................................................... 333
8.3 Überfallbeiwert .................................................................................................. 334
8.3.1 Basiswert µ0 ........................................................................................................ 334
8.3.2 Beiwert µ1 der Zulaufgeschwindigkeit ................................................................ 337
8.3.3 Beiwert µ2 der Verluste durch Strahleinschnürung und Ablösung ....................... 340
8.3.4 Einfluss des Strahldruckes – Beiwert µ3 .............................................................. 341
8.3.5 Der unvollkommene Überfall – Beiwert µ4 ......................................................... 341
8.3.6 Einfluss der schrägen Anströmung – Beiwert µ5 ................................................. 342
8.3.7 Einfluss von Pfeilern und Seiteneinschnürung – Beiwert µ6 ................................ 344
8.4 Rechtecküberfall ................................................................................................ 346
8.4.1 Breitkroniger Überfall.......................................................................................... 346

VII
Handbuch der Hydraulik

Seite
8.4.2 Scharfkantiger Überfall ........................................................................................ 349
8.4.3 Beweglicher Überfall ........................................................................................... 351
8.4.4 Zylinderwehr ........................................................................................................ 354
8.4.5 Schmalkroniger Überfall ...................................................................................... 356
8.4.6 Standardüberfall ................................................................................................... 358
8.4.7 Dachwehr ............................................................................................................. 361
8.4.8 Schlauchwehr ....................................................................................................... 361
8.5 Dreiecküberfall ................................................................................................... 362
8.6 Parabelüberfall ................................................................................................... 364
8.7 Kreisüberfall ....................................................................................................... 364
8.8 Proportionalüberfall .......................................................................................... 366
8.9 Exponentialüberfall ............................................................................................ 367
8.10 Zusammengesetzte Messwehre .......................................................................... 368
8.11 Streichwehr ......................................................................................................... 369
8.12 Piano-Wehr ......................................................................................................... 371
8.13 Tiroler Wehr....................................................................................................... 372
8.14 Heberüberfall ..................................................................................................... 372
8.14.1 Vergleich Heberüberfall – normaler Überfall ....................................................... 372
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

8.14.2 Grenzbedingung Unterdruck im Heberscheitel ..................................................... 373


8.14.3 Arbeitszyklus eines und mehrerer Heber .............................................................. 374
8.14.4 Abflusssteuerung durch gestaffelte Heber ............................................................ 375
8.14.5 Abflusssteuerung durch Belüftung des Hebers ..................................................... 376
8.15 Ringförmige Überfälle ....................................................................................... 379
8.15.1 Schachtüberfall .................................................................................................... 380
8.15.2 Versturzleitung ..................................................................................................... 391
8.15.3 Wirbelfallschacht ................................................................................................. 392
8.16 Sammelrinne ....................................................................................................... 395
8.17 Übergangsrinnen und Schussrinnen ................................................................. 401
8.17.1 Wasserspiegellagenberechnung ............................................................................ 401
8.17.2 Luftaufnahme in Schussrinnen ............................................................................. 402
8.17.3 Stoßwellen ........................................................................................................... 406
8.17.4 Krümmungseinfluss ............................................................................................. 409
8.17.5 Kavitation in Schussrinnen ................................................................................... 409
8.17.6 Schussrinnenbelüfter ............................................................................................ 410
8.17.7 Beispiel Schussrinne ............................................................................................ 411
8.18 Treppen und Kaskaden ...................................................................................... 413
8.19 Wurfstrahl und Kolkbildung ............................................................................. 418
8.20 Tosbecken ........................................................................................................... 422
8.20.1 Formen des Wechselsprunges............................................................................... 422
8.20.2 Die konjugierten Wassertiefen ............................................................................. 423
8.20.3 Der Energieverlust des einfachen Wechselsprunges ............................................. 424

VIII
Inhaltsverzeichnis

Seite
8.20.4 Tosbecken ............................................................................................................ 424
8.20.5 Tosbeckenformen................................................................................................. 425
8.20.6 Beispiel Tosbeckenberechnung ............................................................................ 428
8.21 Grundablass und Entnahmeeinrichtung .......................................................... 429
9 Wasserstrahlen ................................................................................................ 435
9.1 Wasserstrahlen in der Luft................................................................................ 435
9.1.1 Senkrechter Wasserstrahl in der Luft ................................................................... 436
9.1.2 Schräger Wasserstrahl in der Luft – Wurfstrahl ................................................... 441
9.1.3 Wurfstrahl bei Hochwasserentlastungsanlagen..................................................... 445
9.2 Wasserstrahlen im Wasser ................................................................................ 445
9.2.1 Freistrahl in unbegrenztem Raum ........................................................................ 446
9.2.2 Umgelenkter Freistrahl ........................................................................................ 447
9.2.3 Freistrahl in begrenztem Raum mit freiem Wasserspiegel .................................... 449
9.3 Strahlausbreitung in einer Querströmung ....................................................... 451
10 Sicker- und Grundwasserströmungen ........................................................ 453
10.1 Begriffe und Definitionen .................................................................................. 453
10.1.1 Porosität............................................................................................................... 453
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

10.1.2 Suffosion, Erosion und Kolmation ....................................................................... 455


10.1.3 Durchlässigkeitsbeiwert ....................................................................................... 456
10.1.4 Filter und Filteraufbau ......................................................................................... 461
10.1.5 Kapillare Steighöhe.............................................................................................. 463
10.2 Grundwasser-Strömungsgleichungen ............................................................... 464
10.3 Brunnenentnahme.............................................................................................. 466
10.3.1 Ungespanntes Grundwasser ................................................................................. 467
10.3.2 Gespanntes Grundwasser ..................................................................................... 468
10.3.3 Beispiel Brunnen ................................................................................................. 469
10.4 Strom- und Potentialliniennetz ......................................................................... 470
10.5 Sohlwasserdruck ................................................................................................ 472
10.6 Durchströmung eines Erddammes .................................................................... 477
10.7 Hydraulischer Grundbruch............................................................................... 481
10.8 Geotextile Filter ................................................................................................. 483
10.9 Stofftransport im Grundwasser ........................................................................ 485
Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 487
Stichwortverzeichnis .................................................................................................... 505

IX
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
1 Allgemeines
1.1 Geschichtliche Entwicklung
Die alten Philosophen zählten das Wasser neben dem Feuer, der Luft und der Erde zu den
Urstoffen unseres Lebens. Es verkörperte die Kraft, die Reinheit, den Geist und die
Schöpferkraft. Heraklit (etwa 500 v. Chr.) betonte die Dynamik des Wassers durch seine
überlieferte Aussage, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann. Als eines der
natürlichen Elemente unserer Erde ist das Wasser für Mensch, Tier und Pflanze lebensnot-
wendig und es bestimmt, angetrieben durch die Sonne, den Lebenszyklus der Erde. Es wird
gefördert, gespeichert und transportiert. Die ersten Erkenntnisse des Menschen über das
Wasser beruhten auf Beobachtungen und das Sammeln praktischer Erfahrungen. Bauwerke
am und im Wasser hielten den Belastungen nicht stand und wurden mit diesen neuen
Erkenntnissen wieder aufgebaut. Nachweislich wurden bereits vor über 6.000 Jahren in den
alten Kulturzentren Dämme errichtet. Überliefert sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse
von Archimedes (287–212 v. Chr.) z. B. zum Auftrieb. Die archimedische Schraube wird
ihm zugeschrieben. Das Phänomen Wasser hielt Leonardo da Vinci (1452–1519) in vielen
seiner Skizzen und Zeichnungen fest und er beschäftigte sich nicht nur als Maler, sondern
auch als Wissenschaftler mit dem Wasser. Seine künstlerischen und zeichnerischen Analysen
gingen später in die empirische Phase über, in der durch den Naturversuch Erkenntnisse über
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

das Verhalten des Wassers gesammelt wurden. Im 17. bis 19. Jahrhundert entwickelte
sich die Mathematik als Grundlagenwissenschaft und Mathematiker wie Isaak Newton
(1643–1727), Daniel Bernoulli (1700–1782) oder Louis Navier (1785–1836) und George
Gabriel Stokes (1819–1903) entwickelten wichtige Grundlagengleichungen der Hydrome-
chanik, die noch heute ihre Namen tragen. Mit der industriellen Revolution im
19. Jahrhundert und der Entwicklung der Messtechnik entstanden erste empirische
Gleichungen zur Bewegung des Wassers. Henry Darcy (1803–1858), Julius Weisbach
(1806–1871), William Froude (1810–1879) und Robert Manning (1816–1897) waren
Vorreiter bei der Aufstellung empirischer Fließformeln für Sickerströmungen und Frei-
spiegelströmungen. Osborne Reynolds (1842–1942), Ludwig Prandtl (1875–1953) oder
Johann Nikuradse (1884–1979) lieferten wichtige Erkenntnisse zur Turbulenz, zur
Grenzschicht und zur Wandrauheit u. a. als Grundlage zur Berechnung von Druckrohr-
strömungen. Es entstanden erste Labore zur Analyse von Strömungen. Das erste flussbauli-
che Laboratorium wurde 1898 von Hubert Engels (1854–1945) an der damaligen Königlich
Sächsischen Hochschule in Dresden gegründet. Hier wurden erste Untersuchungen zur
Auskolkung und Sedimentation in einer Modellrinne durchgeführt. Heute existieren an allen
größeren Universitäten Laboreinrichtungen zur Untersuchung von Strömungen. Viele der
historischen Erkenntnisse und Gleichungen wurden durch neuere Messverfahren und
Auswertetechniken verbessert und weiterentwickelt. Einen umfassenden Überblick über die
Geschichte der Hydraulik und ihre herausragenden Persönlichkeiten haben Hunter Rouse
und Simon Ince (1980) sowie Willi Hager (2003) gegeben. Die von den Mathematikern
aufgestellten Theorien wurden durch den Vergleich mit empirisch gewonnenen Daten
verifiziert und anwendbar gestaltet. Dieser Prozess der Verifizierung analytischer Lösungen
wurde weiter fortgesetzt und auch von der numerischen Modellierung übernommen.

1
Handbuch der Hydraulik

Insbesondere die zeitlich gemittelten Strömungsgleichungen, die Reynolds-Gleichungen,


sind auf Ergebnisse empirischer Messungen angewiesen. Auch die rasante Entwicklung der
Computertechnik und die damit ermöglichten fein aufgelösten Berechnungen von Strömun-
gen haben es bisher nicht geschafft, die empirischen Verfahren zu verdrängen, im Gegenteil,
sie nutzen diese zur Überprüfung und Verifizierung. Das mit diesem kurzen geschichtlichen
Abriss eingeleitete Buch soll diesem Anliegen gerecht werden und stellt analytische
Lösungen und empirische Daten in komprimierter Form, quasi als Handbuch, vor. Es kann
als Nachschlagewerk, als Wissensspeicher oder als Sammlung von Formeln und Beiwerten
verstanden werden.

1.2 Formelzeichen und Einheiten in der Hydraulik


1.2.1 Basisgrößen der SI-Einheiten

Das Internationale Einheitensystem, SI-Einheiten (Système International d’unités), basiert


auf dem internationalen Größensystem (ISQ). Dieses metrische Einheitensystem wurde 1960
eingeführt und ist heute das weltweit am weitesten verbreitete Einheitensystem für
physikalische Größen. Das SI ist ein metrisches, dezimales und kohärentes Einheitensystem
mit in Tabelle 1.1 aufgeführten Basisgrößen.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Tabelle 1.1 Basisgrößen der SI-Einheiten

Name der
Symbol Dimension Einheit Definition
Basisgröße
Das Meter ist die Länge der Strecke,
die das Licht im Vakuum in der Zeit
Länge l L m von 1/c0 [Sekunden] zurücklegt.
Lichtgeschwindigkeit
c0 = 299.792.458 m/s.
Das Kilogramm ist die Masse des
Masse m M kg internationalen Kilogrammprototyps
(Urkilogramm).
Die Sekunde ist das
9.192.632.770fache der Periodendau-
Zeit t T s
er des atomaren Überganges des
Caesium-Isotops 133Cs.
Das Ampere ist die Stärke eines
konstanten elektrischen Stromes, der
im Vakuum zwischen zwei
Stromstärke I I A definierten Leitern im Abstand von
1 m fließt.
Pro Sekunde entspricht das
6,24150948 · 1018 Ladungsträgern.

2
1 Allgemeines

Fortsetzung Tabelle 1.1

Name der
Symbol Dimension Einheit Definition
Basisgröße
Das Kelvin ist 1/273,16 der
thermodynamischen Temperatur des
Temperatur T Θ K Tripelpunkts von destilliertem
Reinst-Wasser (Standard Mean
Ocean Water).
Das Mol entspricht der Stoffmenge
der Atome in 12 Gramm des
Stoffmenge n N mol
Kohlenstoff-Isotops 12 C in
ungebundenem Zustand.
Die Candela entspricht der
Lichtstärke von monochromatischem
Lichtstärke lV J cd Licht der Frequenz 540 · 1012 Hz und
der Strahlungsstärke von 1/683 Watt
pro Steradiant.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1.2.2 Symbolverzeichnis
Die folgenden Formelzeichen werden im gesamten Buch einheitlich verwendet, wobei
DIN 1080, Teil 7 (1979) und DIN 4044 (1980) die Grundlage bilden. Hier nicht aufgeführte
Formelzeichen sind im Text erläutert.

Zeichen Benennung, Bedeutung, Bemerkung Einheit


A Fläche, Fließquerschnitt m2
a Beschleunigung m/s2
B Breite, Wasserspiegelbreite m
b Breite m
Bou Boussinesq-Zahl 1
C Chezy-Beiwert m1/2/s
C Überfallbeiwert m1/2/s
c absolute Wellenschnelligkeit bei Schwall und Sunk m/s
c Druckwellengeschwindigkeit im Wasser m/s
c Konzentration 1
cW Widerstandsbeiwert bei Umströmung 1
DN Nennweite, Nenndurchmesser, (diameter normale) m
D Diffusionsbeiwert m2/s
d Durchmesser m
dhy hydraulischer Durchmesser, dhy = 4·A/lU m
E Elastizitätsmodul Pa = N/m2
e Beiwert 1
e Eulersche Zahl, Exponentialfunktion, e = 2,71828 1
F Kraft N = kg·m/s2

3
Handbuch der Hydraulik

Zeichen Benennung, Bedeutung, Bemerkung Einheit


f Frequenz Hz = l/s
f Beiwert 1
Fr Froude-Zahl 1
FG Gewichtskraft N
G Gezeitenkonstante m2/s2
g Schwerebeschleunigung m/s2
H Gesamthöhe, Förderhöhe, Energiehöhe m
h Höhe, Wasserstand, Überfallhöhe m
I Flächenträgheitsmoment m4
I Gefälle 1, %
k absolute Rauheit, äquivalente Sandrauheit mm
kSt Strickler-Rauheitsbeiwert m1/3/s
kf Durchlässigkeitsbeiwert, Darcy-Beiwert m/s
kV Durchflusskennwert m3/h
L, l Länge m
lä äquivalenter Durchmesser m
lU benetzter Umfang m
ML Maßstabszahl, Modellmaßstab 1
M Moment N·m = kg·m2/s2
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

m Masse kg
n Böschungsneigung 1
P Leistung W = kg·m2/s3
PN Druckstufe 105 Pa
p Druck Pa = N/m2 = kg(m·s2)
Q Durchfluss, Abfluss, Ausfluss, Volumenstrom m3/s
q spezifischer Abfluss, q = Q/b m2/s
R, r Radius m
Re Reynolds-Zahl 1
rhy hydraulischer Radius rhy = A/lU m
s Weg, Strecke, Schichtdicke, Wanddicke m
Sr Strouhal-Zahl 1
T Temperatur °C, K
T Zeit, Zeitintervall s
t Zeit s
U Umfang m
u Komponente der Geschwindigkeit m/s
V Volumen m3
υ Geschwindigkeit m/s
υ* Schubspannungsgeschwindigkeit m/s
W Arbeit, Energie J = Nm = Ws = kg·m2/s2
w Wehrhöhe m
w Komponente der Geschwindigkeit m/s
x, y, z kartesische Koordinaten m
z geodätische Höhe, vertikale Koordinate m

4
1 Allgemeines

Zeichen Benennung, Bedeutung, Bemerkung Einheit


 Winkel °
 Geschwindigkeitshöhenausgleichswert 1
 Verbauungsverhältnis 1
' Impulsausgleichsbeiwert 1
 Belüftungsgrad 1
 Winkel °
 Druckhöhenausgleichsbeiwert 1
' Druckkraftausgleichsbeiwert 1
 Gravitationskonstante m3/(kg·s2)
 Raumausdehnungskoeffizient °C–1
 Grenzschichtdicke m
 Beiwert für lokale Verluste 1
 dynamische Viskosität kg/(s·m)
 Wirkungsgrad 1
 Winkel °
 Widerstandsbeiwert 1
 Überfallbeiwert, Ausflussbeiwert 1
 kinematische Viskosität m2/s
 dimensionslose Pi-Zahl 1
 Kreiszahl, 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1
 Dichte kg/m3
 Oberflächenspannung kg/s2
 Normalspannung Pa = kg/(m·s2)
 Schubspannung Pa = kg/(m·s2)
 Verlustbeiwert 1
 Kontraktionsbeiwert 1
 Kreisfrequenz Hz = 1/s
 Beiwert für Rohrleitungskennlinien s2/m5

5
Handbuch der Hydraulik

Indizes
Die speziellen Indizes sind in den Abschnitten oder durch den Bezug zu einer Skizze
erläutert.
A Ausfluss, Fläche, Auftrieb LF luftfrei
a außen m mittel
amb, atm Atmosphäre n normal, senkrecht
abs absolut O Oberfläche
ä äquivalent Ö örtlich
C Coriolis P Pumpe
crit kritischer Wert p Druck
dyn dynamisch R, r Reibung
E Energie S Sohle, Sonne
f Filter St Strickler
G Gewicht s Strecke, Stromlinie
Gr Grenzwert T Temperatur, Turbulenz
ges gesamt t turbulent
hy hydraulisch V Verlust
i innen w Widerstand, Wand
kin kinematisch W Wasser
krit kritisch x, y, z kartesische Koordinaten
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

L Längenbezug zul zulässig


M Motor, Mond 0 Anfangswert
Max Maximum 1, 2 Schnittbezug
Min Minimum  Gravitation
LG luftgesättigt

Vorzeichen Exponenten
Δ, d Differenz ¯ Mittelwert
d totales Differential ' turbulente Schwankung
 partielles Differential * speziell
 Nabla-Operator  maximal
grad Gradient ~ wechselnd
div Divergenz  minimal
∑ Summe → Vektor
ᴖ Bogenmaß

Abkürzungen
EL Energielinie EH Energiehorizont
DL Drucklinie WL Wasserspiegellinie
 Bezugshorizont OW Oberwasser
UW Unterwasser KV Kontrollvolumen
HQ Hochwasserabfluss TS Talsperre
MQ Mittelwasserabfluss S Schwerpunkt
NQ Niedrigwasserabfluss NN Nullniveau
M Mittelpunkt D Drehpunkt

6
1 Allgemeines

1.3 Dezimale Vielfache von Einheiten


Tabelle 1.2 Das dezimale Vielfache von Einheiten

Faktor Vorsatz Faktor Vorsatz


Expo- Expo-
Name Zeichen Bedeutung Name Zeichen Bedeutung
nent nent
10–18 Atto a Trillionstel 101 Deka da Zehn
–15 2
10 Femto f Billiardstel 10 Hekto h Hundert
–12 3
10 Piko p Billionstel 10 Kilo k Tausend
–9 6
10 Nano n Milliardstel 10 Mega M Million
–6 9
10 Mikro μ Millionstel 10 Giga G Milliarde
–3 12
10 Milli m Tausendstel 10 Tera T Billion
–2 15
10 Zenti c Hundertstel 10 Peta P Billiarde
–1 18
10 Dezi d Zehntel 10 Exa E Trillion

Beispiel: 1 Mikrometer = 1 m = 0,000 001 m = 1 Millionstel Meter


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

= 0,001 mm = 1 Tausendstel Millimeter


1 Nanometer = 1 nm = 0,000 000 001 m = 1 Milliardstel Meter
= 0,000 001 mm = 1 Millionstel Millimeter

1.4 Griechisches und kyrillisches (russisches) Alphabet,


römische Ziffern und Zahlen
Tabelle 1.3 Griechisches und kyrillisches (russisches) Alphabet (DIN 1460, Duden 2006)

Griechische Schrift Kyrillische Schrift


Druck- Kursiv- Druck- Kursive wiss. Trans- Lautwert
Name
schrift schrift schrift Schrift literation russisch
Α α Α α Alpha А а А а a a
Β β Β β Beta Б б Б б b b
Γ γ Γ γ Gamma В в В в v v
Δ δ Δ δ Delta Г г Г г g g
Ε ε Ε ε Epsilon Д д Д д d d
Ζ ζ Ζ ζ Zeta Е е Е е e je
Η η Η η Eta Ж ж Ж ж ž sh
Θ θ,  Θ ,  Theta З з З з z s

7
Handbuch der Hydraulik

Fortsetzung Tabelle 1.3

Griechische Schrift Kyrillische Schrift


Druck- Kursiv- Druck- Kursive wiss. Trans- Lautwert
Name
schrift schrift schrift Schrift literation russisch
Ι ι Ι ι Jota И и И и i i
Κ κ Κ κ Kappa Й й Й й j i
Λ λ Λ λ Lambda К к К к k k
Μ μ Μ μ My Л л Л л l l
Ν ν Ν ν Ny М м М м m m
Ξ ξ Ξ ξ Xi Н н Н н n n
Ο ο Ο ο Omikron О о О о o o
Π π Π π Pi П п П п p p
Ρ ρ Ρ ρ Rho Р р Р р r r
Σ σ,ς Σ σ,ς Sigma С с С с s s (ss)
Τ τ Τ τ Tau Т т Т т t t
Υ υ Υ υ Ypsilon У у У у u u
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Φ φ Φ φ Phi Ф ф Ф ф f f
Χ χ Χ χ Chi Х х Х х ch ch
Ψ ψ Ψ ψ Psi Ц ц Ц ц c z
Ω ω Ω ω Omega Ч ч Ч ч č tsch
Ш ш Ш ш š sch
Щ щ Щ щ šč schtsch
Ъ ъ Ъ ъ ¨
Ы ы Ы ы y y
Ь ь Ь ь ´
Э э Э э ė e
Ю ю Ю ю ju ju
Я я Я я ja ja

Anmerkung: In diesem Buch wird bei Zitaten, z. B. aus dem Russischen, die wissenschaft-
liche Transliteration verwendet.

Tabelle 1.4 Römische Zahlenzeichen

Die sieben römischen Grundzeichen:


Indisch-arabische Ziffern: 1 5 10 50 100 500 1 000
Römische Zahlzeichen: I V X L C D M

8
1 Allgemeines

Die römischen Zahlen werden von links nach rechts gelesen und addiert, sofern sie in ihrer
Wertigkeit abnehmen. Steht jedoch eine kleinere Zahl vor einer größeren, so wird sie von der
größeren abgezogen.

Beispiele: II = 2, III = 3, IV = 5 – 1 = 4, VI = 5 + 1 = 6, VII = 7, VIII = 8, IX = 9, XI = 11,


XIX = 19, XX = 20, XXX = 30, XL = 40, LX = 60, XC = 90, XCIX = 99, CI = 101,
CCCLIX = 359, MCMXCVI = 1996, MMXIII = 2013

1.5 Umrechnung von britischen und US-Einheiten in


metrische Einheiten
Tabelle 1.5 Umrechnung von britischen und US-Einheiten in Längenangaben
(http://www.hug-technik.com/inhalt/ta/british.htm)

1 inch (in.) = 25,4 mm 1 cm = 0,3937 in.


–2
1 mille = 1/1000 in. = 2,54·10 mm 1 mm = 39,37 mille
–5
1 microinch = 2,54·10 mm 1 mikrometer = 39,37 microinch
1 foot (ft.) = 12 in. = 304,8 mm 1 cm = 0,0328 ft.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1 yard = 3 ft. = 914,4 mm 1m = 3,28 ft.


1 rod (rd.) = 5,5 yd. = 5,0292 m 1m = 1,0936 yd.
1 mile (statute) = 1,60934 km 1 km = 0,6214 mile (st.)
1 mile (nautical) = 1,853 km 1 km = 0,54 mile (naut.)

Anmerkung: Im Folgenden werden vorrangig die in der Hydraulik wichtigen Einheiten


behandelt. (In Klammern: brit. oder US-Einheiten)

Längen
inch 1 in = 2,54 cm = 25,4 mm
foot 1 ft = 12 in = 30,48 cm = 0,3048 m
yard 1 yd = 3 ft = 0,9144 m
mile 1 mi = 5280 ft = 1760 yd = 1,6093 km
nautic mile 1 knot = 1,852 km

Flächen
square inch 1 sq in = 1 in2 = 6,45 cm2
square foot 1 sq ft = 1 ft2 = 144 in2 = 929 cm2 = 0,0929 m2
square yard 1 sq yd = 0,8361 m2
acre 1 ac = 4840 sq yd = 4047 m2 = 0,4047 ha
square mile 1 sq mi = 640 acres = 2,59 km2

9
Handbuch der Hydraulik

Raummaße, Flüssigkeiten
cubic inch 1 cu in = 1 in3 = 16,387 cm3
cubic foot 1 cu ft = 1 ft3 = 28,3 l = 0,0283 m3
cubic yard 1 cu yd = 1 yd3 = 765 l = 0,765 m3
register ton 1 reg tn = 2,832 m3
fluid once 1 fl oz = 28,41 cm3 (brit.) = 29,57 cm3 (US)
gallon 1 gal (brit.) = 4,546 l; 1 gal (US) = 3,785 l
US barrel petroleum 1 bbl = 42 gal = 158,987 l

Geschwindigkeit
feet per second 1 fps = 0,3048 m/s
mile per hour 1 mph = 1,609 km/h = 0,447 m/s
nautic mile per hour 1 knot = 1,852 km/h = 0,514 m/s

Abfluss, Durchfluss
cubic foot per second 1 ft3/sec = (oft auch: 1 cu ft sec = 1 cfs) = 28,3 l/s = 101,9 m3/h
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

cubic foot per minute 1 ft3/min = 0,472 l/s = 0,0283 m3/min = 1,70 m3/h
cubic foot per hour 1ft3/h = 28,3 l/h = 0,0283 m3/h
US gallon per min 1 gpm = 0,00223 ft3/sec = 0,06309 l/s = 0,227 m3/h
US gallon per day 1 gpd = 0,1577 l/h = 3,785 l/d

Spezifischer Abfluss q = Q/b


cubic foot per foot of width 1 ft3/sec per ft of width = 1 ft2/s = 0,0929 m3/(s·m)

Masse
grain (engl.) 1 gr = 1/7000 lb = 64,8 mg = 0,0648 g
ounce (brit.) 1 oz = 1/16 lb = 28,35 g = 0,02835 kg
pound (brit.) 1 lb = 453,6 g = 0,4536 kg
short hundredweight (US) 1 cwt sh = 100 lb = 45,359 kg
long hundredweight (US) 1 cwt l = 4 qrt (quarters)
= 112 lb = 50,802 kg = 1 hundredweight (brit.)
short ton (US) 1 s tn = 20 cwt sh = 2000 lb
long ton (US) 1 l tn = 20 cwt l = 2240 lb = 1,016 t = 1 tn (brit.)

10
1 Allgemeines

Dichte
pound per cubic foot 1 lb/ft3 = 16,0185 kg/m3; 1 kg/m3 = 0,0624 lb/ft3
pound per US-gallon 1 lb/gal = 119,8 kg/m3
part per million 1 ppm = 1 mg/l = 1g/m3

Kraft
pound-force (brit.) 1 lbf = 4,448 N = 4,448 kg m/s2 = 0,4536 kp = 32,174 pdl
pound-weight (US) 1 lb wt = 1 lbf
poundal (brit.) 1 pdl = 0,138255 N = 1 lb ft/s2
short ton-weight (US) 1 sh tn wt = 8896,44 N
long ton-weight (US) 1 l tn wt = 9964 N
ton-force (brit.) 1 tonf = 9964 N = 2240 lb wt = 1 l tn wt

Druck
pound per square foot 1 psf = 47,88 N/m2 = 47,88 Pa ≙ 4,88 mmWS = 0,00488 mWS
pound per square foot 1 psf = 47,88 N/m2 = 47,88 Pa ≙ 4,88 mmWS = 0,00488 mWS
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

foot of water 1 ft H2O = 0,029891 bar

Arbeit, Energie, Leistung


horse-power 1 hp = 1,014 PS = 0,746 kW
(1 kW = 1,34 hp; 1 PS = 0,736 kW; 1 kW = 1,36 PS)
foot pound-force 1 ft lbf = 1,3558 N·m = 1,3558 J
foot pound-force per second 1 lbf/s = 1,3558 W
1 Watt (W) = 1 Joule/s (J/s)
= 1 Newton·Meter/Sekunde (N·m/s)

Sonstiges
o
Grad Fahrenheit: F = 32 + 9/5·oC
o
Grad Celsius: C = 5/9·(oF – 32)
Dynamische Viskosität η: 1 Lb/(ft·sec) = 1,4482 Pa·s
Kinematische Viskosität ν: 1 ft2/sec = 0,0929 m2/s = 92,9 St; 1 Stokes (St) = 0,001 m2/s
Oberflächenspannung σ: 1 Lb/ft = 14,945 N/m
Erdbeschleunigung g: 32,174 ft/sec2 = 9,80665 m/s2

11
Handbuch der Hydraulik

Beiwert kSt der GMS-Formel: 1 ft1/3/sec = 0,673 m1/3/s; 1 m1/3/s = 1,49 ft1/3/ sec
2
Überfallbeiwert C =    2  g : 1 ft1/2/sec = 0,552 m1/2/s; 1 m1/2/s = 1,81 ft1/2/sec
3

1.6 Historische und nicht mehr gebräuchliche Einheiten


In vielen alten Quellen findet der Leser heute nicht mehr gebräuchliche Formelzeichen und
Einheiten. Deren Bezug zu den heutigen SI-Einheiten soll hier in einer Auswahl gezeigt
werden.

Tabelle 1.6 Historische und nicht mehr gebräuchliche Einheiten

Zeichen Benennung, Bedeutung, Umrechnung SI-Einheit


at technische Atmosphäre entspricht 10 m WS 98.066,5 kg/(m·s2)
atm physikalische Atmosphäre entspricht 760 Torr 101325 kg/(m·s2)
bzw. 760 mm Hg (Quecksilbersäule)
atü Atmosphären-Überdruck, technische Bezeichnung
für den Überdruck zum Umgebungsdruck
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

bar Bar, Druckeinheit * oft noch gebräuchlich 105 Pa = 105 kg/(m·s2)


torr Torr, ein Millimeter Quecksilbersäule, 1 mmHg 133,322 Pa
cal Kalorie 4,1868 kg/(m2·s2)
PS Pferdestärken, Leistung 735,49875 kg·m2/s3
kp Kilopond, Kraft 9,80665 kg·m/s2
t Tonne, Gewicht * oft noch gebräuchlich 1000 kg
 Wichte, Gewichtskraft pro Volumen,  =  ·g 9806,65 kg/(m2·s2)

1.7 Umrechnungen wichtiger Einheiten


Die folgenden Tabellen geben Hilfestellung bei der Umrechnung von Einheiten wichtiger
physikalischer Größen aus historischen, anderssprachigen oder aktuellen Quellen.

12
1 Allgemeines

Tabelle 1.7 Größen und deren Einheiten

Größe SI-Einheit SI-Basisgrößen alte Einheit


2
Kraft N = kg·m/s kp
2 2
Moment N·m = kg·m /s kp·m
2
Pa = kg/(m·s ) kp/m2
Druck/Spannung N/m2 = kg/(m·s2) at, Torr
5 2
bar = 10 kg/(m·s ) mWS
kp·m
Arbeit/Energie J = kg·m2/s2
cal
kp·m/s
Leistung W = kg·m2/s3
PS

Tabelle 1.8 Umrechnung von Kräfte-Einheiten

Einheit kp J/m N
1 kp 1 9,81 9,81
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1 J/m 0,102 1 1
1N 0,102 1 1

Tabelle 1.9 Umrechnung von Druck-Einheiten

Einheit Pa N/mm2 bar kp/m2 at Torr


2 –6 –5 –5
Pa N/m 1 10 10 0,102 1,02 10 7,5 10–3
N/mm2 10 bar 106 1 10 1,02 105 10,2 7,5 103
bar 0,1 MPa 105 0,1 1 1,02 104 1,02 750
2 –6 –5 –4
kp/m mm WS 9,81 9,81·10 9,81·10 1 10 0,0736
2 4
at kp/cm 98100 0,0981 0,981 10 1 736
–4 –3 –3
Torr mm Hg 133,3 1,33·10 1,33·10 13,6 1,36·10 1

13
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 1.10 Umrechnung von Energie-Einheiten

Einheit kJ kcal kWh kg SKE kg RÖE m3 EG


Kilojoule 1 0,239 0,000278 0,000034 0,000024 0,000032
Kilokalorien 4,1868 1 0,001163 0,000143 0,001 0,00013
Kilowattstunde 3600 859,8 1 0,123 0,086 0,112
Steinkohleeinheit 29307 7000 8,14 1 0,7 0,91
Rohöleinheit 41868 10000 11,64 1,424 1 1,34
Erdgas 31736 7585 8,82 1,08 0,76 1

Tabelle 1.11 Umrechnung von Leistungs-Einheiten

Einheit kpm/s PS kcal/s kcal/h kW W


kpm/s 1 0,0133 0,00234 8,43 0,00981 9,81
PS 75 1 0,176 632 0,736 736
kcal/s 427 5,69 1 3600 4,19 4190
kcal/h 0,119 0,00158 0,000278 1 0,00116 1,16
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

kW 102 1,36 0,239 860 1 1000


W = J/s = Nm/s 0,102 0,00136 0,000239 0,86 0,001 1

14
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik,
wichtige geometrische Werte
2.1 Wichtige Zahlenwerte

Tabelle 2.1 Wichtige Zahlenwerte

-Zahl e-Zahl und g-Konstante Grad (°) Radiant (rad)

 = 3,14159 e = 2,718 360° ≙ 2

 = 0,7854 g1) = 9,81 m/s2 180° ≙ 

π = 1,772 2g = 4,429 m1/2/s 90° ≙ 

 = 0,3183 2  2 g = 2,952 m1/2/s 1° ≙ 


3
1)
Fallbeschleunigung im Mittel in Deutschland, siehe Kapitel 3.

2.2 Trigonometrie
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 2.1 Dreieck, allgemein (links) und rechtwinklig (rechts)

2.2.1 Allgemeines Dreieck


  
Winkelsumme:       180 Bogensumme:      

a b c
Sinussatz:   Kosinussatz: c 2  a 2  b2  2  a  b  cos
sin sin sin
a b
Projektionssatz: c  a  cos  b  cos Flächeninhalt: A  sin
2

2.2.2 Rechtwinkliges Dreieck


a b a b
Winkelfunktionen: sin  cos  tan  cot 
c c b a
sin 1 1 1
tan   1  tan 2  1  cot 2 
cos cot 2
cos  sin 2

15
Handbuch der Hydraulik

a b
  arcsin  
a
Umkehrfunktion: Flächeninhalt: A 
c 2

Satz des Pythagoras: c 2  a 2  b2 sin 2  cos2  1

2.2.3 Umrechnungen der Winkelfunktionen


2  tan
sin2  2  sin  cos  2
cos2  cos2  sin 2  1  sin 2  2  cos2  1
1  tan 
2  tan
tan2  sin3  3  sin  4  sin3 cos3  4  cos3  3  cos
1  tan 2

1  cos2 1  cos2
sin   cos  
2 2

1  cos2 sin2
tan   
1  cos2 1  cos2
3 1 3 1
sin 3   sin   sin3 cos3   cos   cos3
4 4 4 4
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

       
sin  sin  2  sin  cos sin  sin  2  cos  sin
2 2 2 2
       
cos  cos  2  cos  cos cos  cos  2  sin  sin
2 2 2 2

2.3 Wichtige Funktionen


2.3.1 Quadratische Gleichung
b c
a  x2  b  x  c  0 x2  p  x  q  0 mit p  und q 
a a

x1,2 
1
2a
 1  
 b  b2  4  a  c    p  p 2  4  q
2
 (2.1)

2.3.2 Kubische Gleichung


Jede kubische Gleichung kann in ihre reduzierte Form umgewandelt werden:

x3  p  x  q  0

16
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Die realen Lösungen dieser reduzierten kubischen Gleichung ergeben sich nur, wenn die
Diskriminante D kleiner als 0 wird. Dieser Fall heißt Casus irreducibilus (nicht zurückführ-
bar) und wurde von Vieta um 1600 entwickelt (Gellert, 1968).
3 2
 p q
Bedingung der Diskriminante D:       0
 3 2
Lösungen:

p  
x1  2   cos   (positiv und größer als 1)
3 3

p  2 
x2  2   cos    π  (negativ)
3 3 3 

p  4 
x3  2   cos    π  (positiv und kleiner als 1)
3 3 3 

 3
 q  3  2 
mit:   arccos     (2.2)
 2  p  
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2.3.3 Newtonsches Näherungsverfahren

Eine iterative Annäherung an die Lösung einer Funktion f(x) = 0 liefert das Newtonsche
Näherungsverfahren, das aus dem hinreichend genauen vorherigen Wert x1 den neuen
Wert x2 ermittelt.
f (x1 )
x2  x1  (2.3)
f (x1 )

Die Funktion f(x1) muss integrierbar sein.

2.3.4 Taylor-Reihe

Eine beliebige Funktion f(x) sei in einer Umgebung von x = x0 stetig differenzierbar, dann
gilt:

f (x0 ) f (x0 ) f (n) (x0 )


f (x)  f (x0 )   (x  x0 )   (x  x0 )2  ...   (x  x0 ) n  R (2.4)
1! 2! n!
R = Residuum (Rest)

17
Handbuch der Hydraulik

2.3.5 Exponentialfunktion

Der natürliche Logarithmus mit der Basiszahl e wird in verschiedenen Funktionen sehr
häufig verwendet. Die Definition der Exponentialfunktion lautet:
n
 x x x 2 x3
e x  lim  1    1     ... (2.5)
n   n 1! 2 ! 3!
Mit dem Exponenten x = 1 ergibt sich die Basiszahl e zu:
n
 1
e  lim  1    2 ,718...
n   n

2.4 Umrechnung von Gefälle und Böschungsneigung


In der Hydromechanik werden Gefälle, wie z. B. das Sohlgefälle oder das Energiehöhenge-
fälle, als Höhenabnahme entlang des Fließweges, also als Sinus des Winkels  definiert.
Dagegen werden Neigungen, wie z. B. die Böschungsneigung, mit Hilfe des Tangens des
Winkels  berechnet.
Bei sehr kleinen Winkeln, wie z. B. beim Sohlgefälle eines Flusses, sind der Sinus und der
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Tangens des Winkels nahezu gleich, sodass es in der Literatur oft zu einem Verwischen
dieser Definition kommt.

Bild 2.2 Böschungsneigung und Gefälle

h h 1
Gefälle: IGefälle =  sin Neigung: I Neigung =   tan
l lhor n

Bei sehr geringem Gefälle wird tan ≈ sin = h/l.

18
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Tabelle 2.2 Umrechnungen von Gefälle (IG) und Neigung (IN) in Winkel ()

IG [%]  [°] IG [%]  [°] IG [%]  [°] n  [°]  [rad] IG [%] IN [%]
1/10 0,06 11 6,32 35 20,49  0 0 0 0
1/2 0,29 12 6,89 40 23,58 5 11,31 0,197 19,6 20
1 0,57 13 7,47 45 26,74 4 14,04 0,245 24,3 25
2 1,15 14 8,05 50 30 3 18,43 0,322 31,6 33,3
3 1,72 15 8,63 55 33,37 2 26,57 0,464 44,7 50,0
4 2,29 16 9,21 60 36,87 1,75 29,74 0,519 49,6 57,1
5 2,87 17 9,79 65 40,54 1,5 33,69 0,588 55,5 66,7
6 3,44 18 10,37 70 44,43 1,29 38,66 0,675 62,5 80,0
7 4,01 19 10,95 75 48,59 1 45 0,785 70,7 100
8 4,59 20 11,54 80 53,13 0,5 63,43 1,107 89,4 200
9 5,16 25 14,48 90 64,16 0,33 71,74 1,252 95 303,1
10 5,74 30 17,46 100 90 0 90 1,571 100 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2.5 Flächenberechnung (Auswahl)


Dreieck
1 1
A  c  h   a  b  sin
Fläche: 2 2
 s  (s  a)  (s  b)  (s  c)

abc
h = Lot auf c s 
2
c  a  cos
Schwerpunkt: xS 
3
h
yS 
3

19
Handbuch der Hydraulik

Trapez
ab
Fläche: A h
2
S – Flächenschwerpunkt
h a  2b
Schwerpunkt: yS  
3 ab
a 2  b 2  c  (a  2b)
xS 
3  (a  b)

Polygone
Flächenberechnung durch Flächenzerlegung
1
Fläche a): Aa   (g1  h1  g1  h2  g3  h3 )
2
5
Fläche b): Ab   Ai
i 1
Flächenschwerpunkt:
 Ai  xSi  Ai  ySi
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

xS  i yS  i
A A

Rechteck
Fläche Rechteck: A  a b
Umfang: lU  2a  2b
a b
Schwerpunkt: zS  yS 
2 2

Parallelogramm
Fläche Parallelogramm: A  hb
Umfang: lU  2a  2b

h b  a 2  h2
Schwerpunkt: yS  xS 
2 2

20
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Kreis
d2
Fläche: A    r2     0 ,7854  d 2
4
Umfang: lU  2    r    d
Schwerpunkt = Kreismittelpunkt

Kreisring
Fläche: A    (R 2  r 2 )    (R  r )  (R  r )
Umfang: lU  2    (R  r )
Schwerpunkt = Kreismittelpunkt

Kreisausschnitt
br
Fläche: A
2
Sehne: s  2  r  sin( /2)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

 
Bogen: r  r
b  
180
2 rs
Schwerpunkt: yS  
3 b

Kreisabschnitt
r2 
Fläche: A  (  sin )
2
 
Bogenhöhe: h  2  r  sin 2  
4
s3 
Schwerpunktabstand: yS   r  cos
12  A 2

Ellipse
Fläche: A   a  b
3 2
Umfang: lU    (a  b)  (1  )
10  4  3   2
a b

ab
Schwerpunkt = Mittelpunkt

21
Handbuch der Hydraulik

Parabel

2 3
Fläche quadratisch: A  ah Fläche kubisch: A  ah
3 4
Schwerpunkt:
3 3 2 4
xS   a yS   h xS  a yS  h
8 5 5 7

Kreisüberlappung
 s
Fläche: A  2  r 2  (   cos )
2r
 s 
  arcsin  
 2r 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

s – Kreisverschiebung, S – Schwerpunkt
s    r2 
Schwerpunktlage: yS  r   1  
2  A 

2.6 Volumenberechnung (Auswahl)


Prisma allgemein
Volumen: V  A h
Würfel mit Kantenlänge a: V  a3
Kreiszylinder mit Radius r: V    r 2  h

Pyramide und Kegel


A h
Volumen: V
3
a2  h
Pyramide: V
3
  r2  h
Kegel: V Pyramide
3

22
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Pyramidenstumpf und Kegelstumpf

Volumen:
h
3
V 
 Au  Au  Ao  Ao 
h

Pyramidenstumpf: V   au2  au  ao  ao2
3

Kegelstumpf: V
 h 2
3

 ru  ru  ro  ro2 
Hohlzylinder
Volumen: V    h   R2  r 2 
V    h  s  (2  R  s )
V    h  s  (2  r  s )

Kugel
d – Durchmesser
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

d3
Volumen: V  
6
Oberfläche: O  4   r 2

Kugelabschnitt
h 
Volumen: V    h2   r     h   3  a 2  h2 

 3 6
a  h  (2  r  h)

Kugelausschnitt
2
Volumen: V     r2  h
3

2.7 Geometrie von Gerinne-Querschnitten mit offenem Wasserspiegel


Siehe auch Tabelle 7.10 und Tabelle 8.2.
A – Fließfläche b – Sohlbreite
h – Wasserstand bW – Wasserspiegelbreite
lU – benetzter Umfang rhy – hydraulischer Radius: rhy  A/lU

23
Handbuch der Hydraulik

2.7.1 Offene Gerinne

Rechteck
A  bh lU  b  2 h (2.6)

bh
rhy  bW = b
b  2h

Dreieck n n
A  n  h2 n 1 2 (2.7)
2

lU  h   1  n12  1  n22 
 
nh
rhy  bW  n1  h  n2  h  2  n  h
1  n12  1  n22

Trapez A  b  h  n  h2 lU  b  h  ( 1  n12  1  n22 )


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

b
bW  b  2n  h b  (2.8)
n

n n h  (b  n  h 2 )
n 1 2 rhy 
2 b  h  ( 1  n12  1  n22 )

Parabel quadratisch 2 b 
2
4h
A   bW  h h  c  W  c 2
3  2  bW

b 1
lU  W  1  4  c  h   ln(c  bW  1  4  c  h ) (2.9)
2 2c
4/3  bW  h
rhy 
1
bW  1  4  c  h   ln(c  bW  1  4  c  h )
c
für bW >> h: rhy ≈ 2/3·h

24
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Kreis (teilgefüllt)  
  2  arccos 1  2  h d  lU  d  π   d 
360
 
  
180

dA   h  h
bW   d  sin    d  4   1  
dh 2 d  d

d  sin 
rhy   1    (2.10)
4   

d2  d2   h   h  h  h π
A    sin    arcsin  2   1   4   2    1    
8 4   d   d  d  d 2 

2.7.2 Genormte Kanalquerschnitte bei Vollfüllung nach DIN 4263

Kreis

A    r2 lU  2   r rhy  r /2
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Tabelle 2.3 Geometrische Werte für den Kreisquerschnitt bei Vollfüllung

25
Handbuch der Hydraulik

Eiquerschnitt

r Fläche: A  4,594  r 2 lU  7 ,93  r

rhy  0,579  r H  3r
r r
b /H  2/3 b  2r

3r Tabelle 2.4 Geometrische Werte für den Eiquerschnitt


bei Vollfüllung
H
3/2r
r/2

r/2
b
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Maulquerschnitt

A  2,378  r 2 b /H  2/1,5

b  2r rhy  0,424  r

2r r
r

3/8r lU  5 ,603  r H  1,5  r


H
r/2

Tabelle 2.5 Geometrische Werte für den Maulquer-


5/8r 3/8r schnitt bei Vollfüllung
b

26
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

2.8 Schwerpunkt S, Flächenträgheitsmoment und Zentrifugalmoment


Für die hydrostatische Berechnung der Druckbelastung, aber auch der Schwimmstabilität
oder andere Kraftberechnungen sind die Angaben der Schwerpunktsabstände xS und yS, der
Flächenträgheitsmomente I11 und I22, aber auch des Zentrifugalmomentes I12 erforderlich. In
der folgenden Tabelle sind diese Angaben für ausgewählte Geometrien zusammengestellt.

Bild 2.3 Definition der auf den Schwerpunkt S und das Koordina-
tensystem xy bezogenen geometrischen Daten

Tabelle 2.6 Schwerpunktabstände, Flächenträgheitsmomente und Zentrifugalmomente


ausgewählter Flächen

Form Schwerpunkt S Flächenträgheitsmoment Zentrifugal-


moment
xS yS I11 I22 I12
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

b  h3 h  b3
b/2 h/2 0
12 12

  r4   r4
r r 0
4 4

4r  8  4   r4
r r  8  9 r 0
3    8

bd 2h b  h3 h  b3 b  h2
 b  2  d 
3 3 36 46 72

b h  
 b  h3  h  b3 0
2 2 4 4

b
2
h b  2  c h3 b 2  4  b  c  c 2

3 bc 4

bc
h
48

  b  c   b2  c2  0

27
Handbuch der Hydraulik

2.9 Hydraulisch günstige Fließquerschnitte


Von allen Querschnitten mit gleicher Fläche und Rauheit ist bei konstantem Gefälle
derjenige der hydraulisch günstige, durch den der größte Volumenstrom fließt. Das ist der
Fall, wenn der Strömung der geringste Reibungswiderstand entgegenwirkt, also der Kontakt
zwischen Wasser und Wand, und damit der benetzte Umfang lU ein Minimum bzw. der
hydraulische Radius rhy ein Maximum wird. Für geschlossene Leitungen ist dies das
Kreisprofil, für offene Gerinne das Halbkreisprofil. Rechteck- oder Trapezquerschnitte
sind dann hydraulisch günstig, wenn sich ein Halbkreisbogen einbeschreiben lässt.

Bild 2.4 Hydraulisch günstige Fließquerschnitte


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Für alle hydraulisch günstigen Fließquerschnitte gilt damit der hydraulische Radius des
Halbkreises rhy = h/2 = r/2. Für den hydraulisch günstigen Rechteckquerschnitt gilt b = 2h.
Die geometrischen Werte für den hydraulisch günstigen Trapezquerschnitt sind von der
Böschungsneigung n abhängig und ergeben sich aus folgenden Gleichungen und Tabellen-
werten:

28
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

Tabelle 2.7 Trapezbeiwerte T des hydraulisch günstigsten Trapezprofils bei gegebener


Böschungsneigung 1:n

Böschungs-
Böschungs- h b bw a lU
winkel  Th  Tb  Tbw  Ta  TlU 
neigung 1 : n A A A A A
rad (°)
1 : 0 (Rechteck) 1,571 (90,0) 0,707 1,414 1,414 0,707 2,828
1 : 0,5 1,107 (63,4) 0,759 0,938 1,697 0,849 2,635
1 : 0,5774 1,047 (60,0) 0,760 0,877 1,755 0,877 2,632
1:1 0,785 (45,0) 0,740 0,613 2,092 1,046 2,704
1 : 1,25 0,675 (38,7) 0,716 0,502 2,292 1,146 2,794
1 : 1,5 0,588 (33,7) 0,689 0,417 2,485 1,242 2,902
1 : 1,75 0,519 (29,7) 0,662 0,352 2,669 1,335 3,021
1:2 0,464 (26,6) 0,636 0,300 2,844 1,422 3,145
1 : 2,5 0,381 (21,8) 0,589 0,227 3,170 1,585 3,397
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1:3 0,322 (18,4) 0,548 0,178 3,469 1,734 3,647


1:4 0,245 (14,0) 0,485 0,119 4,002 2,001 4,121
1: 5 0,197 (11,3) 0,439 0,087 4,473 2,236 4,560

h
1
 A  Th  A b  2  
1  n 2  n  Th  A  Tb  A
2
2  1 n  n

2  1  n2
bw   A  Tb w  A a  1  n 2  Th  A  Ta  A
2  1  n2  n

2 h
lU  2  a  b   A  TlU  A rhy  (2.11)
Th 2

Die für die Berechnung des hydraulisch günstigen Fließquerschnittes erforderliche Fläche A
ist z. B. aus der Strickler-Formel zu berechnen (siehe Kapitel 7 und in Bollrich, 2013).
Der optimale Trapezquerschnitt ergibt sich bei einer Böschungsneigung mit  = 60°
(n = 0,557). Bei der Auswahl der Böschungsneigung muss einschränkend festgestellt
werden, dass sich bei flachen Böschungen (n ≥ 1,5) Trapezquerschnitte mit sehr geringer
Sohlbreite b ergeben. Um die Standsicherheit bei unbefestigten Böden zu berücksichtigen,
sollten die Böschungen des Trapezquerschnittes abhängig vom Material keine größere
Neigung haben, als in Tafel 2.8 durch Richtwerte nach Pörschmann (1987) angegeben.
Diese Richtwerte ersetzen nicht den erdstatischen Nachweis.

29
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 2.8 Richtwerte für die größtmögliche Neigung der unbefestigten Böschung beim
Trapezquerschnitt (ohne Berücksichtigung eines seitlichen Grundwassereintrittes) nach
Pörschmann (1987)

Böschungsausbildung n
Lehm, Ton 3
Feiner Sandboden 2 bis 2,5
Grober Sandboden 2
Stark sandiger Kies 2
Guter, steiniger Boden 1,5
Grober Kies 1,5
Sandiger Boden, begrast 1,5
Bindiger Boden, begrast 1
Guter Fels 0,4 bis 1
Weicher Fels 0,5
Moorboden 0,5
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Beispiel:
Ein Freispiegelgerinne soll bei einem Gefälle von I = 0,1 % einen Abfluss von Q = 5 m3/s
abführen. Der Rauheitsbeiwert des Gerinnes nach Strickler beträgt kSt = 50 m1/3/s.
Welche Abmessungen würden bei hydraulisch günstigem Fließquerschnitt ein Halbkreis-,
Rechteck- und Trapezgerinne erhalten und welche Flächenverhältnisse zwischen den drei
Querschnittsformen ergeben sich?

2/ 3 Q 5
2/ 3
Es ist Q  A  rhy  kSt  I und damit: A  rhy    3,16 m8 / 3
kSt  I 50  0,001

2/ 3
r   r2 2/ 3   r2  r  
Halbkreis: rhy  A A  rhy     5/ 3
 r8 / 3
2 2 2 2 2
3/ 8
 3,16  25 / 3 
r    1,546 m AHalbkreis = 3,75 m2
  
h
Hydraulisch günstiges Rechteck: rhy  A  b  h  2  h2
2
2/ 3
2/ 3 h 3,16 m8 / 3
A  rhy  2  h2     1,26  h8 / 3  3,16 m8 / 3 h8 / 3   2,508 m8 / 3
2 1,26

h = 1,41 m b  2  h  2 ,82 m ARechteck = 2 h2 = 3,98 m2 = 1,064 AHalbkreis

30
2 Mathematische Grundlagen in der Hydraulik, wichtige geometrische Werte

h
Hydraulisch günstiges Trapez mit   60 : n  0,5774 rhy 
2
T 0,76
h  Th  A  0,76  A rhy  h  A   A  0,38  A
2 2

3,16 m8 / 3
 A   0 ,38  A 
2/ 3 2/ 3
A  rhy  3,16 m8 / 3 A4 / 3   6 ,02 m8 / 3
0 ,382 / 3

ATrapez = 3,84 m2 = 1,024  AHalbkreis

b  Tb  A  0 ,877  3,84 m 2  1,72 m

bw  Tb w  A  1,755  3,84 m 2  3,44 m

h  Th  A  0 ,76  3,84 m 2  1,49 m

h
Hydraulisch günstiges Trapez mit Böschungsneigung 1:3: rhy 
2
Th 0,548
h  Th  A  0,548  A rhy   A  A  0,374  A
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2 2

2/ 3 3,16 m8 / 3
A  rhy  A  (0,274  A ) 2 / 3  3,16 m8 / 3 A4 / 3  2/ 3
 7 , 49 m8 / 3
0 ,274
2
ATrapez = 4,53 m = 1,21  AHalbkreis

b  Tb  A  0 ,178  4,53 m 2  0 ,38 m

bw  Tb w  A  3, 469  4,53 m 2  7 ,38 m

h  Th  A  0,548  4 ,53 m 2  1,17 m

Ergebnis:
Für vorgegebenen Durchfluss Q von 5 m3/s, Gefälle I von 0,1 % und Rauheit kSt von
50 m1/3/s hat:
– der Halbkreis die kleinste erforderliche Fläche von 100 %,
– das hydraulisch günstige Rechteck 106,4 %,
– das hydraulisch günstige Trapez mit  = 60° 102,4 %,
– das hydraulisch günstige Trapez mit Böschungsneigung 1:3 bereits 121 % Flächen-
bedarf gegenüber einem Halbkreis.

31
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
3 Physikalische Größen und Einheiten
3.1 Schwerebeschleunigung
Die Schwerebeschleunigung g (auch oft als Erdbeschleunigung oder Fallbeschleunigung
bezeichnet) ist die Beschleunigung, die ein Körper im freien reibungslosen Fall auf der
Erdoberfläche erfährt. Sie ist die Folge der Massenanziehungskraft (Gravitationskraft) der
Erde abzüglich des Anteils der Zentrifugalkraft (Fliehkraft) infolge Erdrotation.
Die allein aus der Gravitationskraft berechnete Gravitationsbeschleunigung g0 ergibt sich aus
der Gravitationskonstante , der Masse m und dem Radius r der Erde. Wegen der nicht
exakten Kugelform der Erde, unterschiedlichen Massenangaben und Radien existieren hier
abweichende Angaben in der Literatur.

 m 6,673 1011 m3/(kg  s2 )  5,98 1024 kg


g0    9,831 m/s 2 (3.1)
r2 (6,37110 m)6 2

Die Zentrifugalbeschleunigung aus der Rotation der Erde wirkt schwerkraftmindernd. Der
zum Mittelpunkt der Erde wirkende Anteil der Zentrifugalbeschleunigung an einem Punkt
der Erde ist abhängig von ihrer Winkelgeschwindigkeit , der Entfernung zum Mittel-
punkt r, der Höhe hM über dem Meeresspiegel und der geografischen Breite . Die effektive
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Schwerebeschleunigung g ergibt sich somit zu:

g  g 0   2  (r  hM )  cos 2 (3.2)

Da die Erde keine Kugel ist, sondern annähernd ein Ellipsoid, die Dichte der Erde unter-
schiedlich verteilt ist und weitere Einflüsse existieren, gibt es basierend auf Messungen
unterschiedliche empirische Ansätze für die Berechnung der Schwerebeschleunigung.
In allen deutschen Eichämtern wird heute die Schwerebeschleunigung in Abhängigkeit von
der geografischen Breite φ (in Grad) und der geodätischen Höhe hM über dem Meeresspiegel
nach der WELMEC-Formel (West-European Cooperation in Legal Metrology) berechnet:
m  1
g  9 ,780318   1  5,3024 103  sin 2 ( )  5,8  106  sin 2 (2 )   3,085  106  2  hM
2 
s  s
mit hM in Meter über NN (3.3)
Für einige ausgewählte Orte erhält man nach der WELMEC-Formel die in Tabelle (3.1)
angegebenen Werte.
Die Schwerebeschleunigung spielt in der Hydraulik eine entscheidende Rolle, da sie die
Ursache für die Größe des Wasserdruckes und die Bewegung des Wassers bei Fließvorgän-
gen ist. In Anbetracht der notwendigen Genauigkeit bei den meisten hydraulischen
Berechnungen wird mit dem Mittelwert auf den Erdoberflächen von

g  9 ,81 m/s 2 (3.4)

und dem oft benötigten Wert, z. B. in der „Geschwindigkeitshöhe“ 2/2g,

33
Handbuch der Hydraulik

2 g  19 ,62 m/s 2 (3.5)

gerechnet. Der international vereinbarte Standardwert für die „Normalfallbeschleunigung“


beträgt:

g  9 ,80665 m/s 2 (3.6)

Tabelle 3.1 Schwerebeschleunigung g für ausgewählte Orte

Ort  (°) hM (m ü. NN) g (m/s2)


Äquator 0 0 9,78032
45°-Breitengrad 45 0 9,80619
Alpen, WKW Kaprun 47,2 ≈ 2000 9,80201
München 48,13 519 9,80741
Dresden 51,05 112 9,81128
Hamburg 53,55 ≈0 9,81382
Nordkap, Norwegen 70,17 ≈0 9,82619
Nord- und Südpol 90 0 9,83218
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

3.2 Corioliskraft
Die Corioliskraft FC bezeichnet eine Scheinkraft, die bei einer Relativbewegung in einem
bewegten System, wie z. B. der rotierenden Erde, auf den sich bewegenden Körper, wie z. B.
das fließende Wasser, ausgeübt wird. Diese Kraft wirkt senkrecht zum Geschwindigkeitsvek-
tor und führt zu einer Ablenkung von der gradlinigen Bewegung auf der Nordhalbkugel nach
rechts und auf der Südhalbkugel nach links.
  
FC  2  mK      (3.7)

Die daraus resultierende Beschleunigung aC wird aus der auf die Masse des bewegten
Körpers mK bezogenen Corioliskraft FC ermittelt.

Bild 3.1 Lage des lokalen Koordinatensystems auf dem Geoid


(M – Erdmittelpunkt)

34
3 Physikalische Größen und Einheiten

Entsprechend der Lage der im Bild 3.1 dargestellten Geschwindigkeiten im lokalen


Koordinatensystem erfolgt die Ablenkung der Geschwindigkeit y (Süd-Nord) in positiver
x-Richtung und x (Ost-West) in negativer y-Richtung.
acx  2    y  sin und acy  2    x  sin (3.8)

Der Vektor der Beschleunigungskräfte a im lokalen Koordinatensystem für das sich auf der
Erdoberfläche bewegende Teilchen setzt sich somit aus den Beschleunigungen der Coriolis-
kraft in x- und y-Richtung und der Gravitationsbeschleunigung in z-Richtung zusammen.

 2    y  sin 
  
a   2    y  sin  (3.9)
 
 g 

Beispiel:
Die Winkelgeschwindigkeit der Erde beträgt   2  π / 86163 s 1  7 , 292 105 s 1 . Das
Wasser soll sich mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s bewegen. Damit ergibt sich die
Beschleunigung aus der Corioliskraft für die geografische Breite der Stadt Dresden
(sin = 0,777) zu: ac  2      sin  2  7 , 292  10 5  s 1  1 m/s  0 ,7777  1,13 104 m/s 2
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die im Beispiel ermittelte Beschleunigung aus der Corioliskraft ist ein für die meisten
Strömungen vernachlässigbarer Wert. Diese Beschleunigung wird berücksichtigt bei sehr
langsamen Strömungen, bei denen die lokalen oder konvektiven Beschleunigungen etwa die
gleiche Größenordnung wie diese Beschleunigung aus der Corioliskraft haben. Sie ist ein
Initial für Strömungen, sich an der rechten Strömungsseite anzulegen oder sie bestimmt bei
Zuläufen von Schachtüberfällen, in Pumpensaugräumen oder Beckeneinläufen die Drehrich-
tung der Wirbel. Ganz entscheidend beeinflusst sie die Drehrichtung von Hoch- und
Tiefdruckwirbeln in der Atmosphäre.

3.3 Gezeiten
Mond und Erde bilden ein gemeinsames rotierendes System, dessen Schwerpunkt noch
innerhalb der Erde liegt. Der Zusammenhalt dieses Systems wird von der Gravitationskraft
bestimmt, die an allen Punkten der Erde nahezu gleich groß ist (siehe Punkt 3.1). Diese wird
von der Fliehkraft überlagert, die durch die Rotation um den gemeinsamen Schwerpunkt
erfolgt. Die Differenz beider Kräfte ist die gezeitenerzeugende Kraft. Sie verursacht eine
geringe Änderung in der Schwerebeschleunigung der Erde. Gleiches trifft auf den Einfluss
der Sonne zu. Die dadurch entstehenden Druckänderungen in den Meeren führen zusammen
mit der Eigenbewegung der Erde zu den bekannten Erscheinungen von Ebbe und Flut. Bei
Voll- und Neumond addieren sich die Wirkungen der Kräfte und es kommt zur Springflut,
bei Halbmond wirkt die resultierende Kraft in Erdrichtung und es entsteht eine Nippflut.

35
Handbuch der Hydraulik

Bild 3.2 Systembild Erde – Mond

Die vom Mond ausgeübte maximale Störbeschleunigung auf der Erdachse Richtung Mond
(Bild 3.2) ergibt sich zu:
2    mM  r 8  GM
a  3
 (3.10)
REM 3 r

Außerhalb der Achse zwischen Mond und Erde schließen die Gravitationskraft und
Fliehkraft einen Winkel ein und erzeugen somit eine resultierende Störbeschleunigung a,
die leicht in Richtung Erde geneigt ist. Ihre auf der Erdoberfläche vertikalen (radial) und
horizontalen (in Richtung des Mondes positiv) definierten Anteile ergeben sich zu:
2  GM  1
aΓZ    cos(2   )   (3.11)
r  3
2  GM
aΓH   sin(2  ) (3.12)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

r
Darin ist G die Gezeitenkonstante, die sich aus der Gravitationskonstante , der Masse des
Planeten, hier des Mondes mM, dem mittleren Radius r der Erde und der Entfernung zum
Planeten, hier des Mondes REM zu:

3    mM  r 2
GM  (3.13)
4  R 3EM

ergibt. Für den Mond ist diese Konstante GM = 2,621 m2/s2 und für die Sonne
GS = 1,207 m2/s2.
Setzt man in diese Formel die Masse mS der Sonne und die Entfernung zur Sonne RES ein,
dann erhält man die von der Sonne ausgeübte Störbeschleunigung.
Das Verhältnis der beiden Beschleunigungen aus Mond- und Sonneneinfluss entspricht dem
Verhältnis der Gezeitenkonstanten und beträgt 2,18. Daraus lässt sich das theoretische
Verhältnis zwischen Springflut zu Nippflut von 2,7 ermitteln.
Die Gezeiten erzeugen beispielsweise folgenden Tidehub (Amplitude zwischen Ebbe und
Flut):
Nordsee, englische Küste, Astuar (Maximum): 6,8 m
Nordsee deutsche Küste: 2 bis 4,5 m
Ostsee deutsche Küste: 0,05 bis 0,15 m
Maximalwert Erde (Bay of Fundy in Kanada): 15 m

36
3 Physikalische Größen und Einheiten

3.4 Eigenschaften des Wassers


3.4.1 Dichte

Die Dichte ρ eines homogenen Körpers ist definiert als Quotient aus Masse und Volumen.
Sie wird auch als spezifische Masse eines Körpers bezeichnet.
m
 (3.14)
V
Die Einheit der Dichte ist das Kilogramm je Kubikmeter: kg/m3. Weitere gebräuchliche
Einheiten sind z. B. kg/dm3, t/m3, g/cm3.
Die Dichte des Wassers ist sowohl von der Temperatur als auch – in sehr geringem Maße –
vom Druck abhängig. Außerdem spielen gelöste Stoffe eine Rolle. Das sind z. B. Salz
(Meerwasser) oder gelöste Gase, die durch den Kontakt mit der Luft in das Wasser gelangen.
In der Hydraulik wird im Normalfall mit der Dichte ρ des Wassers von ρ = 1000 kg/m3
gerechnet. Das entspricht einer Dichte von:   1 t/m 3  1 kg/l  1 g/cm 3  1 mg/mm 3 .
Weit verbreitet, obwohl mit Einführung des SI unzulässig, ist der Begriff der „Wichte“ oder
des „spezifischen Gewichtes“. Es wird gebildet als Produkt aus Dichte ρ und Schwerebe-
schleunigung g und wird benötigt bei der Umrechnung des Druckes in eine Druckhöhe oder
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

der Geschwindigkeit in eine Geschwindigkeitshöhe.

    g  1000 kg/m3  9 ,81 m/s 2  9810 kg/m 2 /s 2  9 ,81 kN/m 3 (3.15)

Die Dichte ρ des Wassers ist von der Temperatur abhängig. Sie nimmt mit steigender
Temperatur ab, wobei das Wasser zwischen 0 °C und 4 °C eine Anomalie aufweist. In
diesem Bereich nimmt die Dichte zu und erreicht bei etwa 4 °C (genau: 3,984 °C) ihr
Maximum.

37
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.2 Dichte ρ und weitere Stoffeigenschaften von luftfreiem Wasser, Eis und Dampf
bei Umgebungsdruck von einem bar
Tempe- Dampf- Relative Raum- Dynamische Kinematische
Dichte ρ
ratur T druck pD ausdehnung  Viskosität  Viskosität 
°C kg/m3 mbar % 10–3 Pa·s 10–6 m2·s–1
–90 929,15 0,0000093 7,62
–80 927,75 0,00053 7,78
–70 926,35 0,00259 7,95
–60 924,95 0,0108 8,11
–50 923,55 0,0394 8,27
–40 922,15 0,129 8,44
Eis –30 920,75 0,381 8,60
–25 920,05 0,634 8,69
–20 919,35 1,03 8,77
–15 918,65 1,65 8,85
–10 917,95 2,60 8,94
–5 917,25 4,02 9,02
0 916,70 6,10 9,08
0 999,84 6,11 0,0132 1,792 1,792
2 999,94 7,06 0,0033 1,670 1,67
4 999,97 8,13 0 1,570 1,57
6 999,94 9,35 0,0032 1,470 1,47
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

8 999,85 10,72 0,0124 1,390 1,39


10 999,70 12,27 0,0272 1,307 1,307
12 999,50 14,01 0,0475 1,239 1,24
14 999,24 15,97 0,0729 1,169 1,17
16 998,94 18,17 0,103 1,119 1,12
18 998,59 20,62 0,138 1,059 1,06
20 998,20 23,37 0,177 1,000 1,002
22 997,77 26,42 0,220
24 997,29 29,82 0,269
26 996,78 33,60 0,320
28 996,23 37,78 0,375
Wasser
30 995,64 42,41 0,434 0,794 0,797
35 994,03 56,22 0,598
40 992,21 73,75 0,783 0,648 0,653
45 990,21 95,82 0,986
50 988,03 123,35 1,21 0,539 0,546
55 985,69 157,41 1,45
60 983,19 199,20 1,71 0,458 0,466
65 980,55 250,10 1,98
70 977,76 311,60 2,27 0,395 0,404
75 974,84 385,50 2,58
80 971,79 473,60 2,90 0,345 0,355
85 968,61 578,00 3,24
90 965,30 701,10 3,59 0,304 0,315
95 961,88 845,30 3,96
100 958,35 1013,30 4,34 0,270 0,282
100 0,59 1013,30 0,0124
Dampf 200 0,46 15500,00 0,0163
300 0,379 85927,00 0,0202

38
3 Physikalische Größen und Einheiten

Ab 4 °C kann die Dichte des Wassers mit der Näherungsformel nach Heggen (1983)
berechnet werden.

  1000  0 ,01955  (T  4 C)1,68 [kg/m 3 ] (3.16)

mit T in °C
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.3 Die Anomalie des Wassers

Die Abhängigkeit der Dichte W des Wassers vom Druck p ist sehr gering. Bis zu einem
Druck von 50 bar erhöht sich die Dichte des Wassers je 1 bar um etwa 0,046 kg/m3. Normale
Luftdruckschwankungen haben praktisch keinen Einfluss auf die Dichte des Wassers.
Geringen Einfluss auf die Dichte des Wassers haben jedoch Beimengungen oder gelöste
Stoffe.

3.4.2 Dichteveränderungen durch Beimengungen

Gelöste Luft beeinflusst die Wasserdichte nur sehr gering. Da Wasser in der Regel ständig
mit Luft in Kontakt ist, haben wir es in der praktischen Anwendung mit luftgesättigtem
Wasser zu tun. Die Bestimmung der Dichte von luftgesättigtem Wasser (LG) aus der o.g.
Dichte von luftfreiem Wasser (LF) kann mit folgender Formel von Bignell (1983) ermittelt
werden:

 LG   LF  0 ,004612  0 ,000106  T [kg/m 3 ] mit T in [°C] (3.17)

Außer mechanisch beigemengter Luftblasen enthält Wasser unter Atmosphärendruck von


(1,0 bar = p0 = 1013 hPa) bei 100%-iger Sättigung folgende Mengen Luft und Sauerstoff:

39
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.3 In Wasser gelöste Gase (DIN EN 25814, 1992)

Wassertemperatur in °C 0 5 10 15 20 30
Luftanteil in ml/l 28,6 25,2 22,4 20,4 18,3 15,4
Sauerstoffanteil in ml/l 14,6 12,8 11,3 10,1 9,1 7,6

Die gelöste Gasmenge ist zum Druck direkt proportional. Bei hydraulischen Berechnungen
kann die gelöste Menge an Luft in ruhendem oder langsam fließendem Wasser vernachläs-
sigt werden. Bei schnell fließendem Wasser, wie z. B. in Schussrinnen, kann eine erhebliche
Menge an Luft durch Turbulenz mechanisch beigemengt sein, was zu einer z. T. erheblichen
Vergrößerung des Wasser-Luft-Volumens führt. Bei hydraulischen Berechnungen ist dieser
Anteil zu berücksichtigen.
Die Mechanismen der Lufteinmischung sind vor allem von der Wassergeschwindigkeit und
Turbulenz, aber auch von der zur Verfügung stehenden Luft z. B. bei Belüftern von Hebern
abhängig und werden in den Abschnitten 6.10 Lufteinschluss in Rohrleitungen, 8.14
Heberüberfall, 8.15 ringförmige Überfälle sowie 8.17 Übergangsrinnen und Schussrinnen
behandelt.
VL
Raumanteil der Luft: cL  (3.18)
VL  VW
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

QL c
Belüftungsgrad:   L (3.19)
QW 1  cL

Gemischdichte: G  cL   L  cW   W (3.20)

Gelöstes Salz hat auf die Dichte einen größeren Einfluss als gelöste Luft, wobei der
Salzgehalt die Dichte des Salzwassers bestimmt. Das Wasservorkommen der Erde besteht
etwa zu 96,5 % aus Salzwasser.
Salzgehalt der Meere: Nordsee: S = 32 bis 35 g/kg ρ ≈ 1027 kg/m3

Ostsee: S = 6 bis 12 g/kg ρ ≈ 1007 kg/m3

Mittelmeer: S = 36,3 bis 39,1 g/kg ρ ≈ 1029 kg/m3

Totes Meer: S = 263 bis 320 g/kg ρ ≈ 1200 kg/m3

Die Dichte ρ von Salzwasser kann nach Kranawettreiser (1973), (1989) in Abhängigkeit von
der Temperatur T (°C) und dem Salzgehalt (Salinität) S [g/kg] berechnet werden zu:

 (S ,T )  1000 kg/m 3  1  6 ,89  10 5 T  8 , 2 10 4 S  3,9 10 6 S  T  9 ,18 10 6 T 2  (3.21)


 

40
3 Physikalische Größen und Einheiten

3.4.3 Relative Raumänderung des Wassers

Wegen der geringen Kompressibilität des Wassers ändert sich sein Volumen mit dem Druck
kaum, erfährt aber eine nicht vernachlässigbare Volumenänderung infolge Temperatur-
schwankungen. Zurückzuführen ist diese Volumenänderung auf die Dichteänderung der
konstanten Masse. Bei großen Wassertiefen führen Temperatur- und damit Dichteänderun-
gen zu Druckdifferenzen und damit zu Strömungen. Der relative Raumausdehnungskoeffi-
zient β definiert die relative Volumenänderung.
VT  V4 °C 4 °C
VT  V4 °C  (1   T ) mit T   1 (3.22)
V4 °C T

Beispiel:
Raumausdehnung des Wassers von 4 °C auf 20 °C:
4 °C 999,97
 1   1  0,00177 V20 °C  (1  0 ,00177)  V4 °C
20 °C 998,20

Ergebnis: Das Volumen steigt beim Temperaturanstieg von 4 °C auf 20 °C um 0,177 %.


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Beim Gefrieren von Wasser vergrößert sich das Volumen sprunghaft um ca. 9 %.

3.4.4 Dampfdruck des Wassers

Der Dampfdruck des Wassers gibt den von der Temperatur abhängigen absoluten Umge-
bungsdruck an, bei dessen Unterschreitung das reine Wasser in den gasförmigen Zustand
übergeht (Verdampfen) (siehe auch Abschnitt 3.8.4 und Tabellen 3.2 und 3.13).

Beispiel:
Dampfdruck im Hochgebirge:
In 4500 m über Seehöhe herrscht ein mittlerer Druck von etwa 578 hPa.
Wasser verdampft dort bei rund 85 °C.

41
Handbuch der Hydraulik

Bild 3.4 Dampfdruck in Abhängigkeit von der Wassertemperatur (siehe Tabelle 3.2)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die Unterschreitung des Dampfdruckes kann in Anlagen, in denen örtlich Unterdruck


auftritt, zum Abriss der Strömung führen (Fallrohre, Saugpumpen). In Verbindung mit
großen Geschwindigkeiten kann es örtlich begrenzt zur Entstehung und zum Zusammenfall
von Gasbläschen kommen. Dieser Vorgang wird als Kavitation bezeichnet (siehe Ab-
schnitt 3.8.4).

3.4.5 Viskosität von Wasser

Die Viskosität (Zähigkeit) ist ein Maß für den inneren Flüssigkeitswiderstand und bestimmt
als Proportionalitätsfaktor das Verhältnis zwischen Spannung und Geschwindigkeitsgradient.
Sie ist definiert als Koeffizient der „inneren Reibung“.
Dynamische Viskosität:

 in Pa  s = kg/  m  s  = N/m 2 (3.23)
d dn

Kinematische Viskosität:

   / in m 2 /s (3.24)

Die kinematische Viskosität hat für den Fließprozess eine beachtliche Bedeutung. Sie ist
stark abhängig von der Temperatur T (siehe Abschnitt 3.2).
Zwischenwerte in Tabelle 3.2 für die kinematische Viskosität sind nach Poiseulle (Bollrich,
2013) mit Gleichung (3.25) zu berechnen:

42
3 Physikalische Größen und Einheiten

1,78 106
 in m2/s (3.25)
1  0 ,0337 T  0 ,000221 T 2

In der Regel wird mit   1,31 106 (T = 10 °C) in der Hydraulik gerechnet.

3.4.6 Volumenelastizität
Die Volumenelastizität gibt an, um wie viel sich das Volumen des Wassers bei einer
Druckänderung Δp ändert. Die dazugehörige Stoffgröße ist der Elastizitätsmodul EW des
Wassers. Er beträgt im Mittel EW  2100 106 N/m 2  2100 MPa.
 P 
V  V0  V  V0 1   (3.26)
 EW 
mit V0 = ursprüngliches Volumen,  p = Druckzunahme, V = Volumen nach Druckänderung

Tabelle 3.4 Elastizitätsmodul EW des Wassers

Druck (bar) 1 bis 25 25 bis 50 50 bis 100


T [°C] 0 10 20 0 10 20 0 10 20
3
EW [10 MPa] 1,97 2,07 2,11 2,10 2,10 2,17 2,10 2,29 2,34
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

3.4.7 Druckwellengeschwindigkeit
Die Schallgeschwindigkeit cW im unendlich ausgedehnten Wasser beträgt:
cW  EW / W  1438 m/s (3.27)
bei T = 10 °C,  W  999 ,7 kg/m3 und EW  2070 MPa
In Abhängigkeit von der Temperatur T (°C) und dem Salzgehalt S in g/kg ist
cW  1400  4,59  T  0,044  T 2  0,13  S in m/s (3.28)
In Wasserrohrleitungen ist die Druckwellengeschwindigkeit infolge der Elastizität der
Rohrwandungen geringer. So ist beispielsweise bei Stahlrohren c  1000 m/s und bei GFK-
Rohren c  450 m/s.
Die Druckwellengeschwindigkeit in Rohrleitungen wird berechnet aus:
cW
cR  (3.29)
d EW
  ke  1
s ER
mit d– Durchmesser der Rohrleitung
s– Wandstärke der Rohrleitung
EW – E-Modul des Wassers
ER – E-Modul des Rohrmaterials
ke – vom Einspannverhältnis der Rohrleitung abhängiger Zahlenwert

43
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.5 ke-Werte infolge der Einspannverhältnisse der Rohrleitung

Einspannverhältnis Symbol ke

Rohrleitung mit Dehnungsstücken 0,85

Rohrleitung einseitig verankert,


0,95
ohne Dehnungsstücke, längs dehnbar
Leitung beidseitig eingespannt,
0,91
behinderte Längsausdehnung

Für einige Rohrmaterialien und deren E-Modul (siehe Abschnitt 3.6) ist im Bild 3.5 die
Druckwellengeschwindigkeit cR in Abhängigkeit von Verhältnis d/s (Durchmesser/Wand-
stärke) sowie dem Einspannverhältnis eingetragen.
In dickwandigen Rohrleitungen mit der Rohrwanddicke b kann nicht angenommen werden,
dass die Spannungen gleichmäßig über die Rohrwand verteilt sind. Ohne Beachtung der
Einspannverhältnisse wird cR für ein dickwandiges Rohr gemäß Bild 3.6 zu:
cW
cR  (3.30)
E  d 2 /b 2 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1  2  W  1  
ER  2  1  d/b  

mit b – Rohrwanddicke

Bild 3.5 Druckwellengeschwindigkeit cR in dünnwandigen Rohrleitungen

44
3 Physikalische Größen und Einheiten

Bild 3.6 Dickwandige Rohre, Druckstollen

Für in Fels geschlagene Stollen gemäß Bild 3.6 gelten folgende Berechnungsgleichungen:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Für stahlgepanzerte Druckstollen gilt:


cW
cP  (3.31)
EW
1
1 E s
 R
2 d  2 s

2 b  (d + 2  s +b) 1  1 
mit  =  +  1+ 
EB (d + 2  s)  (d + 2  s + 2  b) EF  F 

und μF – Querdehnungszahl des Felsgesteins


Für Druckstollen mit Betonauskleidung gilt:
cW
cB  (3.32)
1  2  EW  

2 b  (d  b) 1  1 
mit      1  
EB d  (d  2  b) EF  F 

Für nicht ausgekleidete Felsstollen gilt:


cW
cF  (3.33)
2  EW
1
EF

45
Handbuch der Hydraulik

3.4.8 Oberflächenspannung und Kapillarität

Die Oberflächenspannung wird durch Kohäsionskräfte bewirkt, mit denen sich Flüssigkeits-
moleküle gegenseitig anziehen. An der freien Oberfläche entstehen Anziehungskräfte,
sogenannte Kohäsionskräfte, die zum Inneren der Flüssigkeit gerichtet sind.
Die Oberflächenspannung σ wird in [N/m] angegeben. Sie hat für verschiedene Flüssigkeiten
gegenüber Luft folgende Größe:

Tabelle 3.6 Oberflächenspannung gegenüber Luft

Temperatur T Oberflächenspannung σ
Flüssigkeit
°C N/m
0 0,0756
10 0,073
Wasser
20 0,072
80 0,063
Glyzerin 20 0,0634
Quecksilber 20 0,047
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Benzol 20 0,029
Äthyläther 20 0,017

Bei hydromechanischen Vorgängen spielt die Oberflächenspannung in der Regel keine


Rolle. Ausnahmen bilden Untersuchungen im hydraulischen Modellversuch bei sehr kleinen
Wassertiefen und Messwehre im Bereich sehr geringer Überfallhöhen.
An der Grenzfläche fester Wände mit Flüssigkeiten werden die Moleküle der Flüssigkeit von
den Molekülen der festen Wand angezogen. Diese Erscheinung heißt Adhäsion. Je nach
Größe der Adhäsionskräfte der Flüssigkeit und der festen Berandung wird diese benetzt,
z. B. durch Wasser, oder nicht benetzt, z. B. durch Quecksilber (siehe Bild 3.7).

Bild 3.7 Flüssigkeiten in Wandnähe a) benetzend, konkave Oberfläche,


b) nicht benetzend, konvexe Oberfläche

Infolge der Oberflächenkrümmung wirken in engen Röhren und Spalten Kapillarkräfte.


Durch diese kommt es entweder zum Aufsteigen (benetzende Flüssigkeit wie Wasser) oder
zum Absinken (z. B. Quecksilber) des Flüssigkeitsspiegels (Bild 3.8).

46
3 Physikalische Größen und Einheiten

Bild 3.8 Kapillarität


a) Kapillaraszension bei benetzender
Flüssigkeit (kapillare Steighöhe)
b) Kapillardepression bei nicht
benetzender Flüssigkeit

Die Berechnung der kapillaren Steighöhe hKap bei kreisrunden Kapillaren mit dem Durch-
messer dKap ergibt sich nach folgender Gleichung:
4 
hKap  (3.34)
 F  g  d Kap

mit – Oberflächenspannung in N/m


F – Dichte der Flüssigkeit in kg/m3
dKap – Durchmesser der Kapillarröhre in m
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bei einem engen Spalt mit der Spaltweite a kann die kapillare Steighöhe ermittelt werden
mit:
2 
hKap  (3.35)
F  g  a

Bild 3.9 Kapillare Steighöhe und Kapillardepression von Wasser und Quecksilber

Die kapillare Steighöhe spielt in Natur und Technik eine große Rolle, denn sie ist die
Ursache des Aufsteigens von Wasser entgegen der Erdschwere, z. B. im Boden und in
Deichen. Näheres siehe Abschnitt 10.1.5.

47
Handbuch der Hydraulik

3.5 Materialwerte weiterer Flüssigkeiten und Gase


Tabelle 3.7 Materialwerte von Flüssigkeiten und Gasen

Temperatur T Dichte ρ kinem. Viskosität 


Stoff 3
[°C] [kg/m ] [10–6 m2/s]
Flüssigkeiten
Erdöl 15 700 bis 900 (1040) 1,2 bis 3,6
Benzin 15 700 bis 740 0,6 bis 0,7
Kerosin 15 800 bis 825 1,94 bis 2,17
Dieselkraftstoff 15 820 bis 860 4,5 bis 7
Glyzerin, rein 20 1260 1400
Glyzerin, 4 % Wasser 20 1250 610
Alkohol 15 794 1,52
Sperrflüssigkeiten
10 13570
Quecksilber
20 13546
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Tetrachlor-Kohlenstoff 20 1594
Gase bei Normalatmosphäre 1 bar

Luft 0 1,293 13,4


(im Mittel 800-mal 10 1,247 14,18
leichter als Wasser) 20 1,204 15,1
Sauerstoff O2 20 1,33 15,36
Stickstoff N2 20 1,16 15,20
Wasserstoff H2 20 0,084 105,0
Wasserdampf H2O 100 0,590 12,5
Helium He 20 0,1785 11,74
Methan CH4 20 0,717 16,5
Äthylen C2H4 20 1,261 8,66
Kohlensäure-Gas CO2 20 1,83 14,7

48
3 Physikalische Größen und Einheiten

3.6 Materialwerte von Rohrleitungen und Baustoffen


Tabelle 3.8 Materialwerte von Rohrleitungen und Baustoffen

Dichte ρ Elastizitätsmodul E
Stoff, Rohrmaterial Eigenschaften 3
[kg/m ] [N/mm2] = [MPa]
Stahl 7.850 210.000
Grauguss GG 7.200 50.000 bis 100.000
Duktiles Gusseisen GGG 7.050 170.000
Kupfer 8.900 125.000
Aluminium 2.800 71.000
Blei 11.400 17.000
PVC-U (DIN 9534) 1.400 1.000 bis 3.500
GFK (UP-GF) 1.700 bis 2.200 11.000
Plexiglas 1.200 1.500 bis 3.000
Steinzeugrohre 2.200 50.000
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Leichtbeton 2.000
Normaler Beton 2.000 bis 2.600
davon bis B10 2.300
bis B15 2.400 2.600 bis 37.000
Beton im Mittel
ab B15 2.500 30.000
Betonrohre, mittel 2.400
Stahlbeton 2.500
Schwerbeton 2.600
Glas 2.500 70.000
Nadelholz: Kiefer 520 9.000 bis 9.600
Fichte 470 9.200 bis 11.000
Tanne 450 etwa 9.000
Holz
bei 12 % Feuchte Laubholz: Hainbuche 830 13.000 bis 19.600
(lufttrocken)
Rotbuche 720
Eiche 690 10.300 bis 10.800
Lärche 530 etwa 9.000

49
Handbuch der Hydraulik

Fortsetzung Tabelle 3.8

Dichte ρ Elastizitätsmodul E
Stoff, Rohrmaterial Eigenschaften 3
[kg/m ] [N/mm2] = [MPa]
Granit 2.600
Syenit 2.800
≤ 10.000
Gestein Basalt 2.900 bis 3.000
Gneis ≥ 2.650
Sandstein 2.200 etwa 4.000
trocken 1.400 bis 1.700
Sand und Kies
erdfeucht 1.600 bis 1.800
locker gelagert
wassergesättigt > 1.800
trocken 1.800 bis 2.000
Sand und Kies
mitteldichte erdfeucht 1.900 bis 2.100
Lagerung
wassergesättigt > 2.000
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Splitt und Schotter 1.800 bis 2.000


Ton, erdfeucht etwa 2.000

3.7 Sink-, Fall- und Steiggeschwindigkeit


3.7.1 Allgemeiner Ansatz
Die stationäre Sink- bzw. Absetzgeschwindigkeit von Feststoffpartikeln in Wasser, aber
auch die Fallgeschwindigkeit von Wasser-(Regen-)tropfen in Luft sowie die Aufstiegsge-
schwindigkeit von Luftblasen in Wasser wird von der generellen Gleichgewichtsbedingung
zwischen Gewicht-, Auftriebs- und Widerstandskraft abgeleitet:
FG  FA  FW
F (3.36)
 K  VK  g   F  VK  g  cW   K2  AK
2
Nach υK aufgelöst, erhält man daraus schließlich für die Sink-, Fall- bzw. Aufstiegsge-
schwindigkeit

 K  2  g VK
K    1   (3.37)
 F  cW AK

50
3 Physikalische Größen und Einheiten

In beiden Gleichungen bedeuten für kugelförmige Partikel:


K – Dichte des sich bewegenden Körpers (Kugel, Wassertropfen, Luftblase)
in kg/m3
d3
VK    K – Volumen des sich bewegenden, kugelförmigen Körpers
6
d2
AK    K – kreisförmige Anströmfläche des sich bewegenden Körpers
4
VK 2
  dK – Verhältnis von Volumen zur Anströmfläche = Dicke eines flachen
AK 3
Körpers

F – Dichte des in Ruhe befindlichen Mediums, in welchem sich der Körper


bewegt, (Wasser, Luft) in kg/m3
g– Schwerebeschleunigung in m/s2
cW – Widerstandsbeiwert des sich bewegenden Körpers
dK – Kugeldurchmesser des bewegten Körpers, (muss bei Abweichung von
der Kugel gesondert ermittelt werden)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Gleichung (3.37) wird damit für kugelförmige Partikel zu Gleichung (3.38).

 K  g 4
K    1    dK (3.38)
 F  cW 3

Da die meisten bewegten und formbaren Partikel ab einer bestimmten Geschwindigkeit υK


von der Kugelform abweichen, sind Versuchsergebnisse zu Rate zu ziehen.
Der Widerstandsbeiwert cW ist abhängig von der Form des sich bewegenden Körpers und
der Re-Zahl gebildet mit der Geschwindigkeit des Körpers, der geometrischen Abmes-
sung dK des Körpers und mit der kinematischen Viskosität νF des Mediums, in welchem sich
der Körper bewegt.
 d
Re  K K (3.39)
F

In Bild 3.10 und Tabelle 3.9 sind einige Widerstandsbeiwerte cW  f (Form, Re ) eingetra-
gen.

51
Handbuch der Hydraulik
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.10 cW-Werte in Abhängigkeit von der Form des umströmten, senkrecht fallenden
Körpers und der Re-Zahl (dK – Durchmesser der Anströmfläche)

Die Berechnung von K erfolgt iterativ, so lange sich cW mit Re verändert, da in Re die
Geschwindigkeit K enthalten ist.
Bei sehr kleinen Sink-, Fall- oder Steiggeschwindigkeiten F entsteht als Folge dieser
Bewegung eine laminare Ausgleichsströmung, die der Stokesʼschen Reibung FR entgegen-
wirken:
FG  FA  FR  3  d K F F (3.40)

Dabei ist ηF die dynamische Viskosität des durchströmten, in Ruhe befindlichen Mediums
(Gas, Flüssigkeit). Mit  K   K  K (vK – kinematische Viskosität) und FG und FA gemäß
Gleichung (3.36) führt die Lösung auf die Stokesʼsche Gleichung (3.41).

g  dK2  K 
F    1 (3.41)
18  F  F 
Gleichzeitig gilt cW  24 / Re (siehe Bild 3.10).
Gleichung (3.41) ist gültig bis etwa Re ≤ 0,5. In der Regel handelt es sich dabei um
kugelförmige Partikel, die wesentlich kleiner als d K  1 mm sind.

52
3 Physikalische Größen und Einheiten

Die untere Grenzkurve (1) aus Bild 3.10 ergibt sich zu:
24 6
cW   0 ,4 (3.42)
Re Re

Tabelle 3.9 Widerstandsbeiwerte für einzelne umströmte Körper (senkrecht fallend)

Form Bezeichnung cW Re
Kugel 0,35 bis 0,5 > 2·103
Halbkugel offen 0,39 > 104
Halbkugel geschlossen 0,42 > 104
Halbkugel offen 1,33 > 104
Halbkugel geschlossen 1,17 > 104

Kreisscheibe 1,11 > 104

Würfel je nach Anströmung 0,8 bis 1,05 > 104


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Stromlinienkörper 0,035 bis 0,2 > 104

0,3 (10°), 0,55 (30°)


Kegel 104 bis 105
0,8 (60°), 1,15 (90°)

Zylinder 1,17 (L >> d) 104 bis 105

Halbkreisrinne 2,3 104 bis 105

Halbkreisrinne 1,2 104 bis 105

Dreieckstab 1,55 104 bis 105

Rechteckstab gerade 2 104 bis 105

Rechteckstab Kante 1,5 104 bis 105

Mensch (gilt für cW·A = 0,38 m2) 0,78 104 bis 106

53
Handbuch der Hydraulik

Eine Näherungsgleichung für stromlinienförmige Körper (2) im Bild 3.10 lautet:


24 10
cW   0 ,5  0 ,04 (3.43)
Re Re

Für Kugeln und runde Körper wird der mittlere Strömungswiderstandsbeiwert (3) im
Bild 3.10:
24 10
cW    0,4 (3.44)
Re Re0 ,6

Scheiben und flache Körper können angenähert werden mit (4) im Bild 3.10:
24 12
cW   1 (3.45)
Re Re0 ,5

3.7.2 Sink- bzw. Absetzgeschwindigkeit von Feststoffen in Wasser

In Absetzanlagen sowie beim hydraulischen Feststofftransport in Rohrleitungen und


Gerinnen spielt die Sink- bzw. Absetzgeschwindigkeit von Feststoffteilchen im Wasser eine
wichtige Rolle.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Im Folgenden wird die Sinkgeschwindigkeit im ruhenden Wasser behandelt. Bei Bewe-


gungsvorgängen, wie z. B. dem Sedimenttransport, sind Besonderheiten zu beachten, auf die
an gegebener Stelle eingegangen wird.

Kugelförmige Partikel
Für die Sinkgeschwindigkeit von Kugeln wurde die Gleichung (3.38) ausgewertet, wobei für
den cW-Wert Folgendes ausgenommen wird (siehe Bild 3.10):
24 10
cW   0 ,6  0,3 für Re  104
Re Re

24 10  Re 
cW   0 ,6  0,3  0,14   4  1 für 104  Re  2 104
Re Re  10 
24 10
cW    0 ,44 für Re  2 104
Re Re0 ,6

Die damit berechneten stationären Sinkgeschwindigkeiten von Kugeln verschiedener


Dichte ρK in Wasser von TW = 15 °C können mit den Gleichungen (3.40) und (3.41) iterativ
berechnet werden und sind im folgenden Bild 3.11 a) und b) dargestellt.

54
3 Physikalische Größen und Einheiten
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.11 Stationäre Sinkgeschwindigkeit von Kugeln in Wasser (TW = 15 °C)


a) nach Durchmesser dK = 0,01 bis 1,0 mm, b) Durchmesser dK = 0,1 bis 100 mm

55
Handbuch der Hydraulik

Nicht kugelförmige Partikel


Weicht die Teilchenform von der „idealen Kugel“ ab, z. B. bei Sand, Kies, Kohlegrus u. a.,
so verändert sich der Widerstandsbeiwert cW. Um dann den „Durchmesser“ d des Teilchens
zu berechnen, ist die Kugelgleichung verwendbar:

6  VK
dK  3 (3.46)

mit VK – Volumen des Teilchens
Ist die Abweichung von der Kugelform erheblich, kann über das Verhältnis von Volumen zu
Anströmfläche in Gleichung (3.37) ein Beiwert eingefügt werden, der kleiner als 2/3 dK ist
und z. B. bei Scheiben der Dicke der Scheibe entspricht.
Hörnig und Richter (1989) ermittelten den mittleren Durchmesser eines Stoffgemisches aus
dem Mittelwert der Teilchendurchmesser aus der Sieblinie einer Fraktion.
Der Widerstandsbeiwert cW muss für jede Teilchenform empirisch ermittelt werden. Damit
können die unterschiedlichen Angaben zur Sinkgeschwindigkeit Sink in Abhängigkeit vom
Korndurchmesser d in den Literaturquellen begründet werden. Hörnig und Richter (1989)
korrigieren für Stoffgemische die ermittelte Sinkgeschwindigkeit des Einzelkornes mit
einem Korrekturfaktor Kf (Bild 3.12).
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.12 Formfaktor Kf für Steinkohlengrus und Sand

Damit wird
Sink  Kf s,k (3.47)

56
3 Physikalische Größen und Einheiten

 1 
mit Kf  0,5  1   für Kohlengrus und
 1  d 1,25 
 K 
 1,5 
Kf  0,4  1   für Sand
 1  d 1,75 
 K 
Burke, Kecke und Richter (1989) verwenden die Sphärizität (Oberflächenverhältnis von
volumengleicher Kugel zum realen Körper) von Körnerkollektiven zur Bestimmung dieses
Formfaktors.
Umfassende und gut übereinstimmende Ergebnisse für die Sinkgeschwindigkeit von
Bodenteilchen, Sand und Geschiebe mit einer Dichte von 2650 kg/m3 erhält man aus den
Grundgleichungen (3.38), (3.39) und den cW-Werten (Bild 3.13). Diese stimmen bis
dK = 1 mm für Kugeln und darüber hinaus für Scheiben sehr gut mit Angaben von Mostkow
(1956), von Glazik (1989) auf der Basis von Versuchen der FAS Berlin und einem Vorschlag
im US-Standard überein. Eine von Wiedenroth (1967) angegebene Formel (Gleichung
(3.48)) kommt den Berechnungen eines scheibenförmigen Partikels bei 20 °C im turbulenten
Bereich sehr nahe.
1,115 
 1 in cm/s
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

3
Sink    1  157d K (3.48)
dK  
mit dK in mm, gültig nach Wiedenroth (1967) von 0,3 < dK < 4 mm

Bild 3.13 Sinkgeschwindigkeit Sink von Sand- und Kiesteilchen in Wasser

57
Handbuch der Hydraulik

3.7.3 Fallgeschwindigkeit von Wassertropfen in Luft

Die Fallgeschwindigkeit von Wassertropfen oder -ballen in Luft ist beispielsweise für die
Luftmitführung in Hochwasserentlastungsanlagen von Bedeutung.
Kleine Wassertropfen bis etwa dTr = 0,1mm gehorchen dem Stokesʼschen Gesetz, Gleichung
(3.41). Für Luft von 10 °C mit  F   L  14 ,18 10 6 m 2 /s, Wasser von 10 °C mit
 K   W  999,7 kg/m3 ,  F   L  1, 247 kg/m3 erhält man aus Gleichung (3.41)

 F  Tr  30 ,8  106 d Tr
2
in m/s, dK in m, oder

2
Tr  30 ,8  d Tr in m/s, dK in mm (3.49)

Für größere Wassertropfen wird z. B. von Prandtl (1984) für den Bereich von dTr = 1 bis 4
mm mit Gleichung (3.38) und einem cW-Wert von ca. 0,5 eine maximale Fallgeschwindig-
keit mit Gleichung (3.50) ermittelt.

Tr  4 ,6  d Tr in m/s, dTr in mm (3.50)

Die in Bild 3.14 eingetragenen Messergebnisse aus unterschiedlichen Literaturquellen


können mit Gleichung (3.51) bis 10 mm Tropfendurchmesser angenähert werden
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2
30  dTr
Tr  1,7
in m/s, dTr in mm (3.51)
1  6  dTr

Größere Wassertropfen als dTr = 4 mm weichen beim Fallen immer mehr von der Kugelform
ab, werden breitgedrückt (Scheibenform) und zerplatzen ab etwa dTr ≥ 6 mm wieder in
kleinere Tropfen.
In Bild 3.14 ist die Fallgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Tropfendurchmesser nach den
oben angegebenen allgemeinen Formeln unter Einbeziehung des cw-Beiwertes für Kugel-
form und Scheibenform eingetragen. Die größte Fallgeschwindigkeit dürfte nach Messungen
bei etwa 9 m/s liegen. Der größte durch Fotoauswertung ermittelte Durchmesser eines
Wassertropfens beträgt 9 mm.
Hagelkörner, die ihre Kugelform nahezu beibehalten, können eine wesentlich größere
Fallgeschwindigkeit erreichen. Sie können mit den Gleichungen für die Kugelform ermittelt
werden. So fallen Körner von 2 cm Durchmesser mit einer Geschwindigkeit von etwa
υH = 20 m/s.

58
3 Physikalische Größen und Einheiten
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.14 Fallgeschwindigkeit υTr von Wassertropfen in Luft in Abhängigkeit


vom Tropfendurchmesser dTr

3.7.4 Steiggeschwindigkeit von Luftblasen im Wasser


Die Steig- oder Aufstiegsgeschwindigkeit von Luftblasen im Wasser ist beispielsweise beim
Fließen von luftdurchsetztem Wasser in Druckrohrleitungen von Bedeutung, wo es zu
Luftansammlungen an Hochpunkten kommen kann oder eine Wasserbewegung durch das
Einperlen von Luft erzeugt wird (Mammutpumpe). Ein wichtiges Gebiet ist auch die
Belüftung in Wasserbehandlungsanlagen und die Tiefenwasserbelüftung in Standgewässern.
In der Literatur sind zahlreiche, oft stark voneinander abweichende Angaben zur Steigge-
schwindigkeit von Luftblasen zu finden. Je größer die Luftblase, desto mehr weicht ihre
Form von der Kugelform ab und kann eine Stromlinienform bis hin zur flachen Blasenform
annehmen. Der allgemeine Ansatz zur Berechnung der Aufstiegsgeschwindigkeit mit Hilfe
des cW-Beiwertes lässt sich hier kaum verwenden. Als Beispiel ist mit Bild 3.15 ein in dieser
Art häufig zu findendes Diagramm für Steig in Abhängigkeit vom effektiven Durchmesser
de der Luftblase von Stöhr (1998) wiedergegeben.

59
Handbuch der Hydraulik
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 3.15 Stationäre Steiggeschwindigkeit Steig von Luftblasen im Wasser mit Angaben nach
Stöhr (1998) u. a.

Weicht der Luftblasendurchmesser von dem der Kugelform ab, kann, wie bereits in den
vorhergehenden Abschnitten gezeigt, der effektive Durchmesser aus dem Blasenvolumen
ermittelt werden.

6  VBlase
de  3 (3.52)

Dieser im Bild 3.15 verwendete effektive Durchmesser kann für die Bestimmung der
Reynolds-Zahl verwendet werden. Für das vertikale Kräftegleichgewicht nach Gleichung
(3.37) sollte das Verhältnis von Blasenvolumen zur Anströmfläche anstelle 2/3·de genutzt
werden.
Nach Wagner (1997) gilt für sehr kleine, runde Luftblasen Gleichung (3.53).

Steig  0,55  de2 in m/s (3.53)

mit de in mm
und für große, runde Luftblasen gilt nach Wagner (1997) die Näherungsformel:

Steig  0 ,16  d e in m/s (3.54)

ebenfalls mit de in mm

60
3 Physikalische Größen und Einheiten

Die Messergebnisse unterscheiden hier zwischen ermittelten Werten in reinem Wasser als
obere Grenze und mit oberflächenaktiven Substanzen kontaminiertes Wasser als untere
Grenze. Diese untere Grenze entspricht dem theoretischen Wert aus Gleichung (3.37),
berechnet mit dem cW-Beiwert einer Scheibe.

3.8 Druck
3.8.1 Definition der Druck-Einheiten

Definition des Druckes:


Kraft F
Druck  p   (3.55)
Fläche A
Basiseinheit des Druckes ist das Pascal [Pa].
N kg
1 Pa = 1 =1 (3.56)
m2 m  s2
In zunehmendem Maße wird in der Technik die Einheit Bar [bar] verwendet, die dem
mittleren Atmosphärendruck bzw. Luftdruck entspricht (1 bar = 10 5 Pa).
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Der mittlere Atmosphärendruck und damit 1 bar entspricht etwa dem Druck einer 10 m
hohen Wassersäule (10 mWS). Mit dieser Einheit sind Umrechnungen in der Praxis
einfacher realisier- und oft besser vorstellbar.
p
Druck: p    g  h Druckhöhe: h 
g
Ein Druck von p = 1 bar entspricht bei einer Dichte von  = 1000 kg/m3 und einer Schwere-
beschleunigung von g = 9,81 m/s2 einer Druckhöhe von h = 10,1937 mWS  10,2 mWS. In
der Meteorologie wird bei Angaben des Atmosphärendruckes die Einheit Hektopascal (hPa)
bzw. Millibar (mbar) verwendet.
In der folgenden Tabelle sind die gebräuchlichen Vielfachen des Druckes in Pa und bar bzw.
der diesem Druck entsprechenden Druckhöhen in m (mWS) zusammengestellt.

61
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.10 Die Vielfachen des Druckes in zwei Einheiten und ihre Entsprechungen mit der
Druckhöhe

Druck p in SI-Einheiten und deren Vielfache Entsprechende


Wasserdruckhöhe
Pascal (Pa) Name Bar (bar) (gerundet) in Meter
(m = mWS)
107 Pa = 10 MPa Megapascal 100 bar 1020 m
106 Pa = 1 MPa Megapascal 10 bar 102 m
105 Pa = 100 kPa Kilopascal 1 bar 10,2 m
104 Pa = 10 kPa Kilopascal 0,1 bar 1,02 m
103 Pa = 1 kPa Kilopascal 0,01 bar 0,102 m
2
10 Pa = 100 Pa = 1 hPa Hektopascal 1 mbar 0,0102 m
101 Pa = 10 Pa Pascal 0,1 mbar 0,00102 m
100 Pa = 1 Pa Pascal 0,01 mbar 0,000102 m
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

3.8.2 Atmosphärendruck

Der Atmosphärendruck (Luftdruck) pamb beträgt in Meereshöhe (hM = 0 m) bei einer


Lufttemperatur von 0 °C und der geografischen Breite von 45°:
pamb  1013,25 hPa  1,01325 bar  1 bar (3.57)

und entspricht damit einer Druckhöhe von


kg
101325
hD 
pamb
 m  s 2  10 ,3287 m  10 ,33 m (3.58)
  g 1000 kg  9 ,81 m
m3 s2
Das Produkt   g ist mit 9,81 kPa/m damit ein Maß für die Druckzunahme/-abnahme von
9,81 kPa pro Meter Wassersäule.
Der Atmosphärendruck nimmt mit der Höhe hM auf der Erde ab und kann bis ca.
hM  4000 m mit folgender einfachen Formel abgeschätzt werden:

p  hM   pamb  e h M 8200 m
 1013,25 hPa  e h M / 8200 m (3.59)

62
3 Physikalische Größen und Einheiten

Bild 3.16 Temperaturentwicklung in der Standardatmosphäre


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die internationale Höhenformel, hergeleitet aus einem typischen linearen Temperaturgradi-


enten der Atmosphäre von –0,65 K pro 100 m ab 288,15 K in Meereshöhe, ergibt mit dem
Luftdruck in Meereshöhe pamb = p0 = 1013,25 hPa eine kontinuierliche Druckabnahme in
der Troposphäre bis 11 km Höhe.
5,255 5,255
 t  hM   0,0065  hM 
p(hM )  p0  1    p0  1  hM in [m] (3.60)
 h  T0   288,15 

In der Stratosphäre bleibt die Temperatur etwa konstant und von da ab nimmt die Tempera-
tur wieder zu, wobei der Druck weiter abnimmt (siehe Bild 3.16).

63
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.11 Standardatmosphäre nach DIN ISO 2533 (1979)

Höhe hM Temperatur T Gravitation g Druck p Dichte  Dyn. Visk. 


km °C m/s2 hPa kg/m3 105 Pa·s
–1 21,50 9,815 1139,27 1,347 1,821
0 15,00 9,812 1013,25 1,225 1,789
1 8,50 9,809 898,76 1,112 1,758
2 2,00 9,805 794,98 1,006 1,726
3 –4,49 9,802 701,13 0,9091 1,694
4 –10,98 9,799 616,45 0,8191 1,661
5 –17,47 9,796 540,26 0,7361 1,628
6 –23,96 9,793 471,87 0,6597 1,595
7 –30,45 9,790 410,67 0,5895 1,561
8 –36,94 9,787 356,06 0,5252 1,527
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

9 –43,42 9,784 307,49 0,4663 1,492


10 –49,90 9,781 264,42 0,4127 1,457
15 –56,50 9,765 121,10 0,1937 1,422
20 –56,50 9,750 55,29 0,0880 1,422
25 –51,50 9,735 25,49 0,0395 1,449
30 –46,50 9,719 11,97 0,0180 1,476
40 –22,10 9,688 2,871 0,00385 1,605
50 –2,50 9,657 0,7978 0,000977 1,704
60 –18,50 9,627 0,2196 0,000285 1,623
70 –56,50 9,596 0,05221 0,0000788 1,422
80 –92,50 9,565 0,01052 0,0000166 1,216

3.8.3 Absolutdruck und Bezugsdruck


Als Bezugsdruck wird derjenige Druck bezeichnet, auf den sich die jeweils angegebenen
Druckwerte beziehen. Beim Absolutdruck ist das der absolute Nulldruck, das Vakuum. In
der Hydraulik wird fast immer der Atmosphärendruck (Luftdruck) pamb als Bezugsdruck
gewählt. Das folgende Bild 3.17 veranschaulicht diese Zusammenhänge.

64
3 Physikalische Größen und Einheiten

Bild 3.17 Absolutdruck und


Relativdruck

In hydraulischen Berechnungen werden in der Regel Drücke und Druckhöhen auf den
Atmosphärendruck (Luftdruck) bezogen. Ist der Druck dann größer als der Luftdruck, spricht
man von Überdruck oder einen positiven (relativen) Druck p. Ist er kleiner als der Luftdruck,
dann wird der negative (relative) Druck als Unterdruck bezeichnet.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die Abnahme des Atmosphärendruckes als Bezugsdruck mit der Höhe hM kann für
hydraulische Berechnungen unter Atmosphärendruck, z. B. bei Heberleitungen, von
Bedeutung sein. Wegen der Schwankungen des Luftdruckes empfiehlt Lauffer (1936) für
Unterdruckberechnungen vom Atmosphärendruck einen Sicherheitswert von 50 hPa
abzuziehen. Die Druckwerte der ICAO-Standardatmosphäre (DIN ISO 2533) sind in
Tabelle 3.11 zu finden.
Als Bezugsdruck wird in der Regel der Atmosphärendruck verwendet, Ausnahmen bilden
hydraulische Vorgänge mit Unterduck, bei denen die Darstellung und Anschaulichkeit bei
Bezug zum Vakuum verbessert wird, wie z. B. Fallrohre, Heberleitungen oder Saugbereiche
von Pumpen.

3.8.4 Dampfdruck, Haltedruck und Kavitation

Wasser verdampft bekanntlich bei Atmosphärendruck p0 = 1013,25 hPa in Meeresspiegelhö-


he (hM = 0) bei einer Siedetemperatur von T = 100 °C. Fällt der Druck unter diesen Wert ab,
dann sinkt die Siedetemperatur des Wassers. Erreicht die Siedetemperatur den Wert der
Umgebungstemperatur, dann ist der Dampfdruck erreicht. Wird das Wasser einem Unter-
druck ausgesetzt, besteht die Gefahr des Phasenüberganges in den gasförmigen Zustand und
die Strömung reißt ab.
Der Dampfdruck pD erreicht bei folgenden Wassertemperaturen eines reinen Wassers
folgende Werte:

65
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 3.12 Dampfdruck und Dampfdruckhöhe (siehe auch Tabelle 3.2)

Wassertemperatur °C 0 5 10 15 20 30 40 100

Dampfdruck hPa 6,1 8,7 12,3 17,1 23,4 42,4 73,7 1013,25

Dampfdruckhöhe m 0,062 0,088 0,125 0,174 0,239 0,432 0,751 10,33

Sinkt beispielsweise der Druck im Wasser mit einer Temperatur von 20 °C bei einem
Umgebungsdruck von p0 = 1013,25 hPa auf den absoluten Dampfdruck von pD = 23,4 hPa,
entspricht das einer negativen Druckhöhe von:
p  pD 1013,25 hPa  23,4 hPa
h 0   10 m (3.61)
g 98,1 hPa/m

Theoretisch kann die Druckhöhe im Unterdruckbereich bei einer Temperatur von 20 °C


einen Wert bis etwa –10 m erreichen, ohne dass das Wasser verdampft. Da kleinste
Störungen, Erschütterungen, Turbulenzen, Partikel, Gasblasen usw. diese Dampfdruckgrenze
verändern können, wird sicherheitshalber in wasserwirtschaftlichen Anlagen eine negative
Druckhöhe bis h = hS,zul = –7 m (p  –700 hPa) zugelassen.
Bei Pumpenanlagen wird die sogenannte Haltedruckhöhe hH bzw. NPSH (Net Positive
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Suction Head) als Grenzwert angegeben, um ein Abreißen der Strömung zu verhindern
(Näheres hierzu im Abschnitt 6.12.1).
Die Haltedruckhöhe hH einer Pumpe errechnet sich unter Berücksichtigung der saugseitigen
Geschwindigkeitshöhe (Abstand zwischen Energielinie (EL) und Drucklinie (DL)) zu:

p p p 2
hH  amb  S  D  S (3.62)
  g   g   g 2g
Sinkt an einer Stelle der Strömung der Druck unter den Dampfdruck, dann kommt es zur
lokalen Verdampfung des Wassers, und die Strömung kann abreißen.

Bild 3.18 Halte-


druckhöhe hH
einer Pumpe

66
3 Physikalische Größen und Einheiten

In Armaturen, an Turbinenlaufrädern, an Grundablässen oder Schussrinnen von Talsperren


kann es lokal durch die Bildung kleiner Wirbelkerne zur Absenkung des Druckes unter den
Dampfdruck kommen, wodurch sich Dampfblasen bilden. In Bereichen höheren Druckes
fallen diese meist schlagartig wieder zusammen. Diese Erscheinung wird als Kavitation
bezeichnet und ist mit knatternden Geräuschen und Vibrationen verbunden. Die Kondensati-
on der Gasblasen erfolgt so schnell, dass erhebliche, oft scharf begrenzte Wasserschläge
entstehen, welche sich auf die umgebenden Wandungen materialzerstörend auswirken
(Lochfraß). Oft entstehen durch Strömungsabriss kleine Wirbelkerne, in dessen Zentrum die
Druckhöhe zusätzlich maximal um den Betrag der Geschwindigkeitshöhe absinken kann.
Durch entsprechende Maßnahmen, wie die Anhebung des Druckes oder die Belüftung der
Strömung, kann die Kavitation verhindert werden.

3.8.5 Druckmessung

Die direkte Druckmessung nutzt die Kraft des Druckes auf eine Fläche als mechanisches
Wirkprinzip. Druckmessgeräte (Manometer) erfassen die durch die Kraft hervorgerufene
Wegänderung
– mechanisch,
– kapazitiv,
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

– induktiv,
– piezoelektrisch,
– als Dehnung.
Die indirekte Druckmessung nutzt die durch den Druck hervorgerufenen physikalischen
Effekte wie z. B. Wärmeleitfähigkeit, Kompression oder Stoffeigenschaften.
Näheres und weitere Ausführungen zur Messtechnik in der Hydraulik sind im Kapitel 1 des
Bandes 4 der Reihe „Technische Hydromechanik“ zu finden (Martin und Pohl, 2008).

67
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
4 Hydrostatik
4.1 Definitionen
Hydrostatik ist die Lehre vom Gleichgewicht ruhender Flüssigkeiten unter der Einwirkung
von äußeren Kräften, z. B. Schwerkraft, Zentrifugalkraft. Die Grundaufgabe der Hydrostatik
besteht in der Berechnung der Kraftwirkungen des Wassers auf Bauwerke oder Bauteile im
und am Wasser sowie der Gleichgewichtsbedingungen für ganz oder teilweise eingetauchte,
d. h. schwimmende Körper.
Voraussetzungen für die hydrostatischen Berechnungen sind keine Fließbewegung des
Wassers ( = 0) und damit keine Reibungskräfte, d. h. der Wasserdruck wirkt stets senkrecht
auf die begrenzenden Wandflächen. Im freien Wasser ist der Wasserdruck nach allen Seiten
gleich groß.

Hydrostatisches Grundgesetz:
Der Wasserdruck nimmt linear mit der Wassertiefe zu und ist gleich dem (  g)-fachen Wert
der Wassertiefe z. Mit dem Atmosphärendruck pamb ergibt sich der Druck als Absolutdruck
zu:
pges  pamb    g  z (4.1)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Üblicherweise wird als Wasserdruck der Überdruck über dem Atmosphärendruck bezeichnet
(siehe Bild 3.17) und damit wird der Druck als Relativdruck:
p  gz (4.2)

wobei   g = 9,81 kPa/m = 9,81 kN/m3 als Druckintensität bezeichnet wird, d. h. der
Wasserdruck nimmt pro Meter Tiefe um 9,81 kPa bzw. 0,0981 bar zu. In 10,2 m Wassertiefe
beträgt der Wasserdruck 1 bar.
Der Druck ist eine skalare Größe, d. h. er wirkt allseitig und ist nach allen Richtungen gleich
groß. Der Wasserdruck wirkt immer senkrecht auf die belastete Fläche und ist der Quotient
aus differentialer Kraft pro differentiale Fläche. Die Kraft auf diese Fläche ergibt sich damit
aus der Integration des Druckes über die belastete Fläche.

F   dF   p  dA    g   z  dA (4.3)
A A A

Aus der Schwerpunktdefinition der belasteten Fläche A ergibt sich aus Gleichung (4.3) die
Berechnung der Druckkraft auf eine beliebige Fläche aus dem Produkt der belasteten Fläche
mit dem mittleren Druck pm im Schwerpunkt der Fläche.
F  pm  A    g  zS  A (4.4)

Der Angriffspunkt (Druckmittelpunkt) dieser resultierenden Kraft F liegt dabei in der Regel
unterhalb des Flächenschwerpunktes S und verläuft durch den Schwerpunkt SB des
Lastvolumens, das sich aus der Druckverteilung auf die belastete Fläche ergibt.

69
Handbuch der Hydraulik

Bild 4.1 Wasserdruckverteilung, Druckdreieck

Die in Bild 4.1 gezeigte Wasserdruckverteilung wird als sogenanntes Wasserdruckdreieck


bezeichnet.
Liegen mehrere sich nicht mischende Flüssigkeiten unterschiedlicher Dichte  n   n 1  1
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

übereinander, so setzt sich der Schweredruck der jeweils darüberliegenden Schicht in der
darunterliegenden fort. Der Gesamtdruck im Bild 4.2 ergibt sich zu:
pges  1  g  h1   2  g  h2  3  g  h3 (4.5)

Bild 4.2 Druckverteilung in Flüssigkeiten verschiedener Dichte

70
4 Hydrostatik

Beispiele:
a) Der Wasserdruck in z = 100 m Wassertiefe beträgt:
kg m kg
p  1000 3
 9,81 2
100 m  981.000  981 kPa  9 ,81 bar
m s m  s2
b) Im Witjas-Tief I von 11.034 m, der tiefsten derzeit bekannten Stelle auf dem
Meeresgrund innerhalb des Marianengrabens, beträgt der Wasserdruck bei einer
Dichte des Salzwassers von etwa  = 1026 kg/m3:
kg m kg
p  1.026 3
 9,81 2
11.034 m  111.058.000  111.058 kPa  1.110,58 bar
m s m  s2
c) Bei der Füllung eines Bergbaustollens von etwa h = 800 m Tiefe, in dem sich
salzhaltiges Wasser mit einer Dichte von S = 1.050 kg/m3 befindet, wird der eine
Schacht mit Oberflächenwasser gefüllt, während in dem zweiten Schacht, der mit
dem ersten unterirdisch verbunden ist, das Salzwasser aufsteigt. Die Wasserspie-
geldifferenz Δh zwischen den Schächten beträgt wegen des gleichen Druckes im
Stollen bei Vollfüllung:
 W   1000 
 W  g  h   S  g  (h   h ) h  h   1    800  1  1050   38,1 m
 S   
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

4.2 Hydrostatische Druckkraft auf ebene Flächen


4.2.1 Senkrechte Seitenflächen
Die resultierende Wasserdruckkraft ergibt sich aus der Integration der Druckverteilung über
der Stauwand. Für senkrechte Flächen und freien Wasserspiegel ist der Belastungskörper ein
Prisma, berechnet aus der Belastungsfläche (dem Wasserdruckdreieck) und der Belastungs-
breite. Die resultierende Kraft, die im Schwerpunkt des Belastungskörpers angreift, ergibt
sich aus der Multiplikation des Belastungsvolumens mit der Druckintensität   g.

Einseitige Belastung:
es bedeuten:
S = Schwerpunkt der Stauwand
D = Druckmittelpunkt = Angriffspunkt der Wasserdruckkraft F
SB = Schwerpunkt der Belastungsfläche, Schwerpunkt des Belastungsvolumens
F = Wasserdruckkraft
b = Belastungsbreite
h = Wassertiefe
e = Abstand zwischen S und D

71
Handbuch der Hydraulik

Bild 4.3 Wasserdruck (einseitig) auf senkrechte Stauwand

h2
F    g b  (4.6)
2

Beidseitige Belastung:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

F1 = Wasserdruckkraft Teil 1
F2 = Wasserdruckkraft Teil 2
F = F1 – F2 = resultierende Wasserdruckkraft
SB = Schwerpunkt der resultierenden Lastfläche
a = vertikaler Abstand des resultierenden Druckmittelpunktes von der Sohle
h1 = Wassertiefe linke Seite
h2 = Wassertiefe rechte Seite

Bild 4.4 Senkrechte Stauwand, beidseitig durch Wasserdruck belastet

72
4 Hydrostatik

h12  h22
F  F1  F2    g  b  (4.7)
2

1 h3  h3
a   12 22 (4.8)
3 h1  h2

4.2.2 Konstruktive Lastaufteilung

Falls die horizontale Belastung des Wasserdruckes durch einzelne horizontal angeordnete
Stützelemente (z. B. Riegel oder Balken) aufgenommen werden soll, welche alle die gleiche
Last erhalten, ist eine Aufteilung des Wasserdruckdreieckes in horizontale Felder (Dreieck
und Trapeze) gleicher Größe erforderlich.
Die Stützelemente sind dann in den Schwerpunkten SB der einzelnen Felder (Druckdreieck,
Drucktrapeze) anzuordnen.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.5 Stauwand mit k = 3 gleichbelasteten Riegeln

k = Anzahl der Riegel


i = laufende Nr. der Riegel zwischen 1 (oben) und k (unten)
F = Belastungskraft auf gesamte Stauwand
SBi = Schwerpunkte der gleichgroßen Belastungsteilflächen
zi = Abstand der Trennlinien der Teilflächen vom Wasserspiegel
hi = Abstand der Schwerpunkte der Teilflächen vom Wasserspiegel = Lage der einzelnen
Stützelemente

i
zi  h  (4.9)
k
2 h  1,5
h i   i  (i  1)1,5  (4.10)
3 k  

73
Handbuch der Hydraulik

Zur einfachen Berechnung der Abstände hi der Riegel sind in Tafel 4.1 die Verhältniswerte
hi/h für k = 1 bis 10 Riegel enthalten, mit denen die Riegellage einfach berechnet werden
kann.

Tabelle 4.1 Verhältniswerte hi/h zur Berechnung der Lage der gleichbelasteten Riegel einer
vertikalen Stauwand (z. B. Schütztafel)

k 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
i=1 0,6667 0,4714 0,3849 0,3333 0,2981 0,2722 0,2520 0,2357 0,2222 0,2108
2 0,8619 0,7038 0,6095 0,5451 0,4976 0,4607 0,4310 0,4063 0,3855
3 0,9113 0,7892 0,7059 0,6444 0,5966 0,5581 0,5262 0,4992
4 0,9346 0,8359 0,7631 0,7065 0,6609 0,6231 0,5911
5 0,9482 0,8656 0,8014 0,7496 0,7067 0,6705
6 0,9571 0,8861 0,8289 0,7815 0,7414
7 0,9634 0,9012 0,8496 0,8060
8 0,9681 0,9127 0,8659
9 0,9717 0,9218
10 0,9746
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Beispiel:
Stauwand nach Bild 4.5 mit k = 3 Riegeln und h = 4,5 m
i = 1: z1  4 ,5  1 / 3  2 ,60 m , h1  0 ,3849  4 ,5 m  1,732 m
i = 2: z2  4 ,5  2 / 3  3,67 m , h2  0 ,7038  4 ,5 m  3,170 m
i = 3: z3  4 ,5  3 / 3  4 ,50 m , h3  0 ,9113  4 ,5 m  4 ,101 m
Reicht die Lage der Schütztafel, welche in gleichbelastete Riegel unterteilt werden soll,
nicht bis zum Wasserspiegel (Bild 4.5), kann ebenfalls mit Hilfe dieser Methode die Lage
der Flächenschwerpunkte und damit die Position der Riegel ermittelt werden.

74
4 Hydrostatik

Bild 4.6 Schütztafel mit 3 gleichbelasteten Riegeln unterhalb einer festen Wand

Die Berechnung der Riegelabstände hi erfolgt mit Gleichung (4.11):


2 h
hi    (i  n)1,5  (i  n  1)1,5  (4.11)
3 kn  
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

k
mit n 
(h/z0 )2  1

Darin sind k = Gesamtzahl der Riegel


i = 1 bis k = lfd. Nr. des jeweiligen Riegels
z0 = Höhe der festen Wand bis zum Beginn des Schützes
h = Stauhöhe, Wassertiefe
Jeder der Riegel hat eine Wasserdruckkraft von F/k der Wasserdruckbelastungsfläche auf das
Schütz aufzunehmen.

FRiegel 
1
k
 FGes    g 
1
2k
 
 h 2  z02  b (4.12)

z2
Die Kraft FWand    g  0 wird unabhängig vom Schütz von der Stauwand aufgenommen.
2

4.2.3 Geneigte Seitenflächen


Entsprechend den Definitionen im Abschnitt 4.1 ergibt sich die Belastungskraft auf eine
geneigte Belastungsfläche aus dem Integral des senkrecht auf dieser Fläche stehenden
Druckes. Dieser Lastkörper des Druckes ist das (  g)-fache des Volumens des Belastungs-
körpers VB.

75
Handbuch der Hydraulik

Einseitige Belastung:
a = zD = vertikaler Abstand des Druckmittelpunktes von der Sohle
D = Druckmittelpunkt
SB = Schwerpunkt der Lastfläche, Schwerpunkt des Lastvolumens
b = Breite der Stauwand (senkrecht zur Zeichenebene)
 = Neigungswinkel der Belastungsfläche
h = Wasserdruckhöhe
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.7 Geneigte Seitenfläche a) zur Luftseite geneigt, b) zur Wasserseite geneigt

h2
F    g  VB    g  b  (4.13)
2  sin 

h
zD  a  (4.14)
3

76
4 Hydrostatik

Beidseitige Belastung:

Bild 4.8 Geneigte Belastungsfläche mit beidseitiger Belastung

h12  h22
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

F  F1  F2    g  b  (4.15)
2  sin 

1 h 3  h3
zD   12 22 (4.16)
3 h1  h2

4.2.4 Horizontale Bodenflächen, hydrostatisches Paradoxon


Auf eine horizontale Bodenfläche A (z = konstant gemäß Bild 4.1) wirkt in der Tiefe h der
konstante Druck p =   g  h und damit eine Wasserdruckkraft von
F  p A    g h A (4.17)

Die vertikale Druckkraft greift im Schwerpunkt der Fläche A an. Sie ist bei gleicher
Bodenfläche A und gleichem Wasserstand h stets gleich groß und unabhängig von der Form
der Wandungen und damit vom Volumen des im Gefäß über der Bodenfläche befindlichen
Wassers. Diese überraschende Erscheinung wird als hydrostatisches Paradoxon bezeichnet.

Bild 4.9 Hydrostatisches Paradoxon

77
Handbuch der Hydraulik

F = Kraft auf die Bodenplatte der Gefäße, F    g  h  A  const


A = gleich große Bodenfläche der drei Gefäße
D = dichte, aber nicht kraftschlüssige Verbindung von Boden und Gefäß
h = Füllstand bzw. Wasserhöhe über der Bodenplatte

4.2.5 Ebene Flächen unterhalb des Wasserspiegels

Für die Berechnung der Wasserdruckkraft auf eine beliebige ebene Fläche unterhalb des
Wasserspiegels wird für diese Fläche ein besonderes Koordinatensystem x-y-z gewählt (siehe
Bild 4.10). Damit kann in dieser Ebene die belastete Fläche A in wahrer Größe abgebildet
werden.
Hier bedeuten:
x-Achse = horizontale Achse (z. B. Uferlinie)
y-Achse = Falllinie entlang der schrägen, ebenen Belastungsfläche
z-Achse = vertikale Achse
S = Schwerpunkt der Belastungsfläche
D = Druckmittelpunkt der resultierenden Belastungskraft
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

 = Winkel der geneigten Belastungsfläche


Die Wasserdruckkraft F auf diese unter dem Wasserspiegel liegende ebene Fläche ist gleich
dem Produkt aus dieser Fläche A und dem Druck pS    g  zS im Schwerpunkt S dieser
belasteten Fläche. Die Kraft F greift nicht im Schwerpunkt S dieser Fläche, sondern im
Druckmittelpunkt D an.
F  pS  A    g  zS  A (4.18)

Die Abstände (Außermittigkeit) zwischen dem Flächenschwerpunkt S und dem Druckmittel-


punkt D ergeben sich zu:
I11
ey  yD  yS  (4.19)
yS  A

I12
ex  xD  xS  (4.20)
yS  A

78
4 Hydrostatik

Bild 4.10 Wasserdruckkraft F auf eine schräge, unter dem Wasserspiegel liegende ebene
Fläche A

I11 ist das Flächenträgheitsmoment der Fläche A um die Achse 1-1 und I12 das Zentrifugal-
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

moment der Fläche A bezogen auf die durch den Schwerpunkt S gehenden Achsen 1 und 2
(Bild 4.10). Angaben zu Flächenträgheitsmomenten siehe Tabelle 2.9. Bei unterhalb des
Wasserspiegels liegenden symmetrischen Flächen ist ex = 0 und damit wird ey  SD  e. In
Tabelle 4.2 sind für einige symmetrische Flächen die Berechnungsformeln für die Schwer-
punktlage yS und die Außermittigkeit e zusammengestellt.
Rechenbeispiele zu dieser Problematik z. B. für selbsttätig öffnende, unter Wasser liegende
Stauklappen sind in Bollrich (2013) zu finden.

79
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 4.2 Fläche A, Schwerpunktlage yS und Außermittigkeit e bei symmetrisch belasteten


Flächen

zS
Flächenform A yS  ey  e  SD
sin 

h h2
bh y0 
2 12  yS

bs h b  2 s h 2 (b  s )2  2  b  s
h y0   
2 3 bs 18 (b  s )2  yS
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

bh h h2
y0 
2 3 18  yS

d2 d d2
y0 
4 2 16  yS

d2 4r r2
y0 
8 3 14 ,31  yS

a2
a b y0  a
4  yS

80
4 Hydrostatik

4.3 Zerlegung der Druckkraft in horizontale und vertikale Anteile


Im folgenden Abschnitt wird die Zerlegung der hydrostatischen Druckkraft in vertikale und
horizontale Anteile behandelt, was insbesondere für gekrümmte Flächen unerlässlich ist. Da
der Druck auf die differentiale Fläche dA nur von der Entfernung z unterhalb des Wasser-
spiegels
 abhängt, kann ganz allgemein die vektorielle Zerlegung der differenziellen 
Kraft
dF in ihre Komponenten dFx, dFy und dFz durch die Zerlegung des Flächenvektors dA in
seine Projektionsflächen dAx, dAy und dAz erfolgen.

 dF   dA 
  x    x
dF   dFy     g  z  dA    g  z   dAy  (4.21)
   
 dFz   dAz 
Für die Aufteilung der hydrostatischen Druckkraft in den horizontalen (Fx = FH) und
vertikalen (Fz = FA – FV) Anteil erfolgt die getrennte Berechnung mit Hilfe der horizontalen
und vertikalen
 Belastungsflächen und die anschließende Ermittlung des resultierenden
Vektors F , bestehend aus den drei Größen Betrag F, Neigungswinkel  und Angriffspunkt
D mit den Koordinaten xD und zD.

F  Fx2  Fy2  FH2  ( FA  FV )2 (4.22)


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

F F  FV
tan   z  A (4.23)
Fx FH

Der Angriffspunkt D ist abhängig von der Konstruktion und kann über die vektorielle
Addition z. B. mit Hilfe der Schwerpunktlagen der horizontalen und vertikalen Kräfte
(Belastungsflächen) ermittelt werden (Bild 4.11).

Bild 4.11 Zerlegung der Wasserdruckkraft in horizontale und vertikale Anteile

In den nachfolgenden Abbildungen bedeuten:


F = resultierende Belastungskraft aus Wasserdruck
FH = horizontale Belastungskraft
FV = vertikale Belastungskraft (Auflast)

81
Handbuch der Hydraulik

FA = vertikale Belastungskraft (Auftrieb)


SH = Schwerpunkt der horizontalen Belastungsfläche
SV = Schwerpunkt der Auflastfläche
SA = Schwerpunkt der Auftriebsfläche
 = Winkel der resultierenden Belastungskraft zur Horizontalen
D = Druckmittelpunkt der resultierenden Belastungskraft
P = Fußpunkt
xD = horizontaler Abstand des Druckmittelpunktes D vom Fußpunkt
zD = vertikaler Abstand des Druckmittelpunktes D vom Fußpunkt
a = vertikaler Abstand der horizontalen Belastungskraft vom Fußpunkt

4.3.1 Geneigte Seitenflächen


Die in Abschnitt 4.2.3 gezeigte Ermittlung der Belastungskraft auf eine geneigte Stauwand
wird im Bild 4.12 durch eine Zerlegung in horizontale und vertikale Anteile gezeigt.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.12 Zerlegung der Belastungskraft bei einer geneigten Seitenfläche, einseitig belastet

h2
FH    g  b  (4.24)
2
h2
FV    g  b  (4.25)
2  tan 
h2 1 h2
F  FH2  FV2    g  b   1    g  b  (4.26)
2 tan  2 2  sin 

(siehe Gleichung 4.13)


h
zD  a  (4.27)
3
h
xD  (4.28)
3  tan 

82
4 Hydrostatik

4.3.2 Polygonartige Stauwand

Die Aufteilung in horizontale und vertikale Belastungsflächen kann mit Hilfe einer einfachen
Regel erfolgen. Diese wird hier am Beispiel der polygonartigen Stauwand erläutert.
Regel:
Die horizontale Belastungsfläche ergibt sich aus dem horizontalen Druckdreieck bzw. dem
auf die Stauwand wirkenden Anteil. Für die Ermittlung der vertikalen Belastungsfläche lege
man durch den Fußpunkt P der Stauwand eine Lotrechte bis zum Wasserspiegel bzw. seiner
horizontalen Verlängerung. Zwischen der Stauwand, der Lotrechten und dem Wasserspiegel
bzw. seiner horizontalen Verlängerung werden die vertikalen Belastungsflächen ausgebildet.
Dabei sind die mit Wasser gefüllten Flächen, also die auf der Wasserseite der Stauwand,
Auflastflächen und die mit Luft gefüllten, also die auf der Luftseite, Auftriebsflächen.
Die vertikalen Teillastflächen AA und AV zur Berechnung von FA und FV sind geometrisch
zu ermitteln.

Einseitige Belastung:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.13 Polygonartige Stauwand, einseitig belastet, Aufteilung in horizontale und vertikale
Belastungsflächen

h2
FH    g  b  FA    g  b  AA FV    g  b  AV (4.29)
2

F  FH2  ( FA2  FV2 ) (4.30)

F  FV
tan   A (4.31)
FH

83
Handbuch der Hydraulik

Beidseitige Belastung:

Bild 4.14 Polygonartige Stauwand, beidseitig belastet, Aufteilung in horizontale und vertikale
Belastungsflächen

In dem von beiden Seiten im Wasser befindlichen Teil der Stauwand heben sich Auflast
(linke Seite) und Auftrieb (rechte Seite) auf.
FH  FH1  FH2
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(4.32)

F  FH2  FA2 (4.33)

3 3
1 h1  h2
a  2 (4.34)
3 h1  h22

FA
tan   (4.35)
FH

4.3.3 Einfach gekrümmte Stauwand

Bei einer einfach gekrümmten Stauwand ist grundsätzlich eine Aufteilung in horizontale und
vertikale Belastungsflächen vorzunehmen. Die Berechnung dieser Flächen kann durch ihre
Aufteilung in bekannte geometrische Formen erfolgen.

84
4 Hydrostatik
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.15 Teillastflächen der gekrümmten Stauwand bei a) Auflast und b) Auftrieb

h2 h2
FH    g  b  (4.36a) FH    g  b  (4.36b)
2 2
FV    g  b  AV FA    g  b  AA

F  FH2  FV2 F  FH2  FA2


F F
tan   V tan   A
FH FH

Für die beidseitige Belastung gilt die Berechnung analog Abschnitt 4.3.2.

85
Handbuch der Hydraulik

Bild 4.16 Teillastflächen bei beidseitiger Wasserdruckbelastung einer gekrümmten Stauwand

F  FH2  (FA  FV ) 2 (4.37a–c)

F  FV
tan   A
FH
3 3
1 h1  h2
a  2
3 h1  h22
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

4.3.4 Kreiszylinderflächen

Wasserbauliche Staukörper wie Walzen-, Sektor- und Segmentwehre haben in der Regel
kreiszylindrische Stauflächen. Da alle differentialen Wasserdruckkräfte senkrecht an der
Staufläche angreifen und diese damit durch den Kreismittelpunkt verlaufen, geht auch die
Resultierende aller Teillastflächen durch den Kreismittelpunkt M. Der Druckmittelpunkt D
der Resultierenden liegt damit im Winkel  zu diesem Kreismittelpunkt. In den folgenden
Beispielen ist wieder b die Wehrbreite senkrecht zur Zeichenebene.

Kreisförmiges Klappenwehr auf Überfallrücken:

Bild 4.17 Wasserdruckkraft auf ein kreisförmiges Klappenwehr

86
4 Hydrostatik

h2
FH    g  b  (4.38a–d)
2
FV    g  b  AV

F  FH2  FV2

FV
tan  
FH

Segmentschütz unter Wasser:


Segmentschütze werden z. B. als Verschlüsse für Stollenbauwerke eingesetzt. Die Staufläche
befindet sich dabei um die Tiefe z0 unterhalb des Wasserspiegels.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.18 Wasserdruckkraft auf ein Segmentschütz

 z 
FH    g  b   h  0  (4.39af)
 2 

FA    g  b  AA

F  FH2  FA2

F
tan   A
FH

xD  r   cos   cos  

zD  h  z0  r  sin 

87
Handbuch der Hydraulik

Walzenwehr bei vollem Einstau:


Eine Spezialform des Wehres stellt das Walzenwehr dar. Am Beispiel des voll eingestauten
Wehres soll hier die Druckverteilung gezeigt werden. Die Auftriebsfläche entspricht hier
genau dem Halbkreis bzw. das Auftriebsvolumen dem halben Zylinder mit der Breite b.

Bild 4.19 Walzenwehr bei vollem Einstau h = d

h2
FH    g  b  (4.40a–f)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

  h2
FA    g  b  AA    g  b 
8

h2 2
F  FH2  FA2    g  b   1    g  b  h2  0,636
2 16
F 
tan   A 
FH 4

  38 ,15

xD  0 ,393  h

zD  0 ,191  h

Weitere Beispiele für Kreiszylinderflächen:


Weitere Beispiele für die Aufteilung in horizontale und vertikale Belastungsflächen von
Kreiszylinderflächen zeigen folgende Bilder für Walzenwehre mit aufgesetzter Klappe bzw.
mit Sporn, für eine Halbkreisstauwand und für einen Segmentverschluss.

88
4 Hydrostatik

Bild 4.20 Walzenwehr mit a) aufgesetzter Klappe und b) Walzenwehr mit Sporn
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.21 a) Konkave Halbkreisstauwand, b) konvexe Halbkreisstauwand

89
Handbuch der Hydraulik

Bild 4.22 a) Segmentverschluss flach, b) Segmentverschluss steil

Achtung: Falsche Ermittlung der Belastungsflächen einer zylindrischen Stauwand:


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die Auftragung der Wasserdruckpfeile, die alle die jeweilige Länge   g  h besitzen,
senkrecht an der kreiszylindrischen Stauwand angreifen und durch den Kreismittelpunkt
gehen, zeigen zwar als Druckgrößenlinie anschaulich die Größe des Wasserdruckes an jeder
Stelle der Stauwand, ergeben aber als Fläche nicht die Belastungsfläche zur Berechnung der
Resultierenden F.
Die richtige resultierende Kraft erhält man nur aus der Zusammensetzung von horizontaler
(FH) und vertikaler Teilkraft (FV und FA).

Bild 4.23 Veranschaulichung der Druckhöhenwerte auf a) eine Stauklappe und b) ein
Walzenwehr. Die so dargestellte Fläche ist jedoch keine Belastungsfläche!

90
4 Hydrostatik

Beispiel: Nachweis für das Walzenwehr:


Rechenbeispiel für h = 5 m und b = 10 m
– Tatsächliche Größe von F nach Gleichung 4.40:
kN
10 m   5 m   1.559 kN
2
F1    g  b  h2  0,636  0,636  9,81 3
m
– Berechnung mit „falscher Belastungsfläche“:
Für die Berechnung dieser Fläche wird ein Halbkreis mit dem Durchmesser 2 h ge-
zeichnet und davon der Halbkreis des Walzenwehres mit dem Durchmesser h abgezo-
gen. Tatsächlich ist die falsche Belastungsfläche noch etwas größer (siehe Bild 4.23b).
   h2   h2  3 kN
       g  b  h  1,178  9 ,81 3 10 m   5 m   2.889 kN
2 2
F2    g  b   
 2 8  8 m
F2  F1

Weitere Beispiele zu gekrümmten Flächen siehe Bollrich (2013) S. 72–74, Kiseljew


(1972) S. 31 und Martin et al. (2014) S. 26 u. a.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

4.4 Innendruck von Behältern, Kesselformel


Rohrleitung bzw. Kessel mit horizontal liegender Achse (siehe Bild 4.24).
Mittlerer Druck im Druckbehälter:
p=gh

Bild 4.24 Druckbehälter mit Standrohr

91
Handbuch der Hydraulik

Falls h >> d, ergibt sich die Wandstärke aus der sogenannten Kesselformel:
  g hd pd
s  (4.41)
2   zul 2   zul

Darin ist zul die zulässige Spannung in der Rohrwand und p der Druck. In Druckrohrleitun-
gen ist zu beachten, dass zum statischen Druck p noch Druckstöße infolge der Betätigung
von Verschlussorganen hinzukommen (siehe Abschnitt 6.14). In der so berechneten
Wandstärke ist ein Zuschlag für Maßtoleranzen und Korrosion zu berücksichtigen, Näheres
siehe z. B. DIN 2413, DIN 28601 und DIN EN 545 (Anhang A) u. a. Der zulässige Druck p
ergibt sich aus Gleichung (4.42) zu:
2  s   zul
pzul  (4.42)
d S
S – Sicherheitsfaktor (S > 1) vom Hersteller angegeben

Beispiel:
Für ein Rohr aus duktilem Gusseisen mit einem Nenndurchmesser von DN = 600 mm
 d a  635 mm  und einer Mindestzugfestigkeit des Materials von  zul  420 MPa soll für
einen Innendruck von p  40 ,7 bar die Wandstärke s ermittelt werden. Der Sicherheitsfak-
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

tor des Herstellers wird mit S = 3 angegeben.

p   da  2 s   S p  da 4,07 MPa  635 mm


s s   8,97 mm
2   zul   zul   420 MPa 
2  p 2  4,07 MPa 
 S   3 
Die Wandstärke wird mit s = 10 mm oder nach Herstellersortiment gewählt.

Ist die Druckhöhe h in der gleichen Größenordnung wie d, so muss der wegen der trapezför-
migen horizontalen Belastung der an der unteren Rohrwand gegenüber der oberen um
  g  d höhere Druck berücksichtigt werden, und es gilt:
  g hd  d 
s  1   (4.43)
2   zul  6h 

4.5 Flüssigkeitsmanometer
Für die Messungen relativ kleiner Drücke bzw. Druckdifferenzen können Flüssigkeitsmano-
meter verwendet werden. Die Messung beruht auf der Ermittlung des Schweredruckes von
Flüssigkeits- bzw. Sperrflüssigkeitssäulen in vergleichsweise dünnen, durchsichtigen
Röhren.

92
4 Hydrostatik

h
Bild 4.25 a) Standrohr als Manometer und b) U-Rohrmanometer mit Sperrflüssigkeit

Der Druck p1 in der Rohrleitung an dem Punkt der Anbohrung ergibt sich für das Bild 4.25b
mit U-Rohrmanometer und Sperrflüssigkeit zu:
p1  h  S  g  h1  f  g (4.44)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

mit S = Dichte der Sperrflüssigkeit


f = Dichte der in der Rohrleitung befindlichen Flüssigkeit
Für f  S ergibt sich mit h  h  h1 der Druck p1 entsprechend Bild 4.25 a) zu:

p1  f  g  h (4.45)

Sperrflüssigkeiten dürfen sich nicht mit der Flüssigkeit in der Rohrleitung vermischen. Hier
können z. B. Quecksilber und Tetrachlorkohlenstoff (siehe Tafel 3.8), aber auch Tetrabro-
methan, Öl u. a. in Frage. Zur Ablesegenauigkeit u. a. siehe Bohl et al. (2008), S. 366 ff. und
Bollrich (2013), S. 44 ff.
Zur Messung von Druckdifferenzen, beispielsweise um die Druckänderung beim Durchströ-
men eines Venturimeters in der Rohrleitung und damit den Durchfluss zu ermitteln, können
Differenzdruckmanometer gemäß Bild 4.26 verwendet werden.

93
Handbuch der Hydraulik

Bild 4.26 Messung der Druckdifferenz am Venturimeter

Der Druckunterschied des auf die Rohrachse bezogenen Druckes ermittelt sich zu:
 S 
 p  p1  p2    g  hS    1 (4.46)
  
Der Druckhöhenunterschied wird damit zu:

p  
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

 hf  hS   S  1 (4.47)


g   
Bei Messungen mit einem U-Rohrmanometer spielt die Dichte der Sperrflüssigkeit für die
Anzeigegenauigkeit eine wichtige Rolle:
Dichte S wenig größer als die der zu messenden Flüssigkeit: hS  hf
Dichte S mehr als doppelt so groß wie die der zu messenden Flüssigkeit: hS < hf

4.6 Niveauflächen
Niveauflächen sind Flächen gleichen Wasserdruckes. So ist der Wasserspiegel z. B. eines
ruhenden Sees (z = 0) die jeweils oberste Niveaufläche, und alle parallelen Flächen, für
welche z konstant ist, sind ebenfalls Niveauflächen.
Die allgemeine Gleichung der Niveauflächen lautet:
ax  dx  ay  dy  az  dz  0 (4.48)

Wenn außer der Erdbeschleunigung az  g noch weitere Beschleunigungen wie Anfahrts-


beschleunigung, Bremsverzögerung oder Radialbeschleunigung in Behältern wirksam sind,
in denen sich eine ruhende Flüssigkeit befindet, so wird die Niveaufläche als Flüssigkeits-
oberfläche eine geneigte oder gekrümmte Fläche einnehmen.

94
4 Hydrostatik

4.6.1 Kommunizierende Gefäße

Bild 4.27 Kommunizierende Gefäße

In kommunizierenden Gefäßen (siehe Bild 4.27) mit einem Fluid steht trotz unterschiedli-
cher Form, Größe und Neigung der Wasserspiegel bei gleichem Oberflächendruck, z. B.
Luftdruck pamb = konstant, in gleicher Höhe und ist eine Niveaufläche. Davon wird bei der
sogenannten Schlauchwaage Gebrauch gemacht.
Auch die im Bild 4.25b und 4.26 eingetragene horizontale Linie I-I durch das U-
Rohrmanometer ist eine Niveaufläche, also eine Fläche gleichen Druckes.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

4.6.2 Niveaufläche in gleichmäßig beschleunigten Gefäßen


Betrachtet wird ein mit Flüssigkeit gefülltes, offenes Fahrzeug auf einer 1 : n geneigten
Ebene, welches mit der Beschleunigung a = konstant schräg nach oben anfährt. Der sich
schräg einstellende Wasserspiegel im Fahrzeug ist eine Niveaufläche.

Bild 4.28 Niveaufläche in einem gleichmäßig beschleunigten Gefäß

95
Handbuch der Hydraulik

Betrachtet wird ein Masseteilchen dm, auf das in z-Richtung die Fallbeschleunigung g und
damit die Kraft dG  dm  g wirkt. Zur Beschleunigung a wirkt entgegengesetzt die Träg-
heitskraft dFa  dm  a. Die resultierende Kraft dF steht auf dem ausgelenkten Wasserspiegel
senkrecht.
Die Gleichung der Niveaufläche lautet:
 a  cos   dx  0  dy   g  a  sin    dz  0 (4.49)

Für die Neigung des Wasserspiegels ergibt sich:


dz a  cos 
 tan  (4.50)
dx g  a  sin 

Der Wasserspiegel hebt sich an der hinteren Bordwand um:


a  cos 
h  l  tan  l  (4.51)
g  a  sin 

Im Falle einer horizontalen Bewegung (α = 0) ist:


a a
tan  , h  l  (4.52)
g g
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

4.6.3 Niveaufläche in rotierenden Behältern

In rotierenden Behältern, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, wirkt außer der Schwerebeschleu-
nigung g noch die Zentrifugalbeschleunigung

 2 (x )
ax   2  x  (4.53)
x
mit ω = Winkelgeschwindigkeit in s–1
υ(x) = Tangentialgeschwindigkeit in m/s
Die Wasserspiegellinie im Schnitt (Bild 4.29) als Niveaufläche ist hier eine Parabel.

96
4 Hydrostatik
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.29 Wasserspiegellage in rotierenden, kreisrunden Behältern

Die Niveaufläche ist der Wasserspiegel, auf dem die resultierende Kraft dF senkrecht steht.
Die Berechnung (siehe Bild 4.29) gilt für jede Flüssigkeit, da Niveauflächen unabhängig von
der Dichte der Flüssigkeiten sind. Aus der Gleichung der Niveauflächen (4.48) ergibt sich:

2  x
dz   dx  tan   dx (4.54)
g

Nach Integration in den Grenzen z = hmin bis hmax und x = 0 bis r wird:

2  r2
hmax  hmin  (4.55)
2 g

Wegen der Volumengleichheit des in Ruhe befindlichen Zylinders mit dem Wasserstand h
und des bei Bewegung entstehenden Rotationsparaboloids kann auch geschrieben werden:

97
Handbuch der Hydraulik

2  r2
hmax  h  (4.56)
4 g

2  r2
hmin  h  (4.57)
4 g

Die erforderliche Winkelgeschwindigkeit für eine bestimmte Absenkung bzw. Anhebung des
Wasserspiegels wird damit:
2 2
  g   h  hmin    g   hmax  h  (4.58)
r r
Die Neigung der Tangente im Abstand x beträgt

x 2
tan   (4.59)
g

4.6.4 Wasserspiegellage in Gerinnekrümmungen


Die Wasserspiegellage bei strömendem Abfluss in einer Gerinnekrümmung kann ebenfalls
als Niveaufläche mit Hilfe der Zentrifugalbeschleunigung berechnet werden. Mit Glei-
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

chung (4.53) für die horizontale Beschleunigung bei einer konstanten, von x abhängigen
Geschwindigkeit und der Erdbeschleunigung ergibt sich Gleichung (4.60) (Rössert, 1999).

2 r2
h   ln (4.60)
g r1

Bild 4.30 Wasserspiegellage in einer Gerinnekrümmung

98
4 Hydrostatik

Die Wasserspiegellage im Krümmer ist in Wirklichkeit keine Ebene, sondern eine konvexe,
nach außen gekrümmte Fläche. Näheres hierzu findet man z. B. bei Naudascher (1992). In
guter Näherung gibt Naudascher die Formel (Gleichung 4.61) zur Berechnung der Wasser-
spiegeldifferenz in der Krümmung bei strömendem Abfluss an (siehe auch Abschnitt 7.6.3).

2 b
h   (4.61)
g rm

4.7 Auftrieb
Die hydrostatische Auftriebskraft FA ist die vertikale nach oben gerichtete Kraft, wenn
Körper ins Wasser eintauchen. Eine Form des Auftriebes ist die bereits im Abschnitt 4.3
behandelte Kraft FA, die sich bei geneigter Stauwand aus der vertikalen Teillastfläche ergibt
(siehe z. B. Bild 4.15 links). Im Folgenden wird der Auftrieb auf Körper als Bauwerke und
Bauteile betrachtet, die im oder am Wasser errichtet werden und dieser vertikal nach oben
gerichteten Kraft ausgesetzt sind.

4.7.1 Im Wasser eingetauchte Körper


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.31 Auftrieb am eingetauchten,


homogenen Körper

Während sich am eingetauchten Körper die Horizontalkräfte (FH = FX) links und rechts
gegenseitig aufheben, wirkt senkrecht nach unten das Gewicht FG   K  g  VK des Körpers
und vertikal nach oben die Auftriebskraft FA des Wassers, im Körperschwerpunkt S
angreifend.
Die Auftriebskraft FA ist nach Archimedes gleich dem Gewicht der verdrängten Wasser-
masse:
FA    g  V (4.62)

mit  = Dichte des Wassers


V = Volumen des verdrängten Wassers
Ist die Gewichtskraft größer als der Auftrieb (FG > FA), dann sinkt der Körper, ist sie kleiner
als der Auftrieb (FG < FA), dann bewegt sich der Körper an die Wasseroberfläche und
schwimmt. Der Körper taucht noch soweit in das Wasser ein, bis das Gewicht des verdräng-
ten Wassers gleich dem Gewicht des Körpers ist. Schwimmen ist also ein Gleichgewichts-

99
Handbuch der Hydraulik

zustand zwischen Gewichtskraft und Auftriebskraft (FG = FA). Befindet sich der Körper
vollständig unterhalb des Wasserspiegels, ist die Auftriebskraft unabhängig von der
Tiefenlage des Körpers. Allerdings vergrößert sich mit zunehmender Tiefe der auf die
Oberfläche des Körpers wirkende Druck.

4.7.2 Hydrostatischer Auftrieb auf Bauwerke

Im Wasser- und Tiefbau ist dem Auftrieb auf Bauwerke oder Bauteile besondere Beachtung
zu schenken, um Schäden durch Aufschwimmen auszuschließen.
Typische Beispiele für auftriebsgefährdete Bauwerke im Wasser, aber auch und vor allem im
Grundwasser sind in den Bildern 4.25 und 4.26 dargestellt.
Vergleich der vertikalen Kräfte, Nachweis gegen Aufschwimmen: FG > FA
Achtung: Unsymmetrische Belastungen können zum Kippen führen!
Gleichgewicht der horizontalen Kräfte aus Wasserdruck und Erddruck: Kräfte heben sich
auf!
Obwohl beide Bauwerke voll oder teilweise in den Untergrund eingebunden sind, kann sich
der volle Auftrieb wie eingetragen ausbilden und die Standsicherheit gefährden.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.32 Auftrieb FA an der Gründungswanne Bild 4.33 Entnahmeturm oder Pfeiler in
eines Bauwerkes einem Stausee

100
4 Hydrostatik

4.7.3 Hydrodynamischer Auftrieb auf Bauwerke

Neben dem statischen Auftrieb kann sich bei in den Untergrund eingebundenen Bauwerken
auch ein dynamischer Auftrieb ausbilden. Er entsteht, wenn eine Seite des Bauwerkes mit
einem höheren Wasserstand belastet wird, wodurch es zu einem Potentialunterschied kommt,
der im Untergrund abgebaut wird. Auf diese Weise kann sich der dynamische Wasserdruck
ausbilden. Insbesondere bei Staumauern und Wehren, wo das Wasser einseitig stark
angestaut wird, kommt es zur Ausbildung großer Kräfte aus hydrodynamischem Auftrieb.
Bei einer ungleichen Belastung des Bauwerkes heben sich die horizontalen Belastungskräfte
nicht mehr auf und müssen beim Standsicherheitsnachweis des Bauwerkes berücksichtigt
werden. Insbesondere bei Tosbecken hinter Wehren ist der Reparaturfall „leeres Tosbecken“
zu beachten. Das Tosbecken muss auch dann auftriebssicher sein (Lattermann, 1999). Nach
Vischer und Huber (1993) soll die Auftriebssicherheit des Wehrkörpers
FG
  1,2 (4.63)
FA

betragen. Detailliertere Angaben siehe hierzu auch bei Ludewig und Pohl (1990).
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.34 Unterströmtes Bauwerk mit ungleicher seitlicher Wasserdruckbelastung und


hydrodynamischem Auftrieb

Bild 4.34 zeigt ein Beispiel für ein ungleich belastetes Betonbauwerk. Die hydrostatische
Auftriebskraft FAstat. ergibt sich durch das Eintauchen des Körpers in einen gedanklich
ausgeglichenen Unterwasserstand (gestrichelte Linie). Die durch den höheren linken
Wasserstand aufgebaute Druckdifferenz wird entlang der Kontaktlinie zwischen Bauwerks-
sohle und durchlässigem Untergrund linear abgebaut und das damit entstehende Druckdrei-
eck ergibt den an der Sohle angreifenden und vertikal nach oben gerichteten hydrodynami-
schen Auftrieb FAdyn.. Näheres hierzu im Abschnitt 10.5.

101
Handbuch der Hydraulik

4.8 Schwimmen und Schwimmstabilität


Für den Transport von vorgefertigten Bauteilen (z. B. Senkkästen) auf dem Wasserweg, also
schwimmend, sind die Schwimmfähigkeit und die Schwimmstabilität nachzuweisen.

4.8.1 Nachweis der Schwimmfähigkeit

Schwimmfähigkeit eines Körpers besteht dann, wenn sein Eigengewicht geringer als das
Gewicht des durch das Eintauchen des Körpers in das Wasser verdrängbare Volumen ist. Ein
oben offenes Bauteil (siehe Bild 4.35) ist dann mit Sicherheit schwimmfähig, wenn sein
Eigengewicht nur so viel Wasser verdrängt, dass eine genügend große Freibordhöhe
garantiert ist, die das Überlaufen und Einlaufen von Wasser in das Bauwerk auch bei
Wellengang verhindert.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.35 Schwimmender,


oben offener Körper

In Bild 4.35 bedeuten:


FG = Gewichtskraft FA = Auftriebskraft
VK = Körpervolumen VV = Verdrängungsvolumen
A = eingetauchte Grundfläche f = Freibordhöhe
w = Eintauchtiefe h = Bauwerkshöhe
Gleichgewichtsbedingung: FG  FA
FG   K  g  VK  FA    g  VV    g  w  A

Daraus folgt die Eintauchtiefe w und die Freibordhöhe f:


 K  VK
w
A
K  VK
f  hw h  0 (4.64)
A

102
4 Hydrostatik

Bei homogenen Körpern mit VK  A  h wird:

  
f  h  w  h  1  K  (4.65)
  

4.8.2 Nachweis der Schwimmstabilität


Zum Nachweis der Schwimmstabilität wird ein um einen geringen Winkel  aus der
Horizontalen ausgelenkter Körper betrachtet (Bild 4.36). Entscheidend für die Schwimmsta-
 des ausgelenkten Körpers angreifende Auftriebskraft
bilität ist, dass die im Schwerpunkt SV
den Körper aus der Schieflage wieder aufrichtet.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.36 Schwimmstabilität

In Bild 4.36 bedeuten:


M = Metazentrum
SK = Körperschwerpunkt
SV = Verdrängungsschwerpunkt und Angriffspunkt des Auftriebes
S'V = Verdrängungsschwerpunkt im ausgelenkten Zustand
hK = Abstand zwischen SK und SV im nicht ausgelenkten Zustand
hM = metazentrische Höhe
Imin = minimales Flächenträgheitsmoment der Schwimmfläche A (siehe Tabelle 2.9)
I
hM  min  hK (4.66)
VV

103
Handbuch der Hydraulik

Wenn der Körperschwerpunkt SK oberhalb des Verdrängungsschwerpunktes SV liegt, ist hK


positiv. Liegt der Verdrängungsschwerpunkt SV über dem Körperschwerpunkt SK, dann ist
hK negativ und der Körper schwimmt in jedem Falle stabil.

hM > 0 : stabile Schwimmlage

hM < 0 : labile Schwimmlage, Kentern

hM = 0 : indifferente Schwimmlage

Bild 4.37 Kriterien der Schwimmstabilität


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Tabelle 4.3 Beispiele für metazentrische Höhen nach Bohl und Elmendorf (2008)

Schiffsart metazentrische Höhe hM


Frachtschiffe 0,60 bis 0,9 m
Passagierschiffe 0,45 bis 0,6 m
Segelschiffe 0,90 bis 1,5 m
Kriegsschiffe 0,75 bis 1,3 m

Beispiel:
Ein kreisrunder Schwimmkasten, vorgesehen als Fundament für ein Bauwerk, soll in
einem See von ASee = 1,0 ha Spiegelfläche schwimmend zur Einbaustelle transportiert
werden. Zu ermitteln sind a) die Schwimmfähigkeit und b) die Schwimmstabilität.
Außerdem soll unter c) geprüft werden, ob nach dem Versenken des Schwimmkastens an
der Einbaustelle der Wasserspiegel des Sees steigt oder fällt.

104
4 Hydrostatik
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.38 Kreisrunder Schwimmkasten aus Stahlbeton mit einer Dichte von
K = 2.500 kg/m3

a) Überprüfung der Schwimmfähigkeit

Körpervolumen  
VK   5,6 m  3,02  2,52 m2   0,60 m  3,02 m2  65,35 m3

kg m
Körpergewichtskraft FK  VK  K  g  65,35 m3  2,5 3
 9,81  1.602,59 kN
m s2
Schwimmen FK  FV    g  VV

FV 1602,59 kN
Verdrängungsvolumen VV    163,36 m3
  g 9,81 kN/m3

V 163,36 m3
Eintauchtiefe w V   5,78 m  6 , 20 m
A   3,0 2 m 2

Freibord f  h  w  6 , 20 m  5,78 m  0 , 42 m

Der Senkkasten schwimmt! Der Freibord ist mit f = 0,42 m nicht sehr groß, wird aber als
ausreichend angesehen.

105
Handbuch der Hydraulik

b) Überprüfung der Schwimmstabilität


Die Lage des Körperschwerpunktes SK aus dem Momenten-Gleichgewicht um die
Achse 1-1:
mK  a  mSohle  3,1 m (3,1 m = Abstand zwischen Achsen 1-1 und 2-2)
mK   K  VK mSohle   K  VSohle

VSohle    3,02 m2  0,6 m  16,96 m3


m  3,1 m  K VSohle  3,1 m 16,96  3,1 m
a  Sohle    0,8 m
mK K VK 65,35

Lage des Verdrängungsschwerpunktes SV:


SV liegt mittig und genau in der Höhe von w/2 über der Sohle.
w 5,78 m
  2 ,89 m
2 2
Der Körperschwerpunkt liegt genau a = 0,8 m unter der Achse 1-1 und damit 2,6 m über
der Sohle.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Da SK unterhalb von SV liegt, wird der Abstand hK negativ und ergibt sich zu:
hK  SV SK  2 ,60 m  2 ,89 m   0 , 29 m
Damit wird hM positiv und der Senkkasten schwimmt stabil.
Die metazentrische Höhe beträgt mit I min  I0   r 4 /4
I   3, 0 4 m 4
hM  0  hK    0 ,29 m   0 ,68 m
VV 4 163,36 m3

c) Der Schwimmkasten verdrängt im versenkten Zustand sein Körpervolumen von


VK = 65,35 m3. Schwimmend beträgt das verdrängte Wasservolumen VV = 163,36 m3
Wasser, d. h. die Wasserverdrängung nimmt nach dem Versenken ab um:
VV  VK  163,36  65,35  98,01 m3

V  VK 98,01 m3
und der Wasserspiegel fällt um x V   0 ,0098 m  1 cm
ASee 10.000 m 2

106
4 Hydrostatik

4.9 Hydraulische Presse


Eine hydraulische Presse besteht aus zwei Arbeitszylindern unterschiedlicher Größe, die
über einen Druckschlauch verbunden sind und damit Druck und Volumenstrom austauschen
können (kommunizierende Gefäße). Da der Druck bei gleicher Höhenlage (Niveaufläche)
der Zylinder (siehe Bild 4.39) gleich groß ist, ergeben sich für dieses Gleichgewicht
unterschiedliche Kräfte für die Zylinderkolben.
F F2 A
p 1  F1  1  F2 (4.67)
A1 A2 A2

Für eine Bewegung (Hub) muss allerdings der Kolben 2 einen entsprechend größeren Weg
zurücklegen, um den Kolben 1 um ein bestimmtes Maß anzuheben. Dafür ist eine geringere
Kraft F2 erforderlich, um eine größere Last (F1) anzuheben.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 4.39 Hydraulische Presse

107
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
5 Hydrodynamische Grundgleichungen
5.1 Einführung
Die allgemeinen Differentialgleichungen der Strömung basieren auf dem sogenannten
Erhaltungsprinzip, der Lösung der Bilanzgleichungen der Masse, der Energie und des
Impulses. Für inkompressible Fluide, wie z. B. das Wasser, werden die Bilanzgleichungen
der Masse und des Impulses betrachtet. Die Energiebilanz wird vor allem für kompressible
Fluide oder Strömungen mit Wärmetransport ermittelt. Zur Berechnung des Transportes von
Stoffen, von Energie oder Wärme sind weitere Transportgleichungen erforderlich.
Aus der Kräftebilanz an einem differentialen Element entstehen die allgemeinsten Strö-
mungsgleichungen, die Navier-Stokes-Gleichungen (Claude Louis Marie Henri Navier
(1785–1836) und George Gabriel Stokes (1819–1903)). Ihre drei Transportgleichungen des
Impulses in den drei Raumrichtungen, ergänzt mit der Gleichung für den Massenerhalt
(Kontinuitätsgleichung), liefern das Gleichungssystem zur Ermittlung der 4 Unbekannten im
Strömungsfeld, dem Druck p und den Geschwindigkeiten in den 3 Richtungen (x, y, z).
Durch den Bezug auf die Masse des differentialen Elementes setzen sich die Navier-Stokes-
Gleichungen aus einer Summe von Beschleunigungsgliedern zusammen, der lokalen und
konvektiven Beschleunigung der Geschwindigkeit, der Beschleunigungen der äußeren Kräfte
(Gewichtskraft, Corioliskraft), des Druckes und der Reibung.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Unter Vernachlässigung der Reibung gehen die Navier-Stokes-Gleichungen in die Euler-


Gleichungen (Leonhard Euler (1707–1783)) über. Werden die Momentwerte der Geschwin-
digkeiten und des Druckes in den Navier-Stokes-Gleichungen durch ihre zeitlichen
Mittelungen und den Schwankungsgrößen ersetzt, dann ergeben sich die Reynolds
gemittelten Navier-Stokes-Gleichungen (RANS – Reynolds-Averaged-Navier-Stokes) oder
auch Reynolds-Gleichungen (Osborne Reynolds (1842–1912)) genannt. Der aus der
Mittelung zusätzlich entstandene Reibungs-Term der turbulenten Schwankungsgrößen wird
als Reynolds-Spannungstensor bezeichnet. Er erfordert die empirische Interpretation der
turbulenten Reibung (Turbulenzmodelle) und damit die Lösung eines gegenüber der
direkten numerischen Simulation (DNS) vereinfachten und mit der zz. verfügbaren
Rechentechnik lösbaren numerischen Modells. Da 6 weitere Unbekannte aus dem turbulen-
ten Spannungsterm zu ermitteln sind, spricht man vom Schließungsproblem der RANS.
Die Kontinuitätsgleichungen werden für reibungs- und rotationsfreie Strömungen und mit
der Stromfunktion der Geschwindigkeit als Potentialfunktion zur Laplace-Gleichung
(Pierre-Simon Laplace (1749–1827)). Die Flachwassergleichungen sind tiefengemittelte
Strömungsgleichungen zur Berechnung zweidimensionaler Strömungen mit freier Oberflä-
che. Die Reduzierung der Strömungsgleichungen auf eine Strömungsrichtung, z. B. entlang
der Stromlinie eines Flusses, erfolgt unter Berücksichtigung der zeitlichen Änderungen des
Durchflusses und des Wasserstandes mit Hilfe der Saint-Venant-Gleichungen (Adhémar
Jean Claude Barré de Saint-Venant (1797–1886)). Für die Berechnung der Strömung in
Rohrleitungen, aber auch im Freispiegelabfluss wird die Energiegleichung von Bernoulli
(Daniel Bernoulli (1700–1782)) mit dem Reibungsansatz von Darcy und Weisbach

109
Handbuch der Hydraulik

(Henry Darcy (1803–1858), Julius Ludwig Weisbach (1806–1871)) zur Berechnung der
Strömung verwendet. Die stationäre Berechnung der eindimensionalen Freispiegelströmung
erfolgt mit Hilfe von Fließformeln, wie sie z. B. von Brahms und de Chézy (Albert Brahms
(1692–1758), Antoine de Chézy (1718–1798)) oder von Manning und Strickler (Robert
Manning (1816–1897), Albert Strickler (1878–1963)) aufgestellt wurden oder mit der
universellen Fließformel auf der Grundlage des Ansatzes von Darcy und Weisbach analog
der Strömungsberechnung in Druckrohren.

5.2 Begriffe und Definitionen


Die Hydrodynamik ist die Lehre von der Bewegung von Flüssigkeiten unter dem Einfluss
von Kräften. Dazu zählen als äußere Kräfte die Schwerkräfte, die Druckkräfte, die Reibungs-,
Elastizitäts- und Kapillarkräfte sowie die Beschleunigungs- oder Trägheitskräfte. Eine
Flüssigkeit stellt ein Kontinuum dar und sie wird durch den Druck, die Geschwindigkeit, die
Dichte und andere Strömungsgrößen charakterisiert. Druck und Geschwindigkeit sind
Variablen, die Dichte wird als Stoffgröße bezeichnet. Der Betrachter definiert die Bewegung
des Fluids von seinem Standpunkt aus. Die Lagrange’sche Betrachtungsweise bindet den
Beobachter an die sich bewegenden Teilchen im Inneren der Strömung. Die Eulerʼsche
Betrachtungsweise erfolgt von einem festen Punkt aus von außen auf die Strömung.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Es werden drei Gruppen von Strömungen unterschieden, die Linienströmung als eindimensi-
onale Strömung (1D), die ebene- bzw. Flächenströmung als zweidimensionale Strömung
(2D) und die räumliche als dreidimensionale Strömung (3D).
Strömungsarten werden in stationäre Strömungen (zeitunabhängige) und instationäre
Strömungen (zeitabhängige) sowie in gleichförmige (wegunabhängig) und ungleichförmige
(wegabhängige) Strömungen unterschieden.

Konfusor

Bild 5.1 Definition der gleichförmigen und ungleichförmigen Strömung

Die Beschleunigung bzw. Verzögerung der Strömung kann wie im Bild 5.1 dargestellt
ortsabhängig und/oder zeitabhängig erfolgen. Man spricht von der instationären beschleunig-
ten oder instationären verzögerten Bewegung. Aus dem totalen Differential des Geschwin-
digkeitsvektors  (s,t) abgeleitet nach der Zeit wird die lokale und konvektive Beschleuni-
gung der Strömung (Gleichung (5.1)). Die sich daraus ergebenden Trägheitskräfte wirken
immer und überall in der Strömung.

110
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

d  
   (5.1)
dt t s
Jede Änderung des Bewegungszustandes von Fluiden ist mit Kraftänderungen verbunden.
Stromlinien sind die Kurven im Geschwindigkeitsfeld einer Strömung, deren Tangenten-
richtung mit den Richtungen der Geschwindigkeitsvektoren übereinstimmen. Das Vektor-
produkt des Linienelementes ds und des Geschwindigkeitsvektors ist für die Stromlinie null.

 ds
 (5.2)
dt
 
  ds  0 (5.3)
Eine Röhre, deren Mantel aus Stromlinien gebildet wird, heißt Stromröhre. Zwischen
Stromröhren findet kein Flüssigkeitsaustausch statt, da die normale Geschwindigkeit im
Mantel der Stromröhre auf den Stromlinien null ist. Eine Bahnlinie ist der von einem
Strömungsteilchen im Strömungsfeld nachgezeichnete Pfad. Insbesondere in turbulenter
Strömung unterscheidet sich die Bahnlinie von der Stromlinie.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 5.2 Definition von Stromlinien und Stromröhre

Die wohlgeordnete Bewegung der Flüssigkeitsteilchen auf voneinander getrennten Bahnen,


die sich gegenseitig nicht durchdringen, wird als laminare Strömung bezeichnet. Beginnen
die z. B. mit Farbe markierten Teilchen auf völlig regellosen Bahnen sich einander zu
durchdringen und haben wechselnde, von der Hauptströmungsrichtung abweichende
Geschwindigkeitsrichtungen, dann handelt es sich um turbulente Strömung. Die dimensi-
onslose Zahl zur Charakterisierung dieser Strömungen ist die Reynolds-Zahl (Re), die von
der mittleren Geschwindigkeit  der Strömung, vom Durchmesser d der Rohrleitung
(Stromröhre) und von der temperaturabhängigen kinematischen Viskosität  T  f (T ) als
Stoffparameter abhängt. In der Natur sind turbulente Strömungszustände in der Regel bei
Re-Zahlen größer 105 vorherrschend.
 d
Reynolds-Zahl Re  ReKrit = 2320 (5.4)
T

111
Handbuch der Hydraulik

laminare Strömung: Re  ReKrit

turbulente Strömung: Re  ReKrit

Die Schwankungsgröße der Geschwindigkeit ‘ um den zeitlichen Mittelwert  hebt sich


durch die zeitliche Mittelung auf, ist aber für die Berücksichtigung der Turbulenz und der
turbulenten Reibung eine wichtige Größe.
Schwankungsgröße der Geschwindigkeit     (5.5)

'2
Turbulenzgrad der Geschwindigkeit Tu  (5.6)

Turbulente Schubspannung     's  'n (5.7)


Schubspannungsgeschwindigkeit *    's  'n (5.8)

Neben der völlig regellosen und chaotischen Bewegung der Teilchen in der Strömung, der
Strömungsturbulenz, gibt es die geordnete Drehung eines Flüssigkeitsteilchens um seine
Drehachse, die Rotation der Strömung. Die mathematische Formulierung der Wirbelfrei-
heit (rotationsfrei) lautet:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Rotationsfreiheit: rot  2        0 (5.9)


Laminare Strömungen können durchaus wirbelbehaftet und turbulente wirbelfrei sein. Wenn
allgemein von Wirbeln in der Strömung, also der Bewegung einer Flüssigkeitsmasse um eine
Drehachse gesprochen wird, dann muss diese Bewegung nicht unbedingt wirbelbehaftet sein.
Für diese Bewegung gibt es zwei Definitionen, den sogenannten Festkörperwirbel, der
wirbelbehaftet ist, und den Potentialwirbel oder Strudel, der wirbelfrei ist.

Festkörperwirbel:   r (5.10)

C
Potentialwirbel:  (5.11)
r

Unter dem Begriff der Zirkulation versteht man das Linienintegral der Geschwindigkeit
längs einer beliebig geschlossenen Linie.

112
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

Wird eine Strömung als reibungsfrei betrachtet, dann spricht man von einer idealen
Strömung bzw. von einem idealen Fluid. In der realen Strömung (reales Fluid) verringert
sich deren hydraulische Energie durch Verluste, die in Wärmeenergie umgewandelt werden.
Die hydraulischen Verluste sind einerseits kontinuierliche Energieverluste, die durch die
Bewegung der Strömung an einer Kontaktfläche (Wandreibung), durch die Scherströmung
und durch die Turbulenz der Strömung (Energiedissipation) entstehen oder es sind
andererseits örtliche Energieverluste, die infolge der Umwandlung erhöhter kinetischer
Energie in einem begrenzten Raum der Strömung z. B. infolge Einschnürung, Umlenkung
oder Ablösung entstehen. Die Projektion der kontinuierlichen Energieverluste auf die
Schubspannung an der Kontaktfläche zwischen Wasservolumen und Wand, der benetzten
Fläche, macht das Verhältnis von Fließfläche A zum benetzten Umfang zu einer wichtigen
hydraulischen Kennzahl. Die Fließfläche wird von den Stromlinien senkrecht durchstoßen.
Das Verhältnis aus Fließfläche A und benetztem Umfang lU wird als hydraulischer Radius
bezeichnet.
A
hydraulischer Radius rhy  (5.12)
lU

In unendlich langen Gerinnen stellt sich zwischen den treibenden Kräften aus der anteiligen
Gewichtskraft, Hangabtriebskraft, und den bremsenden Kräften, der Reibungskraft, ein
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Gleichgewicht ein. Die sich aus diesem Gleichgewicht ergebende Wassertiefe wird als
Normalabflusstiefe bezeichnet.
Beim Abfluss mit freier Oberfläche breiten sich Störungen mit der Wellenfortpflanzungsge-
schwindigkeit aus, die in flachen Gerinnen auch als Grenzgeschwindigkeit bezeichnet wird
(siehe Abschnitt 5.5 und Kapitel 7).

5.3 Kontinuität
Die Kontinuität in der Flüssigkeitsmechanik bezeichnet die Erhaltung der Masse in Raum
und Zeit. Ganz allgemein werden die Gleichungen der Hydrodynamik aus einem Gleichge-
wicht am „unendlich kleinen“ oder „differentialen“ Element (genügend klein im Vergleich
zur Größe des betrachteten Volumens des Strömungsfeldes) abgeleitet.

Bild 5.3 Gleichgewicht am differentialen


Element in x-Richtung

113
Handbuch der Hydraulik

  x  
 dQx   dx  dAyz  x  dx  dy  dz  x  dV
x x x

  y  y
 dQ  dQx  dQy  dQz  0  S   dQy 
y
 dy  dAxz 
y
 dV

  
 dQz  z  dz  dAxy  z  dV
 z z
(5.13)
mit S = Quelle oder Senke
Als Quelle oder Senke S wird in Gleichung (5.13) das Hinzufügen oder Wegnehmen von
Wasser innerhalb des differentialen Elementes bezeichnet.
Durch die Division mit dem differentialen Volumenelement dV kann die Kontinuität mit
folgender Differentialgleichung dargestellt werden. In den einzelnen Fachgebieten werden
unterschiedliche Schreibweisen bevorzugt, die Operatorschreibweise mit dem Nabla-
Operator , die symbolische Schreibweise mit der Divergenz div oder die Tensor-
Schreibweise mit unterschiedlichen Indizes wie z. B. i = x, y, z bzw. xi = x, y, z.
  v  y z
   div   i  x   0 (5.14)
xi x y z
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die Integration dieser Gleichung liefert die Aussage, dass die Summe aller Durchflüsse
konstant sein muss. Mit der Definition des Durchflusses Q als Produkt aus mittlerer
Fließgeschwindigkeit  und durchflossener Fläche A in einer Rohrleitung bzw. dem Integral
der Geschwindigkeit  über die Fließfläche A wird dieser Wert in jedem Querschnitt gleich
groß und es kann geschrieben werden:
Q  1  A1  2  A2 bzw. Q  konstant (5.15)

Bild 5.4 Definition der Kontinuität

114
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

5.4 Allgemeine Strömungsgleichungen


Aus der Kräftebilanz am differentialen Strömungs-Element bezogen auf deren Masse
ergeben sich folgende Beschleunigungsglieder:

i
lokale Beschleunigung (5.16)
t
i
konvektive Beschleunigung j (5.17)
x j

 2    y  sin 
 
Beschleunigung aus äußeren Kräften fi   2    x  sin  (5.18)
 g 
 
1 p
Beschleunigung aus Druckkräften (5.19)
 xi

  i 
Beschleunigung aus viskoser Reibung
x j  T x  (5.20)
 j 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46


Beschleunigung aus turbulenter Reibung
x j
 
i j (5.21)

Der Spannungstensor    i  j  der turbulenten Reibung wird auch als Reynolds-
Spannung bezeichnet.
Mit den genannten Gleichungen (5.16) bis (5.21) können die drei Differentialgleichungen
der Strömung nach Euler, Navier-Stokes und Reynolds (Reynolds Averaged Navier-Stokes
Equations – RANS) oder Elemente daraus für die verschiedensten Aufgaben der Hydraulik
zusammengesetzt werden. Als weiterführende Quellen dazu werden die Vorlesungsskripte
von Malcherek (2008) empfohlen.

115
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 5.1 Anwendung der Strömungsgleichungen

i  i 1 p
Euler-Gleichung + j = fi – (5.22)
t x j  xi

Navier-Stokes- i  i 1 p   i 


+ j = fi – +  T  (5.23)
Gl. t x j  xi x j  x j 

i  i 1 p   i  
RANS-Gl. (5.24)
t
+ j
x j
= fi –
 xi
+  T  –
x j  x j  x j
 
i j

Beschleunigung
lokal konv. Kraft Druck Reibung Turbulenz
Strömungen
Potential-
√ √
strömung
Platten-
√ √
Grenzschicht

Rohrströmung √ √ √
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1D-Fluss-
(√) √ √ √
strömung
tiefengemittelte
(√) √ √ √
Strömung (2D)

Umströmungen √ √ √ √ √ (√)

3D-Räumliche
√ √ √ √ √
Strömung DNS
3D-Räumliche
√ √ √ √ √ (√)
Strömung LES
3D-Räumliche
Strömung √ √ √ √ √ √
RANS

In den Gleichungen (5.16) bis (5.24) werden folgen Definitionen verwendet:

 x 
  
Vektor von : i   y  (5.25)
 
 z 

 i    y z
Divergenz von  :  div   x   (5.26)
xi x y z

116
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

 p 
 
 x 
p  p 
Gradient von p:  grad p    (5.27)
xi y
 
 p 
 
 z 

  x  x  x
 x y z 
 
 i    y  y  y
Gradient von  :  grad     (5.28)
x j  x y z 
  z z 
 z 
 x y z 

  2 2 2 
 x   x   x 
 x 2 y 2 z 2 
 2 2 2 
  i     y  y  y 
Divergenz des Gradienten:    div grad      2  (5.29)
x j  x j   x
2
y 2 z 
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

 2 2 2 
  z   z   z 
 x 2 y 2 z 2 


Bei rotationsfreien (wirbelfreien) Strömungen ( rot   0 ) kann die Geschwindigkeit als

Potentialfunktion  (   grad  ) definiert werden. Setzt man diese in die Kontinuitätsglei-
chung ein, erhält man die Laplace-Gleichung für reibungs- und rotationsfreie Strömungen.

  2  2  2
div   div grad   2  2  2  0 (5.30)
x y z

5.5 Bernoulli-Gleichung
Aus der Euler-Gleichung für ideale Strömung oder der wirbel- und rotationsfreien Navier-
Stokes-Gleichung für reale Strömungen ergibt sich die Bernoulli-Gleichung. Die wird ohne
bzw. mit Berücksichtigung von Verlusten, in der Regel für stationäre Strömungen, aber auch
für instationäre dargestellt werden. Die Integration der eindimensionalen Navier-Stokes-
Gleichung bzw. die Energiebetrachtung in der Wasser-Strömung entlang des Fließweges s in
einer Stromröhre liefert die Bernoulli-Gleichung (5.33). Diese Energiegleichung stellt das
Gleichgewicht der potentiellen, der kinetischen und der Verlustenergie entlang des
Fließweges z. B. zwischen zwei Schnitten 1 und 2 einer Stromröhre nach Bild 5.5 dar.

  h h V
eindimensionale Navier-Stokes-Gleichung:  g g 0 (5.31)
t s s s

117
Handbuch der Hydraulik

p h V
mit h  z  und  IE
g s

 s  2 p
instationäre Bernoulli-Gleichung:     z  hV  hE (5.32)
t g 2 g   g

Innerhalb einer Rohrleitung (Stromröhre) gilt in den Schnitten 1 und 2 (siehe Bild 5.5) die
Kontinuität 1  A1  2  A2 und die Gleichung der Energiehöhe hE mit Berücksichtigung der
Verlusthöhe hV:

12 p1 2 p
stationäre Bernoulli-Gleichung: hE    z1  2  2  z2  hV (5.33)
2g g 2g   g
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 5.5 Verlauf der stationären Energie- und Drucklinie im Rohr

5.6 Fließwechsel
Für den Freispiegelabfluss gilt die Bernoulli-Gleichung analog, wobei die Druckhöhe als
Wasserstand definiert ist, der zusätzlich über die Kontinuität die Geschwindigkeit beein-
flusst. Die Lösung dieser Gleichung ist damit nicht mehr eindeutig. Wird die Geschwindig-
keit über die Kontinuitätsgleichung durch den Durchfluss ersetzt, ergibt sich für den
Wasserstand eine Gleichung 3. Grades. Eine der drei Lösungen ist unrealistisch. Einer
Energiehöhe sind real zwei Wasserstände und die entsprechenden Geschwindigkeiten
zuzuordnen. Eine kleine Geschwindigkeit und ein großer Wasserstand (strömender Abfluss)
sowie eine große Geschwindigkeit und ein kleiner Wasserstand (schießender Abfluss). Für
den ebenen Fall (q  Q /b) bei horizontaler Sohle mit z = 0 gilt:

2 q2
hE  h h (5.34)
2g h2  2 g

Am Wendepunkt der Funktion der Energiehöhe, dem Energieminimum dhE /dh  0 stellt
sich die Grenzwassertiefe hgr ein. Aus der Extremwertbetrachtung der Gleichung (5.34) der

118
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

Energiehöhe ergibt sich für den ebenen Fall (Rechteckgerinne) die Grenzwassertiefe hgr
(Grenze zwischen Schießen und Strömen) zu:

Q2 q2 2
hgr  3 3   hEMin (5.35)
b2  g g 3

Bild 5.6 Verlauf der stationären Energie- und Drucklinie im Freispiegelkanal

Der Übergang vom strömenden zum schießenden Abflusszustand erfolgt kontinuierlich, z. B.


beim Gefällewechsel oder bei der Überströmung eines Wehres. Der Übergang vom
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

schießenden zum strömenden Abfluss erfolgt diskontinuierlich und turbulent, in der Regel
als sogenannter Wechselsprung (siehe Ausführungen dazu im Abschnitt 7.4).

Bild 5.7 Energiehöhe als Funktion der Wassertiefe bei Freispiegelabfluss im unendlich breiten
Gerinne für konstanten Abfluss q

119
Handbuch der Hydraulik

5.7 Wellenausbreitung
Im Wasser mit freier Oberfläche breiten sich Störungen mit der Wellenfortpflanzungsge-
schwindigkeit c aus. Wenn die Wassertiefe gegenüber der Wellenlänge klein ist, ist diese
Geschwindigkeit:

c  g h (5.36)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 5.8 Wellenausbreitungsgeschwindigkeit c in Abhängigkeit von der Wellenlänge 

Für die Wellenausbreitung allgemein gilt (Munson, Young, & Okiishi, 2002):
g   h
c  tanh  2     (5.37)
2    
Für den Abfluss in einem Gerinne lässt sich diese Geschwindigkeit aus dem Extremalprinzip
der Energiegleichung (5.34) als Grenzgeschwindigkeit gr ableiten zu:

A
c  gr  g   g h (5.38)
bW

Dabei ergibt sich die Breite des Wasserspiegels aus bW  dA/dh. Aus dem Verhältnis der
Fließgeschwindigkeit zur Wellenausbreitungsgeschwindigkeit wird die dimensionslose
Froude-Zahl zu:

Fr  (5.39)
g h

120
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

stehendes strömendes Grenzzustand schießendes


Gewässer Gewässer stehende Welle Gewässer
 = 0  < c  = c  > c
Fr = 0 Fr < 1 Fr = 1 Fr > 1
2 2 2
h = hE hgr   hE  h  hE h  hgr   hE h  hgr   hE
3 3 3

Bild 5.9 Ausbreitung von Oberflächenwellen (Störungen) im Wasser mit freier Oberfläche
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

5.8 Flachwassergleichungen
Die Reduzierung der Navier-Stokes-Gleichungen und der Kontinuitätsgleichung auf ein
ebenes Strömungsproblem mit freier Oberfläche führt zu den Flachwassergleichungen.
Wegen der geringen Wassertiefe gegenüber der horizontalen Ausdehnung in x- und y-
Richtung kann die Geschwindigkeit in vertikaler Richtung vernachlässigt und die horizontale
Geschwindigkeit des Wassers als Mittelwert über die Wassertiefe definiert werden. In der
Kontinuitätsgleichung wird neben der Änderung des Volumenstromes mit dem Weg die
Änderung des Wasserspiegels mit der Zeit berücksichtigt.

Bild 5.10 Element aus der Wasserströmung

h qx qy
Kontinuitätsgleichung:   0 (5.40)
t x y

121
Handbuch der Hydraulik

Flachwassergleichung in x-Richtung:

qx   qx2 h2     qx  q y  
  g  h  T  x    h  T  x   g  h   I Rx  ISx   0
t x  h 2 x  y
  h y 
und in y-Richtung: (5.41)

qy  qx  qy  y    qy2 h2  y 
 
t x  h
 h  T   
x  y  h
g
2
 h  T 
y 
 
  g  h  I Ry  ISy  0
 
mit qx   x  h, qy   y  h,  T  Viskosität, IR = Reibungsgefälle, IS = Sohlgefälle

Als Anfangs- und Randbedingungen werden der zeitabhängige Zufluss und ein Anfangswas-
serstand definiert. Für schießenden Abfluss (Fr > 1) können weitere Randbedingungen
erforderlich sein. Die Anwendungsgrenzen der Flachwassergleichung sind sehr gut bei
Müller (1995) dokumentiert. Die Wassertiefe h ist kleiner als 5 % der Wellenlänge.

5.9 Saint-Venant-Gleichungen
Als Saint-Venant-Gleichungen werden die vereinfachte eindimensionale dynamische
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Abflussgleichung, gekoppelt mit der Kontinuitätsgleichung, bezeichnet. Sie ermöglichen die


instationäre Wasserspiegellagenberechnung z. B. für gestreckte Flussläufe mit regelmäßigen
Querschnitten. Sie setzen eine hydrostatische Druckverteilung voraus, die durch eine
Wassertiefe ersetzt werden kann, und es werden über den Querschnitt eine konstante mittlere
Fließgeschwindigkeit und ein konstanter Wasserspiegel angenommen. Die Lösung dieser
Gleichungen ist sowohl als Anfangs- und Randwertproblem als auch mit dem sogenannten
Charakteristiken-Verfahren möglich. Anfangs- und Randbedingungen sind Zuflussgangli-
nien und durchflussabhängige Wasserstände (Schlüsselkurven).
A Q
Kontinuitätsgleichung:  0 (5.42)
t s
Bewegungsgleichung in Fließrichtung:

Q   Q2  h
     g  A   cos   g  A   I E  IS   0 (5.43)
t s  A 
 s

Der Geschwindigkeitshöhenausgleichsbeiwert  ( ≥ 1) definiert die ungleiche Verteilung


der Geschwindigkeit über den Querschnitt A und  die Gerinneneigung (cos  ≤ 1). Für
Gerinne mit einer kontinuierlichen Querschnittsveränderung und geringer Sohlneigung
werden diese beiden Einflüsse vernachlässigt ( = 1, cos  = 1).

122
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

Bild 5.11 Gerinneabschnitt in der Ansicht und im Längsschnitt

5.10 Abflussformeln
Die hydraulische Leistungsfähigkeit bzw. das Abflussvermögen eines Flusses oder Gerinnes
wird mit Hilfe von Fließformeln bei Normalabfluss (stationär gleichförmig) ermittelt. Diese
Gleichungen basieren auf dem Gleichgewicht zwischen der antreibenden Kraft – der
anteiligen Schwerkraft in der Fließrichtung (x-Richtung), und der bremsenden Kraft – der
Reibungskraft.
Schwerkraft (anteilig): dFG  dm  g  sin     A  ds  g  sin  (5.44)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Reibungskraft: dFR   0  lU  ds (5.45)

Die hydraulischen Verluste werden bei dieser Annahme als Reibungskraft auf die Kontakt-
fläche zwischen Wasser und Wand projiziert und als Wandschubspannung  0 definiert. In
empirischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass für in der Natur übliche turbulente
Strömungen diese Wandschubspannung proportional zum Geschwindigkeitsquadrat ist und
dass sie zusammen mit einem Widerstandsbeiwert  aus Gleichung (5.46) ermittelt werden
kann. In diesem empirischen Widerstandsbeiwert  werden nun alle Abhängigkeiten von der
Rauheit des Gerinnes über dessen Form bis zur Geschwindigkeit interpretiert (siehe
Kapitel 7).

Wandschubspannung:  0     2 (5.46)
8

Bild 5.12 Gleichgewichtszustand für


stationär gleichförmiges Fließen

Das Gleichgewicht dieser Kräfte aus den Gleichungen (5.44) und (5.45) unter Berücksichti-
gung der Gleichung (5.46) ergibt die Gleichung (5.47) für die mittlere Geschwindigkeit der
Strömung:

123
Handbuch der Hydraulik

8 g A
   sin   C  rhy  IS (5.47)
 lU

Bei stationär gleichförmigem Abfluss entspricht das Energieliniengefälle IE dem Sohl-


gefälle IS. Die klassische Form der Fließformel ergibt sich nach Brahms und de Chezy zu:
A
Q  A   A  C  rhy  I E mit rhy  (5.48)
lU

Der Geschwindigkeitsbeiwert C wurde hier als nur von der Rauheit des Gerinnes abhängiger
Beiwert betrachtet. Es ist aber bekannt, dass neben der Wandrauheit auch die geometrische
Form und die Turbulenz der Strömung diesen Wert beeinflussen.
Die in der Praxis meist verwendete Fließformel von Gauckler, Manning und Strickler wird
wegen der zahlreichen Erfahrungswerte hinsichtlich der Gerinnerauheit als Strickler-Beiwert
kSt bzw. Manning-Beiwert n = 1/kSt bevorzugt und lautet:
2 / 3 1/ 2 A
Q  A   A  kSt  rhy  IE mit rhy  (5.49)
lU

Die aus dem Gleichgewicht der Kräfte abgeleitete Formel (Gleichung (5.50)) wurde von
Darcy und Weisbach für die Rohrhydraulik entwickelt und gewinnt immer mehr für die
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Abflussberechnung in Fließgewässern an Bedeutung. Der Reibungsbeiwert  berücksichtigt


nicht nur die Rauheit der Sohle des Gerinnes (k) und die Turbulenz der Strömung (Re),
sondern auch die Form des Gerinnes (f). Analog zur Rohrströmung werden örtliche Verluste
im Fluss, wie z. B. Bäume und Sträucher im Wasser, berücksichtigt und nicht wie beim
Strickler-Beiwert pauschal bewertet (DVWK 1991, BWK 2000). Näheres im Kapitel 7.
1
Q  A   A  8  g  rhy  I E (5.50)

mit   f (Re, f , k /d hy ,  B )

5.11 Impuls- und Stützkräfte


Die Impulskraft in der Hydromechanik definiert nach dem zweiten Newton‘schen Gesetz die
Änderung des Impulses nach der Zeit, also einen Massenstrom mal Geschwindigkeitsvektor
oder auch Impulsstrom bezeichnet. Jede Richtungs- oder Betragsänderung der Geschwindig-
keit führt zu einer Kraftübertragung auf die Umgebung der Strömung. Nach dem dritten
Newton‘schen Gesetz treten Kräfte immer paarweise auf (Aktion = Reaktion). In einem
abgeschlossenen System muss die Summe aller Kräfte gleich null sein. Neben der Kraft aus
der Bewegung der Strömung wirken vor allem die Schwerkraft und die Druckkräfte auf das
abgeschlossene System, das auch als Kontrollvolumen bezeichnet wird. Vorteil dieser
Methode, in der Hydromechanik als Stützkraftsatz bekannt, ist die ausschließliche Betrach-
tung der äußeren Kräfte am Kontrollvolumen. Die inneren Vorgänge bleiben wie bei einer
„Blackbox“ unberücksichtigt.

124
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

  
Stützkraft allgemein: S    Q   p  A (5.51)

Bild 5.13 Stützkraftsatz am Druckrohr

Bild 5.13 zeigt ein Beispiel für die Druckrohrströmung. Mit diesem Ansatz können z. B. die
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Lagerkräfte eines Krümmers berechnet werden.


Für den Freispiegelabfluss wird das Kräftegleichgewicht meist für eine Richtung, z. B. die
Strömungsrichtung aufgestellt. Die Druckkräfte in der Stützkraft ergeben sich hier aus der
hydrostatischen Druckverteilung.
Stützkraft im Flussquerschnitt, horizontal: S    Q     g  zS  A (5.52)

mit zS = vertikaler Abstand des Flächenschwerpunktes zum Wasserspiegel.

Bild 5.14 Druckkraft auf


unterströmte Schütztafel

Aus dem Gleichgewicht der Kräfte, die am Kontrollvolumen (Bild 5.14) angreifen, kann die
unbekannte Kraft F auf eine Schütztafel ermittelt werden. Die an der Sohle des Gerinnes
angreifenden Reibungskräfte werden dabei in der Regel vernachlässigt.

h12 h2
Kräftegleichgewicht: F  S1  S2    Q 1    g  b     Q 2    g  b  2 (5.53)
2 2

125
Handbuch der Hydraulik

5.12 Ausgleichsbeiwerte
Die Geschwindigkeiten und die Druckwerte in der Strömung werden in einem Berechnungs-
querschnitt in der praktischen Anwendung meist als Mittelwerte berücksichtigt. In der
Rohrströmung ist der Druck ein mittlerer Wert im Fließquerschnitt, obwohl bekannt ist, dass
er z. B. in Krümmungen nicht konstant verteilt ist. Die Geschwindigkeitsverteilung
unterscheidet sich im Rohr sehr stark zwischen der laminaren und turbulenten Strömung. Im
Freispiegelabfluss kann es in einem Querschnitt zu Rückströmungen kommen. Durch
Ausgleichsbeiwerte kann in den eindimensionalen Gleichungen eine Korrektur erfolgen. Als
mittlerer Druck wird der Druck in der Achse einer Rohrleitung bezeichnet und als mittlere
Geschwindigkeit die aus der Kontinuitätsgleichung berechnete Geschwindigkeit. Der
Ausgleich der kinetischen Energie (Geschwindigkeitshöhe) erfolgt mit dem Geschwindig-
keitshöhenausgleichsbeiwert , auch Energiestrombeiwert, der größer als 1 wird. In
turbulenten Strömungen wird  = 1,01 bis 1,1 und in laminarer Rohrströmung  = 2.
1
Geschwindigkeitshöhenausgleichsbeiwert:  3
   3 (A)  dA  1 (5.54)
 A A

2
Ausgleich der Geschwindigkeitshöhe: hKin    (5.55)
2g
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Für den Ausgleich der potentiellen Energie ist das der Druckhöhenausgleichsbeiwert . Er
ergibt sich bei konvexen Krümmungen der Stromlinien z. B. über ein rundes Wehr zu   1
und bei konkaven Krümmungen, z. B. beim Ausfluss, zu   1.
1
hP  Q A
Druckhöhenausgleichsbeiwert:    (A)  hP (A)  dA  1 (5.56)

 p 
Ausgleich der potentiellen Energiehöhe: hP     z   (5.57)
  g 

Der Druckkraftausgleichsbeiwert   wird in der Stützkraftgleichung berücksichtigt und liegt


analog zum Druckhöhenausgleichsbeiwert meist nahe 1.
1
p  A A
Druckkraftausgleichsbeiwert: '   p(A) dA (5.58)

Ausgleich der Druckkraft: Fp   '  p  A (5.59)

Der Impulsausgleichsbeiwert  wird in der Stützkraftgleichung berücksichtigt. Er wird stets


größer als 1. Da er sich nur wenig von 1 unterscheidet, wird er meist vernachlässigt.
1
Impulsausgleichsbeiwert: '  2
   2 (A) dA (5.60)
 A A

Ausgleich der Impulskraft: FI   '    Q  (5.61)

126
5 Hydrodynamische Grundgleichungen

5.13 Filtergesetz von Darcy


Das Filtergesetz von Darcy beschreibt die Wasserbewegung in Kapillaren und Porenräumen
durchlässiger Materialien wie Kies, Sand oder Schluff. Der Durchlässigkeitsbeiwert kf des
Boden- oder Filtermaterials wird in Labortests ermittelt und definiert sich aus dem
Verhältnis der Filtergeschwindigkeit f zum hydraulischen Gefälle Ihy (Näheres dazu im
Kapitel 10).
hf
Das Filtergesetzt von Darcy lautet: f  k f   kf  I (5.62)
L

Bild 5.15 Bestimmung des Durchlässigkeitsbeiwertes eines Filters


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Q L f
Durchlässigkeitsbeiwert: kf    (5.63)
A hf I hy

Filtermaterialien können z. B. Kiese (kf = 101 m/s) oder Sande (kf = 104 m/s) sein. Als
Dichtungsmaterialien werden z. B. Lehm (kf = 106) und Ton (kf = 109) bezeichnet.
Das für laminare Strömungen gültige Gesetz kann bis zu einer kritischen Korn-Reynolds-
Zahl Ref von 1 angewendet werden.
f  d K
Ref  1 (5.64)
T

mit dK = mittlerer Korndurchmesser und T = Viskosität des Wassers

127
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
6 Druckrohrströmung
6.1 Einleitung
Rohrleitungen dienen dem Transport von Flüssigkeiten und Gasen (Dampf). Werden neben
den Flüssigkeiten und Gasen auch andere Stoffe transportiert, spricht man von Gemisch-
Strömungen, das können Feststoffe im Wasser oder im Gas, aber auch Gemische aus Wasser
und Gas sein.
Außer Rohren werden für den Transport Formstücke und Armaturen, aber auch Pumpen
benötigt. Die Hydraulik dieser Strömungsvorgänge wird als Rohrhydraulik bezeichnet.
Der folgende Abschnitt behandelt die Strömungsvorgänge in Rohrleitungen, in denen ein
Druck herrscht, der über aber auch unter dem Atmosphärendruck (Umgebungsdruck) liegen
kann. Der Abfluss in teilgefüllten Rohren, der auch unter Druck stattfinden kann, gehört
wegen dem dabei auftretenden freien Wasserspiegel zur Gerinnehydraulik. Die wichtigsten
geometrischen und hydraulischen Zusammenhänge und Tafelwerke hierfür sind im Kapitel 3
zu finden.
Im folgenden Abschnitt wird der Abfluss von Wasser in Rohrleitungen behandelt.
Unter Rohrleitungen werden Rohre mit Kreisquerschnitt A    d 2 /4 betrachtet, in denen d
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

der innere Kreisdurchmesser ist. Vom Kreisquerschnitt abweichende Querschnitte werden


gesondert behandelt.

6.2 Energie- und Drucklinie (Durchflussberechnung)


Der allgemeine Ansatz für die hydraulische Berechnung von Druckrohrströmungen basiert
auf der Bernoulli-Gleichung (5.33), Kapitel 5, in welchem die einzelnen Energieanteile
aufgelistet werden.
Voraussetzung für die Berechnung ist zunächst ein Längsschnitt der Druckrohrleitung
(Profil) mit Behältern für Ein- und Auslauf sowie den einzelnen Rohrleitungselementen. An
diesem Längsschnitt werden in Fließrichtung die einzelnen Energieanteile aufgetragen:

129
Handbuch der Hydraulik

Bild 6.1 Druckrohrleitung mit Energie- und Drucklinie a) bei Auslauf unter Druck in einen
Behälter und b) mit freiem Auslauf in die Atmosphäre

In Bild 6.1 bedeuten:


– Energiehorizont = Energiehöhe am Fließbeginn
– Energielinie = Energiehöhenlinie, die den Energiehöhenverlauf entlang der Rohrleitung
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Fließweg) veranschaulicht. Diese verläuft stets abfallend infolge der Reibungsverluste


in der Rohrleitung und der örtlichen Verluste u. a. an Krümmern und Armaturen.
– Drucklinie = Druckhöhenlinie, die im Abstand von 2/2g unterhalb der Energielinie
verläuft und an jeder Stelle der Rohrleitung die dort vorhandene Druckhöhe anzeigt. Sie
ist gleich der Standrohrwasserspiegelhöhe im Fall einer Anbohrung der Rohrleitung
gemäß Bild 4.25a (Hydrostatik).
Energie- und Drucklinie verlaufen in Fließrichtung stetig abfallend, unabhängig vom Verlauf
der Rohrleitung.
Im Falle Bild 6.1 a) Fließen von Behälter zu Behälter wird der Fallhöhenunterschied der
Behälterwasserspiegel hgeo durch die Fließbewegung mit den Energieverlusthöhen  hV
von Rohrreibung und örtlichen Energieverlusten aufgebraucht.
hgeo   hV  hVR   hVö (6.1)

Beim freien Auslauf (Bild 6.1 b) ist die Fallhöhe zwischen Wasserspiegel Einlaufbehälter
und Rohrachse Auslauf abflusswirksam.
Als Energiegefälle IE wird das Verhältnis aus Summe der Verlusthöhen zur Rohrleitungslän-
ge l bezeichnet:

IE 
 hV (6.2)
l

130
6 Druckrohrströmung

Die hydraulische Berechnung von Druckrohrleitungen beinhaltet hauptsächlich die


Ermittlung der hydraulischen Verluste infolge Rohrreibung und örtlichen Verlusten.
Die Reibungsverlusthöhe wird berechnet mit:

l 2
hVR     (6.3)
d 2g

mit λ = Rohrreibungsbeiwert
Als Reibungsgefälle IR wird das Verhältnis aus Reibungsverlusthöhe und Rohrlänge
definiert. Sie stellt das Gefälle der Drucklinie dar.

hVR   2
IR    (6.4)
l d 2g

Die örtlichen Verluste sind die Summe aus Einzelverlusten, berechnet aus den Verlustbei-
werten der örtlichen Störungen und der Geschwindigkeitshöhe:

2
hVö    ö  (6.5)
2g

mit   ö  Summe der örtlichen Verlustbeiwerte


Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

2
 Geschwindigkeitshöhe in m
2g

  Q/A mittlere Fließgeschwindigkeit in m/s

Der Durchfluss Q     d 2 /4 wird für den in Bild 6.1 dargestellten Fall aus Gleichung
(6.1), (6.4) und (6.5) ermittelt zu:

d2 2 g  hgeo
Q  (6.6)
4   l
   Vö
d

Die örtlichen Verluste   Vö enthalten neben den „normalen“ örtlichen Verlusten wie
Einlauf, Krümmer, Armaturen usw. auch den Auslaufverlustbeiwert  a  1,0 bis 1,06 ,
welcher den „Verlust“ an kinetischer Energie, ausgedrückt durch 2/2g, im Auslaufbehälter
(a) oder beim Ausfluss im Freien (b) zum Ausdruck bringt.
Ist der Rohrauslauf eine Düse, ein Diffusor oder ein Regelorgan mit veränderter Austrittsge-
schwindigkeit, so ändert sich a:
a2
– bei einer Düse mit a   : a  1
2

131
Handbuch der Hydraulik

a2
– bei einem Diffusor: a   : a  1
2
– bei einem Regelorgan (Schieber etc.): a   :  a   Reg  1

Näheres siehe unter Abschnitt 6.9 Örtliche Verluste.


Bei Rohrleitungen mit unterschiedlichem Durchmesser di über die jeweilige Länge li wird,
bezogen auf einen voll durchflossenen Endquerschnitt mit dem Durchmesser d:

d2 2 g  hgeo
Q  4
(6.7)
4  i  li  d 
   i     a
 di   di 

Zur Abflussberechnung für verschiedene Grundfälle siehe Bollrich (2013).


Folgende Zusammenstellung ermöglicht die Anwendung der Durchflussformeln aus einer an
einen Behälter angeschlossenen Druckrohrleitung.
a) Rohrdurchfluss (Kontinuität):
Q  A  (6.8)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

d2
Q 
4
b) Durchfluss ohne Verluste (idealer, maximaler oder theoretischer Durchfluss):
d2 2
Q  2 g  hgeo mit  hgeo (6.9)
4 2g
c) Durchfluss durch eine Rohrleitung ohne Reibung, aber mit Austrittsverlust:

  d 2 2 g  hgeo
Q  (6.10)
4 a
d) Durchfluss durch eine Rohrleitung mit Reibungs- und örtlichen Verlusten bei freiem
Ausfluss (1 unter der Wurzel kennzeichnet den freien Ausflussbeiwert, sofern er nicht
schon in der Summe der örtlichen Verluste mit berücksichtigt wurde):

d2 2 g  hgeo
Q  (6.11)
4 l
     1
d
e) Durchfluss durch Rohrleitung mit Reibungs- und örtlichen Verlusten bei freiem Ausfluss
mit einem vom Rohrquerschnitt abweichenden Endquerschnitt, z. B. Düse oder Diffusor:

d2 2 g  hgeo
Q  4
(6.12)
4 l  d 
      
d  da 

132
6 Druckrohrströmung

f) Durchfluss durch Rohrleitung mit unterschiedlichen Durchmessern di bezogen auf den


Endquerschnitt da:

  da2 2 g  hgeo
Q  (6.13)
4  l   da  
4
  d  i   d    1
   i   
 i   i  

g) Durchfluss durch Rohrleitung mit unterschiedlichen Durchmessern di und gedrosseltem


Regelorgan am Ende der Rohrleitung bezogen auf den Nenndurchmesser des offenen
Regelorgans dR mit Beiwert µ des Regelorgans (siehe Abschnitt 8.21):

  d R2 2 g  hgeo
Q  (6.14)
4  l   dR  
4
1
  d  i   d    2
   i   
 '
 i   i  

6.3 Fließarten, Geschwindigkeitsprofile und Reibungsbeiwert


Bei Druckrohrströmungen wird zwischen den Strömungsarten laminare und turbulente
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Fließbewegung unterschieden. Den Übergang definiert die kritische Reynolds-Zahl Re.


Beeinflusst durch die Rohrwand und die Turbulenz der Strömung (Re-Zahl) ergeben sich für
die laminare und die turbulente Fließbewegung unterschiedliche Geschwindigkeitsprofile
und Strömungswiderstände.

6.3.1 Laminare Rohrströmung


Laminare Rohrströmung in Rohrleitungen liegt vor bei Reynolds-Zahlen

  d   d hy
Re    2320 (6.15)
 
mit:  = mittlere Geschwindigkeit in m/s
d = Innendurchmesser des Rohres in m
A
d hy  4  hydraulischer Durchmesser in m
lU

lU = benetzter Umfang in m
 = kinematische Viskosität in m2/s
Der Rohrreibungsbeiwert λ beträgt bei laminarem Fließen im Kreisprofil mit dem Durch-
messer d und dem hydraulischen Radius rhy  d /4 :
64
 (6.16)
Re

133
Handbuch der Hydraulik

Zwischen zwei parallelen Platten mit dem Abstand a und dem hydraulischen Radius rhy  a
ist:
96
 (6.16a)
Re
Für quadratische Querschnitte mit der Seitenlänge b und dem hydraulischen Radius
rhy  b/4 ist:
56 ,9
 (6.16b)
Re
Die Wandrauheit spielt bei laminarer Strömung keine Rolle. Der Reibungsverlust entsteht
nur aus der sogenannten inneren Reibung infolge Zähigkeit der Flüssigkeit. Die Geschwin-
digkeitsverteilung bei laminarer Strömung erfolgt nach einem Rotationsparaboloid, wenn mit
y der Abstand von der Rohrmitte und mit r der Rohrradius bezeichnet ist, mit der Gleichung
(siehe Bild 6.2):


  y   max 1  y 2 /r 2  (6.17)

Die maximale Geschwindigkeit in der Rohrmitte beträgt das Doppelte der mittleren
Geschwindigkeit:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Q 4Q
max  2   2   2 (6.18)
A d2
Infolge der parabelförmigen Geschwindigkeitsverteilung bei laminarer Strömung ist mit
einem Energieausgleichswert (Energiestrombeiwert oder Geschwindigkeitshöhenausgleichs-
beiwert) von
 lam  2 ,0 (6.19)

zu rechnen, mit welchem die Geschwindigkeitshöhe  2 /2g in der Energiegleichung gemäß


Bild 6.1 zu multiplizieren ist.

6.3.2 Turbulente Rohrströmung

Im Gegensatz zur laminaren Strömung ist die turbulente Strömung durch Verwirbelungen
und Querbewegungen von Flüssigkeitsteilchen gekennzeichnet. Da diese bis nahe an die
Rohrwand heran gelangen, bildet sich ein flacheres Geschwindigkeitsprofil (Bild 6.2).

134
6 Druckrohrströmung

Bild 6.2 Vergleich des laminaren und des


turbulenten Geschwindigkeitsprofils
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Die Geschwindigkeitsverteilung bei turbulenter Rohrströmung hängt von der Reynolds-


Zahl Re und der hydraulischen Rauheit k bzw. dem Reibungsbeiwert λ ab.
In der Literatur sind verschiedene Ansätze für  (y )/max zu finden. Von Bollrich (2013)
wurde das Gesetz für die logarithmische Geschwindigkeitsverteilung abgeleitet. Es lautet:

 (y ) 0 ,884  
 1  ln 1  y /r  (6.20)
max 1  1,326  

Am besten stimmt damit die 1956 von Altschul (in Kiseljew, 1972) angegebene einfachere
Formel überein:
 (y ) 0 ,9 
 1  y /r  (6.21)
max

Nach Eck (1957) und Bohl/Elmendorf (2008) gilt die von v. Karman 1921 abgeleitete
Gleichung (das sogenannte „1/7-Gesetz“):
1
 (y ) 1
 1  y /r  n mit   (6.22)
max n

Hierzu werden folgende in Tabelle 6.1 eingetragenen Kennwerte einschließlich des


Energiehöhenausgleichswertes  sowie das Verhältnis  /max genannt:

135
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 6.1 Kennwerte der turbulenten Strömung im Kreisrohr nach Bohl/Elmendorf (2008)

hydraulisch glatt, k  0 hydraulisch rau, Re  


Re  k/d 
3 4 5 6 2 2 2
4  10 10 10 10 3  10 1, 2  10 3  10

Exponent n in
6 6,5 7 8,6 4 5 6
Gleichung (6.22)
Energiestrombeiwert  1,077 1,066 1,058 1,04 1,156 1,106 1,077
m /max 0,7912 0,8048 0,8167 0,8466 0,7111 0,7576 0,7912

Der dort bezeichnete Energiestrombeiwert  (Geschwindigkeitshöhen-Ausgleichsbeiwert),


mit dem die Geschwindigkeitshöhe  2 /2g zu multiplizieren ist, liegt bei der technisch meist
vorkommenden Strömung zwischen  = 1,10 und 1,01. Je größer Re und damit die
Turbulenz, umso mehr nähert sich  dem Wert 1.
Da die Geschwindigkeitshöhe  2 /2g in den meisten praktisch vorkommenden Strömungs-
vorgängen im Bau- und Wasserwesen im Vergleich zu den Druckhöhen p/    g  vernach-
lässigt werden kann, ist der Fehler in den meisten Fällen sehr gering, wenn mit  = 1,0
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

gerechnet wird. Allerdings kann  in Ausnahmefällen (Gerinneströmung, geringe Druckhö-


he) von Bedeutung sein. Tabelle 6.1 gibt dafür einen Anhalt.
Die mittlere Fließgeschwindigkeit  m   beträgt bei turbulenter Rohrströmung ca. 75 bis
80 % von max und tritt bei einem Wandabstand von   r auf.
Bei technisch glatten Rohren ist der Wandabstandswert   0 , 242  r und m  0 ,8167 max
nach dem 1/7-Gesetz.
Im Übergangsbereich und bei technisch rauen Rohren ist m gemäß Gleichung (6.20) vom λ-
Wert abhängig und tritt bei   0 , 223  r auf. Für m ergeben sich nach Gleichung (6.20)
folgende Werte in Abhängigkeit vom Rohrreibungsbeiwert λ:

λ 0,01 0,02 0,03 0,04


m /max 0,883 0,842 0,813 0,790

Diese Angaben weichen etwas von denen von Bohl/Elmendorf (2008) angegebenen ab
(Tabelle 6.1).
Richter (1957, S. 125) gibt als relativen Abstand der mittleren Geschwindigkeit von der
Wand  = 0,24r an, wobei m / max  0 ,84  0 ,035 beträgt und gültig ist für mäßig raue
Rohre.
Die mittlere Fließgeschwindigkeit im Fließquerschnitt durch Staurohre aufzunehmen kann
für die Durchflussmessung in Rohrleitungen genutzt werden. Näheres hierzu siehe Bollrich
und Prüfer (1987).

136
6 Druckrohrströmung

6.3.3 Reibungsbeiwert im turbulenten Bereich


Der entlang einer Rohrleitung auftretende Reibungswiderstand hR wird durch den Rei-
bungswert λ erfasst. Die Reibungsverlusthöhe wird gemäß Gleichung (6.3) berechnet mittels:

l 2
hR     (6.23)
d 2g

Der Reibungswert λ ist abhängig von Re und dem hydraulischen Rauheitswert k bzw. der
relativen Rauheit k/d. Dabei sind drei Bereiche, welche vom Strömungszustand an der
Rohrwand abhängen, zu unterscheiden: der hydraulisch glatte Bereich, der Übergangsbereich
und der hydraulisch raue Bereich (Bild 6.3).
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 6.3 Hydraulisches Verhalten einer turbulenten Rohrströmung an einer stark vergrößerten
Rohrwand

Entscheidend ist die Dicke l der laminaren Grenzschicht an der Rohrwand, welche bei
hydraulisch glattem Verhalten die Erhebungen der Rauheit überdeckt. Der Reibungsbei-
wert λ ist dann nur von Re und damit von der „inneren Reibung“ abhängig und wird
berechnet mit:
2
  Re  
   2  log    (6.24)
  2 ,51  

Mit zunehmender Fließgeschwindigkeit und damit zunehmender Turbulenz der Strömung


nimmt diese Dicke ab und die Rauheit beeinflusst die turbulente Strömung. Wenn die
Rauheitserhebungen vollständig in die turbulente Strömung hineinragen und die laminare
Grenzschicht praktisch unwirksam wird, spricht man von hydraulisch rau, bei welchem nur
die hydraulische Rauheit k bzw. die relative Rauheit k/d wirksam sind und der Reibungsbei-
wert mit:
2
  3,71  
   2  log   (6.25)
  k/d  

berechnet wird. In der Praxis liegt in der Regel weder der eine noch der andere Fall vor,
sondern es stellt sich ein Übergangsbereich ein. Colebrook und White (1937) haben daher
beide Grenzfälle durch eine Superposition beider Einflüsse im Argument des Logarithmus

137
Handbuch der Hydraulik

vorgeschlagen. Die so entstandene und als Prandtl-Colebrook-Formel bezeichnete Gleichung


lautet:
2
  2,51 k/d  
   2  log    (6.26)
  Re  3,71  

Sie ist im gesamten turbulenten Strömungsbereich anwendbar und die wichtigste Formel für
das Widerstandsverhalten in Druckrohrleitungen. Im Bild 6.4. ist λ in Abhängigkeit von Re
und k/d dargestellt (Moody-Diagramm). Bild 6.5 zeigt das Mock-Diagramm, aus dem relativ
genau eine der drei Größen (Re, , k/d) bei zwei bekannten Größen, verbunden durch eine
Gerade abgelesen werden kann.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

138
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46
139

Bild 6.4 Moody-Diagramm

6 Druckrohrströmung
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

140
Bild 6.5 Mock-Diagramm
Handbuch der Hydraulik
6 Druckrohrströmung

Die hydraulische Rauheit k wird in Millimetern [mm] angegeben, ist aber keine geometri-
sche, sondern eine im hydraulischen Versuch ermittelte Größe.
Da die Berechnung von λ mit Gleichung (6.26) nur implizit möglich ist, wird als Anfangs-
wert in der Regel λ = 0,02 verwendet, und nach ein oder zwei Iterationen ist man dem
endgültigen Wert sehr nahe.
Um diesen Aufwand der impliziten Lösung zu umgehen, wurden zahlreiche mathematische
Versuche für Näherungsformeln unternommen. Die Formel (Gleichung (6.27)) von Zanke
(1993) weist über den gesamten turbulenten Bereich die beste Näherung für Gleichung
(6.26) auf. Die Abweichungen liegen unter 0,25 %.
2
 
   2  log  2,72 
 log Re 1,2  k /d  (6.27)
  Re 3,71  

Der Umschlag von laminarer in turbulenter Strömung erfolgt, wie Messungen zeigen, in
einem Bereich zwischen 2320 < Re < 4000. Zanke hat mit Hilfe einer Sprungfunktion 
unter Verwendung der Gleichung (6.16) für die laminare Strömung für den Gesamtbereich
aller Re-Zahlen folgende Gleichung entwickelt:
2
  
 log Re  k /d  
1,2
64
  1       2  log  2,72 
    (6.28)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Re   Re 3,71  
 0 ,0033Re  8 ,75 
mit   e  e
Bei laminarer Strömung wird  = 0 und bei turbulenter Strömung  = 1.
Eine etwas einfachere explizite Näherungsformel geben Swamee und Jain (1976) für den
Reibungsbeiwert im turbulenten Bereich mit folgender Formel an:
2
  5,74 k /d  
   2  log   (6.29)
  Re 0 ,9 3,7  

Diese gilt für 10 6  k/d  10 2 und 5 103  Re  3 108 , was praktisch dem gesamten
technisch wichtigen turbulenten Strömungsbereich entspricht. Die Übereinstimmung der
Näherungsgleichungen (6.28) und (6.29) mit der Prandtl-Colebrook-Formel nach Gleichung
(6.26) ist sehr gut und wesentlich besser als mit anderen, in verschiedenen Quellen
aufgeführten Gleichungen.

141
Handbuch der Hydraulik

6.4 Absolute und relative hydraulische Rauheit


Als absolute hydraulische Rauheit wird der in mm angegebene Wert k bezeichnet, der
ursprünglich aus den von Nikuradse (1933) durchgeführten Messungen die Korngröße der
Sandkörner definierte, mit der Nikuradse seine Versuchsrohre beschichtete (Sandrauheit).
k s Sandrauheit, Korndurchmesser der im Experiment von Nikuradse aufgetragenen
dichten Sandbeschichtung.
k äquivalente Rauheit; gleiches, im Experiment ermitteltes Widerstandsverhalten wie
die Ergebnisse von Nikuradse, auch als technische Rauheit bezeichnet.
kb integrale bzw. betriebliche Rauheit unter Berücksichtigung aller, auch örtlicher
Verluste eines Rohrabschnittes.
k/d relative Rauheit; dimensionslose, auf den Durchmesser bezogene Rauheit.
Die Größe des o. g. Rauheitswertes k ist für die Auswertung der o. g. Gleichungen entschei-
dend. In der folgenden Tabelle 6.2 sind sowohl k-Werte aus den Arbeitsblättern der
Regelwerke des DVWK und des DWA aufgenommen als auch Erfahrungs- und Messwerte
für Druckrohre aus zahlreichen einschlägigen Literaturquellen sowie eigenen Messungen
und Berechnungen. Es ist empfehlenswert, bei letzteren mit der angegebenen von-bis-Spanne
zu rechnen, um den möglichen Ergebnisbereich besser abschätzen zu können.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bei der Auswertung der Messergebnisse für den k-Wert von Rohrleitungen ist zunächst die
Energieverlusthöhe hVR nach Gleichung (6.3), daraus und damit schließlich der k-Wert aus
der entsprechend umgeformten Gleichung (6.26) zu ermitteln:

 1 
2,51
k  3,71  d  10 2    (6.30)
 Re  
 
Die Rauheit einer Rohrleitung kann sich mit der Zeit ändern. Im Regelfall nimmt sie durch
Verkrustungen der Rohrwand zu, worauf im Abschnitt 6.8 näher eingegangen wird. Bei
Einzelrohrleitungen empfiehlt es sich, die Angaben des Herstellers zum k-Wert zu erfragen.
Einzelheiten zur Ermittlung des k-Wertes findet man z. B. bei Schröder (1990 und 1994)
sowie Schröder und Zanke (2003).

142
6 Druckrohrströmung

6.5 Q-d-I-Tafeln zur Durchflussermittlung


Aus der Prandtl-Colebrook-Formel, Gleichung (6.26), kann die Geschwindigkeit  und
damit der Durchfluss Q direkt bestimmt werden:

d2  2 ,51  k/d 


Q   A   2  log     2g  d  I (6.31)
4  d  2 g  d  I 3,71 
 
Darin ist I das Reibungsgefälle IR, wenn k ausschließlich die Rohrreibung definiert, und IE,
wenn k  kb die örtlichen Verluste mit berücksichtigt.

IR 
hR
bzw. IE 
 hV 
hR   hVÖ
l l l
Einige Hersteller geben die örtlichen Verluste der Formstücke und Armaturen als äquivalen-
te Längen lä an, dabei entspricht der örtliche Verlust einem äquivalenten Reibungsverlust der
Rohrleitung entlang dieser Länge:
d
lä   (6.32)

Damit ergeben sich die Gesamtverlusthöhen zu:
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

 hV  I R   l  lä  (6.33)

In den Bildern 6.6a und 6.6b ist Gleichung (6.31) für Wasser von 10 °C mit
  1,31 10 6 m 2 /s und k-Werte von 0,1, 0,5, 1,0 und 1,5 mm ausgewertet.
Zwischenwerte sind relativ leicht durch Interpolation zu ermitteln.

Beispiel:
I  hR /l (lokale Verluste vernachlässigbar gegenüber Reibungsverlusten)
hR  hgeo  3,1 m, l  5000 m  I  0,00062  0 ,62 % für d  300 mm und k  0 ,1 mm
Ablesung in Bild 6.6b: Q  30 ,2 l/s

Gleichung (6.31) ist u. a. in umfangreichen Tabellenbüchern und Q-d-I-Tafeln ausgewertet,


z. B. in Pecher, et al. (1991), Lautrich (1976), Preß und Brettschneider (1981) und Unger
(2009).

143
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 6.2 a) bis d) Absolute Rauheit k von Druckrohrleitungen


a) Betriebliche Rauheit kb  k2 für Wasserrohrnetze nach DVGW-Arbeitsblatt 303-1 (2006).
(Neben der Wandrauheit werden hierin Ablagerungen, Armaturen, Bögen, Abzweige, Reduzie-
rungen u. a. pauschal mit erfasst.)
Anwendungsbereiche k2 in mm
Fern- und Zubringerleitungen mit gestreckter Linienführung aus Stahl- und Gussrohren 0,1
mit ZM- und Bitumenauskleidung, Kunststoff-, Spannbeton- und Asbestzementrohren
Wie davor, mit weitgehend gestreckter Linienführung, aber auch aus Stahl- und 0,4
Gussrohren ohne Auskleidung und ohne Ablagerungen
Neue, aber stark vermaschte Netze 1,0
Ältere Rohrleitungen und Rohrnetze, insbesondere aus ungeschützten Stahl- und > 1,0
Gussleitungen
Unter den Rauheitswerten k1 wird nach DVWK-Arbeitsblatt W400-1 in der Regel die Rauheit von
Einzelrohrleitungen einschließlich der Rohrverbindungen verstanden, ohne dass dort dafür Angaben
gemacht werden.
b) Pauschalwerte der betrieblichen Rauheit kb für Abwasserleitungen und Kanäle nach
DWA-A110 (2006).
Schachtausbildung
Regel- Angeformte Sonder-
Kanal-Art
schächte Schächte schächte
kb-Wert in mm
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Transportkanäle 0,5 0,5 0,75


Sammelkanäle < DN 1000 0,75 0,75 1,50
> DN 1000 – 0,75 1,50
Mauerwerkskanäle, Ortbetonkanäle, Kanäle aus nicht genorm-
1,5 1,5 1,5
ten Rohren ohne besonderen Nachweis der Wandrauheit
Drosselstrecken (1), Druckrohrleitungen (1,2,3), Düker (1)
0,25
und Reliningstrecken ohne Schächte
(1) Ohne Einlauf-, Auslauf- und Umlenkverluste.
(2) Ohne Drucknetze.
(3) Auswirkungen auf Pumpwerke (siehe Abschnitt 11 des Regelwerkes).
Nicht enthalten in dieser pauschalen Definition der kb-Werte sind die Einflüsse von:
– Unterschieden zwischen gerechneten und vorhandenen lichten Rohrdurchmessern,
– Vereinigungsbauwerken,
– Ein- und Auslaufbauwerken von Drosselstrecken, Druckrohrleitungen, Dükern und
– Auswirkungen von Ein- und Überstau.
c) Durch hydraulische Versuche ermittelte Werte sowie Erfahrungswerte und Herstellerangaben
Rohrwerkstoff Art der Rohrinnenwand k in mm
Gezogene Rohre aus Glas, neu, technisch glatt 0 (glatt) bis
Kupfer, Messing, Bronze 0,0015
Aluminium < 0,003
Plexiglas und PVC (glatt) 0,003
PE-Rohre 0,003 bis 0,03
GFK-Rohre  0,01

144
6 Druckrohrströmung

Fortsetzung Tabelle 6.2


c) Durch hydraulische Versuche ermittelte Werte sowie Erfahrungswerte und Herstellerangaben
Rohrwerkstoff Art der Rohrinnenwand k in mm
Stahlrohe, gezogen neu 0,01 bis 0,05
gebraucht 0,1 bis 0,3
Stahlrohe, nahtlos neu 0,01 bis 0,1
bituminiert 0,04
Rostnarben, aber ohne Ablagerungen 0,1 bis 0,2
innen lackiert 0,3 bis 0,4
mäßig korrodiert oder leichte Verkrustung 0,4
stark verkrustet, Kesselsteinablagerungen 3,0
Stahlrohe, verzinkt neu 0,1 bis 0,3
Stahlrohre, geschweißt neu 0,04 bis 0,1
neu, bituminiert 0,05
bituminiert, nach längerem Gebrauch 0,1
mäßig verrostet, leichte Verkrustung 0,15 bis 1,5
starke Verkrustung 2 bis 4
stark verrostet >10
Stahlrohre, genietet Längs- und Quernietung, 2-reihig, Anstrich neu 0,3 bis 0,4
doppelte Längs-, einfache Quernietung, korrosionsfrei bis 1,3
mehrfache Längsnietung, je nach Oberfläche 2 bis 9
Gusseiserne Rohre mit neu, nicht ausgekleidet 0,25
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Flansch- oder Muffen- neu, bituminiert 0,15


dichtung angerostet oder mit geringer Ablagerung 1,0 bis 1,5
mit starker Ablagerung und Verkrustung 1,5 bis 4
Betonrohre und Spannbetonrohr, neu 0,03 bis 0,25
Druckstollen aus Beton Schleuderbetonrohr, neu 0,2 bis 0,8
Betonrohr, neu 0,4 bis1,5
Druckstollen, – Holzschalung 1,5 bis 10
– Metallschalung 0,5
– mit geglättetem Putz 0,15 bis 2,5
– Torkretierung ungeglättet 6
– Torkretierung geglättet 1
Faserzementrohre neu, glatt 0,05 bis 0,1
ohne Glattputz 0,2 bis 0,8
(mittel) 0,6
Steinzeugrohre glasiert ohne Stoßfugen, neu 0,04 bis 1,4
Dränrohre, neu, gebrannt 0,7
Holzrohre gehobelt 0,2 bis 1,0
raue Bretter 1,0 bis 2,5
nach längerem Gebrauch 0,1
d) Auskleidungen
Geschleuderte Zementisolierung bis 0,4
Geschleuderte Bitumenisolierung bis 0,13
Putz aus reinem Zement, geglättet 0,05 bis 0,2
Rilsan-Beschichtung 0,1 bis 0,3

145
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

(Leerseite)
6 Druckrohrströmung

6.6 Druckrohrsortiment nach DIN (Auswahl)


Für hydraulische Berechnungen ist der Innendurchmesser di eine sehr wichtige Größe, da er
beispielsweise bei der Flächenberechnung im Quadrat eingeht und damit für die Rechen-
genauigkeit entscheidend ist. Für die verschiedenen Rohrarten ist daher die Nennweite DN
(Diameter Nominal) nicht automatisch gleich dem Innendurchmesser, sondern dieser muss
von Fall zu Fall aus den Angaben des Herstellers bestimmt werden.
Mit den Angaben, die für verschiedene Rohrsorten vorliegen, ist der Innendurchmesser
di = d zu berechnen nach:
d i  d a  2   s  sB  (6.34)

mit da = Außendurchmesser
s = Wandstärke
sb = Stärke der Innenbeschichtung
Metallrohre beispielsweise benötigen Rohrauskleidungen, die aus Zementmörtel von einigen
mm Stärke (bis zu 12 mm), siehe auch DIN EN 545 (2011), Bitumenbeschichtungen,
Emaillierungen oder anderen korrosionsverhindernden Stoffen bestehen können.
In den folgenden Tabellen (Tabelle 6.3a bis i) sind in der Wasserversorgung und der
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Kanalisation gebräuchliche Rohre und ihre für die hydraulische Berechnung wichtigen Maße
aufgelistet, ohne – wegen der Vielfalt des Sortimentes – einen vollständigen Überblick
geben zu können. Dabei werden, soweit möglich, die derzeit gültigen deutschen Normen
(DIN) bzw. europäischen Normen (DIN EN) beachtet. Umfassende Angaben hierzu sind
z. B. in den DIN-Taschenbüchern des Beuth Verlages zu finden. Über den Verwendungs-
zweck der Rohre informieren einschlägige Fachbücher wie beispielsweise Roscher (2000)
und die Arbeitsblätter des DVGW, insbesondere das Arbeitsblatt DVGW-W400-1 (2004).
Weggelassen wurden Asbestzementrohre, welche nicht mehr hergestellt werden, jedoch im
großen Maße in der Wasserversorgung eingebaut und noch in Betrieb sind. Ebenfalls
weggelassen sind Spannbetonrohre, die vor allem in großen Durchmessern bei Fernwasser-
leitungen zum Einsatz kamen.

147
Handbuch der Hydraulik
R
Bild 6.6a Q-d-I-Tafeln zur Durchflussermittlung für Q = 1 bis 100 l/s
148
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46
6 Druckrohrströmung
R
Bild 6.6b Q-d-I-Tafeln zur Durchflussermittlung für Q = 100 bis 1000 l/s
149
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 6.3 a) – f) Druckrohrsortiment (Auswahl)

a) Duktile Gussrohre (GGB) mit b) Stahlrohre (DN wie GGG)


Zementmörtel (ZM) DIN EN 545, DIN EN 10224, DIN 2460,
DVGW VP 545, DVGW VP 637 DVGW W-400 u. VP 637, Auskleidung
Beispiel: Klasse K9 mit Bitumen oder mit ZM nach
DIN 2460, 2614, DIN EN 545
geschweißt, nahtlos,
DN da s sZM2) MDP da St L 235 c
St L 235c
3)
s PFA s PFA3)
mm mm mm mm bar mm mm bar mm bar
1)
80 98 6,0 4 63 88,9 3,2 100 3,2 80
100 118 6,0 4 63 114,3 3,2 63 3,6 63
125 144 6,0 4 63 139,7 3,6 63 4,0 63
150 170 6,0 4 63 168,3 3,6 50 4,5 63
200 222 6,3 4 63 219,1 3,6 40 6,3 63
250 274 6,8 4 63 273 4,0 32 6,3 50
300 326 7,2 4 40 323,9 4,5 32 7,1 50
350 378 7,7 5 40 355,6 4,5 32 8,0 50
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

400 429 8,1 5 40 406,4 5,0 32 8,8 50


500 532 9,0 5 40 508 5,6 25 11,0 50
600 653 9,9 5 40 610 6,3 25
700 738 10,8 6 25 711 6,3 20
800 842 11,7 6 25 813 7,1 20
900 945 12,6 6 25 914 8,0 20
1000 1048 13,5 6 25 1016 8,8 20
1200 1285 15,3 6 25 1219 11,0 20
1400 1462 17,1 9 25 1422 12,7 20
1500 1668 18,9 9 25 1626 14,3 20
1600 1875 20,6 9 25 1829 16,1 20
2000 2082 22,5 9 25 2032 17,5 20
3)
Klasse K40 bis DN400, K30 von PFA nach DIN 2460 = zul. Bauteil-
DN300–600 mit geringerem MDP betriebsdruck bei St L 235c,
(höchster festgelegter Betriebsdruck mit höhere PFA bei ST L 355c
Druckstößen) für geschweißte Rohre.
1)
Ab DN 40.
2)
sZM = Stärke der Zement-Mörtel-
Auskleidung.

150
6 Druckrohrströmung

c) Beton-, Stahlfaserbeton- und Stahlbetonrohre, DIN EN 1916 (2003-04),


DIN V1201 (2003-04)
bisher DIN 4035, Stahlbetonrohre bisher DIN 4035, Betonrohre
Beispiel K KW KFW
DN = di Mindestwandstärke s DN = di s s s
mm mm mm mm mm mm
300 60 100 22 - -
400 60 150 24 - -
450 60 200 26 - -
500 60 250 30 - -
600 65 300 40 50 50
700 65 400 45 65 50
800 70 500 50 85 70
900 75 600 60 100 85
1000 85 700 70 115 100
1100 90 800 75 130 115
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1200 100 900 - 145 130


1300 110 1000 - 160 145
1400 115 1200 - 190 170
1500 125 1400 - 220 220
1600 135 K – ohne Fuß
1700 140 KW – ohne Fuß, Wand verstärkt
1800 150 KFW – mit Fuß, Wand verstärkt
1900 160
2000 165 Ei- und Maulprofil siehe Abschnitt 2.7.3
2100 180
2200 185
2300 190
2400 200
2500 v.H.
bis 4000 v.H. v.H. vom Hersteller angegeben

151
Handbuch der Hydraulik

Fortsetzung Tabelle 6.3

d) GFK-Rohre, Glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) auf der Basis von Polyesterharz


(UP) nach DIN EN 1796 (2009-07), DIN 14364 (2006) D
(bisher: DIN 16869-1(1994-11), DIN 16862-2(1995-12)), DVGW VP 615
DN  di1) Bemerkungen
100 600 1800 Zahlen in Klammern sind nicht bevorzugte
110 700 (1900) Nennweiten.
125 (750) 2000 ¹) Abweichungen bis ca. 3 %, siehe Tabelle 4 in
o. g. DIN
150 800 (2100)
PN1 drucklos,
200 900 2200
Druckstufen: PN4, 6, 10, 16, 20, 25
(225) 1000 (2300)
Wandstärken bis ca. 48 mm, Standardlängen 6 m
250 (1100) 2400
(Firma HOBAS)
300 1200 (2500)
350 (1300) 2600
(375) 1400 (2700)
400 (1500) 2800
450 1600 (2900)
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

500 (1700) 3000

e) Rohre aus Polyethylen (PE und PE-HD).


DIN EN 12201-2, DIN 8074, GW 335-A2
siehe auch DVGW-W 544 (2007-05) und DIN 19537
Beispiel: Serie SDR 7,4; S 3,2; PE100 bis 25 bar
DN/OD = da s (von – bis) DN/OD = da s (von – bis)
mm mm mm mm
16 2,3 bis 2,7 200 27,4 bis 30,3
: : 225 30,8 bis 34,0
90 12,3 bis 13,7 250 34,2 bis 37,8
110 15,1 bis 16,8 280 38,3 bis 42,3
125 17,1 bis 19,0 315 43,1 bis 47,6
140 19,2 bis 23,3 355 48,5 bis53,5
160 21,9 bis 24,2 400 54,7 bis 60,3
180 24,6 bis 27,2 : :
16001) 62,2 bis 67,5
Druckstufen PN je nach Rohrserie zwischen 2,5 und 25 bar.
Nach DIN 8074: da = 10 bis 1600 mm, 1) PN 2,5 und 6

152
6 Druckrohrströmung

f) PVC-U-Rohre aus weichmacherfreiem Polyvinylchlorid für die Wasser-


versorgung
DIN EN ISO 12162; DVGW-W 400 (Abschnitt 15.3.6)
DIN 8062 (2009-10); EN 1452-2 (1999); DIN 19534 (2000-07) für Abwasserkanäle
Bezeichnung MDP 10 MDP 16
DN da di s di s
10 – – – 13,6 1,2
15 – – – 17,0 1,5
20 – – – 21,2 1,9
25 – – – 27,2 2,4
32 – – – 34 3,0
40 – – – 42,5 3,7
50 63 57 3,0 40,6 4,7
65 75 67,8 3,6 63,8 5,6
80 90 81,4 4,3 76,6 6,7
100 110 99,4 5,3 93,6 8,2
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

125 140 126,6 6,7 119,2 10,4


150 160 144,6 7,7 136,2 11,9
200 225 203,4 10,8 191,6 16,7
250 280 253,2 13,4 238,4 20,8
300 315 285 15,0 268,2 23,4
400 450 407 21,5 – –
Nach DIN 8062 (2009-10): da = 5 mm bis 1600 mm, je nach Rohrserie gemäß ISO 4065
mit Durchmesser-Wanddicken-Verhältnis.
Nach DIN EN 1452-2 (1999): da = 12 mm bis 1000 mm, Nenndrücke PN 6 bis PN 25,
MDP = höchster festgelegter Betriebsdruck mit Druckstößen.

153
Handbuch der Hydraulik

Fortsetzung Tabelle 6.3

g) Rohre aus vernetztem Polyethylen hoher Dichte für die Wasserversorgung, PE-X
DIN 16893 (2000-09) (Verweis auf ISO 161-1, (1996))
Beispiel Rohrserie 6.3
DN = da s DN = da s
mm mm mm mm
10 1,3 140 10,3
: : 160 10,3
90 6,7 180 13,3
110 8,1 200 14,7
125 9,2 225 16,6
250 18,7
Rohrserie 6,3; 5; 4; 3; 2 nach ISO 4065
Betriebsdrücke PN = 4 bis 28 bar; t = 10 bis 95 °C
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

h) PE-X-Steinzeugrohre für die Kanalisation


DIN EN 295-6 (2013-05)
DN = di DN = di DN = di
mm mm mm
100 300 700
150 350 800
200 400 1000
225 500 1200
250 600
Baulängen: 1,5; 2,0; 2,5 m ab DN300; 3,0 m ab DN400

154
6 Druckrohrströmung

i) PE-Rohre
Rohre aus Polyethylen für Abwasser
DIN EN 1519-1
Rohrreihe
DN = da S16 S12,5
smin bis smax smin bis smax
mm mm mm
32 3,0 – 3,5 3,0 – 3,5
: : :
80 3,0 – 3,5 3,1 – 3,6
90 3,0 – 3,5 3,5 – 4,1
100 3,2 – 3,8 3,8 – 4,4
110 3,4 – 4,0 4,2 – 4,9
125 3,9 – 4,5 4,8 – 5,5
160 4,9 – 5,6 6,2 – 7,1
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

200 6,2 – 7,1 7,7 – 8,7


250 7,7 – 8,7 9,6 – 10,8
315 9,7 – 10,9 12,1 – 13,6
Anwendungen: a) innerhalb von Gebäuden („B“),
b) innerhalb von Gebäuden sowie erdverlegt außerhalb von
Gebäudestrukturen („BD“) zum Ableiten von Abwasser
(Schwerkraftentwässerung).

155
Handbuch der Hydraulik

Fortsetzung Tabelle 6.3

j) Faserzementrohre (FZ), asbestfrei


ÖNORM EN 12763 (2001-03), DIN EN 588-1 (1996-12)
DIN 19800, EN 512: Für Druckrohrleitungen PN 2,5 bis 16
DIN 19850, DIN EN 588-1
Klasse A Klasse B
DN = di DN = di
mm mm mm
400 100 400
450 150 450
500 200 500
600 250 600
700 300 700
800 350 800
1000 1000
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

1200 1200
1500 1500
Rohrklasse A: Standard Rohrklasse B: schwer

6.7 Nicht kreisförmige Querschnitte


Bei Druckleitungen mit nicht kreisförmigem Querschnitt kann die Energieverlusthöhe gemäß
den Gleichungen (6.3) bis (6.5) statt mit dem Rohrdurchmesser d mit dem sogenannten
„hydraulischen Durchmesser“ dhy berechnet werden. Dieser wird gebildet aus
4 A
d hy  4  rhy  (6.35)
lU

welcher äquivalent dem Kreisdurchmesser d gemäß A  π  d 2 /4 , lU  π  d ist.

4πd2
d hy  d (6.36)
4 πd
Um beispielsweise mit den Gleichungen im Abschnitt 6.3.3 den -Wert für die Rohrreibung
berechnen zu können, wird in der Re-Zahl und in der hydraulischen Rauheit d durch dhy
ersetzt:

156
6 Druckrohrströmung

  d hy k k
Reynolds-Zahl: Re  relative hydraulische Rauheit: 
 d d hy

Die Zuverlässigkeit der Verfahrensweise ist für turbulente (Rohr)Strömungen experimentell


belegt. Bei laminaren (Rohr)Strömungen ist dagegen mit Abweichungen zu rechnen.
Beispielsweise beträgt der -Wert eines quadratischen Rohrquerschnittes bei laminarer
Strömung nicht lam  64/ Re , sondern
56 ,9
lam  (6.37)
Re
und bei einer Strömung zwischen zwei Platten wird er
96
lam  (6.38)
Re
Weitere Angaben zu -Werten bei Nichtkreisquerschnitten mit laminarer Strömung sind bei
Bohl/Elmendorf (2008) oder im Internet z. B. auf der Seite der Universität Oslo (UiO, 2004)
zu finden.
Einige Hinweise zur Berechnung des hydraulischen Durchmessers dhy bei nicht kreisförmi-
gen geschlossenen Querschnitten enthält folgende Tabelle 6.4.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bei sehr stark gequetschten, engen Profilen nimmt die Genauigkeit der Berechnung mit dhy
ab, bei offenen Profilen sind spezielle Formbeiwerte zu beachten (siehe Kapitel 7).

157
Handbuch der Hydraulik

Tabelle 6.4 Hydraulische Durchmesser dhy bei nicht kreisförmigen


geschlossenen Querschnitten

Querschnitt dhy Querschnitt dhy


Allgemein Rechteck
4 A 2h b
lU hb

Spalt Quadrat

2a a

Ellipse Gleichschenkliges
Dreieck
2a b 4  a 2  b2  a 4

ab a  2b
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Kreis Gleichseitiges
Dreieck
s
d
3

Kreisringquerschnitt Trapez
2h
h  1 1 
d1  d 2  2a 1   
a  b  sin1 sin 2 

Kreisring exzentrisch Kreissektor

4  π  r   /360
d1  d 2
1  π   /360

158
6 Druckrohrströmung

6.8 Verkrustung und Alterung von Rohren


Im Laufe der Zeit wirkt sich je nach Rohrmaterial der Alterungsprozess auf die Leistungsfä-
higkeit der Druckrohrleitung aus. Er führt zur Reduzierung des Innendurchmessers di und
damit zur Reduzierung des Abflussquerschnittes sowie zur Erhöhung der hydraulischen
Rauheit k. Die Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Leitung sind eine Durchfluss-
reduzierung bei Beibehaltung der Druckverhältnisse oder zur Einstellung des ursprünglichen
Durchflusses eine notwendige Druckerhöhung (bzw. Druckgefälleerhöhung). Die Bewertung
dieses Alterungszustandes ist wichtig zur Quantifizierung der hydraulischen Veränderungen.
Brussig und Aigner (1998) zeigten, dass aufbauend auf einer Zustandserfassung der
verkrusteten Leitung (Bild 6.7 und 6.8), z. B. durch eine Fotoanalyse an repräsentativen
Rohrproben bzw. an geöffneten Rohrleitungen eine Bestimmung der hydraulischen Rauheit,
der reduzierten Fließfläche und des hydraulisch wirksamen Durchmessers möglich ist.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 6.7 Graugussleitung (GGL Sandguss)


DN125 mit starker Verkrustung,
Baujahr 1883, Leitung ca. 60 % zugesetzt und
hydraulische Leistung auf ca. 80 % reduziert
(Foto: Brussig)

159
Handbuch der Hydraulik

Bild 6.8 Formblatt zur qualitativen Zustandserfassung (Brussig, et al., 1998)

Aus der Fotoanalyse ermittelten sie einen Kapazitätskoeffizienten , der zur Bewertung
verkrusteter oder rekonstruierter Leitungen herangezogen werden kann. Mit diesem für
hydraulisch raues Verhalten gültigen Koeffizienten erfolgt die Bestimmung der Durchfluss-
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

reduzierung bei gleichem Energiegefälle bzw. der notwendigen Erhöhung des Energiegefäl-
les, um auch in der gealterten Leitung den Durchfluss Q0 der ursprünglichen Leitung
bereitstellen zu können.
2 ,5 2 ,5
d  0  d Ist  log  3,71 dIst /kIst 
   Ist      (6.39)
 d0  Ist  d0  log  3,71  d0 /k0 

Damit ergeben sich die Abflussbedingungen einer gealterten (verkrusteten) Leitung (QIst,
IIst) gegenüber der ursprünglichen Leitung (Q0, I0) aus folgender Gleichung:

QIst I Ist
  (6.40)
Q0 I0

Setzt man gleiches Energie- bzw. Druckliniengefälle für die gealterte und neue Leitung an,
dann reduziert sich der Abfluss in der gealterten Leitung entsprechend dem Kapazitätskoef-
fizienten . Will man den gleichen Durchfluss in der gealterten Leitung wie in der ursprüng-
lichen Leitung erreichen, muss man ein um 1/2 erhöhtes Energiegefälle einstellen. In der
Regel wird sich bei Rohrleitungen, die mit einem Pumpwerk betrieben werden, eine
Zwischenstufe in Abhängigkeit von der Pumpenkennlinie und Gleichung (6.39) ergeben
bzw. einstellen.

160
6 Druckrohrströmung
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 6.9 Einfluss des reduzierten Querschnittes und der neuen hydraulischen Rauheit auf die
Leistungsreduzierung einer verkrusteten Leitung

6.9 Örtliche Verluste in Rohrleitungselementen und Armaturen


Örtliche Verluste entstehen an einer Unstetigkeit, wie z. B. einer Richtungsänderung,
Ablösung oder Einschnürung der Strömung. Die damit verbundene Geschwindigkeitsände-
rung führt zur Erhöhung der kinetischen Energie des Wassers und anschließend zu
hochturbulenten Verwirbelungen, in denen ein Teil der kinetischen Energie als Wärme
abgegeben wird. Dieser Teil der Energie geht der Strömung verloren und wird als örtlicher
hydraulischer Verlust bezeichnet. Der andere Teil wird in potentielle Energie umgewandelt
und bleibt damit der Strömung als Druckenergie erhalten. Je turbulenter dieser Vorgang
abläuft, umso geringer ist die Rückübertragung in potentielle Energie. In der Regel werden
Reibungsverluste und örtliche Verluste getrennt betrachtet, es gibt aber auch Gleichungen, in
denen der Reibungsanteil im örtlichen Verlust enthalten ist, wie z. B. bei Krümmern.

161
Handbuch der Hydraulik

Bild 6.10 Systembild örtlicher Verlust

6.9.1 Verluste durch Querschnittsänderungen


Borda-Carnot’scher Stoßverlust
Örtliche Verluste lassen sich auf der Grundlage der drei Grundgleichungen der Hydrome-
chanik, dem Gleichgewicht der Kräfte (Impulssatz), dem Energiegleichgewicht (Bernoulli-
Gleichung) und dem Massengleichgewicht (Kontinuitätsgleichung) berechnen. Allerdings
sind die Randbedingungen für diese Berechnungen meist nicht eindeutig bestimmbar, so
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

dass in der Regel auf empirische Werte aus Messungen zurückgegriffen wird.
Ein Beispiel für diesen Berechnungsansatz liefert der Stoßverlust der plötzlichen Rohrerwei-
terung nach Borda-Carnot. Hier sind die Randbedingungen eindeutig definiert, sodass eine
theoretische Gleichung für diesen Verlustbeiwert aus den drei Grundgleichungen ermittelt
werden kann:

Bild 6.11 Kräfteansatz bei einer plötzlichen Erweiterung der Strömung

Das Kontrollvolumen (Bild 6.11) umschließt das Berechnungsgebiet.


Kräftegleichgewicht: p1  A2    Q 1  p2  A2    Q 2

p1 2 p 2
Energiehöhengleichung:  1  2  2  hB
  g 2g   g 2g
Kontinuitätsgleichung: Q  1  A1  2  A2

162
6 Druckrohrströmung

Unter Berücksichtigung der Kontinuitätsgleichung kann die Druckdifferenz in den ersten


beiden Gleichungen eliminiert werden und man erhält den theoretisch bestimmbaren
örtlichen Verlust einer plötzlichen Rohrerweiterung zu:
2 2
hB A   d2 
 B2  2   2  1   22  1 oder (6.41)
2 2 g  A1   d1 

2 2
hB  A   d2 
 B1   1  1   1  12  (6.41a)
12 2 g  A2   d 2 

Die Indizes 1 und 2 beziehen sich dabei auf den entsprechenden Rohrquerschnitt und die
Verlustbeiwerte ergeben durch den Bezug der Verlusthöhe auf die jeweilige Bezugsge-
schwindigkeitshöhe unterschiedliche Werte.

Plötzliche Rohrverengung
Auf der Grundlage dieses theoretischen Berechnungsansatzes nach Borda-Carnot besteht die
Möglichkeit, auch weitere Verlustbeiwerte aus den drei Gleichungen im Abschnitt 6.9.1 zu
berechnen. Da aber einzelne Randbedingungen nicht eindeutig bestimmbar sind, müssen
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Annahmen diese Lücke schließen.

Bild 6.12 Kräfteansatz bei einer plötzlichen Rohrverengung

Analog zur plötzlichen Erweiterung kann der Verlustbeiwert zwischen Einschnürung


(Schnitt 2*) und Schnitt 2 ermittelt werden zu:
2 2
hÖ*  A2  1 
*
  2  CV    1  CV    1 mit A*2    A2 und CV  1,31 (6.42)
2 2 g  *
A2   
 
Mit diesem Beiwert wird der Hauptanteil des örtlichen Verlustes einer plötzlichen Rohrein-
engung berechnet. Anteile aus dem Energieverlust durch die Beschleunigung und Umlen-
kung der Strömung zwischen Schnitt 1 und 2* werden durch einem zusätzlichen Beiwert CV
berücksichtigt.
Analog der Berechnung des Strömungsverlaufes eines unterströmten Schützes (Aigner, et al.,
1997) kann der Einschnürungsbeiwert in Abhängigkeit vom Übergangswinkel und dem
Flächenverhältnis ermittelt werden.

163
Handbuch der Hydraulik

2
   205 
 0  1,3  0,8  1    für 0    180 , d1  d 2 (6.43)
 220 
1
 (6.44)
210
 1  d  
1+   1  1   2 
 0   d1 

Den Vergleich der Ergebnisse des Einschnürungsbeiwertes nach Gleichung (6.44) und
Angaben von Weisbach und Idelčik (aus Bollrich (2013)) zeigt Bild 6.13.
Normen-Download-Beuth-Raueiser GmbH Buchhandlung-KdNr.94824-LfNr.7487284001-2016-04-27 14:46

Bild 6.13 Einschnürungs- und


Verlustbeiwert der plötzlichen
Rohrverengung nach Gleichung (6.44)

Allmähliche Verengung (Konfusor)


Analog zur plötzlichen Erweiterung können auch alle Zwischenwerte für den Einschnü-
rungswinkel 2 = 0° bis 90° eines Konfusors mit Gleichung (6.42) bis (6.44) ermittelt
werden (Bilder 6.14 und 6.15).

Bild 6.14 Allmähliche Rohr-


verengung (Konfusor),
Verengungswinkel 2

164
6 Druckrohrströmung

Bild 6.15 Einschnürungs- und


Verlustbeiwerte der Rohrverengung in