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„ FREIHEIT“

Der Kurs in
SPIRITUELLER WISSENSCHAFT
(GEIST-WISSENSCHAFT)

Auf der Basis des Wissens der


ANTHROPOSOPHIE
(WEISHEIT VOM MENSCHEN)

als persönliche Weiterbildung und persönliche Ausbildung

No 2:
Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation

Ein Angebot der

Akademie Zukunft Mensch


Am Zenzenbach 6, 83451 Urwies, 08651-765345
www.akademie-zukunft-mensch.de
info@akademie-zukunft-mensch.de

Leitung: Axel Burkart


„FREIHEIT“ – Kurs in Spiritueller Wissenschaft

Weiterer Titel:
„Wie tickt das Universum - Die Symphonie Gottes und mein einzigartiger
Beitrag darin“

4. Auflage 2012

© Akademie Zukunft Mensch - Axel Burkart, Schulstraße 7b


83454 Anger

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.


Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgeset-
zes ist ihre Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das
gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen
und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
INHALT

Teil I: Notwendigkeit und Wesen der Reinkarnation

1 Ziel Gesamtüberblick und Einstimmung 5


2 Vertiefender Rückblick über unsere Wesensglieder 7
3 Die Notwendigkeit der Reinkarnation 13
4 Warum uns die Mathematik beim Verständnis des Geistigen hilft 24
5 Eine Vertiefung des Themas Reinkarnation und Karma 26
6 Warum der Schlaf uns bei unserem Verständnis hilft 31

Literaturhinweise Teil I 35

Teil II: Die drei Welten und Spirituelle Evolution

7 Spirituelle Evolution unseres Wesens im Überblick 36


8 Die drei Welten im Überblick – das innere Sehen 38
9 Die drei Welten im Überblick – die Seelenwelt 40
10 Die drei Welten im Überblick – die Geistwelt 46
11 Die spirituelle Weltenevolution des Kosmos im Überblick 51
12 Von Saturn bis Vulkan 56
13 Die geistige Hierarchie 61
14 Die Macht unseres Denkens, Teil 2 - Wie denke ich richtig? 66

Literaturhinweise 72
Anhang 1 73

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Teil I: Notwendigkeit und Wesen der Reinkarnation

1 Ziel Gesamtüberblick und Einstimmung

Mit diesem und mit den nächsten Heften wollen wir uns zunächst einen großen
Gesamtüberblick über uns als Mensch und unsere Stellung im Kosmos erarbei-
ten. Wir werden somit einen kompakten Schnelldurchgang durch die Anthropo-
sophie durchlaufen. In kurzer Zeit werden wir daher kompakt viel Wissen be-
kommen. Das aber wollen wir erreichen, damit wir von diesem Gesamtüberblick
weiter gehen und alles entsprechend einordnen können.
Wir werden in diesem Heft noch einmal die Wesensglieder zusammenfassen und
vertiefen. Dann werden wir uns mit der wichtigen Frage der Wiedergeburt syste-
matischer befassen, die drei Welten ebenfalls näher beschreiben und einen Ü-
berblick geben über die kosmische Evolution und die geistigen Wesen, die im
Hintergrund wirken.
In den folgenden Lehrheften werden wir dann diejenigen Wesen kennen lernen,
die eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen und das Mysterium Christi an-
sprechen. In den Heften werden wir noch das Thema unserer Bewusstseinszu-
stände, also auch des Schlafes und des Geschehens in der Nacht bearbeiten,
sowie in Heft 8 das große Thema von Sterben, Tod und dem Leben nach dem
Tode bis zur nächsten Geburt.
Damit werden wir einen ersten und großen Überblick gewonnen haben. Aufbau-
end darauf können wir dann in die Tiefe gehen und alle weiteren Themen in Be-
zug auf diesen großen Überblick behandeln. Wir können nämlich letztlich unsere
Kräfte der Seele und ihre Beherrschung, sowie das Thema der Freiheit! erst wirk-
lich verstehen und beherrschen, wenn wir den Überblick über die Gesamtsituati-
on vor Augen haben.
Wir werden wieder eine Fülle von hoch spannenden Themen und Fragestellun-
gen, von geistigen Herausforderungen an uns erleben. Dazu empfehlen wir wie-
der folgende Vorgehensweise, die wir bereits erläutert haben.
Das erste ist, dass wir wirklich versuchen, zu verstehen, das heißt unseren
Verstand, unsere Logik einzusetzen, um die Inhalte für uns sachlich zu überprü-
fen. Im späteren Kursteil über Wahrheit werden wir die große Bedeutung darle-
gen, dass wir unsere Logik schulen. Das ernsthafte Durcharbeiten, Durchdenken,
Fragen notieren, ist sehr bedeutsam für die Entwicklung unserer inneren Kräfte.
Es ist insbesondere wichtig für jene, die sich schwer damit tun und auch hin und
wieder Gefahr laufen, sich in Gefühlen zu verlieren. Gerade diejenigen, die sich
bereits mit moderner Esoterik ohne geisteswissenschaftlichen Hintergrund befas-
sen (modern deshalb, weil die „alte“ Esoterik einen klaren geisteswissenschaftli-
chen Hintergrund besaß), ist diese Arbeit dringend empfohlen.
Neben der logischen Durcharbeitung jedoch kommt es auch auf die emotionale
und gefühlsmäßige an. Diese ist sehr bedeutsam, was für die Naturwissenschaft
nicht gilt. Das ist eben der große Unterschied, dass wir für die Erkenntnisse der
Physik nur das logischen Denken benötigen, für die SPIRITUELLE WISSENSCHAFT
aber Verstand und Gefühl, wenn wir sie wirklich erfassen und vor allem umsetzen

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
wollen. Denn diese ist eine weitergehende gleichzeitige Schulung von Seele und
Geist, im Gegensatz zur Naturwissenschaft.
Bei den Gefühlen haben wir drei Arten kennen gelernt und wir empfehlen hin und
wieder oder bei allen wichtigen Texten und Inhalten sich mit diesen Gefühlen zu
befassen. Dabei ging es um:

1) vergangenheitsbelastetete Gefühle (von Psychologen oft als „Emotio-


nen“ bezeichnet), die bei einem Text hochkommen (z. B. Ärger, Unmut,
Sorge, Angst). Diese können darauf hinweisen, dass wir daran zu arbei-
ten haben, weil sie uns belasten und unfrei machen. Eine starke katholi-
sche oder sonstige religiöse Erziehung z. B. kann uns gegen neutrale
geisteswissenschaftlich Erkenntnisse aufbringen. Was machen die Tex-
te mit mir? Warum machen sie das? Was steckt dahinter? Das können
die Fragen sein, die wir dabei zu klären versuchen.
2) wertschätzende Gefühle, wie Dankbarkeit, Erhabenheit, Demut, usw.
Diese Gefühle können wir bewusst pflegen beim Arbeiten mit diesen
Texten. Sie fördern unsere Entwicklung und Offenheit gegenüber der
geistigen Welt. Wir wissen von Steiner, dass eine geistige Schau ohne
Demut, Staunen und Ehrfurcht nicht möglich ist. Diese Gefühle können
wir also bewusst pflegen beim Arbeiten an diesen Inhalten.
3) Das Wahrheitsgefühl. Dieses wollen wir entwickeln und pflegen. Es sagt
uns, ob ein Text für uns neben der logischen Klärung wahr oder falsch
ist. Wenn wir ein ungutes Gefühl bei einem Text haben, sollten wir in
uns gehen. Entweder ist in uns etwas zu klären oder am Text ist etwas
falsch. Interessanterweise hängt dieses Gefühl durchaus mit dem logi-
schen Arbeiten zusammen. Da die Logik die kosmische Gesetzmäßig-
keit repräsentiert, wie wir gesehen haben, wird eine Unlogik in unserer
Seele das Wahrheitsgefühl entsprechend aktivieren.

Im Rahmen der Karma-Behandlung müssen wir drauf eingehen, dass die ver-
schiedenen inneren Vorbehalte oder unguten Gefühle durchaus nicht nur aus
dem jetzigen Leben, sondern aus einer vergangenen Inkarnation herrühren kön-
nen. Speziell bei Problemen und Konflikten mit dem religiösen Glauben kann das
sehr leicht der Fall sein.
Wenn wir das regelmäßig bei den Inhalten üben, gewinnen wir sehr wertvolle
Schätze in unserer Seele und in unserem Geist. Es sind jene Schätze, von denen
Jesus Christus sagte, dass wir sie sammeln sollten, die „Schätze des Himmels“
im Gegensatz zu den Schätzen der Erde, die vom Rost zerfressen werden. Es
sind unsere Erkenntnisse und unsere tiefen Gefühle, die unsere Seele entwickeln
und unsere Geistglieder.

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
2 Vertiefender Rückblick über unsere Wesensglieder

Wir haben bis hierher gesehen, dass wir als Menschen Wesen sind, die in drei
Welten leben: der physischen, der seelischen und geistigen, wodurch die Dreiheit
von Körper, Seele und Geist konkret wird. Wir leben darin mit verschiedenen
Wesengliedern, „Leibern“ oder „Hüllen“, bei den alten Indern im Sanskrit „Kos-
has“ genannt.
Unsere Wahrnehmung beginnt im PHYSISCHEN KÖRPER. Wir hören dazu aus der
modernen Neurowissenschaft sogar, wo das erste Bild erzeugt wird:
WAHRNEHMUNG
„Das «fotografische» Bild bleibt im primären visuellen Cortex erhalten.“ findet im Bereich
„Körper“ statt,
Chris Frith, „Wie unser Gehirn die Welt erschafft“, 2010, S 29
EMPFINDUNG in der
Dieses Bild wird übermittelt als Empfindung in die Empfindungsseele und dann EMPFINDUNGSSEE-
können wir eine Vorstellung daraus machen. Alle folgenden Texte sind, wenn LE

nicht anders bezeichnet, aus GA 58, 21.10.09.

„Für die Wahrnehmung müssen wir mit der Außenwelt in Korrespondenz tre-
ten; die Vorstellung ist Besitztum der Seele.
und VORSTELLUNG
In dem Augenblick, wo wir anfangen, innerlich zu erleben, da beginnt dasjeni- in der
ge, was wir nennen Empfindungsseele gegenüber demjenigen, was Empfin- VERSTANDESSEELE
dungsleib ist, der uns zum Beispiel Wahrnehmung vermittelt, der es möglich
macht, dass wir empfinden können die Farbe der Rose.“

„Wenn wir nicht nur äußere Wahrnehmungen machen und sie in unserer Emp-
findungsseele wieder aufleben lassen, sondern wenn wir nachdenken dar-
über, wenn wir uns ihnen hingeben, wenn wir weiteres erleben, dann bauen
sie sich auf, dann gestalten sie sich uns zu Gedanken, zu Urteilen, zum gan-
zen Inhalt unseres Gemüts.“

Unsere Wahrnehmungsbilder selber erleben wir im Empfindungsleib. Der Astral-


leib ist differenziert. Der Empfindungsleib baut die Bilder auf, die Empfindungs-
seele erlebt die Empfindungen. Danach folgen die Vorstellungen („Nachbilder“)
und Urteile („Das ist eine gelbe Rose“). Diese finden in der Verstan-
des/Gemütsseele statt.

Alle unsere Vorstellungen, Urteile, Glaubenssätze zusammen, unser individu-


GEMÜT
elles Weltbild, durchdrungen und gefärbt von persönlichen Emotionen, bilden
unser GEMÜT.

Wir haben die Begriffe der EMPFINDUNGSSEELE, des EMPFINDUNGSKÖRPERS und ASTRALKÖRPER =
des ASTRALKÖRPERS, den Rudolf Steiner als Zusammenfassung dieser beiden Integration von
beschreibt. Er beschreibt, dass diese beiden doch getrennten Glieder sind aber EMPFINDUNGSSEE-
LE und EMPFIN-
wie Schwert und Scheide zusammen ein Glied darstellen und dass sich die EMP-
DUNGSKÖRPER
FINDUNGSSEELE aus dem EMPFINDUNGSKÖRPER entwickelt hat. An manchen Stel-
len steht bei Rudolf Steiner allerdings auch der Namen Astralkörper für Empfin-
dungskörper. Dies mag daran liegen, dass in seinen Vorträgen die Unterschei-
dung an dieser Stelle nicht sinnvoll war (s. Text zu Lebensgeist).
EMOTIONALKÖRPER
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Wenn heute in der esoterischen Literatur von dem „EMOTIONALKÖRPER“ die Rede Der ICH-Kern zu-
ist, dann ist die Frage, was damit gemeint ist. Man spricht vom Träger der Emoti- sammengefasst
onen, doch auch die Seelenglieder tragen Emotionen. Es wird dort also nicht mit Verstandes-
zwischen Seele und Körper unterschieden. Diese Unterteilung aus alten Traditio- und Bewusst-
seinsseele kann
nen (Theosophen) wurde ungeprüft übernommen, so dass man dort erst heraus-
als das ICH gese-
arbeiten muss, ob Körper- und Seelenglieder zusammen gemeint sind. hen werden.
Dann haben wir gesehen:

„Fasst man dann Verstandesseele und Bewusstseinsseele als die


zwei zusammengehörigen Hüllen des Ich und dieses als den Kern derselben
ins Auge, dann kann man den Menschen gliedern in: physischen Leib, Le-
bensleib, Astralleib und Ich.“ (Lehrheft 3, Teil 2).

Diese Vierheit ist eine Standard-Unterteilung Steiners, von der wir nun wissen,
dass sich dahinter eine feinere Gliederung verbirgt. VERSTANDESSEELE
als Träger der Er-
Den physischen Körper haben wir mit der Mineralwelt gemeinsam, den Ätherkör- kenntnis der mate-
per, der alle Lebensprozesse steuert, mit den Pflanzen und den Astralkörper, riellen Welt
Empfindungskörper oder Seelenkörper, der Träger aller Gefühle, Empfindungen,
Triebe und Begierden ist, mit den Tieren. Das Ich, der innerste Wesenskern, der BEWUSSTSEINS-
SEELE als Träger
aus der höchsten göttlichen Welt stammt, wird oft auch als die unsterbliche „See-
der Erkenntnis der
le“ bezeichnet. Hier aber wird die Seele genauer gekennzeichnet. Die einzelnen
geistigen Welt und
seelischen und geistigen „Glieder“ sind letztlich alle Hüllen, die das innerste Gött- der Wahrheit, frei
liche, den heiligen Wesenskern unseres Gottesfunkens, unsers Ichs, unseres von persönlichen
Selbstes in sich tragen. Durch alle diese Hüllen kann sich das Selbst oder Ich zu Motiven.
einem Wesen entfalten, das in den drei Welten leben und wirken kann.
Das Ich trägt also zwei andere Seelenglieder mit sich, die VERSTANDESSEELE,
welche das Tier nicht mehr besitzt, den Menschen dadurch vom Tier unterschei-
det und ihn zu einem denkenden Wesen macht, das ihm die äußere Welt und ih-
re Gesetze erkennen lässt, und die BEWUSSTSEINSSEELE, welche letztlich die In-
stanz des Bewusstseins unseres Ichs und uns als Mensch die Erkenntnis der
geistigen Welt und ihren spirituellen Gesetzen ermöglicht. Die Verstandesseele
lässt uns also die äußere Welt erkennen und ist noch stark an die eigenen Emo-
tionen gebunden, so dass es hier stets um unsere persönlichen Motive geht, die
Bewusstseinsseele lässt uns unsere innere und die geistige Welt wirklich neutral
in Wahrheit erkennen, frei von den eigenen Emotionen.
In Bezug auf das Ich wollen wir auch an dieser Stelle bereits ein Thema an-
schneiden, das uns beim Kursteil „Liebe“ dann intensiv begegnen wird.
Unser ICH steht
„Das Ich ist der Akteur, das tätige Wesen, durch das der Mensch Entwicklung vor allem in Ver-
nicht bloß erkennen, sondern Entwicklung machen kann. bindung mit der
Indem dieses Ich so arbeitet, müssen wir uns klar sein, dass dieses Ich selber Willenskraft.
sozusagen eine Art <zweischneidigen Schwertes> darstellt. Oh, dieses Ich
des Menschen, es ist auf der einen Seite dasjenige in des Menschen Wesen-
heit, durch das er allein im wahren Sinne des Wortes Mensch sein kann. Wir
würden ein Wesen sein, das sozusagen untätig mit der Außenwelt verschmol-
zen wäre, wenn wir diesen Mittelpunkt nicht hätten.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Unsere Begriffe und Ideen müssen in diesem Mittelpunkt gefasst sein; immer
mehr und mehr Begriffe und Ideen müssen in diesem Ich sich erleben; immer
reichere Gemütsinhalte, immer reichere Anregungen müssen wir von der Au-
ßenwelt erhalten. Wir sind umso mehr Mensch, je voller, je reicher, je umfäng- Unser wahrer
licher dieses unser Ich wird. Daher muss durch die verschiedenen Leben hin- Reichtum ist der
durch dieses Ich sich immer mehr bereichern, ein Mittelpunkt werden, durch Reichtum unseres
Ichs – sind unsere
den sich der Mensch nicht nur in die Außenwelt hineingliedert, sondern durch
Begriffe und I-
das er Anreger ist. Der Mensch ist umso mehr Mensch, je mehr wir spüren, deen.
dass im Punkte seines Ich eine reiche Summe von Impulsen liegt. Je mehr er
ausstrahlt von seiner Eigenheit, je mehr er aufgenommen hat, desto mehr ist Je reicher unser
er Mensch. Je reicher die Ichheit ist, desto vollkommener ist der Mensch als Ich ist, desto voll-
Mensch.“ 58, 21.10.2909, auch die folgenden Texte kommener sind
wir.
Wir lernen hier also, dass unser Ich, dass wir mit unserem Ich der Handelnde
sind. Die Tätigkeit, das Tun steht im Vordergrund, nicht bloß das passive Auf-
nehmen von Erkenntnissen. Im Neuen Testament ist von den „Schätzen des
Himmels“ die Rede, davon, dass wir keine Schätze auf Erden sammeln sollen,
weil sie von Motten und dem Rost zerfressen werden. Hier bekommen wir eine
erste Ahnung davon, was mit diesen Schätzen gemeint ist. Nun aber kommt das
Zweischneidige unseres Ichs:

„Das ist die eine Seite des Ich, die uns die Entwicklungsverpflichtung aufer- Der Göttliche Auf-
legt, alles zu tun, um es so reich, so vielseitig als möglich zu machen. Aber es trag!
gibt auch eine Kehrseite für diesen Fortschritt des Ich zu immer reicherem und
vollerem Inhalt. Das ist dasjenige, was wir bezeichnen als Selbstsucht oder
Egoismus. Würde der Mensch das Wort Selbstsucht oder Egoismus nur als
Selbstsucht be-
ein Schlagwort nehmen und sagen, man muss selbstlos werden, dann wäre
deutet sich in sich
das natürlich schlimm, wie jeder Gebrauch eines Schlagwortes, als Schlag- selbst abschlie-
wort schlimm ist. Des Menschen Aufgabe ist es in der Tat, sich reicher und ßen.
reicher zu machen; das ist nicht dasselbe, wie selbstsüchtig werden, wenn
diese Bereicherung verknüpft ist damit, dass das Ich sich verhärtet in sich sel-
ber, dass es sich abschließt mit seiner Bereicherung.
Da wird der Mensch zwar reicher und reicher, aber er wird zugleich den Zu- Das Ich würde
sammenhang mit der Welt verlieren, und seine Bereicherung würde bedeuten, wieder vergehen?
dass ihm die Welt und er der Welt nichts mehr geben kann, dass er doch mit
der Zeit vergehen würde, weil er, indem er strebt, sein Ich zu bereichern, alles
im Ich behält und damit den Zusammenhang mit der Welt verliert.
Egoismus bewirkt,
Der Mensch würde durch diese Karikatur seiner Ich-Entwicklung zu gleicher dass man verarmt.
Zeit verarmen. Selbstsucht verarmt und verödet den Menschen.“

Hier haben wir einen Schlüsseltext zu dem großen Spannungsfeld, in dem wir
uns bewegen. Egoismus als Selbstsucht, also das Bestreben, unsere Schätze für
uns zu behalten, zerstört vielleicht letztlich unser Ich.
zweischneidiges
So ist das Ich ein zweischneidiges Schwert, indem es arbeitet an den drei Schwert
Seelengliedern. Es muss auf der einen Seite so arbeiten, dass es immer rei- (Christus: „Ich bin
cher und reicher wird, voller und voller sich gestaltet, dass es ein kräftiger Mit- gekommen, das
telpunkt wird, von dem viel ausstrahlen kann; aber es muss alles dasjenige, Schwert zu brin-
gen“). 9
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
was es in sich aufnimmt, wiederum in Harmonie bringen mit dem, was in der
Umgebung lebt. Es muss eben in demselben Maße, in dem es sich hineinent-
wickelt, zu gleicher Zeit aus sich herausgehen, mit allen Dingen zusammen-
fließen. Es muss zu gleicher Zeit eine selbsteigene Wesenheit werden und auf Der große Spagat
der anderen Seite selbstlos werden. Nur wenn das Ich nach diesen beiden unseres Lebens:
Seiten hin, die sich scheinbar widersprechen, arbeitet, dann kann die Entwick- starkes Ich und
lung des Menschen so vorwärts gehen, dass er zu seiner eigenen Befriedi- gleichzeitig selbst-
los werden.
gung und zum Heil und Fortschritt des Daseins sich entwickelt.“

Dieses Ich nun entwickelt sich. Es gibt eine geistige Evolution, die sich hinter der
materiellen verbirgt (Ursache – Wirkung!). Es gibt einen Evolutionsplan, so wie es
einen Evolutionsplan in der DNS gibt, die unseren Körper als Kind bis zum Er- Inkarnation =
wachsenen hervorbringt. Es muss einen solchen Plan auf der geistigen Ebene Fleischwerdung
(lat. carne, das
geben. Das fordert unsere Logik. Diese Evolution und ihre Notwendigkeit, die Re-
Fleisch).
inkarnation, die erneute „Geburt“ des Ich ist ein Thema dieses Heftes.
Das Ich baut als geistiger, göttlicher Wesenskern drei geistige Glieder um sich GEISTSELBST als
herum auf, die seine geistige und damit unsterbliche Existenz bewirken: das Träger von Ethik
GEISTSELBST (MANAS), das als geläuterter oder verfeinerter Astralkörper die In- und Moral.
stanz von Ethik, Moral und Sittlichkeit darstellt. Je mehr diese Instanz, dieser
Körper entwickelt ist, desto freier ist der Mensch von den tierischen Trieben, LEBENSGEIST als
denn das Tier kennt keine Moral im sittlichen, spirituellen Sinne. Dann folgt der Träger der geisti-
LEBENSGEIST (BUDDHI), der geläuterte oder verfeinerte Ätherkörper, der die Le- gen Lebenskraft
bensprozesse im dritten Glied, dem geistigen Körper, dem GEISTESMENSCHEN (universellen Le-
(ATMA) steuert. benskraft?) im
GEISTMENSCH.

Geistmensch Lebensgeist Geistselbst


ATMA BUDDHI MANAS GEIST

Bewusstseins- Verstandes- Empfindungs-


Seele Seele Seele SEELE
Die Entwicklung
unserer höheren
Glieder aus den
physischer Äther- Empfindungs - niederen.
Körper Körper KÖRPER
Körper

Bild 1: Die (schematische) Struktur unseres Wesens und seine Entwicklung aus
der Physis in den Geist. Die Pfeile zeigen die grundsätzliche Entwick-
lungsrichtung.

Letzterer ist der umgewandelte, vergeistigte physische Körper, also sozusagen


unser Körper der Unsterblichkeit, unser unsterblicher Körper, in dem wir später in
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
der geistigen Welt als unsterbliches, bewusstes Wesen leben, so wie wir hier auf
Erden in dem physischen Körper leben. Menschliche Evolution bedeutet, diese
drei höheren, geistigen Körper durch Umwandlung der drei unteren Körper auf-
zubauen. Wenn heutzutage von der „universellen Lebensenergie“ (Reiki, etc.) die
Rede ist, so wäre die Frage zu stellen, was die Menschen damit verbinden. Man
kann davon ausgehen, dass zunächst nur Prana gemeint ist als Ausdruck der ä-
therischen Lebenskraft, aber noch nicht die Buddhi als rein geistig orientierte
Kraft. Allerdings muss diese innerhalb der ätherischen Lebenskraft leben, da die-
se ja eine vergröberte Kraft darstellt.
Eine wesentliche Entwicklung unseres Lebens ist die folgende:
Katharsis: die Läu-
„Die Empfindungsseele ist eine erste Verfeinerung, sprich Vergeistigung des terung niederer
Empfindungskörpers, des Seelenkörpers, des Astralkörpers. Aus dem mehr Triebe
verdichteten Geistkörper, dem Astralkörper, wird also ein weniger verdichteter
Geistkörper, ein erstes Seelenglied, die Empfindungsseele. Diese wird in einem
zweiten Schritt von uns weiter vergeistigt durch eine Läuterung, die man Ka-
tharsis nennt, die Läuterung niederer Triebe in höhere edle Funktionen.“ 100,
20.11.1907

Ebenso wollen wir einen anderen Text heranziehen, der das Zusammenwirken
der Glieder beschreibt.

„Der astralische Leib des Menschen muss ja in gewisser Beziehung alles die-
ses in sich enthaltend gedacht werden: also das Ich umschließend und dieses
enthaltend gedacht werden, Empfindungs-, Verstandes- und Bewusstseins-
seele.“ 109, 15.2.1909

Wenn also vom Astralkörper die Rede ist, so werden oft verschiedene Bedeutun-
gen verwendet. Die Betonung liegt hier auf dem menschlichen Astralleib. Wenn
vom Astralkörper bei Mensch und Tier die Rede ist, dann sind manchmal zwei
verschiedene Begriffe gemeint. Das Tier besitzt einen Astralkörper mit Empfin-
dungsseele. Den hat es mit dem Menschen gemeinsam. Dieser Körper wird als
getrennt gesehen vom Ich, wie wir gehört haben. Das Ich bildet eine Einheit mit
den beiden oberen Seelengliedern, es ist deren Kern. Aber wiederum muss der
Astralkörper alle diese Glieder umfassen, in sich tragen, wie auch der physische
alles in sich tragen muss, obwohl er wiederum getrennt zu sehen ist.
Man muss sich stets bewusst sein, wie der Begriff des Astralkörpers verwendet
wird. Es ist in dem jeweiligen Zusammenhang meist auch ohne Bedeutung. Ent-
scheidend ist:

- weil in der Bewussteinsseele das Ich sitzt.“ 109, 15.2.09

Diese Aussage zeigt uns den engen Zusammenhang zwischen Bewussteinssee-


le und Ich, weniger der Verstandesseele. Damit erhalten wir noch einmal eine
etwas andere Darstellung, die allerdings in ihrer Schematik den lebendigen Zu-
sammenhang nicht wiedergeben kann:

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Physischer
Körper

Bewusstseinsseele

Atman

Ich

Buddhi
Manas

Empfindungsseele Verstandesseele

Astralkörper
Ätherkörper

Bild 2: Die (schematische) Struktur unseres Wesens mit dem Ich als Zentrum
und damit 10 Gliedern In der Schulmedi-
zin behandeln wir
den physischen
Wir erleben uns Menschen als höchst komplexes Wesen. Alleine unser physi- Körper, „Energie-
medizin“ befassen
scher Körper ist ein derartig komplexes Wunderwerk, dass wir sagen können,
wir uns bereits mit
dass wir in der Medizin selbst heute noch am Anfang stehen. Dann erleben wir dem Ätherkörper,
den Aufbruch einer „Energiemedizin“, die sich letztlich mit dem Ätherkörper be- in der Psychothe-
fasst und die erst recht am Anfang steht. Und dann erleben wir eine Psychologie rapie mit dem Ast-
und Psychotherapie, die versucht, die Geheimnisse der Seele, also letztlich des ralkörper.
Astralkörpers und seiner inneren Strukturen zu erforschen. Wir stoßen also in der
Medizin an alle drei Bereiche, an alle drei Welten an.
Ein solches Wunderwerk Mensch, das sich uns in diesen verschiedenen Ebenen
zeigt, kann nur durch unfassbar lange Zeiten entwickelt worden sein. Und dazu Der „Zufall“ kann
muss es einen Plan geben. Denn wenn wir schon sehen, welch detaillierte Pläne das alles niemals
wir Menschen für Häuser und Autos benötigen, dann kann das Wunderwerk bewirkt haben.
Mensch nicht einfach so entstanden sein, aus „Zufall und Notwendigkeit“. Es
muss sich Intelligenz dahinter verbergen. Und das wird unser nächstes Thema
sein.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
3 Die Notwendigkeit der Reinkarnation

Wir gehen in unserem Kurs davon aus, dass wir als geistiges Wesen, als Ich öf-
ters als einmal in einem physischen Leib leben, nach dem Motto:

„Du lebst nicht einmal.“ Wir leben nicht nur


einmal!
Wir müssen uns einmal vorstellen, wie sich bereits der Spruch „Man lebt ja nur
einmal“ (und in der Konsequenz daher kurz und daher muss man heftig leben
Prägung unserer
und nicht an die Zukunft denken) in unserer Gesellschaft festgesetzt hat, was Gesellschaft!
uns zeigt, wie wir geprägt sind.
Wir haben an dem Beispiel der Blumenwiese in Lehrheft 3 gesehen, dass bereits
die mehrjährige Blume eine Inkarnation durchläuft. Im Frühling kommt sie aus So wie die Blume
muss auch der
dem außen unsichtbaren Wurzelwerk wieder hervor. Warum soll es beim Men-
Mensch wieder-
schen anders sein? Nur dass unsere Wurzeln geistiger Natur sind. Erst die kommen
Sichtweise der Reinkarnation, der Wiedergeburt des Ich, macht alles sinnvoll und
erklärbar. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist heute einzig die Voraussetzung Wissenschaft be-
der Reinkarnation das Modell, das die menschliche Erfahrungswelt wirklich erklä- weist bereits un-
ren kann. Nahtoderlebnisse, Austreten von Menschen und detaillierte Beschrei- abhängige Exis-
bung der äußeren Vorgänge bei Operationen, die bei Tiefkühlung und Abpumpen tenz der Seele
allen Blutes für 20 Minuten und damit Stillstand allen Lebens, durchgeführt wer-
Konsequenz: Sie
den, sind längst wissenschaftlicher Beweis zumindest dafür, dass die Seele des existiert auch nach
Menschen außerhalb des Körpers unabhängig existiert. Der Schritt, dass sie dem Tode
auch nach dem Tode weiter existiert ist damit auch bereits getan. Dass sie wie-
derkommt ist dann durchaus eine gewisse logische Konsequenz aus rein modern Logisch plausibel:
wissenschaftlicher Sicht (Philosophie, Wissenschaftstheorie, usw.). Wir haben Wiedergeburt
uns in Teil 2 des Kurses vertieft mit dieser wissenschaftlichen Fragestellung all-
gemein befasst.
Unser Wesenskern ist es nun, der durch verschiedene Inkarnationen durchgehen KARMA: geistiges
muss, um alle diese Glieder aufzubauen. Wiedergeburt und das Gesetz des Gesetz von Ursa-
KARMA sind deshalb damit verbunden. Dieses Gesetz, das nichts anderes ist als che und Wirkung
die Fortsetzung des Gesetzes von Ursache und Wirkung aus der Physik auf die
geistige Welt übertragen, wird uns noch intensiv beschäftigen. An dieser Stelle
wollen wir es aber zumindest für die weiteren Darstellungen als eine gegebene
Tatsache annehmen.
Exkarnation
Das geistige Wesen „Mensch“ steigt also aus geistigen Gefilden herab in die ma-
terielle Welt, sammelt Erfahrungen und Eindrücke, verarbeitet diese hier, bringt
die Ergebnisse in die geistige Welt mit und verarbeitet sie und auch dort weiter,
um daraus die geistigen und seelischen Hüllen aufzubauen. Inkarnation und Ex-
karnation, kosmisches Ausatmen und Einatmen, ähnlich wie heute bereits die
Physik ein sich ausdehnendes und sich zusammenziehendes Universum vor-
stellt, sind die Mechanismen der Entwicklung. Und im Schlaf selbst findet ein .
ähnlicher Prozess statt.

„Geisteswissenschaft nimmt das Wort Entwicklung (Evolution) vor allen Din-


gen in Bezug auf den Menschen ernst.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Nicht können wir stehen bleiben mit dem Begriff der Entwicklung vor demjeni-
gen, was entstanden ist, sondern wir müssen uns klar sein darüber, dass der
Mensch Entwicklung machen muss; dass er die Stufe der Entwicklung, die er Ziel der Erdenin-
erreicht hat, über sich hinaus führen muss; dass er immer neue Kräfte entwi- karnationen ist die
ckeln muss, dass er immer vollkommener und vollkommener wird.“ Vervollkommnung

Dass wir Menschen immer vollkommener werden sollen zeigt uns, dass wir nicht
vollkommen sind. Wir brauchen da aber auch kein (religiös motiviertes) Schuld-
gefühl haben, das uns Schuld einredet, denn der Plan ist, dass wir erst vollkom-
men werden. Das ist das Ziel! Wenn wir uns nicht bemühen, vollkommener zu
werden, weil wir es jetzt bewusst können, dann mögen wir solche Schuldgefühle
bekommen. Sie sind dann Ausdruck unseres schlechten Gewissens gegenüber
der Schöpfung und des Geschenks unseres Lebens an uns. Aber Vollkommen-
heit hat mit Werden zu tun und nicht Schuld. Das Kind ist vollkommen als Kind –
aber nicht als Erwachsener! Daher können wir auch solche esoterischen Gedan-
ken verstehen wie „Du bist bereits vollkommen“. aber sie führen uns auf die fal-
sche Fährte, auf die völlig falsche Fährte, wenn sie dabei eine Weiterentwicklung
ausschließe und auch suggerieren, dass nichts mehr zu tun sei.
Alle folgenden Zitate stammen, wenn nicht anders vermerkt, aus der „Theoso-
phie“, Kapitel über Wiederverkörperung.

„Die Geisteswissenschaft kommt nun zu einem entsprechenden Begriff der Die Biologie hat
Entwicklung in Bezug auf das Menschenwesen, indem sie heute einen Satz längst eingesehen,
zu vertreten sucht, der für ein anderes Gebiet seit gar nicht so langer Zeit ver- dass Leben nur
aus Leben kom-
treten worden ist, und den die Geisteswissenschaft nun für ein höheres Gebiet
men kann.
heute in demselben Stil zu vertreten sucht. Die Menschen denken nur ge-
wöhnlich nicht daran, dass noch im Beginn des 17. Jahrhunderts nicht nur
Laien, sondern auch die Gelehrsamkeit geglaubt hat, dass sich niedere Tiere
einfach aus Flussschlamm entwickeln. Das beruht auf ungenauer Beobach-
tung; und es war der große Naturforscher Francesco Redi, welcher im 17.
Jahrhundert zuerst den Satz vertreten hat: Lebendiges kann nur aus Lebendi-
gem kommen.
Dennoch konnte im 17. Jahrhundert Francesco Redi nur mit knapper Not dem
Schicksal Giordano Brunos entgehen. Denn er war durch diesen Satz ein ge-
waltiger Ketzer geworden. Nun, heute ist es nicht üblich, dass man Ketzer so
behandelt, wie dazumal, wenigstens nicht in allen Gegenden der Erde; aber
Moderner Journa-
etwas anderes ist modern geworden dafür. Man betrachtet diejenigen, die lismus und mo-
heute etwas, was augenblicklich widerspricht dem Glauben jener, die in ihrem derne Wissen-
Hochmut den Gipfel aller Weltanschauung errungen zu haben vermeinen, als schaft sind oft wie
Phantasten, als Träumer, wenn nicht als noch Schlimmeres. Das ist die heuti- moderne Inquisiti-
ge Art von Inquisition in unseren Gegenden.“ on.

Rudolf Steiner spricht die moderne Tendenz an, das Geistige wie zu bekämpfen,
aber jetzt mit anderen Mitteln, zu denen vor allem die Veröffentlichung in den
Medien zählt. Wir wissen und erleben, dass ein jeder Mensch auf diesem Wege
zugrunde gerichtet werden kann und auch viele zugrunde gerichtet wurden.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
„Mag es sein. Es wird doch demjenigen, was Geisteswissenschaft in Bezug
auf Erscheinungen auf höheren Gebieten ganz ähnlich wie Francesco Redi
auf niederem Gebiet behauptet, ebenso ergehen wie jener Behauptung Redis.
So wie er den Satz vertreten hat: Lebendiges kann nur aus lebendigem
kommen! - so hat Geisteswissenschaft den Satz vertreten: Geistig-Seelisches Geistiges kann nur
kann nur aus Geistig-Seelischem entstehen. Und nichts anderes als eine Fol- aus Geistigem
ge dieses Satzes ist dasjenige, was man öfters heute belächelt als den Aus- entstehen.
fluss einer tollen Phantasie: Das Gesetz der Wiederverkörperung.“

Diese zwei Sätze sind für uns entscheidend. Dass Geistig-Seelisches nur aus
Geistig-Seelischem entstehen kann ist im Grunde eine logisch-wissenschaftliche
Schlussfolgerung. Und daraus ergibt sich ebenso mit einer gewissen Logik die
Reinkarnation. Doch wir wollen uns dies noch etwas näher betrachten. In der
„Theosophie“ widmet Steiner diesem Thema ein entscheidendes Kapitel. Darin
geht es nicht um eine mystisch-esoterische Betrachtung der Inkarnation, sondern
einer sehr klaren, nüchternen, denkerischen Analyse, die ein jeder Mensch, wenn
er gewillt ist, für sich nachvollziehen kann. In dieser Analyse kommen aber
zusätzlich noch einige wichtige erhellende Informationen über uns, unsere Seele
und unseren Geist hinzu. Deshalb wollen wir diese Analyse in aller Kürze zu-
sammenfassen. Alle folgenden Texte sind aus dem Werk und dem Kapitel „Wie-
derverkörperung des Geistes und Schicksal“.
Das erste, was auffällt ist, dass Steiner nicht von der Wiederverkörperung der
Wiederverkörpe-
Seele sondern des Geistes spricht. Das mag man leicht überlesen. Darin aber rung des Geistes,
kommt zum Ausdruck, dass das Dauerhafte, das Unsterbliche in uns aus dem nicht der Seele!
Geistigen stammt und nicht aus dem Seelischen. Wir werden im übernächsten
Kapitel diesen Unterschied noch herausarbeiten, um dann in das große Thema
der kosmischen Evolution überzugehen.

Erinnerung, Gedächtnis, Tat und Schicksal


Das erste Wichtige für unsere Annäherung an Wiedergeburt ist die Betrachtung
unseres Lebens in Bezug auf das Gedächtnis und dann unseres Handelns.

„In der Mitte zwischen Leib und Geist lebt die Seele. Die Eindrücke, die ihr
durch den Leib zukommen, sind vorübergehend. Sie sind nur so lange vor- Die Seele ist das
handen, als der Leib seine Organe den Dingen der Außenwelt öffnet.“ Bindeglied.

Wir sehen eine Blume. Unsere Wahrnehmung erzeugt ein Bild in uns. Wir schlie-
ßen die Augen. Das Bild der Blume ist weg. Aber wir können ein ähnliches Bild in
uns wieder herzaubern. Der Unterschied zwischen den beiden Bildern ist aber
entscheidend und darin liegt ein großes Geheimnis.

„Die Gegenwart sowohl des Dinges... wie auch des leiblichen Organs sind not- Eine Wahrneh-
mung benötigt die
wendig, damit eine Empfindung oder Wahrnehmung stattfinden kann.“
Gegenwart eines
Dinges.
Wir berühren jetzt auch erstmals die Thematik von Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft. Wie oft hören wir: „Du musst in der Gegenwart leben.“

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation

In unserer Erinne-
rung lebt aber eine
Dies ist eine der vielen „Weisheiten“, die so schnell gesagt und verbreitet werden.
Aber stimmt sie wirklich? Können wir eine solche Weisheit erfassen, solange wir
nicht das Rätsel der drei Zeiten gelöst haben? Wir sollten sehr vorsichtig mit die-
sen so genannten Weisheiten umgehen. Denn oft prägen sie etwas in uns, was
der Realität nicht entspricht, obwohl es so „schön“ und „stimmig“ klingt.

„Was ich aber im Geiste als Wahrheit über die Rose erkannt habe, das geht
mit der Gegenwart nicht vorüber. Und es ist in seiner Wahrheit auch ganz und
gar nicht von mir abhängig.“

Dass Wahrheit u-
Es wird wieder das angesprochen, was wir in Lehrheft 3 in Bezug auf den Geist niversell gültig ist,
erarbeitet haben. Da gibt es etwas Dauerhaftes, und es wird hier als „Wahrheit“ erkennen wir dar-
bezeichnet, also das, was ich im Geiste erkannt habe. Wahrheit ist also etwas u- an, dass sie wei-
niversell Vorhandenes und Gültiges. tergegeben wer-
den kann und wei-
„Was ich durch den Geist erkenne, ist in einem Elemente des Seelenlebens ter existiert, wenn
ich sterbe.
gegründet, durch das die Seele mit einem Weltinhalt zusammenhängt, der
sich ihr unabhängig von ihren vergänglichen Leibesgrundlagen offenbart.“

Dieser zunächst so merkwürdige Satz ist so wichtig. Er besagt nämlich, das wir
eine Instanz in unserer Seele besitzen, der sich unveränderliche Wahrheiten of-
fenbaren, ohne dass sie den Körper oder das Vergängliche dazu benötigt.

„Das Dauernde in der Seele ist in dem Augenblicke in die Beobachtung ge-
Wir nehmen in der
stellt, in dem man gewahr wird, dass Erlebnisse da sind, die nicht durch ihr Seele das Unver-
Vergängliches begrenzt sind... gängliche des
Es handelt sich darum, dass diese Erlebnisse... etwas enthalten, was zwar in Geistes wahr.
der Seele lebt, aber doch in seiner Wahrheit unabhängig von dem vergängli-
chen Vorgange der Wahrnehmung ist.“

All diese Erkenntnisse resultieren aus reiner sachgemäßer Beobachtung. Wir er-
leben, dass wir Wahrheiten erkennen können. Wir erleben, dass diese Wahrhei-
ten nicht vergänglich sind. Wir erkennen damit in unserem Ich etwas Unvergäng-
liches. Und damit nähern wir uns dem Geheimnis der Wiederverkörperung, allei-
ne aus unserer Betrachtung des Wahrnehmungs- und Erkenntnisvorganges.
Wenn alles in uns vergänglich wäre, wie es der Materialismus behauptet, könn-
ten wir dann etwas Unvergängliches erkennen? Jetzt aber wird es noch konkre-
ter.

„Zwischen Gegenwart und Dauer ist die Seele gestellt, indem sie die Mitte hält
zwischen Leib und Geist.
Aber sie vermittelt auch Gegenwart und Dauer.
Sie bewahrt das Gegenwärtige für die Erinnerung. Dadurch entreißt sie es der
Vergänglichkeit und nimmt es in die Dauer ihres Geistigen auf.“

Ganz Entscheidendes wird hier gesagt. Die Gegenwart ist das Vergänglichste,
was es gibt. Sie ist nur für einen Bruchteil der Zeit vorhanden. Demgegenüber

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
steht ein Bereich, der ewig gegenwärtig ist, die „DAUER“. Diesem Begriff werden
wir später noch ausführlich begegnen. Die Seele nimmt nun das Vergängliche
auf und verleiht diesem Dauer, macht es sozusagen unsterblich und ewig, indem
es dieses zunächst in die ERINNERUNG bringt und dann dem Geist zuführt, der
dieses für die Ewigkeit bewahrt.

ÜBUNG:
Hier können wir wieder innehalten, denn wir haben die Möglichkeit, ein großes
Bild für uns zu schaffen, was unsere Seele in Wahrheit tut. Nehmen Sie die
Worte auf, denken Sie darüber nach, bewegen Sie diese im Geist und lassen
Sie sich eine Vorstellung in ihrem Geist von diesen Erkenntnissen hinzaubern.
Was bedeutet das in der Konsequenz für unsere Seele?

Jetzt haben wir eine Seite unseres Lebens erfasst: unsere Wahrnehmung. Nun
kommt das zweite große Rätsel, das uns dem Thema Wiedergeburt näherbringt.

„Auch prägt sie das Dauernde dem Zeitlich-Vergänglichen ein, indem sie in ih- Erinnerung (Den-
rem Leben... von sich aus die Dinge bestimmt, ihnen ihr Wesen in den Hand- ken) lebt in der
lungen einverleibt, die sie verrichtet. Vergangenheit,
Handlung (Wille)
Durch die Erinnerung bewahrt sie (die Seele) das Gestern; durch die Hand- in der Zukunft.
lung bereitet sie das Morgen vor.“

Unsere Taten, unsere Handlungen, durch den Willen hervorgerufen, verändern


die Welt. Ja, wir prägen sogar der Außenwelt nach Steiner unser Wesen auf. Wer Wahrnehmungen
schon einmal erlebt oder miterlebt hat, wie Menschen aus Schmuckgegenstän- erzeugen aktuelle
Bilder.
den den Besitzer beschrieben haben, der kann dies besonders gut nachvollzie-
hen. Unsere Seele besitzt eine Kraft, die auch ein Teil des Denkens ist (wir ha-
ben ja schon zwei Aspekte des Denkens kennen gelernt: Gedanken und Vorstel- Erinnerung er-
lungen): das Gedächtnis. Diese Kraft bewirkt die Erinnerungen, die auch Vorstel- zeugt bleibende
lungen („Erinnerungsbilder“) sind. Aber die Vorstellung einer Rose, die durch die Vorstellungen.
momentane Wahrnehmung erzeugt wird, ist eine andere, als die der Erinnerung
an die Rose.
Jetzt haben wir die Wahrnehmung mit ihren Empfindungen, durch die wir in der
Gegenwart leben, das Denken mit der Erinnerung, durch das wir uns mit der
Vergangenheit verbinden, die aber dadurch, dass sie bewahrt wird, in die Ge-
genwart zurückgeholt wird, und wir haben den Willen mit seinen Handlungen, der
die Zukunft gestaltet.

„Das, was nach dem äußeren Eindruck zurückbleibt, was von der Seele behal- So lebt in der Er-
ten werden kann, kann unabhängig von dem äußeren Eindruck wieder Vor- innerung ein Blei-
stellung werden. Durch diese Gabe macht die Seele die Außenwelt so zu ihrer bendes, das wir
eigenen Innenwelt, dass sie diese dann durch das Gedächtnis behalten und wieder heraufho-
unabhängig mit ihr weiter ein eigenes Leben führen kann.“ len können.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Hier wird uns noch einmal bewusst, was unsere Seele ist: eine eigene Welt, die
wir durch unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen aufgebaut haben, eine In-
nenwelt, in der nur wir selber leben.

„Das Seelenleben wird so zur dauernden Wirkung der vergänglichen Eindrü-


cke der Außenwelt.“ Die Außenwelt lebt
dauerhaft in uns
Die Außenwelt lebt dauerhaft in uns weiter. Unser „Weltbild“ erzeugt eine eigene weiter.
Welt in uns, die Welt unserer Seele. Und das Wichtige dabei ist, dass wir durch
eine Erinnerung die Vergangenheit wieder aufleben lassen können! Die Vergan-
genheit holt uns in unseren Erinnerungen wieder ein. Das ist die eine Seite. Und
mit der zweiten Seite ergreifen wir die Thematik der Reinkarnation.
Aber auch unsere
„Aber auch die Handlung erhält Dauer, wenn sie einmal der Außenwelt aufge- Handlung bewirkt
prägt ist. Schneide ich einen Zweig von einem Baum, so ist etwas durch mei- eine dauerhafte
ne Seele geschehen, was den Lauf der Ereignisse in der Außenwelt vollkom- Veränderung in
men ändert.“ der Welt!

Dies ist wieder ein rein gedanklicher Schritt mit großen Konsequenzen, den noch
jeder nachvollziehen kann. Wir verändern die Welt! Was sind die Konsequenzen?

„Was ich heute getan habe, bleibt für morgen bestehen.“

Das Prinzip des Karma erfährt hier seinen ersten Teil.

„Es wird dauernd durch die Tat, wie meine Eindrücke von gestern dauernd
geworden sind durch das Gedächtnis.“ Warum sollen
nicht unsere
Die Frage, die da auftaucht lautet: „Wenn uns die Vergangenheit in unserem In- Handlungen zu
neren in unseren Erinnerungen einholt, also durch das, was von außen in uns uns zurückkom-
men wie unsere
geprägt wurde, holt uns dann eventuell auch unsere Vergangenheit in der Au-
Erinnerungen –
ßenwelt ein durch das, was wir ihr durch unser Inneres aufgeprägt haben? Lo- bei passender Ge-
gisch nachvollziehbar ist es auf jeden Fall. legenheit?

Für dieses Dauerndwerden der Tat bildet man im gewöhnlichen Bewusstsein Aber das ist uns
nicht in der gleichen Art eine Vorstellung aus, wie diejenige ist, die man für nicht bewusst.
«Gedächtnis» hat...
„Aber wird nicht das «Ich» des Menschen mit der in der Welt erfolgten Verän-
derung durch seine Tat ebenso verbunden wie mit der aus einem Eindruck er-
folgten Erinnerung?“

Aus dieser Ein-


Die Erinnerung ist für uns offensichtlich. Wir erleben sie tagtäglich. Aber die Ver-
sicht wird die Ar-
bindung unserer Taten mit unserem Schicksal ist nicht offensichtlich. Diese kön- beit an dem eige-
nen wir uns erarbeiten. Aber ist es nicht auch so wie mit dem Sonnenaufgang? nen Schicksal
Wir sehen die Sonne offensichtlich aufgehen und müssen uns den nicht offen- wichtig.
sichtlichen Zusammenhang, dass die Erde sich dreht, erst erarbeiten!

Erinnerung ge-
schieht sofort,18
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018 Rückwirkung der
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Handlung im zeit-
lich Verborgenen.
„Dass man, was hier gemeint ist, nicht so bemerkt, wie die Veränderung des
«Ich» durch Erwerb einer Erinnerung, das rührt alleine davon her, dass die Er-
innerung sich sogleich bei ihrer Bildung mit dem Seelenleben verbindet, das
man schon immer als das seinige empfunden hat; die äußere Wirkung der Tat
aber verläuft, losgelöst von diesem Seelenleben, in Folgen, die noch etwas
anderes sind, als was man in der Erinnerung behält.“

Dieses Prinzip, dass wir die Ereignisse, die von außen auf uns zukommen, das
Schicksal, als Teil und Konsequenzen unserer Handlungen erkennen, ist das
Prinzip des Karma und folgend der Karma-Arbeit, das Karma-Lernen, die Schick-
salsarbeit, das Erkennen unserer eigenen Vergangenheit aus den Erlebnissen im
Außen. Erst wenn wir dieses alles einbeziehen, werden wir erfolgreich Meister
über unser Leben. Vorher wird stets noch ein Teil fehlen. Die obige Frage formu-
lierte Steiner wir folgt:

„Könnte es nicht sein, dass die Folgen einer vollbrachten Tat, denen ihr We-
sen durch das «Ich» aufgeprägt ist, eine Tendenz erhalten, zu dem Ich wieder
hinzuzutreten, wie ein im Gedächtnis bewahrter Eindruck wieder auflebt, wenn
sich dazu eine äußere Veranlassung ergibt?“
Wann taucht Erin-
Beachten wir diesen Vergleich. Eine Erinnerung taucht auf, wenn von außen der nerung auf?
Anstoß erfolgt. Ähnliches stellt es sich mit dem Schicksal dar. Jedoch setzt das
konsequent voraus, dass es dann ein kosmisches „Gedächtnis“ geben muss, aus Wann taucht
Schicksal auf?
dem wir uns die Taten in „Erinnerung“ rufen. Das ist die Konsequenz eines jeden
Karma-Denkens. Es muss einen kosmischen Geist mit einer solchen Erinne- Akasha-Chronik
rungsfähigkeit geben. Dieser wird in der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT „Akasha-
Chronik“ genannt. Allerdings muss es dann auch Gesetzmäßigkeiten geben und
nicht nur einen passiven Speicher, die Schicksalsereignisse als „kosmisches Er- Die beiden Vor-
innern“ bewirken. Der Speicher alleine reicht nicht aus. stellungen sind
verschieden.
Beim Gedächtnis weist Steiner darauf hin, dass die „gegenwärtige“ Vorstellung,
das ist das Bild, das ich im Moment von der Rose habe, eine andere ist, als die
später „erinnerte“. Diese wird später stets neu erzeugt und zwar von demselben
Wesen, das auch bei dem Erlebnis selber dabei war: die Seele. Ein Schlüssel-
satz: dazu lautet:
Erinnerung, was
ist das?
„Ich erinnere mich heißt: Ich erlebe etwas, was nicht mehr da ist.“

Den Vorgang der Erinnerung, der sich dabei vollzieht, beschreibt er wie folgt:
Erinnerung ist das
„Gewiss ist, dass die Seele den Vorgang, durch welchen etwas Erinnerung Wahrnehmen der
wird, dem Leibe wie durch ein Zeichen einprägt; doch muss eben die Seele früheren Einprä-
gung.
diese Einprägung machen und dann ihre eigene Einprägung wahrnehmen,
wie sie etwas Äußeres wahrnimmt.“
Das geschieht im
Diese Einprägung erfolgt übrigens im Ätherkörper und zwar im Lichtkörper. Das Licht-Ätherkörper.
hat Steiner an anderer Stelle ausgeführt. Erinnerung bedeutet, dass diese innere
Lichtgestalt wieder wahrgenommen wird. Und nun kommt eine ganz entschei-
dende Aussage:
19
Die Seele berei-
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation chert den Geist.
„Als Bewahrerin des Vergangenen sammelt die Seele fortwährend Schätze für
den Geist auf...
Der Geist in mir ist nicht allein auf die Eindrücke der Gegenwart beschränkt;
die Seele erweitert seinen Gesichtskreis über die Vergangenheit hin. Und je
mehr sie aus der Vergangenheit zu ihm hinzufügen mag, desto reicher macht
sie ihn.“

Hier berühren wir ein großes Geheimnis unseres Daseins. Wie oft meinen wir,
die Vergangenheit ablegen zu müssen. Das erscheint nicht möglich. Auch die
vielen Ideen, Traumata aus der Vergangenheit aufzulösen, erscheinen illuso-
risch. Was aufgelöst werden kann ist wohl die Bindung der Seele daran, ihre fal-
schen Interpretationen, ihre falschen Schlüsse, usw. Der Geist jedoch wird „rei-
cher“ durch die Traumata. Warum? Weil er, wie wir gleich sehen werden, etwas Unser Geist
schafft aus unse-
für uns Wertvolles daraus macht! Kein Traumata ist demnach falsch oder um-
ren Erfahrungen!
sonst. Der Geist baut aus unseren „negativen“ Erlebnissen, aus unseren „Feh-
lern“ unsere Zukunft. Was erbaut er nun da? Nun, genau das, was uns zeigt,
dass wir uns wieder inkarnieren. Zweierlei lebt in
uns:
„Der Geist des Menschen trägt dadurch in jedem Augenblick seines Lebens
zweierlei in sich. Erstens die ewigen Gesetze des Wahren und Guten und Ewige Gesetze
des Wahren und
zweitens die Erinnerung an die Erlebnisse der Vergangenheit. Was er tut, voll- Guten (in der Be-
bringt er unter dem Einfluss dieser beiden Faktoren. wusstseinsseele
Wenn wir einen Menschengeist verstehen wollen, so müssen wir deshalb ergriffen).
auch zweierlei von ihm wissen: erstens, wie viel von dem Ewigen sich ihm of-
Erfahrungen.
fenbart hat, und zweitens, wie viel Schätze aus der Vergangenheit in ihm lie-
gen.“

Was macht der Geist mit den Eindrücken?


Was macht unser
„Diese Schätze bleiben dem Geist keineswegs in unveränderter Gestalt. Die Geist daraus: Fä-
Eindrücke, die der Mensch aus den Erlebnissen gewinnt, schwinden dem Ge- higkeiten!
dächtnisse allmählich dahin. Nicht aber ihre Früchte... in Form von Fähigkei-
ten.“

„FÄHIGKEIT “ ist das Schlüsselwort. Der Geist macht aus unseren Erfahrungen Fä-
higkeiten. Und Fähigkeiten, Talente, usw., bringen Kinder mit, wenn sie geboren
werden und diese unterscheiden sie von anderen.
Nun geht es um das große Thema der Vererbung. Was wird eigentlich vererbt?
Werden Fähigkeiten auch vererbt? Dann hätten die Vorfahren von Goethe lauter
Goethes sein müssen.
Unsere Gestalt
Wenn Eisenspäne in die Nähe eines Magneten kommen, bilden diese eine Form.
kann nicht phy-
Diese Form ist aber vorher schon da, die Späne machen sie nur sichtbar! Die sisch erklärt wer-
Form des Magnetfeldes ist unsichtbar. So weist Steiner darauf hin, dass auch die den!
GESTALT des Menschen nicht erklärbar ist durch die materiellen Gesetze zwi-
schen Leben und Tod. Die Gestalt des Menschen ist nicht (physisch) vererbbar.
Sie ist unsichtbar und kann nur aus einer anderen Gestalt hervorgehen.
Sie wird durch die
Ahnen ätherisch
20
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018 vererbt.
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
„Jeder Lebensleib ist eine Wiederholung seines Vorfahrens...
Die Kräfte, die meine Menschengestalt möglich machten, lagen in meinen
Vorfahren.“

Wir betreten wieder den Boden jener Ahnenströmung aus dem vergangenen
Lehrheft. Der Ätherkörper ist wie die neue Margerite im Frühling eine Wiederho-
lung der alten Margerite ist, eine Wiederholung eines anderen Ätherkörpers.
Nun aber weist Steiner darauf hin, dass auch der Geist eine Gestalt (im geistigen
Sinne hat). In dieser Gestalt sind unsere Fähigkeiten eingeprägt. Deshalb sind
auch bei allen Menschen diese Gestalten die denkbar verschiedensten. Nach-
dem sich Geschwister unter den gleichen Bedingungen völlig verschieden entwi-
ckeln, wissen wir auch, dass es nicht die Umgebung und nicht die Vererbung
sein kann, welche die unterschiedlichen Menschen in Bezug zu ihrem Geist her-
vorbringt. Es muss noch einen anderen Faktor geben. Und dieser ist unser eige-
nes Ich, ist unsere eigene Vergangenheit, unser eigener Geist, der aus eigenen
Erfahrungen eigene Fähigkeiten aufgebaut hat. Mozart kam mit besonderen Fä-
higkeiten auf die Welt. Auch wenn der Vater ihn dazu verdammt hat, von frühes-
ter Kindheit zu üben, seine Fähigkeit, Musikstücke als Ganzes zu hören und zu
erleben, war nicht in einem Leben anzutrainieren. Er hat sie mitgebracht. Und nur
die Reinkarnation kann diese Fähigkeit letztlich sinnvoll erklären.
Aus einer Rose wird keine Nelke. Aus zwei Geschwistern, selbst Zwillingen wer-
So wie zwei Blu-
den zwei völlig verschiedene Menschen. Sie sind selber zwei verschiedene Gat-
menarten ver-
tungen. Weil die Idee dahinter, die geistige Form, die Geist-Gestalt bei beiden schieden sind, so
völlig verschieden ist. Rose und Nelken sind zwei Blumen, zwei Geschwister sind sind zwei Men-
zwei völlig verschiedenen Menschen – in Bezug auf ihren Geist. Denn ihren Kör- schen als eigene
per haben sie von ihren Vorfahren, sogar den Ätherkörper und auch in vielen As- Gattung verschie-
pekten den Seelenkörper, den Empfindungsleib. Aber diese sind nur unsere äu- den.
ßere Hüllen unserer Geist-Gestalt.
Nur eine Gattung
„Es gibt nur eine menschliche Gattung,“ Mensch.

meint Steiner. Was bedeutet dies? Aus einem Löwen wird keine Gazelle. Nie-
mals. Das Bild hinter dem Löwen, die Geist-Gestalt ist die Idee des Löwen und
nicht der Gazelle. Aus der Idee eines Autos wird niemals ein Computer. Daher
kann auch niemals aus einem Tier ein Mensch werden. Der Mensch ist eine ei-
gene Idee.

„In physischer Beziehung ist die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Mensch
größer als die zwischen dem Menschen und irgendeiner Tiergattung,“

Diese Worte kann man sich selber sehr genau zu Gemüte führen und sich fra-
gen, wie wir Menschen darauf kommen können, dass sich aus den Tieren der
Mensch entwickelt haben soll. Doch dass wir Menschen etwas völlig anders sind
als Tiere zeigt sich noch an einem ganz anderen Phänomen. Steiner beschreibt
aus reiner geistiger Sicht der Vernunft, warum der Mensch sich unterscheidet.
Auch das können wir verstandesmäßig gut nachvollziehen, und dann landen wir

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Die Biographie als
wichtiger Beweis
für die Wiederver-
körperung.
wieder klar bei der Reinkarnation. Wir müssen uns nur die Arbeit machen – das
erscheint wirklich als Arbeit – darüber ernsthaft nachzudenken:

„So wie die physische Ähnlichkeit der Menschen klar vor Äugen liegt, so ent-
hüllt sich dem vorurteilslosen geistigen Blicke die Verschiedenheit ihrer geisti-
gen Gestalten.
Es gibt eine offen zutage liegende Tatsache, durch welche dies zum Ausdruck
kommt. Sie besteht in dem Vorhandensein der Biographie eines Menschen.“

Steiner arbeitet heraus, dass wir uns und jeden Menschen nur verstehen können,
wenn wir die jeweilige BIOGRAPHIE erfassen. Diese gibt es für das einzelne Tier
nicht. Dabei versteht Steiner als Biographie nicht nur die rein äußeren individuel-
len Ereignisse des Lebens, das hat jedes Tier auch. Er bezieht sich auf die „wirk-
liche Eigenart“ eines Menschen.

„Wer über das Wesen der Biographie nachdenkt, der wird gewahr, dass in Jeder Mensch ist
geistiger Beziehung jeder Mensch eine Gattung für sich ist... eine Gattung, sei-
ne eigene.
Wer aber in der Biographie die wirkliche Eigenart eines Menschen schildert,
der begreift, dass er in ihr etwas hat, was im Tierreich der Beschreibung einer
ganzen Art entspricht.“

Dieser letzte Satz ist der entscheidende. Der Mensch ist seine eigene Gattung.
Er ist eine eigene
Beschreibe ich eine Tiergattung, z. B. eine Katze, dann finde ich das Wesen ei-
Art.
ner Katze, ihre wirkliche Eigenart als Katze, in allen Katzen. Katzen verhalten Seine Eigenart.
sich überall als Katzen, individuell sind sie sicher in einem gewissen Rahmen alle
anders. Aber beim Mensch ist es so, dass ein jeder von uns seine ganz eigene
Eigenart ist, sein eigene Art. Wir wollen dabei darauf hinweisen, dass Steiner hier
nicht zwischen Gattung und Art unterscheidet wie in der Biologie, sondern beide
synonym verwendet.
Der nächste Schritt liegt in der Erkenntnis, dass auch die eigene Art eines Men-
schen, ebenso wie die physische Art, nur durch einen Vererbungsprozess erklär-
bar ist. Es muss eine geistige Vererbung geben und nachdem der Mensch geistig Jede Art wird ver-
seine eigene Gattung ist, entsteht er aus sich selbst. Er wiederholt seine Form, erbt.
sein Menschsein durch Reinkarnation. In dieser Form ist auch sein Karma bein-
also muss auch
haltet. Denn woher soll das kommen, was sich in meiner ganz speziellen Biogra- Ich geistig als Art
phie zeigt? Wir wissen, dass es nicht von den Eltern kommen kann. Das kann vererbt werden.
heute ein jeder schnell nachvollziehen. Und dass diese Eigenart einfach so bei Von wem?
der Geburt mal eben schnell vom Herrgott erzeugt wird, widerspricht aller Ver-
nunft. Das kann man heute einem auch nur wenig wissenschaftlich und ver- Von mir selber!
nunftmäßig gebildeten Menschen nicht mehr erzählen. Es sei denn, man will
darüber gar nicht nachdenken. Und das ist ja das große Problem unserer heuti-
gen Zeit, dass wir Menschen die Dinge einfach übernehmen, ohne darüber
nachzudenken, obwohl wir jetzt alle so gebildet sind, dass wir nachdenken kön-
nen. Das ist ja das große Thema unserer Freiheit! Diese können wir nur erringen,
wenn wir unsere Kraft des Denkens wirklich einsetzen.

Meine geistige
Gestalt habe ich
von mir. Sie ist
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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
meine Biographie.
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
„Als geistiger Mensch habe ich meine eigene Gestalt, wie ich meine eigene
Biographie habe. Ich kann also diese Gestalt von niemand anderem haben als
von mir selbst.
Und da ich nicht mit unbestimmten, sondern mit bestimmten seelischen Anla-
gen in die Welt getreten bin, da durch diese Anlagen mein Lebensweg, wie er
in der Biographie zum Ausdruck kommt, bestimmt ist, so kann meine Arbeit an
mir nicht bei meiner Geburt begonnen haben. Ich muss als geistiger Mensch
vor meiner Geburt vorhanden gewesen sein.“

Auch den Gedanken, dass wir vorher nur rein geistig gelebt haben, ohne eine ir-
dische Inkarnation, widerlegt Steiner. Und er kommt zu dem Schluss, dass wenn
man nur rein vernünftig denkt, man frühere Leben voraussetzen muss:

„Wer diese Dinge durchschaut, der kommt zu der Vorstellung von Erdenleben,
die dem gegenwärtigen vorangegangen sein müssen. Er kann denkend nicht
bei rein geistigen Erlebnissen vor diesem Erdenleben stehen bleiben.“

Heute sagt man, dass es in der christlichen Religion keine Wiedergeburt gibt.
Das ist es dann. Basta. Man denkt nicht, ob das falsch sein kann oder nicht. Man
setzt Vernunft und Verstand nicht ein, sondern übernimmt vorgegebene Glau-
bensaussagen, die Aussagen von Menschen sind. Das sind die Hintergründe für
unser Leiden in der Welt. Es wird in der Zukunft immer mehr nur noch eine Reli-
gion geben, die „Religion der Wahrheit“. Wir Menschen werden uns nicht mehr
mit Vorgaben und Glaubenssätzen abspeisen lassen und uns immer mehr lösen
von allen Fesseln, die von äußeren Autoritäten angelegt werden. Wir werden be- Nur in unserem
greifen, dass wir eine Instanz in uns haben, die für uns entscheidet, die Instanz Denken finden wir
des Wahrheitsdenkens. Daher liegt unsere Freiheit! einzig und allein in unserem unsere Freiheit!
Denken begründet.
Wenn wir beginnen, dieses Denken einzusetzen, werden wir frei. Wenn nicht,
bleiben wir Gefangener all der in uns lebenden falschen Gedankenbilder. Und wir
werden sehen, dass es eben rein geistige Kräfte gibt die das als Ziel haben, dass
sie uns über ihre Gedanken einfangen, Gedanken, die sie in unseren Geist ver-
suchen einfließen zu lassen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen frei zu
denken.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
4 Warum uns die Mathematik beim Verständnis des Geistigen hilft

Die gesamte Diskussion zu diesem Thema ist rein denkerisch, also von jedem
Menschen unabhängig von spirituellen Erlebnissen nachvollziehbar. Steiner
weist darauf hin und geht auch den Weg der Gegenargumentation.

„Man kann gegen das hier Gesagte einwenden: Das seien reine Gedanken-
ausführungen; und man kann äußere Beweise verlangen, wie man sie von der
gewöhnlichen Naturwissenschaft her gewohnt ist.
Dagegen muss gesagt werden, dass die Wiederverkörperung des geistigen
Menschen doch ein Vorgang ist, der nicht dem Felde äußerer physischer Tat-
sachen angehört, sondern ein solcher, der sich ganz im geistigen Felde ab- Wir müssen dem
Denken vertrauen.
spielt. Und zu diesem Felde hat keine andere unserer gewöhnlichen Geistes-
kräfte Zutritt als das Denken. Wer der Kraft des Denkens nicht vertrauen will,
der kann sich über höhere geistige Tatsachen eben nicht aufklären.“

Hören wir nicht immer dieses Argument: Beweise es mir! Wie wichtig ist der Hin-
weis Steiners auf unser Denken als Macht dazu!

„Es gehört zu den bedenklichsten Vorurteilen, wenn man die geistigen Eigen-
schaften eines Menschen durch Vererbung von Vater oder Mutter erklären
will...
In ihm liegt eine tiefe Antipathie gegen vorurteilslose Betrachtung.“

Wichtig für uns ist noch einmal der Hinweis auf die „geistigen Eigenschaften“. Es
ist der Geist, der sich wieder inkarniert. Es gibt durchaus Qualitäten, die aus der
Vererbung resultieren, wie unsere Temperamente. Das rein Geistige aber, Talen-
te, Fähigkeiten klarer intellektueller Intelligenz, ist nur aus der Reinkarnation er-
klärbar. und wenn wir das einmal wirklich angenommen haben für uns ist natür-
lich die karmische Sicht nahezu eine zwingende Konsequenz, und zwar in Bezug
auf alle praktischen Erlebnisse im Leben.
Die zweite Anmerkung ist auch wichtig für unser Thema der Freiheit! Vorurteilslo-
se Betrachtung ist die Voraussetzung, um Wahrheit erkennen zu können. Und
dies ist eine wichtige Schulung unseres Geistes und damit auch unseres Kurses.
Wir wollen die obige Argumentation gegen diese Forderung noch weiter über
Steiner hinausführen und vertiefen.
merkwürdige Ma-
Dabei dringen wir noch einmal in das Geheimnis der Mathematik ein, wie wir es
thematik
bereits getan haben. Unsere gesamte Naturwissenschaft, Physik, Chemie, Ast-
ronomie, all die großen Erkenntnisse der Atomphysik, Quantenphysik, Astrophy-
sik, worauf beruhen sie? Auf Mathematik! Ja, moderne Quantenphysik ist in gro-
ßen Teilen reine Mathematik. Das aber wissen die wenigsten. Was aber ist diese Alle mathemati-
merkwürdige „Mathematik“? schen Objekte
sind ideell!
Üblicherweise meinen wir alle, sie gehört auch zu den Naturwissenschaften. A-
ber das ist ein großer Irrtum und das hat eine fundamentale Bedeutung. Natur-
wissenschaft beschäftigt sich mit Materie, mit den äußeren Formen und Geset-
zen des Universums. Womit aber beschäftigt sich Mathematik? Mit Zahlen und
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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
geometrischen Formen und ihren Gesetzen. Haben Sie aber jemals in der Mate-
rie Zahlen oder Kreise, Dreiecke oder Linien entdeckt? Nein, sie gibt es nicht in
der Materie. Ein Punkt, eine Linie, eine gerade, ein Kreis, eine Zahl, sind ideelle
Gebilde! Was bedeutet ideell? Ideell bedeutet von einer Idee ausgehend, rein ideell = von einer
geistig! Ein Kreis ist eine Menge von Punkten, die von einem Punkt im Zentrum Idee ausgehend
gleich weit entfernt sind. Versuchen wir einen Kreis in der Materie zu zeichnen,
wird die Linie immer eine gewisse Dicke haben, egal wie fein wir sie zeichnen,
auch wenn wir sie mit einem Laser zeichnen! Deshalb gibt es keinen idealen
Kreis in der Materie! Aber er existiert doch! Ja, in unserem Geist. Dort ist er reell.
Sehr reell sogar. So reell, dass wir aus diesen ideellen Berechnungen Raketen
bauen können.
So ist die Mathe-
matik ein beweis
Die Mathematik alleine in ihrer Existenz ist also ein Beweis für die Existenz
für die Existenz
der geistigen Welt unabhängig von der Materie, denn sie existiert in einem des Geistigen un-
rein geistigen Raum, der nicht von der Materie abhängt. abhängig von der
Materie.
Keine Materie kann einen Kreis hervorbringen, aber die Mathematik kann die In-
genieurskunst hervorbringen.
Wenn nun jemand von uns einen Beweis fordert für die Reinkarnation, so können
wir ihn fragen: Was für einen Beweis? Einen physikalischen? Oder einen rein
denkerischen, geistigen? Wenn er antwortet: natürlich einen physikalischen,
denn ein rein denkerischer reicht nicht aus, dann können wir ihm antworten: Wenn jemand
physikalische Be-
weise für den
Gut dann gib mir einen physikalischen Beweis für all die mathemati-
Geist fordert, dann
schen Aussagen! muss er sie auch
für die Mathematik
Wir können für die Aussagen der Mathematik niemals einen physikalischen Be- liefern!
weis finden. Denn die Mathematik ist ein rein geistiges Feld. Und sie ist ein Be-
weis selber für die Existenz des Geistes. Ebenso kann man keinen physikali-
schen Beweis für die Reinkarnation finden, aber einen rein geistigen, wie für alle
mathematischen Aussagen.
Dies ist eine fundamentale – wissenschaftlich korrekte – Aussage!

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
5 Eine Vertiefung des Themas Reinkarnation und Karma

Wir wollen nun noch das Thema der Wiedergeburt etwas vertiefen und dabei das
Zusammenspiel unserer Glieder betrachten. Steiner gibt uns damit einen ersten
Einblick, wie wir gewissermaßen unsere Zukunft erschaffen.

Empfindungsseele
„Die Seele bildet das Mittelglied zwischen Leib und Geist, indem sie das dritte
= Übergang Kör-
Glied des Leibes, den Seelenleib, mit der Empfindungsfähigkeit durchdringt per/Seele, Be-
und indem sie das erste Glied des Geistes, das Geistselbst, als Bewusst- wusstseinsseele =
seinsseele durchsetzt.“ Übergang See-
le/Geist.
Hier haben wir noch einmal eine andere Beschreibung unserer „Seele“.

„Von der Organisation des Seelenleibes wird es abhängig sein, wie die Emp-
findungsseele ihre Fähigkeiten entfalten kann. Die Empfindungsseele wird ei-
nen umso besseren Verkehr mit der Außenwelt entfalten, je wohlgebildeter
der Seelenleib ist.“

Hier berühren wir das Phänomen von Wahrnehmungsstörungen und Gefühlsstö-


Ein wohlgebildeter
rungen bei Menschen. Wahrnehmen und Fühlen sind die beiden Tore der Emp-
Seelenleib ist
findungsseele. Sie liefert uns über die Wahrnehmungen unsere Empfindungen wichtig für gute
und es ist die Ausformung des Seelenleibes dafür zuständig. Es ist daher offen- Wahrnehmungen.
sichtlich, dass bei geistesgestörten Kindern oder auch stark wahrnehmungsge-
störten Kindern auch dieser Leib in Mitleidenschaft gezogen sein muss.

„Und vom Leben der Bewusstseinsseele wird es abhängig sein, wie weit das
Die Bewusstseins-
Geistselbst in ihr sich entwickeln kann.
seele führt dem
Das Geistselbst wird umso reicher, machtvoller werden, je mehr ihm die Be- Geistselbst Nah-
wusstseinsseele Nahrung zuführt.“ rung zu.

Unsere Zukunft, unsere Kraft und Macht in der Zukunft hängt also davon ab, wie
viel wir an Wahrem und Gutem in der Welt durch unsere Bewusstseinsseele in
uns aufnehmen und dieses an unseren Geist weitergeben. Die Frage für die Zu-
kunft wird dabei sein, warum dies nicht auf direktem Wege erfolgen kann, warum
dazu der „Umweg“ über en Körper sein muss. Diese Frage wollen wir im Rahmen
des Kurses klären.

„Der Seelenleib ist zwar die feinste Ausgestaltung der Leiblichkeit, aber er ge-
Der Seelenleib ist
hört doch zu dieser und ist von ihr abhängig. Physischer Körper, Ätherkörper in die Vererbung
und Seelenleib machen in gewisser Beziehung ein Ganzes aus. Daher ist einbezogen.
auch der Seelenleib in die Gesetze der physischen Vererbung mit einbezo-
gen.“

Wenn wir das hören wird klar, dass natürlich Psychopharmaka einen Einfluss auf Daher wirken auch
Psychopharmaka
unser Seelenleben haben. Und es bedeutet, dass auch dieser Leib seine Gestalt
und in diesem Be-
in einem gewissen Maß von unseren Vorfahren bekommt. Auch darin, nicht nur reich gilt auch der
im Ätherkörper, sind wir von ihnen abhängig. Materialismus.
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Aber Steiner weist darauf hin, dass dieser Leib der flüchtigste und beweglichste
ist und daher auch im Seelebleib die größte Abweichung bei uns Menschen un-
tereinander aufweist. Rasse, Volk, Kultur prägen stark den physischen und so ist
dieser bei uns allen noch am ähnlichsten. Dann prägen unsere Vorfahren massiv
den Ätherkörper, weshalb wir darin bereits mehr abweichen. In den Seelenkörper
spielen aber auch bereits unsere eigenen Anteile hinein, weshalb dieser dann
sehr unterschiedlich wird. Aber er zeigt immer noch „äußere persönliche“ Eigen-
schaften.

„Er ist daher auch der Träger dessen, was sich von dieser persönlichen Eigen-
art von den Eltern, Großeltern und so weiter auf die Nachkommen vererbt.“

Also äußere persönliche Eigenschaften in unserem Leben sind durchaus von un- Was wären „äu-
ßere persönliche
serer Sippe geprägt. Bei Szondi (s. (7)) heißt dies „Ahnenschicksal“. Im Familien-
Eigenschaften“?
stellen sind es die Strukturen der Familien mit ihren „Energien“, die sich hier zei-
gen. Wir haben Verhaltensweisen, die sich aus Familienerbschaften ergeben.
Durch die Wortwahl „äußere“ ist auf die Vererbung hingewiesen. „Innere“, das
sind die mehr geistigen Eigenschaften, kommen aus unserer eigenen Biographie
und nicht der unserer Vorfahren.

„Weil die Empfindungsseele den Seelenleib durchdringt, gleichsam ausfüllt, so


formt sich dieser nach der Natur der Seele, und er kann dann als Vererbungs-
träger die Neigungen, Leidenschaften und so weiter von den Vorfahren auf die
Nachkommen übertragen. Seelische Ei-
genschaften
Dass auf dem Wege der Vererbung auch seelische Eigenschaften übertragen
können also ver-
werden können, also der Fortgang der physischen Vererbung einen seeli- erbt werden.
schen Einschlag erlangt, das hat seinen Grund darin, dass der Seelenleib von
der Empfindungsseele beeinflusst werden kann.“

Hier wird uns deutlicher gemacht, was diese äußeren Eigenschaften sind. Die El-
tern liebten das Tanzen oder die Musik, liebten den Alkohol oder waren Welten-
bummler. Oder es gab unerfüllte Liebschaften, heftige Trennungen, die Spuren
hinterließen. Und so können diese Qualitäten in unserem Leben wieder auftau-
chen, wobei es oft auch die der Großeltern oder früherer Ahnen sind. Diese su-
chen wir uns auch zum Teil aufgrund unseres Karmas aus. Bekannt ist auch,
dass wir in persönlichen Beziehungen auch „Stellvertreterfunktionen“ einnehmen
(siehe (6)). Das aber, was unser Ureigenstes ist, z. B. ein Genie, das stammt nur
von uns selbst. Darin liegt der Unterschied zwischen seelischen und geistigen
Qualitäten.
Unsere Seele steht in der Mitte zwischen Körper und Geist. Die Empfindungswelt
verbindet uns mit der Materie.

„Wie gestaltet sich nun die Wechselwirkung zwischen Seele und Geist?“

Steiner beschreibt uns, wie wir über die Bewusstseinsseele mit dem Geist, unse-
rem Geistselbst, verbunden sind. In dieses hinein senkt er das Wahre und Gute
aus dem Geistigen, unsere Seele verknüpft dieses damit und bringt somit das
Wahre und Gute in ihr Leben und drückt den Geist in der Materie aus. Aus die-
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
sen Erlebnissen, die wieder vergehen, macht der Geist Früchte. Dieses Machen
nennen wir „LERNEN“. Und das Ergebnis sind „FÄHIGKEITEN“ oder auch „KOMPE- Das ist wahres
TENZEN“, wie wir heute sagen. Und diese bleiben uns und diese bringen wir wie- Lernen!
der mit. Ein Kind wird mit so vielen geistigen Fähigkeiten geboren, wie der Fähig-
keit, gehen zu lernen, zu essen, zu trinken, wahrzunehmen, denken zu lernen,
usw. Das sind alles Fähigkeiten, die sich der Geist über frühere Inkarnationen
erworben hat. Aber wir bringen auch offene geistige Räume mit, „Nicht-
Fähigkeiten“, die wir aufgrund unseres Karmas in diesem Leben entfalten wollen.

„Dem ewigen Geist werden auf diese Art Früchte des vorüber gehenden Le-
bens einprägt.“

Hier begegnen wir wieder dem großen Thema dessen, was wir als Menschen
sind. Beachten wir, dass wir dabei auf die Macht unseres Denkens und unseres
Handelns stoßen:

Wir verändern die geistige Welt! Wir ändern die


Geist-Welt.
ÜBUNG:
Hier können wir wieder innehalten und uns diese Erkenntnisse im Zusam-
menhang mit den vorher gehenden „auf der Zunge zergehen lassen“. Dies
bedeutet, dass wir hinfühlen, was diese Erkenntnisse für uns bedeuten. Wel-
che Gefühle steigen in uns auf?
Wir haben in den vorhergehenden Lehrheften (Heft 1, Teil 2) herausgearbeitet
und zu Beginn hingewiesen, dass es drei Arten von Gefühlen gibt, die uns im
Leben oder auch bei solchen Worten begegnen können.
Ganz persönliche Gefühle von angenehm oder unangenehm (sympathisch
oder antipathisch) sind die einen. Diese stammen aus unserer ganz individuel-
len Seelenwelt. Ein jeder Mensch mag da andere Gefühle haben. So mag der
Gedanke kommen: „Das ist Unsinn“, und begleitet sein von einem Gefühl des
Unwohlseins. Nachdem diese persönlich sind und aus vergangenen Erfahrun-
gen stammen, werden sie von vielen Psychologen, wie schon erwähnt, als
„Emotionen“ bezeichnet im Gegensatz zu „Gefühlen“.
Diese Gefühle gehören zur zweiten Kategorie, die wir erwähnt haben: Das
sind Gefühle der Dankbarkeit gegenüber einer solchen Erkenntnis, der Demut
gegenüber dieser Weisheit des Universums, usw. Das wären die „echten“ Ge-
fühle, nicht gefärbt von der Vergangenheit, wie die Psychologen sagen wür-
den.
Und dann gibt es noch die dritte Art: das Wahrheitsgefühl. Hier fühlen wir nur,
ob eine Aussage wahr ist oder falsch.
Diese drei Arten von Gefühlen können wir nun wieder bei dieser Übung prü-
fen. Wo finde ich etwas unangenehm? Wo taucht ein erhebendes Gefühl auf?
Was sagt mein Wahrheitsgefühl?
Diese Art von Übung ist eine Fundamentale für die Zukunft und das Schulen
unserer Freiheit! Wir finden, wie bereits in Kursteil 1 erwähnt, dabei heraus, ob

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
etwas möglicherweise falsch ist oder stimmt, ob wir durch eigene Vorurteile
und Prägungen beeinfluss sind und wir schulen unser höheres Gefühlsleben.

Und nun haben wir den Gesamtzusammenhang unserer Seele und der Wieder- Unser Höheres
verkörperung unseres Geistes, unseres Ichs: Selbst, das Hö-
here Bewusst-
„Wenn das Geistselbst in sich etwas aufnimmt, was Frucht werden kann, so sein des Ich im
Geistigen, ist
durchdringt es sich mit Lebensgeist.
das Geistselbst.
Wie der Lebensleib die Form von Art zu Art wiederholt, so der Lebensgeist die
Seele vom persönlichen Dasein zu persönlichem Dasein.“ Wenn wir dort
etwas aufneh-
In diesem Text mit den wenigen Zeilen steckt ein weiteres Geheimnis über das men, was wert
ist im Geistigen
geistige Geschehen. „Was Frucht werden kann“ bezieht sich darauf, dass nicht
zu bestehen, so
alles aus dem Leben übernommen werden kann. Das Wort „Frucht“ weist weiter- fließt geistige
hin darauf hin, dass es sich um einen organischen Vorgang, also eine Wachs- Lebenskraft ein,
tumsvorgang handelt, allerdings einen geistigen. Wachstum hat mit Leben zu tun damit das geisti-
und der Begriff „Baum des Lebens“ mag hier durchaus in den Raum gestellt wer- ge Wachstum
den. Alles Wachstum wird durch das Prinzip „LEBEN“ gesteuert, und dieses drückt geschehen kann.
sich aus im Ätherleib, dem Lebensleib und dem geistigen Lebensleib, dem LE-
Der Ätherkörper
BENSGEIST, der BUDDHI, wie die Inder ihn nannten. Das Geistselbst durchdringt
vererbt uns auf
sich also mit diesem geistigen Leben und diese Instanz wiederholt nun unsere physischer Ebe-
geistige Gestalt, die uns aber selber gehört im Gegensatz zum Ätherkörper, der ne, Buddhi auf
neben Kräften aus uns selbst auch aus den Ahnenkräften gebildet wird. Der Le- geistiger Ebene.
bensleib spiegelt wiederholt die „Art“ unserer Ahnen wider. Allerdings wandeln
wir auch diesen Körper in unserem Leben um. Unsere geistige „Art“, unsere geis-
tige „Gattung“ ist unsere Seele, sind wir selbst, und diese wird immer aufs Neue
wiederholt. Also ist es die Seele, die sich wiederholt, aber darin wohnt der Geist
und dieser ist es, der sich in der Hülle der Seele, der Haut der Seele wieder neu
inkarniert. Wir haben also den sich immer wieder inkarnierenden Geist in einer
sich immer wieder wiederholenden Seele, die in sich das Karma trägt.
Steiner verwendet hier auch die Vorstellung der Wiederverkörperung der Seele,
allerdings in Bezug darauf, dass es letztlich der Geist ist, der wiederkommt.

Wir erkennen insgesamt einen großen Zyklus oder auch zwei Zyklen. Unsere
Seele nimmt einerseits durch die Wahrnehmung und die Empfindungen in ihren
Erfahrungen die Welt in sich hinein und gibt diese Resultate an den Geist weiter,
der daraus Fähigkeiten macht – sofern er an sich arbeitet und Übungen macht.
Wir „befruchten“ damit den Geist, den geistigen Kosmos, verändern ihn und So entsteht das
wachsen daran. Andererseits handeln wir als Seele und Ich nach außen und wir- Rad des Schick-
sals.
ken auf die materielle Welt, den materiellen Kosmos. Wir hinterlassen darin unse-
re Spuren die auf uns zurückkommen und als Schicksalserlebnisse wiederum in
unsere Seele eintauchen und in den Geist aufgenommen werden. Dann handeln
wir wieder nach den neu aufgenommenen Lernerfahrungen... Es ist kein Wunder,
dass die Asiaten, die Buddhisten diese als das „Rad des Schicksals“ bezeichnen.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
6 Warum der Schlaf uns bei unserem Verständnis hilft

An einem weiteren Bereich unserer Erfahrung neben der Mathematik können wir
die Reinkarnation ganz deutlich nachvollziehen und unsere allgemein logischen
Gedanken über die Notwendigkeit der Reinkarnation bestätigen: dem Schlaf.
Schlaf ist jüngerer
Bruder des Todes.
„Oft ist der Schlaf der jüngere Bruder des Todes genannt worden. Ich stehe
des Morgens auf. Meine fortlaufende Tätigkeit war durch die Nacht unterbro- Am Morgen wer-
chen. Es ist nun unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht möglich, dass ich des den wir wieder in
Morgens meine Tätigkeit in beliebiger Weise wieder aufnehme. Ich muss an den alten Zusam-
mein Tun von gestern anknüpfen, wenn Ordnung und Zusammenhang in mei- menhang hinein
nem Leben sein sollen.“ geboren und knüp-
fen an das Ges-
tern an.
Mit dem Geheimnis des Schlafes werden wir uns noch ausführlich in einem
Kursteil beschäftigen. Hier sei nur gesagt, dass es offensichtlich ist, dass wir am Das ist auch ein
Abend „aussteigen“, also aus unserem Körper, und am Morgen wieder hinein- Beweis für die
steigen. Und wir können nicht einfach als ganz neuer Mensch wieder anfangen. Wiedergeburt.
das werden die Eltern, die Partner, die Kinder, das Finanzamt nicht zulassen. Es
gibt da einen eindeutigen Zusammenhang zwischen gestern und heute. Und so Beachte: Leben
und LEBEN!
ist es mit einem neuen Leben. Dieses ist ein neuer Tag. Aber wir können als ein
„anderer“ Mensch, das heißt als ein veränderter Mensch in den Tag gehen. Da-
her können wir auch von einem „kleinen Leben“ und einem „Großen Leben“, ei-
nem Leben und einem LEBEN sprechen. Das Kleine geht über eine physische
Inkarnation, das Große über unsere gesamte Entwicklung als menschliche Seele,
als Ich. Und es muss uns bewusst sein, welche Konsequenzen eine solche
Sichtweise auf das gesamte normale Leben hat! Niemand kann mit dieser Er-
kenntnis so leben wie jemand ohne eine solche Sicht. Ein ganz anderes Verant-
wortungsgefühl gegenüber uns selbst und gegenüber der Welt wird sich einstel-
len. Wir wissen dann, dass wir nicht nur an unserer Zukunft für die nächsten 50
Jahre, sondern für die kommenden Jahrtausende bauen! Deshalb ist das Phä-
nomen des Schlafes so hilfreich für unser Verständnis. Im Rahmen dieses The-
mas weist Steiner noch einmal auf das Phänomen der Seele aus einem anderen
Blickwinkel hin, wodurch uns diese weiter bewusst wird in ihrem Wesen.
Seele gehört zum
„Die Seele ist eigentlich das, wodurch der Mensch seinem irdischen Lebens- Irdischen!
lauf angehört. “

Wir sehen also, dass Ich und Geist sehr wohl von der Seele unterschieden wer-
den, so, wie Steiner sie beschreibt. Diese beiden sind das eigentlich Unsterbliche
in uns. Wir können zwar auch die Seele als das Unsterbliche bezeichnen, wie es
oft getan wird. Dann setzen wir sie aber mit dem Ich gleich. Wir wollen hier unter-
scheiden und halten uns an diese Sichtweise. Wir können daher mit den Begrif-
fen, die wir bisher gelernt haben, jederzeit uns mit anderen Menschen und einer
anderen Vorstellung verständigen. Wir müssen nur herausfinden, was die ande-
ren unter Seele verstehen. Dann hat es nichts mit Rechthaben, sondern Verste-
hen zu tun. Der Wissende ist immer der, der mehr Verantwortung hat.

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Der Mensch ist
„Durch seinen Leib gehört er der physischen Menschengattung an. Durch ihn aus dem Ganzen
ist er Glied dieser Gattung. Mit seinem Geiste lebt er in einer höheren Welt. gesehen eine Gat-
Die Seele bindet beide zeitweilig aneinander.“ tung (s. S. 20).

Wir sollten aufmerken, dass Steiner von der Menschengattung spricht und einer Jeder Mensch ist
in sich eine Gat-
eigenen Gattung, die wir geistig sind. Und er spricht davon, dass wir „Glied“ sind.
tung.
Wir sind damit bei weitem nicht individuell getrennt von den anderen Menschen,
wie wir dies vielleicht oberflächlich meist empfinden. Es besteht eine enge Ver-
bindung und daher können wir uns auch nicht egoistisch dem Leid anderer Men-
schen entziehen. Wer glaubt, dies tun zu können, unterliegt einer Illusion! Daher
ist dieser kleine Satz einer mit einer großen Bedeutung, wenn man ihn durch-
denkt. Glaube nicht, dass du egoistisch zum Schaden Anderer handeln kannst,
ohne dass es dich selber trifft, sowohl karmisch als auch als Glied der Mensch-
heit!

„Wie die Seele einst die Eindrücke der Außenwelt dem Menschengeist
übermittelt hat, auf dass sie ihm dauernd werden, so hat sie, als sein Organ, Seele = Organ des
die ihr von ihm verliehenen Fähigkeiten in Taten umgesetzt, die in ihren Geistes!
Wirkungen ebenso dauernd sind.“

In diesem Satz steckt das Wort „Organ“, auf das wir hinweisen wollen. Die Seele
ist nur ein Organ des Geistes, ein ausführendes und helfendes Organ. Sie ist
nicht der Geist.

„In den Wirkungen seiner Taten lebt des Menschen Seele ein zweites selb-
ständiges Leben.“

Und dies bedeutet, dass wir unser Schicksal und unsere Zukunft letztlich selber Karma
gestalten: und es bedeutet, dass das, was „zufällig“ von außen auf uns zukommt,
wir selbst sind. Wir können im Außen unsere Taten erkennen und daher auch
uns selbst! Selbsterkenntnis hat also sehr viel mit der äußeren Welt zu tun. Selbsterkenntnis
geht nur über Er-
kenntnis der Welt,
„Der Mensch wird dann sein «Ich» nicht nur in seinen von «innen» heraus
weil aus ihr unser
kommenden Entwicklungsimpulsen suchen, sondern in dem, was «von au- Schicksal kommt,
ßen» gestaltend in sein Leben eingreift.“ unser Selbst.

Hier haben wir sicher wieder eine Stelle erreicht, wo wir intensiv über all diese
Erkenntnisse nachdenken und hinfühlen können. Was macht das alles mit mir?
Was hat es für Konsequenzen für mich und mein Denken, Handeln? Was bedeu-
tet es, dass das Außen „gestaltend“ in unser Leben eingreift? Wir wollen das
nicht explizit formulieren, sondern es dem Kursteilnehmer überlassen, an wel-
chen Stellen er inne halten und daran wie vorgeschlagen arbeiten will.

„Man kann auch sagen, durch eine Tat ist der Seele die Notwendigkeit einge-
prägt, die Folge dieser Tat zu verrichten. Mit seinen Taten hat der Mensch wirk-
lich sein Schicksal bereitet.“

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Das ist das Prinzip des Karma, das wir akzeptieren können, wenn wir annehmen,
dass es eine Weltenführung gibt, die die Taten und deren notwendige
Konsequenzen aufzeichnet.

Alles muss letzt-


„Die Seele trägt diese als Notwendigkeit in sich, bis die letzte Tat geschehen
lich ausgegli-
ist.“ chen werden.

Das ist es, was die Buddhisten und andere als das Ende des Rads der Wieder-
geburt bezeichnen, ein ganz eigenes und nicht einfaches Kapitel unseres
Menschseins, dem wir uns später auch intensiver widmen werden.

„In jedem Falle bestimmt mein Vorleben meine Umgebung; es zieht gleichsam
Wir schaffen un-
aus der ganzen Umwelt diejenigen Dinge an sich, die ihm verwandt sind.“ ser Umfeld.

Diese Erkenntnis, die sich heute ja bereits weit verbreitet in so vielen esoteri- Wir sind der
schen und therapeutischen Kreisen findet, während sie zu Steiners Zeiten noch Schöpfer unse-
etwas sehr Neues für die Allgemeinheit gewesen ist, ist ebenfalls leicht nachzu- res Schicksals.
vollziehen. Auch dass dieses „Karma“ nicht bedeutet, dass das Leben von au-
ßen, von Gott vorbestimmt, ist ersichtlich. Wenn ich Medizin studiert habe, wird
mein Leben anders verlaufen, als das meines Freundes, der Kunst studiert hat.
Ich werde aus meiner Umwelt Ärzte, Patienten, Krankenschwestern, usw. anzie-
hen, mein Freund Künstler, Journalisten, Zuhörer, usw. Meine Entscheidungen
bestimmen mein Leben. Darin liegt zwar eine Vorbestimmung, aber als Konse-
quenz meiner Entscheidungen, und das ist im Grunde nichts sehr Esoterisches.
Mein Karma ist insofern beteiligt, als es mich vor meine Entscheidungen stellt.
Wie ich dann entscheide, schafft gegebenenfalls neues Karma. Nur dass es sol-
che verborgenen kosmisch-geistigen Gesetze gibt, daran müssen wir uns ge-
wöhnen. Dass diese aber existieren dafür war uns ja die Mathematik ein ein-
drucksvoller Beweis.
Wir bestimmen
Es gibt bekanntermaßen Fische, die in Höhlen leben. Diese haben ihre Augen
unsere Umge-
verloren. Es gibt dort kein Licht mehr, also auch keine Augen mehr. Das Ereignis, bung im nächs-
in die Höhlen auszuwandern, hat diese Konsequenzen gehabt. Diese Fische ten Leben durch
können dann nur in der Umgebung leben, die ihnen entspricht. Ebenso ist es, unsere Handlu-
wenn wir wieder inkarnieren. Wir können nur in eine solche Umgebung hinein gen jetzt.
geboren werden, die uns entspricht, mit Eltern, usw. Und die Umgebung in unse-
rem nächsten Leben, ob ein Königdasein, ein Bettlerdasein, ein einfaches, leid-
volles oder freudiges Leben hängt davon ab, was wir heute und in diesem Leben So wie das Auge
tun (und auch von früher noch mittragen)! Wir bestimmen heute die nächste Um- durch das Licht
gebung, wenn wir wieder „aufwachen“ am nächsten Morgen unseres Großen Le- gebildet wird, so
bens. Und auch in unserem heutigen Leben können wir, obwohl wir Medizin stu- wird das geistige
diert und uns eine entsprechende Umgebung geschaffen haben, jederzeit wieder Auge durch Er-
einen anderen Weg einschlagen. kenntnis gebil-
det.
Wir erkennen daran übrigens noch etwas Anderes. Es muss das Auge da sein,
um Licht zu erkennen. Aber es muss vorher das Licht da sein, damit sich das Dazu soll unser
Auge bildet. Ebenso ist es mit den geistigen Wahrheiten. Diese sind da. Aber um Kurs beitragen.
sie wahrzunehmen benötige ich ein geistiges Organ. Dieses muss gebildet wer-
den. Die GEIST-WISSENSCHAFT, die ANTHROPOSOPHIE, die SPIRITUELLE WISSEN-
SCHAFt, die sind dazu da, damit diese Geistorgane gebildet werden können. Und
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
dazu wollen wir mit diesem Kurs beitragen. Dieser Kurs soll eine begleitende
Schulung unseres Geistes sein, diese inneren Geist-Organe heranzubilden, da-
mit wir die hohen geistigen Wahrheiten erkennen können. Wenn wir uns in eine Wollen wir blinde
„geistige Höhle“ begeben werden sich diese Organe wieder zurückbilden. Wenn Fische in einer
sich Menschen nur mit äußeren Oberflächlichkeiten befassen, werden sie ihren geistigen Höhle
werden?
Geist nicht schulen und auch diese Wahrheiten nicht aufnehmen können.
Steiner macht uns am Ende des Kapitels über die Widerverkörperung, aus dem
alle Zitate stammen, noch einmal zusammenfassend drei Gesetze bewusst:

„Dreierlei bedingt den Lebenslauf eines Menschen innerhalb von Geburt und
Tod. Und dreifach ist er dadurch abhängig von Faktoren, die jenseits von Ge-
burt und Tod liegen. Vererbung/Körper
Der Leib unterliegt dem Gesetz der Vererbung; die Seele unterliegt dem selbst
geschaffenen Schicksal. Man nennt dies von dem Menschen geschaffene Karma/Seele
Schicksal mit einem alten Ausdruck sein Karma. Und der Geist steht unter dem
Wiederverkörpe-
Gesetze der Wiederverkörperung, der wiederholten Erdenleben.“ rung/Geist

Und im Rahmen dieser drei Gesetze bewegen wir uns, wenn wir von Freiheit!
sprechen. Unser Körper unterliegt solange dem Gesetz der Vererbung, solange
wir nicht einen Weg gefunden haben, dieses Gesetz zu „meistern“. Es scheint so
zu sein, dass es eine solche endgültige Meisterschaft gibt, die wir als den höchs-
ten Bewusstseinszustand in dem Teil 2 dieses Lehrheftes kennen lernen werden.
Dahin ist es ein weiter Weg. Denn er bedeutet höchste Meisterschaft. Die Meis-
terschaft über die beiden anderen Ebenen scheint auch möglich zu sein. Davon
sprechen ja alle östlichen Traditionen: die Befreiung von Karma und dem Rad der
Wiedergeburt. Der Weg dahin beginnt aber dort, wo wir überhaupt zunächst nur
Freiheit! erlangen können: in unserem Denken. Das ist der Startpunkt zu unserer
Großen Freiheit!, die alles umfasst. Und wenn wir mit diesem Kurs ein wenig da- Große Freiheit!
zu beitragen können, dass wir und die Teilnehmer einen wichtigen Schritt in die-
se Richtung tun, dann hat er seinen Zweck und sein Ziel erreicht.
Nun müssen wir noch zwei Themen abhandeln, die Evolution unserer höheren
Geistesglieder und eine vertiefte Sicht der Realität der drei Welten, um dann die
kosmische Evolution im Überblick betrachten zu können.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Literatur Teil 1

(1) Faszination Rudolf Steiner, Axel Burkart, Hugendubel Verlag 200


(2) Theosophie, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 9
(3) Die Geheimwissenschaft im Umriss, Steiner, Rudolf, 1910, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 13
(4) Frühere Geheimhaltung und jetzige Veröffentlichung übersinnlicher Erkenntnisse, Steiner, Rudolf, Auf-
satz 1918, Rudolf Steiner Verlag, GA 35, Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dor-
nach, 1916
(5) Metamorphosen des Seelenlebens, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 58 + 59
(6) Familien-Biographik, Adamaszek, Rainer, Carl-Auer-Systeme Verlag, 2003

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(7) Freiheit und Zwang im Schicksal des Einzelnen, Szondi, Leopold, Huber Verlag, 1968

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Teil II: Die drei Welten und Spirituelle Evolution

7 Spirituelle Evolution unseres Wesens im Überblick

Wir haben in Lehrheft 3, Teil II die Wesensglieder in der Übersicht beschrieben


und auch in Bild 9 eine Übersicht über die Entwicklung dieser Glieder gegeben
und an jener Stelle noch nicht näher erläutert. Das wollen wir hier kurz tun, da
hier auch Begriffe auftauchen, die wir erst in diesem Heft erstmals erklären:

Die Evolution un-


serer Wesensglie-
der

Bild 3: Evolution unserer Wesensglieder

Hierzu ein kurzer Text von Steiner, der uns bewusster macht, worum es geht:

„Wie geschieht diese Entwicklung? Dadurch geschieht sie, dass die drei nie- Das Ich leistet die
deren Glieder der menschlichen Wesenheit von dem Ich aus bearbeitet wer- Arbeit zur Entwick-
den. lung unserer Geis-
tesglieder
Wir haben bis jetzt gesprochen von der bewussten Umgestaltung des astrali-
schen Leibes. Aber bevor das Ich fähig geworden ist, so bewusst zu arbeiten,
hat es schon seit grauer Vorzeit unbewusst oder - besser gesagt - unterbe-
wusst gearbeitet an seine drei äußeren Gliedern; und zunächst an dem astra-
lischen Leibe, an dem Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz,
von Trieben und Begierden und Leidenschaften. Und den Teil des astrali-
schen Leibes, den das Ich unbewusst umgearbeitet hat, den wir also heute
schon als umgewandelten astralischen Leib in uns tragen, den bezeichnen wir
als das erste seelische Glied des Menschen, als die Empfindungsseele
In dem Ätherleib hat das Ich geschaffen, ohne dass es bewusst arbeiten konn-
te, im vorbewussten Zustande dasjenige, was wir bezeichnen als die Verstan-
des- oder Gemütsseele. Wiederum hat in dem physischen Leib das Ich sich
das Organ eines inneren Seelengliedes geschaffen, das wir bezeichnen als
die Bewussteinsseele.“ 58, 1. Vortrag

Hier knüpfen wir also noch einmal an die Seelenglieder an, dieses Mal in Bezug
auf die Wiederverkörperung und die Evolution. Die Seelenglieder sind also Wei-
Es muss einen
terentwicklungen, Verfeinerungen, Metamorphosen der Körperglieder.
Plan Gottes geben
Die Entwicklung der drei Körperglieder in drei Seelenglieder und dann in drei
Geistglieder ist unser Weg als Mensch. Das ist die Große Evolution, hinter der
sich der „Plan Gottes“ verbirgt. Es gibt daher neben der materiellen Evolution, die
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
von der Naturwissenschaft untersucht wird, eine dahinter liegende geistig-
seelische Evolution, die uns von den geistigen Sehern, den Eingeweihten darge-
stellt wird.
Dass aber vorher bereits eine andere Evolution stattgefunden haben muss, ist
auch logisch. Es müssen sich vorher überhaupt die Körperglieder gebildet haben!
Die verschiedenen Körper mussten über Äonen aufgebaut werden. Also muss es
eine Evolution geben, die zunächst den Aufbau der Körper bewirkt, und dann
muss eine folgen, die den Aufbau der Seelen- und Geistglieder schafft. Dass die
eine Evolution in die Materie führt und die zweite heraus, ist auch offensichtlich. Involution
Daher können wir auch von INVOLUTION (Hineinentwickeln in die Materie) und und
EVOLUTION (Herausentwicklung aus der Materie) sprechen. Diese beiden wollen Evolution
wir im Folgenden darlegen.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
8 Die drei Welten im Überblick – das innere Sehen

Wir haben anhand der Texte Steiners erarbeitet, dass es drei Welten gibt, und reale drei Welten
wir haben angedeutet, dass dies drei reale Welten sind. Nun wollen wir uns im
Überblick mit der Beschreibung dieser drei Welten als reale Welten befassen. Die
Texte hierzu sind, wenn nicht anders angemerkt, aus der „Theosophie“, Kapitel
„Die drei Welten“.
Das Erste, was uns bewusst wird, ist, dass es für die physische Welt physische für alle drei Welten
Sinnesorgane gibt, die uns bekannten Sinne. Wenn es eine seelische Welt und besitzt der Mensch
geistige Seher gibt, die darin sehen können, wie wir in Heft 1 und in der DVD 1 die Möglichkeit der
dargelegt haben, gibt, muss es dafür „seelische Sinnesorgane“ geben und für die Sinneswahrneh-
geistige Welt „geistige Sinnesorgane“. Davon wollen wir hier ausgehen und nur mung.
registrieren, dass es eine Schulung gibt, diese Organe zu entwickeln, die man als
den „Einweihungsweg“ bezeichnet. Die seherischen Organe sind unter anderem
die Chakras, die wir im letzten Lehrheft kurz dargestellt haben. Das Fundamenta-
le unserer Wahrnehmung, ihre zentrale Bedeutung erkennen wir an einem Satz
Steiners:
Wir erkennen ein
Wesen an seinen
„Nur dadurch weiß der Mensch etwas von einem Wesen oder Ding, dass er
Handlungen und
durch eines seiner Organe eine Wirkung davon empfängt.“ Wirkungen

Und auch Goethe hat ja Bedeutsames erkannt:

„Die Farben sind Taten des Lichtes.“

Wir nehmen Wirkungen wahr, Wirkungen eines Wesens. Durch die Handlungen
eines Menschen erkennen wir ihn und damit auch sein wahres Wesen, auch
wenn es uns direkt nicht sichtbar wird. Und so bleibt uns nach Goethe das wahre
Wesen des Lichts verborgen. Wir erkennen es nur an seinen Taten, den Farben. Das Universum
Goethe weist darauf hin, dass die Natur ihr Verborgenes uns andauernd zeigt. können wir in sei-
Wir müssen nur hinsehen. nem Reichtum
auch noch anders
erkennen:
„Dem Aufrichtigen ist sie nirgends tot noch stumm.“

Also können wir das Geistige auch an dem Wirken in der Natur erkennen. Das An der Natur kön-
Wesen des Geistes ist nach Goethe völlig offenbar für jeden, der „Augen hat, zu nen wir den Geist,
sehen“. Aber der Kosmos, die Natur ist so wunderbar vielfältig, dass ihr Wesen ihr Wesen erken-
durch andere Sinne, die seelischen und geistigen noch anders erkannt werden nen!
kann. Und das bedeutet GEIST -WISSENSCHAFT.
Sie gibt uns auch das Wissen darüber, die höheren Sinne zu entfalten. Der große
Unterschied zu unseren normalen Sinnen aber ist, dass wir diese Sinne nun sel-
ber entfalten müssen. Die physischen Sinne wurden uns von der Natur ge- Nur Selbsterzie-
schenkt, die höheren müssen wir nun selber in uns ausbilden – wenn wir denn hung führt uns zu
unseren höheren
den Reichtum des Kosmos in Geist und Seele auch direkt erleben wollen. Wenn
Sinnen.
jemand argumentiert, das wäre unnatürlich, weil die Natur uns das sonst doch
natürlicherweise gegeben hätte, vergisst, dass wir auch Kinder erziehen. Alle Er-
ziehung setzt das „natürliche“ Werk der Natur fort. Und so ist die Entwicklung un-
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
serer höheren Sinne eine Angelegenheit unserer Selbsterziehung. Wer seine in-
neren Sinne schult und öffnet, dem zeigt sich die so wichtige Tatsache, wie wir in
dem Vortrag über die 4. Dimension rein logisch dargestellt haben. Die 4. Dimen-
sion, die höhere Welt mit all ihren Dimensionen, ist um uns herum und nicht „o-
ben“ oder weit weg! Sie ist hier und jetzt.
Die höheren Wel-
„Die Seelen- und Geisteswelt sind nichts neben oder außer der physischen, ten sind in uns und
sie sind nicht räumlich von dieser getrennt.“ um uns präsent

Wir sind zunächst blind gegenüber dem Geistigen. Die Schulung unserer inneren
Sinne macht uns zu „Sehenden“. Wer das wird, dem wird die geistige Welt Jemand, der geis-
selbstverständlich. Er braucht nicht mehr zu darüber zu diskutieren. tig sehend ist,
muss nicht mehr
drüber diskutieren.
„Wer diese Welten leugnet, der sagt nichts anderes, als dass er seine höheren Diese Welt ist
Organe noch nicht entwickelt hat.“ dann selbstver-
ständlich.
Mit dem Beispiel der 4. Dimension haben wir gezeigt, dass uns der Geist sein
Wesen zeigt und seine Existenz, ohne das wir geistig Sehende sein müssen.
Nein, unsere Logik ist sogar in gewissem Maße ein geistiges „Sehen“. Wir erken-
nen die 4. Dimension „logisch“. Wir „erleben“ die Naturgesetze in ihren Wirkun-
gen, wenn wir auf die Nase fallen. Dass dahinter die Schwerkraft verborgen ist,
„sehen“ wir durch unseren Verstand, erkennen wir. Wir sehen sie aber immer
noch in ihren Wirkungen und noch nicht direkt, nur auf einer bereits höheren E-
bene. Deshalb unterscheiden wir uns vom Tier, weil wir bereits durch unseren
Verstand geistig Sehende sind. Rudolf Steiner weist uns darauf hin, dass es gar
nicht so schwer ist, das Geistige zu sehen und dass es nur unsere falschen Vor-
Unsere falschen
stellungen und Vorurteile sind, die uns daran hindern. Vorstellungen über
das Geistige blo-
„Diejenige geistige Entwicklung, die hinreicht, um das Wesen der geistigen ckieren unsere An-
Welt zu erkennen – und das ist schon viel -, wäre gar nicht so schwer zu errei- lagen zum geisti-
chen, wenn man sich zunächst von dem Vorurteile frei machen wollte, wel- gen Sehen.
ches darin besteht, das Seelische und Geistige doch wieder nur als ein feine-
res Physisches sich vorzustellen.“

Das ist ja heute weit verbreitet in der Esoterik, dass alles Geistige, Astrale nur
„feinere Energie“ ist, nur „höher schwingt“. Man geht dabei von der Materie aus
und überträgt die Vorstellung der Schwingung auf einem Oszillographen auf die
geistige Welt. Und genau damit verhindert man das geistige Sehen!

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
9 Die drei Welten im Überblick – die Seelenwelt

Nun kommen wir zur Seelenwelt.

In unserem See-
„Wie die Stoffe und Kräfte, die unseren Magen, unser Herz, unsere Lunge,
lenkörper leben
unser Gehirn, usw. zusammensetzen und beherrschen, so stammen unsere unsere Triebe,
seelischen Eigenschaften, unsere TRIEBE, BEGIERDEN, SEHNSÜCHTE, LEIDEN- Begierden, Sehn-
SCHAFTEN, GEFÜHLE, WÜNSCHE, EMPFINDUNGEN und so weiter aus der seeli- süchte, Leiden-
schen Welt. schaften, Gefühle,
Wünsche, Empfin-
Des Menschen Seele ist ein Glied in dieser seelischen Welt, wie sein Leib ein
dungen.
Teil der physischen Körperwelt ist.“

Zwei Dinge sind hierbei wichtig. Zum einen wissen wir nun, was die „Stoffe“ und Diese alle stellen
„Kräfte“ der seelischen Welt sind. Es ist alles das, was Fühlen und Trieb ist. Zum die Seelenwelt
zweiten wird uns bewusst gemacht, dass wir als Glied in einen höheren Zusam- dar.
Sie sind die „Stof-
menhang eingebunden sind, also Teil des Ganzen, ja Glied sind. Wir sind in der
fe“ und „Kräfte“
Seele nicht getrennt. Wo ist da unsere Freiheit!? Es ist nachzuvollziehen, dass des Seelischen.
wir auch in der geistigen Welt ein Glied sind. Es bleibt aber noch jenes mysteriö-
se Etwas, nämlich unser Ich. Dieses scheint letztlich unsere Freiheit! auszuma-
chen. Unser Ich zu entwickeln und zu entfalten, es zu einem freien Schöpfer zu
machen, bedeutet Mensch-Werdung, bedeutet Freiheit! erobern.

Die Seelenwelt ist


„Wie den körperlichen Gebilden die räumliche Ausdehnung und räumliche
die Welt der Reiz-
Bewegung eigentümlich sind, so den seelischen Dingen und Wesenheiten die barkeit, des Be-
Reizbarkeit, das triebhafte Begehren. gehrens, des Ver-
Man bezeichnet deshalb die Seelenwelt auch als die Begierden- oder langens.
Wunschwelt oder als die Welt des «Verlangens».“

„Trieb, Wunsch, Verlangen sind Bezeichnungen für das Stoffliche der Selen-
welt.“

Steiner weist ausdrücklich darauf hin, dass alle diese Begriffe natürlich unserer
physischen Erfahrung entnommen sind. Wir müssen aber wissen, dass diese
Die Seelenwelt ist
Seelenwelt so grundverschieden von der materiellen ist, dass wir sehr behutsam
die Astralwelt.
mit unseren Vorstellungen umgehen müssen. Ein Stoffliches in der Seelenwelt ist
also gleichzeitig eine Kraft.

„Dieses Stoffliche sei mit «astral» bezeichnet.“ Die Seelenkräfte


sind auch Wesen-
heiten.
Von einer anderen Seite aus betrachtet:

„Nimmt man mehr Rücksicht auf die Kräfte der Seelenwelt, so kann man von Die Seele (der
«Begierdewesenheit» sprechen. Seelenkörper mit
den drei Seelen-
gliedern) wird von
Körper und Geist
beeinflusst.
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Doch darf man nicht vergessen, dass hier die Unterscheidung von «Stoff» und
«Kraft» keine so strenge sein kann wie in der physischen Welt. Ein Trieb kann
ebenso gut «Kraft» wie «Stoff» genannt werden.“

„Die Seele des Menschen ist an den physischen Menschenleib und an den Psychische Prob-
Menschengeist gebunden. Die Vorgänge, die man an ihr beobachten kann, leme können aus
sind also zugleich von der leiblichen und geistigen Welt beeinflusst. Darauf dem Körper kom-
men.
muss man bei der Beobachtung der Seelenwelt Rücksicht nehmen; und man
darf nicht als seelische Gesetze ansprechen, was aus der Einwirkung einer
anderen Welt stammt.“
Dieser Hinweis Steiners ist auch insofern wichtig, weil er dem Materialismus ei-
nen gewissen Raum und eine gewisse Anerkennung gibt. Der Körper hat einen
Einfluss auf die Seele! (Die falsche Interpretation der Materialisten ist, dass der
Geist aus der Materie stammt). So ist es zum Beispiel bei der Depression in so Wünsche aus der
vielen Fällen der Körper, der sie hervorruft. Man muss dann daher auf der körper- Seelenwelt unter-
lichen Ebene suchen, um eine Depression zu heilen. Das scheint ja allen moder- liegen geistigen
nen Bestrebungen der ganzheitlichen Medizin zu widersprechen, tut es aber Gesetzen.
nicht. Denn letztlich erbauen wir unseren Körper aus dem Geist und der Seele.
In der Seelenwelt
Aber wenn etwas physisch manifest geworden ist, dann wirkt es zurück. So
ist alles innerliche
scheint dies auch bei allen Süchten der Fall zu sein. Daher sagen die Leute Wechselwirkung.
dann, die Sucht sie doch körperlich, was durchaus stimmt. Aber sie ist eine dem
Körper aus der Seele heraus, aus den Trieben der Seele angezüchtete Gewohn-
heit.
Im Astralen durch-
„Wenn zum Beispiel der Mensch einen Wunsch aussendet, so ist dieser von dringt sich alles.
einem Gedanken, einer Vorstellung des Geistes getragen und folgt dessen
Gesetzen.“

In der Seelenwelt ist alles innerlich, sowie in der physischen alles äußerlich ist.
Es ist alles innerliche Wechselwirkung. Das ist der fundamentale Unterschied.
Stellen wir uns eine Tinte im Wasser vor und dass diese Tinte eine eigene We-
senheit sei, die ihre Form auch im Wasser verändern kann. Vielleicht bekommen
wir dann eine erste Vorstellung. Steiner beschreibt es wie folgt:

„Im Seelenraum hängt die Wechselwirkung zweier Gebilde, die einander tref-
fen, von ihren inneren Eigenschaften ab. Sie durchdringen sich gegenseitig,
verwachsen gleichsam miteinander, wenn sie miteinander verwandt sind. Sie
stoßen sich ab, wenn ihre Wesenheiten sich widerstreiten.“

Das Gesetz von


Hier begegnen wir dem Raum der SYMPATHIE und ANTIPATHIE. Denken wir auch
Anziehung und
an unsere Partnerschaften, an Sexualität, usw. Wir allen haben einen Astralkör- Abstoßung wirkt
per. Nun verstehen wir, was mit uns passiert. Diese beiden Körper durchdringen hier.
sich! Anziehung zwischen Menschen, „Liebe auf den ersten Blick“, usw. hängt
damit zusammen. Damit wird dieses Geschehen für uns konkret.
„Gleich und gleich gesellt sich gern“. Dieses alte Wort verstehen wir nun auch. In
der Seelenwelt zieht sich Gleichartiges an, Gegensätzliches stößt sich ab. In der
physischen Welt stoßen sich die gleichen Pole eines Magneten ab.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
In der materiellen Welt sind Nähe und Ferne durch räumlichen Abstand und Per-
spektive festgelegt. Nicht so in der seelischen Welt:

„Im Seelenraume erscheint dem Schauenden dagegen alles, das Nahe und Vorsicht!
das Entfernte, in den Abständen, die es durch seine innere Natur hat.
Durch solches ist natürlich ein Quell der mannigfaltigsten Irrungen für denjeni-
gen gegeben, der den Seelenraum betritt und da mit den Regeln zurecht-
kommen will, die er von der physischen Welt her mitbringt.“

Auch hier bekommen wir wieder einen Hinweis, wie vorsichtig wir mit „spirituellen
Beratern“, sein müssen, die angeblich seherische begabt sind. Hohe Anforderun-
gen können wir hier stellen.
Steiner zeigt auf, dass die Seelenwelt ebenso in Bereiche strukturiert ist, wie die Die beiden Grund-
physische, also in „feste“, „flüssige“, usw., die man unterscheiden lernen muss: kräfte:
SYMPATHIE und
„Um dazu zu kommen, muss man die beiden Grundkräfte kennen, die hier vor ANTIPATHIE
allem wichtig sind. Man kann sie SYMPATHIE und ANTIPATHIE nennen.“

Wir haben diese beiden bereits in Lehrheft 2 angesprochen. Nun wird bewusst,
dass unser gesamtes Gefühlsleben von diesen beiden dominiert wird. Die höhere Zunächst drei Ar-
Kraft dazu, aus der die Liebe resultieren wird, ist die EMPATHIE. ten von Seelenge-
bilden.
„Drei Arten von Seelengebilden hat man zunächst zu unterscheiden, je nach
dem Wirken von Sympathie und Antipathie.“
In der Gier als 1.
In diesen drei Gebilden herrscht stets eine Mischung aus den beiden Kräften. Art überwiegt die
Das erste Gebilde wird von der Antipathie dominiert. Das bedeutet, dass die ANTIPATHIE.
Sympathie darin etwas aus der Umgebung anzieht, also „haben möchte“, alles
andere aber eigensüchtig durch die Kraft der Antipathie von sich weist. Das be-
deutet: „Ich möchte haben“. Und das ist genau die Kraft der „GIER“. Diese Gebil-
de sind (astralisch) sehr starr und unbeweglich und bilden daher die „Erde“ in der
Astralwelt, das „feste“ Element.

„Die Gier erscheint aber zugleich unersättlich, wie wenn sie nicht zu befriedi-
gen wäre, weil die vorwaltende Antipathie so vieles Entgegenkommende ab-
stößt, dass keine Befriedigung eintreten kann.“
Dieses Beispiel
Wirklich befriedigt werden wir in Seele und Geist mit rein materiellen Dingen auf zeigt, was SPIRI-
TUELLE WISSEN-
Dauer nicht. Daher verstehen wir jetzt den Frust der rein sinnlich orientierten
SCHAFT bedeutet.
Menschen, die nur den sinnlichen Trieben folgen und sicher auch von uns selbst,
wenn wir nach neuen Abenteuern in der Materie suchen, weil wir nicht befriedigt
sind. Den höheren Trieben zu folgen, z. B. dem Drang nach Erkenntnis, bringt
höheres Glück. Wir haben also eine wirkliche wissenschaftliche Erklärung, eine
geistes-wissenschaftliche Definition einer seelischen Kraft.
Die 2. seelische Art ist logischerweise jene, bei der die beiden Kräfte im Gleich-
gewicht sind. Damit betreten wir auch bereits den Boden der Antipathie. Wann
sind wir im Gleichgewicht in Bezug auf diese Kräfte? Wenn uns etwas weder
sympathisch noch unsympathisch ist, wenn wir also neutral sind. Die Gier zieht
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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Die 2. Seelenge-
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation bilde sind die neut-
ralen Reize.
eine feste Grenze zwischen mir und der Welt, deshalb bedeutet diese Kraft das
Erdelement des Seelischen. Das neutrale Begehren oder Fühlen tut dies nicht.

„Sie ziehen gleichsam keine feste Grenze zwischen sich und der Umwelt.
Fortwährend lassen sie andere Gebilde in der Umgebung auf sich einwirken;
man kann sie deshalb mit den flüssigen Stoffen der physischen Welt verglei- FLIEßENDE REIZ-
chen... BARKEIT ist ihre
Natur.
Das, was den neutralen Reiz bewirkt, sind Seelengebilde, in denen Sympathie
und Antipathie einander das Gleichgewicht halten.“
Neutraler Reiz =
Empfindung
Diese Arten von seelischen Stoff-Kräften heißen also „NEUTRALER REIZ“, Die
Qualität, die mit ihnen verbunden ist, ist daher „FLIEßENDE REIZBARKEIT “. Dem-
entsprechend wird dann auch die zugehörige „wässrige“ Region genannt werden.
Wir haben mit den neutralen Reizen nun jenes gefunden, was wir als „EMPFIN-
DUNGEN“ bezeichnet haben. Die persönlichen Gefühle folgen erst.

Die dritte Art ist konsequenterweise jene, bei der die Sympathie überwiegt. Die Die Kraft der Gier
Antipathie bewirkt die Eigensucht, die Selbstsucht, den Egoismus. So wie die Luft bewirkt Eigen-
nun sich nach allen Seiten hin ausbreitet, tun es die Gebilde, die aus „Wunsch- sucht.
Stofflichkeit“ bestehen. Die Sympathie dominiert, die Antipathie gibt aber noch
den eigensüchtigen Charakter. Daraus werden unsere Wünsche gebildet. Sie Wenn die Sympa-
thie dominiert,
stellen eine seelische Aura dar, welche die Dinge anzieht. Das ist auch der
entsteht die 3. Art,
Grund, warum Wünsche erfüllt werden. Diese Sphäre ist die „Luft“-Sphäre im das sind unsere
Seelischen Raum. Wünsche.
Die weiteren Stufen haben das Merkmal, das sich die Antipathie völlig zurück-
zieht. Das bedeutet, dass die Sympathie keinen Widerstand überwinden muss.
Wenn nun die Sympathie in Bezug auf ein Anderes innerhalb eines Seelengebil-
LUST ist die 4. Art.
des dominiert, dann entsteht „LUST“. Hier haben wir also eine Beschreibung des- Unlust ist vermin-
sen, was wir als Lust kennen. Unlust ist eine verminderte Lust, so wie Kälte eine derte Lust.
verminderte Wärme ist, wobei wir diese durchaus mit Antipathie verbinden.
GEFÜHLE
Lust und Unlust sind nun das, was wir im engeren Sinne als „GEFÜHLE“ in uns
FÜHLEN
tragen. Das FÜHLEN, was ist es? Das Fühlen ist die Aktivität des Seelischen, der
Seelengebilde, das „Weben“, wie Steiner es formuliert.
Das Resultat dieses „Webens“ von Lust und Unlust verspüren wir als Behagen BEHAGEN
(oder Unbehagen).
Wenn wir nun die Sympathie nicht in uns selbst nur bewegen, was zur Lust führt,
sondern es nach außen bringen, dann betreten wir den Boden der Empathie und
Liebe. Mit solchen Impulsen verbinden wir uns mit anderen, schließen uns mit ih- Die 5. Art ent-
nen zusammen. Bei der Antipathie streben wir in der Gier nach etwas anderem, spricht dem Licht.
Wir nehmen es in
um uns selbst zu befriedigen. Wenn nun die Antipathie schweigt, dann öffnen wir
uns auf.
uns dem Gegenüber, dem Nächsten. Wir erleben den Anderen als Offenbarung.
In der materiellen Welt kennen wir das in dem Phänomen des Lichts. Daher wird SEELENLICHT
dieser Bereich im Seelischen dem Element des Lichts zugeordnet. So wie wir
Licht einsaugen, so saugen wir das Wesen, die Offenbarung des Anderen in uns
ein. Erst dadurch kommt wirkliches Leben, „LICHT “ in die Dunkelheit der Seelen-
welt darunter. Luft nehmen wir auch in uns auf, aber über die Luft wird kein We- Dunkle Seelen
sen offenbart, wie im Licht. Es wird als SEELENLICHT bezeichnet.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Sehr gut können wir nachvollziehen, was das bedeutet für einen extrem gierigen
Menschen. In seiner Seele ist es dunkel. Also es gibt dunkle Seelen. Dies aber
heißt nichts Anderes als das die Antipathie und damit die Eigensucht dominiert.
In der zweiten Region der Reize, in der ja auch die Sympathie überwiegt, fließt
erst etwas, wenn Berührung stattfindet. In dieser 5. Region des Seelenlichtes fin-
det das Fließen der seelischen Wesenheiten ineinander auch ohne solche Berüh-
rung statt. Es ist ein freies „Hinstrahlen“.

Region des
Seelenlebens

Region der tätigen


Seelenkraft

Region des
Seelenlichtes
〈 Sympathie im Außen ohne Antipathie

Region von Lust und Sympathie im Inneren ohne Antipathie


Unlust
Sympathie dominiert
Region der
Wünsche
Antipathie und Sympathie ausgeglichen
Region der fließenden
Reizbarkeit
Antipathie dominiert

Region der Begier-


denglut

Bild 4: Die 7 Regionen der Seelenwelt (nach Rudolf Steiner, „Theosophie“)

Zwei weitere Bereiche gibt es noch, die der „tätigen Seelenkraft“ und die des „ei- Die 6. Art wird die
gentlichen Seelenlebens“. Wir werden an späterer Stelle auf diese 7 Ebenen der tätigen See-
auch in Zusammenhang mit der materiellen und ätherischen Welt zurückkom- lenkraft bezeich-
men. So zeigt sich uns also nach der Beschreibung der eingeweihten Seher die net, die 7 Art als
Seelenwelt als eine in sich gegliederte, sich durch 7 Kräfte, Regionen, Stoffe die des eigentli-
chen Seelenle-
durchdringende Welt. Es sind also keine „getrennten“ Regionen, sondern wie auf
bens.
der Erde sich durchdringende Sphären.
Wir wollen kurz zeigen, dass diese Struktur einen universellen Charakter hat. In
der Geographie unterscheidet man nämlich auch Regionen, dort bislang nur fünf,
weil die Physik bis heute nur 5 Aggregatzustände kennt. Dies wird auch so blei-
ben, weil die Ätherwelt nicht einbezogen ist. Diese umfasst nämlich wie wir spä-
ter sehen werden, den Bereich 5-7. denn erinnern wir uns, dass ja zum Bereich
des Leiblichen, des Körperlichen auch die Ätherwelt gehört.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
In der „Theosophie“ wird auch eingegangen auf das Erleben der Seelenwelt nach
unserem körperlichen Tode. Damit werden wir erst in dem Kursteil über das Le-
ben nach dem Tod beschäftigen.

Auch die Erde ist


Regionen der Erde in sich durchdrin-
gende „Sphären“
oder „Regionen“
strukturiert.

5 4 3 2 1
Exosphäre Thermosphäre Atmosphäre Hydrosphäre Lithosphäre

Wärme- Zwei weitere Be-


Weltraum Strahlung Gasförmiges Flüssiges Festes
reiche werden wir
noch in Bezug auf
die Ätherregion in
Vakuum gasförmig Plasma flüssig fest einem späteren
Kursteil beschrei-
ben.
Bild 5: Die Regionen der materiellen Welt

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
10 Die drei Welten im Überblick – die Geistwelt

Nachdem wir die zwei ersten Welten beschrieben haben mit dem Versprechen
für die Welt des Körpers die anderen Regionen nachzureichen, befassen wir uns
nun mit der eigentlichen Welt des Geistes. Erinnern wir uns, dass wir gesagt ha-
Geistwelt
ben, dass die Welt des Äthers und der Seele aus materieller Sicht bereits „geis- Welt des Geistes
tig“ ist, aus Sicht des Geistes aber eher „materiell“. Auch die Geistwelt, die „Welt Geisterland
des Geistes“, das „Geisterland“, wie Steiner es bezeichnet, ist in sich durchdrin-
gende Regionen strukturiert.

„Vor allen Dingen muss betont werden, dass diese Welt aus dem Stoffe (auch Der Stoff, aus dem
die Gedanken sind
das Wort «Stoff» ist natürlich hier in einem sehr uneigentlichen Sinne ge-
braucht) gewoben ist, aus dem der menschliche Gedanke besteht.“

Jetzt bekommen wir weitere Klarheit über all das, was wir bisher erarbeitet ha-
ben. Wir haben ja bei der Verstandesseele gehört, dass hier das Denken hinein- Seelenwelt = Welt
wirkt in die Seele. der Gefühle

Geistwelt = Welt
Wir begreifen nun noch deutlicher, das die Welt des Geistes die der Gedan- der Gedanken
ken ist und die Welt der Seele die der Gefühle.

Wir müssen dabei aber beachten, dass sich diese Welten durchdringen. Deshalb
ist ein Gefühl in der Seelenwelt durchaus von einem Gedanken durchdrungen
oder ein Gedanke in der Seelenwelt durch ein Gefühl oder von einem Gefühl um- Platos Höhlen-
gleichnis:
schlossen.
Was aber auch ganz wichtig ist, ist die Tatsache, dass die Gedanken, die wir er-
leben, nicht die wahren Gedanken sind, sondern nur Abschattungen. Das be-
rühmte Höhlengleichnis von Plato beschreibt dies anschaulich. Steiner erklärt es
uns, was damals damit gemeint war.
Unsere Gedanken
sind nur Schatten
„Aber so der Gedanke im Menschen lebt, ist er nur ein Schattenbild, ein der realen Gedan-
Schemen seiner wirklichen Wesenheit. Wie der Schatten eines Gegenstandes ken.
an einer Wand sich zum wirklichen Gegenstand verhält, der diesen Schatten
wirft, so verhält sich der Gedanke, der durch den menschlichen Kopf er-
scheint, zu der Wesenheit im «Geisterland», die diesem Gedanken ent-
Diese sind We-
spricht.“
senhaftes.

Ein Gedanke hat also eine „wirkliche Wesenheit“, ist ein geistig reelles, lebendes,
Wesensgebilde. Dieser Text ist auch ein Schlüsseltext für den ganzen Kurs, ähn-
lich dem zur Logik aus Lehrheft 2. Denn darin zeigt sich das große Thema der
Freiheit!, wie wir mehr und mehr erkennen werden. Uns muss bewusst werden,
dass sich hinter jedem Gedanken, den wir „denken“, ein geistig lebendiges Ge-
Unser Gehirn ist
bilde steckt. Denken wir auch an den Lebensgeist, die Buddhi. Wir haben gesagt,
wie ein Fernseher
das ist die geistige Lebenskraft. Wenn diese eine geistige Gedankenform durch- (oder ein Compu-
dringt, dann wird daraus ein „lebendiger“ Gedanke, dessen Abbild wir mit unse- ter, der Bilder
rem Gehirn denken. Unser Gehirn ist also wie ein Fernseher, der Bilder empfängt empfängt).

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
und sie als Abbilder wiedergibt. Unser Gehirn gibt uns auch Abbilder wieder,
Schatten des eigentlichen Gedankens.

„Wenn nun der geistige Sinn des Menschen erweckt ist, dann nimmt er diese
Gedankenwesenheit wirklich wahr, wie das sinnliche Auge einen Tisch oder
Stuhl wahrnimmt. Er wandelt in einer Umgebung von Gedankenwesen.“

Und nun kommt die wichtige Information über diese Geistwelt.

„In dieser Welt sind nun zunächst die geistigen Urbilder aller Dinge und We- Die Geistwelt ist die
sen zu sehen, die in der physischen und in der seelischen Welt vorhanden Welt der Urbilder.
sind.“

Wenn wir heute ein Haus bauen oder ein Auto, dann wird zunächst eine „Idee Das Universum ist
geboren“. Aus dieser Idee heraus steht dann irgendwann ein physisches Auto vor ein Gedanken Got-
tes.
uns. Diese Idee ist eine reelle Wesenheit. Und genauso wie aus dieser Idee ein
Auto wird, ist das Universum aus Ideen, aus „Gedanken Gottes“ oder aus „Ge-
danken der Götter“ entstanden. Und so ist das ganze Universum ein Gedanke
Gottes und sind wir alle es auch. Wenn ein Maler ein Bild malt, hat er es vorher in
seinem Geist. Das ist ein Urbild auf der geistigen Ebene, das Bild ist die materiel-
le Form. In Bezug auf unsere Gedanken sind diese die materiellen Formen und
die Wesenheit dahinter sind die Urbilder. Steiner beschreibt auch, wie schwierig
Die Geistwelt ist
das Sehen in diesem Bereich ist:
noch verwirrender
und erfordert eine
„Allerdings ist der erste Eindruck in dieses «Geisterland» noch verwirrender noch höhere Schu-
als derjenige in die seelische Welt. Denn die Urbilder in ihrer wahren Gestalt lung für eine klare
sind ihren sinnlichen Nachbildern sehr unähnlich. Ebenso unähnlich sind sie Wahrnehmung.
aber auch ihren Schatten, den abstrakten Gedanken.“

Dies ist auch ein Hinweis darauf, wie vorsichtig wir mit seherischen Aussagen
heutiger Menschen (Medien) umgehen müssen. Denn diese haben meist nicht
die Schulung des klaren Sehens in der geistigen Welt. Beachten wir auch den Was heißt abstrakt?
Hinweis auf die „abstrakten“ Gedanken. Dieses Beiwort steht nicht umsonst. Der
Gedanke als Schatten ist zunächst abstrakt, also nicht konkret und lebendig. Er
ist von der eigentlichen Wesenheit dahinter abstrahiert. Damit aber haben wir
auch eine erste Beschreibung von „abstrakt“. Ein Charakteristikum für die Geist-
welt erinnert uns an die Fülle an Gedanken, die uns ständig durch den Kopf ge-
hen:

„In der geistigen Welt ist alles in fortwährender beweglicher Tätigkeit, in un-
aufhörlichem Schaffen. Eine Ruhe, ein Verweilen an einem Orte, wie sie in der
physischen Welt vorhanden ist, gibt es dort nicht.“

Dieser Text weist uns auch darauf hin, dass eine Meditation der Stille endgültig
nicht dazu führen wird, Stille zu erleben. Die Stille ist zunächst nur dann da, wenn Die Geistwelt als
die Schatten der Gedanken schweigen. Irgendwann aber werden die Gedanken Welt der Dauer und
selber sprechen. Ein anderer Hinweis ist darin enthalten auf die Philosophie des der beständigen
Buddha. Dieser sagte ja, dass alles im Universum in Bewegung und Verände- Bewegung.

Panta Rei. 48
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
rung ist, ähnlich wie der alte Grieche Heraklit mit seinem „Panta Rei – alles
fließt“. Der Buddha hat daraus allerdings seiner Nachwelt ein Bild hinterlassen,
dass es deshalb auch keine unsterbliche Seele gäbe, eben weil sich alles verän-
dert. Bei Steiner allerdings lernen wir, dass gerade die Geisterwelt die Welt der
„Dauer“ ist, also eine Welt der Unsterblichkeit. Dies aber erscheint nicht als Wi-
derspruch, bzw. der Widerspruch löst sich auf, wenn wir uns ein sich dauernd
veränderndes Wesen in seiner „Form“ vorstellen, das aber in seinem Wesen ein
ewig unveränderliches „Wesen“, ein ewiges Ich darstellt. Damit vereinen wir bei-
de Sichtweisen. Wenn wir die DAUER erleben, dann erleben wir die Stille in der
Meditation, bekommen eine Ahnung davon.
Wir als Menschen sind Schöpfer und werden immer mehr dazu, bewusste
Schöpfer zu werden, und das ist eben das Merkmal der Geistwelt.

„Denn die Urbilder sind schaffende Wesenheiten. Sie sind die Werkmeister al-
Hinter allem steht
les dessen, was in der physischen und seelischen Welt existiert.“ der Geist als Ur-
sprung!
Damit wird uns auch noch einmal bewusst, dass hinter allem der Geist steht,
dass alles aus dem Geist kommt. Ein Urbild kann
viele Formen an-
nehmen.
„Und in jedem Urbild liegt die Möglichkeit, unzählige besondere Gestalten an-
zunehmen.“

Wir werden mit Goethe und seinem organischen Denken über die Urpflanze
verstehen, dass er bereits die Urbilder entdeckt hat. Der “Löwenzahn” ist in
Wirklichkeit eine Idee, ein Urbild, aus dem heraus unendlich viele Löwenzähne
auf den Wiesen entstehen können. Mit den Urbildern kommen wir auch in den
Die biologischen
Bereich des Streites der Evolutionswissenschaftler. Denn heute glaubt man, dass
Arten sind Urbil-
eine Art aus der anderen hervorgeht. Darwin selber hat es anders beschrieben. der.
Danach sind die Arten selbst die Urbilder, die vom Göttlichen erschaffen wurden.

„Ich halte dafür, dass alle organischen Wesen, die je auf dieser Erde gelebt
haben, von einer Urform abstammen, welcher das Leben vom Schöpfer ein-
gehaucht wurde.“
Charles Darwin,„Über die Entstehung der Arten“, 1859

In der geistigen Welt arbeiten alle Urbilder zusammen, um etwas entstehen zu


lassen. Das ist wie Teamarbeit in einer modernen Fabrik. Niemand kann ohne Die geistige Welt
ertönt dem Seher.
die anderen etwas erschaffen.
Er wird zum Hörer.
Der Seher wird in der geistigen Welt zum „Hörer“. Das geistige Hören kommt
zum Sehen hinzu.

„Der Beobachter fühlt sich wie in einem Meere von Tönen.“

Aus dieser Erfahrung stammt die Beschreibung der eingeweihten Pythagoräer,


die von der “Harmonie der Sphären”, von “Sphärenmusik” sprachen. Neben den
Urbildern komemn Urtöne hinzu.

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Region der Lebens-
kerne Region des Atma

Region des
Wesens
Urbilder des
Lebens
Region des
Selbstes
Region der „Namen“ –
Buddhi

Region der Ideen –


〈 Schöpfer der Urbilder

Regionen der Absichten

Manas
reines
Geisterland Management der drei unteren Regionen

Urbilder der „Luft“ der Geistwelt


Seelen

Urbilder des „Wasser“ der


Lebens Geistwelt

Urbilder der materiel- „Erde“ der


len Welt Geistwelt

Bild 6: Die Regionen der geistigen Welt


Die 1. Region ist
wieder die feste
Aus der ersten Region werden die Mineralien erschaffen. Also ist diese Region Struktur, die 2. die
wieder die „feste“ Struktur des Geisterlandes, die „Lithosphäre“ im Geistigen. wässrige,

Das „Wasser“ des Geistlandes ist wie fließendes Leben aus Gedankenstoff. Es
ist wie unser Blut, das den Organismus durchströmt. Aus der ersten Region wer-
den die Mineralien erschaffen, aus dieser zweiten die Lebewesen auf der Erde,
die Pflanzen, Tiere und Menschen, also der ätherische Bereich, der Ätherkörper. die 3. die luftige.
Die dritte Region ist der „Luftkreis“, die „Atmosphäre“ der Geistwelt. Hier werden
die seelischen Aspekte der Triebe, Begierden erschaffen, welche die Tiere und
Menschen auszeichnen, also der Astralkörper. Leidenschaften auf
der Erde sind Gewit-
„Die atmosphärischen Vorgänge in diesem Luftkreise entsprechen den Leiden ter im Geistigen.
und Freuden der Geschöpfe in den anderen Welten.“

Es muss uns damit bewusst sein, dass unsere Zornesausbrüche wie echte Die höheren Regio-
Gewitter in dieser Region des Geistes sind! Aber auch unsere Leidenschaften nen sind die der Ab-
zeigen sich dort als “Wetter” und “Unwetter”. sichten.
Die vierte Region ist eine, die gewissermaßen eine “Management”-Funktion hat
und die drei unteren Bereiche koordiniert.
An der Grenze der
7. Region begegnen
50
wir unserer Ur-
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation sprungswelt.
In den drei oberen Regionen findet man die Schöpfer der Urbilder. Die fünfte
Region ist die der “Absichten”. Aus diesen Absichten der Geistwesen entstehen
unsere Ideen auf der Erde.
Die 7. Region ist die Grenze, die für den Menschen erfassbar ist. Hier steht er, Diese liegt in einer
wei Steiner beschreibt, den “Lebenskernen” gegenüber, also den “Ichen”, die aus noch höheren Sphä-
noch höheren Regionen stammen. re, dem „Übergeisti-
gen“.
Demnach gibt es sogar eine “übergeistige” Welt: aus dieser stammt unser
wahres Ich, unser geistiges Ich, unser innerer Führer. Das “wahre Ich“.
An dieser Stelle wollen wir das große Geheimnis unseres Ichs weiter, aber kurz
vertiefen und anmerken, dass Steiner später dieses Ich als das “wahre Ich” Darunter das “höhe-
re Ich“.
bezeichnet hat, während das Erleben des Ich in der Geistsphäre, im Geistselbst
als das “höhere Ich” bezeichnet wird. Und darunter das
Das, was wir alle in unserem Körper erleben und worüber sich die “kleine Ich“, das „E-
Neurowissenschaftler, Psychologen und Philosophen streiten und das von ihnen go“, die „Persönlich-
keit“.
richtigerweise als Illusion bezeichnet wird, als nicht existierend und daher keinen
freien Willen habend, das ist das “kleine Ich”, das berühmte Ego, die
Persönlichkeit. Wir nennen es auch “Erden-Ich”.
Die moderne Naturwissenschaft hat also völlig Recht, auch in vielen ihrer
Interpretationen. Aber in der großen Interpretation, dass es kein wirkliches Ich
gib, da liegt sie völlig falsch. Sie kann auch, wie wir in Heft 2 erarbeitet haben,
keine Aussagen darüber machen, weil es außerhalb ihrer Axiomatik liegt!

Rudolf Steiner beschreibet weiter, wie unsere Erlebnisse in der Geistwelt nach
unserem Tode sind. Das werden wir in Kursteil 8 betrachten.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

51
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
11 Spirituelle Weltenevolution des Kosmos im Überblick

Die moderne Astrophysik spricht ja seit langem vom Big Bang, vom „Urknall, der
Entstehung des Universums aus dem Nichts. Heute ist man bereits so weit, dass Big Bang
man von der Phase vor dem Big Bang spricht und davon, dass es möglicherwei-
se andere „Big Bangs“ davor gegeben hat (siehe Anhang 1).
Wissenschaftler
Weiterhin ist es selbstverständlich unter den Astronomen, dass sie von der „Ge- sprechen ständig
burt“ und dem „Sterben“ von Sternen sprechen. Die astrophysikalischen Bücher von Geburt und
sind voll von diesen Worten. Es verwenden unsere Wissenschaftler also bestän- Tod von Sternen
dig Begriffe, die für lebende Wesen gelten, ohne dass sie sich dieser Bedeutung
bewusst sind, und ohne dass sie sich bewusst sind, dass es sich um „Leben“
handelt. Denn aus der Sicht der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT verbirgt sich hinter
allen Sternen geistiges Leben wie auch hinter dem menschlichen Körper. In den alten Veden
Entscheidende Erkenntnis daher ist, dass auch Sonnensysteme sich inkarnieren als MANVANTARA
und exkarnieren, also manifestieren und sich wieder vergeistigen, in der alten und PRALAYA be-
zeichnet
Fachsprache der Inder MANVANTARA (Manifestation, Weltentag) und PRALAYA
(Weltenschlaf, Weltennacht) genannt.
Geht man von einem solchen Bild aus, dann wird denkbar, dass hinter all diesem
Geschehen ein Rhythmus sich verbirgt. Wachen und Schlafen kennen wir und zyklisches Ge-
wir werden uns genauer ansehen, was während des Schlafes geschieht. Tag und schehen
Nacht in der Natur, Jahreszeiten, das sind alles uns bekannte Geschehnisse, die
eines auszeichnet: Sie verlaufen nicht linear, sondern zyklisch und in ihrer eige-
nen Dynamik. Unsere Evoluti-
Und ebenso, so lehren uns die Eingeweihten, die geistigen Seher, verläuft die onstheorie geht
von linearen Ge-
geistige - und materielle! - Evolution des Universums.
schehen aus.
Unsere moderne Evolutionstheorie ist falsch – falsch zunächst in dem Sinne,
dass sie von einer linearen Evolution ausgeht. Das ist der erste große Denkfeh-
ler. All unsere Erfahrung zeigt uns zyklische Geschehnisse. Aber in der moder-
nen Kosmologie und Evolutionslehre gehen wir von linearen Geschehnissen aus.
Wie kommen wir eigentlich dazu? Warum gehen unsere Wissenschaftler nicht
von der Erfahrung aus, sondern von theoretischen Annahmen, die durch nichts
begründet sind, im Gegenteil, der Realität widersprechen? Wir werden den Me-
chanismus dafür, den geistigen Hintergrund im Lehrheft 5 darlegen.
Der geistige Seher
Springen wir gleich hinein und sehen uns die Darstellung der kosmischen Evolu-
schöpft aus dem
tion aus geistiger Sicht an (Bild 7). Die Frage ist, wie ein geistiger Seher über- Datenspeicher des
haupt zu solchen Erkenntnissen kommen kann? Nun, die moderne Wissenschaft Universums, der
ist auf glanzvolle Weise in der Lage, aus den Versteinerungen die ganze äußere Akasha-Chronik.
Evolution, die Formen, Körper und Lebensweisen der Tiere und Menschen der
Vorzeit herauszulesen. Warum soll es nicht ebenso, nach demselben Prinzip,
möglich sein, dass der Geistesforscher aus den geistigen Tatsachen, den geisti-
gen Spuren aus der Antike die Vergangenheit der geistigen Evolution herauszu-
lesen? Genau dies tut Rudolf Steiner und er weist daraufhin, dass die Spuren der
Vergangenheit in der dem spirituell orientierten Sucher bekannten AKASHA-
CHRONIK zu finden sind.
Diese „Chronik“ ist seit langen Zeiten, seit den Zeiten der vedischen Kultur
(Sanskrit: „Akasha“ – der „Raum“) bekannt. Sie ist gewissermaßen die Videoauf-
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
zeichnung der Geschehnisse im Universum. In die Ätherwelt, jene feine geistige
Substanz, wird alles Geschehen eingeprägt und gespeichert. Aus diesem Grunde
ist auch überhaupt nur das Prinzip des Karma nachvollziehbar. Wir Menschen
dokumentieren und speichern heute alles. Zum einen erleben wir insbesondere in
diesen Jahren durch das Internet und die Datenspeicherung bei Unternehmen
wie Google, dass alles, was aufgezeichnet werden kann, auch aufgezeichnet Google = wie A-
wird. Zum zweiten erleben wir, dass unsere Datenspeicher immer kompakter kasha
werden und wir bald so weit sein werden, dass wir alles Wissen der Menschheit
und alle Bildaufzeichnungen auf Datenspeichern unterbringen, die nicht größer
als eine Stecknadel sein werden.
„Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde“ bedeutet doch auch, dass das,
was wir Menschen tun, ein Abbild dessen ist, was „Gott“ tut. Dass also auch in kosmisches Ge-
der geistigen Welt alles aufgezeichnet wird, dass es ein „kosmisches Gedächt- dächtnis
nis“, einen „kosmischen Computer“ und ein „kosmisches Internet“ (besser ein „
kosmisches Intergalaktik-Net“) geben kann, liegt auf der Hand. Dieses nun wird kosmisches Inter-
net
eben als AKASHA-CHRONIK bezeichnet. Der geistige Seher nun ist so geschult,
dass er in der Lage ist, in diese Aufzeichnung zu schauen und die Bilder daraus
„herunterzuladen“, um es modern auszudrücken. Der Paläontologe liest aus So wie der Palä-
Knochensplittern, der geistige Seher aus Akasha-Bildern. Dass dazu ein hohes ontologe aus Kno-
Bewusstsein und eine profunde Schulung gehört, ist nachvollziehbar. chen liest. liest der
Seher aus Akas-
Rudolf Steiner hat seine seherischen Erkenntnisse in dem entscheidenden Werk
ha.
„Die Geheimwissenschaft“ (3) erstmals öffentlich dargelegt. Alle folgenden Texte
sind aus seinem Werk, wenn nicht anders angegeben.

„Nur angedeutet soll hier vorläufig werden, dass für die geistige Forschung die
Tatsachen aus urfernen Vergangenheiten nicht verschwunden sind...
Sie lassen ihre Spuren, ihre genauen Abbilder in der geistigen Grundlage der
Welt zurück. Und wer durch die sichtbare Welt hindurch die Wahrnehmung zu
dem Unsichtbaren zu erheben vermag, der gelangt endlich dazu, etwas vor
sich zu haben, was man in einem gewaltigen Panorama vergleichen könnte, in
dem alle vergangenen Vorgänge der Welt verzeichnet sind. Man kann diese
unvergänglichen Spuren alles Geistigen die „Akasha - Chronik“ nennen, in-
dem man als Akasha - Wesenheit das Geistig - Bleibende des Weltgesche-
hens im Gegensatz zu den vergänglichen Formen des Geschehens bezeich-
net.“

Dass Steiner diese Veröffentlichung gewagt hat, hat ihm in den damals esoteri-
schen Kreisen heftige Kritik eingebracht. Denn Geheimwissen sollte Geheimwis-
sen bleiben. Steiner jedoch wies darauf hin, dass diese Zeiten vorbei sind und al-
le Menschen, wer immer das will, Zugang zu diesem Wissen bekommen soll. In
(3) ist etwas zu dieser Auseinandersetzung nachzulesen.
Betrachten wir uns also das schematische Bild aus den seherischen Erkenntnis-
Bewusstseinsent-
sen. Wir skizzieren es genauer im nächsten Kapitel.
wicklung (GEIST)
Wir sehen an dieser Übersicht, dass die Evolution in 7er-Schritten verläuft. Darin als übergeordneter
liegt auch der Ursprung, dass die Zahl 7 seit Urzeiten als heilig bezeichnet wird. Zyklus, dann Le-
ben (SEELE) und
dann Form (KÖR-
PER)
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Die übergeordnete Entwicklung umfasst die Entwicklung des BEWUSSTSEINS, die
nächste die des LEBENS, die dritte die der FORM. Diese drei haben wir in Lehrheft
3 bereits erwähnt. Sie stehen parallel für Geist, Seele, Körper.

Sintflut südamerikanisch
7227 v. Chr.
anglo-
amerikanisch
slawisch

E-Seele B-Seele 3537 n. Chr.


5067 v. Chr.

2907 v. Chr. Wassermann


V-Seele Fische
747 v. Chr.

Bild 7: Die kosmische Evolution (aus (1))

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FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Bei der Bewusstseinsentwicklung tauchen die Planeten als Namen auf, was uns
auch auf den tiefen Hintergrund der Namen für die Planeten und die Entstehung
der Astrologie zeigt.
Die Entwicklung der Lebensstufen spiegelt die Naturreiche wider, die wir auch
von der Erde kennen, wobei hier noch drei uns unbekannte Reiche auftauchen.
Die Entwicklung der Formstufen nun zeigt uns eine Entwicklung, die aus dem
Geistigen ins Materielle und wieder zurück ins Geistige führt.

Die weiteren Zyklen sind Unterzyklen. Wir sehen Epochen, in denen die Begriffe Lemuria und At-
„Lemuria“ und „Atlantis“ vorkommen. Und wir haben den Zeitpunkt eingezeichnet, lantis existierten.
der die Sintflut charakterisiert, so dass wir aus diesem Bild einen neuen Überblick
über die Geschichte der Menschheit und ein neues Verständnis für die alten Ü-
berlieferungen und Dokumente bekommen.
Dann sehen wir einen Zyklus, der nun für uns heute und unsere jüngste Ge- Der für uns heute
schichte wichtig ist. Dieser Zyklus besteht aus den „Kulturepochen“. Diese nun wichtige Zyklus ist
entsprechen Teilen des „platonischen Weltenjahres“, also jener astronomischen jener der Kultur-
Zeiteinteilung, die uns die Zeitalter“ liefert. Wenn wir heute vom „Wassermann- epochen, speziell
unsere der Be-
zeitalter“ sprechen, dann sind diese letzten Epochen gemeint, wobei aus unserer
wusstseinsseele
Sicht noch das Fische-Zeitalter besteht, das mit dem Jahr 1413 begonnen hat seit der Renais-
und 2160 Jahre dauert. Jede dieser Epochen dauert so lange, so dass sich ein sance.
Weltenjahr von 12 * 2.160 = 25.920 Erdenjahren ergibt.
Wir erkennen daran auch, dass der Beginn der Renaissance, die ja auch aus his-
torischer Sicht die „Neue Zeit“ einleitet, ihren geistigen Hintergrund hat. Wir se-
hen, dass jede Epoche eine neue geistig-seelische Entwicklung bringt. Wir er-
kennen, dass wir uns derzeit in der Entwicklung unserer Bewusstseinsseele (B-
Seele) befinden und dass die griechische Zeit die Entwicklung unseres Verstan-
des in der Verstandesseele gebracht hat, was sich ja im Außen in der Entstehung
der Logik durch die griechischen Philosophen, vor allem dann durch Aristoteles
zeigt. Hier sehen wir also deutlich den Einklang der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT
mit der äußeren Wissenschaft.
Lassen Sie und nun dieses Thema etwas vertiefen. Wir empfehlen dazu letztlich
die Lektüre der „Geheimwissenschaft.“

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
12 Von Saturn bis Vulkan

Folgende Zitate Steiners sind aus der „Geheimwissenschaft“ (3), wenn nicht an- Die „Geheimwis-
ders vermerkt. Dieses Werk ist neben der „Theosophie“ ein zweites Grundlagen- senschaft“ – das
werk und Fundament der SPIRITUELLEN WISSENSCHAFT. Dieses Werk ist sicher zweite große
Grundlagenwerk
einzigartig in der Geschichte der Wissenschaft und bis heute die klarste und um-
fassendste Beschreibung der kosmischen Evolution. Wie bereits dargelegt haben
die alten Inder der vedischen Kultur eine große kosmische Schau besessen und
sie in zigtausenden von Versen niedergelegt. Doch die Darstellung in den Veden
ist für uns heute nicht mehr mit der Klarheit der heutigen Zeit nachvollziehbar.
Wir benötigen dazu, für ihr Verständnis, wieder einen neuen Seher, der sie mit
dem Bewusstsein unserer Zeit erläutern kann. Diese Aufgabe hatte Rudolf Stei-
ner und durch ihn werden die Veden wieder greifbar. Seine Sprache ist wissen- Informiert erstma-
schaftlich und daher wird für uns diese kosmische Evolution heute nachvollzieh- lig über die Inkar-
bar. Er ist auch der erste, der in der Öffentlichkeit die Inkarnationen des Sonnen- nationen der Erde.
systems und der Erde darlegt und erläutert. Daher ist aus unserer Sicht auch
dieses Werk ein Muss für jeden ernsthaften Geistesforscher. Das eigene Weltbild
bekommt durch diese kosmische Schau eine wirkliche Erhabenheit, die unsere
Seele zutiefst erfreut und befriedigt. Wir haben daraus einen Extrakt gezogen,
der sich in obiger Graphik zeigt. Steiner beginnt in dem Werk seine Beschreibung
in fernen Urzeiten:

„Diese Wissenschaft (unsere Naturwissenschaft) weist auf Zustände im Er-


dendasein hin, innerhalb welcher ein Mensch in seiner gegenwärtigen Form
auf unserem Planeten noch nicht existiert hat. Sie zeigt, wie die Menschheit
von einfachen Kulturzuständen herauf sich langsam und allmählich zu den
gegenwärtigen Verhältnissen entwickelt hat. Also auch diese Wissenschaft
kommt zu der Meinung, dass ein Zusammenhang bestehe zwischen der Ent-
wickelung des Menschen und derjenigen seines Himmelskörpers, der Erde.
Die Geisteswissenschaft verfolgt diesen Zusammenhang durch geistige Er-
kenntnisse, welche ihre Tatsachen aus der durch die geistigen Organe ge-
schärften Wahrnehmung schöpft. Es zeigt sich ihr, dass das eigentliche innere
geistige Wesen des Menschen durch eine Reihe von Leben auf der Erde ge-
schritten ist.
So aber kommt die Geistesforschung zu einem weit in der Vergangenheit zu-
rückliegenden Zeitpunkte, in dem zum ersten Male dieses innere Menschen-
wesen in ein äußeres Leben in dem gegenwärtigen Sinne getreten ist. In die-
ser ersten Verkörperung war es, dass das „Ich“ anfing, innerhalb der drei Lei-
ber, Astralleib, Ätherleib, physischer Leib, sich zu betätigen. Und es nahm die
Früchte seiner Arbeit mit in das folgende Leben hinüber...“

Hier weist Steiner auf die Zeit hin, die wir in der Graphik als „lemurische Zeit“
vermerkt haben. Zu jener Zeit, die gewissermaßen auch in Beziehung steht zur
„Vertreibung aus dem Paradies“ – der Vertreibung aus der geistigen Sphäre un-
serer Existenz – begannen die ersten Menschen Körper anzunehmen und auf
der Erde sich zu inkarnieren. In (1) ist darauf hingewiesen, dass es wirklich ein
erstes Paar Adam und Eva gegeben haben muss. In (4) findet sich auch eine Zu-
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
sammenfassung mit Texten von Steiner, wer nicht das Originalwerk als Ganze
studieren will.

„Die Geisteswissenschaft muss mit ihrer Forschung nun noch weiter zurück-
gehen, wenn sie die Fragen beantworten will: Wie sind die drei Leiber bis zu
einer solchen Stufe der Entwicklung gelangt, auf der sie ein „Ich“ in sich auf-
nehmen konnten, und wie ist dieses Ich selbst geworden und zu der Fähigkeit
gelangt, innerhalb der drei Leiber wirken zu können?“
Woher also kommen unsere Körper, vor allem unser physischer wunderbarer
Körper?

Die Beantwortung dieser Fragen ist nur möglich, wenn man das Werden des Dies ist der Beginn
Erdenplaneten selbst im geisteswissenschaftlichen Sinne verfolgt. Durch sol- der Saturnphase.
che Forschung gelangt man an einen Anfang dieses Erdenplaneten...
Wenn man einen Menschen vor sich hat, der eine Hand hebt, so kann dieses
Heben der Hand zu zweierlei Betrachtungsweisen anregen. Man kann den
Mechanismus des Armes und des anderen Organismus untersuchen und den
Vorgang so beschreiben wollen, wie er sich rein physisch abspielt. Man kann Hinter allem Mate-
aber auch den geistigen Blick auf dasjenige lenken, was in der Seele des riellen wirken We-
senheiten.
Menschen vorgeht und was die seelische Veranlassung zum Heben der Hand
bildet. In ähnlicher Art sieht der durch das geistige Wahrnehmen geschulte
Forscher hinter allen Vorgängen der sinnlich-physischen Welt geistige Vor-
gänge. Für ihn sind alle Umwandlungen in dem Stofflichen des Erdenplaneten
Offenbarungen geistiger Kräfte...

Das ist eine entscheidende Sichtweise für die Evolution. Es gibt eine innere Evo-
lution. Ein jeder von uns hat eine solche. Und ein jeder von uns weiß, das hinter
all seinen Handlungen ein Wesen steht: er selbst.

Man hat einen Vorgang vor sich, der sich - auf einer höheren Stufe - so ab-
spielt, wie wenn man ein Gefäß mit Wasser betrachtet, in dem sich nach und
nach durch kunstvoll geleitete Abkühlungen Eisklumpen herausbildeten. Wie Das ist der Über-
man hier aus dem, was vorher durchaus Wasser war, das Eis sich heraus gang bei den In-
dern vom Pralaya
verdichten sieht, so kann man durch geistige Beobachtung verfolgen, wie sich
zum Manvantara.
aus einem vorangehenden durchaus geistigen die stofflichen Dinge, Vorgänge
und Wesenheiten gleichsam verdichten.
So hat sich der physische Erdenplanet herausentwickelt aus einem geistigen Die Materie ist
umgewandelter
Weltwesen...
Geist!
Man hat sich aber nicht vorzustellen, dass jemals alles Geistige sich in Stoffli-
ches umwandelt; sondern man hat in dem letzteren immer nur umgewandelte
Teile des ursprünglich Geistigen vor sich. Dabei bleibt das Geistige auch wäh-
rend der stofflichen Entwickelungsperiode das eigentlich leitende und führen-
de Prinzip.

Aus dieser Sicht des Sehers bekommen wir das kosmische Bild. Die Erde entwi- Saturn, Sonne und
ckelt sich durch 7 große Zyklen, von einem ersten Zustand des „Saturn“ bis hin Mond als vorher-
zu dem des „Vulkan“. Damit sind verbunden Entwicklungsstufen des Bewusst- gehende Phasen.
58
FREIHEIT“ - Kurs in Spiritueller Wissenschaft © Akademie Zukunft Mensch – 16.03.2018
Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
seins des Menschen von der Trance bis zur „Intuition“ (siehe Bild 7 und 8). Wir
befinden uns in der 4. großen Phase, der „Erde“. Hier bauen wir unser Ich und
unser Wachbewusstsein auf.
Davor gab es drei große Phasen, in denen die Entwicklung des Physischen Kör-
pers begann (Saturnphase), die des Ätherkörpers (Sonnenphase) und des Ast-
ralkörpers (Mondphase). Diese werden im Weitern stets auch mit SATURN, oder
alter Saturn, alte SONNE und alter MOND bezeichnet. Wir leben also in der 4. gro-
ßen Phase. Unsere Erde heute ist also die 4. Inkarnation (so weit sie einem Se-
her sichtbar ist).
Innerhalb dieser Phase befinden wir uns in der so genannten „mineralischen Le-
bens-Phase“. das bedeutet, dass wir schöpferische Herrscher über das Mineral-
reich werden. Erst in der nächsten weiteren „Lebensphase“ werden wir die Pflan-
zenwelt mit unserem Ich beherrschen, dann die Tierwelt, usw.

Innerhalb dieser wiederum befinden wir uns in Bezug auf die Manifestationsebe-
ne auf der physischen, das heißt, wir sind physisch sichtbar. In der nächsten
Formphase wird die Erde wieder feinstofflich astralisch und dann wieder geistig.
Wir begreifen hier auch deutlich, warum die moderne Zeitrechung und Evoluti-
onslehre oder Astrophysik unzureichend ist. Sie erfasst diese Zyklen nicht!
Sintflut = Ende von
Auf der nächsten Ebene der „Zeitalter“ befinden wir uns in der Zeit nach der Sint- Atlantis
flut, nach dem Untergang von Atlantis. Dass dieser Kontinent keine Erfindung ist,
sondern dass Plato in seiner Erzählung aus altem Eingeweihtenwissen geschöpft
hat, wird uns bewusst.
Jetzt in der 5. E-
In diesem Zeitalter nach Atlantis, das dem nach Lemuria folgte, einem Kontinent
poche, im 5. „Zeit-
bei Australien, gibt es nun 7 so genannte „Kulturepochen“. Diese entsprechen alter“ =
nun genau den Platonischen Zeitaltern von jeweils 2160 Jahren. Hier befinden
wir uns in der 5. Epoche. Heutzutage wird behauptet, wir seien im Wassermann- Bewusstseinssee-
zeitalter angekommen, nach Steiner und anderen Forschern sind wir erst im Fi- lenzeitalter.
sche-Zeitalter.
Alles begann in
Diese wird die „5. nachatlantische Epoche“ genannt. Alle diese Zeitalter dienen Indien und des
der Förderung eines bestimmten Wesensgliedes des Menschen. endet in Südame-
Entscheidend für uns ist die Erkenntnis, dass wir uns im Bewusstseinsseelen- rika.
zeitalter befinden. Alles, was um uns und in uns geschieht, ist diesem höheren
Dazwischen die
Zweck und Ziel untergeordnet. Das ist der Grund, warum wir heute alle von „Be- russisch-slawische
wusstsein“ sprechen. Epoche.
Die Zeit der Griechen und Römer davor war die Zeit der Verstandesseele. Des-
halb wurde in dieser Zeit die Logik erfunden. Die Zeit der Ägypter war die der
Daher aufmerk-
Empfindungsseele, usw.
sam sein auf das
Jeweils eine Kultur ist spezieller Träger der Entwicklung. Die erste Kultur nach Sehnen nach In-
Atlantis war eben die der alten Inder mit ihrer vedischen Kultur. Die „Rishis“ die dien, den Maya-
Seher, stehen stellvertretend dafür. Danach folgte die persische mit der Trägerfi- Kalender und die
russische Revolu-
gur des großen eingeweihten Zarathustra. Dann folgte die ägyptische, für die
tion.
Hermes und Moses als die großen Geister stehen.

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
In die Mitte der griechischen Epoche fällt das Christus-Ereignis, das gleichzeitig
die gesamte Evolution in zwei Hälften teilt. Daran ist die große Bedeutung dieses
einmaligen Ereignisses zu ersehen.

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Inkarnationen Lebenszustände Zeitalter
der Erde Runden „Rassen“
Bewusstseins- Formzustände Kulturepochen
zustände Globen
Ebene d. Verdichtung

( 4. Erde )
1. Saturn - Trance 1. Elementarreich 1. Arupa 1. Rasse 1 1. Indien
höhergeistig Polarisch Rishis/Veda
2. Sonne - Schlaf 2. Elementarreich 2. Rupa 2. Hyperboräisch 2. Persien
niedergeistig Zarathustra
3. Mond - Traum 3. Elementarreich 3. astral 3. Lemurisch 3. Ägypten/Babyl.
Moses/Hermes
4. Erde - Wachen Mineralreich 4. physisch 4. Atlantisch 4. Griech./Röm.
5. Jupiter - Imagination Pflanzenreich 5. astral 5. Nachatlantisch 5. german.-anglo-
Arisch amerikanisch
6. Venus - Inspiration Tierreich 6. Rupa 6. Wurzelrasse 6. slawisch

7. Vulkan - Intuition Menschenreich 7. Arupa 7. Wuzelrasse 7.südamerika-


nisch

Trägerkultur heu-
Bild 8: Die kosmische Evolution als Schema te: England, Mit-
teleuropa, Ameri-
ka.
Die Trägerkultur der 5. Epoche ist Europa mit England und Amerika. Hier wird
der Materialismus seine stärkste Ausprägung erfahren, verbunden mit all seinen Amerika hat Auf-
Gefahren. Amerika muss eine Weltführerschaft übernehmen, kann sie aber völlig gabe der Weltfüh-
falsch orientieren, was wohl derzeit geschieht. rung, kann sie a-
ber missbrauchen.
Die nächste Trägerkultur wird das slawische Gebiet sein, die „russische Seele“,
die einen tiefen christlichen Impuls in sich trägt. Dann folgt die
„slawische“ Kultur
als Hauptträger.
Dies soll uns als Überblick zunächst ausreichen. Wir werden immer wieder dar-
auf zurückkommen und Bezug darauf nehmen. An dieser Stelle sollte vorerst der
große Überblick gegeben werden.

Zusammenfassender Block – ihre eigenen Notizen

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13 Die geistige Hierarchie

Um diese Evolution zu verstehen benötigen wir noch ein großes Thema, das der Es gibt bereits ei-
geistigen Hierarchie. Hinter all dem Geschehen müssen überall geistige Wesen ne „Weltregie-
wirken und nachdem es sich hier um kosmische Dimensionen handelt, müssen rung“, aber sie ist
es mächtige Wesen sein. geistig.
Es zeigt sich nun, dass auch die geistige Welt hierarchisch gegliedert ist, was seit
langer Zeit bekannt ist. In (1 und 4) wird ausführlicher auf die Informationen aus
dem Christentum dazu eingegangen.
In der „Geheimwissenschaft“ beschreibt Steiner relativ ausführlich, welche ein-
Jeder Mensch hat
zelne Wesen wie im Kosmos wirken und gewirkt haben. Für uns zunächst nahe
einen begleiten-
stehend und vertraut sind die „Engel“, die „Angeloi“, die „Boten Gottes“. Jedem den Engel.
Menschen ist offenbar ein solches Wesen als Begleiter und Beschützer zur Seite
gestellt. Er begleitet uns über alle Inkarnationen. Ein Engel betreut also einen Wir tragen auch
einzelnen Menschen. Übrigens hängt auch die Entwicklung des Engels von unse- Verantwortung für
rer Entwicklung ab. Daraus resultiert eine Verantwortung gegenüber unserem dieses Wesen!
Schutzengel.
Die nächste und eine Stufe höherer – und höher bedeutet wie bei Mensch und
Tier auch, dass ein weiters Wesensglied entwickelt ist – stehen die Erzengel.
Während die Engel das Geistselbst voll entwickelt haben, ist es bei den Erzen-
geln der Lebensgeist. Ein Erzengel, „Archangeloi“ dient einem ganzen Volk. Er ist Erzengel sind u. a.
Volksgeister.
ein Volksgeist und ist auch zuständig für die Sprache eines Volkes. Durch unsere
Sprache drücken wir gewissermaßen einen Erzengel aus.
Das Wort Archangeloi bedeutet „Bote der „Archai“, das heißt Bote der nächst hö- Die Archai sind die
heren Wesen. Die Archai, von den die „Archetypen“ abstammen, die als die “Ur- Zeitgeister.
beginne“ auch in der Bibel vorkommen, sind zuständig für eine ganze Mensch-
heitsepoche als wahre und reelle „Zeitgeister“.
Eine Stufe darüber stehen die für uns so wichtigen Elohim (Exusiai), die im ers- Die Elohim sind
ten Satz des Alten Testaments vorkommen. wir werden ausführlich auf zwei von unsere Schöpfer-
ihnen zurückkommen. götter.

Für die Dynamik und Bewegung von Planten und Sternen sind die Dynamis zu-
ständig und für die Weisheit in der Schöpfung die Kyriotetes.
Darüber nun wirken jene mächtigen Wesen, die unser Erde „im Inneren zusam- Sie zusammen mit
den noch höheren
menhalten“, die „Throne“, die mächtigen Geister des Willens. Darüber stehen
Wesen
noch die uns aus der Bibel bekannten Cherubim und Seraphim. Die letzteren
stehen einzig vor dem „Angesichte Gottes“.

haben diese ge-


Alle diese Wesen sind letztlich Teil unseres Wesens, auch wenn manche uns samte Schöpfung
sehr nah und andere sehr fern stehen. Wichtig ist zu erfassen – im Denken und hervorgebracht.
Fühlen – dass sie unsere geistigen Nachbarn und auch Führer sind. Sie führen
uns überall da, wo wir noch nicht „selber“ können. Die wohl beste Haltung ihnen
gegenüber ist Dankbarkeit, Ehrfrucht und Demut. Denn sie sind es miteinander,
die diesen gesamten Kosmos und auch uns hervorgebracht haben, mit einem
großen Ziel, nach dem Plane Gottes, der sich in den Zyklen offenbart.

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Mit ihnen immer mehr zusammen zu arbeiten ist das Ziel. Sie sind unser Verbün-
deten. Aus ihren Reihen haben sich aber auch Wesen auf einen anderen Weg
begeben. Auch sie werden wir noch kennen lernen und ihre Aufgabe in dem
kosmischen Spiel. Mit dieser Übersicht wollen wir uns in diesem Lehrheft begnü-
gen. Es sollte ein großer Überblick und Zusammenhang dargestellt werden, mit
dem wir in der Folge arbeiten können.

Bild 7: Die geistige Hierarchie


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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Bilder aus der Kuppel des Baptisteriums in Florenz, Taufkirche des Doms
Die gesamte Hierarchie (aus http://12koerbe.de/mosaiken/baptist2.html)

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
14 Die Macht unseres Denkens, Teil 2 - Wie denke ich richtig?

Wir haben in Lehrheft 1 und in dem Seminar 1 zwei fundamentale Übungen be-
handelt. Sie betreffen die Kompetenzen „Ich-Stärkung“, „klares Denken“ und
„Selbstehrlichkeit“. Die letzten Kompetenzen und die „Liebe zur Wahrheit“ dieses
Seminars werden im Laufe des Kurses weiter gestärkt. Das „Was des Denkens“
ist für uns „Die Macht des Denkens 1“.
Nun folgt die zweite Übung für unser Denken. Sie ist die „Die Macht des Denkens
2“, die wir in Lehrheft 3 vertiefen werden. Die erste Denkübung „Was wir denken“
ist eine, die wir jeden Tag, jede Stunde, jede Minute jede Sekunde üben können.
Sie wird einer unserer beständigen Wegbegleiter sein, die uns auch ständig
Freude machen wird. Denn es gibt kein schöneres Gefühl, als wieder eine Er-
kenntnis zu bekommen, etwas erkannt zu haben, wieder eine Schliche entdeckt
zu haben, mit denen wir uns selber hereinlegen, oder eine tiefe Erkenntnis über
Gott und die Welt gefunden zu haben, oder eine falsche korrigiert zu haben. Das
ist ein beständiges Wachstum, das uns begleiten wird und das uns immer glück-
licher werden lässt. Es mag sein, dass wir auf diesem Wege viele bewusste Ent-
täuschungen erleben. Wir beseitigen unsere Täuschungen aber selber, enttäu-
schen uns selbst, als dass es das Leben schmerzvoll machen muss. Nach dem WAS
etwas über das
Die zweite Übung ist eine, die uns später auch beständig zum Begleiter wird, die WIE des Denkens.
wir aber erst in stiller Umgebung und in Ruhe üben müssen. Hier geht es darum,
wie wir denken und dass wir weitere Herrschaft über unser Denken erhalten.
Dies werden wir im Kursteil über Wahrheit intensiv bearbeiten und es wird uns
auch in jedem Moment begleiten, denn ohne das richtige Denken kommen wir
nicht weiter, ohne die Logik, die wir noch intensiv behandeln werden.
Wenn wir unsere wissenschaftlichen Erfolge betrachten, dann erkennen wir, das
sie den Gesetzen der Natur draußen und den Gesetzen der Logik in unserem
Denken folgen. So wie wir die vorhergehenden Themen in spiritueller Hinsicht im
Laufe des Kurses vertiefen werden, so werden wir das auch mit der Logik tun, je-
nem Wunderinstrument unseres Geistes, das Aristoteles erstmalig entdeckt hat
und das wir jeden Tag, jede Minute anwenden, ohne dass uns dieses Wunder
bewusst ist. Wir aber wollen es uns bewusst machen und uns schulen, so dass
wir auf diesem Instrument spielen können wie auf einem Musikinstrument. Auch unser Den-
Was bedeuten Logik und Naturgesetze, die eng in Verbindung stehen, was ist ken folgt Geset-
zen.
Geheimnis der Logik? Sie bedeuten, dass alles in der Natur nach Regeln Dabei
Gesetzmäßigkeiten erfolgt (wir sprachen bereits von den zwei Notwendigkeiten
des Körpers und des Geistes). Diese Regeln gelten nun auch für unser Denken.
Denken wir nach den Gesetzen der Logik, dann liegen wir richtig, ansonsten
falsch. Das alles wissen wir und wissen es nicht nur aus unserer eigenen Erfah-
rung, sondern auch aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Nach den Gesetzen der Logik zu denken bedeutet „korrekt denken“.

Diese Gesetze haben wir in diesem Kursteil genauer betrachtet. Hier geht es
nicht mehr um den Inhalt des Denkens, das „Was“, sondern um die Form des

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Denkens, das „Wie“. Diese Fähigkeit wollen wir durch eine spezielle innere Ü-
bung verstärken und dabei eine zweite Übung für unsere Freiheit! kennen lernen.
Es wird sich bei der folgenden Übung darum drehen, unseren Geist so unter un-
sere Herrschaft zu bringen, dass wir folgerichtig denken. Wir erinnern an unsere
erste kleine Übung der Stille. Dabei ging es ja darum, uns selbst zu erfahren, un-
ser eigenes Selbst, den Denker. Durch diese Übung stärken wir den Denker.
Denn er muss es ja sein, der das Denken lernen muss zu kontrollieren. So er-
kennen wir die Wichtigkeit dieser Art der stillen Meditation. Die folgende Übung
wird den Denker auch stärken, aber auf eine andere Art und Weise. Diese Übung
entspricht dem Ziel dieses geistigen Lehrers und Denkers. Mit dieser Übung fes-
tigen wir unsere seelischen Strukturen und die des Geistes. Wir bekommen auch
mehr Sicherheit im Leben, weil wir beginnen, ein Stück Meisterschaft über uns, Die 1. der 6 Übun-
unser Leben und den Kosmos zu erringen. gen.

Die Übung, so wie wir sie empfehlen, stammt von Rudolf Steiner. Sie ist eine von
sechs Übungen. Wir werden an späterer Stelle wie erwähnt, den spirituellen Zu-
sammenhang dazu vertiefen. Es geht um Kon-
trolle des Verlau-
Folgende leicht unterschiedliche Aspekte im Denken sind dabei zu verstehen: fes des Denkens.

• Gedankenkontrolle
• Regelung des Gedankenlaufes
• Herrschaft über die Gedankenführung
• Sachlichkeit
• Gedankenkonzentration
• Klares Denken.

„Die erste Bedingung ist die Aneignung eines vollkommen klaren Denkens.
Man muss sich zu diesem Zwecke, wenn auch nur eine ganz kurze Zeit des
Tages, etwa fünf Minuten (je mehr, desto besser) freimachen von dem Irrlich-
telieren der Gedanken. Man muss Herr in seiner Gedankenwelt werden. Man
ist nicht Herr, wenn äußere Verhältnisse, Beruf, irgendwelche Tradition, ge-
sellschaftliche Verhältnisse, ja selbst die Zugehörigkeit zu einem gewissen
Volkstum usw., usw., bestimmen, dass man einen Gedanken hat, und wie
man ihn ausspinnt.
Man muss sich also in obiger Zeit ganz nach freiem Willen leer machen in der
Seele von dem gewöhnlichen, alltäglichen Gedankenablauf und sich aus ei-
gener Initiative einen Gedanken in den Mittelpunkt der Seele rücken. Nimm einen wenig
wichtigen Gedan-
Man braucht nicht zu glauben, dass dies ein hervorragender oder interessan-
ken.
ter Gedanken sein muss; was in spiritueller Beziehung erreicht werden soll,
wird sogar besser erreicht, wenn man anfangs sich bestrebt, einen möglichst
uninteressanten und unbedeutenden Gedanken zu wählen.
Dadurch wird die selbsttätige Kraft des Denkens, auf die es ankommt, mehr
erregt, während es bei einem Gedanken, der interessant ist, dieser selbst das
Denken fortreißt. Es ist besser, wenn diese Bedingung der Gedankenkontrolle
mit einer Stecknadel, als mit Napoleon dem Großen vorgenommen wird.
Der Gedanke soll dabei am Ende des Zeitraumes noch ebenso farbenvoll und
lebhaft vor der Seele stehen wie am Anfang. Man mache diese Übung Tag für

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
Tag, mindestens einen Monat hindurch; man kann jeden Tag einen neuen
Gedanken vornehmen. Man kann aber auch einen Gedanken mehrere Tage
festhalten.
Am Ende einer solchen Übung versuche man, das innere Gefühl von Festig- Bewusstes Lenken
keit und Sicherheit, das man bei subtiler Aufmerksamkeit auf die eigene Seele von Gefühlsstrom
bald bemerken wird, sich voll zum Bewusstsein bringen, und dann beschließe vom Vorderhaupt
man die Übungen dadurch, dass man an sein Haupt und an die Mitte des Rü- über Hinterkopf ins
Rückenmark.
ckens (Hirn und Rückenmark) denkt, sowie man jenes Gefühl in diesen Kör-
perteil hineingießen wollte.“ 267
Die Übung hängt
Beim nächsten Text bekommen wir einen Hinweis auf die so genannten Chakras, mit den Chakras
die mit den Übungen in Verbindung stehen. Das sechzehnblättrige ist das Kehl- zusammen.
kopfchakra, das zwölfblättrige das Herzchakra:

„Das Erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die
Regelung seines Gedankenlaufes (die so genannte Gedankenkontrolle). So
wie die sechzehnblättrige Lotusblume durch wahre, bedeutungsvolle Gedan-
ken zur Entwicklung kommt, so die zwölfblättrige durch innere Beherrschung
des Gedankenverlaufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer,
logischer Weise, sondern rein zufällig aneinandergefügt sind, verderben die
Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je
mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto mehr erhält
dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geistesschüler un- Wie gehe ich rich-
logische Gedanken, so lässt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf ge- tig mit Logik und
hen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Umgebung entzie- Unlogik um?
hen, um seine Entwicklung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich
fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird
viel mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden
Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt
sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten.“ 10

Es ist hier bereits eine weitere wichtige Schulung beinhaltet: die Beherrschung
der eigenen Logik, ihre Kontrolle. Es kann nämlich passieren, dass man bei ge-
schulter Logik zu stark nach außen kritisiert. Hier ist Kontrolle angesagt.
Diese Übung, so einfach sie klingt, ist von ganz zentraler Bedeutung und beinhal-
tet mehrere Aspekte. Sie ist vor allem einer der großen Schlüssel zu unserer
Freiheit! Eine weitere Beschreibung von Steiner ist wie folgt: Mindestens 5 Mi-
nuten täglich für
einen Monat.
„Wenigstens fünf Minuten soll man sich täglich freimachen und über einen mög-
lichst unbedeutenden Gedanken, der einen von vornherein gar nicht interes-
siert, nachdenken, indem man logisch alles aneinanderknüpft, was sich über
den Gegenstand denken lässt. Es ist wichtig, dass es ein unbedeutender Ge-
genstand sei, denn gerade der Zwang, den man sich dann antun muss, um lan-
ge bei ihm zu verharren, ist es, der die schlummernden Fähigkeiten der Seele
weckt. Gefühl von Festig-
keit strömen las-
Nach einiger Zeit bemerkt man dann in der Seele ein Gefühl von Festigkeit und sen.
Sicherheit. Nun muss man sich aber nicht vorstellen, dass dies Gefühl einen

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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
ganz heftig überrumpele. Nein, es ist dies ein ganz feines, subtiles Gefühl, das
man erlauschen muss. Diejenigen, die behaupten, die könnten dies Gefühl nicht
in sich verspüren, gleichen zumeist denen, die ausgehen, um unter vielen Ge-
genständen einen ganz kleinen, feinen Gegenstand zu suchen. Sie suchen
zwar, aber nur so obenhin, und da können sie den kleinen Gegenstand nicht Wie Strahlen.
finden, sondern übersehen ihn. Ganz still in sich hineinlauschen muss man,
dann empfindet man dies Gefühl, und zwar tritt es hauptsächlich am vorderen
Teil des Kopfes auf. Hat man es dort verspürt, so gießt man es in Gedanken ins
Gehirn und ins Rückenmark. Allmählich meint man dann, es gingen Strahlen
von Vorderkopf aus bis ins Rückenmark hinein.“ 266a

Diese Thematik hat noch einen anderen Zusammenhang, nämlich die Sachlich-
keit, die wir zu lernen haben, um nicht durch unsere Gefühle in unseren Urteilen Schulung der
getrübt zu werden: Sachlichkeit!

„Was dem Denken des Menschen für die Geistesschulung vor allem notwendig
ist, das ist Sachlichkeit. In der physisch-sinnlichen Welt ist das Leben der große
Lehrmeister für das menschliche Ich zur Sachlichkeit. Wollte die Seele in belie-
biger Weise die Gedanken hin und her schweifen lassen: sie müsste alsbald
sich von dem Leben korrigieren lassen, wenn sie mit ihm nicht in Konflikt kom-
men wollte. Die Seele muss entsprechend dem Verlauf der Tatsachen des Le-
bens denken. Wenn nun der Mensch die Aufmerksamkeit von der physisch-
sinnlichen Welt ablenkt, so fehlt ihm die Zwangskorrektur der letzteren. Ist dann
sein Denken nicht imstande, sein eigener Korrektor zu sein, so muss es ins Irr-
lichtelieren kommen. Deshalb muss das Denken des Geistesschülers sich so
üben, dass es sich selber Richtung und Ziel geben kann.
Innere Festigkeit und die Fähigkeit, streng bei einem Gegenstande zu bleiben,
das ist, was das Denken in sich selbst heranziehen muss. Deshalb sollen ent-
sprechende «Denkübungen» nicht an fern liegenden und komplizierten Ge-
genständen vorgenommen werden, sondern an einfachen und nahe liegenden.
Wer sich überwindet, durch Monate hindurch täglich wenigstens fünf Minuten
seine Gedanken an einen alltäglichen Gegenstand (z. B. eine Stecknadel, einen
Bleistift usw.) zu wenden und während dieser Zeit alle Gedanken auszuschlie-
ßen, welche nicht mit diesem Gegenstande zusammenhängen, der hat nach
dieser Richtung hin viel getan. (Man kann täglich einen neuen Gegenstand be-
denken oder mehrere Tage einen festhalten.)
Auch derjenige, welcher sich als «Denker» durch wissenschaftliche Schulung
fühlt, sollte es nicht verschmähen, sich in solcher Art für die Geistesschulung
«reif» zu machen. Denn wenn man eine Zeitlang die Gedanken heftet an etwas,
was einem ganz bekannt ist, so kann man sicher sein, dass man sachgemäß
denkt. Wer sich fragt: Welche Bestandteile setzen einen Bleistift zusammen?
Wie werden die Materialien zu dem Bleistift vorgearbeitet? Wie werden sie
nachher zusammengefügt? Wann wurden die Bleistifte erfunden? usw. usw.:
Ein solcher passt seine Vorstellungen sicher mehr der Wirklichkeit an als derje-
nige, der darüber nachdenkt, wie die Abstammung des Menschen ist oder was
das Leben ist. Man lernt durch einfache Denkübungen für ein sachgemäßes
Vorstellen gegenüber der geistigen Welt mehr als durch komplizierte und ge-
lehrte Ideen. Denn zunächst handelt es sich gar nicht darum, über dieses oder
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jenes zu denken, sondern sachgemäß durch innere Kraft zu denken. Hat man
sich die Sachgemäßheit anerzogen an einem leicht überschaubaren sinnlich-
physischen Vorgang, dann gewöhnt sich das Denken daran, auch sachgemäß
sein zu wollen, wenn es sich nicht durch die physisch-sinnliche Welt und ihre
Gesetze beherrscht fühlt. Und man gewöhnt es sich ab, unsachgemäß die Ge-
danken schwärmen zu lassen.“ 13

Auch eine gesundende Wirkung auf den Körper hat die Übung. Steiner gibt uns
dazu auch wertvolle Hinweise, wie sehr wir doch getrieben sind von der Realität
und dass wir uns für die geistige Welt davon frei machen können und müssen.
Wir sind natürli-
cherweise Getrie-
„Kontrolle der Gedankenwelt erreicht man, wenn man sich bemüht, dem Irr- bene.
lichtelieren der Gedanken und Empfindungen, die beim gewöhnlichen Men-
schen immer auf- und abwogen, entgegenzuarbeiten. Im alltäglichen Leben ist
der Mensch nicht der Führer seiner Gedanken; sondern er wird von ihnen ge-
trieben. Das kann natürlich auch gar nicht anders sein. Denn das Leben treibt
den Menschen. Und er muss als ein Wirkender sich diesem Treiben des Le-
bens überlassen. Während des gewöhnlichen Lebens wird das gar nicht an-
ders sein können.
Will man aber in eine höhere Welt aufsteigen, so muss man sich wenigstens
ganz kurze Zeiten aussondern, in denen man sich zum Herrn seiner Gedan-
ken- und Empfindungswelt macht. Man stellt da einen Gedanken aus völliger
innerer Freiheit in den Mittelpunkt seiner Seele, während sich sonst die Vor- Stärkung des Kör-
stellungen von außen aufdrängen. Dann versucht man alle aufsteigenden Ge- pers.
danken und Gefühle fernzuhalten und nur das mit dem ersten Gedanken zu
verbinden, von dem man selbst will, dass es dazu gehöre. Eine solche Übung
wirkt wohltätig auf die Seele und dadurch auch auf den Leib. Sie bringt den
letzteren in eine solche harmonische Verfassung, dass er sich schädlichen
Einflüssen entzieht, wenn die Seele auch nicht unmittelbar auf ihn wirkt.“
12

Diese Übung zu verstehen ist sehr wichtig weil wir nur daraus die Motivation ge-
winnen können, die durchzuführen: Es kommt auf die
Überwindung an.
„Wenn es heißt: Du musst dich hinsetzen, einen gewöhnlichen Gedanken Diese bewirkt eine
innere Kraft in uns.
nehmen und keinen anderen Gedanken zulassen, ihn mit Abweisung aller an-
deren Gedanken möglichst intensiv denken -, so muss der Mensch eine ge-
wisse innere Überwindung aufwenden. Auf diese Überwindung kommt es an.
Nicht der Gegenstand soll da interessieren und fesseln. Leicht ist es
zum Beispiel, an Napoleon zu denken, sehr schwer aber durch längere Zeit
ununterbrochen an ein Zündhölzchen etwa zu denken. Das ist das ganz We-
sentliche dabei. Dann werden Sie schon sehen, wie Sie nach einiger Zeit ei-
ne gewisse innere Kraft und Sicherheit erhalten. Man fühlt dann schon an ei- Das Strömen der
nem inneren Erlebnis, ob es seine Wirkung getan hat.“ 98 Kraft wie wenn wir
Wasser strömen
Wichtig wäre, dass wir diese Übung regelmäßig für mindestens einen Monat ma- lassen.
chen, auch um die danach folgenden Übungen gut folgen lassen zu können. Die
Übung wirkt nur über ihre Regelmäßigkeit. Für diejenigen, die an den Seminaren
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Lehrheft 2 – Spirituelle Kosmologie und Reinkarnation
teilnehmen, sei gesagt, dass wir die Technik der Aufmerksamkeit, die wir auch in
der Meditation der Stille üben, in dieser Übung benötigen. Diese beiden gehen
daher ineinander über, auch wenn sie andere Ziele haben.

Das Wesentliche dieser Übung ist die Anstrengung. Diese weckt innere Kräfte. Die Anstrengung
Es ist auch nicht unbedingt eine wohltuende Übung! Es geht auch nicht um macht es!
Wohlbefinden, sondern um Entwicklung. Steiner meint dazu auch noch:

„Je mehr Ihr Euch anstrengen und überwinden müsst, je besser ist es.
Es ist derselbe Fall, wie damals, als das Auge entstand!
Fünf Minuten einen Gegenstand festhalten, der einen nicht interessiert, darauf
kommt es an. Da seid ihr froh, wenn Ihr ihn fallen lassen dürft.“ 266a

Noch ein weiterer Hinweis zeigt uns den Umfang der Wirkungen dieser einfachen und
doch so schweren Übung. Es geht um die Entwicklung der Fähigkeit, sich selber als
Körper betrachten, also aus ihm heraustreten zu können: Das Austreten aus
dem Körper wird
„Woher kommt es denn, dass man seinen physischen Körper so wenig kennt? vorbereitet.
Weil man in ihm lebt und ihn nur empfindungsmäßig wahrnimmt. Man sieht mit
dem Auge, daher kann man es nicht beobachten. Der Esoteriker muss dazu
gelangen, sich mit seinem Geistig-Seelischen zurückzuziehen, frei zu machen
vom Physischen. Dann wird es ihm gelingen, seinen physischen Körper zu
beobachten. Es verhilft uns dazu, wenn wir unsere Gedanken möglichst auf
einen Punkt zusammenziehen, konzentrieren und in diesem Punkt dann unter-
tauchen, für eine Zeitlang darin leben. Durch solche Konzentration tritt eine Am besten danach
Verstärkung der Denkkraft ein und durch sie kann man allmählich dahin ge- eine Viertelstunde
warten.
langen, seinen physischen Körper zu beobachten.“ 266c

Rudolf Steiner empfiehlt auch, nach der Übung eine Viertelstunde zu warten, bis wir uns
wieder in unser geschäftiges Treiben stürzen.

Literatur Teil 2

(1) Faszination Rudolf Steiner, Axel Burkart, Hugendubel Verlag 2008


(2) Theosophie, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 9
(3) Die Geheimwissenschaft im Umriss, Steiner, Rudolf, 1910, Rudolf Steiner Verlag, Dornach,
GA 13
(4) Das Große Rudolf Steiner Buch, Axel Burkart, Hugendubel Verlag 2003
(5) Die Belebung des Herzchakra, Lowndes, Florin, Verlag Freies Geistesleben
(6) Seelenübungen mit Wort- und Sinnbild-Meditationen, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag,
Dornach, GA 267
(7) Aus dem Inhalt der Esoterischen Stunden III, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dor-
nach, GA 266a

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(8) Aus dem Inhalt der Esoterischen Stunden I, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach,
GA 266c
(9) Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag,
Dornach, GA 10
(10) Die Stufen der höheren Erkenntnis, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 12
(11) Natur- und Geistwesen, Steiner, Rudolf, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, GA 98

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Anhang 1: Der Big Bang aus neuester Sicht, SPIEGEL 14/2009

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