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EXPERTENSTANDARD

Beziehungsgestaltung in
der Pflege von Menschen
mit Demenz
Inhaltliche Vorstellung

Referent/in: Madeleine Dornhofer


Agenda

• Zielsetzung des Expertenstandards


• Bedeutung von Beziehung und Person-Zentrierung
• Umsetzungsvoraussetzungen in der Einrichtung
• Handlungskompetenzen bei den Pflegefachpersonen
• Identifikation und Erfassung des
Unterstützungsbedarfs bei der Beziehungsgestaltung
• Maßnahmenplanung und -steuerung
• Evaluation und Dokumentation

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Welches Ziel hat dieser Expertenstandard?

Jeder pflegebedürftige Mensch mit Demenz erhält


Angebote zur Beziehungsgestaltung.
Diese erhalten oder fördern das Gefühl,
• Gehört,
• verstanden und
angenommen zu werden
• sowie mit anderen Personen
verbunden zu sein.
(vgl. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz 2018)

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Was bedeutet Beziehung für Menschen
mit Demenz?
• Für Menschen mit Demenz ist Beziehung ein wesentlicher
Faktor zur Beeinflussung ihrer Lebensqualität.
• Menschen mit Demenz sind darauf angewiesen, von den
Menschen in ihrem sozialen Umfeld eine person-stärkende
Resonanz zu erhalten, zur Selbstwahrnehmung.
• Die Beziehung zwischen Menschen mit Demenz und
Pflegenden sowie anderen Menschen in ihrem sozialen
Umfeld kann durch person-zentrierte Interaktion und
Kommunikation erhalten und gefördert werden.
(vgl. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz 2018)

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Beziehungsgestaltung – Beziehungsförderung

person-
zentriert
wert-
schätzend

biografie-
gestützt
lebenswelt wahrnehmungs-
-orientiert fördernd
reorientierend

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Wie zeigt sich die person-zentrierte Haltung?

Die person-zentrierte Haltung in der Pflege fokussiert auf


das Subjekt/die Person:

Wesentlich für „Pflegende haben die Aufgabe,


dieses Beziehungs- u.a. als Hilfs- oder gar Ersatz-Ich
geschehen sind die Person mit Demenz so zu
wechselseitige ergänzen, dass diese möglichst
Anerkennung, das Gefühl beibehalten kann, ein
Vertrauen und gleichberechtigtes Gegenüber zu
Respekt. sein.“

Die Person selbst wird in den Mittelpunkt gerückt.


(Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz 2018, S. 32)

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Wie zeigen sich Wertschätzung und Zuwendung?

• Zusicherung notwendiger Präsenz und Nähe


• Kontinuierliche Beziehungsarbeit/Beziehungsangebote
• Auf subjektive Realitäten wird situationsbezogen
eingegangen.
• Spezifische Maßnahmen:
mit Namen ansprechen, Singen,
Musik, Tanz, Haustiere …
• Soziale Teilhabe wird ermöglicht.
• Familienorientierte Pflege wird gelebt.

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Was versteht man unter Lebensweltorientierung?

• Biografiegeleitete Alltagsgestaltung
• Biografiegestützte Milieugestaltung als
Interaktions- und Kommunikationskatalysator;
d.h., Situationen und Umgebung enthalten einen
Aufforderungscharakter.
• Beziehungsfördernde
Gestaltung des Alltags

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Was ist Wahrnehmungsförderung?

Unterstützung der Sinneswahrnehmung des Menschen


mit Demenz
Wahrnehmungs- und orientierungsfördernde Interaktion
und Kommunikation ist:
• Ansprache über die Sinne zur Orientierung
• Kommunikation auf Augenhöhe
• Einsatz von verbalen Techniken
• Emotionale Kommunikation
• Vermeidung von Destimulation

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Was hält die Einrichtung vor?

• Person-zentriertes Konzept mit Zielgruppenfestlegung


• Person-zentrierte Kompetenzentwicklung bei allen
Mitarbeitenden
• Setting-spezifische Besonderheiten
der Beziehungsförderung und
Beziehungsgestaltung
• Regelungen bezüglich der
person-zentrierten Strukturen
und Prozesse

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Was hält die Einrichtung vor?

• Festlegung von Hinweisen auf erwartbare Ergebnisse


als Teil der Lebensqualität
• Die Einrichtung ermöglicht, dass alle am Pflegeprozess
beteiligten Personen die Beziehungsgestaltung beim
Menschen mit Demenz
gemeinsam reflektieren
können.
• Sicherstellung einer
person-zentrierten
Pflegeorganisation

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Was ermöglicht die Umsetzung beziehungs-
fördernder Angebote in der Einrichtung?

Pflegeberatung: Information, Anleitung und Beratung zu beziehungs-


fördernden Angeboten und deren Einbindung in
Alltagssituationen
Pflegekurse: In der Einrichtung besteht die Möglichkeit zur individuellen
Information, Anleitung und Beratung von Angehörigen
(d.h., es gibt geschützte Räume für ungestörte
Gespräche).
Infomaterial: Es gibt zielgruppenspezifische Materialien über
beziehungsfördernde und -gestaltende Maßnahmen und
weiterführende Angebote für Menschen mit Demenz und
ihre Angehörigen (Beratungsstellen, Kurse …).

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Was tut die Pflegefachperson?

Die Pflegefachperson:
• entwickelt eine person-zentrierte Haltung in der Pflege von
Menschen mit Demenz.
• kann Menschen mit Demenz identifizieren.
• kennt die Bedürfnisse, Vorlieben und daraus abzuleitenden
Bedarfe des Menschen mit Demenz.
• kann basierend auf den biografischen, lebensweltlichen,
pflegerischen und gesundheitsbezogenen Informationen den
Unterstützungsbedarf bei der Beziehungsgestaltung des
Menschen mit Demenz wahrnehmen, beschreiben und
einordnen.

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Was tut die Pflegefachperson?

Die Pflegefachperson:
• entwickelt Ziele und geeignete Maßnahmen zur Unterstützung
des Menschen mit Demenz in seiner Beziehungsgestaltung.
• kann beziehungsfördernde und -gestaltende Interventionen
lebensweltlich planen, gewährleisten und koordinieren.
• unterstützt ggf. die anderen Personen, die auch an der Pflege
und Betreuung des an Demenz erkrankten Menschen beteiligt
sind.

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Erfassung der Unterstützungsbedarfe in
der Beziehungsgestaltung:

Wann? • zu Beginn des pflegerischen Auftrags


• anlassbezogen
Mit wem? • dem Menschen mit Demenz
• Angehörigen/Familie/Freunden
• beteiligten Berufsgruppen
Wie? • kriteriengeleitet
• lebensweltlich
• biografiegestützt

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Nach folgenden Kriterien werden die
Unterstützungsbedarfe erfasst:
• Komplexe Aufmerksamkeit
• Lernen und Gedächtnis
• Exekutive Funktionen
• Sprache
• Perzeptuelle motorische
Fähigkeiten
• Soziale Kognition

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Was ist die Verstehenshypothese?

Die Verstehenshypothese ist eine sinnhafte, logische


Synthese der zur Verfügung stehenden Informationen
unter der Berücksichtigung folgender Fragestellungen:

Wie erlebt die Person sich selbst, andere Menschen und ihre Welt?
Aus welchem Denken, Fühlen und Erleben heraus ergeben die Verhaltens-
weisen, Befindlichkeiten und Erscheinungsweisen einen subjektiven Sinn?
Was ist die Funktion von Verhaltensweisen, was wird mit dem Verhalten
kompensiert, auf welche inneren Antriebe, Fragen und Themen ist das
Verhalten eine Antwort?

(vgl. Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz 2018)

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Was leistet die Maßnahmenplanung?

• Die Maßnahmenplanung ist person-zentriert.


• Sie basiert auf den festgestellten Unterstützungs-
bedarfen und möglichen fluktuierenden Zuständen.
• Die vorliegende Maßnahmen-
planung ist allen an der Pflege
beteiligten Personen bekannt.

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Fallbezogene Partnerarbeit 30 min:

1. Suchen Sie zu zweit einen Bewohner aus, dessen


Unterstützungsbedarf in der Beziehungsgestaltung Sie
ermitteln wollen.
2. Erfassen Sie Unterstützungsbedarfe bei der Beziehungs-
gestaltung anhand der sechs Kriterien in der Tabelle.
3. Formulieren Sie gemeinsam eine Verstehenshypothese
für ihren Bewohner.
4. Planen Sie gemeinsam mögliche Maßnahmen für den
Bewohner, durch die er in seiner Beziehungsgestaltung
passgenau unterstützt wird.

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Pflege mit beziehungsfördernden und
-gestaltenden Angeboten:
• reagiert situationsangemessen auf subjektive Realitäten
von Menschen mit Demenz.
• ermöglicht die soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz.
• gestaltet einen lebendigen, gemeinsamen Alltag.
• bindet das Wissen über das Erleben, das Reagieren sowie
die Fähigkeiten und die Eigenaktivitäten im Alltag ein.

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Wie zeigt sich die Angehörigenarbeit?

Die Angehörigen werden mit ihren Kompetenzen und


Ressourcen in den Pflegeprozess einbezogen.
Die Angehörigen erfahren und erkennen die person-
zentrierte Haltung in der Gestaltung der Interaktionen
und der Kommunikation.
Ggf. wird gemeinsam das Verhalten
des Menschen mit Demenz
person-zentriert übersetzt.

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Wie wird evaluiert?

Die Pflegefachperson überprüft kontinuierlich die


Wirksamkeit der beziehungsfördernden und -gestaltenden
Maßnahmen.
In Absprache mit dem Menschen mit Demenz, seinen
Angehörigen und allen an der Pflege beteiligten Personen
werden ggf. notwendige Änderungen im Maßnahmenplan
aufgenommen.

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Welche Evaluationsfaktoren werden einbezogen?

Beobachtbare Verhaltensweisen und Zustände:


• Stimmung und Affekte
• Beziehung und Interaktion
• Betätigung und
Eingebundensein
• Gefühl von Sicherheit
und Geborgenheit

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Dokumentationsprozessschritte:

Einschätzung
Unterstützungsbedarf zur
Beziehungsgestaltung

Evaluation + Person Planung + Koordination von


Reflexion
mit beziehungsfördernden und
-gestaltenden Maßnahmen
Demenz

Angehörigen-
einbeziehung

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Dokumentation des Prozesses der
beziehungsfördernden Interventionen
Prozessschritte: Inhalte der Dokumentation:
Identifizierung von Menschen mit Übernahme der ärztlichen Diagnosen;
Demenz und Einschätzung der bei fehlender Demenzdiagnose mit
Unterstützungsbedarfe in der Demenzsymptomen werden diese
Beziehungsgestaltung beschrieben. Dokumentation der Ein-
leitung des diagnostischen Prozesses
beim Hausarzt oder Facharzt
Planung und Koordination von Die Dokumentation enthält systematische
beziehungsfördernden und und konkretisierende Hinweise auf mit der
-gestaltenden Maßnahmen Demenz einhergehende Unterstützungs-
bedarfe in der Beziehungsgestaltung,
entsprechend der Dauer und dem Anlass
des pflegerischen Auftrags.

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Dokumentation des Prozesses der
beziehungsfördernden Interventionen

Prozessschritte: Inhalte der Dokumentation:


Angehörigenberatung – Anleitung Verschriftlichung der Angehörigenarbeit;
– Informationen die angebotenen Maßnahmen und das
Ergebnis der Beratung werden
dokumentiert (entweder in einem
gesonderten Beratungsblatt oder in der
laufenden Dokumentation).
Wissen und Kompetenzen zur Bericht schreiben und ggf. neue
Evaluation beziehungsfördernder Maßnahmenänderungen einpflegen
und -gestaltender Maßnahmen

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