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Sonnabend, 18. Juni 2011

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 116

B 1

Förderbanken

Der Aufgabenkatalog wird mit der Zeit nicht kleiner

Förderinstitute müssen vorausschauend auf gesellschaftliche und ökonomische Herausforderungen reagieren und Verantwortung übernehmen

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Die Beschreibung der Geschäftstätig- keit von Förderbanken erfordert Denkansätze in zwei Richtungen:

Zum einen ist die Förderbank ein In- strument staatlichen Handelns, das den sozialen Aufgaben seines öffent- lichen Eigentümers verpflichtet ist

Wasser- oder Luftverschmutzung, Probleme entvölkerter Regionen. Der Staat kann dabei auf zweierlei Weise eingreifen: falsches Handeln durch neue Regelwerke ausschlie- ßen oder richtiges Handeln finan- ziell fördern. Förderbanken setzen mit ihrer Tätigkeit bei Letzterem an und übernehmen somit

mit ihrer Tätigkeit bei Letzterem an und übernehmen somit Von Christian Brand Präsident des Bundes- verbandes

Von

Christian Brand

Präsident des Bundes- verbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB

für die gesamtgesell- schaftlichen Ziele eine staatliche Steuerungs- funktion. Dies erklärt ihre öffentliche Wurzel. Die Frage, warum staatliche Gebietskörper- schaften ihre Aufgaben durch Banken wahrneh- men, ist damit noch nicht beantwortet. Den wohl eindrucksvollsten Ausgangspunkt findet nur der, der den Blick

wahrneh- men, ist damit noch nicht beantwortet. Den wohl eindrucksvollsten Ausgangspunkt findet nur der, der den
wahrneh- men, ist damit noch nicht beantwortet. Den wohl eindrucksvollsten Ausgangspunkt findet nur der, der den

und somit einer besonderen staatli- chen Funktion entspricht. Zum ande- ren ist eine Förderbank eine Bank, also ein Unternehmen, das nach kaufmännischen Grundsätzen ge- führt wird und das nach bankauf- sichtlichen Regeln arbeitet. Die ökonomische Besonderheit dieser Kreditinstitute liegt darin, dass sie ihre staatlichen und unter- nehmerischen Wurzeln miteinander in Einklang bringen müssen. Oft- mals erkennt man diese nicht ganz einfache Aufgabe zunächst daran, was Förderbanken nicht dürfen:

nämlich profitorientiert im Wettbe- werb arbeiten. Vielmehr ergänzen sie den Markt dort, wo die marktwirt- schaftlichen Ergebnisse nicht sozial- verträglich sind, und sie springen ein, wenn die Regeln des Marktes versagen oder nur eingeschränkt funktionieren.

Helfer in der Krise

Als die bedrohlichen Folgen der Fi- nanzkrise 2008 begannen, sich auf die Realwirtschaft auszubreiten, standen die Förderbanken über Nacht in vorderster Reihe. Sie waren gefordert, das Bankensystem mit langfristigen Refinanzierungen zu stabilisieren und zahlreiche Unter- nehmen, die von einem Tag zum an- deren mit Auftragseinbrüchen kon- frontiert waren, mit Liquidität zur Seite zu stehen. Sie hatten damit ih- ren Beitrag zu leisten, das Durch- schlagen der Finanzkrise auf die Re- alwirtschaft zu verhindern. Krisenbe- wältigung in dieser Dimension ge- hört aber nur ausnahmsweise zu den förderpolitischen Aufgaben, auch wenn gerade dann sichtbar wird, dass Förderbanken unverzichtbar sind. In „normalen“ Zeiten bilden sie das staatliche Korrektiv für vielerlei Finanzierungsanforderungen im Rahmen der Daseinsvorsorge gerade für kleine und mittlere Unterneh- men, die Motoren des Wachstums insbesondere der deutschen Volks- wirtschaft. Gesellschaftliche Heraus- forderungen wie der demografische Wandel, Klimaschutz sowie nachhal- tiges Wirtschaften stellen darüber hi- naus an unseren marktwirtschaftli- chen Rahmen zahlreiche Anforde- rungen, die zuweilen erst nach und nach sichtbar werden. Beispiele sind

AUS DEM INHALT

weit zurückwirft – und zwar bis 1948, dem Gründungsjahr der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die KfW begann drei Jahre nach dem Krieg mit den Mitteln der Mar- shall-Plan-Hilfe bzw. des späteren ERP-Vermögens, den deutschen Wie- deraufbau zu unterstützen. Die einfa- che Tatsache, dass aus diesem Ver- mögen Kredite ausgereicht wurden, die zunächst für den Wiederaufbau nach dem Krieg, inzwischen für aktu- elle, zukunftsweisende Förderzwe- cke Verwendung finden, zeigt auf, dass die bankmäßige Verwendung von Kapital die nachhaltigste Mög- lichkeit ist, Steuergelder schonend einzusetzen. Das ERP-Sondervermö- gen ist heute nach mehr als 60 Jah-

„Die deutschen Förderbanken haben aufgrund ihres Geschäftsmodells weitreichende Erfah- rungen, ihre öffent- lichen Zwecke mit Hilfe des Kredit- geschäfts bzw. bankwirtschaftlicher Instrumente zu erreichen.“

ren noch vorhanden und kann für staatliche Förderzwecke immer wie- der revolvierend eingesetzt werden. Wären die Mittel als Zuschüsse ver- geben worden, hätte es das Vermö- gen nach einigen Jahren nicht mehr gegeben.

Mittel sparsam einsetzen

Dieser Gedanke hat nichts von sei- ner Strahlkraft verloren. Im Gegen- teil: Inzwischen wird auch in Brüssel im Rahmen der europäischen Förder- politik vehement für revolvierende Finanzierungsinstrumente gewor- ben; denn es wird zunehmend deut- lich, dass die Europäische Gemein- schaft ihre knappen Budgetmittel sparsam einsetzen und vor allem da- rauf achten muss, dass mit europäi-

Der Aufgabenkatalog wird mit der Zeit nicht kleiner Von Christian Brand B 1

„Ländlich“ ist heute ein weit gefasster Begriff Von Dr. Manfred Schmitz-Kaiser

B 4

Die Energiewende fängt bei den Immobilien an Von Gerhard Flaig

B2

EIB steuerte der Wirtschaftskrise engagiert entgegen Von Dr. Matthias Kollatz-Ahnen

B4

Förderpolitik Sachsen-Anhalts baut auf Bewährtem auf

Eine nachhaltige Energieversorgung möglich machen Von Dr. Ulrich Schröder B 5

Von Manfred Maas

B2

Landwirte als Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energien Von Dr. Horst Reinhardt

B 3

„Wir sorgen seit 60 Jahren für Chancengleichheit“ Interview mit Michael Schneider, Gerd Rometsch und Dr. Otto Beierl

 

B5

Gute Breitbandversorgung ist ein zentraler Standortfaktor Von Erk Westermann-Lammers

B3

Kostengünstig wichtige Infrastrukturvorhaben realisieren Von Dr. Michael Reckhard

B 6

schem Steuergeld kein Missbrauch getrieben wird. Denn in dem Augen- blick, in dem die ausgereichten Gel- der nicht verschenkt werden, son- dern zurückfließen sollen, ändern sich die Auszahlungsprozesse, weil jeder Beteiligte zu größerer Sorgfalt gezwungen ist. Die deutschen Förderbanken ha- ben aufgrund ihres Geschäftsmo- dells weitreichende Erfahrungen, ihre öffentlichen Zwecke mit Hilfe des Kreditgeschäfts bzw. bankwirt- schaftlicher Instrumente zu errei- chen. Daher sind sie auch wichtige Ideengeber für die europäischen re- volvierenden Finanzinstrumente im Rahmen der nationalen Kofinanzie- rung europäischer Fördermittel. Sie unterstützen damit die breit ange- legte Diskussion, die derzeit im Hin- blick auf die zukünftige europäische Förderpolitik stattfindet.

Wirkungsvoll agieren

Um möglichst wirkungsvoll zu för- dern, nehmen diese Banken auf wett- bewerbsrechtlich gesicherter Grund- lage staatliche Garantien in An- spruch. Ihr zweifach geprägter, staat- lich-bankwirtschaftlicher Charakter zwingt sie damit, die wettbewerbs- rechtliche Relevanz nicht nur in Be- zug auf die eigene Nutzung staatli-

cher Unterstützung zu beachten, in mindestens ebenso hohem Maße müssen sie die gleichen Maßstäbe bei der Förderung ihrer Kunden im Auge behalten. In diesen gesetzli- chen Leitplanken erscheint die Gruppe der Förderbanken als Mus- terbeispiel marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik. Ohne Zweifel ist der Mittelstand eine stark umworbene Kunden- gruppe für Geschäftsbanken. Aller-

„Deutsche Unter- nehmen brauchen ihren Platz im techno- logischen Wettbe- werb, um die Position Deutschlands als Exportnation zu erhalten.“

dings sind sie aus betriebswirtschaft- licher Überlegung heraus gehalten, die „Mitte“ höher anzusetzen als eine Förderbank. Somit können auch sehr kleine Unternehmen in ih- ren unterschiedlichen Finanzierungs-

notwendigkeiten betreut werden. In der Gründungsförderung gilt dies be- reits bei der finanziellen Untermaue- rung einer neuen Geschäftsidee und setzt sich fort bei Wachstums- und Modernisierungsinvestitionen. Inno- vative Anstrengungen müssen unter- nommen werden, um die Anpassung an technologische Entwicklungen zu bewältigen. Förderung setzt auch an, wenn die Möglichkeiten fehlen, eigene For- schungs- und Entwicklungsaktivitä- ten zu bestreiten oder bereits beste- hende Innovationen in marktfähige Produkte umzusetzen sind. Deut- sche Unternehmen brauchen ihren Platz im technologischen Wettbe- werb, um die Position Deutschlands als Exportnation zu erhalten. Auch die finanzielle Begleitung von Unter- nehmensnachfolgen darf angesichts des gerade stattfindenden Generatio- nenwechsels nicht vernachlässigt werden. Ausgangspunkt für die Wohnungs- bauförderung war für viele Jahre das angemessene Dach über dem Kopf oder das Streben nach eigenen vier Wänden. Der demografische Wandel sowie der Klimaschutzge- danke stellen diesen Bereich in ei- nen größeren Zusammenhang, der Quartiers- und Stadtentwicklung so- wie Infrastrukturprojekte mit einbe-

zieht. Darüber hinaus erhält die Wohnraummodernisierung ein zu- nehmendes Gewicht, mit speziellen Aspekten beim Wohnen im Alter ebenso wie energieeffizienten Maß- nahmen der Gebäudesanierung. Wenn dies auch noch bei zurückge- henden Bevölkerungszahlen gesche- hen muss, ist die Stadtplanung ge- fragt. Wohnhäuser müssen dort zu- rückgebaut werden, wo auch techni- sche Infrastruktur aufgegeben wer- den kann, wie die Abwasserentsor- gung, sodass die Bewirtschaftungs- kosten reduziert werden und für die verbliebenen Einwohner bezahlbar bleiben.

Demografie im Fokus

Gleichzeitig ist die Planung von Schulen, Krankenhäusern, Kinder- gärten, aber auch der Verkehrswege auf die demografisch veränderten Si- tuationen auszurichten und die För- derung solcher Projekte entspre- chend anzupassen. Es lässt sich also absehen, dass der Aufgabenkatalog der Förderbanken im Wandel der Zeit nicht kleiner wird, sondern sie vielmehr vorausschauend auf die ge- sellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen ihrer Regionen zu reagieren und entsprechend Ver- antwortung zu übernehmen haben.

und ökonomischen Herausforderungen ihrer Regionen zu reagieren und entsprechend Ver- antwortung zu übernehmen haben.

B 2 Börsen-Zeitung Nr. 116

Sonderbeilage

Sonnabend, 18. Juni 2011

Die Energiewende fängt bei den Immobilien an

Neben erheblichem Einsparpotenzial ist der volkswirtschaftliche Nutzen von Investitionen rund um Gebäude nicht zu unterschätzen

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Die noch nicht abschätzbaren lang- fristigen Auswirkungen der Tragö- die im Kernkraftwerk Fukushima be- feuerten schlagartig vor allem in Deutschland die Diskussion über ei- nen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft. In den ersten Wochen nach der Katastrophe in Japan kon- zentrierten sich das Interesse der Medien und die öffentliche Mei- nung vorrangig auf alternative Ener- gien und Ausstiegsszenarien. Die Diskussion drehte sich um den Er- satz für die Kernkraft durch fossile und erneuerbare Energien. Inzwi- schen fokussiert sich die Kontro- verse in der Politik und der Öffent- lichkeit auf das Zeitfenster eines möglichen Ausstiegs aus der Kern- kraft. Das Thema Energieeffizienz ist in- dessen nicht neu. Angesichts der dro- henden Ressourcenverknappung ist in der Bundesrepublik bereits seit längerer Zeit ein starker Trend zum energieeffizienten Wohnen zu beob- achten. Schon das in den neunziger Jahren aufgelegte „1 000-Dächer-

„Durch energetische Gebäudesanierungen und Neubauten könnten dem Gebäu- dereport zufolge bis zum Jahr 2020 bis zu 50 Mrd. Euro Heiz- kosten eingespart werden.“

Programm“ zur erstmaligen Förde- rung von Photovoltaikanlagen und die Fortführung mit dem „100 000-Dächer-Programm“ erfreu- ten sich großer Beliebtheit unter den Immobilienbesitzern. Auch die energetische Gebäudesa- nierung, unterstützt mit Förderung durch die öffentliche Hand, wurde bis dato sehr gut angenommen. Stei-

gende Energiepreise sowie das Be- dürfnis vieler Menschen nach zeitge- mäßem Wohnkomfort könnten sich daher heute mehr denn je als hilf- reich erweisen, die Energiewende noch stärker als bisher voranzubrin- gen. Der CO2-Gebäudereport der Bundesregierung aus dem Jahr 2007 hat an Aktualität nichts verlo- ren. Danach wird ein Anteil von 40 % an Endenergie in Gebäuden verbraucht, davon wiederum ent- fällt auf Heizen und Warmwasser insbesondere in Privathaushalten der weitaus größte Anteil. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass 75 % al- ler Häuser in Deutschland vor 1977 gebaut wurden und die energeti- schen Anforderungen damals gering waren.

Arbeitsplätze sichern

Durch energetische Gebäudesanie- rungen und Neubauten könnten dem Gebäudereport zufolge bis zum Jahr 2020 bis zu 50 Mrd. Euro Heiz- kosten eingespart werden. Neben diesem enormen Einsparpotenzial ist der volkswirtschaftliche Nutzen von Investitionen „rund um die Im- mobilie“ groß – einige hunderttau- send Arbeitsplätze im Handwerk und in der mittelständischen Bau- wirtschaft werden über die Immobi- lienwirtschaft gesichert. Die Reduzie- rung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen klimaschädli- chen CO2-Emissionen stellt für die Gesellschaft eine gewaltige Heraus- forderung dar.

„Weniger ist mehr“

Mit dem Gesetz zur Förderung von Wohnungen und von Maßnah- men zur Einsparung von Heizener- gie (ModEnG), den Richtlinien für die Förderung der Modernisierung von Wohnungen und von Maßnah- men zur Einsparung von Heizener- gie nach dem Modernisierungs- und Energieeinsparungsgesetz (ModEn- Richtlinien) und der Verordnung über energiesparenden Wärme- schutz und energiesparende Anla- gentechnik bei Gebäuden (EnEV) wurde die technische Ausprägung

der Maßnahmen, die bei einer Mo- dernisierung einzuhalten sind, kon- kretisiert. Dabei hat allerdings das Motto „weniger ist mehr“ wenig Be- achtung gefunden. Die stetig ver- schärften Anforderungen sowie die geplante EnEV 2012 stellen die Wirt-

im Rahmen des Bayerischen Moder- nisierungsprogramms Finanzierungs-

mittel zur Verfügung gestellt, um für die beiden Seiten – Vermieter (Eigen- tümer, Nießbraucher, Erbbauberech- tigte) und Mieter – einen zusätzli- chen Anreiz für die Durchführung und die Akzeptanz einer

chen Anreiz für die Durchführung und die Akzeptanz einer Von Gerhard Flaig Sprecher der Geschäftsleitung

Von

Gerhard Flaig

Sprecher der

Geschäftsleitung der

Bayerischen Landes-

bodenkreditanstalt

(BayernLabo)

energetischen Moderni- sierung zu erreichen. Da- bei werden KfW-Mittel, die aus eigenen Mitteln der BayernLabo für zehn Jahre im Zins noch- mals weiter verbilligt werden, an Eigentümer von Wohnimmobilien im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-

im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-
im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-
im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-
im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-
im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-
im Geschosswohnungs- bau ausgereicht. Eine „Win-Win-Situation“ für den Vermieter und den Mieter: Mit der Moderni-

schaftlichkeit von Maßnahmen zur Energieeffizienz in Frage. Eine weitere Verringerung der In- vestitionsbereitschaft von Vermie- tern wäre eine mögliche Folge und würde insbesondere in Ballungszen- tren zu einer noch stärkeren Anspan- nung auf dem Wohnungsmarkt füh- ren. Bereits mit den sogenannten „Standardmaßnahmen“ kann ein we- sentlicher Teil des prognostizierten Einsparpotenzials erreicht werden. Eine Modernisierung von Altbauten erfordert von den Eigentümern ei- nen hohen finanziellen Aufwand, der im Wohnungsbereich auf die Mieter umgelegt wird. Ungeachtet ei- ner meist nicht unerheblichen Ein- sparung von Mietnebenkosten nach einer durchgeführten Modernisie- rung finden die Maßnahmen auf Sei- ten der Mieter nicht immer Verständ- nis – zum einen natürlich die Be- schwernisse während der Sanie- rungsmaßnahmen, zum anderen aber auch die Möglichkeit, einen Teil der Sanierungskosten auf die Miete umzulegen.

Anreiz für beide Seiten

Um Letzteres abzumildern hat die BayernLabo daher in Absprache mit der Obersten Baubehörde im Bayeri- schen Staatsministerium des Innern

sierung wird eine Wert- verbesserung des Gebäudes erreicht, für den Mieter verringert sich die modernisierungsbedingte Umlage durch Gegenrechnung der Zinser- sparnis. Im Mittelpunkt dieses Pro- gramms steht die energetische Mo- dernisierung durch Dämmung der Außenwände, Dachflächen, der Kel-

„Auch im kommuna- len Bereich erbringt die BayernLabo in ihrer Funktion als Kommunalbank einen Beitrag zur Energiewende.“

lerdecken, den Austausch von Fens- tern und die Umstellung der Hei- zung. Eigentümer (Nießbraucher, Erb- bauberechtigte), die diese Vorgaben noch übertreffen oder ihr Objekt zu einem sogenannten Effizienzhaus modernisieren, werden besonders gefördert, da in Kooperation mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die bereits durch Bundesmit-

tel subventionierten Darlehensmit- tel aus eigenen Mitteln weiter im Zins verbilligt werden. Diese Ver- günstigung kann aber nur der Eigen- tümer (Nießbraucher, Erbbauberech- tigte) erhalten, der gegenüber staatli- chen Stellen den Nachweis über die Einhaltung der technischen Voraus- setzungen erbringt. Die BayernLabo hat in den Jahren 2005 bis 2010 die energetische Sa- nierung von ca. 21 000 Mietwohnun- gen gefördert. Damit konnte bereits ein wesentlicher Einspareffekt beim flächenspezifischen Nutzenergiebe- darf für Raumwärme erreicht wer- den, der Energieverbrauch und die Emissionen wurden erheblich redu- ziert.

Energetische Sanierungen

Auch im kommunalen Bereich er- bringt die BayernLabo in ihrer Funk- tion als Kommunalbank einen Bei- trag zur Energiewende. In Zusam- menarbeit mit der KfW stellt die Bay- ernLabo erstmals im Jahr 2011 als Förderprogramm den Energiekredit Kommunal Bayern zu äußerst attrak- tiven Konditionen für die energeti- sche Sanierung von Schulen, Schul- sport- und -schwimmhallen, Kinder- tagesstätten sowie Gebäuden der Kinder- und Jugendarbeit zur Verfü- gung. Dabei werden die Zinssätze des KfW-Programms „Energieeffi- zient Sanieren“ weiter vergünstigt. Gefördert werden direkte Sanie- rungskosten – die Wärmedämmung der Außenwände, des Dachs, der obersten Stockwerke und der Keller- decke, ebenso wie die Heizungsan- lage. Auch die Erneuerung von Fens- tern, Eingangstüren, Sonnenschutz- einrichtungen, Beleuchtung sowie Beratungs- und Planungsleistungen sind förderfähig.

Kommunen im Blick

Als Zielgruppe können bayerische kommunale Gebietskörperschaften, deren rechtlich unselbständige Ei- genbetriebe, kommunale Zweckver- bände und deren rechtlich unselb- ständige Eigenbetriebe sowie Schul- verbände nach dem Bayerischen

Schulfinanzierungsgesetz (BaySchFG) profitieren. Die von der Bayern Facility Management GmbH durchgeführte Untersuchung „Realis- Bench 2009“ belegt ein bundeswei-

„Die öffentliche Hand ist mit ca. 175000 Gebäuden der größte Immobilienbesitzer in Deutschland.“

tes Einsparpotenzial durch Optimie- rungs- und Sanierungsmaßnahmen, zum Beispiel im Bestand der öffentli- chen Schulen – allein bei den Heiz- energiekosten – von über 1 Mrd. Euro. Die öffentliche Hand ist mit ca. 175000 Gebäuden der größte Im- mobilienbesitzer in Deutschland. Vor diesem Hintergrund kommt den Kommunen für den Klimaschutz und die Energiewende bei der Optimie- rung ihres Gebäudebestandes eine bedeutsame Rolle zu.

Klimapolitische Ziele

Mit dem weiteren Förderpro- gramm Investkredit Kommunal Bay- ern greift die BayernLabo bereits seit 2009 den Kommunen im Rahmen von Investitionen im kommunalen Hochbau wie zum Beispiel für Rat- häuser, Bau- und Betriebshöfe, für Feuerwehrhäuser oder für den prä- ventiven Katastrophenschutz, für die kommunale und soziale Infra- struktur, wie Schulen, Kindertages- stätten, Sporthallen, Krankenhäuser oder Senioren- und Pflegeheime so- wie für wohnwirtschaftliche Investi- tionen unter die Arme. Die beiden Förderprogramme sind insbeson- dere auch bei energetischen Sanie- rungen kombinierbar – auch mit wei- teren Förderprogrammen. Die Bay- ernLabo leistet damit einen wichti- gen Beitrag zur Erreichung klimapo- litischer Ziele sowie zur weiteren Verbesserung der Bildungsinfrastruk- tur.

Förderpolitik Sachsen-Anhalts baut auf Bewährtem auf

Bündel an Aufgaben und Mitwirkungsmöglichkeiten verdeutlicht die langfristige Perspektive der Investitionsbank

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Vorab: Gezielte Förderpolitik bleibt auf absehbare Zeit ein wichtiges Gestaltungselement wirtschaftlicher und finanzpolitischer Strategien für eine gesellschaftlich ausgewogene, stabile Entwicklung – für eine lebens- werte Zukunft. Dies gilt für die euro- päische, die deutsche und ebenso für die regionale Entwicklung Sachsen-

und die Erschließung damit ver- bundener Fördermöglichkeiten, das zunehmende Gewicht globa- ler Themen wie Klimawandel, Um-

welt, knapper werdende Ressour- cen, verstärkte internationale Ar- beitsteilung, einschneidende demografische Veränderungen, den 2019 endenden Solidarpakt und abnehmende

den 2019 endenden Solidarpakt und abnehmende Von Manfred Maas Sprecher der Geschäfts- leitung

Von

Manfred Maas

Sprecher der Geschäfts- leitung der Investitions- bank Sachsen-Anhalt

Bundeszuweisungen, die beschlossene Schul- denbremse sowie die notwendige Konsoli- dierung der Haus- halte des Landes und der Kommunen. Förderpolitik in Sach- sen-Anhalt beinhaltet daher zahlreiche äußere wie innere (oder überre- gionale und regionale) Faktoren, auf die sich die Landespolitik mit-

daher zahlreiche äußere wie innere (oder überre- gionale und regionale) Faktoren, auf die sich die Landespolitik
daher zahlreiche äußere wie innere (oder überre- gionale und regionale) Faktoren, auf die sich die Landespolitik

Anhalts. Dementsprechend bestim- men horizontal und vertikal ausge- richtete Rahmenbedingungen die Handlungsspielräume. Diese beein- flussen letztlich die Ausgestaltung des möglichst punktgenauen, opti- malen und nachhaltigen Einsatzes von Programmen, Geldern und Dienstleistungen – der Förderinstru- mente.

Bestimmende Faktoren

Die Entscheidungsspielräume für landespolitische Entwicklungsziele sowie Umfang, Zielrichtung oder Evaluierung von Förderprodukten werden in den nächsten Jahren un- ter anderem bestimmt durch die fortgesetzte Verknüpfung von globalen mit regionalen Möglich- keiten und Erfordernissen, die verringerten Zuflüsse aus den EU-Fonds nach 2013 – Sachsen- Anhalt verliert den Förderstatus als Ziel-1-Gebiet, die notwendige engere internatio- nale Vernetzung von Regionen

tel- und langfristig ein- gestellt hat, und spiegelt diese wi- der. Entsprechende Weichenstellun-

gen sind in dem erst jüngst unter- zeichneten Koalitionsvertrag der Re- gierungsparteien unseres Bundeslan- des enthalten. Auf Bewährtem wird

„Wir agieren weiter

wettbewerbs-

neutral und markt-

ergänzend.“

aufgebaut, und bisherige Schwer- punkte der Landesentwicklung wer- den weiterverfolgt. Zugleich sind wirtschaftlich-strukturelle Förderzie- le konkretisiert und neu definiert worden. Besonders deutlich sollen die Funktion und das Aufgabenspek- trum der Investitionsbank als zen- trale Fördereinrichtung und Förder-

dienstleister des Landes gestärkt wer- den. Zwischen der Investitionsbank und dem Land hat sich bereits eine enge, partnerschaftliche Zusammen- arbeit entwickelt und bewährt, von der zahlreiche nachhaltige Impulse vor allem für die wirtschaftliche, in- frastrukturelle sowie bevölkerungs- und siedlungspolitische Entwick- lung ausgehen. An dieser Praxis will die Landespolitik auf lange Sicht fest- halten. Eine besondere Funktion hatte speziell in den letzten Jahren auch das zwischen Land und Investitions- bank abgestimmte Vorgehen zur Er- füllung der Förderziele im Rahmen verschiedener Dialogprozesse.

Zahlreiche Dialoge

Allein im Jahr 2010 war die Inves- titionsbank an sechs finanzpoliti- schen und fünf wirtschaftspoliti- schen Dialogen, zwölf Sparkassen- sowie zwei Hochschuldialogen aktiv beteiligt. Die Landesregierung will auch künftig zusammen mit der Bank als strategischem Partner fi- nanz- und wirtschaftspolitische Dia- loge mit gesellschaftlich Verantwort- lichen aller Ebenen im Land fortset- zen und auf andere Politikfelder aus- dehnen. Auf diese Weise können vor Ort Aufgaben, Probleme, Verände- rungen und Bedarfe erkannt oder vermittelt werden, die letztlich in Produktideen und -entwicklungen münden – ein breiter gesellschaftli- cher Prozess, dessen Erkenntnisse in die Gestaltung der Förderlandschaft der kommenden Jahre einfließen. Die Landesregierung Sachsen-An- halts will darüber hinaus weitere För- derprogramme in der zentralen För- dereinrichtung zusammenführen, damit die Landesförderung noch effi- zienter wird.

Künftige Schwerpunkte

Die aktive Mitwirkung der Investi- tionsbank konzentriert sich des Wei- teren ausgehend von den landespoli-

tischen Zielen in den nächsten Jah- ren auf solche Schwerpunkte wie die Fortsetzung der Arbeit und Weiterentwicklung des bei der Investitionsbank angesiedelten Strukturkompasses als wichtige Datenbasis für wirtschafts- und fi- nanzpolitische Entscheidungen, die weitere Umsetzung des lang- fristig angelegten Programms Stark II zur Teilentschuldung von

„Der Zugang zu den Förder- und Finan- zierungsbausteinen soll möglichst unbüro- kratisch und zeitnah gesichert werden.“

Kommunen (Gesamtvolumen 1,33 Mrd. Euro) sowie die Einfüh- rung des Programms Stark III zur Sanierung und Ausstattung von Schulen und Kindertagesstätten, die weitere Umsetzung der Lan- desregelungen für die Gemein- schaftsaufgabe zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruk- tur“ (GRW) unter Beachtung ange- passter und neuer Kriterien für eine zielgenaue Wirtschaftsförde- rung sowie deren stärkere Ausrich- tung auf forschungs- und wert- schöpfungsintensive Unterneh- men, die Entwicklung von speziellen Förderprodukten, die die knap- pen finanziellen Ressourcen noch klarer auf die wirtschaftlichen Stärken des Landes ausrichtet, ins- besondere auch auf Cluster und wissensintensive Branchen, die gezielte und passgenaue För- derung vor allem technologieori- entierter Unternehmen, die Förderung des Innovationspo- tenzials kleiner und mittlerer Un- ternehmen (KMU), damit diese

sich am Markt und im Wettbe- werb behaupten können, ein- schließlich produktbezogener Stra- tegien zur Markteinführung. Wir setzen als Investitionsbank auch künftig alles daran, um das uns übertragene und gemeinsam mit dem Land entwickelte Portfolio als zentrale Fördereinrichtung Sachsen- Anhalts vollständig umzusetzen und optimal zur Geltung zu bringen – als verlässlicher und strategischer Part- ner des Landes. Diese zugewiesene Rolle wird weiterhin verantwor- tungsvoll wahrgenommen und ide- enreich mit Leben erfüllt, die krea- tive Entwicklung neuer Förderpro- dukte eingeschlossen. Dabei kann auf die vielfältigen Erfahrungen im Fördergeschäft zurückgegriffen so- wie das Know-how als Förderdienst- leister mit den gegebenen Möglich- keiten als Bank fortgesetzt optimiert und genutzt werden. Durch eine ziel- gerichtete lang- und mittelfristig aus- gerichtete Förderpraxis wird durch die Investitionsbank zur weiteren wirtschaftlich dyna- mischen Entwicklung des Landes beigetragen, die traditionelle Wirtschaftsstruk- tur Sachsen-Anhalts ebenso ge- stärkt wie Wachstums- und Zu- kunftsbranchen, die weitere nachhaltige Profilie- rung bereits am Markt etablierter Unternehmen unterstützt, die Entwicklung von Forschung und Entwicklung sowie wissensba- sierter Innovation gefördert, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften vorangebracht, die Konsolidierung des Landes- haushalts wirksam begleitet, an der Erschließung europäischer Fördermöglichkeiten für Sachsen- Anhalt außerhalb der EU-Struktur- fonds mitgearbeitet, der gemeinsam mit dem Land ein- geleitete und notwendige Prozess der Umstrukturierung der Förder- landschaft von Zuschuss- auf Darlehensförderung aktiv mitge- staltet,

mit den gegebenen Möglichkeiten an der zukunftsfähigen Ausgestal- tung regionaler und ländlicher Le- bensräume mitgewirkt.

Offensiv werben

Dieses Bündel an Aufgaben und Mitwirkungsmöglichkeiten zeigt:

Die Investitionsbank Sachsen-An- halt hat eine langfristige Perspek- tive und Funktion zur Entwicklung des Landes. Dabei werden wir die uns übertragene Palette an Förder- programmen und -leistungen für Un- ternehmen, Gründer, Kommunen so-

„Die Aktivitäten unmittelbar vor Ort werden künftig noch verstärkt, um für die Kunden unkomplizier- ter und direkter ansprechbar zu sein.“

wie private Kunden landesweit noch bekannter machen und offensiv be- werben. Das entspricht dem förder- politischen Auftrag und ist zugleich eigener Anspruch. Der Zugang zu den Förder- und Finanzierungsbau- steinen soll möglichst unbürokra- tisch und zeitnah gesichert werden. Die Aktivitäten unmittelbar vor Ort werden künftig noch verstärkt, um für die Kunden unkomplizierter und direkter ansprechbar zu sein. Wir agieren weiter wettbewerbsneutral und marktergänzend. Die Zusam- menarbeit mit Hausbanken bleibt selbstverständlich, insbesondere werden die Beziehungen zu den Ko- operationspartnern zum gegenseiti- gen Vorteil genutzt, und das landes- weite Netzwerk wird weiter ausge- baut.

Sonnabend, 18. Juni 2011

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 116 B 3

Landwirte als Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energien

Vom Agrar- zum Energie-Unternehmer – Investitionen wie kaum eine andere Branche vorangetrieben – Basel III schränkt die Kreditvergabe nicht ein

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Der verheerende Reaktorunfall in Ja- pan hat in Deutschland zu einer in- tensiven Debatte über die Energie- versorgung der Zukunft geführt. Die erst Ende letzten Jahres gesetzlich beschlossene Laufzeitverlängerung für ältere AKW wird nun vorerst aus- gesetzt und das möglichst schnelle Abschalten aller bestehenden Meiler diskutiert. Klar ist, dass eine grund- sätzliche Energiewende einen ge- samtgesellschaftlichen und politi- schen Konsens erfordert. Aus wel- chen Quellen soll die Energie kom- men? Welche Kosten sind damit ver- bunden? Welche Nachteile erwach- sen daraus? Dies sind die Fragen, die Politik und Gesellschaft beantwor- ten müssen. Einigkeit besteht aber bereits jetzt darüber, dass die Potenziale der er- neuerbaren Energien noch stärker als bisher genutzt werden müssen. Gelten sie doch als Hoffnungsträger für eine klimafreundliche und unab- hängige Energieversorgung. Mit dem bereits lange vor Fukushima verabschiedeten „Gesetz für den Vor- rang Erneuerbarer Energien“, kurz EEG, sollen die definierten Ausbau- ziele erreicht werden. Dieses Gesetz ist die Grundlage für die deutschen Landwirte, verstärkt in erneuerbare Energien zu investieren und damit ei- nen maßgeblichen Beitrag zum Kli- maschutz zu leisten.

Biogasbehälter unübersehbar

Bei Energie aus erneuerbaren Quellen denken vermutlich die we- nigsten als Erstes an die Landwirt- schaft. Wird diese doch in der Gesell- schaft nur als ein vergleichsweise kleiner Wirtschaftszweig wahrge- nommen, der seit Jahrzehnten in ei- nem Strukturwandel steckt. Zwar ar- beiten inzwischen nur noch rund 2,1 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Die volkswirtschaftli- che Bedeutung des Sektors ist je- doch deutlich höher. Schließlich nimmt die Landwirtschaft in Deutschland eine zentrale Rolle bei der Versorgung mit hochwertigen und bezahlbaren Nahrungsmitteln ein. Hinzugekommen ist in den ver- gangenen Jahren noch die dezen- trale Versorgung mit Energie aus er- neuerbaren Quellen. Davon kann man sich bei einem Besuch auf dem

Land leicht überzeugen. Bei einem Blick auf so manchen landwirtschaft- lichen Hof fallen zunehmend Verän- derungen auf: Photovoltaikanlagen glitzern auf den Dächern, und rie- sige grüne Biogasbehälter wölben ihre Gashauben in den Himmel.

Branche den Ausbau von erneuerba- ren Energien vorangetrieben. Die vorhandenen Stall- und Scheunendä- cher sind hierfür prädestiniert. Da-

her wurden sie – vorausgesetzt, Lage und Dachneigung stimmen – ver- stärkt für Photovoltaikanlagen ge- nutzt. Exakte Zahlen für

für Photovoltaikanlagen ge- nutzt. Exakte Zahlen für Von Horst Reinhardt Vorstandsmitglied der

Von

Horst Reinhardt

Vorstandsmitglied der Landwirtschaftlichen Rentenbank

die Verbreitung der Pho- tovoltaikanlagen in der Landwirtschaft sind schwer zu ermitteln. Schätzungen zufolge sind über 20% der beste- henden Photovoltaik- anlagen in Deutschland auf landwirtschaftlichen Gebäuden installiert. Die Rentenbank hat im Rahmen ihrer Fördertä- tigkeit allein in den letz- ten beiden Jahren über

Gebäuden installiert. Die Rentenbank hat im Rahmen ihrer Fördertä- tigkeit allein in den letz- ten beiden
Gebäuden installiert. Die Rentenbank hat im Rahmen ihrer Fördertä- tigkeit allein in den letz- ten beiden

Das Engagement der Landwirte beim Ausbau erneuerbarer Energien spiegelt sich auch in der Förderbi- lanz der Rentenbank wider. Mit 2,3 Mrd. Euro entfielen im Geschäfts- jahr 2010 rund 40 % des gesamten Förderneugeschäfts auf die Finanzie- rung von Investitionen in erneuer- bare Energien. Die Nachfrage nach Förderkrediten wuchs in diesem Seg- ment um rund 49 %. Etwa je zur Hälfte flossen diese Mittel in den Ausbau von Biogas- und Photovolta- ikanlagen. Die Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum finanziert Investitionen in er- neuerbare Energien im Rahmen des Förderprogramms „Energie vom Land“ zu ihren besonders günstigen Top-Konditionen. Das EEG hat zweifelsohne attrak- tive Rahmenbedingungen für die In- vestitionen in Photovoltaik und Co. geschaffen. Viele Landwirte konnten sich mit festen und planbaren Rah- menbedingungen ein weiteres Stand- bein schaffen, da die Einspeiseerlöse für 20 Jahre vorgegeben sind. Dies passt vielen Betriebsleitern ideal in ihr betriebliches Risikomanagement- konzept. Die Agrarmärkte werden durch den Rückzug der Agrarpolitik immer volatiler und dadurch unsi- cherer. Eine Diversifizierung und so- mit die Erschließung neuer Märkte ist für viele daher äußerst sinnvoll. Die deutsche Landwirtschaft hat in den letzten Jahren durch ihre In- vestitionen wie kaum eine andere

2 Mrd. Euro Kredite für den Bau dieser Anlagen vergeben. Doch es ist nicht nur das Engage- ment für die solare Stromerzeu- gung, die den Landwirt immer mehr zum Energiewirt macht. In den ver- gangenen Jahren engagierten sich viele Landwirte auch in der Produk- tion von Bioenergie. Ende 2010 gab es in Deutschland rund 6 000 Biogas- anlagen mit einer installierten elek- trischen Leistung von insgesamt 2 279 Megawatt. Dies entspricht der Leistung von 1,5 Kernkraftwerken. In diesem Jahr werden gut 800 neue Anlagen hinzukommen. Über- wiegend befinden sich diese Biogas- anlagen in der Hand von Landwir- ten. Gerade in den letzten Jahren sind verstärkt kleine sogenannte Hof- biogasanlagen gebaut worden. Die Rentenbank bewilligte 2010 rund 1 Mrd. Euro für rund 1 800 Biogaspro- jekte. Damit finanzierte sie rund 70 % des Investitionsvolumens von Biogasanlagen in Deutschland. Da- bei nahm auch der Einsatz von Lea- sing-Finanzierungen deutlich zu. Vor allem beim Bau von Photovol- taikanlagen setzten die Antragsteller auf das Leasing. Interessant ist diese Form der Finanzierung aber auch bei der Errichtung von Biogasanla- gen. Dabei werden in erster Linie die Blockheizkraftwerke (BHKW) ge- least. Ein entscheidendes Kriterium vieler landwirtschaftlicher Betriebe für die Leasingfinanzierung von In- vestitionen in erneuerbare Energien sind die Kreditsicherheiten. Sie wer-

Gute Breitbandversorgung ist ein zentraler Standortfaktor

Zukunftsweisende Lösung führt im nördlichsten Bundesland zum Ziel

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Eine zukunftsfähige Infrastruktur dient der wirtschaftlichen Entwick- lung des Landes. Studien belegen, dass Unternehmen einen schnellen Internet-Anschluss als Standortfak- tor sehr hoch bewerten. Teilweise ist die leistungsfähige Anbindung

wirtschaftsministerium und Investiti- onsbank. Während die meisten Städte und Ballungsräume bereits eine relativ gute Breitbandversorgung haben, verfügen rund 300 Gemeinden im ländlichen Raum nicht einmal über eine Grundversorgung von 1 MBit/s im Download. Die An-

sprüche an die Übertra-

gungsgeschwindigkei-

Die An- sprüche an die Übertra- gungsgeschwindigkei- Von ten bzw. -mengen und Erk die Sicherheit der

Von

ten bzw. -mengen und

Erk

die Sicherheit der Daten-

Westermann-Lammers

übertragung steigen ra- pide. Experten erwarten eine jährliche Steige- rung um 50 %. Die Stra- tegie der Bundesregie- rung sieht vor, bis 2014

Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Schleswig-Holstein

mindestens 75 % der Haushalte an eine Inter- netverbindung mit 50 MBit/s anzuschließen.

ans Internet wichtiger als ein Auto- bahnanschluss, für einige Branchen sogar von existenzieller Bedeutung. Eine gute Breitbandversorgung ist demnach ein zentraler Standort- faktor. Aufgabe der Investitionsbank Schleswig-Holstein als zentrales För- derinstitut ist es, die wirtschafts- und strukturpolitische Entwicklung des Landes zu unterstützen. Dabei steht das frühzeitige Aufgreifen von Entwicklungen besonders im Fokus, um gegebenenfalls den Markt vorzu- bereiten oder zu öffnen. Ende 2009 hatte die schleswig-hol- steinische Landesregierung ihre Breitbandstrategie beschlossen und die Errichtung eines Breitbandkom- petenzzentrums durch die kommu- nalen Landesverbände unterstützt. Damit konzentrieren sich wichtige Akteure gemeinsam auf dieses kom- plexe Thema – im Schulterschluss mit Wirtschaftsministerium, Land-

Schleswig-Holstein sieht kurzfristig die Versorgung aller Gemeinden mit mindestens 1 MBit/s vor. Bis 2020 werden Hochgeschwin- digkeitsnetze von 100 MBit/s und mehr angestrebt. Im Bereich der öffentlichen Infra- struktur ist die Marktöffnungs- funktion einer Förderbank beson- ders gefragt. Hausbanken der öffent- lichen Hand sind überwiegend Ge- nossenschaftsbanken und Sparkas- sen. Diese brauchen oft wegen der Größenordnung der Infrastrukturfi- nanzierungen einen Konsortial- partner.

Wunsch nach Hilfestellung

Auch bei Kunden aus dem kommu- nalen Umfeld besteht oft der Wunsch nach Hilfestellung. Hier geht es zunächst um Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Das Thema „Breitband“, das alle Men- schen der Region bewegt, spielt eine

große Rolle in den kommunalen Dis- kussionen. Die Investitionsbank hat sich früh- zeitig mit den technischen und be- triebswirtschaftlichen Fragestellun- gen von Breitbandlösungen beschäf- tigt. Die bisherigen Erfahrungen zei- gen, dass zwei wesentliche Voraus- setzungen derzeit nicht ausreichend am Markt vorhanden sind:

Zielgerichtete und unabhängige Begleitung der Projekte (das Pro- jekt muss für Banken nachvoll- ziehbar und überzeugend sein – nur dann ist eine Bereitstellung von Krediten zu erwarten);setzungen derzeit nicht ausreichend am Markt vorhanden sind: langfristige, zinsgünstige Finan- zierungsangebote mit

langfristige, zinsgünstige Finan- zierungsangebote mit eindeuti- gen Leitplanken bei Sicherheiten und Struktur. Diese Erfahrungen führten dazu, dass die Investitionsbank 2010 im Auftrag des Landes ein eigenes Pro- dukt „IB.Breitband“ entwickelt hat. Durch die zentrale, diskriminierungs- freie Rolle der Bank ergeben sich bei frühzeitiger Einbindung Vorteile für alle Beteiligten. Investoren hilft, dass die Transparenz der Investiti- onsentscheidung erhöht wird und zinsgünstige, langfristige Finanzie- rungsmittel angeboten werden. Die beteiligten Kreditinstitute profitie- ren von der partnerschaftlichen Erar- beitung von Finanzierungskonzep- ten und dem zusätzlichen Angebot zinsgünstiger Refinanzierungsmittel durch die Investitionsbank. Das gemeinsame Finanzierungskonzept macht die Finanzierung häufig über- haupt erst möglich, das heißt, eine „Kreditklemme“ wird damit vermie- den. Das Angebot umfasst eine Check- liste und in der Folge Modelle für den Aufbau eines Businessplans. Aus- drücklich ist es nicht Aufgabe der In- vestitionsbank, den Businessplan zu Fortsetzung Seite B 6 Fortsetzung Seite B 6

den dann nicht für das zweite Stand- bein „Neue Energien“ verbraucht und stehen weiter für Investitionen in die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Der Kernbetrieb bleibt entwicklungsfähig, und der Unternehmer kann dennoch vom Boom der erneuerbaren Energien profitieren. Auf der Basis von Biogas werden mittlerweile rund 15 Millionen Me- gawattstunden Strom pro Jahr er- zeugt, was zur Versorgung von 4,3 Millionen Haushalten reicht. Trotz dieser gewaltig klingenden Zahl liegt der Anteil des aus Biogas ge- wonnenen Stroms am gesamten Stromverbrauch laut dem Fachver- band Biogas bei nur 2,6 %. Bereits heute stammen mehr als 65 % der erneuerbaren Energien aus Biomasse, wozu auch die Biokraft- stoffe zählen. Der Rest wird aus Wind, Wasser oder der Solarnut- zung erzeugt. Die Anbaufläche für Biomasse umfasst aktuell deutsch- landweit etwa 1,8 Mill. ha. Das Flä- chenpotenzial liegt Schätzungen zu- folge laut einer Studie des Deut- schen Biomasse Forschungszen- trums (DBFZ) in den kommenden Jahren bei über 3 Mill. Hektar.

Teller-oder-Tank-Diskussion

In diesem Zusammenhang flammt jedoch des Öfteren die sogenannte „Teller-oder-Tank“-Diskussion auf. Die zitierte Studie geht davon aus, dass das zusätzliche Potenzial in Deutschland überwiegend durch den Nachfragerückgang aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen und durch steigende Ernteerträge zu- stande kommt. Die Ausweitung der Biomasseproduktion zur Energiege- winnung würde unter dieser An- nahme also nicht zulasten der Nah- rungsmittelproduktion erfolgen. Als wichtigster Lieferant von Bio- masse leistet die Landwirtschaft nicht nur einen wichtigen Beitrag

zum Ausbau der erneuerbaren Ener- gien, sie trägt auch maßgeblich zum Klimaschutz bei. Allein durch die 2010 von der Rentenbank geförder- ten Investitionen in die Produktion von Biogas- und Solarstrom wird jährlich die Emission von rund 1,3 Mill. Tonnen CO2 vermieden. Das entspricht immerhin der durch- schnittlichen konsumbasierten Jah- resemission einer Stadt mit etwa 170 000 Einwohnern.

Kreditvolumen hoch wie nie

Durch die beschriebene Entwick- lung hat sich im Sektor Landwirt- schaft auch die Finanzierung weiter- entwickelt. Die immer größeren Pro- jekte können einzelbetrieblich oft- mals nur mit hohem Fremdkapital- einsatz realisiert werden. Nicht sel- ten kommen dabei Projekt- oder Lea- singfinanzierungen zum Einsatz. Die Fremdfinanzierung ist für die Land- wirte zum allergrößten Teil kein Pro- blem. In der Agrarfinanzierung do- minieren die Genossenschaftsban- ken und Sparkassen sowie auf das Agrargeschäft spezialisierte Privat- banken. Gerade diese Institute ha- ben sich auch während der Finanz- krise als äußerst stabil erwiesen. So- mit konnten sie die Entwicklungsvor- haben kräftig unterstützen. Sie ha- ben den Landwirten ein so hohes Kreditvolumen gewährt wie noch nie. Laut Bundesbankstatistik ist das Kreditvolumen Ende 2010 auf den absoluten Rekordwert von 40,3 Mrd. Euro gestiegen. Und das nicht ohne Grund. Landwirte sind attraktive und ver- lässliche Kreditkunden. Durch die er- neuerbaren Energien sind sie sogar zu „doppelten“ Kreditkunden gewor- den. Sie produzieren innerhalb ihrer nachhaltigen Geschäftsmodelle zwei lebenswichtige Güter: Nahrungsmit- tel und grüne Energie. Viele Haus- banken haben die Landwirtschaft da- her in den letzten Jahren als attrakti-

ven Kunden wiederentdeckt. Das da- für notwendige Agrar-Know-how musste in vielen Häusern allerdings erst aufgebaut werden. Dass die Zusammenarbeit zwi- schen der Hausbank und den Land- wirten recht gut ist, zeigt eine aus- führliche Unternehmerbefragung, die Ende 2010 durchgeführt wurde. Demnach beurteilten die Landwirte die agrarfachliche Kompetenz ihrer Hausbanken auf einer Skala von 1 bis 5 mit einem Wert von 2,6. Hin- sichtlich der Finanzierungskompe- tenz bewerteten sie die Hausbanken mit 2,4. Naturgemäß streuen die Er- gebnisse zwischen den Bankengrup- pen und den einzelnen Regionen. Doch eines wird aus der Befragung klar: Gerade die Banken in den länd- lichen Gebieten haben sich auf ihre Agrarkunden eingestellt und speziali- siert. Die strengeren Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften werden die zukünftige Kreditversorgung der Landwirte kaum beeinträchtigen. Ziel dieser Maßnahmen ist eine stär- kere Ausrichtung des Finanzsektors an realwirtschaftlichen Aktivitäten. Bisher gibt es auch keine Hin- weise, dass die Attraktivität von Fi- nanzierungen in erneuerbaren Ener- gien von den Regulierungsansätzen beeinträchtigt wird. Von der bevorstehenden Energie- wende in Deutschland profitieren nicht zuletzt auch Landwirte als Energieunternehmer. Die Bioener- gie wird bei der Deckung des künfti- gen Strom- und Wärmebedarfs eine zunehmende Rolle spielen. Und für die Gewinnung von Biokraftstoff ist die Verwertung von Pflanzen sogar unverzichtbar. Im Energiemix bildet die Bioenergie daher einen wichti- gen Baustein. Aber auch durch den weiteren Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen werden die Land- wirte in Deutschland einen wesentli- chen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten.

werden die Land- wirte in Deutschland einen wesentli- chen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten.

B 4 Börsen-Zeitung Nr. 116

Sonderbeilage

Sonnabend, 18. Juni 2011

„Ländlich“ ist heute ein weit gefasster Begriff

Aufbau von Beschäftigungsalternativen gilt als Herausforderung – Stimmen die Rahmenbedingungen, gewinnt die Entwicklung der Unternehmen an Eigendynamik

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Eine Förderung des ländlichen Raums, die nur Landwirtschaftsför- derung im Blick hat, greift zu kurz. Zwar hält sich immer noch hartnä- ckig die Vorstellung, „ländlich“ be- deute vor allem „Landwirtschaft“. Den Status als die Beschäftigung trei-

men, schaffen sie nachhaltig Arbeits- plätze in ihrer Heimatregion.Bei al- ler Relativierung: Der Landwirt- schaft sind in den letzten Jahren auch viele neue Aufgaben zugewach- sen. Als Stichworte seien hier nur die Themen Landschaftspflege oder der Bereich Klima- und Umwelt- schutz genannt. Gerade

oder der Bereich Klima- und Umwelt- schutz genannt. Gerade Von Manfred Schmitz-Kaiser Vorstandsmitglied

Von

Manfred

Schmitz-Kaiser

Vorstandsmitglied

der L-Bank

die Entwicklung der letz- ten Monate zeigt zu- dem, wie wichtig auch in Zukunft der agrari- sche Bereich aus wirt- schaftlicher Sicht ist. Die Preise vieler Nah- rungsmittelrohstoffe be- finden sich auf dem Hö- henflug, denn die welt- weiten Lagerbestände – etwa für Getreide – lie- gen auf einem mehrjäh- rigen Tiefstand. Kurz:

denn die welt- weiten Lagerbestände – etwa für Getreide – lie- gen auf einem mehrjäh- rigen
denn die welt- weiten Lagerbestände – etwa für Getreide – lie- gen auf einem mehrjäh- rigen
denn die welt- weiten Lagerbestände – etwa für Getreide – lie- gen auf einem mehrjäh- rigen
denn die welt- weiten Lagerbestände – etwa für Getreide – lie- gen auf einem mehrjäh- rigen

bende Wirtschaftskraft hat die Land- wirtschaft jedoch längst verloren. Die mit den enormen Fortschritten in der Tier- und Pflanzenzüchtung, im Pflanzenschutz und in der Techni- sierung einhergehenden Produktivi- tätssteigerungen führten zu einem drastischen Sinken des Arbeitskräfte- bedarfs in der Landwirtschaft. Heute arbeitet in Deutschland nur rund je- der 50. Erwerbstätige im primären Sektor, und sein Beitrag zur Brutto- wertschöpfung liegt bei knapp ei- nem Prozent. Für den ländlichen Raum ist daher schon seit langem der Aufbau von Be- schäftigungsalternativen die große Herausforderung. Dort, wo die Be- deutung der Landwirtschaft heute noch deutlich über dem Durch- schnitt liegt, signalisiert das eher Handlungsbedarf. Die Erfahrung zeigt, dass dabei der Schwerpunkt auf die Innenentwicklung gelegt wer- den sollte. Unternehmen, die in der Region groß werden, haben eine hohe Standorttreue. Wenn die grund- legenden Rahmenbedingungen stim-

Nahrungsmittel sind knapp. Zwar gelingt es, die Effizienz der Nahrungsmittelproduktion im- mer weiter zu steigern, aber globale Trends wie die weltweite Bevölke- rungsexplosion, veränderte Essge- wohnheiten, der zunehmende Ein- satz von Biomasse für energetische Zwecke oder die klimatischen Verän- derungen sprechen für langfristige Nachfrageüberhänge.

Hohe Preissensibilität

Ein weiteres Kennzeichen der in- ternational geprägten Nahrungsmit- telmärkte ist ihre hohe Preissensibili- tät. Von extremen Wetterverhältnis- sen ausgehende weltweite Angebots- schwankungen führen zu massiven Preisausschlägen. Diese hohe Volati- lität des Marktes ist für die Anbieter nur schwer zu bewältigen. Der natur- bedingt langfristige Produktionspro- zess steht kurzfristigen Korrekturen und damit einer schnellen Reaktion auf diese Preissignale entgegen. Der Rückzug der EU aus der aktiven Markt- und Preispolitik hat die Situa-

tion für den einzelnen Produzenten zusätzlich erschwert. Neben den langfristigen Produktionsprozessen stellt die notwendige hohe Kapital- ausstattung große Anforderungen an die Betriebe. Die letzten für Deutschland verfügbaren Auswer- tungen zeigen, dass der landwirt- schaftliche Arbeitsplatz mit über 280 000 Euro je Erwerbstätigem sehr kapitalintensiv ist. Zum Ver- gleich: In der deutschen Industrie liegt die durchschnittliche Kapitalin- tensität bei 172 000 Euro je Erwerbs- tätigem, im Handel und im Bauge- werbe ist diese mit 53 000 Euro und 34 000 Euro je Beschäftigtem noch- mals deutlich niedriger. Daraus wird deutlich, dass auch in Zukunft eine leistungsfähige Landwirtschaft zu den Förderzielen der Gemeinschaft gehören muss. Andernfalls würde man eines der zentralen Anliegen der EU-Agrarpolitik, die Versor- gungssicherheit, gefährden. Zu den unterstützenden Maßnahmen gehö- ren die Angebote der Förderbanken. Unternehmen der agrarischen Wert- schöpfungskette können auf attrak- tive Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen zurückgreifen und sich auf die Betriebsmittelfinanzierun- gen der Förderbanken verlassen. Für die Entstehung von neuen Ar- beitsplätzen spielt die kommunale Infrastruktur eine wichtige Rolle. Mit der Bereitstellung einer attrakti- ven sozialen Infrastruktur in den Klein- und Mittelzentren und einer stimmigen Anbindung an die Produk- tionszentren der Ballungsräume schafft man die Grundlagen für eine solide mittelständische Basis im länd- lichen Raum.Dabei ist die Eigenent- wicklung der Regionen der Schlüssel zum Erfolg. Aus kleinen Handwerks- unternehmen können gewichtige Mittelständler werden – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ne- ben der Verkehrs- und Kommunikati- onsinfrastruktur spielt dabei der „Faktor Mensch“ eine große Rolle.

spielt dabei der „Faktor Mensch“ eine große Rolle. Womit wir bei der Bedeutung der Bil- dungsinfrastruktur

Womit wir bei der Bedeutung der Bil- dungsinfrastruktur wären. Der per- manente Erneuerungsprozess, den der internationale Wettbewerb for- dert, kommt nicht von allein. Hierzu bedarf es viel Wissens in den Unter- nehmen – und das heißt vor allem gut ausgebildete Mitarbeiter. Hier hat Baden-Württemberg auch in der Fläche viel getan. Es wurde für innovationsfreundliche Rahmenbedingungen gesorgt, Bil- dungsstätten auf allen Ebenen einge- richtet. Das Ergebnis kann man bei- spielsweise im Bereich der Hochschu- len sehen: Mit fast 80 staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen ist der Südwesten das hochschulreichste Land der Bundes- republik. Hinzu kommen über 100 außeruniversitäre Forschungsein- richtungen, die mit den Hochschu- len des Landes eng vernetzt sind. Viele der Hochschulstandorte sind dabei in den ländlichen Regionen oder von dort aus gut erreichbar. Wenn das Gesamtpaket stimmt, hat der ländliche Raum als Standort für den Mittelstand viele Vorteile. Wie attraktiv er ist, sieht man bei- spielsweise in Baden-Württemberg:

Bezogen auf die Zahl der Einwohner

ist der Südweststaat unter den Flä- chenländern das Bundesland mit den meisten „Hidden Champions“. Diese mittelständischen Weltmarkt- führer sind in allen Regionen des Landes zu finden und treten nicht nur in den Ballungsräumen konzen- triert auf.

Gute Perspektiven

Die Lage der Landwirtschaft wird durch das vierteljährlich erhobene Konjunktur- und Investitionsbarome- ter Agrar abgebildet. In der aktuel- len Auswertung weist der Trend wei- ter deutlich nach oben und liegt heute nur wenig unter dem Bestwert aus dem Dezember 2007. Diese gute Stimmung und die er- freuliche Lageeinschätzung zeigt auch die Nachfrage nach unseren Förderprogrammen: Nachdem be- reits im Jahr 2010 die bewilligten In- vestitionsfinanzierungen für die Landwirtschaft stark gestiegen wa- ren, konnten wir bis Ende April 2011 noch einmal eine Verdopplung des Fördervolumens gegenüber dem ent- sprechenden Vorjahreszeitraum ver- zeichnen. In Fotovoltaikanlagen wird aktuell eher vorsichtig inves-

tiert, der Anteil an Biogasanlagen hingegen ist unverändert hoch. Insgesamt zeigt das Ende 2010 an die Landwirtschaft in Deutschland von der gesamten Kreditwirtschaft vergebene Kreditvolumen mit dem Rekordwert von über 40 Mrd. Euro, dass das Kreditangebot für die Land- wirtschaft passt und das Zusammen- spiel von Förderbanken mit ihren Förderangeboten und den betreuen- den Geschäftsbanken funktioniert. Auch die Investitionsneigung des gewerblichen Mittelstandes ist hoch. Der Ifo-Konjunkturtest für Deutsch- land zeigt ebenso wie der L-Bank- Ifo-Konjunkturtest für Baden-Würt- temberg anhaltend positive Signale. Die L-Bank registriert dementspre- chend auch eine erfreulich hohe Nachfrage nach den Förderprogram- men für die Betriebe in ländlichen Regionen. Bei dem in Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Renten- bank angebotenen Investitionspro- gramm hat sich das Finanzierungsvo- lumen in den ersten Monaten 2011 verdreifacht. Hier bestätigt sich:

Wenn die Rahmenbedingungen stim- men, gewinnt die Entwicklung der Unternehmen in den ländlichen Re- gionen an Eigendynamik.

EIB steuerte der Wirtschaftskrise engagiert entgegen

Deutschland war 2010 drittgrößter Empfänger von Darlehen

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die größte multilaterale Fi- nanzierungsinstitution der Welt. Als europäische Bank für langfris- tige Finanzierungen unterstützt sie seit 1958 mit Hilfe von Darlehen die Umsetzung zukunftsfähiger und nachhaltiger Projekte. Aufgabe der EIB ist es, mit der Finanzierung langfristiger Investitionsvorhaben zur Integration, zur ausgewogenen Entwicklung sowie zum wirtschaftli- chen und sozialen Zusammenhalt der EU-Mitgliedstaaten beizutra- gen. Schwerpunkt bilden Projekte innerhalb der Europäischen Union.

ges, wenn auch konstant moderat wachsendes Vergabevolumen hi- nausgegangen. Die überdurch- schnittlich hohe Kreditvergabe bil- det den Abschluss der zweijährigen Anti-Krisen-Maßnahmen, die die EIB auf Wunsch ihrer Eigner, der EU-Mitgliedstaaten, seit Ende 2008 verfolgte. In den kommenden Jah- ren wird sich das Volumen wieder dem Vorkrisenpfad annähern. Mit rund 7 Mrd. Euro war Deutsch- land 2010 drittgrößter Empfänger von EIB-Darlehen. Lediglich Spa- nien (9,3 Mrd. Euro) und Polen (8,8

Mrd. Euro) erhielten mehr Darlehen zur Finanzierung von Projekten. For- schung und Entwick-

zur Finanzierung von Projekten. For- schung und Entwick- Von Matthias Kollatz-Ahnen Vizepräsident der

Von

Matthias

Kollatz-Ahnen

Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB)

lung von Industrievor- haben sowie Projekte zur Verbesserung des Klimaschutzes sind die wichtigsten Tätigkeits- felder der EIB in Deutschland. Weitere Schwerpunkte bilden verbesserte Stromnetze und erhöhte Netzeffi- zienz. Auch wenn die ak- tuell sehr starken Wachs- tumszahlen es schon fast wieder vergessen

und erhöhte Netzeffi- zienz. Auch wenn die ak- tuell sehr starken Wachs- tumszahlen es schon fast
und erhöhte Netzeffi- zienz. Auch wenn die ak- tuell sehr starken Wachs- tumszahlen es schon fast
und erhöhte Netzeffi- zienz. Auch wenn die ak- tuell sehr starken Wachs- tumszahlen es schon fast

Abhängig von entsprechenden poli- tischen Mandaten vergibt die EIB etwa 10 % ihrer Darlehen aber auch außerhalb der EU – an Projekte in Kandidatenländern, den östlichen Nachbarländern, im Mittelmeer- raum sowie in den Staaten Afrikas, der Karibik und des pazifischen Raums, in Lateinamerika und Asien. Bei der Entscheidung, welche Pro- jekte für eine Darlehensfinanzierung in Frage kommen, orientiert sich die Bank an den politischen Vorgaben der EU. Schwerpunkte der EIB-Kre- ditfinanzierung bilden Infrastruktur- vorhaben, Projekte im Energiesek- tor, Vorhaben, die zu einer Reduzie- rung von Schadstoffemissionen füh- ren sowie Projekte, die „smart growth“ ermöglichen, also dank In- novation ein umweltfreundliches, in- telligentes Wachstum zur Folge ha- ben. Es sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen, deren Pro- jekte durch Darlehen der EIB finan- ziert werden. Entscheidend dafür, ob ein Projekt kreditwürdig ist, sind Faktoren wie Innovationsgrad und technologischer Nutzen, wirtschaftli- che Lebensfähigkeit, Umwelt- und Klimaaspekte sowie die auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerich- tete Orientierung des Projekts.

Dem Vorkrisenpfad nähern

Im Jahr 2010 hat die Europäische Investitionsbank Darlehen im Ge- samtvolumen von 72 Mrd. Euro un- terzeichnet. Davon gingen rund 63 Mrd. Euro an Projekte innerhalb der EU und fast 9 Mrd. Euro an Projekte in Regionen außerhalb der EU. Da- mit ist die EIB das zweite Jahr in Folge mehr als 30 % über ihr bisheri-

lassen: Deutschlands Au- tomobilindustrie hatte die volle Wucht der Krise zu spüren bekom- men. Mit der Europäischen Fazilität für umweltfreundlichen Verkehr (ECTF, European Clean Transport Fa- cility) steuerte die EIB dagegen; sie stellte Europas Automobil- und Nutz- fahrzeugbranche in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt fast 14 Mrd. Euro zur Verfügung. Ziel war es, Pro- jekte im Bereich Schadstoffreduzie- rung und Erhöhung der Energieeffi- zienz umzusetzen. Da Unternehmen in Krisenzeiten am ehesten ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten einschrän- ken, hat die EIB ihre Finanzierung gezielt auf diese Bereiche ausgerich- tet und damit die Wettbewerbsfähig- keit der europäischen Automobilin- dustrie aufrechterhalten. Im Ergeb- nis haben davon vorrangig Deutsch- lands Automobil-Erstausrüster und -Zulieferer profitiert. Projekte in Deutschland machten allein ein Drit- tel der im Rahmen von ECTF geför- derten Vorhaben in Europa aus. Europäische Forschung und Ent- wicklung zu fördern, sieht die EIB als eine ihrer zentralen Aufgaben an. Besonders junge, noch nicht ausge- reifte Technologien sind auf Unter- stützung angewiesen, da kommer- zielle Banken die Erfolgsaussichten der oft langwierigen Entwicklungs- vorhaben als zu unsicher einschät- zen. Dagegen wird die EIB gerade bei F & E-Projekten tätig, die eine ge- ringe Subventionsintensität haben und sich deshalb für eine Darlehens- finanzierung mit langen Laufzeiten und günstigen Zinssätzen eignen. Neu für die europäische Ebene ist seit einigen Jahren ein Modell, bei dem ein – zurzeit kleiner – Teil des Kommissionsbudgets für Forschung

& Technologie als Verlustpuffer der EIB zur Verfügung gestellt wird. Soll- ten Projekte in Schwierigkeiten gera- ten, trägt der Haushalt bis zur vorher bestimmten Höhe des Verlustpuffers bei. Damit können Finanzierungsvo- lumina der Darlehen erreicht wer- den, die etwa sechsmal höher sind als bei einer Zuschussgewährung. Wenn die Auswahl der Projekte so er- folgt, dass am Ende der Laufzeit so- gar weniger Vorhaben als berechnet in Schwierigkeiten kommen, fällt die Haushaltsbelastung noch niedriger aus. Diese Finanzierungsweise wurde bis jetzt bei F & E-Projekten im Umfang von 5,5 Mrd. Euro einge- setzt und von einer europäischen Ex- pertenkommission in 2010 als sehr positiv bewertet. Die innovativen In- dustrieunternehmen sind hier die ty- pischen Empfänger. Ein aktuell viel diskutiertes Beispiel sind die erneu- erbaren Energien, deren Refinanzie- rung durch die gesetzlich gewährleis- teten, langfristigen Einspeisetarife gewährleistet ist. Zugleich müssen aber erhebliche technische Heraus- forderungen bewältigt werden.

Für die Bank nichts Neues

Erneuerbare Energien und Ener- gieeffizienz spielen nicht erst auf- grund der aktuellen Diskussion, son- dern bereits seit einigen Jahren eine zentrale Rolle für die EIB. Innerhalb von nur fünf Jahren ist die Darle- hensvergabe geradezu sprunghaft gestiegen. Erhielten Projekte im Be- reich erneuerbare Energien im Jahr 2006 Darlehen im Umfang von 400 Mill. Euro, unterstützte die EIB den Sektor im vergangenen Jahr schon mit Darlehen von 5,6 Mrd. Euro. Hinzu kamen weitere 1,7 Mrd. Euro für Energieeffizienz-Projekte.Vor al- lem das Segment der Offshore-Wind- energie hat in den vergangenen Jah- ren für die EIB erheblich an Bedeu- tung gewonnen. Hier sind für die Fi- nanzierung schnell Größenordnun- gen von bis zu 1 Mrd. Euro erforder- lich. Die EIB hat wichtige Pilotanla- gen in Großbritannien, Belgien und Deutschland finanziert. An den groß- volumigen Vorhaben beteiligt sich die Bank mit Darlehen in Höhe drei- stelliger Millionenbeträge. Beim Off- shore-Windpark Borkum West II bei- spielsweise, dem ersten deutschen Offshore-Projekt, das durch einen Verbund zahlreicher Stadtwerke rea- lisiert wird, hat die EIB mit ihrem Darlehen fast ein Drittel der Gesamt- kosten finanziert. An dem erst kürz- lich auf der Ostsee in Betrieb genom- menen Windpark Baltic I war die EIB ebenfalls maßgeblich an der Fi- nanzierung beteiligt. Onshore- Wind, Biogas und andere erneuer- bare Energieprojekte sind bereits rei- fer, deshalb finanziert die EIB sie schwerpunktmäßig über Refinanzie- rungsrahmen bei Partnerbanken mit langen Laufzeiten. Privatbanken sind hier die aktivsten Partner der EIB, gefolgt von öffentlichen und Förderbanken.

Sonnabend, 18. Juni 2011

Sonderbeilage

Börsen-Zeitung Nr. 116 B 5

Eine nachhaltige Energieversorgung möglich machen

KfW-Programme zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbarer Energien unterstützen dabei – Gemeinsame Anstrengungen notwendig

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Seit Wochen beherrscht das Thema Energiewende die politische Diskus- sion in Deutschland. Befürworter und Skeptiker eines schnellen Atom- ausstiegs bringen jeweils gute Argu- mente vor: Da stehen die nicht ein- schätzbaren Risiken der Kernkraft auf der einen und die hohen Kosten und möglicherweise technischen Schwierigkeiten einer Umstellung auf regenerative Energiequellen auf der anderen Seite. In der oft lebhaft geführten Diskussion geht jedoch un- ter, dass bereits seit Jahren tagtäg- lich die Energiewende im Kleinen stattfindet. Neben Teilen der Energiewirt- schaft sind es vor allem die Unter- nehmen, die Kommunen und Privat- leute, die in erneuerbare Energien zur Deckung ihres eigenen Strombe- darfs sowie in Maßnahmen zur Stei- gerung der Energieeffizienz investie- ren – viele von ihnen mit finanzieller Unterstützung der KfW. Diese Maß- nahmen zeigen Wirkung: Der Anteil der erneuerbaren Energien am ge- samten Strombedarf hat sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdreifacht, von gut 6 % auf knapp 17 %. So be- achtlich diese Fortschritte sind – noch sind sie viel zu gering, um den Anteil der regenerativen Energien am Bruttostromverbrauch bis zum Jahr 2050 wie geplant auf 80 % zu steigern. Der Weg zu einer weitestge- hend grünen Stromversorgung ist weit und bedarf enormer Anstren-

gungen. Technisch sind ein schnelle- rer Ausstieg aus der Kernenergie und eine allmähliche Umstellung auf erneuerbare Energien laut vielfa- cher Expertenmeinung möglich. Ohne dass in Deutschland die Lich- ter ausgehen! Doch ist eine schnelle Umstellung auch finanzierbar? Nach

seine eigene Energiewende einzulei- ten: Unternehmen, Energiekon-

zerne, Städte und Gemeinden, pri- vate und öffentliche Haushalte glei- chermaßen. Die Politik sollte hierfür die Rahmenbedingungen setzen und gezielt Anreize schaffen, um private Investitionen zu stimulieren. Die KfW kann mit ihren För-

Investitionen zu stimulieren. Die KfW kann mit ihren För- Von Ulrich Schröder Vorstandsvorsitzender der KfW

Von

Ulrich Schröder

Vorstandsvorsitzender der KfW

derprogrammen dabei helfen. Umwelt- und Klima- schutz sind heute eine zentrale Säule unserer Förderung. Bereits seit 1990 fördert die KfW ge- zielt Investitionen in Energieeffizienz und er- neuerbare Energien. In- zwischen fließt jeder dritte Euro unseres För- dervolumens in den Klima- und Umwelt-

und er- neuerbare Energien. In- zwischen fließt jeder dritte Euro unseres För- dervolumens in den Klima-
und er- neuerbare Energien. In- zwischen fließt jeder dritte Euro unseres För- dervolumens in den Klima-

ersten Schätzungen der Bundesregie- rung müssten bis 2050 Jahr für Jahr rund 20 Mrd. Euro in den Ausbau er- neuerbarer Energien und zur Steige- rung der Energieeffizienz gesteckt werden – bei einem beschleunigten Ausbau entsprechend mehr!

Nationale Aufgabe

Die Energiewende ist nicht allein Aufgabe der Regierung oder der gro- ßen Energiekonzerne; sie ist eine große nationale Gemeinschaftsauf- gabe. Jeder Einzelne ist gefordert,

schutz. Im Jahr 2010 entsprach das 25,3 Mrd. Euro. Welt- weit zählt die KfW zu den größten Fi- nanziers erneuerbarer Energien. 43 % aller im Jahr 2009 in Deutsch- land neu gebauten Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien er- zeugen, wurden von der KfW geför- dert. Im Bereich der Windkraft lag der Anteil sogar bei 54 %. Die Fördereffekte sind beachtlich:

Allein im Jahr 2009 konnte auf Im- porte fossiler Brennstoffe von rund 310 Mill. Euro verzichtet werden. Zu- dem wurde zwischen 2007 und 2009 der Ausstoß von jährlich rund

IM INTERVIEW: VORSTÄNDE DER LFA FÖRDERBANK BAYERN

„Wir sorgen seit 60 Jahren für Chancengleichheit“

Fördergeschäft ist nicht langweilig – Dem Mittelstand bestmöglich helfen

Die LfA Förderbank Bayern ist die Spezialbank des Freistaats zur Förderung gewerblicher Un- ternehmen und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Vor kur- zem feierte die LfA ihr 60-jähri- ges Jubiläum in der Münchner Residenz mit 400 geladenen Gäs- ten. Aus diesem Anlass äußerten sich die Vorstände Michael Schneider, Gerd Rometsch und Otto Beierl in einem Interview über das Erfolgsrezept ihrer Bank.

das Häuschen der Oma als Banksi- cherheit verfügen, finden oft erst gar keine Bank. Hier sorgen wir seit 60 Jahren für Chancengleichheit auf der Finanzierungsseite, indem wir Geld zu besonders günstigen Kondi- tionen bereitstellen und als Bürge einspringen, sodass überhaupt Kre- dite zugesagt werden können.

Eine Bank im Staatsbesitz bietet

außergewöhnliche Finanzierungs- vorteile – ist das nicht eine unglei- che Konkurrenz für die Geschäfts- banken? Rometsch: Im Gegenteil, wir pfle- gen eine langjährige gute Partner- schaft mit den Geschäftsbanken. Sie sind unsere direkten Partner im Fi- nanzierungsfall und unser Brücken- kopf zu den Firmen. Denn unsere Fördermittel werden von den Unter- nehmen bei ihren Hausbanken bean- tragt und auch über diese ausge- zahlt. Die Ge- schäftsbanken sind also immer in die Finanzierung eingebunden. Die- ses sogenannte Hausbankprinzip ermöglicht es uns, die Erfahrung der Hausbanken vor Ort in unsere Kre- ditentscheidung einzubinden und gleichzeitig den ei- genen Apparat schlank zu halten. Das hilft auch, die

Förderkonditio-

nen so günstig zu gestalten.

Effizienz in der Förderung – ist das der Schlüs- sel für den Er- folg? Beierl: Eine ver- nünftige Struktur allein wäre zu we- nig, denn wir wol- len mehr als nur Fördermittel ver- walten. Wir wol- len dem Mittel- stand aktiv und bestmöglich unter

die Arme greifen, und dafür braucht es vor allem die richtigen Finanzie- rungsangebote für den tatsächlichen Bedarf – und der ändert sich in einer vernetzten Welt sehr schnell. Wir ar- beiten deshalb ständig im Schulter- schluss mit der Staatsregierung so- wie den Hausbanken an der Verbes-

der Staatsregierung so- wie den Hausbanken an der Verbes- Börsen-Zeitung, 18.6.2011 In Bayern gibt es etwa

Börsen-Zeitung, 18.6.2011

In Bayern gibt es etwa 500 Ban- ken mit mehreren tausend Filia- len im ganzen Land. Wozu noch eine Förderbank? Schneider: Ganz einfach, weil wir zusätzliche Aufgaben wahrnehmen, die der Markt so nicht erfüllt. Bestes

Aufgaben wahrnehmen, die der Markt so nicht erfüllt. Bestes Feierstunde „60 Jahre LfA“ in der Münchner
Aufgaben wahrnehmen, die der Markt so nicht erfüllt. Bestes Feierstunde „60 Jahre LfA“ in der Münchner

Feierstunde „60 Jahre LfA“ in der Münchner Residenz:

Gerd Rometsch (Stv. Vorstandsvorsitzender), Michael Schneider (Vorstandsvorsitzender) und Otto Beierl (Vorstandsmitglied) (v.l.n.r.)

Beispiel ist unsere Mittelstandsfinan- zierung: Kleine und mittlere Unter- nehmen haben in der Regel schlech- tere Finanzierungsmöglichkeiten als größere Unternehmen, müssen aber im globalen Wettbewerb mithalten. Und Existenzgründer, die gute Ge- schäftsideen haben, aber nicht über

die gute Ge- schäftsideen haben, aber nicht über serung und Neuentwicklung von pas- senden Förderprogrammen

serung und Neuentwicklung von pas- senden Förderprogrammen für die heimische Wirtschaft.

Sie betonen Ihren Bayernbezug – dabei ist die Wirtschaft auch im Mittelstand längst global organi- siert. Wie passt das zusammen? Beierl: Als Landesförderinstitut setzt sich die LfA mit aller Kraft für bayerische Unternehmen ein. Ge- Beierl: Als Landesförderinstitut setzt sich die LfA mit aller Kraft für bayerische Unternehmen ein. Ge- rade für kleinere, hoch spezialisierte Unternehmen kann es wichtig sein, die Chancen ausländischer Märkte für sich zu nutzen. Deshalb beglei- ten wir den Mittelstand auch bei sei- nem Auslandsgeschäft, wenn dieses positiv auf den heimischen Standort zurückwirkt und hier Arbeitsplätze sichert. Globale Orientierung freut uns, für unsere Finanzierungsent- scheidung zählt aber auch hier im- mer der Bayerneffekt.

Muss eine Förderbank auch Geld verdienen? Rometsch: Natürlich. Der bayeri- sche Steuerzahler erwartet zu Recht von uns, dass wir kaufmännisch klug Rometsch: Natürlich. Der bayeri- sche Steuerzahler erwartet zu Recht von uns, dass wir kaufmännisch klug handeln und am Jahresende schwarze Zahlen schreiben. Aber auch wenn ein Teil unseres Gewinns in den Staatshaushalt einfließt, sind hohe Gewinne nicht unser Maßstab und auch nicht der Maßstab der Staatsregierung. Bei unseren Förder- krediten gewähren wir ohnehin so günstige Konditionen – da ist nicht viel zu verdienen. Und das ist auch in Ordnung, denn unser Geschäfts- ziel ist die optimale Erfüllung unse- res Förderauftrags für den Standort Bayern, für den Mittelstand und für die Arbeitsplätze!

Ein Fazit mit Augenzwinkern: die LfA – nicht nur eine Spezialbank, sondern eine ganz spezielle Bank? Schneider: Im positiven Sinn auf je- den Fall! Zu dieser Imagefrage passt auch, dass wir Schneider: Im positiven Sinn auf je- den Fall! Zu dieser Imagefrage passt auch, dass wir vor der Finanzkrise in Fachkreisen sogar als eher langwei- lig galten, weil wir auf dem Kapital- markt auf erstklassige Bonitäten set- zen und nur in Anlagen mit transpa- renter Struktur investieren – heute zahlt sich das aus. Aber unser Förder- geschäft ist keineswegs langweilig, gerade in schwierigen Fällen müs- sen wir ganz schön kreativ sein. Des- halb haben sich unsere Mitarbeiter besonders gefreut, als mitten in der Finanzkrise eine große süddeutsche Tageszeitung die LfA schlicht und einfach als „gute Bank“ betitelte.

Das Interview führte Claudia Weippert-Stemmer.

10,6 Mill. Tonnen CO2 vermieden. Und auch der Arbeitsmarkt profitiert von den Fördermaßnahmen: Rund 41 000 Arbeitsplätze wurden im Zuge der geförderten Investitionen neu geschaffen bzw. gesichert.

Kleines kann viel bewirken

Ebenso nachhaltige Effekte erzielt die Förderung der Energieeffizienz. Im Fokus steht neben mittelständi- schen Unternehmen und Kommu- nen vor allem der private Wohnungs- bau. Das Beispiel des Förderpro- gramms „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ zeigt, dass viele kleine Vorhaben viel bewirken kön- nen. 8,8 Mrd. Euro hat die KfW al- lein im letzten Jahr für die energeti- sche Sanierung von fast 430 000 Wohnungen eingesetzt. Für die Woh- nungsinhaber bedeutete dies eine Heizkostenersparnis von rund 70 % der Investitionskosten, für die Um- welt eine jährliche Einsparung von insgesamt 1 Mill. Tonnen CO2. Neben den konkreten Investitions- vorhaben wollten wir vor allem auch ein Bewusstsein in der breiten Öf- fentlichkeit fördern und Standards setzen. Vor zwei Jahren hat die KfW gemeinsam mit der Deutschen Ener- gieagentur dena und dem Bundesmi- nisterium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das KfW-Effizienz- haus als Marke für Energieeffizienz eingeführt. Heute hat sich die Sym- bolik, die komplexe energetische An- forderungen in praktikable und ver- ständliche Informationen übersetzt, erfolgreich am Markt durchgesetzt. Das Programm, das sich an der Energie-Einsparverordnung (EnEV) orientiert, ist unter anderem deshalb so erfolgreich, weil es keine techni- schen Vorgaben macht. Es eröffnet dem Investor die Möglichkeit, sich für die individuell günstigste Investi- tionsalternative zu entscheiden. Da- bei arbeitet es nach einer ganz einfa- chen Formel: je höher die Energieef-

fizienz, desto attraktiver die Förde- rung. So wird der Anreiz geschaffen, auch über gesetzliche Vorschriften hinaus zu investieren und techni- sche Innovationen einzusetzen. Das Besondere kreditfinanzierter Förderprogramme ist die Hebelwir- kung, mit der begrenzte öffentliche Mittel in erheblichem Maße private Investitionen mobilisieren können. 1,3 Mrd. Euro Haushaltsmittel steckte der Bund im Jahr 2010 als Zinsverbilligung in das Förderpro- gramm zum energetischen Bauen und Sanieren – 21,3 Mrd. Euro ha- ben private Bauherren investiert. An- ders ausgedrückt: Jeder Euro Haus- haltsmittel hat 16 Euro Investitionen angestoßen. Investitionen, die wie- derum 342 000 Arbeitsplätze für ein Jahr gesichert haben.

Eine noch höhere Priorität

Um einen raschen Ausstieg aus der Kernenergie zu ermöglichen gilt es, den Ausbau erneuerbarer Ener- gien und damit unmittelbar verbun- den auch den Ausbau der Strom- netze und Energiespeicher zu be- schleunigen. Die KfW beabsichtigt, ihren Förderprogrammen für erneu- erbare Energien und Energieeffi- zienz eine noch höhere Priorität ein- zuräumen und weitere Programme in diesem Bereich nach vorne zu schieben. So haben wir beispiels- weise ein Sonderprogramm zur För- derung von Offshore-Windparks über insgesamt 5 Mrd. Euro aufge- legt. Da Banken bislang noch wenig Erfahrung haben, die technischen Ri- siken einzuschätzen, ist eine rein kommerzielle Finanzierung derzeit sehr schwierig. Dies dürfte sich je- doch mit wachsender Zahl von Off- shore-Anlagen ändern. Trotz aller Anstrengungen, regene- rative Energien voranzubringen, wird es notwendig sein, den Anteil fossiler Energien zunächst zu erhö- hen. Doch eine Energieversorgung

ohne Kernkraft darf auf Dauer nicht zulasten eines erhöhten CO2-Aussto- ßes gehen. Daher muss die Energieef- fizienz weiterhin gesteigert werden – sowohl auf der Angebotsseite als auch der Nachfrageseite. Der Sach- verständigenrat für Umweltfragen sieht in der Steigerung der Energieef- fizienz gar die eigentliche Brücken- technologie für eine vollständige Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien.

Große Einsparpotenziale

In allen Sektoren des Energiever- brauchs, von Wärme über Strom bis hin zum Verkehr, bestehen noch große Einsparpotenziale. Die größ- ten Potenziale liegen im Gebäudebe- reich. Immerhin werden in Deutsch- land rund 40% der Endenergie in Ge- bäuden verbraucht, vorwiegend für Heizung und Warmwasser. Nach wie vor gelten 24 Millionen Wohn- einheiten als sanierungsbedürftig. Hier hat die KfW mit ihren Förder- programmen gute Möglichkeiten, die weitere Sanierung des Altbaube- stands voranzutreiben und so den Energieverbrauch unmittelbar und nachhaltig zu reduzieren. Mehr Energie einsparen und mehr alternative Energiequellen nutzen – mit dieser Doppelstrategie ist der Übergang in eine für Mensch und Na- tur nachhaltige Energieversorgung möglich. Die Herausforderungen sind ohne Frage immens und erfor- dern große gemeinsame Anstrengun- gen. Doch Deutschland hat schon öf- ters solch große Herausforderungen gemeistert. Vom Wiederaufbau nach dem Krieg über die Wiedervereini- gung bis hin zur Finanz- und Wirt- schaftskrise: Die KfW hat jeweils ent- scheidend dazu beigetragen, große gesellschaftspolitische Aufgaben zu bewältigen. Auch jetzt kann sie mit ihren Förderprogrammen helfen, die Energiewende möglich zu ma- chen.

Aufgaben zu bewältigen. Auch jetzt kann sie mit ihren Förderprogrammen helfen, die Energiewende möglich zu ma-

B 6 Börsen-Zeitung Nr. 116

Sonderbeilage

Sonnabend, 18. Juni 2011

Kostengünstig wichtige Infrastrukturvorhaben realisieren

Öffentlich-Private-Partnerschafts-Projekte gewinnen als transparentes Finanzinstrument an Bedeutung

Börsen-Zeitung, 18.6.2011 Nach Ausschöpfung des Konjunktur- programms von Bund und Land als Folge der Finanzkrise heißt es für Kommunen jetzt, den Gürtel wieder enger zu schnallen. Angesichts lee- rer Kassen ist es für sie eine Heraus- forderung, trotz dieses Jahr höher

wieder an Bedeutung gewinnen. Bei klassischen Finanzierungen muss

die Kommune als Eigentümer eines von ihr finanzierten Gebäudes in der Regel über die gesamte Nutzungs- dauer die kaum planbaren Instand- haltungskosten übernehmen. Lässt sie aber das Gebäude von einem pri- vaten Investor errichten

aber das Gebäude von einem pri- vaten Investor errichten Von Michael Reckhard Mitglied der Geschäfts-

Von

Michael Reckhard

Mitglied der Geschäfts- leitung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank)

und mietet es dann, trägt der Vermieter das Instandhaltungsrisiko. Die Kommune profitiert von exakt planbaren Kosten. Zugleich schont sie ihre liquiden Mittel. Hinzu kommt ein wei- terer Vorteil: Bei einer Refinanzierung eines ÖPP-Projekts über die Wirtschafts- und Infra- strukturbank Hessen (WIBank) kommt die

Bei einer Refinanzierung eines ÖPP-Projekts über die Wirtschafts- und Infra- strukturbank Hessen (WIBank) kommt die
Bei einer Refinanzierung eines ÖPP-Projekts über die Wirtschafts- und Infra- strukturbank Hessen (WIBank) kommt die

sprudelnder Steuereinnahmen den Bau von Schulen, Verwaltungen und anderen Infrastrukturprojekten zu fi- nanzieren. Verschärft wird dieser Trend nicht nur durch die vielerorts drückende Verschuldung der öffentli- chen Hand, sondern auch durch die kraft Wählerentscheid durchge- setzte Schuldenbremse, die im Jahr 2020 wirksam wird. So kommt es für Kämmerer von Städten und Land- kreisen jetzt mehr denn je darauf an, alle Chancen für die günstige Finan- zierung von Fremdmitteln zu nut- zen.

Exakt planbare Ausgaben

Beispiel hierfür sind Öffentlich-Pri- vate-Partnerschafts-Projekte (ÖPP), die aus mehreren Gründen als kos- tentransparentes Finanzinstrument

Kommune in den Ge- nuss günstigerer Zinskonditionen. Maßgeblich hierfür ist das gute Ra- ting des Landes Hessen. Als mit der Gewährträgerhaftung des Landes Hessen ausgestattete Förderbank wird der WIBank eine höhere Boni- tät beigemessen als den – gerade nach der Finanzmarktkrise als risiko- reicher eingeschätzten – Geschäfts- banken. Angesichts der langen Finanzie- rungslaufzeiten und der typischer- weise mehrstelligen Millionenbe- träge kommt da für die Stadtkasse schnell ein interessanter Betrag zu- sammen. Bislang wird diese Möglich- keit meist bei Projekten des öffentli- chen Personennahverkehrs im bis zu dreistelligen Millionenbereich ge- nutzt. Aufgrund der vielerorts schwierigeren Haushaltslage interes- sieren sich die Kommunen inzwi-

schen vermehrt auch für ÖPP-Pro- jekte zur Finanzierung größerer In- vestitionsvorhaben wie Schulen oder Krankenhäuser und deren Refi-

nanzierung. Damit Kommunen bei ÖPP-Projek- ten in den Genuss der günstigen Refi- nanzierung über die WIBank kom- men, müssen sie eine Voraussetzung erfüllen. Es kommt für sie darauf an, schon in der Ausschreibung auf die Refinanzierungsmöglichkeit durch die Förderbank hinzuweisen. So stellt die ausschreibende Kommune die Chancengleichheit unter den Bie- tern sicher. Jeder am Verfahren be- teiligte Investor kann dann die zins- günstigen Konditionen der WIBank- Finanzierung in seiner Kalkulation berücksichtigen. Wichtig ist also, schon vor der Ausschreibung frühzei- tig Kontakt zur WIBank aufzuneh- men. Um die Attraktivität ihres Ange- bots für die Kommunen weiter zu steigern, bietet die WIBank jetzt – er-

„Für die Kämmerer kommt es darauf an, diese und weitere Angebote zu nutzen.“

gänzend zur projektbezogenen Refi- nanzierung – das Modell „Globaldar- lehen“ an. Hierbei stellt die WIBank anderen Banken ein Budget für die Finanzierung mehrerer Projekte zur Verfügung. Voraussetzung ist ledig- lich, dass das Finanzinstitut doku- mentiert, dass die in Anspruch ge-

nommenen Mittel als Direktkredite an Kommunen gehen. Im Gegensatz zur projektbezogenen Refinanzie- rung sind im Rahmen von Globaldar- lehen allerdings Kredite der Ge- schäftsbanken an kommunale Toch- tergesellschaften ausgeschlossen.

Mehr Flexibilität

Refinanziert werden können ana- log zur projektbezogenen Finanzie- rung öffentliche Infrastrukturpro- jekte wie insbesondere Schulen und Kindergärten, Krankenhäuser und Al- tenpflegeeinrichtungen, kommunale Verkehrsinfrastruktur einschließlich öffentlichen Personennahverkehrs. Hinzu kommen der Neubau oder die Sanierung von Verwaltungsgebäu- den sowie kommunale Schwimmbä- der und andere Sportstätten. So er- halten die beteiligten Kreditinstitute ein höheres Maß an Flexibilität. Sie können nach Abschluss einer ent- sprechenden Rahmenvereinbarung ganze Darlehenstranchen ziehen, um damit die Finanzierung kommu- naler Infrastukturinvestitionen zu unterstützen. Mit dem Globaldarle- hen versetzt die WIBank Kreditinsti- tute in die Lage, flexibel auf kurzfris- tige und kleinteilige Finanzierungs- anfragen zu reagieren. Die kredit- nehmenden Kommunen profitieren wiederum von den günstigen Zins- konditionen, die von den Geschäfts- banken weitergegeben werden müssen. Ein derzeit noch etwas geringeres Sparpotenzial als im Refinanzie- rungsgeschäft eröffnet sich den Kom- munen bei der direkten Finanzie- rung von Infrastrukturprojekten über die WIBank. Hier steht sie mit Versicherern und Fonds im direkten

Hier steht sie mit Versicherern und Fonds im direkten Wettbewerb, die einen Teil ihrer Mit- tel

Wettbewerb, die einen Teil ihrer Mit- tel sicher anlegen müssen. Ver- gleichszinssatz ist hier meist der Zins von Bundespapieren. In diesem gut funktionierenden Markt bereitet es den Kommunen zurzeit noch keine Probleme, Geld aufzunehmen. Den- noch kann die WIBank auch hier im Rahmen ihres gesetzlichen Förder- auftrags wesentlich dazu beitragen, die Finanzierungskosten der Kommu-

Diesen Weg gingen jüngst mehrere größere hessische Städte bei Tochter- gesellschaften, welche unter ande- rem Feuerwehrhäuser bauen und der jeweiligen Stadt zur Verfügung stellen. Bei einer entsprechenden kommu- nalen Verbürgung ist dieses Modell auch für Krankenhäuser anwendbar. Kommunale Kliniken sind ebenfalls dem Bereich Daseinsfürsorge zuzu-

WIBANK

Vielfältige Aufgaben

Die Wirtschafts- und Infrastruktur- bank Hessen (WIBank) ging am 16. Juli 2009 aus der Verschmel- zung der Investitionsbank Hessen (IBH) mit der LTH – Bank für Infra- struktur hervor. Im Jahr 2010 erzielte sie mit 400 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von 8,8 Mrd. Euro. Die WIBank ist eine recht- lich unselbständige Anstalt in der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale – Helaba. Das Institut bündelt nahezu das gesamte mone- täre Fördergeschäft in Hessen. Der Europäische Sozialfonds und die

europäische Landwirtschaftsför- derung werden hier administriert und die Förderprogramme des Bundes und der Großteil der Programme des Landes Hessen um- gesetzt. Darüber hinaus bietet die Wirtschafts- und Infrastruktur- bank Hessen auch eigene Finanzie- rungsprogramme zu einem günsti- gen Zinssatz an. Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen arbeitet wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen zu- sammen. (Börsen-Zeitung, 18.6.2011)

nen zu senken. Dies ist besonders dann der Fall, wenn nicht die Kom- mune selbst, sondern eine kommu- nale Tochtergesellschaft Kreditneh- mer ist. Gerade in diesem Bereich kann der Zinsvorteil, der durch die WIBank bereitgestellt werden kann, ebenfalls durchaus erheblich sein. Für Tochterunternehmen ist ein WI- Bank-Kredit allerdings nur dann legi- tim, wenn sie sich im Bereich der so- genannten Daseinsvorsorge engagie- ren und nicht im Wettbewerb zu pri- vaten Anbietern stehen. Zur Daseinsvorsorge zählt zum Beispiel eine Schwimmbadbetreiber- gesellschaft oder die städtische Feu- erwehr. Hingegen ist etwa eine aus- gegliederte Gesellschaft zur Müllent- sorgung mit ihren privaten Wettbe- werbern nicht förderungsfähig. Zu- dem darf die WIBank von anderen Banken angebotene Zinssätze nur dann spürbar unterbieten, wenn die entsprechende Tochtergesellschaft als relativ sicherer Kreditnehmer ein- gestuft werden kann. Die Vorausset- zungen schafft etwa ein Magistrats- beschluss, wonach die Tochtergesell- schaft aus dem Kommunalhaushalt mit ausreichenden Mitteln auszustat- ten ist, oder eine andere Form der Si- cherstellung der Bedienung eines entsprechenden Darlehens wie etwa eine kommunale Ausfallbürgschaft.

rechnen. Allerdings ist derzeit eine Finanzierung kommunaler Kliniken ohne eine weitgehende Sicherheit durch die Kommune selbst kaum dar- stellbar. Krankenhäuser bergen aus banktechnischer Sicht ein hohes In- solvenzrisiko, auch wenn es im Allge- meinen schwer vorstellbar er- scheint, dass eine Kommune in der Praxis ein Krankenhaus wegen Insol- venz schließen wird. Die WIBank wird sich deshalb perspektivisch be- mühen, unter anderem ein Rating- system für Krankenhäuser zu entwi- ckeln, um zukünftig nicht zwingend auf kommunale Ausfallbürgschaften angewiesen zu sein. Häuser mit ho- her Bonität könnten dann davon pro- fitieren.

Fortlaufend Neuerungen

Wie diese Beispiele zeigen, eröff- net die WIBank über ihr Engage- ment als Förderbank für Unterneh- men hinaus den Kommunen viele Möglichkeiten, kostengünstig wich- tige Infrastrukturprojekte zu realisie- ren. Hierbei entwickelt sie fortlau- fend neue Produkte. Für die Kämme- rer kommt es darauf an, diese und weitere Angebote zu nutzen. Dann können sie ihre Vorhaben schnell und kosteneffizient auf den Weg bringen.

Gute Breitbandversorgung

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erstellen. Hierfür sind ggf. Berater vom Kunden zu beauftragen. Es folgt eine enge Abstimmung mit dem Kunden, seinen Beratern sowie späteren Finanzierungspartnern, da jedes Breitbandprojekt sehr individu- ell ist. Hinweise zu Eingangsparame- tern, zur Bewertung von Risiken, zur Sicherstellung u. v. m. helfen allen Beteiligten, das Projekt umsetzbar zu machen. Um eine möglichst zinsgünstige Fi- nanzierung anzubieten, arbeitet die Investitionsbank mit europa- und bundesweit tätigen Förderbanken zusammen:

Europäische Investitionsbank (EIB),mit europa- und bundesweit tätigen Förderbanken zusammen: Landwirtschaftliche Rentenbank (LR) Die EIB betrachtet das

Landwirtschaftliche Rentenbank (LR) Die EIB betrachtet das Thema „Breitband“ als Förderziel mit hoher Priorität. Allerdings können dort Ein- zelprojekte in einer Größenordnung von 5 bis 60 Mill. Euro, wie sie in Schleswig-Holstein die Regel sind, nicht angemeldet werden. Die Pro- jektvolumina liegen bei der EIB im Bereich von 150 bis 200 Mill. Euro. Wir haben daher vorgeschlagen, alle Vorhaben zu einem Projekt „Breit- band Schleswig-Holstein“ zusam- menzufassen, um so die kritische Größe zu überschreiten. Dieses Vor- gehen ist für die EIB bisher einzigar- tig. Das Modell hat gute Chancen, als Blaupause für andere zu dienen. Konkret hat die EIB ein Projekt „Breitband Schleswig-Holstein“ mit einem Volumen von zunächst 250 Mill. Euro und einem Finanzierungs-Förderbanken zusammen: Europäische Investitionsbank (EIB), anteil der EIB von 125 Mill. Euro zu- gesagt. Die EIB

anteil der EIB von 125 Mill. Euro zu- gesagt. Die EIB tritt als zinsgünstiger Refinanzierer für die Investitions- bank auf und übernimmt jeweils bis zu 50 % der Investitionskosten. Um die gesamte Fremdfinanzierung zins- günstig darstellen zu können, hat die LR die Lücke geschlossen, so dass wir eine 100-prozentige Bereit- stellung des Fremdmittelbedarfs in Kooperation mit Hausbanken sicher- stellen können. Wir koordinieren das Projekt „Breitband Schleswig- Holstein“, führen das Controlling durch und zahlen die Mittel aus. Hierbei streben wir immer eine Kon- sortialpartnerschaft mit den Haus- banken an.

Technologieneutral gestaltet

Wichtig war, das Produkt techno- logieneutral zu gestalten und allen möglichen Kundengruppen zugäng- lich zu machen. Es können privat or- ganisierte Gesellschaften, Stadt- werke, Kommunen oder Zweckver- bände Finanzierungsmittel erhalten. Kooperationsmodelle sind dabei nach unserer Beobachtung oft der Schlüssel zum Erfolg. Mittlerweile gibt es mehrere Pro- jekte zum Breitband-Ausbau im kom- munalen Umfeld. Einige sind bereits in der Durchführung und das häufig unter Einbindung privater Unterneh- men. Das Investitionsvolumen be- trägt derzeit ca. 600 Mill. Euro. Das Ziel, den Markt für Breitbandinvesti- tionen zu öffnen und Projekte zu un- terstützen, ist im nördlichsten Bun- desland mit einer zukunftsweisen- den Lösung geglückt.