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Gesundheit

Zur Notfallaufnahme gehen

Aus der Praxis 1 – Kurs Niveau A1

Ablaufbeschreibung der Kursleitung


Kursgruppe
Ich hatte im Internet Bilder der Notfallaufnahme von unse-
8 Frauen in einem «Mu-Ki-Kurs». Sie haben alle die rem Regionalspital gesucht. Diese habe ich zum Anfang der
Grundschule besucht, 4 der Frauen aber mit einem Lektion gezeigt. So konnten sich die Frauen den Kontext vor-
anderen Schriftsystem. Der Schwerpunkt des Kurses stellen, und sie stellten Fragen dazu.
liegt auf der Entwicklung der Kommunikation im All-
tag mit einfachen Mitteln sowie auf der Vermittlung Bei der Diskussion zu den Lernzielen mit dem Lernzielblatt
von Informationen zum Leben in der Schweiz. kam die Frage auf: Wie komme ich ins Spital zur Notfallauf-
nahme? Die Frauen haben kein Auto. Was ist, wenn mit ei-
nem Kind ein Unfall passiert, und es muss schnell ins Spital in
die Notfallaufnahme? Auf diese Frage war ich nicht vorberei-
Ausgangssituation tet, aber alle zusammen haben wir uns Lösungen überlegt:
die Nachbarin um Hilfe rufen, den Hausarzt anrufen, den
Die Gruppe trifft sich immer am Dienstagnachmittag Notarzt oder den Krankenwagen anrufen. Auf dem Lernziel-
von 14-16 Uhr. Die Kinder werden in einem Nebenzim- blatt haben wir den Schritt «Tel. 144 anrufen» ergänzt.
mer betreut. Es wird ohne Kursbuch gearbeitet. Die
Themen werden ca. alle 3-4 Wochen gemeinsam be- Weil das für die TN die dringlichste Frage war, haben wir sie
sprochen, und die KL sucht dazu Materialien aus dem auch zuerst behandelt: Wir haben uns vorgestellt, was die
Alltag. Seit Kurzem haben die TN ein Arbeitsportfolio Leute am Telefon wissen müssen und dann eine «Notfallkar-
mit den Deckblättern zu den Handlungsfeldern. Doku- te» fürs Arbeitsportfolio zusammengestellt:
mente (z. B. kurze Informationsblätter), welche die KL - Ich bin ...
verteilt, und Produkte aus dem Lernprozess werden im - Ich wohne in der ..strasse XX.
Arbeitsportfolio im betreffenden Register abgelegt. - Mein Kind ist verletzt am ... Es ist X Jahre alt.
- Ich habe kein Auto.
In den letzten Wochen wurde bereits viel über Gesund-
heit und Krankheit gesprochen, vor allem in Bezug auf Mit Hilfe der «Notfallkarte» haben die Frauen dann das Te-
die Kinder. In dieser Lektion geht es um Notfälle. lefongespräch intensiv geübt; ich spielte die Person in der
Notfallzentrale am anderen Ende des Drahts.

Nachdem nun klar war, dass es auf alle Fälle einen Weg gibt,
um im Notfall Hilfe zu bekommen, haben wir uns der Situ-
ation zugewendet, in der jemand die Mutter und das Kind
selbst in die Notfallaufnahme bringen kann. Wieder haben
die TN versucht sich vorzustellen, was die Fragen sind, mit
denen sie konfrontiert würden: Name und Geburtsdatum
des Kindes, Adresse, Krankenkasse, und was passiert ist.

Aus der Erfahrung der Mütter haben wir dann eine Liste von
Notfällen zusammengestellt, geordnet nach der Art des Ge-
schehens:

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- Das Kind hat ... verschluckt.


- Das Kind ist vom ... gefallen.
- Das Kind hat sich mit ... geschnitten
Etc.

Einige der Ausdrücke waren schon vom Szenario «Zum Kin-


derarzt gehen» bekannt.

Daraufhin wurde die Situation der Ankunft in der Notfallauf-


nahme drei Mal mit verschiedenen TN durchgespielt und in
der Gruppe besprochen.

Zuhause habe ich gesehen, dass es für den Anruf bei der Not-
fallnummer ein vorbereitetes Dialogschema gibt. Das habe
ich in der folgenden Woche eingesetzt, um das Telefonge-
spräch nochmals zu repetieren.

Danach haben wir die Situation der Ankunft bei der Not-
fallaufnahme und der Untersuchung durch den Notfallarzt
mehrmals simuliert, immer mit mir in der Rolle der Notfall-
ärztin.

Zum Abschluss haben die TN den ganzen Ablauf mit Hilfe der
Fotokarten nochmals beschrieben und jeweils die kommu-
nikativen Situationen durchgespielt. Immer am Ende einer
Phase haben sie auf dem Lernergebnisblatt notiert, was sie
jetzt können. Sie konnten das Blatt ins Arbeitsportfolio ab-
legen.

Es blieb noch etwa eine halbe Stunde Zeit. Ich habe die TN
aufgefordert, im Unterrichtsraum umher zu gehen und Ge-
fahrenquellen für Kinder zu suchen: Möbel oder Simse, auf
die sie klettern und herunterfallen können; Hindernisse, über
die sie stolpern könnten; Dinge, die sie in den Mund stecken
könnten etc. Zusammen haben wir besprochen, was wirklich
gefährlich ist und mit welchen kleineren Risiken man halt
leben muss.

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