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Entwicklung eines Werkzeugs zur Auslegung von HDR-Risssystemen

Im Zuge der immer intensiver geführten Diskussion um erneuerbare Energien werden gegenwärtig
große Anstrengungen unternommen, das hohe Energiepotenzial heißer Gesteinshorizonte in
großen Tiefen (bis über 4.000m) mit Hilfe der so genannten „Hot-Dry-Rock-(HDR-)Technologie“
nachhaltig, wirtschaftlich und sicher nutzbar zu machen. Das Einpressen eines Fluids (meistens
Wasser) in eine Bohrung unter hohem Druck bewirkt eine Aufweitung natürlich vorhandener bzw.
eine Aktivierung neuer Kluftsysteme, wodurch Wasserwegsamkeiten geschaffen werden. Die
entstandenen Rissoberflächen stellen große Wärmetauscher (bis zu mehrere Quadratkilometer)
für den späteren Anlagenbetrieb dar. Wie das vorhandene Kluftsystem auf Stimulationen reagiert
und ob ausreichend hohe Durchflussraten erreicht werden können, wird dabei maßgeblich durch
das natürliche Spannungsfeld kontrolliert. Eine Prinzipskizze des Verfahrens ist in Bild 1 zu sehen.

Bild 2: Entwurf eines Versuchsstands zur


hydraulischen Gebirgsstimulation

Bild 1: HDR-Prinzip

In einem Forschungsvorhaben an der RWTH sollen jetzt im Hinblick auf die zukünftige Planung
und Auslegung von HDR-Anlagen neue numerische Werkzeuge zur Simulation der Vorgänge, die
dabei im Untergrund ablaufen, entwickelt werden.
Hierfür werden zunächst großmaßstäbliche Laborversuche zur hydraulischen Gebirgsstimulation
durchgeführt (Bild 2). Dabei werden Gesteinsblöcke aus natürlichen Tiefengesteinen unter
verschiedenen Spannungsverhältnissen „gefract“; d.h. durch Wasserdruck werden Klüfte erzeugt
(Bild 3) und deren Ausbreitung messtechnisch erfasst.
Die Ergebnisse dienen der Kalibrierung und Verifizierung eines neu zu entwickelnden numerischen
Programmcodes zur Modellierung der Bruch- und Kontinuumsmechanik. Dieser soll die Simulation
der hydraulischen Bruchprozesse und somit eine Prognose der Rissausbreitung zunächst im
Labormaßstab ermöglichen (Bild 4). Das Programm soll später auf die In situ-Bedingungen eines
HDR-Reservoirs erweitert werden.

Quelle: Weijers
Bild 3: Gefracter Versuchskörper Bild 4: Numerische Simulation

Das Projekt wird im Rahmen des 5. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung


„Innovation und neue Energietechnologien“ durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit (BMU) über einen Zeitraum von drei Jahren mit einer Fördersumme von ca.
920.000,-€ gefördert; es wird von drei RWTH-Instituten gemeinsam bearbeitet:
- Lehrstuhl für Geotechnik im Bauwesen und Institut für Grundbau, Bodenmechanik,
Felsmechanik und Verkehrswasserbau, www.geotechnik.rwth-aachen.de
- Lehrstuhl für Applied Geophysics and Geothermal Energy am E.ON Energy Research
Center, www.eonerc.rwth-aachen.de/gge (Projektleitung)
- Lehrstuhl für Computergestützte Analyse technischer Systeme
www.cats.rwth-aachen.de

Weitere Informationen gibt es bei:


AOR Dipl.-Ing. M. Feinendegen: feinendegen@geotechnik.rwth-aachen.de bzw. 0241 / 80 25249
Dr. rer.nat. R. Schütt: rschuett@eonerc.rwth-aachen.de bzw. 0241 / 80 49898
Dr.-Ing. Th. Fries: fries@cats.rwth-aachen.de bzw. 0241 / 80 99930

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