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„ FREIHEIT“

Der Kurs in
SPIRITUELLER WISSENSCHAFT
(GEIST-WISSENSCHAFT)

Auf der Basis des Wissens der


ANTHROPOSOPHIE
(WEISHEIT VOM MENSCHEN)

als persönliche Weiterbildung und persönliche Ausbildung

No 3 – Mysterium Wahrheit und die Macht


unseres Denkens II

Ein Angebot der

Akademie Zukunft Mensch


Schulstraße 7b, 83451 Aufham , 08651-765345
www.akademie-zukunft-mensch.de
info@akademie-zukunft-mensch.de

Leitung: Axel Burkart


„FREIHEIT“ – Kurs in Spiritueller Wissenschaft

Weiterer Titel:
„Wie tickt das Universum - Die Symphonie Gottes und mein einzigartiger
Beitrag darin“

4. Auflage 2012

© Akademie Zukunft Mensch - Axel Burkart, Schulstraße 7b


83454 Anger

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.


Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgeset-
zes ist ihre Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das
gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen
und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
INHALT

1 Die Macht des Denkens 1: Bedeutung unserer Weltanschauung 5


2 Die drei Kräfte unserer Seele, Kategorien unseres Seins,
Entstehung unseres Weltbildes 12
3 Denken über das Denken 18
4 Das Mysterium der Wahrheit 20
5 Wissenschaft und die drei Instrumente der Wahrheitsprüfung 23
6 Die Bedeutung der Exaktheit der Begriffe 27
7 Einseitige und einheitliche Weltanschauung – Integrale Wissenschaft 29
8 Vorstellung, Begriff und Idee 35
9 Verstand und Vernunft 36

Literaturhinweise 38
Arbeitsblatt 39

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
1 Die Macht des Denkens 1: Bedeutung unserer Weltanschauung

„Jeder Tat geht ein Gedanke voraus.“


Ralph Waldo Emerson

Wir wollen uns Stück für Stück bewusst machen, was eigentlich in unserer Seele
lebt (ohne jetzt schon genau zu wissen, was unsere Seele ist).
Das Erleben des eigenen Seins in dieser Form der Meditation der Stille ist eine
Übung, die allem zugrunde liegen kann und gleichzeitig auch durch eine Denk-
schulung bewirkt und verstärkt werden kann. Darauf weist Krishnamurti hin.
Aus Sicht der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT ist es sehr wichtig, nicht bei dieser Art
der Meditation der Stille stehen zu bleiben. Wenn wir das Bild der Welle weiter
verwenden, dann ist es auch ganz wichtig, dass bei allen Übungen, die wir geis-
tig tun, eine wichtige Kraft gefördert bzw. nicht außer Acht gelassen wird: Wir
müssen darauf achten, unser Ich, unser Selbst zu bewahren. Hier mag der eine
oder andere sagen, dass das aber doch Zweck der spirituellen Entwicklung sei,
unser eigenes Selbst, „Ego“ oder Ich aufzugeben oder sogar aufzulösen. Nun,
aus Sicht der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT ist es nicht so. Das ist nur die Sicht
verschiedener fernöstlicher spiritueller Lehren, die aber ihre wahren Ursprünge
möglicherweise verloren haben und so auch in Gegenteiliges verkehrt sein kön-
nen. Wir werden uns in diesem Kurs damit befassen, woher diese Lehren stam-
men, welche „Geister“ sich möglicherweise dahinter verbergen und worum es ei-
gentlich geht in unserer Entwicklung. Dann werden wir mit diesem Wissen frei
entscheiden und beurteilen lernen, welche Übungen wir durchführen und wie wir
mit den Lehren des Fernen Ostens umgehen wollen.
Die kleine Welle Sita darf schon die Erfahrung der Weite des Ozeans machen.
Aber die Kunst dabei ist, die eigene Individualität aufrecht zu erhalten. Dafür ist
eben die gesamte Geistesschulung, die auch die Menschheit als Ganzes durch-
laufen hat und durchläuft, wichtig. Zu dieser Schulung gehört aber vor allem seit
dem 15. Jahrhundert die Schulung und Beherrschung unseres Denkens. Neben
Meditationen der gegebenen Form gehören daher konkrete Schulungen unserer
Denkkraft, aber vor allem unserer Wahrnehmung als Basis mit dazu, um unser
individuelles Sein niemals mehr zu verlieren.
Es besteht auch eine gewisse Gefahr durch Meditationen, die einzig darauf aus-
gerichtet sind, „erleuchtet“ zu werden, dass wir dadurch extrem egoistisch wer-
den. Wir werden das im Laufe des Kurses darstellen. Weiterhin gehört dazu auch
die Thematik der Läuterung unserer Seele, d. h. des Ablegens unserer Laster
und Schwächen, bevor wir zu tief in das Geistige eindringen. Tun wir das, neh-
men wir eben diese Laster und Schwächen mit und sind somit gewissen geisti-
gen Kräften ausgeliefert. Das ist die zweite große Gefahr. Das ist, wenn die Wel-
le Sita all ihren Schmutz, den sie mit sich trägt, in den Ozean einbringt und dieser
durch die Weite und Kraft des Ozeans unendlich verstärkt wird. Das erlebt man
bei Menschen, die das nicht wissen und nicht beachten. Schauen Sie auf viele
medial begabte Menschen, wie sich oft der Charakter dieser Menschen sehr ne-
gativ verändert. Sie werden zu Lügnern, Betrügern, Machtmenschen, Materialis-
ten, usw. Der Grund dafür liegt darin, dass diese Menschen nicht mit ihren Kräf-
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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
ten umgehen können. Sie haben sich nicht geistig geschult oder jegliche Schu-
lung, vielleicht aus Gründen der Bequemlichkeit, der Überheblichkeit oder einfach
der Unwissenheit abgelehnt. Der Preis dafür aber ist hoch. Wir können dazu vie-
les aus der Praxis berichten.
Daher wurde früher auch bei allen Einweihungsschulen eine langjährige intensive
Schulung des Charakters vorgenommen. Das war absolutes Muss für die Schüler
und Lehrer, weil man genau um die Gesetze und Gefahren wusste. Heute wird
leider zu leichtfertig mit allen möglichen esoterischen Schulungen umgegangen,
ohne zu wissen, was man tut. SPIRITUELLE WISSENSCHAFT bedeutet zu lernen,
was die geistigen Gesetze sind und wie man mit ihnen umgeht. Wie bereits ge-
sagt, niemand besteigt den Mount Everest ohne professionelle Vorbereitung, und
so viele Bergsteiger sind gestorben, weil sie die Berge und ihre Gesetze unter-
schätzt, sich selber überschätzt oder sich nicht vorbereitet hatten.
Zwei Aspekte sind es zunächst, die wir bei unserem Denken zu beachten haben
und schulen werden:

a. Was wir denken


b. Wie wir denken.
„Was“ und „Wie“
wir denken ist ent-
Bereits diese Unterscheidung ist wichtig für unser ganzes Leben und auch für die scheidend.
Erziehung unserer Kinder. Wenn wir nicht wissen, wie wir richtig denken müssen,
d. h. nach welchen Gesetzen, werden wir wenig oder keinen Erfolg haben. Denn
das Geheimnis unseres Denkens besteht darin, dass wir gemäß den Gesetzen
der Welt denken und handeln können. Das ist die Macht unseres Denkens, ein
Teil unserer Macht. Diese Macht geht noch weiter, wie wir später sehen werden.
Diese Macht müssen wir schulen, von Kindheit an.
Beginnen wollen wir mit dem „Was“.

Übung
Was verstehe ich unter Weltbild?

Diese Frage klären wir zunächst für uns selbst. Versuchen Sie, mit klaren Begrif-
fen aufzuschreiben, zu formulieren, was Sie unter einem Weltbild verstehen, wo
das eigentlich abgespeichert ist. Sie werden merken, dass dies gar nicht einfach
ist. Recherchieren Sie eventuell im Internet. Besser ist aber, vorher sich Gedan-
ken zu machen, auch wenn wir dabei nur merken, dass wir keine klare Vorstel-
lung haben. Damit haben wir hier bereits eine Übung für das, was wir später un-
ter der ersten edlen Wahrheit beschreiben. Wir wollen einen möglichst präzisen
Begriff für uns erarbeiten, was wir unter Weltbild verstehen wollen. Das Wollen
bezieht sich auch darauf, dass wir frei sind, einen Begriff zu definieren, wir müs-
sen uns dabei nur bewusst werden und in einer Gruppe (ab 2 Personen) auch
einigen.
Zum zweiten geht es aber vor allem darum, anhand dieses Beispiels den Pro-
zess der inhaltlichen Klärung zu beobachten und zu erarbeiten, was die mögli-
chen Mechanismen sind, wie wir Menschen zu Begriffsklärungen kommen. Das

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geht natürlich am besten in der Gruppe, aber Sie können es auch einzeln versu-
chen, wenn Sie nur die Lehrhefte haben.
Dabei steht auch der Begriff „Bild“ im Raum, der ja eine statische Dimension dar-
stellt. Im Grunde dürfte unser Weltbild alles andere als statisch sein.
In Wikipedia ist nun wie folgt definiert:

WELTBILD (WELTANSCHAUUNG)
Darunter versteht man heute vornehmlich die auf Wissen, Erfahrung und
Empfinden basierende Gesamtheit persönlicher Wertungen, Vorstellungen
und Sichtweisen, die die Deutung der Welt, die Rolle des Einzelnen in ihr und
die Sicht auf die Gesellschaft betreffen.

Wir müssen hier das erste Mal auf die Bedeutung klarer Begrifflichkeit hinweisen,
in Kursteil 2 werden wir das vertiefen. Nun fällt uns auf, dass wir für die Klarheit
des Begriffes „Weltbild“ bei Wikipedia verschiedene andere Begriffe verwenden.
Es ist von „Vorstellungen“, „Wertungen“ und “Sichtweisen“ die Rede. Was ist ihr
Unterschied? Wir werden genauer darauf eingehen, wenn wir über die Bildung
unseres Weltbildes sprechen. Wir hören auch, dass „Wissen“, „Erfahrung“ und
„Empfinden“ die Basis darstellen. Sechs verschiedene Begriffe erbauen also den
Begriff des Weltbildes bei Wikipedia.
Es fällt uns auf, dass zwischen Vorstellungen und Wertungen unterschieden
wird. Was ist eine Vorstellung, was eine Wertung?
Nun, bei einer Wertung „Das ist gut, das ist schlecht“, befinden wir uns in einer
moralischen Ebene. Betrachten wir die Wissenschaft, so haben wir darin keine
Moral. Wissenschaft beschäftigt sich einzig mit einer „wertneutralen“ Sicht.

Weltbild (Ich schaue auf die Welt)

Welt

Ich
Fremdbild
(Du schaust auf mich)
Selbstbild
(Ich schaue auf mich)

Bild 1: Weltbild - Selbstbild- Fremdbild

Diese einfache Skizze soll die uns wohl bekannten drei Begriffe von Selbstbild,
Weltbild und Fremdbild noch einmal veranschaulichen.

SELBSTBILD
Als unser Selbstbild bezeichnen wir die Summe (besser Netzwerk) all unserer
Begriffe und Vorstellungen über uns selbst.
Unser Selbstbild ist ein Teil unseres Weltbildes.
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Wir könnten hier ebenso zwischen Selbstbild und Selbstanschauung trennen,
was sogar sinnvoll wäre. Ein jeder kann dies für sich tun. Nachdem aber allge-
mein darauf verzichtet wird, wollen wir es hier auch tun. In einer „Selbstanschau-
ung“ kämen die wertenden Gedanken („Ich bin es nicht wert, zu leben“) zu den
sachlichen Aussagen hinzu. Das Fremdbild ist allerdings ein Teil des Weltbildes
des Anderen.

Wir wollen an dieser Stelle bereits darauf hinweisen, dass „Denken“ nicht auf den
„Intellekt“, den „Verstand“ begrenzt ist. Es gibt mehrere Formen des Denkens,
aber auch unbewusste, intuitive Empfindungen: z. B. wenn man einen Raum
betritt und spürt, dass etwas nicht stimmt, äußern sich eben in dem Gedanken „in
dem Raum ist etwas nicht in Ordnung“. Das ist ein Beispiel für die Aussage, dass
die Empfindungen Basis, aber nicht Teil unseres Weltbildes sind.
Nach der Klärung, was unser Weltbild ist, wollen wir in diesem Teil die Bedeu-
tung des Weltbildes klären.

Übung
Welche Bedeutung hat unser Weltbild für unser Leben?

Auch hier wäre es gut, sich einige Gedanken dazu zu machen. Sie werden
schnell merken, dass das Ergebnis sehr eindeutig ist und von allen Seminarteil-
nehmern ohne Ausnahme so gesehen wird. Hierzu einige kleine Geschichten und
Tatsachen, die uns bewusst machen sollen, welche Kraft und Macht in unserem
Denken liegt.

Geschichte 1
Ein Arbeiter, der in Kühlhäusern tätig ist, sperrt sich versehentlich eines Tages
in ein Kühlhaus ein. Er weiß, dass er erfrieren muss, denn die tiefen Tempera-
turen wirken tödlich. Er stellt sich also auf seinen Tod ein, weil er auch weiß,
dass niemand ihn finden wird.
Was er allerdings nicht weiß ist, dass kurze Zeit darauf ein längerer Stromaus-
fall geschieht, der bewirkt, dass die Kühltemperatur zurückgeht, so dass er
nicht sterben müsste.
Doch der Arbeiter wurde trotzdem tot aufgefunden.

Warum? Er wusste nichts von dem Stromausfall. Seine Gewissheit in der Vorstel-
lung, dass er sterben müsse, bewirkte seinen Tod.

Geschichte 2
Eine Gruppe von Grubenarbeitern wurde verschüttet. Nur einer hatte eine Uhr
dabei und konnte verfolgen, wie viel Zeit die Kumpel verschüttet unter Tage
verbrachten. Wann immer seine Kollegen ihn fragten, wie lange sie bereits un-
ter der Erde seien, reduzierte er die Zeitspanne, um ihnen die Angst zu neh-
men. Bald wusste er selbst, dass sie bereits zu lange verschüttet waren, um
noch überleben zu können. Doch seinen Kumpels sagte er nichts davon. Er
ließ sie in dem Glauben, dass viel weniger Zeit verstrichen war. Dann geschah
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das Wunder: die Bergleute wurden doch noch gerettet und alle überlebten –
bis auf einen, den Bergmann mit der Uhr. Er war unter Tage gestorben und
hatte die Uhr noch vernichtet, so dass seine Kumpel erst hinterher erfuhren,
dass sie eigentlich nicht mehr leben konnten und er ihnen durch die Fehlin-
formation ihr Leben gerettet hatte.

Was aber hatte ihr Leben gerettet? Ihr fester Glauben, dass sie weniger Zeit un-
ter Tage verbracht hatten. Das Wissen des Kumpels mit der Uhr um die tatsäch-
lich verstrichene Zeit UND die Erfahrungswerte, wie lange man als Verschütteter
überleben kann, hatten allerdings seinen Tod herbeigeführt.

Geschichte 3
In einem Container-Verladebahnhof beklagten sich die Arbeiter über die zu
schweren Container. Die Krankheitsrate war auch sehr hoch. Die Container
waren schwarz angestrichen. Daraufhin ließ die Geschäftsleitung die Contai-
ner weiß streichen, ließ allerdings das Gewicht der Container gleich aber die
Arbeiter in dem Glauben, dass die Container leichter seien. Daraufhin ging die
Krankheitsrate zurück und die Arbeiter waren zufrieden.

Was hatte die Krankheitsrate hervorgerufen und auch reduziert? Die schwarzen
Container und der blinde Glaube, dass die weißen Container leichter seien. Nur
der unbewusste Glaube an den hellen Anstrich wirkte. Ähnliche Erfahrungen gibt
es in der Psychologie in Hülle und Fülle.

Geschichte 4
In den letzten Jahren haben die Ärzte weltweit eine verblüffende Entdeckung
gemacht: die so genannten Placebo-Operationen. Dies bedeutet, dass man
Patienten in dem Glauben ließ, dass sie operiert würden, während nur ein
kleiner Schnitt gemacht und dieser dann nur zugenäht wurde. Statistisch
konnte man dann nachweisen, dass das Befinden dieser Patienten und einer Placebo-
Kontrollgruppe, die wirklich operiert worden waren nach einiger Zeit gleich gut Operationen hel-
war. So weiß man heute, dass mindestens 50 % aller Operationen oder viel- fen.
leicht sogar viel mehr überflüssig sind.

Warum ist das so? Weil der so genannte Placebo-Effekt gegriffen hat, über den
sich die Wissenschaft heute in der Konsequenz immer mehr Gedanken macht.
Der Glaube, operiert worden zu sein, hatte genauso geholfen wie die echte Ope-
ration!
Alle Geschichten sprechen dieselbe Sprache wie der Placebo-Effekt. Was be-
deutet dieser Effekt und was sagen uns diese Geschichten? Beim Placebo-
Effekt, der Container-Geschichte, oder auch bei den jüngsten Placebo-
Operationen an der Wirbelsäule, bei denen eine Operation zum Einspritzen von
Kalk nur simuliert wurde und derselbe Effekt eintrat wie bei den echten Operatio-
nen, haben Patienten eine Vorstellung. In ihren Gedanken stellen sie sich bildhaft
eine Operation vor, die ihnen hilft. Und in der Tat hilft diese Vorstellung (statis-
tisch so oft wie bei echten Operationen)! Diese Vorstellung ist aber ein Teil des
Weltbildes.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Unser Weltbild macht uns also krank, lässt uns sterben (Grubenunglück, Kühlhal-
le) oder lässt uns gesunden (Placebo-Operationen). In diesem Falle sind es vor
allem Irrtümer, die helfen oder schaden.
Daran erkennen wir doch die essentielle Bedeutung unseres Weltbildes – vor al-
lem eines falschen Weltbildes. An vielen Beispielen aus unserem Leben wissen
wir, wenn es um äußere Tatsachen, wie Finanzen, Steuern, usw. geht, dass uns
ein falsches Weltbild sehr wohl schadet. Der Glaube an die Aussagen der Ban-
ken über Lehmann-Zertifikate, das Nichtprüfen dieser Aussagen, das Ausschal-
ten des gesunden Menschenverstandes, hat Millionen Menschen großen Scha-
den gebracht.
Wir können also letztlich sagen:

Unser Weltbild und unsere Weltanschauung bestimmen über Erfolg und Miss-
erfolg in unserem Leben. Unser Weltbild ist
lebensentschei-
Sie stellen einen oder den entscheidenden Machtfaktor für unser Leben dar. dend.

Beachten wir dabei zunächst vor allem das Weltbild. Die Vorstellung der Sicher-
heit von Lehmann-Zertifikaten stellt einen Irrtum dar. Es war eine falsche Vorstel-
lung, und diese falsche Vorstellung über die Außenwelt führte zu Schaden.
Wir berühren hier den Boden des Begriffs der „Wahrheit“, den wir uns in Kursteil
2 intensiv erarbeiten werden. Die Klärung von Begriffen ist letztlich die Aufgabe
der Wissenschaft oder unseres eigenen wissenschaftlichen Denkens. In der Wis-
senschaft erarbeiten wir ja auch Weltbilder, die wir als Theorien bezeichnen oder
auch als Modelle. Wir versuchen wie in unserem Leben, die Wirklichkeit durch
Modelle zu beschreiben. So erfordert auch der Begriff der Wahrheit selber eine
Klärung. Hier befinden wir uns aber in einem gewissen paradoxen Gebiet, denn
welches „wahre“ Modell sollen wir dazu heranziehen? Hier wollen wir eine sehr
einfache, fundamentale Definition oder Beschreibung verwenden, die uns diesen
Begriff deutlich macht.
Auch in unserer Weltanschauung, also der zusätzlich wertenden Sicht, gibt es Irr-
tümer, die uns schaden. „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden“ ist eine in Men-
schen schlummernde, unbewusste Vorstellung, die deren Leben blockiert.
In unserem Weltbild gibt es also eine Reihe von Irrtümern. Einem Placebo-Effekt
liegt zwar ein Irrtum zugrunde, aber nicht der Irrtum hat geheilt, sondern eine
richtige (aber unbewusste) Vorstellung über Heilung („Meine Wirbelsäule wird
wieder repariert/geheilt werden“).
Unser ganzes Leben bedeutet im Grunde zu lernen und so erkennen wir, dass
letztlich unser ganzes Leben auch Weltbildarbeit ist, dass wir beständig unser
Weltbild erweitern, neue Erkenntnisse hinzufügen und das Bild korrigieren, Irrtü-
mer beseitigen.
In Bezug auf Selbstentwicklung können wir daher sagen:
Alle Entwicklung
All unsere geistige Selbstentwicklung ist Arbeit an unserem Weltbild. an uns ist Welt-
bildarbeit.
Denn unsere gesamte geistige Entwicklung ist letztlich Erweiterung unseres
Weltbildes, und zwar in Richtung eines korrekten und nicht irrtümlichen Weltbil-
des. Unsere Weltanschauung hat eine zentrale Bedeutung für unser Leben, und
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daher arbeiten auch so viele Therapeuten an der Korrektur von „Glaubenssät-
zen“, die uns alle prägen. Wir können auch sagen, dass der gesamte Kurs, dass
überhaupt alle menschliche Entwicklung eine Arbeit an unserem Weltbild ist
Anmerkung: Unser Selbstbild ist ein für uns ganz wichtiger, zentraler Teil des
Weltbildes!

Als primäres Weltbild bezeichnen wir das (flüchtige) Wahrnehmungsbild, das Wahrnehmungs-
wir im Augenblick über all unsere Sinne gewinnen. bild = primäres
Als sekundäres Weltbild oder Weltbild bezeichnen wir das Netzwerk all unse- Weltbild
rer Begriffe über die Welt, die wir uns aus unseren Erfahrungen bilden. Es ist
Netzwerk aller
wie unser eigenes Wikipedia. Begriffe = Welt-
Erfahrung und Vorstellung werden später erläutert. bild

Alles, was wir über die Welt (und damit auch uns selbst, wobei wir das als unser
„Selbstbild“ bezeichnen können) denken und damit an Vorstellungen bilden (wir
erinnern uns, dass wir in der Welt des Denkens zwischen Gedanken und Vorstel- Unsere Innenwelt
lungen unterschieden haben) bildet zusammen unser Weltbild, und dieses Welt- = Selbstbild +
bild bestimmt unser ganzes Leben – bis hin zu einem möglichen unnötigen Tod, Weltbild
wie wir gesehen haben.
Nun haben wir verstanden, dass in unserer Verstandes- und Gemütsseele Vor-
stellungen und Gefühle leben. Die Verknüpfung all dieser, die sich aus unseren
Erfahrungen ergeben, können wir auch als das Weltbild bezeichnen. Wir schla-
gen aber vor, dafür zur Unterscheidung den Begriff der Weltanschauungen zu
wählen. Es zählen dazu die Empfindungen aus persönlichen Erlebnissen und die
moralische Sicht, die wir aus unserer Kultur übernommen haben. Weltanschauung
= Weltbild plus die
emotionalen und
Als Weltanschauung bezeichnen wir das Weltbild zusammen mit allen emoti- traditionellen As-
onalen und moralischen Verknüpfungen dazu. pekte

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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2 Die drei Kräfte unserer Seele, Kategorien unseres Seins, Ent-
stehung unseres Weltbildes

In den Geheimnissen des Denkens, des Geistes, hat sich mir die Kraft offen-
bart.“
Euripides, 500 v. Chr.

Zu Beginn dieses Heftes empfehlen wir, dass Sie sich zuerst einmal die Zeit
nehmen, das Arbeitsblatt am Ende zu bearbeiten...
Stellen wir uns dann einmal die Frage:
„Womit beschäftigen wir uns im Leben am wenigsten oder sehr wenig?“
Meistens sind es die Dinge, die selbstverständlich sind! Mit unserer Gesundheit
bzw. unserem Körper befassen wir uns oft erst, wenn wir krank sind.
Wenn wir die Frage nach unserer wichtigsten Fähigkeit klären, dann stoßen wir
eventuell auf die Fähigkeit, um die es uns hier geht: unser Denken. Was wären
wir, wenn wir nicht bewusst wären?! Wie würden wir uns fühlen, wenn wir nicht
klar denken könnten? Wie muss es einem geistig behinderten Menschen gehen?
Was ist schlimmer: körperliche oder geistige Behinderung? Menschen, die nach
tragischen Unfällen gelähmt sind, aber geistig klar, leben trotzdem ein erfülltes
Leben. Was sagt uns das?
Auf dem Arbeitsblatt wird nach den wichtigen oder wichtigsten Fragen gefragt. Es
ist sicher so, dass wir alle meist die täglichen Sorgen und damit verbundenen
Fragen im Vordergrund haben: Geld, Partnerschaft, Kinder,... Das ist normal. Die
Frage nach den für uns im Leben allgemein wichtigen Fragen ist vielleicht schon
so, dass viele sich darüber noch gar keine Gedanken gemacht haben. Und die
darüber hinaus möglichen Fragen, wie wir sie zum Teil eben hier in diesem Heft
stellen, die sind für die meisten Menschen wahrscheinlich weit entfernt. Denn es
sind die Fragen nach unserem Denken.
Wir benutzen das Denken, aber wir hinterfragen es nicht. Welche Fragen könn-
ten denn noch spannend sei? Es sind natürlich die Fragen, die sich die Philoso-
phen stellen und wir, wenn wir philosophisch werden. Das bedeutet ja Philoso-
phie. Nun, wie wäre es z. B. mit diesen Fragen:

Warum stellen wir überhaupt Fragen?


Warum können wir überhaupt Fragen stellen?
Was lebt eigentlich in uns, wenn wir Fragen stellen?
Welche Fragen sollen wir stellen? Was ist das Ge-
heimnis des Den-
Nun, wir erkennen, dass das Streben des Menschen nach Erkenntnis ein Urtrieb kens und des Er-
in uns ist, der uns nicht ruhen lässt. Er ist zugleich unsere Erkenntniskraft. kennens?
In diesem Kursteil und Lehrheft wollen wir daher genauer auf das eingehen, wo-
mit wir bereits mehrere Übungen durchgeführt haben: unser Denken und unsere
Erkenntnisfähigkeit. Deren Geheimnis wollen wir versuchen zu lüften. Wir haben
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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
uns mit der Übung befasst, „was“ wir denken. Aber wir haben ein zentrales The-
ma dabei nicht behandelt, auch ein zentrales Thema unseres gesamten Kurses:
unser Denken selber und das „Wie“ des Denkens.
Unser Kurs befasst sich mit dem „Geist der Freiheit“, der letztlich in einem Geist
Freiheit! und
der Wahrheit begründet sein muss. Wahrheit sind die
Wahrheit und Liebe zur Wahrheit erscheinen als fundmentale und weltanschau- Hauptthemen un-
lich neutrale Prinzipien eines freien Geistes. Nur das Streben nach Wahrheit er- seres Kurses.
scheint letztlich auch als eine Basis des Strebens nach wahrer Menschlichkeit.
Aus diesem Grunde ist es von großer Wichtigkeit, dass eben der Begriff der
„Wahrheit“ an sich geklärt wird und zwar so, dass die Mitwirkenden sich einen
Konsens erarbeiten können. Dieses Seminar soll dazu die Grundlagen liefern.
Daher werden die zentralen Themen die der Wahrheit an sich und vor allem des
Weltbildes und des Selbstbildes des Menschen sein. Denn letztlich prägt das
Welt- und Selbstbild unser Leben, wie wir festgestellt haben. Die Bewusstwer-
dung des eigenen Weltbildes steht daher im Mittelpunkt und damit auch all die
Begriffe, die sich darum ranken.
Das Seminar soll deshalb dazu dienen, eine erforderliche Klarheit in Bezug auf
diesen Begriffe und die damit verbundenen Themen zu schaffen, so dass auf
dieser Basis der Kurs und unser Leben fortschreiten können.

Die Entstehung unseres Weltbildes führt uns tief hinein in unsere psychologische Wie entsteht unser
Weltbild?
und geistige Struktur. Wir können diese hier allerdings nur in Kürze darstellen
und die Aspekte aufzeigen, die allgemein verständlich sind. In der weiter gehen-
den GEIST-WISSENSCHAFT (der Wissenschaft vom Geist) kann das vertieft wer-
den. Unser Weltbild spielt sich in der Ebene des Denkens ab. Also müssen wir
betrachten, welche Instanzen überhaupt daran beteiligt sind, Gedankenbilder
aufzubauen. Zunächst wollen wir uns bewusst machen, was eigentlich in unserer
Seele lebt (ohne jetzt schon genau zu wissen, was unsere Seele ist) und welche
Kräfte uns verfügbar sind.

ÜBUNG: Wir schließen die Augen und nehmen nur wahr (im Seminar mit
speziellen Effekten). Dann öffnen wir die Augen und machen das-
selbe. Wir registrieren nur, was wir alles in uns erleben und versu-
chen für uns zu klären, was wir erleben und wie wir das benennen
können. Es geht dabei darum, selbst zu bestimmen, welche Katego-
rien wir erleben. Wir erleben zum Beispiel ein Wohlsein oder ein
Unwohlsein. Was aber ist das? Wie können wir das generell benen-
nen (Gefühl)? Was erleben wir dabei noch (einen Gedanken dazu:
„Ich fühle mich wohl“). Versuche herauszufinden, welche generellen
Erfahrungen (generell: „Wahrnehmungen“) wir machen.

Diese Übung soll uns bewusst machen, was in uns lebt. Wir erleben an dieser
Übung immer wieder, wie wenig wir unsere inneren Instanzen kennen und vor al-
lem unterscheiden können.
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Wir können auch eine wichtige Beziehung herstellen zu unserer Dreiteilung von
Körper, Seele und Geist. Es ist im „Modell“ der GEIST-WISSENSCHAFT diese Drei-
teilung eine Realität und alle Kräfte wirken demzufolge in allen drei Ebenen. Je-
doch gibt es Dominanzen. Im Bereich „Körper“ herrscht die Kraft des Willens vor,
im Bereich „Seele“ das Fühlen und im Bereich „Geist“ das Denken.
Wenn wir analysieren, was wir erleben, erhalten wir die üblichen, uns bekannten,
aber meist nicht klar bewussten und zum Teil verwirrend durcheinander gebrach-
ten Kategorien. Was sind diese? In der unten stehenden Graphik haben wir sie
zunächst zusammengefasst. Im Seminar sitzen wir ruhig und erzeugen dann ei-
nen lauten Ton (z. B. Gong). Als Teilnehmer zucken wir zusammen und erleben
eine Kaskade innerer Erfahrungen.
Das erste, was wir erleben, sind einfach Sinneswahrnehmungen. Wir hören den
Ton oder ein Geräusch, wenn wir ruhig sitzen. Wenn wir die Augen aufmachen,
Äußere Ebene un-
sehen wir Gegenstände oder wir hören jemanden sprechen. Unsere äußeren,
seres Seins:
körperlichen Sinne erzeugen in uns WAHRNEHMUNGEN, Bilder (Farbbilder, Klang- Wahrnehmung
bilder, etc.) der Welt. Die erste Kategorie sind also unsere Wahrnehmungen. Es
gibt also eine Kraft in unserem Körper, die uns wahrnehmen lässt.
Dann erleben wir GEFÜHLE (dazu zählt alles, wie Angst, Freude, Wohlsein, Neid,
1. Ebene unseres
Unmut, Zorn, usw.). Es gibt also eine erste innere Kraft, die Kraft „FÜHLEN“, die
Seins der Seele:
unsere Gefühle erzeugt. Dabei können wir aber zwei Kategorien unterscheiden. Gefühle
Wenn wir uns mit einer Nadel stechen, dann spüren wir etwas über unseren
Tastsinn. Ein Druck wird auf die Haut ausgeübt. Der Druck selber ist eine physi-
kalische Qualität, so wie die Wärme, die wir spüren. Dieser Druck ist wie das
Messen mit einem Barometer. In uns jedoch taucht noch etwas Anderes auf: eine
EMPFINDUNG. Wir nennen sie in diesem Falle „spitz“ im Gegensatz zu „stumpf“.
Was sind Empfin-
Ein Messgerät hat eine solche Empfindung nicht. Das Wesentliche an unseren
dungen –
Empfindungen ist, dass wir sie in unserem Inneren, in unserer Seele erleben. Im sensations?
nächsten Teil des Kurses werden wir diesen Seelenteil ausführlich behandeln. Es
ist jedenfalls keine physikalische, sondern eine seelische Regung.

Das zweite, was daran wichtig ist, ist, dass wir Empfindungen sicherlich individu-
ell erleben, aber trotzdem die Berührung mit einer Nadel im Allgemeinen als
„spitz“ (das ist der „Begriff“, den wir uns dafür gebildet haben) empfinden. Das
bedeutet, dass Empfindungen, die wir zu unserer Gefühlswelt zählen müssen, Empfindungen
bei allen Menschen identisch sind und sprachabhängig auch identisch benannt sind neutral.
werden. Abweichungen gibt es dann, wenn es Wahrnehmungsstörungen gibt, al-
so zum Beispiel eine Farbenblindheit. Empfindungen sind also der direkte Aus-
druck einer Wahrnehmung, sie finden in der Seele statt und sind nicht individuell.
In der Graphik sind einige der Gegensatzpaare an Empfindungen aufgezeigt.
Nun aber kommt eine zweite Gefühlsebene hinzu. Eine Nadel empfinden wir als
spitz, wir empfinden sogar Schmerz, aber es gibt Menschen, die einen solchen
Schmerz lieben und genießen, während die meisten Menschen ihn als unange-
nehm empfinden. Wir bekommen also eine neue Kategorie: das GEFÜHL .

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
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Unsere Seele
(innere Erlebnisse - in Kategorien
Seelenkräfte)

Sinnes-
Wahrnehmungen

1 Denken 2 Fühlen 3 Wollen

Gedanken Gefühle Willensimpulse


Vorstellungen Empfindungen Willenshandlungen

Gedanken Vorstellungen Empfindungen Gefühle

Handlungen
spitz stumpf

konkrete abstrakte
hart weich
Sympathie Antipathie

kalt warm

trocken feucht Empathie

hell dunkel

Bild 2: Übersicht über unsere Seelenkräfte DENKEN – FÜHLEN - WOLLEN

Dies verstehen wir jetzt als die ganz persönliche, individuelle Reaktion auf eine
Empfindung. Gefühle sind bei Menschen verschieden. Ein jeder reagiert anders. Gefühle sind zu-
Hier beginnt unsere wahre Individualität! Generell können wir hier zwei Arten von nächst individuell
und zeigen sich
Gefühlen unterscheiden: angenehme und unangenehme. Die zwei Kräfte, die
als:
sich dahinter verbergen, bezeichnen wir als die Kraft der SYMPATHIE und die der
ANTIPATHIE. Gefühle zeigen sich uns dann in den verschiedenen Qualitäten wie ANTIPATHIE
Freude, Angst, etc., aber ihr Merkmal ist stets, dass sie angenehm oder unange- SYMPATHIE
nehm sind, dass wir sie mögen oder nicht mögen. Das macht unsere Individuali-
tät aus. Jedoch gibt es ein weiteres noch zu ergründendes Phänomen: das Mit- Eine neutrale Ge-
fühlswahrneh-
gefühl, auch korrekterweise als EMPATHIE bezeichnet. Dieses wird für uns be-
mung: EMPATHIE
sonders wichtig in Beziehung auf das Thema der Liebe. Es stellt die neutrale Ge-

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
fühlswahrnehmung des Anderen dar, nicht der eigenen Gefühle. Die Empathie ist
letztlich auch für einen Coach entscheidendes Erfolgskriterium, denn im Coa-
ching geht es ja genau darum, den Klienten in seinen Strukturen, Bedürfnissen 2. Ebene unseres
Seins der Seele:
und Gefühlen zu erfassen und darauf einzugehen und eben die eigenen Sympa-
Gedanken.
thien und Antipathien auszuschließen. Um den Anderen in seinem Wesen wahr-
nehmen zu können, muss Empathie wirken.
An den Gefühlen bzw. parallel dazu erleben wir GEDANKEN. „Das war aber laut“.
Damit benennen wir die Dinge, die wir erleben. Wir holen sie mit unserem Den- Denken: Gedan-
ken + Vorstellun-
ken in unser Bewusstsein. Gefühle werden uns erst bewusst, wenn wir sie be-
gen
nennen können. Unser DENKEN ist also die nächste Kraft, die in uns lebt. Sie
stellt sich als die entscheidende dar, denn wir benennen nicht nur durch sie (Beg-
riffsbildung), sondern bekommen auch unsere Erkenntnisse auf dieser Ebene.
Sie ist die Kraft, die uns erst zum Menschen macht.
Aus unseren Gefühlen und Gedanken treffen wir unsere Entscheidungen und
gehen dann in die Handlung. Es mag sein, dass wir in der Übung uns entschei-
den, uns anders hinzusetzen. Was ist dem vorausgegangen? Ein Willensimpuls. 3. Ebene unseres
Das ist die dritte Kraft in unserem Inneren: das Wollen, der WILLE. Seins der Seele:
Willensimpulse.
Wenn wir nun aus unserer Übung alle Erlebnisse betrachten, dann werden wir
feststellen, dass wir sie alle in diese gefundenen Kategorien einordnen können.
Wir werden im Laufe des Kurses weitere Kräfte wie das Gedächtnis betrachten. Gedächtnis: ge-
Aber dieses ist auch der Kraft des Denkens zuzuordnen. Damit stellen wir fest, speicherte Vorstel-
dass wir insgesamt nur drei Kräfte in unserer Seele tragen, dass wir also nur drei lungen
Kräfte haben, die wir beherrschen lernen müssen in Bezug auf unsere Freiheit!
Allerdings haben wir auch gesehen, dass Denken nicht gleichzusetzen ist mit
Gedanken.

Damit stellen wir fest, dass wir insgesamt nur drei Kräfte in unserem Inneren
tragen, die wir beherrschen lernen müssen für die Meisterung unseres Le- So gibt es nur drei
bens: Seelenkräfte zu
beherrschen!
Denken – Fühlen – Wollen.
Selbstentwicklung bedeutet daher letztlich die Schulung dieser drei Kräfte, in
erster Linie aber des Denkens.

Wir haben als Mensch Organe, mit denen wir Impulse aus der Außenwelt auf-
nehmen (unsere Sinnesorgane). Dann besitzen wir innere Organe, die Wahr- Aus diesen erge-
nehmungsimpulse in Empfindungen, Gefühle, Gedanken, Entscheidungen und ben sich unsere
Willensimpulse umsetzen, die dann letztlich in unseren HANDLUNGEN resultieren. Handlungen.
Ganz wichtig für unser Weltbild sind zunächst unsere Wahrnehmungen. Sie lie-
fern uns im Grunde ein erstes „Weltbild“, wir können es als „primäres Weltbild“
oder „Wahrnehmungsbild“ bezeichnen. Das ist wie bei einer Kamera, die ein
getreues Bild der Umgebung aufzeigt. Dieses Bild ist zwar nicht unser Weltbild,
aber es bildet eine entscheidende Basis. Ein jeder Sinn erzeugt sein eigenes Bild
(„Klangbild“, „Farbbild“, „Formbild“, „Wärmebild“) und es sei darauf hingewiesen,
dass es weit mehr als die uns normalerweise bekannten 5 Sinne gibt, was aber
ein eigenes Thema ist.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Wenn wir die Welt mit unseren Augen anblicken, erleben wir dieses Bild. Eindrü-
cke kommen in unser Inneres. Diese Eindrücke, die zunächst noch gar nichts mit
unserem Denken, Fühlen oder Bewertungen zu tun haben, nennt die Erkenntnis-
theorie „reine Erfahrung“. Wenn man weiter darüber nachdenkt, kann man he-
rausfinden, dass alle unsere Erfahrungen von dieser Art sind.
Wenn wir nun die Augen schließen, können wir in uns ein Bild dessen herstellen,
was wir erfahren haben. Das, was wir hier erleben und was sich in unserer
Denkwelt abspielt, nennt man „VORSTELLUNG“. Wir erhalten damit ein zweites
Bild, das „Vorstellungsbild“, das nun Teil unseres Weltbildes ist. Dann begin-
nen wir uns Gedanken über das Erlebte, die Erfahrungen zu machen, Schluss-
folgerungen zu ziehen, zu lernen, Gesetze zu erkennen, Erkenntnisse zu gewin-
nen (alles im Denken!) und bauen so eine Fülle von Aussagen in uns auf, die zu-
sammen mit unseren Vorstellungen unser Weltbild ausmachen. Wir erbauen ein
drittes Bild, unser „Gedankenbild“, „Erkenntnisbild“. Vorstellungs- und Ge-
dankenbild zusammen bilden unser Weltbild. Und wenn wir nun noch eine per-
sönliche oder kulturell bedingte moralische Wertung hineinbringen, wird daraus
unsere Weltanschauung.
Alle Religionen, alle – ismen, wie Nationalsozialismus, Faschismus, Kommunis-
mus, Kapitalismus, usw. sind Weltanschauungen, die auf Weltbildern basieren.
Wir werden später sehen, was dem zugrunde liegt, wenn wir über Axiome spre-
chen.
Es ist völlig klar, dass ein jeder von uns ein anderes Weltbild als Ganzes hat,
dass wir alle verschiedene Sichtweisen haben. Jedoch sind Teile unseres Welt-
bildes bei allen gleich und damit stoßen wir auf das Thema der Wahrheit, das wir
in Kürze behandeln werden. Zunächst müssen wir aber noch auf eine wichtige
Unterscheidung in Bezug auf unser Denken hinweisen.

Außen ist die Welt unseres Körpers, die uns Signale aus der Außenwelt liefert,
innen die SEELE (die auch Impulse aus sich selbst oder dem Geist aufnehmen
kann, wie wir in Kursteil 2 gesehen haben), welche die Impulse verarbeitet und
dann mit Handlungen darauf reagiert.
Drei Dinge sind es also im Wesentlichen „nur“, um die wir uns zu kümmern ha-
ben. Zunächst ist es auch so, dass wir nur Gedanken und Gefühle direkt erleben
und den Willen erst, wenn er in der Handlung sichtbar wird. Den Willensimpuls
bemerken wir selbst nicht. Es sind also deshalb zunächst vor allem zwei Kräfte,
das Denken und das Fühlen, die unser Leben ausmachen und bestimmen, doch
das Denken kann alleine führen.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
3 Denken über das Denken

Unser Denken ist uns so selbstverständlich, dass wir eben darüber nicht nach-
denken. Und in diesem Satz begegnet uns bereits das Mysterium unseres Den-
kens. Das Denken zu erforschen ist deshalb wichtig, weil es die Grundlage unse-
res ganzen Lebens ist, eine von dreien, neben Fühlen und Wollen, wie wir ge-
lernt haben. Aber es hat deshalb seine hohe Bedeutung gegenüber den anderen
beiden, weil wir nur im Denken voll bewusst sind. Nur im Denken sind wir wach-
bewusst. Im Fühlen, haben wir erarbeitet, träumen wir, im Wollen schlafen wir.
Unser ganzes Leben beruht auf unserem Bewusstsein, unserem bewussten
Denken. Alle Wissenschaft beruht darauf. Wir haben auch gehört, dass die Welt
des Geistes die Welt der Gedanken ist, die Welt des Denkens. Und damit berüh-
ren wir das große Thema, das uns Menschen immer wieder entzweit: Wahrheit.
Wir müssen für uns Kriterien finden, zu beurteilen, ob etwas wahr ist, und das
werden wir in diesem Heft tun. Damit aber berühren wir unser Denken, denn vor Was ist das Ge-
heimnis der Wahr-
allem alle Wissenschaft ist Ausdruck von Gedanken. Wir müssen daher, wenn
heit?
wir wissenschaftlich untersuchen wollen, was Wahrheit eigentlich ist, unser Den-
ken untersuchen. Damit stellt sich die spannende Frage: Womit untersuchen wir
unser Denken? Und da zeigt sich das Mysterium, das wir in dem obigen Satz be-
reits zum Ausdruck gebracht haben: Wir denken nicht über unser Denken nach.
Und wir erkennen:

Das einzige Instrument, mit dem wir unser Denken erforschen können, ist das
Denken selber!
Nur mit dem Den-
ken können wir
Dieses Mysterium hat schon immer die großen Denker, Geister und Philosophen das Denken erfor-
bewegt. Gibt es also einen Zweig der Wissenschaft, der sich mit dem Denken schen -
selbst befasst? Ja, es ist die Philosophie und darin die Wissenschaftstheorie und
darin die Erkenntnistheorie – die Erkenntniswissenschaft.
mit der Erkenntnis-
Wir kommen nicht darum herum, geistige Arbeit zu leisten, um unseren Geist
theorie
weiterzuentwickeln. Das werden und müssen wir mit unserem Thema des Welt-
bildes ganz besonders tun. Das Thema „Weltbild und Selbstbild“ streift dabei ein
spannendes Thema. Unser Weltbild hat insbesondere mit unserem Denken zu
tun. Es baut darauf auf. Mit unserem Denken, versuchen wir uns ein „Bild“ von
der Welt zu machen, wie sie ist (Gegenwartsbild), wie sie war (Vergangenheits-
bild) und wie sie werden wird (Zukunftsbild). Unser Weltbild ist dabei eine Ganz-
heit, weil unser Geist ganz offensichtlich die verschiedenen Vorstellungen mitein-
ander in Beziehung setzt und sie zu einem Ganzen verknüpft.
Unser Denken ist also die Kraft, mit der das Weltbild erbaut wird. Das Bild ist
selbst ein Geflecht aus Gedanken und Vorstellungen. Das erkennen wir daran,
dass wir in allen Gesprächen, bei Vorträgen usw. ja stets versuchen, das Gehör-
te „einzuordnen“ in unsere geistigen „Schubladen“. Wir hinterfragen alles Gehörte
in Bezug auf unser Geflecht von Gedanken, das wir Weltbild nennen.
Das Spannende liegt nun darin – und hier berühren wir offensichtlich auch bereits
das Geheimnis unseres Mensch-Seins – dass auch unsere Vorstellungen über

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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
unser Denken selbst zu unserem Weltbild gehören! Wir haben da ein Problem
wie bei Münchhausen.

Wir müssen uns mit Hilfe des Denkens ein Bild über das Denken machen!

Dass dies möglich ist zeigt die Philosophie, darin speziell die Erkenntnistheorie.
Und das scheint das Besondere und Einzigartige am menschlichen Denken zu
sein, auf das wir hier nicht tiefer eingehen können, obwohl es ganz entscheidend
für unser Leben ist.
Wir müssen also, wenn wir über uns selbst etwas wissen wollen, uns wirklich
selbst erkennen wollen, auch dieses Thema behandeln. Das wird aber heute in
der Praxis und auch in den Bildungssystemen nicht gemacht. Wir lernen nichts
oder kaum über unser Denken selbst, das wichtigste Instrument aller Bildung.

Wir werden uns daher in diesem Heft, so gut es in einer solchen Kürze geht und
es uns möglich ist, mit den wichtigsten Aspekten dieses Themas befassen, und
diese lauten: Denken, Erkenntnis, Wahrheit, Logik.
Was wir mit diesem Lehrheft 3 und dem Lehrheft 4 aufzeigen wollen, fassen wir
hier bereits vorweg zusammen, um darauf hinzuweisen, wo wir hinwollen:

Das Höchste, was es bislang aus unserer Sicht und Erkenntnis im Univer-
sum gibt, ist die Fähigkeit der Erkenntnis.
Sie ist die Fähigkeit des Geistes, sich selbst zu erkennen, vielleicht die Fä-
higkeit (oder Absicht) Gottes, der sich in die Schöpfung und damit auch in
uns ausgegossen hat, sich selbst zu erkennen.
Ein Wesen, das diese Fähigkeit besitzt - der Mensch - erscheint daher
doch als die Krone der Schöpfung.
Der Mensch, und damit ein jeder von uns, trägt in sich diese Fähigkeit und
damit die Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, und das bedeutet im wah-
ren und höchsten Sinne, Wissenschaft zu betreiben.
Und damit kann das jeder.
Wissenschaft ist viel mehr, als wir ihr in der Gesellschaft heute zugestehen.
Sie ist eine höchste göttliche Fähigkeit zur Erkenntnis der Wahrheit in aller
Freiheit eines freien, bewussten Geistes.

In diesem Heft 3 bearbeiten wir zunächst noch die korrekte Anwendung des
Denkens selber in einiger Tiefe, vor allem mit der Logik. In Heft 4 werden wir
dann noch tiefer gehen und über das Denken selber nachdenken und klären, was
das Geheimnis unserer Kraft der Erkenntnis ist und der Kraft unseres Denkens.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
4 Das Mysterium der Wahrheit

Im Mittelalter herrschte die Vorstellung, das Modell der Erde als Scheibe. Dieses
Modell stellte sich als falsch heraus, als Irrtum. Die Wirklichkeit war eine andere,
als die Mehrzahl der Menschen dachte. Und damit nähern wir uns noch einmal
dem Begriff der Wahrheit, dieses Mal ausgehend von der Frage, ob es absolute,
universelle oder nur persönliche Wahrheiten gibt.
Mit unserem Thema des Weltbildes sind wir zwangsläufig auf die Frage nach
dem Begriff der „Wahrheit“ gestoßen. Diese steht in engem Zusammenhang mit
dem Thema „Wissenschaft“. Wir kennen eine oft gehörte typische Aussage: „Es
gibt nur persönliche Wahrheiten“. Aus der Erfahrung können wir sagen, dass dies
mindestens 95 % der Menschen glauben. Auch hier erleben wir immer wieder,
wie viele falsche Vorstellungen doch bei der großen Mehrheit existieren. Wir wol-
len daher versuchen, in der aller Kürze mögliche Missverständnisse zu klären
und noch einmal darauf hinweisen, warum das so wichtig ist.
Diese Vorstellungen müssen wir uns näher anschauen. Betrachten wir dazu nun
die folgende Skizze: Wahrheit bedeu-
tet, den Zusam-
MENSCH NEIN UNIVERSUM
menhang der bei-
Irrtum, Täuschung,
Unwahrheit, Illusion
den Welten he-
rauszufinden.

stimmen sie
überein?

Wir erschaffen in
Erkenntnis
Die Wirklichkeit,
uns ein Abbild der
Modell im Geist
des Menschen JA Die Wahrheit, Welt.
Das was ist
Stimmt dieses Bild
mit der Wirklichkeit
überein, sprechen
Bild 3: Zusammenhang zwischen Mensch und Kosmos in Bezug auf Wahrheit wir von Wahrheit,

Da ist das Universum und da sind wir. Draußen geschehen Dinge und wir ma- wenn nicht, liegt
chen uns Gedanken darüber. ein Irrtum vor.

Es gibt da eine WIRKLICHKEIT, das was ist.

Diese zeigt sich uns, wie wir gesehen haben, im ersten Schritt nur über unsere
Wahrnehmungsbilder. Aus diesen versuchen wir uns in unserem Bewusstsein ein
Bild, eine Vorstellung zu machen, ein Abbild, ein WELTBILD. Dieses besteht aus
der Summe unserer Vorstellungen, haben wir gesagt. Von diesen Vorstellungen
treffen einige ganz gut zu oder genau. Diese sind dann „wahr“. Andere sind
falsch. Diese nennen wir dann „Irrtümer“.
Unsere ganze Suche als erkennender Mensch ist die nach dem richtigen Welt-
bild, nach der WAHRHEIT. Wenn wir nur unser eigenes Wahrnehmungsbild an-
schauen, dann haben wir alle sicher sehr unterschiedliche. Das ist es, was wir
Menschen meinen, wenn wir sagen, wir hätten alle eine „persönliche Wahrheit“.
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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Dies ist aber noch keine Wahrheit. Denn aus den Wahrnehmungen bilden wir
nun unterschiedliche Vorstellungen, die persönlichen Meinungen und die persön-
lichen Sichtweisen. Auch diese verstehen wir als „persönliche Wahrheit“. Vor der Bestäti-
gung ist es nur ei-
ne Meinung, eine
Eine Sichtweise ist aber noch nicht die Wahrheit.
persönliche Sicht-
weise.
Sie mag ein Teil der Wahrheit sein. Wir können zum Beispiel einen Baum von 12
Seiten betrachten. Wenn wir von allen Seiten den Baum fotografieren, dann be-
kommen wir lauter verschiedene Bilder von ein und derselben Realität. Das sind
dann die verschiedene Sichtweisen oder Weltbilder. Was aber ist die Wahrheit
über den Baum? Nun, dass er z. B. eine Eiche ist, ist für jeden klar, der weiß,
was eine Eiche ist. Wir benennen den Baum. Das geht nur mit BEGRIFFEN, mit
dem Denken. In dem Begriff „Eiche“ aber steckt alles darinnen, was eben eine
Eiche ausmacht. Es gibt die Uridee einer Eiche, und jede reale Eiche ist eine
Repräsentation dieser Idee. Ein jeder von uns weiß aber, dass dieses alles Ei-
chen sind. Und diese Wahrheit gilt doch für jeden, nicht wahr? Es gibt nur univer-
selle Wahrheiten.
Damit erkennen wir:
Wahrheit ist immer
Es gibt nur universelle Wahrheiten universell, das
(aber lauter individuelle Weltbilder und Wahrnehmungen)! heißt für jeden gül-
tig und nachprüf-
bar.
Es gibt nun die Wahrheit darüber, was eine Eiche ist: ein Laubbaum, mit Früch-
ten, die man „Eicheln“ nennt, ein kräftiger Baum, mit Blättern, die ..., wachsend
in... Die gesamte Summe aller Informationen über die Eiche nennen wir die
Wahrheit über die Eiche. Und diese Wahrheit gilt für alle Menschen. Da gibt es
keine individuelle Wahrheit! Aber auch über eine einzelne Eiche, die irgendwo
wächst, gibt es nur eine Wahrheit, nämlich die Beschreibung dieses Baumes mit
allen Aspekten: wo er steht, wie alt er ist, wie er aussieht usw. Auch hier gibt es
keine individuelle Wahrheit!
Sicher ist, dass nicht alle Menschen alles über diese Eiche wissen. Sie haben
dann Teilwahrheiten, aber keine persönlichen Wahrheiten. Es sei denn, wir nen-
nen die Teilwahrheiten eben persönliche Wahrheiten.
Wahrheit spielt
sich auf der Ebene
Also wir sehen, die Wahrheit ist grundsätzlich universell und nicht individuell. des Denkens ab,
das Schöne auf
Und es ist grundsätzlich so, dass wir entweder die Wahrheit gefunden haben, sei der Ebene des
es auch nur in Teilen, oder aber einem Irrtum unterliegen. Und die ganze Wahr- Fühlens, das Gute
heit über ein Objekt bekommen wir nur, wenn wir es aus allen möglichen Blick- auf der Ebene des
Willens.
winkeln untersuchen, also z. B. materiell, seelisch und geistig.
Wenn wir die Wahrheit beschreiben wollen, dann geht das nur auf der Ebene des
Denkens. Wahrheit spielt sich im Denken, im Geist ab. Zwar haben wir auch das
Wahrheitsgefühl, das uns sagt, ob etwas wahr oder falsch ist. Aber dieses „Was“
müssen wir in Begriffen, Sätzen, Aussagen formulieren und das geschieht durch
unser Denken. Deshalb haben die alten Griechen auch vom Wahren, Schönen
und Guten gesprochen und dabei Bezug genommen auf Denken, Fühlen und
Wollen. Das Wahre gehört in die Ebene des Geistes, des Denkens, das Schöne
auf die Ebene des Fühlens, der Harmonien, das Gute in die Ebene der Handlung,
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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
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des Willens. Das ganze Mysterium der Wahrheit ist also das Mysterium des Den-
kens, das der Inhalt unseres Lehrheftes ist.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
5 Wissenschaft und die drei Instrumente der Wahrheitsprüfung

Wir werden in diesem Heft und in Heft 4 im Schnelldurchgang fundamentale Din- Wie können wir
ge der Philosophie und Wissenschaft besprechen. Es geht dabei um die essen- etwas auf Wahr-
tielle Frage nach dem, was WAHRHEIT ist. Ein wichtiger Teil dabei ist die Frage, heit überprüfen?!
wie wir selber die Wahrheit finden bzw. überprüfen können. Diese Frage stellt
sich uns ja immer wieder. Die Antwort darauf stellen wir auch bereits an den An-
fang, sie könnte ebenso am Ende stehen, weil sie ein so wichtiges Ergebnis ist.
Im gesamten Verlauf unseres Kurses – und wir werden das noch vertiefen – ha-
ben wir herausgearbeitet, dass wir Menschen nach Freiheit! streben, dass wir
auch in die Freiheit! kommen können. Diese müssen wir uns aber erst erarbeiten,
Freiheit! heißt völ-
denn:
ligunabhängig von
Freiheit! heißt völlig unabhängig von außen zu den Wahrheiten zu gelangen. außen zu sein.

Die beiden Kursteile „Freiheit!“ und „Urteilsbildung“ werden das noch tiefer erfas- Freiheit! gibt es
sen. Darin werden wir immer mehr lernen, dass Freiheit! auf der Ebene des Den- zunächst nur im
Denken.
kens beginnt. Die Freiheit! des Willens wird dem erst nachfolgen. Das aber be-
deutet, dass wir aus uns selbst heraus arbeiten müssen. Was aber sind dabei Wir müssen also
nun unsere Instrumente und Werkzeuge, die wir zur Verfügung haben? selber prüfen kön-
Wie können wir die Wahrheit von Illusion und Irrtum unterscheiden? nen!

Nun, wir wissen ja, dass uns drei Seelenkräfte zur Verfügung stehen. Und es ist Was sind unsere
ganz nahe liegend, dass wir auch mit diesen dreien dabei arbeiten können. Werkzeuge zur
Wir haben in DVD1 aufgezeigt, dass Wissenschaft aus den drei Aspekten: Wahrheitsprü-
fung?
1. exakte Beobachtung
2. exakte Logik
3. Experiment

besteht. Den ersten Teil wollen wir hier nicht weiter verfolgen. Das werden wir
tun, wenn wir zum Kursteil über „Wahrnehmung“ kommen, wo wir zu untersu-
chen haben, welche Kraft da eigentlich wirkt. Die exakte Logik werden wir in Heft
4 in der Tiefe bearbeiten und aufzeigen, dass diese das wesentliche Instrument
unserer Wahrheitsprüfung ist. Sie betrifft die Ebene des Denkens. Dort bekom-
men wir die logischen Beweise. Wenn etwas unlogisch ist, das lernen wir, dass
die Aussage und damit die Schlussfolgerung oder unsere Voraussetzungen
falsch sein müssen.
Dieses Instrument nun ist für uns das mächtigste. Darin müssen wir uns schulen
und das tun wir mit diesem Kursteil, aber auch mit dem ganzen Kurs. Korrektes, Klares Denken ist
klares, sachliches Denken ist der Schlüssel zur Wahrheit und Freiheit! die Basis von al-
Das Experiment nun ist die materielle Überprüfung des logischen Beweises. Wir lem.
werden sehen, dass der so genannte logische Beweis meist nicht ausreichend
ist. Er ist notwendig, aber nicht hinreichend, wie man in der Logik sagt. Denn lo-
Wahrnehmung ist
gisch kann man alles beweisen. Eine „bewiesene“ These muss aber auch mit der die Basis davor.
Realität übereinstimmen.
In der Naturwissenschaft ist das Instrument für diese Überprüfung das Experi-
ment. Und das ist es, was wir normalerweise mit „beweisen“ meinen. Jedoch
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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
werden wir auch lernen, dass es in der Mathematik keine Experimente gibt, son-
dern nur logische Beweise, was uns auch zeigt, dass die Mathematik eine Geis-
teswissenschaft ist.
Auf die Bedeutung unseres klaren Denkens weist uns auch das folgende Bild hin,
das wir im Laufe des Lehrheftes weiter vertiefen werden.

Handlung

Soziales Denken Technisches Denken

Wissenschaftliches Denken
Mathematisches Philosophisches Basis aller Wis-
Denken Denken senschaften: Logik
und Mathematik.
Logisches & Intuitives Denken Intuitionen liefern
neues Wissen.

Bild 4: Die Hierarchie des wissenschaftlichen Denkens


Logisches Bewei-
Das Experiment ist eine Handlung und repräsentiert damit unseren Willen. Die
sen ist notwendig.
beiden Kräfte Denken und Wollen zusammen mit der Wahrnehmung haben wir
also erfasst. Was aber ist nun mit dem Fühlen? Nun, in der Naturwissenschaft In der Praxis erst
wird das Gefühl ausgeschaltet. Es ist nicht erlaubt, nicht zugelassen. Warum? findet der endgül-
Weil man weiß, dass es individuell und unzuverlässig ist. Nun übersieht man da- tige Beweis statt.
bei aber eines. Wir werden mit der Axiomatik (Heft 4) lernen, dass es „nicht be-
weisbare“ Aussagen geben muss. Diese müssen wir mit einer anderen Kraft zu-
Das Fühlen ist in
sätzlich überprüfen. Und auch die Gesetze der Logik, die Gültigkeit der Gesetze
der Naturwissen-
der Logik, wie können wir sie beweisen? Die Logik kann sich in ihrer Gültigkeit schaft ausge-
nicht selber überprüfen. Womit aber wissen wir, dass sie gültig ist? schlossen.
Nun, wir haben in unserem Kurs bereits das „Wahrheitsgefühl“ angesprochen.
Dieses gibt es und dieses gilt es auch zu schulen. Im Rahmen des Themas Aber das Wahr-
„Herzdenken“ werden wir ausführlich darauf zurückkommen. Dieses Wahrheits- heitsgefühl be-
gefühl besitzt ein jeder von uns und dieses sagt uns, dass die Logik stimmt. Ja, weist die Logik.
wir brauchen letztlich für die Beweisbarkeit der Wissenschaft selbst das Gefühl,
dass diese jedoch ausschließt. Im folgenden Bild 5 ist diese Situation in einer Denken (Logik),
Übersicht angedeutet. Fühlen (Wahr-
heitsgefühl) und
Damit haben wir unsere Instrumente für die Wahrheitsprüfung gefunden. Zum ei- Wollen (Praxis)
nen benötigen wir das Denken mit Verstand und Vernunft, mit der Logik und ih- sind unsere Werk-
zeuge der Wahr-
ren Gesetzen, mit der Fähigkeit, exakte Begriffe zu finden, der Fähigkeit, korrekt
heitsprüfung.
abzuleiten und natürlich auch der Einbindung von Wissen, Fachwissen, fakti-
schem Wissen.
Die zweite Kraft ist unser Wahrheitsgefühl und die dritte die Willenskraft. Wir
können natürlich wissenschaftliche Aussagen nur dann im Detail nachprüfen,
wenn wir die Sache studieren, aber wir können sehr schnell eventuelle Denkfeh-
ler herausfinden, wenn wir die logischen Gesetze anwenden. Dann aber können

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
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und müssen wir uns auf die Fachkompetenz der Wissenschaftler verlassen, so-
weit wir das uns Mögliche geprüft haben. Ihnen blind zu vertrauen und zu glau-
ben ist nicht angesagt. Das macht uns unfrei.

Fühlen

Beweis für
Logik selbst

Wille Denken Denken Wille

Beobachtung logische logische Beobachtung


Experiment Schlussfolgeru Überprüfung Experiment
Praxis ngen Praxis

Phänomene logisch
Ereignisse korrekte Phänomene
These These = experimentelle
Tatsachen
Fakten = logische Wahrheit
Wahrheit

Bild 5: Übersicht über die Werkzeuge der Wahrheitsprüfung; wir müssen uns in
diesen Prozess auch das Wahrheitsgefühl hineindenken; es wirkt auch oben im
Beweis für die Logik selbst

Wir können aber jede Aussage an eine unserer geistigen Pin-Wände heften. Wir Verwende deine
geistigen Pin-
können so sagen, etwas sei möglich aber es könnte auch falsch sein. Ich will
Wände.
kein Urteil darüber fällen. Ich hefte es an die Pinwand der möglichen und zu un-
tersuchenden Aussagen. Solche Aussagen, für die wir ein Urteil benötigen, weil
wir im Leben entscheiden müssen, müssen wir eben so gut es geht prüfen und
dann diese Aussage an die Pinwand unserer „Wahrheiten“ heften, aber jederzeit
bereit, sie zu korrigieren, wenn wir etwas Besseres erfahren. Ebenso verfahren
wir mit den Irrtümern, wobei wir uns auch hier noch die Möglichkeit offen lassen,
dass auch wir uns geirrt haben könnten. Sonst würden wir ein Dogma daraus Freie Menschen
machen. haben und brau-
chen keine Dog-
Ein freier Mensch jedoch hat und braucht keine Dogmen. men – sie haben
Denn er hat weder Angst vor der Wahrheit noch Angst davor, dass er sich geirrt auch keine Angst.
haben könnte.

Wenn wir nun logisch und gefühlsmäßig geprüft haben, kommt das Experiment.
Im Leben bedeutet das: Ausprobieren. Und das gilt für alle Erkenntnisse, für na-
turwissenschaftliche wie auch für spirituelle. Manche Dinge jedoch können wir
derzeit nicht ausprobieren, dann müssen wir uns mit den beiden anderen Werk-
zeugen begnügen. Wie gesagt, im Geistigen reichen soundso Denken und Füh-
len und geistige Experimente, wie in der Mathematik und der Logik. Hinter allem aber
ist Voraussetzung:
Hinter all dem steht nun die Kraft der Liebe zur Wahrheit. Auf dieses Thema wer-
die Liebe zur
den wir ausführlich stoßen im Kursteil „Liebe“. Wahrheit.
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6 Die Bedeutung der Exaktheit der Begriffe

Ein wichtiges Thema ist zunächst noch anzumerken.


Klarheit der Begrif-
Logik funktioniert nur, wenn auch die richtigen Begriffe verwendet werden. Wir
fe ist wichtig!
können an dieser Stelle das wichtige philosophische Thema, was ein Begriff ist,
nicht darlegen, es würde zu weit führen. Aber wir alle wissen, dass in der Kom- (Die gilt aber zu-
munikation die Begriffe eine wesentliche Rolle spielen. nächst vor allem
Unsere Welt funktioniert nur, wenn wir uns untereinander verständigen können. für die materielle
Welt, in der wir
Wir müssen dieselbe Sprache sprechen. Chinesen und Deutsche können sich
uns üben).
nur verständigen, wenn sie die Sprache des Anderen lernen (und dann gibt es
noch Probleme), oder beide einen dritte Sprache z. B. englisch sprechen oder
einen Dolmetscher haben. Das gilt aber nun für alles in unserem Leben, in der
normalen Kommunikation im Geschäftsleben, in den Beziehungen und Partner-
schaft, kurz in allen Lebenssituationen.
Es ist uns auch hier oft nicht bewusst, dass unsere Kommunikation nur dann
funktioniert, wenn die Begriffe auf beiden Seiten klar sind. „Hole mir doch bitte
die Milch“ funktioniert, wenn der Empfänger der Bitte nicht Milch mit Honig ver-
wechselt.
Wenn es aber dann um Worte wie „Liebe“, „Seele“, „Geist“ oder sogar „Gott“
geht, dann versagen unsere Kommunikationen, weil wir eben verschiedene
Weltbilder mit unterschiedlichen Vorstellungen und Begriffen haben.
Wenn wir uns über Gott unterhalten wollen macht das keinen wirklichen Sinn, so-
lange wir uns nicht verständigt haben, was wir beide darunter verstehen. Wenn
wir das nicht tun, wird die Unterhaltung zu einem Kampf. Jeder will dann Recht
haben. Es kommt dann meist zum Streit, zum Frust, usw. Wenn wir realistisch
schätzen, dann können vielleicht 90 % aller Gespräche hier eingeordnet werden.
Denken wir nur an alle Auseinandersetzungen in den Partnerschaften. Wir reden
über Liebe und verstehen alle etwas Anderes darunter. Denken wir an die Politik.
Wir reden über „das Wohl des Volkes“ und verstehen alle etwas Anderes darun-
ter. Zu dem Missverstehen kommen dann noch Lüge und Manipulationen hinzu,
das Verschweigen der Wahrheit, das Verdrehen der Wahrheit zur Unwahrheit,
das Verkaufen einer Unlogik als Logik.
Voraussetzung für jedes vernünftige und damit auch logisch korrekte Gespräch Ganz korrekt sind
wir bis jetzt nur in
ist die klare Definition oder Beschreibung unserer Begriffe.
der Mathematik.
Der einzige Bereich, wo wir das heute zu 100 % tun ist die Mathematik.
Aber wir werden lernen müssen, dieses exakte und wahrheitsliebende Denken in
alle Bereiche unseres Lebens einfließen zu lassen – das bedeutete früher Ma-
thesis. Plato verlangte offensichtlich von seinen Schülern eine mathematische Descartes wollte
Vorbildung, weil es das philosophische Denken schulte, die Pythagoräer bauten dies zur einzigen
ihre Philosophie auf diesem Denken auf, für die Gnostiker war ihre Gnosis gleich Methode erheben.
Mathesis, und René Descartes wollte das mathematische Denken zur Univer-
salmathematik erheben, zur Mathesis Universalis. Die Liebe zur Wahrheit, die
sich in der Mathematik verbirgt, erscheint so als ein großes Menschenziel - und
diese wird die universelle Liebe wachsen lassen.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
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Also: Die klare Definition, bzw. die möglichst klare Bestimmung der Begriffe und Definition und Be-
die Verständigung untereinander, was wir mit welchem Begriff meinen, sind eine schreibung sind
notwendige Voraussetzung für sinnvolle Gespräche. Solange wir das nicht tun, nicht dasselbe.
sind Gespräche in Bezug auf ihren Inhalt sinnlos! Sie mögen sinnvolle sein, weil
wir vielleicht soziales Verhalten oder anderes dabei lernen. Aber in Bezug auf ih-
ren sachlichen Inhalt sind Kommunikationen ohne geklärte Begriffe sinnlos.
„Was verstehst du darunter?“ Diese Frage muss immer im Raum stehen, wenn
wir uns sinnvoll unterhalten wollen.
Gerade in unseren Weltbildern unterscheiden wir uns in unseren Begriffen.
Begriffsarbeit ist daher eines der wichtigsten Elemente der Selbstentwicklung
und aller menschlicher Beziehungen weil wir Menschen nur mit Hilfe wirklich zu-
treffender Begriffe lernfähig werden und uns entwickeln können.
Nur durch korrekte und klare Begriffe wird klares Denken, klare Kommunikation
möglich und wird unser Weltbild erst ein wahres.
Begriffe sind in dem Netz unserer Vorstellungen die Knoten wie bei einem Fi-
schernetz. Sie halten das Netz zusammen. Sie bilden es erst. Und die logischen
Schlussfolgerungen oder Aussagen sind die Schnüre des Netzes, welche die
Begriffe verbinden. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass jeder Begriff selber Für das Geistige
eine komplexe Aussage ist, also eine Verbindungsschnur. Ein Knoten ist ja auch dürfen die Begriffe
nichts anderes als eine eingewickelte Schnur. nicht eng definiert
werden, sondern
Dieses – letztlich wahrscheinlich sehr dynamische, lebendige und nicht-statische müssen fließend
– Netz stellt unser Weltbild dar. Im Bereich des Materiellen benötigen wir höchst- werden.
mögliche Exaktheit und Begrenztheit der Begriffe, also Definitionen. Für das
Geistige benötigen dann folgend fließende, immer wieder veränderliche Begriffs-
vorstellungen. Sonst bleiben wir im Materialismus stecken.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
7 Einseitige und einheitliche Weltanschauung – Integrale Wissen-
schaft

Wir haben bislang für uns erkundet, dass der Mensch ein Wesen ist, dessen
wichtigste Natur die Fähigkeit zur Erkenntnis und das Streben danach ist. Die
Verstandesseele ist ein Ausdruck dafür. Das unterscheidet uns vom Tier, und
unser Ich mit seinem bewussten Selbst, seinem Selbst-Bewusstsein befähigt uns
dazu. Wir können gar nicht anders, als erkennen wollen. Wir alle wollen erken-
nen. Dieses Streben aber ist bei uns Menschen individuell unterschiedlich stark
ausgeprägt. Ein Mensch, den es fast ausschließlich nach Sinnesbefriedigung
dürstet, wird wenig fragen und wenig nach Erkenntnis streben. Er wird dann al-
lerdings auch in den unteren Ebenen des Seelenlebens gefangen bleiben, die wir
in Lehrheft 1 dargestellt haben. In dem Kursteil über das Leben nach dem Tode
werden wir sehen, was das in der weiteren Konsequenz bedeutet.
Eine äußerst bedeutsame Frage für uns als erkennenden Menschen lautet:

Welches Wissenssystem, welche Wissenschaft, liefert uns denn eine umfas-


sende Weltsicht, eine Sicht der gesamten Welt, des gesamten Kosmos?

Manch ein Sozialwissenschaftler behauptet von seiner Wissenschaft, es kann Alle Wissenschaf-
nur seine Lehre sein. Doch die Sozialwissenschaft sagt uns nichts über den ast- ten liefern nur
ronomischen Kosmos. Moderne Neurowissenschaftler glauben vielleicht, ihre Teilbilder über die
Wissenschaft sei der Nabel der Welt. Doch auch sie sagt uns nur etwas über das Ganzheit des
Gehirn des Menschen und seine Auswirkungen auf uns. Der Sozialwissenschaft- Kosmos
ler beschränkt sich in seiner Lehre auf den engen Raum der menschlichen Be-
ziehungen, der Neurowissenschaftler auf das Gehirn. Dann gibt es natürlich die
Quantenphysiker und Astrophysiker. Insbesondere die Astrophysiker, speziell als
Physiker glauben manchmal, alleine ihre Wissenschaft kann den Kosmos erklä-
ren. Dabei setzen sie aber voraus, dass der Kosmos rein materiell ist. Ihre Wis-
senschaft aber beschränkt sich alleine auf die astronomischen oder atomaren
Objekte. Sie kann nichts über Seele oder Geist des Menschen oder seine Bezie-
hungen aussagen. Ebenso ist der Psychologe beschränkt auf einen kleinen Teil
der Realität. Er kann nichts über die Biologie eines Bienenvolkes sagen. Der Bio-
loge wiederum kann keine Aussagen über die Politik oder die Wirtschaft machen.
Alle Naturwissenschaftler – als solche – wiederum können keine Aussagen über Jede Disziplin hat
ihre beiden Grundlagen machen: die Logik und Mathematik! ihren Gültigkeits-
und Wertebereich.
Nur der Mathematiker kann Aussagen über die mathematischen Objekte ma-
chen. Und wenn ein Physiker oder Naturwissenschaftler allgemein mathemati-
sche Aussagen beurteilt, ist er in diesem Moment Mathematiker und nicht Physi- Keine kann über
ker! Das sind zwei ganz verschiedene Welten. Mit der Mathematik betreten wir den Bereich einer
einen völlig anderen Boden, das haben wir bereits in Lehrheft 1 über die Mathe- anderen etwas
matik angedeutet und tun diese erneut in Lehrheft 4. Denn Mathematik ist eine Qualifiziertes sa-
Geisteswissenschaft. Sie ist keine Naturwissenschaft! gen.

Wir betonen hin und wieder speziell die Mathematik. Dies hat seine Grund darin,
dass in dieser Wissenschaft das perfekt geübt wird, worum es geht: das Wahr-
heitsdenken. Daher können wir so viel aus den Prinzipien der Mathematik lernen.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Steiner hat zudem darauf hingewiesen, dass dadurch, dass die Mathematik mit
sinnesfreien Objekten (Punkt, Kreis, Zahl) arbeitet, also eine exakte Geisteswis-
senschaft ist, wir uns in der Mathematik bereits mit dem „leibfreien“ Denken, der
Basis für höhere Wahrnehmung, üben. Goethe sprach von ihr sogar von einem
„Organ“:

„Wer bekennt nicht, dass die Mathematik als eines der herrlichsten menschli-
chen Organe, der Physik von einer Seite sehr vieles genutzt?“
Johann Wolfgang von Goethe

Die zweite Grundlage des Naturwissenschaftlers ist die Logik. Sie ist auch
Grundlage aller Geisteswissenschaften. Nur der Logiker kann qualifiziert darüber
reden. Macht der Physiker Aussagen über die Logik, ist er in diesem Moment
Logiker und kein Physiker. Mit der Wissenschaft der Logik betreten wir einen
noch tieferen Boden als mit der Mathematik, weil auch die Mathematik auf die-
sem Fundament aufbaut. Die folgende Graphik zeigt uns diesen Sachverhalt.

Technik ist Aus-


Technik
druck der Entde-
ckung der Natur-
gesetze in den Na-
turwissenschaften.
Physik Chemie Astronomie Biologie Philosophie Psychologie ... Sprache

Naturwissenschaften Geisteswissenschaften

Alle Naturgesetze
sind mathematisch
formuliert.
Mathematik
Die Mathematik ist
Basis aller Natur-
wissenschaft.

Logik
Die Logik ist eine
Basis der Mathe-
Bild 6: Die Bedeutung von Logik und Mathematik für die gesamte Wissen- matik und aller
schaft und unsere Technik Wissenschaften.

Die Philosophie
Damit nähern wir uns nun einer Weltsicht, einer Wissenschaft im idealen Sinne, kann auf einer Me-
die letztlich einen Überbau, eine zusammenfassende Sicht der Welt liefern kann: taebene die Sys-
die Philosophie. Der (wahre) Philosoph kann eine übergeordnete Sicht der Dinge teme zusammen-
fassen.
geben, eine Sicht, die alles zusammenfasst. Doch der Philosoph kann keine phy-
sikalischen Aussagen machen. Er kann aber die physikalischen Aussagen in ei-
nen großen Zusammenhang stellen, der alle physikalischen Aussagen einbe-
zieht. Denn jeder Physiker muss auf Logik aufbauen und diese ist ein Teil der
Philosophie. Ein weiterer in diesem Zusammenhang wichtiger Teil ist die Er-
kenntnistheorie. Der Erkenntnistheoretiker kann Aussagen machen über das
Fundament des Physikers, sein Denken und die Wahrheit seiner Aussagen. Der

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Physiker benutzt das Denken, aber er kann – als Physiker – keine Aussagen
darüber machen! Der Neurowissenschaftler kann Aussagen über das Gehirn
machen, aber keine über sein Denken, seine Erkenntnisse und deren Wahrheits- Nur die Erkennt-
gehalt, obwohl er alle diese benutzt. Darin liegt ja auch die große Tragik der mo- nistheorie kann
dernen Materialisten, dass sie das Denken aus dem Gehirn, also der Materie er- aber Aussagen
über die Grundla-
klären wollen, während sie das Denken bereits für ihre Erklärung benutzen.
ge der Wissen-
Jeder gute Wissenschaftler ist daher meist auch ein Philosoph, der sich für die schaft überhaupt
Basis seines Denkens und damit auch seiner eigenen Wissenschaft interessiert. machen: das Den-
ken.
Das gesamte Fundament unserer modernen Naturwissenschaft liegt im Den-
ken, in der Fähigkeit der Erkenntnis, in der Fähigkeit, Wahrheit zu finden und
zu beurteilen.

Der Einzige nun, der darüber – über das Denken - fundierte Aussagen machen
kann, ist der Erkenntnistheoretiker. Ein solcher kann aber auch jeder von uns
sein. Dazu müssen wir nicht so viel lernen oder studieren. Denn diese Wissen-
schaft befasst sich mit demjenigen, mit dem wir alle vertraut sind: mit unserem
Denken. Wir sehen also, dass nur diese Wissenschaft klare Aussagen machen
kann über das Fundament unseres Daseins. Und deshalb sollten wir auch alle
die von jedem Menschen nachvollziehbaren Erkenntnisse daraus, wie wir sie in
großen Teilen versuchen in diesem Lehrheft zu geben, selbst studieren und sie
uns aneignen – in Theorie und Praxis.
Erkenntnistheorie ist ein Teil der Wissenschaftstheorie und diese ein Teil der um- Rudolf Steiner hat
fassenderen Philosophie. Nun aber gibt es zwei Aspekte dieser Wissenschaft. auf vier Ebenen
Zum einen gibt es den bekannten, der alleine aus Sicht des Verstandes, des In- die Erkenntnisthe-
tellekts sich diesen Erkenntnissen nähert. Das ist die moderne Philosophie. Zum orie bereichert und
zweiten aber gibt es jenen Teil aus der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT, der sich zu einer neuen
aus der geistigen Schau ergibt. Für beides hat Rudolf Steiner entscheidende Bei- Höhe geführt:
träge geliefert. Ein fundamentaler Beitrag ist seine „Philosophie der Freiheit“, die
a. mit seiner Er-
auch seine Doktorarbeit in Philosophie beinhaltet, aber weit darüber hinausgeht kenntnistheorie
(s. (2) und (3)). Diesem Teil und den wichtigsten Aussagen daraus werden wir selbst
uns weiter in unserem Kursteil über „Freiheit“ annähern. b. mit der Goethe-
schen Erkennt-
Der zweite ebenso fundamentale Beitrag ist derjenige über das „organische“ oder
nislehre und
„lebendige“ Denken, das Steiner aus den wissenschaftlichen Arbeiten Goethes dem „organi-
herausgearbeitet hat (s. dazu (4)). Diese Art des Denkens, das die Menschheit schen“ Denken
immer mehr entwickeln wird und muss, ist noch kaum in der Wissenschaft ange- c. mit seiner „Phi-
kommen, obwohl es solch fundamentale Bedeutung hat. Wir werden uns mit die- losophie der
sem im Laufe des Kurses befassen, und dieses Heft fasst wesentliche Inhalte Freiheit“
aus (2) und (4) zusammen. Und der dritte fundamentale Teil ist eben seine „Anth- d. mit seiner Anth-
roposophie
roposophie“, das heißt seine aus Geistesschau niedergelegten Erkenntnisse, die
uns in die Hintergründe unseres Denkens führen und es aus geistig-spiritueller
Sicht erläutern. Diese drei Quellen zusammen ergeben ein gewaltiges Geistes-
werk, das jenes der alten Denker der Griechen, der Philosophen der letzten zwei
Jahrtausende und der großen Geister wie Goethe, Schiller, Lessing, Novalis,
Hegel und wie sie alle heißen, fortsetzt und sie durch völlig neue, zusammenfüh-
rende und erklärende, aufklärende Erkenntnisse ergänzt und zu einer neuen Hö-
he führt.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Diese drei Aspekte speziell in Bezug auf unser Denken, aber natürlich auch auf
unser ganzes Sein, begleiten uns in diesem Kurs. Im vorliegenden Kursteil kön-
nen wir zunächst nur am Rande darauf eingehen, weil wir uns die Grundlagen
des logischen Denkens selbst, wie sie uns unsere bereits akademisch vertraute
Wissenschaft liefert, aneignen müssen - allerdings bereits beleuchtet durch die
Erkenntnisse Steiners und beleuchtet durch eigene Erkenntnisse, die sich die
Kursleitung aus den Bereichen der Wissenschaftstheorie, Logik, Philosophie und
Mathematik erarbeitet hat. Diese fließen vor allem ein in die Teile über Logik und
Axiomatik in Heft 4.
Aus diesen klaren und wissenschaftlich anerkannten (geistigen) Tatsachen ergibt
sich, dass es viele „einseitige“ Weltsichten gibt, Sichtweisen aus verschiedenen
Disziplinen, die aber niemals den Anspruch erheben dürfen, vollkommen zu sein.
Sie stellen von vielleicht – sagen wir der Einfachheit halber 12, so wie bei der Uhr
– Blickwinkeln betrachtet, verschiedene Anblicke ein- und desselben Objektes
dar. Stellen wir uns vor, wir fotografieren einen Baum oder ein Haus aus 12 Per-
spektiven (vielleicht auch noch von oben und unten) rund herum, dann bekom-
men wir ein vollständiges Bild. Alle zusammen ergeben eine „umfassende“ Welt-
sicht, jedes einzelne ist eine „einseitige“ Sicht.
Wir wollen daher klar unterscheiden zwischen diesen beiden, einer einheitlichen
Einseitige Welt-
Weltsicht und einer einseitigen Weltsicht. Eine einseitige Sicht betrachtet die sichten betrachten
Welt stets nur aus einem Blickwinkel und von einem Standpunkt und ist nie ge- stets nur einen
eignet, andere Blickwinkel einzubeziehen. Die Physik kann nie einheitlich sein. Blickwinkel
Eine Erkenntnistheorie, die nur die Materie und nur die sinnliche Wahrnehmung
anerkennt, kann nie einheitlich sein. Sie muss einförmig bleiben. Daher ist der Die umfassende
Materialismus einseitig. Es ist die moderne Evolutionslehre einförmig, ebenso die Weltsicht umfasst
das Ganze,
moderne Neurowissenschaft. Auf unsere Frage von oben können wir daher ant-
worten:

Nur ein Wissenssystem, das alle Sichtweisen umfasst - und daher auch NA- „Holistische“, „Ho-
TURWISSENSCHAFT und GEIST-WISSENSCHAFT, welche die bekannten geistigen liverselle“, „Integ-
Wissenschaft wie Philosophie, etc. integriert -, das wir als INTEGRALE, HOLISTI- rale“ Wissenschaft
SCHE, HOLIVERSELLE WISSENSCHAFT bezeichnen könnten, liefert uns eine um-
fassende Weltsicht, eine Sicht der gesamten Welt, des gesamten Kosmos.

Auf einen solchen Standpunkt wollen wir uns mit diesem Kurs stellen.
Die beiden folgenden Graphiken sollen noch einmal den Zusammenhang ver-
deutlichen. Dabei haben wir die Vielfalt der Wissenssichtweisen mit verschiede-
nen Begriffen benannt, die nicht unbedingt in aller Form völlig exakt sind. Auch
dass dieses nur die Darstellung aus Sicht der Wissenschaft und nicht der Kunst
oder Religion ist, darauf wollen wir hinweisen. Diese betreffen letztlich zwei ande-
re Ebenen, der Ästhetik und der Moral, des Fühlens und des Wollens. Wir wer-
den sie ausführlich in unserem Kursteil über unsere Urteilsbildung behandeln.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Natur- Geschichts-
Wissenschaften Wissenschaft
Lebens-
Wissenschaften

Esoterische
Mathematik Wissenschaften Der Kosmos ist ei-
ne Einheit.
Religions-
wissenschaften
Die Einheit
der Schöpfung

Grenz-
Psychologische wissenschaften
Wissenschaften

Philosophische
Sprach- Wissenschaft
Wissenschaften
Geistes- Die
Wissenschaften Wissenschaft
vom Menschen
Spirituelle
Wissenschaft

Bild 7: Die Einheit der Schöpfung, die der Mensch erkennen will – und die
verschiedenen Blickwinkel aus Sicht der Erkenntnisfähigkeit des
Menschen, auch als Disziplinen der Wissenschaft

Wir ersehen aus dem Bild, dass die Einheit der Schöpfung (die allgemein aner-
kannt ist) von vielen wissenschaftlichen Seiten her betrachtet werden kann. Das
liefert uns viele Teilbilder der einen Realität.

Natur- Geschichts-
Wissenschaften Wissenschaft
Lebens-
Wissenschaften

Esoterische
Mathematik Wissenschaften

Die Wissenschaft
Die Religions-
Wissenschaft wissenschaften der Einheit be-
der Einheit - schreibt den Kos-
Integrale mos als Ganzes in
Wissenschaft seiner unermessli-
Grenz-
Psychologische wissenschaften chen Vielheit.
Wissenschaften

Philosophische
Sprach- Wissenschaft
Wissenschaften
Geistes- Die
Wissenschaften Wissenschaft
vom Menschen
Spirituelle
Wissenschaft

Bild 8: Die Wissenschaft der Einheit – Die Wissenschaft von der Einheit – Die In-
tegration der Wissenschaften – Die Integrale Wissenschaft

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Ebenso können wir sagen, dass die Integration aller dieser Disziplinen zu einer
einzigen Wissenschaft eben zu einer Wissenschaft der Einheit führen kann, die
wir Integrale Wissenschaft nennen können. Dieser Begriff wird zwar bereits von
Ken Wilber seit Jahren verwendet und propagiert. Wir verstehen ihn etwas an-
ders, aber der Begriff selbst ist passend.
Wichtig für unseren Kurs ist die Erkenntnis, dass wir eine Erkenntnistheorie
brauchen, um überhaupt über unser Denken nachdenken zu können, dass diese
ebenfalls ganzheitlich sein muss und dass nur eine wirkliche ganzheitliche Sicht
uns das Mysterium unseres Menschseins und unserer Freiheit! enthüllen kann.
Denn Freiheit! hat, wie wir in unserem speziellen Kursteil darüber sehen werden,
entscheidend mit unserem Denken zu tun. Ohne also unser Denken selber zu er-
forschen, können wir das Geheimnis unserer Freiheit! nicht lüften.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
8 Vorstellung, Begriff und Idee

Wir wollen ganz kurz auf die wichtigen Begriffe der „Vorstellung“, des „Begriffs“
selber, sowie der „Idee“.

„Unter Begriff verstehe ich die Regel, nach welcher die zusammenhanglosen
Elemente der Wahrnehmung zu einer Einheit verbunden werden. Kausalität ist
z. B. ein Begriff. Begriff und Idee
Idee ist nur ein Begriff mit größerem Inhalt. Organismus, ganz abstrakt ge-
nommen, ist eine Idee.“
Rudolf Steiner, (3)

Ursache und Wirkung zusammen genommen ergeben einen Zusammenhang,


nämlich den Begriff der „Kausalität“. Dicker Stamm, Wurzel, Zweige, Äste, Blätter
zusammen ergeben den Begriff „Baum“.
„Die Erde ist eine Kugel und dreht sich um die Sonne“. Das ist eine Erkenntnis,
die irgendwann einmal ein Mensch gewonnen und dann anderen mitgeteilt hat.
andere haben es dann für sich überprüft und als Wissen angenommen. Sie ha-
ben sich eine Vorstellung darüber gebildet, dass die Erde eine Kugelform hat und
sich um die Sonne dreht. Heute sehen wir über Satelliten und Raumschiffe die
Erde als Kugel, aber noch immer sehen wir nicht, wie sie sich dreht.
Nun hat diese Erkenntnis verschiedene Ebenen. Zunächst ist da die Wirklichkeit,
dass es so ist. Dann gab es Beobachtungen, die Menschen machten. Vielleicht
haben sie das ja geistig gesehen, oder eine Astralreise gemacht und den Sach-
verhalt astralisch gesehen, oder die Bilder als Offenbarungen durch Engel oder
das Wissen von Außerirdischen bekommen. Alles ist denkbar.
In jedem Falle mussten sie irgendwann diese Beobachtungen in eine Gedanken-
form gießen und in Sprache, so wie wir es jetzt als Satz lesen. Eine Erkenntnis
wird also als Aussage formuliert und hat damit eine Form. Das ist das Formelle Die Form einer Er-
kenntnis zeigt sich
an der Erkenntnis – beachten wir das Wort „formell“: Es beinhaltet das Wort
in dem Aufbau der
„Form“! Aussage, der Syn-
Darüber hinaus hat die Erkenntnis, eine Aussage einen Inhalt, das also, worüber tax oder Morpho-
es etwas aussagen will. In der Sprachforschung spricht man von Syntax oder logie.
Morphologie für die Form und von Semantik für die Bedeutung, den Inhalt. Die
Ihr Inhalt ist ihre
Form ist leicht fassbar, der Inhalt, die Bedeutung ist viel geistiger und schwerer Bedeutung, ihre
fassbar. Semantik.
Dann gibt es die Ebene der Vorstellung. Wenn wir einen Baum anschauen, dann
haben wir das Wahrnehmungsbild. Wenn wir nun die Augen schließen und uns
Eine Vorstellung
den Baum in Erinnerung rufen, dann erleben wir in uns auch ein Bild. Das ist die
ist das Nachbild
VORSTELLUNG. Es ist gewissermaßen das Nachbild der unmittelbaren Erfahrung. einer Wahrneh-
mung.

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
9 Verstand und Vernunft

Nun wollen wir noch eingehen auf die beiden wichtigen Begriffe der Vernunft und
des Verstandes, weil dies äußerst erhellend ist. Denn normalerweise wird alles,
was wir denken, als „Verstand“ bezeichnet und damit viel Verwirrung gestiftet.
Denken wir auch an all die vielen Bücher, in denen auch Verstand und Ego
gleichgesetzt werden.
In Wahrheit gibt es nur eine einzige Einheit. Das ist der Kosmos mit seinen drei Das Universum ist
Welten. Da ist nichts getrennt. Doch in dieser Einheit gibt es Teile, die man von- ein eine Einheit
und wohl nur ei-
einander gedanklich unterscheiden kann, wenn auch nicht wirklich trennen. Für
nes.
diese gedankliche Trennung – die Analyse – benötige ich ein geistiges Schnei-
dewerkzeug, das eben unterscheiden kann. Dieses Werkzeug nennen wir Wir trennen es
VERSTAND oder auch INTELLEKT. künstlich in Teile –
„Der Mensch besitzt Körper Geist und Seele.“ In diesem Satz beinhaltet ist die durch Analyse -
unterscheidende Kraft des Verstandes, der Körper, Geist und Seele begrifflich
das macht der
trennt, obwohl sie in Wirklichkeit eine Einheit darstellen. Trotzdem ist diese Tren- Verstand.
nung erforderlich, weil Erkenntnis sonst gar nicht zustande kommen könnte.
„Der Mensch ist eine Einheit von Körper, Geist und Seele.“
In diesem Satz kommt eine zweite Denkkraft zum Tragen – sie bewirkt eine ge-
dankliche Synthese. Sie baut die vorher durch den Verstand getrennten Teile
wieder zu einer Einheit zusammen. Sie ist definitiv anders als der Verstand, aber
auch ein Teil des Denkens. Diese Kraft nennen wir VERNUNFT.

„Die Unterscheidung ist die Sache des Verstandes. Er hat nur zu trennen und Wir verbinden die
die Begriffe in der Trennung festzuhalten. Er ist eine notwendige Vorstufe je- Teile wieder zu ei-
der höheren Wissenschaftlichkeit. ner Einheit - das
macht die Ver-
Vor allem bedarf es ja fest bestimmter, klar umrissener Begriffe, ehe wir nach
nunft.
einer Harmonie derselben suchen können.“
Rudolf Steiner, (2)

Und mit diesen beiden begegnen wir auch dem großen Konflikt zwischen Herz
und Verstand, den Steiner wie folgt beschreibt:

„Der Verstand selbst ist nicht in der Lage, über diese Trennung hinauszu-
kommen. Er hält die getrennten Glieder fest.
Dieses Hinauskommen ist Sache der Vernunft. Sie hat die vom Verstande ge-
schaffenen Begriffe wieder ineinander übergehen zu lassen. sie hat zu zeigen,
dass das, was der Verstand in strenger Trennung festhält, eigentlich eine in-
nerliche Einheit ist.
Die Trennung ist etwas künstlich Herbeigeführtes, ein notwendiger Durch-
gangspunkt für unser Erkennen, nicht dessen Abschluss. Wer die Wirklichkeit
bloß verstandesmäßig erfasst, entfernt sich von ihr. Er setzt an ihre Stelle, da
sie in Wahrheit eine Einheit ist, eine künstliche Vielheit, eine Mannigfaltigkeit,
die mit dem Wesen der Wirklichkeit nichts zu tun hat.“
Rudolf Steiner, (2)

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Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Das ist ja eine Gefahr der Moderne, dass die einzelnen Disziplinen sich immer
mehr in Spezialistentum aufsplittern. Interdisziplinäre, multidisziplinäre und multi-
versale Ansätze gehen den Weg der Vernunft zurück zur Einheit.

„Daher rührt der Zwiespalt, in der verstandesmäßig beschriebenen Wissen- Das Gefühl, das
die Einheit spürt,
schaft mit dem menschlichen Herzen kommt. Viele Menschen, deren Denken
wehrt sich gegen
nicht so ausgebildet ist, dass sie es bis zu einer einheitlichen Weltansicht den trennenden,
bringen, die sie in voller begrifflicher Klarheit erfassen, sind aber sehr wohl kalten Verstand.
imstande, die innere Harmonie des Weltganzen mit dem Gefühle zu durch-
dringen. Ihnen gibt das Herz, was dem wissenschaftlich Gebildeten die Ver- Erst wenn das
nunft gibt. Denken in die
Tritt an solche Menschen die Verstandessicht der Welt heran, so weisen sie Vernunft geht,
kann diese Ab-
mit Verachtung die unendliche Vielheit zurück und halten sich an die Einheit, wehr beendet
die sie wohl nicht erkennen, aber mehr oder weniger lebhaft empfinden. Sie werden.
sehen sehr wohl, dass der Verstand sich von der Natur entfernt, dass er das
geistige Band aus dem Auge verliert, das die Teile der Wirklichkeit verbindet.
Die Vernunft führt zur Wirklichkeit zurück. Die Einheitlichkeit allen Seins, die
früher gefühlt oder gar nur geahnt wurde, wird von der Vernunft vollkommen
durchschaut.“
Rudolf Steiner, (2)

Nun wissen wir, woher Angst und Gegenwehr gegen moderne Wissenschaft
kommen. Sie stammen letztlich aus dem Gefühl, sind berechtigt und doch nicht
berechtigt. Denn sie leben in Menschen, die noch nicht den Weg der gedankli-
chen Klarheit gehen konnten, der aber erforderlich für unser Menschsein ist.
Und wir hören zum Schluss auch noch eine wichtige weitere Klärung der oben
genannten Begriffe:

„Begriff ist der Einzelgedanke, wie er vom Verstand festgehalten wird. Bringe
ich eine Mehrheit von solchen Einzelgedanken in lebendigen Fluß, so dass sie
ineinander übergehen, sich verbinden, so entstehen gedankenmäßige Gebil-
de, die nur für die Vernunft da sind, die der Verstand nicht erreichen kann. Für
die Vernunft geben die Geschöpfe des Verstandes ihre gesonderte Existenz
auf und leben nur mehr als Teil einer Totalität weiter. Diese von der Vernunft
geschaffenen Gebilde sollen Ideen heißen.“
Rudolf Steiner, (2)

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Literatur
(1) Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag,
Dornach, GA 10
(2) Philosophie der Freiheit Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 4
(3) Wahrheit und Wissenschaft, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 3
(4) Grundlinie der Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung, Steiner, Rudolf, Rudolf
Steiner Verlag, Dornach, GA 2
(5) Fermats Letzter Satz, Singh, Simon, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag/Klett-Cotta, München,
2000
(6) Hauptsache Liebe, Burkart, Axel, Wu Wie Verlag, Schondorf, 2007
(7) Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag,
Dornach, GA
Zur Denkübung:
(8) Die Belebung des Herzchakra, Lowndes, Florin, Verlag Freies Geistesleben
(9) Seelenübungen mit Wort- und Sinnbild-Meditationen, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag,
Dornach, GA 267
(10) Aus dem Inhalt der Esoterischen Stunden, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA
266a

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„FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 22.03.2018
Lehrheft 3 – Mysterium Wahrheit und Macht des Denkens II
Kurs „Freiheit“, Akademie Zukunft Mensch

Arbeits-Blatt: Welche Fragen – Wichtigste Fähigkeit

1. Was ist meine wichtigste Fähigkeit im Leben - diejenige, ohne die ich am schlimmsten dran
wäre?

2. Was sind für mich derzeit die wichtigsten Fragen?

3. Was sind für mich im Leben allgemein die wichtigsten Fragen?

3. Was könnten für mein Leben noch wichtige Fragen sein, die ich mir noch nicht gestellt habe?

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