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Elastisches Verhalten fester Polymere

Theorie des elastischen Verhaltens


Mechanisches Verhalten
• Der Elastizitätsmodul von Polymeren ist etwa um zwei
Größenordnungen niedriger als der von Metallen oder
Keramiken.
• Nennenswerte plastische Verformung dagegen setzt bei
Spannungen ein, die typischerweise nur eine Größenordnung
niedriger als bei Metallen sind.
• Dies bedeutet, dass Polymere deutlich größere elastische
Dehnungen ertragen können, ohne sich plastisch zu
verformen.
• Polymerwerkstoffe geben bis zu einem gewissen Grad
Belastungen in Form von Fließen, d.h. bleibender Verformung
nach.
• Bei einer Auslegung eines Polymerbauteils müssen diese
Dehnungen deshalb unbedingt berücksichtigt werden.
Viskoelastizität
Quelle: H. Greif,
Technologie der
Kunststoffe, Carl
Hanser Verlag
München Wien

Belastet man den Kunststoff, so werden zuerst die verknäulten


Makromolekülen gedehnt. Diese Dehnung geht zurück wenn es sofort
wieder entlastet wird, und die Belastung relativ klein ist. Belastet man
länger, so gleiten die Makromoleküle von einander ab.
Viskoelastizität

Viskoelastizität = zeitabhängige Elastizität


beruht auf einer verzögerten Gleichgewichtseinstellung der
Moleküle
Auswirkungen:
Kriechen Spannungsrelaxation
Dehnungszunahme unter konstanter Spannungsabbau bei Vorgabe einer
Spannung Dehnung

Abhängigkeit der Spannung


Dämpfung von Schwingungen
von der aufgebrachten
Dehngeschwindigkeit
Verformungsverhalten
• Das mechanische Verhalten eines Werkstoffs ist
gekennzeichnet durch die Verformung, die sich
aufgrund äußerlich einwirkender Kräfte ergibt.
• Bei Polymerwerkstoffen unterscheidet man drei sich
(meist) überlagernde Verformungsanteile:
- elastische Verformung (spontan, vollständig
reversibel)
- Viskoelastische oder relaxierende Verformung
(zeitabhängig, vollständig reversibel)
- Viskose Verformung (zeitabhängig, nicht reversibel)
• Die Dehnung ist also zum Teil elastisch (Knäueldehnung)
und zum Teil viskos (abgleiten der Moleküle).
Molekulares Bild des Verformungsverhaltens
- elastische Verformung (spontan,
vollständig reversibel)
- ENERGIEELASTISCHES VEHALTEN

- Viskoelastische oder
relaxierende Verformung
(zeitabhängig, vollständig
reversibel)
- ENTROPIEELASTISCHE
KETTENDEFORMATION

- Viskose Verformung
(zeitabhängig, nicht reversibel)
- KETTEN GLEITEN
- Lösen der mechanischen
Verschlingungen
Viskoelastizität
• Polymere zeigen bei mechanischer Beanspruchung im
normalen Gebrauch ein in Vergleich zu den meisten
anderen Werkstoffen besonders stark ausgeprägtes
viskoelastisches und viskoses (plastisches) Verhalten,
d. h. die auftretenden Deformationen sind teils
elastischer teils viskoser und plastischer
(irreversibler) Natur.

• Dies hat zur Folge, dass Werkstoffkenngrößen wie E-


Modul, Schubmodul und damit auch andere wichtige
mechanische Eigenschaften
 von der Temperatur, sondern auch
 von der Beanspruchungsgeschwindigkeit und
 der Belastungsdauer abhängen.
Lineare Viskoelastizität
• Sonderfall: Sind die Materialeigenschaften nur von der Zeit,
nicht jedoch von der Höhe der mechanischen Beanspruchung
abhängig, so wird das Verhalten als linear-viskoelastisch
bezeichnet.

• Lineare Viskoelastizität ist exakt nur für den Bereich infinitesimal


kleiner Beanspruchungen definiert. Im praktischen Fall liegen die
Gültigkeitsgrenzen für feste Polymere bei Dehnungen kleiner
1%, bei Polymerschmelzen können sie bis 100 % reichen.
• Linear-viskoelastisches Verhalten ist durch eine Kombination von
linear-elastischen und linear-viskosen Prozessen (Gesetze von
HOOKE und NEWTON) darstellbar.

• Zur Veranschaulichung können mechanische Analogiemodelle


verwendet werden, bei denen elastisches Verhalten durch eine
Feder und viskoses Verhalten durch einen Dämpfer symbolisiert
wird. Im einfachsten Fall sind beide Grundelemente, in Reihe
oder parallel angeordnet.
Linear-Viskoelastisches Verhalten

• umfasst nur geringe Dehnungen: einige


Zehntel bis maximal
 2 % bei PVC
 0,5 % bei GF-verstärkten Gießharzen
 < 0,1 % bei PE
 < 1% bei PC (RT)
 < 0,5 % bei PC (T=130 °C)
lineare Viskoelastizität: Das Langzeitverhalten ist von
der Höhe der wirkenden Spannung unabhängig
Lineare Viskoelastizität
wenn die Spannungs-
Verzerrungs-
Zusammenhänge linear
verlaufen, d.h. keine
Abhängigkeit von der
Höhe der Spannung
vorliegt.
Zur Beschreibung des
zeitlichen Verhaltens
wird nur eine einzige
Kriech- bzw.
Relaxationsfunktion
benötigt, die für alle Isochrones Spannungs-Verzerrungs-
Zeiten und Diagramm (qualitativ)
Spannungshöhen gültig
ist. Quelle: H. Schürmann, Konstruieren mit Faser-Kunststoff-
Verbunden, VDI-Buch, 2005, Springer Verlag
Viskoelastizität
energieelastischer Anteil
Valenzwinkelstreckung

Hooksches Gesetz

dσ dε Differentiation nach
=E
dt dt der Zeit
Sprungfeder: Sie kehrt nach der Entlastung sofort in ihre Ausgangslage zurück
Elastisches verhalten: die Verformung hängt nur von der momentan
herrschenden Spannung, nicht jedoch von der Zeit ab. Die Verformungsarbeit
wird als elastische Formänderungsenergie gespeichert und bei Entlastung
vollständig zurück gewonnen
Viskoelastizität
viskoser Anteil
Newtonsches Gesetz Viskosität:
• charakteristische Kenngröße zur
σ = η ⋅ ε Beschreibung des Verformungs-
verhaltens flüssiger Stoffe
Integration • beschreibt die Eigenschaft, bei
einer Verformung eine nur von
σ η der Verformungsgeschwindigkeit
ε = ⋅t abhängige Spannung aufzuneh-
η men
Abgleiten von Molekülketten Viskoses Verhalten:
- Eine einmal aufgebrachte Verformung
bleibt auch nach Entlastung erhalten
- Die zur Verformung aufgewendete Arbeit
wird vom Werkstoff vollständig dissipiert
Dämpfer: Nach der Entlastung verstreicht eine gewisse Zeit, bis der
Kolben seine Ausgangslage wieder erreicht hat
Lineare Viskoelastizität

• Die Reihenschaltung von Feder und Dämpfer wird als


MAXWELL-Modell bezeichnet. Sie beschreibt das Phänomen
der Spannungsrelaxation (Reaktion auf eine sprunghafte
Änderung der Verformung). Charakteristikum des Modells ist
die Additivität von elastischen und viskosen
Verformungsanteilen.

• Im Unterschied zum MAXWELL-Modell charakterisiert die als


VOIGT-KELVIN-Modell bekannte Parallelschaltung von Feder
und Dämpfer das Retardationsverhalten (Reaktion auf eine
sprunghafte Änderung der Spannung).
Lineare Viskoelastizität
Maxwell-Modell zur Beschreibung des Voigt-Kelvin Modell zur Beschreibung
Relaxationsverhaltens des Retardationsverhaltens
Lineare Viskoelastizität
Maxwell-Modell zur Beschreibung des
Relaxationsverhaltens
Lineare Viskoelastizität
Voigt-Kelvin Modell zur Beschreibung
des Retardationsverhaltens
Maxwell-Modell
Hintereinanderschaltung
ε, σ
Bei Be- und Entlastung folgen
σo = constant spontanelastische Verformungen
ideal elastisch
und infolge des Dämpfers eine
ε bleibende Verformung.

t1 t2 Zeit t

ε, σ ε, σ

σo = constant σo = constant
viskos
ε
ε

t1 t2 Zeit t t1 t2 Zeit t
Entropie- oder Gummielastizität
Parallelschaltung
ε, σ Viskoelastische Deformation:
die Dehnung stellt sich zeitverzögert
σo = constant
ideal elastisch ein, ist aber bei Entlastung voll
reversibel
ε

t1 t2 Zeit t

ε, σ ε, σ

σo = constant σo = constant
viskos entropieelastisch

ε ε

t1 t2 Zeit t t1 t2 Zeit t
Energieelastizität

• Energieelastizität: Verformung unter


Einwirkung einer Kraft findet ohne jegliche
Zeitverzögerung statt, unabhängig von der
Einwirkungsdauer der Kraft.
• Bei Entlastung ist diese Verformung
vollständig reversibel.
• Verformungsarbeit wird als potentielle Energie
gespeichert.
Entropie- oder Gummielastizität

• Entropieelastizität: Durch die Einwirkung der Kraft werden


die Moleküle (oder Atome) aus ihrer Gleichgewichtslage
entfernt –wodurch eine gewisse Zeit benötigt wird – und in
Kraftrichtung ausgerichtet. Hierdurch entsteht eine größere
Ordnung der Moleküle (=geringe Entropie).
• Wegen ihrer Wärmebewegung sind aber die Moleküle immer
bestrebt einen Zustand größter Unordnung (Knäuelform) und
damit größte Entropie zu erreichen, da diese statistisch die
größte Wahrscheinlichkeit besitzt.
• Hierdurch entsteht eine Rückstellkraft (Elastizität) die nur aus
der Entropieänderung während der Verformung resultiert.
• Die Verformungsenergie wird als Wärmeenergie gespeichert.
• Im Vergleich zur Energieelastizität werden wesentlich höhere
Dehnungen ohne Schaden vertragen aber der E-Modul liegt
um Größenordnungen tiefer.
Aufgrund der Viskoelastizität von Kunststoffen besteht
bei kraftschlüssigen Verbindungen (Preßsitze bei Wellen,
vorgespannte Schrauben) immer die Gefahr des Lösens
durch Spannungsrelaxation. In kritischen Fallen ist daher
einer formschlüssigen Verbindung der Vorzug zu geben
Relaxation oder die Metalloberfläche entsprechend zu modifizieren.

dε/dt = 0 (konst.
Dehnung)
daraus folgt

Er(t): σ(t) / ε
bzw.

τ = η/E ... Relaxationszeit, gibt an, nach welcher Zeit die Spannung auf
den e-ten Teil ihres ursprünglichen Wertes abgefallen ist
Kriechen, Retardation
Das Kriechverhalten kann in drei unterscheidbare Kategorien aufgeteilt werden -
primäres, sekundäres und tertiäres Kriechen.
• Die primäre Kriechphase zeichnet sich durch ein relativ schnelles Auftreten von
Dehnung bei einhergehender Lastanwendung aus, wie z. B. bei einem
Zugversuch.
• Sekundäres Kriechen ist die Phase, die sich durch fortgesetztes Kriechen bei
konstanter Belastung auszeichnet.
• Die dritte oder tertiäre Kriechphase ist erkennbar an einer Kontraktion des
Prüfstücks, drastisch zunehmender Kriechgeschwindigkeit und Kriechbruch.
Konstrukteure/innen befassen sich hauptsächlich mit der sekundären Kriechphase.
Daten von dieser Kriechphase ergeben die wichtigsten Informationen ->
zeitabhängiges Kriechverhalten und Kriechmodul. Die Kriechdaten können in
einem Kurvendiagramm von Dehnung versus Zeit bei vorgegebener Last und
Temperatur dargestellt werden. Diese Art von Diagramm ist hilfreich bei der
Prognose der Dehnung eines Materials über die Dauer des Kriechtests hinaus.
Häufig werden Kriechdaten auf ein Zehnfaches der Testdauer hinaus extrapoliert.
In diesem Fall werden 100 Teststunden extrapoliert, um das Kriechverhalten für
1.000 Stunden zu beschreiben. Eine alternative Darstellungsweise für Kriechdaten
ist die isochrone Spannungs-Dehnungskurve .
Retardation

Ec(t): σ / ε (t)

τret = η/E ... Retardationszeit


Retardationsverhalten und molekulare
Struktur

Elastische anelastische
Retardationsverformung Retardationsverformung

Transformation einer Konformation aus Bewegung von Seitengruppen und


der Gleichgewichtslage in eine Abgleiten von Segmenten (irreversibel)
metastabile orientierte Struktur
(Verstreckung von Ketten)
Realmodell – Burgers-Modell
Parallelschaltung oder Kombination von Maxwell- und Voigt-Kelvin-Modellen

elastisch

visko-
elastisch

viskos
ε, σ

Feder: Bei Be- und Entlastung folgen


σo = constant
spontanelastische Verformungen Bleibende Verformung
Feder/Dämpfer: ε

Viskoelastische zeitverzögerte
Rückdeformation nach Entlastung t1 t2
Dämpfer: bleibende Verformung
Zeit t
Kriechexperiment an realen Polymeren bei Gültigkeit
des Burgers-Modells

t1 t2 t
ε
σ / η (t − t1)
σ/E

σ / η (t 2 − t1)
σ/E

σ σ   − t 
t1 t2 t ε= + ⋅ t + ε 0 1− exp  
E η   τ 
Realmodelle
• Mit einer Relaxationszeit ist das MAXWELL-Modell nur
unzureichend in der Lage, das komplexe Relaxationsverhalten
realer Polymere zu beschreiben. Eine Verbesserung der
Übereinstimmung zwischen Modell und Experiment wird
durch Einführung eines diskreten Relaxationzeitspektrums
erreicht. Dies kann im Analogiemodell durch eine
Parallelschaltung mehrerer MAXWELL-Elemente erreicht
werden.
Realmodelle
Eine bessere Beschreibung des Verformungsverhaltens liefert ein
verallgemeinertes Maxwell-Model d.h. mehrere parallel geschaltete Maxwell-
Elemente. Eine sogenannte Prony-Reihe repräsentiert eine Parallelschaltung
mehrerer Maxwell-Elemente und einer Feder, die realen Zeitabhängigen
Modulabläufe werden üblicherweise durch eine Summe aus mehreren
Exponentialfunktionen approximiert.

Quelle: C. Dallner, G. Ehrenstein, Thermische


Einsatzgrenzen, Zeitschrift Kunststofftechnik 2 (2006);3
Realmodell
Verformung in
Abhängigkeit von σ und T,
5000 h Belastungszeit,
Werkstoff ABS

Die relaxierende
Verformung
bestimmt den
Großteil der
gesamten Verformung.
Die viskose Verformung
nimmt erst bei hohen
Spannungen und
Temperaturen
überproportional zu. Der elastisch-viskose Verformungsanteil wird durch
eine Reihenschaltung von Federn und Dämpfer und
der relaxierende Anteil durch eine Parallelschaltung
Quelle: C. Dallner, G. Ehrenstein, von Feder und zeitabhängig viskosem Dämpfer
Thermische Einsatzgrenzen, Zeitschrift
Kunststofftechnik 2 (2006);3 wiedergegeben.
Feder-Dämpfer-Modelle zur Beschreibung des
Deformationsverhaltens von Polymeren

Quelle: G.
Menges,
Werkstoffkunde
der Kunststoffe;
Carl Hanser
Verlag München
Wien
Grundprinzipien zur Beschreibung
linear-viskoelastischen Verhaltens

• Boltzmannsches Superpositionsprinzip

• Korrespondenzprinzip

• Zeit-Temperatur-Verschiebungs-Prinzip
Boltzmannsches Superpositionsprinzip

 Ruft die Dehnung ε1


(t) die Spannung σ1 (t)
hervor und ε2 (t) die
Spannung σ2 (t), dann
ruft die Summe ε1 (t)
+ ε2 (t) die
Gesamtspannung σ1
(t) + σ2 (t) hervor.

 Wenn die Spannung σ1


(t) die Dehnung ε1 (t)
hervorruft und σ2 (t)
die Dehnung ε2 (t),
dann entspricht der
Summe σ1 (t) + σ2 (t)
die Gesamtdehnung ε1
Quelle: G. W. Ehrenstein, Polymer-Werkstoffe,
(t) + ε2 (t).
Carl Hanser Verlag München Wien
Boltzmannsches Superpositionsprinzip
Dieses Prinzip beschreibt den Einfluss der mechanischen Vorgeschichte
auf das Werkstoffverhalten. Es besagt, dass sich die zeitabhängigen
Wirkungen aufeinanderfolgender Veränderungen des
Beanspruchungszustandes linear zur Gesamtwirkung zusammensetzen.
Kriecherholungsexperiment

Zum Zeitpunkt t1 wird eine Spannungsänderung


∆σ1 erzeugt, die eine zeitabhängige Änderung Mit C(t) Nachgiebigkeit
der Verformung ε1(t) bewirkt.
Eine weitere Spannungsänderung ∆σ2 = -∆σ1
zum Zeitpunkt t2 hat die gleiche Wirkung.
ε2 (t) ist allerdings zeitversetzt und
entgegengesetzt gerichtet.
Die Gesamtwirkung ε (t) der
aufeinanderfolgenden
Spannungsänderungen ergibt sich aus der
Summe der Einzeleffekte
ε1(t) + ε2(t).
Für n Spannungsschritte gilt: Quelle: Grellmann & Seidler,
Kunststoffprüfung, Hanser
Verlag
Boltzmannsches Superpositionsprinzip

• Im Bereich linear-viskoelastischen
Werkstoffverhaltens können mit erträglichem
rechnerischen Aufwand zu verschiedenen
Zeiten durch
– aufgebrachte Belastungen bewirkte
Deformationen bzw.
– aufgebrachte Deformationen bewirkte
Belastungen
ermittelt werden
Boltzmannsches Superpositionsprinzip
Für ein Polymer ist in dem folgenden Bild ein Auszug eines isochronen
σ /ε - Diagramms gegeben. Zeichnen Sie auf der Basis von mindestens
4 Stützstellen jeweils eine Kriechkurve für die Spannung σ1 = 10 MPa
und die Spannung σ2 =15 MPa in ein Retardationsdiagramm. Zeichnen
Sie in dieses Retardationsdiagramm unter Verwendung des
Boltzmannschen Superpositionsprinzips zusätzlich die Kriechkurve für
die Spannung σ 3 = σ 1 + σ 2 = 25 MPa ein.

Dehnung (%)

Zeit (h) 10 MPa 15 MPa 25 MPa


1 0,23 0,36 ?
10 0,32 0,49 ?
100 0,51 0,79 ?
1000 0,72 1,13 ?
Boltzmannsches Superpositionsprinzip

ε(σ1(t)+σ2(t)) = εσ1(t) + εσ2(t)

Dehnung (%)

Zeit (h) 10 MPa 15 MPa 25 MPa


1 0,23 0,36 0,59
10 0,32 0,49 0,81
100 0,51 0,79 1,3
1000 0,72 1,13 1,85
Das Zeit-Temperatur Verschiebungsprinzip
Voraussetzung
• bei linear-viskoelastischer Beanspruchung haben alle Relaxationszeiten
im Material die gleiche Temperaturabhängigkeit (thermo-rheologisch
einfache Stoffe)
Gültigkeitsbereich
• Elastomere, amorphe Polymere, teilkristalline Thermoplaste und deren
Schmelze sowie in begrenztem Maße auch gefüllte Polymere
Anwendung
• Da sich innerhalb der einzelnen Zustandsbereiche die Spektren nicht
ändern, kann man Modul-, Dehnungs-, Spannungs- oder Viskositäts-
verläufe ineinander deckungsgleich verschieben. An Stelle einer
dreidimensionalen Betrachtung f (t,T) tritt die Funktion g(T) = a ⋅ f (t).
• Aus Messungen innerhalb einer noch überschaubaren Zeitspanne und
z.B. verschiedenen Temperaturen kann auf einen sehr großen
Zeitbereich geschlossen werden und umgekehrt.
• Für viskoelastische Werkstoffe gilt, dass die Temperaturabhängigkeit auf
die gleichen inneren Mechanismen zurückzuführen ist, wie die
Zeitabhängigkeit
Räumliches Schaubild der Zeit- und
Temperaturabhängigkeit des Moduls (ABS)

Quelle: G. Menges, Werkstoffkunde der Kunststoffe; Carl


Hanser Verlag München Wien
Das Zeit-Temperatur Verschiebungsprinzip

Lange Zeiten ent-


sprechen in ihrer Wir-
kung höheren Tempe-
raturen.
Die Verschiebungs-
koeffizienten zwischen
2 Relaxationsmaxima
sind gleich, sie ändern
sich aber in den Über-
gangsbereichen.
Der Glasübergang
(höchste Aktivierungs-
Quelle: G.
energie) zeigt die
Menges, geringsten Temperatur-
Werkstoffkunde
der Kunststoffe; verschiebungen.
Carl Hanser
Verlag München
Wien
Das Zeit-Temperatur Verschiebungsprinzip

• Als thermisch aktivierbare Prozesse


laufen die molekulare und
Umlagerungsvorgänge bei Zunahme
der T mit wachsenden
Geschwindigkeit ab. Dadurch
verschieben sich Relaxations- und
Retardationszeitspektrum zu
kürzeren Zeiten.
• Ist der Verlauf einer viskoelastischen
Kenngröße ( z.B. E(logt) in einem
bestimmten Zeit-intervall bei
unterschiedlichen Temperaturen • Die Verschiebungsfunktion
bekannt, so können die einzelnen log aT = log t- log t0 ist
Kurvenläufe durch horizontale temperaturabhängig.
Verschiebung mit der bei der Beschreibung auf Grundlage eines
Referenztemperatur T0 ermittelten ARRHENIUS Ansatzes:
Kurve Eo(logt) zur Deckung gebracht
werden.
• Damit entsteht eine Masterkurve, die
das Werkstoffverhalten über einen
weiten Zeitbereich abbildet.
Korrespondenzprinzip
Die von Seiten der Elastizitätstheorie vorliegenden Lösungen dürfen
im linear-viskoelastischen Bereich genutzt werden wenn
• an Stelle der Spannungen σ die zeitabhängige Spannungsfunktion
σ (t)
• an Stelle der Deformation ε die zeitabhängige Deformation ε (t)
• an Stelle des E-Moduls der Relaxationsmodul Er (t) bzw. der
Kriechmodul
verwendet werden.
Dies gilt für jeden anderen Modul (Schub- und Kompressionsmodul),
jede andere Spannung (Scher- und Druckspannung) und jede andere
Deformation (Scherung, Stauchung)
Die zeitabhängigen Größen stehen untereinander mit den aus der
Elastizitätstheorie bekannten Beziehungen untereinander in
Verbindung
Beachte: Zeitabhängigkeit der Querkontraktion
Querkontraktionszahl in Abhängigkeit von der
Dehngeschwindigkeit bei einachsiger Beanspruchung
Korrespondenzprinzip
• Die praktische Arbeit mit linear-viskoelastischen Stoffgesetzen kann durch
Anwendung der Laplace-Transformation erheblich vereinfacht werden. Dabei
wird eine Funktion y(t) in eine Funktion y mit der neuen Variablen s nach
folgender Vorschrift umgewandelt:

𝑦𝑦 = � 𝑦𝑦 exp −𝑠𝑠𝑠𝑠 𝑑𝑑𝑑𝑑


0

• Die Anwendung dieses Verfahrens auf das BOLTZMANN‘sche Superpositions-


integral liefert zum Beispiel:

𝜎𝜎 = 𝑠𝑠𝐸𝐸 (𝑠𝑠) 𝜀𝜀

• Dies entspricht formal dem HOOKE‘schen Gesetz. Diese Gleichung kann nach
üblichen algebraischen Regeln bearbeitet werden und führt demzufolge auch
zu den aus der linearen Elastizitätstheorie bekannten Ergebnissen.
• Nach Rücktransformation liefert sie die Lösung des Beanspruchungsproblems
bei visko-elastischem Materialverhalten.
Nicht lineare Viskoelastizität
• Einfluss der Beanspruchungsgeschichte auf das Kriechverhalten (PE-HD)
Spannungsvorgabe Dehnungsantwort

Quelle: G. Menges, Werkstoffkunde der Kunststoffe; Carl Hanser


Verlag München Wien
• Nach 30 min ergibt sich eine einheitliche Spannung von 5 MPa.
• Die unterschiedliche Vorbelastung bedingt jedoch einen unterschiedlichen
Dehnungs-Zeit Verlauf: Probe 3 ist z.B. stärker gedehnt als z.B. Probe 2 ...
• Allein durch die Verwendung von E = f (t) in einer Berechnung kann dieser
Effekt nicht erfasst werden
Bestimmung des E-Moduls
Dynamische Beanspruchung

stationäre Schwingungen mit kleinen Amplituden


Freie Schwingung
• Torsionsschwingversuch
• einmalige Anregung, aus der sich einstellenden Schwingungsfrequenz
und –amplitude kann der Schubmodul berechnet werden
• Durchführung bei unterschiedlichen Temperaturen: Modul-Temperatur-
Abhängigkeit
Erzwungene Schwingung (dynamisch mechanische Analyse)
• Biege-, Zug-, Druck- oder Scherbelastung
• Amplitude und Frequenz werden vorgegeben und konstant gehalten
• in Abhängigkeit von der Temperatur ändert sich die Dehnung
• Endergebnis: Modul-Temperatur-Abhängigkeit
• Messung bei konstanter Temperatur und verschiedenen Frequenzen
ermöglicht die praktische Anwendung des Zeit-Temperatur-
Verschiebungsprinzips
Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung

Quelle: G. Menges, Werkstoffkunde


der Kunststoffe; Carl Hanser Verlag
München Wien
DMA (erzwungene Schwingung)
Schematischer Aufbau eines DMA-Gerätes unter vertikaler
Belastung mit den möglichen Versuchsanordnungen

Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der thermischen


Analyse der Kunststoffe, Carl Hanser Verlag
München Wien
Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung (I)

Der zeitliche Verlauf der Schwingungen wird als sinusförmig mit der
Kreisfrequenz

angenommen.
Verläuft die Deformation (Scherung) γ sinusförmig, gilt das auch für die
zugehörige Spannung τ. Bei vollkommen elastischer Deformation
befinden sich γ und τ in Phase. Für rein elastisches Verhalten gilt:

Bei einer rein viskosen Flüssigkeit bleibt die Deformation gegenüber


der Spannung um den Phasenwinkel δ = π/2 zurück:
Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung (II)

In Polymeren liegt der Phasenwinkel zwischen Scherung und


Schubspannung zwischen 0° und 90° (π/2)
Dehnung
Spannung elastisch δ =0 °
Spannung viskoelastisch 0° und 90 °
2
Spannung viskos δ =90 °

Spannung / Dehnung
0

-1

-2
0 1 2 3 4 5 6
Zeit
Spannungs/Dehnung-Verläufe bei schwingender Belastung
Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung (III)

Damit sind Schubspannung und Scherung:

bzw. in komplexer Schreibweise

und der komplexe Schubmodul zu


Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung (IV)

mechanische Verlustfaktor δ: Quotient aus Imaginärteil und Realteil


G′′
d = tan δ =
G′
G’, G’’ und δ sind frequenzabhängig
Realteil G’: Maß für die wiedergewinnbare oder speicherbare
Energie. Er wird deshalb als Speichermodul bezeichnet.
Imaginärteil G’’: wird als Verlustmodul bezeichnet und
kennzeichnet die in Wärme umgewandelte oder
“verlorengegangene” Energie.
Das Maß für die auftretende mechanische Schwingungsdämpfung ist
das logarithmische Dekrement der mechanischen Dämpfung Λ, das
Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Amplituden:
An
Λ = ln
A n+1
Torsionsschwingversuch
Freie Schwingung (V)

Verlustfaktor d = tan δ:
• Relativmaß für die Energieverluste während der Schwingung im
Vergleich zur wiedergewinnbaren Energie
• wird als Verlustwinkel bezeichnet
• ist mit Λ verknüpft:

Λ/π
d=
1 + Λ2 / 4 π2
• entspricht dem dielektrischen Verlustfaktor tan δ im elektrischen
Wechselfeld
Modul-Temperatur Abhängigkeit
energieelastisch: reversible Änderungen des Atomabstandes und
der Valenzwinkel, geringe Wärmeschwingungen, kaum Umlagerung

Nebenrelaxation: Wärmeausdehnung, Umlagerung der Molekülsegmente mit der


kleinsten Aktivierungsenergie. Die Platzwechselvorgänge ermöglichen den Abbau von
Spannungsspitzen bei schlagartiger Beanspruchung
Schematische Darstellung der
Verlustfaktormaxima eines Polymeren mit
Kohlenstoffhauptkette

Platzwechsel
eingefroren Platzwechsel mit verminderter
Behinderung möglich
Modul-Temperatur Abhängigkeit
energieelastisch Glasübergang

Nebenrelaxation entropieelastisch (amorphe Phase)


energieelastisch (kristalline Phase)
Speichermodul und tan δ in einem PP/EPR Blend

TG EPR
TG PP
Speichermodul in Abhängigkeit von der
Temperatur für ausgewählte teilkristalline
Thermoplaste

Torsion, 3 K/min, f:1 Hz Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der thermischen


Analyse der Kunststoffe, Carl Hanser Verlag
München Wien
Speichermodul in Abhängigkeit von der
Temperatur

PE-UHMW
DMA, 3-Pkt-
biege Modus,
1Hz
Speichermodul in Abhängigkeit von der
Temperatur

PEI
DMA, single-
cantiliver, 1Hz

Quelle: M. Sepe, Dynamical mechanical analysis


for plastics engineering. Plastics Design Library,
Norwich, 1998
Speichermodul in Abhängigkeit von der
Temperatur für ausgewählte amorphe
Thermoplaste

Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der thermischen


Torsion, 3 K/min, f:1 Hz Analyse der Kunststoffe, Carl Hanser Verlag
München Wien
Einfluss des Wassergehaltes auf die Lage
der Glasübergangstemperatur von PA 6

• äußere Weichmachung
• TG verschiebt sich mit
zunehmendem Was-
sergehalt deutlich zu
niedrigeren Tempera-
turen
• steilerer Modulabfall
oberhalb Tg und
erhöhte Maximalwerte
von tan δ sind Indizien
für eine erhöhte Ket-
tenbeweglichkeit

Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der


thermischen Analyse der Kunststoffe, Carl
Torsion, 3 K/min, f:1 Hz Hanser Verlag München Wien
Speicher- und Verlustmodul in Abhängigkeit
von der Temperatur
Ausgangskomponenten und 50/50 Mischung

Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der thermischen


Analyse der Kunststoffe, Carl Hanser Verlag
München Wien

Torsion, 3 K/min, f:1 Hz

• thermodynamisch
unverträgliches System

• Die Glasübergangstem-
peraturen der
Ausgangskomponenten
bleiben im Blend
erhalten.
Einsatz der DMA zur Qualitätssicherung
Quelle: G. W. Ehrenstein, Praxis der
thermischen Analyse der Kunststoffe, Carl
Hanser Verlag München Wien

• die Mischung führt


zu einem teilver-
träglichen System
• die Glastemperatur
der TPE-Phase
verschiebt sich zu
niedrigeren Tempe-
raturen
• das Spektrum ist
einer Summenkur-
ve der Spektren der
Einzelkompo-
nenten ähnlich.

Torsion, 3 K/min, f:1 Hz


Einsatz der DMA zur Qualitätssicherung
PC/PBT Blend
DMA, single-
cantiliver, 1Hz

Quelle: M. Sepe, Dynamical mechanical analysis


for plastics engineering. Plastics Design Library,
Norwich, 1998
Einsatz der DMA zur Qualitätssicherung
PE/PP/EPR Blend
DMA, 3-Pkt-biege
Modus, 1Hz
Untersuchung des Rücksprungverhaltens von Gummibällen

Ein roter und ein schwarzer


Gummiball, die sich außer der
Farbe nicht offensichtlich
unterscheiden.
Lässt man sie hingegen auf eine
harte Unterlage fallen, springt
der rote Ball nahezu auf seine
Fallhöhe zurück, während der
schwarze Ball praktisch auf der
Unterlage liegen bleibt. Wie lässt
sich dieses Verhalten erklären?

Quelle: Mettler Toledo, User Com 40, Thermal Analysis


Untersuchung des Rücksprungverhaltens von Gummibällen

Tg von Isopren und


schwarzer Ball
Isobutylen (schwarz)
Tg bei -60 °C,
roter Ball Tg
G′′
bei -102 °C, d = tan δ =
Kristallisation G′
bei -58 °C und schwarzer Ball
Schmelzen bei bei RT tan δ
-22 °C Quelle: Mettler Toledo, User
Com 40, Thermal Analysis
Thermisch-mechanisches Verhalten
amorpher Thermoplaste
Einsatztemperaturbereiche

Quelle: G. W. Ehrenstein, Polymer-Werkstoffe,


Carl Hanser Verlag München Wien
Thermisch-mechanisches Verhalten
teilkristalliner Thermoplaste
Einsatztemperaturbereiche

Quelle: G. W. Ehrenstein, Polymer-Werkstoffe,


Carl Hanser Verlag München Wien
Thermisch-mechanisches Verhalten
eines Duromeren (EP)
Einsatztemperaturbereiche

Quelle: G. W. Ehrenstein, Polymer-Werkstoffe,


Carl Hanser Verlag München Wien
Thermisch-mechanisches Verhalten
von Elastomeren
Einsatztemperaturbereiche

(Ethylen-Acrylester Kautschuk)

Quelle: G. W. Ehrenstein, Polymer-Werkstoffe,


Carl Hanser Verlag München Wien
Bestimmung des E-Moduls
Quasistatische Beanspruchung

σy Streckspannung
σM Zugfestigkeit
σx Spannung bei x% Dehnung
σB Bruchspannung
σ εy Streckdehnung
εM Dehnung bei der Zugfestigkeit
εB Bruchdehnung
ε
Spannungs-Dehnungs-Diagramm für
(A) sprödes Werkstoffverhalten
(B) zähes Werkstoffverhalten mit
Streckgrenzenausbildung
(C) zähes Werkstoffverhalten ohne
Streckgrenzenausbildung
Thermoplaste
1… Steiler Verlauf ohne
Reißdehnung. Formsteifer,
spröder Werkstoff, wie
PMMA, PS, (amorph, T<Tg)

2….Ausgeprägte
Streckspannung mit größerer
Dehnung. Zähelastischer,
schlagfester Werkstoff wie
PC, ABS (amorph, T<Tg), PA,
POM (teilkristallin, T>Tg)
mit kleinerer Streckspannung
auch PE und PP

3….Flacher Verlauf mit sehr


großer Bruchdehnung, wie
PE-LD, (teilkristallin, T>Tg)
Quelle: A. Böge, Vieweg Handbuch
Maschinenbau, Springer Verlag
Verschiedene Zonen beim Zugversuch
Ursprüngliche Quelle: M
Nicht linear Bonnet, Kunststofftechnik,
visko- Springer Vieweg 2014

elastischer
Bereich
Linear Kettenknäuel werden
visko- gestreckt
elastischer
Bereich
Bruch
Linear
elastischer
Bereich

I) Einschnürbereich II) Plastisches Fließen III) Verstreckungsbereich


Spannungs-Dehnungsdiagramme

Entropieelastizität:
Im Vergleich zur
Energieelastizität
werden wesentlich
höhere Dehnungen
ohne Schaden
vertragen aber der
E-Modul liegt um
Größenordnungen
tiefer.

Quelle: P. Eyerer, Polymer Engineering, Springer Verlag,


Berlin Heidelberg
Spannungs-Dehnungsdiagramme

Quelle:
Saechtling
Kunststoff
Taschenbuch,
Carl Hanser
Verlag München
Wien
Hanser Verlag

Beispiele von Spannungs-Dehnungs-Linien aus dem Zugversuch; es ist zu


beachten, dass die Ordinate im linken Bildteil bis 20% Dehnung der deutlicheren
Darstellung wegen den fünffachen Maßstab der Ordinate im folgenden Bildteil hat
Bestimmung des E-Moduls
Quasistatische Beanspruchung

Ursprungsmodul σS2
∆σ
E=

σ (MPa)
∆ε σT

Tangentenmodul
σT
ET = σS1
εT
0 εS1 εT εS2
Sekantenmodul
ε (%)
∆σS Quelle: H.
ES = εS1 = 0,05 % Domininghaus;

∆ε S Kunststoffe;

εS2 = 0,25 %
Springer Verlag
Berlin Heidelberg
Bestimmung des E-Moduls
Quasistatische Beanspruchung

Quelle: P. Eyerer,
Polymer
Engineering,
Springer Verlag,
Berlin Heidelberg

Quelle:
G. W. Ehrenstein,
Polymer-Werkstoffe,
Carl Hanser Verlag
München Wien

Spannungs-Dehnungs-Diagramm eines duktilen Polymeren mit


schematischer Darstellung der Zugprobe
Spannungs-Dehnungsdiagramme
Duroplaste und Thermoplaste
Quasistatische Beanspruchung

Quelle: H. Domininghaus; Kunststoffe;


Springer Verlag Berlin Heidelberg
Erscheinungsformen von 𝝈𝝈-ε-Kurven

Überwiegend energieelastische Verformung mit


relativ sprödem Bruch (Tg> RT) PS, PMMA, SAN

Craze-Verformung (mit Volumenzunahme) (Tg> RT)


SB

Übergangsform. Elastischer Beginn wegen eingefrorener


amorpher Phase oder hohen kristallinen Anteil. Örtliche
Temperaturerhöhung mit lokaler Einschnürung ( ) = neck-
Bildung anschließend Scherverformung und teilweise
Verfestigung ( ) (Tg ~ RT) PA, PP, PBT

Scherverformung mit gleichmäßiger


Probeneinschnürung. Bruch (x) bei großen
Dehnungswerten (Tg < RT) PE-LD

Entropieelastische Verformung (eines weitmaschig


vernetzten Polymers (µ = 0,5) (Tg < RT) Elastomere
Quelle: G.Erhard, Konstruieren mit Kunststoffen, Carl Hanser Verlag München Wien
Einfluss der Prüfbedingungen

Einfluss der Temperatur ϑ und der Belastungsgeschwindigkeit v


auf σn = f (εt) (qualitativ)

Quelle: P. Eyerer, Polymer Engineering, Springer Verlag,


Berlin Heidelberg
Einfluss der Prüfbedingungen

Quelle: G.Erhard, Konstruieren mit Kunststoffen, Hanser Verlag

Spannungs-Dehnungs-Diagramme von PA 66 für verschiedene Temperaturen (a)


und Dehngeschwindigkeiten (b)
Einfluss der Prüfbedingungen
Spannungs-Dehnungs-Kurven von PVC, gemessen im Zugversuch bei 25 °C mit
unterschiedlichen Prüfgeschwindigkeiten (A)
Und bei konstanter Prüfgeschwindigkeit (100 cm/s) bei unterschiedlichen
Temperaturen (B)

Quelle: W. Retting,
Kunststoffphysik; Carl
Hanser Verlag München
Wien
Einfluss der Prüfbedingungen
PVC-Probekörper nach Zugversuchen bei Raumtemperatur mit unterschiedlichen
Prüfgeschwindigkeiten

A) v=3,3 10-3 cm/s

B) v=3,3 10-2 cm/s

C) v=8,3 10-1 cm/s

D) v=1,2 103 cm/s

Quelle: W. Retting,
Kunststoffphysik; Carl
Hanser Verlag München
Wien
Temperaturabhängigkeit
Einfluss des KG (%), PTFE

Quelle: H. Domininghaus; Kunststoffe;


Springer Verlag Berlin Heidelberg
• Der gegenüber den Metallen um ca. 100-fach kleinere E-
Modul führt zu entsprechendem elastischen Verformungen,
damit zu geringerer Formsteifigkeit von Polymerteilen, die
z.T. ausgenutzt werden.
• Anwendungen: Schnappverbindungen lassen sich mit
geringen Kräften schließen; Spielzeuge, Behälter,
Abdeckkappen.
• Erhöhung der Steifigkeit von Bauteilen (beim Ersatz von
Metall) durch 2 bis 3-fache Wanddicken oder Verrippungen.
Großflächige Teile als Sandwichkonstruktionen mit
Schaumkern (PUR- oder ABS Strukturschaum) mit Dichten
von ca. 0,6 g/cm3. Erhöhung des E-Moduls durch
Verstärkung mit Kurzglasfasern (Länge 0,2 ... 0,5 mm) in
Anteilen von 20-40 %.
Spannungs-Dehnungs-Diagramm,
biaxial gestreckte Flaschen
Die für den Streckblasprozess wichtige Eigenschaft des PET ist die
Dehnverfestigung: Beim Verstrecken des amorphen PET werden die
Molekülketten stark orientiert und bilden dabei stabile, lamelare Strukturen
aus. Dies wird auch als „dehnungsinduzierte Kristallisation“ bezeichnet und
führt zu einem starken Anstieg der Festigkeit des Materials

Dehnverfestigung von
PET Prozessablauf beim Streckblasen; Spritzgießen und
(Bild: SIG Corpoplast) Streckblasformen (Bild: SIG Corpoplast)
Hyperelastizität
• Die Vernetzungen im Gummi haben zur Folge, dass die Spannung im
Werkstoff eine eindeutige Funktion der Dehnung ist , d.h. zu jedem
Verformungszustand in einem Bauteil gehört exakt eine
Beanspruchungszustand.
• Eine charakteristische Fähigkeit der Elastomere sind große Deformationen
bei vergleichsweise geringeren äußeren quasistatischen Kräften, die bei
Entlastung vollkommen reversibel elastisch zurückgestellt werden. Diese
Eigenschaft wird bei gefüllten technischen Elastomeren aber erst nach
einigen Belastungszyklen beobachtet.
• Im Zugversuch an Elastomeren weicht das Spannungs-Dehnungs-Verhalten
zwischen nachfolgenden Belastungszyklen von
ersten Belastungszyklus ab.
• Die Spannungs-/Dehnungs-Kurven für Be- und
Entlastung unterscheiden sich bei den ersten
Lastzyklen stark, gleichen sich jedoch anschließend
nach wenigen Zyklen an.
• Besonders zwischen dem ersten und zweiten
Lastzyklus tritt eine bleibende Deformation auf.
Diese Eigenschaft wird auch als Mullins-Effekt .
Elastomere
• Der molekulare Aufbau von Elastomeren zeichnet sich, wie bei den
Thermoplasten, durch langkettige Makromoleküle aus, die sich miteinander
verschlaufen. Im Unterschied zu den Thermoplasten sind die Makromoleküle
jedoch an wenigen Stellen durch chemische Verbindungen vernetzt, so dass
sie bis zum Werkstoffversagen keine plastischen Effekte aufweisen.
• Sie können damit bildlich als wirr verschlaufte Schnüre beschrieben werden,
die miteinander wie ein Fischernetz – allerdings dreidimensional – verknüpft
sind. Auf eine Belastung reagiert dieses Netz solange mit einer Deformation,
bis ausreichend viele der Molekülketten gespannt sind, um die äußere Kraft
aufzunehmen. Eine weiter fortschreitende Verformung fuhrt schließlich zum
Zerreisen der Ketten und damit zu einer Werkstoffschädigung.
• Bei fortdauernder Belastung kann das Netzwerk aufgrund von Umlagerungs-
effekten (Entschlaufungen, Abgleiten) in einem gewissen Maß nachgeben.
Ein überwiegender Teil der zur Deformation aufgewendeten Energie bleibt
jedoch in den gespannten Molekülketten erhalten. Bei einem Absinken der
äußeren Last ziehen sich die Polymerketten wieder zusammen, und ein
entlasteter Probekörper versucht, seine ursprüngliche Form wieder
anzunehmen.
Elastomere
• Bei technischen Anwendungen werden Elastomerwerkstoffe zur
Einstellung bestimmter gewünschter Eigenschaften mit Füllstoffen
versehen, wie z. B. Russe, Kieselsauren etc. Die Wechselwirkung zwischen
Füllstoffen und Polymermatrix fuhrt zu verschiedenen Phänomenen, die
im allgemeinen als Verstärkung bezeichnet werden. Die genaue
Wirkungsweise der Verstärkungsmechanismen ist sehr komplex und auch
heutzutage noch Gegenstand laufender Forschungsvorhaben.
• Über die Füllstoffe werden die mechanischen Eigenschaften der
Elastomere aber überwiegend positiv beeinflusst.
• Wird ein Elastomer mit kleinen Deformationen belastet, so kann – ähnlich
den Thermoplasten – ein Modul definiert werden. Für Elastomere wird
dazu üblicherweise der Schubmodul G verwendet, da er auch für größere
Deformationen oftmals einen konstanten Wert behalt, was für den Zug-
E-Modul nicht beobachtet werden kann.

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