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INFORMATIONSDIENST HOLZ

Baulicher Holzschutz

Folge 2
Teil 5
Reihe 3
holzbau handbuch
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Impressum

Herausgeber:
Absatzförderungsfonds der deutschen Forst-
und Holzwirtschaft
– HOLZABSATZFONDS –
Anstalt des öffentlichen Rechts
Godesberger Allee 142–148
D-53175 Bonn

und

DGfH Innovations- und Service GmbH


Postfach 31 01 31
D-80102 München
mail@dgfh.de
www.dgfh.de

in Zusammenarbeit mit dem Bund


Deutscher Zimmermeister (BDZ) im
Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes e.V., Berlin

Bearbeitung:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. H. Schulze

Technische Anfragen an:


Infoline: 0 18 02-46 59 00
(0,06 Euro/Gespräch)
fachberatung@infoholz.de
www.informationsdienst-holz.de

Hinweise zu Änderungen,
Ergänzungen und Errata unter:
www.informationsdienst-holz.de

Die technischen Informationen dieser


Schrift entsprechen zum Zeitpunkt der
Drucklegung den anerkannten Regeln
der Technik. Eine Haftung für den Inhalt
kann trotz sorgfältigster Bearbeitung und
Korrektur nicht übernommen werden.

In dieser Broschüre sind Ergebnisse


aus zahlreichen Forschungsprojekten
eingeflossen. Für deren Förderung
danken wir der Arbeitsgemeinschaft
industrieller Forschungsvereinigungen
(AiF), der Arbeitsgemeinschaft
Bauforschung (ARGE BAU), den Forst-
und Wirtschaftsministerien des Bundes
und der Länder und der Holzwirtschaft.

Bildnachweis:
Titelseite, Seite 4: Thomas Lüttge

Erschienen:
07/1997
1., inhaltlich unveränd. Nachdruck: 07/2001
2., inhaltlich unveränd. Nachdruck: 06/2005

ISSN-Nr. 0466-2114

holzbau handbuch
Reihe 3: Bauphysik
Teil 5: Holzschutz
Folge 2: Bauliche Empfehlungen

2
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Inhalt 7.4 Rechnerischer Nachweis des 14 Decken GK 0 unter nicht


Tauwasserschutzes 14 ausgebauten Dachge-
7.5 Verbesserung tauwasserge- schossen 33
fährdeter Holzbauteile 14 14.1 Allgemeines 33
1 Zweck und Geltungsbereich 14.2 Bedingungen nach
der Schrift 4 8 Dampfsperren in DIN 68 800-2 33
1.1 Zweck 4 Holzbauteilen 14 14.3 Decken GK 0 nach
1.2 Geltungsbereich 4 8.1 Allgemeines 14 DIN 68 800-2 33
1.3 Aktueller Stand der 8.2 Erforderlicher sd-Wert der 14.4 Sonderfälle 34
Vorschriften 4 Dampfsperre 15
8.3 Verdunstung von ungewollter 15 Holzkonstruktionen GK 0 in
2 Begriffe 5 Feuchte 15 nicht ausgebauten
8.4 Beeinflußt die Dampfsperre Dachräumen 35
3 Feuchte- und holzschutztech- das Raumklima? 16
nische Eigenschaften des 16 Holzbauteile GK 0 in
Holzes und der 9 Luftdichtheit von Naßbereichen 35
Holzwerkstoffe 7 Außenbauteilen 17 16.1 Allgemeines 35
3.1 Holzfeuchte 7 9.1 Allgemeines zur 16.2 Fußböden in Naßbereichen 35
3.2 Schwinden und Quellen 7 Wasserdampfkonvektion 17 16.3 Wände in Naßbereichen 35
3.3 Mechanische Eigenschaften 8 9.2 Typische Feuchteschäden und 16.4 Decken unter Naßbereichen 36
3.4 Pilzbefall 8 Ursachen 17
3.5 Insektenbefall 8 9.3 Luftdichte Ausbildung an der 17 Holzwerkstoffe und ihre
Raumseite 17 Anwendungsbereiche 36
4 Vorbeugender Holzschutz 17.1 Allgemeines 36
nach DIN 68 800 9 10 ’Besondere bauliche Maß- 17.2 Anwendungsbereiche nach
4.1 Übersicht nahmen‘ nach DIN 68 800-2 DIN 68 800-2 36
4.2 Chemischer Holzschutz nach als Voraussetzung für Holz- 17.3 Unzulässige Anwendungen
DIN 68 800-3 9 bauteile ohne chemischen für Holzwerkstoffe 38
4.3 Baulicher Holzschutz nach Holzschutz (GK 0) 19
DIN 68 800-2 9 10.1 Allgemeines 19 Zitierte Vorschriften 39
4.4 Besonderer baulicher 10.2 Kriterien der ’besonderen
Holzschutz baulichen Maßnahmen‘ 19 Literatur 39
nach DIN 68 800-2 10 10.3 Vermeidung von unkontrol-
lierbarem Insektenbefall als
5 Gefährdungsklassen nach eine Bedingung der ’besonde-
DIN 68800-3 10 ren baulichen Maßnahmen‘ 19
5.1 Gefährdungsklassen 10.4 Vermeidung von Schäden
GK 0 bis GK 4 10 infolge Pilzbefall als eine wei-
5.2 Kriterien für die Gefährdungs- tere Bedingung der ’besonde-
klassen GK 0 bis GK 2 10 ren baulichen Maßnahmen‘,
5.3 Klassifizierung von Bauteilen Allgemeines 20
nach DIN 68 800-3 11 10.5 Bauliche Voraussetzungen
5.4 Ersatz des chemischen für die Vermeidung
Holzschutzes durch Verwen- von Pilzbefall 20
dung dauerhafter Hölzer 11
5.5 Von der Norm abweichende 11 Außenwände GK 0 21
Klassifizierungen 11 11.1 Allgemeine Anforderungen 21
11.2 Erforderlicher Wetterschutz 24
6 Tauwasserschutz für die
Bauteiloberfläche 11 12 Geneigte Dächer GK 0 26
6.1 Allgemeines 11 12.1 Allgemeine Anforderungen 26
12.2 Dachquerschnitte GK 0 nach
6.2 Erforderlicher Wärmeschutz DIN 68 800-2 27
zur Vermeidung vonTauwasser 12.3 Zusätzliche Hinweise 27
an ebenen Bauteilobe flächen 12 12.4 Abweichende Konstruktionen,
6.3 Tauwasserschutz für Allgemeines 29
Bauteiloberflächen im Bereich 12.5 Sonderfall: Dächer mit
von Wärmebrücken 12 sichtbaren Sparren 31
6.4 Konstruktive Hinweise 12 12.6 Abweichungen und Ein-
stufung nach DIN 68 800-3 31
7 Tauwasserschutz für den
Bauteilquerschnitt 13 13 Flachdächer GK 0 31
7.1 Allgemeines 13 13.1 Mit sichtbaren Deckenbalken 31
7.2 Anforderungen an 13.2 Mit raumseitiger Bekleidung 31
Holzbauteile 13 13.3 Abweichungen von der GK 0
7.3 Holzbauteile ohne Nachweis und Zuordnung nach
des Tauwasserschutzes 13 DIN 68 800-3 32

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

1 Zweck und Geltungsbereich der konventionelle Fachwerkbauten, oder


Schrift bei denen ein Erdkontakt oder eine
andere extreme Feuchtebeanspruchung
1.1 Zweck vorliegt (GK 4).
Solche besonderen Situationen sollten
In dieser Schrift sollen der aktuelle Stand durch bauliche Maßnahmen nach Mög-
der Normung des vorbeugenden Holz- lichkeit derart entschärft werden, daß
schutzes nach DIN 68 800 – und dabei die Konstruktionen in eine niedrigere
insbesondere des vorbeugenden bauli- Gefährdungsklasse eingestuft werden
chen Holzschutzes nach Teil 2 der Norm können. Denkanstöße hierzu werden
– sowie die heutigen Möglichkeiten auf- in Abschn. 4.3.2 gegeben.
gezeigt werden, den vorbeugenden che-
mischen Holzschutz weitgehend oder
sogar vollständig durch ’besondere bauli- 1.3 Aktueller Stand der Vorschriften
che Maßnahmen‘ zu ersetzen (s. auch
Kurzfassung [2]). Eine solche Informationsschrift sollte in
ihren Aussagen für einen längeren
Zeitraum weitestgehend aktuell bleiben.
1.2 Geltungsbereich
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieser
Diese Ausführungen wie auch die DIN Schrift (Sommer 1997) bestand jedoch
68 800-2 – Holzschutz; Vorbeugende bau- folgende Schwierigkeit: Auf der einen
liche Maßnahmen im Hochbau (Ausgabe Seite waren die nationalen Vorschriften
Mai 1996) – die inzwischen als Technische bezgl. der hier behandelten Themen –
Baubestimmung in den Bundesländern Wärme- und Feuchteschutz nach DIN
eingeführt ist, gelten 4108 sowie Holzschutz nach DIN 68 800
– eindeutig und lückenlos; auf der ande-
a) für den gesamten Hochbau sowie ren Seite war die Entwicklung der ent-
sprechenden europäischen Regelungen
b) für alle modernen Holzbauarten (Tafel-, inzwischen zwar wesentlich vorange-
Ständer-, sog. ’Rahmen-‘ und Skelett- schritten, aber noch nicht so weit gedie-
bauart), ausgenommen die klassische, hen, daß dadurch die nationalen Regelun-
ausgemauerte Fachwerkwand, sowie gen hätten ersetzt werden können.
Deshalb wurden hier – auch um den
c) unabhängig davon, ob die Bauteile im Leser nicht zu verwirren – ausschließlich
Werk vorgefertigt oder an der Bau- die nationalen Vorschriften zugrunde
stelle errichtet werden. gelegt. Sobald diese durch europäische
technische Regeln ersetzt worden sind,
Die Aussagen gelten vorrangig für Neu- können im Rahmen eines verbesserten
bauten. Sie sind jedoch auch auf Moderni- Nachdrucks entsprechende Änderungen
sierungsmaßnahmen bei bestehenden vorgenommen werden.
Wohngebäuden oder vergleichbaren Ge-
bäuden übertragbar, wie sie z.B. im Rah-
men der Verbesserung des Wärme-
schutzes oder der nachträglichen Gewin-
nung zusätzlichen Wohnraums durch den
Ausbau bisher nicht genutzter Dachge-
schosse durchgeführt werden. Ferner
werden auch konstruktive Randgebiete,
z.B. der Blockhausbau, gestreift.

Folgende Bereiche werden nicht oder


nur am Rand behandelt:

a) Die Sanierung von an Holzkonstruk-


tionen durch tierische oder pflanzliche
Schädlinge aufgetretenen Schäden,
da es dort um eine andere Aufgaben-
stellung geht.

b) Konstruktionen, die auf Grund ihrer


Ausbildung und der zu erwartenden
Beanspruchung der Gefährdungsklasse
GK 3 oder GK 4 nach DIN 68 800-3
zugeordnet werden müssen, d.h. Bau-
teile, die den Niederschlagen unge-
schützt ausgesetzt sind (GK 3), z.B.

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

2 Begriffe holzinsekten (z.B. Holzwespe), die das Naßbereich


Holz lediglich im unverbauten Zustand Bereiche, auch in trockenen Räumen,
Nachstehend werden solche Begriffe aus befallen und die Tragfähigkeit nicht beein- mit höherer Feuchtebeanspruchung
den Bereichen ’Holzschutz‘ und ’Feuchte- trächtigen. (Spritz-, Schwallwasser) der Bauteilober-
schutz‘ – und zwar bezgl. der allgemeinen flächen, z.B. Duschwände, Badfußböden.
Definition oder der hier vorgenommenen Insektenundurchlässige Schicht
Interpretation – erläutert, die in dieser Schrift Bauteilschicht (z.B. Bekleidung, s. Bild Feuchtraum/Naßraum
behandelt werden und für das Verständnis 10.2), die den Durchtritt von Insekten- Räume mit langfristig hoher relativer
der Aussagen von Bedeutung sind. weibchen und damit ihre Eiablage im Holz Luftfeuchte bzw. mit stärkerer Wasser-
verhindert. Luftdichtheit ist hierfür nicht einwirkung auf die Bauteiloberflächen
Baulicher Holzschutz erforderlich. (z.B. öffentliche Bäder, Ställe).
Vorbeugende konstruktive oder bauphysi-
kalische Maßnahmen zur Vermeidung Pilzbefall Diffusionsoffene Schicht
einer unzuträglichen Veränderung des Holz kann durch holzzerstörende und Nach DIN 68 800-2 Bauteilschicht mit
Feuchtegehaltes von Holz und Holzwerk- durch nicht holzzerstörende Pilze diffusionsäquivalenter Luftschichtdicke
stoffen. Dadurch kann auch die Einstu- (Schimmelpilze, Bläue) befallen werden. (Sd-Wert) Sd ≤ 0,2 m.
fung in eine niedrigere Gefährdungsklasse Die bauaufsichtlichen Anforderungen und
ermöglicht werden. die Ausführungen in dieser Schrift bezie- Extrem diffusionsoffene Schicht
hen sich ausnahmslos auf die Vermeidung Bauteilschicht mit diffusionsäquivalenter
Besondere bauliche Maßnahmen von sicherheitsrelevanten Schäden durch Luftschichtdicke Sd ≤ 0,02 m.
Voraussetzung für die Zuordnung eines holzzerstörende Pilze.
Holzbauteils zur Gefährdungsklasse GK 0 Wasserdampfdiffusion
(kein chemischer Holzschutz erforderlich). Planmäßige Feuchte Wasserdampftransport durch ein Außen-
Dabei sind sicherzustellen: a) Keine län- Z.B. Einbaufeuchte des Holzes (nach Mög- Bauteil mit geschlossenen Schichten in-
gerfristig auftretende unzulässige Holz- lichkeit entsprechend der während der folge des Wasserdampfdruckunterschiedes
feuchte u > 20%, auch nicht infolge späteren Nutzung zu erwartenden Gleich- zwischen beiden Seiten des Bauteils
ungewollt einwirkender Feuchte, b) kein gewichtsfeuchte) sowie zulässige Tau- (Bild 2.2).
Zutritt von holzzerstörenden Insekten zu wassermasse nach DIN 4108-3 (infolge
verdeckt angeordnetem Holz. Wasserdampfdiffusion).

Chemischer Holzschutz Ungewollte Feuchte


Behandlung mit chemischen Holzschutz- Höhere Einbaufeuchte des Holzes oder
mitteln. Erforderlich für Holz, das trotz anderer Materialien als während der spä-
baulicher Maßnahmen einer Schädigung teren Nutzung zu erwarten, in der Bau-
durch holzzerstörende Pilze oder Insekten phase einwirkende Niederschlage oder
ausgesetzt sein kann. hohe Baufeuchte, Feuchte aus Leckagen
in der Dachhaut (Niederschlage) oder bei
Dauerhafte Holzart raumseitig nicht luftdichter Schicht
Holzarten, die auf Grund ihrer natürlichen (Wasserdampfkonvektion).
Dauerhaftigkeit gegenüber den Beanspru-
chungen einer Gefährdungsklasse (GK 1 Austrocknungskapazität
bis GK 4) ohne chemische Mittel ausrei- Mögliche rechnerische Verdunstungs- Bild 2.1
chend beständig sind. masse von überschüssiger (ungewollter) Beispiele für Installationsebene raumseitig vor Außen-
bauteilen (Dämmschicht im Sparrengefach nicht ein-
Feuchte aus dem Bauteilquerschnitt. gezeichnet)
Gefährdungsklasse a luftdichte Schicht (1) direkt auf Konstruktionsholz
Mit der Gefährdungsklasse eines Holz- Installationsebene aufgebracht,
b luftdichte Schicht (2) unter Querlattung
bauteils wird die mögliche Gefahr für das Bei Außenbauteilen raumseitige Vorhang- 1 raumseitige, direkt aufgebrachte, luftdichte
Holz durch holzzerstörende Organismen schale mit Hohlraum-Ebene zur Aufnahme Wandbekleidung oder -beplankung,
in Abhängigkeit von seiner jeweiligen von Installationen (Elektro-, Wasser-), 2 Dach/Deckenbekleidung, luftdicht, auf Zwischenlat-
tung,
Einbausituation ausgedrückt. Man unter- zum Bauteil hin mit fugenloser, luftdich- 3 Installationsebene, ohne/mit Dämmstoffeinlage,
scheidet die Klassen GK 0 (nicht gefähr- ter Schicht aus Plattenwerkstoffen (Bild 4 Bekleidung, beliebig (auch luftdurchlässig, z.B.
det) bis GK 4 (extrem gefährdet). 2.1). In Ausnahmefällen kann die luftdich- Brettschalung)

te Schicht auch aus Folien oder dergl.


Holzwerkstoffklasse gebildet werden, wenn mechanische Be-
Drückt die Feuchtebeständigkeit eines schädigungen dieser Schicht durch das
Holzwerkstoffes (z.B. Spanplatte, Bau- Einbringen der Installation oder durch
Furniersperrholz) aus. Man unterscheidet spätere Schwindverformungen der Holz-
die Klassen 20 (z.B. für Innenverwendung), teile mit Sicherheit vermieden werden.
100 (z.B. für Außenverwendung mit
Wetterschutz), 100G (Platten mit zusätzli- Trockener Raum
chem Pilzschutz, z.B. für Anwendungen Nach DIN 68 800 alle Aufenrhaltsräume
mit evtl. größerer Feuchtebelastung), in Wohngebäuden, einschl. Küchen und
privater Bäder, sowie Räume mit ver-
Insektenbefall gleichbarer Nutzung und vergleichbaren
Die bauaufsichtlichen Bestimmungen klimatischen Bedingungen in anderen
Bild 2.2
beziehen sich nur auf Trockenholzinsekten Gebäuden, z.B. Verwaltungsbauten. Wasserdampfdiffusion durch ein Außenbauteil
(z.B. Hausbock, Anobien), nicht auf Frisch- (Prinzip)

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Wasserdampfkonvektion
Wasserdampftransport in oder durch ein
Bauteil infolge Konvektion der angrenzen-
den Luft (in aller Regel der Raumluft) infol-
ge eines Luftdruckunterschiedes zwischen
beiden Seiten des Bauteils, nur möglich
bei nicht luftdichter Ausbildung der raum-
seitigen Bauteiloberfläche (Bild 2.3).
Bild 2.3
sd-Wert Konvektion (mit Wasserdampftransport) durch Bauteil
Diffusionsäquivalente Luftschichtdicke sd bei raumseitig nicht luftdichter Ausbildung (z.B. Profil-
einer Bauteilschicht (in m): Produkt brettschalung) (Prinzip)
Sd = μ · s (m) aus vorhandener Schicht-
dicke s (m) und Diffusionswiderstandszahl
μ (dimensionslos) des Materials, letztere
kann DIN 4108-4 entnommen werden. Der
Sd-Wert einer Bauteilschicht drückt deren
Diffusionswiderstand als Dicke einer ge-
dachten ruhenden Luftschicht mit demsel-
ben Widerstand aus. Je größer der Sd-Wert
einer Schicht, desto dampfdichter ist sie.

Dampfsperre
Schicht in Außenbauteilen (in der Regel
Folie oder Bahn), die ausschließlich die Bild 2.4
Dampfsperre (‘Dampfbremse’) (1) in Außenbauteilen
Wasserdampfdiffusion durch das Bauteil, (im raumseitigen Bereich angeordnet) zur Verhinder-
s. Bild 2.2, verhindern oder reduzieren soll ung von Tauwasser oder einer unzulässig großen Tau-
(Bild 2.4) (im allgemeinen Sprachgebrauch wassermasse im Bauteilquerchnitt infolge Wasser-
dampfdiffusion (Prinzipskizze)
auch als ‘Dampfbremse’ bezeichnet). Eine a) Dampfsperre wirksam, b) ohne Dampfsperre,
Klassifizierung hinsichtlich ihres sd-Wertes evtl. Folge: unzulässige Tauwassermasse (2) im
existiert bisher nicht. Bauteilquerschnitt
‘Praktisch dampfdicht’: Nach DIN 4108-4
Schicht mit sd ≥ 1500 m.

Luftdichte Schicht
Schicht in Außenbauteilen vor allem zur
Vermeidung von Tauwasser infolge Kon-
vektion der Raumluft in das Bauteil, s. Bild
2.3 (ggf. von gefährlicher Größenordnung
für Holzbauteile!) (Bild 2.5). Femer zur
Verhinderung von Wärmeverlusten und
zur Sicherstellung der Behaglichkeit
Bild 2.5
(Verhinderung von Zuglufterscheinungen). Luftdichte Schicht (1) in Außenbauteilen zur Verhinde-
rung der gefährlichen Wasserdampfkonvektion, am
Winddichte Schicht wirkungsvollsten im raumseitigen Bauteilbereich
angeordnet; darüber hinaus erforderlich zur Vermei-
Luftdicht ausgebildete Schicht (z.B. Plat- dung von zusätzlichen Wärmeverlusten sowie von
tenwerkstoff, Folie, Bahn) an der Außen- ‘Zugluft’ (Prinzipskizze)
seite eines Außenbauteils zur Verhinde- a) luftdichte Schicht wirksam, b) Leckage (2) in
ansonsten luftdichter Schicht, extreme Tauwasser-
rung einer Durchströmung der Wärme- bildung (3) im Bauteilquerschnitt möglich
dämmung mit Außenluft, z.B. infolge
Windeinfluß, mit möglicher Verringerung
des Wärmeschutzes (Bild 2.6). Bei ge-
neigten Dächern in Holzbauart bisher in
der Regel nicht vorhanden und allgemein
bei Holzbauteilen – im Gegensatz zur luft-
dichten Schicht an der Raumseite – auch
nicht erforderlich.

Belüfteter Hohlraum
Hohlraum innerhalb eines Außenbauteils,
der durch Verbindung mit der Außenluft
über Zu- und Abluftöffnungen vorgegebe-
ner Mindestgröße im Sinne von DIN
4108-3 ausreichend belüftet ist. Bild 2.6
Winddichte Schicht (1) an der Außenseite von
Außenbauteilen (Prinzipskizze)
a vorhanden,
b nicht vorhanden, z.B. infolge Leckage (2)

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

3 Feuchte- und holzschutztechni- 3.1.4 Holzfeuchte im Einbauzustand Spanplatten, die heute allerdings bei wei-
sche Eigenschaften des Holzes tem nicht mehr so häufig eingesetzt wer-
und der Holzwerkstoffe In den weitaus meisten Anwendungsfäl- den, wie in früheren Jahren, sind jedoch
len – z.B. klimatisierte Räume ausgenom- große Abweichungen zwischen angezeigter
3.1 Holzfeuchte men – schwankt jahreszeitlich bedingt die und tatsächlich vorhandener Plattenfeuchte
relative Feuchte der umgebenden Luft und möglich, so daß hier zumeist nur die Darr-
3.1.1 Definitionen damit die Holzfeuchte der dieser Atmo- prüfung verläßliche Ergebnisse liefert.
sphäre direkt (ungeschützt) oder indirekt
Nach DIN 4074-1 unterscheidet man ausgesetzten Teile.
zwischen 3.2 Schwinden und Quellen
• trockenem Holz (u ≤ 20%), Um Feuchteschwankungen des Holzes
• halbtrockenem Holz (u ≤ 30%, bei und der Holzwerkstoffe und damit Form- 3.2.1 Holz
Querschnitten über 200 cm2 u ≤ 35%) änderungen und daraus resultierende
• und frischem Holz (u ≥ 30% bzw. 35%). Nachteile so klein wie möglich zu halten, Das Schwinden und Quellen, also die Volu-
sind diese Werkstoffe nach DIN 68 800-2 menänderung des Holzes infolge wech-
bereits mit möglichst dem Feuchtegehalt selnder Holzfeuchte (umgangssprachlich
3.1.2 Fasersättigungsbereich einzubauen, der während der späteren auch als ‘Arbeiten’ bezeichnet), beeinflußt
Nutzung als Mittelwert zu erwarten ist. die technische Verwendung des Holzes
Der Fasersättigungsbereich des Holzes Die Vorbehandlung des Holzes und der nachhaltig. Ihre Kenntnis und vor allem
stellt die Grenze zwischen dem Vorhan- Holzwerkstoffe, ihr Transport, evtl. Zwi- ihre Berücksichtigung beim Konstruieren
densein von gebundenem Wasser einer- schenlagerung an der Baustelle sowie die mit Holz sind besonders wichtig, um die
seits und freiem Wasser andererseits dar. Einbaubedingungen sind also insgesamt Formänderungen des Holzes und der Holz-
Oberhalb des Fasersättigungsbereiches darauf abzustimmen. bauteile sowie Zwängungskräfte infolge
ist die Holzfeuchte zusätzlich als freies Was- behinderten Schwindens und Quellens und
ser in den Zellhohlräumen vorhanden, das Zwar ist es nahezu unmöglich – und auch unangenehme Rißbildungen möglichst
z.B. auf die Festigkeitseigenschaften des nicht notwendig –, beim Einbau den späte- klein zu halten. Das gleiche trifft auch für
Holzes praktisch keinen Einfluß mehr hat. ren Mittelwert der Feuchte genau zu tref- die Holzwerkstoffe zu.
fen, zumal man ihn ohnehin nicht kennt,
In erster Annäherung kann man den jedoch liegt man von der späteren Wirk- Diese Volumenänderung findet nur unter-
Fasersättigungsbereich für die in Deutsch- lichkeit nicht allzu weit entfernt, wenn halb des Fasersättigungsbereiches statt,
land allgemein verwendeten Nadelhölzer man sich an bewährte Angaben hält. DIN oberhalb ist Holz praktisch dimensionssta-
mit etwa u = 30% annehmen. 1052-1, Abschn. 4.2.1, gibt für einige grob bil. Besonders unangenehm ist die Aniso-
klassifizierte Anwendungsbereiche „Richt- tropie des Holzes: Es schwindet oder quillt
werte“ der Holzfeuchte an, die auf sehr am stärksten in Richtung der Jahrringe
3.1.3 Gleichgewichtsfeuchte einfache Weise eine im allgemeinen zuver- (tangential), etwa halb so stark in Richtung
lässige Abgrenzung des zu erwartenden der Markstrahlen (radial) und nur wenig in
3.1.3.1 Holz Holzfeuchtebereiches ermöglichen Faserrichtung (longitudinal).
(Tabelle 3.1).
Wird Vollholz einem Klima frei ausgesetzt, Für das rechnerische Abschätzen von
ohne direkte Einwirkung von Wasser (z.B. Formänderungen in der Praxis kann man
Tabelle 3.1
kein Tauwasser. keine Niederschlage), „Richtwerte“ der massebezogenen Holzfeuchte u näherungsweise davon ausgehen, daß
dann stellt sich unterhalb des Faser- nach DIN 1052-1 das Schwinden und Quellen (unterhalb
sättigungsbereiches (je nach Holzart und des Fasersättigungsbereiches) proportio-
-abmessungen unterschiedlich schnell) nal zur Änderung der Holzfeuchte ist.
Gleichgewicht ein zwischen Temperatur Gebräuchlich sind deshalb die spezifischen
und relativer Feuchte der umgebenden Schwind- und Quellmaße, die auf eine Än-
Luft einerseits und der Holzfeuchte ande- derung der Holzfeuchte von 1% bezogen
rerseits („hygroskopisches Gleichgewicht“). sind. Solche Werte können im Bedarfsfall
Kurzzeitige Änderungen der relativen der einschlägigen Holzfachliteratur ent-
Feuchte (Dauer Minuten oder wenige nommen werden.
Stunden), z.B. in privaten Bädern, haben
keinen merklichen Einfluß auf die Holz- DIN 1052-1 nennt als spezifisches Schwind-
feuchte; wohl aber Langzeiteinwirkungen Ist der Feuchtegehalt des Holzes bei der maß für europäische Nadelhölzer einheit-
(Dauer Wochen, z.B. Aufenthaltsräume im Errichtung nicht geleimter Bauteile höher lich 0,24% („quer zur Faserrichtung“) als
Sommer, beheizt im Winter). als der „Richtwert“, dann darf dieses Holz Mittelwert aus tangential und radial, da
nach DIN 1052-1 nur für solche Bauwerke der tatsächliche Jahrringverlauf im späte-
verwendet werden, ‘bei denen es nach- ren Holzquerschnitt nicht vorhersehbar ist
3.1.3.2 Holzwerkstoffe trocknen kann und deren Bauteile gegen- (vgl. Tabelle 3.2).
über den hierbei auftretenden Schwindver-
Bei Bau-Furniersperrholz kann man in formungen nicht empfindlich sind’. Tabelle 3.2
erster Annäherung die gleiche Hygro- Richtwerte nach DIN 1052-1 für spezifische Schwind-
und Quellmaße von europäischem Nadelholz, bezogen
skopizität wie für das Holz annehmen, Die Holzfeuchte kann mit im allgemeinen auf eine Änderung der Holzfeuchte von 1 Masse-%
aus dem sie hergestellt sind. Bei Span- befriedigender Genauigkeit für die prakti-
platten können sich dagegen, vor allem schen Belange mit elektrischen Feuchte-
je nach Verleimungsart, erhebliche Unter- meßgeräten ermittelt werden (unter Ver-
schiede in der Gleichgewichtsfeuchte wendung von Einschlag- oder Einschraub-
ergeben. Elektroden). Bei phenolharzverleimten

7
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Beispiel: Da die Änderung der Holzfeuchte bei den 3.3 Mechanische Eigenschaften
Trocknet ein Kantholz mit dem Quer- einzelnen Holzwerkstoffarten und -typen
schnitt 120/120 mm2 nach dem Einbau sehr unterschiedlich sein kann, sind die Auf den nachhaltigen Einfluß der Holz-
von 25% auf 10% herunter, dann wer- Schwind- und Quellmaße auch für eine feuchte auf die mechanischen Eigen-
den – ganz grob gesehen – seine Seiten- Änderung der relativen Luftfeuchte um schaften des Holzes und der Holzwerk-
langen rechnerisch im Mittel um ca. 30% angegeben, deren Handhabung in stoffe wird hier nicht näher eingegangen,
(25-10) · 0,24/100 · 120 = 4,3 mm kürzer, der Praxis oft einfacher ist. da die entsprechenden Abminderungen
der zurückgetrocknete Querschnitt ist der Tragfähigkeit in den einschlägigen
danach nur noch ca. 116/116 mm2. Bei Spanplatten kann man für die feuch- Bemessungsvorschriften, z.B. DIN 1052,
tebedingten Längenänderungen in beiden geregelt sind.
Die tatsächlichen Feuchteschwankungen Richtungen der Plattenebene in den mei-
des Holzes und der Holzwerkstoffe wäh- sten Anwendungsfällen von maximal Ein Spezialfall, bei dem auf Grund eines
rend der Nutzung sind in der Regel we- etwa 2 mm/m ausgehen. Mißverständnisses in der Praxis des öfte-
sentlich kleiner, als oben angenommen; ren Lehrgeld gezahlt werden mußte, ist
sie betragen bei Bauteilen, die nicht der Tatsächlich können aber eine gleichmäßige der Spanplattentyp V100G (DIN 68 763),
Witterung ausgesetzt sind, etwa 3% bis 5%. Holzfeuchteänderung über die Platten- Die Bezeichnung sagt nicht mehr und
Bei allen genannten Werten handelt es dicke und die damit verbundene reine nicht weniger, als daß die Verleimung ge-
sich um die freien Schwind- und Quell- Längenänderung (Bild 3.1a) nicht schlag- gen hohe Luftfeuchte beständig und die
maße. Bei behindertem Schwinden oder artig auftreten. Vielmehr wird die Feuchte- Platten gegen holzzerstörende Pilze che-
Quellen (wenn also das Holz z.B. Teil änderung (durch direkte Befeuchtung oder misch geschützt sind. Durch falsche Aus-
einer Verbundkonstruktion ist) darf mit den durch Feuchteausgleich mit dem Umge- legung wurde diesem Plattentyp in der
halben spezifischen Werten gerechnet bungsklima) an einer Plattenoberfläche Praxis zuweilen die Eigenschaft ‘wetter-
werden. beginnen, so daß sich über die Platten- fest’ oder ‘wasserfest’ unterstellt. Das
dicke ein ungleichmäßiger Feuchtegehalt hatte zur Folge, daß bei fehlendem bauli-
Rißbildung tritt auf, wenn die Schwindver- und damit eine ungleichmäßige Längen- chen Holzschutz (z.B. kein Wetterschutz)
formungen behindert werden und die änderung einstellen, die zusätzlich zu die Platten mechanisch beeinträchtigt
Schwindspannungen die Querzugfestig- einer Aufwölbung der Platte quer zu ihrer wurden und ihre Funktion nicht mehr
keit des Holzes überschreiten. Das kann Ebene führen (Bild 3.1b). Dieses Verhalten erfüllen konnten.
z.B. der Fall sein, wenn bei größeren Holz- ist vor allem bei Spanplatten (FP) – im Ge-
querschnitten ein starkes Feuchtegefälle gensatz zum über der Faserlängsrichtung
von innen nach außen dadurch entsteht, im allgemeinen ‘harmlosen’ Vollholz (VH) – 3.4 Pilzbefall
daß zunächst nur im äußeren Bereich des deshalb so ausgeprägt, weil neben den
Querschnittes eine Feuchteabgabe statt- großen Plattenabmessungen das Quellmaß Von anderen Voraussetzungen (z.B.
findet. in Plattenebene Temperatur, Luftbewegung) abgesehen,
sind Wachtumsbedingungen für holzzer-
αu || (FP) ≈ 3,5 · αu || (VH) störende Pilze dann gegeben, wenn die
3.2.2 Holzwerkstoffe Holzfeuchte langfristig größer als 20% ist,
ist. siehe jedoch Erläuterungen hierzu in
In Tabelle 3.3 sind für einige Holzwerk- Abschn. 10.4.
stoffe die spezifischen Schwind- und
Quellmaße in Plattenebene (unbehindert) Deshalb ist im allgemeinen ein chemischer,
angegeben, überwiegend aus DIN 1052- fungizider (pilztötender) Holzschutz dort
1. Auch diese Angaben stellen nur grobe erforderlich, wo eine Holzfeuchte u > 20%
Anhaltswerte dar, da die tatsächlichen, über einen längeren Zeitraum nicht ausge-
hygrisch bedingten Längenänderungen schlossen werden kann, sofern nicht
von einer Vielzahl von Faktoren abhän- Holzarten mit ausreichend hoher natürli-
gen und von den angegebenen Mittel- cher Dauerhaftigkeit verwendet werden,
werten mehr oder weniger stark abwei- so daß auf chemische Maßnahmen ver-
chen können. zichtet werden kann. Einzelheiten hierzu
siehe Abschn. 5.4.
Tabelle 3.3 Bild 3.1
Spezifische Schwind- und Quellmaße von Holzwerk- Unbehindertes Schwinden/Quellen von Spanplatten
stoffen in Plattenebene in % (grobe Anhaltswerte, infolge Feuchteänderung Au; reine Längenänderung
überwiegend nach DIN 1052-1) ΔI infolge Δu = const., b Aufwölbung f infolge 3.5 Insektenbefall
Δu ≠ const.; uE Einbaufeuchte; aus [1]

Die Gefährdung des Holzes durch holzzer-


Somit wird erklärlich, daß – auch ohne störende Insekten kann bereits bei einer
direkte Feuchtebeanspruchung – die Auf- Holzfeuchte unterhalb 10% einsetzen.
wölbung und damit die Gefahr von Bau-
schäden um so größer ist,
a) je größer der Unterstützungsabstand
der Platten und
1) BFU Bau-Furniersperrholz
b) je geringer die Plattendicke ist.
FP Spanplatten
HF H Harte Holzfaserplatten Die Dickenquellung der Holzwerkstoffe ist
HFM Mittelharte Holzfaserplatten
zwar relativ größer als die Längen- und
Breitenquellung, hat aber im Holzbau im
Regelfall praktisch keine Bedeutung.

8
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

4 Vorbeugender Holzschutz nach allein holzbauspezifisch, sondern betrifft 2. Stütze im Freien (Bild 4.2): Mit Erdkon-
DIN 68 800 allgemein den gesamten Hochbau. takt GK 4, bei Aufständerung auf
einem Betonsockel GK 3, mit zusätzli-
4.1 Übersicht 4.3 Baulicher Holzschutz nach chem Wetterschutz: GK 2.
DIN 68 800-2
Der vorbeugende bauliche Holzschutz ist
in DIN 68 800-2, der vorbeugende chemi- Der vorbeugende bauliche Holzschutz hat
sche Holzschutz in DIN 68 800-3 geregelt. im wesentlichen zwei Aufgaben, nämlich
Allgemein gelten die dort enthaltenen An-
forderungen nur für tragende, d.h. auch a) ganz allgemein den Feuchteschutz der
für aussteifende Teile aus Holz und Holz- Konstruktion sicherzustellen und
werkstoffen.
b) in besonderen Fällen die Voraussetzun-
Für nichttragende Teile haben die jeweili- gen für die Einstufung des Bauteils in
gen Festlegungen empfehlenden Charakter. eine niedrigere Gefährdungsklasse zu
schaffen und damit einen geringeren
In DIN 68 800-3 wird bei den Hinweisen Aufwand hinsichtlich des chemischen
(Empfehlungen) für nichttragende Teile Schutzes zu ermöglichen.
hinsichtlich der Kriterien für den chemi-
schen Schutz speziell zwischen zwei
Fällen unterschieden: 4.3.1 Allgemeiner Feuchteschutz der
1. Nicht maßhaltiges Holz, z.B. Konstruktion
Bekleidungen oder dergl., und
2. maßhaltiges Holz, z.B. Fenster und Bauliche Maßnahmen zum Feuchteschutz
Außentüren. des Holzes sind – zumindest bei Außen-
In beiden Fällen kann ein chemischer bauteilen oder vergleichbaren Anwendun-
Schutz – obwohl er in der Norm hierfür gen – in jedem Fall erforderlich, d.h. auch
Bild 4.1
nicht gefordert wird – z.B. in Anbetracht unabhängig davon, welche Gefährdungs- Beispiel einer Außenwand (Prinzip) für Reduzierung
der Werterhaltung eines Objektes durch- klasse vorliegt, d.h. welche chemischen der Gefährdungsklasse GK durch bauliche Maß-
Maßnahmen vorgesehen sind. nahmen;
aus zweckmäßig sein. Einzelheiten hierzu a Holzquerschnitt ist den Niederschlagen direkt aus-
können im Beuth-Kommentar zu DIN gesetzt, d.h. hier ist die GK 3 zugrunde zu legen;
68 800 nachgelesen werden [4]. Beispielhaft sollen nur drei wesentliche Voraussetzung ist jedoch, daß sich kein stehendes
Mängel aus der Feuchteeinwirkung Wasser im Holz bilden kann (in Schwindrissen, an
Anschlußstellen oder dergl.), anderenfalls wäre
Grundsätzlich besteht bei tragenden und genannt werden, die durch chemische die GK 4 maßgebend
nichttragenden Teilen die Möglichkeit, über Maßnamen nicht reduziert, geschweige b Holzquerschnitt ist durch Wetterschutz (Vorhang-
denn verhindert werden können: schale oder dergl.) vor Niederschlagen geschützt,
vorbeugende bauliche oder chemische die Bedingungen für die GK 2 sind eingehalten
Maßnahmen oder über ihre Kombination
unter wirtschaftlichen Aspekten unter 1. Größere Schwind- und Quellverfor-
Berücksichtigung aller dabei eingehenden mungen des Holzes, woraus sich eine
Faktoren zu entscheiden. starke Beeinträchtigung der Gebrauchs-
tauglichkeit der gesamten Konstruktion,
z.B. durch Beeinträchtigung der Dicht-
4.2 Chemischer Holzschutz nach heit der Außenhülle, ergeben kann.
DIN 68 800-3 2. Unzulässige Feuchtezunahme einge-
bauter Dämmstoffe oder benachbarter,
Der vorbeugende chemische Holzschutz feuchteempfindlicher Werkstoffe mit
soll das Holz vor der unzulässigen Ein- Nachteilen für den Wärmeschutz durch
wirkung von tierischen (holzzerstörenden zu feucht eingebautes Holz oder durch
Insekten) und pflanzlichen Schädlingen andere außerplanmäßige Feuchteein-
(holzzerstörenden Pilzen) schützen. Dieser wirkungen.
Schutz kann bei Verwendung entspre- 3. Schimmelpilzbefall, auch innerhalb des
chend dauerhafter Hölzer auch ohne che- Bauteilquerschnitts, mit evtl. gesundheit-
mische Mittel sichergestellt werden (vgl. lichen Auswirkungen auf die Bewohner.
Abschn. 5.4).
4.3.2 Reduzierung der
Holzverfärbende Pilze (z.B. Bläuepilze) Gefährdungsklassen
oder Schimmelpilze einerseits oder Frisch-
holzinsekten andererseits sind nicht Ferner kann durch bauliche Maßnahmen
Gegenstand des Holzschutzes nach DIN die Feuchtebeanspruchung des Holzes
68 800-2 und -3, da durch diese Befalls- und damit seine Gefährdung durch Pilz-
arten keine unzulässige Beeinträchtigung wachstum verringert und somit unter
der wesentlichen Bauteilfunktionen auf- Umständen die Einstufung in eine niedri- Bild 4.2
Beispiel einer Stütze im Freien (Prinzip) für Reduzierung
tritt. Allerdings können Schimmelpilze ern- gere Gefährdungsklasse ermöglicht wer- der Gefährdungsklasse GK durch bauliche Maßnahmen;
ste gesundheitliche Folgen haben! den. Beispiele: a Holz mit Erdkontakt: GK 4
Anmerkung: Eine Informationsschrift über 1. Außenwand (Bild 4.1): Ohne zusätzli- b Holz den Niederschlagen ausgesetzt, ohne
Erdkontakt: GK 3
gesundheitliche Aspekte ist in Vorbe- chen Wetterschutz des Holzes GK 3, c Holz durch bauliche Maßnahmen vor Nieder-
reitung. Diese Thematik ist jedoch nicht mit Wetterschutz GK 2. schlagen geschützt: GK 2

9
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

5 Gefährdungsklassen nach den, wenn in Räumen mit üblichem Wohn-


DIN 68 800-3 klima oder vergleichbaren Räumen ein
Insektenbefall entweder
5.1 Gefährdungsklassen GK 0 bis a) nicht stattfinden kann oder
GK4 b) kontrollierbar bleibt.
Zu a): Insektenbefall verhindert
In DIN 68 800-3 werden die Holzbauteile Ein Insektenbefall kann nicht stattfinden,
entsprechend der Art ihrer Gefährdung in wenn keine Eiablage erfolgen kann, wenn
die Gefährdungsklassen GK 0 bis GK 4 also die Holzteile allseitig insektenun-
eingestuft (s. Tabelle 5.1) und die zuge- durchlässig abgedeckt sind und wenn
Bild 4.3
hörenden erforderlichen Prüfprädikate eingeschlossene Hohlräume mit der
Beispiel einer Außenwand mit Wetterschutz (Prinzip) sowie die anzuwendenden Verfahren Außenluft nicht in Verbindung stehen
für Reduzierung der Gefährdungsklasse GK 2 nach festgelegt, wenn chemische Mittel ein- (s. Bild 5.1).
DIN 68800-3 (vgl. Bild 4.1 b) auf die GK 0 (kein che-
mischer Schutz erforderlich) durch besondere bauli-
gesetzt werden sollen, s. jedoch Abschn.
che Maßnahmen nach DIN 68 800-2; besondere bau- 5.4. Die erforderliche Einbringmenge des Im Gegensatz zu unbelüfteten Bauteilen
liche Voraussetzungen: Holzschutzmittels ist dem jeweiligen ist somit bei belüfteten Bauteilen grund-
(1) Tragendes Holz, Einbaufeuchte u ≤ 20%
(2) Mineralischer Faserdämmstoff nach DIN
Zulassungsbescheid (früher: Prüfbescheid) sätzlich ein unkontrollierbarer Insekten-
18 165-1 oder Material mit über eine bauaufsicht- zu entnehmen. befall möglich.
liche Zulassung nachgewiesener Eignung für diese
Anwendung
(3) Insektenunzugänglicher Hohlraum
Zu b): Insektenbefall kontrollierbar
(4) Insektenundurchlässige Abdeckung des tragen- 5.2 Kriterien für die Gefährdungs- Bei sichtbaren Holzbauteilen, z.B. sicht-
den Holzes klassen GK 0 bis GK 2 bare Sparren mit Aufsparrendämmung
(5) Vorgegebener Wetterschutz nach DIN
68 800-2; auch im Anschlußbereich an Fenster und
(s. Bild 5.2), kann definitionsgemäß nur
Außentüren dichte Ausbildung In Tabelle 5.2 sind die Kriterien für die ein kontrollierbarer Insektenbefall auftre-
hier vor allem interessierenden ten, der rechtzeitig bemerkt und erfor-
Gefährdungsklassen GK 0 bis GK 2 derlichenfalls bekämpft werden kann –
4.4 Besondere bauliche Maßnahmen zusammengestellt. auch ohne Einsatz chemischer Mittel –,
nach DIN 68 800-2 so daß sicherheitsrelevante Schäden
Schäden durch Insektenbefall können nicht auftreten.
Die besonderen baulichen Maßnahmen nach DIN 68 800-3 ausgeschlossen wer-
ermöglichen die Einstufung von Bau-
teilen in die GK 0, die nach DIN 68 800-3
noch eines chemischen Holzschutzes
bedürfen, d.h. auch bei Außenbauteilen.
Tabelle 5.1
Gefährdungsklassen nach
Dieser Schutz erfordert besondere kon- DIN 68 800-3
struktive Maßnahmen, zuweilen zusätz-
lich auch organisatorische während des
Bauablaufs. Die zugehörenden Anforde-
rungen sind in DIN 68 800-2 festgelegt.
Prinzipbeispiel s. Bild 4.3.

Können die speziellen Anforderungen


nach DIN 68 800-2 an den besonderen
baulichen Holzschutz für die GK 0 nicht
eingehalten werden, so gilt DIN 68 800-3 1) Gefährdung durch:
und die dort enthaltene Zuordnung zu l Insekten (Trockenholzinsekten), P Pilze (holzzer-
störende), AW Auswaschbeanspruchung (für das
den Gefährdungsklassen.
Holzschutzmittel), MF Moderfäule (Erdkontakt, ste-
hendes Wasser oder dgl.)

2)Erforderliche Prüfprädikate (Kurzzeichen):


Iv vorbeugend wirksam gegen Insekten; P vorbeu-
gend wirksam gegen Pilze; W Holzschutz witte-
rungsbeständig; E beständig gegen extreme
Beanspruchung

Tabelle 5.2
Bedingungen nach DIN 68 800-3 für die
Gefährdungsklassen GK 0 bis GK 2

10
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

5.4 Ersatz des chemischen Holz- 6 Tauwasserschutz für die


Schutzes durch Verwendung Bauteiloberfläche
dauerhafter Hölzer

Auch bei den Gefährdungsklassen GK 1


bis GK 4 ist die Anwendung chemischer 6.1 Allgemeines
Mittel nicht zwingend erforderlich, wenn
stattdessen Hölzer eingesetzt werden, die Bauschäden infolge Tauwasserbildung an
für die jeweilige Gefährdungsklasse aus- der raumseitigen Oberfläche von Außen-
Bild 5.1 reichend natürlich dauerhaft sind. bauteilen sind nach der 1. Energiekrise
Voraussetzungen für die Vermeidung
eines unkontrollierbaren Insektenbefalls Mitte der 70er Jahre – insbesondere in
(1) Insektenundurchlässige Abdeckung des Holzes, Auf der Grundlage der DIN 68 364, Wohngebäuden auf Grund veränderter
(2) Hohlraum im Gefach steht mit der Außenluft Ausgabe November 1979, und der zwi- Nutzungsgepflogenheiten der Bewohner –
nicht in Verbindung (keine Lüftungsöffnungen, d.h.
nicht belüftetes Bauteil) schenzeitlich erschienenen DIN EN 350-2, verstärkt aufgetreten, und zwar unabhän-
Ausgabe Oktober 1994, sowie DIN EN gig von der Bauart. Ein weiterer Grund
460, Ausgabe Oktober 1994, ergeben sich war das seinerzeit niedrigere Wärme-
folgende Möglichkeiten für einen Verzicht schutzniveau.
auf chemische Holzschutzmaßnahmen:
GK 1 – Kiefer (pinus sylvestris): Für Holzbauteile muß Tauwasser an der
Splintholzanteil unter 10% Oberfläche aus folgenden Gründen ver-
GK 2 – Kiefer, Lärche, Douglasie: mieden werden:
splintfrei a) wenn Tauwasser dort ausfällt, handelt
GK 3 – Redcedar (Western)1» Eiche: es sich oft um erhebliche Mengen;
splintfrei b) die üblichen Bekleidungen besitzen
GK 4 – Teak 2), Afzelia 2), Robinie 1): kein großes Feuchtespeichervermögen;
splintfrei c) plattenförmige Bekleidungen oder
Bild 5.2 Beplankungen, die in trockenen Räu-
Voraussetzung für das evtl. Auftreten eines 1) Nicht anwendbar für tragende Zwecke nach
lediglich kontrollierbaren Insektenbefalls am Beispiel
men verwendet werden, sind im allge-
DIN 1052.
einer Dachschräge mit Aufsparrendämmung: An der 2) Für Tropenhölzer ist die Dauerhaftigkeit von meinen nicht für eine größere
Unterseite dreiseitig offener, einsehbarer Sparren Plantagenholz im allgemeinen geringer als oben Feuchtebeanspruchung geeignet;
angeführt. d) an solchen Stellen besteht – jedoch
nicht nur für die Holzbauart, sondern
allgemein – die Gefahr des Schimmel-
5.3 Klassifizierung von Bauteilen 5.5 Von der Norm abweichende pilzbefalls mit möglichen gesundheitli-
nach DIN 68 800-3 Klassifizierungen chen Folgen für die Bewohner.

Für die praktische Anwendung ergeben Nach DIN 68 800-2, Abschn. 8.1, besteht Ausgenommen hiervon sind jene Bauteile,
sich für Holzbauteile aus den Angaben in die Möglichkeit, die Klassifizierung GK 0 bei denen Tauwasser nur kurzfristig aus-
den Tabellen 5.1 und 5.2 nach DIN auch mit Konstruktionen zu erreichen, fallen kann und die Oberflächen entspre-
68 800-3 ohne weiteren Nachweis die die in der Norm nicht enthalten sind, chend geschützt sind, z.B. Bäder und
Klassifizierungen nach Tabelle 5.3. wenn hierfür ein entsprechender Verwend- Küchen mit zeitlich begrenzter, erhöhter
barkeitsnachweis, z.B. im Rahmen einer Feuchteproduktion einerseits und wasser-
bauaufsichtlichen Zulassung, geführt wird. abweisenden Oberflächen (z.B. Beschich-
tungen, Fliesen) andererseits.

Nach DIN 4108-3 braucht der Tauwasser-


schutz für die raumseitige Oberfläche von
Tabelle 5.3
Klassifizierungen für Holzbauteile nach DIN 68 800-3
Bauteilen in nicht klimatisierten Aufent-
entsprechend den Gefährdungsklassen haltsräumen (z.B. Wohn- und Büroräu-
men, einschließlich häuslicher Küchen
und Bäder) bei üblicher (!) Nutzung nicht
nachgewiesen zu werden, wenn der
Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2
von den Bauteilen eingehalten wird.

Über die Taupunkttemperatur ϑs


(s. Abschn. 6.2) geht der große Einfluß
der relativen Feuchte (ϕi der Raumluft auf
den erforderlichen Wärmeschutz des
Bauteils ein. Hier hatten sich in den Jahren
nach der 1. Energiekrise allgemein in
Wohngebäuden die klimatischen Bedin-
gungen für Außenbauteile verschärft.
Während z.B. in Holzhäusern vorher oft
eine zu ‘trockene’ Raumluft im Winter be-
klagt wurde (ϕi < 30%), ging die Tendenz
1) In Wohnräumen, einschl. Küchen und Bädern, sowie in klimatisch vergleichbaren Räumen. anschließend genau in die entgegenge-

11
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

setzte Richtung. Feuchteschäden an Holz- Wärmeschutz des Bauteils mindestens hen) allgemein die kritischsten Bereiche
bauteilen waren trotz ihres guten Wärme- folgende Größe aufweist (Gl (6.2)): bezüglich der Tauwassergefahr für die
schutzes nicht mehr unmöglich, da in raumseitige Bauteiloberfläche. In diesen
Einzelfällen relative Feuchten von 80% bis k ≤ αi (ϑLi – ϑs) / (ϑLi – ϑLa) in W/(m2K) Bereichen kann der wärmeschutztechni-
über 90% in bewohnten Räumen (!), vor .... (6.2) sche Aufwand – auch bei Holzbauteilen
allem in Schlafräumen, gemessen wur- mit ihrem bereits von Hause aus guten
den. Wesentliche Ursachen dafür waren Darin sind: Wärmeschutz – nicht groß genug sein.
– fehlende ‘Zwangslüftung’ über die k Wärmedurchgangskoeffizient des Obwohl dort in der Regel – über den Bau-
Fenster, da die Fugendurchlässigkeit bei Bauteils in W/(m2 K) teilquerschnitt betrachtet – der gleiche
der seither angestrebten Fensterqualität Wärmeschutz vorliegt wie im Rippenbe-
αi Wärmeübergangskoeffizient an der
weitgehend reduziert ist, sowie reich (stoffbedingte Wärmebrücke), ist die
Raumseite in W/(m2 K); für die
– zu geringe oder unsachgemäße Oberflächentemperatur (ϑOi z.T. erheblich
Abschätzung der Tauwassergefahr
Belüftung und Beheizung der Räume niedriger, die Gefahr einer Unterschrei-
an der Bauteiloberfläche im Regelfall
durch die Bewohner. tung der Taupunkttemperatur dort also
αi = 6, bei behinderter Konvektion
wesentlich größer.
αi = 5 oder noch kleiner
ϑLi Temperatur der Raumluft in Bau- Allgemein gesehen hat sich aber dieses
6.2 Erforderlicher Wärmeschutz zur teilnähe in °C; abhängig von der Problem heute mit den inzwischen stän-
Vermeidung von Tauwasser an Raumart; für Aufenthaltsräume in dig gestiegenen Anforderungen an den
ebenen Bauteiloberflächen Wohngebäuden ϑLi = 20 °C bis 22 °C Wärmeschutz auf Grund der Wärmeschutz-
ϑLa Temperatur der Außenluft in °C; in verordnung gegenüber den 70er Jahren
Tauwasser fällt solange nicht aus, wie die der Regel ist ϑLa = –15 °C bei der weitgehend entschärft.
Temperatur ϑOi an der raumseitigen Berechnung zu verwenden
Bauteiloberfläche nicht unter die ϑs Taupunkttemperatur der Raumluft in°C Inzwischen existieren für alle Bauarten
Taupunkttemperatur ϑs der Luft absinkt. des Hochhaus umfangreiche Darstellungen
Der Einfluß des Bauteils auf die Einhal- und Zusammenfassungen der Ergebnisse
Taupunkttemperatur ϑs tung der Tauwasserfreiheit an ebenen von genauen Wärmebrückenberechnungen
Bauteiloberflächen besteht also lediglich in Form von Wärmebrücken-Katalogen
Die uns umgebende Luft enthält Wasser- in einer ausreichenden Größe des oder dergl. Für den Holzbau ist vor allem
dampf. Sie kann aber in Abhängigkeit von Wärmeschutzes. [3] zu nennen, aus dem für viele typische
der Temperatur jeweils nur eine festste- Konstruktionen und Situationen nicht nur
hende Höchstmenge an Wasserdampf 6.3 Tauwasserschutz für Bauteil- die hier besonders interessierenden kriti-
aufnehmen (Sättigungsgehalt), die um so oberflächen im Bereich von schen (tiefsten) Oberflächentemperaturen,
größer ist, je höher die Temperatur ist. Wärmebrücken sondern unter anderem auch die Wärme-
Jedes weitere Dampfangebot über die verluste infolge der Wärmebrücken her-
Sättigung hinaus fällt dann als Tauwasser In Bild 6.1 ist das Beispiel für eine Stoff- vorgehen.
aus (z.B. Nebel). bedingte und eine geometriebedingte
Wärmebrücke (Prinzip) dargestellt.
Kühlt ein vorhandenes Wasserdampf-Luft- 6.4 Konstruktive Hinweise
Gemisch der Temperatur ϑ und der relati-
ven Feuchte ϕ bis auf die Taupunkttempe- Die Tauwassergefahr an der Bauteilober-
ratur ϑs ab, dann ist der Sättigungsgehalt fläche kann – abgesehen von der Nutzung
der Luft erreicht oder – anders ausge- der Aufenthaltsräume – durch einen aus-
drückt – dann hat der vorhandene Wasser- reichend bemessenen Wärmeschutz des
dampfteildruck p (für vorh ϑ / vorh ϕ) den Bauteils vermieden werden. Dagegen ist
Sättigungsdruck ps (für ϑs / ϕ = 100%) z.B. die Anordnung der Baustoffe im Bau-
erreicht. Bei einer weiteren Abkühlung teilquerschnitt – im Gegensatz zur Tauwas-
fällt der überschüssige, von der Luft nicht sergefahr für den Bauteilquerschnitt – wei-
mehr aufnehmbare Wasserdampf als testgehend ohne Bedeutung. Nachstehend
Tauwasser aus. werden noch einige ergänzende Hinweise
zu speziellen Ausführungen gegeben.
Bild 6.1
Die Taupunkttemperaturen für die im Schematische Beispiele für Wärmebrücken WB
Hochbau praktisch vorkommenden (Bereiche mit erhöhter Wärmestromdichte); aus [1] Bei Außenbauteilen mit im Gefach mittig
Bereiche der Temperatur ϑ und relativen a stoffbedingte Wärmebrücke (z.B. Rippenbereich angeordneter Dämmschicht, d.h. mit bei-
eines Holzbauteils), b geometrisch bedingte Wärme-
Feuchte ϕ der Luft können z.B. DIN brücke am Beispiel eines homogenen Bauteils derseits angrenzendem Hohlraum (Bild
4108-5, Tabelle 1, entnommen oder mit (Mauerwerk) 6.2), ist sicherzustellen, daß der Anschluß
Hilfe derTabelle 2 (Wasserdampfsätti- der Dämmschicht an die Rippen dauerhaft
gungsdrücke ps) über die Beziehung vorh Gl. (6.2) gilt für ebene Bauteile und verein- dermaßen dicht ausgebildet ist (z.B. mit
ϕ · ps (vorh ϑ) = ps (ϑs) ermittelt werden. fachend (mit Ergebnissen im allgemeinen Überbreite eingestauchter mineralischer
auf der sicheren Seite) für stoffbedingte Faserdämmstoff), daß – unabhängig von
Bedingung für Tauwasserfreiheit ist also Wärmebrücken (Bild 6.1 a). der zusätzlichen Tauwassergefahr für die
ϑOi ≥ ϑs (°C) ... (6.1) außenliegende Abdeckung – Kaltluft nicht
Sie gilt dagegen nicht für geometrisch in den innenliegenden Hohlraum gelangen
bedingte Wärmebrücken (Bild 6.1 b). kann, da sonst auch die raumseitige Beklei-
Die Bedingung nach Gl (6.1) zur Ver- Überhaupt sind die geometrisch beding- dung oder Beplankung gefährdet ist.
meidung von Tauwasser an der Ober- ten Wärmebrücken (von Ausnahmen, z.B.
fläche wird eingehalten, wenn der einspringende Gebäudeecken, abgese-

12
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

7 Tauwasserschutz für den 3. Bei Tauwasser in Holzteilen


Bauteilquerschnitt zul WT ≤ 0,05 · mH, in Holzwerkstof-
fen zul WT ≤ 0,03 · mHWS, wobei
7.1 Allgemeines mH/mHWS die flächenbezogene
Masse des Holzes/Holzwerkstoffes in
Holzbauteile sind so zu konstruieren, daß kg/m2 bedeutet.
auch im Querschnitt eine unzulässige Tau-
wassermasse vermieden wird, vor allem Nach DIN 68 800-2 darf im Fall 2. für eine
auch deshalb, weil man sie, da sie im Konstruktion
Innern auftritt, oft erst dann wahrnimmt. zul WT = 1,0 kg/m2
Bild 6.2
Tauwassergefahr auch für die raumseitige Bauteil-
wenn ein Schaden bereits eingetreten ist. zugrunde gelegt werden, jedoch nur, wenn
oberfläche bei mittiger, unsachgemäß verarbeiteter zugleich
Dämmschicht; aus [1] Wasserdampf kann auf zweierlei Weise in
den Bauteilquerschnitt eindringen und vorh WV (Sommer) ≥ 5 · vorh WT (Winter)
Tauwasserschäden an der raumseitigen somit dort an kälteren Schichten Tau-
Bauteiloberfläche sind – wie die Praxis wasser bewirken, s. Abschn. 2.2: eingehalten ist.
immer wieder zeigt – ebenfalls möglich, a) Infolge D i f f u s i o n des Wasser-
wenn die Dämmschicht schlampig ver- dampfes durch geschlossene Bauteil- Der Konstrukteur hat nachzuweisen, daß
legt wird und zwischen einzelnen Schichten (Bild 2.2) diese Bedingungen von einem gewählten
Dämmplatten oder -matten ein Spalt in b) durch K o n v e k t i o n der Raumluft Bauteil eingehalten werden. Ein solcher
cm-Größe verbleibt (Bild 6.3). über Undichtigkeiten in das Bauteil Nachweis kann auf zweierlei Art erfolgen:
(Bild 2.3).
a) Wahl eines Bauteils nach DIN 4108-3,
Nachfolgend wird nur der Einfluß der 3.2.3, für das der rechnerische Nach-
Diffusion beschrieben, während die weis bereits geführt wurde, also ein
Konvektion in Abschn. 9 behandelt wird. weiterer Nachweis nicht mehr erforder-
lich ist, vgl. hierzu Abschn. 7.3, oder
Tauwasserbildung im Querschnitt von b) rechnerischer Nachweis nach DIN
mehrschichtigen Außenbauteilen infolge 4108-3 auf der Grundlage von DIN
Dampfdiffusion wird im wesentlichen von 4108-5, vgl. hierzu Abschn. 7.4; fällt
der Art und der Lage der einzelnen Bau- dieser Nachweis negativ aus, muß die
Bild 6.3
Tauwassergefahr bei größeren Fehlstellen in der
stoffschichten beeinflußt. Konstruktion geändert werden.
Dämmschicht; aus [1]
7.2 Anforderungen an Holzbauteile
Über Feuchteschäden im Holzbau allge- 7.3 Holzbauteile ohne Nachweis des
mein kann z.B. in [7] und [20] nachgele- Nach DIN 4108-3 sind bezgl. des Tauwas- Tauwasserschutzes
sen werden. serschutzes folgende Bedingungen einzu-
halten: In DIN 4108-3 werden folgende Holz-
1. Winter bauteile genannt, für die bei Verwendung
Die rechnerisch vorhandene Tauwasser- in nicht klimatisierten Wohn- und Büro-
masse (vorh WT) darf nicht größer sein gebäuden sowie vergleichbar genutzten
als die zulässige (zul WT): Gebäuden ein rechnerischer Nachweis
des Tauwasserschutzes nicht mehr
vorh WT (Winter) ≤ zul WT geführt zu werden braucht:

2. Sommer a) Außenwände (Abschn. 3.2.3.1.9)


Die rechnerisch vorhandene Verdun-
stungsmasse (vorh W\/) muß mindestens Querschnitte mit innenseitiger Dampf-
so groß sein wie die rechnerisch vorhan- Sperre (sd ≥ 10 m), äußerer Beplankung
dene Tauwassermasse im Winter: (sd ≤ 10 m) und zusätzlichem hinterlüfte-
tem Wetterschutz. Die Größe der Zu-
vorh WV (Sommer) ≥ vorh WT (Winter) und Abluftöffnungen zwischen Wand
und Wetterschutz beträgt mindestens
Zulässige Tauwassermasse zul WV 1/500 der zu belüftenden Fläche.

Nach DIN 4108-3 müssen von Holzbautei- b) Belüftete Dächer (Abschn. 3.2.3.3)
len folgende Anforderungen eingehalten
werden: Belüftete Dachquerschnitte, bei denen
1. Für das Gesamtbauteil die in der Norm vorgegebenen Ausfüh-
zul WT = 1,0 kg/m2 rungsbedingungen zur einwandfreien
Belüftung eingehalten sind, gelten ohne
2. Bei Tauwasser an der Berührungs- weiteren Nachweis als nicht tauwasser-
fläche zwischen zwei kapillar nicht gefährdet.
wasseraufnahmefähigen Schichten Hinweis:
(z.B. an der Grenzschicht Folie – Luft, Auf Grund eines verstärkten Umwelt-
Folie/Luft – Mineralfaser) und Gesundheitsschutzes wird heute in
zul WT = 0,5 kg/m2 DIN 68 800-2 der weitgehende Verzicht

13
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

auf den chemischen Schutz bei Holz- 7.5 Verbesserung tauwassergefähr- 8 Dampfsperren in Holzbauteilen
bauteilen empfohlen. Daher sollten deter Holzbauteile
b e l ü f t e t e Bauteile (Querschnitt ist in
der Ebene der tragenden Hölzer belüftet), Wird eine der beiden in Abschn. 7.2 8.1 Allgemeines
also auch belüftete Dächer, zukünftig nur genannten Bedingungen für den Tauwas-
noch in Sonderfällen angewandt werden serschutz des Bauteils nicht eingehalten, Bei Außenbauteilen in Holzbauart wird in
(s. Abschn. 12). nämlich den weitaus meisten Fällen raumseitig
vorh WT ≤ zul WT oder eine Dampfsperre (oft auch als ‘Dampf-
c) Nicht belüftete Dächer vorh WV ≥ vorh WT, bremse’ bezeichnet) angeordnet, um den
(Abschn. 3.2.3.2.1) dann ist die Konstruktion entsprechend zu in DIN 4108-3 geforderten Tauwasser-
verbessern. schutz für den Bauteilquerschnitt sicher-
Nicht belüftete Querschnitte mit raumsei- zustellen. Einzelheiten hierzu s. z.B.
tiger Dampfsperre mit sd ≥ 100 m. Das Je nach den für das Bauteil vorgegebenen Abschn. 7.5.
gilt nicht nur für Flachdächer mit dampf- übrigen Bedingungen (z.B. Standsicherheit,
dichter Dachabdichtung, sondern generell, Schallschutz, Brandschutz, Materialaus- Die Dampfsperre hat in der Vergangenheit
also auch z.B. für geneigte Dächer mit wahl) kann die jeweilige Lösung für die bei sachgemäßer Planung und Verarbei-
üblicher Dacheindeckung (!), sofern kein Verbesserung unterschiedlich sein und z.B. tung überwiegend gute Dienste geleistet.
rechnerischer Nachweis geführt wird. aus folgenden Maßnahmen bestehen: Sie kann ferner Bestandteil von Bauteilen
nach DIN 68 800-2 sein, die ohne weiteren
Anmerkungen zu nicht belüfteten geneig- 1. Anordnung einer Dampfsperre an der Nachweis der Gefährdungsklasse GK 0
ten Dächern: Raumseite (sofern noch nicht vorhan- (kein chemischer Holzschutz erforderlich)
den). zugeordnet werden dürfen.
1. Solche Dampfsperren mit sd ≥ 100 m 2. Dichtere Dampfsperre als vorgesehen,
wurden im Holzbau bisher nicht nur d.h. Material mit höherem sd-Wert. Trotzdem darf nicht vergessen werden,
nicht eingesetzt, sondern sie können 3. Diffusionsoffenere äußere Abdeckung daß es in der Praxis – auch bei Bauteilen,
auch ein großes Gefährdungspotential (Bekleidung/Beplankung), d.h Material bei denen offensichtlich ‘2- oder 3fach
schaffen. Näheres hierzu s. Abschn. 8. mit kleinerem sd-Wert, unter Verzicht genäht’ worden war, nämlich Dampf-
2. Der Hohlraum zwischen Dachhaut und auf eine Dampfsperre Sperre + belüfteter Hohlraum + chemi-
Bauteil (z.B. Konterlattenebene) ist in 4. Zwischenschaltung eines belüfteten scher Holzschutz – zu Schäden gekom-
jedem Fall ausreichend im Sinne der Hohlraums im Gefachbereich der men ist, nachweislich vor allem deshalb,
DIN 4108 zu belüften. eigentlichen Konstruktion raumseitig weil man es im sicheren Gefühl einer
vor der ursprünglich tauwassergefähr- ‘mehrfachen Sicherheit’ mit jedem dieser
d) Dampfsperren innerhalb von deten Ebene, bei Verzicht auf eine Einzelkriterien nicht so ‘ganz genau’
Dämmschichten (Abschn. 3.2.3.2.1) Dampfsperre. genommen hat.

Bei Holzbauteilen dürfen ohne rechneri- Die Verbesserung durch einen belüfteten Darüber hinaus kann, abhängig von der
schen Nachweis die raumseitig vor der Hohlraum im Gefachbereich des eigentli- jeweiligen Konstruktion, die Dampfsperre
Dampfsperre angeordneten Bauteil- chen Bauteils hat gegenüber dem nicht zu Problemen führen bzw. der Verzicht auf
Schichten höchstens 20% des Gesamt- belüfteten Querschnitt vor allem den gro- sie wesentliche Vorteile für das Holzbau-
durchlaßwiderstandes aufweisen, wobei ßen Nachteil, daß dann in jedem Fall ein teil bringen, insbesondere wenn man an
nur der Gefachbereich betrachtet zu wer- chemischer Holzschutz (gegen Insekten- Bauteile ohne chemischen Holzschutz
den braucht. Ein rechnerischer Nachweis befall) erforderlich wird. Ferner ist ein einerseits und an die Möglichkeit von im
ergibt im allgemeinen noch wesentlich belüfteter Hohlraum an dieser Stelle – im Bauteilquerschnitt ungewollt vorhandener
günstigere (höhere) Werte für dieses Gegensatz zum hinterlüfteten Wetter- Feuchte andererseits denkt.
Verhältnis. schutz – konstruktiv äußerst aufwendig
und bauphysikalisch mit erheblichen Daher sollte – im Hinblick auf eine mög-
Nachteilen für das Bauteil verbunden lichst große feuchtetechnische Robustheit
7.4 Rechnerischer Nachweis des (Schall-, Brandschutz), so daß eine solche des Holzbauteils – unter Anwendung der
Tauwasserschutzes Ausbildung heute – anders als noch vor Regeln nach DIN 4108-3 und -5 versucht
wenigen Jahrzehnten – nur noch in Aus- werden, auf die Dampfsperre entweder
Weichen Außenbauteile in Holzbauart hin- nahmefällen angewandt werden dürfte. zu verzichten oder, falls das nach DIN
sichtlich Konstruktion oder Anwendungs- 4108 zu einer unzulässig großen Tauwas-
bereich von den Bedingungen in Abschn. sermasse führen sollte, ihre dampfsper-
7.3 ab, dann sind sie hinsichtlich der Tau- rende Wirkung (sd-Wert) so klein wie
wassergefahr für den Bauteilquerschnitt möglich zu halten.
rechnerisch zu überprüfen.
Aus diesem Grunde ist auch von den in
Grundlage ist das grafische Verfahren DIN 4108-3 enthaltenen Holzbauteilen, für
nach Glaser, das in DIN 4108-5 verankert die ein Nachweis des Tauwasserschutzes
ist, so daß es hier nicht mehr behandelt nicht mehr geführt zu werden braucht
zu werden braucht. und die deshalb mit einer ‘kräftigen’
Dampfsperre (vor allem sd ≥ 100 m! für
Für diesen rechnerischen Nachweis kann nicht belüftete Dächer) ausgerüstet sein
z.B. das im Rahmen des ‘Informations- müßten, allgemein abzuraten.
dienstes Holz’ entwickelte EDV-Programm 1)Zu beziehen über den FACHVERLAG HOLZ der
„Wärme und Dampf; Berechnungsver- Arbeitsgemeinschaft Holz e.V., Postfach 30 01 41;
fahren“ empfohlen werden 1). 40401 Düsseldorf.

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

8.2 Erforderlicher sd-Wert der Zu beachten ist jedoch, daß bei einer schied in der möglichen Verdunstungs-
Dampf sperre Teildämmung die äußere stehende Luft- masse auf, die sich für Sda = 20 m/0,2 m
schicht im Gefach mit ihrem sd-Wert zum /0,02 m zu WV = 0,06/3,6/32,8 kg/m2
Ob für ein vorgegebenes Holzaußenbau- Sda der eigentlichen Abdeckung hinzuge- ergibt, sich also näherungsweise wie
teil eine Dampfsperre erforderlich ist oder schlagen werden muß, wodurch sich bei 1 : 60 : 500 verhält!
nicht, oder welchen sd-Wert sie ggfs. auf- extrem diffusionsoffenen Abdeckmateria-
weisen muß, ergibt sich allein aus dem lien (Unterspannbahnen) eine relativ große Bei diesem Nachweis nach DIN 4108 ist
Nachweis nach DIN 4108 unter Einhaltung Erhöhung von sda ergeben kann. es unbedeutend, ob bei der extrem diffu-
der dort festgelegten Bedingungen oder sionsoffenen Abdeckung mit Sda = 0,02 m
nach DIN 68 800-2 (vgl. Abschn. 7.2). Aus Bild 8.2 ist ferner folgendes eine Dampfsperre angeordnet wird oder
ersichtlich: nicht, da sich die Verdunstungsmassen
mit 32,8 kg/m2 (ohne Dampfsperre) und
1. Bei extrem diffusionsoffenen äuße-
30,3 kg/m2 (Dampfsperre mit Sd(DS) =
ren Abdeckungen mit sd-Werten im
20 m) nur um etwa 8% unterscheiden.
em-Bereich (derzeit nur für Unter-
spannbahnen oder für Vordeckungen
eingesetzt) ist für sda jeder cm von
8.3 Verdunstung von ungewollter
Bedeutung: Auf die Dampfsperre kann
Feuchte
bei dem gewählten Beispiel nur bei
Sda ≤ 0,02 m verzichtet werden, da
8.3.1 Geneigte Dächer
bereits bei sda = 0,03 m ohne Dampf-
Sperre WT > 1,0 kg/m2 = zul WT ist. Bei Tabelle 8.1
größeren Dämmschichtdicken ergeben Rechnerische Tauwassermasse WT im Winter (a) und
Bild 8.1 sich hierfür jedoch günstigere Verhält- Verdunstungsmasse WV im Sommer (b) nach DIN 4108
Bauteil-Querschnitt (Beispiel) mit Volldäm- für den Bauteilquerschnitt nach Bild 8.1 in Abhängigkeit
mung für die Ermittlung von erf sd(DS) der Dampf- nisse. von sda der äußeren Abdeckung (z.B. Unterspannbahn
Sperre DS in Abhängigkeit vom vorhandenen sda-Wert USB) und Sd(DS) der raumseitigen Dampfsperre
der äußeren Abdeckung; Ergebnis siehe Bild 8.2 2. Bei einer äußeren Abdeckung von (s. auch Bild 8.3a)
Da Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeitsgruppe WLG
040 mit μ = 1, GKB 12,5 mm Gipskartonplatte Sda = 0,2 m (dieser Wert hat für Holzbau- a) Tauwassermasse im Winter in kg/m2
teile zukünftig eine zentrale Bedeutung,
s. z.B. Abschn. 12.1.2) genügt eine
Nachstehend wird an Hand eines Beispiels
Dampfsperre mit Sd(DS) = 0,8 m; dieser
gezeigt, daß bei Verwendung entspre-
Wert ist um mehrere Größenordnungen
chend diffusionsoffener Abdeckungen
von sd =100 m nach DIN 4108 für
(Werkstoffe mit kleinem sd-Wert) an der
Dächer entfernt.
Außenseite von Holzbauteilen die Dampf-
Sperre gegenüber den Werten Sd ≥ 10 m
3. Aber auch bei sda > 0,2 m bedarf es
und Sd ≥ 100 m, wie sie in DIN 4108 für b) Verdunstungsmasse im Sommer in kg/m2
keiner Dampfsperre mit außergewöhn-
Bauteile ohne Nachweis gefordert wer-
lich großem sd-Wert, sofern man die
den, wesentlich reduziert und u.U. sogar
zulässige Tauwasserbildung in Anspruch
auf sie verzichtet werden kann.
nimmt.
Aus Bild 8.1 geht der gewählte Bauteil-
In Tabelle 8.1 sind für das vorliegende
querschnitt hervor. Als raumseitige
Beispiel mit 3 repräsentativen Sda-Werten
Bekleidung wurde mit der 12,5 mm
(0,02 m, 0,2 m, 20 m) die Tauwasser- und
Gipskartonplatte (sd = 0,1 m) der prak-
Verdunstungsmassen zusammengestellt. Werte in ( ): Die Ausbildung ist unzulässig, da
tisch diffusionsoffenste Werkstoff, der zul WT = 0,5 kg/m2 überschritten wird (s. Tab. a)
Aus den Tabellen a) und b) ist für die
zugleich aber leicht luftdicht ausgebildet
gewählten Fälle deutlich zu erkennen:
werden kann, zugrunde gelegt, so daß die Gänzlich andere Verhältnisse als für die
hierfür gewonnenen Erkenntnisse auch 1. Bei Sda = 0,02 m ist eine Dampfsperre Tauwasserermittlung infolge Dampfdiffu-
auf andere Ausbildungen in der Praxis nicht erforderlich, da WT = 0,36 kg/m2 < sion ergeben sich im vorliegenden Fall,
übertragbar sind. 0,5 und WV = 32,8 kg/m2 >> WT. wenn man für die Verdunstung nicht das
nach DIN 4108 ausgefallene Tauwasser
Das Diagramm in Bild 8.2 zeigt das Er- 2. Bei Sda = 0,2 m ist Sd(DS) = 0,8 m aus- an der äußeren Abdeckung nach Bild 8.3a
gebnis der rechnerischen Ermittlung nach reichend, da WT = 0,5 kg/m2 = zul WT. zugrunde legt, sondern eine außerplanmä-
DIN 4108 (aus [6]). Daraus kann abgele- Der höhere Wert 1,0 kg/m2 für zul WT ßige, also ungewollt vorhandene Feuchte
sen werden, wie groß der erf Sd(DS)-Wert nach DIN 68 800-2 kann hier nicht voraussetzt (z.B. infolge erhöhter Einbau-
der raumseitigen Dampfsperre sein muß, zugrunde gelegt werden, da feuchte, Niederschlagen während der Bau-
damit die zulässige Tauwassermasse zul WV = 3,6 kg/m2 (s. Tabelle b) phase, späteren Leckagen an der Raum-
WT in Abhängigkeit vom sda-Wert der < erf WV = 5 · WT = 5 · 1,0 = 5,0 kg/m2 öder Außenseite des Bauteils) und diese
äußeren Abdeckung (z.B. Außenbeplan- in grober Vereinfachung konzentriert auf
kung oder -bekleidung bei Wänden, 3. Bei einer dampfdichteren Abdeckung der raumseitigen Bekleidung oder Dampf-
Unterspannbahn oder Vordeckung bei mit Sda = 20 m und Sd(DS) = 20 m wird Sperre nach Bild 8.3b annimmt.
Dächern) eingehalten ist, wobei hier für DIN 4108 ebenfalls erfüllt, da dann
zul WT zwischen den drei Größen WT = 0,04 kg/m2 < 0,5 und Das Ergebnis für eine solche Beanspru-
a) 0 kg/m2 (keine Anforderung) WV = 0,06 kg/m2 > 0,04 = WT. chung ist in Tabelle 8.2 dargestellt. Hier
b) 0,5 kg/m2 (nach DIN 4108-3) zeigt sich nicht nur wieder die Überlegen-
c) 1,0 kg/m2 (nach DIN 68 800-2, Desweiteren fällt zwischen den einzelnen heit der diffusionsoffenen Abdeckung in
vgl. Abschn. 7.2) unterschieden wird. Sda-Werten schon hier der große Unter- einer stärkeren Verdunstungsmöglichkeit

15
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

gegenüber der dampfdichteren, sondern


auch der Vorteil der fehlenden Dampfsperre
durch eine mehrfache Verdunstungsmasse
gegenüber dem Querschnitt mit sd(DS) =
20 m.

Bild 8.2
Auch hier schneidet der Querschnitt mit Erforderlicher sd(DS)-Wert der
beidseitig weitgehend dampfdichter zusätzlichen raumseitigen
Ausbildung (sda = sd(DS) = 20 m) extrem Dampfsperre zur Einhaltung
unterschiedlicher
ungünstig ab, da er mit WV = 0,06 kg/m2 Tauwassermassen WT für den
= 60 g/m2 praktisch über keine Reserven Bauteilquerschnitt nach Bild 8.1 in
gegenüber ‘Unvorhergesehenem’ verfügt, Abhängigkeit vom sda-Wert der
äußeren Abdeckung, aus [6].
was im Bauwesen trotz aller Sorgfalt Anmerkungen:
immer wieder vorkommen kann, und er a) In den gestrichelten
somit ‘sich nicht selbst helfen’ kann. Kurventeilen ist die Bedingung
WV ≥ WT (bei WT = 0,5 kg/m2)
bzw. WV ≥ 5 · WT (bei WT = 1,0
Tabelle 8.2
kg/m2) nicht mehr eingehalten, so
Rechnerische Verdunstungsmasse WV im Sommer in
daß dieser Bereich unzulässig ist.
kg/m2 nach DIN 4108 für den Bauteilquerschnitt nach
b) Das punktiert eingetragene
Bild 8.1 in Abhängigkeit von sda der äußeren Abdeckung
Beispiel kennzeichnet folgenden
(z.B. Unterspannbahn USB) und sd(DS) der raumseiti-
repräsentativen Fall (vgl. z.B.
gen Dampfsperre unter Annahme einer ungewollten
Abschn. 12.1.2): für sd = 0,2 m
Feuchtebeanspruchung nach Bild 8.3b
ist zur Einhaltung von zul WT =
0,5 kg/m2 raumseitig eine
Dampfsperre mit sd (DS) = 0,8 m
erforderlich.
c) Der Ordinatenwert sd(DS) =
0,01 m stellt hier wegen des lot-
rechten Kurvenverlaufs praktisch
den Fall der fehlenden Dampf-
Sperre mit Sd(DS) = 0 dar.

Werte in ( ): Ausbildung nach DIN 4108 unzulässig,


s. Tabelle 8.1 Bild 8.3
Angenommene Feuchteebenen
im Bauteilquerschnitt nach Bild 8.1
8.3.2 Außenwände für die Ermittlung der nach DIN
4108 rechnerisch möglichen Ver-
dunstungsmasse WV
Bei Außenwänden liegt wegen ihrer i.a. a) Tauwasserebene nach DIN 4108
beidseitig vorhandenen Beplankung aus b) ungewollt im Querschnitt vor-
handene Feuchte raumseitig vor
diffusionshemmenden Werkstoffen und der Dämmschicht
zusätzlicher Dampfsperre an der Raum-
seite eine ungünstigere Situation als bei
geneigten Dächern mit diffusionsoffener klima ungünstig beeinflussen (angeblich
oberer Abdeckung vor. wesentliche Erhöhung der relativen
Raumluftfeuchte ϕi), ist sachlich nicht
Dadurch ergibt sich bei ihnen zumeist berechtigt, vgl. hierzu das nachfolgende,
eine wesentlich kleinere Austrocknungs- stark vereinfachte Rechenbeispiel für die
kapazität. Aus diesem Grunde werden in in Bild 8.4 dargestellte Situation.
DIN 68 800-2 zusätzliche Bedingungen an
Außenwände, z.B. bezgl. der maximalen Gegeben: Eckraum eines Gebäudes in
Holzeinbaufeuchte, gestellt (vgl. Abschn. Holzbauart mit den Grundrißabmessungen
10,5.3 und 11.1.4). 5,0 · 6,0 m2, lichte Raumhöhe 2,5 m,
Raumvolumen V = 75 m3;
Trotzdem sind bei Außenwänden mit hin- Außenwandfläche (abzüglich angenom-
terlüfteter Vorhangschale (Wetterschutz) menen Fensterflächenanteils 20%) Bild 8.4
größere Verdunstungsmassen aus dem A = 0,8 · (5,0 + 6,0) · 2,5 = 27,5 m2. Durch Lüftung und Dampfdiffusion aus
Wandquerschnitt möglich, wenn für die Klimaannahmen: Raum 20° C/50%; außen einem Raum abgeführte Wasserdampfmassen XL
bzw. XD; aus [1]
äußeren Beplankungen oder Bekleidungen –10° C/80%. Luftwechselrate n = 0,5 h–1 a) Außenwand ohne Dampfsperre, b) Außenwand
diffusionsoffene Materialien, z.B. statisch (unterster Wert des hygienisch erforderli- mit Dampfsperre DS, sd → ∞
mitwirkende Beplankungen aus Gipskarton- chen Mindestluftwechsels).
oder Gipsfaserplatten bzw. Bekleidungen Durch Mindestlüftung (n = 0,5 h–1) für
aus Holzfaserdämmplatten oder dergl. Vergleich des durch Diffusion (XD) und beide Wände XLa = XLb = 261 g/h.
verwendet werden. durch Lüftung (XL) aus dem Raum abge Der Unterschied zwischen beiden Wand-
führten Wasserdampfes zwischen Wän- konstruktionen für die aus dem Raum ins-
8.4 Beeinflußt die Dampfsperre das den in Holzbauart ohne Dampfsperre (a) gesamt abgeführten Wasserdampfmassen
Raumklima? und mit dampfdichter Dampfsperre (b); (ohne bzw. mit Diffusion) beträgt hier
stündlich abgeführte Wasserdampfmassen: lediglich etwa 5%. Es ist also für die Raum-
Die in der Praxis oft zu hörende Behaup- Durch Dampfdiffusion luftfeuchte und damit für das Raumklima
tung, wonach in den Außenbauteilen a) Wand a: XDa = 15 g/h unbedeutend, ob die Bauteile ohne oder
angeordnete Dampfsperren das Raum- b) Wand b: XDb = 0 g/h mit Dampfsperre ausgerüstet sind.

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

9 Luftdichtheit von Außenbauteilen Diese Undichtigkeiten können vorhanden Praxis oftmals zu Bauschäden infolge
sein (Bild 9.1) Tauwasser, vor allem durch Konvektion,
9.1 Allgemeines zur a) In der raumseitigen Bauteiloberfläche geführt haben.
Wasserdampfkonvektion (z.B. bei Profilbrettschalungen);
b) im Anschlußbereich ansonsten luft- In diesem Zusammenhang wird darauf
dichter Bekleidungen (z.B. Anschluß hingewiesen, daß sog. ‘Randleisten-
Im Holzbau machen Feuchteschäden der Dachschräge an Innen-/Außenwand); matten’ (Mineralwollematten mit einseiti-
infolge Wasserdampfkonvektion (s. Abschn. c) im Bereich von Durchdringungen ger Aluminium-Verbund-Kaschierung) für
2, Bild 2.3) sowohl hinsichtlich Häufigkeit ansonsten luftdichter Bekleidungen den Einsatz als luftdichte Schicht bei
als auch Intensität ein Vielfaches derjeni- (z.B. infolge Schornstein, Rohrdurch- Profilbrettschalungen nicht geeignet sind,
gen infolge Wasserdampfdiffusion führung, Elektrokabel). da sie – auch zusammen mit der Schalung
(s. Bild 2.2) aus! Deshalb gehört die – in der Regel noch keine luftdichte
Vermeidung der Wasserdampfkonvektion Die Vermeidung böser Tauwasserschäden Schicht ergeben!
in solchen Außenbauteilen zu den wichtig- im Querschnitt von Außenbauteilen infol-
sten Aufgaben für den Planenden und ge Wasserdampfkonvektion sollte ober-
Ausführenden. stes Gebot im Holzbau sein und läuft auf 9.3 Luftdichte Ausbildung an der
die Einhaltung folgender Bedingungen hin- Raumseite
Alle Festlegungen in DIN 4108-3 und -5 aus:
zum Tauwasserschutz (Anforderungen, a) Luftdichte raumseitige Bekleidungen; 9.3.1 Allgemeines
Nachweise, Berechnungsgrundlagen) sind die Bekleidungen von Haus aus
beziehen sich ausschließlich auf die nicht luftdicht (z.B. Profilbrettschalung), Wie bereits unter Abschn. 9.1 erwähnt,
Wasserdampfdiffusion! Dagegen sollen so ist dort eine zusätzliche, luftdichte sind bei der Herstellung von Außenbau-
die Angaben in DIN 4108-2, Abschn. 4.2.4 Schicht anzuordnen, vgl. auch Bild 2.1; teilen von Aufenthaltsräumen im Regelfall
und 6.2, zur Luftdurchlässigkeit der Bau- b) luftdichte Anschlüsse an andere Bauteile; folgende Bedingungen einzuhalten:
teile nur der Begrenzung zusätzlicher c) luftdichte Ausbildung von Durchdrin-
Wärmeverluste dienen. Das ist aus heuti- gungen der luftdichten Schicht an der 1. Luftdichte raumseitige Bauteiloberfläche
ger Sicht zweifellos ein Manko, zumal in raumseitigen Bauteiloberfläche. 2. Luftdichte Anschlüsse an angrenzende
der Praxis immer wieder festgestellt wer- Bauteile
den muß, daß im Holzbau auftretende Mit diesen Maßnahmen werden nicht nur 3. Luftdichte Ausbildung der Durchdrin-
feuchtebedingte Schäden – abgesehen Bauschäden infolge Tauwasser vermieden, gungen.
von zu feucht eingebauten oder während sondern nebenbei auch noch zwei andere
des Bauzustandes zu feucht gewordenen Effekte erreicht: 9.3.2 Luftdichte raumseitige
Materialien – weitestgehend auf die – Verringerung der Wärmeverluste Bauteiloberfläche
Wasserdampfkonvektion und relativ sel- – Vermeidung von ‘Zugluft’-Erscheinungen
ten auf die Diffusion zurückgehen! in den angrenzenden Aufenthaltsräumen, Bild 9.2 zeigt Beispiele für luftdichte Aus-
also Gewährleistung der Behaglichkeit. bildungen. Dazu gehören Gipsbauplatten
Bei der Wasserdampfkonvektion erfolgt (Gipskartonplatten oder Gipsfaserplatten,
der Transport warmer Raumluft durch 9.2 Typische Feuchteschäden und jeweils mit gespachtelten oder geklebten
Konvektion (Luftströmung) über Undichtig- Ursachen Fugen), großformatige Spanplatten, um-
keiten in der raumseitigen Bauteilober- laufend gespundet (Voraussetzung ist hier
fläche in die kälteren Bereiche des Bauteils, In Bild 9.1 werden an einigen Beispielen jedoch sorgfältigste Verarbeitung), Profil-
wodurch dort große Tauwassermassen die typischen konstruktiven Fehler bei brettschalungen auf gespundeten Span-
ausfallen können. Außenbauteilen aufgezeigt, die in der platten oder auf Gipsbauplatten.

Bild 9.1
Wasserdampfkonvektion mit Tauwasserbildung bei nicht luftdicht ausgebildeten Außenbauteilen; aus [1]
a unterseitige Bekleidung nicht luftdicht; b Anschluß der unterseitigen Bekleidung an die Trennwand nicht luftdicht; c luftdurchlässige Durchdringung einer ansonsten
luftdichten Bekleidung durch Elektrokabel oder Rohrdurchführung; AR Aufenthaltsraum

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bei einlagigen Bekleidungen aus Profil-


brettschalungen ist zur Gewährleistung
der Luftdichtheit eine zusätzliche luftdich-
te Schicht erforderlich, wofür sich die in
aller Regel ohnehin erforderliche Dampf-
Sperre anbietet, die jetzt zusätzlich auch
die Funktion der luftdichten Schicht zu
erfüllen hat und entsprechend zu verlegen
ist. Dabei ist insbesondere auf luftdichte
Stöße zu achten. Wie bereits erwähnt,
sind ‘Randleisten-Matten’ hierfür nicht
geeignet, wie viele Schadensfälle in der
Praxis gezeigt haben. Weitestgehende
Verwendung finden in der Praxis dagegen
großflächige Polyethylen-Folien. Hier
kommt es ‘nur’ noch darauf an, die Folien-
Stöße (Überlappungen) luftdicht auszubil-
den (Beispiele s. Bild 9.3).

Eine zuweilen praktizierte, zwar aufwendi-


ge, dafür aber technisch sichere Ausbildung
der luftdichten Raumseite von Außenbau-
teilen ist in Bild 2.1 mit der sog. ‘Installa-
tionsebene’ dargestellt. Hier ist zwischen
der raumseitigen Bekleidung aus beliebi-
gen, auch luftdurchlässigen Materialien
und der luftdichten Schicht aus Platten-
werkstoffen – am besten sind hierfür Gips-
bauplatten mit gespachtelten oder gekleb-
ten Stößen geeignet – ein Hohlraum vor-
handen, in dem die erforderlichen Elektro-
oder Wasserinstallationen verlegt werden
können. Wegen der mechanisch robusten
Plattenwerkstoffe für die luftdichte Schicht
besteht – im Gegensatz zu luftdicht ausge- Bild 9.2 Bild 9.3
bildeten Folien – keine Gefahr, daß diese Beispiele für luftdichte Bekleidungen, (1) bis (4) Luftdichte Ausbildung von Folienstößen bei einla-
wichtige Schicht durch Beschädigungen unter Verwendung eines luftdichten Platten- giger Bekleidung aus Profilbrettschalung; (1) bis
werkstoffes, (5) bis (7) unter Verwendung einer (3) Stöße parallel, (4) bis (6) Stöße rechtwinklig
während der Installationsarbeiten in ihrer luftdichten Schicht, z.B. vollflächige Folie; Balkenrichtung; KB spezielles Klebe-Dichtband;
Funktion beeinträchtigt wird. QL Querlattung, GB Gipsbauplatte, FP Spanplatte, aus[1]
allseitig gespundet (mit hohen Anforderungen an Anmerkungen:
die Ausführungssorgfalt), PS Profilbrettschalung, Die Ausbildungen (2), (3), (5) und (6), bei denen
In Bild 9.3 sind Vorschläge für die Ausbil- DS Dampfsperre = luftdichte Schicht (vgl. Bild 9.3) die Profilbrettschalung direkten Kontakt mit der
dung solcher Überlappungen dargestellt, Anmerkung: luftdichten Folie hat, sind hinsichtlich Beschädi-
und zwar unterschieden in solche parallel Bei den Ausbildungen (6) und (7) müssen gungen der luftdichten Folie bei der Befestigung
Beschädigungen der Dampfsperre durch die der Schalung (Nagelung) grundsätzlich gefährdet;
und rechtwinklig zur Balkenrichtung. Der Befestigung (Nagelung) der direkt anschließen- darüber hinaus ist bei (2), (4) und (6) ein Anpreß-
luftdichte Abschluß erfolgt mit auf dem den Schalung unbedingt vermieden werden. druck bei der Verklebung der Überlappungen nicht
Markt erhältlichen, auf die jeweilige möglich.
Folienart abgestimmten speziellen
Klebebändern.

Bei der Verlegung der Dampfsperre soll-


ten bzgl. ihrer Stöße folgende Regeln
beachtet werden: Folien, die als Dampfsperre ohne/mit 2. Liegt im Fall 1 die Folie oberhalb
1. So wenig Stöße innerhalb der Fläche zusätzlicher Funktion einer luftdichten eines Zwischenraumes (z.B. Bild 12.2),
wie möglich, d.h. Verwendung mög- Schicht wirken sollen, können je nach dann sollten Beschädigungen der Folie
lichst breiter Folienbahnen; Lage und Funktion einer solchen Schicht möglichst vermieden werden, um die
(z.B. im Fall von Dachquerschnitten) Tauwassermasse infolge Wasser-
2. Stöße möglichst immer unter einem unterschiedliche Auswirkungen haben: dampfdiffusion zu begrenzen.
durchlaufenden Holz anordnen (Balken 3. Hat die Folie nicht nur eine dampf-
(1), (3) oder Querlatte (5)), um den für 1. Wird die Luftdichtheit bereits von sperrende, sondern auch die Funktion
das sichere Anbringen des Klebebandes einer anderen Schicht (fugenlos verar- der Luftdichtheit sicherzustellen (z.B.
erforderlichen Anpreßdruck aufbringen beiteter Plattenwerkstoff) sicherge- Bild 9.2 (5), (6), (7)), dann ist unabhän-
zu können. stellt, hat die Folie also nur noch eine gig von ihrer Lage in jedem Fall dafür
dampfsperrende Funktion und liegt sie zu sorgen, daß sie in ihrer Fläche nicht
Fehlstellen in Folien unmittelbar auf der luftdichten beschädigt wird, da anderenfalls ernst-
Bekleidung auf (z.B. Bild 8.1), dann hafte Feuchteschäden infolge Wasser-
Fehlstellen (z.B. Beschädigungen oder sind kleinere Beschädigungen ihrer dampfkonvektion nicht ausgeschlossen
nicht abgedichtete Durchdringungen) in Fläche in aller Regel bedeutungslos. werden können.

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

9.3.3 Luftdichte Wandanschlüsse 10 ‘Besondere bauliche Maßnah- Holzfeuchte über einen längeren
men’ nach DIN 68 800-2 als Vor- Zeitraum, s. Abschn. 10.4.
Werden für die raumseitigen Bekleidungen aussetzung für Holzbauteile ohne
von Decke und Wand Gipsbauplatten ver- chemischen Holzschutz (GK 0)
wendet, dann ergibt die für diese Materia-
lien übliche Eckausbildung (Verspachte- 10.1 Allgemeines
lung) auch ohne Eck-Bewehrungsstreifen
einen ausreichend luftdichten Anschluß. In den nachfolgenden Abschnitten wer-
den für die wesentlichen Holzbauteile die
Bei davon abweichenden Bekleidungs- zugehörenden Gefährdungsklassen GK
werkstoffen (z.B. Profilbrettschalung an entsprechend ihrer konstruktiven Ausbil-
der Decke, Gipsbauplatten an der Wand) dung angegeben.
ist die Luftdichtheit durch zusätzliche kon-
struktive Maßnahmen sicherzustellen, z.B. Allgemein ist DIN 68 800-3 als Grundlage Bild 10.1
mit um die Ecke herumgezogener, in die für die Klassifizierung heranzuziehen, wenn Bedingungen zur Vermeidung eines unkontrollierba-
ren Insektenbefalls an nicht einsehbaren Konstruk-
Innenwand geringfügig einbindender – neben der Einhaltung der Vorschriften an tionshölzern H (schematische Darstellung):
Dampfsperre. den Wärme-, insbesondere aber an den 1. Insektenundurchlässige Ausbildung der Innen-
Feuchteschutz nach DIN 4108 und der bekleidung IB, z.B. unter Lattung L, und der Außen-
bekleidung oder -beplankung AB;
Beim Anschluß an Außenwände, die i.d.R. ‘allgemeinen’ Regeln für den baulichen 2. an beiden Stirnseiten des Bauteils insektendicht
raumseitig eine Dampfsperre aufweisen, Holzschutz – keine zusätzlichen (besonde- geschlossener, d.h.nicht belüfteter Hohlraum HO
bietet sich die Lösung mit überlappten ren) baulichen Auflagen erfüllt werden.
Dampfsperren an. Eine solche Ausbildung Das hat zur Folge, daß z.B. solchermaßen
ist bei Gipsbauplatten für Decke und ausgebildete Außenbauteile mit Wetter- 10.3 Vermeidung von unkontrollier-
Außenwand zwar nicht erforderlich, jedoch schutz in die Gefährdungsklasse GK 2 ein- barem Insektenbefall als eine
eine sehr sichere Lösung bezüglich Tau- zuordnen sind (lv,P-Mittel). Bedingung der ‘besonderen bau-
wasser, Wärmeverlusten und ‘Zugluft’. lichen Maßnahmen’
Dagegen kann DIN 68 800-2 angewandt
werden, wenn über die Anforderungen 10.3.1 Bedingungen
9.3.4 Luftdichte Durchdringungen nach Teil 3 der Norm hinaus weitere kon-
struktive oder erff. auch organisatorische Ein unkontrollierbarer Insektenbefall wird
Der einwandfreie, luftdichte Abschluß von Bedingungen eingehalten werden (als vermieden, wenn keine Eiablage erfolgen
Durchdringungen bereitet bei Bekleidungen ‘besondere bauliche Maßnahmen’ be- kann, wenn also die Käferweibchen kei-
aus Gipsbauplatten i.a. keine Probleme, da zeichnet). Dann ist die Einstufung in eine nen Zugang zum Holz haben. Das wird
hierbei die verbleibende Öffnung zwischen niedrigere Gefährdungsklasse möglich, verhindert, wenn
Bekleidung und Durchdringung (Rohr, Ka- z.B. müssen Außenbauteile mit Wetter-
bel) mit geeigneten Materialien (Fugen- schutz dann nicht mehr der GK 2 (s. oben), 1. die Abdeckungen zu beiden Seiten
füller, Dichtungsmassen) leicht geschlos- sondern können der GK 0 zugeordnet des Bauteils (Bekleidungen, Beplan-
sen werden kann. werden, d.h. ein chemischer Holzschutz kungen oder dergl.) insektenundurch-
ist nicht mehr erforderlich. lässig ausgebildet sind (sog. ‘geschlos-
Dagegen ist der Aufwand für die Abdich- sene’ Abdeckungen) und
tung von Durchdringungen bei Profilbrett- Grundlage hierfür ist die Neuausgabe Mai 2. evtl. vorhandene Hohlräume im Bauteil-
schalungen erheblich größer, s. z.B. [21]. 1996 der DIN 68 800- 2, die ihrerseits auf querschnitt von der Außenluft her
die Forschungsvorhaben [8],[9] und [10] insektenunzugänglich, d.h. in keinem
sowie auf nachgeschaltete Untersuchun- Fall belüftet sind.
9.3.5 Vornorm DIN V 4108-7 gen, z.B. [11], zurückgeht, vgl. auch die
zugehörenden Veröffentlichungen, z.B. 10.3.2 Insektenundurchlässige
In dieser Vornorm – Wärmeschutz im [14], [15]. Einen Gesamtüberblick mit der Abdeckungen
Hochbau; Luftdichtheit von Bauteilen und Zusammenstellung der wesentlichen
Anschlüssen ; Ausgabe April 1996 – wird Versuchsergebnisse gibt [5]. Insektenundurchlässig bedeutet nicht
erstmals im Rahmen der DIN 4108 der ‘luftdicht’ , da es nur darauf ankommt,
Vermeidung der schadensträchtigen Kon- daß keine Insektenweibchen durch diese
vektion breiterer Raum gewidmet. Für Holz- 10.2 Kriterien der ‘besonderen Abdeckung an die Konstruktionshölzer
bauteile werden eine Reihe von Planungs- baulichen Maßnahmen’ kommen. Beispiele für solche Abdeckun-
und Ausführungsempfehlungen gegeben gen ohne weiteren Nachweis werden in
sowie Ausführungsbeispiele für die dauer- Die beiden Kriterien sind: Bild 10.2 gezeigt. Stülpschalungen,
hafte Sicherstellung der luftdichten Schicht, 1. Vermeidung eines unkontrollierbaren Boden-Deckel-Schalungen oder vergleich-
einschließlich Angaben zur Materialaus- Insektenbefalls, d.h. eines Befalls an bare Ausbildungen sind dagegen ohne
wahl, vorgestellt. nicht einsehbaren Konstruktionshölzern zusätzliche Maßnahmen hierfür nicht
(Bild 10.1), s.Abschn. 10.3. geeignet.
Anmerkung: Der kontrollierbare
Insektenbefall an einsehbaren Hölzern 10.3.3 Insektenschutzgewebe
ist bereits Bestandteil der DIN 68 800-3,
also kein Kriterium des besonderen bau- Zuweilen wird – um den ‘belüfteten’
lichen Holzschutzes. Querschnitt aus idealistischer Anschau-
2. Vermeidung eines schädlichen Pilz- ung zu retten – irrtümlich angenommen,
wachstums, vor allem durch man könne beides haben: 1. den belüfte-
Verhinderung einer unzulässig hohen ten Hohlraum und 2. die Insektenunzu-

19
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

gänglichkeit. Man will die Lüftungsöffnun- Holz langfristig einer relativen Feuchte schon immer Bestandteil der DIN 4108
gen in den Stirnseiten der Bauteilquer- (ϕ = 100% ausgesetzt ist. Freies Wasser (Wärmeschutz) sowie der Wärmeschutz-
schnitte mit einem sehr engmaschigen bildet sich – abgesehen vom ‘frischen’ verordnungen.
Gewebe schließen. Abgesehen davon, Zustand des Holzes – dann, wenn ein
daß das sorgfältige Anbringen solcher zusätzliches Wasserangebot vorliegt, z.B.
Gewebe einen größeren Aufwand erfor- durch Beregnung oder durch 10.5.2 Wetterschutz/Feuchteschutz
dert, ist bei einer zulässigen Maschenweite Tauwasserbildung im Querschnitt.
von höchstens etwa 1 mm bereits bei Schutz der Holzbauteile vor direkter
Beginn – und erst recht im Dauerzustand Da aber – ebenso wie die übrigen Eigen- Feuchteeinwirkung (Wetterschutz bei
nach natürlichem ‘Zusetzen’ der Maschen- schaften des Holzes – auch die Holzfeuchte Außenbauteilen, Feuchteschutz in Naß-
Öffnungen – eine wirksame Belüftung innerhalb desselben Holzteils stark streu- bereichen), ebenfalls auch im Bereich von
nicht möglich. en kann, wird aus Sicherheitsgründen Anschlüssen und Durchdringungen.
unterstellt, daß die Holzfeuchte u ≤ 30%
an jeder Stelle als eingehalten gilt, wenn 10.5.3 Trockenes Holz
die Einzelmessung (z.B. mit Einschlag-
elektrode und möglichst an ungünstig Verwendung trockener Hölzer mit u1 ≤ 20%.
erscheinender Stelle, hier mit u1 bezeich- Diese Bedingung ist in jedem Fall bei Bau-
net) einen Wert u1 ≤ 20% ergibt. Pilz- teilen mit einer nicht ausreichenden Aus-
wachstum wird vermieden, wenn dieser trocknungskapazität zu erfüllen, d.h. bei
Zustand dauerhaft gegeben ist. Bauteilen mit beidseitiger Abdeckung mit
sd ≥ 0,2 m, z.B. Außenwände, Flachdächer,
Auch Pilzbefall ist bautechnisch unkritisch, Decken unter nicht ausgebauten Dachge-
solange er zu keinem sicherheitsrelevan- schossen, jeweils mit beidseitiger Beklei-
ten Schaden führen kann. Das bedeutet: dung oder Beplankung aus Holzwerkstoffen.
Solange die Holzfeuchte u = 30% bzw. u1
= 20% in keinem Fall länger als 6 Monate Hat sich hierbei trotz aller Vorsichtsmaß-
überschritten wird, kann zwar eine Pilz- nahmen die Feuchte der Konstruktions-
spore zur Hyphe (feiner Zellfaden) auskei- hölzer in den Gefachen auf u1 > 20% er-
men, aber noch keinen Schaden am Holz höht, z.B. während des Einbaus, ist mit
verursachen. Bei anschließender Unter- der Fertigstellung des betreffenden Bau-
schreitung dieser Feuchten wird der Pilz teils (z.B. Einbringen der Dämmschicht
sein Wachstum wieder einstellen. und ggf. der Dampfsperre sowie Schließen
(Anmerkung: Auch nach Abschn. 2.3.2 in an der Raumseite) zu warten, bis die
DIN 68 800-3 besteht eine Gefahr durch überschüssige Feuchte entwichen ist.
Pilzbefall erst, wenn u1 = 20% ‘langfri- Daher sind in solchen Fällen während die-
stig’ überschritten wird.) Das gilt auch für ser Zeit Messungen der Holzfeuchte
den Echten Hausschwamm, der nur im durchzuführen,
fortgeschrittenen Stadium in der Lage ist,
auch trockenes Holz zu befallen, wie es
z.B. der Fall gewesen ist, wenn Hausbe- 10.5.4 Diffusionsoffene Abdeckung
Bild 10.2 sitzer schwammbefallenes Holz aus der bei geneigten Dächern
Beispiele für insektenundurchlässige Bekleidungen, Altstadtsanierung zu Heizzwecken gela-
aus [4]
gert haben. Bei geneigten Dächern, also bei Bauteilen,
a Holzwerkstoffplatten HWS, gespundet;
b HWS, mit Nut-Feder-Verbindung; bei denen infolge der besonderen Einbau-
c Profilbrettschalung PS; Konsequenz: Situation oder infolge anderer Gegeben-
d Rauhspundschalung RS;
Schäden durch Pilzbefall werden dann heiten eine Holzfeuchte von u1 > 20%
e Gipsbauplatten GB (Gipskarton- oder Gipsfaser-
platten), Stoßfugen gespachtelt oder geklebt; verhindert, wenn eine außerplanmäßige, grundsätzlich nicht auszuschließen ist, sind
f Folien F oder dergl. mit insektenundurchlässiger Aus- unzulässig hohe Holzfeuchte nicht oder die Voraussetzungen dafür zu schaffen,
bildung der Überlappungen, z.B. mit Klebeband KB;
nur über einen unbedenklich kurzen daß ungewollte, überschüssige Feuchte
g Folien F oder dergl. mit nicht abgedichteter Überlap-
pung, nur bei Volldämmung im Gefach ausreichend Zeitraum auftreten kann. Diese Voraus- auch nach Fertigstellung des Bauteils in
setzung gilt durch die nachstehend ausreichend kurzer Zeit entweichen kann.
genannten Maßnahmen als eingehalten. Das ist der Fall, wenn zumindest für die
außenseitige Abdeckung des Bauteilquer-
10.4 Vermeidung von Schäden infol- schnitts ein diffusionsoffener Werkstoff
ge Pilzbefall als eine weitere Be- 10.5 Bauliche Voraussetzungen für (z.B. Bekleidung, Schalung, Unterspann-
dingung der ‘besonderen bauli- die Vermeidung von Pilzbefall bahn) mit sd ≤ 0,2 m verwendet wird
chen Maßnahmen’, Allgemeines (Grundlagen s. [16], [17] und [5]),
10.5.1 Luftdichtheit
Allgemein ist ein Wachstum holzzerstö- In Anbetracht der exponierten Lage und
render Pilze erst möglich, wenn sich freies Bei Außenbauteilen ist raumseitig eine der besonderen konstruktiven Situation
Wasser in den Zellhohlräumen befindet, luftdichte Ausbildung sicherzustellen, um geneigter Dächer kann bei diesen Bautei-
d.h. wenn die Holzfeuchte u oberhalb des Wasserdampfkonvektion auszuschalten, len – im Gegensatz zu den übrigen Bau-
Fasersättigungsbereiches liegt, also mehr die eine starke Tauwasserbildung inner- teilen – auf die genannte Zusatzbedingung
als etwa u = 30% (grober Mittelwert für halb des Bauteilquerschnittes bewirken sd ≤ 0,2 m nicht verzichtet werden, also
die einheimischen Nadelhölzer) beträgt. kann (s. Abschn. 9). Die Forderung der auch dann nicht, wenn mit der Fertig-
Fasersättigung stellt sich bei der jeweils Luftdichtheit war – wenn auch im wesent- stellung dieses Bauteils gewartet wird, bis
vorhandenen Temperatur ein, wenn das lichen aus Gründen des Wärmeschutzes – u1 ≤ 20% vorliegt, da auch im Nutzungs-

20
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

zustand – wie die Erfahrung gezeigt hat – 11 Außenwände GK 0 11.1.3 Wetterschutz


eher als z.B. bei Außenwänden ungewoll-
te Feuchtebeanspruchungen auftreten 11.1 Allgemeine Anforderungen Als Wetterschutz sind die in Abschn. 11.2
können. genannten Ausbildungen zu verwenden.
Bild 11.1 zeigt die allgemeinen Konstruk- Besondere Sorgfalt ist dabei für einen
tionsprinzipien von Außenwänden in Holz- dichten Anschluß zu Fenstern und Türen
10.5.5 Dämmschicht in den Gefachen bauart. Für die Zuordnung zur Gefähr- erforderlich.
dungsklasse GK 0 nach DIN 68 800-2 Anmerkungen
Ein besonderes Kriterium des besonderen müssen die nachfolgend genannten Be- a) Andere Ausbildungen des Wetter-
Holzschutzes ist ferner, daß – sofern eine dingungen des ‘besonderen baulichen schutzes sind nur zulässig, wenn nach-
Dämmschicht innerhalb der Bauteilgefache Holzschutzes’ (s. Abschn. 10) eingehalten gewiesen wird, daß damit die Voraus-
verlegt wird, was der Regelfall ist – dieses sein, zusätzlich zu dem bereits nach DIN setzungen für die Zuordnung der Wand
Material geeignet ist, einen wesentlichen 68 800-3 geforderten Wetterschutz sowie zur GK 0 eingehalten werden.
Beitrag zu einer evtl. erforderlichen Tauwasserschutz nach DIN 4108-3 für b) Wärmedämm-Verbundsysteme benö-
schnellen Austrocknung ungewollter Außenwände der GK 2 (Iv.P-Mittel erfor- tigen in jedem Fall einen Verwendbar-
Feuchte zu leisten. Dazu gehören folgen- derlich). keitsnachweis, z.B. über eine allgemei-
de Eigenschaften der Dämmschicht: ne bauaufsichtliche Zulassung. Das gilt
nicht nur für Systeme, für die eine um-
1. Kleine Diffusionswiderstandszahl, 11.1.1 Kein Insektenbefall fassende Bewährung bei Holzwänden
möglichst nahe μ = 1, um den noch nicht nachgewiesen ist, z.B. mine-
Feuchtetransport zu einer oder beiden Erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung ralischer Putz auf Hartschaumplatten
Bauteiloberflächen nicht zu behindern. eines unkontrollierbaren Insektenbefalls oder mineralischen Faserdämmstoffen,
2. Möglichst geringes Feuchtespeicher- s. Abschn. 10.3, d.h. unbelüftete Wandge- sondern auch für solche, die sich inzwi-
vermögen (sorptiv bedingt), wieder um fache sowie insektenundurchlässige schen über Jahrzehnte hunderttausend-
die Weiterleitung von Feuchte nicht zu Abdeckungen der Konstruktionshölzer der fach allgemein bewährt haben, z.B.
erschweren. eigentlichen Wand. Diese Anforderungen unter Verwendung von Hartschaum-
3. Ausreichende Elastizität, vor allem in gelten dagegen nicht für belüftete Lattun- platten nach DIN 18164-1 mit Kunst-
Dämmschichtebene, um Toleranzen des gen, Schalungen oder dergl. als Bestand- harzputz.
Holzes im Einbauzustand oder spätere teile von hinterlüfteten Vorhangschalen c) Wetterschutz des Holzes durch An-
Verformungen, vor allem durch Schwin- oder ähnlichem, die nicht gegen Insekten striche: Auf Holz direkt aufgebrachte,
den bedingt, derart mitzumachen, daß geschützt zu werden brauchen (s. auch den Niederschlagen unmittelbar ausge-
sich keine Fugen zwischen Dämmaterial Bild 11.6). setzte wasserabweisende Anstriche
und Holz und damit keine Wärme- gelten bisher nicht als dauerhafter
brücken bilden können, die für das Bau- Wetterschutz für das Holz, da zum
teil feuchteschutztechnisch nachteilig 11.1.2 Kein Pilzbefall einen durch nachträgliche Rißbildung im
sein können. Holz, zum anderen in Anschlußberei-
4. Ausreichende Gefügesteifigkeit der Zur Vermeidung von Schäden durch chen eine unzulässige Feuchtebean-
Dämmschicht im eingebrachten Zustand, Pilzbefall sind die nachstehenden Bedin- spruchung des Holzes nicht dauerhaft
um wiederum Wärmebrücken infolge gungen zu erfüllen. auszuschließen ist.
Fugenbildung zu vermeiden, wie sie bei
nicht ausreichendem ‘Stehvermögen’
z.B. bei werksseitig hergestellten Ele-
menten während des Transportes oder
bei bauseits hergestellten Bauteilen
durch verkehrsbedingte Erschütterungen
während der späteren Nutzungsdauer
(Nachsacken von Schüttstoffen oder
dergl.) entstehen können.

Die Eignung des hierfür vorgesehenen


Dämmaterials ist auf der Grundlage der
Landesbauordnungen durch einen Ver-
wendungsnachweis zu belegen. Einzel-
heiten zum Verwendungsnachweis s. z.B.
Abschn. 11.1.5.

Für mineralische Faserdämmstoffe nach


DIN 18 165-1 gilt dieser Nachweis der
Eignung bereits als erbracht.

Bild 11.1
Wesentliche Konstruktionsmerkmale von typischen Außenwänden in Holzbauart der Gefährdungsklasse GKO
(schematisch);
Varianten Wetterschutz: W1 Vorhangschale, W2 Wärmedämm-Verbundsystem, W3 Mauerwerk-Vorsatzschale
Varianten Raumseite: R4 Beplankung oder Bekleidung, R5 Vorhangschale (evtl. mit Installationsebene) ohne
Dämmschicht, R6 mit Dämmschicht
0 Konstruktionshölzer der GKO; 1 nicht belüfteter Hohlraum im Gefach bei Teildämmung; 2 Volldämmung im
Gefach; 3 insektenundurchlässige Abdeckung; 4 luftdichte Raumseite.

21
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

11.1.6 Luftdichte Raumseite

Außenbauteile sind im Bereich der


raumseitigen Oberfläche stets luftdicht
auszubilden. Diese Forderung ist nicht
eine spezielle Neuerung der DIN 68 800-2,
sondern sie ist bereits seit Jahrzehnten
Bestandteil der DIN 4108 und der Wärme-
schutzverordnung.

Diese Luftdichtheit muß nicht nur in der


Bauteilfläche, sondern auch im Bereich
Bild 11.2 11.1.5 Wärmedämmschicht von Anschlüssen an andere Bauteile oder
Anwendungsbereiche für Fußrippen oder
an Durchdringungen (z.B. Kabeldurchlässe)
Schwellen von Außenwänden, für die zumindest
die GK2 nach DIN 68 800-3 zugrunde zu legen ist; Ohne weiteren Nachweis gelten für die dauerhaft sichergestellt sein. Einzelheiten
AR Aufenthaltsraum Wärmedämmschicht in den Wandge- hierzu s. z.B. Abschn. 9.3 und 12.3.4.
a) auf Bodenplatten bei nicht unterkellerten
Gebäuden oder bei nicht ausreichender
fachen nach DIN 68 800-2 nur minerali-
Sockelhöhe, etwa ≤ 30 cm, sche Faserdämmstoffe nach DIN 18 165-1 Die Anordnung zusätzlicher Schichten an
b) auf Decken im Bereich von Terrassen oder dergl., als geeignet. der Raumseite des Bauteils ist freigestellt,
c) auf Massivdecken im Bereich von Balkonen.
solange sich daraus keine Tauwassergefahr
Anmerkung; ergibt (erforderlichenfalls rechnerischen
Für andere Dämmstoffe im Gefach Nachweis nach DIN 4108-3 führen).
11.1.4 Holzfeuchte ‘Installationsebenen’ – zur Aufnahme von
besteht die Möglichkeit, den Eignungs-
nachweis gesondert zu führen. z.B. Elektroleitungen – als zusätzliche
Außenwände gehören in der Regel z.u den Schichten an der Raumseite sind zwar
Bauteilen mit beidseitig diffusionshem- mitunter kostenaufwendig, stellen jedoch
a) Für nicht genormte Dämmstoffe, d.h.
mender Abdeckung (jeweils sd > 0,2 m), die sicherste (mechanisch robusteste)
für solche mit einer allgemeinen bauauf-
z.B. raumseitig unter Verwendung von Ausführung der luftdichten Schicht dar.
sichtlichen Zulassung, ist dieser Nach-
Spanplatten oder Gipsbauplatten mit
weis durch Prüfung nach den im zuge-
Dampfsperre, außenseitig mit einer Be-
hörenden ad hoc-Ausschuß des DIBt
kleidung oder Beplankung und aufliegen- 11.1.7 Wandfußpunkt
(Deutsches Institut für Bautechnik) fest-
dem Wärmedämm-Verbundsystem. Des-
gelegten Vorgaben zu erbringen.
halb ist hier der Einbau trockener Kon- Die Schwelle der Erdgeschoßwand kann
Die prinzipielle Gleichwertigkeit des
struktionshölzer mit u ≤ 20% eine wesent- einer besonderen Gefährdung durch Pilze
Dämmstoffes zu den genannten mine-
liche Bedingung nach DIN 68 800-2. ausgesetzt sein, wenn sie sich in unmittel-
ralischen Faserdämmstoffen in solchen
Fällen muß insbesondere für folgende barer Nachbarschaft des Erdreiches be-
Hat sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen findet (z.B. zu geringe Sockelhöhe), zumal
Merkmale gegeben sein:
die Holzfeuchte auf u > 20% erhöht, z.B. durch spätere bauliche Veränderungen
– Ermöglichung einer zügigen Aus-
während des Einbaus, ist mit der Fertig- (Terrassen oder dergl.) auch noch nach-
trocknung des eingebauten Holzes
stellung des betreffenden Bauteils (z.B. träglich eine stärkere Feuchtebeanspru-
sowie des gesamten Bauteilquer-
Einbringen der Dämmschicht und ggf. der chung entstehen kann (Spritzwasser,
schnittes
Dampfsperre sowie Schließen an der ablaufende Niederschlage) (Bild 11.2).
– ausreichend elastisches Verhalten der
Raumseite) zu warten, bis die überschüs- Daher sollte für solche Schwellen (Fuß-
Dämmschicht
sige Feuchte entwichen ist. Zu diesem rippen) nur dann die GK 0 zugrunde gelegt
– formstabiles Gefüge der Dämmschicht
Zweck sind Messungen mit einem werden, wenn sichergestellt ist, daß an
im platten- oder mattenförmigen oder
Feuchtemeßgerät durchzuführen. Da es dieser Stelle auch später keine höhere
geschütteten Zustand.
sich in solchen Fällen um eine nachträgli- Feuchtebelastung als an der übrigen Wand-
b) Für genormte Dämmstoffe, ausgenom-
che Befeuchtung von trockenem Holz oberfläche auftreten kann. Anderenfalls ist
men die genannten Mineralfaserdämm-
handelt, genügt die Feuchteermittlung im für diese Holzteile die GK 2 nach DIN
stoffe, ist der Eignungsnachweis ent-
Bereich der Holzoberfläche. Außerdem 68 800-3 maßgebend.
sprechend a) zu führen.
sind solchermaßen aufgetretene Be-
feuchtungen in der Regel innerhalb weni- Anmerkung:
Für Wärmedämmschichten außerhalb des
ger Tage wieder abgeklungen. Die GK 2 bedeutet aber nicht automatisch
Gefachbereiches der Wände – z.B. für
räum- oder außenseitige Zusatzdämmun- den Einsatz von Holzschutzmitteln (lv,P),
gen – ist die Wahl des Dämmaterials im sondern kann auch durch Verwendung
allgemeinen freigestellt. entsprechend dauerhafter Hölzer ohne
chemischen Holzschutz abgedeckt werden
(s. Abschn. 5.4), eine Möglichkeit, von der
bei solchem geringem Holzvolumen ohne
Schwierigkeiten Gebrauch gemacht wer-
den kann.

22
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Erläuterungen zu Bild 11.3


(gilt auch für die Bilder 11.4 und 11.5):

1 Wetterschutz
1a Bekleidung auf lotrechter Lattung GK 0, hinterlüftet
1b Bekleidung auf waagerechter Lattung und Konter-
lattung, jeweils G K 0, hinterlüftet
1c Bekleidung auf waagerechter Lattung
(nicht hinterlüftet)
1d Wärmedämm-Verbundsystem: Hartschaumplatten
nach DIN 18 164-1 und Kunstharzputz oder Putz mit
nachgewiesenem, dauerhaft wirksamem Wetterschutz
1e Holzwolleleichtbauplatten HWL nach DIN 1101
mit wasserabweisendem Außenputz nach DIN 18 550-1;
erforderlichenfalls zwischen HWL und Wand wasser-
ableitende Schicht (z.B. Folie)
1f Mauerwerk-Vorsatzschale

2 Hohlraum hinter Wetterschutz


2a Belüftet im Sinne der DIN 4108-3
2b Nicht belüftet im Sinne der DIN 4108-3
(infolge Querlattung)
2c Luftschicht (Dicke > 40 mm), Lüftungssöffnungen
nach DIN 1053-1

3 Äußere Abdeckung der eigentlichen Wand


3a Beliebige Bekleidung/Beplankung
3b Bekleidung/Beplankung insektendicht
3c Wasserableitende Schicht, diffusionsoffen
(sd ≤ 0,2 m)
3d Wasserableitende Schicht
3e Hartschaumplatten nach DIN 18 164-1
3f Mineralischer Faserdämmstoff nach DIN 18 165-1

4 Dämmschicht im Gefach
4a Volldämmung: Mineralischer Faserdämmstoff
nach DIN 18 165-1 oder Dämmstoff mit Verwendbar-
keitsnachweis (bauaufsichtliche Zulassung für diesen
Anwendungsfall)
4b Teildämmung: Dämmstoffe wie unter 4a; Hohl-
raum im Gefach nicht belüftet, insektenunzugänglich

5 Dampfsperre
5a Dampfsperre, sofern erforderlich
(Luftdichtheit nicht erforderlich)
5b Dampfsperre mit zusätzlicher Funktion einer ‘luft-
dichten Schicht’, auch im Bereich von Anschlüssen,
Durchdringungen (Elt-Kabel), Überlappungen

6 Raumseitige Bekleidung/Beplankung, ohne/mit


Lattung (vgl. auch Bild 12.4)
6a Bekleidung als ‘luftdichte Schicht’, auch im
Bereich von Anschlüssen und Durchdringungen
6b Beliebige Bekleidung, wenn Dampfsperre luftdicht
Bild 11.3 ausgebildet (5b)
Wetterschutz: Vorhangschalen aus Bekleidung auf Lattung;
a1 bis a3 Vorhangschale hinterlüftet, 7 Wandkonstruktionsholz GK 0
b nicht hinterlüftet (z.B. Stiel, Rippe, Schwelle, Rahm)

23
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

11.2 Erforderlicher Wetterschutz

Außenwände mit den in den Bildern 11.3


bis 11.5 dargestellten Ausbildungen des
Wetterschutzes nach DIN 68 800-2 dürfen
ohne weiteren Nachweis der GK 0 zuge-
ordnet werden, wenn auch die übrigen, in
Abschn. 11.1 genannten Voraussetzungen
eingehalten sind.

11.2.1 Vorhangschale (Bild 11.3)

11.2.2 Wärmedämmschicht mit Putz


(Bild 11.4)

11.2.3 Mauerwerk-Vorsatzschale
(Bild 11.5)

11.2.4 Schalungen, Lattungen


Bild 11.4 oder dergl.
Wetterschutz: Außenliegende, verputzte Wärmedämmschicht;
d1 Wärmedämm-Verbundsystem mit Hartschaumplatten auf äußerer Beplankung; d2 Holzwolleleichtbauplatten, Bei Vorhangschalen (s. Bild 11.6) darf
direkt auf Konstruktionshölzern angeordnet
Erläuterungen s. zu Bild 11.3 auch für die dort verwendeten Latten oder
Schalungen die GK 0 zugrunde gelegt
werden, wenn evtl. dorthin eingedrunge-
ne Feuchte ausreichend schnell wieder
entweichen kann, wenn also der Hohlraum
belüftet ist (Ausbildungen a und c) oder
nicht luftdicht abgeschlossen ist (b).
Anderenfalls ist die GK 2 anzunehmen (d).

Werden für die Wandausbildungen GK 0


nach Bild 11.3 bis 11.5 Brettschalungen
als äußere Beplankung oder Bekleidung
eingesetzt, so ist auch dafür – ausgenom-
men Kiefer-Splint – ein chemischer Holz-
schutz nicht erforderlich.

11.2.5 Abweichende Konstruktionen

a) Zuordnung zur GK 0

Die Zuordnung anderer als in DIN 68 800-2


angegebener Konstruktionen zur Gefähr-
dungsklasse GK 0 ist möglich, wenn in
Abstimmung mit dem Deutschen Institut
für Bautechnik ein entsprechender Ver-
wendbarkeitsnachweis geführt wird.

Anmerkung:
Da die derzeit in der Praxis typischen Kon-
struktionsprinzipien des Holzhaus in der
Norm erfaßt sind, wird es sich bei sol-
chen Abweichungen im wesentlichen nur
um besondere Systembauarten handeln.

b) Zuordnung zur GK 2

Bei Mauerwerk-Vorsatzschalen ist der


40 mm dicke, belüftete Hohlraum eine
wesentliche Voraussetzung für die GK 0.
Daher sind alle Wandausbildungen mit
Bild 11.5 Mauerwerk-Vorsatzschale, bei denen die-
Wetterschutz: Mauerwerk-Vorsatzschale nach DIN 1053-1 se Bedingung nicht eingehalten ist, der
d1 Außenbeplankung der Wand mit wasserableitender Schicht; d2 mit Hartschaumplatten; d3 mit mineralischem
Faserdämmstoff und wasserableitender Schicht GK 2 zuzuordnen, solange nicht die Eig-
Erläuterungen s. zu Bild 11.3 nung der Konstruktion nachgewiesen ist.

24
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bild 11.6
Die Zuordnung von Lattungen oder dergl. als
Bestandteil des Wetterschutzes von Außenwänden
GK 0 ist abhängig von der konstruktiven Ausbildung
der Vorhangschale (Dämmschicht im Wandgefach
nicht eingezeichnet).
a) GK 0: hinterlüfteter Wetterschutz (lotrechte
Lattung oder Konterlattung), luftdurchlässig (z.B.
beliebige Brettschalung BS)
b) GK 0: nicht hinterlüfteter, jedoch luftdurchlässiger
Wetterschutz
c) GK 0: hinterlüfteter Wetterschutz mit luftdichter
Außenbekleidung PL (z.B. Faserzementplatten)
d) GK 2: luftdichte Außenbekleidung PL, nicht hinter-
lüftet (z.B. waagerechte Lattung)

11.2.6 Wandfußpunkt – keine Behinderung der Hinterlüftung


– einwandfreier Abfluß des evtl. an der
Unabhängig davon, ob die Kriterien für die Rückseite der Vorsatzschale herablaufen-
Zuordnung der Wandschwelle zur GK 0 den Wassers infolge Schlagregens
vorliegen oder ob die GK 2 zugrunde zu – keine Übertragung von Feuchte auf den
legen ist, d.h. ein chemischer Holzschutz Fußpunkt der Wand.
erforderlich ist (vgl. Abschn. 11.1.7), ist für
einen sicheren Feuchteschutz in diesem
kritischen Bereich zu sorgen. In den
Bildern 11.7 bis 11.9 sind einige typische
Möglichkeiten dargestellt.

11.2.6.1 Wände mit Wärmedämm-


Verbundsystem
Bild 11.7
a) Wandfußpunkt auf Kellerdecke Außenwand-Fußpunkt auf Massiv-Kellerdecke oder
(Bild 11.7) dergl. (Prinzip)
AP Abschlußprofil, S Sperrschicht; aus [12]

b) Wandfußpunkt im Terrassen- oder


Balkonbereich mit Höhenversprung der
beiden Deckenoberf lachen (Bild 11.8)

c) Wandfußpunkt im Terrassen- oder


Balkonbereich ohne Höhenversprung
der beiden Deckenoberflächen (Bild 11.9)

Ist ein Versprung der massiven Unterkon-


struktion entsprechend Bild 11.8 nicht
Bild 11.8
möglich, dann muß durch eine zumeist Prinzipbeispiel für Anschluß Außenwand -
aufwendigere Ausbildung an dieser Stelle Massivdecke im Terrassen- oder Balkonbereich; AP
eine Gefährdung der Wand dauerhaft ver- Abschlußprofil, D Dichtungsbahn; aus [12]

mieden werden, Prinzipbeispiel s. Bild 11.9.

11.2.6.2 Wände mit Mauerwerk-


Vorsatzschale

Die Ausbildung solcher Wände im


Fußpunkt hat besonders sorgfältig zu
erfolgen, wobei – unter Berücksichtigung Bild 11.9
einer evtl. Mörtelrestansammlung in die- Beispiel für Anschluß Außenwand –
Unterkonstruktion bei Balkonen oder Terrassen ohne
sem Bereich – vor allem auf folgendes zu Höhenversprung in der Massivdecke (Prinzip);
achten ist: A Abdichtung, K Verklebung; aus [12]

25
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

11.2.7 Anschlüsse an Fenster 11.2.8 Außenwände von Blockhäusern 12 Geneigte Dächer GK 0

Ein sorgfältig ausgeführter Wetterschutz Die Angaben in DIN 68 800-2 und -3 zu 12.1 Allgemeine Anforderungen
auch im Anschlußbereich der Wand an den einzelnen Bauteilen (Wände, Decken,
Fenster und Türen ist eine der Bedingun- Dächer) gelten auch für Blockhäuser, die 12.1.1 Bedingungen analog zu
gen des besonderen baulichen Holz- zu Wohnzwecken errichtet werden. Außenwänden
schutzes für Außenwände, da bei diesen
Bauteilen im allgemeinen räum- und Außenwände in der üblichen Blockbauart Für geneigte Dächer GK 0 gelten sinnge-
außenseitig diffusionshemmende Beklei- (s. Bild 11.11a) weichen jedoch von dem mäß die gleichen Bedingungen wie für
dungen oder Beplankungen vorhanden in DIN 68 800-2 vorgegebenen Konstruk- Außenwände GK 0 nach Abschn. 11.1:
sind, so daß für durch Undichtigkeiten in tionsprinzip als Voraussetzung für den Ver- 1. Kein Insektenbefall
den Gefachbereich eingedrungenes zicht auf den chemischen Holzschutz Nicht belüfteter Querschnitt sowie
Niederschlagswasser kaum eine Möglich- (GK 0) ab, so daß hierfür grundsätzlich DIN keine Insektenzugänglichkeit zu den
keit der anschließend kurzfristigen Aus- 68 800-3 beachtet werden muß, die für Konstruktionshölzern (Abschn. 10.3).
trocknung besteht. eine solche Anwendung im Regelfall die 2. Wetterschutz (Dachdeckung)
Gefährdungsklasse GK 3 (lv,P,W-Mittel) Die Fachregeln des Zentralverbands des
In Bild 11.10 ist am Beispiel einer Wand fordert. Tatsächlich kann oft nicht verhin- Deutschen Dachdeckerhandwerks sind
mit zusätzlicher Außendämmung das dert werden, daß bei solchen Wänden das anzuwenden. Die Art der Dachdeckung
Prinzip des Fensteranschlusses darge- außenliegende, sichtbare Holz durch ist freigestellt (Dachsteine oder -ziegel
stellt. Die seitliche Aufkantung der Fen- Niederschlage direkt beansprucht wird. auf Unterspannbahn oder Vordeckung,
sterbank verläuft (von außen gesehen) hin- Blech- oder Schieferdeckung auf
ter der wasserführenden Oberfläche der Trotzdem bestehen bezüglich der Dauer- Schalung); die konstruktiven Details des
aufgehenden Wand (Putz, Außenbeklei- haftigkeit der Konstruktion – auch in Anbe- Dachquerschnitts sind jedoch darauf
dung), so daß ablaufende Niederschlage tracht des vergleichsweise geringen Ein- abzustimmen (Abschn. 12.2).
nicht in den Bauteilquerschnitt gelangen flusses von evtl. stellenweise auftreten- 3. Wärmedämmschicht im Gefach
können. den Beeinträchtigungen der Holzsubstanz Mineralische Faserdämmstoffe nach
auf die Standsicherheit des Gebäudes – DIN 18 165-1 oder Dämmstoffe mit
keine Bedenken, auf der Grundlage von entsprechendem Verwendbarkeitsnach-
DIN EN 460 bei solchen Wandausbildun- weis (bauaufsichtliche Zulassung)
gen auf den chemischen Holzschutz zu (Abschn. 11.1.5).
verzichten, wenn folgende Voraussetzun- 4. Luftdichte Raumseite
gen eingehalten werden, vgl. auch offiziel- Für die raumseitige Bauteilfläche sowie
len Kommentar zu DIN 68 800-2 [4]: dort im Bereich von Durchdringungen
und Anschlüssen erforderlich (Abschn.
1. Zur Vermeidung von Schlagregen- 11.1.6 und 9.3). Die in der Praxis ge-
beanspruchung möglichst größere bräuchlichsten Ausführungen der luft-
Dachüberstände (an den Giebelseiten dichten Bauteilunterseite, die nicht nur
bei mehr als eingeschossigen für Dächer, sondern auch für Außen-
Gebäuden nicht immer einzuhalten). wände sowie Decken unter nicht ausge-
2. Schnelle Ableitung von Niederschlagen bauten Dachgeschossen infrage kom-
(Schlagregen) durch wasserableitende men, gehen aus Bild 12.4 hervor.
Anstriche, die diffusionsoffen sein müs-
sen. 12.1.2 Abweichungen zu
3. Spezielle konstruktive Ausbildung der Außenwänden
Fugen zur Vermeidung stehenden
Wassers (Bild 11.11a). Die nachstehend genannten Anforderungen
4. Pflege und erff. Wartung weichen von denen für Außenwände GK 0
Bild 11.10
Prinzipbeispiel für Ausbildung der Fensterbank FB im (z.B. Erneuerung des Anstriches). ab.
Anschlußbereich an aufgehende Wand; AK seitliche 5. Regelmäßige Kontrolle der äußeren 5. Diffusionsoffene oberseitige Abdeckung
Aufkantung, weitere Einzelheiten (Befestigung, Wandoberfläche bezgl. eines evtl. Wegen der exponierten Lage solcher
Abdichtungen) wurden nicht eingezeichnet; aus [12]
Insekten- oder Pilzbefalls, z.B. von nach Dächer und ihrer besonderen Situation
unten verlaufenden Schwindrissen an während der Bauphase muß zur Sicher-
ungeschützten Wetterseiten (Bild stellung einer ausreichend schnellen
11.11b); in solchen Fällen erff. örtliche Wiederabgabe ungewollter Feuchte aus
Nachbehandlung mit chemischen dem Dachquerschnitt die oberseitige
Mitteln. Abdeckung der Sparren (z.B. Unter-
spannbahn, Vordeckung auf Schalung)
Anmerkung zu solchen Schwindrissen: ausreichend diffusionsoffen sein, ihre
Die Nachbehandlung von Schwindrissen äquivalente Luftschichtdicke muß daher
hat nicht nur bei den hier erwähnten Sd ≤ 0,2 m betragen. Ausführliche Erläu-
Hölzern der GK 0 von Blockhauswänden terungen hierzu s. Abschn. 12.2 und 12.6
Bild 11.11 zu erfolgen, sondern ist im Prinzip bei 6. Holzfeuchte
Voraussetzungen für Zuordnung von Außenwänden
in Blockbauart zur GK 0 allen. Niederschlagen ausgesetzten Trotz des für die oberseitige Abdeckung
a) Profilierung der Hölzer im Fugenbereich zur schnel- Hölzern mit Oberflächenschutz (GK 3) geforderten Wertes sd ≤ 0,2 m ist auch
leren Ableitung von Niederschlagen; aus [4] erforderlich, wenn solche Risse bis in bei solchen Dächern aus Sicherheis-
b) nach unten verlaufende, den Niederschlagen
unmittelbar ausgesetzte Schwindrisse sollten che- chemisch nicht mehr geschützte Quer- gründen für die Konstruktionshölzer all-
misch geschützt und regelmäßig kontrolliert werden schnittsbereiche des Holzes reichen. gemein eine Einbaufeuchte u ≤ 20%

26
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

anzustreben. Wegen der diffusionsoffe Selbstverständlich sind auch andere mehr- oberhalb der Sparrenabdeckung – diese
nen Abdeckung kann jedoch diese Holz- lagige Abdeckungen möglich, solange wichtige Funktion des Transports der von
feuchte, deren Einhaltung für andere sd ≤ 0,2 m eingehalten wird, z.B. unter unten durch das Bauteil in diesen Hohl-
Außenbauteile gefordert wird, in Aus Verwendung von Holzfaserdämmplatten raum diffundierenden Wasserdampf-
nahmefällen überschritten werden,wobei (Bild 12.3b). masse zur Außenluft zu übernehmen.
in jedem Fall u < 35% einzuhalten ist.
12.3.4 Zusätzliche Schichten an der Bei den in DIN 68 800-2 vorgegebenen
12.2 Dachquerschnitte GK 0 nach Dachunterseite oder empfohlenen Konstruktionen wird
DIN 68 800-2 die Forderung sdu ≥ 2 m nicht erfüllt, vor
Zur Anordnung zusätzlicher Schichten an allem wenn man sich an die dort genann-
Bild 12.1 zeigt in der Übersicht jene ge- der Raumseite des Bauteils (Installations- ten, holzschutztechnisch optimalen unte-
neigten, im eigentlichen Bauteilquerschnitt ebene oder dergl.) gelten die Aussagen zu ren Grenzwerte für sd hält, mit denen man
(Gefach) nicht belüfteten Dächer, die nach Außenwänden in Abschn. 11.1.6 in glei- sdu < 2 m, u.U. sogar nur etwa sdu = 0,3 m
DIN 68 800-2, Abschn. 8.3, ohne weiteren cher Weise. In Bild 12.4 sind einige erhält (Bild 12.5b).
Nachweis der Gefährdungsklasse GK 0 Ausführungsmöglichkeiten dargestellt.
zugeordnet werden können, sowie die a) Material für zusätzliche Dämmschicht Somit besteht Tauwassergefahr für diesen
zugehörenden konstruktiven Bedingungen. unterhalb der Sparrenebene beliebig Hohlraum infolge zu großer Dampfdurch-
Werden diese Bedingungen nicht einge- b) Der Hohlraum IE über der raumseitigen lässigkeit des darunterliegenden Dach-
halten, ist die Gefährdungsklasse GK 2 Bekleidung in den Fällen c, d, g, h kann querschnitts. Der entscheidende Unter-
nach DIN 68 800-3 zugrunde zu legen als ‘klassische Installationsebene’ schied zum belüfteten Dach (Belüftung
(vgl. Abschn. 12.6). bezeichnet werden (oberseitig luftdicht innerhalb des Gefaches, Bild 12.5 a)
abgedeckt unter Verwendung mecha- besteht jedoch beim unbelüfteten Dach
nisch robuster Plattenwerkstoffe) darin, daß dort der belüftete Hohlraum
12.3 Zusätzliche Hinweise oberhalb der (wasserableitenden) Abdek-
12.3.5 Dampfsperre – Kein Konflikt mit kung für den eigentlichen Dachquerschnitt
12.3.1 Unterlüftete Dachdeckung DIN 4108-3 liegt (Bild b). Somit fällt evtl. Tauwasser
dort an, wo auch schon mit anderen
Der Hohlraum über der oberen Abdeckung Die dampfsperrende Wirkung dieser Feuchtebeanspruchungen zu rechnen ist
der Sparren (Konterlattenebene) muß zum Schicht sollte bei nicht belüfteten Dächern (z.B. Flugschnee, Schmelzwasser, ‘Sekun-
Feuchteschutz der dort angeordneten GK 0 so klein wie zulässig bemessen wer- där-Tauwasser’ infolge nächtlicher
Holzteile (Lattung, Schalung) in jedem Fall den (Abschn. 8.2), damit die Austrock- Wärmeabstrahlung) und wo durch die dar-
belüftet sein (Bild 12.2). Diese Holzteile nungskapazität des Querschnitts möglichst unterliegende wasserableitende Schicht
brauchen jedoch nicht gegen Insekten Weitere Hinweise:groß ist (Abschn. 8.3). (Unterspannbahn, Vordeckung auf
geschützt zu werden, können also eben- So reicht z.B. bereits sd (DS) = 0,8 m aus, Schalung) ohnehin schon für einen ausrei-
falls der GK 0 zugeordnet werden. wenn die obere Abdeckung - wie für GK 0 chenden Schutz des eigentlichen Bauteil-
gefordert – sda ≤ 0,2 m beträgt. querschnitts gesorgt ist.
12.3.2 Insektendichte Schichten
Nach DIN 4108-3, Abschn. 3.2.3.3.1, a), Da dieses Tauwasser nur bei tiefen Außen-
Möglichkeiten für die Ausbildung s. Bild müssen bei belüfteten Dächern die unter- temperaturen ausfällt, bestehen – auch für
10.2 halb des belüfteten Hohlraumes angeord- Lattungen und Schalungen in diesem Be-
neten Schichten insgesamt mindestens reich – keine Voraussetzungen für ein
12.3.3 Diffusionsoffene Vordeckung sdu ≥ 2 m aufweisen (Bild 12.5 a). Damit gefährliches Pilzwachstum, zumal die
auf Schalung soll erreicht werden, daß die von unten in anfallende Feuchte schon bei kurzfristiger
den belüfteten Hohlraum diffundierende Erwärmung aus diesem Bereich wieder
Der Wert sd ≤ 0,2 m ist bei Abdeckungen Wasserdampfmasse nicht größer ist, als entweichen kann.
mit einer Vollschalung (z.B. Rauhspund) in im Hohlraum über die Luftströmung abge- Bild 12.2 (unten)
keinem Fall zu erreichen, da sich z.B. bei führt werden kann und keine Tauwasser- Insektenunzugänglichkeit ist nur für den Hohlraum
einer Schalungsdicke von 20 mm bereits bildung an der Unterseite der oberen HO im Gefach des Querschnittes a sicherzustellen;
dagegen ist die Konterlattenebene KL in beiden
ohne Vordeckung sd = 0,02 · 40 = 0,8 m Abdeckung – also innerhalb des eigentli- Fällen zu belüften
ergibt. Für den in DIN 68 800-2 angegebe- chen Dachquerschnittes – auftritt. a Dachquerschnitt mit Teildämmung, b mit Sparren-
nen Aufbau (Vordeckung auf offener volldämmung
A obere Abdeckung insektendicht, A1 insekten-
Schalung) gilt dagegen sd ≤ 0,2 m als Beim nicht belüfteten Dach hat der belüf- dichte Abdeckung bei Volldämmung grundsätzlich
nachgewiesen (s. Bild 12.3a). tete Hohlraum in Konterlattenebene – also nicht erforderlich (s. auch Bild 10.2g)

27
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bild 12.1 (Fortsetzung s. Seite 29)


Querschnitte von geneigten Dächern, die nach DIN
68800-2 ohne weiteren Nachweis derGefährdungs-
klasse GK 0 zugeordnet werden dürfen
1 bis 3 Dachdeckung auf Lattung, 4 bis 6
Sonderdeckung auf Schalung, 7 und 8 Dachdeckung
auf Schalung mit Vordeckung

Erläuterungen zu Bild 12.1:


1 Dachhaut
1a Dachdeckung auf Trag- und Konterlattung, jeweils
GK 0, Konterlattenebene belüftet
1b Sonderdeckung (z.B. Schiefer, Stehfalzbleche,
Holzschindeln) auf Zwischenlage, Schalung und Kon-
terlattung, jeweils GK 0, Konterlattenebene belüftet

2 Obere Abdeckung der Sparren


2a Unterspannbahn oder dergl., diffusionsoffen
(sd ≤ 0,2m), insektendicht (Überlappungen)
2b wie 2, jedoch Insektendichtheit nicht erforderlich
2c Unterspannbahn, extrem diffusionsoffen
(sd ≤ 0,02m), Insektendichtheit nicht erforderlich
2d Vordeckung aus wasserableitender, extrem diffu-
sionsoffener Schicht (sd ≤ 0,02m) auf offener Brett-
schalung GK 0 (Bild 12.3a), insektendicht ausgebildet
(Bild 12.2a)
2e wie 2d, jedoch Insektendichtheit nicht erforderlich
(Bild12.2b s. S. 28)

3 Dämmschicht im Gefach
3a Volldämmung: Mineralischer Faserdämmstoff nach
DIN 18 165-1 oder Dämmstoff mit Verwendbarkeits-
nachweis (bauaufsichtliche Zulassung für diesen An-
wendungsfall)
3b Teildämmung:
Dämmstoffe wie unter 3a; Hohlraum im Gefach nicht
belüftet, insektenunzugänglich

4 Dampfsperre, z.B. Folie


4a Dampfsperre ohne weitere Funktion (nicht luftdicht
ausgebildet)
4b Dampfsperre mit zusätzlicher Funktion einer „luft-
dichten Schicht”, auch im Bereich von Anschlüssen,
Durchdringungen (z.B. Elt-Kabel), Überlappungen (s.
auch Bild 9.3)

5 Unterseitige Bekleidung, i.d.R. auf Lattung (vgl. auch


Bild 12.4)
5a Bekleidung mit Funktion einer „luftdichten Schicht”,
auch im Bereich von Anschlüssen und Durchdrin-
gungen (z.B. Elt-Kabel)
5b Beliebige Bekleidung (z.B. Brettschalung), da
Dampf-
Sperre luftdicht ausgebildet (4b)

6 Konstruktionsholz (Sparren) GK 0

Bild 12.3
Mehrlagige Abdeckungen mit sd ≤ 0,2 m
a offene Brettschalung Seh nach DIN 68 800-2 mit
Brettbreite ≤ 100 mm und Fugenbreite ≥ 5 mm und
wasserableitender Auflage WS mit sd(WS) ≤ 0,02 m;
b Beispiel für andere Kombinationen:
Holzfaserdämmplatte HFD nach DIN 68 755 und
Auflage ebenfalls mit sd(WS) ≤ 0,02 m

28
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bild 12.1 (Fortsetzung von Seite 28)

12.4 Abweichende
Konstruktionen, Allgemeines

In Abschn. 12.2 sind jene Dachquer-


schnitte aufgeführt, die nach DIN 68 800-2 Bild 12.4
ohne weiteren Nachweis der Gefähr- Luftdichte Ausbildung der Dachunterseite
dungsklasse GK 0 zugeordnet werden (Beispiele; Dämmschicht im Sparrengefach nicht
eingezeichnet)
dürfen, wenn die vorgegebenen kon- a bis h mit Querlattung unterhalb der Sparren,
struktiven Randbedingungen eingehalten i bis l Direktbefestigung der Bekleidung/Beplankung
werden. Die im folgenden genannten an den Sparren
Erläuterungen (siehe auch zu Bild 12.1):
Ausbildungen sind dagegen auf der 5c Holzwerkstoffplatten oder dergl. (Annahme: nicht
Grundlage von DIN 68 800-3 einzustufen. luftdicht), ohne Zwischenlattung

29
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Tabelle 12.1
Geneigte Dächer, Zuordnung zu den Gefährdungs-
klassen in Abhängigkeit von den vorliegenden kon-
struktiven Parametern

1) Sofern Hohlraum vorhanden (Teildämmung).


2) MiFa/BAZ: Mineralischer Faserdämmstoff nach DIN 18 165-1 oder Dämmstoff mit allgemeiner bauaufsichtlicher
Zulassung für diesen Anwendungsfall;
Andere: Dämmstoffe ohne Verwendbarkeitsnachweis für diesen Anwendungsfall.
3) Siehe auch Bild 12.7

Bild 12.5
a) Bedingung sdu ≥ 2 m unterhalb des belüfteten
Hohlraums HO im Gefach von belüfteten Dächern
nach DIN 4108-3 zur Begrenzung der Diffusions-
stromdichte; angedeutet: Tauwassergefahr innerhalb
des Gefachs als Folge einer zu dampfdurchlässigen
Dachunterseite mit sdu < 2 m
b) Tauwassergefahr im Bereich der Dachdeckung
(außerhalb des Gefachs) infolge sdu < 2 m;
B Bekleidung, Da mineralischer Faserdämmstoff mit
s = 200 mm;
Beispiele für Querschnitt b):
1. sd(USB) = 0,2 m / sd(Da) = 0,2 m/sd(B) = 0,1 m:
sdu = 0,5 m
2. sd(USB) = 0,02 m/sd(Dä) = 0,2 m/sd (B) = 0,1 m:
sdu = 0,32 m

Bild 12.6 Bild 12.7


Geneigtes Dach der GK 0 nach DIN 68 800-3; Erläuterungen zu Tabelle 12.1: Konstruktionsdetails für geneigte Dächer und zugehörende Klassifizierungen
Voraussetzung: dreiseitig sichtbare Sparren, d.h. mit (Gefährdungsklassen GK); Dachdeckung nicht eingezeichnet
Aufsparrendämmung Voraussetzungen: 1. Konterlattenebene belüftet; 2. luftdichte Raumseite
MiFa/BAZ/Andere: s. Tabelle 12.1, FN 2)

30
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

13 Flachdächer GK 0

Die nachstehenden Angaben beziehen


sich ausschließlich auf wärmegedämm-
te Flachdächer über beheizten Aufent-
haltsräumen in Wohngebäuden oder
Gebäuden mit vergleichbaren Klimaver-
hältnissen, nicht dagegen auf den
Hallenbau.

13.1 Mit sichtbaren Deckenbalken

Flachdächer ohne untere Bekleidung


mit dreiseitig sichtbaren Deckenbalken
(Bild 13.1) dürfen bereits auf der Grund-
lage von DIN 68 800-3 der GK 0 zuge-
ordnet werden.

13.2 Mit raumseitiger Bekleidung

13.2.1 Anforderungen

Nach DIN 68 800-2 kann die GK 0 nur


für das Konstruktionsprinzip nach Bild
13.2 zugrunde gelegt werden. Dabei
sind – analog zu Außenwänden – folgen-
de Bedingungen einzuhalten:

1. Kein Insektenbefall: Deckenquer-


schnitt weder belüftet (nicht mit der
Außenluft in Verbindung stehend) noch
insektenzugänglich (s. Abschn. 11.1.1)
2. Einbaufeuchte des Holzes u ≤ 20%,
da hier ähnliche konstruktive Be-
dingungen vorliegen wie bei Außen-
wänden (s. Abschn. 11.1.4).
3. Wetterschutz (Dachabdichtung)
Die Fachregeln des Zentralverbands
des Deutschen Dachdeckerhandwerks
sind einzuhalten.
Bild 12.8
Beispiele für obere Sparrenabdeckungen
a bis c: sd ≤ 0,2 m; GK 0 möglich Hinzu kommen spezifische Anforderun-
d bis f: sd ≥ 0,2 m; GK 0 nicht möglich gen für dieses Bauteil:

4. Wärmedämmung ausschließlich oder


überwiegend – und in jedem Fall auch
die Dampfsperre – oberhalb der Decke
12.5 Sonderfall: Dächer mit angenommen werden darf, wenn jede angeordnet. Das Material für diese
sichtbaren Sparren einzelne Anforderung eingehalten ist. Dämmschicht ist freigestellt.
5. Keine dampfsperrenden Schichten inner-
Dächer über Aufenthaltsräumen mit sicht- In Bild 12.8 sind Beispiele für obere halb des eigentlichen Deckenquer-
baren Sparren (Aufsparrendämmung) dür- Sparrenabdeckungen dargestellt, zum schnitts; darüber hinaus möglichst dif-
fen als einziges Konstruktionsprinzip bereits einen mit sd ≤ 0,2 m, zum anderen mit fusionsoffene Bekleidung (z.B. Gipsplat-
auf der Grundlage von DIN 68 800-3 der sd > 0,2 m. ten, Brettschalung) an der Unterseite,
GK 0 zugeordnet werden (Bild 12.6). um bei ungewollt auftretender Feuchte
Selbstverständlich besteht im Anwen- im Deckengefach eine ausreichende
dungsfall nach Bild 12.7c (belüftetes Austrocknungskapazität zu haben.
12.6 Abweichungen und Dach der GK 1) – wie bei anderen der- 6. Für eine evtl. zusätzliche Dämm-
Einstufung nach DIN 68 800-3 maßen ausgebildeten Bauteilen auch - schicht im Gefach, sofern wegen des
die Möglichkeit, bei Verwendung ent- Schall- oder Brandschutzes erforderlich,
Aus Tabelle 12.1 und Bild 12.7 gehen sprechend dauerhafter Hölzer, in diesem sind mineralische Faserdämmstoffe
typische Möglichkeiten für Abweichun- Fall z.B. von Kiefer mit Splintholzanteil < nach DIN 18 165-1 oder Dämmstoffe
gen einer Dachkonstruktion gegenüber 10%, auf chemische Holzschutzmittel zu mit Verwendbarkeitsnachweis einzu-
den Vorgaben nach DIN 68 800-2 mit der verzichten (s. auch Abschn. 14.4.2). setzen. In solchen Fällen ist erffs. der
dortigen Zuordnung zur GK 0 hervor. Man Tauwasserschutz nach DIN 4108-3
erkennt wieder, daß die GK 0 nur dann nachzuweisen (s. auch Abschn. 7.3d)).

31
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bild 13.1 13.3 Abweichungen von der GK 0


Flachdach GK 0 nach DIN 68 800-3 über Aufenthalts-
räumen; ohne untere Bekleidung mit dreiseitig sicht-
und Zuordnung nach
baren Deckenbalken DIN 68 800-3

Die in Bild 13.3 dargestellten Konstruk-


tionsprinzipien, bei denen der eigentli-
che Deckenquerschnitt beiderseits mit
dampfsperrenden Schichten abgedeckt
ist, fallen nicht unter die GK 0 nach DIN
68 800-2, da sie bei Einwirkung außer-
planmäßiger Feuchte stark gefährdet
sein können.

Bei ihnen ist die GK 2 nach Teil 3 der


Bild 13.2 Norm zugrunde zu legen. Sie erfordern
Flachdach GK 0 nach DIN 68 800-2 mit raumseitiger
Bekleidung;
also einen chemischen Holzschutz,
Bedingungen: unabhängig davon, ob eine oberseitige
1. Wärmedämmschicht ausschließlich oder über- Dämmung vorliegt oder nicht und ob es
wiegend oberhalb der Decke angeordnet (DÄo)
(Dämmaterial beliebig),
sich um einen belüfteten oder nicht
2. keine dampfsperrenden Schichten innerhalb des belüfteten Querschnitt handelt.
eigentlichen Deckenquerschnitts,
3. an der Deckenunterseite möglichst diffusions-
offene Bekleidung (B) (Gipsplatten, Brettschalung,
Anmerkung:
sog. ‘Akustik’-Platten), Solche Konstruktionen haben sich in der
4. evtl. zusätzliche Dämmschicht im Gefach (DÄu) Vergangenheit als schadensträchtig
aus mineralischen Faserdämmstoffen nach DIN
18 165-1 oder Dämmstoffen mit Verwendbarkeits-
erwiesen, da der chemische Holzschutz
nachweis bei solchen Bauteilquerschnitten bei
DA Dachabdichtung, DS Dampfsperre, ungewollt auftretender Feuchte nicht in
A obere Abdeckung
der Lage ist, allgemeine Bauschäden
zu verhindern. Deshalb sollten sie nur in
Ausnahmefällen angewandt werden.

Bild 13.3
Flachdächer GK 2 nach DIN 68 800-3 mit raumseiti-
ger Dampfsperre; trotz chemischen Schutzes kön-
nen diese Ausführungen bei außerplanmäßiger
Feuchte gefährdet sein
a nicht belüfteter Querschnitt; b belüfteter
Querschnitt; c mit zusätzlicher Dämmschicht DA
oberhalb der Decke
DA Dachabdichtung, DS Dampfsperre

32
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

14 Decken GK 0 unter nicht ausge- 5. Zusätzliche Schichten an der Decken- 14.3.2 Decke mit unterseitiger
bauten Dachgeschossen Unterseite sind ohne Probleme möglich, Installationsebene (Bild 14.2)
sofern sie bezüglich desTauwasser-
14.1 Allgemeines schutzes für den Gesamtquerschnitt
unbedenklich sind (evtl. rechnerischer
Diese Decken sind zwar keine direkten Nachweis erforderlich).
Außenbauteile, haben sich aber in der
Praxis trotzdem oft als schadensträchtig
erwiesen, in aller Regel bedingt durch 14.3 Decken GK 0 nach DIN 68 800-2
Tauwasser infolge Wasserdampfkonvek-
tion (s. z.B. Bild 2.3). Deshalb ist insbe- Nachstehend werden die Konstruktions-
sondere dieser Feuchteschutz, der vor prinzipien für dieses Bauteil genannt, die
allem aus der luftdichten Ausbildung der nach DIN 68 800-2, Abschn. 9, ohne wei-
Deckenunterseite besteht, von großer teren Nachweis der GK 0 zugeordnet wer-
Bedeutung. Er ist immer erforderlich, also den dürfen, wenn die Bedingungen nach
auch dann, wenn die Hölzer chemisch Abschn. 14.2 sowie die nachstehend
geschützt sind, da sonst Feuchteschäden genannten konstruktiven Randbedingun- Bild 14.2
allgemeiner Art möglich sind. gen eingehalten werden. Decke unter nicht ausgebautem Dachge-
schoß der GK 0 nach DIN 68 800-2 mit unterseitig
angeordneter Installationsebene IE zur Aufnahme
Wie bei Außenwänden und Dächern muß von Kabeln oder dergl.; ohne oder mit Lattung
auch für solche Decken der Tauwasser- 14.3.1 Decke mit Dämmschichtauflage LB luftdicht ausgebildete Deckenbekleidung unter
Verwendung von Plattenwerkstoffen, z.B. Gipsbau-
schutz nach DIN 4108-3 bezgl. Wasser- (Bild 14.1) platten; B raumseitige Bekleidung beliebig; DS
dampfdiffusion eingehalten sein, vgl. Dampfsperre; L Lattung; HO evtl. Hohlraum; Da
Abschn. 7.2. Dämmschicht im Gefach wie unter Bild 14.1

14.2 Bedingungen nach DIN 68 800-2 An der Deckenunterseite befindet sich


eine gesonderte Installationsebene unter-
Für Decken unter nicht ausgebauten halb einer vollflächig luftdicht ausgebilde-
Dachgeschossen gelten im Grundsatz die ten Schicht LB aus plattenförmigen Stof-
gleichen Bedingungen wie für Außen- fen, z.B. Gipsbauplatten mit gespachtelten
wände GK 0, da – abgesehen vom Wetter- oder geklebten Stößen. Hierdurch beste-
schutz – ähnliche Konstruktionsprinzipien hen gute Voraussetzungen, daß die Luft-
vorliegen wie dort (s. Abschn. 11.1): dichtheit, die bei diesem Bauteil besonders
1. Zur Vermeidung eines Insektenbefalls wichtig ist, zum einen einwandfrei herge-
(vgl. auch Abschn. 10.3): Nicht belüfte- stellt und zum anderen nicht nachträglich
ter Querschnitt sowie auch keine Bild 14.1 beschädigt werden kann, was z.B. bei
Decke unter nicht ausgebautem
Insektenzugänglichkeit zu den Kon- Dachgeschoß der GK 0 nach DIN 68 800-2 mit
Folien durch Elektroinstallationsarbeiten
struktionshölzern über die beidseitigen Dämmschichtauflage DA mit 1/Λ ≥ 1,0 m2 K/W; ohne möglich ist. Die Bekleidung unterhalb der
Abdeckungen (Bild 10.2). oder mit unterseitiger Lattung L Installationsebene ist freigestellt, sie kann
LB luftdichte Bekleidung; DS Dampfsperre; HO evtl.
2. Im Gefach mineralische Faserdämm- Hohlraum; Da mineralischer Faserdämmstoff nach
also ihrerseits luftdurchlässig sein, z.B.
stoffe nach DIN 18 165-1 oder DIN 18 165-1 oder Dämmaterial mit entsprechen- Profilbrettschalung. Ausbildungen s. auch
Dämmstoffe mit entsprechendem dem Verwendbarkeitsnachweis Bild 12.4.
Verwendbarkeitsnachweis.
3. Holzfeuchte: Da bei solchen Decken i.a. An der Deckenoberseite ist eine zusätzli-
diffusionsdichtere Bekleidungen, Scha- che, vollflächige Dämmschichtauflage DA 14.3.3 Decke mit luftdichter Folie oder
lungen oder Beplankungen vorhanden mit einem Wärmedurchlaßwiderstand dergl. an der Unterseite (Bild 14.3)
sind, gelten auch hier: 1/Λ(DA) ≥ 1,0 m2 K/W angeordnet, z.B.
a) u ≤ 20% als oberer Grenzwert für Dämmaterial der WLG 040, mind. 40 mm Über der raumseitigen Deckenbekleidung
die Holzeinbaufeuchte und dick. Hierdurch wird die Gefahr der beliebiger Art ist eine Folie oder dergl.
b) der zugehörende Warnvermerk Tauwasserbildung an der Unterseite der angeordnet, die nicht nur in ihrer Fläche,
(Abschn. 11.1.4) im Fall einer erhöh- oberen Beplankung oder Schalung infolge sondern auch im Bereich ihrer Überlap-
ten Feuchte. Wasserdampfkonvektion verringert, da die pungen, Anschlüsse an andere Bauteile
4. Luftdichte Ausbildung der Raumseite in Oberflächentemperatur dort ausreichend und Durchdringungen dauerhaft luftdicht
der Fläche sowie im Bereich von An- hoch ist. Das Material für diese Dämm- ausgebildet sein muß; erff. kann sie zu-
schlüssen und Durchdringungen zur schichtauflage ist – im Gegensatz zur gleich als Dampfsperre dienen.
Vermeidung der Wasserdampfkonvek- Dämmschicht im Deckengefach – freige-
tion; die Einhaltung dieser Forderung ist stellt. Die Sicherstellung der dauerhaften Luft-
vor allem bei solchen Decken – wie die dichtheit erfordert hierbei wegen der
Erfahrung in der Praxis zeigt – von ent- mechanischen Empfindlichkeit dieser
scheidender Bedeutung. Einzelheiten s. Materialien eine besondere Ausführungs-
Abschn. 9 sowie Bild 12.4. sorgfalt. Beschädigungen, z.B. bei Instal-
Die luftdichte Deckenunterseite ist lationsarbeiten, sind unbedingt zu vermei-
keine Forderung speziell für Decken der den oder ggf. wieder voll funktionstüchtig
GK 0, sondern gilt allgemein, da es instandzusetzen. Ausführungsbeispiele
stets auch um die Vermeidung von s. Abschn. 9.3.2.
Tauwasserschäden in der Decke geht.

33
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Im Einzelfall, z.B. wenn die Ausbildung


eines Querschnittes GK 0 nach Abschn.
14.3 schwierig ist, kann es durchaus
zweckmäßig sein, die belüftete Konstruk-
tion GK 1 einzusetzen, jedoch ohne che-
mische Mittel, nämlich nach Abschn. 5.4
durch Verwendung entsprechend dauer-
hafter Hölzer, z.B. Kiefer mit einem
Splintholzanteil ≤ 10%.

Zur ausreichenden Belüftung des Decken-


Bild 14.3
Decke unter nicht ausgebautem Dachgeschoß der
hohlraumes sind die Bedingungen der
GK 0 nach DIN 68 800-2 mit unterseitiger luftdichter, DIN 4108-3, Abschn. 3.2.3.3.1, b), einzu-
unbeschädigter Folie oder dergl.; ohne oder mit halten, d.h.
Lattung L
F sorgfältig verlegte, luftdichte Folie, auch im
a) Hohlraumdicke SL ≥ 5 cm
Bereich von Durchdringungen und Anschlüssen; b) Zu- und Abluftöffnungen an beiden
B beliebige Bekleidung Stirnseiten jeweils ≥ 1/500 der
Deckengrundfläche
c) Schichten unterhalb des belüfteten
14.4 Sonderfälle Hohlraums mit sd ≥ 10 m. Bild 14.6
Decken GK 0 unter nicht ausgebauten Dachge-
schossen, belüfteter Querschnitt mit insektenun-
14.4.1 Decke GK 0 nach DIN 68 800-3 Diese Möglichkeit des Einsatzes einer durchlässiger Abdeckung der Deckenbalken, aus [7]
(Bild 14.4) belüfteten Konstruktion unter Verwendung a Abdeckung durch bis zur Unterkante der oberen
Schalung seitlich hochgezogene oder hochkant ange-
dauerhafter Hölzer bei Verzicht auf chemi- ordnete Dämmschicht Da;
Wie bereits Flachdächer (vgl. Bild 13.1) sche Mittel existiert selbstverständlich auch b Abdeckung durch dreiseitig um den Balken gelegte
können auch Decken unter nicht ausge- für andere Bauteile, z. B. für geneigte Folie F, diffusionsoffen (sd ≤ 0,2 m), noch besser
extrem diffusionsoffen (sd ≤ 0,02 m)
bauten Dachgeschossen schon auf Grund Dächer.
des Teils 3 der Norm der GK 0 zugeordnet
werden, wenn sie ohne untere Beklei-
dung mit dreiseitig sichtbaren Decken-
balken ausgeführt werden, so daß ein
unkontrollierbarer Insektenbefall nicht auf-
treten kann.

Bild 14.5
Belüfteter Deckenquerschnitt GK 1 unter nicht aus-
gebauten Dachgeschossen (Prinzip);
bei Einsatz von gegen Insektenbefall resistenten
Hölzern, z.B. Kiefer mit Splintholzanteil ≤ 10%,
chemische Mittel nicht erforderlich
Bild 14.4 B Bekleidung (erff. mit Dampfsperre), luftdicht
Decke GK 0 nach DIN 68 800-3 unter nicht ausge-
bautem Dachgeschoß; ohne untere Bekleidung mit
dreiseitig sichtbaren Deckenbalken
AR Aufenthaltsraum, Seh Schalung, Da Dämm- 14.4.3 Belüftete Decke GK 0
schicht, beliebig, z.B. Hartschaum, GB evtl. Gehbelag (Bild 14.6)

Auch bei Decken GK 0 ist es möglich,


sich – wie bereits unter 14.4.2 zur GK 1
ausgeführt – des großen Vorteils des be-
14.4.2 Belüftete Decke GK 1 ohne che- lüfteten Hohlraums für die feuchtetechni-
mischen Holzschutz (Bild 14.5) sche Robustheit der Decke zu bedienen
und zusätzlich lediglich konstruktiv für
Der im Sinne von DIN 4108-3 ausreichend einen Schutz gegen den unkontrollierba-
belüftete Deckenquerschnitt stellt – wie ren Insektenbefall zu sorgen. Diese
die Praxis in der Vergangenheit immer Bedingung wird erfüllt, wenn die an den
wieder bestätigt hat – die konstruktiv belüfteten Hohlraum grenzenden Flächen
sicherste Lösung bezgl. des Feuchte- der Deckenbalken vor einer Eiablage der
schutzes und damit auch des Pilzschutzes Insekten geschützt werden, z.B. durch
dar. Der Nachteil der Belüftung ist jedoch Abdeckung mit diffusionsoffenen
der mögliche unkontrollierbare Insekten- Materialien, wie Folien (ansonsten als
befall, woraus sich nach DIN 68 800-3 die Unterspannbahnen eingesetzt) oder mine-
Einstufung in die GK 1 ergibt. ralischen Faserdämmstoffplatten.

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

15 Holzkonstruktionen GK 0 in nicht Die Konstruktionshölzer gelten in solchen 16 Holzbauteile GK 0 in


ausgebauten Dachräumen Dachräumen als einsehbar, solange sie Naßbereichen
raumseitig nicht durch Schalungen oder
Da solche Konstruktionen auf Grund ihrer dergl. verdeckt sind. 16.1 Allgemeines
Lage und ihrer harmlosen klimatischen
Beanspruchung in aller Regel nicht feuch- Bei baufeuchten Massivdecken unterhalb Unter ‘Naßbereichen’ im Wohnungsbau
tegefährdet sind, kann die Einstufung in der Dachkonstruktion ist folgendes zu werden hier solche Bereiche innerhalb
die GK 0 erfolgen, wenn entweder beachten: ‘trockener’ Räume (z.B. in privaten
a) kein Insektenbefall möglich ist oder Bädern) verstanden, die nutzungsbedingt
b) ein möglicher Insektenbefall kontrollier- 1. Bei diffusionsoffener Dachhaut sind mehr oder weniger häufig durch Spritz-
bar ist. die Kontaktflächen der Hölzer zur wasser oder dergl. beansprucht werden
Massivdecke (Unterseite von Schwellen (Duschwände, Badfußböden oder dergl.).
Zu a): Kein Insektenbefall oder dergl.) durch eine zwischengelegte
Sperrschicht vor kapillarer Feuchtelei- Auch dort sollte der Einsatz von Holzbau-
Die Verhinderung des Insektenbefalls tung zu schützen. teilen GK 0 angestrebt werden. Das ist
durch eine allseitig insektenundurchlässig nach Dl N 68 800-2 möglich, wenn
ausgebildete Gebäudehülle im Bereich 2. Bei diffusionsdichter Gebäudehülle im
des Dachgeschosses ist dann erforderlich, Dachgeschoßbereich (z.B. geschalte a) die Bauteiloberflächen derart ausgebil-
wenn der Dachraum nicht oder nur sehr Dach- und Wandflächen mit Abdeckun- det werden, daß sie – auch im Bereich
schwer zugänglich/einsehbar ist, z.B. bei gen unter Verwendung von Bitumen- von evtl. Durchdringungen (Armaturen
Dachkonstruktionen aus satteldachförmi- bahnen) ist zumindest vorübergehend oder dergl.) oder Anschlüssen an ande-
gen, fachwerkartigen Nagelplattenbindern (Dauer mindestens etwa 1 Jahr), noch re Bauteile – gegen eindringendes Was-
(Bild 15.1). besser jedoch ständig, durch Lüftungs- ser dauerhaft dicht ausgebildet sind;
öffnungen, z.B. in den Traufenunter- falls diese Forderung auf Grund beson-
seiten oder in Ortgängen, für einen derer Umstände nicht erfüllbar ist, was
schnellen Abtransport der hohen Bau- vor allem bei Holzbalkendecken unter
feuchte aus der Massivdecke zu sorgen. Duschen oder Badewannen der Fall sein
Diese Maßnahme ist in solchen Situa- kann, dürfen
tionen generell, also auch bei chemisch
geschützten Hölzern, erforderlich. b) die Bauteile durch evtl. eindringende
Feuchte (z.B. bei ‘Unfällen’ mit Wasch-
Bei Konstruktionen, bei denen die Hölzer maschinen, Badewannen) nicht gefähr-
zwar einsehbar, aber zugleich auch insek- det werden; deshalb ist in solchen
tenzugänglich sind, muß stets mit einem Fällen konstruktiv dafür zu sorgen, daß
Bild 15.1
Beispiel für unzugänglichen Dachraum durch tatsächlichen Befall gerechnet werden, zum einen kleinere Feuchtemengen aus
geschlossene Deckenunterseite (1), d.h. nicht ein- der allerdings im Regelfall auch entdeckt dem Bauteilquerschnitt schnell wieder
sehbare Hölzer (2); die gesamte Hülle des Dachge- wird. Von den Eigenheiten des jeweiligen durch Dampfdiffusion entweichen kön-
schosses, z.B. Dach, Giebelwände, ist insektenun-
durchlässig auszubilden (3); Befalls (z.B. Lage und Umfang) wird es nen und zum anderen größere Mengen
Ausführungsmöglichkeiten s. Bild 10.2 abhängen, ob bzw. welche Bekämpfungs- umgehend sichtbar werden (z.B. durch
maßnahmen (z.B. mit chemischen Mitteln Verfärbungen an der Deckenunterseite),
oder Heißluftverfahren) vorzunehmen sind. so daß im Ernstfall eine unverzügliche
Behebung des Schadens möglich ist;
Solche Dachbinder können auch über diese beiden Bedingungen werden er-
Gewerberäumen oder dergl. der GK 0 füllt, wenn die Deckenunterseite mög-
zugeordnet werden, wenn nicht nur die lichst diffusionsoffen ausgebildet ist
genannte Bedingung zur Vermeidung (optimal ist eine Bekleidung lediglich
eines Insektenbefalls eigehalten ist, son- aus Gipsbauplatten) und ferner im
dern auch sichergestellt ist, daß der nicht Deckenquerschnitt keine feuchtespei-
einsehbare Dachraum keine unzulässige chernden Materialien angeordnet sind;
klimatische Feuchtebeanspruchung aus extrem ungünstig waren die früher hier-
der Nutzung des darunterliegenden für oft verwendeten Schüttstoffe aus
gewerblichen Raumes erfährt, d.h. die Bims o.a., vgl. auch Bild 16.1a).
Decke zwischen Nutzraum und Dachraum
ist wärmegedämmt, feuchtesperrend
(gegen Wasserdampfdiffusion) und luft- 16.2 Fußböden in Naßbereichen
dicht (zur Vermeidung einer Konvektion in
den Dachraum) auszubilden. Ausführliche Angaben und Ausführungs-
vorschläge sind im Informationsdienst
Zu b): Insektenbefall kontrollierbar Holz „Holzbauteile in Naßbereichen“ [19]
enthalten.
Die Kontrollierbarkeit eines Insekten-
befalls gilt als gegeben, wenn der 16.3 Wände in Naßbereichen
Dachraum zugänglich ist (auch über
Einschubtreppe oder dergl.) und zumin- Werden die im oben genannten Informa-
dest in Teilbereichen begangen werden tionsdienst für die Ausbildung der Wand-
kann, dort also eine Höhe von mindestens oberflächen vorgeschlagenen Ausbildun-
etwa 2 m aufweist. gen direkt oder sinngemäß angewandt,

35
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

können solche Wände entsprechend der 17 Holzwerkstoffe und ihre – 100G: Außenbereiche (mit Wetterschutz)
DIN 68 800-2 der Gefährdungsklasse Anwendungsbereiche mit Gefahr einer zeitweise
GK 0 zugeordnet werden. größeren Feuchtebelastung.
17.1 Allgemeines
Bei der Klassifizierung dürfen die oben
17.1.1 Im Holzbau verwendete genannten maximalen Holzfeuchten für
Plattenwerkstoffe die Ermittlung der erforderlichen Holzwerk-
stoffklasse nur in Anwendungsfällen her-
Aus dem heutigen Holzbau sind die viel- angezogen werden, die in der Norm nicht
fältigen Plattenwerkstoffe, auch als sta- ausdrücklich genannt sind.
tisch mitwirkende Teile, nicht mehr weg-
zudenken. Diese Werkstoffe lassen sich Die Anwendung einer höheren Holzwerk-
folgendermaßen einteilen: stoffklasse als nach der Norm vorgegeben
ist nur für den Fall
a) Genormte Holzwerkstoffe 20 → 100,
– Bau-Furniersperrholz nach nicht dagegen für die Fälle
DIN 68 705-3 und -5 20 → 100G
– Spanplatten nach DIN 68 763 100 → 100G
– Harte und Mittelharte zulässig, wenn es sich bei der Klasse
Holzfaserplatten nach DIN 68 754-1 100G um mit chemischen Mitteln ge-
b) Nicht genormte Holzwerkstoffe schützte Platten handelt, die mit Rück-
Zu ihnen gehören z.B. mineralisch sicht auf den Umwelt- und Gesundheits-
gebundene Spanplatten. Ihr Einsatz schutz sowie im Hinblick auf eine spätere
wird über allgemeine bauaufsichtliche Entsorgung nicht mehr ohne Erfordernis
Zulassungen geregelt eingesetzt werden dürfen.
c) Andere Plattenwerkstoffe
Genormte oder nicht genormte Werk- Die Holzwerkstoffklassen 20 /100 / 100G
stoffe, deren statisch mitwirkende stellen auch den ‘Maßstab’ für die An-
Bild 16.1
Beispiele für Konstruktionsprinzipien von Holz- Anwendung auf der Grundlage bauauf- wendungsbereiche der übrigen, bauauf-
balkendecken unter Naßbereichen, z.B. Bädern, aus sichtlicher Zulassungen erfolgen muß; sichtlich zugelassenen Holzwerkstoffe
[7]
hierzu gehören vor allem Platten auf und sonstigen Plattenwerkstoffe dar.
a) ungünstig bei im Querschnitt außerplanmäßig, d.h.
ungewollt vorhandener Feuchte: Decke mit feuchte- überwiegend mineralischer Basis, z.B.
speicherndem Einschub (z.B. aus Schlacke, Lehm, Gipskartonplatten (genormt) oder Gips-
Bims oder anderen anorganischen oder organischen
faserplatten (nicht genormt). 17.1.3 Nicht genormte Holzwerkstoffe
Schüttstoffen)
b) empfehlenswert: Decke mit diffusionsoffener und andere Plattenwerkstoffe
Unterseite (Bekleidung aus Gipsbauplatten) und nicht 17.1.2 Genormte Holzwerkstoffe
feuchtespeichernder Dämmschicht aus mineralischen
Für solche Werkstoffe wird die Verwen-
Faserdämmstoffen, zur Hohlraumdämpfung (Schall-
schutz), evt. auch für Brandschutz erforderlich In DIN 68 800-2 sind die Holzwerkstoff- dung als ‘wesentliche’ Teile in der jeweili-
klassen ‘20’, ‘100’ und ‘100G’ festgelegt. gen bauaufsichtlichen Zulassung geregelt;
Im vorgesehenen Anwendungsbereich darin werden auch die feuchteschutztech-
16.4 Decken unter Naßbereichen dürfen folgende maximale Plattenfeuch- nisch zulässigen Anwendungsbereiche
ten max u (bezogen auf die Plattenmasse) genannt.
Auch diese Bauteile dürfen nach DIN nicht überschritten werden:
68 800-2 der Gefährdungsklasse GK 0 – Klasse 20: 15% 1)
zugeordnet werden, wenn für die eigentli- – Klasse 100: 18% 17.2 Anwendungsbereiche nach
chen Nutzflächen Fußbodenausbildungen – Klasse 100G 2): 21% DIN 68 800-2
auf der Grundlage von Abschn. 16.2
gewählt werden und das Konstruktions- 1)Für Holzfaserplatten: 12%. Die feuchte- oder holzschutztechnisch
prinzip der Decke Bild 16.1b entspricht. 2)Platten mit Pilzschutz, bei Bau-Furnier- bedingten Anwendungsbereiche für die
sperrholz alternativ auch durch Verwen einzelnen Holzwerkstoffklassen sind in
Dagegen erscheint es im allgemeinen düng entsprechend dauerhafter Holz- DIN 68 800-2, Tabelle 3, festgelegt.
nicht zweckmäßig, unterhalb von Dusch- arten. Diese Festlegungen gelten für tragende
tassen oder Badewannen auf der Decke oder aussteifende Platten; für statisch
eine wasserundurchlässige Abdeckung Die vorhandenen Holzwerkstoffklassen nicht wirksame Bekleidungen oder dergl.
aufzubringen, die bei einem ungewollten sind für genormte Platten unterschiedlich: sind die Angaben unverbindlich, sie soll-
Feuchteanfall zu einer unübersichtlichen – Sperrholz und Spanplatten: ten aber auch in solchen Fällen zugrunde
Feuchtewanderung inner- oder unterhalb 20 /100 /10OG gelegt werden.
des Badfußbodens führen könnte. – Holzfaserplatten lediglich: 20
Bild 17.1 zeigt eine schematische Über-
Inspektions- oder Lüftungsöffnungen in In DIN 68 800-2 sind die für die einzelnen sicht über die unterschiedlichen Einsatz-
der Wannen- oder Duschtassenbekleidung Holzwerkstoffklassen zulässigen Anwen- bereiche der Holzwerkstoffklassen nach
sind in jedem Fall sinnvoll, da man dann in dungsbereiche festgelegt. Diese lassen DIN 68 800-2 für tragende oder ausstei-
Problemsituationen schnell und gezielt sich in etwa wie folgt beschreiben: fende Platten im Wohnungsbau sowie
reagieren kann. – 20: Innenbereiche in Wohnungen und für Gebäude mit vergleichbarer Nutzung
klimatisch vergleichbare Anwendung und somit ähnlicher klimatischer Bean-
– 100: Außenbereiche (mit Wetterschutz) spruchung.
und nur geringe Feuchtebelastung

36
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Bild 17.1 Bild 17.2


Erforderliche Holzwerkstoffklassen nach DIN 68 800-2; Anwendungsbereiche für statisch mitwirkende Obere Beplankungen/Schalungen B von Decken unter
Holzwerkstoffe, schematische Übersicht; die Angaben 17.2 bis 17.4 verweisen auf die zugehörenden Bilder nicht ausgebauten Dachgeschossen, erforderliche
Holzwerkstoffklassen nach DIN 68 800-2; schema-
Klasse 20: Ausreichend für alle schwarz angelegten Innenbeplankungen/Schalungen von Wänden und tisch
Decken, auch in den angegebenen nicht ausgebauten Bereichen a belüftete Decke: 20
b nicht belüftete Decke, n.b. nicht belüfteter
F Fußboden oberhalb der Beplankung (statisch nicht mitwirkend, d.h. keine Anforderungen): Wohnbereich: Hohlraum: 100
unbedenklich, empfohlen Klasse 20; Badbereich: von Holzwerkstoffen ist abzuraten, vgl. Abschn. 17.3.2 (die Hinweise in Abschn. 14.3.2 und 14.3.3 zu die-
ser Konstruktion sind unbedingt zu beachten)
NB Naßbereich, z.B. Dusche (unterbrochen angelegt): c nicht belüftete Decke mit Dämmschichtauflage DA
Holzwerkstoffbeplankungen mit direkt aufgebrachtem Feuchteschutz (Fliesen, Beschichtungen) sind unzulässig. mit 1/Λ ≤ 0,75 m2 K/W: 20

Bild 17.3
Außenbeplankungen AB von Außenwänden, erforderliche Holzwerkstoffklassen nach DIN 68 800-2; schematisch
BH belüfteter Hohlraum, SL stehende Luft
a vorgehängter, hinterlüfteter Wetterschutz WS: 100
b vorgehängter, nicht hinterlüfteter Wetterschutz, Beplankung außenseitig abgedeckt mit wasserabweisender, diffusionsoffener Folie oder dergl. (F 0,2) mit sd ≤ 0,2 m: 100
c außenliegendes Wärmedämm-Verbundsystem WDVS: 100
d direkte Abdeckung der AB mit Holzwolleleichtbauplatten HWL mit mineralischem Putz MP: unzulässig (sofern nicht spezieller Verwendbarkeitsnachweis vorliegt)
e Mauerwerk-Vorsatzschale MW mit Hohlraum (BH1) nach DIN 1053-1, AB abgedeckt mit diffusionshemmender Folie oder dergl. (F 1,0) mit sd ≥ 1,0 m: 100
f wie e, AB abgedeckt mit mind. 30 mm dicken Hartschaumplatten HS: 100

37
Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

17.3 Unzulässige Anwendungen für


Holzwerkstoffe

In DIN 68 800-2, Abschn. 11.3, werden


folgende unzulässige Einsatzgebiete als
sog. ‘kritische’ Anwendungsbereiche
ausgewiesen:
– Außenbeplankungen von
Außenwänden mit Direktbeschichtung
– in Naßbereichen
– in Neubauten mit sehr hoher
Baufeuchte
– in Feucht- und Naßräumen

17.3.1 Außenbeplankungen von


Außenwänden mit Direkt-
beschichtung

Eine Direktbeschichtung (mit Lacken auf


Kunstharzbasis oder dergl.) von Außen-
wandbeplankungen aus Spanplatten
nach DIN 68 763 als Wetterschutz (Bild
17.7) ist unzulässig, wenn die Wände
nicht vollständig (einschl. der Beschich-
tung) werksseitig hergestellt und durch
denselben Betrieb montiert werden.

Bild 17.4
Oberseitige Beplankungen/Schalungen DB von
geneigten Dächern, erforderliche Holzwerkstoff-
klassen nach DIN 68 800-2; schematisch
a Dachquerschnitt belüftet, Beplankung DB mit
wasserableitender Schicht WS abgedeckt: 100
b Dachquerschnitt nicht belüftet (n.b.), Beplankung
DB mit wasserableitender Schicht WS abgedeckt:
100G
Anmerkung: von einem solchen Querschnitt muß Bild 17.7
im allgemeinen abgeraten werden, da er feuchte- Außenwandbeplankungen AB aus Holzwerkstoffen
gefährdet sein kann (Wasserdampfkonvektion). mit Direktbeschichtung als Wetterschutz WS sind
c Dachquerschnitt nicht belüftet, Wärmeschutz nur zulässig, wenn sie in Fertighaus-Betrieben herge-
(Dämmschicht Da) überwiegend oberhalb der stellt und von ihnen montiert werden; schematisch
Beplankung DB, keine dampfsperrende Schicht DS Bild 17.6
unterhalb der Beplankung: 100 Oberseitige Beplankungen/Schalungen DB von
Flachdächern; erforderliche Holzwerkstoffklassen
nach DIN 68 800-2; schematisch
a Dach mit oberseitiger Dämmung, Beplankung DB
17.3.2 Naßbereiche (z.B. Duschen) mit
steht unterseitig mit der Raumluft in Verbindung: direkt aufgebrachtem Feuchte-
20 schutz
b Sonderfall: Dach über unbeheizten Räumen, z.B.
Lagerhallen; Beplankung DB steht unterseitig mit
der Raumluft in Verbindung: 100G Siehe auch Anmerkung zu ‘NB’ unter
c nicht belüftetes Dach, Wärmeschutz überwiegend Bild 17.1. Hier besteht die Gefahr, daß
oberhalb der Beplankung DB, keine dampfsperren-
de Schicht DS unterhalb der Beplankung: 100
durch Leckagen im Oberflächenschutz
d belüftetes Dach: 100G (z.B. Haarrisse) oder durch sorptiv be-
Anmerkung: von einem solchen Querschnitt muß dingte Veränderungen der Plattenfeuchte
im allgemeinen abgeraten werden, da er feuchte-
gefährdet sein kann
Formänderungen des Holzwerkstoffes
auftreten, die vor allem bei spröden Be-
lägen (Fliesen) zu einer Beeinträchtigung
des Feuchteschutzes und damit des
Plattenwerkstoffes führen können.

17.3.3 Neubauten mit sehr hoher


Baufeuchte (Raumluftfeuchte)

In solchen Situationen muß mit einer


Plattenfeuchte u > 18% gerechnet wer-
Bild 17.5 den. Kann mit dem Einbau der Platten
Flachdächer; erforderliche Holzwerkstoffklassen nach DIN 68 800-2 für Beplankungen/Schalungen; schematisch
– an der Dachunterseite: 20
nicht gewartet werden, bis die hohe
– an der Dachoberseite: s. Bild 17.6 Baufeuchte abgeklungen ist, ist der

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Baulicher Holzschutz holzbauhandbuch Reihe 3, Teil 5, Folge 2

Einsatz dieser Werkstoffe für tragende Zitierte Vorschriften Leitfaden für die Anforderungen an die Dauer-
oder aussteifende Zwecke nicht zulässig. haftigkeit von Holz für die Anwendung in
In Klammern ( ) das Jahr der Ausgabe oder der Gefährdungsklassen (1994)
Aber auch bei statisch unbedeutendem Fassung.
Wärmeschutzverordnung
Einsatz wird von einer solchen Verwen- DIN 1052-1 Verordnung über einen energiesparenden
dung abgeraten, da die zu erwartenden Holzbauwerke; Berechnung und Ausführung Wärmeschutz bei Gebäuden vom 16.8.1994
feuchtebedingten Formänderungen der (1988)
Platten die Gebrauchstauglichkeit der DIN 1053-1 Literatur
Konstruktion erheblich beeinträchtigen Mauerwerk; Rezeptmauerwerk; Berechnung
können. und Ausführung (1990) [1] Schulze, H.: Holzschutz; Baulicher Holz-
DIN 4108 schutz. Informationsdienst Holz der EGH. 1991.
Wärmeschutz im Hochbau (1981) [2] Lewitzki, W., Schulze, H.: Holzschutz;
DIN 4108-2 Bauliche Empfehlungen. Informationsdienst
17.3.4 Feucht- oder Naßräume mit
– ; Wärmedämmung und Wärmespeicherung; Holz der EGH. 1997.
ständig hoher relativer Luft-
Anforderungen und Hinweise für Planung und [3] Hauser, G., Stiegel, H.: Wärmebrückenatlas
feuchte (z.B. Ställe)
Ausführung für den Holzbau. Bauverlag.1992.
DIN 4108-3 [4] Kommentar zu DIN 68 800. Druck für 1997
Bei Verwendung in Räumen mit einer – ; Klimabedingter Feuchteschutz; Anforderun- vorgesehen.
über längere Zeit wirkenden hohen relati- gen und Hinweise für Planung und Ausführung [5] Schulze, H.: Sicherung des baulichen Holz-
ven Raumluftfeuchte (ϕ ≥ 80%), wie sie DIN 4108-4 schutzes; Grundlagen und bauliche Auswirkun-
im Stallbau oder in speziellen Gewerbe- –; Wärme- und feuchteschutztechnische gen der Festlegungen in DIN 68 800-2
betrieben möglich ist, gilt das in 17.3.3 Kennwerte (Ausgabe 1996). Forschungsbericht. 1997.
Gesagte in besonderem Maße. DIN 4108-5 [6] Schulze, H.: Dampfsperren in Holzaußen-
– ; Berechnungsverfahren bauteilen – Erfordernis und Risiko. Bauphysik.
Maßgebend für den Ausschluß ist allein DIN V 4108-7 Heft 6. 1996.
schon die große Gleichgewichtsfeuchte – ; Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüs- [7] Schulze, H.: Holzbau – Wände, Decken,
mit der Gefahr von Beeinträchtigungen sen (1996) Dächer – Konstruktion, Bauphysik, Holzschutz.
des Plattengefüges und von größeren DIN 18 164-1 Teubner-Verlag. 1996.
Schaumkunststoffe als Dämmstoffe für das [8] Schulze, H.: Möglichkeiten und Grenzen
Formänderungen. Ein solcher Einsatz
Bauwesen; Dämmstoffe für die Wärme- des baulichen/chemischen Holzschutzes.
erscheint nur möglich, wenn sicherge-
dämmung (1992) Forschungsbericht. 1989.
stellt ist, daß durch eine dauerhaft wirk-
DIN 18 165-1 [9] Schulze, H.: Überprüfung der Notwendig-
same, dampfdichte Abdeckung der Faserdämmstoffe für das Bauwesen; keit von Dampfsperren durch Klimaversuche an
Werkstoffe an der Raumseite die Dämmstoffe für die Wärmedämmung (1991) Dächern mit weitgehend dampfdurchlässiger
Plattenfeuchte durch das extreme DIN 18 180 unterer Bekleidung. Forschungsbericht. 1991.
Raumklima nicht unzulässig beeinflußt Gipskartonplatten; Arten, Anforderungen, [10] Schulze, H.: Außenwände in Holztafelbau-
werden kann. Diese Einsatzmöglichkeit Prüfung (1989) art mit Mauerwerk-Vorsatzschalen; Teil 2 –
erscheint jedoch unter Berücksichtigung DIN 18550-1 Freilandversuche. Forschungsbericht. 1997.
der in der Praxis zu erwartenden mecha- Putz; Begriffe und Anforderungen (1985) [11] Schulze, H.: Untersuchung nicht belüfte-
nischen Beanspruchungen solcher DIN 68 364 ter Dachquerschnitte hinsichtlich des Austrock-
Bauteiloberflächen wenig realistisch. Kennwerte von Holzarten; Festigkeit, Elastizität, nungsverhaltens von zu feucht eingebauten
Resistenz (1979) Holzteilen, Versuchsreihe V7. Interner
DIN 68 705-3 Forschungsbericht, nicht veröffentlicht. 1995.
Sperrholz; Bau-Furniersperrholz (1981) [12] Schulze, H.: Holzhäuser, eine Entschei-
DIN 68 705-5 dung für Generationen; Aussagen zur Lebens-
– ; Bau-Furniersperrholz aus Buche (1980) dauer. Informationsdienst Holz der EGH. 1991.
DIN 68 754-1 [13] Schulze, H.: Nachträglicher Dachgeschoß-
Harte und mittelharte Holzfaserplatten für das ausbau. Informationsdienst Holz der EGH. 1992.
Bauwesen; Holzwerkstoffklasse 20 (1976) [14] Schulze, H.: Warum diffusionsoffene Unter-
DIN 68 755 spannbahnen? wksb – Zeitschrift für Wärme-
Holzfaserdämmplatten für das Bauwesen; schutz – Kälteschutz – Schallschutz -
Begriff, Anforderungen, Prüfung, Überwachung Brandschutz. Heft 33. 1993.
(1992) [15] Schulze, H.: Vorschläge zur Reduzierung
DIN 68 763 des chemischen Holzschutzes in Wohngebäuden.
Spanplatten; Flachpreßplatten für das Holz als Roh- und Werkstoff. S. 373–381. 1989.
Bauwesen; Begriffe, Eigenschaften, Prüfung, [16] Schulze, H.: Geneigte Dächer ohne che-
Überwachung (1990) mischen Holzschutz? wksb – Zeitschrift für
DIN 68 800-2 Wärmeschutz – Kälteschutz – Schallschutz -
Holzschutz; Vorbeugende bauliche Maßnahmen Brandschutz. Heft 27. 1989.
im Hochbau (1996) [17] Schulze, H.: Geneigte Dächer ohne che-
DIN 68 800-3 mischen Holzschutz auch ohne Dampfsperre?
– ; Vorbeugender chemischer Holzschutz (1990) bauen mit holz. S. 646-659. 1992.
DIN EN 350-2 [18] Schulze, H.: Decken unter nicht ausge-
Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten - bauten Dachgeschossen, bauen mit holz.
Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz; Teil 2: S. 26–30. 1993.
Leitfaden für die natürliche Dauerhaftigkeit und [19] Schulze, H.: Holzbauteile in Naßberei-
Tränkbarkeit von ausgewählten Holzarten von chen. Informationsdienst Holz der EGH. 1987.
besonderer Bedeutung in Europa (1994) [20] Schulze, H.: Schäden an Wänden und
DIN EN 460 Decken in Holzbauart. IRB-Verlag. 1993.
Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten - [21] Grünzweig + Hartmann AG: Dämmstoff-
Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz; anordnung, Volldämmung nach DIN 4108.

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