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KATERYNA

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»QUA
QUASI UNA FANTASIA KATERYNA TITOVA
Klavier/Piano

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Jan Václav Vořišek (1791–1825)


Fantasie fis-Moll op. 28 „Sonate écossaise“ Sonata quasi una fantasia b-Moll op. 20
[01] Con moto agitato . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 04:25 [11] Allegro con brio. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 04:24
[02] Allegro con moto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 02:30 [12] Allegro. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05:06
[03] Presto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05:47 [13] Allegro con brio. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 03:08

Ludwig van Beethoven (1770–1827) Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1871–1915)


Sonate für Klavier Es-Dur op. 27 Nr. 1 „Sonata quasi una fantasia“ Sonate für Klavier Nr. 2 gis-Moll op. 19 „Sonate-Fantaisie“
[04] Andante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05:10 [14] Andante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 07:53
[05] Allegro molto vivace . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 02:11 [15] Presto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 03:50
[06] Adagio con espressione . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 03:02
[07] Allegro vivace. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05:28 total . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  69:55

Sonate für Klavier cis-Moll op. 27 Nr. 2 „Sonata quasi una fantasia“
„Mondscheinsonate“
[08] Adagio sostenuto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 05:27
[09] Allegretto. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 02:29
[10] Presto agitato . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 07:38
KATERY NA TITOVA
„Sie ist eine Revoluzzerin: technisch brillant, gegen ern College of Music in Manchester hat sie bei Norma Fisher das Inter-
den Strich gebürstet; kein Punk der Klassik, aber auch national Artist Diploma erworben und an der Imola Piano Academy
nicht ganz die feine Dame. Eine Künstlerin, die Geschich- in Italien bei Prof. Boris Petrushansky studiert. Großen Einfluss auf
te mit den Händen erzählt“, schrieb der MDR anlässlich ihre künstlerische Ausbildung hatte Igor Blagodatov, ein Schüler
der Veröffentlichung der Debüt-CD Kateryna Titovas mit Jacob Milsteins und einer der führenden Pianisten in der Tradition der
Werken von Rachmaninow (Sony Classical, 2009). russischen Klavierschule.
Als Solistin und Kammermusikerin trat Kateryna Titova in ganz Europa,
Die junge Pianistin, die aus der Ukraine stammt, wurde bei Russland, der Ukraine und in den USA auf, mit Orchestern wie dem
zwanzig internationalen Klavierwettbewerben mit einem Netherlands Symphony Orchestra, dem Moscow Symphony Orchestra,
ersten oder zweiten Preis ausgezeichnet, z. B. 2002 beim Ali- dem Wiener Kammerorchester, der Philharmonie der Nationen oder den
cia de Larrocha-Wettbewerb Andorra, 2004 beim Int. Russian Prager Philharmonikern unter der Leitung von Maxim Vengerov. Kon-
Music Piano Competition im kalifornischen San José, 2005 beim zerte brachten sie u. a. zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern,
Int. Rubinstein Piano Competition in Dresden sowie 2008 beim zum Kissinger Sommer und zum Int. Music Festival im portugiesischen
James Mottram Int. Piano Competition in Manchester und 2013 Viana do Castello, in die Semperoper Dresden und die Laeiszhalle
beim Int. Piano Competition „Spanish Composers“ in Madrid. Hamburg, ins Konzerthaus Wien, die Lesinsky Hall Zagreb und die
Kateryna Titova begann mit fünf Jahren, Klavier zu spielen. Sie besuchte Bridgewater Hall in Manchester. Beim Label GENUIN hat sie eine Kam-
in der Ukraine die Kharkov Special Music School, bevor sie ihr Studium mermusik-CD mit dem Oboisten Ramon Ortega Quéro eingespielt.
an der Tschaikowsky Central Music School in Moskau aufnahm. Ab Kateryna Titova war Stipendiatin der Vladimir Spivakov Stiftung Moskau,
2001 setzte sie es in Deutschland fort, zuerst an der Musikhochschule der Oskar und Vera Ritter Stiftung, der Lutz-E. Adolf Stiftung und der
Münster bei Prof. Michael Keller, dann bei Prof. Arkadi Zenzipér an der GWK, deren Förderpreis sie 2002 erhielt, sie wurde zudem von Rotary
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Am Royal North- International gefördert und 2016/17 von der Funk Stiftung unterstützt.
»QUASI UNA FANTASIA«
Fantasie – nur uns Menschen ist sie gegeben, Mein Anliegen, klassische Musik einer breiten, mich Paradebeispiele für äußerste komposi- zu meinen Wurzeln. Das Programm der CD re-
die Fähigkeit, Bilder im Geist zu erschaffen, musikalisch nicht unbedingt vorgebildeten, torische Finesse. Zudem schafft die Tatsache, flektiert so auch ein Stück weit meine Lebens-
die es so in der Wirklichkeit nicht gibt. Ohne aber auch nicht anspruchslosen Hörerschaft dass hier mit der klassischen Form der Kla- geschichte.
Fantasie gäbe es weder Kreativität noch Fort- näherzubringen, bestimmt die Werkauswahl viersonate experimentiert wird, spannende Diese CD widme ich meinem 2016 verstorbenen
schritt, keine Kunst und auch nicht die Liebe! für diese CD. Ich glaube, dass die improvisa- Vergleichsansätze. So beziehen sich Vořišek Freund und wichtigsten Lehrer Igor Blagodatov.
Die Musik, die abstrakteste aller Künste, lebt torische, aus dem freien Fantasieren am Ins- und Mendelssohn auf Beethoven. Hört man War er bei meiner ersten CD-Einspielung mein
im besonderen Maße von ihr. trument hervorgegangene Musik besonders diese Werke hintereinander, wird die Entwick- engster Berater und Mentor, so war er bei der
Seit dem Barock war für viele Komponisten – gut zugänglich ist und dass sie das Interesse lung hin zum romantischen Kompositionsstil Vorbereitung dieser CD irgendwie stets geistig
denken wir etwa an Bach, Mozart, Beethoven, für komplexere musikalische Zusammenhän- erkennbar. Spätromantisch dann Skrjabins präsent. Dank auch an meine lieben Freun-
Chopin – die Improvisation, zumeist das Fanta- ge wecken oder vergrößern kann. Auch wenn zweisätzige Sonate: ihre bildhaft-emotionale dinnen, die wunderbaren Pianistinnen Galina
sieren am Klavier, der kompositorische Aus- die hier von mir ausgewählten Sonaten aus und im wahrsten Sinne fantastische Sprache Chistiakova, Elena Kolesnitschenko und Marina
gangspunkt. Interpretiert dann ein Musiker dem Fantasieren hervorgegangen sind und lässt wohl niemanden kalt. Baranova und an meinen Mann Edgar Wiersocki.
ein aufgeschriebenes oder irgendwie festge- das auch im Titel führen – Beethoven und Aber auch ein ganz persönlicher Aspekt war Ohne ihre moralische und praktische Hilfe
legtes Werk, so braucht auch er seine Fanta- Vořišek haben jeweils eine „Sonata quasi una für mich bei der Auswahl der Stücke wichtig: wäre diese CD nicht zu realisieren gewe-
sie, um das Schriftbild in Klang zu übersetzen. fantasia“, Skrjabin eine „Sonate-Fantaisie“ und Ich wollte die beiden für mich bedeutsamen sen. Last but not least danke ich besonders
Und schließlich entscheidet die Fantasie eines Mendelssohn eine „Fantasie“ geschrieben –, Kulturen verbinden. Seit meiner Übersiedlung herzlich der GWK, dem Tonmeister Philipp
jeden Zuhörers darüber, welche sinnlich-emo- sind die Werke musikalisch vielschichtig, trotz aus Russland habe ich mich nämlich intensiv Nedel, der schon meine erste CD aufgenom-
tionalen Erlebnisse er aus seinen akustischen ihrer Popularität und Eingängigkeit. Gerade mit der Musik Ludwig van Beethovens aus- men hat, der Funk Stiftung und Robert Funk.
Eindrücken zieht. die Sonaten von Beethovens Opus 27 sind für einandergesetzt, mit Skrjabin gehe ich zurück Kateryna Titova
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) hat sich in seiner Jugend provisationsprinzip der Fantasie zurückgreift, wie er es von Mozart und
mit drei Werken an der Klavier-Sonate versucht. Wie etwa auch Schu- vor allem von Carl Philipp Emanuel Bach her kennt. Kompromisslos setzt
mann und Brahms verschloss er sich danach dieser Gattung, bis er sich er auf dieses Prinzip, lässt an seinen kompositorischen Absichten keinen
1828/29 an eine Komposition wagte, die zuerst als „Sonate écossaise“ Zweifel. In ihrer Emotionalisierung und ihrer Entwicklungsausrichtung
in der Familienkorrespondenz der Mendelssohns erwähnt wird. Inspi- auf das Finale ist die Musik vollkommen bezwingend.
riert dazu hat ihn seine Begeisterung für Schottland und die schot- So erscheint besonders in der Es-Dur-Sonate op. 27 Nr. 1 der Finalsatz als
tische Lyrik, die schon seit 1820 währte und die er mit deutschen Höhepunkt im eigentlichen Sonatencharakter. Die einzelnen Sätze sind
Komponistenkollegen, z. B. Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms nicht deutlich voneinander getrennt und gehen „attacca“ ineinander
und Bruch, teilte. Nach einem Aufenthalt in Schottland im Sommer über. Zudem bekommt das kurze Adagio vor dem Schlusssatz eine Art
1829, auf den auch wohl seine Hebriden-Ouvertüre und die 3. Sinfonie Überleitungsfunktion, wie auch später z. B. bei den Sonaten op. 81a „Les
„Die Schottische“ zurückgehen, überarbeitete er 1833 seine „Sonate Adieu“, op. 53 „Waldsteinsonate“ und op. 101. Die innovative Freiheit
écossaise“. Er gab ihr die Form einer Fantasie in drei Sätzen. Diese in dieser Sonate äußert sich schon im Aufbau des Kopfsatzes. In diesem
Fantasie fis-Moll op. 28, heute auch unter dem Beinamen „Schottische Andante. Alabreve-Allegro in Es-Dur mit zwei Liedthemen ist der ein-
Sonate“ bekannt, ist in ihrem Aufbau, langsam – gemäßigt – sehr geschobene Allegro-Mittelteil das einzige kontrastierende Spannungs-
schnell, der Mondscheinsonate von Beethoven durchaus ähnlich. Der element. Der 2. Satz ist ein für Beethoven typisches Scherzo in c-Moll
improvisiert klingende, einem Lied ohne Worte ähnelnde 1. Satz (Con (der Paralleltonart zu Es-Dur). Dieses Allegro molto e vivace in der üb-
moto agitato – Andante) mit seinem harfenähnlichen Vorspiel in den lichen ABA-Form hat dämonische Eck-Teile und sein galoppierendes Trio
ersten Takten, dem Einsatz von bordunähnlichen Effekten, also einem in der Satzmitte ist rhythmisch vertrackt. Der 3. Satz mit seinem klagen-
tieferliegenden Halte-Ton (einem Dudelsack ähnlich), und mit der Har- den Adagio con espressione ist ein kontrastierendes Intermezzo in As-Dur,
monik weiter Akkorde weckt Assoziationen an die schottische Volks- das zum Allegro vivace des Finalsatzes überleitet. Letzterer erscheint
musik. Der dreiteilige 2. Satz in der ABA-Form (Alle-gro con moto) wirkt als Mischung aus einer klassischen Sonatensatzform und einem Rondo.
fast ein wenig barock, erinnert im Mittelteil aber an eine Écossaise, Nach einer kurzen Wiederholung des Adagios in der Haupttonart Es-Dur
einen schottischen Volkstanz. Der letzte Satz (Presto) ist‚ ein typischer endet die Sonate in einer Coda, die das Thema des Satzes zusammenfasst.
Mendelssohn‘: stürmisch, in unaufhörlicher Bewegung, spukhaft wie Die zweite Sonate des Opus 27 ist unter dem Namen „Mondscheinso-
das Scherzo aus seinem Sommernachtstraum und pianistisch brillant. nate“ bekannt geworden, den ihr Ludwig Rellstab, Beethovens Verleger,
nach dessen Tod gegeben hat. Schon zu seinen Lebzeiten war die Sonate
in cis-Moll op. 27 Nr. 2 so populär, dass es Beethoven zu viel wurde und
Mit den beiden Klaviersonaten op. 27, beide als „Sonata quasi una Fanta- er bemerkte, er habe „doch wahrhaft Besseres geschrieben“. Schon die
sia“ betitelt und 1800/01 geschrieben, löst sich Ludwig van Beethoven ungewöhnliche Tonart unterstreicht den Fantasie-Ansatz des Werkes,
(1770–1827) von der klassischen Sonatenform, indem er auf das Im- das vor allem durch seinen träumerisch-verinnerlichten Kopfsatz, ein Ada-
gio sostenuto, berühmt wurde. Interessant ist dabei, dass die Stimmung Der in Ostböhmen geborene Jan Václav Vořišek (1791–1825) ist zu
von den permanenten Triolen der begleitenden Linie geprägt wird. Unrecht außerhalb seines Landes wenig bekannt. Hochbegabt, begann
Diese Akkordbrechungen bilden in genialer Weise auch die Grundlage er schon mit zehn Jahren zu komponieren. Nachdem er in Prag kurz-
des stürmischen letzten Satzes, ein Presto agitato. Im Gegensatz dazu zeitig u. a. Schüler des bekannten tschechischen Komponisten Václav
wirkt das zierliche Allegretto des zweiten Satzes fast wie ein anachro- Jan Tomášek war, ging er 22-jährig nach Wien, um auch Jura zu stu-
nistischer, weltfremder Einwurf aus einer heilen Welt. „Laubensonate“ dieren. Dort begegnete er berühmten Musikern, u. a. Johann Nepomuk
kursierte als Titel des Stücks zu Beethovens Lebzeiten, weil man meinte, Hummel, bei dem er drei Jahre Klavierunterricht nahm. Darin war er so
er habe den 1. Satz in einer Laube improvisiert. Rellstab fühlte sich durch erfolgreich, dass ihm Hummel, als er nach Stuttgart ging, alle seine
den 1. Satz an eine nächtliche Bootsfahrt auf dem Vierwaldstättersee Schüler überließ. Beethoven, den Vořišek persönlich kennengelernt hatte,
erinnert, was zu dem Titel „Mondschein“ führte. Wilhelm von Lenz nahm äußerte sich lobend über sein op. 1, die 12 Rhapsodien für Klavier. Eine
dagegen an, Beethoven habe die Musik an der Bahre eines verstorbe- Begegnung oder gar Freundschaft zwischen Franz Schubert und Vořišek
nen Freundes improvisiert … Wie dem auch sei, die Sonate beeindruckte ist nicht verbürgt. Immerhin aber hat Schubert auf Anraten seines Ver-
Komponisten und Hörergenerationen nach Beethoven in einem schier legers den von Vořišek mit seinem Opus 7 als musikalische Gattung ein-
unvergleichlichen Maß. Franz Liszt meinte sogar, diese Musik sei für seine geführten Begriff des „Impromptus“ für seine acht Kompositionen D 899
Schüler zu anspruchsvoll. Er selbst spielte sie nach Aussage seines und D 935 übernommen. Interessanterweise wurden diese wunderbaren
Schülers Alexander Siloti so beeindruckend, dass dieser sie von keinem Werke Schuberts von Schumann verdächtigt, verkappte viersätzige So-
anderen hören wollte. Dmitri Schostakowitsch schließlich setzte mit naten zu sein, die man nur wegen besserer Verkäuflichkeit als Einzel-
einem Zitat aus dem 1. Satz der „Mondscheinsonate“ in seinem letzten stücke herausgegeben habe. Sie wären in einem solchen Fall ebenfalls
Werk, der Viola-Sonate, Beethoven ein zeitgemäßes Denkmal. Kandidaten für den Titel „Sonata quasi una fantasia“. – Vořišek starb
Im Kompositionsjahr dieser Sonaten bemerkte Beethoven seine zuneh- 34-jährig, noch vor Beethoven. Seine anfängliche Bewunderung für Mo-
mende Hörstörung, was sich als Vorahnung seiner späteren Taubheit zart versperrte ihm nicht die Hinwendung zu den romantischen Ansätzen
1802 in seinem berühmten Heiligenstädter Testament niederschlug. Er eines Beethoven oder Hummel; sogar zur Stilistik von Felix Mendelssohn
war jedoch finanziell durch die Unterstützung seiner Gönner und die Bartholdy sind deutliche Parallelen zu finden.
Auftragslage gut gestellt und hatte sich außerdem in eine seiner Schüle- Seine Klaviersonate b-Moll op. 20 ist ein beredtes Beispiel dafür. Sie war
rinnen, die 20-jährige Gräfin Julie Guicciardi, verliebt, ja sogar an eine ursprünglich viersätzig angelegt. Nach dem frühen Tod des Komponisten
Heirat gedacht. Diese Beziehung beendete allerdings die standesgemäße 1825 fanden sich jedoch nur drei durchkomponierte Sätze. Es fehlte der
Vermählung seiner Geliebten mit einem Grafen. Ihr Name aber ziert sein langsame Teil, welcher, wie z. B. bei Beethoven üblich, als 2. Satz folgen
epochales Meisterwerk noch immer: Die cis-Moll-Sonate ist ihr gewidmet. würde. Eine Sonate mit drei schnellen Sätzen fiel zu dieser Zeit natürlich
völlig aus dem Rahmen und so bekam sie zur formalen Rechtfertigung „Sonate-Fantaisie“ hat eine nicht nummerierte Vorgängerin gleichen
den zusätzlichen Titel „Sonata quasi una fantasia“, analog zu den Titels und gleicher Tonart aus dem Jahre 1886, eine Komposition aus
Sonaten op. 27 von Beethoven. Die b-Mollsonate beginnt mit einem der Studienzeit. Aber auch ein Nachfolgewerk, die einsätzige Fantasie
klassisch angelegten Allegro con brio, das vor allem in den Begleit- op. 28, sollte nicht unerwähnt bleiben. Die zweisätzige Klaviersonate
figurationen Züge der Wiener Schule trägt. Doch schon die Anlage der gis-Moll op. 19 hat Skrjabin vermutlich schon 1892, inspiriert durch einen
Themen, der motivischen Einwürfe und der brillanten Läufe bringt diese Aufenthalt in Genua, begonnen, jedoch wohl erst 1897 auf der Krim be-
Musik in verblüffende Nähe zu Mendelssohn Bartholdy und seinen endet und in Paris zum Druck freigegeben. „Der erste Teil“, erläutert er,
„Liedern ohne Worte“. Wer hier wen beeinflusst haben mag, ist schwer „vermittelt die Ruhe der Nacht am Meeresufer im Süden, in der Durch-
zu sagen, bei der Beurteilung dieser bemerkenswerten Komposition führung hören wir den getragenen Aufruhr der Tiefen. Der E-Dur-Teil
auch nicht entscheidend. Das Scherzo, ein Allegro, ist im galoppierenden verkörpert das sanfte Mondlicht, das nach der ersten Dunkelheit der
¾ Takt nach Beethovens Vorbild komponiert, aber vordergründig auf Nacht erscheint. Der 2. Satz, presto, zeigt den stürmischen Aufruhr der
effektvollen Kontrasten aufgebaut. Sogar die Extravaganz der Kreuz- unendlichen Weite des Ozeans.“ Im 1. Satz, einem Andante, hat schon
tonart Cis-Dur (anstelle der enharmonischen b-Tonart Des-Dur) als das anfängliche Motiv in gis-Moll (nicht zufällig eine Umkehrung des
Paralleltonart zu b-Moll zeugt von der Absicht des Komponisten, auf- Schicksal-Motivs aus Beethovens 5. Sinfonie) die mystisch dunkle Fär-
zufallen! Das Trio in der Mitte des Satzes (Fis-Dur!) erscheint als nach- bung, die für die späteren Werke Skrjabins so charakteristisch ist. Durch
denklicher Kommentar zu den schwungvollen Eckteilen. Das Finale erlesene melodische Figurationen erzeugt der Komponist eine bildhaft-
schließlich ist ein brillantes Allegro con brio, welches wie das „Perpe- impressionistische Wirkung von suggestiver Kraft, wobei in diesem
tuum mobile“ von Carl Maria von Weber daherkommt. Die Ähnlichkeiten E-Dur-Abschnitt die Nähe zu Chopins Nocturnes deutlich ist. Fast unhör-
zum Schlusssatz von Mendelssohns Fantasie op. 28 sind allerdings noch bar verklingt der Satz mit dem Eingangsmotiv. Der Presto-Finalsatz ist ein
verblüffender. Dankbares Material für Virtuosen! exemplarisches Beispiel für die emotionale Reaktion auf Natureindrücke
in der Musik. Die entfesselte, plötzlich hereinbrechende Gewalt der See,
effektvoll und bildhaft durch die Verbindung von Triolen in der Rechten
Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1871–1915) war seinerzeit und pochendem Bass in der Linken dargestellt (eine Anleihe aus dem
neben Rachmaninow, Medtner und Prokofjew eine der schillerndsten 1. und 3. Satz der „Mondscheinsonate“), sowie ein übergreifendes Motiv,
russischen Musiker-Persönlichkeiten, fast schon „experimentierwütig“ das sich steigert und wie ein Vogel über den Wellen zu schweben
zu nennen und in seinen philosophischen und musiktheoretischen scheint, treiben die Sonate in eine Dramatik, wie sie zuvor nur von Schu-
Ansichten extrem eigenwillig. Von einem glühenden Verehrer der Ro- mann in seinem Fantasiestück „Des Nachts“ op. 12 Nr.5 und von Chopin
mantik Frédéric Chopins wandelte er sich zu einem Mystiker und Ex- in seiner das Opus 25 abschließenden Etüde c-Moll erreicht wurde.
pressionisten, ein Unikum in der internationalen Musikkultur. Seine Peter Freudenreich
KATERY NA TITOVA
“She is a revolutionary with a brilliant technique, College of Music, where her supervisor was Norma Fisher, and also
someone who goes against the grain, no punk of the studied with Boris Petrushansky at the Imola Piano Academy in Italy.
classical scene but not entirely refined either, an artist Her development as an artist has been influenced in no small way
who tells stories with her hands”, MDR declared when by Igor Blagodatov, a pupil of Jacob Milstein and one of the leading
Kateryna Titova’s debut recording of works by Rachma- exponents of the tradition enshrined in the Russian piano school.
ninoff was released by Sony Classical in 2009. Both as a soloist and as a chamber recitalist Kateryna Titova has per-
formed throughout Europe, Russia, the Ukraine and the United States
A native of the Ukraine, Kateryna Titova has won first or of America with orchestras that have included the Netherlands Sym-
second prizes at twenty international piano competitions, phony Orchestra, the Moscow Symphony Orchestra, the Vienna Cham-
notably the 2002 Alicia de Larrocha Competition in Andorra, ber Orchestra, the Philharmonie der Nationen and – under the direction
the 2004 International Russian Music Piano Competition in of Maxim Vengerov – the Prague Philharmonic. Recitals have taken her
San José, California, the 2005 Anton G. Rubinstein Piano Com- to the Mecklenburg-Vorpommern Festival, the Bad Kissingen Summer
petition in Dresden, the 2008 James Mottram International Festival, the International Music Festival in Viana do Castello in Portugal,
Piano Competition in Manchester and the 2013 Spanish Com- the Dresden State Opera, the Laeiszhalle in Hamburg, the Vienna Kon-
posers International Piano Competition in Madrid. zerthaus, Lesinsky Hall in Zagreb and Bridgewater Hall in Manchester.
Kateryna Titova was five when she began to play the piano. She Her recording of chamber works with the oboist Ramon Ortega Quéro
attended the Kharkov Special Music School in the Ukraine before was released on the GENUIN label in 2012.
transferring to the Tchaikovsky Central Music School in Moscow. By Kateryna Titova is the recipient of scholarships from the Vladimir Spivakov
2001 she had moved to Germany to further her studies, initially with Foundation in Moscow, the Oskar and Vera Ritter Foundation, the Lutz-E.
Michael Keller at the Münster Academy of Music, then with Arkadi Adolf Foundation and the GWK in Münster/Northrhine-Westphalia, whose
Zenzipér at the Carl Maria von Weber Academy of Music in Dresden. Young Artist Award she received in 2002. She has also received support
She received an International Artist Diploma from the Royal Northern from Rotary International and, in 2016/17, from the Funk Foundation.
»QUASI UNA FANTASIA«
Fantasy – only we as human beings have this My aim is to introduce classical music to a sonatas, in particular, are classic examples of bin I am returning to my roots. In this way the
ability to create images in our minds that do wider audience that may not necessarily the greatest compositional subtlety. Moreover, present release is a reflection of a part of my
not exist in real life. Without fantasy or im- have any particular musical preconceptions the fact that Beethoven was experimenting own life story.
agination there would be no creativity or pro- but which is anything but undemanding, and with the Classical form of the piano sonata This CD is dedicated to my friend and prin-
gress, no art and not even love. The most ab- it is this aim that has influenced my choice of allows us to essay some fascinating compari- cipal teacher, Igor Blagodatov, who died in
stract of all the arts, music draws its strength works for this release. I believe that the im- sons. Vořišek and Mendelssohn both refer to 2016. He was my closest adviser and mentor
from fantasy above all. provisatory element in music – the element Beethoven: anyone listening to these works in on my first CD and was a constant spiritual
For many composers from the Baroque on- that emerges when a pianist improvises freely succession will be able to trace a line of de- presence while I was preparing the present re-
wards – one thinks of Bach, Mozart, Beethoven on his or her instrument – is especially easy velopment that culminates in the Romantic lease. I am also grateful to three dear friends,
and Chopin, for example – improvisation, gen- to access and that it can awaken or increase style of composition. Scriabin’s two-movement the wonderful pianists Galina Chistyakova,
erally at the piano, has been the starting point a listener’s interest in more complex musical Sonata, finally, is a late Romantic work whose Elena Kolesnichenko and Marina Baranova,
for the compositional process. When a mu- contingencies. The four sonatas that I have vividly emotional and – in the truest sense of as well as to my husband, Edgar Wiersocki.
sician then interprets a work that has been selected all sprang from improvisation, a the word – fantastical language is unlikely to Without their moral and practical support
written down or preserved in some other form, point embodied in their titles: Beethoven and leave any listener cold. this CD could never have been made. Last
he or she needs his or her own imagination in Vořišek both wrote a “Sonata quasi una fan- In choosing these works, there was another – but not least I am especially grateful to the
order to transform the notes on the printed tasia”, Scriabin a “Sonata-Fantasy” and Men- personal – aspect that was important to me, GWK in Münster, Northrhine-Westphalia, to
page into a world of sound. And ultimately it is delssohn a “Fantasy”. In spite of their similar for I wanted to forge a link between the two the sound engineer Philipp Nedel, who al-
the imagination of every listener that decides titles and their popularity and tuneful memo- cultures that mean the most to me. Since ready worked on my first CD, and to the Funk
what sensory and emotional experiences we rability, however, all four works are musically leaving Russia I have taken an intense inter- Foundation and Robert Funk.
may find in our auditory impressions. multilayered. For me, Beethoven’s two op. 27 est in Beethoven’s music, whereas with Scria- Kateryna Titova
During his youth Felix Mendelssohn (1809–47) tried his hand at the key- fantasia”. In them Beethoven breaks free from Classical sonata form by
board sonata with three contributions to the medium. Like Schumann and falling back on the improvisatory technique of the fantasy, with which
Brahms, he then turned his back on the genre and it was not until 1828–29 he was familiar from the music of Mozart and, above all, Carl Philipp
that he hazarded another such work, a piece mentioned in the family’s Emanuel Bach He banks on this principle uncompromisingly and leaves
correspondence as “Sonate écossaise”. He was inspired to write it by his his listener in no doubt as to his compositional aims. The music is utterly
enthusiasm for Scotland and Scottish poetry, an enthusiasm that had star- compelling in terms of its emotional charge and its inexorable develop-
ted in 1820 and that he shared with e. g. Beethoven, Schubert, Schumann, ment towards its final movement.
Brahms and Bruch. After a visit to Scotland in the summer of 1829 that In the E flat major Sonata op. 27 no. 1, in particular, the final movement is
almost certainly saw him starting work on his Overture to Fingal’s Cave the culmination of the entire musical argument. The individual movements
and his Third Symphony (“Scottish”), he revised his “Sonate écossaise” in are no longer clearly divided from one another but are linked together by
1833, when he gave it the form of a fantasy in three movements. means of “attacca” markings. The brief Adagio before the final movement
This Fantasy in F sharp minor op. 28 is nowadays also known as his Scot- also has a kind of transitional function of a kind later found in the Sonata
tish Sonata. In terms of the overall structure of its movements – slow, op. 81a (“Les Adieux”), in the “Waldstein” Sonata op. 53 and in the op.
moderate, very fast – it bears a striking similarity to Beethoven’s “Moon- 101 Sonata in A. The present sonata’s innovative freedom is already found
light” Sonata. Marked “Con moto agitato – Andante”, the opening move- in the design of its opening movement, an Andante – Allegro molto vivace
ment is like a song without words that gives the impression of having in E flat major based on two songlike themes, in which the interpolated
been extemporized. Its harp-like opening bars, its use of drone-like middle section, also marked “Allegro”, is the only element that provides
effects – a sustained note in the bass reminiscent of the sound pro- any sense of contrast and tension. The second movement is a typically
duced by bagpipes – and its harmonization of widely spaced chords are Beethovenian Scherzo, this time in C minor, the relative of E flat major. This
all designed to awaken associations of Scottish folk music. The second Allegro molto e vivace is cast in the usual ABA form, the A-sections being
movement is an Allegro con moto cast in ternary form (ABA) that cre- demonic in character, while the galloping central Trio is rhythmically highly
ates an almost Baroque impression, whereas its middle section recalls complex. With its plaintive Adagio con espressione, the third movement
an écossaise, a Scottish folk dance. The final movement is a Presto that forms a contrastive intermezzo in A flat major that leads into the Allegro
is entirely typical of Mendelssohn, tempestuous, permanently agitated vivace of the final movement. This last-named movement appears to be
and as eerie as the Scherzo from the composer’s incidental music to a mixture of Classical sonata form and a rondo. After a brief repeat of the
A Midsummer Night’s Dream. It is also pianistically brilliant. Adagio in the home key of E flat major the sonata ends with a coda that
briefly summarizes the movement’s principal theme.
The second of the op. 27 sonatas has become known as the “Moonlight”
Both of the op. 27 piano sonatas by Ludwig van Beethoven (1770– Sonata, a name that was given to it after the composer’s death by the poet
1827) date from 1800–01 and both are headed “Sonata quasi una and music critic Ludwig Rellstab. Even during his lifetime it was so popular
that Beethoven grew weary of the situation and complained that he had she married Count Wenzel Robert von Gallenberg in November 1803,
written other works that were “truly better”. Even the unusual key-signa- her name continues to grace Beethoven’s pioneering work, for it is to
ture – C sharp minor – underscores the fantastical aspect of a work that her that the C sharp minor Sonata is dedicated.
owed its popularity above all to its dreamily internalized opening Adagio
sostenuto. It is interesting to note that its mood is due to the continuous
triplets in the accompanying line, but there is also something inspired Jan Václav Vořišek (1791–1825) is nowadays largely – but unjustly –
about the way in which these broken chords form the basis of the tem- forgotten outside his native Bohemia. A highly gifted musician, he
pestuous final movement, a Presto agitato. In contrast, the 2. movement’s began to compose at the age of ten. After a period in Prague, where
graceful, even dainty, Allegretto seems almost like an anachronistic, alien he was briefly a pupil of the well-known Czech composer Václav Jan
interjection from an unspoilt, ideal world. During Beethoven’s lifetime the Tomášek, he moved to Vienna in 1813 in order to study law. Here he met
work was known as his “Arbour Sonata” since it was believed that he had a number of famous musicians, including Hummel, with whom he studied
improvised it in an arbour in the gardens of the Countess Julie Guicciardi. the piano for three years. So successful was he that Hummel passed on
The opening movement reminded Rellstab of a nocturnal boat ride on Lake his pupils to him when he left Vienna. Beethoven knew Vořišek personally
Lucerne, leading to the nickname “Moonlight” Sonata. Wilhelm von Lenz, and expressed his favourable opinion of his Twelve Rhapsodies for piano
conversely, argued that Beethoven had improvised the music beside the op. 1. Conversely, there is no evidence that Vořišek met or was friendly
bier of a dead friend. Whatever, the sonata impressed composers and with Schubert, even if – on his publisher’s advice – Schubert used the
later generations of listeners to an exceptional degree. Liszt even felt term “Impromptus” for his eight piano pieces D899 and D935, a term
that this music was too demanding for his pupils. According to one of that Vořišek had pioneered as the title of a musical genre with his op. 7
them, Alexander Ziloti, he played it so impressively that Ziloti never Impromptus. Interestingly, Schubert’s wonderful works were suspected
wanted to hear anyone else perform it. Shostakovich, finally, included a by Schumann of being four-movement sonatas in disguise. It was only to
quotation from its opening movement in his final work, his Viola Sonata, ensure their marketability, Schumann believed, that they had been pub-
raising a contemporary monument to the German composer. lished as individual pieces. If so, each set would have been a candidate for
It was while he was working on his two op. 27 sonatas that Beethoven the title “Sonata quasi una fantasia”. Vořišek was only thirty-four when
first became aware of problems with his hearing, an awareness that in he died in 1825, two years before Beethoven. His initial enthusiasm for
1802 found expression in his famous Heiligenstadt Testament, in which Mozart did not prevent him from later responding positively to the early
he contemplated the prospect of total deafness. But the support of his Romanticism of composers like Beethoven and Hummel. There are even
patrons and an impressive list of commissions meant that, financially clear parallels between Vořišek’s style and that of Felix Mendelssohn.
speaking, he was well off. Moreover, he had fallen in love with one of Vořišek’s Piano Sonata in B flat minor op. 20 is an eloquent example of
his pupils, the twenty-year-old Countess Julie Guicciardi. He was even this. It was originally intended as a four-movement work, but following its
thinking of marriage. Although their relationship came to an end when composer’s premature death in 1825, only three movements were found
to have been completed. Missing was the slow movement which, as was this early enthusiasm and became a mystic and an Expressionist, a
customary e. g. with Beethoven would have been in second position. At unique figure in international musical life. His Sonata-Fantasy has an
this date in the history of music, a sonata consisting of three quick move- unnumbered predecessor with the same title and in the same key that
ments was naturally so exceptional that it was given the additional title of he wrote in 1886 and a successor, the single-movement Fantasy op.
“Sonata quasi una fantasia” by way of a formal justification, bringing it 28. His two-movement Second Piano Sonata in G sharp minor op. 19
into line with Beethoven’s op. 27 sonatas. Vořišek’s Sonata in B flat minor was probably started in 1892, inspired by his visit to Genoa. It was
begins with an Allegro con brio laid out along Classical lines, its accom- completed around 1897 in the Crimea and then published in Paris. “The
panying figures in particular bearing traces of the Viennese School. And first section”, he explained, “represents the quiet of a southern night on
yet even the layout of its themes, its motivic interjections and its brilliant the seashore; the development is the dark agitation of the deep, deep
passage-work bring this music astonishingly close to Mendelssohn and his sea. The E major middle section shows caressing moonlight coming up
Songs without Words. It is hard to say who may have influenced whom, after the first darkness of night. The second movement represents the
but that is unimportant when it comes to judging the merits of this work. vast expanse of ocean in stormy agitation.”. The opening movement
The Scherzo is an Allegro which, following Beethoven’s example, is in a gal- is an Andante in which the initial motif in G sharp minor – it is surely
loping ¾ metre, while being superficially built up on the basis of a series no accident that it is an inversion of the fate motif from Beethoven’s
of highly effective contrasts. Even the eccentric use of the key of C sharp Fifth Symphony – has the mystically dark coloration that is so charac-
major instead of the enharmonic D flat major as the relative of B flat minor teristic of Scriabin’s later works. Exquisite melodic figurations create
attests to the composer’s aim of getting himself noticed. The central Trio a pictorially Impressionistic effect of suggestive power, the affinity of
is in F sharp major (!) and creates the impression of a thoughtful com- this E major section with Chopin’s Nocturnes being clearly audible. The
mentary on the movement’s lively outer sections. The finale is a brilliant movement dies away almost inaudibly with a statement of the initial
Allegro con brio that scurries past us like Weber’s Perpetuum mobile, and motif. The final Presto is a fine example of an emotional reaction to the
yet the similarities with the final movement of Mendelssohn’s Fantasy impressions left by nature. Unleashed, the power of the sea suddenly
op. 28 are even more astonishing. Grateful material for virtuosos! erupts, an effect borrowed from the first and third movements of the
“Moonlight” Sonata and achieved by means of triplets in the right hand
combined with a pounding bass in the left. The result is not only high-
In his own day Alexander N. Scriabin (1871–1915) was one of the ly effective but also powerfully pictorial. A second, overarching motif
most colourful figures on the Russian musical scene, regularly num- builds to a climax, seeming to hover like a bird above the waves. To-
bered alongside the likes of Rachmaninoff, Medtner and Prokofiev. He gether these elements bring to the sonata a sense of drama previously
was fired by an almost rabid love of experimentation and held highly achieved only by Schumann in the fifth of his Fantasiestücke op. 12 and
idiosyncratic views on philosophy and the theory of music. Initially an by Chopin in his final op. 25 Étude in C minor.
ardent champion of the Romanticism of Chopin, he later abandoned Peter Freudenreich
+ © GWK 2017

Recorded Booklet Editing


25.–28. October 2016 Susanne Schulte
Jesus Christus Kirche,
Berlin-Dahlem Text
Peter Freudenreich
Recording Producer
Philipp Nedel Photos
www.b-sharp.biz Uwe Arens

Recording Engineer Translation


Martin Kistner texthouse, Hamburg

Editing Production Management


Andreas Wolf Sabrina Dettmar

Piano provided and serviced by Artwork


Gerd Finkenstein, Yamaha CFX goldmarie design, Münster (D)

www.funk-stiftung.org

Funk Stiftung
Die gemeinnützige Funk Stiftung engagiert sich im Bereich der Wissenschaft und Bildung mit einer Schwerpunkt-
setzung auf die Themen Risikoforschung und Risikobewältigung. Außerdem fördert sie Kulturprojekte. Hier liegt
das besondere Augenmerk auf der Aktivierung von künstlerisch wertvollen, jedoch gegenwärtig zu wenig beach-
teten Werken der klassischen Musikliteratur. Der Ansatz kennt ausdrücklich keine „nationalen“ Grenzen.

The non-profit Funk Foundation is involved in the field of science and education with a focus in the areas of risk www.gwk-records.com www.gwk-online.de
research and risk management. It also supports cultural projects, whereby particular attention is paid to the Best.-Nr. / ord. no. GWK 136 GWK-Gesellschaft zur Förderung
activation of artistically valuable, but currently neglected works of the classical music repertoire. This approach der Westfälischen Kulturarbeit e.V.
expressly knows no “national” boundaries. Fürstenbergstr. 14, D – 48147 Münster

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